Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Braune Hundezecke: Zecken-Expertin bittet um Zusendung auffälliger Zeckenfunde
Uni Hohenheim forscht an eingeschleppter Art / Braune Hundezecken
können sich als Urlaubsmitbringsel in Wohnungen vermehren / alle Infos:
https://hundezecken.uni-hohenheim.de/hundezecken
Braune Hundezecken finden sich bevorzugt an gut durchbluteten
Körperbereiche des Hundes mit dünner Haut, wie beispielsweise Ohren,
Leisten, Achselhöhlen, Rücken oder Zehenzwischenräumen. | Bildquelle:
Universität Hohenheim / Katrin Fachet
Urlaubszeit – Reisezeit:
Auch wenn aktuell Ferienreisen nur
eingeschränkt möglich sind, sollten Hundehalter darauf achten, keine
unerwünschten „Souvenirs“ mit nach Hause zu bringen. Die Rede ist von
der
Braunen Hundezecke (Rhipicephalus sanguineus). Ursprünglich aus
Afrika stammend, ist sie inzwischen
auch im Mittelmeerraum und der
Schweiz zu finden.
Von dort wird sie immer mal wieder nach Deutschland
eingeschleppt. „
Es wurden aber auch bereits Exemplare an Hunden
gefunden, die ihren Hof nie verlassen hatten“, berichtet Prof. Dr. Ute
Mackenstedt Parasitologin und Zeckenexpertin an der Universität
Hohenheim in Stuttgart.
„Damit können sie kein unbeabsichtigtes
Urlaubsmitbringsel sein – ein Hinweis darauf, dass sich die Art hier
möglicherweise bereits entwickeln kann.“
Für ihre Forschung bittet die
Universität Hohenheim die Bevölkerung auch dieses Jahr wieder, Funde der
Braunen Hundezecke mit Bild zu melden. Alle Informationen unter: https://hundezecken.uni-hohenheim.de/hundezecken
Hundebesitzer kennen das: Bei einem Ausflug in Wald und Wiesen hat der
Hund ein paar unerwünschte Gäste „eingesammelt“, die am besten sofort
entfernt werden sollten. Denn auch wenn Zecken zunächst einmal für
Mensch und Tier nur unangenehm und lästig sind,
können manche Exemplare
auch Krankheiten auf Mensch und Tier übertragen.
Zwar befallen Braune Hundezecken in erster Linie Hunde und können ihn
dabei mit verschiedenen Krankheiten infizieren; wenn aber ihr
bevorzugter Wirt gerade nicht verfügbar ist, stechen sie auch den
Menschen und können so zum Beispiel die Erreger für das
Mittelmeerfleckfieber weitergeben.
Eine Braune Hundezecke kommt selten allein
Beim Hund verursacht der Stich einer einzelnen Braunen Hundezecke meist
lediglich geringe
Hautirritationen. Doch kommt eine Braune Hundezecke
selten allein. Häufig sitzen mehrere bis viele dieser Plagegeister sehr
dicht nebeneinander, wenn sie ihre Blutmahlzeit aufnehmen.
„Dabei bevorzugen sie gut durchblutete Körperbereiche des Hundes mit
dünner Haut, wie beispielsweise Ohren, Leisten, Achselhöhlen, der Rücken
oder die Zehenzwischenräume“, erläutert Katrin Fachet, Doktorandin im
Fachgebiet Parasitologie.
Werden die Zecken mit dem Hund oder beispielsweise
seinem Hundebett nach
Deutschland transportiert, können sie auch in Innenräumen lange
überleben und sich dort vermehren.
- Hauptsächlich sind sie dann bevorzugt
an den Orten zu finden, an denen die Hunde die Nächte oder lange
Ruhezeiten verbringen, wie zum Beispiel dem Hundebett oder in der
Hundehütte.
„Eingeschleppt“ heißt nicht automatisch, dass die Zecke bei uns schon heimisch ist
In den letzten beiden Jahren wurden den Expertinnen der Parasitologie in
Hohenheim aus 15 verschiedenen Haushalten in Deutschland Braune
Hundezecken gemeldet. „Meist waren dies Urlauber, die mit ihren Hunden
aus dem Mittelmeerraum oder der Schweiz zurückgekommen sind“, erläutert
Katrin Fachet. Und sie fügt hinzu. „Bei einem Fall hatte sich der Hund
die Zecken wohl im Urlaubsquartier in den Niederlanden geholt.“ Daraus
könne man jedoch nicht ableiten, dass sie in Deutschland schon heimisch
seien.
Aber sie kann in unseren Wohnräumen überleben und sich vermehren
-
Nach einer Blutmahlzeit verlassen die Zecken ihren Wirt und ziehen sich
in Spalten und Ritzen zurück, die sie vor Umwelteinflüssen schützen.
- Auch hinter Fußleisten, unter Dielen und hinter Tapeten oder in
Natursteinwänden in der Wohnung sind sie zu finden.
„Anders als unser
heimischer Gemeiner Holzbock, ist die
Braune
Hundezecke an hohe Temperaturen und Trockenheit angepasst und kann auch
in Wohnungen überleben. Ist dann noch ein Hund vor Ort, kann sie schnell
zur Plage werden“, so Katrin Fachet.
„Ein
Hundezeckenweibchen kann bis zu 5.000 Eier legen, woraus sich
innerhalb kurzer Zeit
mehrere Tausend Zecken entwickeln können“, erklärt
Prof. Dr. Mackenstedt.
„Ein Wohnungsbefall durch die Braune Hundezecke
ist unschön und mehr als ärgerlich – aber kein Grund, gleich die
Abrissbirne zu schwingen“, unterstreicht sie noch. „Mit geeigneten
Maßnahmen bekommt man das wieder in den Griff.“
Prophylaxe ist der beste Schutz
Um es gar nicht erst soweit kommen zu lassen, empfehlen die Expertinnen
eine wirksame Zeckenprophylaxe, so dass die Tiere erst gar nicht mit
nach Hause genommen werden können.
Dies könne über geeignete
Zeckenhalsbänder oder Spot-On-Präparate geschehen, die auf das Fell
aufgetragen werden, oder mit systemisch wirksamen Mitteln, wie zum
Beispiel Kautabletten.
Der Tierarzt kann hier beraten.
Forschung an Brauner Hundezecke geht weiter
Insgesamt ist jedoch noch wenig über die Braune Hundezecke bekannt. So
weiß man beispielsweise nicht, ob sie in Deutschland auch außerhalb von
Wohnungen überleben kann und ob dies angesichts der Klimaveränderungen
eventuell möglich werden könnte. Auch ist noch ungeklärt, ob sie auch
von Hund zu Hund übertragen werden kann.
Wie gelangt die Zecke überhaupt nach Deutschland? Welche
Krankheitserreger führt sie mit sich? Welche Maßnahmen gegen einen
Befall in der Wohnung können getroffen werden? Sind weitere Fragen,
denen sich Katrin Fachet in ihrer Doktorarbeit widmen möchte, und: „Wir
wollen die betroffenen Fälle gerne betreuen – vom Anfang bis zum Ende
des Befalls.“
Parasitologie der Universität Hohenheim bittet Bevölkerung wieder um Mithilfe
Dazu bittet sie wieder um die Mithilfe der Bevölkerung: Wer häufiger
eine ungewöhnlich große Anzahl an Braunen Zecken in einem Gebäude
bemerkt oder wessen Hund sehr stark von Zecken befallen sein sollte, die
der Braunen Hundezecke ähnlich sehen, soll sie in ein kleines,
luftdichtes Gefäß, wie zum Beispiel einen Kunststoff-Cremetiegel, ein
sehr kleines Einmachglas oder Ähnliches geben.
Die Expertin freut sich, wenn sie zunächst eine E-Mail mit einer
Großaufnahme der Zecke an
hundezecken@uni-hohenheim.de geschickt
bekommt.
Sie wird sich dann schnellstmöglich beim Finder mit einer
Einschätzung melden, ob es sich um eine Braune Hundezecke handeln könnte
und ob es sinnvoll ist, den Fund auf dem Postweg an die Universität
Hohenheim einzuschicken.
„Schön wäre es, wenn die Zecke nicht mit Tesafilm oder anderen
Klebstoffen in Berührung kommt.
Denn für die eindeutige Zuordnung
brauchen wir feine Härchen und Oberflächenstrukturen, die sich dann
nicht mehr erkennen lassen“, ist Katrin Fachet noch wichtig.
Weitere
Informationen gibt es unter:
https://hundezecken.uni-hohenheim.de/hundezecken.
HINTERGRUND: Das Hundezecken-Projekt
Schon seit vielen Jahren widmen sich die Parasitologinnen und
Parasitologen der Universität Hohenheim der Erforschung verschiedener
Zeckenarten.
Dabei werden sie häufig von
Tierheimen, Veterinärmedizinern
und Jägern unterstützt, denn manche Zeckenarten lassen sich nicht
einfach in der Natur sammeln. So wie die Braune Hundezecke.
Diese Zecken sind nach bisherigem Stand in Deutschland nicht heimisch,
werden aber regelmäßig aus dem Ausland - vor allem aus dem
Mittelmeerraum - eingeführt. Sie sind an die Lebensräume von Menschen
angepasst und können in Wohnräumen überleben und sich vermehren.
Im Hundezecken-Projekt soll das Vorkommen dieser Zeckenart in
Deutschland untersucht werden. Die Mithilfe der Bevölkerung spielt dabei
eine entscheidende Rolle. Die Zusammenarbeit ist auch für sie
vorteilhaft: Die Zecken werden von Experten bestimmt und untersucht. Nur
so können wirksame Gegenmaßnahmen ergriffen werden. Die Ergebnisse
werden den Einsendern natürlich mitgeteilt.
Weitere Informationen
https://hundezecken.uni-hohenheim.de/hundezecken.
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Prof. Dr. Ute Mackenstedt, Universität Hohenheim, Fachgebiet Parasitologie,
T +49 711 459 22275, E Mackenstedt@uni-hohenheim.de
Katrin Fachet, Universität Hohenheim, Fachgebiet Parasitologie,
T +49 711 459 23071, E fachet@uni-hohenheim.de
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