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Medizin am Abend Berlin Fazit:   Flüchtlinge im Norden: Alle NDR Programme am 14. September mit diesem Schwerpunktthema
 
Täglich berichtet der NDR in Radio, Fernsehen und online über die Lage der Flüchtlinge im Norden, über Menschen in Not, über Hilfsaktionen und die großen Herausforderungen, vor denen Kreise und Kommunen überall im Land stehen.

Am Montag, 14. September, setzen das NDR Fernsehen, die NDR Radioprogramme und NDR.de
gemeinsam auf das Schwerpunktthema Flüchtlinge im Norden. So sind z. B. in der Sendung "NDR//Aktuell extra" im NDR Fernsehen Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil und sein schleswig-holsteinischer Kollege Torsten Albig Gesprächspartner der Moderatorin Susanne Stichler. NDR 2 widmet sich den ganzen Tag über vor allem den vielen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern, die sich um die Flüchtlinge im Norden kümmern. NDR.de stellt gängige Vorurteile zum Thema Flüchtlinge in einem Faktencheck auf den Prüfstand.

Wegen der angespannten Lage in der Betreuung der Flüchtlinge im Norden zieht der NDR außerdem die Öffnung des Kontos für seine vorweihnachtliche Spendenaktion "Hand in Hand für Norddeutschland" in diesem Jahr vor: Bereits von Montag, 14. September, an sind Einzahlungen von Spenden möglich. Partner der NDR Aktion ist diesmal der Paritätische Wohlfahrtsverband mit seiner Flüchtlingshilfe für den Norden.

NDR Intendant Lutz Marmor: "Das Thema Flüchtlinge wird die öffentliche Diskussion noch auf Jahre hinaus beschäftigen. Der NDR bündelt für einen Tag seine Kräfte in Fernsehen, Radio und Internet, um zu dieser wichtigen Debatte beizutragen und dabei unterschiedliche Facetten und Standpunkte zu beleuchten. Zugleich verbinden wir den Thementag mit einem Dank an die vielen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer überall im Norden. Der NDR ruft dazu auf, ihre wichtige Arbeit mit Spenden zu unterstützen - Hand in Hand für Norddeutschland."

Die Schwerpunktsendungen am 14. September im Überblick: 

Im NDR Fernsehen geht u. a. ab 21.00 Uhr um die großen Herausforderungen für die vielen Helfer und die Kommunen in Norddeutschland, die durch die täglich neu ankommenden Flüchtlinge entstehen. Die Sendung "NDR//Aktuell extra - Flüchtlinge im Norden: Menschen in Not - Kommunen unter Druck" macht eine Bestandsaufnahme: Wie ist die Lage in den Aufnahme-Einrichtungen im Norden? Was motiviert die ehrenamtlichen Helfer? Und wie schaffen es Bürgermeister, vor dem Winter feste Unterkünfte zu finden? NDR Reporter berichten unter anderem live aus den Erstaufnahmestellen Boostedt bei Neumünster und Friedland, porträtieren eine Flüchtlingsfamilie, begleiten die Polizei auf der Suche nach Schleusern und zeigen auf, vor welche Schwierigkeiten die Situation die Kommunen stellt. In der Sendung stellen sich Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil und Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Torsten Albig den Fragen von Moderatorin Susanne Stichler.

Daneben gehen u. a. die Regionalmagazine um 18.00 Uhr und um 19.30 Uhr auf das Thema ein. So wird "Hallo Niedersachsen" nach Friedland schauen, in das am stärksten überfüllte Flüchtlingslager im Norden. Auch "Mein Nachmittag" und "DAS!" weisen auf den Schwerpunkt Flüchtlinge hin, ebenso das "Kulturjournal".
NDR 2 berichtet am gesamten Tag in allen Sendungen über das Thema "Flüchtlinge im Norden". Das besondere Augenmerk liegt an diesem Tag auf den vielen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern. Ab 19.05 Uhr widmet sich ein "NDR 2 Spezial" eine Stunde lang dem Flüchtlings-Thema.

N-JOY fragt unter dem Stichwort "Helfen statt haten", wie Hörerinnen und Hörer Flüchtlinge unterstützen. Dazu kommt u. a. ein "Vorurteils-Check", in dem Behauptungen aus sozialen Netzwerken und Kneipendiskussionen wie "Denen geht's doch gut, die haben ja auch die neuesten Smartphones" auf ihren Wahrheitsgehalt geprüft werden.
NDR Info geht stündlich auf das Thema ein, u. a. mit Reportagen über Flüchtlingsprojekte in Norddeutschland und die Situation in den Unterkünften. Dazu kommen z. B. Informationen zu Sportangeboten norddeutscher Vereine für Flüchtlingskinder und Korrespondenten-Berichte über die Situation der Flüchtlinge in ihren Herkunftsländern. Das Programm bildet außerdem die kontroverse Debatte innerhalb der EU zur Verteilung der Flüchtlinge auf die Mitgliedstaaten ab. Außerdem stellt NDR Info die Frage, wie sich die Versorgungskrise in Hinblick auf die kalte Jahreszeit lösen lässt.

NDR Kultur informiert u. a. über besondere Hilfsprojekte für traumatisierte Flüchtlinge und entsprechende kulturelle Angebote. Der Musiker Heinz Rudolf Kunze erläutert im Interview, warum und wie er sich für Flüchtlinge einsetzt. In der halbstündigen Sendung "NDR Kultur Kontrovers" geht es ab 19.30 Uhr um die Frage "Worte - Bilder - Taten: Wie begegnen wir der Flüchtlingskrise?". Auch musikalisch geht NDR Kultur auf das Thema ein und spielt Werke von Komponisten und mit Interpreten, die Flucht und Vertreibung erfahren haben.

NDR 1 Niedersachsen wird in einer Langzeitbeobachtung junge Flüchtlinge auf ihrem Weg in die Integration begleiten. Auch deren Familie und die Personen, die bei der Integration eine Rolle spielen wird, sind Teil der Berichterstattung, die an diesem Montag beginnt. NDR 1 Welle Nord geht u. a. der Frage nach, wie die Integration von Flüchtlingen gelingen kann, und berichtet, wie Schleswig-Holsteiner Schutzsuchende unterstützen können.
NDR 1 Radio MV nimmt das Thema Flüchtlinge in den Sendungen und Nachrichten auf.

NDR 90,3 stellt in der Sendung "Treffpunkt Hamburg" um 20.00 Uhr die große Hilfsbereitschaft zahlreicher Hamburger in den Mittelpunkt. Das Stadtradio für die Hansestadt berichtet auch in seinem Tagesprogramm über das Thema.

NDR.de bringt aktuelle Berichte, dazu gibt es eine Zusammenfassung der Angebote in den Radioprogrammen und im NDR Fernsehen. Daneben informiert das Online-Angebot u. a. darüber, wie und wo Nutzer Flüchtlingen helfen können, bietet einen Daten-Überblick und unterzieht Vorurteile einem Faktencheck.

Weitere Informationen zur NDR Aktion "Hand in Hand für Norddeutschland", u. a. die Kontonummer für Spenden, im Internet unter NDR.de/handinhand


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Multiple Sklerose: CPD-Cholin Regeneration von Nervenhüllen (Myelin)

Medizin am Abend Berlin Fazit:   Wenn die Nerven blank liegen

Multiple Sklerose: MHH-Wissenschaftler finden Substanz zur Regeneration von Nervenhüllen / Veröffentlichung in der Fachzeitschrift „Brain“ 
 
Bei Multipler Sklerose werden die Hüllen von Nerven (das Myelin) in Gehirn und Rückenmark geschädigt, so dass Reize schlechter fließen und Nerven absterben können. So kann beispielsweise das Sehen und Gehen beeinflusst werden. Die Krankheit verläuft meist in Schüben, und nach einem Schub kann sich das Myelin ganz oder teilweise zurückbilden. 

  1. Bisher gibt es noch keine Medikamente, die diese Regeneration fördern.

Doch nun haben Forscher der Klinik für Neurologie der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) mit CDP-Cholin eine Substanz entdeckt, die in zwei Mausmodellen diese Regeneration fördert. Professor Dr. Martin Stangel und Privatdozent Dr. Thomas Skripuletz sowie Kollegen unter anderem des Teams von Professor Dr. Ralf Linker vom Universitätsklinikum Erlangen veröffentlichten diese Arbeit in der Zeitschrift „Brain“.

„CDP-Cholin beschleunigt bei Mäusen die natürlicherweise ablaufende Regeneration nach einem Schub von ein paar Wochen auf ein paar Tage.

Die Geschwindigkeit ist entscheidend, weil Nervenzellen irgendwann zugrunde gehen, wenn sie ohne Myelinhülle quasi ‚nackt‘ sind“, sagt Professor Stangel. CDPCholin stimuliert ein Enzym, wodurch mehr Myelin-Vorläuferzellen entstehen und sich die Myelinhülle schneller regenerieren kann. „So könnten weniger Nervenzellen sterben, was langfristig zu weniger Behinderungen bei den Patienten führen würde“, ergänzt PD Dr. Thomas Skripuletz.

  1. Bei Erkrankten könnte eine Therapie mit CDP-Cholin bei einem Schub für ein bis zwei Monate gegeben werden – zusätzlich zur bisher üblichen Therapie mit Cortison. 

Zudem könnte sie mit präventiven Maßnahmen kombiniert werden. „Letztlich müssen klinische Studien aber zeigen, ob die Ergebnisse auf den Menschen übertragbar sind“, sagt Professor Stangel.

Da CDP-Cholin bereits im Rahmen von anderen Erkrankungen untersucht worden und als Nahrungsergänzungsmittel verfügbar ist, sind baldige klinische Studien möglich.



Medizin am Abend Berlin DirektKontakt

Professor Dr. Martin Stangel
Privatdozent Dr. Thomas Skripuletz
MHH-Klinik für Neurologie,
Telefon (0511) 532-6676 oder (0511) 532-3816, stangel.martin@mh-hannover.de
skripuletz.thomas@mh-hannover.de
Stefan ZornMedizinische Hochschule Hannover

Privatdozent Dr. Thomas Skripuletz und Professor Dr. Martin Stangel (von links). Privatdozent Dr. Thomas Skripuletz und Professor Dr. Martin Stangel (von links). "Foto: MHH/Kaiser"

Die Schwangerschaft und die Augen - Augenmedikamente

Medizin am Abend Berlin Fazit:    Schwangerschaft: Augenmedikamente meist ungefährlich, Sehverschlechterung bildet sich zurück

Augentropfen und -salben können in der Regel während Schwangerschaft und Stillzeit angewendet werden. 

So können werdende Mütter etwa Herpes, bakterielle Entzündungen oder Allergien am Auge behandeln, ohne gesundheitliche Nachteile für das Kind zu befürchten. Entwarnung geben Experten auch für Sehverschlechterungen, die sich bei vielen Schwangeren einstellen. Kurzsichtigkeit und Kontaktlinsenunverträglichkeit bilden sich nach der Entbindung meist von selbst wieder zurück, betont die Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft (DOG) im Vorfeld ihres 113. Kongresses. 

  • Mit Fragen zu Medikamenten können sich Schwangere an spezielle Beratungszentren wenden.  
Viele Augenerkrankungen lassen sich auch in der Schwangerschaft ohne Nachteile für das ungeborene Kind behandeln. „Dies gilt beispielsweise für eine Infektion mit Herpesviren“, erklärt Professor Dr. med. Karl Ulrich Bartz-Schmidt, Kongress-Präsident und Ärztlicher Direktor der Universitäts-Augenklinik Tübingen. „Die Therapie mit Aciclovir-Salbe ist unbedenklich.“ Auch spricht meist nichts gegen lokal angewendete Antihistaminika, um eine allergische Bindehautentzündung während der Schwangerschaft zu kurieren.

Ist ein Antibiotikum gefragt, um eine bakterielle Entzündung in den Griff zu bekommen, können Betroffene auf Salben mit den Substanzklassen Fluoroquinolone oder Aminoglykoside zurückgreifen. Als Tabletten sind allerdings Präparate aus der Wirkstoffgruppe der Penicilline oder Cephalosporine zu bevorzugen. „Auch diese Antibiotika können in Tablettenform in der Stillzeit vorübergehend zur Veränderungen der kindlichen Stuhlflora führen, mit der Folge einer Stuhlverdünnung“, erläutert Privatdozent Dr. med. Thomas Neß, Leiter des Schwerpunktes Uveitis an der Klinik für Augenheilkunde am Universitätsklinikum Freiburg. „Das sollten die Eltern vorher wissen, um sich darauf einstellen zu können.“

Muss der Augendruck während der Schwangerschaft gesenkt werden, gilt Timolol als das Mittel der Wahl. Ist ein Eingriff am Auge erforderlich, sollte nach Möglichkeit örtlich betäubt werden. „Wir empfehlen dafür den Wirkstoff Bupivacain“, so Neß. „Er geht nur minimal in die Muttermilch über.“ Unbedenklich bei gelegentlichem Einsatz ist auch das Mittel Paracetamol, um leichte bis mittelschwere Schmerzen zu bekämpfen. „Bestehen Zweifel beim Einsatz eines Medikaments oder bei einer augenärztlichen Untersuchung, helfen Beratungszentren für Reproduktionstoxikologie und Pharmakovigilanz mit Auskünften weiter“, rät Neß. Sie können unter www.reprotox.de oder www.embryotox.de kontaktiert werden.

  • Leidet eine werdende Mutter unter Diabetes Typ 1, ist Vorsicht geboten. „Die diabetesbedingte Netzhauterkrankung ist die häufigste Augenerkrankung in der Schwangerschaft“, berichtet Neß. „Sie kann sich in den neun Monaten massiv verschlechtern.“ Deshalb ist eine konsequente Behandlung der diabetischen Retinopathie vor oder spätestens zu Beginn der Schwangerschaft wichtig, 
  • ferner eine Kontrolle der Augen mindestens alle drei Monate.

Entwarnung geben die Ärzte für plötzlich auftretende oder sich verstärkende Kurzsichtigkeit, die oft Besorgnis auslöst und zu Besuchen in den Klinikambulanzen führt. „Bei 14 Prozent der werdenden Mütter ändert sich die Brillenstärke“, erläutert Neß.

  • Noch häufiger stellen sich Kontaktlinsenunverträglichkeiten ein. 

„Das ist bei bis zu dreißig Prozent der Schwangeren der Fall“, erklärt der DOG-Experte aus Freiburg. Ursache ist vermutlich eine veränderte Zusammensetzung der Tränenflüssigkeit sowie eine Zunahme der Dicke von Hornhaut und Linse.

„Beide Phänomene bilden sich nach der Geburt aber meist wieder zurück“, beruhigt Neß.

Oftmals werden Augenerkrankungen als Grund für eine Entbindung per Kaiserschnitt herangezogen. „Dies entbehrt einer wissenschaftlichen Grundlage“, betont Neß. Bei Netzhauterkrankungen, einem Glaukom, Kurzsichtigkeit oder nach Augenoperationen ist eine normale Entbindung ohne Gefahr für das Auge möglich.

Worauf bei Medikamenten und Augenerkrankungen während Schwangerschaft und Geburt zu achten ist, diskutieren DOG-Experten auf dem 113. Kongress in Berlin.

Professor Dr. med. Christian Ohrloff
Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft (DOG)

Medizin am Abend Berlin DirektKontakt 

113. DOG-Kongress
Kerstin Ullrich/Corinna Deckert
Postfach 30 11 20
70451 Stuttgart
Telefon: 0711 8931-641/-309
Telefax: 0711 8931-167
ullrich@medizinkommunikation.org
Anna Julia Voormann Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft


Weitere Informationen für international Medizin am Abend Berlin Beteiligte:
http://www.dog-kongress.de

http://www.dog.org

360°TOP-Hinweis: www.toechtersoehne.de Online-Kurs für pflegende Angehörige

Medizin am Abend Berlin Fazit:    Neu: Online-Kurs für pflegende Angehörige

Gemeinsames Projekt der Hochschule Bremen und des Berliner Start Up-Unternehmens „Töchter & Söhne“ 
 
In Deutschland leben 2,6 Millionen pflegebedürftige Menschen. Davon werden 1,6 Millionen zu Hause versorgt. Erstmals können sich Angehörige und Ehrenamtliche jetzt online auf die Pflege im häuslichen Umfeld vorbereiten. In einem gemeinsamen Projekt des 2012 gegründeten Berliner E-Health Unternehmens „Töchter & Söhne“ www.toechtersoehne.com und der Hochschule Bremen (HSB) wurde der erste Online-Kurs für pflegende Angehörige entwickelt. Grundlegende Pflegekenntnisse werden durch den Einsatz von E-Learning ab sofort leichter zugänglich. Anders als bei herkömmlichen Schulungsangeboten ist es jetzt möglich, diesen kontinuierlich qualitativ weiterzuentwickeln. 

Der Online-Pflegekurs ist unter: https://pflege.curendo.de/pflegekurse im Netz verfügbar.

Prof. Dr. Matthias Zündel begleitete für die HSB im Forschungscluster Lebensqualität das Vorhaben aus pflegewissenschaftlicher Sicht. Ihm kam es besonders darauf an, dass der Kurs mit Blick auf den Bedarf der Zielgruppe die Probleme von Lebensgestaltung und Lebensqualität sowohl der pflegenden Angehörigen als auch der zu Pflegenden integriert. „Es ist ein Kurs entstanden, der zunächst praktische Hilfestellungen bei den konkreten pflegerischen Tätigkeiten leistet,“ so der 39-jährige Pflegewissenschaftler. „Andererseits haben wir Wert darauf gelegt, dass pflegende Angehörige die Fähigkeiten ihrer Angehörigen nicht übersehen, sondern diese integrieren. Zudem macht der Online-Lehrgang deutlich: Es geht um den Aufbau eines gemeinsamen Alltags, der nicht nur auf die pflegerische Unterstützungsleistung fokussiert.“

  • Wie ein persönlicher Pflegeberater führt der Online-Kurs mit anschaulichen Schritt-für-Schritt-Anleitungen, Illustrationen und Fallbeispielen durch alltagstypische Situationen der Pflege und bietet unmittelbar auf den Pflegehaushalt zugeschnittene Unterstützung. Damit überträgt „Töchter & Söhne“ erstmals die Vorteile des E-Learnings auf den Bereich der häuslichen Pflege. 
„Mit einem Kurs, der in den Pflegealltag integriert werden kann und jederzeit verfügbar ist, entlasten und stärken wir die Pflegenden“ erläutert Thilo Veil Geschäftsführer des Berliner Start Up-Unternehmens. „Entsprechende Seminare außer Haus wahrzunehmen ist Angehörigen häufig allein zeitlich nicht möglich.”
  • In Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Matthias Zündel wurden relevante Pflegetipps- und -informationen zusammengetragen und in ein attraktives, leicht zugängliches und nutzerorientiertes Format gebracht. 
Als flexible Online-Hilfe wird den Pflegenden eine zeit- und ortsunabhängige Unterstützung geboten, die einfach zu bedienen und wiederholt abrufbar ist und dabei durch interaktive Anwendungen motiviert. „Durch die Zusammenarbeit der HSB und der Firma ,Töcher & Söhne‘ ist ein Produkt entstanden, das in die gesetzliche Regelversorgung Einzug gehalten hat und dadurch auch nachhaltig für pflegende Angehörige zur Verfügung steht. Dies sichert Zugangsmöglichkeiten für eine Zielgruppe, die gesamtgesellschaftlich auf Unterstützung angewiesen ist,“ so Zündel.

In der angeschlossenen curendo Community können Pflegende untereinander Erfahrungen austauschen, Pflegetipps veröffentlichen und Treffen organisieren.

  • Für individuelle Fachfragen aus dem Pflegealltag stehen qualifizierte Expertinnen und Experten für eine schnelle und kompetente Hilfe per Mail zur Verfügung.


Medizin am Abend Berlin DirektKontakt:

Prof. Dr. Matthias Zündel
Hochschule Bremen
Fakultät Gesellschaftswissenschaften, Internationaler Studiengang Pflege- und Gesundheitsmanagement, 0421-5905 2192
matthias.zuendel@hs-bremen.de
Ulrich Berlin Hochschule Bremen

Weitere Informationen für international Medizin am Abend Berlin Beteiligte:

https://pflege.curendo.de/pflegekurse

Reimplantation der Inselzellen - Bauchspeicheldrüse

Medizin am Abend Berlin Fazit:  220.000 Zellen und eine OP geben Leonie Lebensfreude zurück

Ein interdisziplinäres Expertenteam des Universitätsklinikums Carl Gustav Carus übertrug im August 2014 einem damals 10-jährigen Mädchen rund 220.000 körpereigene Inselzellen. Nun haben umfangreiche Tests bestätigt, dass das in Deutschland nur in Dresden etablierte Verfahren auch bei einem Kind erfolgreich angewandt werden kann. Die im Rahmen des zweiphasigen Eingriffs in die Leber implantierten Zellen helfen der Schülerin dabei, einen ausgeglichenen Zuckerstoffwechsel aufrecht zu erhalten. 

 Prof. Grützmann beendet die Operation von Leonie am OP-Tisch (rechts im Bild), während PD Dr. Barbara Ludwig sich mit ihrem Team um die frisch entnommene Bauchspeicheldrüse kümmert.
 Prof. Grützmann beendet die Operation von Leonie am OP-Tisch (rechts im Bild), während PD Dr. Barbara Ludwig sich mit ihrem Team um die frisch entnommene Bauchspeicheldrüse kümmert. Uniklinikum Dresden / Thomas Albrecht
 
Aber nicht nur Laborwerte belegen den erfolgreichen Einsatz der Inselzell- und Diabetes-Spezialistin Privatdozentin (PD) Dr. Barbara Ludwig aus der Medizinischen Klinik III und des Pankreas-Experten Professor Robert Grützmann aus der Klinik für Viszeral-, Thorax- und Gefäßchirurgie. Nach Ende des 2006 begonnenen Leidenswegs mit insgesamt 28 Operationen und unzähligen äußerst schmerzhaften Entzündungen der Bauchspeicheldrüse – Pankreas – blüht das Mädchen merklich auf. Innerhalb eines Jahres wuchs sie zehn Zentimeter und nahm dabei über zehn Kilo zu.

„Die kindliche Lebensfreude war einfach weg“, beschreibt Leonies Mutter die Gefühlslage ihrer Tochter als Zehnjährige. Zu diesem Zeitpunkt hatte sie bereits 26 Operationen über sich ergehen lassen. Seit das Mädchen zwei Jahre alt war, litt es unter immer wieder auftretenden Entzündungen der Bauchspeicheldrüse. Um dem Geschehen Herr zu werden, operierten erst Chirurgen eines Dresdner Krankenhauses und dann Spezialisten eines norddeutschen Uniklinikums das Kind. Doch die operativen Behandlungen der Entzündungsherde hielten nie lange an. Einmal kam die nächste Entzündung bereits am Tag der Entlassung. Die dabei auftretenden Schmerzen waren sehr quälend und ließen sich nur mit starken Schmerzmitteln lindern. „Ich lag dann oft in meinem Bett und dachte ich sitze neben mir“, erinnert sich Leonie. Und auch in der Zeit ohne Entzündung drückte sie der so oft operierte Bauch.

Es waren die Berichte der Medien über die deutschlandweit erste Transplantation körpereigener Inselzellen bei einem Unfallopfer, die Leonies Mutter auf die besondere Expertise des Dresdner Uniklinikums aufmerksam machte. Prof. Grützmann hatte 2013 einem Gabelstaplerfahrer nach einem Arbeitsunfall die durchtrennte Bauchspeicheldrüse entfernt. Die darin befindlichen Inselzellen bereitete PD Dr. Ludwig dann so auf, dass diese nach der Transplantation in der Leber dort das lebenswichtige Insulin weiter produzieren. Während es bei Erwachsenen durchaus üblich ist, nach einer schweren Pankreatitis – die Entzündung der Bauchspeicheldrüse – das Organ zu entfernen und den Patienten damit zum Diabetiker zu machen, kam diese Option für Leonies Ärzte zunächst nicht in Frage. Als sich aber zeigte, dass alle anderen Möglichkeiten der Behandlung ausgeschöpft waren und eine Entfernung der Bauchspeicheldrüse wahrscheinlich nicht zu umgehen sei, haben sich die Dresdner Experten zusammengetan und überlegt, ob nach Entfernung der Bauchspeicheldrüse die Möglichkeit der Inselzell-Transplantation bei diesem Mädchen in Frage kommen könnte. Bestärkt sahen sie sich durch us-amerikanische Kollegen, die in wissenschaftlichen Aufsätzen über erfolgreiche Transplantationen dieser Art bei Kindern berichteten. „Ich hatte nie den Eindruck, dass sich die Dresdner Ärzte mit der Operation profilieren wollten“, sagt Leonies Mutter. Auch der Umstand, dass Prof. Grützmann eine Tochter im selben Alter hat und deshalb noch stärker mit dem Kind und seinen Eltern mitfühlen konnte, erleichterte die Entscheidung für die Transplantation.

Prof. Grützmann hatte im Vorfeld selbst noch einen letzten Versuch unternommen und einen Teil von Leonies Pankreas entfernt. Bei erwachsenen Patienten lassen sich so oft die Entzündungen eindämmen – bei der damals Neunjährigen leider nicht. Trotz der möglichen Konsequenzen war Leonie froh, dass die Bauchspeicheldrüse in der dann 27. OP entfernt wurde. Der daran anschließende 28. Eingriff war dann weniger gravierend, da ihr nur noch ihre aufbereiteten Inselzellen in die Leber injiziert wurden. Mit 27 Kilogramm Körpergewicht und einer Größe von 134 Zentimetern wurde Leonie Ende September 2014 aus dem Klinikum entlassen. Heute ist sie auf 144 Zentimeter gewachsen und wiegt 36 Kilogramm. Wichtiger ist für die heute Elfjährige aber etwas ganz anderes: „Ich habe keine Schmerzen mehr“, sagt sie. Und statt der 70 Fehltage im Schuljahr 2012/2013 waren es nach der Entlassung aus dem Uniklinikum nur noch drei – bei allen ging es dabei nur um wichtige Nachuntersuchungen. Die letzte fand Ende August statt. Leonie bekam eine Zuckerlösung gespritzt und musste sich danach im Minutentakt Blut abnehmen lassen. Dadurch konnten die Diabetologen feststellen, wie die transplantierten Inselzellen auf die Zuckergabe reagieren – wie erwartet bildeten sie vermehrt Insulin, um den Nährstoff für den Körper verwertbar zu machen. Zusätzlich zu diesem körpereigenen Insulin trägt Leonie eine Insulinpumpe, über die sie kontinuierlich eine sehr kleine Menge an Insulin bekommt, um die transplantierten Zellen zu unterstützen. Momentan benötigt sie glücklicherweise kein zusätzliches Insulin zum Essen, und sie kann ein Leben ohne größere Beschränkungen führen. „Es ist sehr erfreulich“, betont PD Dr. Ludwig, „dass die transplantierten Inseln gut funktionieren und einen Großteil der Blutzuckerregulation übernehmen. Dennoch ist es wichtig, dass Leonie wie Patienten mit Diabetes mellitus Typ 1 weiß, was ihren Blutzucker beeinflusst und die Therapie mit Insulin von außen über die Insulinpumpe beherrscht.“ Da die transplantierten Inselzellen aus ihrem eigenen Körper stammen, werden sie vom Körper auch nicht abgestoßen. Deshalb braucht sie die nach anderen Transplantationen so wichtigen Medikamente nicht, die das Immunsystem unterdrücken und dabei den Organismus stark belasten.

Mit dem Ausbleiben der Entzündungen gewann Leonie wieder Lebensfreude und Zuversicht. Auch dank der Unterstützung des jetzigen Gymnasiums und ihrer damaligen Grundschule gelang es ihr trotz der unzähligen Fehlstunden der Vorjahre so gute Leistungen zu bringen, dass sie die Bildungsempfehlung für das Gymnasium bekam. „Ich hoffe, dass es mir weiter so gut geht und ich das Gymnasium schaffe“, sagt Leonie, wenn sie nach ihren größten Wünschen gefragt wird. Neben der Schule nimmt sie nun Reitunterricht – aber nicht wie in den vergangenen Jahren als Therapie für ihre arg belastete Seele, sondern als ein Freizeitvergnügen, das so viele Mädchen in den Bann zieht. Bevor Leonie jedoch die Allgegenwärtigkeit der Krankenhausärzte endgültig hinter sich lässt, möchte sie ebenso wie ihre Mutter die Gelegenheit nutzen und sich in aller Öffentlichkeit bei Barbara Ludwig und Robert Grützmann bedanken. „Sie gaben uns das Vertrauen, die Unterstützung und den Mut diesen Schritt zu wagen, sie haben Leonie damit die Hoffnung aufs Leben zurückgegeben und ihr ein Lachen ins Gesicht gezaubert“, sagt Leonies Mutter.

Diabetes und die Operationen der Bauchspeicheldrüse gehören zu den Leuchttürmen bei Krankenversorgung und Forschung

„Die erfolgreiche Reimplantation der Inselzellen auch bei einem Kind belegt einmal mehr den Erfolg der intensiven Arbeit, die Klinikum und Fakultät in den vergangenen Jahren auch im Bereich der Diabetologie geleistet haben“, sagt Prof. Michael Albrecht, Medizinischer Vorstand des Universitätsklinikums. So kamen international renommierte Wissenschaftler nach Dresden, um Grundlagenforschung wie auch Krankenversorgung auf diesem Gebiet voranzutreiben. Den Anfang machte der von der us-amerikanischen Elite-Universität Yale nach Dresden gekommene Prof. Michele Solimena, der hier den Forschungsbereich „Experimentelle Diabetologie“ etablierte und darauf aufbauend das Paul-Langerhans-Institut-Dresden des Helmholtz-Zentrums München gründete, das er heute leitet. In diesem Institut arbeitet auch PD Dr. Barbara Ludwig mit. Das Know-how für das Herauslösen der Inselzellen aus der Pankreas und deren Aufbereitung für eine Transplantation hatte sie sich in einem mehrjährigen USA-Aufenthalt angeeignet bevor sie in die von Prof. Stefan Bornstein geleitete Medizinische Klinik III nach Dresden wechselte und das hiesige Inseltransplantationszentrum etablierte. Unter anderem mussten die technischen Vorrausetzungen für die Aufbereitung der Spenderzellen geschaffen und ein kompletter Zertifizierungsprozess erfolgreich absolviert werden. Die dabei geschaffene Technologie und das erarbeitete Wissen um die Inselzellen kommen gleichermaßen der Krankenversorgung wie der Forschung zugute.







Leonie überreichte Prof. Grützmann und PD Dr. Ludwig ein selbstgebasteltes Dankeschön.
Leonie überreichte Prof. Grützmann und PD Dr. Ludwig ein selbstgebasteltes Dankeschön. Uniklinikum Dresden

Auf langjährige Erfahrungen in der operativen Therapie von Bauchspeicheldrüsen und damit verknüpfte Forschungsaktivitäten kann auch die Klinik für Viszeral-, Thorax- und Gefäßchirurgie verweisen. Allein 2014 wurden weit über 120 Patienten an der Bauchspeicheldrüse operiert. Neben der vollständigen Entfernung des Organs ist es dank moderner OP-Methoden auch möglich, erkrankte Abschnitte der Drüse zu entfernen, um deren Gesamtfunktion als Lieferant von Verdauungssekreten und Insulin aufrecht zu erhalten. Damit gehört die Klinik bundesweit zu den größten Pankreaszentren. Die damit verbundene Erfahrung nutzen die Ärzte und Wissenschaftler, um in zahlreichen Forschungsprojekten die Diagnostik und Therapie von Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse weiter zu verbessern. „Dass Prof. Grützmann ab 1. Oktober auf den Lehrstuhl der Chirurgie am Universitätsklinikum Erlangen berufen wurde, ist für uns Ehre und Verlust zugleich“, sagt Prof. Albrecht. Der erfahrene Viszeralchirurg ist auf allgemeinchirurgischen Gebiet der erste Ordinarius für Allgemeinchirurgie in Deutschland, der von einer Universität der neuen Bundesländer kommt.

Weitere Informationen

Zum Ablauf der Aufbereitung von Inselzellen:

Inseltransplantation Inselzelltransplantation


Zur Operation und Transplantation von Leonie: 

https://www.youtube.com/watch?v=LrTaUUr9rYY&feature=youtu.be



Für diesen Film erhielt Prof. Robert Grützmann auf dem diesjährigen Deutschen Chirurgenkongress den Video-Filmpreis der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie. Aufnahmen und Schnitt des Films führte Thomas Albrecht vom Zentrum für Medientechnologie in der Medizin des Dresdner Uniklinikums aus.

Medizin am Abend Berlin DirektKontakt

Universitätsklinikum Carl Gustav Carus
Medizinische Klinik III Klinik für Viszeral-, Thorax- und Gefäßchirurgie
PD Dr. med. Barbara Ludwig Prof. Dr. med. Robert Grützmann
Tel.: 0351 458 63 98 Tel.: 0351 458 69 96
E-Mail:
inseltransplantation@uniklinikum-dresden.de
robert.gruetzmann@uniklinkum-dresden.de
Holger Ostermeyer Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden

Weitere Informationen für international Medizin am Abend Berlin Beteiligte:
http://www.uniklinikum-dresden.de/vtg

http://www.uniklinikum-dresden.de/mk3


https://www.youtube.com/watch?v=LrTaUUr9rYY&feature=youtu.be


http://www.uniklinikum-dresden.de/de/das-klinikum/kliniken-polikliniken-institut...

Koronare Herzerkrankung (KHK) und deren Folgen wie Herzinfarkt und Herzinsuffizienz

Medizin am Abend Berlin Fazit:   Forscher identifizieren Gene für Herzerkrankungen

Die koronare Herzerkrankung (KHK) und deren Folgen wie Herzinfarkt und Herzinsuffizienz ist eine der häufigsten lebensbedrohlichen Erkrankungen. Trotz zunehmend verbesserter Therapien ist die KHK unverändert eine der führenden Diagnosen der Todesursachenstatistik. Deshalb untersuchen viele internationale Studien, welchen Einfluss unsere Erbanlagen haben, an einer KHK zu erkranken. Forscher des LIFE-Forschungszentrums der Universität Leipzig haben in Zusammenarbeit mit dem internationalen Konsortium CARDIoGRAM Gene identifiziert, die das Risiko, an einer KHK zu erkranken, erhöhen. 
 
LIFE beteiligte sich an diesem Konsortium mit den in der Leipziger Herzstudie gewonnen Daten (LIFE-Heart). Das Projekt wurde vom LIFE Forschungszentrum von Prof. Dr. Joachim Thiery (Institut für Laboratoriumsmedizin) und von Prof. Dr. Gerhard Schuler und Dr. Frank Beutner vom Herzzentrum Leipzig durchgeführt. Insgesamt wurden mehr als 7.000 Blutproben für das Projekt gesammelt.

Die genomweiten Analysen hat Prof. Dr. Markus Scholz vorgenommen.

  • Das Konsortium hat zehn Gene identifiziert, die in Zusammenhang mit den Ursachen für koronare Herzerkrankungen stehen. 
  • Für einige dieser Gene ist bereits eine Wirkung auf den Fettstoffwechsel und Übergewicht bekannt. 

Diese Ergebnisse könnten zur Erklärung der Entstehung der koronaren Herzerkrankung beitragen sowie perspektivisch zur Entwicklung von präventiven und therapeutischen Maßnahmen und Medikamentenentwicklungen führen. "Mit dieser Studie wurde der Katalog genetischer Varianten, die mit der Entstehung koronarer Atherosklerose in Zusammenhang stehen beträchtlich erweitert. Wir können diese Varianten nun in den Leipziger Kohortenstudien wie zum Beispiel LIFE-Adult und LIFE-Heart weiter untersuchen, etwa hinsichtlich der Zusammenhänge mit frühen subklinischen Veränderungen oder Veränderungen des Fettstoffwechsels", sagt Scholz.

  • Die Studie konnte weiterhin zeigen, dass die für koronare Herzerkrankung verantwortlichen genetischen Varianten häufig sind, aber mit jeweils geringem Einfluss. 

Vermutete seltene Varianten mit starkem Einfluss wurden in der Studie dagegen nicht gefunden.

Das internationale Konsortium CARDIoGRAM ist ein gemeinsames Projekt, das Daten aus mehreren genetischen Studien in großem Maßstab kombiniert. Ziel ist es, die Risikofaktoren für koronare Herzkrankheit und Herzinfarkt zu identifizieren. An den Forschungen sind Wissenschaftler aus aller Welt beteiligt. Das Konsortium wird durch das Wellcome Trust Sanger Institut, ein Forschungsinstitut mit Wohltätigkeitsorganisation, gefördert.

Originaltitel der Fachveröffentlichung in "Nature Genetics": "A Comprehensive 1000 Genomes-based GWAS meta-analysis of Coronary Artery Disease", doi:10.1038/ng.3396


Medizin am Abend Berlin DirektKontakt

Prof. Dr. Markus Scholz
Telefon: +49 341 97 16190
E-Mail: markus.scholz@imise.uni-leipzig.de
Andrea Wittrodt
Susann Huster Universität Leipzig

Weitere Informationen für international Medizin am Abend Berlin Beteiligte:
http://www.nature.com/ng/journal/vaop/ncurrent/full/ng.3396.html

Alzheimererkrankung: Demenzforscher entdecken giftiges Peptid - Aeta-Amyloid

Medizin am Abend Berlin Fazit:  Alzheimererkrankung - Demenzforscher entdecken giftiges Peptid

Forscher um Christian Haass machen eine fundamentale Entdeckung: Das von ihnen erstmals erforschte Peptid Aeta-Amyloid spielt bei Alzheimer eine Rolle. Seine Wechselwirkung mit Beta-Amyloid ist hoch relevant für aktuelle therapeutische Studien. 
 
  • Bei Alzheimer-Kranken sammeln sich giftige Eiweißklumpen im Gehirn an, die die Nervenzellen schädigen.  

Als Auslöser für diesen verhängnisvollen Prozess gelten kleine Eiweißfragmente, die sogenannten Beta-Amyloid-Peptide, die von scherenartigen Enzymen aus einem Vorläufer-Protein herausgeschnitten werden.

Nun gelang einem internationalen Forscherteam um Christian Haass, Inhaber des Lehrstuhls für Stoffwechselbiochemie der LMU und Sprecher des Deutschen Zentrums für Neurodegenerative Erkrankungen in München, und Dr. Michael Willem von der LMU eine fundamentale Entdeckung: „Es gibt einen zweiten Weg, bei dem die scherenartigen Enzyme ein alternatives Eiweiß aus dem Vorläuferprotein herausschneiden“, sagt Christian Haass.

Die Forscher gaben dem neu entdeckten Peptid den Namen Amyloid-η (gesprochen: A(myloid)-Aeta). „Dieser Weg wurde 30 Jahre lang übersehen, weil sich Wissenschaftler weltweit mit den Entstehungsmechanismen des Beta-Amyloids auseinandergesetzt haben mit dem Ziel, dessen Produktion zu verhindern und so Alzheimer zu heilen“, sagt Christian Haass. Über ihre Ergebnisse berichten sie aktuell in der Fachzeitschrift Nature.

Bislang nicht bekannte Wechselwirkung festgestellt

In Zusammenarbeit mit der Neurobiologin Dr. Hélène Marie am IPMC-CNRS in Valbonne, Frankreich, sowie der Technischen Universität München (Professor Arthur Konnerth und Dr. Marc Aurel Busche) im Rahmen des Exzellenzclusters Synergy gelang es den Wissenschaftlern, die Funktion des Aeta-Amyloids im Gehirn zu bestimmen:

  • Während verklumptes Beta-Amyloid für Chaos sorgt, weil es Nervenzellen überaktiviert, bremst das Aeta-Amyloid die neuronale Stimulation. 

„Offenbar haben die zwei kleinen Eiweiße, die aus ein- und demselben Vorläuferprotein herausgeschnitten werden, gegensätzliche Wirkungen, die normalerweise genau austariert sind“, sagt Haass.

Diese Entdeckung hat einen direkten Einfluss auf derzeitige therapeutische Studien am Menschen, die sich bislang auf das Beta-Amyloid konzentrieren. So wird aktuell untersucht, ob die medikamentöse Unterdrückung der beta-Sekretase, der kleinen molekularen Scheren, die die Bildung von Beta-Amyloid initiieren, dazu führt, dass sich der Gedächtnisverlust bei Alzheimerpatienten verlangsamt.

  • Die Forscher um Haass und Willem haben nun festgestellt, dass die Blockade der beta-Sekretase zwar zu einer Reduktion von Beta-Amyloid führt, aber auch gleichzeitig eine massive Überproduktion von Aeta-Amyloid zur Folge hat. 

„Damit könnte es zu einer Störung der neuronalen Aktivität und damit der Gehirnfunktion kommen“, sagt Haass.

Die Münchner Alzheimerforscher raten daher, solche bisher nicht erwarteten Nebenwirkungen in den klinischen Studien genau zu verfolgen.

Medizin am Abend Berlin DirektKontakt:

Prof. Dr. Christian Haass
Lehrstuhl für Stoffwechselbiochemie der LMU
Sprecher des DZNE in München
Tel: (0)89 / 4400 - 46549
E-Mail: christian.haass@mail03.med.uni-muenchen.de

Dr. Michael Willem
Haass Lab
Tel: (0)89 / 4400 - 46533
E-Mail: michael.willem@mail03.med.uni-muenchen.de

Luise Dirscherl Ludwig-Maximilians-Universität München


Publikation
Michael Willem, Sabina Tahirovic, Marc Aurel Busche, Saak V. Ovsepian, Magda Chafai, Scherazad Kootar, Daniel Hornburg, Lewis D.B. Evans, Steven Moore, Anna Daria, Heike Hampel, Veronika Müller, Camilla Giudici, Brigitte Nuscher, Andrea Wenninger-Weinzierl, Elisabeth Kremmer, Michael T. Heneka, Dietmar R. Thal, Vilmantas Giedraitis, Lars Lannfelt, Ulrike Müller, Frederick J. Livesey, Felix Meissner, Jochen Herms, Arthur Konnerth, Hélène Marie & Christian Haass
η-Secretase processing of APP inhibits neuronal activity in the hippocampus
In: Nature 2015, doi: 10.1038/nature14864

Behandlung der Arteriosklerose - Therapie von Gefäßverengungen

Medizin am Abend Berlin Fazit:    Neuen molekularen Angriffspunkt für die Behandlung der Arteriosklerose entdeckt

Mannheimer Wissenschaftler identifizieren im Rahmen einer internationalen Kooperation das Enzym NDPKB als spezifischen Angriffspunkt für eine mögliche Therapie von Gefäßverengungen 
 
  • Gefäßverengungen, wie sie beispielsweise beim Krankheitsbild der Arteriosklerose entstehen, sind gekennzeichnet von Zellwucherungen der glatten Gefäßmuskulatur. 
  • Auch nach einer Angioplastie, bei der ein verengtes Gefäß (Stenose) mechanisch geweitet wird, führt die Bildung einer so genannten Neointima aus proliferierenden glatten Muskelzellen häufig zu einer erneuten Gefäßverengung (Restenose).

Wissenschaftler der Universitätsmedizin Mannheim erforschen die Prozesse, die diese Wucherungen auslösen. Ziel ist es, solche Prozesse verhindern bzw. gezielter behandeln zu können. Bei ihren Untersuchungen an verletzten Halsschlagadern von Mäusen haben die Forscher das Enzym Nukleosid-Diphosphat-Kinase B (NDPKB) als mögliches molekulares Target für eine entsprechende Therapie identifiziert.

  • Sie konnten zeigen, dass das Enzym NDPKB in glatten Muskelzellen verletzter Gefäße den Calzium-abhängigen Kaliumkanal SK4 aktiviert, der nur bei pathologischer, also krankhafter Vermehrung in den glatten Gefäßmuskelzellen vorkommt. 

  • Die Aktivierung erfolgt durch Phosphorylierung einer spezifischen Aminosäure, des Histidin 358. Die Aktivierung des Kanals kann deshalb durch das Protein Histidin-Phosphatase 1 (PHPT-1) aufgehoben werden.

Diese Beobachtungen sind von klinischer Bedeutung. Bei Gefäßerkrankungen, die mit der Vermehrung von glatten Muskelzellen einhergehen, wie Arteriosklerose und Restenosen, sollte die Hemmung der NDPKB bzw. Aktivierung der Phosphatase PHPT-1 Wirkung zeigen.

Es zeichnet sich deshalb hier ein Ansatz für eine gezielte Therapie der Arteriosklerose ab, indem gewebespezifisch auf die Interaktion von NDPKB und SK4-Kanal eingewirkt wird. Dessen tatsächliches Potenzial im Hinblick auf die Arteriosklerose zu ermitteln, erfordert jedoch weitere ausgiebige Untersuchungen in nachfolgenden Studien.

Publikation
Nucleoside Diphosphate Kinase B–Activated Intermediate Conductance Potassium Channels Are Critical for Neointima Formation in Mouse Carotid Arteries
Xiao-Bo Zhou, Yu-Xi Feng, Qiang Sun, Robert Lukowski, Yi Qiu, Katharina Spiger, Zhai Li, Peter Ruth, Michael Korth, Edward Y. Skolnik, Martin Borggrefe, Dobromir Dobrev, Thomas Wieland
Arterioscler Thromb Vasc Biol. 2015; 35: 1852-1861
DOI: 10.1161/ATVBAHA.115.305881

Medizin am Abend Berlin DirektKontakt

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68167 Mannheim
Deutschland
Baden-Württemberg
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Dr. Eva Maria Wellnitz

Telefon: 0621 / 383-1159
Fax: 0621 / 3832195


Weitere Informationen für international Medizin am Abend Berlin Beteiligte
http://atvb.ahajournals.org/content/35/8/1852

Cholesterinsenkende Therapie neu gedacht - der PCSK9-Hemmer


Medizin am Abend Berlin Fazit:  

Cholesterinsenkende Therapie neu gedacht - der PCSK9-Hemmer



Jährlich sterben etwa 353.000 Menschen in Deutschland an Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Damit sind diese hierzulande die Todesursache Nummer eins.1

Schuld daran ist oft das "schlechte" Cholesterin.2

Sogenannte Lipoproteine transportieren das Cholesterin im Blut. Für den Transport des Cholesterins in und aus der Leber heraus sind LDL (Low-Density Lipoprotein) und HDL (High-Density Lipoprotein) zuständig. Wird das LDL-Cholesterin während dieses Prozesses jedoch nicht ausreichend abgebaut, lagert es sich an den Gefäßinnenwänden an, was zu einer Verengung der Arterie führt. Diese Verengung kann eine Atherosklerose (Verhärtung der Arterie) verursachen, die Herz-Kreislauf-Erkrankungen bedingen3 und zum Tod führen kann.1

Besonders gefährdet sind hierbei sogenannte Hochrisiko-Patienten. Das sind z.B. Patienten, die aufgrund einer vorliegenden erblichen Erkrankung - der familiären Hypercholesterinämie (FH) - besonders hohe LDL-Cholesterin-Werte haben und bei denen eine herkömmliche cholesterinsenkende Therapie mit Statinen häufig nicht ausreicht.4

In diesem Geschehen spielt das geheimnisvoll klingende Akronym PCSK9 (Proprotein-konvertase Subtilisin/Kexin Typ 9) eine entscheidende Rolle. Dahinter verbirgt sich nämlich ein Protein, das die Leber daran hindert, das "schlechte" LDL-Cholesterin aus dem Blut zu entfernen, was unweigerlich zu erhöhten Cholesterinwerten führt. Normalerweise helfen sogenannte LDL-Rezeptoren (Bindungsstellen für das LDL-Cholesterin an der Leber-zelloberfläche) dem Organ, das LDL-Cholesterin aus dem Blut herauszufiltern.5

Das PCSK9-Protein aber stört diesen Prozess, da es die LDL-Rezeptoren bindet, zu deren Ab-bau in der Leberzelle führt und sie somit für die Aufnahme von LDL-Cholesterin nicht mehr zur Verfügung stehen. Es gilt also, diese "Blockade" zu unterbinden und der Leber ihre natürliche LDL-Cholesterin-Reinigungsfunktion zurückzugeben.

Gute Mutation gegen schlechtes Cholesterin - die Entdeckung von PCSK9
Bei der familiären Hypercholesterinämie können Betroffene schon in jungen Jahren an zu hohen LDL-Cholesterin-Werten leiden.6 Es gilt jedoch: Je niedriger das LDL-Cholesterin, desto geringer ist das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.7 Die Folgen für FH-Patienten sind dementsprechend fatal: Für über 50 % der Männer mit FH besteht bereits mit 50 Jahren das Risiko an koronaren Herzkrankheiten zu erkranken. Bei Frauen um das 60. Lebensjahr betrifft dies mindestens 30 %.8

Durch Studien an Familien mit FH entdeckten Wissenschaftler im Jahr 2003 das Protein PCSK9 und dessen Bedeutung für den LDL-Cholesterin-Spiegel.9 Es zeigte sich, dass Mutationen, d. h. genetische Veränderungen, die Aktivität von PCSK9 verstärken können und dadurch die LDL-Cholesterin-Werte ansteigen.10 Ein Zusammenhang zwischen dem Pro-tein PCSK9 und hohen Cholesterinwerten war hergestellt.

Daraus ergab sich natürlich eine entscheidende Frage: Führt im Umkehrschluss eine verminderte Aktivität von PCSK9 zu niedrigeren LDL-Cholesterin-Werten? Schon 2 Jahre später, im Jahr 2005, folgte die Antwort: Studienergebnisse stützten die Hypothese, dass die Hemmung von PCSK9 zu einer Senkung von LDL-Cholesterin-Werten führen kann.11

In nur 10 Jahren zu einem neuen Medikament 
Mit der Entdeckung der Mutation war der Grundstein für den Weg zu einer innovativen Therapieoption gelegt. Für Amgen - das weltweit größte Biotechnologie-Unternehmen - begann damit ein bedeutendes Kapitel in der Kardiologie: Die Suche nach einem Antikörper, der verhindert, dass das Protein PCSK9 die LDL-Rezeptoren der Leber bindet, deren Abbau und somit auch die Reduktion von LDL-Cholesterin fördert.

Die Entwicklung neuer Medikamente ist ein langwieriger und kostenintensiver Prozess. Um Hochrisiko-Patienten jedoch die dringend benötigte Therapieoption bieten zu können, arbeitete Amgen mit Hochdruck an der Entwicklung des neuen Wirkstoffs.

In mehreren Schritten identifizierte Amgen einen geeigneten Antikörper gegen das Protein PCSK9. Dieser durch biotechnologische Verfahren synthetisch reproduzierte, vollhumane monoklonale Antikörper fördert den Abbau von LDL-Cholesterin und ist seit Juli 2015 weltweit als erster PCSK9-Hemmer zur Behandlung hoher Cholesterinwerte in Europa zugelassen.

Amgen - Pionier in der Biotechnologie 

Seit seiner Gründung leistet Amgen Pionierarbeit in der biotechnologischen Produktion von Medikamenten - zunächst in der Nephrologie, dann in der Onkologie und in der Osteoporose: Bereiche, in denen das Unternehmen damit neue Maßstäbe setzte. Mit dem neuen vollhumanen monoklonalen Antikörper steht nun erstmals auch eine sehr wertvolle biotechnologische Therapieoption für Herz-Kreislauf-Patienten mit hohen Cholesterinwerten zur Verfügung, die das Leben vieler Menschen verändern wird.

"Der Schlüssel zur Heilung liegt in uns selbst!" Das Credo des 1980 gegründeten Unternehmens drückt aus, dass sich in der menschlichen Biologie Potenziale entdecken lassen, um schwerwiegende Erkrankungen erfolgreich behandeln zu können. Dabei fokussiert sich Amgen vor allem auf Therapiegebiete, in denen ein bislang ungedeckter bzw. nicht ausreichend gedeckter Behandlungsbedarf besteht. Die PCSK9-Entdeckungsgeschichte belegt das eindrucksvoll.

Referenzen 

1   Nichols M, Townsend N, Scarborough P, Rayner M. European 
Cardiovascular Disease Statis-tics 2012 
2   Akram ON, Bernier A, Petrides F, et al. Beyond LDL Cholesterol, a
New Role for PCSK9. Arte-rioscler Thromb Vasc Biol. 2010;30:1279-1281
3   National Human Genome Research Institute. Learning About Familial
Hypercholesterolemia. http://www.genome.gov/25520184. Letzter Aufruf:
August 2015 
4   Nordestgaard BG, Chapman MJ, Humphries SE, et al. Familial 
hypercholesterolaemia is un-derdiagnosed and undertreated in the 
general population: guidance for clinicians to prevent coronary heart
disease. Eur Heart J. 2013;34:3478-3490 
5   Qian YW, Schmidt RJ, Zhang Y, et al. Secreted PCSK9 downregulates
low density lipoprotein receptor through receptor-mediated 
endocytosis. J Lipid Res. 2007;48:1488-1498 
6   Klose G, Laufs U, März W, Windler E. Familial 
Hypercholesterolemia: Developments in Diag-nosis and Treatment. Dtsch
Arztebl Int. 2014;111:523-529 
7   Cholesterol Treatment Trialists' (CTT) Collaborators. Efficacy 
and safety of cholesterol-lowering treatment: prospective 
meta-analysis of data from 90,056 participants in 14 randomised 
trials of statins. Lancet. 2005;366:1267-1278 
8   Marks D, Thorogood M, Neil HA, Humphries SE. A review on the 
diagnosis, natural history, and treatment of familial 
hypercholesterolaemia. Atherosclerosis. 2003;168:1-14 
9   Abifadel M, Varret M, Rabes JP, et al. Mutations in PCSK9 cause 
autosomal dominant hyper-cholesterolemia. Nat Genet. 2003;34:154-156
10   Park SW, Moon Y, Horton JA. Post-transcriptional regulation of 
low density lipoprotein receptor protein by proprotein convertase 
subtilisin/kexin type 9a in mouse liver. J Biol Chem. 
2004;279:50630-50638 
11   Cohen J, Pertsemlidis A, Kotowski IK, et al. Low LDL cholesterol
in individuals of African de-scent resulting from frequent nonsense 
mutations in PCSK9. Nature Genetics. 2005;37:161-165 

Medizin am Abend Berlin DirektKontakt 

Dr. Corinna Jacob, eMail: corinna.jacob@amgen.com
Telefon:  089-149096-1604

Konditionierungstherapie: Blutstammzelltransplantation - Leukämie (Blutkrebs)

Medizin am Abend Berlin Fazit:     Nur 160 Plätze für T-Vorläuferzellen im Thymus frei

MHH-Forscher untersuchen die T-Zellentwicklung im Thymus /Veröffentlichung in „Journal of Experimental Medicine“  Eine Lichtscheiben-Mikroskopie, die die dreidimensionale Darstellung und Messung von anatomischen Strukturen in vollständigen Organen wie dem Thymus erlaubt.
 Eine Lichtscheiben-Mikroskopie, die die dreidimensionale Darstellung und Messung von anatomischen Strukturen in vollständigen Organen wie dem Thymus erlaubt. "Foto: MHH/Krueger"
 
Patienten – insbesondere ältere Patienten – sind nach einer Blutstammzelltransplantation zum Beispiel zur Behandlung einer Leukämie (Blutkrebs) besonders anfällig für Infektionen.

Ein Grund für die erhöhte Anfälligkeit ist die verzögerte Neubildung von T-Lymphozyten (T-Zellen), die eine Schlüsselposition im Kampf gegen Infektionen einnehmen. Im ungünstigsten Fall kann die Regeneration von T-Zellen Monate bis Jahre in Anspruch nehmen. 
Im Gegensatz zu anderen Immunzellen machen Vorläuferzellen im Rahmen ihrer Reifung zu T-Zellen einen Umweg vom Knochenmark über den Thymus. Dort lernen die T-Vorläuferzellen, nur körperfremde Erreger wie Viren oder Bakterien zu bekämpfen und nicht das körpereigene Gewebe als fremd zu erkennen.

Die Besiedlung des Thymus durch Vorläuferzellen aus dem Knochenmark stellt einen möglichen Flaschenhals des Regenerationsprozesses dar. Das Team um Professor Dr. Andreas Krueger, REBIRTH-Arbeitsgruppe „Regenerative Immunologie“, Institut für Immunologie der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH), hat nun aufgeklärt, wie viele T-Vorläuferzellen täglich in den Thymus wandern und für wie viele Zellen dort Platz ist.

 „Im Thymus der Maus gibt es ungefähr 160 Plätze für frische Vorläuferzellen aus dem Knochenmark; davon sind im Durchschnitt 150 Plätze tatsächlich immer besetzt. Das heißt, dass nur etwa zehn Zellen auf einmal in den Thymus aufgenommen werden. Wir konnten zeigen, dass jeder einzelne Platz für zehn bis zwölf Tage besetzt bleibt, bevor er für einen neuen Vorläufer zur Verfügung steht“, sagt Professor Krueger.

Eine Maus produziert täglich zehn Millionen frische T-Zellen im Thymus, der aus etwa 200 Millionen Zellen besteht. Da in diesem Zellgewirr die wenigen T-Vorläuferzellen nicht direkt gezählt werden können, entwickelten die Forscher eine Methode aus der Infektionsbiologie weiter, bei der mit fluoreszierenden Zellen nachgewiesen werden kann, wie viele Mikroorganismen einen Organismus befallen haben. „Wir injizierten einen Mix aus unterschiedlich markierten T-Vorläuferzellen und bestimmten mit einem speziell entwickelten mathematischen Modell, wie viele dieser Zellen den Prozess der T-Zell-Reifung durchlaufen haben. Dabei stellten wir fest, dass nur etwa zehn T-Vorläuferzellen auf einmal in den Thymus gelangen“, erklärt Professor Krueger.

  • Ein wichtiger Aspekt der Stammzelltransplantation ist das Schaffen von Platz für Spenderzellen durch eine sogenannte Konditionierungstherapie, zum Beispiel durch Bestrahlung. 

Eine solche Therapie könnte aber auch zu Gewebeschädigungen führen, die eine Besiedlung des Thymus erschwert. „Unsere Experimente deuten tatsächlich daraufhin, dass eine entsprechende Bestrahlung alle verfügbaren Plätze im Thymus für Spenderzellen zugänglich macht“, sagt Professor Krueger. „Als Nächstes wollen wir nun untersuchen, ob und wie sich der Flaschenhals Thymusbesiedlung im Alter verändert.“


Medizin am Abend Berlin DirektKontakt

Professor Andreas Krüger, Telefon (0511) 532-9788
Krueger.Andreas@mh-hannover.de
Stefan Zorn Medizinische Hochschule Hannover

Die Originalarbeit finden Sie unter http://jem.rupress.org/content/early/2015/09/02/jem.20142143.full.