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Prof. Dr. Ulrich Boehm: Das Hormonsystem ist direkt mit dem Geruchssinn verbunden - Hormon Prolaktin

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Wissenschaftler weisen Zusammenhang zwischen Geruchssinn und Hormonsystem nach

Das Hormonsystem ist direkt mit dem Geruchssinn verbunden. 

Das hat ein Forschungsteam am Beispiel von Mäusen nachgewiesen. 

Die Arbeitsgruppe um Prof. Ulrich Boehm konnte beobachten, dass bestimmte Sinneszellen in der Nase auf das Hormon Prolaktin reagieren, welches die Milchproduktion der Weibchen steuert. 

Medizin am Abend Berlin ZusatzFachlink: Labor Prolaktin 

Je nach Prolaktin-Spiegel reagierten die Weibchen anders, wenn sie Gerüche von Männchen wahrgenommen haben. 

Ihre Erkenntnisse wurden in der Fachzeitschrift „Science Advances“ veröffentlicht. 

 Prof. Dr. Ulrich Boehm

 Prof. Dr. Ulrich Boehm ,Rüdiger Koop

  • Prolaktin, ein Hormon, das die Produktion von Muttermilch bei weiblichen Säugetieren steuert, war schon länger bekannt dafür, dass es das Brutpflegeverhalten steuert; das bedeutet, dass sich insbesondere die Mütter um den Nachwuchs kümmern. 

Nun haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler um Ulrich Boehm, Professor für Experimentelle Pharmakologie an der Universität des Saarlandes, herausgefunden, dass es Sinneszellen in der Nase gibt, die – abhängig vom Prolaktin-Spiegel des Tieres – das soziale Verhalten beeinflussen können. Das haben sie bei weiblichen Mäusen beobachten können.

  • Haben die Maus-Weibchen männlichen Urin gerochen, der auch zur Kommunikation untereinander dient, war ihr Verhalten abhängig vom Prolaktin-Spiegel in ihrem Körper. 

Verantwortlich dafür ist eine bestimmte Untergruppe von Sinneszellen in der Nase, die empfindsam auf Prolaktin im weiblichen Körper reagieren. 

Fehlt diesen Zellen der Prolaktinsensor, verlieren die Weibchen das Interesse an den Männchen.

„Wir konnten außerdem feststellen, dass diese prolaktinempfindlichen Sinneszellen in der Nase fest mit dem Gehirn verbunden sind“, erläutert Professor Boehm.

 „Bislang war nur wenig darüber bekannt, wie das Gehirn den Geruchssinn und das endokrine System miteinander verbindet.“ 

Diese direkte Verbindung unterstreicht die Bedeutung des Mechanismus für das Verhalten und somit letztlich für das Überleben der Spezies. 

„Die Tiere müssen äußere Signale mit dem inneren hormonellen Zustand verbinden, um ein Verhalten zu zeigen, das für eine bestimmte physiologische Situation angemessen ist. 

Dies ist besonders wichtig bei weiblichen Tieren, die während ihres Lebenszyklus dramatisch schwankende Prolaktin-Spiegel aufweisen, was mit deutlichen Verhaltensänderungen einhergeht“, erklärt der Experte.

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Prof. Dr. Ulrich Boehm
Tel.: (06841) 1626438
E-Mail: ulrich.boehm@uks.eu 

Thorsten Mohr Universität des Saarlandes

 


Originalpublikation:

Aoki M, Gamayun I, Wyatt A, Grünewald R, Simon-Thomas M, Philipp S, Hummel O, Wagenpfeil S, Kattler K, Gasparoni G, Walter J, Qiao S, Grattan DR, Boehm U (2021) Prolactin-sensitive olfactory sensory neurons regulate male preference in female mice by modulating responses to chemosensory cues. Sci Adv 7:eabg4074. DOI: 10.1126/sciadv.abg4074


Weitere Informationen für international Medizin am Abend Berlin Beteiligte

https://www.science.org/doi/10.1126/sciadv.abg4074?url_ver=Z39.88-2003&rfr_i...;


Prolaktin-Spiegel: Stillhormon

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Metabolische Klassifikation der Prolaktin-Spiegel für Patienten mit Übergewicht und Diabetes

Mexikanische und deutsche Wissenschaftler des Instituts für Neurobiologie der Nationalen Universität Mexikos (UNAM), des Klinikums Nürnberg und der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität Nürnberg haben Studien über den Zusammenhang des Prolaktin-Spiegels und der metabolischen Gesundheit bzw. der Entstehung von Diabetes analysiert und interpretiert. 

Als Konsequenz dieser Analysen wird eine neue Einteilung der Prolaktin-Spiegel für Patienten vorgeschlagen, welche als „metabolische Klassifikation der Prolaktin-Spiegel“ bezeichnet wird. 
 
Lange wurde angenommen, dass das Hypophysenhormon Prolaktin, welches eine fundamentale Rolle in der Laktation spielt und deshalb auch „Stillhormon“ genannt wird, die Entstehung von Diabetes begünstigt.

Medizin am Abend Berlin ZusatzFachLink: Prolaktin Labor  

Diese Sichtweise entstand durch die Arbeiten des argentinischen Physiologen Bernardo Houssay, der davon ausging, dass alle Hormone des vorderen Hypophysenlappens diabetogen sind. Für diese Arbeiten erhielt Bernardo Houssay 1947 den Nobelpreis für Physiologie und Medizin.

Die Annahme, dass Prolaktin diabetogen ist und das hohe Prolaktin-Spiegel sich nachteilhaft auf den Metabolismus auswirken, besaß bis vor kurzem Gültigkeit.

  • Tatsächlich ist es so, dass exzessiv hohe Prolaktin-Spiegel, wie zum Beispiel bei Patienten mit einem Prolaktin-produzierenden Hypophysentumor, oder sehr niedrige Prolaktin-Spiegel, mit Gewichtszunahme, Übergewicht, dem Metabolischen Syndrom und Typ 2 Diabetes Mellitus assoziiert sind.
  • Prolaktin-Spiegel im hoch-normalen und niedrigen hyperprolaktinämischen Bereich sind allerdings mit metabolischer Gesundheit assoziiert. 

Dies wurde in zahlreichen epidemiologischen Studien gezeigt und wird durch Ergebnisse aus experimentellen Modellen für Fettleibigkeit, Insulinresistenz und Diabetes in Tieren gestützt.

Mexikanische und deutsche Wissenschaftler von dem Institut für Neurobiologie der Nationalen Universität Mexikos (UNAM) und des Klinikums Nürnberg und der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität Nürnberg haben diese Studien analysiert und interpretiert. Als Konsequenz dieser Analysen wird eine neue Einteilung der Prolaktin-Spiegel für Patienten vorgeschlagen, welche als „metabolische Klassifikation der Prolaktin-Spiegel“ bezeichnet wird.

Die Autoren stellten fest, welche Prolaktin-Spiegel die metabolische Gesundheit beeinflussen und empfehlen die Berücksichtigung dieser Prolaktin-Spiegel in Studien zu metabolischen Erkrankungen, wie beispielsweise Typ 2 Diabetes.

  • Es wird vermutet, dass Prolaktin-Spiegel im hoch-normalen und niedrig hyperprolaktinämischen Bereich (bis zu 100 µg/L) nicht nur mit metabolischer Gesundheit assoziiert sind, sondern sogar dazu dienen könnten die metabolische Homöostase aufrechtzuerhalten und der Entwicklung von Typ 2 Diabetes entgegenzuwirken.

„Patienten mit hohen Prolaktin-Spiegeln werden oft aus Untersuchungen zu Typ 2 Diabetes und Prolaktin ausgeschlossen wohingegen es genau diese Patienten sind, welche genauer untersucht werden sollten“ erläutert Dr. Jakob Triebel, einer der Autoren der Studie.

„Der Ausschluss von Patienten mit erhöhten Prolaktin-Spiegeln stellt eine Selektionsverzerrung dar und sollte vermieden werden“, erklärt Dr. Triebel.

Gemäß der Autoren sind die wesentlichen Fragen, die durch die Studie aufgeworfen werden, die Identifikation der unbekannten Faktoren, welche für erniedrigte Prolaktin-Spiegel in Patienten mit metabolischen Erkrankungen führen, sowie die Entdeckung von Mechanismen zur Regulierung der Prolaktin-Spiegel in Personen ohne metabolische Erkrankungen.

Die Studie erscheint in der Fachzeitschrift „Trends in Endocrinology and Metabolism“, wurde am 7. Februar 2020 online publiziert.

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Yazmín Macotela Ph.D.
Instituto de Neurobiología
Universidad Nacional Autónoma de México (UNAM)
Queretaro, Mexico 76230
Email: macotelag@unam.mx

PD Dr. med. Jakob Triebel
Universitätsinstitut für Klinische Chemie, Laboratoriumsmedizin und Transfusionsmedizin
Chefarzt Prof. Dr. med. Thomas Bertsch
Klinikum Nürnberg und Paracelsus Medizinische Privatuniversität Nürnberg
90419 Nürnberg
Deutschland
Email: Jakob.Triebel@gmx.de
Website: http://jakobtriebel.de

Carmen Clapp Ph.D.
Instituto de Neurobiología
Universidad Nacional Autónoma de México (UNAM)
Queretaro, Mexico 76230
Email: clapp@unam.mx
Website: http://personal.inb.unam.mx/clapp/

Bernd Siegler Paracelsus Medizinische Privatuniversität, Standort Nürnberg
Prof. Ernst-Nathan-Str. 1
90419 Nürnberg
Deutschland
Bayern

Telefon: 0911 398 3774
Fax: 0911 398 5031
E-Mail-Adresse: siegler@klinikum-nuernberg.de
Originalpublikation:
https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S1043276020300047.

10.1016/j.tem.2020.01.004

Der Kreissaal: Stillhormon - Aminosäure Prolaktin Peripartum-Kardiomyopathie

Medizin am Abend Berlin Fazit: Die Rolle genetischer Veränderungen des Hormons Prolaktin bei Netzhaut- und Herzerkrankungen

Wissenschaftler der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität am Klinikum Nürnberg haben herausgefunden, dass genetische Veränderungen des Hormons Prolaktin, auch bekannt als „Stillhormon“, einen Einfluss auf die Entstehung und den Verlauf von Erkrankungen der Netzhaut und des Herzens haben können.  
In einer bioinformatischen Analyse stellten die Wissenschaftler fest, dass genetisch bedingte Änderungen von einzelnen Aminosäuren des Prolaktins, sogenannte Punktmutationen, die enzymatische Spaltung des Prolaktins, und somit die Menge der Prolaktin- Spaltprodukte vermehren oder vermindern können. 
Die Prolaktin-Spaltprodukte, sogenannte Vasoinhibine, regulieren verschiedene Funktionen von Blutgefäßen.

Medizin am Abend Berlin ZusatzFachLink: Labor Prolaktin-Untersuchung

Diese sind sowohl bei Netzhauterkrankungen von Patienten mit Diabetes Mellitus (Diabetische Retinopathie und Makula- Ödem), als auch bei einer seltenen Form der Herzschwäche, die bei schwangeren Frauen oder stillenden Müttern auftreten kann (Peripartum-Kardiomyopathie), gestört.

  • Für diese Störung der Blutgefäßfunktionen können verminderte oder vermehrte Vasoinhibin-Mengen verantwortlich sein, die infolge der Mutationen im Prolaktin- Gen entstehen können. 

Deshalb könnten Veränderungen des Prolaktin-Gens, je nach Art der Mutation, eine schützende Rolle spielen oder aber einen Risikofaktor darstellen.

Eine praktische Konsequenz für Patienten geht aus dieser Studie derzeit nicht hervor, da die Ergebnisse zunächst in experimentellen und klinischen Studien mit Patienten bestätigt werden müssen.

Die Untersuchung, die die Nürnberger Wissenschaftler um Dr. Jakob Triebel aus dem Universitätsinstitut für Klinische Chemie, Laboratoriumsmedizin und Transfusionsmedizin (Leitung: Prof. Dr. Thomas Bertsch) des Klinikums Nürnberg in Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern des Instituts für Neurobiologie der Nationalen Universität Mexikos (Universidad National Autónoma de México, UNAM) durchgeführt haben, wurde am 06.11.2017 in der Zeitschrift „Frontiers in Endocrinology – Genomic Endocrinology“ publiziert.

Originalveröffentlichung:
Human Prolactin Point Mutations and Their Projected Effect on Vasoinhibin Generation and Vasoinhibin-related Diseases, November 2017, Frontiers in Endocrinology – Genomic Endocrinology, DOI: 10.3389/fendo.2017.00294

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