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CAVE: Einladung zur indivduellen Psychotherapie für Eltern + Elterntraining

Medizin amAbend Berlin Fazit: Psychotherapeutische Hilfe für belastete Eltern

Die Forschungs- und Lehrambulanz für Psychotherapie der Uni Mainz bietet eine Psychotherapie für Eltern an und untersucht die Wirkung auf die Kinder 
 
  • Jeder dritte bis vierte Erwachsene leidet im Laufe seines Lebens unter einer psychischen Störung. 

Wenn Eltern unter psychischen Störungen wie beispielsweise depressiven Störungen oder Angststörungen leiden, stellt dies zum einen spezielle Anforderungen an eine Psychotherapie, zum anderen können auch Kinder in verschiedenster Weise davon betroffen sein.

In der Forschungs- und Lehrambulanz der Poliklinischen Institutsambulanz für Psychotherapie der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) wird eine individuelle Psychotherapie für Eltern angeboten. 

Zusätzlich kann ein Teil der Eltern an dem Elterntraining „Triple P“ teilnehmen. 

Im Rahmen einer multizentrischen Studie werden die Effekte der Psychotherapie, insbesondere auch auf die Kinder, untersucht.

Die Studie erfolgt unter der Leitung von Prof. Dr. Hanna Christiansen, Philipps-Universität Marburg, sowie von Prof. Dr. Michael Witthöft und Jun.-Prof. Dr. Stefanie Jungmann am Standort Mainz.

An wen richtet sich das Angebot?

Eltern mit klinisch ausgeprägten psychischen Problemen und mindestens einem Kind im Alter von 1,5 bis 16 Jahren.

Wie ist der Ablauf?


Interessenten melden sich per Mail unter COMPARE-Familienstudie@uni-mainz.de oder per Telefon unter 06131 39-39263.

Die Verantwortlichen der Studie geben gerne nähere Auskünfte.

In einem Telefonat wird besprochen, ob das Therapieangebot passend ist.

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Jun.-Prof. Dr. Stefanie M. Jungmann
Abteilung Klinische Psychologie, Psychotherapie und experimentelle Psychopathologie
Psychologisches Institut
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Wallstr. 3
55122 Mainz
Tel. 06131 39-39263
E-Mail: jungmann@uni-mainz.de
https://klipsy.uni-mainz.de/

Petra Giegerich Johannes Gutenberg-Universität Mainz


Forum 3
55099 Mainz
Deutschland
Rheinland-Pfalz
Telefon: 06131 39-22369
Fax: 06131 39-24139
E-Mail-Adresse: idw@uni-mainz.de 

Chronisch Kritisch Kranke: Sepsis Patient: Behandlungspfad -

Medizin am Abend Berlin Fazit: Klinikübergreifendes Zentrum sorgt für kürzere und effizientere Therapie von Sepsis-Patienten

Mit dem Comprehensive Sepsis Center setzen die Klinik Bavaria Kreischa und das Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden neue Maßstäbe bei der Versorgung von Patienten mit einer schweren, sich über die Blutbahn ausbreitenden Infektion. 

Medizin am Abend Berlin ZusatzFachThema: Umstellung auf Winterzeit - heute Nacht-  

Das zum 1. Oktober 2018 mit einer Pilotphase startende Zentrum will die Überlebensrate von Sepsis-Patienten erhöhen und die Lebensqualität der Betroffenen verbessern. 

Im Vorfeld des Starts haben die Spezialisten verschiedenster Fachrichtungen einen Behandlungspfad entwickelt, der alle Versorgungsphasen umfasst – von der intensivmedizinischen Akutbehandlung über die verschiedenen Phasen der Rehabilitation bis zur ambulanten Nachsorge. 

Prof. Thea Koch (links), Direktorin der Klinik für Anästhesiologie und Intensivtherapie des Uniklinikums verantwortet gemeinsam mit Dr. Ulf Bodechtel von der Klinik Bavaria
Prof. Thea Koch (links), Direktorin der Klinik für Anästhesiologie und Intensivtherapie des Uniklinikums verantwortet gemeinsam mit Dr. Ulf Bodechtel von der Klinik Bavaria
Foto: Uniklinikum Dresden / Holger Ostermeyer
 
Vom Comprehensive Sepsis Center, das für eine koordinierte, telemedizinisch unterstützte Patientenversorgung steht, profitieren die Betroffenen und deren Angehörigen.

  • Die Initiatoren des Zentrums erwarten sich eine verkürzte Aufenthaltsdauer in Akut- und Rehaklinik ebenso wie eine Reduktion der stationären Wiederaufnahmen. 

Die Arbeit des Comprehensive Sepsis Center wird wissenschaftlich begleitet und laufend weiterentwickelt. Die Klinik Bavaria und das Uniklinikum als Initiatoren tragen in der Pilotphase die zusätzlichen Kosten für das Zentrum. Ziel ist die Aufnahme in den Krankenhausplan des Freistaats.

  • Bei einer Sepsis wehrt sich das Immunsystem so heftig gegen eine sich über die Blutbahn ausbreitende Infektion, dass es zu massiven Schäden am körpereigenen Gewebe kommt. 

Im schlimmsten Fall führt dies zum lebensgefährlichen Organversagen. Allein in Deutschland erleiden jährlich 150.000 Menschen eine Sepsis – mit steigender Tendenz bei Schweregrad und Gesamtanzahl. In mehr als einem Drittel der Fälle sterben die Patienten an der schweren Infektion selbst oder an deren Folgen.

Aufgrund dieser hohen Sterblichkeit stehen die Ärzte unter dem hohen Druck, die Sepsis schnell zu erkennen und zu behandeln. 

Zudem machen die sehr unterschiedlichen Ursachen, die zu dieser schweren Infektion führen können, eine fachübergreifende Betreuung der Patienten notwendig. Die Komplexität der Sepsis führt dazu, dass viele der davon Betroffenen über Wochen auf einer Intensivstation liegen müssen.

Hier können sie künstlich beatmet, zum Teil aber auch dialysiert oder mit dem ECMO-Verfahren versorgt werden. Dabei reichern die Intensivmediziner das Blut des Patienten außerhalb des Körpers mit Sauerstoff an.

Auch nach überstandener Sepsis ist es für Ärzte, Therapeuten und Pflegende eine große Herausforderung, den Betroffenen den Weg zurück zu einem selbstbestimmten Leben zu ebnen. 
  • Viele der Patienten müssen sich alltägliche Dinge wie Gehen, Schlucken oder Sprechen neu aneignen. 
  • Halbjährige Aufenthalte in Reha-Kliniken sind dabei keine Seltenheit. 
  • Auch die Zahl derjenigen, die danach pflegebedürftig bleiben, ist sehr hoch.

Nicht zuletzt durch ein größeres Bewusstsein in den Kliniken sowie durch neue Erkenntnisse zu Diagnose und Therapie der Blutvergiftung hat sich die Akutversorgung von Sepsis-Patienten in den vergangenen Jahren deutlich verbessert. Dem von der Klinik Bavaria und dem Dresdner Uniklinikum gegründeten Comprehensive Sepsis Center geht es nun darum, die einzelnen Behandlungsschritte umfassend miteinander zur verzahnen. „Das Universitätsklinikum und die Klinik Bavaria stehen jeweils für höchste Expertise in der Versorgung und Rehabilitation von Sepsis-Patienten. Da ist es nur konsequent, gemeinsam einen Weg einzuschlagen, um im Sinne der Patienten und des Gesundheitswesens Projekte zur weiteren Verbesserungen in der Therapie zu initiieren“, sagt Prof. Michael Albrecht, Medizinischer Vorstand des Universitätsklinikums Dresden.

Rudolf Presl, Geschäftsführer der Klinik Bavaria Kreischa fügt hinzu: „Die Durchführung einer gemeinsamen Behandlungsverlaufsplanung - fach- und leistungssektorenübergreifend - dient dazu, die Erfahrungen der beiden Träger auszutauschen und zu koordinieren, so dass das Überleben und der Weg zurück in das aktive Leben als gemeinsames Zielprojekt mit dem Patienten und seinen Angehörigen eine noch größere Chance bekommt. Daran arbeiten alle Mitarbeiter gemeinsam mit den Betroffenen und ihren Angehörigen.“

Comprehensive Center bündelt wissenschaftliche und medizinische Kompetenz

Die Sepsis als komplexes, prinzipiell lebensbedrohliches Krankheitsbild bedarf einer eng abgestimmten fachübergreifenden Behandlung. Doch für die Therapie der schweren Blutvergiftung und deren Folgen gibt es bisher keine entsprechenden Behandlungszentren. Das steht im deutlichen Gegensatz zur Versorgung von Krebskranken oder Schlaganfallpatienten, für die viele Kliniken bereits entsprechende Strukturen etabliert haben. Das Dresdner Uniklinikum und die Klinik Bavaria wollen hier eine Wende einleiten. Derzeit gibt es weltweit keine integrierten Behandlungsangebote für die Zeit nach der intensivmedizinischen Akutbehandlung, also für die Therapie der Sepsisfolgen. Da diese Erkrankung nahezu alle Organsysteme umfassen kann, sind gerade hier spezifische Behandlungsangebote und -konzepte besonders wichtig. Diese sind seit Jahren in der Klinik in Kreischa vorhanden. – An dieser Stelle setzt das neue Comprehensive Sepsis Center an, in dem es die Erfahrungen des vor 15 Jahren etablierten Universitäts KrebsCentrums Dresden sowie des wenig später gestarteten „Schlaganfallversorgung in Ost-Sachsen Netzwerk“ – SOS-NET nutzt. Bereits bei diesen innovativen Versorgungsangeboten übernahm das Uniklinikum eine Vorreiterrolle. Es ist daher – im Sinne der Patienten – geboten, dass die beiden Partner Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden und die Klinik Bavaria Kreischa ihre Kompetenzen bündeln und dieses gemeinsame Behandlungsangebot für die Patienten schaffen.

Das Modell eines medizinischen Comprehensive Center ist Maßstab des neuen Sepsis-Zentrums. 


  • Bei komplexen Krankheitsbildern stellt es eine umfassende Patientenversorgung sicher, in die nicht nur aktuelle Forschungsergebnisse einfließen, sondern deren Arbeit wissenschaftlich begleitet wird. 

Auch Aspekte der Lehre sowie der Fort- und Weiterbildung des ärztlichen, therapeutischen und pflegerischen Personals spielen eine wichtige Rolle.

„Mit dem Comprehensive Sepsis Center entsteht ein übergreifendes Zentrum für wissenschaftliche und medizinische Kompetenz, auf deren Grundlage sich die Krankenversorgung auch regional verbessern lässt.

Unser mittelfristiges Ziel ist es, durch Kooperationen mit Krankenhäusern der Region die Grundversorgung in der Fläche kontinuierlich zu optimieren“, sagt Prof. Thea Koch.

Die Direktorin der Klinik für Anästhesiologie und Intensivtherapie verantwortet gemeinsam mit Dr. Ulf Bodechtel vom Zentrum für fachübergreifende Intensivmedizin und Weaning, Akutrehabilitation und Rehabilitation der Klinik Bavaria das neue Sepsis-Zentrum.

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Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden
Klinik und Poliklinik für Anästhesiologie und Intensivtherapie
Direktorin: Prof. Dr. med. Thea Koch
Tel.: 0351/ 4 58 4110
E-Mail: Thea.Koch@uniklinikum-dresden.de
www.uniklinikum-dresden.de/anae

Klinik Bavaria Kreischa
Zentrum für fachübergreifende Intensivmedizin und Weaning, Akutrehabilitation und Rehabilitation
Chefärzte im Kollegialsystem: Dr. med. Ulf Bodechtel, Dr. med. Andreas Bauer
Tel.: 035206 6-2054
E-Mail: sekretariat.fachkrankenhaus@klinik-bavaria.de
www.klinik-bavaria.de

Holger Ostermeyer Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden
Fetscherstraße 74
01307 Dresden
Deutschland
Sachsen

Telefon: 0351 / 458-4162
Fax: 0351 / 458-884162
E-Mail-Adresse: pressestelle@uniklinikum-dresden.de
 

Einladung zum Schnelltest Risikokompetenz für Medizinstudierende, Mediziner*innen und medizinisches Fachpersonal:

Medizin am Abend Berlin Fazit: Viele Medizinstudierende verstehen Statistik nicht

Gute medizinische Versorgung braucht Statistik. 

Um Studienergebnisse zu verstehen, Risiken abschätzen zu können oder sich für eine Behandlungsmethode zu entscheiden, benötigen Mediziner*innen statistisches Wissen. 

Medizin am Abend Berlin ZusatzFachThema: Klinische Studien 

Mit einem neu entwickelten Schnelltest konnten Forscher*innen des Harding-Zentrums für Risikokompetenz am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung in einer Studie zeigen, dass viele Medizinstudierende und Lehrende zu wenig Ahnung von Statistik haben. 

Der „Schnelltest Risikokompetenz“ und die Ergebnisse der Studie wurden jetzt im BMJ Open veröffentlicht.  


Der „Schnelltest Risikokompetenz“ kann hier als Pdf-Datei heruntergeladen werden:

Medizin am Abend Berlin: Hier zum Test ....


 
Was bedeutet es, wenn ein HIV-Test eine Genauigkeit von 99,5 Prozent hat?

Kann eine Darmspiegelung das Risiko verringern, an Darmkrebs zu sterben? Um wie viel Prozent erhöht die Antibabypille das Thromboserisiko?

Ärzte müssen sich täglich für Untersuchungsmethoden entscheiden, Diagnoseergebnisse interpretieren und Chancen und Risiken von Behandlungsmethoden abschätzen. 

In der modernen Medizin sollten diese ärztlichen Handlungen auf dem aktuellen wissenschaftlichen Kenntnisstand – also auf Studien und Statistiken – basieren. Daher müssen für eine gute und effektive Gesundheitsversorgung Mediziner*innen Statistiken lesen, interpretieren und kommunizieren können. 

Doch haben bisherige Untersuchungen bereits gezeigt, dass dies nicht immer der Fall ist.

Um die Statistikkompetenz von Mediziner*innen messen zu können, haben die Wissenschaftler*innen des Harding-Zentrums für Risikokompetenz am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung einen Schnelltest entwickelt.

Mit zehn Multiple-Choice-Fragen wird die Fähigkeit, Risiken einzuschätzen und Wahrscheinlichkeiten zu verstehen, sowie das Verständnis zentraler Begriffe aus der Medizinstatistik geprüft.

 „Die Fragen basieren auf Situationen aus der ärztlichen Praxis.

In einem guten Gesundheitssystem müsste jede Medizinerin und jeder Mediziner diese Fragen richtig beantworten können“, sagt Mirjam Jenny, Erstautorin der Studie und Leitende Wissenschaftlerin am Harding-Zentrums für Risikokompetenz.

Doch sieht die Realität anders aus. Für die Beobachtungsstudie haben 169 Studierende und 16 Lehrende den Test durchgeführt.

Die Studierenden standen kurz vor ihrem Abschluss an der Charité Berlin, die Lehrenden waren Professor*innen und erfahrene Dozent*innen, die eine Fortbildung an einer deutschen Universität besuchten. 

Für alle war die Teilnahme an dem Test freiwillig und anonym.

Das Ergebnis: 

Die Studierenden beantworteten im Durchschnitt nur die Hälfte, die Lehrenden dreiviertel aller Fragen richtig.

„Diese Studie zeigt, dass Statistik in der medizinischen Lehre immer noch vernachlässigt wird – das muss sich ändern. Wenn angehende Ärztinnen und Ärzte Statistiken missverstehen, werden sie falsche Informationen auch an ihre Patientinnen und Patienten weitergeben“, sagt Gerd Gigerenzer, Coautor der Studie und Direktor des Harding-Zentrums für Risikokompetenz.

Die Studie konnte aber auch klar zeigen, dass man diese Lücke an statistischem Wissen bei Medizinstudierenden leicht schließen kann. 

Nachdem die Studierenden den Test zum ersten Mal durchgeführt hatten, nahmen sie an einem Kurs teil, in dem mit theoretischem Input und praktischen Übungen medizinische Statistik gelehrt wurde. Anschließend führten die Studierenden den Schnelltest erneut durch. Dieses Mal beantworteten sie im Durchschnitt 90 Prozent aller Fragen richtig.

Niklas Keller, Coautor der Studie, unterrichtet Medizinstudierende in der Interpretation und Kommunikation medizinischer Statistiken.

Medizin am Abend Berlin ZusathFachThema: Beutelsbacher-Konsens 

„Mit mangelnder Statistikkompetenz müssen wir nicht leben“, sagt er.

„Bereits ein 90-minütiger Kurs kann die Statistikkompetenz der angehenden Medizinerinnen und Mediziner erheblich verbessern.“

Zwar sei die Studie bisher nur an zwei Orten systematisch durchgeführt und die Zahl der getesteten Lehrenden relativ gering, so die Autor*innen, jedoch entspricht sie dem aktuellen Forschungsstand zu fehlender Statistikkompetenz.

Mit dem neuen „Schnelltest Risikokompetenz“ bieten die Wissenschaftler*innen angehenden, praktizierenden und lehrenden Mediziner*innen jetzt eine Möglichkeit, ihr Statistikwissen selbst zu prüfen. ---

Das Max-Planck-Institut für Bildungsforschung wurde 1963 in Berlin gegründet und ist als interdisziplinäre Forschungseinrichtung dem Studium der menschlichen Entwicklung und Bildung gewidmet. Das Institut gehört zur Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften e. V., einer der führenden Organisationen für Grundlagenforschung in Europa.

Originalpublikation:
Jenny, M. A., Keller, N., & Gigerenzer, G. (2018). Assessing minimal medical statistical literacy using the Quick Risk Test: A prospective observational study in Germany. BMJ Open, 8(8). doi:10.1136/bmjopen-2017-020847

Der „Schnelltest Risikokompetenz“ kann hier als Pdf-Datei heruntergeladen werden:

https://www.harding-center.mpg.de/de/harding-zentrum/schnelltest-risikokompetenzsse/2018/10

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Reha-Leistungen: Diagnose Brustkrebs

Medizin am Abend Berlin Fazit: Brustkrebs: Wie geht es nach der Therapie weiter?

Die Diagnose Brustkrebs ist ein Schock. 

Eine große Bandbreite möglicher Therapien sorgt mittlerweile dafür, dass die Mehrheit der Betroffenen die Erkrankung überlebt. 

Doch wie geht es nach der Therapie weiter?

Medizin am Abend Berlin ZusatzFachThema: Pflegepersonaluntergrenzen Intensivstation  

Werden Reha-Leistungen in Anspruch genommen? 

Wie sieht es mit der Rückkehr in den Beruf aus? 

Die Forschungsstelle für Gesundheitskommunikation und Versorgungsforschung am Universitätsklinikum Bonn und die Deutsche Krebsgesellschaft führen nun gemeinsam ein Projekt durch, das diese Fragen erhellen soll. Das Vorhaben wird mit 167.000 Euro von der Deutschen Rentenversicherung Bund gefördert. 

Prof. Dr. Nicole Ernstmann von der Forschungsstelle für Gesundheitskommunikation und Versorgungsforschung des Universitätsklinikums Bonn.
Prof. Dr. Nicole Ernstmann von der Forschungsstelle für Gesundheitskommunikation und Versorgungsforschung des Universitätsklinikums Bonn. © Foto: Johann F. Saba/UKB

 
Neben Frauen sind auch Männer von Brustkrebs betroffen – wenngleich nur etwa jeder hundertste Betroffene männlich ist. Aufgrund vielfältiger Therapien sind die Heilungschancen gut:

  • Bei Männern überleben rund 70 Prozent und bei Frauen etwa 90 Prozent die ersten fünf Jahre nach der Diagnose. 

Wenn die Therapie anschlägt, können die Patientinnen und Patienten erst einmal aufatmen.

Aber wie geht es nach einer einschneidenden Krebserkrankung weiter?

Medizin am Abend Berlin ZusatzFachLink: Prävention und Rehabilitation  

Nehmen die Betroffenen Leistungen der medizinischen Rehabilitation in Anspruch? 

Kehren sie danach in ihren Beruf zurück?

„Wir haben Anhaltspunkte dafür, dass etwa 60 Prozent der Brustkrebspatientinnen und -patienten Reha-Leistungen in Anspruch nehmen“, berichtet Prof. Dr. Nicole Ernstmann von der Forschungsstelle für Gesundheitskommunikation und Versorgungsforschung an der Klinik und Poliklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie und vom Centrum für Integrierte Onkologie (CIO) Köln Bonn – Standort Bonn, dem interdisziplinären Krebszentrum des Universitätsklinikums Bonn.

„Außerdem kehren viele vor der Erkrankung noch Berufstätige nicht in ihren Beruf zurück.“ Welche Ursachen das hat, darüber ist die Datenlage noch dürftig.

Das neue Projekt „Breast Cancer Patients‘ Return to Work” (B-CARE) soll dazu Aufschluss geben. Die Deutsche Rentenversicherung fördert das Vorhaben in den nächsten zwei Jahren mit insgesamt 167.000 Euro. Prof. Ernstmann vom Universitätsklinikum Bonn und Dr. Christoph Kowalski von der Deutschen Krebsgesellschaft leiten gemeinsam das Projekt, das von der Deutschen Vereinigung für Soziale Arbeit im Gesundheitswesen e.V. und der Frauenselbsthilfe nach Krebs e.V. unterstützt wird.

530 Betroffene sollen befragt werden

In den nächsten beiden Jahren sollen 530 ehemalige Brustkrebspatientinnen persönlich und postalisch befragt werden. B-CARE nutzt zusätzlich Daten aus der im Rahmen des Nationalen Krebsplans geförderten PIAT-Studie und verknüpft diese mit den aktuellen Befragungsdaten sowie Routinedaten. Dadurch soll es erstmals möglich sein, die individuellen Erfahrungen, Präferenzen und Entscheidungen bezüglich Rehabilitation und beruflicher Wiedereingliederung von Frauen nach einer Brustkrebserkrankung umfangreich abzubilden.

„Ein wichtiger Aspekt der sozialen Teilhabe und Wiedereingliederung nach einer Brustkrebserkrankung ist die Rückkehr zur Arbeit“, sagt Ernstmann.

Vor diesem Hintergrund sei es das Ziel von B-CARE, die psychosozialen Faktoren zu untersuchen, die die Inanspruchnahme von Rehabilitationsleistungen und die Rückkehr in den Beruf begünstigen.

Forschung für Gesundheitskommunikation und Versorgungsforschung

Die Forschungsstelle für Gesundheitskommunikation und Versorgungsforschung (CHSR) des Uniklinikums Bonn wurde 2016 gegründet und ist in der Klinik und Poliklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie angesiedelt.

Schwerpunkmäßig wird die Versorgungsqualität von Menschen mit onkologischen, kardiologischen oder psychischen Erkrankungen erforscht. 

Hierzu zählen medizinische, pflegerische oder psychosoziale Versorgungsstrukturen und -prozesse ebenso wie die Kommunikation mit Patienten und ihren Angehörigen sowie im Versorgungsteam.  

Internet: www.ukbonn.de/chsr

Deutsche Krebsgesellschaft

Die Deutsche Krebsgesellschaft e.V. (DKG) ist die größte wissenschaftlich-onkologische Fachgesellschaft im deutschsprachigen Raum. In der DKG vertreten sind über 8.000 Einzelmitglieder in 25 Arbeitsgemeinschaften, die sich mit der Erforschung und Behandlung von Krebserkrankungen befassen; dazu kommen 16 Landeskrebsgesellschaften und 39 Fördermitglieder. Die DKG engagiert sich für eine Krebsversorgung auf Basis von evidenzbasierter Medizin, Interdisziplinarität sowie konsequenten Qualitätsstandards und ist Mitinitiatorin des Nationalen Krebsplans. Internet: www.krebsgesellschaft.de

Brustkrebs: Wie geht es nach der Therapie weiter?



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Prof. Dr. Nicole Ernstmann
Forschungsstelle für Gesundheitskommunikation
und Versorgungsforschung
Klinik und Poliklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie
Universitätsklinikum Bonn
Tel. 0228/28715763
E-Mail: Nicole.Ernstmann@ukbonn.de

Poppelsdorfer Allee 49
53115 Bonn
Deutschland
Nordrhein-Westfalen

Johannes Seiler
Telefon: 0228 / 73-4728
Fax: 0228 / 73-7451
E-Mail-Adresse: j.seiler@uni-bonn.de

Entzündliche Erkrankung der Blutgefäße: Urtikaria-Vaskulitis : Nesselsucht

Medizin am Abend Berlin Fazit: Wirksame Therapien bei Urtikaria-Vaskulitis

Meta-Analyse zu erfolgreichen und wirkungslosen Behandlungen 
 
  • Welche Therapien existieren für Patienten, die an Urtikaria-Vaskulitis, einer seltenen Entzündungserkrankung, leiden? 

Und wie effektiv sind diese Behandlungen?

Diesen Fragen sind Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Charité – Universitätsmedizin Berlin nachgegangen. Die Ergebnisse ihrer Meta-Analyse wurden jetzt in der Fachzeitschrift Journal of Allergy and Clinical Immunology* veröffentlicht. Die Arbeit zeigt, welche Therapieansätze bei Urtikaria-Vaskulitis Erfolg versprechend sind.

Die Urtikaria-Vaskulitis ist eine seltene, entzündliche Erkrankung der Blutgefäße. 

Zwischen 20.000 und 50.000 Menschen in Deutschland sind jährlich davon betroffen.

Die Erkrankung ist schwierig zu behandeln, da es bislang keine eigens dafür zugelassenen Medikamente gibt. 

Es werden jedoch verschiedene Therapien angewendet, um den Patienten zu helfen – mit großen Unterschieden, was den Erfolg der Behandlung angeht.

Aus diesem Grund hat Prof. Dr. Marcus Maurer, Forschungsdirektor an der Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie der Charité, mit seinem Team untersucht, welche Behandlungen bei Urtikaria-Vaskulitis wirksam sein können.

Die Wissenschaftler haben dazu in einer systematischen Meta-Analyse alle bisher publizierten 250 Studien, in denen über die Behandlung von Urtikaria-Vaskulitis-Patienten berichtet wird, ausgewertet.

  • Zentrale Erkenntnisse sind, dass Patienten mit Urtikaria-Vaskulitis von Behandlungen mit Kortison, Biologika und Immunsuppressiva profitieren. 
  • Hingegen sind Antihistaminika oder antientzündliche Medikamente für die Behandlung nutzlos.

Antihistaminika gehören zu den gängigen Therapien bei Patienten mit Urtikaria, der Nesselsucht.

Urtikaria-Vaskulitis ist allerdings keine Form dieser Hautkrankheit. 

Da Patienten bei beiden Krankheiten ähnliche Symptome, wie Juckreiz, Quaddeln, Rötungen oder Schwellungen der Haut, aufweisen, wird die Uritikaria-Vaskulitis häufig mit der Nesselsucht verwechselt.

„Unsere Arbeit trägt dazu bei, dass wir Patientinnen und Patienten mit Urtikaria-Vaskulitis nun besser behandeln können“, sagt Prof. Maurer und ergänzt:

„In unseren nächsten Forschungsprojekten wollen wir Kriterien für eine bessere Diagnose der Urtikaria-Vaskulitis erstellen und darüber hinaus Verfahren erarbeiten, mit denen wir das Ansprechen auf eine Therapie objektiv messen können.

Das ist die Grundlage, um in Zukunft gezielt Wirkstoffe für die Urtikaria-Vaskulitis entwickeln zu können.“

*Kolkhir P, Grakhova M, Bonnekoh H, Krause K, Maurer M. Treatment of urticarial vasculitis: A systematic review. J Allergy Clin Immunol. 2018 Sep 27. pii: S0091-6749(18)31356-3. doi: 10.1016/j.jaci.2018.09.007.

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Prof. Dr. Marcus Maurer
Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie
Charité – Universitätsmedizin Berlin
t: +49 30 450 518 043
marcus.maurer@charite.de

Charitéplatz 1
10117 Berlin
Deutschland
Berlin


Manuela Zingl
Telefon: 030 / 450 570 400
Fax: 030 / 450 570 940
E-Mail-Adresse: manuela.zingl@charite.de


Dr. Julia Biederlack
Telefon: 030-450 570 585
Fax: 030-450 570 940
E-Mail-Adresse: julia.biederlack@charite.de


Weitere Informationen für international Medizin am Abend Berlin Beteiligte
https://derma.charite.de/

 

CAVE Narkose: Muskelrelaxanzien und postoperativen Lungenkomplikationen

Medizin am Abend Berlin Fazit: Große Studie zu Narkose-Medikamenten: Muskelrelaxanzien erhöhen das Risiko von Lungenkomplikationen

Für einige Operationen ist es notwendig, Muskeln während der Narkose mit Medikamenten zu entspannen. 

Es gibt jedoch Hinweise darauf, dass damit Risiken für die Lungenfunktion verbunden sind. 

POPULAR, eine prospektive Beobachtungsstudie unter Leitung der Technischen Universität München (TUM) gefördert von der Europäischen Gesellschaft für Anästhesiologie (ESA) bestätigt den Zusammenhang zwischen Muskelrelaxanzien und postoperativen Lungenkomplikationen. 
 
  • Durch Narkose-Medikamente werden Patientinnen und Patienten bewusstlos und spüren keinen Schmerz. 

Das bedeutet jedoch nicht, dass ihre Muskeln vollständig regungslos sind: 

Sie können sich unwillkürlich bewegen und damit Fortgang und Erfolg der Operation gefährden.

„Um das zu vermeiden, können wir die Muskulatur vorrübergehend mit Muskelrelaxanzien lähmen“, sagt Prof. Manfred Blobner, von der Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin am Klinikum rechts der Isar der TUM.

„Diese Medikamente sind besonders wichtig, wenn im Bauch oder im Brustkorb operiert wird. 

Sie werden auch verwendet, um Stimmband-Verletzungen zu vermeiden, wenn man einen Beatmungsschlauch in die Luftröhre platziert“, erläutert Blobner, der dem Lenkungskreis der POPULAR-Studie vorsteht, dem Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der Fakultät für Medizin der TUM, des Karolinska Institutet, der Universitätsklinik Bonn, des Amsterdam University Medical Center, der Université de Lorraine Nancy, und der Fakultät für Medizin University of Liverpool angehören. Die prospektive Beobachtungsstudie sammelte Daten von 22.803 Patienten in 211 Klinken in 28 europäischen Ländern.

Ergebnisse bestätigen Risiko für Patienten

Erste Ergebnisse wurden jetzt in „The Lancet Respiratory Medicine“ veröffentlicht.

Sie bestätigen ein Phänomen, auf das frühere Arbeiten bereits hingedeutet hatten: 
  • Werden bei einer Narkose Muskelrelaxanzien eingesetzt, steigt das Risiko bestimmter Komplikationen, die Lunge und Atemwege betreffen, signifikant.
  • Die häufigsten Komplikationen waren eine verringerte Fähigkeit der Lunge, Sauerstoff aufzunehmen (5,2%) und Infektionen der Atemwege oder der Lunge (2,5%). 
Bei rund drei Viertel der Patienten wurden Muskelrelaxanzien eingesetzt. 

Bei ihnen war das absolute Risiko eine pulmonale Komplikation zu erleiden um 4,4% erhöht.

Weder Überwachung noch Gegenmedikamente senken das Risiko

Die genauen Ursachen der Komplikationen wurden in der Studie nicht erforscht. Frühere Untersuchungen legen nahe, dass im Körper verblieben Reste der Muskelrelaxanzien verantwortlich sein könnten. Die Daten aus der POPULAR-Studie zeigen jedoch auch, dass etablierte Maßnahmen, um Restwirkungen zu vermeiden, das Risiko nicht vermindert haben.

Weder Medikamente zur Hemmung der Wirkung von Muskelrelaxanzien noch eine Messung der Muskelfunktion, um das vollständige Abklingen der Wirkung zu garantieren, beeinflussten die Ergebnisse.

Aus Sicht der Autorinnen und Autoren bedeutet dies nicht, dass die Maßnahmen ihren Zweck nicht erfüllen würden. 

Es sei jedoch wahrscheinlich, dass es noch Verbesserungsmöglichkeiten bei der Umsetzung gebe. 

Zudem könne es weitere Ursachen für die pulmonalen Komplikationen geben.

  • Muskelrelaxanzien weiterhin wichtig und hilfreich

„Muskelrelaxanzien haben seit ihrer Einführung Operationen deutlich sicherer und effektiver gemacht “, sagt Prof. Blobner. „Im Laufe der Jahrzehnte haben wir sowohl die Medikamente als auch ihre Verabreichung ständig verbessert. Viele Eingriffe wären ohne Muskelrelaxanzien gar nicht möglich. Dennoch stellen sich durch die Ergebnisse von POPULAR neue Fragen.“

Blobner und seine Co-Autorinnen und -Autoren planen weitere Studien, um den Mechanismen hinter den Komplikationen auf den Grund zu gehen.

„Anhand unserer Ergebnisse würden wir jedoch bereits heute Anästhesistinnen und Anästhesisten raten, bei kleineren Eingriffen, die keine Lähmung der Muskulatur erfordern, auf Muskelrelaxanzien zu verzichten und die Atemwege statt mit einem Beatmungsschlauch in der Luftröhre mit einer Kehlkopfmaske zu sichern“, sagt Blobner.

Mehr Informationen:

Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin der TUM: http://www.anaesth.med.tum.de/

Weitere Informationen zum Ablauf der POPULAR-Studie und zum Studienprotokoll auf der Website des Clinical Trial Networks der Europäischen Gesellschaft für Anästhesiologie:

 http://www.esahq.org/research/clinical-trial-network/published-trials/popular

Große Studie zu Narkose-Medikamenten: Muskelrelaxanzien erhöhen das Risiko von Lungenkomplikationen



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Prof. Dr. Manfred Blobner
Technische Universität München
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Tel: +49-89-4140-7206
m.blobner@tum.de
www.tum.de

Arcisstr. 21
80333 München
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Dr. Ulrich Marsch
Telefon: 089 / 289 - 22778
Fax: 089 / 289 - 23388
E-Mail-Adresse: presse@tum.de


Originalpublikation:
Kirmeier E, Eriksson LI, Lewald H, Jonsson Fagerlund M, Hoeft A, Hollmann M, Meistelman C, Hunter JM, Ulm K, Blobner M: Post-anaesthesia pulmonary complications after use of muscle relaxants (POPULAR): a multicentre, prospective observational study. www.thelancet.com/respiratory Published online September 14, 2018 http://dx.doi.org/10.1016/S2213-2600(18)30294-7

Der Schlaganfall: Akutes Notfallereignis und chronische Erkrankung www.dasgehirn.info/

Medizin am Abend Berlin Fazit: Schlaganfall - und dann?! Wie ein erneuter Hirninfarkt verhindert werden kann

Ein Schlaganfall kommt oft nicht alleine: 
  • Wer bereits einen Hirninfarkt erlitten hat, besitzt gegenüber Gleichaltrigen ohne Vorbelastung ein zehnfach höheres Risiko, erneut daran zu erkranken. 

Doch es kann vorgebeugt werden: 

Laut Experten der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft (DSG) sind 90 Prozent des Risikos auf behandelbare Faktoren wie Bluthochdruck, hohes Cholesterin, Vorhofflimmern oder Rauchen zurückzuführen. 

Sie empfehlen daher eine präventive Behandlung. 

Medizin am Abend Berlin ZusatzFachThema: Versorgung mit Physiotherapie und anderen Heilmitteln sichern 

Was muss sich ändern, damit mehr erneute Schlaganfälle verhindert werden? 

Darüber diskutieren Experten der DSG auf einer Konferenz in Berlin am 25. Oktober 2018 anlässlich des Weltschlaganfalltages am 29. Oktober. 
 
„Seit vielen Jahren stehen hierzulande wissenschaftlich gesicherte Behandlungsstrategien wie Blutdrucksenkung, Cholesterinsenkung oder gerinnungshemmende Therapien zur Verfügung. Diese Strategien helfen nachweislich, einen erneuten Schlaganfall zu verhindern“, sagt DSG-Experte Professor Dr. med. Heinrich Audebert.

„Problematisch ist jedoch, dass die verfügbaren Präventionsmaßnahmen in der Langzeit-Behandlung nach einem Schlaganfall nicht konsequent genug genutzt werden.“

  • So hat eine Berliner Studie gezeigt, dass ein halbes Jahr nach dem Schlaganfall bei lediglich weniger als der Hälfte der Patienten verbreitete Risikofaktoren wie Bluthochdruck ausreichend eingestellt waren – eine solche Nachsorge sehen jedoch die Leitlinien vor. 
Nach Einschätzung von Audebert ist die Prävention in Deutschland damit im internationalen Vergleich zu wenig wirksam.

„Viele Patienten könnten von einer intensiveren ambulanten Betreuung profitieren“, so der Ärztliche Leiter der Klinik und Hochschulambulanz für Neurologie an der Charité Universitätsmedizin Berlin. „Zudem sind offensichtlich viele Betroffene nach dem Schlaganfall mit der Umsetzung der teilweise komplexen medizinischen Empfehlungen überfordert.“

Was müsste nun konkret passieren, damit die Prävention hierzulande effektiver wird? DSG-Experte Audebert fordert ein Umdenken: „Wir sollten den Schlaganfall nicht nur als akutes Notfallereignis verstehen, sondern vielmehr als chronische Erkrankung.

Die starke Trennung zwischen krankenhausbasierter Akutbehandlung und ambulanter Nachbetreuung macht eine wirksame und patientenorientierte Sekundärprävention zu einer großen Herausforderung.“

Mit einem überschaubaren Aufwand ist es nach Einschätzung von Audebert möglich, nach einem ersten Schlaganfall einen wesentlich besseren Schutz zu bewirken. „Unmittelbar nach der Erkrankung sollten gezielte Nachbetreuungsprogramme einsetzen“, meint der Neurologe.

  • „Dafür ist es wichtig, dass die behandelnden Ärzte – sowohl in der Akuteinrichtung als auch in Hausarztpraxen – eng zusammenarbeiten.“

Zudem sei eine gute Logistik entscheidend.

Besonders wichtig sind dabei gute Anbindungen an Kliniken mit Schlaganfallspezialeinrichtungen, sogenannten Stroke Units.

 „In Ballungszentren mit universitären Hochschulambulanzen ist dies natürlich eher gegeben“, so Audebert.

„Für eine ideale Versorgung müssen jedoch bundesweit möglichst flächendeckend spezialisierte Ambulanzen einrichtet werden.“ Solche Unterstützungsprogramme werden momentan von Schlaganfall-Experten hinsichtlich ihrer Effektivität untersucht, Studien dazu stehen teilweise kurz vor ihrem Abschluss. Die Ergebnisse der multizentrischen und internationalen Studie zur „Intensivierten Sekundärprävention mit Intention einer verringerten Rezidivrate bei TIA- und minor-stroke Patienten“ (INSPiRE-TMS-Studie) sollen beispielsweise im Frühjahr kommenden Jahres vorliegen.

Die Unterstützungsprogramme sollen dabei in Ergänzung zur Hausarztbehandlung und in enger Abstimmung mit den niedergelassenen Ärzten durchgeführt werden. 

„Ziel ist es, die Patienten in ihrer Eigenverantwortung zu stärken“, sagt der Experte.

„Die Programme sollen den Betroffenen helfen, ihre medikamentösen Behandlungen einzuhalten und einen gesünderen Lebensstil zu führen.“

Wenn solche gezielten Maßnahmen zukünftig häufiger umgesetzt würden, könnte das zu einer spürbaren Senkung der Schlaganfallhäufigkeit in Deutschland führen – denn circa ein Viertel der Betroffenen erleidet einen Schlaganfall als Wiederholungsereignis. 
 

Von der regionalen Klinik bis zur spezialisierten Stroke Unit: Über die Schlaganfall-Versorgung in Deutschland
Professor Dr. med. Darius G. Nabavi
Vorsitzender der Stroke Unit Kommission der DSG und Chefarzt der Klinik für Neurologie am Vivantes Klinikum Neukölln

Ist die Schlaganfall-Versorgung in Deutschland gefährdet? Auswirkungen des aktuellen Urteils des Bundessozialgerichts (BSG)
Professor Dr. med. Armin Grau
1. Vorsitzender der DSG, Direktor der Neurologischen Klinik mit Klinischer Neurophysiologie und Stroke Unit am Klinikum Ludwigshafen

Schlaganfall-Versorgung in der Fläche sichern
Dr. Markus Wagner
Stroke Unit-Beauftragter der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe

Den zweiten Schlaganfall verhindern: Neue Ansätze in der Sekundärprophylaxe
Professor Dr. med. Heinrich Audebert
Ärztlicher Leiter der Klinik und Hochschulambulanz für Neurologie an der Charité – Universitätsmedizin Berlin, Campus Benjamin Franklin

Hirnaneurysmen: Wie vorbeugen? Wann handeln?
Professor Dr. med. Helmuth Steinmetz
3. Vorsitzender der DSG, Direktor am Zentrum der Neurologie und Neurochirurgie am
Klinikum der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt

Schlaganfall - und dann?!Wie ein erneuter Hirninfarkt verhindert werden kann




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Prof. Dr. med. Heinrich Audebert
Leiter der INSPiRE-TMS-Studie
Charité Universitätsmedizin Berlin
Klinik und Hochschulambulanz für Neurologie
Hindenburgdamm 30
12200 Berlin
Telefon: 030/8445 2277

Prof. Dr. med. Wolf-Rüdiger Schäbitz
Pressesprecher der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft (DSG)
Evangelisches Klinikum Bethel
Klinik für Neurologie
Haus Gilead I | Bethel
Burgsteig 13
33617 Bielefeld
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