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Zum Jahreswechsel 2016: Pflegende Angehörige sind keine Co-Patienten

Medizin am Abend Berlin Fazit: Pflegende Angehörige brauchen einen Coach

Pflegende Angehörige sollten als kompetente Partner anerkannt und in ihren Kompetenzen unterstützt werden, zum Beispiel durch eine Anlaufstelle, die auch in der Nacht und am Wochenende verfügbar ist. Zu diesem Schluss kommt eine Studie des Schweizerischen Nationalfonds (SNF). 
 
Bei der Betreuung von schwer kranken Menschen zu Hause tragen pflegende Angehörige die Hauptlast.

Medizin am Abend Berlin Zusatzfach-Link: Unabhängige Patientenberatung 

  • Um diese schwierige Aufgabe erfolgreich zu meistern, sollten sie frühzeitiger und systematischer unterstützt werden, zum Beispiel im psychosozialen Bereich und durch einen besseren Zugang zu Entlastungangeboten. 
Zu diesem Schluss kommt eine Studie, die die Ressourcen und Bewältigungsstrategien pflegender Angehöriger untersucht hat.

Erfolgreiche Bewältigungsstrategien entwickeln

Wie belastend pflegende Angehörige ihre Situation erleben, hängt nicht nur von direkt erhaltener Unterstützung wie Hilfe in der Pflege ab, sondern auch von ihren Strategien und Ressourcen.

  • Mit Ressourcen sind nicht allein finanzielle Möglichkeiten, sondern auch Merkmale der Person wie zum Beispiel Motivation, ihr soziales Netz, ihre Fähigkeiten sowie die Persönlichkeit gemeint. 

Das sozialwissenschaftliche Forschungsteam von Beat Sottas aus Freiburg i. Ue. hat im Rahmen des Nationalen Forschungsprogrammes „Lebensende“ (NFP 67) die Perspektive der pflegenden Angehörigen untersucht. Dazu wurden 25 Personen aus den Kantonen Freiburg und Wallis interviewt, die sich aufgrund eines Zeitungsartikels gemeldet haben.

Befragt wurden 20 Frauen, die ihre schwerkranken Ehemänner, Mütter, Väter oder Geschwister pflegten, und 5 Männer, die sich um ihre Ehefrau kümmerten. Die Forschenden wollten wissen, was die pflegenden Angehörigen als besonders belastend erleben und welche Strategien sie entwickeln, um die oft lang andauernde Situation zu bewältigen.

  • Die Studie zeigt, dass pflegende Angehörige häufig über zunehmende Müdigkeit und Überlastung berichten. 
  • Hinzu kommen Einsamkeit, Trauer und Zukunftssorgen, Hilf- und Machtlosigkeit sowie das Gefühl, immer stärker fremdbestimmt zu sein.

Zu den Bewältigungsstrategien der Angehörigen gehört die aktive Suche nach Entlastung, zum Beispiel durch die Unterstützung professioneller Dienste oder durch Hilfe aus dem persönlichen Umfeld;

Sich informieren und Kompetenzen erwerben; Austausch mit anderen; das Positive hervorheben sowie Ausgleich schaffen und die eigenen Bedürfnisse pflegen.

  • Denn die Angehörigen fühlen sich durch moralische Verpflichtungen oder gesellschaftliche Erwartungen unter Druck, sich um ihre kranken Angehörigen zu kümmern. 

„Am wichtigsten ist in dieser Situation, mutig zu sein und sich Zeit zu nehmen, um eine gewisse Distanz zu gewinnen“, sagt Beat Sottas.

Partner, keine Co-Patienten

Um die pflegenden Angehörigen zu unterstützen brauche es meistens keine weiteren Entlastungsangebote, sondern insbesondere bessere Information über die bestehenden Dienste und Finanzierungen, ein ernsthaftes Abwägen der eigenen Möglichkeiten sowie soziale, psychologische und spirituelle Unterstützung, folgern die Forschenden aus ihren Ergebnissen.

Und Beat Sottas betont: „Es braucht einen Wechsel in der Wahrnehmung. Pflegende Angehörige sind keine Co-Patienten, sondern sollten als kompetente Partner des Pflegesystems behandelt werden.“

Um das Therapie- und Unterstützungsangebot eines Patienten zu Hause zu koordinieren bringe ein Gespräch an einem Tisch viel mehr, als vereinzelte kurze Besuche eines Arztes oder Spitex-Dienstes.

Wichtig sei dabei, dass die Fäden immer bei einer einzigen Fachperson zusammenlaufen, sagt Sottas: „Für die pflegenden Angehörigen wäre eine Ansprechperson für alle Fragen wie ein Coach.“

(*) Sarah Brügger, Adrienne Jaquier und Beat Sottas (2015). Belastungserleben und Coping-Strategien pflegender Angehöriger. doi: 10.1007/s00391-015-0940-x
(Für Medienvertreter als PDF-Datei beim SNF erhältlich: com@snf.ch)

Medizin am Abend Berlin DirektKontakt
www.medizin-am-abend.blogspot.com

Dr. Beat Sottas, sottas formative works, Bourguillon FR
Tel: 043 222 50 29 oder 079 285 91 77
Schweizerischer Nationalfonds SNF

360°TOP-Hinweis: www.toechtersoehne.de Online-Kurs für pflegende Angehörige

Medizin am Abend Berlin Fazit:    Neu: Online-Kurs für pflegende Angehörige

Gemeinsames Projekt der Hochschule Bremen und des Berliner Start Up-Unternehmens „Töchter & Söhne“ 
 
In Deutschland leben 2,6 Millionen pflegebedürftige Menschen. Davon werden 1,6 Millionen zu Hause versorgt. Erstmals können sich Angehörige und Ehrenamtliche jetzt online auf die Pflege im häuslichen Umfeld vorbereiten. In einem gemeinsamen Projekt des 2012 gegründeten Berliner E-Health Unternehmens „Töchter & Söhne“ www.toechtersoehne.com und der Hochschule Bremen (HSB) wurde der erste Online-Kurs für pflegende Angehörige entwickelt. Grundlegende Pflegekenntnisse werden durch den Einsatz von E-Learning ab sofort leichter zugänglich. Anders als bei herkömmlichen Schulungsangeboten ist es jetzt möglich, diesen kontinuierlich qualitativ weiterzuentwickeln. 

Der Online-Pflegekurs ist unter: https://pflege.curendo.de/pflegekurse im Netz verfügbar.

Prof. Dr. Matthias Zündel begleitete für die HSB im Forschungscluster Lebensqualität das Vorhaben aus pflegewissenschaftlicher Sicht. Ihm kam es besonders darauf an, dass der Kurs mit Blick auf den Bedarf der Zielgruppe die Probleme von Lebensgestaltung und Lebensqualität sowohl der pflegenden Angehörigen als auch der zu Pflegenden integriert. „Es ist ein Kurs entstanden, der zunächst praktische Hilfestellungen bei den konkreten pflegerischen Tätigkeiten leistet,“ so der 39-jährige Pflegewissenschaftler. „Andererseits haben wir Wert darauf gelegt, dass pflegende Angehörige die Fähigkeiten ihrer Angehörigen nicht übersehen, sondern diese integrieren. Zudem macht der Online-Lehrgang deutlich: Es geht um den Aufbau eines gemeinsamen Alltags, der nicht nur auf die pflegerische Unterstützungsleistung fokussiert.“

  • Wie ein persönlicher Pflegeberater führt der Online-Kurs mit anschaulichen Schritt-für-Schritt-Anleitungen, Illustrationen und Fallbeispielen durch alltagstypische Situationen der Pflege und bietet unmittelbar auf den Pflegehaushalt zugeschnittene Unterstützung. Damit überträgt „Töchter & Söhne“ erstmals die Vorteile des E-Learnings auf den Bereich der häuslichen Pflege. 
„Mit einem Kurs, der in den Pflegealltag integriert werden kann und jederzeit verfügbar ist, entlasten und stärken wir die Pflegenden“ erläutert Thilo Veil Geschäftsführer des Berliner Start Up-Unternehmens. „Entsprechende Seminare außer Haus wahrzunehmen ist Angehörigen häufig allein zeitlich nicht möglich.”
  • In Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Matthias Zündel wurden relevante Pflegetipps- und -informationen zusammengetragen und in ein attraktives, leicht zugängliches und nutzerorientiertes Format gebracht. 
Als flexible Online-Hilfe wird den Pflegenden eine zeit- und ortsunabhängige Unterstützung geboten, die einfach zu bedienen und wiederholt abrufbar ist und dabei durch interaktive Anwendungen motiviert. „Durch die Zusammenarbeit der HSB und der Firma ,Töcher & Söhne‘ ist ein Produkt entstanden, das in die gesetzliche Regelversorgung Einzug gehalten hat und dadurch auch nachhaltig für pflegende Angehörige zur Verfügung steht. Dies sichert Zugangsmöglichkeiten für eine Zielgruppe, die gesamtgesellschaftlich auf Unterstützung angewiesen ist,“ so Zündel.

In der angeschlossenen curendo Community können Pflegende untereinander Erfahrungen austauschen, Pflegetipps veröffentlichen und Treffen organisieren.

  • Für individuelle Fachfragen aus dem Pflegealltag stehen qualifizierte Expertinnen und Experten für eine schnelle und kompetente Hilfe per Mail zur Verfügung.


Medizin am Abend Berlin DirektKontakt:

Prof. Dr. Matthias Zündel
Hochschule Bremen
Fakultät Gesellschaftswissenschaften, Internationaler Studiengang Pflege- und Gesundheitsmanagement, 0421-5905 2192
matthias.zuendel@hs-bremen.de
Ulrich Berlin Hochschule Bremen

Weitere Informationen für international Medizin am Abend Berlin Beteiligte:

https://pflege.curendo.de/pflegekurse