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Kalium-Ionen- Kanäle: Herzinfarkt und neuronale Prozesse

Medizin am Abend Berlin Fazit: Mit Lichtimpulsen Herzzellen abschalten

Neu entwickelte Moleküle ermöglichen es erstmals, Zellen mittels Licht präzise abzuschalten / Forscher des Universitäts-Herzzentrums Freiburg · Bad Krozingen haben dies bei Herzzellen erreicht / Open-Access-Publikation in Nature Communications 

Die Doktorandin Ramona Kopton überprüft im Labor die Lichtempfindlichkeit von Herzzellen, die das neu entwickelte Zweikomponentensystem enthalten
Die Doktorandin Ramona Kopton überprüft im Labor die Lichtempfindlichkeit von Herzzellen, die das neu entwickelte Zweikomponentensystem enthalten
Britt Schilling / Universitäts-Herzzentrum Freiburg - Bad Krozingen
 
Optogenetische Methoden erlauben die gezielte Beeinflussung biologischer Prozesse in einzelnen Zellen mit Licht. 
  • Dadurch kann das Verhalten von Zellen, Zellverbünden, Organen oder sogar von ganzen Organismen mit hoher zeitlicher und räumlicher Auflösung gesteuert werden.
Medizin am Abend Berlin ZusatzFachThema: Erwerbsverlaufsmuster von Männern und Frauen mit Niedrigrenten

Medizin am Abend Berlin ZusatzFachThema: Altersarmut

 Molekulare Werkzeuge zum Anschalten der elektrischen Zellaktivität gibt es schon länger. Nun ist es erstmals einem Forschungskonsortium unter Beteiligung des Universitäts-Herzzentrums Freiburg · Bad Krozingen (UHZ) gelungen, ein neues optogenetisches Werkzeug zu entwickeln, mit dem elektrisch erregbare Zellen mit Licht gehemmt werden.

Medizin am Abend Berlin ZusatzThema: Hormonpräparat 

  • Das neue Werkzeug soll eingesetzt werden, um Vorgänge bei Herzinfarkt und neuronalen Prozessen besser zu verstehen. 

Die Studie wurde am 5. November 2018 im Fachmagazin Nature Communications veröffentlicht.

Für die Grundlagenforschung ist die Optogenetik von großer Bedeutung, da sie erlaubt, Zelltyp-spezifische Aufgaben im intakten Gewebe zu untersuchen. 

Zur Erforschung der elektrischen Steuerung komplexer Zellverbände werden beispielsweise lichtempfindliche Ionenkanäle zum „Anschalten“ elektrisch erregbarer Zellen mittels Licht verwendet. Nützlich sind gleichermaßen optogenetische Werkzeuge zum „Ausschalten“ der elektrischen Zellaktivität.

Allerdings waren die bisher dafür etablierten Proteine entweder nicht ausreichend effektiv oder hatten ungewollte Nebeneffekte.

Solche hemmenden licht-gesteuerten Moleküle herzustellen, ist jetzt einem Konsortium von Forscherinnen und Forschern des UHZ gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen der Humboldt-Universität zu Berlin, des Deutschen Zentrums für Neurodegenerative Erkrankungen in Berlin und der Charité Berlin, der Universität Bonn und des caesar (Center of advanced european studies and research) in Bonn, der Universität Freiburg sowie des Max-Planck-Instituts für Neurobiologie in Martinsried gelungen.

Das neu entwickelte Zwei-Komponenten-System basiert auf der gleichzeitigen Herstellung eines photo-aktivierten Enzyms (PAC) und eines bakteriellen Kalium-Kanals (K). 

„Wenn PAC und K gemeinsam vorliegen (PACK), genügt eine Belichtung mit einem kurzen Blaulichtblitz, um die Aktivität von Herzmuskelzellen und Nervenzellen für mehrere Sekunden zu unterdrücken“, erklärt Studienautorin Dr. Franziska Schneider-Warme, Forschungsgruppenleiterin am Institut für Experimentelle Kardiovaskuläre Medizin (IEKM) des UHZ.

Gemeinsam mit der Doktorandin Ramona Kopton hat sie die Experimente an Herzzellen durchgeführt.

Durch PACK-Aktivierung können auch Bewegungsabläufe in Zebrafischen durch Licht angehalten werden.




Ein lichtempfindliches Zweikomponenten-System blockiert die elektrische Aktivität von Herzzellen. Entwickelt wurde es von Dr. Franziska Schneider-Warme und Forschern aus ganz Deutschland.
 Ein lichtempfindliches Zweikomponenten-System blockiert die elektrische Aktivität von Herzzellen. Entwickelt wurde es von Dr. Franziska Schneider-Warme und Forschern aus ganz Deutschland. Britt Schilling / Universitäts-Herzzentrum Freiburg - Bad Krozingen


„Das Besondere an dem neuen optogenetischen System ist – neben der Funktion als ‚Aus‘-Schalter – seine ausgesprochen hohe Lichtempfindlichkeit“, sagt Ko-Studienleiter Prof. Dr. Peter Kohl, Direktor des IEKM.

Nach der Aktivierung des PACK- Systems durch wenige Photonen (Lichtquanten) verschieben Kalium-Ionen-vermittelte Ströme das Membranpotenzial in Richtung des natürlichen Ruhemembranpotentials der Zelle. 

Diese Art des Ausschaltens ist energetisch sinnvoll und reduziert ungewollte Nebeneffekte.

In der Zukunft möchten die Wissenschaftler ihr neues Werkzeug einsetzen, um neuartige Behandlungskonzepte zur Untersuchung fehlgeleiteter elektrischer Prozesse zu entwickeln, zum Beispiel nach Herzinfarkt.

Darüber hinaus planen sie weitere Anwendungen zur Untersuchung neuronaler Netzwerke.


Mit Lichtimpulsen Herzzellen abschalten


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Ü


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Prof. Dr. Peter Kohl
Direktor
Institut für Experimentelle Kardiovaskuläre Medizin
Universitäts-Herzzentrum Freiburg · Bad Krozingen
Telefon: 0761 270-63950
peter.kohl@universitaets-herzzentrum.de

Dr. Franziska Schneider-Warme
Forschungsgruppenleiterin
Institut für Experimentelle Kardiovaskuläre Medizin
Universitäts-Herzzentrum Freiburg · Bad Krozingen
Telefon: 0761 270-63954
franziska.schneider@universitaets-herzzentrum.de

Breisacher Straße 153
79110 Freiburg i. Br.
Deutschland
Baden-Württemberg

Benjamin Waschow
Telefon:
E-Mail-Adresse: benjamin.waschow@uniklinik-freiburg.de


Originalpublikation:
Original-Titel der Publikation: Potassium channel-based optogenetic silencing

DOI: 10.1038/s41467-018-07038-8

Link zur Studie: https://www.nature.com/articles/s41467-018-07038-8

Weitere Informationen für international Medizin am Abend Berlin Beteiligte
https://www.herzzentrum.de/kliniken-fachbereiche/institut-fuer-experimentelle-ka...

Forschungsgruppe Optogenetik, IEKM, UHZ

FEM- Freiheitsentziehende Maßnahmen: Wohltätigkeit + Fürsorge begründete Zwangsmaßnahmen

Medizin am Abend Berlin Fazit: Wann dürfen Menschen vor sich selbst geschützt werden?

Der Deutsche Ethikrat hat in Berlin seine Stellungnahme „Hilfe durch Zwang? Professionelle Sorgebeziehungen im Spannungsfeld von Wohl und Selbstbestimmung“ veröffentlicht. 
 
  • Mit Wohltätigkeit und Fürsorge begründete Zwangsmaßnahmen sind in vielen Feldern des Sozial- und Gesundheitswesens verbreitet. 
  • Dabei handelt es sich etwa um freiheitsentziehende Maßnahmen, wie die Unterbringung in Kliniken und anderen stationären Einrichtungen gegen den Willen der betroffenen Person oder das Anbringen von Bettgittern oder Fixierungsgurten, um medizinische Behandlungen oder Pflegemaßnahmen gegen den Willen eines Patienten oder um sogenannte intensivpädagogische Maßnahmen in der Kinder- und Jugendhilfe. 
Wenn eine Person sich selbst schwer zu schädigen droht, können solche Zwangsmaßnahmen dem Wohl der betroffenen Person dienen.

  • Gleichwohl stellt jede Anwendung solchen „wohltätigen Zwangs“ einen schwerwiegenden Eingriff in die Grundrechte der betroffenen Person dar und ist folglich in besonderem Maße rechtlich und ethisch rechtfertigungspflichtig. 
Dies führte immer wieder zu kritischen Diskussionen über entsprechende Praktiken in der Medizin, in Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe sowie in Pflege- und Behindertenheimen.

Der Deutsche Ethikrat greift mit seiner Stellungnahme diese Diskussionen mit dem Ziel auf, Politik, Gesetzgeber und Angehörige von Gesundheits- und Sozialberufen auf Regelungs- und Umsetzungsdefizite im schwierigen Problemfeld der professionellen Hilfe durch Zwang hinzuweisen und Lösungsvorschläge aufzuzeigen.

  • Grundsätzlich ist der Ethikrat der Auffassung, dass die Anwendung von Zwang im Kontext professioneller Sorgebeziehungen nur als Ultima Ratio in Betracht kommt. 
  • Das heißt zunächst, dass Rahmenbedingungen, Strukturen und Prozesse so gestaltet werden sollten, dass Zwang möglichst vermieden wird. 

Kommt es dennoch zu Situationen, in denen eine Person schweren Schaden zu nehmen droht, etwa weil sie sich einer erforderlichen medizinischen Maßnahme widersetzt, so muss durch beharrliche Überzeugungsarbeit versucht werden, die freiwillige Zustimmung oder Mitwirkung des Betroffenen zu erzielen. 

  • Auch müssen vor der Durchführung einer Zwangsmaßnahme alle zur Verfügung stehenden weniger eingreifenden Möglichkeiten ausgeschöpft werden, mit denen das gleiche Ziel erreicht werden kann.

Zwangsmaßnahmen dürfen nur in Situationen in Erwägung gezogen werden, in denen ein Sorgeempfänger in seiner Fähigkeit zur Selbstbestimmung so stark eingeschränkt ist, dass er keine freiverantwortliche Entscheidung zu treffen vermag.

Das bedeutet umgekehrt, dass der freie Wille einer voll selbstbestimmungsfähigen Person auch dann zu respektieren ist, wenn ihr erhebliche Risiken für Leib und Leben drohen. 

  • Die Fähigkeit zur Selbstbestimmung ist damit der zentrale normative Bezugspunkt im Umgang mit Zwang, auch wenn die Grenze der fehlenden Freiverantwortlichkeit in der Praxis schwer zu ziehen ist.

Jede Zwangsmaßnahme bedeutet in letzter Konsequenz eine Fremdbestimmung des Gezwungenen.

Umso wichtiger ist es, ihre Durchführung so zu gestalten, dass Achtung und Respekt vor der individuellen Person und ihrer Selbstbestimmung soweit als möglich gewährleistet bleiben.

Das bedeutet unter anderem, dass ihr Anspruch auf Partizipation durch Einbeziehung in die Planung und Durchführung sowie die Nachbereitung einer Zwangsmaßnahme durchgesetzt werden muss.

Bei der Abwägung der Vor- und Nachteile einer Zwangsmaßnahme muss stets auch die Möglichkeit sekundärer Schäden etwa in Form von Demütigung, Traumatisierung oder Vertrauensverlust berücksichtigt werden. 

Die Dauer von Zwangsmaßnahmen sollte so kurz wie möglich gewählt werden.

Um dies sicherzustellen, muss in angemessenen zeitlichen Abständen regelmäßig überprüft werden, ob die Voraussetzungen für den Einsatz von Zwangsmaßnahmen weiterhin vorliegen.

Wegen ihres exzeptionellen Charakters müssen Zwangsmaßnahmen sorgfältig dokumentiert und in regelmäßigen Abständen ausgewertet werden.

Maßnahmen der Qualitätssicherung inklusive Fehlermeldesysteme und Beschwerdemanagement sollten auch Zwangsmaßnahmen erfassen.

An Zwangsmaßnahmen beteiligtes Personal sollte speziell geschult sein. 

Die interkulturelle Kompetenz der professionell Sorgenden sollte gefördert werden.

Auch sollten Strukturen geschaffen werden, die kulturelle und sprachliche Barrieren minimieren. 

  • Professionell Sorgende, die an Zwangsmaßnahmen beteiligt sind, sollten Unterstützung und Begleitung erhalten, um die im Umgang mit Zwang gemachten eigenen Erfahrungen kognitiv und emotional zu verarbeiten. 

Kollegiale Beratungsgremien sollten etabliert werden, die sich mit dem Einsatz von Zwangsmaßnahmen prospektiv und retrospektiv befassen.

Die Öffentlichkeit sollte für die ethisch und rechtlich problematischen Aspekte von Zwangsmaßnahmen im Umgang mit psychisch Kranken in Krisensituationen, Kindern und Jugendlichen in schwierigen familiären und sozialen Verhältnissen sowie pflegebedürftigen alten und behinderten Menschen sensibilisiert werden.

Dabei fällt den Medien die wichtige Aufgabe einer differenzierten und sachangemessenen Berichterstattung zu.

Zusätzlich zu diesen (und weiteren) grundsätzlichen Empfehlungen für den verantwortungsvollen Umgang mit Zwang in professionellen Sorgebeziehungen hat der Ethikrat eine Vielzahl bereichsspezifischer Empfehlungen für die drei Praxisfelder Psychiatrie, Kinder- und Jugendhilfe sowie Altenpflege und Behindertenhilfe formuliert, die in der Stellungnahme nachgelesen werden können.

Die Stellungnahme wurde ohne Gegenstimmen vom Deutschen Ethikrat verabschiedet.

Ein Mitglied äußert in einem Sondervotum Bedenken bezüglich des zentralen Begriffs der Freiverantwortlichkeit.

Der Begriff werde in der Stellungnahme nicht klar genug bestimmt, um die ihm aufgebürdete normative Last zu tragen.

Die Stellungnahme ist online verfügbar unter

Medizin am Abend Berlin ZusatzLink: Ethikrat-Stellungnahme  

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Untersucher/StudiyNurse Studienplanungen: Respektvolle Behandlung von Versuchspersonen

Medizin am Abend Berlin Fazit: Ethische Verantwortung beginnt bei der Planung von Studien

Die Deutsche Gesellschaft für Psychologie (DGPs) hat Empfehlungen für „Ethisches Handeln in der psychologischen Forschung“ veröffentlicht. 

Die Empfehlungen richten sich an Forschende, Studierende und Lehrende aus allen Bereichen der Psychologie, und damit auch an Antragstellende und Begutachtende in Ethikkommissionen. 

„Qualität in der psychologischen Forschung kann nur dann gewährleistet sein, wenn sie ethischen Prinzipien folgt“, sagt Birgit Spinath, Präsidentin der DGPs. 

„Mit unseren Empfehlungen setzen wir ein Zeichen für Qualitätssicherung und bieten Forschenden eine klare Orientierung für ihren Forschungsprozess.“ 
 
  • Welche Auswirkungen hat die Nutzung von Smartphones auf die Stimmung von Jugendlichen? 

Wie gut können wir unliebsame Gewohnheiten verändern?

Ab wann verstehen Babys unsere Sprache?

Wie verändern sich unsere Emotionen im Alter?

Diese und ähnliche Fragen berühren den Kern psychologischer Forschung: das Erleben und Verhalten des Menschen.

  • „Psychologische Forschung ist in den allermeisten Fällen auf die Teilnahme von Menschen als ‚Untersuchungsobjekt‘ angewiesen. 

Wir Forschenden tragen die Verantwortung dafür, dass unsere Versuchspersonen respektvoll behandelt werden und durch die Untersuchungen keinen Schaden nehmen“, erklärt Annette Schröder, Professorin für Klinische Psychologie und Psychotherapie an der Universität Koblenz-Landau und Zweite Vizepräsidentin der DGPs.


Im Forschungsprozess beginnt diese Verantwortungsübernahme bereits bei der Studienplanung: 

Wer muss bei Untersuchungen mit Jugendlichen zur Smartphone-Nutzung und Stimmungsbeeinflussung einwilligen – nur die Jugendlichen selbst, nur die Eltern, oder beide? Gibt es Risiken bei der Teilnahme an bestimmten psychologischen Experimenten, zum Beispiel durch das Ausfüllen von Selbsteinschätzungsfragebögen – und falls ja, muss man darüber aufklären?

„Wir haben das Wissen über gute ethische Forschungspraxis in unseren Empfehlungen gebündelt“, sagt Annette Schröder. Auf Basis der bereits 2004 formulierten berufsethischen Richtlinien, die Leitlinien sowohl für die berufliche Praxis als auch für die Forschung formulieren, behandelt die Broschüre vor allem die ethischen Prinzipien, die in der Forschung mit Menschen relevant sind. „Neben einer Reihe von Good Practice-Beispielen für ethische Entscheidungen bieten wir unseren Forschenden auch konkrete Hilfestellungen durch Checklisten und Musterbeispiele an, die sie für ihre Ethikanträge nutzen können“. In den Empfehlungen werden vier international anerkannte elementare Prinzipien beschrieben, nach denen ethisch vertretbare Forschung erfolgen sollte:

Respekt vor Selbstbestimmung: Die Freiwilligkeit der Teilnahme von Versuchspersonen muss in allen Phasen und Teilen einer wissenschaftlichen Untersuchung respektiert werden.

Nichtschädigung: Die Privatsphäre von Versuchspersonen muss gesichert werden und erhaltene Informationen müssen vertraulich behandelt werden.

Fürsorge: Die Würde und Integrität von Versuchspersonen muss gewahrt werden.
Gerechtigkeit: Versuchspersonen müssen fair behandelt werden.

Die Empfehlungen der DGPs verdeutlichen, unter welchen Bedingungen eine Studie als ethisch unbedenklich einzustufen ist.

Dazu werden insbesondere auch die Kriterien transparent gemacht, die bei der Beurteilung von Anträgen von der Ethikkommission der DGPs angelegt werden. 

Sie dienen dadurch als Unterstützung für Antragstellende und für Vertreterinnen und Vertreter lokaler Ethikkommissionen an den Universitäten.

Über die DGPs:
Die Deutsche Gesellschaft für Psychologie (DGPs e.V.) ist eine Vereinigung der in Forschung und Lehre tätigen Psychologinnen und Psychologen. Die über 4500 Mitglieder erforschen das Erleben und Verhalten des Menschen. Sie publizieren, lehren und beziehen Stellung in der Welt der Universitäten, in der Forschung, der Politik und im Alltag.
Die Pressestelle der DGPs informiert die Öffentlichkeit über Beiträge der Psychologie zu gesellschaftlich relevanten Themen. Darüber hinaus stellt die DGPs Journalisten eine Datenbank von Experten für unterschiedliche Fachgebiete zur Verfügung, die Auskunft zu spezifischen Fragestellungen geben können.
Wollen Sie mehr über uns erfahren? Besuchen Sie die DGPs im Internet: www.dgps.de

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Marienstraße 30
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Deutschland
Berlin 

DGPs
Dr. Anne Klostermann
Pressereferentin DGPs
Tel.: 030 280 47718
E-Mal: pressestelle@dgps.de


Prof. Dr. Annette Schröder
2. Vizepräsidentin der DGPs
Professur für Klinische Psychologie und Psychotherapie
Universität Koblenz-Landau
E-Mail: schroede@uni-landau.de

Originalpublikation:
https://www.hogrefe.de/shop/ethisches-handeln-in-der-psychologischen-forschung-7...

CAVE: Toxoplasmose: Die Katze ist es...: Risikofaktor für neuropsychische Erkrankung

Medizin am Abend Berlin Fazit: Wie der Toxoplasmose-Parasit die Synapsen im Gehirn umbaut

Toxoplasmose ist eine der häufigsten Infektionskrankheiten. 

Ausgelöst wird sie von einem einzelligen Parasiten namens Toxoplasma gondii. 

Er ist weltweit verbreitet und befällt Vögel und Säugetiere – einschließlich des Menschen. 

Seine Endwirte sind jedoch Katzen. 

Wissenschaftler vom Institut für Inflammation und Neurodegeneration der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg (OVGU) und vom Leibniz-Institut für Neurobiologie (LIN) haben in einer Studie untersucht, wie der Parasit den Stoffwechsel im Gehirn seiner Wirte beeinflusst und nachgewiesen, dass er dort die molekulare Zusammensetzung von Synapsen verändert. 

Die Ergebnisse wurden im Fachmagazin Journal of Neuroinflammation veröffentlicht 

Ildiko Rita Dunay (OVGU) und Karl-Heinz Smalla (LIN) untersuchen den Toxoplasmose-Parasiten gemeinsam mit Daniel Lang (OVGU), der am Mikroskop sitzt.
Ildiko Rita Dunay (OVGU) und Karl-Heinz Smalla (LIN) untersuchen den Toxoplasmose-Parasiten gemeinsam mit Daniel Lang (OVGU), der am Mikroskop sitzt.
OVGU/Melitta Dybiona


Etwa 30 bis 50 Prozent aller Menschen haben sich im Laufe ihres Lebens bereits mit Toxoplasmen infiziert.

Bei den über 50-Jährigen geht man sogar von 50 Prozent aus. 

  • Toxoplasmose verläuft meist unbemerkt und die Infizierten ahnen gar nicht, dass sie befallen sind. 

Prof. Dr. Ildiko Rita Dunay, Leiterin des Instituts für Inflammation und Neurodegeneration an der OVGU, erklärt:

„Bei gesunden Menschen löst die Infektion kurzzeitige Erkältungssymptome wie Schüttelfrost, Fieber und Gliederschmerzen aus.

Eine solche Infektion kann für Schwangere oder Menschen mit geschwächtem Immunsystem dagegen gefährlich werden. 

Es gibt noch keine Therapie, um den Parasiten wieder loszuwerden, wenn sie das Gehirn befallen. Wer also einmal infiziert ist, bleibt das ein Leben lang.“

Der Parasit nistet sich im Muskelgewebe infizierter Tiere ein, aber nicht nur:

„Toxoplasma gondii wird vom Menschen über die Verdauung aufgenommen, gelangt in den Blutkreislauf und wandert auch ins Gehirn, um sich dort lebenslang in Nervenzellen einzunisten“, beschreibt Dr. Karl-Heinz Smalla vom Speziallabor Molekularbiologische Techniken am LIN.

Magdeburger Wissenschaftler hatten in früheren Versuchen mit Mäusen herausgefunden, dass es bei Toxoplasma gondii infizierten Tieren zu erstaunlichen Verhaltensänderungen kommt:

„Die Mäuse, die ja Beutetiere von Katzen sind, hatten nach der Infektion ihre natürliche Furcht vor Katzen verloren. Wenn man den Nagern den Geruch von Katzenurin präsentierte, schienen sie sogar eine Präferenz für Katzen entwickelt zu haben“, so die Forscher. Um diese Verhaltensänderungen zu erklären, untersuchten sie deshalb Veränderungen in den Mäusegehirnen – und zwar insbesondere die molekulare Zusammensetzung von Synapsen, da diese die essentiellen Strukturen für die Signalverarbeitung Im Hirn sind.

In einer Kooperation mit dem Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung in Braunschweig konnten sie dabei nachweisen:

Bei insgesamt 300 synaptischen Proteinen hatten sich die Mengen im Gehirn nach einer Toxoplasmose-Infektion verändert. Besonders stark reduziert waren vor allem Proteine an Glutamat-freisetzenden erregenden Synapsen.  

Andererseits wurden erhöhte Mengen an Proteinen, die an Immunantworten beteiligt sind, gefunden.

  • Zur Therapie von Toxoplasmose-Infektionen wird oft Sulfadiazin eingesetzt, das die Vermehrung der Toxoplasmen teilweise behindert. 

Der Psychiater und Neurowissenschaftler Dr. Björn Schott erläutert:

„Wir wollten nun herausfinden, wie sich eine Sulfadiazin-Behandlung auf die infektionsbedingt auftretenden molekularen Veränderungen im Gehirn auswirkt.“

Das Ergebnis: 

Die Proteinzusammensetzung in den Mäusehirnen war nach der Behandlung vergleichbar mit der von nicht infizierten Artgenossen.

„Alle untersuchten Proteine, die für die glutamaterge Signalübertragung zuständig sind, waren wieder im Normalbereich.

Und auch die Entzündungsaktivität ging messbar zurück.“

Die Infektion führt scheinbar zu einer gesteigerten Immunantwort, die die an der Glutamat-vermittelten synaptischen Erregung beteiligten Proteine verringert, während Sulfadiazin die Toxoplasmen reduziert und dadurch die Immunantwort normalisiert und somit eine Erholung synaptischer Proteine bewirkt.

Auch für Menschen könnten diese Erkenntnisse medizinisch relevant sein.

„Sie unterstützen die Vermutung, dass Toxoplasma gondii ein Risikofaktor für neuropsychische Erkrankungen ist. 

  • Fehlfunktionen glutamaterger Synapsen werden mit den Ursachen von Depressionen, Schizophrenie und Autismus in Verbindung gebracht. 

Auch Komponenten der Immunantwort zeigen Bezüge zu diesen Erkrankungen.

Das legt den Verdacht nahe, dass möglicherweise durch Immunreaktionen Veränderungen an der Synapse verursacht werden, die zu neuropsychiatrischen Störungen führen können“, fasst die Neuroimmunologin Dunay zusammen.

Originalpublikation:
DOI: 10.1186/s12974-018-1242-1

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/30068357



Wie der Toxoplasmose-Parasit die Synapsen im Gehirn umbaut




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Investigator Initiated Trials: Zeitnahe Veröffentlichung http://s-quest.bihealth.org/intovalue_de/

Medizin am Abend  Berlin Fazit: BIH QUEST Center fordert, Ergebnisse klinischer Studien zeitnah zu veröffentlichen

Ein Forscherteam vom Berliner Institut für Gesundheitsforschung / Berlin Institute of Health (BIH), aus Hannover und Freiburg hat die interaktive Website „IntoValue“ erstellt. 

Auf ihr lässt sich nachlesen, wie häufig, wie schnell und, wie gut auffindbar die Ergebnisse von über 2.000 in Deutschland durchgeführten klinischen Studien veröffentlicht wurden, an denen insgesamt über 500.000 Patienten teilgenommen haben. 
 
  • Weniger als die Hälfte der untersuchten Studien waren zwei Jahre nach Abschluss veröffentlicht. 

Eine Kurzzusammenfassung nach einem Jahr gab es gar nur von zwei Prozent der Studien. 

Die Wissenschaftler*innen fordern, Ergebnisse Klinischer Studien möglichst zeitnah zu veröffentlichen und den Wert Klinischer Forschung künftig auch anhand der Kennzahl „Zeitnahe Veröffentlichung“ zu bemessen.

Wer als Patient*in an einer klinischen Studie teilnimmt, kann nicht immer davon ausgehen, selbst von den Ergebnissen zu profitieren.

Vielmehr geht es bei Studien auch oft um den Gewinn von neuen Erkenntnissen, die zukünftigen Patient*innen zugutekommen werden.

Um dies zu gewährleisten ist es jedoch notwendig, die Ergebnisse der Studie vollständig und möglichst zeitnah zu veröffentlichen.

Nur so können die gewonnenen Erkenntnisse für die Patientenversorgung und die Entwicklung innovativer Therapien genutzt werden.

Die Wissenschaftler*innen vom Berliner Institut für Gesundheitsforschung und ihre Kolleg*innen aus Hannover und Freiburg identifizierten über ein öffentliches Register 2.000 klinische Studien, die in den Jahren 2009 bis 2013 abgeschlossen wurden. Bei 1.200 davon handelte es sich um so genannte „Investigator Initiated Trials“, bei denen die Wissenschaftler*innen selbst und nicht etwa ein Arzneimittelhersteller die Hauptverantwortung für die Publikation der Ergebnisse tragen.

 „Von diesen 1.200 Studien waren nur 39 Prozent, also weit weniger als die Hälfte, innerhalb von zwei Jahren nach Studienabschluss veröffentlicht“, sagt Daniel Strech, Leiter der Arbeitsgruppe Translationale Bioethik am BIH QUEST Center for Transforming Biomedical Research und verantwortlicher Leiter der Untersuchung.

  • Der Zweijahres-Zeitraum entspricht der Definition für „Zeitnahe Veröffentlichung“ der Weltgesundheitsorganisation (WHO). 

Über alle 36 untersuchten deutschen medizinischen Fakultäten hinweg variierte diese Kennzahl von 20 bis 64 Prozent. „Innerhalb von fünf Jahren nach Studienende sind natürlich mehr Studienergebnisse veröffentlicht, im Schnitt 67 Prozent mit einer Spannbreite von 43 bis 90 Prozent“, ergänzt Strech. Seine Kollegin Dr. Susanne Wieschowski von der Medizinischen Hochschule Hannover, die einen Großteil der Recherchearbeiten
übernommen hat, erklärt die Diskrepanz:

„Eine Ergebnispublikation in begutachteten Fachzeitschriften kann mitunter viele Monate dauern, und nicht selten muss man es bei verschiedenen Zeitschriften versuchen.

Eine Publikation als Fachartikel fünf Jahre nach Studienabschluss ist immer noch wertvoll und als Leistung anzuerkennen, aber es sollte nicht die Regel sein.“

„Bisherige Kennzahlen zur Messung von Qualität und Exzellenz medizinischer Fakultäten orientieren sich vorrangig an der Höhe eingeworbener Forschungsgelder, an der Anzahl durchgeführter Studien oder an den sogenannten Impact-Faktoren von Fachpublikationen“, sagt Prof. Ulrich Dirnagl, ebenfalls Projektmitglied und Gründungsdirektor des QUEST Center am Berliner Institut für Gesundheitsforschung. Prof. Dirnagl ergänzt: „Wir benötigen alternative, komplementäre Kennzahlen, die besser abbilden, welchen „Wert“ die medizinische Forschung für die Gesellschaft und Wissenschaft hat.“

Mit der neu vorliegenden Webseite können interessierte Personen erstmals die Kennzahlen zu „Zeitnaher Veröffentlichung“ für alle deutschen Fakultäten einsehen.
  • Jeder Besucher der Webseite kann nach eigenem Interesse die Parameter für die Kennzahlen zu zeitnaher Veröffentlichung verändern“, erklärt Dr. Nico Riedel, Data Scientist am QUEST Center, der die Webseite erstellt hat. 
  • „Die Zuständigen für das Forschungsmanagement an den jeweiligen medizinischen Fakultäten können diese Informationen verwenden, um ihre bisherigen Strategien zur Förderung zeitnaher Ergebnisveröffentlichung zu evaluieren und bei Bedarf zu optimieren“, erläutert Daniel Strech.

„Gerade weil die Ergebnispublikation in Fachzeitschriften lange dauern kann, zugleich aber die zeitnahe Veröffentlichung für die Patientenversorgung und Forschung so zentral ist, wäre es wichtig, dass abgeschlossene Studien ihre Ergebnisse auch als sogenannte Summary Reports dort bereitstellen, wo ihre Studie öffentlich einsehbar registriert ist“, ergänzt Jörg Meerpohl, Kooperationspartner im Projekt und Direktor des Instituts für Evidenz in der Medizin am Universitätsklinikum Freiburg.

  • Die WHO, aber auch die europäische Gesetzgebung für klinische Forschung fordern eine Veröffentlichung dieser Summary Reports innerhalb von zwölf Monaten nach Studienende. 

Hier zeigt die IntoValue Webseite einen dringenden Verbesserungsbedarf für alle medizinischen Fakultäten in Deutschland. Im Schnitt erreichen nur zwei Prozent aller Studien unter akademischer Leitung diese Kennzahl. „Die forschenden Arzneimittelhersteller wie auch einige britische Universitäten schneiden bei dieser Kennzahl deutlich besser ab. Das zeigt ebenfalls der jüngst publizierte EU-TrialsTracker“, kommentiert Prof. Ulrich Dirnagl.

„Unsere Webseite zeigt aber auch die vielversprechende Tendenz, dass die Kennzahlen für zeitnahe Veröffentlichung von Jahr zu Jahr besser werden“, sagt Daniel Strech.

„Die Webseite kommt deshalb zum richtigen Zeitpunkt. An vielen medizinischen Fakultäten ist der Bedarf zur Optimierung der Werthaltigkeit ihrer Forschung erkannt. Auch der Medizinische Fakultätentag unterstützt uns als wichtiger Diskussionspartner bei der Weiterentwicklung von Strategien zur Förderung verantwortungsvoller Forschung.“

Prof. Axel Radlach Pries, Vorstandsvorsitzender (ad interim) des Berliner Instituts für Gesundheitsforschung (BIH) und Dekan der medizinischen Fakultät der Charité, begrüßt das Webseitenprojekt: „Die darin enthaltenen Informationen werden uns helfen, die zeitnahe Veröffentlichung von Studien verstärkt zu fördern.  

Wir sind derzeit dabei, ein Studienregister aufzusetzen, in dem alle klinischen Studien der Charité eingetragen werden sollen.

Hierbei wird es in Zusammenarbeit mit dem QUEST Center (BIH) möglich sein zu prüfen, welche klinischen Studien in öffentlichen Registern registriert wurden und welche Studien nach einer bestimmten Zeit Resultate publiziert haben.“

Die Webseite ist abrufbar unter http://s-quest.bihealth.org/intovalue/. 

Weitere Informationen sind in einem Vorabdruck/Preprint eines Fachartikels veröffentlicht bei

https://www.biorxiv.org/content/early/2018/11/18/467746 

und im Open Science Framework unter https://osf.io/fh426/. 

Informationen zum EU-TrialsTracker finden sich unter https://eu.trialstracker.net/

Im Mai 2019 startet ein neues BMBF gefördertes Projekt am QUEST Center, welches neben einem Update für die hier behandelten Kennzahlen zu zeitnaher Veröffentlichung auch Kennzahlen zu anderen Themen der medizinischen Forschung wie prospektive Registrierung von Studienprotokollen und Open Science erarbeiten wird.

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Über das Berliner Institut für Gesundheitsforschung/Berlin Institute of Health (BIH)
Das Berliner Institut für Gesundheitsforschung | Berlin Institute of Health (BIH) widmet sich der Übertragung von Ergebnissen aus der Grundlagenforschung in die Klinik, der so genannten Translation. Ziel ist eine personalisierte Präzisionsmedizin für Menschen mit progredienten Krankheiten, um ihre Lebensqualität zu erhalten oder wiederherzustellen. Dies soll gelingen dank präziser Diagnosen, besserer Vorhersagen und neuartiger Therapien.

Die Gründungsinstitutionen Charité – Universitätsmedizin Berlin und Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) sind im BIH eigenständige Gliedkörperschaften.


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Dr. Stefanie Seltmann
s.seltmann@bihealth.de


Kapelle-Ufer 2
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Deutschland
Berlin


Alexandra Hensel
Telefon: 030 450 543019
Fax: 030 450 7543999
E-Mail-Adresse: alexandra.hensel@bihealth.de


Britta Althausen
Telefon: +49 30 450 543 042
Fax: +49 30 450 754 3999
E-Mail-Adresse: britta.althausen@bihealth.de

 

Augenkrankheit Glaukom: Grüner Star /Augeninnendruck/Erblindungsursachen

Medizin am Abend Berlin Fazit: Grünen Star dank Biomarkern früh entdecken

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Ruhr-Universität Bochum haben neue potenzielle Biomarker identifiziert, die helfen könnten, die Augenkrankheit Glaukom, auch bekannt als Grüner Star, bei Patienten früher zu erkennen. 

Außerdem fanden sie heraus, dass die Mutation eines bestimmten Gens bei Mäusen einen erhöhten Augeninnendruck auslöst. 

Der wiederum ist einer der Hauptrisikofaktoren für das Glaukom. 

Susanne Wiemann, Prof. Dr. Andreas Faissner und Dr. Jacqueline Reinhard haben auf molekularer Ebene die Augenkrankheit Grüner Star näher untersucht.
Susanne Wiemann, Prof. Dr. Andreas Faissner und Dr. Jacqueline Reinhard haben auf molekularer Ebene die Augenkrankheit Grüner Star näher untersucht.
Tim Kramer, RUB
 
Das Team um Dr. Jacqueline Reinhard und Prof. Dr. Andreas Faissner vom Bochumer Lehrstuhl für Zellmorphologie und Molekulare Neurobiologie beschreibt die Ergebnisse gemeinsam mit ihren Kolleginnen und Kollegen der Universitäts-Augenklinik Bochum, der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen, der University of Toronto und der University of Denver.

Der Artikel erschien am 12. Oktober 2018 in der Online-Version der Fachzeitschrift Molecular Neurobiology.

Gezieltes und frühes Eingreifen

Die Forscherinnen und Forscher züchteten Mäuse, bei denen das Gen PTP-Meg2 (protein tyrosine phosphatase megakaryocyte 2) mutiert war. Als Folge hatten die Tiere einen chronisch erhöhten Augeninnendruck.

Das Team konnte nachweisen, dass dieser in ihrem Modell mit einem Verlust von Sehnervfasern und Netzhautzellen einherging. Mittels funktioneller Analysen beobachteten sie, dass auch die Netzhautzellen nicht mehr richtig arbeiteten. Zudem machten sie folgende Entdeckung: Gliazellen und bestimmte Komponenten des Immunsystems zeigten im Sehnerv und in der Netzhaut der Tiere eine Reaktion. Beides könnte im Rahmen der Neurodegeneration eine entscheidende Rolle spielen, sodass ein gezieltes und frühes Eingreifen in diese zellulären Mechanismen das Glaukom aufhalten könnte.

Neue Therapiemöglichkeiten testen

Durch ein genetisches Screening konnten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler weiterhin neue potenzielle Biomarker identifizieren.

Diese könnten zukünftig dafür sorgen, dass eine Glaukom-Erkrankung eher erkannt und Patienten so deutlich früher behandelt werden könnten, noch bevor der Sehnerv und die Netzhaut geschädigt werden.

Das Glaukom-Maus-Modell könnte außerdem zukünftig auch dazu dienen, neue Therapiemöglichkeiten zu testen.

  • Schon bei aktuellen Versuchen zeigte sich, dass bei den Tieren der Augeninnendruck sank und die Nervenzellen dadurch erhalten blieben, wenn sie ein bereits bei der Behandlung von Patientinnen und Patienten eingesetztes Medikament erhielten.

Das Glaukom

Das Glaukom zählt mit mehr als 60 Millionen Betroffenen weltweit zu den häufigsten Erblindungsursachen. 

Allein in Deutschland sind etwa eine Million Menschen erkrankt, wobei die Dunkelziffer aufgrund der im Frühstadium häufig unbemerkten Symptome deutlich höher liegen dürfte. 

Beim Glaukom werden der Sehnerv und die Nervenzellen in der Netzhaut unwiderruflich geschädigt.

Förderung

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) unterstützte die Arbeiten im Rahmen des Projekts FA 159/14-1 und des Sonderforschungsbereichs SFB 509 TPA10. Dr. Jacqueline Reinhard wurde durch die Research School (DFG: GSC 98/1) der Ruhr-Universität Bochum gefördert. Susanne Wiemann wurde durch die Konrad-Adenauer-Stiftung unterstützt.

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Grünen Star dank Biomarkern früh entdecken




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Originalpublikation:
Jacqueline Reinhard, Susanne Wiemann, Stephanie C. Joachim, Marina Renner, Julia Woestmann, Bernd Denecke, Yingchun Wang, Gregory P. Downey, Andreas Faissner: Heterozygous meg2 ablation causes intraocular pressure elevation and progressive glaucomatous neurodegeneration, in: Molecular Neurobiology, 2018, DOI: 10.1007/s12035-018-1376-2.

TOP - CAVE: Die Patientenbrillen als Keimträger / MRSA-Sanierung bitte

Medizin am Abend Berlin Fazit: Gesundheitsrisiko Brille?

Kann ich mich an meiner eigenen Brille anstecken? 

Und wie sollte ich sie reinigen, um eine Infektionsgefahr gering zu halten? 

Brillen kommen häufig mit Händen und Haut in Berührung – doch über die mikrobielle Besiedlung dieser Alltagsgegenstände ist bislang kaum etwas bekannt. 

Eine Studie untersucht nun erstmals umfassend die Mikroflora von Brillen. 

Der Studienleiter ist der Mikrobiologe Prof. Dr. Markus Egert von der Hochschule Furtwangen, der bekannt ist für seine Untersuchungen zur Keimbelastung von Küchenschwämmen und anderen Gebrauchsgegenständen. 

Sein Buch „Ein Keim kommt selten allein“ ist im August im Ullstein-Verlag erschienen. 

Bakterielle Besiedlung - der Rahmen der Brille zeichnet sich ab. Bakterielle Besiedlung - der Rahmen der Brille zeichnet sich ab. Theresa Mühlbauer
 
Im Jahr 2018 gab es in der deutschsprachigen Bevölkerung ab 14 Jahren rund 44,2 Millionen Personen, die ständig oder gelegentlich eine Brille trugen.

Es gibt zwar Untersuchungen über die Keimbelastung von Brillen für Chirurgen oder für 3D-Brillen, welche in Kinos verliehen werden, doch zu den ganz regulären Brillen für Alt und Jung fehlten bislang die wissenschaftlichen Erkenntnisse.

Für die Studie wurden insgesamt 31 Brillen an je sieben Stellen (Rahmen, Nasenpolster, Gläser) mit Tupfern beprobt und nach der Anzucht auf Nährmedien die vorhandenen Bakterien untersucht.

21 Brillen stammten von Studierenden und Mitarbeitern der Hochschule Furtwangen, zehn von Bewohnern eines Altenheims.

„Alle untersuchten Brillen waren bakteriell besiedelt“, erläutert Prof. Dr. Markus Egert.

„Am stärksten an Stellen mit direktem Hautkontakt wie Ohrbügel und Nasenpolster.

  • Die geringste Keimdichte fand sich auf den Gläsern.“ 

Gemessener Spitzenwert waren 660.000 Bakterien/cm2 auf einem Nasenpolster.

Im Mittel über alle Stellen waren die Hochschul-Brillen nicht stärker besiedelt als die Altenheim-Brillen:

1.400 im Gegensatz zu 2.080 Bakterien/cm2. Auf den Gläsern der Altenheim-Brillen wurden aber deutlich mehr Bakterien als auf den Hochschul-Brillen nachgewiesen (230 Bakterien/cm2 gegenüber 40 Bakterien/cm2).

Eine mögliche Erklärung dafür:

Die altersbedingte Sehschwäche der Seniorenheimbewohner fördert die Verkeimung der Gläser, weil sie diese seltener reinigen, denn Fingerabdrücke oder ähnliche Verschmutzungen auf den Gläsern fallen ihnen weniger auf. 

Auf den Altenheim-Brillen zeigte sich zudem eine höhere Vielfalt an Bakterien (zehn Gattungen im Gegensatz zu zwei Gattungen auf den Hochschul-Brillen). Dazu passt: Auch die Hautflora wird mit zunehmendem Alter vielfältiger.

Identifiziert wurden vor allem typische Haut- und Schleimhautbakterien, vor allem der Gattung Staphylococcus. 

Der Anteil an potentiell pathogenen, also potentiell gesundheitsschädlichen Bakterienarten lag bei rund 60%.
  • Diese Bakterien können vor allem bei Menschen mit einem geschwächten Immunsystem Krankheiten auslösen. 
  • Es wurden auch Auslöser von Augenerkrankungen wie Bindehautentzündung oder Endophthalmitis gefunden, etwa Staphylococcus epidermidis, Staphylococcus hominis und Staphylococcus aureus. 
  •  Von diesen Arten sind auch Antibiotika-resistente Varianten bekannt.
Mit standardisierten Reinigungs-Tests wurde schließlich gezeigt, dass sich durch Abreiben von Gläsern und kompletten Brillen mit feuchten Brillen-Reinigungstüchern eine Keimreduktion um 94 - 99% erreichen lässt. 

Dabei wurden auch Reinigungstücher mit einer alkoholfreien Reinigungslösung getestet, die schonender zu Gestellen aus Kunststoff ist.

  • Eine trockene Reinigung war weniger effektiv beim Entfernen von Keimen und erzielte 85 - 90% Reduktion.

„Die Studie zeigt deutlich, dass Brillen als Keimträger fungieren“, wertet Prof. Dr. Markus Egert. In weiteren Studien soll gezeigt werden, ob Zusammenhänge zwischen der Brillenflora und wiederkehrenden Augeninfektionen bestehen können, also ob eine Brille als eine Art Erreger-Reservoir fungieren kann.

  • Weiterhin soll untersucht werden, ob Brillen auch Verstecke für Antibiotika-resistente Keime wie MRSA (Multi-resistenter Staphylococcus aureus) sein können, insbesondere im klinischen Umfeld.

„Für gesunde Menschen stellt ihre Brille sicher kein besonderes Infektionsrisiko dar“, beruhigt Prof. Dr. Markus Egert.

„Bei häufig wiederkehrenden Augeninfekten oder einer nötigen MRSA-Sanierung sollte aber auch an eine Desinfektion der Brille gedacht werden.“

Veröffentlichung

Titel des Papers: A view to a kill? - Ambient bacterial load of frames and lenses of spectacles and evaluation of different cleaning methods
Zeitschrift: PLOS One, https://doi.org/10.1371/journal.pone.0207238 (open access)

Forschungsprojekt: Kooperationsprojekt der Hochschule Furtwangen mit der Carl Zeiss Vision International GmbH (Aalen), der Universitäts-Augenklinik Tübingen und den Laborärzten Singen im Rahmen des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Projektes CoHMed (Connected Health in Medical Mountains), mit dem die Kooperation zwischen der Hochschule Furtwangen und der regionalen Medizintechnik-Industrie gefördert wird.

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Originalpublikation:
Zeitschrift: PLOS One, https://doi.org/10.1371/journal.pone.0207238