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Prof. Dr. Jan Münch: Prof. Dr. Alexander Kleger: CAVE-Untersucher: Stuhlproben-Erreger- Covid-19 Symptome im Verdauungstrakt: mit Übelkeit, Durchfall

Medizin am Abend Abend Berlin - MaAB-Fazit: Wie SARS-CoV-2 auf den Magen-Darmtrakt schlägt: Remdesivir unterdrückt Coronavirus-Infektion im „Minidarm“

Medizin am Abend Berlin ZusatzFreude: Mit Musik gehts Dir besser... 

COVID-19 ist keine reine Lungenkrankheit: 

Rund die Hälfte der Patientinnen und Patienten leiden unter Durchfall und Übelkeit. 

  • Solche Symptome sind sogar mit einem schweren Krankheitsverlauf assoziiert, weshalb künftige Behandlungsstrategien auch im Magen-Darmtrakt wirken sollten. 

Jetzt haben Ulmer Forschende aus Virologie und Gastroenterologie molekulare Vorgänge bei einer Coronavirus-Infektion im Darmmodell untersucht. 

Mithilfe von "Minidärmen" aus Stammzellen haben sie zudem die antivirale Wirksamkeit von Remdesivir und anderen Medikamenten im Verdauungstrakt überprüft. 

Ihre Studie ist in "Cellular and Molecular Gastroenterology and Hepatology" erschienen 

 An der Studie maßgeblich beteiligte Forschende aus Virologie und Gastroenterologie: 1. Reihe (v.l.): Dr. Sandra Heller, Jana Krüger, Carina Conzelmann; 2. Reihe: Rüdiger Groß, Dr. Janis Müller; 3. Reihe: Prof. Alexander Kleger, Prof. Jan Münch

 An der Studie maßgeblich beteiligte Forschende aus Virologie und Gastroenterologie: 1. Reihe (v.l.): Dr. Sandra Heller, Jana Krüger, Carina Conzelmann; 2. Reihe: Rüdiger Groß, Dr. Janis Müller; 3. Reihe: Prof. Alexander Kleger, Prof. Jan Münch Foto: Eberhardt Universität Ulm

Zu Beginn der Coronavirus-Pandemie galt COVID-19 als reine Atemwegserkrankung mit Symptomen von Husten bis zur Lungenentzündung. 

Doch mittlerweile sind ganz andere Krankheitszeichen bekannt, darunter Übelkeit und Durchfall.  

Solche Auswirkungen auf den Magen-Darmtrakt weisen sogar auf einen schweren Verlauf hin. Molekulare Einblicke in den Infektionsvorgang mit SARS-CoV-2 im Darmmodell gibt eine Studie, die jetzt im Fachjournal „Cellular and Molecular Gastroenterology and Hepatology“ erschienen ist. Anhand von „Minidärmen“ aus Stammzellen haben die Autorinnen und Autoren der Ulmer Universitätsmedizin zudem das antivirale Potenzial von Medikamenten wie Remdesivir im Verdauungstrakt untersucht.

Bei der Erforschung von COVID-19 stand zunächst die Lunge im Vordergrund, denn etwa 20 Prozent der Erkrankten entwickeln eine schwere, womöglich tödliche Lungenentzündung. Allerdings vermehrt sich das neuartige Coronavirus (SARS-CoV-2) in vielen weiteren Organen. Etwa die Hälfte der Patientinnen und Patienten zeigen zum Beispiel Symptome des Magen-Darmtrakts wie Durchfall oder Übelkeit – darunter sind viele schwer Erkrankte.
In diesem Zusammenhang fiel auf, dass die Viruslast im Stuhl von Infizierten besonders hoch ist. Auch noch Tage nach einem negativen Corona-Testergebnis mittels Nasen-Rachenabstrich ist der Erreger in Stuhlproben nachweisbar. Daher sollten künftige Behandlungsstrategien gegen SARS-CoV-2 auch im Magen-Darmtrakt wirksam sein.

Die molekularen Vorgänge bei einer Coronavirus-Infektion im Magen-Darmtrakt hat eine
Ulmer Forschergruppe um den Virologen Professor Jan Münch und den Gastroenterologen Professor Alexander Kleger untersucht. 

Eine Infektion mit SARS-CoV-2 ist nur möglich, wenn der Rezeptor ACE2, an den das Virus andocken kann, sowie die Protease TMPRSS2 im Gewebe vorhanden sind. 

In gesundem Darm haben wir diese Proteine durchgehend und besonders häufig im Zwölffingerdarm gefunden“, erklärt Professor Jan Münch vom Institut für Molekulare Virologie des Universitätsklinikums Ulm.

Im nächsten Schritt wollten die Forschenden herausfinden, welche Zellen des Verdauungstrakts genau mit SARS-CoV-2 infiziert werden können. Dafür nutzten sie so genannte Organoide, die aus embryonalen Stammzellen gezüchtet werden. „Diese ,Minidärme‘ aus dem Labor kommen dem menschlichen Dünndarm sehr nahe und verfügen über große Mengen der notwendigen Andockstellen“, ergänzt Dr. Sandra Heller, Biologin an der Universitätsklinik für Innere Medizin I. Die Forschenden haben diese Organoide dem neuartigen Coronavirus ausgesetzt und den Infektionsvorgang mit verschiedenen molekularbiologischen Methoden untersucht. „Tatsächlich sind die meisten Zelltypen, darunter auch hormonbildende Enteroendokrine Zellen und für die Immunabwehr wichtige Paneth-Zellen, mit SARS-CoV-2 infizierbar. Sie beginnen umgehend mit der Replikation, also mit der Herstellung neuer, infektiöser Viren. Eine Ausnahme bilden lediglich schleimproduzierende Becherzellen“, erklärt Erstautorin Jana Krüger, die gemeinsam mit den Virologen Rüdiger Groß, Dr. Janis Müller und Carina Conzelmann die wichtigsten Experimente der Arbeit durchgeführt hat.

Doch wie lässt sich das Infektionsgeschehen im Verdauungstrakt stoppen? 

Die Autorinnen und Autoren haben verschiedene Medikamente an den infizierten Darm-Organoiden getestet. Als antiviral wirksam erwies sich Remdesivir: Ursprünglich für die Ebola-Behandlung entwickelt, blockiert der Wirkstoff die RNA-Polymerase und somit die Vermehrung von SARS-CoV-2. Darüber hinaus konnte das Peptid EK1 die Coronavirus-Infektion im Minidarm unterdrücken. Hierbei handelt es sich um einen so genannten Fusionsinhibitor, der das Eindringen des Virus in die Zelle verhindert. „Interessanterweise fällt die antivirale Wirksamkeit von Remdesivir im Minidarm erheblich geringer aus als in einfachen Darmzell-Kulturen. Diese Beobachtung untermauert die Notwendigkeit, antivirale Substanzen gegen SARS-CoV-2 in ausreichend komplexen Systemen zu testen“, ergänzt Heisenberg-Professor Alexander Kleger, Oberarzt an der Klinik für Innere Medizin I des Universitätsklinikums Ulm. 

Mit dem neuartigen Coronavirus, SARS-CoV-2, infizierte Minidarm-Organoide (virales N-Protein rot, Epithelmarker E-cadherin grün, Zellkerne blau)

Mit dem neuartigen Coronavirus, SARS-CoV-2, infizierte Minidarm-Organoide (virales N-Protein rot, Epithelmarker E-cadherin grün, Zellkerne blau) Aufnahme: Innere Medizin I Universitätsklinikum Ulm

Die jetzt erschienene Studie liefert notwendige Details, um die Magen-Darmsymptomatik und die hohe Viruslast im Stuhl von COVID-19-Kranken zu erklären: Der Verdauungstrakt bietet SARS-CoV-2 ausreichend Andockstellen, um verschiedene Zelltypen zu infizieren, die wiederum neue Coronaviren herstellen. Der daraus resultierende Verlust spezialisierter Darmzellen kann zu Krankheitszeichen wie Durchfall und Übelkeit führen. Weiterhin ist es den Forschenden gelungen, Medikamente anhand von Darm-Organoiden zu testen: Über die Coronavirus-Forschung hinaus belegen diese Untersuchungen den Mehrwert dieser Minidärme.

An der von den Professoren Alexander Kleger und Jan Münch sowie Dr. Sandra Heller geleiteten Studie waren Forschende des Instituts für Molekulare Virologie, des Instituts für Mikrobiologie und Hygiene sowie des Instituts für Pathologie und der Klinik für Innere Medizin I des Universitätsklinikums Ulm beteiligt. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler wurden im Zuge des EU-Projekts Fight-nCoV (Horizon 2020) sowie des Sonderforschungsbereichs 1279 (Nutzung des menschlichen Peptidoms zur Entwicklung neuer antimikrobieller und anti-Krebs Therapeutika) unterstützt. Dazu kommen Fördermittel des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg (MWK).

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Prof. Dr. Jan Münch: 0731/500-65154, jan.muench@uni-ulm.de
Prof. Dr. Alexander Kleger: 0731/500-44541 (Sekretariat), alexander.kleger@uniklinik-ulm.de

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Originalpublikation:

Krüger J, Groß R, Conzelmann C, Müller JA, Koepke L, Sparrer KMJ, Weil T, Schütz D, Seufferlein T, Barth TFE, Stenger S, Heller S, Münch J, Kleger A, Drug inhibition of SARSCoV-2 replication in human pluripotent stem cell-derived intestinal organoids, Cellular and Molecular Gastroenterology and Hepatology (2020), DOI: https://doi.org/10.1016/j.jcmgh.2020.11.003


Prof. Dr. Dr. Gerhard-Paul Diller - EMAH: : Eliquis®, Pradaxa®, Lixiana® und Xarelto® -angeborenen Herzfehlern

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit:  Gerinnungshemmer bei angeborenen Herzfehlern: Größte Studie weltweit weist auf Risiken bei DOAKs hin

Jeder achte Patient mit angeborenem Herzfehler ist auf Gerinnungshemmer angewiesen. 

Doch ihre Einnahme ist mit Risiken verbunden. 

Eine neue Studie am Kompetenznetz Angeborene Herzfehler rät zum vorsichtigeren Einsatz direkter oraler Antikoagulanzien.

  • Herzrhythmusstörungen, Herzinsuffizienz, Herzklappenerkrankungen und Gefäßverschlüsse durch Blutgerinnsel: 

Laut einer aktuellen Langzeitstudie, die in Kooperation mit der Barmer Krankenversicherung von Forschern des Universitätsklinikums Münster am Kompetenznetz Angeborene Herzfehler durchgeführt wurde, erhält in Deutschland jeder achte Patient mit einem angeborenen Herzfehler blutverdünnende und gerinnungshemmende Präparate, um das Risiko zu verringern, an einer solchen Komplikation zu erkranken oder gar zu versterben. Allerdings kann die Einnahme dieser Medikamente zu problematischen Neben- und Wechselwirkungen führen.

DOAKs auch bei angeborenen Herzfehlern auf dem Vormarsch

Lange Zeit wurde bei angeborenen Herzfehlern überwiegend mit so genannten Vitamin-K-Antagonisten (VKAs) behandelt. Diese Wirkstoffe, bekannt etwa unter den Handelsnamen Wafarin® oder Marcumar®, unterbinden in der Leber die Bildung bestimmter Gerinnungsfaktoren.  

  • Ihre Anwendung ist jedoch durch zahlreiche Interaktionen beim Um- und Abbau der Substanz durch körpereigene Enzyme erschwert.
  • Die Präparate erfordern eine regelmäßige Gerinnungskontrolle. 
  • So stehen die VKAs in Wechselwirkung zu Vitamin K haltigen Lebensmitteln und verschiedenen Medikamenten.


Umso größer waren die Erwartungen an direkte orale Antikoagulanzien (DOAKs) wie zum Beispiel Eliquis®, Pradaxa®, Lixiana® und Xarelto®.  

Die seit 2010 am Markt erhältlichen antithrombotischen Medikamente hemmen anders als die VKAs direkt bestimmte Gerinnungsfaktoren und wirken damit schneller. 

Die Notwendigkeit einer regelmäßigen Gerinnungskontrolle entfällt. Die Wechselwirkungen beschränken sich auf andere Wirkstoffe, die die Blutgerinnung beeinflussen. Zu den häufigen unerwünschten Wirkungen zählen auch hier Blutungen.

Weltweit größte Studie mahnt zu Vorsicht

Seit die neuen Antikoalgulanzien zur Verfügung stehen, stieg ihre Verwendung auch bei angeborenen Herzfehlern stetig an. Schon 2018 lag laut Studie der Anteil der DOAKs an den bei angeborenen Herzfehlern verschriebenen Antikoalgulanzien bei 45 Prozent.

  • Doch Vorsicht ist geboten. Anerkannte randomisierte kontrollierte Studien haben bislang lediglich die guten Ergebnisse und Eigenschaften der DOAKs im Vergleich zu VKAs bei erworbenen Herz-Kreislauf-Erkrankungen nachgewiesen. 
  • Die Auswirkungen bei angeborenen Herzfehlern dagegen waren bislang unerforscht.


Auf Basis von anonymisierten Daten der Barmer Krankenversicherung hat die Forschergruppe um den Kardiologen und EMAH-Spezialisten Paul Gerhard Diller vom Universitätsklinikum Münster daher die Zusammenhänge der Therapie mit Gerinnungshemmern und im Langzeitverlauf auftretenden Komplikationen und Sterbefällen bei rund 44.000 Patientinnen und Patienten untersucht und die Risiken genauer ermittelt.  

  • Die in ihrem Umfang weltweit einzigartige Studie belegt, dass die mit der Einnahme von DOAKs verbundenen Risiken bei angeborenen Herzfehlern mit ihren anatomischen und physiologischen Besonderheiten deutlich höher liegen als bei erworbenen Herzerkrankungen. 

„Die Einnahme von DOAKs ist mit größeren Risiken verbunden als bislang angenommen“, sagt Gerhard-Paul Diller.

Ersehnte Alternative kann zur tödlichen Falle werden

  • Bei Patientinnen und Patienten mit angeborenen Herzfehlern, die DOAKs erhielten, sei es bereits im Verlauf der ersten Therapiejahres häufiger zu Gefäßverschlüssen durch Blutgerinnsel, Blutungen, Herzrhythmusstörungen und Herzinsuffizienzen gekommen als bei den Patienten , die mit VKA-Präparaten behandelt worden ist, öfter auch mit tödlichem Ausgang. 
  • Ein ähnliches Bild zeige sich auch in der Langzeitbeobachtung des Zusammenhangs von Therapieplänen und Diagnosen. 

„Dass der Gerinnungsstatus bei den DOAKs nicht überwacht werden muss, führt dazu, dass die Patienten nicht engmaschig genug beobachtet werden“, so Gerhard Paul Diller. 

  • Vor dem Hintergrund der Studienergebnisse sei gründlich zu prüfen, ob bei Patientinnen und Patienten mit angeborenen Herzfehlern anstelle der lange ersehnten Alternativen nicht eher VKAs in Betracht gezogen werden sollten. 

Zudem sollte auch eine Behandlung mit DOAKs unbedingt durch spezialisierte Kardiologinnen und Kardiologen an entsprechenden Zentren begleitet werden.

Die Studie wurde von der EMAH Stiftung Karla Völlm gefördert. Sie ist Teil des vom Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschusses G-BA getragenen Forschungsprojektes OptAHF.

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Prof. Dr. Dr. med. Gerhard-Paul Diller
Universitätsklinikum Münster
Klinik für Kardiologie III: Angeborene Herzfehler (EMAH) und Klappenerkrankungen
E-Mail: gerhard.diller@ukmuenster.de
Telefon: +49 251 8346110

Karin Lange Kompetenznetz Angeborene Herzfehler

Augustenburger Platz 1
13353 Berlin
Deutschland
Berlin

Telefon: 030 4593 7277
E-Mail-Adresse: k.lange@kompetenznetz-ahf.de
Originalpublikation:

Die Ergebnisse der Studie im Rahmen des Forschungsprojektes OptAHF wurden unter dem Titel „Current use and safety of novel oral anticoagulants in adults with congenital heart disease:
Results of a nationwide analysis including more than 44,000 patients“ im European Heart Journal veröffentlicht.
https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/33184662/


Weitere Informationen für international Medizin am Abend Berlin Beteiligte

http://Mehr zum vom Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschusses
http://G-BA geförderten Forschungsprojekt OptAHF: https://www.kompetenznetz-ahf.de/forscher/forschung/laufende-studien/optahf-verb...

 

Prof. Dr. Mark Rubin: CAVE-Untersucher: Lipid-Kontrolle , chirurgische Kastration, chemische Kastration mit Medikamenten

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Projekt über Prostatakrebs ausgezeichnet

Der diesjährige Johanna Dürmüller-Bol DBMR Forschungspreis des Department for BioMedical Research (DBMR) der Universität Bern geht an Joanna Triscott. 

Sie wird für ihre Forschung zu Stoffwechselprozessen von Prostatakrebstumoren ausgezeichnet. 

Der mit CHF 30'000.- dotierte Nachwuchs-Forschungspreis wurde am  «Day of BioMedical Research» verliehen. 

Dr. Joanna Triscott, diesjährige Trägerin des Johanna Dürmüller-Bol DBMR Forschungspreises 2020 des Department for BioMedical Research (DBMR), Universität Bern 

 Dr. Joanna Triscott, diesjährige Trägerin des Johanna Dürmüller-Bol DBMR Forschungspreises 2020 des Department for BioMedical Research (DBMR), Universität Bern zvg

  • Nach aktuellen Schätzungen wird sich bei einem von sieben Männern in Europa im Alter von 60 Jahren ein unheilbarer Prostatakrebs manifestieren. 

Im Unterschied zu anderen Krebsarten wird Prostatakrebs sehr stark von männlichen Hormonen beeinflusst, den sogenannten Androgenen.  

  • Androgene aktivieren ein Protein namens Androgen-Rezeptor (AR), welches den Stoffwechsel von Tumorzellen beeinflusst und damit das Zellwachstum und Überleben des Tumors fördert.


Die Standardtherapie von Prostatakrebs beruht auf einer Unterdrückung des Androgen-Rezeptors.  

Hierfür existieren mehrere Strategien, unter anderem die sogenannte chirurgische Kastration oder die chemische Kastration mit Medikamenten, die den AR angreifen. 

  • Während ein lokalisiertes Prostatakarzinom erfolgreich therapiert werden kann, entwickeln sich bei fortgeschrittenem, metastasiertem Prostatakarzinom häufig Resistenzen gegenüber der Anti-Androgen- oder Hormontherapie. 

«Daher besteht ein grosser Bedarf, die Mechanismen, die dieser Resistenzentwicklung zugrundeliegen, aufzuklären», sagt Dr. Joanna Triscott von der Forschungsgruppe Precision Oncology am Department for BioMedical Research (DBMR) der Universität Bern und Inselspital, Universitätsspital Bern.

Weltweit erstes Projekt zu spezifischem Protein bei Prostatakrebs

Prostata-spezifische Charakteristika könnten eine Erklärung bieten, warum gerade dieses Organ dazu neigt, Krebs mit einhergehender Therapieresistenz zu entwickeln.  

So sind Prostatakrebs-Zellen zum Beispiel stark von Eiweissen, sogenannten Lipiden, abhängig. Lipide sind in zentrale Stoffwechselvorgänge involviert. Sie versorgen Zellen mit Energie, festigen die Zellstruktur und agieren als Botenstoffe.  

  • Wissenschaftliche Untersuchungen konnten zeigen, dass die Produktion und die Konzentration von Lipiden stark zunehmen, sobald sich Prostatakrebs entwickelt.  

 Medizin am Abend Berlin ZusatzFachlink: LipidKontrolle

Ausserdem ergaben genetische Analysen von Tumorbiopsien, dass Mitglieder der sogenannten Phosphatidylinositol (PI) Lipid-Familie häufig verändert sind. Tatsächlich existiert eine direkte Verbindung zwischen einigen PI-Signalwegen und dem Androgen-Rezeptor. Gleichzeitig sind die genauen Mechanismen zwischen diesen Proteinen und Prostatakrebs noch ungeklärt.

«Ich bin überzeugt, dass der Schlüssel zu einer erfolgreichen Therapie von fortgeschrittenem Prostatakrebs in einem besseren Verständnis dieser zellulären Stoffwechsel-Vorgänge liegt», erklärt Triscott. Ihr Projekt fokussiert sich auf die Charakterisierung eines relativ unbekannten PI-Proteins namens PIP4K2.

Es handelt sich weltweit um das erste Projekt, das sich mit PIP4K2 in Prostatakrebs beschäftigt. «Mit Hilfe von prä-klinischen Modellen wollen wir untersuchen, wie sich genetisch modifizierte Prostatakrebszellen, die kein PIP4K2 besitzen, im Vergleich zu Zellen die PIP4K2 besitzen, verhalten», sagt Triscott. Zudem plant sie, Prostatakrebszellen mit fluoreszierenden Markern sichtbar zu machen, um sie anschliessend vor und nach Hormon-Entzug in ihren prä-klinischen Modellen nachverfolgen zu können. Mittels modernsten Sequenziermethoden wird Triscott ausserdem untersuchen, welche Rolle PIP4K2 im Stoffwechsel von AR-unabhängigen Prostatakrebs-Zellen einnimmt.
«Mit meiner Arbeit möchte ich klären, ob eine PIP4K2-Abnahme mit der Entwicklung von Prostatakrebs korreliert und ob Medikamente, die PIP4K2 angreifen eine sinnvolle Strategie in Prostatakrebs darstellen könnten», erklärt Triscott.

Joanna Triscotts Forschung zu PIP4K2 wird vom Schweizerischen Nationalfonds (SNF) unterstützt und durch ein Marie Skłodowska-Curie Actions (MSCA) Stipendium gefördert, welches ihr 2018 verliehen wurde. Dr. Triscott wird zusätzlich von einem umfassenden wissenschaftlichen Netzwerk unterstützt, zu welchem Dr. Brooke Emerling (Sanford Burnham Prebys, USA) und zahlreiche Kooperationspartner von des Weill Cornell Medicine Instituts (New York City, USA) zählen. Wichtig für ihren präzisionsmedizinischen Ansatz ist auch das Bern Center for Precision Medicine (BCPM) der Universität Bern und Inselspital, Universitätsspital Bern.

Kurzbiographie Joanna Triscott

Joanna Catherine Caprio Triscott (geb. 1988) studierte Molekulare Genetik an der University of Alberta (Kanada). 2015 promovierte sie in Experimenteller Medizin an der University of British Columbia (Kanada). Nach der Promotion war sie am Englander Institute for Precision Medicine, Weill Cornell Medicine in New York in der Forschungsgruppe von Mark Rubin tätig. Als Rubin nach Bern wechselte, folgte sie 2017 seiner Einladung an das Department for BioMedical Research (DBMR), wo sie nun in Rubins Forschungsgruppe Precision Oncology arbeitet. 2018 wurde Joanna Triscott mit einer Marie Sklodowska-Curie Individual Fellowship der EU-Kommission ausgezeichnet. Sie ist Trägerin mehrerer Preise und Ehrungen und engagiert sich in diversen Programmen für den wissenschaftichen Nachwuchs. Ihre Forschung konzentriert sich auf eine noch wenig erforschte Familie von Enzymen, die an einer Vielzahl von zellulären Schlüsselfunktionen beteiligt sind, um mehr über deren Funktion in der Prostata zu erfahren und neue Therapieansätze gegen Prostatakrebs zu ermöglichen.
https://www.dbmr.unibe.ch/research/research_groups/precision_oncology/index_eng....

Dr. Joanna Triscott steht Ihnen gerne für weitere Auskünfte oder ein Interview zur Verfügung.

Day of BioMedical Research 2020


DBMR: Über 25 Jahre biomedizinische Forschung in Bern

Das Department for BioMedical Research DBMR der Universität Bern wurde 1994 gegründet und hat als Institut der Medizinischen Fakultät den Auftrag, Forschenden des Inselspitals (Universitätsspital Bern) und der Medizinischen Fakultät eine optimale Infrastruktur zur Verfügung zu stellen. Die Core Facilites werden state-of-the-art betreut, und die Forschenden finden im Departement bedarfsgerechte Labor- und Arbeitsplätze. Dem Departement sind 47 unabhängige Forschungsgruppen angegliedert, die fast alle Bereiche der biomedizinischen Forschung abdecken. Ziel des DBMR ist, Brücken zwischen laborbasierter und patientenorienter klinischer Forschung zu schlagen. Ausserdem legt es ein starkes Gewicht auf die Entwicklung von translationaler Forschung und der Anwendung von sogenannten Omics-Methoden.

Zum Johanna Dürmüller-Bol DBMR Forschungspreis

Die Fondation Johanna Dürmüller-Bol stiftet seit 2012 den mit CHF 30'000 dotierten Forschungspreis, und sie unterstützt das Department for BioMedical Research DBMR weiterhin bis 2021. Die Fondation will damit in ihren Förderfeldern Medizin und Wissenschaft Nachwuchsforschende der Medizinischen Fakultät der Universität Bern motivieren und unterstützen. Das Projekt muss von einer Forscherin oder einem Forscher, die an der Medizinischen Fakultät der Universität Bern tätig und nicht habilitiert sind eingereicht werden, und es muss sich um ein klinisch orientiertes Projekt handeln. Dieses Jahr feiert die Fondation Johanna Dürmüller-Bol ihr 20jähriges Jubiläum.

Mehr Informationen zur Fondation Dürmüller-Bol: https://fjdb.ch/

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Dr. Joanna Triscott, Forschungsgruppe Precision Oncology, Department for Biomedical Research (DBMR), Universität Bern
Tel: +41 78 700 89 70 / joanna.triscott@dbmr.unibe.ch

Weitere Informationen zum Tag der BioMedizinischen Forschung und dem Johanna Dürmüller-Bol DBMR Forschungspreis allgemein:

Prof. Mark Rubin, Direktor, Department for BioMedical Research, Universität Bern, und Direktor Bern Center for Precision Medicine (BCPM), Universität Bern und Inselspital, Universitätsspital Bern
Tel. +41 31 632 88 65 / mark.rubin@dbmr.unibe.ch

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Prof. Dr. Othmar Moser: Blutzuckerwerte - Insulin - Glukosemanagement beim Sport -

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Bayreuther Sportphysiologe entwickelt Leitlinien für Sport mit Diabetes-Typ-1

Ein internationales Forschungsteam unter der Leitung von Prof. Dr. Othmar Moser, Professor für Exercise Physiology & Metabolism an der Universität Bayreuth, hat Leitlinien für Glukosemanagement beim Sport entwickelt. 

Die in den Zeitschriften „Diabetologia“ und „Pediatric Diabetes“ veröffentlichten Empfehlungen sollen Menschen mit Diabetes-Typ-1 vor Unter- und Überzuckerungen schützen.

Menschen mit Diabetes-Typ-1 können trotz ihrer Erkrankung körperlich aktiv sein. 

Sie sollten aber beim Sport ein besonders wachsames Auge auf ihre Blutzuckerwerte haben. 

Denn weil ihr Körper nicht in der Lage ist, Insulin selbst zu produzieren und dieses somit gespritzt werden muss, um die Glukosekonzentration stabil zu halten, müssen sie mit Unterzuckerung rechnen.  

Die Insulintherapie, die den Blutzuckerspiegel künstlich auf möglichst optimalem Niveau halten soll, ist jedoch bei körperlicher Belastung nicht einfach zu handhaben.  

Deshalb hat das von Prof. Dr. Othmar Moser koordinierte internationale Team neue Empfehlungen für Menschen mit Diabetes-Typ-1 ausgearbeitet. 

Die Empfehlungen basieren auf den Möglichkeiten neuartiger Blutzuckermess-Systeme. Sie sollen Sportlerinnen und Sportlern sichere körperliche Aktivitäten ohne gefährliche Blutzuckerschwankungen ermöglichen.

Die Leitlinien zeigen im Detail, ab welchem Glukosewert es notwendig ist, während sportlicher Betätigung zusätzliches Insulin zuzuführen. Ebenso wird dargelegt, bei welchem Blutzuckerwert welche Menge an Kohlenhydraten – abhängig von ihrem Glukosewert – eingenommen werden soll. Dieses Blutzuckermanagement während sportlicher Aktivitäten soll künftig über eine App erleichtert werden, das derzeit gemeinsam mit dem King's College in London entwickelt wird. Damit soll ein smartes Glukosemanagement zur Verfügung stehen. "Wie bei den meisten chronischen Erkrankungen ist ein aktiver Lebensstil wichtig, um ein langes und nahezu gesundes Leben ermöglichen zu können. Mit unseren Empfehlungen wollen wir Menschen mit Diabetes mellitus Typ 1 dabei unterstützen, sportliche Aktivität als festen Bestandteil in ihren jeweiligen Therapieplan zu integrieren“, sagt Moser, der seit dem 1. November 2020 die Professur für Exercise Physiology & Metabolism an der Universität Bayreuth innehat.

Zentraler Bestandteil der Leitlinien sind neuartige Zuckermessgeräte, die permanent die aktuellen Glukosewerte zur Verfügung stellen. Dabei wird der Glukosewert nicht-invasiv – also ohne Blutabnahme – mit einem winzigen, unter der Haut angebrachten Sender permanent gemessen. Ein Sender übermittelt mehrmals pro Tag den jeweils aktuellen Wert an die Empfänger. „Diesen medizintechnischen Fortschritt nutzen die Leitlinien, um ein unkompliziertes und wirklich verlässliches Glukosemanagement zu ermöglichen. Bisher wurden alle Therapieempfehlungen bei Sport und Diabetes mellitus Typ 1 auf der Basis von invasiven Blutzuckermessungen von der Fingerbeere erstellt", sagt Moser.

Bereits in früheren Studien haben er und sein Team gezeigt, dass es zur Vermeidung lebensbedrohlicher Unterzuckerungen notwendig ist, dass Patientinnen und Patienten mit Typ-1-Diabetes während sportlicher Aktivitäten den Glukosespiegel stabil halten – sei es, indem sie die Insulindosis abhängig von der Dauer und Intensität der Belastung verringern, sei es, dass sie zusätzliche Kohlenhydrate zuführen.

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Prof. Dr. Othmar Moser
Exercise Physiology and Metabolism
Universität Bayreuth
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E-Mail: othmar.moser@uni-bayreuth.de 

Christian Wißler Universität Bayreuth

Telefon: 0921 / 55-5356
Fax: 0921 / 55-5325
E-Mail-Adresse: christian.wissler@uni-bayreuth.de

Universitätsstr. 30
95447 Bayreuth
Postfach Bayreuth
95440 Bayreuth
Deutschland
Bayern

Originalpublikation:

Othmar Moser et al.: Glucose management for exercise using continuous glucose monitoring (CGM) and intermittently scanned CGM (isCGM) systems in type 1 diabetes: position statement of the European Association for the Study of Diabetes (EASD) and of the International Society for Pediatric and Adolescent Diabetes (ISPAD) endorsed by JDRF and supported by the American Diabetes Association (ADA). Diabetologia (2020). DOI: https://dx.doi.org/10.1007/s00125-020-05263-9


Prof. Dr. Anette Kersting: Trauerbewältigung - Das Abschiednehmen - Trauerrituale

Medizin am Abend Berlin -MaAB-Fazit:  Erschwerte Trauerbewältigung in Corona-Zeiten - 

Tipps zum Abschiednehmen in der Pandemie anlässlich des Totensonntags

Der November gilt als Trauermonat. 

Anlässlich des Totensonntags am 22. November gibt Prof. Dr. Anette Kersting, Professorin für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie an der Medizinischen Fakultät der Universität Leipzig, Tipps zum Umgang mit den Themen Trauer und Abschiednehmen in Zeiten der Corona-Pandemie. 

 Prof. Dr. Anette Kersting

 Prof. Dr. Anette Kersting Foto: Privat

Welche Tipps zur Trauerbewältigung haben Sie, wenn jemand in dieser Zeit einen geliebten Menschen verliert?

Das Abschiednehmen und die Bewältigung eines Verlusts sind in Corona-Zeiten erschwert. 

Oft ist eine Begleitung am Sterbebett nicht möglich, viele Sterbende sind allein.  

Auch das Pflegepersonal kann diese Aufgabe nicht übernehmen und die Familie ersetzen

In dieser Situation haben Angehörige nachvollziehbar oft das Gefühl, einen Menschen, den sie lieben, allein gelassen zu haben. 

  • Dies ist neben der Trauer ein sehr schmerzliches Gefühl. 

Hinzu kommt, dass sich die Angehörigen selbst nicht verabschieden konnten. 

Auch wenn sie körperliche Nähe und Berührungen nicht ersetzen, können Videoanrufe oder Telefonate hilfreich sein. 

Wir wissen, dass nach dem Tod eines geliebten Menschen Trauerrituale und vor allem die Unterstützung durch Familie, Freunde und Bekannte wichtig sind, um mit dem Verlust zurechtzukommen. Auch hier sind wir durch die Maßnahmen der Corona-Pandemie eingeschränkt. Die Anzahl von Gästen auf Beerdigungen und Trauerfeiern kann begrenzt sein. Es ist wichtig, genau zu überlegen, wen man einlädt und wer für die eigene Situation die größte Unterstützung bedeutet. Manchen Menschen hilft es, im Internet ein Trauerportal zu nutzen und eine digitale Gedenkseite für den Verstorbenen einzurichten. 

  • Um die schwierige Abschiedssituation zu bewältigen, schreiben manche Menschen ihrem Verstorbenen einen Brief, um ihm all das, was sie ihm nicht mehr persönlich mitteilen konnten, imaginativ zuzusenden.


Die gesetzlichen Vorgaben in der Corona-Pandemie erschweren das Abschiednehmen. Welche Folgen kann das für Betroffene haben?

Wir wissen, dass soziale Isolation, durch den Teillockdown aus nachvollziehbaren Gründen verordnet, aber auch wirtschaftliche Sorgen, unter denen coronabedingt viele Menschen leiden, Risikofaktoren für eine angemessene Bewältigung eines Verlustes darstellen können. Wenn Angehörige befürchten, sie selbst hätten den Verstorbenen mit dem Virus infiziert, können Schuldgefühle den Trauerprozess erschweren. 

Corona kann auch mit einer Stigmatisierung einhergehen: 

Wie konnte das passieren? Warum hast du nicht aufgepasst? Wenn es Menschen nicht gelingt, den Verlust eines nahen Angehörigen angemessen zu bewältigen, kann eine psychische Erkrankung, die anhaltende Trauerstörung, die Folge sein. 

Diese Personen bleiben in der Verarbeitung der Trauer stecken und finden nicht in ihren Alltag zurück. 

Wenn diese Situation eintritt, ist es sinnvoll, psychotherapeutische Unterstützung zu suchen. Studien, ob coronabedingte Tode zu einem Anstieg anhaltender Trauerstörungen führen, haben wir noch nicht. Es ist aber zu vermuten, dass die aktuellen Bedingungen den Trauerprozess beziehungsweise die Möglichkeiten, den Verlust zu bewältigen, erschweren.

Vielerorts werden inzwischen Beisetzungen per Livestream angeboten.Ist das ein Konzept, das unabhängig von der Corona-Pandemie, für die Verarbeitung von Trauer zukunftsfähig ist?

Wenn Freunde und Verwandte bei einer Trauerfeier nicht dabei sein können, ist es grundsätzlich sehr hilfreich, digitale Möglichkeiten wie ein Video oder eine Livestream-Übertragung aufzunehmen beziehungsweise anzubieten. Die Corona-Pandemie bringt uns dazu, Strategien zu entwickeln, um mit der Situation besser umzugehen. Beisetzungen per Livestream könnten durchaus zukunftsfähig sein. Ich glaube jedoch, dass sie die vorhandenen Möglichkeiten erweitern und nicht ersetzen werden.

Hinweis:
An der Klinik und Poliklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie des Universitätsklinikums Leipzig unter Leitung von Prof. Dr. Anette Kersting können Menschen mit anhaltender Trauer professionelle Unterstützung erhalten. 

Für das Forschungsprojekt „PROGRID“, das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) aktuell um zweieinhalb Jahre und mit einer Fördersumme von einer Millionen Euro verlängert wurde, werden noch Teilnehmer gesucht.

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Klinik und Poliklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie
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Prof. Dr. Winfried März: Hochrisikopatienten mit koronaren Herzkrankheit: Studie zu Kardiovaskuläre Ereignise, Herzinfarkt, Schlaganfall

Medizin am Abend Berlin -MaAB-Fazit: CoroPrevention – durch personalisierte Prävention einen zweiten Herzinfarkt vermeiden

UMM an europaweiter Studie beteiligt, die ein EU-weites Präventionsprogramm initiieren soll 

Das Präventionsprogramm setzt auf gesundheitserhaltende Verhaltensänderungen, die exakt auf den einzelnen Patienten zugeschnitten sind. Das Präventionsprogramm setzt auf gesundheitserhaltende Verhaltensänderungen, die exakt auf den einzelnen Patienten zugeschnitten sind. UMM

An der Universitätsmedizin Mannheim (UMM) läuft aktuell eine randomisierte klinische Studie mit Hochrisikopatienten an, die an einer koronaren Herzkrankheit leiden. 

  • Die Studie soll ermitteln, was dafür nötig ist, um den einzelnen Patienten vor einem weiteren kardiovaskulären Ereignis, Herzinfarkt oder auch Schlaganfall, zu bewahren. 
  • Im Fokus der Maßnahmen stehen Verhaltensänderungen und die Medikation. 

Die Studie ist Kernstück des EU-weiten Präventionsprogramms CoroPrevention, das von der Europäischen Union aus Mitteln des Programms Horizon 2020 mit insgesamt rund 20 Mio. Euro gefördert wird.

Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind die häufigste Todesursache in Europa, und auch weltweit. Sie machen 47 Prozent der Todesfälle bei Frauen und 39 Prozent der Todesfälle bei Männern aus und kosten die EU jedes Jahr mehr als 210 Mrd. Euro – eine Summe, die mit der alternden Bevölkerung und aufgrund kostenintensiver neuartiger Therapien weiter steigen wird.

Im Rahmen der aktuellen Studie wird ein neuartiges, personalisiertes Präventionsprogramm getestet, das von der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie (ESC) zertifiziert wurde. 

Es beinhaltet maßgeschneiderte Ansätze zu Verhaltensänderungen, integriert mobile Apps und bietet den Patienten ein intensives personalisiertes Coaching. Das Präventionsprogramm hat zum Ziel, den Patienten lebenslang zu begleiten und ihm dabei zu helfen, langfristige Verhaltensänderungen, die seine Gesundheit erhalten, beizubehalten. Die V. Medizinische Klinik der Universitätsmedizin Mannheim ist an der Studie beteiligt und fungiert darüber hinaus als nationales Koordinierungszentrum der CoroPrevention-Studie, an der in Deutschland insgesamt fünf Zentren teilnehmen.

Individuell hohe Risiken für künftige kardiovaskuläre Ereignisse bei Patienten zu erkennen, ist eine große Herausforderung der Gefäßmedizin. Die für die CoroPrevention-Studie geeigneten Hochrisikopatienten werden anhand einer Kombination von modernen Biomarkern identifiziert. Die verwendeten Biomarker wurden zum Teil an der UMM im Rahmen des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Projekts CoroPredict (Leitung: PD Dr. med. univ. Tanja Grammer) und auf Basis der Ludwigshafen Risk and Cardiovascular Health Study (LURIC Studie; Leitung: Univ. Prof. Dr. med. Winfried März, V. Medizinische Klinik) als solche identifiziert.

Während ein Teil der Studienteilnehmer die übliche Behandlung erfährt, wird ein anderer Teil nach einem personalisierten Ansatz behandelt. 

Dieser berücksichtigt, ob Patienten Präferenzen für Verhaltensänderungen erkennen lassen und umfasst ein individualisiertes Coaching, das sich einer Vielzahl von Themen widmet wie:

Bewegung, 

Ernährung, 

Achtsamkeit, 

Stressabbau, 

Schlafverbesserung, 

Reduzierung der Zeit am Bildschirm und im Sitzen, 

Raucherentwöhnung, 

Mäßigung des Alkoholkonsums,

die regelmäßige Einnahme vorbeugender Medikamente.

Studienleiter Professor Dr. Reijo Laaksonen von der Universität Tampere (Finnland) verspricht sich von den Ergebnissen der Studie ein hochmodernes, personalisiertes Präventionsprogramm, das in ganz Europa zum Einsatz kommen soll. 

Er schätzt, damit die Rate für kardiovaskuläre Ereignisse bei Hochrisikopatienten um 25 Prozent senken zu können – mit entsprechenden Kosteneinsparungen für die EU.

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Univ.-Prof. Dr. med. Winfried März
Universitätsmedizin Mannheim
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Prof. Dr. Götz Thomalla CAVE-Untersucher: Thrombolyse bei Schlaganfallpatientinnen

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Meta-Analyse bestätigt Erfolg neuer Behandlungsmöglichkeit für viele Schlaganfallpatienten

Ein internationales Forschenden-Team unter Leitung von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) konnte in einer Meta-Analyse den Erfolg der sogenannten Thrombolyse bei Schlaganfallpatientinnen und -patienten bestätigen. 

Die Auswertung von vier verschiedenen Studien hat gezeigt, dass Patientinnen und Patienten, die im Schlaf einen Schlaganfall erleiden und die Symptome erst nach dem Aufwachen am nächsten Morgen feststellen, von einer Wiedereröffnung verstopfter Blutgefäße durch die Gabe eines Medikaments profitieren. 

 Prof. Dr. Götz Thomalla

 Prof. Dr. Götz Thomalla

 Damit konnten die Forschenden die Ergebnisse der ebenfalls vom UKE geleiteten und vor zwei Jahren publizierten Studie „WAKE-UP“ bestätigen. 

 Ihre aktuellen Ergebnisse haben die Forschenden im Fachmagazin The Lancet veröffentlicht. Zeitgleich wurden sie auf der ESO WSO Conference, der größten Schlaganfallkonferenz weltweit, vorgestellt.

„Bei Schlaganfallpatientinnen und -patienten mit unbekanntem Beginn kann die Gabe eines Medikaments, das verstopfte Blutgefäße im Gehirn wiedereröffnet, zu einem besseren Behandlungsergebnis führen als die bisherige Standardbehandlung. 

Insgesamt überstehen mehr Patienten einen Schlaganfall ohne bleibende neurologische Ausfälle oder Behinderung. 

Unsere Ergebnisse werden eine Behandlung für eine große Population von Schlaganfallpatienten verfügbar machen, die bislang von einer wirksamen akuten Behandlung ausgeschlossen waren. Insgesamt könnte die Zahl der Patienten, die mit einer Thrombolyse behandelt werden können, um etwa 20 Prozent erhöht werden“, erklärt Prof. Dr. Götz Thomalla, Studienleiter und Oberarzt in der Klinik für Neurologie des UKE.

Lange Zeit erfolgte eine medikamentöse Behandlung zur Wiedereröffnung des verstopften Blutgefäßes im Gehirn nur dann, wenn der Zeitpunkt des Symptombeginns bekannt war und nicht länger als 4,5 Stunden zurücklag. 

  • In der WAKE-UP-Studie gelang den Forschenden im UKE vor zwei Jahren der Nachweis, dass eine Thrombolyse sicher und effektiv ist, wenn geeignete Patienten mittels MRT-Diagnostik ausgewählt werden, auch ohne den Zeitpunkt des Schlaganfalls zu kennen.


In der Zwischenzeit wurden neben der europäischen WAKE-UP-Studie auch in Asien, Australien und Europa Studien mit vergleichbaren Behandlungsansätzen durchgeführt. In der nun veröffentlichten Meta-Analyse werteten die Forschenden 843 Patientendaten aus vier klinischen Studien (WAKE-UP, EXTEND, THAWS, ECASS-4) aus. 

Die Ergebnisse dieser gemeinsamen Auswertung mehrerer internationaler Studien bedeuten eine noch größere Sicherheit und Überzeugungskraft der Ergebnisse aus den einzelnen Studien und werden die Aufnahme der Behandlungsmethode in die medizinischen Leitlinien unterstützen.

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Originalpublikation:

G. Thomalla et al. Intravenous alteplase for stroke with unknown time of onset guided by advanced imaging: systematic review and meta-analysis of individual patient data. The Lancet. 2020.
DOI: https://doi.org/10.1016/S0140-6736(20)32163-2


Prof. Dr. Jochen Gensichen : Patienten mit Mehrfacherkrankungen (Komorbiditäten) und Depressionen

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Neues Graduiertenkolleg - Wie Hausärzte depressive Patienten besser versorgen

Mit welchen Mitteln lassen sich in der Primärversorgung Depressionen im Alter früher und sicherer erkennen und behandeln? 

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft fördert ein neuartiges Forschungs- und Ausbildungsprogramm an LMU und Technischer Universität München.

Die Lebenserwartung steigt, die Gesellschaft wird älter. 

Doch damit nimmt auch die Zahl von Patienten zu, die im Alter gleich an mehreren chronischen Krankheiten leiden. 

Und das bedeutet auch, dass in dieser Gruppe psychische Erkrankungen, insbesondere Depressionen, zunehmend häufiger auftreten und oft auch komplexer verlaufen. 

Eine erhöhte Prävalenz von Depressionen zeigen zum Beispiel Patienten, die an Diabetes Typ II, an koronaren Herzerkrankungen, an Adipositas, Bluthochdruck oder der Lungenerkrankung COPD leiden.

Das stellt gerade Hausärzte vor große Herausforderungen. Sie sind die erste Anlaufstelle – auch eben für Patienten mit Mehrfacherkrankungen (Komorbiditäten) und Depressionen; sie gewährleisten zu weiten Teilen deren Versorgung. Doch schon eine präzise Diagnose zu stellen, ist nicht einfach. Die unterschiedlichen Symptome etwa bei Depressionen lassen sich nur schwer gegeneinander abgrenzen.  

Oft maskieren somatische Mehrfachleiden die dahinterliegenden psychischen Erkrankungen. Depressionen beeinflussen zudem häufig die Krankheitsverläufe von chronisch-somatischen Leiden. 

 Das macht deren Behandlung schwierig, ganz abgesehen von möglichen Arzneimittelinteraktionen, die die Medikation von Komorbiditäten erschweren. Und nicht zuletzt ist in die Betreuung der multimorbiden Kranken eine ganze Reihe von Professionen eingebunden, die Behandlung ist also stark fragmentiert.

Mediziner von LMU und Technischer Universität München (TUM) haben jetzt ein neues Graduiertenkolleg aufgebaut, das eine künftige Ärztegeneration befähigen soll, mit diesen Problemen besser umzugehen. Das Kolleg soll sie dafür auch mit einem besseren theoretischen Rüstzeug von forschungsbasiertem Wissen versorgen. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördert das Ausbildungs- und Forschungsprogramm in den kommenden fünf Jahren mit insgesamt fünf Millionen Euro. So wollen die Mediziner in dem Vorhaben, das den Namen POKAL (PrädiktOren und Klinische Ergebnisse bei depressiven ErkrAnkungen in der hausärztLichen Versorgung) trägt, letzten Endes dazu beitragen, dass Depressionen im Alter früher und sicherer erkannt und behandelt werden.

Insgesamt sollen in der Laufzeit des Graduiertenkollegs drei Gruppen von je 20 jungen Ärzten und Wissenschaftlern forschungsnah ausgebildet werden. Es richtet sich vor allem an Kandidaten aus Medizin, Psychologie, Pharmazie sowie Gesundheits- und Pflegewissenschaften. Angehende Hausärzte können ihre medizinische Promotion parallel zu ihrer Facharztausbildung machen. „Das Kolleg wird die allgemeinmedizinische Forschungswelt im Bereich der psychosomatischen/psychiatrischen Forschung in Deutschland und international nachhaltig beeinflussen. Gleichzeitig ist es eine wunderbare Zusammenarbeit zwischen LMU und TUM“, sagt Professor Antonius Schneider vom Institut für Allgemeinmedizin und Versorgungsforschung der TUM, Ko-Sprecher des Kollegs.

Sprecher Professor Jochen Gensichen vom Institut für Allgemeinmedizin des LMU Klinikums stellt fest: „Das Forschungskolleg verknüpft in einem neuartigen und umfassenden Ansatz synergetisch allgemeinmedizinische, psychiatrische, psychologische, psychosomatische, psychometrische und informationstechnologische Expertise“. Es soll wirksame neue Diagnose- und Therapieoptionen zur primärärztlichen Versorgung von depressiven Erkrankungen entwickeln, prüfen und implementieren. Die Doktoranden könnten sich „auf wissenschaftlich und fachlich höchstem Niveau“ qualifizieren und gleichzeitig dabei „Fragestellungen mit unmittelbarem Nutzen für unsere Patienten“ bearbeiten.

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Prof. Dr. Jochen Gensichen
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LMU Klinikum, Ludwig-Maximilians-Universität München
Pettenkoferstr. 10
Tel: 089 4400-53779
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Prof. Dr. Oliver Ganssner: Ausgaben-Planungen der 500 Euro Lockdown-Ausgangssperre ......

Medizin am Abend Berlin -MaAB-Fazit: FOM Weihnachtsumfrage mit mehr als 46.000 Menschen: Gesundheit und gemeinsame Zeit wichtiger als Geschenke

  • Gesundheit und gemeinsame Zeit stehen für die Menschen hierzulande zu Weihnachten im Corona-Jahr 2020 an erster Stelle. 

Zudem sind wir zum diesjährigen Fest ganz besonders spendabel: 

Gut 500 Euro geben die Bundesbürgerinnen und -bürger im Durchschnitt für Geschenke aus. 

Wirklich sicher fühlt sich die Mehrheit (rund 68 %) beim Weihnachtseinkauf trotz Hygiene-Auflagen allerdings nicht – für viele sind Menschenansammlungen sogar ein Grund, jetzt häufiger als vor der Krise im Internet zu bestellen. 

Das sind die zentralen Ergebnisse einer Umfrage der FOM Hochschule für Oekonomie & Management, bei der Studierende 46.122 Menschen zwischen 12 und 99 Jahren interviewt hatten. 

 Gemeinsame Zeit mit Freunden und Familie - darauf legen Menschen in diesem Jahr besonders viel Wert

 Gemeinsame Zeit mit Freunden und Familie - darauf legen Menschen in diesem Jahr besonders viel Wert Konstantin Yuganov Adobe

Insgesamt 91 Prozent der Befragten zwischen Flensburg und Sonthofen gaben an, dass ihnen die Gesundheit der Familie wichtiger sei als teure Geschenke.  

Auch auf gemeinsame Zeit mit Freunden und Familie legt die große Mehrheit der Menschen in Deutschland (89 %) in diesem Jahr mehr Wert als auf großzügige Weihnachtspräsente. 

  • Nur 25 Prozent der Befragten wollen zum Schutze der Gesundheit auf Familienbesuche an den Feiertagen verzichten.


Zeit verschenken

Auch das Schenkverhalten ist in 2020 ein besonderes: Drei von vier Befragten planen, Zeit miteinander zu verschenken, allen voran die junge Generation der 12- bis 23-Jährigen (78 %). Gleichwohl wollen die Bundesbürgerinnen und -bürger zum Fest mit rund 500 Euro mehr Geld für Geschenke ausgeben als in den Vorjahren. Zum Vergleich: 2019 beliefen sich die Ausgaben auf durchschnittlich 475 Euro, 2018 waren es noch 472 Euro. 

„Eine Erklärung für die diesjährige Schenkfreude ist sicher, dass die Menschen in Deutschland mit teureren Geschenken ihre Wertschätzung gegenüber den Beschenkten zeigen möchten, weil persönliche Kontakte in den Wochen und Monaten zuvor reduziert werden mussten“, so der wissenschaftliche Studienleiter Prof. Dr. Oliver Gansser.

Weniger Gutscheine für Reisen

Bei den materiellen Geschenken stehen Gutscheine für jeden Zweiten (50 %) zwar weiterhin hoch im Kurs, gleichzeitig gaben mehr als die Hälfte der Befragten (60 %) an, aufgrund der ungewissen Aussichten weniger Gutscheine für Reisen als gewöhnlich zu verschenken. Grundsätzlich ist die Geschenke-Hitliste im Vergleich zu den Vorjahren relativ konstant: Besonders beliebt sind nach wie vor Kosmetik und Körperpflegeprodukte (45 %), Spielwaren (44 %), Bücher bzw. Schreibwaren (42 %) sowie Uhren und Schmuck (42 %). Weit abgeschlagen hingegen finden sich eher traditionelle Konsumgüter wie Heimtextilien und Lederwaren (jeweils 14 %).

Internet beliebter als Einkaufszentrum

Die Corona-Pandemie zeigt auch Auswirkungen auf das Kaufverhalten: Erstmals seit 2011 gaben die Befragten das Internet als wichtigste Einkaufsmöglichkeit (62 %) an – noch vor dem Einkaufszentrum in der Stadt (58 %). Mögliche Erklärung: Nur rund jeder Dritte (32 %) fühlt sich beim Geschenke-Kauf in den Geschäften sicher. Ebenso viele Bürgerinnen und Bürger bestellen in diesem Jahr ihre Geschenke deshalb häufiger als sonst im Internet, um Menschenansammlungen zu vermeiden. Weitere Gründe für vermehrtes Online-Shopping im Vergleich zur Vorkrisenzeit sind die größere Auswahl (34 %), die einfache Handhabung (30 %) und die schnelle Lieferung (28 %). Die Unterstützung des stationären Einzelhandels ist den Bundesbürgern nur bedingt wichtig: Lediglich 34 Prozent der Befragten haben vor, deshalb Geschenke in der Umgebung zu kaufen, bei den 12- bis 23-Jährigen sind es sogar nur 19 Prozent.

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Prof. Dr. Oliver Gansser, stellvertretender Direktor des ifes Instituts an der FOM Hochschule
Telefon 089/202452-23
oliver.gansser@fom-ifes.de

Karolin Wochlik FOM Hochschule

Sigsfeldstraße 5
45141 Essen
Deutschland
Nordrhein-Westfalen

Karolin Wochlik
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Fax: 0201 81004-771
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Prof. Dr. Stefan Störk : Fortgeschrittene Herzinsuffizienz: Pulmonalarterielle Druckmessung

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Ein Meilenstein für die Telemedizin

Nach jahrelanger Vorbereitung startet mit der vom Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) initiierten PASSPORT-HF Studie die Erprobung der pulmonalarteriellen Druckmessung bei Patienten mit fortgeschrittener Herzinsuffizienz. 

  • Sollten sich die erwarteten positiven Ergebnisse bestätigen, werden die getesteten Prozesse in die Regelversorgung aufgenommen. 

Somit stellt die Studie im deutschen Gesundheitswesen und für die Versorgung herzkranker Patienten einen Meilenstein dar: sie untersucht auf höchster Qualitätsstufe ein innovatives, sektorenübergreifendes, telemedizinisches Versorgungskonzept. 

In Würzburg erhielt der erste Proband das CardioMEMS™HF System und wird von einer Studienschwester betreut 

 Daheim leitet der Franke täglich seine Werte des Lungenblutdrucks ab. Je nach Ergebnis wird die Therapie flexibel angepasst.

 Daheim leitet der Franke täglich seine Werte des Lungenblutdrucks ab. Je nach Ergebnis wird die Therapie flexibel angepasst. Kirstin LInkamp DZHI

Lange hat das Deutsche Zentrum für Herzinsuffizienz (DZHI) für die Telemedizin in der Versorgung herzinsuffizienter Patienten gekämpft. Denn das hochkomplexe Krankheitsbild benötigt eine umfassende Betreuung durch spezialisierte Pflegekräfte, um Entgleisungen rechtzeitig zu erkennen. 

Endlich besteht konkrete Aussicht darauf, dass herzkranke Patienten leitlinien- und bedarfsgerecht versorgt werden können. 

Denn erstmals haben der GKV-Spitzenverband und die Kassenärztliche Bundesvereinigung telemedizinisch erbrachte kardiologische Leistungen in den Einheitlichen Bewertungsmaßstab (EBM) aufgenommen. 

  • Im Rahmen der PASSPORT-HF-Studie darf ab jetzt die ambulante telemedizinische Nachsorge von Herzinsuffizienzpatienten abgerechnet werden. 

Trifft die Studie die Erwartungen, werden diese Leistungen und Vergütungen in Deutschland in die Regelversorgung übernommen. In der randomisierten PASSPORT-HF-Studie prüft das DZHI im Auftrag des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) die Anwendung des CardioMEMS™HF Systems. In den USA wurde bereits gezeigt, dass Herzinsuffizienzpatienten sich mittels Monitoring des Lungenblutdrucks besser behandeln lassen und Krankenhausaufenthalte und Sterblichkeit verringert sind. Der erste PASSPORT-Patient hat jetzt in der Uniklinik Würzburg den Sensor erhalten und wurde von seiner Studienschwester ins System eingewiesen.

Eine verschleppte Grippe hat Michael Huber (Name wurde auf Wunsch des Patienten geändert) im Alter von 30 Jahren zum Patienten mit einer schweren Herzinsuffizienz gemacht. „Für mich war es eine Erkältung“, sagt der heute 39-Jährige aus dem oberfränkischen Forchheim. Doch die Erkältung hielt ein halbes Jahr an. Als er zunehmend bei Belastung blau anlief, klingelten beim Hausarzt die Alarmglocken, die Untersuchungen ergaben eine Herzmuskelentzündung, die das Herz schon massiv geschwächt hatte. Mit Tabletten und einem implantierten Defibrillator kämpfte er sich zurück ins Leben, arbeitete Vollzeit als Verkäufer – bis der Defibrillator im August diesen Jahres 53 Mal in nur einer Woche einen Schock auslöste. Wassereinlagerungen und Leber- und Nierenversagen kamen hinzu. Michael Huber wurde das Deutsche Zentrum für Herzinsuffizienz an der Uniklinik Würzburg empfohlen. Hier bot man ihm die Teilnahme an der neuen PASSPORT-HF Studie an.

  • Fernüberwachung des Drucks in der Lungenarterie kann die Prognose verbessern


Die vom DZHI geleitete und vom Institut für Herzinfarktforschung Ludwigshafen durchgeführte randomisierte PASSPORT-HF Studie prüft die Anwendung des CardioMEMS™ HF Systems im deutschen Gesundheitssystem. Das System besteht aus drei Komponenten: 

Ein Sensor wird Patienten mit einer schweren Herzinsuffizienz in die Lungenarterie implantiert; ein „intelligentes Kissen“ dient als Mess-Station; eine sichere Datenbank empfängt die täglich gemessenen Werte, wo sie vom Betreuerteam beurteilt werden können

  • Ein Druckanstieg in der Pulmonalarterie lässt meist schon Wochen vorher eine drohende Entgleisung erkennen. 
  • So kann durch eine geeignete Therapieanpassung eine weitere Verschlechterung, ein Krankenhausaufenthalt oder Schlimmeres verhindert werden.


PASSPORT-HF wird an etwa 40 Zentren in Deutschland durchgeführt. 560 Patienten mit einer schweren Herzinsuffizienz (NYHA-Stadium III*), die im vergangenen Jahr mindestens einmal im Krankenhaus wegen einer Herzinsuffizienz behandelt wurden, sollen aufgenommen und zunächst über zwölf Monate betreut werden. Die eine Gruppe (Intervention) erhält das CardioMEMS™ HF System und kann mit Hilfe der Lungendruckwerte durch die Behandlungsteams intensiviert behandelt werden. Die andere Gruppe (Kontrolle) wird zu Studienbeginn angeleitet, sich selbst zu beobachten, also Blutdruck, Herzfrequenz, Gewicht und Wassereinlagerungen im Körper zu messen und zu dokumentieren. Die Ergebnisse werden telefonisch abgefragt und zur Optimierung der Therapie herangezogen.

Rechtzeitig reagieren und Therapie flexibel anpassen

Michael Huber sagte sofort zu. Das Los entschied, dass er das CardioMEMS™ HF System erhält. Somit ist er deutschlandweit der erste Patient, dem im Rahmen der PASSPORT-HF Studie ein Sensor implantiert wurde. Das Studienteam um Prof. Dr. Stefan Störk wies Michael Huber im Krankenhaus in das System ein. Daheim leitet der Franke nun täglich mit dem speziellen Auslesegerät seine Werte ab. Je nach Ergebnis wird die Therapie flexibel angepasst. „Ich habe große Hoffnung, dass bei einer Verschlechterung jetzt viel schneller und damit rechtzeitig reagiert werden kann“, sagt Michael Huber und ist froh, dass er an der Studie teilnehmen darf.

Herzinsuffizienz-Pflegekräfte sind das Herzstück der Behandlung

„Das CardioMEMS™ HF System liefert uns neue, bisher nicht zugängliche Informationen, Tag für Tag. Die Druckwerte sind jedoch nur ein Teil der Versorgungskette, sie stellen selbst noch keine Therapie dar“, sagt der Leiter der Studie, Prof. Dr. Stefan Störk. 

„Wichtig ist, dass die übertragenen Messwerte regelmäßig von einer geschulten Herzinsuffizienz-Pflegekraft und im Bedarfsfall zusätzlich vom Arzt betrachtet und interpretiert werden, sodass Medikation und Therapie zeitnah angepasst werden können. 

Der Mehrwert des CardioMEMS™ HF Systems hängt ganz entscheidend davon ab, dass der Patient die tägliche Messung durchführt und dann auch die Behandlungsempfehlungen umsetzt.“

Seit vielen Jahren setzt sich das DZHI für eine umfassende Versorgung von Patienten mit Herzinsuffizienz ein. Denn das hochkomplexe Krankheitsbild benötigt eine umfassende, multidisziplinäre Versorgung. Um drohende Entgleisungen frühzeitig zu erkennen und Krankenhausaufenthalte zu vermeiden, wurde am DZHI für Hochrisikopatienten das Versorgungsprogramm HeartNetCare-HF™ entwickelt.  

Der Schlüssel zum Erfolg dieses Programms sind spezialisierte Herzinsuffizienzschwestern und -pfleger. 

Schon in der Klinik schulen sie Patienten und ihre Angehörigen in der Selbstüberwachung von Blutdruck, Herzfrequenz, Körpergewicht und Beschwerden. 

Nach der Entlassung bricht der Kontakt nicht ab, sie telefonieren regelmäßig mit ihren Patienten, kontrollieren die Werte und stellen bei Bedarf in Absprache mit den Ärzten die Dosierung der Medikamente um. 

HeartNetCare-HF™ ist das erste Versorgungsprogramm, für das im deutschen Gesundheitssystem ein Wirksamkeitsnachweis erbracht wurde. 

Schon nach sechs Monaten war die Sterblichkeit in der HeartNetCare-HF™ Gruppe im Vergleich zur herkömmlich behandelten Patientengruppe um 38% vermindert! 

Das sind Ergebnisse, die mit keinem einzelnen Medikament erreicht werden können. 

Besonders ältere und schwerer erkrankte Patienten profitierten von der Telefonbetreuung. 

  • Den größten Überlebensgewinn hatten Patienten, bei denen eine depressive Verstimmung als Begleiterkrankung vorlag. 
  • Auch die Lebensqualität und körperliche Leistungsfähigkeit besserten sich signifikant. 

Die Patienten nahmen ihre Medikamente regelmäßiger ein und betrieben eine effektivere Selbstüberwachung.

Michael Huber wurde von seiner Studienschwester im Rahmen der PASSPORT-HF Studie in das CardioMEMS™ HF System eingewiesen.

Michael Huber wurde von seiner Studienschwester im Rahmen der PASSPORT-HF Studie in das CardioMEMS™ HF System eingewiesen. Kirstin Linkamp DZHI

Dank PASSPORT-HF dürfen erstmals Pauschalen für telekardiologische Leistungen abgerechnet werden

Leider gab es für diese vielversprechende Betreuungsform bisher von den Krankenkassen keine Finanzierung. 

Doch die Aufnahme der Leistungsziffern für Telemedizin in den Einheitlichen Bewertungsmaßstab (EBM) gibt Hoffnung. Vorerst darf nur im Rahmen der PASSPORT-Studie abgerechnet werden. Trifft die vom Gemeinsamen Bundesauschuss (G-BA) beauftragte PASSPORT-HF Studie jedoch die Erwartungen, werden die Leistungen in die Regelversorgung übernommen.

„Damit legt die PASSPORT-Studie den Grundstein für kardiales Telemonitoring und ebnet den Weg für die Telekardiologie in Deutschland“, freut sich Prof. Dr. Stefan Störk, Leiter der Klinischen Forschung und Epidemiologie am DZHI. 

„Die Abrechnungsziffern sind ambulant abrechenbar und ermöglichen erstmals eine sektorenübergreifende und telemedizinische Behandlung von Patienten mit Herzinsuffizienz. Insgesamt wird so die leitlinien- und bedarfsgerechte Versorgung herzkranker Patienten gestärkt.“

* Die New York Heart Association (NYHA) hat die Herzinsuffizienz in vier Stadien eingeordnet.

Zur Herzinsuffizienz
Fast vier Millionen Menschen leiden in Deutschland unter einer Herzinsuffizienz. Die Ursachen sind komplex. Die Lebenserwartung nimmt stetig zu und akute kardiovaskuläre Erkrankungen werden immer häufiger überlebt – nicht selten mit einer Herzinsuffizienz als Langzeitfolge. Hinzu kommen zahlreiche weitere Erkrankungen sowie gravierende Einschränkungen der Lebensqualität. Diese Volkskrankheit stellt sowohl für die Betroffenen als auch für das Gesundheits-system eine enorme Belastung dar.

Über das CardioMEMS™ HF System
Erste Studien in den USA, Deutschland, Irland und den Niederlanden haben gezeigt, dass das gerätebasierte Telemonitoring mit dem CardioMEMS™ HF System die Prognose von Herzinsuffizienzpatienten erheblich verbessert. Die von der Würzburger Kardiologin Christiane Angermann geleitete MEMS-HF-Studie ergab zum Beispiel eine Reduzierung der Hospitalisierungsrate nach der Implantation des Sensors im Vergleich zum Jahr vorher um mehr als 60 Prozent. Die Lebensqualität verbesserte sich – besonders ausgeprägt bei Patienten mit starker Drucksenkung in der Pulmonalarterie.  

Die depressiven Symptome bildeten sich deutlich zurück und die Schwere der Erkrankung nahm ab (dauerhafte Verbesserung der NYHA-Klasse bei mehr als 40% der Patienten sowie deutlicher Abfall des Herzschwächemarkers NT-proBNP).

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Kirstin Linkamp, Deutsches Zentrum für Herzinsuffizienz Universitätsklinikum Würzburg

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