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Untersucher-CAVE: Erhebung der Krankengeschichte https://www.aps-ev.de/

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Patientensicherheit weist Mängel auf

  • Fehldiagnosen, falsche Verschreibung von Medikamenten, unzureichende Erhebung der Krankengeschichte
  • Patientinnen und Patienten wissen eine Menge zu erzählen, wenn es um Mängel der ambulanten medizinischen Versorgung geht – sofern man sie fragt. 

Ein Team um den Marburger Gesundheitsversorgungsforscher Professor Dr. Max Geraedts hat das nun erstmals systematisch getan. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler befragten 10.000 Bürgerinnen und Bürger, welche Probleme sie bei niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten erlebt haben. Die Forschungsgruppe berichtet im Fachjournal BMJ Open über ihre Ergebnisse. 

Der Mediziner Professor Dr. Max Geraedts leitete die erste Studie zur Patientensicherheit in der ambulanten Versorgung.
Der Mediziner Professor Dr. Max Geraedts leitete die erste Studie zur Patientensicherheit in der ambulanten Versorgung. Foto: Bert Bostelmann / Wort & Bild-Verlag; 
 
Viele Menschen suchen zuerst die Praxis von niedergelassenen Ärztinnen oder Ärzten auf, wenn sie medizinische Hilfe oder Rat benötigen; „trotzdem gibt es so gut wie keine Daten über Probleme mit der Patientensicherheit in der ambulanten Versorgung, weder in der Bundesrepublik noch international“, erklärt der Mediziner Max Geraedts von der Philipps-Universität Marburg, der die Studie leitete.

  • Dabei zeigen Schätzungen für den stationären Bereich, dass die Patientensicherheit sehr wohl verbesserungsbedürftig ist: 
  • Demnach erleiden 5-10 Prozent aller Krankenhauspatientinnen und -patienten unvorhergesehene Schädigungen.

Wie steht es in der ambulanten Versorgung um die Patientensicherheit? 

Geraedts und sein Team befragten mittels eines neu entwickelten Erhebungsbogens 10.000 Personen über 39 Jahre, die zufällig ausgewählt worden waren.

Das Ergebnis: 14 Prozent der Teilnehmerinnen und Teilnehmer berichteten über Probleme, die aufgetreten seien, wenn sie niedergelassene Ärztinnen oder Ärzte konsultierten. Die telefonische Umfrage dokumentiert mehr als 2.500 Einzelfälle.

Bei 61 Prozent davon geht es um unzureichend erhobene Vorgeschichten der Patientinnen und Patienten oder um unzulängliche Diagnostik. 

  • In 75 Prozent der Fälle klagten die Betroffenen über schädliche Folgen wie unnötig lang anhaltende Schmerzen oder die Verschlechterung ihres Gesundheitszustands, die auf die Probleme bei der Behandlung zurückgingen; 
  • bei 35 Prozent der Vorkommnisse kam es demnach zu dauerhaften Schäden, 
  • 31 Prozent lösten weitere Arztbesuche, 
  • 14 Prozent Notfallbehandlungen und 
  • 10 Prozent Krankenhausaufenthalte aus. 
  • Auf Allgemeinmediziner entfielen 44 Prozent der Patientenberichte, 
  • auf Orthopäden 15 Prozent und
  • auf Internisten 10 Prozent.

„Unsere Ergebnisse belegen, dass Probleme der Patientensicherheit in der ambulanten Versorgung häufig sind, oft mit Gesundheitsschäden einhergehen und zusätzliche Behandlungen nach sich ziehen“, resümiert Geraedts. „Die Ergebnisse können helfen, kritische Situationen zu erkennen und gezielte Maßnahmen zur Vermeidung von Problemen zu entwickeln.“

Darüber hinaus zeige die Studie, dass Patientenberichte eine wertvolle Quelle zur Identifizierung von Sicherheitsproblemen seien; sie könnten demnach dazu beitragen, die Patientensicherheit zu verbessern.

Diesen Aspekt betont auch das „Aktionsbündnis Patientensicherheit“ APS in einer Stellungnahme:

Grundsätzlich sei es schwierig, Probleme mit der Patientensicherheit zu erheben, weil die Einschätzung von professionellen Kräften und Betroffenen variiere.

„Im Aktionsbündnis sind wir davon überzeugt, dass es von unschätzbarem Wert ist, die Patientinnen und Patienten selbst einzubeziehen, um die Sicherheit in der Versorgung zu bewerten und zu verbessern“, sagt Marcel Weigand, Generalsekretär im APS.

Der Mediziner Professor Dr. Max Geraedts lehrt Versorgungsforschung und Klinische Epidemiologie an der Philipps-Universität Marburg. Neben Geraedts Arbeitsgruppe beteiligte sich Dr. Johannes Leinert vom Sozialforschungs-institut Infas an der Studie. Der Gemeinsame Bundesausschuss, eine Einrichtung der Selbstverwaltung im deutschen Gesundheitswesen, unterstützte die zugrundeliegende Forschungsarbeit finanziell.

Originalveröffentlichung: Max Geraedts & al.: Patient safety in ambulatory care from the patient's perspective: a retrospective, representative telephone survey BMJ Open (2020), DOI: 10.1136/bmjopen-2019-034617

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Professor Dr. Max Geraedts,
Institut für Versorgungsforschung und Klinische Epidemiologie
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E-Mail: geraedts@uni-marburg.de

Johannes Scholten Philipps-Universität Marburg

Biegenstraße 10
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Deutschland
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Hausärzte: Der frauliche Herzinfarkt ....

Medizin am Abend Berlin Fazit: Frauen sterben im ersten Jahr nach einem Herzinfarkt deutlich häufiger als Männer

Herzinfarkte sind für Frauen bedrohlicher als für Männer. 

Ein Team der Technischen Universität München (TUM) hat jetzt herausgefunden, dass Frauen insbesondere im ersten Jahr nach einem Infarkt einem deutlich höheren Risiko ausgesetzt sind, zu sterben, als Männer mit vergleichbarer Krankengeschichte. 

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler appellieren deswegen an die behandelnden Ärzte, gerade in den ersten 365 Tagen Infarktpatientinnen besonders intensiv zu betreuen.  
  • Herzinfarkte gelten nach wie vor als Männerkrankheit. 
Das stimmt insofern, als dass Männer ungefähr zwei Drittel der Patienten ausmachen, die wegen Infarkten stationär behandelt werden. 
Studien aus den vergangenen Jahren zeigen aber, dass Frauen öfter an Herzinfarkten und ihren Folgen sterben als Männer. 
Einer der Gründe dafür ist, dass Frauen „andere“ Herzinfarkte bekommen: 

Zum Zeitpunkt des Infarkts sind sie statistisch gesehen zehn Jahre älter und haben häufiger Begleiterkrankungen wie Diabetes.

  • Zudem werden Infarkte bei Frauen seltener durch lokale Gefäßverengungen ausgelöst, die vergleichsweise leicht erweitert werden können. 
  • Stattdessen sind die Herzarterien häufiger diffus befallen; lokale Dehnungsversuche sind in diesen Fällen wenig aussichtsreich.

„Wir wollten herausfinden, ob die Gefahr, nach einem Herzinfarkt zu sterben für Frauen auch dann größer ist, wenn man solche Faktoren herausrechnet“, beschreibt Erstautorin Dr. Romy Ubrich den Ansatz ihrer Untersuchung.
Als Grundlage der Arbeit dienten Patientendaten, die in zwei Studien („ISAR-RISK“ und „ART“) mit insgesamt rund 4100 Teilnehmerinnen und Teilnehmern gesammelt wurden.

Risiko 1,5 mal so hoch

„Schaut man sich den gesamten Untersuchungszeitraum von fünf Jahren nach dem Herzinfarkt an, gibt es keine auffällig großen geschlechtsspezifischen Unterschiede, wenn man Faktoren wie Alter, Begleiterkrankungen und Art der Behandlung herausrechnet“, sagt Romy Ubrich. 

„Überrascht haben uns aber die Daten für die ersten 365 Tage nach dem Infarkt: 
In diesem Zeitraum starben Frauen mehr als anderthalb mal so häufig wie Männer.“

Dafür gibt es verschiedene mögliche Gründe. Prof. Georg Schmidt, Kardiologe in der Klinik und Poliklinik für Innere Medizin I des TUM-Universitätsklinikums rechts der Isar und Letztautor der Studie, vermutet, dass gesellschaftliche und psychische Gründe eine wichtige Rolle spielen. 

„Im Alltag werden nach einem Herzinfarkt oft andere Anforderungen an Frauen gestellt, als an Männer. 
Sie sollen schneller wieder 'funktionieren' und sind dadurch größeren Belastungen ausgesetzt“, sagt Georg Schmidt. Ein weiterer wichtiger Faktor sind depressive Erkrankungen.
Studien haben gezeigt, dass diese nicht nur für sich genommen gefährlich sind, sondern auch einen Risikofaktor bei anderen Erkrankungen darstellen.

Besondere Sorgfalt im ersten Jahr

In den Studien, aus denen die Daten für die aktuelle Untersuchung stammen, wurden sogenannte psychosoziale Faktoren allerdings nicht erfasst. 

Zukünftige Studien müssten zeigen, ob diese der Hauptgrund für die festgestellten Unterschiede sind, oder ob es andere, möglicherweise biologische Gründe gibt, sagt Georg Schmidt. 

In jedem Fall seien jetzt die Ärztinnen und Ärzte von betroffenen Frauen gefragt: 

„Unsere Studie zeigt, dass es im ersten Jahr nach einem Infarkt wichtig ist, sich besonders intensiv um Infarktpatientinnen zu kümmern.“

Schmidts Appell richtet sich insbesondere an Hausarztpraxen: 

„Die Kolleginnen und Kollegen müssen in Hinblick auf die soziale Situation der Patientinnen aufmerksam sein und versuchen, Hilfestellungen zu geben.  
  • Gerade nach Anzeichen von Depressionen muss stärker Ausschau gehalten werden.
Wenn man solche Anzeichen bemerkt, ist es wichtig, die Patientinnen schnell an Fachpraxen zu vermitteln, um gegebenenfalls möglichst bald mit einer Therapie beginnen zu können.“

Publikation:

R. Ubrich, P. Barthel, B. Haller, K. Hnatkova, K.M.Huster, A. Steger, A. Müller, M. Malik, G. Schmidt."Sex differences in long-term mortality among acute myocardial infarction patients: Results from the ISAR-RISK and ART studies". PLOS ONE 12(10): e0186783 (2017). DOI: 10.1371/journal.pone.0186783

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Dr. Ulrich Marsch Technische Universität München
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https://doi.org/10.1371/journal.pone.0186783 Volltext der Studie (Open Access)