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Hitze Prognose für Land Berlinvon heute, Montag, den 15.06.2026, bis Montag, den 22.06.2026

Hitze Prognose für Land Berlin
von heute, Montag, den 15.06.2026, bis Montag, den 22.06.2026

Aktuelle Hitzewarnungen:

HEUTE:
✅ keine warnwürdige Wärmebelastung
MORGEN:
✅ keine warnwürdige Wärmebelastung

Prognostizierter Wochentrend der Wärmebelastung:

Mi 17.06.26:
✅ keine warnwürdige Wärmebelastung

Do 18.06.26:
✅ keine warnwürdige Wärmebelastung

Fr 19.06.26:
❗ Eine Warnung vor starker Wärmebelastung (Stufe 1) ist wahrscheinlich.

Sa 20.06.26:
❗ Eine Warnung vor starker Wärmebelastung (Stufe 1) ist wahrscheinlich.

So 21.06.26:
✅ Keine warnwürdige Wärmebelastung

Mo 22.06.26:
✅ Keine warnwürdige Wärmebelastung

Aktuelle Informationen zur Entwicklung in den kommenden Tagen finden Sie auch auf

     https://www.hitzewarnungen.de

Verhaltensempfehlungen zum Umgang mit Hitze finden Sie unter

     https://hitzewarnungen.de/handlungsempfehlungen.jsp

Diese Prognose basiert auf aktuellen Vorhersagen. Im Verlauf des Vorhersagezeitraums
kann sich die Prognose durch aktuellere Modellberechnungen noch ändern.

ausgegeben vom Deutschen Wetterdienst
am Montag, 15.06.2026 um 12:05 Uhr.
====================================================
Ihr Ansprechpartner beim Deutschen Wetterdienst:

DWD - Medizin-Meteorologie
Email: gesundheit@dwd.de
Tel: +49(69)8062-9630

Weitere Informationen zum Deutschen Wetterdienst
finden Sie im Internet unter www.dwd.de


Das Kaufverhalten

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Eye-Tracking-Studie untersucht Aufmerksamkeit und Kaufverhalten von Menschen

Wer im Supermarkt zu gesunden Produkten greifen möchte, braucht klare Signale. Nährwertkennzeichnungen wie das Nutri-Score-Label sollen dabei helfen. Es wird üblicherweise in Ampelfarben auf Verpackungen abgebildet. In dieser Form lenkt es die Blicke laut einer aktuellen Studie häufiger und länger auf sich, als wäre es in Graustufen gestaltet. Einige Supermärkte drucken zusätzlich eine graue Version des Labels auf die Preisschilder – dabei bekäme auch hier die bunte mehr Beachtung.


Das fanden Forschende der Universität Göttingen in Zusammenarbeit mit der Hochschule Osnabrück, dem Deutschen Institut für Lebensmitteltechnik und der Universität Gießen heraus. Sie untersuchten in einer nachgestellten Einkaufssituation, wohin die Teilnehmenden schauten und welches Produkt sie letztlich kaufen würden. Besonders häufige und lange Blicke auf das dunkelgrüne A oder das gelbe C gingen dabei meist mit der Wahl des jeweiligen Produkts einher. Das rote E zeigte hingegen nicht die erhoffte warnende Wirkung: Auch bei häufiger Betrachtung dieser ungünstigen Bewertung landeten die Produkte weiterhin im Einkaufskorb. Die Studie wurde in der Fachzeitschrift Food Quality and Preference veröffentlicht.

Anhand von Eye-Tracking-Daten analysierten die Forschenden das Verhalten von 199 Teilnehmenden. Diese befanden sich in einer simulierten, realitätsnahen Einkaufssituation und konnten dort jeweils ein Produkt auswählen. Dabei verglichen die Forschenden vier Gruppen, denen sie je eine Variante der Kennzeichnung präsentierten: mehrfarbige oder graustufige Nutri-Score-Labels auf Verpackung und Preisschild, kein Label sowie den aktuellen Standard im Supermarkt: ein einziges mehrfarbiges Label auf der Vorderseite der Verpackung.

„Unsere Ergebnisse zeigen, dass das Nutri-Score-Label in Ampelfarben auch auf Preisschildern deutlich besser wahrgenommen wird als in Graustufen“, sagt Erstautorin Isabelle Weiß, Doktorandin an der Universität Göttingen. „Die höhere Sichtbarkeit der Labels kann dabei den Produktvergleich erleichtern und dadurch gesundheitsbewusstere Entscheidungen unterstützen. Je mehr Unternehmen den Nutri-Score auf ihren Produkten abbilden, desto fundierter kann verglichen werden.“ Studienleiterin Dr. Clara Mehlhose ergänzt: „Der Nutri-Score soll eine einfache Orientierung im Supermarkt bieten. Entscheidend ist, dass Verbraucherinnen und Verbraucher die Informationen auf einen Blick erkennen und verstehen können. Ein mehrfarbiges Label kann dabei hilfreich sein.“

Die Studie verdeutlicht, wie entscheidend die Farbgestaltung und Platzierung von Nährwertkennzeichnungen für die visuelle Aufmerksamkeit und damit für Kaufentscheidungen sind. Politik und Handel sollten daher Nutri-Score-Labels in Ampelfarben auch auf dem Preisschild bevorzugen, um die Wirksamkeit im Alltag zu erhöhen.

Die Studie wurde von der LI Food - Landesinitiative Ernährungswirtschaft des Niedersächsischen Ministeriums für Wirtschaft, Verkehr und Bauen gefördert.

MaAB - Medizin am Abend Berlin Fortbildungen VOR ORT
Isabelle Weiß


Thomas Richter
Georg-August-Universität Göttingen
Fakultät für Agrarwissenschaften
Department für Agrarökonomie und Rurale Entwicklung
Marketing für Lebensmittel und Agrarprodukte
E-Mail: isabelle.weiss@uni-goettingen.de

Originalpublikation:
Weiß, I., Teuber, R., Enneking, U., Kircher, C., Mehlhose, C. Polychrome versus monochrome Nutri-Score shelf labels: An eye-tracking study of consumer attention and choice. Food Quality and Preference (2026). https://doi.org/10.1016/j.foodqual.2026.105933

StudienHelfer-Programm

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Ehemalige Patientinnen und Patienten können ihre Erfahrung in die Krebsforschung einbringen, Kursanmeldung bis zum 10. April möglich.


Laut Robert-Koch-Institut erkranken in Deutschland jedes Jahr mehr als eine halbe Million Menschen neu an Krebs. Klinische Studien sind ein zentraler Bestandteil der modernen Krebsmedizin: Sie ermöglichen die Entwicklung neuer Therapien sowie die Verbesserung bestehender Behandlungen. Dennoch nehmen bislang nur vergleichsweise wenige Patientinnen und Patienten an klinischen Studien teil, häufig aufgrund fehlender Informationen oder Unsicherheiten zu Ablauf, Nutzen und Risiken. Hier setzt das neue Programm StudienHelfer des Comprehensive Cancer Center Niedersachsen (CCC-N) an.

Kursablauf und Anmeldung

Das StudienHelfer-Programm richtet sich an ehemalige Krebspatientinnen und Krebspatienten, Angehörige und Interessierte und verfolgt das Ziel, Betroffene stärker in die klinische Forschung einzubinden und ihre Erfahrungen aktiv zu nutzen. Der Kurs erstreckt sich über etwa zwei Monate und findet überwiegend online statt, ergänzt durch zwei Präsenztermine in Hannover und Göttingen. Vorausgesetzt werden die Bereitschaft zur regelmäßigen Teilnahme sowie das Interesse an einer aktiven Mitwirkung nach Kursende mit Betroffenen oder in der Studienplanung. Die Teilnahme ist kostenfrei, eine Anmeldung bis zum 10. April 2026 ist erforderlich. Alle Informationen unter: http://www.ccc-niedersachsen.eu/studienhelfer

Die Teilnehmenden erwerben grundlegendes Wissen zu klinischen Studien und lernen, andere Betroffene bei Fragen zu unterstützen sowie ihre Perspektive in die Planung neuer Studien einzubringen. Damit leisten sie einen wichtigen Beitrag zu einer stärker patientenorientierten Krebsforschung. Das modular aufgebaute Programm vermittelt unter anderem Grundlagen zu klinischen Studien, Studiendesigns und Therapieformen, zu Patientensicherheit sowie zu ethischen und rechtlichen Rahmenbedingungen. Ergänzt wird das Angebot durch Einblicke in Entscheidungsprozesse von Studienteilnehmenden, Patientenbeteiligung in der Forschung sowie praktische Aspekte der Studienentwicklung.

Das CCC-N vereint die Universitätsmedizin Göttingen (UMG) und die Medizinische Hochschule Hannover (MHH) und gehört zu den 14 von der Deutschen Krebshilfe geförderten Onkologischen Spitzenzentren in Deutschland.

SERVICE

Weitere Informationen finden Sie unter:

 https://www.ccc-niedersachsen.eu/studienhelfer

Weitere Informationen erhalten Sie 

bei Inka Burow

bei Dr. Sarah Knippenberg, 

Knippenberg.Sarah@mh-hannover.de

Die Cuproptose

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Erst 2022 wurde die sogenannte Cuproptose entdeckt: Eine zuvor unbekannte Art des Zelltods durch einen Überschuss an Kupfer. Diesen Mechanismus machte sich die Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Johannes Karges an der Ruhr-Universität Bochum zunutze, um einen neuen Wirkstoffkomplex auf Kupferbasis zu entwickeln, der Zellen 100-mal effektiver tötet als im Einsatz befindliche Chemotherapeutika. Der Kupferkomplex ist eingebettet in Polymernanopartikel, die sich gezielt im Tumorgewebe anlagern. Erst durch eine Aktivierung mit Licht lösen sich die Partikel auf und geben den Wirkstoff frei. So tötet er gezielt Tumorzellen und verschont gesundes Gewebe.


Das Team berichtet in der Zeitschrift „Advanced Functional Materials“ vom 25. März 2026.

Krebszellen nehmen mehr Kupfer auf als gesunde Zellen

Die Cuproptose unterscheidet sich grundlegend von allen bisher bekannten Mechanismen des Zelltods: 

Der entscheidende Auslöser ist ein Überschuss an Kupfer in der Zelle. Es bindet an bestimmte Proteine in den Mitochondrien, die normalerweise für die Energiegewinnung zuständig sind. Diese Proteine verklumpen dadurch, die Zelle gerät in schweren Stress und stirbt schließlich ab. „Was diese Form des Zelltods so besonders macht, ist ihre Spezifität gegenüber der Energieproduktion der Zelle“, erklärt Johannes Karges. „Krebszellen haben häufig einen veränderten, besonders intensiven Stoffwechsel und nehmen mehr Kupfer auf als gesundes Gewebe.“

Dem Team um Johannes Karges ist es gelungen, einen Kupferkomplex zu entwickeln, der gezielt die Cuproptose auslöst. Er ist etwa 100-mal wirksamer als etablierte Platin-Derivate, die derzeit klinisch eingesetzt werden. „Allerdings war die Substanz zunächst nicht selektiv und wirkte auch auf gesunde Zellen tödlich“, berichtet Johannes Karges. „Dieses Problem konnten wir nun durch die Integration des Wirkstoffs in lichtaktivierbare Nanopartikel lösen.“

Verpackung mit zweifachem Nutzen

Der eigentliche Wirkstoffkomplex wird in polymere Nanopartikel eingebettet. Aufgrund des gesteigerten Stoffwechsels von Krebszellen reichern sich diese Partikel in Tumoren an. So wird der Wirkstoff gezielt dorthin transportiert, wo er auch wirken soll. Zudem verhindert die Polymerummantelung, dass der Kupferkomplex vorzeitig unkontrolliert freigesetzt wird.

Erst auf einen Lichtimpuls hin wird der Wirkstoff an Ort und Stelle freigesetzt. „Das Freisetzungsprinzip basiert auf einer photoresponsiven Bindung innerhalb des polymeren Grundgerüsts“, erklärt Johannes Karges. „Bei Lichtbestrahlung wird diese spezifische Bindung selektiv gespalten, woraufhin die Nanopartikel sich auflösen und der Kupferkomplex lokal freigesetzt wird.“ Dadurch lässt sich eine hochpräzise und selektive Behandlung von Krebszellen erreichen. „Darüber hinaus konnten wir zeigen, dass dieser Ansatz auch in therapieresistenten Krebszellen wirksam ist – also gerade dort, wo konventionelle Chemotherapien an ihre Grenzen stoßen“, sagt der Forscher.

Bis zu einem klinischen Einsatz ist allerdings noch viel Forschungsarbeit zu leisten: „Wir haben das Prinzip bislang an resistenten Krebszellen im Labor gezeigt, nicht am Menschen“, unterstreicht Karges. „Bis zu einer echten Behandlung sind noch viele Schritte nötig.“

Förderung

Die Arbeiten wurden unterstützt durch den Fonds der chemischen Industrie des Verbandes der Chemischen Industrie e. V. im Rahmen eines Liebig-Stipendiums, den Life Sciences Bridge Award der Aventis-Stiftung sowie den Paul-Ehrlich-&-Ludwig-Darmstaedter-Nachwuchspreis 2024 – eine Auszeichnung der Paul-Ehrlicj Stiftung

MaAB - Medizin am Abend Berlin Fortbildungen VOR ORT


Prof. Dr. Johannes Karges
Medizinische Anorganische Chemie
Fakultät für Chemie und Biochemie und Medizinische Fakultät
Ruhr-Universität Bochum
Tel. ‪+49 234 32 24187‬
E-Mail: johannes.karges@ruhr-uni-bochum.de

Originalpublikation:
Ricarda Zimmermann, Nicolás Montesdeoca, Johannes Karges: Light Activated Induction of Cuproptosis in Resistant Cancer Cells Using Polymeric BODIPY Nanoparticles for Photoactivated Chemotherapy, in: Advanced Functional Materials, 2026, DOI: 10.1002/adfm.‪202531605‬http://dx.doi.org/10.1002/adfm.202531605

Ricarda Zimmermann, Nicolás Montesdeoca, Johannes Karges: Induction of Cuproptosis with a Highly Cytotoxic Tripodal Cu(II) Complex for Anticancer Therapy in Journal of Medicinal Chemistry, 2025, DOI: 10.1021/acs.jmedchem.5c01124, http://dx.doi.org/10.1021/acs.jmedchem.5c01124

Professor Dr. Karin Pfister: Shunt - ständiger Zugang zu den Blutgefäßen - Dialyse-Shunt: gefürchtete Komplikation der Langzeitdialyse

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Wenn nichts mehr geht beim Dialyse-Shunt

  • Versagen die Nieren, steht die Dialyse als Langzeittherapie zur Verfügung. 

Allerdings nur, solange mittels eines sogenannten Shunts ein ungehinderter Zugang zum Blutsystem möglich ist. 

Am Universitätsklinikum Regensburg (UKR) wurde nun erstmalig ein Verfahren durchgeführt, um auch bei komplettem Verschluss der herznahen Venen einen Zugang zum Herzen offenzuhalten und damit in einer ansonsten fast alternativlosen Situation wieder einen funktionstüchtigen Dialyse-Shunt anlegen zu können. 

Der Surfacer ermöglicht Brigitte Geiger einen neuen Shunt. 

 Der Surfacer ermöglicht Brigitte Geiger einen neuen Shunt. Martin Meyer © UKR/Martin Meyer

Was aussieht wie eine überdimensionale Stricknadel, war für Brigitte Geiger so ziemlich die letzte Option.

Die Rede ist vom sogenannten Surfacer®. 

Ein System, das den Zugang zu verschlossenen Gefäßen ermöglicht. Vor neun Jahren hatte Brigitte Geiger einen Infekt, der sich auf die Nieren niedergeschlagen hat. In der Folge versagen ihre Nieren, sie wird dialysepflichtig. Seitdem erhält die heute 66-Jährige drei Mal pro Woche für jeweils mindestens vier Stunden eine Blutwäsche. Die Dialyse bringt aber, auch wenn sie lebensrettend ist, ein gewisses Risiko mit sich. Denn die Prozedur ist nicht nur sehr strapaziös, sie hinterlässt auch körperliche Spuren. Für die Dialyse ist ein ständiger Zugang zu den Blutgefäßen nötig, man spricht dabei von einem Shunt. Dieser kann sich mit der Zeit verschließen oder andere Komplikationen verursachen, die ihn unbrauchbar werden lassen. Was dann? Die Anlage alternativer Shunts im Arm- und Beinbereich ist nicht unbegrenzt möglich. Wenn noch Gefäßverschlüsse der zentralen Venen hinzukommen, wird es zum Teil sogar unmöglich, einen neuen Shunt anzulegen. „Genau dieses Bild hat sich bei Frau Geiger gezeigt. Aufgrund mehrerer Gefäßverschlüsse, insbesondere in den zentralen Venen, war ihr Shunt nicht mehr punktierbar und eine Neuanlage am Arm nicht möglich. Deswegen haben wir uns dazu entschieden, erstmalig den Surfacer® einzusetzen“, so Professor Dr. Karin Pfister, Leiterin der Abteilung für Gefäßchirurgie des UKR.

Das ca. 50 cm lange System wird über die Leiste in den Körper eingebracht. Dessen Lage wird dabei ständig durch Röntgentechnik überprüft. „Das Einbringen des Surfacer® ist sehr herausfordernd, da verschlossene Gefäße aufgrund des fehlenden Blutflusses in der Bildgebung nicht sichtbar werden. Man sticht hier sozusagen blind. Der Eingriff erfordert daher ein hohes Maß an Erfahrung sowie ein professionelles Team aus Gefäßchirurgen, Herzchirurgen und Anästhesisten“, erläutert Professor Pfister. Der Surfacer® eröffnet durch die Leistenvene den Weg zum Vorhof des Herzens. Um, wie bei Frau Geiger, bei verschlossenen, zentralen Venen einen Zugang zum Herzen zu schaffen und dauerhaft offenhalten, tritt der Surfacer® am Hals, direkt neben der Halsschlagader, aus der Haut. 

Durch diese neu geschaffene Öffnung ist es möglich, eine Gefäßprothese, in diesem Fall den sogenannten HeRO®-Graft (Hemodialysis Reliable Outflow), einzubringen. „Die Prothese überbrückt als künstliches Blutgefäß die verschlossenen Gefäße und ermöglicht eine Verbindung zwischen dem arteriovenösen Shunt am Arm und dem rechten Vorhof des Herzens. Durch dieses neu geschaffene Verbindungsstück, das den Shunt-Abfluss offenhält, war es möglich, einen neuen Shunt am Oberarm zu legen“, erklärt PD Dr. Thomas Betz, Leitender Oberarzt der Abteilung für Gefäßchirurgie des UKR.

Ein Ausweg in einer alternativlosen Situation

Die einzige Alternative, die Brigitte Geiger ansonsten gehabt hätte, wäre eine Shunt-Anlage im Oberschenkel gewesen. 

„Dies ist aber für die Patienten meist sehr unangenehm, und aufgrund der speziellen Lage ist die Stelle auch besonders anfällig für Infektionen. 

Entsprechend ist ein Dialyse-Shunt am Oberschenkel meist keine Langzeitlösung“, beschreibt PD Dr. Wilma Schierling, Oberärztin der Abteilung für Gefäßchirurgie des UKR und Shunt-Verantwortliche, die Möglichkeiten.

Für einen Dialyse-Shunt wird eine Verbindung zwischen einer Arterie und einer Vene geschaffen. 

  • Die Vene dehnt sich durch den Druck der Schlagader auf, so dass sich ihre Wand verdickt und für den Zugang zur Blutwäsche leicht gestochen werden kann. 
  • Die dauerhafte Punktion sowie die für den menschlichen Körper ungewöhnliche Verbindung zwischen dem arteriellen und venösen System birgt aber auf Dauer das Risiko für Infektionen, Thrombosen, Engstellen oder auch Erweiterungen des Gefäßsystems.
  • Folgen sind neben einer Verschlechterung der Dialysequalität, eine Minderdurchblutung, eine Belastung des Herzens, Blutungen, Entzündungen und schließlich der komplette Verschluss des Dialyse-Shunts. 

Was bei Brigitte Geiger eingetreten ist, ist eine gefürchtete Komplikation der Langzeitdialyse: 

Die Verengung bzw. der Verschluss der zentralen Venen. 

Dadurch wird der Blutfluss massiv behindert oder auch ganz gestoppt, wodurch reguläre Shunt-Techniken nicht oder nur noch stark erschwert genutzt werden können. 

Kann keine Dialyse mehr durchgeführt werden, bleibt als letzte Therapieoption die Nierentransplantation.

Im Fall von Frau Geiger ist dies aber aufgrund ihrer Krankheitssituation nicht möglich. 

„Nun steht uns mit dem Surfacer® eine neue Option zur Verfügung, durch die wir einen Ausweg in einer ansonsten fast alternativlosen Situation bieten können“, resümiert Professor Pfister. Brigitte Geiger ergänzt: „Ich bin sehr froh und dankbar, dass mir diese Behandlungsmethode zur Verfügung stand. Mit geht es gut, und ich fühle mich in besten Händen.“

Langzeitdialyse stellt eine wichtige Therapieoption dar

Derzeit werden in Deutschland etwa 100.000 Patienten mit chronischer Niereninsuffizienz mit einem Dialyseverfahren behandelt. 

  • Knappe 7.000 Patienten sind auf der Warteliste von Eurotransplant für eine Nierentransplantation registriert, aber nur etwa 2.000 Transplantationen werden aufgrund postmortaler oder Lebendspenden pro Jahr durchgeführt. 

„Diese Zahlen machen die Bedeutung der Langzeitdialyse deutlich“, betont Professor Dr. Bernhard Banas, Leiter der Abteilung für Nephrologie des UKR. 

„Um diese in dauerhaft guter Qualität anbieten zu können, braucht es die enge Zusammenarbeit interdisziplinärer Spezialisten.“ Am Universitätsklinikum Regensburg arbeiten hierfür die Abteilung für Nephrologie, die Abteilung für Gefäßchirurgie und das Institut für Röntgendiagnostik eng zusammen. 

Treten Probleme beim Dialyse-Shunt auf, werden diese in regelmäßigen Shunt-Konferenzen im Sinne der besten Optionen für den einzelnen Patienten besprochen.

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Professor Dr. Karin Pfister
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Prof. Dr. Claudia Christ: Bio-psycho-somatischen-sozialen Anamnese für ein biografisches Verständnis des menschlichen Krankseins

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Psychosomatik oder Somatopsyche: 

Balancemodell ermöglicht biographisches Verständnis von Krankheit

Ärzte sollten ihren Blick auf den gesamten Menschen richten, so das Fazit des Seminars „Psychosomatik oder Somatopsyche“ auf dem Deutschen Schmerz- und Palliativtag 2022. 

  • Referentin Prof. Dr. Claudia Christ empfahl das Balancemodell zur bio-psycho-somatischen-sozialen Anamnese für ein biografisches Verständnis des menschlichen Krankseins. 

Frühkindlicher Stress als Auslöser von psychosomatischen Beschwerden war ebenfalls Thema des Seminars. 

Um wissenschaftliche Erkenntnisse auch anderen Fachrichtungen zugänglich zu machen, kooperiert die Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin e.V. (DGS) mit der Deutschen Gesellschaft für Psychosomatische Medizin und Ärztliche Psychotherapie e.V. (DGPM).

  • „Das Balancemodell erfasst die Bereiche Körper und Sinne, Beruf und Finanzen, Kontakte und Familie, Werte und Normen. 
  • So erhalten wir eine gute Sichtweise auf Patienten – ihre Einstellung zu sich selbst, zur Leistung, ihre Beziehung zu Anderen, ihre Fähigkeiten, Grenzen, Ziele und Visionen – ohne den Begriff Psyche mit seinen negativen Assoziationen zu verwenden“, so Christ. 
  • Auch die Analyse des Sinns von Symptomen und die Abfrage von Lebensstufen und Lebensereignissen wie Kindheit, Jugend, eine Trennung oder der Tod des Partners seien wichtig für eine ganzheitliche Betrachtung. 
  • „Wenn wir neugierig werden auf den Patienten und schauen, wer sich dahinter versteckt, dann gelingt eine patientenzentrierte Therapie besser“. 

Die Psychotherapeutin rät Patienten zum Perspektivenwechsel: 

„Wer etwas haben möchte, was er noch nie gehabt hat, muss etwas tun, was er noch nie getan hat.“ 

  • Für Patienten gehe es darum, in kleinen Schritten die Komfortzone zu verlassen, um Veränderungen herbeizuführen.


Krankheit kränkt und Kränkung macht krank

  • Kränkungen wie „Du bist nicht gut genug“ können innerpsychischen Druck erzeugen, Schmerzen verursachen und letztendlich auch physisch krank machen. 
  • Umgekehrt können Krankheiten Kränkungen hervorrufen. 

„Wenn der Körper nicht mehr funktioniert, sei es, weil wir älter werden, weil wir chronische Schmerzen haben oder ein medizinischer Eingriff posttraumatische Folgen hat, macht das Angst und frustriert“, so Christ. 

  • Für ein besseres Verständnis des Patienten sei es wichtig, die bio-emotional-soziale Verfassung abzufragen. 
  • Neben die organmedizinische Diagnose trete die Beziehungsdiagnose und damit die Gesamtsicht auf den Menschen.


Frühkindlicher Stress und seine negativen Folgen

Frühkindliche Erfahrungen wie häusliche Gewalt, Sucht, Vernachlässigung, unsichere Bindung oder sexueller Missbrauch haben Auswirkungen auf die Gehirnentwicklung und können beispielsweise zu somatoformen Beschwerden wie Schlafstörungen, Schmerzstörungen, autonomen Funktionsstörungen der inneren Organe, Funktionsstörungen des Bewegungsapparates und funktionellen Beschwerden führen. 

Die Betrachtung von frühkindlichem Stress sei deshalb ebenfalls wichtiger Bestandteil der Anamnese, sagte Christ.

Curriculum Psychosoziale Aspekte des Schmerzes

Weiterführende Links:
www.schmerz-und-palliativtag.de
www.dgschmerzmedizin.de

***

Die Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin e.V. (DGS) ist mit rund 4.000 Mitgliedern und 120 Schmerzzentren die führende Fachgesellschaft zur Versorgung von Menschen mit chronischen Schmerzen. In enger Zusammenarbeit mit der Deutschen Schmerzliga e. V. ist es ihr vorrangiges Ziel, die Lebensqualität dieser Menschen zu verbessern – durch eine bessere Diagnostik und eine am Lebensalltag des Patienten orientierte Therapie. Dafür arbeiten die Mitglieder der DGS tagtäglich in ärztlichen Praxen, Kliniken, Schmerzzentren, Apotheken, physiotherapeutischen und psychotherapeutischen Einrichtungen interdisziplinär zusammen. Der von der DGS gestaltete jährlich stattfindende Deutsche Schmerz- und Palliativtag zählt seit 1989 auch international zu den wichtigen Fachveranstaltungen und Dialogforen. Aktuell versorgen etwa 1.321 ambulant tätige Schmerzmediziner die zunehmende Zahl an Patienten. Für eine flächendeckende Versorgung der rund 3,9 Millionen schwerstgradig Schmerzkranken wären mindestens 10.000 ausgebildete Schmerzmediziner nötig. Um eine bessere Versorgung von Menschen mit chronischen Schmerzen zu erreichen, fordert die DGS ganzheitliche und bedürfnisorientierte Strukturen – ambulant wie stationär – sowie eine grundlegende Neuorientierung der Bedarfsplanung.

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Geschäftsstelle
Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin e.V.
Lennéstraße 9
10785 Berlin
Tel. 030 – 85 62 188 – 0

Fax 030 – 221 85 342
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Monika Funck Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin e.V.

Adenauerallee 18
61440 Oberursel
Deutschland
Hessen

E-Mail-Adresse: info@dgschmerztherapie.de

Probsteigasse 15
50670 Köln
Deutschland
Nordrhein-Westfalen

E-Mail-Adresse: funck@eickhoff-kommunikation.de

Telefon: 0221-995951-40

https://www.dgschmerzmedizin.de/kongresse/deutscher-schmerz-und-palliativtag/


Professor Dr. Samuel Sossalla: Die Herzrhythmusstörungen bei Herzschwäche - Pumpversagen und Rhythmusstörungen

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Rhythmusstörungen bei Herzschwäche könnten in Zukunft gezielt behandelt werden

Eine Forschergruppe am Universitätsklinikum Regensburg (UKR) hat einen Mechanismus entdeckt, der für Herzrhythmusstörungen bei Herzschwäche verantwortlich ist. 

Im nächsten Schritt soll dieser direkt blockiert werden können, um die Überlebenschancen der Betroffenen deutlich zu verbessern. 

Rhythmusstörungen bei Herzschwäche könnten in Zukunft gezielt blockiert werden. Rhythmusstörungen bei Herzschwäche könnten in Zukunft gezielt blockiert werden. Johannes Beutler © UKR/Johannes Beutler 

Sechs Jahre hat es gedauert. Nun ist das Ergebnis da, und es lässt nicht nur die medizinische Landschaft, sondern auch die vielen betroffenen Patienten aufhorchen. 

Einer Forschergruppe rund um Professor Dr. Samuel Sossalla aus der Klinik und Poliklinik für Innere Medizin II des UKR ist es gelungen, einen Schlüsselmechanismus für Herzrhythmusstörungen bei Herzschwäche zu identifizieren. 

Wird dieser ausgeschaltet, so enden auch die lebensgefährlichen Rhythmusstörungen. 

„Diese Erkenntnis ist von großer Bedeutung, da wir damit endlich etwas in der Hand haben, um gezielt gegen die Ursache der gefährlichen Herzrhythmusstörungen bei Herzinsuffizienz vorzugehen. Sollten sich die Ergebnisse aus dem Labor auch in Studien am Menschen übersetzen, können das Leben und auch die Überlebenschancen vieler Patienten mit Herzinsuffizienz entscheidend verbessert werden“, so der Mediziner.

Später Natriumstrom führt zu Herzrhythmusstörungen

Nach Zahlen der Deutschen Herzstiftung leiden rund vier Millionen Menschen in Deutschland an Herzschwäche. 

Rund die Hälfte dieser Patienten stirbt an Herzrhythmusstörungen. Professor Sossalla begab sich mit seinem Team, anfangs noch in der Universitätsmedizin Göttingen, auf Ursachensuche dieser Arrhythmien. Als die wissenschaftliche Arbeit begann, war bekannt, dass es einen Natriumfluss gibt, der beim insuffizienten Herzen an Herzrhythmusstörungen beteiligt ist: 

  • „Wurde der reguläre kardiale Natriumkanal gehemmt, so blieb immer noch ein relevanter Anteil des späten Natriumstroms messbar. 
  • Nun galt es zu identifizieren, woher dieser verbleibende und potentiell gefährliche späte Strom kommt.“


Ein wissenschaftlicher Schwerpunkt innerhalb der Klinik und Poliklinik für Innere Medizin II des UKR ist die Kalzium-Kalmodulin-abhängige Proteinkinase II (CaMKII).

  • Dieses Enzym ist innerhalb der Herzmuskelzellen an der Regulation des Energiestoffwechsels, der Ionensteuerung und der Entstehung von Herzschwäche und Rhythmusstörungen beteiligt. 

Die Forschergruppe rund um Professor Sossalla isolierte Herzmuskelzellen von Patienten mit Herzinsuffizienz. 

Bei der Untersuchung dieser Zellen konnten die Wissenschaftler ein direktes Zusammenspiel zwischen der CaMKII und dem Natriumkanal NaV1.8 identifizieren.

Dieser Natriumkanal ist eigentlich ein Kanal des Nervensystems. 

„Jeder Mensch verfügt über diesen Kanal. Wir haben jedoch entdeckt, dass dieser plötzlich vermehrt im menschlichen Herz vorkommt, sobald das Herz erkrankt.
Der Natriumstrom dieses Kanals fließt dann gesteigert und gefährlich.
NaV1.8 verursacht somit den von uns gesuchten Anteil des späten Stroms“, erläutert Professor Sossalla.


Diese Erkenntnis wurde in einer Vielzahl aufwändiger Versuchsreihen nachgewiesen. 

So wurden Stammzellen entnommen, die zunächst zu Herzmuskelzellen transformiert wurden. 

In diesen Zellen wurde mit der sogenannten Genschere CRISPR-Cas9 der Natriumkanal NaV1.8 genetisch herausgeschnitten.

 „Bei den so veränderten Zellen konnte der späte Natriumstrom tatsächlich gestoppt werden. 

Das lieferte uns den ultimativen Nachweis“, erklärt Professor Sossalla. 

In zellulären und in-vivo-Versuchen mit den modifizierten Zellen bestätigte sich die Annahme, dass sich mit Hemmung des späten Natriumstroms auch die Herzrhythmusstörungen reduzieren. 

Prof. Dr. Samuel Sossalla hat mit seiner Forschergruppe einen neuen Wirkansatz bei Herzrhythmusstörungen entdeckt.

Prof. Dr. Samuel Sossalla hat mit seiner Forschergruppe einen neuen Wirkansatz bei Herzrhythmusstörungen entdeckt. Johannes Beutler © UKR/Johannes Beutler


Translationale Forschung liefert neuen medikamentösen Ansatz

Bahnbrechend an dieser Erkenntnis ist, dass ein spezifischer neuer Ansatzpunkt bei Herzrhythmusstörungen in der Herzinsuffizienz gefunden wurde, welcher das Leben der Betroffenen verlängern könnte. 

„Bei Herzschwäche unterscheidet man zwischen Pumpversagen und Rhythmusstörungen. 

Rhythmusstörungen ist medikamentös nur sehr schwer zu begegnen“, führt Professor Dr. Lars Maier, Direktor der Klinik und Poliklinik für Innere Medizin II des UKR, aus. 

„Denn die gängigen Rhythmusmedikamente auf dem Markt sind mit starken Nebenwirkungen verbunden“, so Professor Maier. Professor Sossalla blickt in die Zukunft: 

„Unsere Forschung liefert nun einen neuen medikamentösen Wirkansatz. 

Im nächsten Schritt sind die von uns getesteten Wirkstoffe weiterzuentwickeln, um gezielt den NaV1.8 im Menschen zu hemmen.“

 Diese Entwicklung könnte sogar in nicht allzu ferner Zukunft liegen, da aktuell bereits ein NaV1.8 -Hemmer in einem fachfremden Forschungsbereich im Menschen als neuartiges Medikament getestet wird.

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Professor Dr. Samuel Sossalla
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Klinik und Poliklinik für Innere Medizin II
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Samuel.sossalla@ukr.de
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Katja Rußwurm Universitätsklinikum Regensburg (UKR)

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Originalpublikation:

Bengel, P., Dybkova, N., Tirilomis, P. et al. Detrimental proarrhythmogenic interaction of Ca2+/calmodulin-dependent protein kinase II and NaV1.8 in heart failure. Nat Commun 12, 6586 (2021). https://doi.org/10.1038/s41467-021-26690-1


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Prof. Dr. med. Olivier Devuyst: Osmotische Lösungen - Die Peritoneal- oder Bauchfelldialys

Medizin am Abend  Berlin - MaAB-Fazit: Grosser Schritt in Richtung Präzisionsmedizin für Dialysepatienten

Eine häufige Genvariante für das Protein Aquaporin-1 verringert die Anzahl Wasserkanäle in den Zellmembranen. 

  • Dies reduziert den Wassertransport und erhöht bei Patienten, die wegen Nierenversagen mit Bauchfelldialyse behandelt werden, das Sterberisiko. 

Darum sollten bei Betroffenen mit dieser Genvariante spezifische osmotische Lösungen eingesetzt werden, wie ein von der Universität Zürich geleitetes, internationales Forschungsteam zeigt. 

Die Peritoneal- oder Bauchfelldialyse können Betroffene daheim mit minimaler medizinischer und technischer Unterstützung durchführen.
Die Peritoneal- oder Bauchfelldialyse können Betroffene daheim mit minimaler medizinischer und technischer Unterstützung durchführen. Hugues Depasse Hugues Depasse 

  • Täglich reinigen die menschlichen Nieren etwa 1'500 Liter Blut, indem sie etwa ein bis zwei Liter Urin produzieren. 
  • Der Körper entledigt sich so von überschüssigem Wasser, giftigen Abfallprodukten des Stoffwechsels oder von Medikamenten und hält das Gleichgewicht von Wasser und Mineralien im Gewebe aufrecht. 

Weltweit sind bis zu 10 Prozent der Menschen von Nierenversagen betroffen – Tendenz steigend. 

Während sie auf eine Nierentransplantation warten, müssen Patientinnen und Patienten mit chronischem Nierenversagen regelmässig mit einer Dialyse behandelt werden, die den Körper von Flüssigkeit und schädlichen Substanzen reinigt. 

Immer beliebter wird die Bauchfelldialyse, auch Peritonealdialyse genannt, da sie zu Hause mit einem Minimum an medizinischer und technischer Unterstützung durchgeführt werden kann.

Häufige Variante des Wassertransporter-Gens erhöht das Sterberisiko

Ein internationales Forschungsteam unter der Leitung der Universität Zürich (UZH) hat nun eine verbreitete Variante des AQP1-Gens identifiziert, das die Bauanleitung für den Wasserkanal Aquaporin-1 enthält. 

Dieses Protein beeinflusst die Wirksamkeit der Dialyse und das Überleben der Betroffenen erheblich. 

«Die Identifizierung dieser häufig vorkommenden Genvariante ist ein grosser Schritt in Richtung Präzisionsmedizin in der Dialysebehandlung. 

Sie verändert die Aquaporin-1-Produktion und ist mit einem höheren Risiko für Tod und Therapieversagen verbunden», sagt der Studienverantwortliche Olivier Devuyst vom Physiologischen Institut der UZH. «Die Genvariante beeinflusst das Behandlungsergebnis und die Wahl der Therapiemodalitäten bei Nierenversagen», fügt er hinzu.

  • Die Effizienz der Dialyse hängt davon ab, wie gut sie überschüssiges Wasser entfernt, den normalen Flüssigkeitsstatus des Körpers wiederherstellt und Abfallstoffe ausscheidet. 

Bei der Peritonealdialyse wird eine osmotische Lösung in die Bauchfellhöhle gefüllt, die das Wasser vorrangig durch die Aquaporin-1-Kanäle – gewissermassen das körpereigene Abwassersystem – abführt.

In früheren Studien konnte die Gruppe von Oliver Devuyst zeigen, dass Aquaporin-1 reichlich in den Zellen vorhanden ist, die die Kapillaren des Bauchfells auskleiden. 

Dort sind die Proteine für den schnellen osmotischen Wassertransport durch die Zellmembranen und für knapp die Hälfte des Wasserentzugs während der Dialyse, Ultrafiltration genannt, zuständig.

Patientinnen und Patienten mit chronischem Nierenversagen benötigen regelmässig eine Bauchfelldialyse, die den Körper von Flüssigkeit und schädlichen Substanzen reinigt.
Patientinnen und Patienten mit chronischem Nierenversagen benötigen regelmässig eine Bauchfelldialyse, die den Körper von Flüssigkeit und schädlichen Substanzen reinigt. Hugues Depasse

Genvariante verringert osmotischen Wassertransport und Ultrafiltration

Um zu testen, welche Auswirkungen Genvarianten für Aquaporin-1 auf die Ultrafiltration und das Ergebnis der Dialyse haben, untersuchten die Forscher 1'851 Patienten unterschiedlicher ethnischer Herkunft über mehrere Jahre. Mit Hilfe verschiedener Techniken, die von Humangenetik über Mausmodelle und Computer-Modellierung bis hin zu zellulären Studien reichen, konnte das Team zeigen, dass bei Patientinnen und Patienten mit einer häufigen Variante des Aquaporin-1-Gens geringere Mengen dieses Proteins in ihren Geweben vorhanden sind. Daher ist die Fähigkeit reduziert, Wasser durch die Zellmembranen zu transportieren. Devuyst ergänzt: «Unsere Forschung zeigt, dass relativ häufige genetische Varianten – etwa 30 Prozent der Bevölkerung besitzen die AQP1-Variante – grundlegende Prozesse beeinträchtigen können, die aber nur unter besonderen Umständen wie hier der Dialysebehandlung zutage treten.»

Gendefekt durch Anpassung des Dialysemittels überwinden

Bei Patienten, die die Peritonealdialyse daheim machen und diese Aquaporin-1-Variante tragen, wird das überschüssige Wasser durch die Behandlung nicht vollständig entfernt, da die Zellen über weniger Wasserkanäle verfügen. 

Dies führt zu Wasseransammlungen und einem erhöhten Sterberisiko aufgrund verschiedener Komplikationen. 

Das Risiko zu sterben oder auf eine Hämodialyse im Spital umgestellt werden zu müssen, ist bei Bauchfelldialyse-Patienten mit dieser Genvariante rund 70 Prozent höher als bei Patientinnen, die das defekte Gen nicht tragen.

Das aus Forscherinnen und Medizinern aus sechs verschiedenen Ländern zusammensetzte Team hat jedoch eine Möglichkeit gefunden, das Problem zu umgehen.

 «Der Gendefekt kann überwunden werden, wenn anstelle von Glukose spezifische osmotische Lösungen verwendet werden, die unabhängig von Aquaporinen Wasser anziehen – sogenannte kolloidale osmotische Mittel», sagt Olivier Devuyst.

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Prof. Dr. med. Olivier Devuyst
Physiologisches Institut
Universität Zürich
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E-Mail: olivier.devuyst@uzh.ch

Kurt Bodenmüller Universität Zürich

Telefon: +41446344439
Fax: +41446342346
E-Mail-Adresse: kurt.bodenmueller@kommunikation.uzh.ch


Originalpublikation:

Johann Morelle, Céline Marechal, Zanzhe Yu et. al. AQP1 Promoter Variant, Water Transport and Outcome in Peritoneal Dialysis. New England Journal of Medicine. October 20, 2021. DOI: 10.1056/NEJMoa2034279