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Prof. Andreas Roth: Transfusion - Blutungen - minimalem Blutverlust: Blutungsarme Endoprothesen einsetzen (Knie- oder Hüftprothesen)

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Endoprothetik mit minimalem Blutverlust

Orthopäden am Universitätsklinikum Leipzig nutzen im Operationssaal neue Methoden, um Blutungen erfolgreich zu minimieren

  • Häufigkeit von Transfusionen auf nur drei Prozent gesenkt 

Prof. Andreas Roth (2.v.r.) während einer Operation. Der leitende UKL-Chirurg und sein Team der Endoprothetik setzen auf neueste Verfahren, die wesentlich seltener zu hohem Blutverlust bei Patient:innen führen.

Prof. Andreas Roth (2.v.r.) während einer Operation. Der leitende UKL-Chirurg und sein Team der Endoprothetik setzen auf neueste Verfahren, die wesentlich seltener zu hohem Blutverlust bei Patient:innen führen. Stefan Straube / UKL

Blutungsarm Endoprothesen einsetzen – diesem Ziel hat sich die Orthopädie am Universitätsklinikum Leipzig (UKL) sehr erfolgreich verschrieben. 

  • Nach verschiedenen Umstellungen der Abläufe während und nach der Operation können die Chirurgen um Prof. Andreas Roth nicht nur den teilweise hohen Blutverlust beim Einsetzen einer Knie- oder Hüftprothese und Folgeprobleme wie Infektionen vermeiden, sondern so auch den Patient:innen schneller wieder auf die Beine helfen.

Hinter Prof. Andreas Roth und seinem Team liegen vier Jahre voller Umstellungen. 

So lange hat es gedauert, bis aus der ersten Anpassung der Abläufe im Operationssaal der Orthopäden im Universitätsklinikum Leipzig die heute fast blutverlustfreie Endoprothetik geworden ist. Jahre, in denen viele Fachrichtungen zusammengearbeitet haben und Neuerungen schrittweise eingeführt wurden. 

Das Ergebnis: „Wir brauchen heute kaum noch Transfusionen, um den Blutverlust bei einer Hüft- oder Knieprothesen-Operation wieder aufzufangen“, beschreibt Prof. Roth, Leiter des Bereichs Endoprothetik/ Orthopädie. 

Dabei galt und gilt sein Fach als eher „blutige“ Chirurgie, bei der es im Gegensatz zu anderen eben nicht minimal-invasiv zugeht, das eine oder andere Gefäß betroffen ist und so manche Blutkonserve benötigt wird. „Endoprothetische Operationen waren oft mit einem beträchtlichen Blutverlust verbunden und führten dazu, dass bis zu 46 Prozent der Patient:innen während oder nach der Operation eine Bluttransfusion benötigten“, erläutert der erfahrene Orthopäde.

Für die Patient:innen bedeutet das eine längere Erholungszeit nach dem Eingriff, denn auch der Kreislauf muss erst wieder auf die Beine kommen. 

 „Zudem hat sich über die üblichen Drainagen zur Kontrolle, ob es vielleicht doch noch blutet, der Flüssigkeitsverlust oft auch in den folgenden Tagen fortgesetzt“, beschreibt Roth. Moderne Chirurgie, davon ist er überzeugt, sollte hier andere Lösungen suchen. Und er wurde fündig: Zum einen bei Verfahren zur subtilen Blutstillung während der Operation, die von den plastischen Chirurgen am UKL eingesetzt werden. 

„Dabei werden die Gefäße während des Eingriffs mit speziellen Methoden direkt verschlossen“, erklärt Roth. Dadurch dauere die Operation zwar bis zu 15 Minuten länger, aber „im Nachgang gibt es sehr viel weniger Hämatome, Schwellungen oder auch Infektionen im Operationsgebiet“. 

Roth lernte von den Kolleg:innen und stellte seine Technik bei den Patient:innen, wo dies möglich war, um. Andere Operateure folgten, so dass heute die überwiegende Mehrheit der Endoprothesen am UKL mit minimalem Blutverlust eingesetzt wird.  

Die Folge: Nur noch bei minimalen drei Prozent der endoprothetischen Operationen wird eine Bluttransfusion benötigt!

Blutwert- und Gerinnungskontrolle

  • Um das zu ermöglichen, mussten allerdings auch viele weitere Faktoren vor, während und nach der Operation wie die Kontrolle der Blutwerte, der Gerinnung, Anpassungen der Narkose bis hin zur Schmerzbehandlung verändert werden. 
  • So wird während der Operation Tranexamsäure (TXA) eingesetzt, ein spezielles Mittel, dass die Gerinnungsneigung kurzzeitig steigert und so Blutungen verhindert. 

„Dabei wird das individuelle Risiko der Patienten sorgfältig abgewogen und unter anderem auch entschieden, ob wir das Mittel systemisch oder nur lokal direkt am zu operierenden Gelenk einsetzen“, erläutert Privatdozent Dr. Christian Pfrepper. Der Gerinnungsspezialist hat die Orthopäden bei ihrem Vorhaben unterstützt und die Voraussetzungen geprüft, unter denen die dafür nicht explizit zugelassene medikamentöse Blutstillung zum Einsatz kommen kann. „Wir haben dann festgestellt, dass wir auf diese Weise sowohl eine hohe Patientensicherheit gewährleisten als auch effektiv Blutungen verhindern können.“ Die Risikoprüfung vorab fällt den Anästhesisten zu, die auch beurteilen, welche Narkose zum Einsatz kommen kann – Vollnarkose oder nur Teilnarkose des zu operierenden Beins. Zum Konzept gehört auch, die Nachwirkungen der Narkose so zu steuern, dass die Patienten schnell aufstehen und in Bewegung kommen können. „Das hat alles Vor- und Nachteile“, sagt der Anästhesist Prof. Robert Werdehausen, „deshalb wägen wir genau ab, was für den Einzelnen am besten ist.“ Denn wirksam ist das Maßnahmenpaket auf jeden Fall.

Transfusionsfrequenz von nur noch drei Prozent

  • So wirksam, dass derzeit nur noch bei bestimmten Risikopatienten vorsorglich Blutpräparate vor der Operation vorbereitet und bereitgestellt werden – statt für jeden, wie das vorher der Fall war. 

Bei bis zu 400 Operationen im Jahr macht das einen großen Unterschied. „Wir konnten die internen Richtlinien dazu anpassen, weil wir mit unserem Verfahren die Transfusionshäufigkeit bei endoprothetischen Operationen auf drei Prozent gesenkt haben“, erklärt Orthopädin Dr. Christina Pempe. 

Sie hat den Prozess von Anfang an begleitet und versucht ihn, weiter voranzutreiben: Auch vor der Operation kann dafür gesorgt werden, dass Transfusionen überflüssig werden. 

 „Der Hämoglobinwert HB gibt uns dafür wichtige Hinweise.“ Bei einer Blutarmut, also einer Anämie, steigt trotz aller Maßnahmen das Risiko für Transfusionen, haben Auswertungen gezeigt. Also prüfen die UKL-Orthopäd:innen bereits in der Sprechstunde vor der Operation die Blutwerte und den HB-Wert. „Ist dieser zu niedrig, bitten wir die Hausärzte, bis zur OP die damit verbundene Anämie der Patient:innen zu behandeln“, erklärt Pempe. Klappt das, trägt auch dieser Baustein dazu bei, perfekte Bedingungen für das Gelingen der aufwändigen Implantation der Kunstgelenke zu schaffen.

Verzicht auf Drainagen

„Inzwischen nutzen wir das neue Verfahren zunehmend auch für die komplizierteren Operationen zum Wechsel einer Endoprothese“, so Dr. Christina Pempe weiter. Denn die Abläufe haben sich gut eingespielt – auch die nach dem Eingriff. 

  • Denn eine weitere Neuerung ist der Verzicht auf Drainagen, also die Ableitung von Flüssigkeit aus dem Gewebe über einen Katheter. 

 „Da wir die Gefäße verschließen, benötigen wir diesen Schlauch unter der Haut nicht mehr“, beschreibt Prof. Andreas Roth. 

Dieser sollte bisher Schwellungen verhindern, aber auch eine Kontrolle möglicher Nachblutungen sicherstellen. 

Das wird nicht mehr gebraucht, dafür sorgt die Blutstillung während der Operation. 

Gleichzeitig können so Entzündungen vollständig vermieden werden. 

„Dadurch verhindern wir auch, dass sich Prothesen wieder lockern“, sagt der Orthopäde.

So verändern die Umstellungen bei der Operation auch die Routinen auf der Station: 

  • Drainagenkontrollen und -wechsel entfallen, dafür bekommen die Patient:innen eine
  • spezielle Kühlung in der Nachbetreuung, stehen viel schneller auf, um wieder in Bewegung zu kommen, und verlassen auch früher das Krankenhaus. 

„Das war ein nicht immer leichter gemeinsamer Lernprozess voller Umstellungen“, blickt Roth zurück, „der vermutlich auch nur in einem Klinikum wie dem unseren, wo so viele Expert:innen zusammenkommen, möglich war.“ 

Profitiert haben seine Patient:innen.

 „Wenn ich diese nach der Operation besuche, bin ich immer wieder selbst überrascht, wie gut es ihnen geht und wie schnell sie wieder beweglich sind.“ 

Dr. Christina Pempe im Gespräch mit einem Patienten. Die Fachärztin für Orthopädie / Unfallchirurgie hat den Prozess zur Etablierung des Verfahrens von Anfang an begleitet.

Dr. Christina Pempe im Gespräch mit einem Patienten. Die Fachärztin für Orthopädie / Unfallchirurgie hat den Prozess zur Etablierung des Verfahrens von Anfang an begleitet. Stefan Straube / UKL

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Plasmaspende: Antikörper-Therapie bei COVID-19-Patienten www.blutspendehamburg.de

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Asklepios Kliniken rufen Hamburger zur Plasmaspende auf und starten Antikörper-Therapie bei COVID-19-Patienten

• Genesene „Corona“-Patienten können schwer am Virus Erkrankten ab sofort mit einer Blutplasmaspende helfen. 

Hotline eingerichtet: (040) 20 00 22 00 

• Antikörper im „Rekonvaleszenten-Plasma“ eröffnen Chancen auf Heilung


• Asklepios-Transfusionsmediziner, Laborspezialisten und die Internisten und 

Intensivmediziner der Asklepios Klinik Altona starten ab sofort die Plasma-Entnahme, Aufbereitung und Therapie mit der passiven Immunisierung 

Prof. Dr. Dirk Arnold
Prof. Dr. Dirk Arnold Foto: Asklepios
 
Schon jetzt: In Hamburg erstmals lebensbedrohlich an COVID-19 erkrankte Patienten mit einer neuen Immuntherapie behandelt werden – mit Antikörpern, die aus dem Blut genesener „Corona“-Patienten gewonnen werden.

Asklepios-Spezialisten des Zentralinstituts für Transfusionsmedizin (ZIT), der Laborgesellschaft Medilys und der auf Hämatologie (Bluterkrankungen) spezialisierten Ärzte der Asklepios Klinik Altona arbeiten dabei Hand in Hand, um das Plasma zu gewinnen, aufzubereiten und dann in Form einer Antikörpertherapie den schwer kranken, meist bereits beatmeten Patienten zu verabreichen.

„Wir erwarten uns von dem neuen Therapieansatz günstige Auswirkungen auf die Krankheitsverläufe von COVID-19-Patienten mit sehr schwerem Krankheitsverlauf“, sagt Prof. Dr. Dirk Arnold (https://www.asklepios.com/hamburg/altona/experten/onkologie/), Chefarzt der Abteilung Onkologie, Hämatologie, Palliativmedizin und Rheumatologie der Asklepios Klinik Altona.

Die Hamburger Gesundheitsbehörde hat dem Antrag von Asklepios auf Herstellung des sogenannten Rekonvaleszenten-Plasmas als Arzneimittel sehr kurzfristig stattgegeben und ermöglicht somit auch rechtlich den schnellen Einsatz des neuen Therapieansatzes für Patienten mit einer schweren, lebensbedrohlichen COVID-19-Infektion.

„Mit den Antikörpern aus dem Blut von genesenen Patienten wurden bereits andere gefährliche Viruserkrankungen bekämpft, von der Diphterie über die Spanische Grippe bis hin zu Ebola. Das Prinzip ist immer das Gleiche: Die Antikörper von gesunden Spendern, die die Krankheit überstanden haben, sollen den Krankheitsverlauf der Schwerkranken positiv beeinflussen, indem sie eine passive Immunisierung bewirken. Bei COVID-19-Patienten würden die Antikörper somit im Idealfall das neue, gefährliche Coronavirus neutralisieren und den schwer erkrankten Patienten dadurch wertvolle Zeit schenken, um eine eigene Virusabwehr aufzubauen. Das ist unsere Hoffnung“, so Prof. Arnold, der auch Vorstand des Asklepios Tumorzentrums mit rund 200 Spezialisten an sieben Klinikstandorten von Asklepios in Hamburg ist. „Die Chance, die uns die Antikörpertherapie bietet, ist auch deshalb so wertvoll, weil es aktuell weltweit noch keinen einzigen wirklich überzeugenden sonstigen Therapieansatz zur Beherrschung dieser schweren Erkrankung gibt“, so der renommierte Internist und Hämatologe.  

Das neue Arzneimittel mit den Sars-CoV 2-Antikörpern wird aus dem Blutplasma von Patienten gewonnen, die an COVID-19 erkrankt waren, positiv auf das neue Coronavirus (Sars-CoV 2) getestet wurden und bei denen der Beginn der Krankheitssymptome mindestens vier Wochen zurückliegt.

Für die Produktsicherheit der Plasmen werden bei der MEDILYS Laborgesellschaft analog zu Blutprodukten Testungen auf verschiedene Viren, wie z. B. HIV, HCV und HBV durchgeführt. Erst nachdem keine dieser Viren in den Produkten nachweisbar sind, werden die Plasmen weiter vom ZIT zu Arzneimitteln verarbeitet. Weiterhin wird in den Proben der Gehalt an Sars-CoV-2-Antikörpern (sog. IgG) bestimmt. Erst wenn der Genesene eine ausreichende Menge an spezifischem IgG-Antikörper gebildet hat, kann das Plasma für die schwerstkranken Patienten eingesetzt werden.

Aufruf an die Hamburger zur Blutplasmaspende

„Wir rufen alle Hamburgerinnen und Hamburger, die eine COVID-19-Erkrankung gut überstanden haben, dazu auf, sich beim Blutspendedienst Hamburg unter der Hotline (040) 20 00 22 00 zu melden.

Wir prüfen dann schnellstmöglich, ob sie für eine Plasmaspende in Frage kommen“, so Dr. Melanie Braun, Ärztliche Leiterin des Zentralinstituts für Transfusionsmedizin der Asklepios Kliniken, zu der auch der Blutspendedienst Hamburg https://www.blutspendehamburg.de/ gehört.

  • Die Einrichtung zählt zu den wenigen in Deutschland, die in der Lage sind, entsprechendes Plasma mithilfe der Plasmapherese herzustellen. 

Die Plasmaspenden erfolgen am bekannten Standort im Einkaufszentrum Quarree (Hamburg-Wandsbek), wo der Blutspendedienst Hamburg eine technisch hervorragend ausgestattete Einrichtung betreibt.

  • Die Spender werden zunächst zu einer Laborkontrolle einbestellt – und nach einem Nachweis auf die nötige Zahl Antikörper im Blut erfolgt wenige Tage später die Plasmaentnahme. 

Dabei wird das Plasma während der Blutspende aus dem Blut entnommen, während dem Patienten die festen Bestandteile des Blutes (vorwiegend die roten Blutkörperchen) wieder in die Vene zurückgegeben werden. 

  • Insgesamt werden pro Plasmaspende innerhalb von 45 Minuten drei Beutel Plasma à 220 ml entnommen. 

„Plasmaspenden kann im Grunde jeder, der auch für eine normale Vollblutspende in Betracht kommt – nur, dass es hier auf genesene COVID-19-Patienten ankommt“, so Dr. Braun.

„Unser Körper kann das Plasma übrigens schon in wenigen Tagen neu bilden. 

Damit ist das Plasmaspenden sogar noch weniger belastend als eine Vollblutspende“, so Dr. Braun.

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Über Asklepios
Die Asklepios Kliniken zählen zu den führenden privaten Betreibern von Krankenhäusern und Gesundheitseinrichtungen in Deutschland. Die Klinikgruppe steht für eine hoch qualifizierte Versorgung ihrer Patienten mit einem klaren Bekenntnis zu medizinischer Qualität, Innovation und sozialer Verantwortung. Auf dieser Basis hat sich Asklepios seit der Gründung vor 35 Jahren dynamisch entwickelt. Aktuell verfügt der Konzern bundesweit über rund 160 Gesundheitseinrichtungen. Dazu zählen Akutkrankenhäuser aller Versorgungsstufen, Fachkliniken, psychiatrische und forensische Einrichtungen, Rehakliniken, Pflegeheime und Medizinische Versorgungszentren. Im Geschäftsjahr 2019 wurden 2,5 Mio. Patienten in Einrichtungen des Asklepios Konzerns behandelt. Das Unternehmen beschäftigt mehr als 49.000 Mitarbeiter.
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Blutvergiftung, Antibiotika und Transfusionen

Medizin am Abend Berlin Fazit:  Symposium Intensivmedizin

Heidelberger Interdisziplinäres Forum Intensivtherapie (HIFIT) vom 11. bis 14. Januar 2017 / Gastvortrag des Bergsteigers Reinhold Messner / Auftaktveranstaltung zum Jubiläumsjahr: 50 Jahre Lehrstuhl für Anästhesiologie am Universitätsklinikum Heidelberg

Ohne eine fachübergreifende interdisziplinäre Zusammenarbeit von Ärzten und Fachkrankenpflegern ist eine umfassende Patientenversorgung nicht möglich. Ohne eine fachübergreifende interdisziplinäre Zusammenarbeit von Ärzten und Fachkrankenpflegern ist eine umfassende Patientenversorgung nicht möglich. Universitätsklinikum Heidelberg
 
Welche neuen Forschungsergebnisse gibt es zur gefürchteten Blutvergiftung? Wie können resistente Keime auf Intensivstationen eingedämmt werden? Wie lässt sich der Einsatz von Bluttransfusionen verringern? Diese und viele weitere Fragen diskutieren Ärzte und Pflegende vom 11. bis 14. Januar 2017 beim „Heidelberger Interdisziplinäres Forum Intensivtherapie“, zu dem die Klinik für Anästhesiologie des Universitätsklinikums Heidelberg in die Print Media Academy einlädt. Das Weiterbildungsformt wendet sich an Neueinsteiger und Experten aller Fachdisziplinen. „Anhand von Fallbespielen wollen wir uns kritisch mit aktuellen Forschungsergebnissen, Innovationen und Trends in der Intensivmedizin auseinandersetzen“, sagt Professor Dr. Markus Weigand, Ärztlicher Direktor der Klinik für Anästhesiologie. „Wichtig ist uns insbesondere die fachübergreifende interdisziplinäre Zusammenarbeit von Ärzten und Fachkrankenpflegern, ohne die eine umfassende Patientenversorgung nicht möglich ist.“ Einen Ausblick in die eine andere Welt der Extreme und Entscheidungsvorgänge bietet der Bergsteiger Reinhold Messner in seinem einstündigen Gastvortrag am Freitag, 13. Januar, ab 12 Uhr.


Jeder Tropfen Blut zählt: Die Gerinnungsdiagnostik hilft bei Operationen Blutungen zu vermeiden; so können unnötige Transfusionen vermieden werden.

Jeder Tropfen Blut zählt: Die Gerinnungsdiagnostik hilft bei Operationen Blutungen zu vermeiden; so können unnötige Transfusionen vermieden werden. Universitätsklinikum Heidelberg

Das Thema Blutgerinnung und Transfusionen beschäftigt die Experten am ersten Kongresstag: Ist die Blutgerinnung gestört, kann es während einer Operation es zu gefährlichen Blutverlusten kommen. Lebensrettend können dann Transfusionen mit Fremdblut sein. Doch diese können auch Nebenwirkungen mit sich bringen, wie z.B. schwerwiegende Reaktionen des Immunsystems, ähnlich einer allergischen Reaktion. „In Heidelberg und Kaiserslautern steht rund um die Uhr eine umfangreiche Gerinnungsdiagnostik nicht nur durch das Zentrallabor, sondern auch direkt in den Operationssälen und auf den Intensivstationen zur Verfügung“, so Professor Hofer. Damit kann möglichst schnell festgestellt werden, welche Substanzen dem Patienten fehlen, um diese dann gezielt verabreichen zu können. Unnötige Transfusionen lassen sich so vermeiden.  

Durch eine eigens eingerichtete Spezialsprechstunde sollen bestimmte Patientengruppen auch schon vor einer Operation betreut werden. Ziel ist es, die Blutgerinnung bei Bedarf schon vor dem Eingriff durch die Gabe bestimmter Präparate zu optimieren und somit die Gefahr von Blutungen einzudämmen, damit es erst gar zu einer Transfusion kommen muss.  

Diese Möglichkeit ist eine wichtige Säule im so genannten Patient Blood Management. Wobei hierbei auch verschiedene Maßnahmen während der Operation dazu beitragen Blutverluste so gering wie möglich zu halten. So kann z.B. Blut, das die Patienten verlieren, gereinigt und zurückgeführt werden. 

„Jeder Tropfen Blut zählt“, betont Hofer.

Ein Heidelberger Forschungsschwerpunkt, zu dem Professor Weigand am Donnerstag, 12. Januar, referieren wird, ist die Sepsis, umgangssprachlich Blutvergiftung genannt. 

Jährlich erkranken in Deutschland rund 180.000 Menschen, meist sehr geschwächte Patienten auf Intensivstation an den lebensgefährlichen Entzündungsreaktionen der Sepsis. „Nur wenn Pflegende und Ärzte schnell und richtig reagieren, können sie Patienten vor bleibenden Schäden bewahren.“

Mit eigens ausgearbeiteten und ständig aktualisierten Leitfäden („Heidelberger Sepsis Pathway“) ist das Universitätsklinikum Heidelberg eines der deutschlandweit führenden Zentren in der Behandlung der Sepsis.

  • Trotz aller Bemühung endet die Sepsis für etwa ein Drittel der Betroffenen tödlich. 
„Dafür gibt es drei Hauptgründe: es treten zunehmend aggressive Krankheitserreger auf, gleichzeitig werden weniger neue Antibiotika entwickelt. Darüber hinaus sind die Krankheitsmechanismen bislang nicht vollständig verstanden“, sagt Weigand. Die Heidelberger Wissenschaftler erforschen daher die immunologischen Grundlagen der Sepsis: Neue Erkenntnisse über körpereigene Botenstoffe, die an der Entzündungsreaktion beteiligt sind, könnten zukünftig neue Ansätze für die Therapie bieten.

Ebenfalls am zweiten Kongresstag steht die Infektiologie im Fokus der Mediziner. So diskutieren die Heidelberger Experten aus Intensivmedizin und Krankenhaushygiene fachübergreifend über verschiedene infektiologische Fallbeispiele aus der Praxis. Bakterien, denen die gängigen Antibiotika nichts anhaben können, sind inzwischen weit verbreitet und ein zunehmendes Problem in Kliniken. Für Patienten mit einem geschwächten Immunsystem können sie zu einer echten Gefahr werden. „In den meisten Fällen gibt es zwar noch wirksame Reserve-Antibiotika, doch diese müssen sehr gezielt eingesetzt werden“, sagt Weigand.

Am Universitätsklinikum Heidelberg gibt es auf den Intensivstationen eine wöchentliche gemeinsame Visite von Anästhesie und Vertretern und Krankenhaushygiene und Klinikapotheke. 

„Mit der Kooperation wollen wir multiresistenten Erregern entgegen wirken. Unser Ziel ist es, Antibiotika möglichst selten und nur gut angepasst einzusetzen.“

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Prof. Dr. Markus A. Weigand
Anästhesiologische Universitätsklinik Heidelberg
Telefon: 06221 56-6350
E-Mail: Anae.Sekretariat@med.uni-heidelberg.de


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Prof. Dr. Stefan Hofer
Klinik für Anästhesie, Intensiv- und Notfallmedizin
Westpfalz-Klinikum Kaiserslautern
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E-Mail: shofer@westpfalz-klinikum.de
Julia Bird Universitätsklinikum Heidelberg


Universitätsklinikum und Medizinische Fakultät Heidelberg: Krankenversorgung, Forschung und Lehre von internationalem Rang

Das Universitätsklinikum Heidelberg ist eines der bedeutendsten medizinischen Zentren in Deutschland; die Medizinische Fakultät der Universität Heidelberg zählt zu den international renommierten biomedizinischen Forschungseinrichtungen in Europa. Gemeinsames Ziel ist die Entwicklung innovativer Diagnostik und Therapien sowie ihre rasche Umsetzung für den Patienten. Klinikum und Fakultät beschäftigen rund 12.800 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und engagieren sich in Ausbildung und Qualifizierung. In mehr als 50 klinischen Fachabteilungen mit ca. 1.900 Betten werden jährlich rund 66.000 Patienten vollstationär, 56.000 mal Patienten teilstationär und mehr als 1.000.000 mal Patienten ambulant behandelt. Das Heidelberger Curriculum Medicinale (HeiCuMed) steht an der Spitze der medizinischen Ausbildungsgänge in Deutschland. Derzeit studieren ca. 3.500 angehende Ärztinnen und Ärzte in Heidelberg.
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http://www.westpfalz-klinikum.de/kliniken-zentren/kliniken-abteilungen-institute... Klinik für Anästhesie, Intensiv- und Notfallmedizin 1, Westpfalz-Klinikum GmbH