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Komplexer angeborener Herzfehler

Medizin am Abend Berlin Fazit: Den genetischen Ursachen angeborener Herzfehler auf der Spur

Mithilfe modernster Genanalysemethoden konnte ein deutsches Forscherteam zeigen, dass ein komplexer angeborener Herzfehler seinen Ursprung in mehreren Genen hat und wie diese Genveränderungen zusammenwirken. 

Das Team untersuchte dafür über viele Jahre eine 19-köpfige Familie, in der zwölf Personen von einer bestimmten Genveränderung betroffen sind. 

Die Ergebnisse der Studie präsentieren die Forscherinnen und Forscher in Scientific Reports. 
 
  • Angeborene Herzfehler sind die häufigsten Organfehlbildungen und kommen bei circa einem Prozent der Neugeborenen vor. 

Die Fehlbildungen des Herzens lassen sich immer besser behandeln, weshalb sich Betroffene zunehmend dafür entscheiden, selbst eine Familie zu gründen.

Mediziner und Biologen interessieren sich aus diesem Grund wieder mehr für die molekularen Ursachen dieser Erkrankungen, um die therapeutischen und auch diagnostischen Möglichkeiten zu verbessern.

Zusammenspiel mehrerer Genveränderungen

An Fehlbildungen des Herzens sind eine Vielzahl von Genen beteiligt.

Nur eine geringe Anzahl dieser Erkrankungen wird durch Mutationen in einzelnen Genen, sogenannten monogenen Mutationen, verursacht.

Als Gen bezeichnet man eine Code-Abfolge in der Erbsubstanz DNA, die den Bauplan für ein Protein enthält. 

Die Vermutung liegt nahe, dass zahlreiche angeborene Herzerkrankungen durch das gleichzeitige Auftreten von Mutationen in unterschiedlichen Genen verursacht werden.

Eine der dringendsten Herausforderungen bei der Suche nach den Ursachen von angeborenen Herzfehlern ist es somit, das Zusammenspiel dieser vielfachen Genveränderungen besser zu verstehen.

Das Forscherteam aus Deutschland konnte nachweisen, dass Familienuntersuchungen mittels modernster DNA-Sequenziertechnik geeignet sind, auch komplexe, sprich multigene, Ursachen zu identifizieren. Anschließend modellierten sie diese Genveränderungen im Zebrafisch und konnten so zeigen, wie diese sich auf das Herz auswirken.

Die beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf, der Medizinischen Hochschule Hannover, des Deutschen Herzzentrums München, der Universitätsmedizin Göttingen, der Universität zu Lübeck sowie der Universität Potsdam präsentieren in der Studie die Sequenzierungsdaten einer Familie mit unterschiedlichen komplexen angeborenen Herzfehlern, einschließlich der Ebstein-Anomalie, dem atrioventrikulären Septumdefekt und anderen. Insgesamt zwölf von 19 Familienmitgliedern tragen eine familienspezifische Mutation im BMPR1A-Gen auf Chromosom 10. Diese Mutation geht einher mit einer bislang unbekannten Mutation innerhalb einer Region des Chromosom 1 und führt zur Entstehung dieser schweren Herzfehlbildungen.

Kleinere Herzklappen beim Zebrafisch

Das Rezeptorprotein BMPR1A und seine Liganden sind an der Übertragung chemischer Signale von der Zellmembran zum Kern beteiligt und regulieren somit das Zellwachstum und die Zellteilung sowie die Aktivität bestimmter Gene. Im Zebrafisch konnte nun gezeigt werden, dass die kontinuierliche Überexpression der menschlichen BMPR1A-Mutation mit der Entwicklung kleinerer Herzklappen assoziiert ist, zur Herabregulation des für die Herzentwicklung so wichtigen Wnt/ß-Catenin-Signalwegs führt und zudem Gewebswucherungen an den Herzklappen verursacht. Dies ist ein Zeichen dafür, dass BMPR1A an der Herzentwicklung beteiligt ist.

Dieser Befund eröffnet die Möglichkeit, die genetische Interaktionen zwischen BMPR1A und anderen Kandidatengenen innerhalb der Region auf Chromosom 1 zu testen und damit komplexere genetische Ursachen für angeborene Herzfehler aufzuspüren.

Moderne Sequenzierungsverfahren brachten den Durchbruch

Prof. Jeanette Erdmann von der Universität zu Lübeck erläutert: „Die Studie ist auch ein Paradebeispiel für Ausdauer in der Forschung, denn die Anfänge datieren zurück ins Jahr 1996, als die erste Patientin aus der Familie in der Uniklinik in Regensburg vorstellig wurde. Nur durch die rasante technologische Entwicklung der letzten Jahre, hier vor allem das sogenannte Next-Generation-Sequencing-Verfahren, konnte die Studie positiv abgeschlossen werden. Zudem war natürlich auch die Geduld der Familie unabdingbar“.

Prof. Salim Seyfried von der Universität Potsdam ergänzt: „Die Untersuchungen am Zebrafisch waren letztendlich entscheidend, um die Krankheitsrelevanz der Kandidatenmutation nachzuweisen. Diese vom Deutschen Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung geförderte Kooperation belegt, wie wichtig heutzutage das Zusammenwirken von Arbeitsgruppen mit unterschiedlichsten Expertisen für die moderne arbeitsteilige Biomedizin geworden ist.“

Das Projekt wurde in den vergangenen Jahren von dem Exzellenzcluster REBIRTH, dem Deutschen Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK), der Universität zu Lübeck, der Deutschen Herzstiftung sowie der DFG gefördert.

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Prof. Dr. Salim Seyfried
MHH-Institut für Molekularbiologie und Universität Potsdam
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Prof. Dr. Jeanette Erdmann
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E-Mail-Adresse: christine.vollgraf@dzhk.de
Originalpublikation:
A familial congenital heart disease with a possible multigenic origin involving a mutation in BMPR1A. Scientific Reports (2019)

https://www.nature.com/articles/s41598-019-39648-7

Dein Stress: Freisetzung von Stresshormonen

Medizin am Abend Berlin Fazit: Wie Zellen unterschiedlich auf Stress reagieren

Die Freisetzung von Stresshormonen löst zahlreiche unterschiedliche Reaktionen im Organismus aus. 

Einige dieser Reaktionen werden durch sogenannte Enhancer reguliert. 
  • Dies sind regulatorische Regionen im Genom, die die Aktivität von Genen beeinflussen können. 
Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler am Berliner Max-Planck-Institut für molekulare Genetik (MPIMG) haben jetzt herausgefunden, dass ein einzelner Enhancer in verschiedenen Zelltypen unterschiedliche Stressreaktionen regulieren kann. 

Dies ist möglich, da der Enhancer in unterschiedlichen Zelltypen die Produktion von verschiedenen Gentranskripten reguliert und dadurch zelltypspezifische Reaktionen auf Stress ermöglicht. 

In Knochenzellen aktiviert der Enhancer einen nahe gelegenen DNA-Abschnitt. In Lungenzellen wird ein Abschnitt aktiviert, der weit von dem Enhancer entfernt liegt.
In Knochenzellen aktiviert der Enhancer einen nahe gelegenen DNA-Abschnitt. In Lungenzellen wird ein Abschnitt aktiviert, der weit von dem Enhancer entfernt liegt.
S. Meijsing / Max-Planck-Institut für molekulare Genetik (MPIMG) 
  • Das Herz pumpt schneller, die Atemfrequenz erhöht sich und der Blutdruck steigt. 
  • Dies alles sind Zeichen von akutem Stress. Während der Stressreaktion wird eine Mischung von Stresshormonen in den Blutkreislauf ausgeschüttet und zu den verschiedenen Geweben und Zelltypen unseres Körpers transportiert. 
Dadurch ist der gesamte Körper den Stresshormonen ausgesetzt. 

Aber obwohl alle Zellen mit Stresshormonen konfrontiert werden, antworten sie darauf mit einem breiten Spektrum an verschiedenen physiologischen Reaktionen. 
So werden beispielsweise in Fettzellen Energiereserven mobilisiert, während die Zellen des Immunsystems ihre Aktivität drosseln. 

Warum die Zellen so unterschiedlich auf die gleichen Stimuli reagieren können, obwohl sie alle das gleiche Genom besitzen, ist bisher weitgehend unklar.

Mit dieser Frage beschäftigen sich Sebastiaan Meijsing und sein Team am Max-Planck-Institut für molekulare Genetik (MPIMG) in Berlin. Es ist bekannt, dass viele physiologische Reaktionen auf Stress eine Folge von zelltypspezifischen Veränderungen der Genexpression sind. 
  • Beispielsweise können Zellen reagieren, indem sie die Anzahl an RNA-Abschriften (Transkripten) des Abschnitts der DNA, der bei Stress abgelesen wird, erhöhen oder erniedrigen. 
Um genauer zu untersuchen, wie Zellen auf Stresssignale reagieren, entfernten die Forscherinnen und Forscher um Meijsing mithilfe von Genome-Editing Enhancer aus dem Genom von Lungenzellen und überprüften, wie die veränderten Zellen auf Stress reagierten.

Auf diese Weise konnten sie mehrere Enhancer identifizieren, die für die stressinduzierten Veränderungen der Genexpression in diesem Zelltyp verantwortlich sind.

Im nächsten Schritt untersuchten sie die Aktivität derselben Enhancer in einem anderen Zelltyp:

Knochenzellen.

Zu ihrer Überraschung war ein spezifischer Enhancer in den Knochenzellen jedoch an der stressinduzierten Regulation anderer Gentranskripte beteiligt als in den Lungenzellen.

In den Knochenzellen wurde bei Stress ein DNA-Abschnitt aktiviert, der in direkter Nähe zum Enhancer liegt. In den Lungenzellen wurde dagegen ein anderes Transkript aktiviert, das sich in großer Entfernung zu dem betreffenden Enhancer befindet.

„Stellen sie sich vor, sie hätten nur eine Steckdose, mit dem sie entweder ihren Toaster oder ihren Wasserkocher betreiben können“, erklärt Meijsing.

„Beides würde funktionieren, sie müssen sich aber für ein Gerät entscheiden.

So ähnlich ist die Situation in diesen zwei Zelltypen.  

Der von uns untersuchte Enhancer kann entweder den benachbarten oder den weiter entfernt liegenden DNA-Abschnitt aktivieren.“

Wie aber entscheidet der Enhancer, welcher der beiden Genomabschnitte in welcher Zelle aktiviert werden muss? Im Zuge der Zelldifferenzierung und Ausbildung spezifischer Zellarten kommt es auch zu Unterschieden bei der dreidimensionalen Faltung des Genoms. Solche Unterschiede in der Art, wie das Genom gefaltet ist, können Interaktionen zwischen Enhancern und Genen bzw. anderen DNA-Abschnitten erlauben oder einschränken. „Für die von uns untersuchte Region gibt es Hinweise, dass die Faltung des Genoms in den Knochenzellen eine Wechselwirkung des Enhancers mit der benachbarten DNA-Region ermöglicht“, sagt Meijsing. „In den Lungenzellen dagegen ist das Genom so gefaltet, dass der Enhancer nur mit dem weiter entfernt liegenden Abschnitt der DNA interagieren kann.

Eine solche „Wiederverwendung“ von bereits vorhandenen Enhancern für verschiedene Gene ermöglicht es dem Organismus, verschiedene Produkte als Reaktion auf Stress zu generieren. 

Solch eine unterschiedliche Nutzung derselben aktiven Enhancer in verschiedenen Zelltypen kann somit zu den vielfältigen physiologischen Stressreaktionen unseres Körpers beitragen.“ 

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Dr. Patricia Marquardt Max-Planck-Institut für molekulare Genetik

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Therapiestrategien Bauchspeicheldrüsenkrebs: Aggressivität und frühe Metastasierung

Medizin am Abend Berlin Fazit: Bauchspeicheldrüsenkrebs: Verdopplung von Genen macht Tumore so aggressiv

Bauchspeicheldrüsenkrebs zählt zu den Krebserkrankungen mit der weltweit höchsten Sterblichkeit. 

Genetische Veränderungen, mit denen sich die besondere Aggressivität und frühe Metastasierung dieser Krebsform erklären ließe, konnten bisher allerdings nicht gefunden werden. 

Ein Forschungsteam der Technischen Universität München (TUM) und des Deutschen Krebskonsortiums (DKTK) zeigt jetzt, dass diese Eigenschaften durch bestimmte Gen-Vervielfältigungen, die entlang unterschiedlicher Evolutionswege des Krebses entstehen, erklärt werden können. 

Aus dieser Entdeckung leiten sie grundlegende Prinzipien für die Biologie dieser Krebsart ab. 
 
Bisher scheiterten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler daran, Eigenschaften des Bauchspeicheldrüsenkrebses, wie dessen Aggressivität, mit Veränderungen im Erbgut des Tumors, so genannten Mutationen, in Zusammenhang zu bringen.

  • Zudem bildet Bauchspeicheldrüsenkrebs sehr viel schneller Metastasen als andere Krebsarten. 

Auch hier sind die genetischen Ursachen bisher unklar.

Ein Team um Prof. Roland Rad und Prof. Dieter Saur am TUM Universitätsklinikum rechts der Isar und dem Deutschen Krebskonsortium ist beiden Problemen einen entscheidenden Schritt nähergekommen. Mit Hilfe verschiedener Mausmodelle zur Erforschung des Bauchspeicheldrüsenkrebses gelang es ihnen, molekulare Wege der Tumorentstehung im Detail aufzudecken. Sie können so nachvollziehen, wie unterschiedliche Eigenschaften der Erkrankung entstehen. Die Studie wurde im Fachjournal Nature veröffentlicht.

Tumorzellen besitzen mehrere fehlerhafte Kopien eines Krebsgens

Gesunde Zellen in Menschen haben von jedem Gen zwei Kopien. Für ihre Experimente mutierten die Forscherinnen und Forscher eine der beiden Kopien des Kras-Gens in Mäusen. Das Gen spielt bei der Zellvermehrung eine wichtige Rolle und ist in 90% aller menschlichen Bauchspeicheldrüsentumore aktiviert.

Solche Gene werden auch als Krebsgene oder Onkogene bezeichnet. Dabei machte das Team um Roland Rad eine überraschende Entdeckung: Das mutierte Gen wurde häufig bereits in sehr frühen Vorstufen des Krebses vervielfältigt. Hatte ein Tumor die mutierte Kras-Genkopie nicht verdoppelt, entdeckten die Forscher Vervielfältigungen in anderen Krebsgenen.

„Es scheint so als müsste die Zelle das Wachstumssignal durch die zusätzlichen Gen-Kopien erhöhen. Dieses Modell der Dosisverstärkung während der Tumorentwicklung wurde bisher nicht berücksichtigt.“ sagt Sebastian Müller, Erstautor der Studie, und fügt hinzu: “Wir konnten zusätzlich zeigen, dass bei erhöhter Zahl der mutierten Kras-Kopien die Aggressivität und die Fähigkeit zur Metastasierung zunahmen.“

Störung körpereigener Schutzmechanismen bestimmt die Evolution des Krebses

Normalerweise haben gesunde Zellen eigene Schutzmechanismen, damit sich Mutationen nicht anhäufen. Warum konnten die Zellen also diese Dosisverstärkung überhaupt schaffen, ohne daran gehindert zu werden?

"Hier zeigt sich die Bedeutung von Mausmodellen. Sie ermöglichen uns, die außerordentlich komplexen Prozesse der molekularen Krebsentwicklung umfassend zu beobachten und experimentell zu überprüfen: von der gesunden Zelle über Krebsvorläufer bis hin zum aggressiven Tumor und dessen Ausbreitung in verschiedene Organe." erklärt Prof. Dieter Saur.

Nach der durch die Forscher verursachten Kras-Mutation entstanden zunächst weitere Mutationen in so genannten Tumorsuppressorgenen.

Damit die Entwicklung einer Tumorzelle verhindert wird, besitzt eine gesunde Zelle eine ganze Reihe solcher schützender Gene. 

Eine grundlegende Erkenntnis der Forscher war: Je nachdem welches Tumorsuppressorgen betroffen war und wie stark dessen Funktion beeinträchtigt wurde, wird entweder das mutierte Kras-Gen oder ein anderes Krebsgen vervielfältigt.

Die Wichtigsten Entwicklungsschritte aufgeklärt

Erst durch das Ausschalten der zelleigenen Schutzmechanismen und die darauffolgende ‚Dosisverstärkung‘ kann am Ende ein Tumor entstehen.

Welchen Weg die Zelle dabei einschlägt und welche Gene beteiligt sind, bestimmte dann maßgeblich die Eigenschaften des Bauchspeicheldrüsentumors.

Durch das Modell der ‚Dosisverstärkung‘ lassen sich erstmals genetische Muster festlegen, die dessen Aggressivität und Metastasierung erklären.

„Wir haben Hinweise darauf, dass unsere Entdeckung ein grundlegendes Prinzip bei der Entstehung von Tumoren darstellt und auch bei anderen Krebsarten von Bedeutung ist.

Wir gehen nun der Frage nach, inwieweit diese neuen Einblicke in die Tumorbiologie für die Entwicklung neuer Therapiestrategien genutzt werden können.“, erklärt Prof. Roland Rad die nächsten Forschungsziele.

Folgende Institutionen waren ebenfalls an der Studie beteiligt: The Wellcome Trust Sanger Institute, Ludwig-Maximilians Universität (Anthropologie und Humangenetik), Helmholtz Zentrum München, (Forschungsabteilung Strahlenzytogenetik), Universidad de Oviedo (Institute of Oncology of Asturias, Departamento de Bioquímica y Biología Molecular, Facultad de Medicina, Instituto Universitario de Oncología, Nanomaterials and Nanotechnology Research Center), University of Cambridge (Department of Veterinary Medicine), Instituto de Medicina Oncológica y Molecular de Asturias, Klinikum der LMU München-Grosshadern (Medizinische Klinik und Poliklinik II), Instituto de Biomedicina y Biotecnología de Cantabria

Originalpublikation
S. Mueller, T. Engleitner, R. Maresch, M. Zukowska, S. Lange, T. Kaltenbacher, B. Konukiewitz, R. Öllinger, M. Zwiebel, A. Strong, H.-Y. Yen, R. Banerjee, S. Louzada, B. Fu, B. Seidler, J. Götzfried, K. Schuck, Z. Hassan, A. Arbeiter, N. Schönhuber, S. Klein, C. Veltkamp, M. Friedrich, L. Rad, M. Barenboim, C. Ziegenhain, J. Hess, O. M. Dovey, S. Eser, S. Parekh, F. Constantino-Casas, J. de la Rosa, M. I. Sierra, M. Fraga, J. Mayerle, G. Klöppel, J. Cadiñanos, P. Liu, G. Vassiliou, W. Weichert, K. Steiger, W. Enard, R. M. Schmid, F. Yang, K. Unger, G. Schneider, I. Varela, A. Bradley, D. Saur, R. Rad, Evolutionary routes and KRAS dosage define pancreatic cancer phenotypes, Nature, 2018, DOI: 10.1038/nature25459
https://www.nature.com/articles/nature25459

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Über Google: Medizin am Abend Berlin 
idw - Informationsdienst Wissenschaft e. V.

Prof. Dr. med. Roland Rad
Klinik und Poliklinik für Innere Medizin II
Universitätklinikum rechts der Isar der Technischen Universität München
Tel.: (089) 4140 - 4374
E-Mail: roland.rad@tum.de
www.tum.de

Arcisstr. 21
80333 München
Deutschland
Bayern


Dr. Ulrich Marsch
Telefon: 089 / 289 - 22778
Fax: 089 / 289 - 23388
E-Mail-Adresse: presse@tum.de

Weitere Informationen für international Medizin am Abend Berlin Beteiligte
https://www.med2.mri.tum.de/de/forschung/grundlagenforschung/ag-rad.php
- Forschungsgruppe von Roland Rad

https://www.med2.mri.tum.de/de/forschung/grundlagenforschung/ag-saur.php
- Forschungsgruppe von Dieter Saur

 

Fetalperiode: Auswirkungen vorgeburtlicher Stress auf die Gesundheit und Krankheit www.brain-age.eu

Medizin am Abend Berlin Fazit:   Wie prägt Stress im Mutterleib unsere Gesundheit im späteren Leben?

Das Symposium „Prenatal Stress and Brain Disorders in Later Life” vom 20. bis 22. September in Berlin widmet sich erstmals spezifisch der Frage, welche Auswirkungen vorgeburtlicher Stress langfristig auf die Gesundheit und die Ausbildung von Krankheiten hat. In einer anschließenden Summer School in Jena können Studierende und junge Wissenschaftler praktische Kenntnisse über Planung und Durchführung von Studien zu diesem Thema erwerben. 

 
Die Neigung zu Erkrankungen wie ADHS, Depression, Schlaganfall oder Demenz und deren große Verbreitung lässt sich durch genetische Faktoren oder einen ungesunden Lebensstil nicht ausreichend erklären.

Neuere Erkenntnisse zeigen, dass die Fetalperiode eine wesentliche Rolle bei der Entstehung einer Prädisposition für die Entwicklung dieser Erkrankungen spielt. „Offensichtlich bewirken ungünstige Umweltbedingungen in kritischen Phasen der fetalen Organentwicklung eine dauerhafte Anpassung der Organfunktionen oder –struktur an zu erwartende schlechte Umweltbedingungen. Dabei wird das Auslesen von Genen lebenslang verändert“, so Prof. Dr. Matthias Schwab vom Uniklinikum Jena. Der Neurologe koordiniert den EU-Forschungsverbund BrainAge. Die beteiligten Wissenschaftler erforschen diesen als „Fetale Programmierung“ bezeichneten Vorgang und stellen ihre Ergebnisse auf dem Symposium vor.

  • Die wesentlichsten Umwelteinflüsse auf das Baby im Mutterleib sind Stress und eine ungünstige Nährstoffversorgung. Solche Stresssituationen für das Baby können etwa bei psychischer Belastung der Mutter oder schon bei moderater Mangelernährung auftreten, z.B. durch zu wenig Nahrungsaufnahme der Mutter oder eine Plazentastörung, die insbesondere bei älteren Schwangeren nicht ungewöhnlich ist. Der Stress im Mutterleib beeinflusst die Hirnentwicklung und erhöht die Stressempfindlichkeit im späteren Leben.

„Biologisch gesehen ist eine erhöhte Stressempfindlichkeit zunächst erst einmal positiv“, erklärt Matthias Schwab. 

„Optimierte stressspezifische Reaktionen wie Flucht und Aufmerksamkeitsfokussierung sind wichtige Anpassungsmechanismen, die während der Evolution das Überleben sicherten.“ Eine stressbedingte Aufmerksamkeitsfokussierung hat jeder schon selbst erfahren: So konzentriert man sich in Prüfungssituationen völlig auf das Thema und denkt nicht über andere Dinge nach.

Allerdings ist eine erhöhte Stressempfindlichkeit auch mit negativen Auswirkungen verbunden. 

  • Es gibt eine Reihe von Stress assoziierten Erkrankungen wie das ADHS, Depressionen und hohen Blutdruck und Hinweise darauf, dass eine erhöhte Stressempfindlichkeit das Schlaganfallrisiko erhöht, zu kognitiven Störungen und zu einer früheren Hirnalterung führt.

Im von der Europäischen Union geförderten Projekt „Impact of Prenatal Stress on BRAIN AGEing“, arbeiten Molekularbiologen, Psychologen, Fetal- und Neurophysiologen aus fünf europäischen Ländern und den USA zusammen. Sie untersuchen in experimentellen Projekten und Studien die Mechanismen, die zur erhöhten Stressanfälligkeit und in der Folge zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder neurodegenerativen Störungen führen.

Eine bessere Kenntnis dieser Prozesse ist die Voraussetzung dafür, dass frühe Interventionen und Therapien entwickelt werden können.

Auf dem Symposium in Berlin diskutieren renommierte Wissenschaftler aus aller Welt die neuesten Erkenntnisse zu diesem Thema. In einer anschließenden zweitägigen Summer School am Universitätsklinikum Jena führen die Wissenschaftler Studierende und junge Nachwuchsforscher in das Thema ein und vermitteln ihnen praktische Kenntnisse, z. B. wie eine Kohortenstudie mit Patienten geplant und durchgeführt wird oder wie man das Stressempfinden von Kindern ermitteln kann.


Terminhinweis:

Symposium „Prenatal Stress and Brain Disorders in Later Life”
20.-22. September 2015, Seehotel Zeuthen, Fontaneallee 27, 15738 Zeuthen, Berlin
Summer School „Prenatal Stress and Brain Disorders in Later Life”
22.-24. September 2015, Universitätsklinikum Jena, Erlanger Allee 101, 07747 Jena

Programm für das Symposium und die Summer School:

http://www.brain-age.eu/images/_summerschool2015/programme.pdf


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Prof. Dr. Matthias Schwab
Leiter der Arbeitsgruppe "Fetale Hirnentwicklung und Programmierung von Erkrankungen im späteren Leben"
Klinik für Neurologie, Universitätsklinikum Jena
Tel. 03641/9 32 34 86
E-Mail: Matthias.Schwab[at]med.uni-jena.de
Dr. Uta von der Gönna Universitätsklinikum Jena




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DMI - Therapie vor Immuntherapie: Endogene Viren gezielt zur Krebstherapie einsetzen

Medizin am Abend Berlin Fazit:    Mit endogenen Viren gegen den Krebs

Das menschliche Erbgut besteht aus einer Vielzahl von Genen. 

Darunter befinden sich auch Fremdgene: 

So wurden im Laufe der Evolution Gene von Viren integriert, von denen die meisten aber inaktiv sind. Werden sie jedoch aktiviert, können sie das menschliche Immunsystem stimulieren – und so bei der Behandlung gegen Krebs helfen. Das haben Wissenschaftler der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) jetzt zusammen mit Kollegen aus den USA nachgewiesen. Ihre Ergebnisse haben die Wissenschaftler als Titelstory in der renommierten Fachzeitschrift Cell* veröffentlicht. 

Das Bild oben zeigt das menschliche Eierstockgewebe: Die blauen Färbungen sind die einzelnen Zellkerne. Die braune Färbung auf dem Bild unten zeigt die Aktivierung eines Gens der endogenen Retroviren.
Das Bild oben zeigt das menschliche Eierstockgewebe: Die blauen Färbungen sind die einzelnen Zellkerne. Die braune Färbung auf dem Bild unten zeigt die Aktivierung eines Gens der endogenen Retroviren. Bild: PD Dr. Strissel/PD Dr. Reiner Strick
 
  • Gene tragen die Erbinformation des Menschen. Zu welchem Zeitpunkt und an welcher Stelle ein Gen aktiv ist, ist in jeder Zelle genau reguliert. 

Dieser Vorgang spielt während der normalen Entwicklung von Zellen, aber auch beim Wachstum von Tumoren eine große Rolle. 

Seit längerem ist bekannt, dass es Stoffe gibt – sogenannte  

DNA-Methylierungs-Hemmstoffe (DMI; Englisch für DNA methylation inhibitors) 

die in Tumorzellen eine Vielzahl von Genen des Immunsystems stimulieren und so zur Bekämpfung des Tumors beitragen.

In klinischen Versuchen mit Lungenkrebspatienten in den USA konnte die Gabe von DMI vor einer Immuntherapie die Behandlung der Patienten signifikant verbessern.

Wie DMI die Therapie von Tumorpatienten verbessert, war bisher jedoch unbekannt. Ein internationales Team von Wissenschaftlern aus den USA und von der Universität Erlangen-Nürnberg haben nun die molekular- und zellbiologischen Ursachen aufgeklärt.

  • Demnach aktivieren die DMI humane endogene Retroviren. Endogene Retroviren wurden im Laufe der Evolution in das menschliche Erbgut integriert, aber dann zum größten Teil inaktiviert.

Endogene Viren gezielt zur Krebstherapie einsetzen

In ihrem Projekt haben die Forscher Eierstockkrebszellen mit DMI behandelt. Und stellten fest: Durch die DMI wurden Gene aktiviert, die zur Bildung von Proteinen mit antitumoraler Wirkung – sogenannter Interferoneführten und damit schließlich zum Tod der Krebszellen.

Des Weiteren beobachteten die Forscher, dass durch die DMI doppelsträngige RNA gebildet wurde – eine Nukleinsäure, die ausgehend von den genetischen Informationen essentiell für die Proteinsynthese ist.

Dies ist normalerweise ein Hinweis auf eine Virusinfektion. 

Und tatsächlich konnten die Wissenschaftler um PD Dr. Reiner Strick vom FAU-Lehrstuhl für Geburtshilfe und Frauenheilkunde nachweisen, dass die RNA aus der Familie der endogenen Retroviren stammt.

  • Die aktivierten endogenen Retroviren stimulieren also die Immunabwehr. 
Diese Funktionsweise konnten die Wissenschaftler auch in anderen Krebserkrankungen der Lunge, Haut und Brust nachweisen. 

Dadurch konnten die Forscher die Tumore in verschiedene Gruppen einteilen, je nachdem, wie stark die endogenen Retroviren aktiviert wurden.

„Erste vorklinische Experimente mit Hautkrebs haben gezeigt, dass die zeitgleiche Behandlung mit DMI und Immuntherapie auch einen besseren und dauerhaften Therapieerfolg erzielten“

erklärt Strick. „Jetzt, wo wir wissen, wie die DMI funktionieren, könnten sie zukünftig eventuell zur Verbesserung von Krebstherapien eingesetzt werden.“

*Chiappinelli et al. Cell 162, 1-13: DOI: http://dx.doi.org/10.1016/j.cell.2015.07.011

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PD Dr. Reiner Strick
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reiner.strick@uk-erlangen.de
Dr. Susanne Langer
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg