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Dr. Alexandra Dopfer-Jablonka: TOP-Einladung zur Studie: Atemprobleme und Luftnot, chronische Müdigkeit, Konzentrationsschwäche und Geruchsverlust (Long-COVID)

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: MHH sucht Teilnehmende für Long-COVID-Studie

Projekt ErgoLoCo erprobt Online-Live-Ergotherapie bei langfristigen Beschwerden nach Corona-Infektion 

Jacqueline Niewolik (links) und Marie Mikuteit vom ErgoLoCo-Team Jacqueline Niewolik (links) und Marie Mikuteit vom ErgoLoCo-Team Copyright: Karin Kaiser / MHH 

Viele Menschen, die eine Corona-Infektion überwunden haben, leiden auch nach Monaten noch unter gesundheitlichen Beeinträchtigungen. 

  • Dazu zählen beispielsweise Atemprobleme und Luftnot, chronische Müdigkeit, Konzentrationsschwäche und Geruchsverlust. 

Fachleute sprechen dabei von Long-COVID. 

Das Phänomen wirft für Medizinerinnen und Mediziner viele Fragen auf – dazu gehört auch die nach speziellen Therapien. Hier setzt die Pilotstudie ErgoLoCo der Klinik für Rheumatologie und Immunologie der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) an. Das Team um Privatdozentin Dr. Alexandra Dopfer-Jablonka möchte herausfinden, ob und wie Ergotherapie den Patientinnen und Patienten mit Long-COVID helfen kann. 

Für die Studie, die in den kommenden Wochen starten soll, werden noch Teilnehmende gesucht.

  • „Unser Ziel ist es, eine ergotherapeutische Behandlung für Long-COVID-Betroffene zu entwickeln, die schon länger als drei Monate unter andauernden schwerwiegenden Beeinträchtigungen leiden“, erklärt Marie Mikuteit, Ärztin im ErgoLoCo-Team. 

Für die Studie werden die Probandinnen und Probanden in zwei Gruppen unterteilt. 

Die eine Gruppe erhält ergotherapeutische Interventionsvideos zum Anschauen. 

Die andere Gruppe nimmt an einer Online-Live-Ergotherapie unter persönlicher Anleitung einer Ergotherapeutin teil. 

Nach sechs bis acht Wochen werden die Ergebnisse verglichen und die Wirkung der Ergotherapie erhoben. 

Dabei wollen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler nicht nur herausfinden, ob Ergotherapie grundsätzlich geeignet ist, den Betroffenen zu helfen. 

Sie wollen beispielsweise auch ermitteln, ob die Live-Ergotherapie bessere Effekte erzielt als die Videos.

Das Projekt zielt darauf ab, möglichst schnell Hilfe für die Betroffenen bieten zu können. 

„Im Falle eines positiven Ergebnisses können wir die Übungen, die zur Genesung beitragen, sofort in die Versorgung der Patientinnen und Patienten mit Long-COVID übertragen“, erläutert Jacqueline Niewolik, ebenfalls Ärztin im ErgoLoCo-Team. Gedacht ist an die Bereitstellung der Übungen auf einer Internet-Plattform.

Kooperationspartnerinnen der Pilotstudie sind die Universitätsmedizin Göttingen und die Ostfalia Hochschule für Angewandte Wissenschaften Braunschweig. Die Studie wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert und baut auf die große Studie DEFEAT Corona, die ebenfalls an der MHH läuft, auf.

Kontaktmöglichkeit für Interessierte: Personen, die von Long-COVID betroffen sind und sich an der Pilotstudie ErgoLoCo beteiligen wollen, können sich über den Fragebogen des Projekts DEFEAT Corona auch für ErgoLoCo bewerben. 

Weitere Informationen finden Interessierte unter http://www.defeat-corona.de

Bei Fragen können sie sich per Mail an info@defeat-corona.de wenden.


Weitere Informationen erhalten Sie bei Privatdozentin Dr. Alexandra Dopfer-Jablonka, jablonka.alexandra@mh-hannover.de, Telefon (0511) 532-3014. 

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Prof. Dr. med. Christiane Waller: TOP - Einladung für tagesklinische Plätze speziell für Post-COVID Patienten

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Klinikum Nürnberg bringt neues tagesklinisches Angebot für Post-COVID-Patienten auf den Weg

Müdigkeit, Kurzatmigkeit, eingeschränkte Leistungsfähigkeit – noch Monate nach einer Erkrankung mit COVID-19 leiden manche Betroffene an den Folgen. 

Das Klinikum Nürnberg hat sich schon früh um das Thema Post-COVID gekümmert und für betroffene Mitarbeitende sowie Patienten eine ambulante Post-COVID-Sprechstunde eingerichtet. 

Nun geht heute zum 10. Januar eine weitere Säule an den Start: 

An der Klinik für Psychosomatik und Psychotherapie sowie an der Klinik für Innere Medizin, Schwerpunkt Geriatrie, wurden tagesklinische Plätze speziell für Post-COVID-Patienten ein-gerichtet. 

Während der Therapie sollen sie dort sowohl die körperlichen als auch die seelischen Symptome der Infektion ausheilen. 

Prof. Dr. med. Christiane Waller, Ärztliche Leiterin der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie am Klinikum Nürnberg Prof. Dr. med. Christiane Waller, Ärztliche Leiterin der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie am Klinikum Nürnberg Rudi Ott Klinikum Nürnberg 

Die Post-COVID-Erkrankung ist eine anhaltende Komplikation nach einer CO-VID-19-Infektion. 

  • Erschöpfung und verminderte Leistungsfähigkeit führen bei den Betroffenen zu eingeschränkter Lebensqualität und verhindern die Teilhabe am Alltags- und Arbeitsleben. 

„Die Betroffenen finden nicht mehr in den Tagesrhythmus, fühlen sich erschöpft und müde, der Körper läuft unter Dauerstress“, schildert Prof. Dr. med. Christiane Waller, Chefärztin der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie am Klinikum Nürnberg.

Vermehrte Anfragen und Fälle

Weil sich die Anfragen und Fälle in ihrer Ambulanz zuletzt häuften, hat Waller gemeinsam mit Prof. Dr. med. Markus Gosch, Chef der Klinik für Innere Medizin 2, Schwerpunkt Geriatrie, und Prof. Dr. med. Jochen Ficker, Chef der Klinik für Innere Medizin 3, Schwerpunkt Pneumologie, das neue tagesklinische Angebot am Klinikum Nürnberg auf den Weg gebracht:  

  • Patientinnen und Patienten mit Post-COVID Symptomen werden dort während der drei- bis vierwöchigen Verweildauer von Fachleuten interdisziplinär und multimodal begutachtet und therapiert.


„Zunächst schließen wir aus, dass andere körperliche Ursachen wie beispielsweise eine schwere Erkrankung, die sich im Körper unbemerkt entwickelt, Ursache der Beschwerden sind “, sagt Prof. Dr. med. Markus Gosch, „wir arbeiten dafür eng mit den Fachkliniken hier im Haus wie etwa der Klinik für Pneumologie zusammen.“

Stressreduktion und körperliche Aktivierung

So übernimmt zum Beispiel die Abteilung für Physikalische Therapie der Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie einen der Schwerpunkte der Behandlung: mit speziellen physiotherapeutischen, ergotherapeutischen und logopädischen Programmen werden die körperlichen Fähigkeiten wiederhergestellt und damit die Patienten*innen aus ihrem Tief geholt.

Im Zentrum der Behandlung: Stressreduktion und körperliche Aktivierung. 

„Für die Betroffenen waren die vergangenen Monate ja eine Dauerausnahmesituation“, sagt Prof. Dr. med. Christiane Waller, „Stressreduzierende Maßnahmen in Kombination mit Kraft-, Ausdauer- und Gedächtnistraining fördern die Ausheilung der Symptome. Wir haben Verfahren etabliert, mit denen der Stresslevel über die Bestimmung von oxidativem Stress im Blut überprüft werden kann.“

Dafür arbeitet die Klinik von Prof. Dr. med. Christiane Waller mit der sogenannten psychoneuroimmunologischen Diagnostik. „Wir untersuchen unter anderem das Blut der Betroffenen und können sehen, ob die Zellen noch unter Stressbelastung stehen“, erklärt Prof. Waller. „Wenn die Werte für den Sauerstoffstress während des Aufenthalts besser werden, sehen wir, dass die Therapie anschlägt“. Mit angeleiteten Kraft- und Ausdauertrainings werden die Patientinnen und Patienten parallel auch körperlich wieder fitter gemacht. „Ziel des Aufenthalts in der Tagesklinik ist es, Post-COVID auszuheilen“, betont Prof. Dr. med. Christiane Waller.

Multiprofessionelles und interdisziplinäres Therapiekonzept


Bei den älteren und oft schon mehrfach vorerkrankten Patientinnen und Patienten, die mit Post-COVID in die Tagesklinik zu Prof. Dr. med. Markus Gosch kommen, geht es vor allem darum, sie nach der Erkrankung wieder zu mobilisieren. „Sie sollen so weit wie möglich wieder an ihr Leben vor der COVID-Erkrankung anknüpfen können“, sagt Prof. Dr. med. Markus Gosch, „beispielsweise wieder selbst Einkaufen gehen“. Ziel sei, die Selbstständigkeit und die Lebensqualität der Betroffenen wieder zu verbessern. „Auch wenn die Erkrankung vielleicht nicht schwerwiegend verlaufen ist, so sind viele doch sehr belastet und dauerhaft erschöpft.“

Die Geriatrischen Tageskliniken am Klinikum Nürnberg bieten diesen Patienten ein multiprofessionelles und interdisziplinäres Therapiekonzept, das auch auf die seelischen und sozialen Bedürfnisse der Patienten eingeht. Das sei besonders wichtig, weil es unter den erkrankten Senioren besonders viele Patientinnen und Patienten gäbe, die die Corona-Pandemie in vielerlei Hinsicht sehr hart getroffen habe, sagt Prof. Dr. med. Markus Gosch. „Sie haben Angehörige, Freunde, Nachbarn verloren und müssen oft mit Einsamkeit zurechtkommen. Kommen dann noch dauerhaft Post-COVID-Symptome hinzu, ist das sehr belastend und verkürzt die Lebenserwartung“, so Gosch. „Wir möchten ihnen helfen“.

  • Der Weg zum neuen tagesklinischen Angebot für Post-COVID-Patienten am Klinikum Nürnberg führt über den Hausarzt und eine Überweisung. 


Kontakt: Psychosomatik-Post-Covid@klinikum-nuernberg.de 

Prof. Dr. med. Markus Gosch, Ärztlicher Leiter der Klinik für Innere Medizin 2, Schwerpunkt Geriatrie

 Prof. Dr. med. Markus Gosch, Ärztlicher Leiter der Klinik für Innere Medizin 2, Schwerpunkt Geriatrie Jasmin Szabo Klinikum Nürnberg

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PD Dr. Tobias Wengenmayer: CAVE- ECMO-Therapie - extrakorporalen Membranoxygenenierung - Herz-Lungenmaschine

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Gute Prognose nach erfolgreicher ECMO-Therapie

Freiburger Forscher*innen zeigen in einer Langzeitstudie: Patient*innen, die eine Herz-Lungenmaschine benötigten und genesen sind, weisen häufig eine gute Lebensqualität auf

Welche langfristigen Folgen haben intensivmedizinische Eingriffe für die Lebensqualität der Patient*innen? 

Das haben Ärzt*innen des Universitätsklinikums Freiburg bei Patient*innen untersucht, die aufgrund schwersten Lungenversagens zeitweise eine sogenannte ECMO-Therapie erhalten haben. 

  • Bei der extrakorporalen Membranoxygenierung wird das Blut außerhalb des Körpers mit Sauerstoff angereichert und wieder zurück in den Körper gepumpt. 
  • Damit kann die Lungenfunktion für eine gewisse Zeit ersetzt werden. 

Langfristig wiesen viele der 53 Befragten eine gute, mit der Allgemeinbevölkerung zum Teil vergleichbare Lebensqualität auf. 

Medizin am Abend Berlin - MaAB-ZusatzLink 

  • Rund 60 Prozent der Betroffenen konnten wieder ihre alte Arbeit aufnehmen, weitere 20 Prozent eine alternative Tätigkeit. 

Die Studie erschien am 29. November 2021 im Fachmagazin Critical Care.

„Eine ECMO-Therapie ist bei schwerstem Lungenversagen unsere letzte Hoffnung und gleichzeitig ein großer Eingriff. 

Die Ergebnisse unserer Langzeitstudie sind besser als wir befürchtet hatten. 

Viele der genesenen Patient*innen finden wieder gut zurück in ihr altes Leben“, sagt PD Dr. Tobias Wengenmayer, Oberarzt an der Klinik für Innere Medizin III des Universitätsklinikums Freiburg. 

In ihre Studie werteten die Forscher*innen die Situation aller 289 Patient*innen auf, die im Zeitraum zwischen 2010 und 2019 auf der Medizinischen Intensivstation der Klinik für Innere Medizin III des Universitätsklinikums Freiburg eine ECMO-Therapie erhalten haben. 129 Patient*innen konnten das Krankenhaus genesen verlassen. An der Befragung nach durchschnittlich vier Jahren nahmen 53 Personen teil.

Wichtige Perspektive für Angehörige

„Zu wissen, dass die Patient*innen langfristig ihre ursprüngliche Lebensqualität wiedererlangen können, ist für die Therapieentscheidungen der Intensivmediziner*innen und -pflegenden sowie insbesondere für die Angehörigen von großer Bedeutung“, sagt Prof. Dr. Dr. h.c. Christoph Bode, Ärztlicher Direktor der Klinik für Innere Medizin III des Universitätsklinikums Freiburg.

Auch in der Intensivtherapie von COVID-19-Patient*innen werden regelmäßig ECMO-Therapien angewandt. 

Der Studienzeitraum endete vor Beginn der Corona-Pandemie. 

„Es ist anzunehmen, dass sich die Ergebnisse auf die ECMO-Therapie von COVID-19-Patient*innen zumindest teilweise übertragen lassen. 

Das müssen jetzt weitere Untersuchungen bestätigen“, so Wengenmayer.

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PD Dr. Tobias Wengenmayer
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Universitätsklinikum Freiburg
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Breisacher Straße 153
79110 Freiburg
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Benjamin Schoch-Waschow
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Originalpublikation:

Original-Titel der Studie: Long-term survival and health-related quality of life in patients with severe acute respiratory distress syndrome and veno-venous extracorporeal membrane oxygenation support.

DOI: 10.1186/s13054-021-03821-0


Weitere Informationen für international Medizin am Abend Berlin Beteiligte

https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/34844654/ Link zur Studie


Zusammenhang zwischen Schlafverhalten und Darmflora und Hirnaktivität

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Schlafmuster von Babys hängt mit Darmbakterien zusammen

Eine vom Schweizerischen Nationalfonds unterstützte Studie zeigt, dass bereits bei Säuglingen ein Zusammenhang zwischen Schlafverhalten und Darmflora besteht.

  • Die Bakterien im Darm von Säuglingen haben eine Verbindung mit dem Schlaf. 

Bereits ab dem Alter von drei Monaten ist dies zu beobachten, wie die beiden Schlafforscherinnen Salome Kurth von der Universität Freiburg und Sarah Schoch von der Universität Zürich erstmals gezeigt haben. So schlafen zum Beispiel Kleinkinder mit weniger vielfältigen Darmbakterien tagsüber mehr, und auch die Schlafmuster in der Nacht korrelieren mit den vorhandenen Bakterienarten. 

 "Bisher war dies erst bei Erwachsenen bekannt", erklärt Schoch. 

Die Ergebnisse dieser vom Schweizerischen Nationalfonds (SNF) unterstützten Studie wurden in der Fachzeitschrift Progress in Neurobiology (*) publiziert.

  • Die Forscherinnen konnten auch zeigen, dass sich Schlaf, Darmbakterien und Hirnaktivität im ersten Lebensjahr dynamisch parallel entwickeln. 

Mit anderen Worten: 

  • Kleinkinder mit unterschiedlichem Darmbakterienprofil haben auch unterschiedliche Hirnaktivitäten, wenn sie schlafen. 
  • Am ausgeprägtesten ist dieser Zusammenhang im Alter von drei Monaten, was auf eine sensible Phase hinweist.


Beobachtung der Säuglinge in ihrem natürlichen Umfeld

Die Ergebnisse stammen aus einer grossen Langzeitstudie, die in der Schweiz mit einer Kohorte von 162 Säuglingen durchgeführt wurde. 

"An dieser Feldstudie waren viele Leute beteiligt, zum Beispiel bei Familienbesuchen, weil wir den Schlaf der Kleinkinder in ihrer üblichen Umgebung – zu Hause, im Kinderwagen, im Auto – und über einen längeren Zeitraum beobachten wollten. Dieser mobile Ansatz war ein Vorteil, denn viele Schlafstudien beschränken sich jeweils auf eine Nacht im Schlaflabor", erklärt Salome Kurth.

Die Säuglinge wurden zu drei Zeitpunkten in ihrem Zuhause beobachtet: im Alter von 3, 6 und 12 Monaten. Dabei wurde zur Überwachung des Schlafs jeweils zehn Tage lang ein Bewegungssensor an ihrem Knöchel angebracht. Gleichzeitig notierten die Eltern in einem Tagebuch, wann die Kinder zu Bett gingen, schliefen, nachts erwachten, was sie assen und wann sie weinten. Ausserdem nahmen die Eltern Stuhlproben, mit denen die Forscherinnen die Darmflora auf drei Kriterien genetisch analysieren konnten: Vielfalt, Reife (das Mikrobiom verändert sich im Lebensverlauf und insbesondere in der Kindheit) und Enterotyp (vereinfachtes Profil der Darmflora). Die Eltern gaben zudem in einem Fragebogen an, wie sich das Kind in fünf Bereichen entwickelte: Kommunikation, Grobmotorik, Feinmotorik, Problemlösung und soziale Beziehungen.

Ausserdem besuchte das Team rund 30 Kinder im Alter von sechs Monaten für die Aufzeichnung ihres Schlafs mit einem Elektroenzephalogramm während der ersten Nachtstunden.

Ansatzpunkte für Therapien

"Diese Ergebnisse sind sehr interessant, weil sie zeigen, dass Schlaf und Darmflora mit der Verhaltensentwicklung von Babys zusammenhängen. 

  • Da es möglich ist, Schlafprobleme mit Coachings für Eltern und die Darmbakterien durch Ernährungsumstellungen zu beeinflussen, können wir möglicherweise künftig auf diesem Weg bei Entwicklungsproblemen etwas bewirken", schliesst Kurth. 

Es ist jedoch noch zu früh für eine Verallgemeinerung der Ergebnisse. 

Ob sich diese wirksam umsetzen lassen, muss noch in klinischen Studien überprüft werden.

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Auf dem Weg zur Professur

Dieses Projekt wurde durch das SNF-Instrument Eccellenza unterstützt. Die SNSF Eccellenza Professorial Fellowships richten sich an junge Forschende mit Assistenzprofessur oder gleichwertiger Funktion, die eine permanente Professur anstreben. Mit der Leitung eines grosszügig ausgestatteten Forschungsprojekts mit eigenem Team an einer Hochschule in der Schweiz kommen sie diesem Ziel näher.

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Salome Kurth
Universität Freiburg
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Martina Stofer
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E-Mail-Adresse: martina.stofer@snf.ch
Originalpublikation:

(*) S. Schoch, J.L. Castro-Mejia, L. Krych, B. Leng, W. Kot, M. Kohler, R. Huber, G. Rogler, L. Biedermann, J.C. Walser, D. Nielsen, S.Kurth: From Alpha Diversity to Zzz: Interactions among sleep, the brain, and gutmicrobiota in the first year of life. Progress in Neurobiology (2021).
https://doi.org/10.1016/j.pneurobio.2021.102208


Prof. Dr. med. Martin Heni: Die Insulin-Empfindlichkeit im Gehirn wiederherzustellen...

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Diabetes-Medikament aus der Gruppe der SGLT2-Hemmer normalisiert Insulinwirkung im Gehirn

Übergewicht, eine ungünstige Verteilung von Fett im Körper und Typ-2-Diabetes sind häufig mit einer verminderten Wirkung des Hormons Insulin in vielen Organen einschließlich des Gehirns verbunden. 

Bislang gibt es noch keine Therapie, um die Insulin-Empfindlichkeit im Gehirn wiederherzustellen,  das eine Schlüsselrolle in der Stoffwechselkontrolle ausübt. 

Forschende des DZD, des Universitätsklinikums Tübingen und des Instituts für Diabetesforschung und metabolische Erkrankungen bei Helmholtz Munich konnten jetzt erstmals zeigen, dass mit dem SGLT2-Hemmer Empagliflozin die Insulin-Resistenz des Gehirns behandelt werden kann – mit positiven Effekten auf den Stoffwechsel des gesamten Körpers. 

Das Diabetes-Medikament Empagliflozin normalisiert die Insulinwirkung im Gehirn, verbessert die Nüchternglukose-Werte, senkt den Fettgehalt der Leber und reduziert den Körperfettgehalt. Das Diabetes-Medikament Empagliflozin normalisiert die Insulinwirkung im Gehirn, verbessert die Nüchternglukose-Werte, senkt den Fettgehalt der Leber und reduziert den Körperfettgehalt. DZD

  • Das Gehirn hat einen entscheidenden Einfluss auf unser Essverhalten und damit auch auf das Körpergewicht sowie den Stoffwechsel. 
  • Reagiert das Gehirn empfindlich auf Insulin, isst man weniger, speichert Fett weniger stark am Bauch und die Insulin-Empfindlichkeit des ganzen Körpers verbessert sich. 

Bei Menschen mit Übergewicht bzw. Typ-2-Diabetes wirkt das Hormon im Gehirn jedoch nicht mehr. 

  • Diese Insulin-Resistenz führt zu einem gestörten Stoffwechsel. 
  • Bislang lässt sich Insulin-Resistenz im Gehirn nicht mit Medikamenten behandeln. 

Die Forschenden untersuchten, ob ein Diabetes-Medikament der Gruppe der SGLT2-Hemmer auch die Insulin-Resistenz im Gehirn aufheben kann. 

SGLT2-Hemmer senken den erhöhten Blutzucker bei Diabetes durch vermehrte Ausscheidung von Zucker mit dem Urin und haben einen günstigen Einfluss auf das Herz, den Kreislauf und die Nieren. 

Bei Studienteilnehmenden mit einer Vorstufe des Diabetes (Prädiabetes) wurde hierzu die Wirkung des SGLT2-Hemmers Empagliflozin auf die Insulin-Empfindlichkeit des Gehirns untersucht.

In einer prospektiven, randomisierten, verblindeten Studie erhielten 40 Menschen mit Prädiabetes (Alter: 60 ± 9 Jahre; BMI: 31,5 ± 3,8 kg/m²) acht Wochen das Medikament Empagliflozin oder ein Placebo. Mit einer funktionellen Magnetresonanztomographie (MRT) überprüften die Forschenden die Insulin-Empfindlichkeit des Gehirns vor und nach der Behandlung. Dazu bekamen die Untersuchten über ein Nasenspray Insulin. Wird das Hormon über die Nase aufgenommen, gelangt es direkt ins Gehirn. Außerdem wurde mit einer Ganzkörper-Kernspintomographie (MRT) die Fettverteilung bestimmt.

SGLT2-Hemmer erhöht die Insulin-Empfindlichkeit des Gehirns

„Während die Placebo-Gabe keinen Einfluss auf die Insulinwirkungen im Gehirn hatte, verbesserte die Empagliflozin-Behandlung die Wirkung des Hormons auf die Gehirnaktivität signifikant“, fasst die Erstautorin PD Dr. Stephanie Kullmann die Ergebnisse der Studie zusammen. 

  • Durch die Gabe von Empagliflozin verbesserte sich auch der Nüchternglukose-Wert und der Fettgehalt der Leber nahm ab. 
  • Obwohl der SGLT2-Hemmer das Gewicht nicht senkte, reduzierte sich der Körperfettgehalt.


Erster pharmakologische Ansatz zur Umkehr der Insulin-Resistenz im Gehirn

„Unsere Untersuchungen bestätigen die Insulin-Resistenz im Gehirn bei Menschen mit Prädiabetes“, sagt Letztautor Prof. Martin Heni vom Universitätsklinikum Tübingen. 

„Die Behandlung mit Empagliflozin konnte die Insulin-Empfindlichkeit wiederherstellen. 

Diese Ergebnisse positionieren SGLT2-Hemmer als ersten möglichen pharmakologischen Ansatz zur Behandlung einer Insulin-Resistenz im Gehirn. 

Die erhöhte Insulin-Sensitivität trägt auch zu einem verbesserten Stoffwechsel des Körpers bei.“

Im nächsten Schritt wollen die Forschenden untersuchen, ob die verbesserte Insulinwirkung im Gehirn auch an den günstigen Effekten von SGLT2-Inhibitoren an Herz und Niere beteiligt ist.

SGLT2-Hemmer

SGLT2-Inhibitoren (SGLT = Sodium [Natrium]-Glucose-Transporter) sind Arzneistoffe aus der Gruppe der Antidiabetika. 

  • Sie senken den Blutzucker, indem sie das SGLT2-Transportprotein in den Nieren blockieren. 
  • Dadurch kann die Glukose nicht zurück in die Gefäße befördert werden und wird mit dem Urin ausgeschieden.
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Prof. Dr. med. Martin Heni
Institut für Diabetes und Metabolismus Forschung bei Helmholtz Munich an der Universitätsklinik Tübingen
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Birgit Niesing Deutsches Zentrum für Diabetesforschung

Ingolstädter Landstraße 1
85764 Neuherberg
Deutschland
Bayern

E-Mail-Adresse: contact@dzd-ev.de

Dr. Astrid Glaser
Telefon: 089-3187-1619
Fax: 089-3187-191619
E-Mail-Adresse: glaser@dzd-ev.de

Birgit Niesing
Telefon: 089 31873971
E-Mail-Adresse: niesing@dzd-ev.de
Originalpublikation:

Kullmann, St. et al.: Empagliflozin Improves Insulin Sensitivity of the Hypothalamus in Humans With Prediabetes: A Randomized, Double-Blind, Placebo-Controlled, Phase 2 Trial. Diabetes Care 2021, DOI: https://doi.org/10.2337/dc21-1136



Prof. Dr. Michael Rapp: Delir Helfer

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Gutes Erwachen – Potsdamer Forschende belegen Erfolg von Delirprävention nach Operationen

Chirurgische Eingriffe sind nicht nur körperlich anstrengend, sie haben häufig auch schwerwiegende Nebenwirkungen. 

Gerade ältere Menschen erleben nach Operationen Verwirrtheitszustände, sogenannte Delirien, bei denen Bewusstsein und Aufmerksamkeit stark eingeschränkt sind und nicht selten Folgeschäden drohen. 

Ein Forschungskonsortium, an dem Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universität Potsdam um den Sozial- und Präventivmediziner Prof. Dr. Michael Rapp beteiligt sind, konnte zeigen, dass sich das Delirrisiko mithilfe einer Präventionsintervention deutlich reduzieren lässt.

Die Ergebnisse der Studie sind nun im JAMA Surgery, dem weltweit wichtigsten Fachjournal für Chirurgie, erschienen. 

  • Das im Rahmen der Studie entwickelte Interventionsprogramm wird bereits in einigen Kliniken eingesetzt.
  • Gerade unter älteren Menschen erlebt rund jeder Fünfte sogenannte Delirzustände nach chirurgischen Eingriffen. 

Deren Folgen sind oft langwierig, mitunter sogar dramatisch: 

  • Während manche länger im Krankenhaus bleiben müssen, um sich zu erholen, bauen andere kognitiv langfristig ab und auch die Mortalität steigt infolge von Delirien. 

In der groß angelegten PAWEL-Studie haben Forschende von mehreren Universitätskliniken sowie der Universität Potsdam gemeinsam mit weiteren Kliniken die Delirhäufigkeit und das Auftreten kognitive Probleme nach chirurgischen Eingriffen untersucht – und anschließend versucht, durch eine gezielte multiprofessionelle Prävention die Delirhäufigkeit zu senken. 

Rund 1470 Patientinnen und Patienten in fünf Krankenhäusern wurden dafür vor und nach Operationen befragt und mit einem eigens entwickelten Präventionsprogramm begleitet. 

Mit Erfolg. 

„Die PAWEL-Studie konnte zeigten, dass unsere strukturierte, nicht-pharamakologische Intervention eine sichere und effektive Präventionsmaßnahme ist, um das Auftreten von postoperativen Delirien bei Älteren zu reduzieren“, sagt Prof. Michael Rapp.

Für die neue Intervention mit dem Titel „AKTIVER: Alltags- und Kognitionstraining & Interdisziplinarität verbessert das Ergebnis und mindert das Risiko“ wurden alle an der Patientenbehandlung beteiligten Berufsgruppen geschult. 

Zudem wurden psychogeriatrische Fachkräfte eingesetzt, welche die Interventionen anleiteten und überwachten. 

Auch die Krankenhausumgebung wurde den besonderen Bedürfnissen der Patientinnen und Patienten angepasst, z.B. in Form von Uhren, Boxen mit Seh- und Hörhilfen oder Sturzprophylaxe. 

Zusätzlich unterstützten Delir-Helfer mit begleiteten Mahlzeiten, Orientierungstraining und gezielter Aktivierung.

  • Die Studie, deren Ergebnisse im JAMA Surgery veröffentlicht wurden, zeigt, dass sich mithilfe der Intervention das Delirrisiko deutlich mindern lässt. 

Ausnahme sind Patientinnen und Patienten, die sich einem herzchirurgischen Eingriff unterziehen mussten. 

  • Auch die Anzahl an Tagen mit Delir konnte durch die Intervention signifikant gesenkt werden. 

„Das wir die Wirksamkeit der Intervention nachweisen konnten, ist ein großer Erfolg“, sagt Rapp. 

Schon jetzt werde das AKTIVER-Programm in einigen Fachkliniken in Deutschland angewendet, z.B. in Bielefeld und in Stuttgart. 

„Wünschenswert wäre es, die Durchführbarkeit und Wirksamkeit der Intervention nun auch in kleineren, nicht-akademischen Krankenhäusern etwa in ländlichen Regionen zu erforschen.“

Zur Veröffentlichung: doi:10.1001/jamasurg.2021.6370

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Prof. Dr. Michael Rapp, Sozial- und Präventivmedizin
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Matthias Zimmermann

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Originalpublikation:

doi:10.1001/jamasurg.2021.6370