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Dr. Stefanie Ruhhs: Laktatwerte - Übersäuerung - Azidose - Blutvergiftung - Sepsis entgleister Stoffwechsel und die Muskelzellen

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Wie Sepsis Gefäßmuskelzellen akut und langfristig beeinträchtigen kann

Wie die Funktion von Muskelzellen der Blutgefäße durch eine Sepsis, oft auch Blutvergiftung genannt, gestört werden kann, zeigt eine aktuelle Studie der Universitätsmedizin Halle. 

Das Forschungsteam demonstrierte, dass erhöhte Laktatwerte und eine Übersäuerung, wie sie akut bei einer Sepsis durch einen entgleisten Stoffwechsel auftreten können, erst im Zusammenspiel schädlich auf die Gefäßmuskelzellen wirken. 

Die Studie im Journal of Biomedical Science liefert zudem eine Erklärung für die langanhaltenden Beeinträchtigungen von Sepsis-Überlebenden. 

Dr. Stefanie Ruhs und Philipp Terpe im Labor der Universitätsmedizin Halle. Dr. Stefanie Ruhs und Philipp Terpe im Labor der Universitätsmedizin Halle. Universitätsmedizin Halle

Die Behandlung von Sepsis stellt Kliniken weltweit vor große Herausforderungen: 

Eine frühzeitige Diagnosestellung ist entscheidend, da schwere Verläufe sich nur begrenzt behandeln lassen und bis zur Hälfte aller Fälle tödlich enden. 

  • „Die Sepsis ist eine gefährliche Komplikation, bei der es häufig zu Organversagen kommt. Dabei spielen Durchblutungsstörungen eine entscheidende Rolle. 

Die Mechanismen dahinter sind bisher aber kaum aufgeklärt“, sagt Dr. Stefanie Ruhs, Biochemikerin an der Universitätsmedizin Halle und Co-Erstautorin der Studie. Bekannt ist, dass es bei einer Sepsis zu Veränderungen im Stoffwechsel kommen kann: 

  • Bei rund zwei Drittel aller Betroffenen treten stark erhöhte Laktatwerte auf, bei gleichzeitiger Übersäuerung (Azidose) – also ein niedriger Blut-pH-Wert. 

Um die Grundlagen der klinisch hochrelevanten Sepsis besser zu verstehen, arbeiten und forschen die Universitätsklinik für Anästhesiologie und operative Intensivmedizin und das Julius-Bernstein-Institut für Physiologie der Universitätsmedizin Halle eng zusammen.

„In der aktuellen Studie haben wir die Effekte von Laktat, einer reinen Azidose und der Kombination, der sogenannten Laktatazidose, auf Gefäßmuskelzellen der Blutgefäße untersucht. Letztere ist in der Klinik mit einer schlechten Überlebenschance verbunden“, so Ruhs weiter. Für die Untersuchungen nutzte das Forschungsteam isolierte Gefäßmuskelzellen der Hauptschlagader, die im Labor vermehrt wurden. 

Sie behandelten diese für 48 Stunden entweder mit Laktat bei normalem pH-Wert oder nur mit Säure ohne Laktat sowie in Kombination (Laktatazidose).

  • Ermüdung und Versteifung von Blutgefäßzellen durch Laktatazidose
  • Es zeigte sich, dass Laktat bei normalem pH-Wert nahezu keine relevanten Veränderungen in den Gefäßmuskelzellen hervorrufen kann. 

Eine Azidose ohne Laktat ließ einen Effekt auf genetischer Ebene erkennen: fast 500 Gene wurden unter sauren Bedingungen anders ausgeprägt. Allerdings waren die untersuchten Gefäßmuskelzellen in der Lage, nachteilige Auswirkungen auf ihre Funktion weitestgehend auszugleichen.

„Erst die Kombination von Laktat und sauren Bedingungen, also eine Laktatazidose, führte zu umfassenden Veränderungen auf genetischer Ebene, im Energiestoffwechsel und der Zellstruktur“, fasst Philipp Terpe, Promotionsstudent und Erstautor, die Ergebnisse zusammen. „Rund 1.500 Gene zeigten eine veränderte Expression, die mit dem Stoffwechsel- und dem Erscheinungsbild der Zellen zusammenhängen. 

Unter anderem kommt es zur Hemmung verschiedener Prozesse im Energiehaushalt, die nicht mehr abgefedert werden können. 

  • Zudem konnten wir einen Umbau der Gefäßmuskelzellen durch Mineralisierung nachweisen.“
  • In der Summe deuten diese Effekte darauf hin, dass Blutgefäße während einer Sepsis durch Umstrukturierung teilweise ihre Funktion verlieren und versteifen. 
  • Das schränkt die Durchblutung womöglich nicht nur kurz-, sondern auch langfristig ein. 
  • Diese nachhaltige Beeinträchtigung könnte auch eine Erklärung für die anhaltenden körperlichen und kognitiven Beschwerden von Patient:innen nach überstandener Sepsis liefern, so die Autor:innen der Studie. 

„Zukünftig wollen wir weitere Gefäßzell-Typen in unsere Analysen einschließen und zusätzlich untersuchen, ob die Normalisierung der Blutwerte nach einer Sepsis wiederholten Stress für die Zellen verursacht. 

Ein besseres Verständnis der Mechanismen dahinter könnte neue Marker offenbaren, die die Schwere einer akuten Sepsis frühzeitig anzeigen und somit die Reaktionszeit in der Klinik verkürzen. 

Denn bei der intensivmedizinischen Behandlung einer Sepsis und eines septischen Schocks zählt jede Minute. 

Und wenn es gelingt, Langzeiteffekte auf molekularer Ebene aufzudecken, könnten diese bei Überlebenden eventuell gezielt mit neuen Ansätzen therapiert werden“, so Terpe.

Hintergrund

Eine Sepsis kann nach einer Infektion durch Bakterien, Viren oder Pilze auftreten

Als Ursache für den lebensbedrohlichen Verlauf gilt eine fehlregulierte Immunreaktion. 

Sie ist gekennzeichnet durch eine Gefäßerweiterung sowie einen verringerten Gefäßwiderstand im gesamten Körper und daraus resultierenden Durchblutungsstörungen, die häufig zu Versagen eines oder mehrerer Organe führt. 

Selbst bei intensivmedizinischer Betreuung führt eine Sepsis in 30 bis 50 Prozent aller Fälle zum Tod. 

Bei Eintreten eines septischen Schocks wurde in einigen Studien auch eine Sterblichkeit von mehr als 50 Prozent berichtet. 

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Universitätsmedizin Halle

Universitätsklinik für Anästhesiologie und operative Intensivmedizin
Dr. Stefanie Ruhs, wissenschaftliche Mitarbeiterin, Stefanie.ruhs@medizin.uni-halle.de
sowie
Julius-Bernstein-Institut für Physiologie
Philipp Terpe, Promotionsstudent, Philipp.Terpe@uk-halle.de

Kiefernweg 34
06120 Halle (Saale)
Deutschland
Sachsen-Anhalt

Christina Becker
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Patricia Grünzweig
E-Mail-Adresse: patricia.gruenzweig@uk-halle.de

Jonas Machner
Telefon: 0345-557 1345
E-Mail-Adresse: jonas.machner@uk-halle.de


Originalpublikation:

Terpe P, Ruhs S, Dubourg V, Bucher M, Gekle M. The synergism of cytosolic acidosis and reduced NAD+/NADH ratio is responsible for lactic acidosis-induced vascular smooth muscle cell impairment in sepsis. J Biomed Sci. 2024 Jan 9;31(1):3. https://doi.org/10.1186/s12929-023-00992-6.


Weitere Informationen für international Medizin am Abend Berlin Interessierte und Beteiligte

http://www.umh.de/jbi Julius-Bernstein-Institut für Physiologie


http://www.umh.de/kai Universitätsklinik für Anästhesiologie und operative Intensivmedizin

 

Professor Dr. med. Achim Kaasch: SAB Behandlung von Blutstrominfektionen (Sepsis-Blutvergiftung) mit dem Erreger Staphylococcus aurus

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Neue Behandlungsmöglichkeiten für Infektionen der Blutbahn

https://intensivmed.de/podcast/ 

Studie belegt Wirksamkeit und Sicherheit einer oralen Antibiotikatherapie in Tablettenform bei Blutstrominfektionen durch Staphylococcus aureus. 

Bislang sind Infusionen der Behandlungsstandard / Veröffentlichung in „The Lancet Infectious Diseases“. 

Medizin am Abend Berlin ZusatzFachLink: SpezialKlinik Reha nach Blutvergiftung 

Eine internationale klinische Studie unter der Leitung von Professor Dr. med. Achim Kaasch, Leiter des Instituts für Medizinische Mikrobiologie und Krankenhaushygiene der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg und Professor Dr. med. Harald Seifert, ehemaliger stellvertretender Direktor des Instituts für Medizinische Mikrobiologie, Immunologie und Hygiene der Uniklinik Köln und Wissenschaftler am Deutschen Zentrum für Infektionsforschung (DZIF), konnte entscheidende neue Erkenntnisse zur Behandlung von Blutstrominfektionen mit dem Erreger Staphylococcus aureus gewinnen. 

  • Die Forschungsarbeit zeigt, dass bei Patient*innen mit niedrigem Risiko für das Auftreten von Infektionskomplikationen eine frühzeitige Umstellung auf eine orale Antibiotikatherapie genauso wirksam und sicher ist wie die Fortsetzung der herkömmlichen intravenösen Behandlung.  
  • Für Patient*innen ermöglicht dieser neue Therapieansatz eine einfachere Behandlung und eine schnellere Entlassung aus dem Krankenhaus. 

Die Ergebnisse der Studie, an der neben Forschenden in Magdeburg und Köln auch Wissenschaftler*innen der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf und des DZIF beteiligt waren, sind unter dem Titel „Efficacy and safety of an early oral switch in low-risk Staphylococcus aureus bloodstream infection (SABATO): an international, open-label, randomised, controlled, non-inferiority trial“ im Fachjournal The Lancet Infectious Diseases veröffentlicht worden.

Das Bakterium Staphylococcus aureus ist weltweit einer der häufigsten Krankheitserreger, der schwere Blutstrominfektionen – auch Sepsis oder Blutvergiftung genannt – verursachen kann. 

Schätzungsweise 30.000 Menschen erkranken in Deutschland jedes Jahr allein an dieser Infektion, etwa 25 Prozent der Betroffenen versterben in den ersten 3 Monaten. Professor Kaasch erklärt: 

„Wenn eine SAB nicht ausreichend behandelt wird, besteht die ernsthafte Gefahr, dass die Infektion auf andere Körperteile übergreift. 

Selbst nach einer erfolgreichen Behandlung kann sich eine Infektion oft über mehrere Monate hinweg negativ auf den Genesungsprozess der Betroffenen auswirken.“

Eine herkömmliche Behandlung von SAB erfolgt für mindestens 14 Tage mit intravenös verabreichten Antibiotika im Krankenhaus.  

Die Untersuchung der Forschungsgruppe fokussierte sich auf die Frage, ob bei Patient*innen mit SAB eine orale Therapie mit Tabletten genauso effektiv ist wie die herkömmliche intravenöse Behandlung. 

„Wir haben herausgefunden, dass eine frühzeitige Umstellung auf eine orale Antibiotikatherapie nach 5 bis 7 Tagen einer intravenösen Behandlung genauso sicher und wirksam ist, wie die etablierte intravenöse Standardtherapie“, so Kaasch.  

#Dennoch sei laut dem Mikrobiologen eine sorgfältige Beurteilung von Patient*innen auf Anzeichen und Symptome erforderlich, um zu klären, ob Infektionskomplikationen bereits vorliegen. 

Nur wenn diese ausgeschlossen sind, könne eine orale Umstellungstherapie in Betracht gezogen werden.

Die Ergebnisse dieser wegweisenden Studie markieren einen entscheidenden Fortschritt in der Behandlung von Staphylococcus aureus Blutstrominfektionen und bieten Hoffnung auf eine verbesserte Versorgung von Patient*innen weltweit. 

„Mit diesen Erkenntnissen eröffnet sich die Möglichkeit, die Behandlung zu vereinfachen und Patientinnen und Patienten schneller zu entlassen“, betont Kaasch.
In weiteren Studien wollen die Wissenschaftler*innen verschiedene Fragen zur Diagnose und Behandlung von SAB untersuchen. 

„Besonders relevant ist nun die Prüfung einer Umstellung auf eine orale antibiotische Therapie nach initialer intravenöser Behandlung auch bei Patient*innen mit komplizierten Staphylococcus aureus Blutstrominfektionen“, erläutert Professor Seifert von der Kölner Universitätsmedizin und Initiator der Studie.

 „Dazu liegen bislang noch keine Erkenntnisse vor.“

Bei der durchgeführten Studie handelt es sich um eine multizentrische, kontrollierte klinische Nichtunterlegenheits-Studie. Sie wurde an 31 Standorten in Deutschland, Frankreich, den Niederlanden und Spanien durchgeführt. Eine solche Studie soll zeigen, dass eine neue Behandlungsmethode gleichwertige Ergebnisse zur etablierten Behandlung erzielt. Insgesamt wurden Daten von über 5.000 Patient*innen erhoben. Die Studie schloss 213 Teilnehmer*innen ein, wobei 108 der oralen Gruppe und 105 der intravenösen Gruppe zufällig zugeteilt wurden. Sie wurde gefördert durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft. 

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Dr. Anna Euteneuer
+49 221 470 1700
a.euteneuer@verw.uni-koeln.de

Verantwortlich: Dr. Elisabeth Hoffmann – e.hoffmann@verw.uni-koeln.de 

Gabriele Meseg-Rutzen Universität zu Köln

Telefon: 0221/470-5601
Fax: 0221/470-5190
E-Mail-Adresse: meseg-rutzen@uni-koeln.de

Albertus-Magnus-Platz 1
50923 Köln
Deutschland
Nordrhein-Westfalen 

Prof. Dr. med. Harald Seifert
Institut für Medizinische Mikrobiologie, Immunologie und Hygiene der Uniklinik Köln
Und Institut für Translationale Forschung am Alternsforschungs Exzellenzcluster
CECAD der Universität zu Köln
harald.seifert@uni-koeln.de


Originalpublikation:

Veröffentlichung:
Efficacy and safety of an early oral switch in low-risk Staphylococcus aureus bloodstream infection (SABATO): an international, open-label, randomised, controlled, non-inferiority trial; The Lancet Infectious Diseases; 18.01.2024; DOI: https://doi.org/10.1016/S1473-3099(23)00756-9

 

Prof. Dr. Harald Schulze: GPVI - Glykoproteinrezeptor Frühdiagnose der Blutvergiftung (Sepsis), besonders katheterassozierte Infektionen

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Uniklinikum Würzburg: Potenzieller Ansatzpunkt für eine Sepsis-Früherkennung entdeckt

  • Würzburger Forscher*innen konnten nachweisen, dass schon im Frühstadium einer Sepsis ein Rezeptor auf den Thrombozyten der Patient*innen seine Funktion verliert. 

Möglicherweise ist dieses Phänomen eine Chance auf die Entwicklung einer Frühdiagnose der oft lebensbedrohlichen Blutvergiftung. 

Prof. Dr. Harald Schulze (links) und Privatdozent Dr. Dirk Weismann planen weitere Analysen aus tiefgefrorenen Blutproben von Sepsis-Patienten. Prof. Dr. Harald Schulze (links) und Privatdozent Dr. Dirk Weismann planen weitere Analysen aus tiefgefrorenen Blutproben von Sepsis-Patienten. Bild: Maria Drayss / Uniklinikum Würzburg

Bei einer Sepsis, die umgangssprachlich auch Blutvergiftung genannt wird, schädigen die Abwehrreaktionen des Körpers gegen eine Infektion die eigenen Gewebe und Organe. 

„Unsere hauptsächlichen therapeutischen Anstrengungen bei der Sepsis zielen darauf ab, ein Multiorganversagen zu verhindern“, schildert Privatdozent Dr. Dirk Weismann. Der Leiter der internistischen Intensiv- und Notfallmedizin der Medizinischen Klinik I des Uniklinikums Würzburg (UKW) fährt fort: „Leider können wir mit den aktuellen Labordiagnoseverfahren eine Sepsis erst zuverlässig erkennen, wenn der Organschaden schon relativ groß ist.“

Der Glykoproteinrezeptor GPVI versagt den Dienst


  • Zu den diagnostisch genutzten Parametern zählt das Absinken der Anzahl der Blutplättchen – oder auch Thrombozyten – unter einer Sepsis. 

Während dieser Effekt schon seit Jahren bekannt ist, verfolgte ein Forschungsteam um Dr. Weismann und Prof. Dr. Harald Schulze vom Institut für Experimentelle Biomedizin des UKW kürzlich die Frage, ob sich bei einer Sepsis auch die Funktionsfähigkeit der Thrombozyten verändert.  

Tatsächlich konnten sie zeigen, dass im Verlauf einer Blutvergiftung die Thrombozyten nicht nur weniger werden, sondern sie sich auch schlechter aktivieren lassen. 

Über eine umfassende Analyse mittels Durchflusszytometrie, Aggregometrie und Immunoblotting identifizierten sie dabei das Versagen eines Rezeptors auf der Oberfläche der Blutplättchen, das mit hoher Wahrscheinlichkeit für dieses Phänomen verantwortlich ist. 

Die Signalisierung des Glykoproteinrezeptors GPVI stumpft während einer Sepsis zunehmend ab. 

„Besonders interessant ist, dass dieser Effekt schon zu Beginn der Sepsis einsetzt, deutlich früher als andere bisher messbare Faktoren“, erläutert Dr. Weismann. 

Deshalb könnte dieser Defekt möglicherweise als Indikator für eine frühe Sepsis-Diagnose genutzt werden, was jedoch in prospektiven Studien erst noch bestätigt werden müsse.


Die Ergebnisse der Studie wurden im April dieses Jahres in der Fachzeitschrift Blood veröffentlicht.

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Sepsis: Oft zu spät erkannt

Eine Sepsis zählt zu den schwersten Komplikationen von Infektionskrankheiten, die durch Bakterien, Viren, Pilze oder Parasiten ausgelöst werden. 

  • Häufige Infektionsquellen einer Sepsis sind Lungenentzündungen, Infektionen des Magendarmtrakts und des Urogenitaltrakts, ferner auch Infektionen von Haut- und Weichteilgewebe, des zentralen Nervensystems und sogenannte katheterassozierte Infektionen. 
  • Eine Sepsis ist ein lebensbedrohlicher Notfall, der oft zu spät erkannt wird. 

In Deutschland sterben jährlich etwa 75.000 Menschen an einer Sepsis. 

Die Überlebende erleiden oft schwere Folgeschäden.


Originalpublikation:

Literatur:
Weiss LJ, Manukjan G, Pflug A, Winter N, Weigel ML, Nagler N, Kredel M, Lam TT, Nieswandt B, Weismann D, Schulze H. Acquired platelet GPVI receptor dysfunction in critically-ill patients with sepsis. Blood. 2021 Apr 7:blood.2020009774. doi: 10.1182/blood.2020009774.

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Susanne Just Universitätsklinikum Würzburg

Josef-Schneider-Str. 2 Haus D3
97080 Würzburg
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Sepsis oder Blutvergiftung: Erregerdiagnostik

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Blutbahn in Not - Thorsten Brenner ist neu an der UDE/am UK Essen

Sie wird oft unterschätzt, nicht erkannt, kann aber tödlich enden. 

An einer Sepsis oder Blutvergiftung erkranken in Deutschland jährlich über 300.000 Menschen, rund 70.000 sterben. 

Wie der Organismus auf die Erreger reagiert, erforscht u.a. der neue Anästhesiologie-Professor Thorsten Brenner an der Universität Duisburg-Essen (UDE). Er ist zugleich Direktor der Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin am Universitätsklinikum Essen (UK Essen). 
 Sepsis-Forscher Prof. Dr. Thorsten Brenner
 Sepsis-Forscher Prof. Dr. Thorsten Brenner Foto: UDE/Frank Preuß


Nach seiner mit sehr gut bewerteten Promotion (2005) ließ sich Brenner am Uniklinikum Heidelberg zum Facharzt für Anästhesiologie (2010) ausbilden. Dort forschte und behandelte er anschließend mehrere Jahre und war seit 2018 außerplanmäßiger Professor für Anästhesiologie. Im vergangenen Jahr erhielten er und Kollegen für ihre Untersuchungen zur innovativen Erregerdiagnostik bei Sepsis den Innovations-Preis des Stuttgarter Intensivkongresses und eine hochdotierte Studienförderung der Dietmar-Hopp-Stiftung.

Damit die Diagnose der Sepsis schneller gestellt werden kann, wird Thorsten Brenner das wissenschaftliche Engagement in diesem Forschungsbereich vorantreiben.

Wissenschaftler suchen damit im Blut der Erkrankten nach dem Erbgut möglicher Keime.

Zudem möchte der 41-Jährige mehr über die körpereigene Infektionsabwehr herausfinden und untersucht die angeborene Immunantwort bei Blutvergiftungen.

Eine Sepsis ist eine Infektion, die oft mit Fieber und schwerem Krankheitsgefühl beginnt und im unbehandelten Zustand schnell zu Organversagen führen kann. 

Ausgelöst werden die Entzündungen durch Bakterien, Viren, Pilze o.ä. 


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Alexandra Nießen, Tel. 0203/37 91487, alexandra.niessen@uni-due.de
Prof. Dr. med. Thorsten Brenner, MHBA, thorsten.brenner@uk-essen.de

Forsthausweg 2
47057 Duisburg
Deutschland
Nordrhein-Westfalen 


CAVE: Sepsis (Infektion) ist k e i n e Blutvergiftung

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Sepsis: Früherkennung rettet Leben

In Europa erkrankt jährlich etwa eine halbe Million Menschen an einer Sepsis, in Österreich gibt es rund 18.000 Fälle pro Jahr, 7.500 sterben daran. 

Die Sepsis ist nach wie vor eine der häufigsten Todesursachen weltweit. 

Der Welt-Sepsis-Tag am 13. September soll te helfen, das Bewusstsein für Sepsis zu erhöhen, um die frühzeitige Erkennung dieser schwerwiegenden Erkrankung zu fördern. 
 
  • Wenn Infektionen im Körper außer Kontrolle geraten, spricht man von einer Sepsis – fälschlicherweise bekannt auch als Blutvergiftung. 

Besonders gefährdet sind ältere, aber auch Kinder unter einem Jahr oder Menschen mit chronischen Erkrankungen. 

  • Sie wird durch Bakterien, Viren oder Pilze und deren Gifte ausgelöst und ist eine der aggressivsten Versionen einer Infektion. 
  • Ursachen können etwa Wund- und Harnwegsinfektionen, Lungenentzündungen, eine Bauchfellentzündung oder eine Grippe sein.

Im Versuch, die Infektion zu bekämpfen, kommt es zu einer übermäßigen Reaktion des Körpers.

  • So ist der Patient/die Patientin weniger durch den Angriff etwa von Bakterien, sondern vielmehr durch die fehlgeleitete Reaktion des eigenen Körpers auf diesen Angriff gefährdet. 

„Es kommt zu einer immunologischen Dysfunktion des Wirtes“, erklärt der Innsbrucker Intensivmediziner, Michael Joannidis, Leiter der Gemeinsame Einrichtung für Internistische Notfall- und Intensivmedizin an der Medizinischen Universität Innsbruck.

Ist die Sepsis einmal da, ist Zeit ein entscheidender Faktor: 

Zur schnellen Erkennung von RisikopatientInnen durch Sepsis außerhalb von Intensivstationen wurde der quickSOFA-Score eingeführt, der aus drei einfachen klinischen Kriterien -

eine Atemfrequenz von 22/min oder mehr, 
Bewusstseinstrübung und ein systolischer Blutdruck von weniger als 100 mm Hg - besteht. 

Medizin am Abend Berlin ZusatzFachLink: Sepsis Labor  

Wenn mindestens zwei dieser Kriterien erfüllt sind, ist die Wahrscheinlichkeit für eine schwere Sepsis erhöht.

Die rechtzeitige Behandlung mit den richtigen Antibiotika ist die Basis einer erfolgreichen Sepsis-Therapie.

Beim Verdacht auf eine Sepsis schickt der Intensivmediziner deshalb so schnell wie möglich Blut bzw. Harn zur Untersuchung an das mikrobiologische Labor.

Bei schweren Fällen bzw. später Diagnose führt eine Sepsis zu Organversagen und eine Intensivbetreuung ist notwendig. Das am häufigsten betroffene Organ ist dabei die Niere.

Vorherrschende Ursache bei Nierenversagen

„70 Prozent der Patientinnen und Patienten mit Sepsis erleiden eine akute Nierenschädigung“, weiß Intensivmediziner Michael Joannidis.

„Wir nehmen an, dass dabei eine Nierenentzündung und eine Mangelversorgung mit Sauerstoff (Hypoxie) wichtige Rollen spielen.

Eine neue Therapie sollte auf diese beiden Prozesse abzielen. 

Die Ergebnisse wurden in einer Studie im „Journal of the American Medical Association“ veröffentlicht. Der Innsbrucker Mediziner Michael Joannidis war als Mitglied des Steering Committee und nationaler Studienkoordinator an dieser Publikation maßgeblich beteiligt. Die aktuellen Forschungen auch an der Medizinischen Universität Innsbruck auf diesem Gebiet sollen künftig Intensivpatientinnen und -patienten bessere Behandlungen bringen und weiteren Stress durch eine Nierenersatztherapie ersparen.

Neue Studie in Phase III

Die im „Journal of the American Medical Association“ veröffentlichte Studie zeigt, dass das Enzym „Alkalische Phosphatase“ mit seinem dualen Wirkmechanismus ein vielversprechender Kandidat für eine Therapie sein könnte.

„Eine intravenöse Verabreichung von rekombinanter Alkalischer Phosphatase über drei Tage konnte zwar nicht, wie erwartet, in den ersten Wochen, aber nach 28 Tagen eine Verbesserung der Nierenfunktion bewirken“, erklärt Joannidis. 

Darüber hinaus zeigte sich ein unerwartet deutlicher Effekt auf das Überleben der PatientInnen nach einem bzw. drei Monaten. 

Die Sterblichkeit bei diesen schwer kranken Intensiv-PatientInnen mit Sepsis und Nierenschädigung ging um mehr als 40 Prozent zurück.

Im Herbst 2019 startet die Studie in die Phase III, in der nun in den USA und in Europa überprüft wird, ob sich die Wirksamkeit und die Unbedenklichkeit bestätigen lässt.

Das Hauptaugenmerk liegt nun auf dem signifikanten Wirkungsnachweis und den Nebenwirkungen sowie Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten.

Originalpublikation:
"Effect of Human Recombinant Alkaline Phosphatase on 7-Day Creatinine Clearance in Patients With Sepsis-Associated Acute Kidney Injury" https://jamanetwork.com/journals/jama/fullarticle/2710776

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David Bullock Medizinische Universität Innsbruck
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Behandlung komplizierter Harnwegsinfektion „Gesundheitssystem-assoziierten Infektionen“

Medizin am Abend Berlin Fazit: Studie belegt Wirksamkeit eines neuen Antibiotikums bei komplizierten Harnwegsinfekten

Erfolgreiche klinische Forschungen im Fachgebiet Urologie an der Justus-Liebig-Universität Gießen – Ergebnisse einer internationalen Studie im „New England Journal of Medicine“ publiziert
 
„Krankenhausinfektionen“ sind mehr denn je gefürchtet; sie stellen Ärzte- und Pflegepersonal gleichermaßen vor immense Herausforderungen.

In Deutschland erkranken jedes Jahr mehr als eine halbe Million Menschen an den sogenannten nosokomialen Infektionen, häufig verbunden mit schwerwiegenden Komplikationen bis hin zur Todesfolge. Umso dringlicher ist es, in einer gemeinschaftlichen Anstrengung Gegenstrategien zu entwickeln. Und umso erfreulicher sind wichtige Teilerfolge bei der Suche nach wirksamen und neuen Antibiotika. Prof. Dr. Florian Wagenlehner, Fachbereich Medizin der Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU) und Direktor der Klinik für Urologie, Kinderurologie und Andrologie des UKGM Standort Gießen, ist die Beschreibung der Wirksamkeit eines neuen Antibiotikums bei multiresistenten Erregern gelungen. Die Ergebnisse einer vergleichenden internationalen Therapiestudie bei komplizierten Harnwegsinfektionen (kHWI) durch multiresistente Erreger sind kürzlich im „New England Journal of Medicine“ unter dem Titel Once-Daily Plazomicin for Complicated Urinary Tract Infections veröffentlicht worden.

  • Wichtig ist dem Erstautor zunächst eine Einordnung der Rahmenbedingungen, denn der in der Öffentlichkeit geläufige Begriff der „Krankenhausinfektionen“ greife zu kurz. 
  • Besser wäre es, von „Gesundheitssystem-assoziierten Infektionen“ (Health-care associated infections) zu sprechen, da die meisten Patientinnen und Patienten die multi-resistenten Erreger bereits ins Krankenhaus mitbringen und diese nicht dort bekommen.

Die erfolgreichen Forschungsarbeiten auf dem Gebiet der Urologie reihen sich ein in zahlreiche standortübergreifende Forschungsinitiativen und -kooperationen: Das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst (HMKW) fördert im Rahmen des Kompetenzzentrums für Krankenhaushygiene an den drei universitätsmedizinischen Standorte Frankfurt, Gießen und Marburg die universitätsübergreifende Forschung zu multiresistenten Keimen. Die Suche nach neuen Antibiotika und die klinische Bestätigung ihrer Wirksamkeit stehen dabei im Zentrum des wissenschaftlichen Interesses.

Den Forschungsschwerpunkt „Infektionen und Wirkstoffe“ haben die JLU und ihr Fachbereich Medizin als zukunftsweisenden Potenzialbereich identifiziert. „Die Publikation der Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Florian Wagenlehner zur Beschreibung der Wirksamkeit eines neuen Antibiotikums bei multiresistenten Erregern ist ein weiterer wichtiger Schritt im Bereich der klinischen Forschung zur Verbesserung der therapeutischen Breite in diesem Bereich“, betont Prof. Dr. Wolfgang Weidner, Dekan des Fachbereichs Medizin der JLU. Und er ergänzt: „Die Veröffentlichung der Ergebnisse einer solchen vergleichenden Therapiestudie im hoch angesehenen ,New England Journal of Medicine‘ zeigt nicht nur die große Notwendigkeit derartiger klinischer Forschung. Sie ist zugleich ein weiterer Beleg für die Wichtigkeit eines Infektionsschwerpunkts im Bereich der Forschung, der die multiresistenten Erreger mit einbezieht, für den Fachbereich Medizin der JLU.“

Behandlung komplizierter Harnwegsinfektionen

Schätzungsweise drei Millionen Fälle von komplizierten Harnwegsinfektionen (kHWI-Fälle) werden pro Jahr in den USA in Krankenhäusern behandelt. „Die wirksame Behandlung von komplizierten Harnwegsinfektionen wird durch das wachsende Problem der Antibiotikaresistenz zunehmend erschwert“, erläutert Prof. Wagenlehner die Hintergründe der jetzt vorgelegten Therapiestudie. Die häufigsten Erreger seien Enterobakterien. Die Antibiotikaresistenz bei diesen Bakterien stelle ein globales Problem dar. Die hohen Resistenzraten gegenüber den bisherigen Grundpfeilern der Therapie erforderten alternative Behandlungsmöglichkeiten.

Dies sei umso wichtiger, als ineffektiv behandelte kHWI zu schwersten Infektionen mit Blutvergiftung und Organversagen führen können.

In der internationalen randomisierten klinischen Phase-3-Studie EPIC (Evaluating Plazomicin In CUTI) haben die Medizinerinnen und Mediziner Plazomicin, ein neues Aminoglykosid mit biologischer Aktivität gegen multiresistente Bakterien, im direkten Vergleich mit Meropenem, einem Reserveantibiotikum, erfolgreich getestet. Eingebunden waren 609 Patientinnen und Patienten mit kHWI sowie akuter Nierenbeckenentzündung (Pyelonephritis).

Das Hauptziel der EPIC-Studie bestand darin zu zeigen, dass Plazomicin gegenüber Meropenem in der Wirksamkeit nicht unterlegen ist.

Die primären Endpunkte waren die klinische Heilung in Verbindung mit der vollständigen mikrobiologischen Eliminierung des Krankheitserregers (Eradikation) am Tag 5 sowie an den Tagen 15 bis 19 nach Therapiebeginn, in der sogenannten mikrobiologisch modifizierten Patientenkohorte (Patientinnen und Patienten, die eine Studienmedikation erhalten haben und die Bakterien in der Urinkultur aufwiesen, die sowohl sensibel auf Meropenem als auch Plazomicin reagierten).

Im Gegensatz zu anderen Phase-3-Studien, die bei Patientinnen und Patienten mit komplizierten HWI durchgeführt wurden, wurden diesmal Personen aus der Analyse ausgeschlossen, die einen Erreger in der Urinkultur hatten, der resistent gegen das Vergleichsantibiotikum Meropenem war. Damit war eine mögliche Verzerrung der Ergebnisse durch eine erhöhte Resistenz des Vergleichsantibiotikums ausgeschlossen.

Die Ergebnisse waren eindeutig, freut sich Wagenlehner:

„Die EPIC-Studie hat gezeigt, dass Plazomicin gegenüber Meropenem bei der Behandlung von Patientinnen und Patienten mit komplizierten HWI, einschließlich akuter Pyelonephritis, nicht unterlegen war.“ 

Im Gegenteil:

  • Nach der Behandlung mit Plazomicin ließ sich eine höhere Rate der Erregerabtötung nachweisen als nach der Behandlung mit Meropenem. 
  • Auch die Rate von klinischen Rückfällen im Nachsorgezeitraum fiel deutlich geringer aus.

In einem weiteren Schritt sei die Sicherheit des neuen Aminoglykosides Plazomicin untersucht worden, erklärt Wagenlehner.

Nur bei einer kleinen Anzahl von Patientinnen und Patienten sei der Nierenparameter Kreatinin geringfügig erhöht gewesen (7% bei Plazomicin, 4% bei Meropenem).

  • Die Befunde dieser Studie zeigten demnach erstmals, dass Plazomicin bei erwachsenen Patientinnen und Patienten mit komplizierten HWI oder akuter Pyelonephritis – sowie weiteren Infektionen, die durch multi-resistente Erreger verursacht werden – eingesetzt werden kann.

Publikation
Wagenlehner FME, Cloutier DJ, Komirenko AS, Cebrik DS, Krause KM, Keepers TR, Connolly LE, Miller LG, Friedland I, Dwyer JP; EPIC Study Group. Once-Daily Plazomicin for Complicated Urinary Tract Infections. N Engl J Med. 2019 Feb 21;380(8):729-740.
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/30786187

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Prof. Dr. Florian Wagenlehner
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Fachbereich 11 – Medizin der JLU Gießen
Rudolf-Buchheim-Straße 7
35392 Gießen
Telefon: 0641 985-44501
E-Mail: florian.wagenlehner@chiru.med.uni-giessen.de


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Telefon: 0641 / 99-12042
Fax: 0641 / 99-12049
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Die 1607 gegründete Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU) ist eine traditionsreiche Forschungsuniversität, die rund 28.000 Studierende anzieht. Neben einem breiten Lehrangebot – von den klassischen Naturwissenschaften über Rechts- und Wirtschaftswissenschaften, Gesellschafts- und Erziehungswissenschaften bis hin zu Sprach- und Kulturwissen¬schaften – bietet sie ein lebenswissenschaftliches Fächerspektrum, das nicht nur in Hessen einmalig ist: Human- und Veterinärmedizin, Agrar-, Umwelt- und Ernährungswissenschaften sowie Lebensmittelchemie. Unter den großen Persönlichkeiten, die an der JLU geforscht und gelehrt haben, befindet sich eine Reihe von Nobelpreisträgern, unter anderem Wilhelm Conrad Röntgen (Nobelpreis für Physik 1901) und Wangari Maathai (Friedensnobelpreis 2004). Seit dem Jahr 2006 wird die Forschung an der JLU kontinuierlich in der Exzellenzinitiative bzw. der Exzellenzstrategie von Bund und Ländern gefördert.

Originalpublikation:
doi: 10.1056/NEJMoa1801467

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Droht eine Frühgeburt?

Medizin am Abend Berlin Fazit: B-Streptokokken-Test für Schwangere: Vorteil von universellem Screening weiter unklar

Für Vergleich mit bisheriger risikobasierter Strategie fehlen aussagekräftige Studien 
 
  • Streptokokken der serologischen Gruppe B sind weit verbreitete Bakterien, die aber meist unbemerkt bleiben. 

Das gilt auch für die knapp 20% der Schwangeren, bei denen Scheide oder Anus besiedelt sind.

Ein Risiko sind die Bakterien aber für die Babys: 
  • Stecken sie sich bei der Geburt an, kann das im schlimmsten Fall eine Blutvergiftung oder eine Hirnhautentzündung auslösen. 
  • Um dem vorzubeugen, bekommen Schwangere, bei denen bestimmte Risikofaktoren vorliegen, kurz vor der Geburt Antibiotika (Risiko-Strategie). 

Allerdings ist auch ein Test auf dem Markt, den man allen Schwangeren anbieten könnte (Test-Strategie).

Damit könnte man auch diejenigen Schwangeren finden, die keinen Risikofaktor, aber dennoch B-Streptokokken aufweisen.

Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hat deshalb untersucht, ob ein universelles Screening, also die Test-Strategie, gegenüber der bisherigen Risiko-Strategie für Neugeborene oder werdende Mütter Vorteile und damit einen Zusatznutzen bieten würde. Der jetzt vorliegende Abschlussbericht bestätigt die Ergebnisse des Vorberichts von 2018. Demnach kann diese Frage nicht beantwortet werden, weil es für den Vergleich keine aussagekräftigen Studien gibt. Dass es sie künftig geben wird, hält das Institut für unrealistisch. Denn die erforderlichen hohen Fallzahlen dürften kaum zu erreichen sein.

Bei bestimmten Risiken sind Antibiotika Standard

Etwa eines von 3000 Neugeborenen infiziert sich bei der Geburt mit B-Streptokokken, davon sterben 3,2% an den Folgen.

  • Eine Antibiotika-Prophylaxe bekommen Schwangere beispielsweise dann, wenn Fieber vorliegt, wenn eine Frühgeburt droht, oder wenn sich der Geburtsvorgang stark verzögert. 

Diese Risiko-Strategie kann bereits den größten Teil von Infektionen verhindern. 

Alternativ könnte allen werdenden Müttern eine mikrobiologische Untersuchung in Form des B-Streptokokken-Tests angeboten werden (universelles Screening).  

Allerdings ist der rund zehn bis 30 € teure Test keine Regelleistung der gesetzlichen Krankenkassen - es sei denn, es droht eine Frühgeburt.

Studienergebnisse nicht hinreichend belastbar

Wie bereits beim Vorbericht identifizierte das Institut keine Studie, die belastbare Ergebnisse hätte liefern können. Zwar gibt es eine große „Kohortenstudie“, die beide Strategien miteinander vergleicht (Schrag 2002) und auf die sich auch die Fachgesellschaft bezieht. Das Institut hält deren Ergebnisse jedoch weiterhin für nicht hinreichend sicher. Das liegt vor allem daran, dass sich die Teilnehmerinnen nicht nur in Hinblick auf den Test, sondern auch in anderen Merkmalen deutlich unterschieden, weshalb etwa eine niedrigere Komplikationsrate viele Gründe haben kann. Die Studie zeigte auch keine „dramatischen Effekte“, also keine sehr großen Unterschiede.

Studien zur „Screeningkette“ nicht realistisch

Das Institut zeigt sich im Abschlussbericht zudem skeptisch, ob jemals aussagekräftige Studien zur gesamten sogenannten Screeningkette gemacht werden können. Denn um eine ausreichende Ergebnissicherheit zu gewährleisten, müssten in solche Studien mehrere 100.000 Schwangere eingeschlossen werden. Die hohe Fallzahl ist notwendig, weil Infektionen und durch sie verursachte Komplikationen insgesamt selten auftreten. Unterschiede zwischen den Gruppen, etwa die Häufigkeit von Blutvergiftungen bei Neugeborenen, könnten bei kleineren Fallzahlen rein zufällig sein.

Für sinnvoll und machbar hält das IQWiG dagegen Studien, die untersuchen, durch welche Strategie sich der bisher häufige Einsatz von Antibiotika besser reduzieren lässt. Hier wären als weitere Präventions-Strategie auch Schnelltests unter der Geburt zu berücksichtigen, wie sie in den USA bereits zugelassen wurden.

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Lungenentzündung: Therapieansatz bei der Bekämpfung von Pneumokokken-Infektionen

Medizin am Abend Berlin Fazit: Lipoteichonsäuren als Achillesferse der Lungenentzündungen-auslösenden Pneumokokken identifiziert

Forscher der Universität Greifswald und des Forschungszentrums Borstel entschlüsseln einen grundle-genden Mechanismus der Zellwandbiosynthese beim wichtigsten bakteriellen Erreger von Lungenentzündungen. 

Die Ergebnisse wurden diese Woche in der Fachzeitschrift Nature Communications veröffentlicht und stellen einen vielversprechenden Therapieansatz bei der Bekämpfung von Pneumokokken-Infektionen dar. 
 
Nahezu jeder Mensch muss sich im Laufe seines Lebens mit Pneumokokken (Streptococcus pneumo-niae) auseinandersetzen.

Dieses Bakterium besitzt die Fähigkeit die Schleimhäute des oberen Atmungstraktes symptomlos zu kolonisieren und gehört damit zur Normalflora des Menschen.

Gefürchtet sind die durch Pneumokokken verursachten schwerwiegenden Infektionen.

Zu diesen gehören zum Beispiel die außerhalb des Krankenhauses erworbenen und lebensbedrohlichen Lungenentzündungen (Pneumonien) oder Blutvergiftungen (Sepsis)
  • Hiervon besonders betroffen sind Kinder im Alter von unter fünf Jahren sowie ältere oder immungeschwächte Menschen.
  • Obwohl Impfstoffe gegen Pneumokokken verfügbar sind, bleibt die Zahl der Neuerkrankungen seit Jahren auf einem stabil hohen Niveau. 

Dies liegt unter anderem an den derzeit eingesetzten Impfstoffen, die leider noch nicht gegen alle relevanten Pneumokokken-Stämme schützen. Erschwerend kommt hinzu, dass zunehmend Resistenzen gegen verschiedene Antibiotika auftreten, die eine Behandlung von Infektionen deutlich erschwert.

Pneumokokken gehören laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) derzeit zu den zwölf gefährlichsten Bakterien für die Menschheit.

Um neue und effektive Therapien gegen Pneumokokken-Infektionen zu entwickeln, müssen Schwachstellen des Erregers identifiziert werden, durch die die Virulenz und/oder Lebensfähigkeit des Erregers entscheidend verringert werden kann. Enzyme der Zellwandbiosynthese sind hervorragende Angriffs-punkte („Targets“) für eine antimikrobielle Therapie, da nur Bakterien mit intakter Zellwand überleben und dem Immunsystem entkommen können.

In einer gemeinsamen Studie haben nun zwei Wissenschaftlerteams unter der Leitung von Dr. Nicolas Gisch aus der Forschungsgruppe Bioanalytische Chemie vom Forschungszentrum Borstel – Leibniz Lungenzentrum und Prof. Dr. Sven Hammerschmidt, Leiter der Abteilung Molekulare Genetik und Infek-tionsbiologie der Universität Greifswald, die Lipoteichonsäure-Ligase, ein Schlüsselenzym der Teichonsäure-Biosynthese, als ein solches Zielmolekül identifiziert. Teichonsäuren sind wichtige makromolekulare Zuckerbestandteile der Zellwand Gram-positiver Bakterien und bei Pneumokokken auch für die Verankerung von speziellen Oberflächenproteinen verantwortlich, die an der Kolonisierung und Virulenz des Erregers beteiligt sind.

Basierend auf der Strukturanalyse der Pneumokokken-Teichonsäuren mittels Kernspinresonanzspektro-skopie (NMR) und Massenspektrometrie (MS) konnten die Wissenschaftler neue Details ihrer Biosynthese sowie ihrer Verankerung auf der Zellwandoberfläche aufklären.

Die Forscher identifizierten das finale Enzym der Lipoteichonsäure-Biosynthese der Pneumokokken, die Lipoteichonsäure-Ligase (TacL).

Sie zeigen, dass das Fehlen des Enzyms TacL zu einem vollständigen Verlust der Lipoteichon-säuren in der Zellwand des Bakteriums führt. 

Die so generierten Pneumokokken-Stämme weisen nach Wachstum in Nährmedien unter Laborbedingungen eine unveränderte Zellmorphologie und Physiologie auf.

 „Überraschenderweise zeigten Pneumokokken, die keine Lipoteichonsäuren mehr herstellen konnten, eine deutlich reduzierte Anheftung an humane Epithelzellen in Zellkultur-basierten Infektionsexperi-menten“, so Professor Hammerschmidt von der Universität Greifswald. 

  • Darüber hinaus konnten die Forscher zeigen, dass Pneumokokken ohne Lipoteichonsäure eine deutlich verminderte Virulenz in verschiedenen in vivo Infektionsmodellen aufweisen.

„Die identifizierte Lipoteichonsäure-Ligase ist in allen Pneumokokken-Stämmen enthalten und in artverwandten Streptokokken sind ebenfalls verwandte Enzyme zu finden“, erklärt Dr. Nicolas Gisch vom Forschungszentrum Borstel.

„Daher ist das Enzym TacL ein interessantes Ziel für die Suche nach geeigneten pharmakologischen Substanzen, die neue Therapiemöglichkeiten bei durch Pneumokokken verursachten Lungenentzündungen eröffnen.“

Die Studie wurde unterstützt von Forschern des Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung in Braun-schweig sowie der Universität Gießen, der Universität Rostock sowie der Newcastle University (UK). Das Projekt wurde durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft gefördert (GI 979/1-1; HA 3125/5-1).

Originalpublikation
Nathalie Heß*, Franziska Waldow*, Thomas P. Kohler*, Manfred Rohde, Bernd Kreikemeyer, Alejandro Gómez-Mejia, Torsten Hain, Dominik Schwudke, Waldemar Vollmer, Sven Hammerschmidt§ & Nicolas Gisch§, Lipoteichoic acid deficiency permits normal growth but impairs virulence of Streptococcus pneumoniae, Nature Communications 8, 2093 (2017). DOI: 10.1038/s41467-017-01720-z.



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Prof. Sven Hammerschmidt
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Ansprechpartner am Forschungszentrum Borstel – Leibniz Lungenzentrum
Dr. Nicolas Gisch
FG Bioanalytische Chemie
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Hefepilz - Infektion / Candida auris: Sepsis - Blutvergiftung

Medizin am Abend Berlin Fazit: Candida auris: Ein Pilz verlangt Aufmerksamkeit

Ein neuer Verursacher von Pilzinfektionen sorgt für Schlagzeilen in den Medien weltweit. 

Experten aus Deutschland und Österreich raten jetzt zu erhöhter Aufmerksamkeit. Gleichzeitig warnen sie vor Panikmache. 
 
„Gefährlicher Candida auris – Patienten sterben an Hefepilz-Infektion“:

Mit dieser Schlagzeile hat vor kurzem eine deutsche Tageszeitung ihre Leser aufgeschreckt.

Vor einer „tödlichen und Medikamenten-resistenten Infektion, die um den Erdball schwappt”, warnt eine englische Zeitung.

Auslöser dieser Nachrichten war eine Meldung der US-amerikanischen Gesundheitsbehörde Centers for Disease Control and Prevention (CDC), die über das erste Auftreten der Pilzinfektion in den USA berichtet hatte. Insgesamt seien 13 Fälle registriert worden, vier infizierte US-Patienten seien bereits gestorben, wobei die genaue Todesursache noch unklar sei.

Aus diesem Grund haben jetzt Experten aus Deutschland und Österreich eine Stellungnahme erarbeitet, die sie aktuell der Öffentlichkeit präsentieren.

Darin empfehlen sie eine erhöhte Aufmerksamkeit und die entsprechende Information medizinischen Personals über den neuen Hefepilz. Gleichzeitig warnen sie vor unnötiger Panikmache.

Übertragung von Patient zu Patient

„Candida auris ist eine neue Pilzart, die vor wenigen Jahren zum ersten Mal in Japan beschrieben wurde“, sagt Professor Oliver Kurzai.

Der Mediziner leitet das Nationale Referenzzentrum für invasive Pilzinfektionen in Jena und hat seit Anfang 2017 an der Universität Würzburg den Lehrstuhl für Medizinische Mikrobiologie und Mykologie inne.

Was den Hefepilz so besonders macht: 

„Candida auris wird im Gegensatz zu allen bisher bekannten Arten häufig von Patient zu Patient übertragen und kann somit Ausbrüche in Krankenhäusern verursachen“, sagt Kurzai.

  • Gleichzeitig seien viele Pilzstämme gegen mindestens eines der Medikamente resistent, die zur Behandlung von Pilzinfektionen zum Einsatz kommen.

In Deutschland ist Candida auris bisher nur in Einzelfällen nachgewiesen.

Dem Nationalen Referenzzentrum sind vier Fälle einer Infektion bekannt.

Für Österreich gibt es keine bestätigten Fälle.  

Trotz dieser geringen Fallzahlen spricht aus Sicht der Experten einiges dafür, dem Thema frühzeitig Aufmerksamkeit zu schenken – auch für Deutschland wird zukünftig mit mehr Fällen gerechnet und nach Einschätzung des Nationalen Referenzzentrums sind viele diagnostische Labors noch unzureichend vorbereitet.

Keine Bedrohung für Gesunde

  • „Candida auris kann bei den Infizierten in den Blutstrom gelangen und dort eine Sepsis, eine sogenannte Blutvergiftung, verursachen“, erklärt Oliver Kurzai. 

Gleichzeitig sei der Pilz bei den gängigen Routineuntersuchungen nicht immer zuverlässig zu identifizieren und aufgrund der weit verbreiteten Resistenzen schwer zu behandeln.  

Vom medizinischen Personal sei deshalb eine erhöhte Aufmerksamkeit gefordert. Dazu will das Expertengremium mit seiner Veröffentlichung jetzt beitragen.

Für die Bevölkerung besteht allerdings kein Grund zur Beunruhigung. „Für einen gesunden Menschen stellt Candida auris keine Bedrohung dar“, sagt Oliver Kurzai.

Die Beteiligten

An der Stellungnahme waren beteiligt: das Nationale Referenzzentrum für invasive Pilzinfektionen (Jena), das Robert Koch-Institut (Berlin), das ECMM Excellence Center der Uniklinik Köln, das Nationale Referenzzentrum für Aspergillus und Aspergillusinfektionen (Innsbruck) und das Nationale Referenzzentrum für Hefen- und Schimmelpilzinfektionen (Wien).

Candida auris

Im Jahr 2009 wurde Candida auris erstmals in Japan beschrieben. Dort hatte er den Gehörgang eines Patienten befallen, was den Namenszusatz „auris“ erklärt – vom Lateinischen für „das Ohr betreffend“.

  • Neben dem Ohr kann der Pilz aber auch andere Körperregionen befallen, beispielsweise den Blutkreislauf, Harn- und Atemwege oder Wunden. 

Der bislang größte Ausbruch ereignete sich 2015/16 an einem Krankenhaus in London; dort wurden innerhalb von 16 Monaten 50 Patienten infiziert. In den USA zählen die CDC aktuell 112 Fälle, den Großteil davon im Bundestaat New York.

Nationales Referenzzentrum für Invasive Pilzinfektionen

Das Nationale Referenzzentrum für Invasive Pilzinfektionen ist Ansprechstelle für Ärzte und Mikrobiologen aus ganz Deutschland, die Fragen zur Diagnostik und Behandlung invasiver Pilzinfektionen haben.

  • Neben Beratungen bietet das Zentrum diagnostische Verfahren zum Nachweis von invasiven Pilzerkrankungen an. 

Es kooperiert dabei mit anderen Referenzlabors weltweit.

Das Nationale Referenzzentrum für Invasive Pilzinfektionen ist am Leibniz-Institut für Naturstoff-Forschung und Infektionsbiologie – Hans-Knöll-Institut in Jena angesiedelt.

Zum Nationalen Referenzzentrum berufen wurde es vom Robert Koch-Institut und dem Bundesministerium für Gesundheit.

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Prof. Dr. Oliver Kurzai
Institut für Hygiene und Mikrobiologie
Universität Würzburg
T +49 931 31-88007
okurzai@hygiene.uni-wuerzburg.de

Gunnar Bartsch Julius-Maximilians-Universität Würzburg  

Telefon: (0931) 31-82172
Fax: 0931/31-2610
E-Mail-Adresse: bartsch@zv.uni-wuerzburg.de

Sanderring 2
97070 Würzburg
Deutschland
Bayern 




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Nekroptose: Entzündungsantwort des Körpers

Meizin am Abend Berlin Fazit: Den Zelltod hinauszögern, um die Entzündungsreaktion einzudämmen

Zellen, die sich einer Nekroptose, also einem regulierten Absterben unterziehen, sind nicht immer unmittelbar dem Tode geweiht. In einem aktuellen Beitrag im hochangesehenen Fachjournal Cell beschreibt ein internationales Forscher-Team um Privat-Dozent Dr. Andreas Linkermann, Nephrologe am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus, die Wirkung des sogenannten ESCRT-III-Komplexes. 

Er hilft bei der Erhaltung der Plasmamembran betroffener Zellen und trägt so zu deren Überleben bei. 

So wird Zeit gewonnen, um bestimmte Eiweiße zu bilden, die dann helfen, die Entzündungsantwort des Körpers in der betroffenen Region zu begrenzen. 
 Privat-Dozent Dr. Andreas Linkermann, Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden.
Privat-Dozent Dr. Andreas Linkermann, Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden.
Foto: Uniklinikum Dresden


  • Diese Erkenntnisse haben auch Potential beispielsweise für die Transplantationsmedizin. 

Zu den aktuellen Ergebnissen trug wesentlich eine seit fünf Jahren bestehende enge Kooperation der Arbeitsgruppe von Andreas Linkermann mit dem Labor von Prof. Douglas Green, St. Jude Children´s Hospital, Memphis, TN, USA, bei.

Alle Formen der Nekrose (dem Einreißen der Plasmamembran) stellen unvermeidbar den stärksten bekannten Stimulus für Entzündungsreaktionen dar.

Diese begründen unter anderem Abstoßungsreaktionen und Autoimmunerkrankungen. 

Die beispielsweise durch die chirurgische Organ-Entnahme im Rahmen einer Transplantation ausgelöste Aktivität des Nekroptose-Signalwegs ist nun mit Hilfe eines Antikörpers erstmals in humanem Gewebe direkt in Transplantatbiopsien nachweisbar.

Selbst zu diesem Zeitpunkt können die ESCRT-III-Proteine das Zerreißen der Plasmamembran noch verhindern.

Dies zeigt den Forschern das Potential einer Nekroptose-blockierende Medikation an.

Solche Medikamente werden bereits in klinischen Studien getestet.

Der Nephrologe PD Dr. Linkermann sieht hier einen wesentlichen Fortschritt: „Sollte es gelingen, im Rahmen der Nierentransplantation die Nekroptose zu verhindern, so ist zu erwarten, dass Entzündungszellen nicht mehr in das Transplantat einwandern können. Dies ist gleichbedeutend mit einer verringerten Rate von Abstoßungsreaktionen.

Diese stellen die häufigste Ursache für den Verlust von Nierentransplantaten dar. 

Aber nicht nur aus der Perspektive der Patienten auf der Transplantationswarteliste spielt dieser Mechanismus eine zentrale Rolle – er hat auch Bedeutung bei anderen Erkrankungen wie Herzinfarkt, Schlaganfall, Bauchspeicheldrüsenentzündung, Blutvergiftung und Krebserkrankungen.

Publikation
Cell. 2017 Apr 6;169(2):286-300.e16. ESCRT-III Acts Downstream of MLKL to Regulate Necroptotic Cell Death and Its Consequences. Gong YN, Guy C, Olauson H, Becker JU, Yang M, Fitzgerald P, Linkermann A*, Green DR*. - * shared senior authorship. DOI: 10.1016/j.cell.2017.03.020

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PD Dr. med. Andreas Linkermann, FASN
Oberarzt - Facharzt für Innere Medizin – Nephrologe
Sektion Nephrologie - Medizinische Klinik und Poliklinik III
Universitätsklinikum Carl Gustav Carus
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Phone: +49-351-458-7681
Fax: +49-351-458-5333
Email: andreas.linkermann@ukdd.de
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Konrad Kästner Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden

Blutvergiftung, Antibiotika und Transfusionen

Medizin am Abend Berlin Fazit:  Symposium Intensivmedizin

Heidelberger Interdisziplinäres Forum Intensivtherapie (HIFIT) vom 11. bis 14. Januar 2017 / Gastvortrag des Bergsteigers Reinhold Messner / Auftaktveranstaltung zum Jubiläumsjahr: 50 Jahre Lehrstuhl für Anästhesiologie am Universitätsklinikum Heidelberg

Ohne eine fachübergreifende interdisziplinäre Zusammenarbeit von Ärzten und Fachkrankenpflegern ist eine umfassende Patientenversorgung nicht möglich. Ohne eine fachübergreifende interdisziplinäre Zusammenarbeit von Ärzten und Fachkrankenpflegern ist eine umfassende Patientenversorgung nicht möglich. Universitätsklinikum Heidelberg
 
Welche neuen Forschungsergebnisse gibt es zur gefürchteten Blutvergiftung? Wie können resistente Keime auf Intensivstationen eingedämmt werden? Wie lässt sich der Einsatz von Bluttransfusionen verringern? Diese und viele weitere Fragen diskutieren Ärzte und Pflegende vom 11. bis 14. Januar 2017 beim „Heidelberger Interdisziplinäres Forum Intensivtherapie“, zu dem die Klinik für Anästhesiologie des Universitätsklinikums Heidelberg in die Print Media Academy einlädt. Das Weiterbildungsformt wendet sich an Neueinsteiger und Experten aller Fachdisziplinen. „Anhand von Fallbespielen wollen wir uns kritisch mit aktuellen Forschungsergebnissen, Innovationen und Trends in der Intensivmedizin auseinandersetzen“, sagt Professor Dr. Markus Weigand, Ärztlicher Direktor der Klinik für Anästhesiologie. „Wichtig ist uns insbesondere die fachübergreifende interdisziplinäre Zusammenarbeit von Ärzten und Fachkrankenpflegern, ohne die eine umfassende Patientenversorgung nicht möglich ist.“ Einen Ausblick in die eine andere Welt der Extreme und Entscheidungsvorgänge bietet der Bergsteiger Reinhold Messner in seinem einstündigen Gastvortrag am Freitag, 13. Januar, ab 12 Uhr.


Jeder Tropfen Blut zählt: Die Gerinnungsdiagnostik hilft bei Operationen Blutungen zu vermeiden; so können unnötige Transfusionen vermieden werden.

Jeder Tropfen Blut zählt: Die Gerinnungsdiagnostik hilft bei Operationen Blutungen zu vermeiden; so können unnötige Transfusionen vermieden werden. Universitätsklinikum Heidelberg

Das Thema Blutgerinnung und Transfusionen beschäftigt die Experten am ersten Kongresstag: Ist die Blutgerinnung gestört, kann es während einer Operation es zu gefährlichen Blutverlusten kommen. Lebensrettend können dann Transfusionen mit Fremdblut sein. Doch diese können auch Nebenwirkungen mit sich bringen, wie z.B. schwerwiegende Reaktionen des Immunsystems, ähnlich einer allergischen Reaktion. „In Heidelberg und Kaiserslautern steht rund um die Uhr eine umfangreiche Gerinnungsdiagnostik nicht nur durch das Zentrallabor, sondern auch direkt in den Operationssälen und auf den Intensivstationen zur Verfügung“, so Professor Hofer. Damit kann möglichst schnell festgestellt werden, welche Substanzen dem Patienten fehlen, um diese dann gezielt verabreichen zu können. Unnötige Transfusionen lassen sich so vermeiden.  

Durch eine eigens eingerichtete Spezialsprechstunde sollen bestimmte Patientengruppen auch schon vor einer Operation betreut werden. Ziel ist es, die Blutgerinnung bei Bedarf schon vor dem Eingriff durch die Gabe bestimmter Präparate zu optimieren und somit die Gefahr von Blutungen einzudämmen, damit es erst gar zu einer Transfusion kommen muss.  

Diese Möglichkeit ist eine wichtige Säule im so genannten Patient Blood Management. Wobei hierbei auch verschiedene Maßnahmen während der Operation dazu beitragen Blutverluste so gering wie möglich zu halten. So kann z.B. Blut, das die Patienten verlieren, gereinigt und zurückgeführt werden. 

„Jeder Tropfen Blut zählt“, betont Hofer.

Ein Heidelberger Forschungsschwerpunkt, zu dem Professor Weigand am Donnerstag, 12. Januar, referieren wird, ist die Sepsis, umgangssprachlich Blutvergiftung genannt. 

Jährlich erkranken in Deutschland rund 180.000 Menschen, meist sehr geschwächte Patienten auf Intensivstation an den lebensgefährlichen Entzündungsreaktionen der Sepsis. „Nur wenn Pflegende und Ärzte schnell und richtig reagieren, können sie Patienten vor bleibenden Schäden bewahren.“

Mit eigens ausgearbeiteten und ständig aktualisierten Leitfäden („Heidelberger Sepsis Pathway“) ist das Universitätsklinikum Heidelberg eines der deutschlandweit führenden Zentren in der Behandlung der Sepsis.

  • Trotz aller Bemühung endet die Sepsis für etwa ein Drittel der Betroffenen tödlich. 
„Dafür gibt es drei Hauptgründe: es treten zunehmend aggressive Krankheitserreger auf, gleichzeitig werden weniger neue Antibiotika entwickelt. Darüber hinaus sind die Krankheitsmechanismen bislang nicht vollständig verstanden“, sagt Weigand. Die Heidelberger Wissenschaftler erforschen daher die immunologischen Grundlagen der Sepsis: Neue Erkenntnisse über körpereigene Botenstoffe, die an der Entzündungsreaktion beteiligt sind, könnten zukünftig neue Ansätze für die Therapie bieten.

Ebenfalls am zweiten Kongresstag steht die Infektiologie im Fokus der Mediziner. So diskutieren die Heidelberger Experten aus Intensivmedizin und Krankenhaushygiene fachübergreifend über verschiedene infektiologische Fallbeispiele aus der Praxis. Bakterien, denen die gängigen Antibiotika nichts anhaben können, sind inzwischen weit verbreitet und ein zunehmendes Problem in Kliniken. Für Patienten mit einem geschwächten Immunsystem können sie zu einer echten Gefahr werden. „In den meisten Fällen gibt es zwar noch wirksame Reserve-Antibiotika, doch diese müssen sehr gezielt eingesetzt werden“, sagt Weigand.

Am Universitätsklinikum Heidelberg gibt es auf den Intensivstationen eine wöchentliche gemeinsame Visite von Anästhesie und Vertretern und Krankenhaushygiene und Klinikapotheke. 

„Mit der Kooperation wollen wir multiresistenten Erregern entgegen wirken. Unser Ziel ist es, Antibiotika möglichst selten und nur gut angepasst einzusetzen.“

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Prof. Dr. Markus A. Weigand
Anästhesiologische Universitätsklinik Heidelberg
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Im Neuenheimer Feld 672
69120 Heidelberg
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Prof. Dr. Stefan Hofer
Klinik für Anästhesie, Intensiv- und Notfallmedizin
Westpfalz-Klinikum Kaiserslautern
Telefon: 0631 203-1030 (Sekretariat)
E-Mail: shofer@westpfalz-klinikum.de
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Universitätsklinikum und Medizinische Fakultät Heidelberg: Krankenversorgung, Forschung und Lehre von internationalem Rang

Das Universitätsklinikum Heidelberg ist eines der bedeutendsten medizinischen Zentren in Deutschland; die Medizinische Fakultät der Universität Heidelberg zählt zu den international renommierten biomedizinischen Forschungseinrichtungen in Europa. Gemeinsames Ziel ist die Entwicklung innovativer Diagnostik und Therapien sowie ihre rasche Umsetzung für den Patienten. Klinikum und Fakultät beschäftigen rund 12.800 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und engagieren sich in Ausbildung und Qualifizierung. In mehr als 50 klinischen Fachabteilungen mit ca. 1.900 Betten werden jährlich rund 66.000 Patienten vollstationär, 56.000 mal Patienten teilstationär und mehr als 1.000.000 mal Patienten ambulant behandelt. Das Heidelberger Curriculum Medicinale (HeiCuMed) steht an der Spitze der medizinischen Ausbildungsgänge in Deutschland. Derzeit studieren ca. 3.500 angehende Ärztinnen und Ärzte in Heidelberg.
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Weitere Informationen für internatiional Medizin am Abend Berlin Beteilige
http://www.hifit-kongress.org Heidelberger Interdisziplinäres Forum Intensiv Therapie (HIFIT)

https://www.klinikum.uni-heidelberg.de/Willkommen.135358.0.html Anästhesiologische Klinik, Universitätsklinikum Heidelberg


http://www.westpfalz-klinikum.de/kliniken-zentren/kliniken-abteilungen-institute... Klinik für Anästhesie, Intensiv- und Notfallmedizin 1, Westpfalz-Klinikum GmbH

Liveübertragung des Onlinekongresses: Diagnostikverfahren bei Blutvergiftung (Sepsis)

Medizin am Abend Berlin Fazit:  Neue Diagnostikverfahren bei Blutvergiftung (Sepsis) retten Menschenleben

Unimedizin überträgt ersten Welt-Sepsis-Kongress live im Hörsaal Süd

Zusammen mit Wissenschaftlern der Friedrich-Schiller-Universität Jena sind Greifswalder Mediziner seit vielen Jahren führend auf dem Gebiet der Sepsisforschung und im Kampf gegen die hohe Sterblichkeitsrate. 


In einer wissenschaftlichen Studie sollen die neuen Diagnoseschnellverfahren auf ihre Praxistauglichkeit untersucht werden.
In einer wissenschaftlichen Studie sollen die neuen Diagnoseschnellverfahren auf ihre Praxistauglichkeit untersucht werden. Foto: Dr. Matthias Gründling/UMG
 
Die Blutvergiftung ist weltweit die häufigste Todesursache infolge einer Infektion. In der Universitäts- und Hansestadt konnte nachgewiesen werden, dass mit konkreten Maßnahmen auch die Sterblichkeit deutlich gesenkt werden kann und sich die Heilungschancen verbessern. Jetzt testen die Greifswalder Wissenschaftler in der Klinik für Anästhesiologie sowie in der Klinik für Innere Medizin A ein neues Diagnostikverfahren, bei dem die Sepsiserreger schon nach sechs statt nach 48 Stunden im Blut nachgewiesen werden können.

Diese Innovation spielt auch auf dem ersten Welt-Sepsis-Kongress eine Rolle, der wird am 8. und 9. September online im Hörsaal Süd (Klinik-Hauptgebäude, Sauerbruchstraße) übertragen wird. Dazu sind alle Interessenten recht herzlich eingeladen.

Die Sepsis ist eine häufige Erkrankung, die sehr oft noch tödlich verläuft. Allein in Deutschland erkranken nach Daten des Kompetenznetzwerkes SepNet jährlich ca. 154.000 Patienten. Etwa 56.000 überleben die Erkrankung nicht. Weltweit erkranken jährlich etwa 50 Millionen Menschen an einer Blutvergiftung. In den vergangenen Jahren wurden zwar durch die Einführung einfacher und standardisierter Richtlinien Verbesserungen bei der Behandlung der Erkrankung erzielt, trotzdem weist die internationale Entwicklung eine zunehmende Tendenz bei der Verbreitung der Sepsis auf.


Eine Blutvergiftung tarnt sich oftmals als Begleiterscheinung einer anderen Erkrankung oder Operation und wird deshalb zu spät erkannt. Die Sepsis ist die aggressivste Form einer Infektion, hervorgerufen durch Mikroorganismen wie Bakterien oder Pilze und deren Gifte. Innerhalb weniger Stunden weisen alle lebenswichtigen Organe des Menschen durch außer Kontrolle geratene Entzündungsreaktionen Störungen auf und drohen zu versagen. Der Tod kommt quasi im Zeitraffer.

  • Frühe und oft im Krankenhausalltag verkannte Symptome einer Sepsis, gerade bei älteren Patienten, sind hohes Fieber, beschleunigte Atmung, schnellerer Herzschlag, niedriger Blutdruck und nachlassende Urinausscheidung sowie sehr häufig Verwirrtheit.

Höchste Überlebensquote bei Sepsis in Greifswald 

Greifswalder Forschern des Sepsisdialoges, eines Qualitätsprojektes zu Verbesserung der Vorbeugung, Diagnostik und Behandlung der Sepsis an der Universitätsmedizin Greifswald, ist es gelungen, die Krankenhaussterblichkeit von schweren Verlaufsformen (schwere Sepsis, septischer Schock) in den vergangenen 7,5 Jahren von 61,1 Prozent auf 40,2 Prozent zu reduzieren und somit mehr als 300 Patienten das Leben zu retten.

„Durch intensive Schulungsprogramme zur Früherkennung, mit einem PC-Programm zur Schnellauswertung von Laborwerten und eine zügige Erstbehandlung septischer Patienten konnte das Sepsis-Notfallmanagement Schritt für Schritt optimiert werden“, sagte Projektleiter Dr. Matthias Gründling von der Klinik für Anästhesiologie. 

„Unsere Patienten erhalten eine schnellere mikrobiologische Diagnostik, die richtigen Antibiotika werden zügiger verabreicht und die Organfunktionen der Patienten somit rascher stabilisiert. Wir liegen mit diesen Ergebnissen an der Spitze im bundesweiten Vergleich.“ Eine aktuelle Auswertung von Abrechnungsdaten für die Krankenkassen aus dem ersten Quartal 2016 (Quelle: Deutsche Qualitätsbündnis Sepsis - icosmos) zeigt, dass die Krankenhaussterblichkeit mit 31 Prozent in Greifswald deutlich geringer ausfällt als in den anderen teilnehmenden deutschen Kliniken (44 %).

„Diese in Deutschland einmaligen Ergebnisse sind nur durch das langjährige gemeinsame Engagement von Pflegekräften, Ärzten, Hygienikern und Mikrobiologen möglich geworden“, betonte der Direktor der Klinik für Anästhesiologie, Prof. Klaus Hahnenkamp. „Darauf wollen wir uns jedoch nicht ausruhen, sondern weitere Verbesserungen erarbeiten“, so Hahnenkamp.

Ein gewaltiger Zeitgewinn von 42 Stunden 

Wesentlich für den Erfolg der Behandlung bei einer Blutvergiftung ist die gezielte und zügige Therapie von Sepsispatienten mit Antibiotika.

Um dieses zu ermöglichen, werden den Betroffenen Blutproben entnommen (Blutkulturen) und in speziellen Brutschränken bei 37 °C untersucht.

Wenn in einer Blutkultur Bakterien wachsen, dann schließen sich weitere Untersuchungen an, die in der Regel nach etwa 48 Stunden vorliegen und genaue Auskunft über den Erreger und dessen Empfindlichkeit gegenüber Antibiotika geben.

„Im Greifswalder Team des Sepsisdialoges werden nun neueste Techniken eingesetzt (Accelerate Pheno™ System, Accelerate Diagnostics, Inc. USA und Univero-System, Curetis GmbH, Deutschland), die es ermöglichen, diese Ergebnisse bereits nach vier bis sechs Stunden zu erhalten“, erläuterte Dr. Matthias Gründling. „Für die Patienten bedeutet dieser Zeitgewinn, dass die Sepsiserreger noch schneller und effektiver bekämpft werden können. Bei Sepsis kommt es auf jede Stunde an.“

„Die neuen Diagnostikverfahren sollen im Rahmen einer wissenschaftlichen Studie in Greifswald erstmals für Patienten auf der Intensivstation und in der internistischen Notaufnahme eingesetzt werden“, kündigte Prof. Markus M. Lerch, Direktor der Klinik und Poliklinik für Innere Medizin A, an. „Wir setzen große Erwartungen in die schnellen Diagnoseverfahren, die die bisherige positive Entwicklung noch weiter befördern sollen. Es kommt immer darauf an, sowohl den medizinischen Notfall einer Blutvergiftung möglichst frühzeitig zu erkennen als auch sofort entsprechend zu handeln. Jeder Zeitgewinn ist dabei kostbar. Dieses konsequente Vorgehen rettet, wie die bisherigen Greifswalder Ergebnisse eindrucksvoll belegen, vielen Sepsiskranken das Leben.“

Wie die Welt gegen Sepsis kämpft
 
Anlässlich des jährlichen Weltsepsistages am 13. September findet vom 8. bis 9. September 2016 der erste Welt-Sepsis-Kongress statt. Für Interessenten hat das Team des Sepsisdialoges Greifswald im Hörsaal Süd des Klinikums eine Liveübertragung des Onlinekongresses organisiert. Internationale und nationale Sepsisexperten berichten über die globalen Herausforderungen im Zusammenhang mit der Erkrankung und neueste wissenschaftliche Erkenntnisse.



1. Welt-Sepsis-Kongress
Programm http://www.worldsepsiscongress.org/program
Die Zeitverschiebung von +2 Stunden beachten!

Donnerstag, 8. September 2016, 15:30-23:00 Uhr
Freitag, 9. September 2016, 09:00-23:00 Uhr
Klinik-Hauptgebäude, Hörsaal Süd, Sauerbruchstrasse
Der Eintritt ist frei!


Bei einer Blutvergiftung ist die Zeit der entscheidende Faktor, um zügig helfen zu können.




Bei einer Blutvergiftung ist die Zeit der entscheidende Faktor, um zügig helfen zu können.
Foto: Dr. Matthias Gründling/UMG

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Qualitätsmanagementprojekt Sepsisdialog
Projektleiter: Dr. med. Matthias Gründling
Qualitätsmanagementprojekt Sepsisdialog
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Constanze Steinke Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald