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Professor Dr. Bernhard Graf: Die ECMO-Therapie - Extrakorporaler Membranoxygenierung - Künstliche Lunge

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: UKR: Zwei Jahre Corona-Pandemie, zwei Jahre ECMO-Versorgung am Limit

Am 14. März 2020, also vor zwei Jahren, erreichte das Coronavirus das Universitätsklinikum Regensburg (UKR). 

Der erste Patient mit einer SARS-CoV-2-Infektion wurde auf Intensivstation aufgenommen. 

Auch die ECMO-Therapie ist seitdem stark in den öffentlichen Fokus gerückt. 

Dabei wurden am UKR bereits vor der Pandemie jährlich weit über 100 Patienten mittels Extrakorporaler Membranoxygenierung behandelt. 

  • Damit gehört das UKR zu den deutschlandweit führenden Experten auf diesem Gebiet. 

Mit Pandemiebeginn rückte die ECMO-Therapie in den öffentlichen Fokus. Viele Patienten mit einer schweren COVID-19-Infektion konnten und können nur noch so versorgt werden. Die jahrelange ECMO-Expertise kommt den Experten hier zugute. Mit Pandemiebeginn rückte die ECMO-Therapie in den öffentlichen Fokus. Viele Patienten mit einer schweren COVID-19-Infektion konnten und können nur noch so versorgt werden. Die jahrelange ECMO-Expertise kommt den Experten hier zugute. © Werner Krüper

ECMO, an diesen vier Buchstaben hängt in vielen Kliniken das Leben der Patienten. 

Gerade seit das Coronavirus die Welt in Schach hält, ist die Extrakorporale Membranoxygenierung, oder eben ECMO, vielen Menschen ein Begriff. Denn spätestens, wenn ein Patient eine Therapie an der sogenannten „künstlichen Lunge“ benötigt, weil eine Beatmung über die eigene Lunge nicht mehr ausreicht, ist jedem bewusst: die Situation ist lebensbedrohend. Das Leben hängt nur noch an dieser Maschine und an den Experten, die sie bedienen. „Die Maschine kommt zum Einsatz, wenn die Lunge oder auch das Herz stark geschädigt ist. Die ECMO-Therapie ist dann in der Regel das letzte Mittel, um die Patienten am Leben zu halten“, erklärt Professor Dr. Bernhard Graf, Direktor der Klinik für Anästhesiologie sowie stellvertretender Ärztlicher Direktor und Pandemiebeauftragter des UKR.

ECMO-Therapie als letzte Hoffnung für schwerstkranke COVID-19-Patienten

Doch gerade dieses Ziel, mittels ECMO die Versorgung des Körpers mit Sauerstoff bis zur Erholung der Lunge bzw. des Herzens zu überbrücken, wird durch die komplexen und langwierigen Verläufe einer SARS-CoV-2-Infektion, wie sie sich während der letzten Pandemie-Wellen in den Krankenhäusern gezeigt haben, deutlich erschwert. 

Eine aktuelle Studie (Karagiannidis et al. Critical Care (2021) 25:413 https://doi.org/10.1186/s13054-021-03831-y) zeigt, dass während der ersten drei Wellen der Coronavirus-Pandemie deutschlandweit etwa 68 Prozent der COVID-ECMO-Patienten verstarben, nur 32 Prozent überlebten.  

Das UKR hebt sich von diesen Zahlen deutlich ab. 

So konnten während der ersten drei Wellen 58 Prozent der COVID-ECMO-Patienten wieder aus dem künstlichen Koma geholt werden. „Diese Zahl ist nicht nur im Vergleich mit den vorliegenden Studiendaten beeindruckend, sondern auch im Hinblick auf unser besonderes Patientenklientel ein beachtlicher Erfolg für uns, die wir an der Behandlung beteiligt sind, vor allem aber für unsere Patienten“, so PD Dr. Dirk Lunz, Leiter der Anästhesiologischen Intensivmedizin des UKR und für die ECMO-Transporte am UKR verantwortlich. Das Universitätsklinikum Regensburg behandelt als Supramaximalversorger der Region Ostbayern und als zertifizierter ECMO-Standort schwerstkranke und -verletzte Patienten weit über sein Einzugsgebiet hinaus. „Die COVID-Patienten, die bei uns intensivmedizinisch versorgt werden, werden in der Regel von anderen Kliniken zu uns verlegt. Das heißt, wir versorgen vor allem jene Patienten weiter, für die an anderen Häusern bereits alle Therapieoptionen ausgeschöpft sind“, gibt PD Dr. Lunz zu bedenken. Die Liegezeit an der ECMO variiert dabei je nach Erkrankung und Zustand des Patienten zwischen einer Woche und drei Monaten. 

„Bei durch SARS-CoV-2-Infektionen verursachten Pneumonien sind diese schwerstkranken Patienten zum Teil sogar länger als 100 Tage an der ECMO angeschlossen“, so PD Dr. Lunz weiter.

  • Neben Notarzteinsätzen und Patiententransporten in der Coronavirus-Pandemie wird das ECMO-Verfahren auch bei akutem Lungenversagen infolge von Verletzungen oder Erkrankungen wie Pneumonie oder Sepsis, bei Herzkrankheiten oder während Herzoperationen in der modernen Intensiv- und Notfallmedizin eingesetzt.


Durch ECMO wird die Herz-Lungen-Funktion außerhalb des Körpers unterstützt. 

Über ein Schlauchsystem wird das sauerstoffarme Blut des Patienten in eine künstliche Lunge außerhalb des Körpers abgeführt, wo es mit Sauerstoff angereichert und Kohlenstoffdioxid entfernt wird. Anschließend wird das Blut dem Körper mittels einer Pumpe über das Schlauchsystem wieder zugeführt. „Dieses Verfahren entlastet die angegriffene Lunge oder auch das Herz unserer Patienten. Im besten Fall können sich die geschädigten Organe wieder vollständig regenerieren, dann entwöhnen wir die Patienten schrittweise wieder von der ECMO “, schildert PD Dr. Lunz das Vorgehen und den optimalen Therapieverlauf.

Das UKR ist das einzige zertifizierte ECMO-Zentrum in Deutschland


Die mobile extrakorporale Lungen- und Herz-Kreislauf-Unterstützung ist ein medizinischer Schwerpunkt des Universitätsklinikums Regensburg.  

„Unser ECMO-Zentrum zählt zu den leistungsfähigsten und kompetentesten Zentren weltweit

Aus diesem Grund wurde uns 2021 auch erneut der ‚Award for Excellence in Extracorporeal Life Support – Platinum Level‘, die höchste Auszeichnung der internationalen Extracorporeal Life Support Organization (ELSO), verliehen. Diese Auszeichnung würdigt unseren Einsatz, mit dem wir in den vergangenen 20 Jahren aktiv zur Weiterentwicklung der Einsatzmöglichkeiten der ECMO beigetragen haben und das natürlich auch weiterhin tun“, erklärt Professor Dr. Thomas Müller, Leiter der Intensivmedizin der Klinik und Poliklinik für Innere Medizin II des UKR.
Pionierarbeit hat das UKR unter anderem mit der Entwicklung der weltweit kleinsten, tragbaren Herz-Lungen-Maschine geleistet. „Die ECMO war früher eine unhandliche, mehrere hundert Kilo schwere Maschine und für den mobilen Einsatz ungeeignet. Das hat viele Patienten schon von einer ECMO-Therapie ausgeschlossen, weil sie schlichtweg nicht transportiert werden konnten. Außerdem konnte vor der Entwicklung des Miniaturmodells die ECMO auch nicht für Notfalleinsätze verwendet werden“, kommentiert Professor Müller. Ein weiteres Novum am UKR war die Einführung des ECMO-Mobils, mit dem ein Team aus Anästhesist und Kardiotechniker gezielt zu Notfällen mit einem Herz-Kreislauf-Stillstand gerufen werden können. So kann die Herz-Lungen-Maschine unmittelbar am Einsatzort am Patienten angeschlossen werden, womit sich eine umgehende und ausreichende Sicherstellung der Herz-Kreislauf-Funktion und der Sauerstoffversorgung des Körpers erzielen lässt.

Um den Patienten eine möglichst große Überlebens- und Genesungschance zu ermöglichen, müssen verschiedene medizinische Fachbereiche eng verzahnt zusammenarbeiten. Am UKR sind dies Intensivmediziner aus dem Bereich der Anästhesiologie, Kardiologie und Herzchirurgie sowie der Kinder- und Jugendmedizin für unsere kleinen Patienten. Unterstützt werden diese Bereiche am UKR stets von der Kardiotechnik, die einen nicht unwesentlichen Teil bei der Entwicklung und technischen Umsetzung dieser komplexen Therapieform schultert. 

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Prof. Dr. Tamam Bakchoul: VITT - Vakzin-induzierte immunthrombotische Thrombozytopenie - Impfkomplikationen

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Studien zur Thrombose nach SARS-CoV-2-Impfung

Zur Bekämpfung der Pandemie werden weltweit Impfstoffe verabreicht, die hochwirksam sind, jedoch mit minimalen unerwünschten Wirkungen einhergehen können. 

In jüngster Zeit hat der AstraZeneca-Impfstoff gegen das SARS-CoV-2-Virus die Öffentlichkeit mit Bedenken hinsichtlich der seltenen, aber schwerwiegenden Entwicklung von thrombotischen Ereignissen alarmiert. 

Dieses seltene Syndrom wird als Vakzin-induzierte immunthrombotische Thrombozytopenie bezeichnet. 

Im Rahmen mehrerer Studien hat ein Forschungsteam des Zentrums für Klinische Transfusionsmedizin am Universitätsklinikum Tübingen nun die Entstehung, Diagnose und mögliche Behandlungsmethoden der seltenen Erkrankung untersucht.

  • Die sogenannte Vakzin-induzierte immunthrombotische Thrombozytopenie (VITT) ist ein neu definiertes Syndrom, das zur Gerinnselbildung an seltenen Stellen wie den Gehirn- oder Bauchgefäßen und zu einer verminderten Blutplättchenzahl führt. 

Die rechtzeitige Diagnose der impfinduzierten Thrombose ist von entscheidender Bedeutung für den Erfolg der Behandlung. 

Einem internationalen Forschungsteam, dem auch Mediziner des Uniklinikums Tübingen angehören, ist es bereits kurz nach Bekanntwerden des Syndroms gelungen, erste Richtlinien zur Erkennung, Diagnose und Behandlung von Patientinnen und Patienten, die an dieser seltenen Impfkomplikation leiden, aufzustellen. 

  • Die Ergebnisse sind im Journal of Thrombosis and Hemostasis veröffentlicht. Eine VITT erfordert eine sofortige klinische Erkennung, gefolgt von einer bestätigenden Labordiagnostik mithilfe spezieller Tests, die nur an wenigen Zentren durchgeführt werden. 

Unter der Ärztlichen Leitung von Professor Dr. Tamam Bakchoul etablierte das Zentrum für Klinische Transfusionsmedizin (ZKT) in Tübingen diese Tests in seinem Labor und bietet sie auch anderen Krankenhäusern und medizinischen Versorgungszentren an.

Erste Erfahrungen in der Diagnose und der Behandlung von Patientinnen und Patienten, die thrombotische Ereignisse nach der SARS-CoV-2-Impfung entwickelten, zeigten, wie die Antikörper-vermittelte Aktivierung der Blutplättchen zur Entwicklung der VITT beiträgt. 

Darüber hinaus wiesen die weiteren Untersuchungen darauf hin, dass die Aktivierung der Blutplättchen durch eine Immunglobulintherapie gehemmt werden kann, was für die Behandlung von Patientinnen und Patienten mit VITT von großer Bedeutung sein kann. 

Für ihren Bericht untersuchte die Arbeitsgruppe um Dr. Karina Althaus acht Patientinnen und Patienten (5 weiblich, 3 männlich) im Alter von 24 bis 53 Jahren, die sechs bis 20 Tage nach der SARS-CoV-2-Impfung eine VITT entwickelten. Die Ergebnisse der Untersuchung sind in der renommierten Fachzeitschrift Haematologica publiziert.

In einer Folgestudie, die fünf Patientinnen und Patienten miteinschloss, untersuchte Dr. Günalp Uzun mit Forschenden der Arbeitsgruppe von Prof. Bakchoul die Wirksamkeit der Immunglobulintherapie bei Patientinnen und Patienten mit VITT. 

  • Dabei zeigte sich, dass eine Immunglobulintherapie zusammen mit einer Antikoagulation (Medikamentengabe zur Hemmung der Blutgerinnung) die Thrombozytenzahl schnell erhöhen und eine Gerinnungsaktivierung hemmen kann, ohne dabei ein zusätzliches Risiko für eine Hirnblutung zu stellen. 

Die Ergebnisse der Studie sind in der bekannten medizinischen Fachzeitschrift Blood veröffentlicht.

Um ein Fortschreiten der Erkrankung zu verhindern, kommen die Tübinger Forscherinnen und Forscher zu dem Schluss, dass der Einsatz einer Immunglobulintherapie als Behandlungsoption bei Patientinnen und Patienten mit VITT empfohlen werden kann.

Titel der Originalpublikationen
Nazy I, Sachs UJ, Arnold DM, McKenzie SE, Choi P, Althaus K, Ahlen MT, Sharma R, Grace RF, Bakchoul T. Recommendations for the clinical and laboratory diagnosis of VITT against COVID-19: Communication from the ISTH SSC Subcommittee on Platelet Immunology. J Thromb Haemost. 2021 Jun;19(6):1585-1588. https://doi.org/10.1111/jth.15341

Althaus K, Möller P, Uzun G, Singh A, Beck A, Bettag M, Bösmüller H, Guthoff M, Dorn F, Petzold GC, Henkes H, Heyne N, Jumaa H, Kreiser K, Limpach C, Luz B, Maschke M, Müller JA, Münch J, Nagel S, Pötzsch B, Müller J, Schlegel C, Viardot A, Bäzner H, Wolf M, Pelzl L, Warm V, Willinek WA, Steiner J, Schneiderhan-Marra N, Vollherbst D, Sachs UJ, Fend F, Bakchoul T. Antibody-mediated procoagulant platelets in SARS-CoV-2- vaccination associated immune thrombotic thrombocytopenia. Haematologica. 2021 May 20. https://doi.org/10.3324/haematol.2021.279000

Uzun G, Althaus K, Singh A, Möller P, Zieman U, Mengel A, Rosenberger P, Guthoff M, Petzold GP, Müller J, Büchsel M, Feil K, Henkes H, Heyne N, Maschke M, Limpach C, Nagel S, Sachs UJ, Fend F, Bakchoul T. The use of intravenous immunoglobulin in the treatment of vaccine-induced immune thrombotic thrombocytopenia. Blood. In Press
https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/34166507/
https://doi.org/10.1182/blood.2021012479

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Originalpublikation:

https://doi.org/10.1111/jth.15341

 
https://doi.org/10.3324/haematol.2021.279000

 
https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/34166507/

 
https://doi.org/10.1182/blood.2021012479


 

Frage: LGBTQI- "Social Facilitation" (soziale Aktivierung) heute Abend im EM-Fussballstadion München...? Unterschiedlichen Effekt des Publikums!

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Leistungssport: Männer und Frauen reagieren unterschiedlich auf fehlendes Publikum

Männer laufen ohne Zuschauer langsamer, 

Frauen schneller: 

Fehlendes Publikum aufgrund der Coronapandemie hat die Leistung von Sportlerinnen und Sportlern beim Biathlon-Weltcup 2020 offenbar merklich beeinflusst. 

Das haben Forschende der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU) mit Hilfe von Daten aus der Saison vor und während der Pandemie herausgefunden. 

  • Beim Schießen hingegen zeigen Frauen in Anwesenheit von Publikum bessere Leistungen, während Männer sowohl langsamer als auch ungenauer schießen als vor leeren Rängen. 

Das Ergebnis wurde in der Fachzeitschrift "Psychology of Sport and Exercise" veröffentlicht.

Wenn andere Menschen jemandem bei einer Aufgabe zuschauen, hat das Einfluss auf dessen Leistung:  

  • Allein die Anwesenheit von Publikum verbessert die Leistung bei einfachen Aufgaben, die vor allem Kondition erfordern. 

"Da ist die Studienlage bisher relativ klar, bei komplexeren koordinativen Aufgaben sind die Ergebnisse heterogener", sagt Amelie Heinrich vom Institut für Sportwissenschaft der MLU. Im Allgemeinen werde aber davon ausgegangen, dass sich hier die Leistung durch Publikum eher verschlechtert. 

Das Phänomen ist unter dem Begriff "Social Facilitation" (soziale Aktivierung) bekannt.

Heinrich, die als sportpsychologische Expertin den deutschen Nachwuchskader im Biathlon betreut, nutzte für ihre Studie die durch das Coronavirus verursachte besondere Situation im Sport. 

"Die Pandemie bietet die einmalige Möglichkeit, den Einfluss des Publikums außerhalb von experimentellen Bedingungen in der realen Welt zu untersuchen", so Heinrich. 

Sie verglich die Laufzeiten und Schießerfolge von Biathletinnen und Biathleten aus der Saison 2018/2019 mit ihren Leistungen in der Saison 2020 in den Disziplinen Sprint und Massenstart. 

 "Bei den Männern waren die Ergebnisse wie erwartet: 

Sie liefen mit Publikum schneller, beim Schießen zeigten sie aber Leistungseinbußen", sagt Heinrich. 

Während Skilanglauf vor allem Kondition erfordere, sei Schießen eine koordinative Aufgabe. 

"Bei den Frauen war es interessanterweise genau umgekehrt." 

Sie liefen in Anwesenheit von Zuschauern langsamer, schossen dafür aber durchschnittlich circa eine Sekunde schneller und zeigten zumindest im Sprint auch etwa fünf Prozent höhere Trefferleistungen. 

Aus Sicht der Forschenden sind die Ergebnisse nicht allein auf schwankende Leistungen der Athletinnen und Athleten zurückzuführen. 

Die aktuelle Studie habe mit 83 (Sprint) beziehungsweise 34 (Massenstart) Weltcup-Biathletinnen und -Biathleten eine gute Datengrundlage, zudem habe sich für beide Wettkampfdisziplinen die gleiche Tendenz gezeigt.

"Das ist unseres Wissens das erste Mal, dass eine Studie einen so unterschiedlichen Effekt des Publikums auf Männer und Frauen zeigt", so Prof. Dr. Oliver Stoll, Leiter des Arbeitsbereichs Sportpsychologie an der MLU. Bisherige Studien zu dem Thema seien größtenteils mit Männern durchgeführt worden. 

"Das Ergebnis stellt zumindest die Generalisierbarkeit der Social-Facilitation-Theorie in Frage und weist auf einen bisher unbekannten Unterschied zwischen Männern und Frauen hin", sagt Heinrich. 

Dieser müsse in weiteren Studien systematisch auch für andere Sportarten untersucht werden, die ebenfalls sowohl konditionelle als auch koordinative Elemente enthalten.

Über die Ursachen für die möglichen geschlechtsspezifischen Leistungsunterschiede in Reaktion auf Publikum können die Forschenden bisher nur spekulieren. 

"Möglich ist, dass geschlechtsspezifische Stereotype eine Rolle spielen", sagt Heinrich. 

Beispielsweise gelten Männer als konditionell stärker - ein Stereotyp, das durch die Anwesenheit von Publikum aktiviert werden könnte. 

  • Einige Studien zeigen zudem, dass Frauen sensibler auf Feedback reagieren. 

Auf jeden Fall zeigt das Ergebnis laut Heinrich einmal mehr, dass das Geschlecht als möglicher Einflussfaktor bei psychologischen Untersuchungen berücksichtigt werden sollte.


Originalpublikation:

Studie: Heinrich A. et al. Selection bias in social facilitation theory? Audience effects on elite biathletes' performance are gender-specific. Psychology of Sports and Exercise (2021). Doi: 10.1016/j.psychsport.2021.101943

https://doi.org/10.1016/j.psychsport.2021.101943

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Univ.-Prof. Dr. Carmen Morawetz: Aufbauende Botschaften und der Kraft sozialer Verbundenheit

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Freundschaftliche Nähe hat starke Wirkung auf Emotionen

Beste Freunde sind in stressigen Situationen von besonders großem Wert, auch wenn diese nicht persönlich anwesend sind. 

Das konnte Carmen Morawetz vom Institut für Psychologie der Universität Innsbruck gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen in einer bildgebenden Studie belegen. 

Die im Fachmagazin NeuroImage publizierten Ergebnisse zeigen, wie das menschliche Gehirn negative Emotionen durch soziale Unterstützung abschwächen kann.

  • Gerade in Zeiten der Pandemie, in denen soziale Isolation und Quarantäne an der Tagesordnung stehen, ist es vielen Menschen nicht möglich, ihre besten Freundinnen und Freunde persönlich zu treffen und sich über ihre Ängste, Gefühle und Sorgen des Alltags auszutauschen. 

Im Angesicht von weltweiten Lockdowns gewinnt die von Universitätsprofessorin Carmen Morawetz in Zusammenarbeit mit Kolleginnen und Kollegen der Freien Universität Berlin und der Universität Melbourne im Journal NeuroImage veröffentlichte Studie an besonderer Aktualität und kommt zu folgender Schlussfolgerung: 

Aufbauende Botschaften, die zusammen mit einem Foto eines besten Freundes oder einer besten Freundin präsentiert werden, wirken sich sehr positiv auf die Fähigkeit aus, mit negativen Gefühlen umzugehen. 

Dies steht in Zusammenhang mit einer differenzierten Aktivierung in einem Netzwerk von Hirnregionen, das für die Kontrolle von Emotionen zuständig ist. 

Mithilfe von funktioneller Magnetresonanztomographie (fMRT) konnte gezeigt werden, dass bestimmte Hirnregionen bei sozialer Unterstützung durch eine andere Person – egal ob Freund oder Fremder – mehr rekrutiert werden als bei dem Versuch, negative Gefühle alleine in den Griff zu bekommen.

Große Kraft sozialer Verbundenheit


Emotionen werden im Gehirn durch ein Zusammenspiel mehrerer interagierender Netzwerke kontrolliert und bei Bedarf abgeschwächt. Befinden wir uns in einer stressigen Situation, die uns vielleicht Angst macht, dann versuchen wir, durch verschiedene Strategien, das Gefühl der Angst abzuschwächen. Zum Beispiel, in dem wir probieren, die Situation als weniger negativ zu interpretieren, uns innerlich Mut zusprechen oder gedanklich ablenken.

 „Hierbei übernimmt der laterale präfrontale Kortex eine zentrale Rolle und unterdrückt Antworten in Regionen, die mit der Emotionsentstehung zu tun haben, wie der Amygdala, auch Mandelkern genannt. 

Diese emotionale Kontrolle kann durch soziale Unterstützung verbessert werden“, verdeutlicht Carmen Morawetz, die an der Universität Innsbruck das Affective Neuroscience Lab eingerichtet hat und dort erforscht, wie sich Emotionen in neuronalen Prozessen abbilden. „Wir wissen aus zahlreichen anderen Studien, dass Menschen Gefühle durch soziale Nähe besser bewältigen können“, ergänzt sie. Das Spannende an der aktuellen Studie war aber laut Morawetz, dass sich diese soziale Unterstützung auf das Zusammenspiel verschiedener Gehirnregionen selbst dann auswirkt, wenn diese nur „virtuell“ erfolgte, die unterstützend wirkende Person also nicht selbst im Raum anwesend war.  

Dabei wird die Hirnaktivierung durch die soziale Nähe zum Unterstützer beeinflusst.

 „Das heißt, es macht für unser Gehirn einen Unterschied, ob wir Hilfe von uns nahestehenden Menschen, wie in diesem Fall unserem/unserer besten Freund*in bekommen, oder ob es sich um eine für uns unbekannte Person handelt“, betont Carmen Morawetz.

Erkenntnisse in Pandemie besonders bedeutend

„Auch wenn die Daten zur Studie vor Corona entstanden sind, sind die Erkenntnisse jetzt umso bedeutsamer“, meint die Wissenschaftlerin. Gerade junge Leute kommunizieren – noch mehr in Zeiten von Social Distancing – schriftlich, tauschen sich über Messenger-Apps über Gefühle aus und suchen so auch Hilfe. Nicht ganz unähnlich sind die Bedingungen, die Carmen Morawetz für ihren Versuch geschaffen hat: Während des fMRT Experiments wurde den Probandinnen und Probanden negative Bilder präsentiert und sie wurden angewiesen, ihre dadurch entstandenen Gefühle abzuschwächen. Dies geschah unter drei Bedingungen: Die Versuchteilnehmerinnen und -teilnehmer sollten versuchen, ihre negativen Emotionen (1) alleine ohne Hilfe abzuschwächen, (2) mit Hilfe ihres besten/er Freundes/in oder (3) mit Hilfe einer fremden Person. Die soziale Unterstützung erfolgte durch einen aufbauenden Satz zusammen mit einem Foto des besten Freundes oder eines Fremden. In der Kontrollbedingung sollten die Probanden ihren Gefühlen freien Lauf lassen. Aufwändig waren aber nicht nur die bildgende Versuche, sondern auch die Vorbereitungen, in denen die tatsächliche soziale Nähe der Probanden und ihrer Freunde ermittelt wurde. „Auch wenn unsere Stichprobe mit 37 Teilnehmern vergleichsweise klein erscheint, sind unsere Ergebnisse auf die Allgemeinheit übertragbar, weil wir sehr harte statistische Kriterien und Analysen einsetzen“, so die Wissenschaftlerin.

Amygdala unterscheidet


Neben der Kraft sozialer Verbundenheit, die in der Studie gezeigt werden konnte, gibt es ein weiteres spannendes Detail. 

Von den ganzen aktivierten Hirnregionen, die an der Abschwächung der Emotionen beteiligt sind, differenziert einzig die Amygdala zwischen Freunden und Fremden. 

„Obwohl wir das gesamte neuronale Netzwerk der Emotionsregulation untersucht haben, zeigte nur die Amygdala unterschiedliche Aktivierung für Fremde im Vergleich zu Freunden. 

Sie ist bei der Hilfe durch Unbekannte stärker aktiviert“, erklärt Morawetz.


Insgesamt zeigen die Ergebnisse, dass soziale Nähe einen wichtigen Faktor für die effektive Integration von sozialer Unterstützung in herausfordernden Situationen darstellt und eine positive Wirkung auf unsere Fähigkeit, Emotionen zu kontrollieren, hat. 

„In diesem Sinne, unterstützen die Ergebnisse der Studie das alte Lied: ‚Ein Freund, ein guter Freund, ist das Beste, was es gibt auf der Welt!‘“, so die Wissenschaftlerin abschließend.

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Univ.-Prof. Dr. Carmen Morawetz
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Dr. Christian Flatz
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Originalpublikation:

Originalpublikation: Carmen Morawetz, Stella Berboth, Stefan Bode: With a little help from my friends: the effect of social proximity on emotion regulation-related brain activity. In: NeuroImage, 30. Januar 2021 DOI: https://doi.org/10.1016/j.neuroimage.2021.117817


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Prof. Dr. Philipp Rauschnabel: Das Corna-Paradox Weihnachten 2020

 Medizin am  Abend Berlin - MaAB-Fazit: Studie: Weihnachten wird anders aber schön

Wie weihnachtet Deutschland in Coronazeiten? 

Die repräsentative Weihnachtsstudie der Universität der Bundeswehr München beleuchtet jährlich, wie sich die Bürgerinnen und Bürger auf die Feiertage vorbereiten. 

Neben Wünschen und Geschenken unter-suchten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler auch explizit den Einfluss der Coronakrise.

Mit erstaunlichen Ergebnissen: 

Weihnachten 2020 wird zwar zweifelsfrei „anders“, aber Deutschland zeigt sich optimistisch und geht davon aus, dass es trotzdem schön wird! 

Obwohl die meisten Deutschen die aktuellen Coronabeschränkungen befürworten, gehen viele Menschen schon jetzt davon aus, sich gegebenenfalls nicht daran halten zu wollen. 

Medizin am Abend Berlin ZusatzFachLink: Studie  

Am meisten vermissen die Deutschen Weihnachtsmärkte (72%), gefolgt von Restaurantbesuchen (54%), Wiedersehen mit Freunden (35%), Familienfeste (29%), Weihnachtsfeiern (29%), Urlaub (20%) und Gottesdienste (20%). 

Jungen Menschen fehlen soziale Aktivitäten stärker – gut einem Viertel von ihnen (26 %) fehlen zusätzlich Partys an Feiertagen.

Trotzdem sieht die jüngere Generation Weihnachten positiver als die Ältere: 51% von ihnen stimmen der Aussage zu, dass Weihnachten zwar anders, aber trotzdem schön, wird. Bei den über 55-jährigen sind es nur 39%. Weniger als ein Viertel (22%) aller Befragten sehen neue Kommunikations-mittel als Möglichkeit, mit den Menschen zu feiern, mit denen man ansonsten Weihnachten verbracht hätte. Die Hälfte der unter 26jährigen und 45% der Personen ab 55 Jahren hoffen übrigens, dass wir an Weihnachten nicht alle hinter dem Smartphone verbringen werden.

Die Pandemie hat auch ihre guten Seiten an Weihnachten
28% der befragten Personen geben an, dass die Pandemie eine gute Ausrede für unliebsame Verpflichtungen sei. Ein Viertel gibt an, weniger Geld für Unnötiges auszugeben. 45% haben weniger „Vorweihnachtsstress“. 27 % glauben, dass es dieses Jahr weniger Streit an Weihnacht gibt.

Trotzdem sind 44% der Meinung, dass dieses Jahr weniger (versus 12% mehr) Weihnachtsstimmung aufkommt als die letzten Jahre.  

Dementsprechend erwarten 38 % der Befragten auch weniger vom diesjährigen Weihnachtsfest. 

Niedrige Erwartungen, die Notwendigkeit für kreative Alternativen gepaart mit dem Optimismus vieler Menschen sind ideale Grundlage für ein schönes Weihnachtsfest“, so Prof. Philipp Rauschnabel, von der Professur für digitales Marketing und Medieninnovation. „Wenn wir Menschen zu ihren schönsten Erinnerungen an Weihnachten befragen, dann nennen sie uns meist sehr persönliche und emotionale Dinge. Zu den weniger schönen Dingen gehören Stress, Streit und überzogene Erwartungen. Kaum einer erinnert sich daran, wie toll der aufwändige Braten im Vorjahr geschmeckt hat, sondern vielmehr an Streits, die durch die Hektik entstanden sind.“

Das Corona-Paradox

  • Besorgniserregend sind allerdings die Werte in Bezug auf Corona bedingte Verbote. 
  • Mehr als drei Viertel der Befragten (78%) befürworten die Regelungen zur Eindämmung der Pandemie, gleichzeitig gaben jedoch 42 % der Befragten an, sich gegebenenfalls darüber hinwegzusetzen. 
  • Die Schnittmenge beträgt rund 25%, die trotz Befürwortung der Verbote schon jetzt über die Missachtung nachdenken.

Die Bereitschaft, sich an Weihnachten über die Regeln hinwegzusetzen, ist besonders dann hoch, wenn Menschen diese für übertrieben hielten oder sich „sicher“ sind, dass nichts passieren kann. 

Diese Werte deuten aus Sicht von Prof. Rauschnabel auf eine noch viel höhere Gefahr hin. 

Zum einen neigen Menschen dazu, ihre Bewertung der Situation zu überschätzen. 

„Überdurchschnittlich viele Menschen glauben fälschlicherweise, dass Sie eine Situation wie diese im Gegensatz zu anderen Menschen überdurchschnittlich gut einschätzen können – weshalb sie Verbote für andere Menschen gutheißen, sich selbst aber darüber hinwegsetzen“. 

Zum anderen ist es sehr wahrscheinlich, dass mehr Menschen die Regeln missachten, wenn sie bemerken, dass andere Menschen das auch machen.

Fünf Tipps für ein erfolgreiches Weihnachten 2020

• Wer jetzt noch nicht in Weihnachtsstimmung ist, sollte schleunigst etwas daran ändern. Unser Tipp: Etwas Deko und Nostalgie! Weihnachts-LP und alte Geschichten erzählen statt Spotify und Netflix.
• Kaufen Sie den Weihnachtsbaum dieses Jahr etwas früher – die meisten Menschen planen, ihn am 20.12. zu kaufen. Ein paar Tage früher haben Sie noch mehr Auswahl und Sie kommen so vielleicht sogar noch schneller in Weihnachtsstimmung!
• Orientieren Sie sich an dem, was in Erinnerung bleibt! Überlegen Sie sich, an welche Details der letzten Weihnachten Sie sich erinnern können. War es das aufwändige Essen, Weihnachtskarten, teure Geschenke oder die penibel geputzte Wohnung? Oder waren es Spiele, Geschichten und gemeinsame Aktionen? Fokussieren Sie sich auf die Dinge, die in Erinnerung bleiben. Sie werden sehen: Weihnachten 2020 wird gar nicht so schwierig.
Halten Sie sich an die Coronaregeln und erzählen Sie es anderen Menschen. Verbreiten Sie den Optimismus, dass Weihnachten auch ohne viel Besuch schön sein wird. Sie haben einen stärkeren Einfluss auf Ihre Freunde und Bekannte, als Politiker oder Medien.
Versuchen Sie nicht, ein typisches Weihnachten zu imitieren – das wird nicht klappen. Reduzieren Sie Videokonferenzen auf ein Minimum. Wie wär’s mit einem Spieleabend? Oder gemeinsam in alten Fotoalben stöbern? Statt aufwändigem Braten einfach ein Würstchen grillen und statt einer riesen Familienfeier im kleinen Kreise eine Nachtwanderung mit Fackeln machen, sofern möglich?

Die Weihnachtsstudie der Universität der Bundeswehr untersucht seit 2018 wie deutsche Bürgerinnen und Bürger Weihnachten feiern. Anfang Dezember wurden 1.137 Personen mittels Onlinefragebogen durch ein professionelles Marktforschungsunternehmen befragt. Die Erhebung wurde repräsentativ nach Alter, Geschlecht und Region quotiert.

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Prof. Philipp Rauschnabel
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Universität der Bundeswehr München
Michael Brauns
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Tel.: 089/6004-2004
Fax: 089/6004-2009

Verfasser der Studie:
Prof. Dr. Philipp A. Rauschnabel
Professur für Digitales Marketing und Medieninnovation
Fakultät für Betriebswirtschaft
Universität der Bundeswehr München
E-Mail: philipp.rauschnabel@unibw.de
Tel.: 089 6004 3374


Prof. Dr. Kerstin Schlögl-Flierl: TRIAGE Grundsatz ‚Ultra posse nemo tenetur‘ und ‚impossibilium nulla est obligigatio‘

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Triage und COVID-19: Handeln bei dilemmatischer Entscheidung

Triagieren, also bei knappen Ressourcen entscheiden, wer im Fall vieler Hilfsbedürftiger zuerst versorgt wird, muss medizinisches Personal normalerweise in Katastrophenfällen oder Kriegen. 

Die Corona-Pandemie hat die Triage-Frage erneut aufgeworfen. 

An der Universität Augsburg haben Juristen und eine Moraltheologin Stellungnahmen vorgelegt wie eine solche Dilemmasituation in der aktuellen Pandemie behandelt werden kann. 

Im Gegensatz zum Deutschen Ethikrat fordern beide Disziplinen vom Gesetzgeber eine Regelung der Triage-Entscheidung.

Nach mehreren Monaten der Pandemie sind die Infektionszahlen auf einem neuen Höhepunkt. 

Die sogenannte zweite Welle ist da und könnte wie die erste die Frage aufwerfen, ob es genügend Beatmungsgeräte, Intensivbetten, Pflegepersonal, Medikamente oder andere Rettungs- bzw. Hilfsmittel gibt. 

  • Nach welchen Kriterien medizinisches Personal in Knappheitssituationen entscheidet wie Hilfsmittel auf Patienten und Patientinnen verteilt werden, ist auch eine ethische wie eine juristische Frage. 

An der Universität Augsburg haben Rechtwissenschaftler und eine Moraltheologin Einschätzungen vorgelegt, die das Dilemma um die sogenannte Triage beleuchten und den Gesetzgeber in die Pflicht nehmen.

Kerstin Schlögl-Flierl, Professorin für Moraltheologie, und der Professor für Öffentliches Recht, Medizinrecht und Rechtsphilosophie Josef Franz Lindner widmen sich der ethischen und rechtlichen Dimension des Themas im zweiten Essay des Zentrums für Interdisziplinäre Gesundheitsforschung, ZIG. Der Aufsatz „Rechtmäßiges Handeln in der dilemmatischen Triage-Entscheidungssituation“ des Augsburger Professors für Straf- und Medizinrecht Michael Kubiciel erschien in der Zeitschrift für Medizinstrafrecht.

Erfolgsaussicht und Bedürftigkeit


„In der Moraltheologie wie im Recht gilt der Grundsatz ‚Ultra posse nemo tenetur‘: 

Man kann in manchen Situationen nicht mehr als das Menschenmögliche leisten“, erklärt Schlögl-Flierl. Dieses Menschenmögliche indes kann die Entscheider in dilemmatische, ja traumatisierende Situationen führen, sollte eine Triage nötig werden, denn grundsätzlich hat jeder Patient, jede Patientin das Recht auf Gleichbehandlung. „Jede Entscheidung über die Verteilung der Ressourcen – ebenso wie eine Nicht-Entscheidung – führt unweigerlich zum Verlust von Menschenleben“, sagt Kubiciel. Eine Triage verletzt vor allem den medizinethischen Standard der Gerechtigkeit. „Sie kann nur Ultima Ratio sein“, so die Moraltheologin Schlögl-Flierl.

Wie aber sollen Ärzte und Ärztinnen entscheiden im Triage-Fall, an welchen Kriterien sich orientieren? 

Alter, Herkunft, Systemrelevanz, gesellschaftlicher Status oder Behinderung sind als Kriterien unethisch. 

Im Triagefall wird darum neben der individuellen Erfolgsaussicht der Patientinnen und Patienten ihre medizinische Bedürftigkeit wichtig. „Es braucht aus ethischer Sicht eine auf den Patienten abgestellte Entscheidung in Kombination von Bedürftigkeit und Prognose“, schreiben Schlögl-Flierl und Lindner.
Scores, die medizinischem Personal helfen, mit diesen beiden Kriterien die Patienten und Patientinnen zu triagieren, haben die medizinischen Fachgesellschaften vorgelegt. Deren klinisch-ethische Empfehlungen bzw. ihre Entscheidungskriterien und Abläufe schätzen Juristen, auch Michael Kubiciel und seine Co-Autoren, grundsätzlich valide ein. Rechtssicherheit jedoch geben sie nicht.

Gesetzlich nicht geregelt

Eine konkrete Handlungsanleitung für medizinisches Personal wie knappe Rettungsmittel zu verteilen wären, fehlt jedoch in der deutschen Gesetzgebung. 

Weder das Infektionsschutz- noch das Katastrophenrecht halten entsprechende Regelungen bereit. 

Ärzte und Ärztinnen müssen diese Entscheidung mit Fachkollegen, ihren Krankenhäusern und ihrem Gewissen treffen. „Damit“, so Rechtswissenschaftler Kubiciel „tragen Ärztinnen und Ärzte die volle moralische Verantwortung und zudem erhebliche Rechtsrisiken.“

  • Interessanterweise existiert für Spenderorgane eine ähnliche Ausgangslage: mangelnde Ressourcen bei vielen Bedürftigen. 
  • Hier gibt es mit dem Transplantationsgesetz jedoch eine gesetzliche Regelung. 
  • Für Rettungsmittel gelten die allgemeinen straf- und medizinrechtlichen Regelungen.


Nach dem Strafrecht wäre ein Unterlassen ärztlicher Hilfe grundsätzlich strafbar. 

„Der allgemeine Grundsatz ‚impossibilium nulla est obligigatio‘ – keine Pflicht bei tatsächlicher Unmöglichkeit – gilt auch im Medizin- und Strafrecht. 

  • Kann ein beatmunsbedürftiger Patient mangels eines Beatmungsplatzes und mangels tatsächlicher Verlegungsoptionen nicht behandelt werden, entfällt die Strafbarkeit nach §§ 212 und 13 des Strafgesetzbuches“, erklärt Medizinrechtler Lindner.


Rechtssicherheit nötig

Schon im Frühsommer hatte sich der Deutsche Ethikrat mit einer Ad-hoc-Stellungnahme zum Thema Triage geäußert. Das Gremium riet dem Gesetzgeber von einer gesetzlichen Regelung ab und verwies die Ärzte auf ihre Gewissensentscheidung. Schlögl-Flierl und Lindner schreiben: „Der deutliche Rekurs des Ethikrates auf das Gewissen muss aus moralischer Sicht hinterfragt werden. Das Gewissen nimmt hier schon fast eine Platzhalterfunktion für die fehlende Entscheidung (oder auch Entscheidungskraft bzw. -willen) des Gesetzgebers ein.“

Normative Handlungsorientierung und Rechtssicherheit seien das Mindeste, was Mediziner in dieser Situation verlangen können, erklärt Michael Kubiciel. 

„Ihnen die ‚Primärverantwortung‘ für die Auflösung von Konfliktlagen zuzuschreiben und sie auf eine individuelle ‚Gewissensentscheidung‘ zu verweisen, hieße, sie in dieser moralischen Grenzsituation allein zu lassen und sie zudem mit erheblichen rechtlichen Risiken zu belasten.“

  • Wichtig ist Jurist Kubiciel noch dieser Aspekt: 
  • „Werden Patienten trotz einer bestehenden medizinischen Indikation von vornherein nicht intensivmedizinisch behandelt, weil andere Patienten mit einer gleichen oder besseren klinischen Erfolgsaussicht versorgt werden, handeln Ärzte und Ärztinnen rechtmäßig. 
  • Sie handeln nicht lediglich entschuldigt.“


Ethisches und rechtliches Postulat, schreiben Schlögl-Flierl und Lindner, sei es jedoch vor allem, dafür zu sorgen, dass eine Triage-Situation gar nicht erst eintrete.

Das Zentrum für Interdisziplinäre Gesundheitsforschung

… wurde 2014 als zentrale Einrichtung an der Universität Augsburg gegründet. Derzeit vereint das ZIG rund 65 Forscherinnen und Forscher aus allen acht Fakultäten der Universität Augsburg, sieben Einrichtungen der Universität sowie assoziierte Mitglieder aus der Region Augsburg. Gemeinsam mit Kooperationspartnern außerhalb der Universität arbeiten die Forscherinnen und Forscher an zentralen Fragen zu Gesundheit und Krankheit, zur Medizin und zum Gesundheitssystem. Unterstützt und begleitet wird der Auf- und Ausbau des Forschungszentrums durch einen hochkarätig besetzten Beirat aus Politik und Gesellschaft.

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Prof. Dr. Kerstin Schlögl-Flierl
Lehrstuhlinhaberin Moraltheologie
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Prof. Dr. Josef Franz Lindner
Lehrstuhl für Öffentl. Recht, Medizinrecht und Rechtsphilosophie
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Originalpublikation:

https://www.medstra-online.de/ausgaben/die-aktuelle-ausgabe-3-2020

 

Prof. Dr. Anette Kersting: Trauerbewältigung - Das Abschiednehmen - Trauerrituale

Medizin am Abend Berlin -MaAB-Fazit:  Erschwerte Trauerbewältigung in Corona-Zeiten - 

Tipps zum Abschiednehmen in der Pandemie anlässlich des Totensonntags

Der November gilt als Trauermonat. 

Anlässlich des Totensonntags am 22. November gibt Prof. Dr. Anette Kersting, Professorin für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie an der Medizinischen Fakultät der Universität Leipzig, Tipps zum Umgang mit den Themen Trauer und Abschiednehmen in Zeiten der Corona-Pandemie. 

 Prof. Dr. Anette Kersting

 Prof. Dr. Anette Kersting Foto: Privat

Welche Tipps zur Trauerbewältigung haben Sie, wenn jemand in dieser Zeit einen geliebten Menschen verliert?

Das Abschiednehmen und die Bewältigung eines Verlusts sind in Corona-Zeiten erschwert. 

Oft ist eine Begleitung am Sterbebett nicht möglich, viele Sterbende sind allein.  

Auch das Pflegepersonal kann diese Aufgabe nicht übernehmen und die Familie ersetzen

In dieser Situation haben Angehörige nachvollziehbar oft das Gefühl, einen Menschen, den sie lieben, allein gelassen zu haben. 

  • Dies ist neben der Trauer ein sehr schmerzliches Gefühl. 

Hinzu kommt, dass sich die Angehörigen selbst nicht verabschieden konnten. 

Auch wenn sie körperliche Nähe und Berührungen nicht ersetzen, können Videoanrufe oder Telefonate hilfreich sein. 

Wir wissen, dass nach dem Tod eines geliebten Menschen Trauerrituale und vor allem die Unterstützung durch Familie, Freunde und Bekannte wichtig sind, um mit dem Verlust zurechtzukommen. Auch hier sind wir durch die Maßnahmen der Corona-Pandemie eingeschränkt. Die Anzahl von Gästen auf Beerdigungen und Trauerfeiern kann begrenzt sein. Es ist wichtig, genau zu überlegen, wen man einlädt und wer für die eigene Situation die größte Unterstützung bedeutet. Manchen Menschen hilft es, im Internet ein Trauerportal zu nutzen und eine digitale Gedenkseite für den Verstorbenen einzurichten. 

  • Um die schwierige Abschiedssituation zu bewältigen, schreiben manche Menschen ihrem Verstorbenen einen Brief, um ihm all das, was sie ihm nicht mehr persönlich mitteilen konnten, imaginativ zuzusenden.


Die gesetzlichen Vorgaben in der Corona-Pandemie erschweren das Abschiednehmen. Welche Folgen kann das für Betroffene haben?

Wir wissen, dass soziale Isolation, durch den Teillockdown aus nachvollziehbaren Gründen verordnet, aber auch wirtschaftliche Sorgen, unter denen coronabedingt viele Menschen leiden, Risikofaktoren für eine angemessene Bewältigung eines Verlustes darstellen können. Wenn Angehörige befürchten, sie selbst hätten den Verstorbenen mit dem Virus infiziert, können Schuldgefühle den Trauerprozess erschweren. 

Corona kann auch mit einer Stigmatisierung einhergehen: 

Wie konnte das passieren? Warum hast du nicht aufgepasst? Wenn es Menschen nicht gelingt, den Verlust eines nahen Angehörigen angemessen zu bewältigen, kann eine psychische Erkrankung, die anhaltende Trauerstörung, die Folge sein. 

Diese Personen bleiben in der Verarbeitung der Trauer stecken und finden nicht in ihren Alltag zurück. 

Wenn diese Situation eintritt, ist es sinnvoll, psychotherapeutische Unterstützung zu suchen. Studien, ob coronabedingte Tode zu einem Anstieg anhaltender Trauerstörungen führen, haben wir noch nicht. Es ist aber zu vermuten, dass die aktuellen Bedingungen den Trauerprozess beziehungsweise die Möglichkeiten, den Verlust zu bewältigen, erschweren.

Vielerorts werden inzwischen Beisetzungen per Livestream angeboten.Ist das ein Konzept, das unabhängig von der Corona-Pandemie, für die Verarbeitung von Trauer zukunftsfähig ist?

Wenn Freunde und Verwandte bei einer Trauerfeier nicht dabei sein können, ist es grundsätzlich sehr hilfreich, digitale Möglichkeiten wie ein Video oder eine Livestream-Übertragung aufzunehmen beziehungsweise anzubieten. Die Corona-Pandemie bringt uns dazu, Strategien zu entwickeln, um mit der Situation besser umzugehen. Beisetzungen per Livestream könnten durchaus zukunftsfähig sein. Ich glaube jedoch, dass sie die vorhandenen Möglichkeiten erweitern und nicht ersetzen werden.

Hinweis:
An der Klinik und Poliklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie des Universitätsklinikums Leipzig unter Leitung von Prof. Dr. Anette Kersting können Menschen mit anhaltender Trauer professionelle Unterstützung erhalten. 

Für das Forschungsprojekt „PROGRID“, das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) aktuell um zweieinhalb Jahre und mit einer Fördersumme von einer Millionen Euro verlängert wurde, werden noch Teilnehmer gesucht.

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Prof. Dr. Anette Kersting
Klinik und Poliklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie
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E-Mail: anette.kersting@medizin.uni-leipzig.de

Susann Huster Universität Leipzig

Goethestraße 6
04109 Leipzig
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Weitere Informationen für international Medizin am Abend Berlin Beteiligte

http://www.ku.de/trauertherapie

 

Mund-Nasen-Bedeckungen und Raumluftreinier mit Filter der Klasse H14

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Analyse: Raumluftreiniger reduzieren Infektionsgefahr

Die weltweite Entwicklung der SARS-CoV-2 Infektion verdeutlicht, dass die Pandemie erst am Anfang steht und nicht aufzuhalten ist. 

  • Selbst wenn ein wirksamer und gut verträglicher Impfstoff zur Verfügung stünde, wäre eine umfangreiche Impfung der Weltbevölkerung zur Bekämpfung der Virusausbreitung nicht realisierbar. 

Es ist daher notwendig, technische Lösungen zur Eindämmung der Pandemie zu etablieren. 

Deshalb haben nun Wissenschaftler der Universität der Bundeswehr München Raumluftfilter näher untersucht. 
 
Mund-Nasen-Bedeckungen sind inzwischen allgemein anerkannte technische Hilfsmittel, um die direkte Infektionsgefahr beim Sprechen, Singen, Husten und Niesen zu verringern. 

  • Die indirekte Infektion über infektiöse Aerosole, die sich mit der Zeit im Raum anreichern, lässt sich mit Mund-Nasen-Bedeckungen aber nicht verhindern. 

Dafür sind festsitzende partikelfiltrierende Atemschutzmasken erforderlich wie in einer anderen Studie von Prof. Christian J. Kähler, Thomas Fuchs und Dr. Rainer Hain vom Institut für Strömungsmechanik und Aerodynamik gezeigt wurde.

  • Alternativ besteht die Möglichkeit, die Aerosolkonzentration im Raum durch Filterung abzuscheiden oder über die Fensterlüftung abzuführen. 
  • Raumlufttechnische Anlagen, die Aerosol mit einem Durchmesser kleiner 1 μm zuverlässig abscheiden, sind selten. 

Das freie Lüften mittels Fenster ist oft nicht effizient und spätestens im Winter nicht mehr möglich ohne Energie zu verschwenden und die Gesundheit sowie das Wohlbefinden der Menschen zu gefährden. 

Die Frage ist daher, ob mobile Raumluftreiniger grundsätzlich geeignet sind, einen sinnvollen Beitrag zur Reduzierung der Infektionsgefahr zu leisten.

Um die Frage zu beantworten, wurde von Prof. Kähler und seinen Mitarbeitern ein TROTEC TAC V+ Raumluftreiniger mit einem Volumenstrom von bis zu 1500 m3/h systematisch mit Lasermesstechnik analysiert. Der Raumluftreiniger verfügt über eine Filterkombination, die gewährleistet, dass selbst Aerosol mit einem Durchmesser von 0,1 bis 0,3 μm zu 99,995% aus der Raumluft abgeschieden wird. Die Ergebnisse zeigen, dass die Aerosolkonzentration in einem Raum mit einer Größe von 80 m2 in sechs Minuten halbiert wird. Im Dauerbetrieb ist die gemessene Verweilzeit des ausgeatmeten Aerosols im Raum sehr kurz, so dass eine Anreicherung der Raumluft mit infektiösen Aerosolen nicht möglich ist. Selbst in einen 22 m langen Flur mit über 40 m2 konnte bei maximalem Volumenstrom eine Halbierung der Aerosolkonzentration innerhalb von rund fünf Minuten realisiert werden.

  • Bei großen Räumen, Räumen mit vielen Objekten oder sehr ungünstigen Geometrien sollten ggf. mehrere Raumluftreiniger eingesetzt werden, um alle Bereiche des Raumes zügig zu filtern und die Virenlast überall gering zu halten, damit keine indirekte Infektionsgefahr besteht.

Deutliche Reduzierung der Virenlast

Um eine möglichst effektive Filterung der Raumluft zu ermöglichen, sollte der Raumluftreiniger möglichst an der längsten Raumseite in der Mitte positioniert sein. Ferner sollte der Deckenbereich in Richtung der Ausströmungen möglichst nicht von Objekten unterbrochen werden, da sonst die Ausbreitung der gefilterten Luft gestört wird und sich ungünstige Wirbelströmungen im Raum etablieren können. Bei ungünstigen Betriebsbedingungen kann der Volumenstrom erhöht werden, um eine angemessene Filterleistung zu gewährleisten.

Ein wesentlicher Vorteil der Raumluftreiniger besteht darin, dass sie dauerhaft für eine geringe Virenlast sorgen, ohne sich um das Öffnen von Fenstern kümmern zu müssen und ohne, dass sie das Wohlbefinden im Raum beeinträchtigen.

Ferner sorgen sie im Gegensatz zur freien Lüftung mit Fenstern auch dafür, dass eine wirkliche Reduzierung der Virenlast erfolgt, was durch geöffnete Fenster oft nicht gewährleistet werden kann.

  • Sie bieten auch gegenüber fest in Gebäuden integrierten raumlufttechnischen Anlagen, die ohne oder mit einem geringen Frischluftanteil betrieben werden, den Vorteil, dass die Viren wirklich abgeschieden werden und nicht über Lüftungsschächte im Gebäude verteilt werden. 
  • Damit der analysierte Raumluftreiniger zu keiner „Virenschleuder“ wird, kann er so eingestellt werden, dass der H14 Filter täglich für ca. 30 Minuten auf etwa 100°C aufgeheizt wird, um die Viren im Filter zu zerstören und der Entstehung von Biofilmen, Bakterien und Pilzen ohne gesundheitsschädliche chemische Zusatzstoffe oder UV-C Strahlung entgegenzuwirken.

Raumluftreiniger sind Lösung etwa für Schulen und Büros

Als Ergebnis der wissenschaftlichen Untersuchungen steht fest, dass Raumluftreiniger mit großem Volumenstrom und hochwertigen Filtern der Klasse H14 eine sehr sinnvolle technische Lösung sind, um in Schulen, Büros, Geschäften, Wartezimmern, Gemeinde- und Vereinshäusern, Aufenthalts- und Essensräumen etc. die indirekte Infektionsgefahr durch Aerosole stark zu verringern. 

Sie können aber auch in Gebäuden mit raumlufttechnischen Anlagen unterstützend eingesetzt werden, in denen Menschen zusammenstehen (Wartebereich) und gemeinsam arbeiten oder in denen aufgrund der Arbeitslast viel Aerosol ausgestoßen wird, etwa Fitnessstudios.

Mund-Nasen-Schutz ist dennoch notwendig
Raumluftreiniger sind somit geeignete Werkzeuge, um dem indirekten Infektionsrisiko durch eine Kontamination im Raum zu begegnen, aber es ist zu beachten, dass sie das direkte Infektionsrisiko, das durch direktes Anhusten oder beim langen Unterhalten über kurze Distanz erfolgen kann, nicht verringern können. Es ist daher auch mit Raumluftfiltern wichtig, auf ausreichend große Abstände zu anderen Personen zu achten und Mund-Nasen-Bedeckungen oder partikelfiltrierende Atemschutzmasken zu tragen, damit neben der indirekten Infektion durch angereicherte Aerosole im Raum auch eine direkte Infektion über kurze Distanzen durch Anhusten oder längere Gespräche sicher vermieden werden kann.


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Wer hat ein Frettchen als Haustier....?

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Neues Coronavirus SARS-CoV-2: Flughunde und Frettchen sind empfänglich, Schweine und Hühner nicht

Das neue Coronavirus SARS-CoV-2 stammt ursprünglich vermutlich aus Fledermäusen und führte zu einer Pandemie. 

Ob es auch andere Tierarten infizieren kann, wird weltweit von verschiedenen Forschungsinstituten untersucht. 

Das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) begann vor wenigen Wochen mit Infektionsstudien in Schweinen, Hühnern, Flughunden und Frettchen. 

Erste Ergebnisse zeigen, dass Flughunde und Frettchen empfänglich für eine SARS-CoV-2 Infektion sind, Schweine und Hühner hingegen nicht. 

Insbesondere die Empfänglichkeit von Frettchen ist ein wichtiger Befund, da sie als Modelltiere für die Infektion des Menschen zur Erprobung von Impfstoffen oder Medikamenten eingesetzt werden könnten. 
 
In den Infektionsstudien wurde den Tieren SARS-CoV-2 in die Nase verabreicht, um den natürlichen Infektionsweg beim Menschen über den Nasen-Rachenraum nachzuahmen.

Nilflughunde, die zu den Fledertieren gehören, wurden getestet, um Kenntnisse über die vermutete Reservoirfunktion von Fledermäusen zu erlangen. Diese Tiere konnten zwar infiziert werden, zeigten aber keine Krankheitssymptome und steckten Artgenossen nicht effizient an.

Frettchen sind bei anderen Atemwegs-Infektionen, insbesondere durch Grippeviren, ein gutes Modell für den Menschen.

  • Da SARS-CoV-2 sich vor allem im Atmungstrakt vermehrt, könnten Frettchen sich als Modell auch für diese Infektion eignen. 

Nach solch einem Tiermodell, das die Infektion des Menschen widerspiegelt, wird derzeit weltweit dringend gesucht.

Die Versuche des FLI zeigen, dass sich Frettchen effizient mit SARS-CoV-2 infizieren lassen, das Virus gut vermehren und es auf Artgenossen übertragen.

Die Tiere vermehrten das Virus hauptsächlich in den oberen Bereichen des Atmungstraktes, zeigten dabei aber keine Krankheitssymptome. 

Damit steht ein Infektionsmodell zur Verfügung, das bei der Erprobung von Impfstoffen und Medikamenten gegen SARS-CoV-2 helfen könnte.

Nutztiere sind besonders in Kontakt mit dem Menschen.

Daher wurden Schweine und Hühner auf Empfänglichkeit für SARS-CoV-2 getestet.

Es wurde untersucht, ob die Tiere infiziert werden, den Erreger vermehren und Krankheitssymptome zeigen.

Weiterhin wurde getestet, ob sie den Erreger wieder ausscheiden und damit eine potenzielle Gefahr für den Menschen darstellen könnten.

Unter den Versuchsbedingungen zeigten sich weder Schweine noch Hühner als empfänglich für eine Infektion mit SARS-CoV-2. 

Nach jetzigem Kenntnisstand sind sie also von dem Virus nicht betroffen und stellen demnach kein potentielles Risiko für den Menschen dar.

Die komplette Auswertung aller Versuchsreihen wird noch einige Zeit in Anspruch nehmen, mit den Endergebnissen ist Anfang Mai zu rechnen.

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Dipl.-Biologin Elke Reinking Friedrich-Loeffler-Institut,
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Dipl.-Biologin Elke Reinking

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