Qualitätszirkel Nieren- und Dialysen

Kardiologie Potsdam

Cardiovascular Prevention Center @Charité

Herzinsuffizienz

Universitätzmedizin Rostock

Universitätsmedizin Greiswald

Alexianer St. Josephs Potsdam

Dialyse-Pflege-Standard

salt

PICS Ambulanz

Dr.Vetter

Woran erkranken wir in Deutschland?

BG Klinken - Post-COVID-Programm

Herz Check

EMA

Dr. Heart

Herzhose

Lauflabor

IKDT

Online Strafanzeigen

medpoint - Fortbildungskalendar

Was hab ich?

Healthtalk

BKV Info

BKG

KHS BB

KHS BB
.

Kardiologie

Urologie Berlin

bbgk

VEmaH

ProBeweis

jkb

zurück ins leben

CRO

Gewebenetzwerk

Anamnese- und Untersuchungsbogen

Diagnostische Pfade

CIRS Bayern

Gender Medizin

idw

CAVE: Neurotransmitter Serontonin: Suizidgedanken - Selbsttötung

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Fettsäuremangel an Serotoninrezeptoren kann Depressionen auslösen

MHH-Forscher: 

Palmitat offenbar für Regulation von Serotoninrezeptoren im Gehirn wichtig / Veröffentlichung im Journal Nature Communications 

Dr. Nataliya Gorinski und Professor Dr. Evgeni Ponimaskin.
Dr. Nataliya Gorinski und Professor Dr. Evgeni Ponimaskin.
Quelle „MHH / Karin Kaiser".

Fettsäuremangel an Serotoninrezeptoren kann Depressionen auslösen
 
Depression ist eine häufig unterschätzte, schwere seelische Erkrankung. 

Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind weltweit etwa 350 Millionen Menschen betroffen.  

In Deutschland leiden etwa 5,4 Millionen Menschen unter depressiven Störungen, fühlen sich niedergeschlagen, erschöpft und antriebslos.

  • Viele Untersuchungen deuten darauf hin, dass bei Depressionen typische Veränderungen im Gehirn vorliegen. 
  • Dabei scheinen bestimmte Botenstoffe, so genannte Neurotransmitter wie etwa Serotonin, aus dem Gleichgewicht geraten zu sein. 

Die genauen molekularen Abläufe im Gehirn Betroffener sind bislang jedoch nur unzureichend erforscht.

Ein Team um Professor Dr. Evgeni Ponimaskin vom Institut für Neurophysiologie der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) hat jetzt gezeigt, dass die Fettsäure Palmitat offenbar eine entscheidende Rolle spielt.

„Fehlt die Fettsäure, funktioniert ein wichtiger Serotoninrezeptor nicht mehr richtig“, sagt Professor Ponimaskin.

Die MHH-Forscherinnen und -Forscher haben nicht nur das zuständige Enzym gefunden, das Palmitat auf den Serotonin-Rezeptor überträgt. Sie konnten auch die Steuerungsmechanismen identifizieren, die für eine genaue Diagnose und Therapie entscheidend sein könnten. Die Forschungsergebnisse der internationalen Studie sind jetzt in der Fachzeitschrift „Nature Communications“ erschienen. Erstautorin ist Dr. Nataliya Gorinski, wissenschaftliche Mitarbeiterin im Team.

„Bisher ist die Behandlung von Depressionen leider sehr unspezifisch“, sagt Professor Ponimaskin.

Medikamente, die den Serotoninspiegel erhöhen, zeigen bei etwa 40 Prozent der Patientinnen und Patienten gar keine Wirkung und haben oft schwere Nebenwirkungen.

Mitunter verstärken sie das Krankheitsbild sogar.

Und das ist gefährlich, denn ein sehr häufiges Symptom bei Depression sind Suizidgedanken. 

  • „In Deutschland sterben jährlich etwa 10.000 Menschen durch Selbsttötung, wobei die Zahl der Suizidversuche schätzungsweise 15- bis 20-mal höher ist“, sagt Professor Ponimaskin.

Um den fatalen Folgen depressiver Störungen auf die Spur zu kommen, haben die Neurophysiologen die Rolle des Palmitats und der dazugehörigen Steuermechanismen nicht nur in Zellkulturen sowie im Gehirn von Mäusen und Ratten untersucht. Dank einer Kooperation mit einer Psychiatrischen Klinik in den USA konnten sie auch Gehirnproben von Suizidopfern analysieren, die unter Depressionen litten.

„In unserer Studie haben wir gezeigt, dass die natürlich vorkommende Modifikation des Serotoninrezeptors 5-HT1ARs mit der Fettsäure Palmitat für die physiologischen Rezeptorfunktionen unbedingt notwendig ist“, erklärt der Neurophysiologe.

Wenn diese Modifikation fehlt, kann der Rezeptor nicht mehr aktiviert werden.

Auch das zuständige Enzym, welches Palmitat auf den Rezeptor überträgt, haben die MHH-Forscher identifiziert.

In zwei verschiedenen Nagetiermodellen konnten sie eine verringerte Expression dieses Enzyms sowie eine stark abgeschwächte Modifikation des 5-HT1AR mit dem Palmitat nachweisen.

Wird das Enzym etwa im Vorderhirn von Mäusen selektiv ausgeschaltet, entwickeln die Tiere spontan ein sehr starkes depressionsähnliches Verhalten.

Auf der Suche nach Mechanismen, die die genetische Umsetzung des Palmitat-übertragenen Enzyms steuern, hat das Forscherteam in Kooperation mit Professor Dr. Dr. Thomas Thum, Leiter des MHH-Instituts Institut für Molekulare und Translationale Therapiestrategien, einige regulatorische Moleküle – sogenannte MicroRNAs – identifiziert.

Diese waren im Gehirn von suizidalen Opfern deutlich häufiger zu finden als bei Gesunden, während gleichzeitig die Expression des Palmitat-übertragenden Enzyms sowie der Grad der Modifikation des 5-HT1ARs mit dem Palmitat verringert waren.

„Als nächstes hoffen wir einen passenden Biomarker zu finden, um suizidales Verhalten früh identifizieren zu können“, sagt Professor Ponimaskin.

In Zusammenarbeit mit Professor Dr. Kai Kahl, Geschäftsführender Oberarzt an der MHH-Klinik für Psychiatrie, Sozialpsychiatrie und Psychotherapie, soll ein Bluttest entwickelt werden, der suizidale Neigungen bei depressiven Patienten frühzeitig zu erkennen hilft.

Langfristig wollen Professor Ponimaskin und sein Team außerdem eine MicroRNA-basierte Therapie entwickeln, mit deren Hilfe Depressionen künftig spezifisch und erfolgreich behandelt werden können.

Medizin am Abend Berlin DirektKontakt
www.medizin-am-abend.blogspot.com













Über Google: Medizin am Abend Berlin 
idw - Informationsdienst Wissenschaft e. V.

Professor Dr. Evgeni Ponimaskin
ponimaskin.evgeni@mh-hannover.de
Telefon (0511) 532-4858

Stefan Zorn Medizinische Hochschule Hannover
Carl-Neuberg-Straße 1
30625 Hannover
Postfach Hannover
30623 Hannover
Deutschland
Niedersachsen


Stefan Zorn
Telefon: 0511 / 532-6773
Fax: 0511 / 532-3852
E-Mail-Adresse: zorn.stefan@mh-hannover.de

Originalpublikation:
Die Originalpublikation finden Sie unter https://www.nature.com/articles/s41467-019-11876-5 .

Hirnanhangdrüse (Hypophyse) - Hypohysenadenome - Mangel an Hormonen

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit:  Erkrankungen der Hirnanhangdrüse – Entzündung oder hormonproduzierender Tumor?

Die Hirnanhangdrüse (Hypophyse) steuert viele hormonelle Funktionen im Körper. 

  • Erkrankt sie, etwa aufgrund von Tumoren oder Entzündungen, so kommt es zu einer Raumforderung, die durch lokale Kompression Symptome wie Kopfschmerzen und Sehstörungen hervorrufen kann. 

Häufigere Folge der Erkrankung sind jedoch hormonelle Veränderungen. 

Wie wichtig eine Differentialdiagnose zwischen Tumor und Entzündungsreaktion ist, die beide ähnliche Symptome auslösen, erklären Experten auf der Konferenz der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) am 12. September 2019 in Berlin anlässlich der 4. Deutschen Hormonwoche. 
 
Tumoren der Hirnanhangdrüse mit aggressivem Wachstumsverhalten oder Entzündungen der Hirnanhangsdrüse sind sehr selten.

Deshalb müssen sich behandelnde Ärzte bei Diagnose und Therapie aufgrund der eingeschränkten Studienlage auch auf Erkenntnisse aus Fallsammlungen stützen. Patienten profitieren zudem, wenn sich Behandelnde seltener Erkrankungen untereinander zum fachlichen Austausch vernetzen.

Die Hirnanhangdrüse hat die Größe einer Kirsche und liegt auf Nasenhöhe mitten im Kopf in einer knöchernen Aushöhlung an der Schädelbasis. Sie besteht aus zwei Lappen, die sich von ihrer Funktion her unterscheiden.  

  • Der Hypophysenvorderlappen ist kein Teil des Gehirns, sondern eine typische Hormondrüse, die über die Freisetzung von Hormonen die Funktionen von Wachstum, Keimdrüsen, Schilddrüse, Nebennieren und Brustdrüse steuert. 
  • Der Hypophysenhinterlappen besteht aus Nervenzellfortsätzen, in denen Hormone beispielsweise zur Regulation des Wasserhaushaltes gespeichert werden. 
„Verschiedene Erkrankungen können die Hormonbildung in der Hirnanhangdrüse stören, sodass diese zu viele Hormone und/oder zu wenige Hormone produziert“, sagt Privatdozent Dr. med. Ulf Elbelt von der Medizinischen Klinik B, Campus Ruppiner Kliniken an der Medizinischen Hochschule Brandenburg.

Werden durch einen Tumor der Hirnanhangdrüse umgebende Strukturen geschädigt, so kann dies zu Symptomen wie Gesichtsfeldeinschränkungen bis hin zur Erblindung und ausgeprägten Kopfschmerzen führen, werden die gesunden Anteile der Hirnanhangdrüse durch den Tumor komprimiert, können diese unter Umständen nicht mehr genügend Hormone bilden.

Mit Krankheitslast verbundene Tumoren im Bereich der Hirnanhangdrüse sind selten.

Die Krankheitshäufigkeit liegt bei knapp unter 100 pro 100 000 Einwohner. In über 80 Prozent handelt es sich bei den Tumoren um sogenannte Hypophysenadenome. Dies sind überwiegend hormonproduzierende Tumoren. „Problemtisch ist vor allem, dass Hypophysenadenome unreguliert und gesteigert Hormone produzieren und freisetzen können und gleichzeitig einen Mangel für andere Hormone verursachen können“, erklärt Elbelt.

  • Der häufigste Hypophysentumor ist das (gutartige) Prolaktinom, das bei Frauen zu Milchfluss und Zyklusstörungen und bei Männern zu Libidoverlust und Erektionsstörungen führen kann. 


Mit Ausnahme der Prolaktinome werden Hypophysenadenome häufig durch eine Operation entfernt.

  • Wenn das nicht möglich ist, kann eine medikamentöse Behandlung oder mitunter auch eine Strahlentherapie notwendig werden. 
  • Bei der Behandlung aggressiver Hypophysenadenome hat sich eine Behandlung mit dem Chemotherapeutikum Temozolomid als geeignet herausgestellt.

Eine weitere Erkrankung ist die Entzündung der Hirnanhangdrüse.

Sie kann ähnliche Symptome hervorrufen wie Tumoren.

Deshalb rät Elbelt dazu, vor jeder Operation die Möglichkeit einer Entzündung der Hirnanhangdrüse in Betracht zu ziehen. 

Sie ist mit geschätzt einem Neuerkrankungsfall auf sieben Millionen Einwohner äußerst selten. Die Ursache der primären Hypophysitis ist eine Abwehrreaktion des Immunsystems (Autoimmunerkrankung). Sie kann auch infolge anderer Erkrankungen auftreten.

 „Auch hier haben wir es mit Raumforderungen zu tun, die Kopfschmerzen, Sehstörungen, Hormonmangelzustände und insbesondere Harnflut und damit einhergehend ein starkes Durstgefühl hervorrufen“, sagt der Experte.

Für die sichere Abgrenzung von Adenom und Hypophysitis kann neben bildgebenden Verfahren im Einzelfall auch eine Gewebebiopsie erforderlich sein.

Die Therapie der Hypophysitis besteht im Ersatz der fehlenden Hormone.

  • Insbesondere bei sehr starken Kopfschmerzen kann zusätzlich zum Hormonersatz die Gabe von Glukokortikoiden notwendig werden, die fast immer zu einer deutlichen Besserung der Kopfschmerzen führen.

Die größte Herausforderung liegt für die Ärzte darin, dass es insgesamt nur wenige Fälle gibt. Umso wichtiger ist es, auf nationaler Ebene im Austausch zu sein. „Fallsammlungen sind auf Initiative der Arbeitsgemeinschaft Hypophyse und Hypophysentumore der DGE erstellt worden, deren Stellenwert ist sehr hoch“, sagt Elbelt. Professor Dr. med. Matthias M. Weber, Mediensprecher der DGE und Leiter der Endokrinologie der Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz ergänzt: „Wenn Erkrankungen sehr selten sind, ist der individuelle Erfahrungsschatz eines Arztes natürlich beschränkt. Für das Behandlungsteam sind daher aus Fallsammlungen abgeleitete Erkenntnisse ausgesprochen hilfreich.“

Wie Erkrankungen der Hirnanhangdrüse zu behandeln sind, ist ein Thema der Konferenz der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) am 12. September 2019 in Berlin. Weitere Themen sind familiäre Hypercholesterinämie, moderne Diagnostik bei Schilddrüsenknoten und Diabetesprävention durch unlösliche Ballaststoffe.

Literatur:
Honegger J, Schlaffer S, Menzel C, Droste M, Werner S, Elbelt U, Strasburger C, et al.: Pituitary Working Group of the German Society of Endocrinology. Diagnosis of Primary Hypophysitis in Germany. J Clin Endocrinol Metab. 2015 Oct;100(10):3841-9. doi: 10.1210/jc.2015-2152. Epub 2015 Aug 11.
Honegger J, Buchfelder M, Schlaffer S, Droste M, Werner S, Strasburger C, et al.: Pituitary Working Group of the German Society of Endocrinology. Treatment of Primary Hypophysitis in Germany. J Clin Endocrinol Metab. 2015 Sep;100(9):3460-9. doi: 10.1210/jc.2015-2146. Epub 2015 Jun 19.
Raverot G, Burman P, McCormack A, Heaney A, Petersenn S, Popovic V, et al.: European Society of Endocrinology. European Society of Endocrinology Clinical Practice Guidelines for the management of aggressive pituitary tumours and carcinomas. Eur J Endocrinol. 2018 Jan;178(1):G1-G24. doi: 10.1530/EJE-17-0796. Epub 2017 Oct 18. Review.

**********************************************************************

Endokrinologie ist die Lehre von den Hormonen, dem Stoffwechsel und den Erkrankungen auf diesem Gebiet. Hormone werden von endokrinen Drüsen, zum Beispiel Schilddrüse oder Hirnanhangdrüse, aber auch bestimmten Zellen in Hoden und Eierstöcken, „endokrin“ ausgeschüttet, das heißt nach „innen“ in das Blut abgegeben. Im Unterschied dazu geben „exokrine“ Drüsen, wie Speichel- oder Schweißdrüsen, ihre Sekrete nach „außen“ ab.


https://www.endokrinologie.net/hormonwoche-2019.php

http://www.endokrinologie.net


http://www.hormongesteuert.net


Medizin am Abend Berlin DirektKontakt
www.medizin-am-abend.blogsot.com









Über Google: Medizin am Abend Berlin
idw - Informationsdienst Wissenschaft e. V.

Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e.V.

Birkenstraße 67
10559 Berlin
Deutschland
Berlin
E-Mail-Adresse: office@awmf.org

Dennis Makoschey
Geschäftsführer / Pressesprecher
Telefon: 030 2009 7777
E-Mail-Adresse: makoschey@awmf.org
Postfach 301120
70451 Stuttgart
Deutschland
Nordrhein-Westfalen
E-Mail-Adresse: info@medizinkommunikation.org

Neurotransmitters Noradrenalin und die Gedächtnisleistungen

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Ein kleiner Kern im Gehirn hat große Auswirkungen auf Lernen und Gedächtnis im Alter

Der blaue Kern, auch Locus coeruleus genannt, ist eine winzige Region im Hirnstamm. 

Als Hauptquelle des Neurotransmitters Noradrenalin hat er einen großen Einfluss darauf, ob unser Gedächtnis auch im Alter noch gut funktioniert. 

Mithilfe der Magnetresonanztomografie (MRT) und neuartiger Analysemethoden konnten Forscher*innen des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung und der University of Southern California nun nachweisen, dass ein gesünderer Locus coeruleus mit besseren Gedächtnisleistungen im späteren Erwachsenenalter einhergeht. 

Die Ergebnisse der Studie sind in der Zeitschrift Nature Human Behaviour erschienen. 


Warum lassen manche kognitiven Fähigkeiten – insbesondere das Erinnerungsvermögen – im Laufe des Erwachsenenalters nach?

Und wie kommt es, dass sich manche Menschen auch im hohen Alter Neues gut einprägen und merken können, andere jedoch nicht? Bei der Beantwortung dieser Fragen haben sich kognitive Neurowissenschaftler*innen in den letzten Jahrzehnten vornehmlich auf die Großhirnrinde und auf den Hippokampus konzentriert, der beim Lernen und Erinnern eine zentrale Rolle spielt.

Jedoch gerät in jüngster Zeit eine winzige Zellstruktur, tief unter der Großhirnrinde im Hirnstamm versteckt, in den Fokus der Forschung:

der Locus coeruleus oder blaue Kern. Dieser Kern ist nur etwa 15 Millimeter groß und über ein weitverzweigtes Netz von Nervenfasern mit nahezu dem gesamten Gehirn verbunden.

  • Die Nervenzellen, aus denen er besteht, sind die Hauptquelle des neuronalen Botenstoffs Noradrenalin. 

Als sogenannter Neuromodulator reguliert Noradrenalin die Kommunikation zwischen Nervenzellen und trägt damit wesentlich zur Kontrolle von Stress, Gefühlen und Aufmerksamkeit bei.

Zudem haben Tierstudien gezeigt, dass Noradrenalin auf zellulärer Ebene Umbauvorgänge unterstützt, die die langfristige Speicherung neuer Erinnerungen, Fähigkeiten und Kenntnisse ermöglichen. Deswegen beruhen erfolgreiche Lern- und Gedächtnisprozesse vermutlich auf einem gut funktionierenden Locus coeruleus.

  • Mit fortschreitendem Alter zeigt der Locus coeruleus zunehmend Verfallserscheinungen, welche wahrscheinlich auf die Ansammlung von Giftstoffen aus dem Blutkreislauf sowie aus der Flüssigkeit, die Gehirn und Rückenmark umgibt, zurückzuführen sind. 
  • Neuere Forschungsergebnisse weisen zudem darauf hin, dass krankhafte Veränderungen im Zuge der Alzheimer-Demenz zuerst im Locus coeruleus auftreten könnten und von dort aus Hirnregionen erreichen, die für das Gedächtnis zuständig sind, bevor sie schließlich in späteren Krankheitsstadien große Teile des restlichen Gehirns erfassen.

„Neue Studien, die das Hirngewebe Verstorbener untersuchten, zeigen, dass einer der wesentlichen Krankheitsindikatoren der Alzheimer-Demenz bei den meisten Menschen mittleren Alters im Locus coeruleus festgestellt werden kann. Wir sind nun unter den ersten, die einen Zusammenhang zwischen kognitiver Leistungsfähigkeit und der Gesundheit des Locus coeruleus beim lebenden Menschen belegen konnten“, sagt Mara Mather, Professorin für Gerontologie an der University of Southern California und Koautorin der Studie.

Markus Werkle-Bergner, Senior Scientist am Forschungsbereich Entwicklungspsychologie des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung, fügt hinzu: „Frühere Tierversuche legten eine Verbindung zwischen einem gesünderen Locus coeruleus und besseren Lern- und Gedächtnisleistungen nahe. Es ist daher wichtig zu verstehen, ob alterungsbedingte Veränderungen des Locus coeruleus auch bei Menschen mit Gedächtniseinbußen im Alter zusammenhängen.“

Aufgrund seiner geringen Größe und der Lage tief im Hirnstamm war es bislang nahezu unmöglich, den Locus coeruleus am lebenden Menschen zu untersuchen. Dank neuer Methoden der MRT-Bildgebung sowie weiterentwickelter Analyseverfahren kann diese Gehirnregion nun nicht-invasiv sichtbar gemacht werden. Mit diesen neuen Verfahren haben nun die Wissenschaftler*innen den Locus coeruleus von 66 jüngeren Menschen mit einem Altersdurchschnitt von 33 Jahren und 228 älteren Menschen mit einem Altersdurchschnitt von 72 Jahren näher untersucht. Alle Proband*innen haben zudem im Rahmen der Berliner Altersstudie II (BASE-II) eine Reihe neuropsychologischer Gedächtnistests bearbeitet. Beispielsweise sollten sie sich eine fünfzehn Worte umfassende Liste über mehrere Durchgänge hinweg einprägen und anschließend wiedergeben.

Wie erwartet lösten die jüngeren Proband*innen die Aufgaben im Mittel besser als die älteren. Auffällig war jedoch, dass diejenigen älteren Proband*innen, deren Locus coeruleus denen der jüngeren Proband*innen ähnelte, höhere Gedächtnisleistungen zeigten als ältere Proband*innen, deren Locus coeruleus deutliche Anzeichen alterungsbedingter Veränderungen aufwies.

„Der Locus coeruleus ist ein sehr empfindlicher Teil des Gehirns. Unsere Studie zeigt, dass alterungsbedingte Beeinträchtigungen seiner Struktur und Funktion weitreichende Folgen für Aufmerksamkeit und Gedächtnis haben.

Künftige Langzeitstudien müssen ergründen, ob auch krankheitsbedingte Prozesse die Alterung des Locus coeruleus beschleunigen – und wenn das der Fall ist, wie wir den Beginn beim einzelnen Betroffenen feststellen können“, sagt Martin Dahl, Erstautor der Studie und Doktorand am Forschungsbereich Entwicklungspsychologie des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung.

  • Bei Erkrankungen wie der Alzheimer-Demenz sind im Locus coeruleus neuropathologische Veränderungen bereits sichtbar, bevor die ersten Verhaltensänderungen auftreten. 

Diese Periode könnte ein Zeitfenster darstellen, in dem die Krankheitsentwicklung noch beeinflusst werden kann.

Weitere Langzeitstudien, die sowohl den Locus coeruleus als auch krankheitsspezifische Biomarker erfassen, könnten ein neues Licht auf die Unterschiede und Gemeinsamkeiten gesunder und pathologischer Gedächtnisveränderungen im Alter werfen.

Das Max-Planck-Institut für Bildungsforschung wurde 1963 in Berlin gegründet und ist als interdisziplinäre Forschungseinrichtung dem Studium der menschlichen Entwicklung und Bildung gewidmet. Das Institut gehört zur Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften e. V., einer der führenden Organisationen für Grundlagenforschung in Europa.

Originalpublikation:
Dahl, M. J., Mather, M., Düzel, S., Bodammer, N. C., Lindenberger, U., Kühn, S., & Werkle-Bergner, M. (2019). Rostral locus coeruleus integrity is associated with better memory performance in older adults. Nature Human Behaviour. doi:10.1038/s41562-019-0715-2

https://www.nature.com/articles/s41562-019-0715-2

Medizin am Abend Berlin DirektKontakt
www.medizin-am-abend.blogspot.com









Über Google: Medizin am Abend Berlin 
idw - Informationsdienst Wissenschaft e. V.

Lentzeallee 94
14195 Berlin
Deutschland
Berlin


Kerstin Skork
Telefon: 030/ 82406211
Fax: 030/8249939
E-Mail-Adresse: skork@mpib-berlin.mpg.de


Artur Krutsch
Telefon: 030 / 824 06-284
Fax: 030 / 824 99 39
E-Mail-Adresse: krutsch@mpib-berlin.mpg.de

Medizin am Abend Berlin TEAM VOR ORT: Fortbildung

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: 

































 

CAVE-Untersucher: Sjögren Syndrom (Autoimmunerkrankung) kann schwere Polyneuropathien auslösen

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Das verkannte Sjögren Syndrom

MHH-Forscher weisen Autoimmunerkrankung als Ursache schwerer Lähmungen nach 
 
  • Kribbeln an den Händen, Taubheitsgefühle in den Füßen, Schmerzen – diese Beschwerden treten auf, wenn die Nerven in Armen und Beinen geschädigt sind. 

Ursachen solcher Polyneuropathien sind meist Diabetes oder Alkoholismus. 

  • Sind Nerven betroffen, die Muskeln steuern, treten Lähmungen an Armen und Beinen auf, die Betroffene langfristig völlig bewegungsunfähig machen können. 

Professor Dr. Thomas Skripuletz, Neuroimmunologe an der Klinik für Neurologie der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH), hat herausgefunden, dass solche schweren Polyneuropathien oft aber eine ganz andere Ursache haben, als bislang vermutet.

Bei jedem vierten Patienten mit diesem in der Neurologie häufig auftretenden Krankheitsbild stellten die Ärzte ein sogenanntes Sjögren Syndrom als Auslöser fest. 

Die Ergebnisse der Kooperationsarbeit zwischen den MHH-Kliniken für Neurologie, Immunologie und Rheumatologie und der Hals-Nasen-Ohrenheilkunde (HNO) sind in der Fachzeitschrift „Frontiers in Immunology“ veröffentlich und steht in der Referenzdatenbank PubMed online zur Verfügung.


Ist wichtig für die Diagnose Sjögren Syndrom: Professor Dr. Thomas Skripuletz, Dr. Tabea Seeliger und Professor Dr. Torsten Witte mit dem "Schirmer Test", der die Tränenproduktion misst
Ist wichtig für die Diagnose Sjögren Syndrom: Professor Dr. Thomas Skripuletz, Dr. Tabea Seeliger und Professor Dr. Torsten Witte mit dem "Schirmer Test", der die Tränenproduktion misst MHH / Karin Kaiser


Sjögren Syndrom kann schwere Polyneuropathien auslösen

„Das Sjögren Syndrom ist eine Autoimmunerkrankung, die in erster Linie die Tränendrüsen in den Augen und die Speicheldrüsen im Mund angreift“, erklärt Professor Dr. Torsten Witte, Rheumatologe an der Klinik für Immunologie und Rheumatologie und ausgewiesener Experte auf dem Gebiet.

  • Doch auch Lunge, Nieren und das Nervensystem können betroffen sein. 

„Bislang war allerdings nicht bekannt, dass das Sjögren Syndrom schwere Polyneuropathien auslösen kann“, sagt der Rheumatologe.

Das Problem:

Patienten mit der üblichen Sjögren-Symptomatik – trockener Mund, trockene Augen und Durchblutungsstörungen – werden bislang vor allem von Rheumatologen behandelt, denen das Sjögren Syndrom vertraut ist.

  • Patienten mit schweren Lähmungen werden dagegen in neurologische Kliniken eingewiesen, wo das Krankheitsbild Sjögren Syndrom weitgehend unbekannt ist. 

„Da vor allem ältere Menschen betroffen sind, sehen viele Ärzte die Erkrankung einfach als Alterserscheinung“, erläutert Dr. Tabea Seeliger, Assistenzärztin aus der MHH-Klinik für Neurologie und Mitautorin der Publikation.

44 von 184 Patienten waren betroffen

In der Klinik für Neurologie der MHH ist Professor Skripuletz vor etwa vier Jahren auf einen möglichen Zusammenhang gestoßen. Seitdem ist der Test auf das Sjögren Syndrom bei Patienten mit einer Polyneuropathie Routine. Innerhalb von zweieinhalb Jahren erkannten die Neurologen bei 44 von 184 Patienten die Autoimmunerkrankung als Ursache für die Beschwerden. Für die Diagnose testen die Mediziner die Tränen- und Speichelproduktion des Patienten. Zusätzlich muss im Blut ein typischer Antikörper nachzuweisen sein.

„Etwa die Hälfte unserer Patienten hat diesen klassischen Antikörper jedoch nicht“, stellt der Neuroimmunologe fest.

Bei diesen Patienten klärt erst eine nachgewiesene Entzündung der Speicheldrüsen, ob tatsächlich ein Sjögren Syndrom vorliegt. 

Die dafür notwendige Gewebeprobe der Unterlippe entnehmen Ärzte der HNO-Klinik.

Oft kann Fortschreiten der Krankheit verhindert werden

Die Diagnose Neuro-Sjögren bedeutet für Patienten mit schwerer Polyneuropathie mehr als eine bloße Ursachenforschung.

  • Durch Behandlung des überreagierenden körpereigenen Abwehrsystems mit immununterdrückenden Medikamenten konnten die Neurologen bei vielen Patienten ein Fortschreiten der Erkrankung verhindern und sogar die schweren Behinderungen bessern. 

Jetzt arbeiten Professor Skripuletz und sein Team daran, das Sjögren Syndrom in der Fachwelt bekannter zu machen und niedergelassene Ärzte und Kliniker zu sensibilisieren.

Außerdem ist weitere Forschungsarbeit geplant.

„Das Sjögren Syndrom verursacht viele Begleitbeschwerden, kann den Hörnerv schädigen, Konzentrationsstörungen hervorrufen und sogar Schlaganfälle verursachen“, sagt der Mediziner. Projekte in Kooperation mit der HNO-Klinik, dem Institut für Neuroradiologie, der Klinik für Augenheilkunde und der Neuropsychologie der MHH sollen diese Zusammenhänge aufklären.

In Zusammenarbeit mit der Klinik für Immunologie und Rheumatologie will Professor Skripuletz außerdem nach Markern für weitere Antikörper suchen, die für das Sjögren Syndrom typisch sind.

Die Originalpublikation finden Sie hier: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC6637792/

Medizin am Abend Berlin DirektKontakt
www.medizin-am-abend.blogspot.com













Über Google: Medizin am Abend Berlin 
idw - Informationsdienst Wissenschaft e. V.

Professor Dr. Thomas Skripuletz
skripuletz.thomas@mh-hannover.de
Telefon (0511) 532-3816

Carl-Neuberg-Straße 1
30625 Hannover
Postfach Hannover
30623 Hannover
Deutschland
Niedersachsen


Stefan Zorn
Telefon: 0511 / 532-6773
Fax: 0511 / 532-3852
E-Mail-Adresse: zorn.stefan@mh-hannover.de 

CAVE-Untersucher: Gedemütigt, Geschlagen, Sexuel Missbraucht

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Traumata verändern langfristig die Wahrnehmung

Menschen mit Misshandlungserfahrungen in ihrer Kindheit verfügen später als Erwachsene über eine veränderte Reizwahrnehmung. 

Das haben Wissenschaftler der Medizinischen Psychologie an der Universität Bonn herausgefunden. 

  • Traumatisierte Personen empfanden Berührungsreize weniger beruhigend als Menschen ohne Traumata. 
  • Außerdem hielten sie zu unbekannten Personen eine größere soziale Distanz. 
  • Darüber hinaus entdeckten die Forscher Veränderungen in der Aktivierung bestimmter Gehirnareale. 
Die Ergebnisse eröffnen möglicherweise Optionen für neue Therapien. Sie sind nun in „The American Journal of Psychiatry“ veröffentlicht. 

Der funktionelle Magnetresonanztomograph zeichnet die Aktivität der Gehirnareale auf (von links): Mitjan Morr (hier nur mit Füßen zu sehen), Ayline Maier und Dr. Dirk Scheele.
Der funktionelle Magnetresonanztomograph zeichnet die Aktivität der Gehirnareale auf (von links): Mitjan Morr (hier nur mit Füßen zu sehen), Ayline Maier und Dr. Dirk Scheele.
(c) Foto: Rolf Müller/UKB
 
Wer in der Kindheit gedemütigt, geschlagen oder sexuell missbraucht wurde, hat im Erwachsenenalter häufiger mit psychischen Erkrankungen wie Depressionen oder Angstattacken zu kämpfen als Menschen, denen diese Erfahrungen in jungen Jahren erspart blieben. 

Das zeigen zahlreiche Studien. Doch was sind die Gründe für diese größere Anfälligkeit?

Führen Gewalterfahrungen als Kind möglicherweise zu einer dauerhaft veränderten Wahrnehmung von sozialen Reizen? Diese Frage haben Wissenschaftler der Abteilung für Medizinische Psychologie des Universitätsklinikums Bonn (UKB) mit ihren Kollegen der Ruhr-Universität Bochum und aus Chengdu (China) untersucht.

Die Forscher befragten insgesamt 120 Personen zu ihren Gewalterfahrungen und Begleiterkrankungen. Davon wurden insgesamt 92 Erwachsene (64 Frauen) in die Studie einbezogen. Voraussetzung war, dass die Teilnehmer weder unter neurologischen Erkrankungen litten noch Medikamente einnahmen, um diese Einflüsse auszuschließen. Die sensorische Wahrnehmung testeten die Wissenschaftler, indem sie mit einer Hand entweder in einer schnellen oder einer langsameren Bewegung über die nackte Haut der Schienbeine strichen. „Berührungen sind von zentraler Bedeutung, weil sie die Gehirnentwicklung beeinflussen, ein Gefühl für den eigenen Körper vermitteln und als Stressregulator dienen“, sagt Dr. Dirk Scheele von der Abteilung für Medizinische Psychologie des UKB.

Nervenfasern sind auf unterschiedliche Reize spezialisiert


Zwischenmenschliche Berührungen werden über zwei unterschiedliche Nervenfasern in der Haut vermittelt: 

Aß-Fasern übertragen den sensorischen Reiz und sprechen primär auf schnellere Berührungen an, C-taktile Fasern hingegen übertragen das emotionale Wohlgefühl und werden primär durch langsame Berührungen aktiviert, erläutert Erstautorin Ayline Maier.

Die Testpersonen lagen während der Experimente im Hirnscanner und konnten den Experimentator nicht sehen, der die Bewegungen vollführte. Dessen Hände steckten in Baumwollhandschuhen, um direkten Hautkontakt zu vermeiden. Der funktionelle Magnetresonanztomograph zeichnete die Aktivität der Gehirnareale auf. Nach jedem Messdurchgang wurden die Probanden befragt, wie beruhigend die Berührungen empfunden wurden.

Je ausgeprägter die Misshandlungserfahrungen während der Kindheit waren, umso stärker reagierten zwei Gehirnregionen auf schnelle Berührungen. Der somatosensorische Kortex ist im Gehirn in etwa über dem Ohr lokalisiert und registriert, wo eine Berührung stattfindet.

„Dieses Areal kodiert haptische Empfindungen und ist an der Vorbereitung und Initiierung von Körperbewegung beteiligt – zum Beispiel daran, das berührte Bein wegzuziehen“, sagt Maier. Die posteriore Inselrinde ist ein tief im Gehirn hinter der Schläfe liegendes Areal, das für jegliche Körperwahrnehmung wie Berührung, Hunger, Durst und Schmerz zuständig ist.

„Bei traumatisierten Menschen ist die Aktivität bei schnellen Berührungen in diesen beiden Arealen deutlich erhöht“, fasst Scheele das Ergebnis zusammen.

Dagegen war der Hippocampus bei langsamen Berührungen deutlich schwächer aktiviert, wenn traumatische Erfahrungen in der Kindheit gemacht worden waren. Die einem Seepferdchen ähnliche Gehirnstruktur dient der Gedächtnisbildung und speichert damit auch negative und positive Assoziationen von Reizen ab. „Konkret könnte die Aktivität des Hippocampus widerspiegeln, wie belohnend eine Berührung im Experiment empfunden wurde“, erläutert Maier. Stärker traumatisierte Teilnehmer könnten insbesondere eine langsame und damit emotionaler aufgeladene Berührung als weniger belohnend empfinden.

Darüber hinaus untersuchten die Wissenschaftler die soziale Distanz.

Die Teilnehmer wurden gebeten, auf einen ihnen unbekannten Menschen zuzugehen und stehen zu bleiben, wenn die Distanz gerade noch als angenehm empfunden wurde. Er war bei stärker traumatisierten Menschen deutlich größer – im Schnitt um zwölf Zentimeter.

Potenzial für neue Therapien

„Die Resultate zeigen, dass bei Menschen mit traumatischen Erlebnissen in der Kindheit die Wahrnehmung und die sensorische Verarbeitung verändert sind“, fasst Scheele die Ergebnisse zusammen. Berührungen wirken weniger beruhigend als bei Personen ohne Misshandlungserfahrung.

Wie Kontrolluntersuchungen zeigen, seien dafür nicht die Begleiterkrankungen wie Depressionen oder Angstattacken verantwortlich, sondern die Traumatisierung selbst. 

„Dieses Ergebnis eröffnet jedoch möglicherweise auch Chancen für neue Therapien:

Ergänzende körperbasierte Therapien in einem sicheren Umfeld könnten ein Umlernen dieser Reizverarbeitung ermöglichen“, vermutet Maier.

Doch dieses Potenzial müssten erst noch weitere Studien genauer untersuchen.

Medizin am Abend Berlin DirektKontakt
www.medizin-am-abend.blogspot.com
















Über Google: Medizin am Abend Berlin 
idw - Informationsdienst Wissenschaft e. V.

Dr. Dirk Scheele
Abteilung für Medizinische Psychologie
Universitätsklinikum Bonn
Tel. +49-228-28711151
E-Mail: Dirk.Scheele@ukbonn.de

Poppelsdorfer Allee 49
53115 Bonn
Deutschland
Nordrhein-Westfalen

Johannes Seiler
Telefon: 0228 / 73-4728
Fax: 0228 / 73-7451
E-Mail-Adresse: j.seiler@uni-bonn.de

Originalpublikation:
Ayline Maier, Caroline Gieling, Luca Heinen-Ludwig, Vlad Stefan, Johannes Schultz, Onur Güntürkün, Benjamin Becker, René Hurlemann and Dirk Scheele: Association of Childhood Maltreatment With Interpersonal Distance and Social Touch Preferences in Adulthood, The American Journal of Psychiatry, DOI: 10.1176/appi.ajp.2019.19020212

Bauchspeicheldrüse

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Pilotstudie mit UKL-Beteiligung: 

Künstliche Bauchspeicheldrüse für Kleinkinder mit Typ 1-Diabetes erfolgreich getestet

Das EU-finanzierte Projekt „KidsAP“ (The artificial pancreas in children aged 1 to 7 years with type 1 diabetes) arbeitet daran, mit einer künstlichen Bauchspeicheldrüse die Behandlung von Typ-1-Diabetes bei Kindern zwischen einem und sieben Jahren grundlegend zu verändern. 

Beteiligt an einer erfolgreich abgeschlossenen internationalen Pilotstudie war auch das Universitätsklinikum Leipzig (UKL) mit Dr. Thomas Kapellen, Oberarzt an der Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendmedizin und Leiter der Kinderarztpraxis im MedVZ des UKL. 

Von „Closed-loop“, einer Art künstlicher Bauchspeicheldrüse, verspricht sich Dr. Thomas Kapellen eine Menge. Der Oberarzt an der UKL-Kinderklinik betreut 400 Kinder und Jugendliche mit Diabetes.
Von „Closed-loop“, einer Art künstlicher Bauchspeicheldrüse, verspricht sich Dr. Thomas Kapellen eine Menge. Der Oberarzt an der UKL-Kinderklinik betreut 400 Kinder und Jugendliche mit Diabetes.
Stefan Straube / UKL
 
Die nun in den Fachzeitschriften „Pediatric Diabetes“ und „Diabetes Care“ publizierten Ergebnisse könnten nach Ansicht des UKL-Mediziners dazu beitragen, das Leben der sehr jungen Betroffenen und derjenigen Menschen, die sich um sie kümmern, zu erleichtern und zu verbessern.

Eine größere Nachfolgestudie startet im Herbst.


An Diabetes Typ 1 können bereits Kleinkinder unter sieben Jahren erkranken.  

Ihr Körper kann dann den Blutzuckerspiegel nicht selbst regulieren, die Bauchspeicheldrüse produziert kein Insulin mehr.

Daher ist eine lebenslange Insulinbehandlung notwendig. 

Für Eltern und Betreuer der betroffenen Kinder bedeutet dies eine intensive Betreuung rund um die Uhr.

Dr. Thomas Kapellen betreut am UKL etwa 400 Kinder und Jugendliche mit Diabetes.

Die meisten von ihnen nutzen eine Insulinpumpe, eine geringere Anzahl den „Pen“, eine Art Stift zum täglichen Spritzen.

  • „Die Diabetes-Technologie hat sich weiterentwickelt“, sagt er, „moderne Insulinpumpen kommunizieren heute über Funk mit Sensoren, die im Unterhaut-Fettgewebe liegen und dort eine kontinuierliche Glukosemessung vornehmen.“ 
  • Anhand dieser Sensordaten könne die neueste Geräte-Generation Entscheidungen treffen, um Unterzuckerungen zu vermeiden und beispielsweise die Insulin-Dosis zu reduzieren.
Drei Komponenten: Pumpe, Sensor, Smartphone


Die künstliche Bauchspeicheldrüse geht einen Schritt weiter. Vorstellen kann man es sich als ein tragbares medizinisches System, welches mittels digitaler Technologie die Insulinverabreichung vollautomatisch übernimmt. Zu Pumpe und Sensor kommt als dritte Komponente nun noch ein Smartphone mit einer speziellen App hinzu. Sie enthält einen Algorithmus, der mittels der Sensordaten die Insulindosis berechnet, die Pumpe steuert und somit die Basalrate, also den Grundbedarf an Insulin, reduzieren, aber eben auch erhöhen kann.

„Hybrid closed-loop“ heißt dieses System, von dem sich Diabetologen wie Dr. Kapellen einen Riesengewinn versprechen. „In Ruhephasen, in der Nacht und zwischen den Mahlzeiten arbeitet das System völlig autark“, erläutert der UKL-Experte, „nur zu den Mahlzeiten muss der Anwender selbst noch aktiv werden, deswegen der Zusatz ‚hybrid‘.“




Kein verdünntes Insulin nötig
„Erstmals ist diese Art des Systems nun bei einer so jungen Altersgruppe getestet worden“, hebt Kapellen hervor. Kinder in diesem Alter hätten einen sehr niedrigen Insulinbedarf, auch bestünden enorm hohe Sicherheitsanforderungen wegen des geringen Alters der Studienteilnehmer, nennt er als Gründe hierfür. Die von Prof. Roman Hovorka von der University of Cambridge (Großbritannien) geleitete Pilotstudie sollte herausfinden, ob für die Verwendung der künstlichen Bauchspeicheldrüse bei Kleinstkindern das Insulin verdünnt werden müsste.
Dafür wurden 24 Mädchen und Jungen zwischen 18 Monaten und sieben Jahren in Großbritannien, Luxemburg, Österreich und am Leipziger Universitätsklinikum rekrutiert. Sie erhielten mittels des „Closed-loop“-Systems jeweils drei Wochen lang verdünntes Insulin und drei Wochen lang solches in Standardstärke.

Ergebnis: 

Es gibt keine Unterschiede. Kinder, welche die künstliche Bauchspeicheldrüse verwendeten, benötigen kein verdünntes Insulin – ein großer Vorteil, da Insulin mit Standardstärke sicherer und einfacher überwacht werden kann, und ein wichtiges Vorergebnis für die Nachfolgestudie.

Mathilda Seifert aus Eilenburg ist eine der kleinen Patientinnen, die an der großen Studie ab Herbst teilnehmen wird.
Mathilda Seifert aus Eilenburg ist eine der kleinen Patientinnen, die an der großen Studie ab Herbst teilnehmen wird.
privat

System entlastet Eltern
Auch Eltern und Betreuer von erkrankten Kindern würden von solch einem System in hohem Maß profitieren, müssen sie im Moment doch beispielsweise selbst in der Nacht zum Teil mehrfach nach den Zuckerwerten schauen. „Die Eltern der 24 Probanden in unserer Pilotstudie haben dem System vertraut“, berichtet Dr. Kapellen, „sie schliefen besser und mussten nicht ständig aufstehen.“

Bei Kindern der untersuchten Altersgruppe ändere sich der Insulinbedarf außerdem von Stunde zu Stunde, so der Diabetologe, auch dafür sei das System optimal, da es sich daran anpassen könne, egal, wo sich die Kinder gerade aufhielten.


Die zweite, größere und ebenfalls EU-finanzierte KidsAP-Nachfolgestudie mit dann 84 Kindern und einer Dauer von einem Jahr ist in Cambridge bereits gestartet, am UKL als einzigem deutschen Studienzentrum geht es im Herbst los.

„Wir haben viele interessierte Patienten“, sagt Dr. Kapellen, „und alle Eltern aus der Pilotstudie wollen sowieso wieder mitmachen.“

Medizin am Abend Berlin DirektKontakt
www.medizin-am-abend.blogspot.com












Über Google: Medizin am Abend Berlin
idw - Informationsdienst Wissenschaft e. V.

Markus Bien Universitätsklinikum Leipzig AöR
Liebigstr. 18
04103 Leipzig
Deutschland
Sachsen


Helena Reinhardt
Telefon: 0341 - 97 15905
Fax: 0341 - 97 15906
E-Mail-Adresse: helena.reinhardt@uniklinik-leipzig.de

E-Mail-Adresse: markus.bien@uniklinik-leipzig.de