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Prof. Dr. med. Christiane Waller: TOP - Einladung für tagesklinische Plätze speziell für Post-COVID Patienten

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Klinikum Nürnberg bringt neues tagesklinisches Angebot für Post-COVID-Patienten auf den Weg

Müdigkeit, Kurzatmigkeit, eingeschränkte Leistungsfähigkeit – noch Monate nach einer Erkrankung mit COVID-19 leiden manche Betroffene an den Folgen. 

Das Klinikum Nürnberg hat sich schon früh um das Thema Post-COVID gekümmert und für betroffene Mitarbeitende sowie Patienten eine ambulante Post-COVID-Sprechstunde eingerichtet. 

Nun geht heute zum 10. Januar eine weitere Säule an den Start: 

An der Klinik für Psychosomatik und Psychotherapie sowie an der Klinik für Innere Medizin, Schwerpunkt Geriatrie, wurden tagesklinische Plätze speziell für Post-COVID-Patienten ein-gerichtet. 

Während der Therapie sollen sie dort sowohl die körperlichen als auch die seelischen Symptome der Infektion ausheilen. 

Prof. Dr. med. Christiane Waller, Ärztliche Leiterin der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie am Klinikum Nürnberg Prof. Dr. med. Christiane Waller, Ärztliche Leiterin der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie am Klinikum Nürnberg Rudi Ott Klinikum Nürnberg 

Die Post-COVID-Erkrankung ist eine anhaltende Komplikation nach einer CO-VID-19-Infektion. 

  • Erschöpfung und verminderte Leistungsfähigkeit führen bei den Betroffenen zu eingeschränkter Lebensqualität und verhindern die Teilhabe am Alltags- und Arbeitsleben. 

„Die Betroffenen finden nicht mehr in den Tagesrhythmus, fühlen sich erschöpft und müde, der Körper läuft unter Dauerstress“, schildert Prof. Dr. med. Christiane Waller, Chefärztin der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie am Klinikum Nürnberg.

Vermehrte Anfragen und Fälle

Weil sich die Anfragen und Fälle in ihrer Ambulanz zuletzt häuften, hat Waller gemeinsam mit Prof. Dr. med. Markus Gosch, Chef der Klinik für Innere Medizin 2, Schwerpunkt Geriatrie, und Prof. Dr. med. Jochen Ficker, Chef der Klinik für Innere Medizin 3, Schwerpunkt Pneumologie, das neue tagesklinische Angebot am Klinikum Nürnberg auf den Weg gebracht:  

  • Patientinnen und Patienten mit Post-COVID Symptomen werden dort während der drei- bis vierwöchigen Verweildauer von Fachleuten interdisziplinär und multimodal begutachtet und therapiert.


„Zunächst schließen wir aus, dass andere körperliche Ursachen wie beispielsweise eine schwere Erkrankung, die sich im Körper unbemerkt entwickelt, Ursache der Beschwerden sind “, sagt Prof. Dr. med. Markus Gosch, „wir arbeiten dafür eng mit den Fachkliniken hier im Haus wie etwa der Klinik für Pneumologie zusammen.“

Stressreduktion und körperliche Aktivierung

So übernimmt zum Beispiel die Abteilung für Physikalische Therapie der Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie einen der Schwerpunkte der Behandlung: mit speziellen physiotherapeutischen, ergotherapeutischen und logopädischen Programmen werden die körperlichen Fähigkeiten wiederhergestellt und damit die Patienten*innen aus ihrem Tief geholt.

Im Zentrum der Behandlung: Stressreduktion und körperliche Aktivierung. 

„Für die Betroffenen waren die vergangenen Monate ja eine Dauerausnahmesituation“, sagt Prof. Dr. med. Christiane Waller, „Stressreduzierende Maßnahmen in Kombination mit Kraft-, Ausdauer- und Gedächtnistraining fördern die Ausheilung der Symptome. Wir haben Verfahren etabliert, mit denen der Stresslevel über die Bestimmung von oxidativem Stress im Blut überprüft werden kann.“

Dafür arbeitet die Klinik von Prof. Dr. med. Christiane Waller mit der sogenannten psychoneuroimmunologischen Diagnostik. „Wir untersuchen unter anderem das Blut der Betroffenen und können sehen, ob die Zellen noch unter Stressbelastung stehen“, erklärt Prof. Waller. „Wenn die Werte für den Sauerstoffstress während des Aufenthalts besser werden, sehen wir, dass die Therapie anschlägt“. Mit angeleiteten Kraft- und Ausdauertrainings werden die Patientinnen und Patienten parallel auch körperlich wieder fitter gemacht. „Ziel des Aufenthalts in der Tagesklinik ist es, Post-COVID auszuheilen“, betont Prof. Dr. med. Christiane Waller.

Multiprofessionelles und interdisziplinäres Therapiekonzept


Bei den älteren und oft schon mehrfach vorerkrankten Patientinnen und Patienten, die mit Post-COVID in die Tagesklinik zu Prof. Dr. med. Markus Gosch kommen, geht es vor allem darum, sie nach der Erkrankung wieder zu mobilisieren. „Sie sollen so weit wie möglich wieder an ihr Leben vor der COVID-Erkrankung anknüpfen können“, sagt Prof. Dr. med. Markus Gosch, „beispielsweise wieder selbst Einkaufen gehen“. Ziel sei, die Selbstständigkeit und die Lebensqualität der Betroffenen wieder zu verbessern. „Auch wenn die Erkrankung vielleicht nicht schwerwiegend verlaufen ist, so sind viele doch sehr belastet und dauerhaft erschöpft.“

Die Geriatrischen Tageskliniken am Klinikum Nürnberg bieten diesen Patienten ein multiprofessionelles und interdisziplinäres Therapiekonzept, das auch auf die seelischen und sozialen Bedürfnisse der Patienten eingeht. Das sei besonders wichtig, weil es unter den erkrankten Senioren besonders viele Patientinnen und Patienten gäbe, die die Corona-Pandemie in vielerlei Hinsicht sehr hart getroffen habe, sagt Prof. Dr. med. Markus Gosch. „Sie haben Angehörige, Freunde, Nachbarn verloren und müssen oft mit Einsamkeit zurechtkommen. Kommen dann noch dauerhaft Post-COVID-Symptome hinzu, ist das sehr belastend und verkürzt die Lebenserwartung“, so Gosch. „Wir möchten ihnen helfen“.

  • Der Weg zum neuen tagesklinischen Angebot für Post-COVID-Patienten am Klinikum Nürnberg führt über den Hausarzt und eine Überweisung. 


Kontakt: Psychosomatik-Post-Covid@klinikum-nuernberg.de 

Prof. Dr. med. Markus Gosch, Ärztlicher Leiter der Klinik für Innere Medizin 2, Schwerpunkt Geriatrie

 Prof. Dr. med. Markus Gosch, Ärztlicher Leiter der Klinik für Innere Medizin 2, Schwerpunkt Geriatrie Jasmin Szabo Klinikum Nürnberg

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Nehmen Sie aktiv fachlich Teil: Ateminsuffizienz mit Hypoxämie: High-Flow-Therapie (HFT)

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: High-Flow-Therapie zur Selbstanwendung bei COPD oder Ateminsuffizienz: Nutzen unklar

Bei Ateminsuffizienz mit Hypoxämie sind Kurzatmigkeit und Exazerbationen mit High-Flow-Therapie seltener. 

Aber schwere Komplikationen sind nur unzureichend erfasst. 

Stellungnahmen zum Vorbericht bitte bis zum 9. März.

Bei einer High-Flow-Therapie (HFT) wird Patientinnen und Patienten mit chronischer Atemschwäche über eine Nasensonde längere Zeit befeuchtete und erwärmte Raumluft mit hoher Flussrate zugeführt, um Beschwerden zu lindern. 

Die Vor- und Nachteile einer solchen Behandlung in der Selbstanwendung (zu Hause, in stationärer Pflege oder Reha etc.) untersucht das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) zurzeit in einer Nutzenbewertung. 

  • Die Bewertung bezieht sich auf Patientinnen und Patienten mit stabiler, fortgeschrittener COPD oder mit chronischer respiratorischer Insuffizienz Typ 1. 
  • Der Typ 1 bezeichnet eine Form der chronischen Ateminsuffizienz, bei der zu wenig Sauerstoff aufgenommen wird (Hypoxämie).


Kurzatmigkeit und Exazerbationen seltener bei Atemschwäche Typ 1

Gemäß den vorläufigen Ergebnissen des Vorberichts kann die High-Flow-Therapie typische und belastende Symptome bei Betroffenen lindern: 

  • Kurzatmigkeit (Dyspnoe) und akute Verschlechterungen (Exazerbationen) der Atemschwäche traten bei einer High-Flow-Therapie bei Studienteilnehmerinnen und -teilnehmern mit chronischer respiratorischer Insuffizienz Typ 1 (Sauerstoffmangel im arteriellen Blut) seltener auf. 


Weil (schwerwiegende) unerwünschte Ereignisse in der zugrunde liegenden Studie nicht systematisch erfasst wurden, lässt sich endpunktübergreifend hier aber kein Anhaltspunkt für einen höheren Nutzen oder höheren Schaden ableiten. 

Problematisch ist vor allem, dass in der maßgeblichen Studie jeweils etwa zehn Prozent der Patientinnen und Patienten starben oder wegen einer schweren Erkrankung aus der Studie ausschieden. 

Dennoch wird aber berichtet, es habe keine (schwerwiegenden) unerwünschten Ereignisse gegeben.

Für die Anwendung der High-Flow-Therapie bei Patientinnen und Patienten mit COPD und Kohlendioxid-Überschuss im Blut (Hyperkapnie) im Rahmen einer chronischen respiratorischen Insuffizienz Typ 2 sowie bei Patientinnen und Patienten mit COPD ohne chronische respiratorische Insuffizienz lagen keine verwertbaren Studien vor. 


Stellungnahmen zum Vorbericht sind möglich bis zum 9. März 2021.

Zum Ablauf der Berichtserstellung

Den Berichtsplan für dieses Projekt hatte das IQWiG im Juli 2020 veröffentlicht. 

Stellungnahmen zum Vorbericht werden nach Ablauf der Frist ab dem 10. März gesichtet. 

Sofern sie Fragen offenlassen, werden die Stellungnehmenden zu einer mündlichen Erörterung eingeladen.


Originalpublikation:

https://www.iqwig.de/projekte/n20-02.html

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CAVE: Einladung zur Studie zur Prävention psychischer Erkrankungen-Angstattacken/Paniksymptomen

Medizin am Abend Berlin Fazit: Panik!? Was nun? – Psychologen suchen Studienteilnehmer für Präventionsprogramm

Am Institut für Psychologie der Universität Greifswald startet eine Studie zur Prävention psychischer Erkrankungen. 

  • Ziel ist, das Erkrankungsrisiko bei Personen mit Angstattacken mithilfe eines Präventionsprogramms zu verringern. 
 
Für die Studie werden in Greifswald und Dresden insgesamt 300 Personen mit Angstattacken gesucht.

Im Forschungsprojekt „Indizierte Prävention psychischer Störungen bei Personen mit initialen Paniksymptomen:

Untersuchung der Wirksamkeit und zugrundeliegenden Wirkmechanismen“ arbeiten die Greifswalder Wissenschaftler mit Kolleginnen und Kollegen an der TU Dresden zusammen.

Die Studie wird mit rund 720.000 Euro über drei Jahre von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert.

  • Plötzliche intensive Angst, Panik oder extreme Anspannung – etwa jeder vierte Erwachsene in Deutschland hat schon einmal eine solche Angstattacke erfahren. 
  • Personen, die solche Situationen erlebt haben, haben häufig ein erhöhtes Risiko psychische Störungen wie zum Beispiel Angststörungen, Depressionen oder Suchterkrankung zu entwickeln (1).

Laut aktueller Daten aus der Gesundheitsstudie Study of Health in Pomerania (SHIP) http://www2.medizin.uni-greifswald.de/cm/fv/ship.html leiden über die Hälfe der Menschen (54,8 Prozent) in Vorpommern einmal in ihrem Leben an einer psychischen Erkrankung (2).

  • Psychische Erkrankungen sind mit erheblichen Leiden, Einschränkungen und Belastungen sowie Kosten verbunden, zum Beispiel durch Fehltage am Arbeitsplatz (3). 

Eine solche Angst- oder Panikattacke kann zu einer großen Verunsicherung, zu intensiven Sorgen und Ängsten führen.

  • In der Folge beginnen machen Personen eine Vielzahl an Situationen, Orten und Aktivitäten zu vermeiden oder suchen häufig Ärzte auf. 

Sie schränken ihr Leben stark ein, ziehen sich zurück und verlassen im schlimmsten Fall nicht mehr das Haus.

Andere Menschen wiederum versuchen Panik und Ängste mit Alkohol, Drogen oder Medikamenten zu lindern.

Es kommt zu einer starken Einschränkung der Lebensführung und Lebensqualität. Diese Personen sind stark belastet und leiden unter den Ängsten und Panikattacken.

Die Studie wir geleitet von Dr. Christiane Pané-Farré https://psychologie.uni-greifswald.de/43051/lehrstuehle-ii/klinische-und-physiol... von der Universität Greifswald und Prof. Dr. Katja Beesdo-Baum https://tu-dresden.de/mn/psychologie/behav_epi/die-professur/inhaber-in von der TU Dresden.

Was ist eine Angst- oder Panikattacke?
Eine Angst- bzw. Panikattacke ist eine Episode intensiver Angst oder eines Gefühls starken Unbehagens, welche mit verschiedenen Symptomen, wie beispielsweise Kurzatmigkeit, Herzklopfen und Zittern einhergeht. 

Die Angst tritt dabei abrupt und unerwartet auf.

Was ist das Präventionsprogramm?
„Um zu verhindern, dass Personen mit Angstattacken anhaltende psychische Probleme entwickeln, haben wir die aktuell wirksamsten Methoden in einem Präventionsprogramm zusammengestellt“, erklärt Studienleiterin Dr. Christiane Pané-Farré von der Universität Greifswald. In zwei kurzen Trainingssitzungen sollen Teilnehmer zusammen mit erfahrenen Trainern einen neuen Umgang mit Angst und Panik erlernen, um langfristig Angst und Belastungen bewältigen zu können.

Was wird in der Studie untersucht?
„Uns interessiert, warum manche Menschen auf unterschiedliche Situation sehr sensibel reagieren und eventuell psychische Probleme in Folge einer Angstattacke entwickelten, erklärt Dr. Christoph Benke, Mitarbeiter im Forschungsprojekt. Mithilfe von Befragungen und Untersuchungen körperlicher Reaktionen soll untersucht werden, ob sich diese Reaktion durch eine Präventionsmaßnahme verändert und welche langfristigen Effekte Angstattacken und die Präventionsmaßnahme haben.

Wer kann an der Studie teilnehmen?
Für die Studie werden Teilenehmerinnen und Teilnehmer gesucht,
• die innerhalb der vergangenen 12 Monate einen Angstanfall (Angstattacke/Panikattacke) erlebt haben, bei dem sie ganz plötzlich von einem Gefühl starker Angst, Beklommenheit oder Unruhe überfallen wurden,
• zwischen 18 und 40 Jahre alt sind,
• sich aktuell nicht wegen psychischer Probleme in Behandlung befinden und
• bereit sind, an einer Präventionsmaßnahme in Kombination mit verschiedenen Befragungen und körperlichen Untersuchungen teilzunehmen.
Die Präventionsmaßnahme ist kostenlos; zusätzlich erhalten Teilnehmer eine finanzielle Aufwandsentschädigung für die diagnostischen Untersuchungen im Rahmen der Studie.

Interessierte können sich für die Studie auf unserer Website anmelden und weitere Informationen erhalten: http://www.panik-was-nun.de

Gerne können sich Interessierte auch direkt an unser Studienteam wenden:
panik-was-nun@uni-greifswald.de, Telefon 03834 420 3730


Weitere Informationen
(1) Siehe Asselmann et al., 2014 https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0022395614001071; Pané-Farré et al., 2013 https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0887618513001321
(2) Siehe Asselmann et al., 2018) https://link.springer.com/article/10.1007/s00406-018-0911-5
(3) Siehe Wittchen & Jacobi, 2005 https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0924977X05000751?via%3Dihub

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Institut für Psychologie
Lehrstuhl für Physiologische und Klinische Psychologie/Psychotherapie
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Dr. Christoph Benke
Franz-Mehring-Straße 47, 17489 Greifswald
Telefon 03834 420 3746
christoph.benke@uni-greifswald.de
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Jan Meßerschmidt Universität Greifswald
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Jan Meßerschmidt
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Herzunterstützungssystem: Kunstherz Heartmate - pulslosen Blutpumpe oder künstlichen Puls?

Medizin am Abend Berlin Fazit:   „Die Pumpe gehört zu mir wie ein zweites Herz“

Europa-Rekord: Uwe S. lebt seit zehn Jahren mit einem Kunstherz / MHH versorgt jährlich 100 Patienten mit einem Herzunterstützungssystem 
 
Die Herzinsuffizienz ist eine der häufigsten Erkrankungen in der westlichen Welt. 
Ist sie fortgeschritten, stellt eine Herztransplantation oft die einzige Überlebenschance dar.

Die Wartezeit auf ein Spenderorgan kann mit einem Herzunterstützungssystem überbrückt werden – auch Kunstherz genannt. 

Das ist eine mechanische Pumpe, die das eigene Herz dabei unterstützt, Blut in den Körper zu pumpen und so die Organe mit dem nötigen Sauerstoff zu versorgen. Die Klinik für Herz-, Thorax-, Transplantations- und Gefäßchirurgie der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) ist eines der größten Zentren Europas, die Herzunterstützungssysteme einsetzen. Dort werden jedes Jahr rund 100 Patienten mit einem Kunstherz versorgt. Uwe S. aus Sachsen-Anhalt lebt bereits seit zehn Jahren damit und gilt als Europa-Rekordhalter. Ihm implantierten die MHH-Herzchirurgen 2005 eines der ersten Kunstherzen des Typs „Heartmate II“.

Hilfe für das Herz

Mit jedem Schlag pumpt ein gesundes Herz etwa 70 Prozent seiner Füllung in den Körperkreislauf. Ist das Herz stark geschwächt, kann es häufig nur noch 20 Prozent auswerfen.

„Dadurch wird das Herz überlastet und der Körper nicht mit genügend Sauerstoff versorgt.

Die Betroffenen leiden dadurch beispielsweise unter Leistungsschwäche, Kurzatmigkeit, Schwindel und Wassereinlagerungen in den Beinen und der Lunge“, erklärt Privatdozent Dr. Jan Schmitto, Bereichsleiter Herzunterstützungssysteme und Herztransplantation der Klinik.

In so einem Fall kann ein Kunstherz helfen. Es wird in die linke Herzkammer des Patienten eingesetzt und pumpt von dort aus das sauerstoffreiche Blut aus der Lunge in den Körper. Betrieben wird das Gerät mittels Strom. Ein Kabel verbindet das Kunstherz mit der Steuerelektronik und den Batterien, die der Patient außerhalb des Körpers in einer Tasche trägt.

Kunstherz als einzige Chance

Die Klinik für Herz-, Thorax-, Transplantations- und Gefäßchirurgie der MHH implantiert bereits seit mehr als 20 Jahren Kunstherzen. „Einen großen Fortschritt auf dem Gebiet stellte die Markteinführung des Typs „Heartmate II dar“, sagt Dr. Schmitto. Das Modell der Firma Thoratec gehört zu den weltweit am häufigsten implantierten Geräten. An der MHH wurde das „Heartmate II“ 2005 erstmals eingesetzt. Einer der ersten Patienten war Uwe S., der in einer stressigen Lebensphase zwei Herzinfarkte innerhalb einer Woche erlitten hatte. „Meine Herzleistung war nur noch sehr schwach. Als die Ärzte mir anboten, ein Kunstherz zu implantieren, gab es für mich eigentlich gar keine Alternative“, erinnert er sich. Am 12. November 2005 nahm Professor Dr. Martin Strüber den Eingriff vor, zu der Zeit war er Bereichsleiter Herzunterstützungssysteme und Herztransplantation der MHH-Klinik. Die Klinik nahm damals an einer Pilotstudie teil. In der Untersuchung sollte das Heartmate II – neu an dem Modell war das Konzept der „pulslosen“ Blutpumpe – als Überbrückung bis zu einer Herztransplantation getestet werden. Die Überbrückungszeit war auf 180 Tage ausgelegt. „Damals haben nur kühne Optimisten daran geglaubt, dass man zehn Jahre lang mit einer pulslosen Blutpumpe leben kann“, erklärt Professor Strüber.

Lebensrettender Begleiter

Schon kurze Zeit nach der Operation ging es Uwe S. deutlich besser. „Ich konnte vorher nur noch liegen. Plötzlich war es wieder möglich, zu gehen und körperlich aktiv zu sein. Das war toll.“ Trotzdem hat er einige Zeit gebraucht, die neue Situation zu akzeptieren. Denn eine gewisse Lebensumstellung erfordert ein Kunstherz schon:

Die Patienten müssen Medikamente einnehmen, besondere Hygieneregeln beachten und sich an den Umgang mit den Batterien gewöhnen. Heute sieht Uwe S. das Kunstherz als seinen lebensrettenden Begleiter. Den Begriff „Pumpe“ empfindet er als zu unpersönlich. „Das Gerät ist mein zweites Herz, und es gehört zu mir“, sagt er. Der 55-Jährige, der in zwei kommunalen Abfallentsorgungsunternehmen in führenden Positionen tätig ist, hofft, dass sein „zweites Herz“ ihm noch einige Jahre erhalten bleibt.

Bessere Geräte, bessere Operationsverfahren dank „Hannover“-OP-Technik

In den vergangenen zehn Jahren entwickelten sich die Herzunterstützungssysteme ständig weiter. Gleichzeitig erfanden die Herzchirurgen in Hannover Operationsmethoden, die es erlauben, Kunstherzen minimalinvasiv einzusetzen. „Das ist für die Patienten mit vielen Vorteilen verbunden“, erklärt Professor Dr. Axel Haverich, Direktor der Klinik für Herz-, Thorax-, Transplantations- und Gefäßchirurgie. „Die OP-Zugänge sind kleiner, und die Patienten verlieren weniger Blut. Nach der Operation gibt es weniger Komplikationen, und der Aufenthalt im Krankenhaus ist kürzer.“ Sogar US-amerikanische Herzchirurgen kommen immer öfter nach Hannover, um diese minimalinvasive „Hannover“-OP-Technik zu erlernen und von den Erfahrungen der MHH-Herzchirurgen zu profitieren.

Auch das Nachfolge-Modell von „Heartmate II“ wird minimalinvasiv eingesetzt. Das weltweit erste „Heartmate III“ implantierten die Herzchirurgen der MHH im Juni 2014 einem 56-jährigen Mann aus Hessen. Das Gerät ist kleiner und technisch versierter als sein Vorgänger. Es kann beispielsweise einen künstlichen Puls erzeugen, wodurch das Thrombose-Risiko vermindert wird.

 „Heartmate III“ erbringt eine Pumpleistung von bis zu zehn Litern Blut pro Minute, was der vollen Leistung eines gesunden Herzens entspricht. Professor Haverich geht davon aus, dass die Kunstherztherapie auch zukünftig weiter große Fortschritte machen wird.

Kunstherzen als Dauertherapie

„Im Vergleich zu Patienten, die bei einer schweren Herzinsuffizienz nur medikamentös behandelt werden, haben Patienten mit einem Kunstherz eine sehr viel höhere Überlebensprognose und auch deutlich mehr Lebensqualität“, stellt Dr. Jan Schmitto fest.

Dienten die Herzunterstützungssysteme ursprünglich dazu, die Wartezeit der Patienten bis zu einer Transplantation zu überbrücken, werden sie inzwischen immer mehr zur Dauertherapie und als Alternative zur Herztransplantation eingesetzt. Das beste Beispiel dafür ist Uwe S., der – zumindest zurzeit – nicht an eine Transplantation denkt.

Angesichts fehlender Spenderorgane gewinnen die Unterstützungssysteme immer mehr an Bedeutung. Denn der tatsächliche Bedarf an Spenderherzen kann bei weitem nicht gedeckt werden. So standen 2014 in der MHH mehr als 50 Patienten auf der Warteliste. Es konnten aber nur etwa 25 Herz- und Herz-Lungen-Transplantationen vorgenommen werden. Im Gegensatz dazu setzten die MHH-Chirurgen mehr als 100 Kunstherzsysteme ein. 

 In vielen Fällen ist das Kunstherz die einzige Überlebenschance.



Dr. Jan Schmitto, Patient Uwe S., Professor Dr. Axel Haverich und Professor Dr. Martin Strüber mit unterschiedlichen Modellen des Heartmate. Dr. Jan Schmitto, Patient Uwe S., Professor Dr. Axel Haverich und Professor Dr. Martin Strüber mit unterschiedlichen Modellen des Heartmate.

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PD Dr. Jan Schmitto, Telefon (0511) 532-3453, schmitto.jan@mh-hannover.de
Stefan Zorn Medizinische Hochschule Hannover

Lungengesundheit bei Rauchern COPD ( - 80%)

Medizin am Abend Fazit:  Auch ohne Beschwerden – Mehrzahl der Raucher ist lungenkrank

Große US-amerikanische Studie mit Heidelberger Beteiligung zur Lungengesundheit bei Rauchern zeigt: Trotz unauffälliger Lungenfunktion häufig schon deutliche Schäden mit Computertomographie erkennbar / Ergebnisse im Fachmagazin JAMA Internal Medicine erschienen 


Rauchen ist die Hauptursache für die chronisch-obstruktive Lungenerkrankung.
Rauchen ist die Hauptursache für die chronisch-obstruktive Lungenerkrankung.  Universitätsklinikum Heidelberg
 
Deutlich mehr Raucher als bisher angenommen – rund 80 anstatt der mit gängigen Diagnosetests ermittelten ca. 50 Prozent – entwickeln eine sogenannte chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD), die mit fortschreitenden Lungenschäden einhergeht.

Das ist das Ergebnis einer Studie der führenden US-amerikanischen Lungenfachklinik National Jewish Health mit mehr als 8.800 Rauchern, an der auch ein Radiologe des Universitätsklinikums Heidelberg beteiligt war. Professor Dr. Hans-Ulrich Kauczor, Ärztlicher Direktor der Klinik für Diagnostische und Interventionelle Radiologie, wertete computertomographische Aufnahmen der Studienteilnehmer aus.

Selbst bei Rauchern, deren Lungenfunktionstest unauffällig ausfiel und die daher als gesund eingestuft wurden, fand der Experte Gewebeschäden:

„Das Ergebnis zeigt ganz klar: Die Mehrheit der Raucher ist chronisch lungenkrank – auch wenn viele von ihnen nichts bemerken und davon ausgehen, dass es sie nicht betrifft.

Aber ohne Behandlung schreitet die COPD unaufhaltsam weiter fort.“

Professor Kauczor hat sich auf die Weiterentwicklung der Lungenbildgebung spezialisiert und leitet die „Imaging-Plattform“ am Deutschen Zentrum für Lungenforschung. Die Studie ist nun im renommierten Fachjournal JAMA Internal Medicine erschienen.

An einer COPD leiden in Deutschland rund acht Millionen Menschen, jedes Jahr sterben über 100.000 an den Folgen des schleichenden Lungenversagens. 

 „Die COPD ist eine – jedenfalls hierzulande – größtenteils vermeidbare Erkrankung“, betont der Lungenexperte Professor Dr. Felix Herth, Chefarzt der Abteilung Pneumologie und Beatmungsmedizin der Thoraxklinik am Universitätsklinikum Heidelberg. „Rund 90 Prozent der Betroffenen sind oder waren Raucher.“ Häufig leidet die Lunge lange unbemerkt, Symptome wie Kurzatmigkeit oder morgendlicher Husten werden oftmals nicht ernst genommen. Hat sich das Lungengewebe aber erst einmal krankhaft verändert, kann dies nicht mehr rückgängig gemacht werden. Je früher die Therapie einsetzt, desto besser können weitere Schäden hinausgezögert werden.

Eine Heilung ist nicht möglich.

Folgen langjährigen Rauchens auf die Lunge bisher unterschätzt

Zur Diagnose einer COPD wird in der Regel ein Lungenfunktionstest, die Spirometrie, herangezogen. Dabei wird u.a. gemessen, wie viel Luft die Patienten einatmen und in einer Sekunde ausatmen können. Dass damit die Folgen langjährigen Rauchens auf die Lunge bisher gravierend unterschätzt wurden, hat die Studie des National Jewish Health nun eindrucksvoll belegt.

Die Wissenschaftler um Professor Dr. James Crapo und Dr. Elisabeth Regan vom National Jewish Health in Denver untersuchten 8.872 aktive und ehemalige Raucher im Alter zwischen 45 und 80 Jahren. Alle hatten mindestens zehn Jahre lang mindestens eine Packung Zigaretten pro Tag (zehn Packungsjahre), die meisten deutlich mehr geraucht. Bei rund der Hälfte der Teilnehmer fanden sich beim Lungenfunktionstest keine Anzeichen einer COPD. Ihre Lungen wurden als gesund eingestuft.

Zusätzliche Untersuchungen zeichneten allerdings ein anderes Bild: Bei 42 Prozent der zuvor als gesund eingestuften Teilnehmer zeigten CT-Untersuchungen Veränderungen der Atemwege oder aufgeblähte Lungenabschnitte (Emphysem). 23 Prozent litten unter Atemnot, 15 Prozent schafften beim Gehtest weniger als 350 Meter in sechs Minuten. In einem Fragebogen überschritt ein Viertel von ihnen einen Wert, der eine klinisch relevante Einschränkung der Lebensqualität markiert. Insgesamt war bei mehr als der Hälfte (55 Prozent) die Lungengesundheit in irgendeiner Form beeinträchtigt. Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass dies frühe Anzeichen einer COPD sind.

Bei ersten Beschwerden Lungengewebe bereits irreversibel geschädigt

Was das für die Lunge bedeutet, erklärt Professor Herth: „Bei Einschränkungen im Lungenfunktionstest gehen wir davon aus, dass bereits ein Viertel des Lungengewebes zerstört ist. Bis dahin ist viel Raum für erhebliche Schäden, die Betroffene nicht bewusst wahrnehmen oder wahrnehmen wollen. Hier gilt es, durch entsprechende Beratung zu sensibilisieren.“ Außerdem sollte bei Rauchern die Therapie der COPD, z.B. in Form von Sprays zum Inhalieren, bei entsprechenden Beschwerden schon früher als bisher einsetzen, auch wenn der Lungenfunktionstest noch keinen Anlass zur Sorge gibt. „Voraussetzung ist allerdings, dass der Patient das Rauchen aufgibt, sonst hat die Behandlung ohnehin keinen Erfolg“, so der Lungenspezialist.

Literatur:
Clinical and Radiologic Disease in Smokers With Normal Spirometry: Elizabeth A. Regan, MD et al.; JAMA Intern Med. Published online June 22, 2015. doi:10.1001/jamainternmed.2015.2735

Medizin am Abend DirektKontakt:

Prof. Dr. Hans-Ulrich Kauczor
Ärztlicher Direktor
Klinik Diagnostische und Interventionelle Radiologie
Tel.: 06221 56-6410 (Sekretariat)
E-Mail: hu.kauczor@med.uni-heidelberg.de

Prof. Dr. Felix Herth
Ärztlicher Direktor
Chefarzt Innere Medizin – Pneumologie
Thoraxklinik am Universitätsklinikum Heidelberg
Tel. 06221 396-1200
E-Mail: felix.herth@med.uni-heidelberg.de
Julia Bird Universitätsklinikum Heidelberg

Universitätsklinikum und Medizinische Fakultät Heidelberg
Krankenversorgung, Forschung und Lehre von internationalem Rang

Das Universitätsklinikum Heidelberg ist eines der bedeutendsten medizinischen Zentren in Deutschland; die Medizinische Fakultät der Universität Heidelberg zählt zu den international renommierten biomedizinischen Forschungseinrichtungen in Europa. Gemeinsames Ziel ist die Entwicklung innovativer Diagnostik und Therapien sowie ihre rasche Umsetzung für den Patienten. Klinikum und Fakultät beschäftigen rund 12.600 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und engagieren sich in Ausbildung und Qualifizierung. In mehr als 50 klinischen Fachabteilungen mit ca. 1.900 Betten werden jährlich rund 66.000 Patienten voll- bzw. teilstationär und mehr als 1.000.000 mal Patienten ambulant behandelt. Das Heidelberger Curriculum Medicinale (HeiCuMed) steht an der Spitze der medizinischen Ausbildungsgänge in Deutschland. Derzeit studieren ca. 3.500 angehende Ärztinnen und Ärzte in Heidelberg.

Weitere Informationen für international Medizin am Abend Beteiligte:
http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/63226/Viele-Raucher-haben-unterschwellige-... Artikel im Deutschen Ärzteblatt

http://www.eurekalert.org/pub_releases/2015-06/njh-mos061915.php Abstract