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Herzdruckmassage in weniger als einer Minute erlernen

Medizin am Abend Fazit: Erste Hilfe: Herzdruckmassage nie unterbrechen

Herzstiftung warnt: Nie auf Herzdruckmassage für das Holen eines Laien-
Defibrillators (AED) verzichten / Notfall-Tipps für Ersthelfer

Jederzeit kann es passieren: Im Büro, zu Hause oder beim Sport bricht plötzlich jemand infolge eines akuten Herzstillstandes zusammen, liegt bewusstlos am Boden und atmet nicht mehr.

Sofort muss nach dem Notruf 112 mit einer Herzdruckmassage begonnen
werden. Dadurch entsteht ein künstlicher Blutkreislauf, über den
Sauerstoff und Nährstoffe zum Gehirn transportiert werden. Unterbleibt die
Herzdruckmassage, kommt es schon nach wenigen Minuten zum Gehirntod.
„Leider müssen wir es immer wieder erleben, dass Ersthelfer nach Absetzen
des Notrufs nicht sofort mit der Herzdruckmassage beginnen. Stattdessen
laufen sie weg, um nach einem Automatisierten Externen Defibrillator –
kurz AED – zu suchen. Lebenswichtige Minuten gehen dadurch verloren. Das
kostet Zeit, in der die Überlebenschancen des Patienten rapide sinken“,
warnt Prof. Dr. med. Dietrich Andresen, Notfallmediziner und Kardiologe an
der Ev. Elisabeth Klinik Berlin und Vorstandsmitglied der Deutschen
Herzstiftung. Wie Ersthelfer solche Fehler mit fatalen Folgen leicht
vermeiden können, zeigt der Experten-Beitrag „Was tun im Notfall?“, der
unter www.herzstiftung.de/wiederbeleben kostenfrei angefordert werden
kann.

„Wenn jedoch zwei Helfer vor Ort sind, kann der eine einen AED besorgen,
während der andere ohne Unterbrechung die Herzdruckmassage durchführt“,
betont Prof. Andresen. Für Laienhelfer, die die Herzdruckmassage als
wichtigste Wiederbelebungsmaßnahme durchführen, ist ein herbeigeschaffter
AED ein Segen. Für Laien, die den Einsatz des AED als wichtigste Maßnahme
ansehen, ist er ein Fluch. Nicht der AED, sondern die konsequente und
mutig durchgeführte Herzdruckmassage rettet Leben. Jeder kann die
alleinige Herzdruckmassage leicht erlernen und anwenden.

Medizin am Abend DirektKontakt

Deutsche Herzstiftung e.V.
Michael Wichert / Pierre König
Tel. 069/955128-114/-140
Fax: 069/955128-345
E-Mail: wichert@herzstiftung.de /
koenig@herzstiftung.de
www.herzstiftung.de


Weitere Informationen finden Sie unter
http://www.herzstiftung.de/wiederbeleben
http://www.herzstiftung.de/herzdruckmassage-in-55-sek-lernen

Thema: Durchfall

Medizin am Abend empfiehlt Ihnen das Thema Duchfall.

Bitte besuchen Sie den folgenden Link hierzu:

http://www.praxisvita.de/die-10-besten-hausmittel-gegen-durchfall

Noroviren mit Kaltem Plasma bekämpfen

Anwendung könnte Ansteckungsgefahr über den Kontakt mit kontaminierten
Oberflächen reduzieren.

Professor Dr. Günter Klein und Dr. Birte Ahlfeld aus dem Institut für
Lebensmittelqualität und -sicherheit der Stiftung Tierärztliche Hochschule
Hannover (TiHo) haben zusammen mit Wissenschaftlern der Max-Planck-
Gesellschaft und dem Sanitätsdienst der Bundeswehr untersucht, wie gut
sich mit Noroviren kontaminierte Oberflächen mit Kaltem Plasma
desinfizieren lassen. Ihre Ergebnisse haben sie im Online-Fachmagazin mBio
veröffentlicht.

Kaltes Plasma ist ein energiegeladenes und hoch reaktives Gas, das sich
erst seit den frühen 1990er-Jahren bei Atmosphärendruck erzeugen lässt.
Eingesetzt wird es beispielsweise zum Bogenschweißen oder – in der Medizin
– zur Wundheilung. Es entsteht, indem ein Gas oder auch normale Luft durch
Hitze oder Hochspannung weiter mit Energie versorgt wird. Durch die Wärme-
oder Stromzufuhr lösen sich aus den Gasmolekülen Elektronen, sodass
positiv und negativ geladene Ionen entstehen. Medizinisch interessant sind
die Plasmen durch ihre hohe Reaktivität. In Verbindung mit Luft bilden
sich Sauerstoff- und Stickstoff-Radikale, die sowohl auf Mikroorganismen
als auch auf Körperzellen wirken können.

Die aktuell veröffentlichte Studie zeigt, dass sich Kaltes Plasma eignet,
um Oberflächen zu desinfizieren, die von mit Noroviren infizierten
Patienten berührt wurden. Noroviren sind hoch ansteckend und zählen zu den
häufigsten Erregern infektiöser Magen-Darm-Erkrankungen. Eine Infektion
äußert sich durch plötzlichen heftigen Durchfall, Übelkeit und
schwallartigem Erbrechen.

Studien aus der gleichen Arbeitsgruppe belegen, dass Noroviren nach einem
Ausbruch auch über kontaminierte Oberflächen wie Türklinken oder
Tastaturen übertragen werden. Zur Desinfektion der Flächen werden häufig
Chemikalien eingesetzt; hier besteht die Gefahr, dass sie empfindliche
Oberflächen schädigen. Zudem können die Erreger Resistenzen gegenüber den
Desinfektionsmitteln entwickeln. „Kaltes Plasma schädigt weder Oberflächen
noch das menschliche Gewebe“, erklärt Günter Klein. „Außerdem ist die
Anwendung umweltfreundlich, sehr viel schneller als mit
Desinfektionsmitteln und hinterlässt keine Rückstände.“

Die aktuelle Studie von Klein und Mitarbeitern zeigt, dass Kaltes Plasma
die Keimzahl von Noroviren signifikant reduziert. „Das hat uns überrascht,
weil Noroviren in der Umwelt sehr stabil sind“, berichtet Klein, „sie
überstehen die Behandlung mit Chlor genau wie Einfrieren oder Erhitzen.“

Um die Wirkung des Kalten Plasmas auf Noroviren zu untersuchen,
präparierten die Wissenschaftler sterile Petrischalen mit verschiedenen
Verdünnungen einer Stuhlprobe, in der sich Noroviren befanden. Dann ließen
sie das Kalte Plasma unterschiedlich lang auf die Proben wirken. Nach der
Behandlung zeigte sich, dass die Proben mit der längsten Einwirkzeit die
geringsten Keimzahlen aufwiesen. „Ein mit Noroviren infizierter Patient
hinterlässt ungefähr 22.000 Viruspartikel, wenn er beispielsweise eine
Türklinke anfasst. Für eine Infektion sind ungefähr 10-100 Viruspartikel
erforderlich“, erklärt Klein. Das Kalte Plasma reduzierte die Zahl der
potenziell infektiösen Viruspartikel nach zehn Minuten von 22.000 auf
1.400. Nach 15 Minuten waren nur noch 500 Viruspartikel vorhanden. Aber
selbst nach einer Behandlung von nur einer Minute konnten die
Wissenschaftler schon einen Effekt feststellen.

„Da Kaltes Plasma das Virus auf der getesteten Oberfläche inaktivieren
kann, gehen wir davon aus“, so Klein, „dass die Methode zur regelmäßigen
Desinfektion von kontaminierten Oberflächen eingesetzt werden kann.“ Auch
wenn die Erreger nicht vollständig entfernt würden, sei eine Verringerung
der Erregerdichte schon ein großer Schritt, um die Infektionsgefahr für
Menschen zu reduzieren.

In weiteren Untersuchungen möchten Professor Klein und seine Mitarbeiter
die Desinfektionseigenschaften des Kalten Plasmas an anderen Oberflächen
sowie mit anderen Norovirentypen testen. Zusätzlich werden sie
elektronenmikroskopische Untersuchungen durchführen, um die Struktur des
Virus vor und nach der Behandlung mit Kaltem Plasma zu vergleichen.

Die Studie erarbeiteten die TiHo-Wissenschaftler gemeinsam mit Forschern
des Max-Planck-Instituts für extraterrestrische Physik in Garching, des
Zentralen Instituts des Sanitätsdienstes der Bundeswehr Kiel in
Kronshagens sowie der Firma terraplasma GmbH www.terraplasma.net einer
Ausgründung der Max-Planck-Gesellschaft

Die Originalpublikation
Inactivation of a foodborne norovirus outbreak strain with nonthermal
atmospheric pressure plasma
Birte Ahlfeld, Yangfang Li, Annika Boulaaba, Alfred Binder, Ulrich
Schotte, Julia L. Zimmermann, Gregor Morfill, Günter Klein
mBio, DOI: 10.1128/mBio.02300-14

Medizin am Abend DirektKontakt

Prof. Dr. Günter Klein
Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover
Institut für Lebensmittelqualität und -sicherheit
Tel.: +49 511 856-7256
guenter.klein@tiho-hannover.de

K.O. Tropfen - Faschingszeit!!!!!!!!!!!!!

Medizin am Abend Fazit: K.O.-Tropfen: Gefahr aus dem Glas Polizei warnt besonders in der Faschingszeit vor der Partydroge

Faschingszeit ist Partyzeit. Doch Vorsicht. Partybesucher sollten auf ihre Getränke aufpassen. Denn auf Festen, in Diskotheken oder Lokalen machen Unbekannte ihre Opfer durch sogenannte K.O.-Tropfen willenlos oder sogar bewusstlos, um sie anschließend zu berauben oder zu vergewaltigen.

"Wer auf eine Party oder in eine Diskothek geht, sollte sein Getränk immer im Blick behalten und sich nichts von Unbekannten ausgeben lassen", rät Gerhard Klotter, Vorsitzender der Polizeilichen Kriminalprävention der Länder und des Bundes. Fühlt man sich nach einem Getränk unerklärlicherweise komisch, ist es wichtig, Freunde oder das Personal um Hilfe zu bitten, sofort zum Arzt zu gehen sowie Anzeige bei der Polizei zu erstatten. Denn nur so können weitere Opfer vor Schaden bewahrt werden, so Klotter weiter.

K.O.-Tropfen sind flüssige Drogen, die hilf-, willenlos oder gar bewusstlos machen. Insbesondere auf Partys oder in Diskotheken geben die Täter diese Tropfen heimlich in die offenen Getränke ihrer Opfer. Manchmal zum Spaß, häufig, aber um das Opfer auszurauben oder sich an ihm zu vergehen.
Bei den zumeist farb- und geruchlosen Tropfen kann es sich um Medikamente (Narkose- und Beruhigungsmittel) oder sogenannte Partydrogen wie GBL (Gammabutyrolacton) oder GHB (Gammahydroxybutyrat) handeln. GBL ist eine chemische Substanz, die sich im Körper in GHB umwandelt. GBL/GHB ist in der Partyszene zum Eigenkonsum weit verbreitet und als Liquid Ecstasy, Liquid X, Liquid E, Fantasy, Soap oder G-Juice bekannt. In Deutschland unterliegt GHB dem Betäubungsmittelgesetz.

Die Einnahme von K.O.-Tropfen verlangsamt die Aktivitäten des Gehirns und des zentralen Nervensystems. Schon zehn bis zwanzig Minuten nach der Einnahme beginnt die Wirkung, die bis zu vier Stunden, zum Teil auch erheblich länger anhält. Nach anfänglicher Euphorie folgen Übelkeit, Schwindel und plötzliche Schläfrigkeit. Das Opfer wird willenlos, unter Umständen sogar bewusstlos. Hat es eine zu hohe Dosis erhalten, kann es zu ernsthaften Komplikationen bis ihn zum Erstickungstod durch Atemlähmung kommen. "Besonders gefährlich ist eine Kombination mit Alkohol oder anderen Drogen. Häufig kann sich das Opfer gar nicht oder nur noch vage daran erinnern, was passiert ist", erklärt Klotter.
Hat man den Verdacht, K.O.-Tropfen bekommen zu haben, weil man sich nach dem Konsum eines Getränks anders fühlt, z.B. motorische oder psychische Auffälligkeiten spürt, die man sich nicht erklären kann, oder einen sogenannten Filmriss hat, sollte man schnellstens einen Arzt aufsuchen. K.O.- Tropfen können im Urin oder Blut nachgewiesen werden, allerdings nur bis wenige Stunden nach dem Konsum.

Wichtig ist außerdem, bei der Polizei Anzeige zu erstatten. Denn das Verabreichen von K.O.-Tropfen kann verschiedene Straftatbestände erfüllen, z.B. gefährliche Körperverletzung oder Verstöße gegen das Betäubungs- bzw. Arzneimittelgesetz. "Nur mit Hilfe einer Anzeige ist es möglich, Täter zu ermitteln und mögliche weitere Opfer vor Schaden zu bewahren", bekräftigt Klotter.

Tipps:

- Getränke bei der Bedienung bestellen und selbst entgegennehmen.

- Von Unbekannten keine offenen Getränke annehmen.

- Offene Getränke nicht unbeaufsichtigt lassen.

- Bei Übelkeit Hilfe beim Personal suchen.

- Freundinnen und Freunde achten aufeinander und lassen ihre Getränke nicht aus den Augen.

- Freundinnen und Freunde holen im Ernstfall sofort ärztliche Hilfe für das Opfer und verständigen das Personal.

  Medizin am Abend DirektKontakt

Hessisches Landeskriminalamt Udo Bühler Telefon: (0611) 83-8119 Fax: (0611) 83-8115 

Interaktive Hilfe für Diabetiker - Forschungsprojekt GlycoRec gestartet

Medizin am Abend Fazit: Interaktive Hilfe für Diabetiker - Forschungsprojekt GlycoRec gestartet

Diabetikern im Alltag zu helfen, komplexe Entscheidungen zu
treffen und Vorsätze tatsächlich umzusetzen – das ist das Ziel des
Forschungsprojektes "GlycoRec". Dabei handelt es sich um ein adaptives,
lernendes System, auch interaktives Bio-Life-Logging genannt. Die
Koordinationsstelle des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung
(BMBF) mit 1,4 Millionen Euro geförderten Projektes befindet sich an der
PFH Privaten Hochschule Göttingen im Bereich Wirtschaftspsychologie.

Weitere Projektpartner sind das Unternehmen Emperra E-Health Technologies
aus Potsdam, das L3S Forschungszentrum an der Leibniz-Universität
Hannover, die Ostbayerische Technische Hochschule Amberg-Weiden sowie das
Deutsche Diabetes Zentrum (DDZ). Anfang Februar 2015 startete das
Forschungsvorhaben in die Umsetzungsphase.

Ausgangssituation
Diabetes mellitus ist die häufigste chronische Erkrankung in Deutschland.
Etwa zehn Prozent der Bevölkerung sind davon betroffen, und es ist mit
einer weiteren Zunahme zu rechnen. Schon jetzt ist Diabetes einer der
häufigsten Beratungsanlässe in allgemeinmedizinischen Praxen, und in
absehbarer Zeit wird der Beratungsbedarf wegen der steigenden Fallzahlen
nicht mehr zu decken sein. Gleichzeitig ist es wichtig, dass Patienten
sich richtig verhalten, um Folgeerkrankungen zu vermeiden. Insgesamt
müssen Diabetiker daher täglich viele Entscheidungen treffen, die etwa
Ernährungsgewohnheiten, den Status des Blutzuckerspiegels und die
erforderliche Insulindosis oder den allgemeinen Lebensstil betreffen.
Gerade ältere Patienten und solche, bei denen die Erkrankung erst kürzlich
diagnostiziert wurde, sind damit im Alltag schnell überfordert.

Konzept von GlycoRec
Hier setzt GlycoRec (von "Glycose" und "Recommendation" [also Empfehlung])
an, das Diabetes-Patienten im Alltag bei ihren Entscheidungen unterstützen
soll. GlycoRec sammelt individuelle Patientendaten mit Hilfe einer Reihe
physiologischer Sensoren (Blutzucker, Körpergewicht, Blutdruck) sowie
Informationen über den individuellen Kontext (zu Hause, unterwegs, im
Supermarkt, Wochentag, Tageszeit, Metainformationen von Lebensmitteln).
Anschließend erfolgt eine Analyse der aktuellen Situation. Dies lässt sich
auf zweierlei Arten nutzen: Erstens kann der Patient die Initiative
ergreifen und um Hilfe bei einer Entscheidung bitten. In einem
interaktiven Beratungsdialog kann er Alternativen für Ernährung,
Aktivitäten und Medikamenteneinnahme vergleichen und deren Konsequenzen
durchspielen. Zweitens kann aber auch das System die Initiative ergreifen,
etwa weil die prognostizierten Werte einen Toleranzbereich zu verlassen
drohen. Auch in diesem Fall kann der Patient individuelle
Handlungsoptionen gegeneinander abwägen. Abrufen kann der Nutzer diese
Informationen je nach Vorliebe unterwegs über eine Smartphone-App oder zu
Hause über Smart-TV.

Ziele und Vorgehen
Das Projekt GlycoRec untersucht, wie Patienten im Alltag besser
unterstützt werden können. Durch kontinuierliche Sammlung, Speicherung,
Aufbereitung und Analyse physiologischer Daten und Umgebungsdaten werden
individuelle Benutzer- und Kontextmodelle entwickelt. Diese erlauben es,
sehr viel genauere Prognosen und individuelle Empfehlungen für den
Patienten zu geben. GlycoRec stellt eine erweiterbare, integrierte
Infrastruktur aus Sensorik, Modellierung und Patienteninteraktion zur
Verfügung. Um eine solche Infrastruktur bereit zu stellen, ist es
notwendig, neue Technologien und Methoden in der Sensorik, der
Modellierung und der Benutzerinteraktion zu entwickeln. Diese werden dazu
beitragen, dass Patienten mit ihrer Krankheit besser umgehen können und
weniger Folgeerkrankungen entstehen. In diesem Sinne ist GlyoRec ein
interaktives Bio-Life-Logging für einen verständlicheren Umgang mit
Diabetes. Das Projektteam plant, in drei Jahren einen Prototyp entwickelt
zu haben.

Projektpartner
Antragsteller und Koordinator des Projektes ist Dr. Stephan Weibelzahl,
Professor für Wirtschaftspsychologie an der PFH. Er und sein Team sind für
die Entwicklung der Interaktivität und Benutzeroberfläche verantwortlich.
Technologiepartner des Projektes ist die Emperra E-Health Technologies aus
Potsdam, welche die Server-Infrastruktur für eine zentrale Datenbank sowie
einen Teil der Sensorik-Hardware beisteuert. Die Ostbayerische Technische
Hochschule Amberg-Weiden entwickelt und erprobt neuartige Sensorik im
Hinblick auf deren Nutzen für die Datenmodellierung. Das L3S
Forschungszentrum an der Leibniz-Universität Hannover arbeitet an
Algorithmen zur automatischen Analyse der Patientendaten. Das Deutsche
Diabetes Zentrum schließlich als Anwendungspartner stellt den Zugang zu
Patienten und damit eine Relevanzabschätzung sicher.

Medizin am Abend DirektKontakt zum Forschungsprojekt GlycoRec:

Prof. Dr. Stephan Weibelzahl
– Koordination Forschungsprojekt GlycoRec –
PFH Private Hochschule Göttingen
Weender Landstraße 3 – 7
37073 Göttingen
Tel.: +49 (0)551/547 00-431
www.pfh.de/glycorec
PFH Private Hochschule Göttingen, Peter Diehl

GenderMedizin: Körperliche Aktivität / Morbus Parkinson

Körperliche Aktivität ist gut für die Gesundheit, senkt das Risiko für
Schlaganfall und Demenz – kann aber noch viel mehr: Bewegung schützt vor
der Parkinson-Krankheit. Wissenschaftler des renommierten Karolinska
Instituts in Stockholm fanden heraus, dass tägliche moderate körperliche
Aktivität das Risiko für Parkinson verringert.

Am deutlichsten ist dieser Effekt bei den Männern. 

„Wir haben nun starke Gründe anzunehmen, dass
körperliche Aktivität die Wahrscheinlichkeit für eine Parkinsonerkrankung
senkt – ähnlich wie das für die Alzheimerkrankheit schon bekannt ist“,
erklärt Prof. Dr. Günther Deuschl von der Deutschen Gesellschaft für
Neurologie (DGN).

Morbus Parkinson zählt zu den neurodegenerativen Erkrankungen. Im Gehirn
sterben nach und nach Nervenzellen ab, die den Botenstoff Dopamin
produzieren – es kommt zu einem Dopaminmangel in der im Mittelhirn
gelegenen Substantia nigra, der sogenannten schwarzen Substanz. Die
Nervenzellen in diesem Areal enthalten Melanin und sind dunkel gefärbt –
daher der Name. Dopamin hat viele Aufgaben im Gehirn – unter anderem ist
der Neurotransmitter für reibungslose Bewegungsabläufe zuständig. Wenn 50
bis 60 Prozent der Dopamin-produzierenden Zellen abgestorben sind, machen
sich die ersten Krankheitszeichen von Parkinson bemerkbar. Die typischen
Symptome sind Muskelzittern in Ruhephasen, verlangsamte Bewegungen und
Steifheit der Muskeln. Warum ein Mensch an Parkinson erkrankt und der
andere nicht, ist noch weitgehend unklar. Diskutiert werden erbliche
Faktoren und Umweltgifte, welche die Substantia nigra schädigen. Eine
Prävention gegen die neurodegenerative Erkrankung gibt es nicht.

Alltagsaktivitäten in Haushalt, Beruf und Freizeit

Das schwedische Forscherteam um Karin Wirdefeldt nahm nun den Zusammenhang zwischen körperlicher Aktivität und dem Risiko, an Parkinson zu erkranken, in einer Studie (1) genauer unter die Lupe. Sie werteten die Daten von
mehr als 43.000 Schweden aus, die an einer großen Krebsvorbeugungsstudie
teilnahmen. Insgesamt wurden 27.863 Frauen und 15.505 Männer, die im
Schnitt 50 Jahre alt waren, von 1997 bis zum Ende des Jahres 2010
beobachtet. Keiner der Probanden war zu Beginn der Studie an Parkinson
erkrankt.

In einem 36-seitigen Fragebogen machten sie detaillierte Angaben zu ihren
körperlichen Aktivitäten: im Haushalt, auf dem Weg zur Arbeit, in Beruf
und Freizeit sowie zu ihrer täglichen Gesamtaktivität. Zusätzlich gaben
sie Auskunft darüber, wie körperlich aktiv sie in bestimmten
Altersperioden gewesen waren. Als Maß für die körperliche Aktivität
dienten sogenannte Metabolische Äquivalente (MET, Metabolic Equivalent of
Task) in Stunden pro Tag. Die Basis dafür war die Messung der körperlichen
Belastung über den geschätzten Sauerstoffverbrauch, der mit den
verschiedenen Aktivitäten einhergeht.

Die MET-Punkte für Haushalt, Pendeln zum Job und Freizeitaktivität wurden
als „allgemeine körperliche Aktivität “ summiert. Dann ermittelten die
Forscher das Risiko für eine Parkinsonerkrankung in Abhängigkeit von ihrer
körperlichen Aktivität. „Eine Stärke der Studie ist, dass wir damit das
gesamte Spektrum des täglichen Energieverbrauchs berücksichtigt haben,
statt uns nur auf bestimmte Bewegungsarten zu fokussieren“, so die
Forscher.

Sechs Stunden Bewegung pro Woche reduziert das Parkinson-Risiko um bis zu 45 Prozent

Im Beobachtungszeitraum von durchschnittlich 12,6 Jahren erkrankten 286
der insgesamt 43.368 Studienteilnehmer an Parkinson laut nationalem
schwedischen Patientenregister – 158 davon waren Männer. Personen, die
mehr als sechs Stunden pro Woche im Haushalt und auf dem Weg zum
Arbeitsplatz körperlich aktiv waren, hatten ein 43 Prozent niedrigeres
Risiko an Parkinson zu erkranken als Probanden, die auf diese Aktivitäten
weniger als zwei Stunden wöchentlich verwendeten. Bei Männern sank das
Risiko sogar um 45 Prozent. „Schon tägliche moderate Bewegung im Alltag
kann das Parkinsonrisiko deutlich senken“, schlussfolgern die schwedischen
Forscher. Das Studienergebnis erhärtete sich, als die Forscher zusätzlich
bereits veröffentlichte prospektive Kohortenstudien (2) analysierten. Auch
hier zeigte es sich, dass moderate Bewegung das Parkinsonrisiko bei
Männern und Frauen senkt.

„Zusammen mit weiteren Studien, die in dieselbe Richtung weisen, ist dies
der Einstieg in eine wissenschaftlich abgesicherte Vorbeugung von
neurodegenerativen Erkrankungen – jenen Krankheiten, bei denen die
Nervenzellen im Gehirn zugrunde gehen“, kommentiert Deuschl, Direktor der
Klinik für Neurologie am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein in Kiel
und Präsident der European Academy of Neurology (EAN). „Bewegung in den
Alltag zu integrieren, fällt vermutlich den meisten Menschen leichter, als
gezielt regelmäßig Sport zu treiben, und könnte positive Langzeiteffekte
für die Gesundheit haben. Die Mechanismen für diese Wirkung sind noch
nicht klar.

Körperliche Bewegung hat viele positive Effekte, darunter die
Freisetzung von Wachstumsfaktoren, verminderte Entzündungsaktivität,
höhere Vitamin-D-Produktion
“, so der Parkinson-Experte.

Parkinson tritt in der Regel in höherem Lebensalter auf. Die Diagnose wird
meist zwischen dem 50. und 60. Lebensjahr gestellt. Es gibt allerdings
auch jüngere Parkinsonpatienten – etwa 10 Prozent sind bei der Diagnose
noch keine 40 Jahre alt.


Bei den über 60-Jährigen erkrankt etwa einer von
100 Menschen an Morbus Parkinson. Insgesamt wird die Zahl der betroffenen
Patienten in Deutschland auf 240.000 bis 280.000 geschätzt.

Nach der  Alzheimer-Krankheit ist Parkinson damit die zweithäufigste
neurodegenerative Erkrankung. Männer erkranken etwas häufiger als Frauen.
Mit der steigenden Lebenserwartung wird die Anzahl der Parkinsonpatienten
in den nächsten Jahren deutlich zunehmen. Der Grund: die steigende
Lebenserwartung der Bevölkerung.

Quellen

1) Wirdefeldt, K. et al (2015). Physical activity and risk of Parkinson's
disease in the Swedish National March Cohort. Brain: A Journal of
Neurology 2015: 138; 269-275, DOI: 10.1093/brain/awu323

2) Xu Q, Park Y, Huang X, et al. Physical activities and future risk of
Parkinson disease. Neurology 2010;75(4):341-348.

Medizin am Abend DirektKontakt

Prof. Dr. med. Günther Deuschl
Direktor der Neurologischen Universitätsklinik Schleswig-Holstein in Kiel
E-Mail:
Tel.: +49 (0) 431 5978501

Deutschen Gesellschaft für Neurologie
Frank A. Miltner, Tel: +49 (0) 89 46148622

FreeStyle Libre: Zuckererkrankung Typ 1 Typ 2

Die DAK-Gesundheit verbessert die Versorgung bei Diabetes-Patienten. Gemeinsam mit dem Gesundheitsunternehmen Abbott startet die Krankenkasse ein exklusives Projekt für ihre Versicherten mit einer schweren Zuckererkrankung. Ab Mitte des Jahres erhalten ausgewählte Patienten einen neuen High-Tech-Sensor. Das innovative Produkt mit dem Namen FreeStyle Libre ermöglicht Zuckermessen mit einem diskreten Scan und viel mehr Einblick in den Glukoseverlauf.

Die neue Zuckermessung soll Diabetikern, die Insulin benötigen, das Leben mit ihrer Krankheit deutlich vereinfachen. Ab Mitte des Jahres versorgt die DAK-Gesundheit zunächst eine limitierte Anzahl von Patienten aus ihren Gesundheitsprogrammen Diabetes mellitus Typ 1 und Typ 2 mit dem neuen Sensor.

"Als innovative Versorgerkasse mit besonderem Qualitätsanspruch freuen wir uns, diese Medizin-Revolution zu unterstützen und unseren Versicherten das Messsystem so schnell wie möglich als freiwillige Leistung zur Verfügung zu stellen", sagt Thomas Bodmer, Mitglied des Vorstandes der DAK-Gesundheit.

Statt den Zuckerwert routinemäßig über das Blut zu bestimmen, erfolgen die Messungen in der Zwischenzellflüssigkeit des Unterhautgewebes.* Der Patient appliziert einen Sensor am Oberarm, der etwa so groß ist wie ein Zwei-Euro-Stück. Der Sensor trägt an der Unterseite einen feinen Faden, der fortlaufend die Zuckerkonzentration misst. Der Patient kann den Sensor jederzeit mit einem kleinen Lesegerät scannen. Es speichert die Glukosewerte von bis zu 90 Tagen sicher ab. Der Sensor selbst kann bis zu 14 Tage lang getragen werden, auch beim Sport und beim Baden. Bis zu einem Meter Tiefe ist er rund 30 Minuten wasserfest.

"FreeStyle Libre ist ein Meilenstein in der Diabetestherapie. Auf eine solche Alternative zur traditionellen Blutzuckermessung haben Menschen mit Diabetes und wir Ärzte lange gewartet", so Professor Morten Schütt, Bereichsleiter Diabetes und Stoffwechsel am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein. "Das System erleichtert das Diabetesmanagement im Alltag erheblich und hat positive Auswirkungen auf die Lebensqualität, das Therapievertrauen sowie das soziale Umfeld."

Das FreeStyle Libre-System von Abbott ist seit November 2014 auf dem deutschen Markt. Abbott hat mit Patienten den Dialog gesucht, um ein Messsystem zu entwickeln, das den Bedürfnissen von Menschen mit Diabetes entspricht. Statt Momentaufnahmen zeigen die Lesegeräte Zuckerverläufe in Kurven-Diagrammen an, welche die Patienten auf einen Blick erfassen können. "Das FreeStyle Libre-Messsystem bedeutet mehr Freiheit für Menschen mit Diabetes", erklärt Dr. Ansgar Resch, General Manager von Abbott Diabetes Care Deutschland. "Sie bekommen mit dem neuen Flash-Glukose-Messsystem durch einen einfachen Scan wesentlich mehr Informationen als durch die herkömmliche Blutzuckermessung. Für Menschen mit Diabetes, die auf eine intensivierte Insulintherapie angewiesen sind, ergeben sich dadurch ganz neue Chancen im Umgang mit ihrer Erkrankung."

Bisher sind die Produktionskapazitäten bei Abbott noch beschränkt. Das Versorgungsprojekt startet deshalb mit einer limitierten Patientenzahl bei der DAK-Gesundheit. "Von den Patienten, die an unseren DAK-Gesundheitsprogrammen Diabetes mellitus Typ 1 und 2 teilnehmen, werden wir das Angebot zunächst denjenigen machen, die eine intensivierte Insulintherapie benötigen und am stärksten unter dem ständigen Zuckermessen leiden", betont Bodmer.

Angesprochen werden Menschen mit Diabetes, die sich im Rahmen einer intensivierten Insulintherapie täglich viele Male in den Finger stechen müssen und nach jahrzehntelanger Krankheit und tausendfachem Piks oft taube Fingerspitzen haben. Der neue Sensor soll ihnen helfen, ihre Glukosewerte schmerzfreier zu kontrollieren, um lebensbedrohliche Unterzuckerung zu vermeiden und das Risiko für Spätfolgen zu reduzieren. "Wir gehen davon aus, dass sich der Sensor in Zukunft auch in der Regelversorgung durchsetzen wird", prognostiziert Bodmer.

Abbott Diabetes Care ist ein führendes Unternehmen in der Entwicklung, Herstellung und Vermarktung für Systeme zur Blutzucker- und Glukosekontrolle, die Diabetiker dabei unterstützen, besser mit ihrer Erkrankung zu leben.

Die DAK-Gesundheit ist eine der größten gesetzlichen Kassen in Deutschland und versichert 6,2 Millionen Menschen.

* Eine zusätzliche Prüfung der Glukosewerte mittels eines Blutzucker-Messgeräts ist erforderlich bei sich schnell ändernden Glukosespiegeln, weil die Glukosewerte in der Gewebeflüssigkeit die Blutzuckerwerte eventuell nicht genau widerspiegeln, oder wenn das System eine Hypoglykämie oder eine anstehende Hypoglykämie anzeigt oder die Symptome nicht mit den Messwerten des Systems übereinstimmen. Das Setzen eines Sensors erfordert ein Einführen eines Sensorfilaments unter die Haut.

Suizid: Ben Wettervogel: (* 18. Dezember 1961 in Klein Reken[ alias Benedikt Ludger Vogel; † 2. Februar 2015 in Berlin) Diplom-Meteorologe, Hörfunk- und Fernsehmoderator sowie Redakteur beim ZDF


Medizin am Abend Fazit: Jeder fünfte Suizid steht in Zusammenhang mit Arbeitslosigkeit - Zum Gedenken -

Hintergrund: http://www.tagesschau.de/inland/wettervogel-103.html

http://www.ksta.de/image/view/2005/0/16/13944292,10238856,dmData,mewetter+%25281105023518562%2529+%25281105023518562%2529.jpg

Jährlich nehmen sich rund 45'000 Menschen das Leben, weil sie keine Arbeit
haben oder jemand in ihrem Umfeld von Arbeitslosigkeit betroffen ist. Das
zeigt nun eine Studie der Universität Zürich mit Daten aus 63 Ländern. Sie
zeigt auch, dass die Zahl aller Suizide, die in der Finanzkrise im Jahr
2008 direkt oder indirekt mit der Arbeitslosenrate im Zusammenhang
standen, neunmal so hoch ist wie bislang angenommen.

Arbeitslosigkeit kann Menschen in den Suizid treiben. Dass die
existentielle Bedeutung von Arbeitslosigkeit für die Gesundheit gross ist
und der (drohende) Verlust einer Arbeitsstelle sowie lange
Arbeitslosigkeit eine ernste Situation für die Betroffenen und deren
Angehörige darstellt, haben zahlreiche Studien nachgewiesen. Die Debatte
über den traurigen Zusammenhang wurde durch die ökonomische Krise und die
nachfolgende Sparpolitik vieler Länder im Jahr 2008 neu entfacht. Während
viele Untersuchungen lediglich Krisenjahre und oft nur einzelne
geographische Regionen einbezogen, können jetzt Carlos Nordt, Ingeborg
Warnke, Erich Seifritz und Wolfram Kawohl von der Psychiatrischen
Universitätsklinik Zürich erstmals ein Bild über vier Weltregionen für die
Zeit von 2000 bis 2011 zeichnen. Mit folgendem Schluss: «Pro Jahr steht
weltweit etwa jeder fünfte Suizid direkt oder indirekt mit
Arbeitslosigkeit in Verbindung», sagt Erstautor Carlos Nordt. Die Studie
ist nun in der Zeitschrift «The Lancet Psychiatry» online publiziert.

Alle vier Weltregionen betroffen

Link der Zukunft 2014:
http://pardok.parlament-berlin.de/starweb/adis/citat/VT/17/SchrAnfr/S17-15332.pdf

Fast eine Million Menschen sterben weltweit pro Jahr durch Suizid. Um
herauszufinden, wie viele der Suizide im Zusammenhang mit Arbeitslosigkeit
stehen, haben die UZH-Forschenden Daten von 63 Ländern der Jahre 2000 bis
2011 in ihre Studie einbezogen. Die Länder wurden in die vier Weltregionen
Nord- und Süd-Amerika, Nord- und West-Europa, Süd- und Ost-Europa sowie
Nicht-Amerika und Nicht-Europa eingeteilt. Nicht verfügbar waren Daten aus
China und Indien. «Trotz länderspezifischer Besonderheiten fanden wir in
allen vier Weltregionen einen ähnlich starken Zusammenhang zwischen
Arbeitslosen- und Suizidrate», fasst Soziologe Carlos Nordt zusammen.
Dieser Effekt unterscheide sich ausserdem weder nach Geschlecht noch nach
Altersgruppe.

Jeder fünfte Suizid pro Jahr konnte direkt oder indirekt mit
Arbeitslosigkeit in Verbindung gebracht werden. Und: «Nach dem Krisenjahr
2008 stieg die Zahl der Suizide kurzfristig um 5000 Fälle an», sagt Nordt.
Diese Zahl hatten bereits andere Studien festgestellt. Nicht bekannt aber
bisher war, dass in diesem Jahr gesamthaft rund 46’000 Suizide mit der
Arbeitslosenrate verbunden waren: «Damit war die Zahl der Suizide mit
diesem Hintergrund neunmal grösser als der bisher bekannte Anstieg»,
so Nordt.

Auf eine Krise wird bereits im Vorfeld reagiert

In Ländern mit allgemein tieferer Erwerbslosigkeit war der Zusammenhang
von Arbeitslosigkeit und Suizid stärker ausgeprägt. Deshalb sind gemäss
den Forschenden auch in Ländern mit tieferer Arbeitslosigkeit unbedingt
Investitionen in Programme erforderlich, die Personen in den Arbeitsmarkt
integrieren und ein gesundes Arbeitsklima fördern. Interessanterweise
zeigt die Studie zudem, dass der Anstieg der Suizidrate dem der
Arbeitslosenrate um etwa sechs Monate vorausging. Das heisst: «Die
Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt wurde offensichtlich antizipiert und
bereits die Verunsicherung über die Entwicklung der ökonomischen Situation
scheint negative Konsequenzen zu haben», folgert Psychiater und
Seniorautor Wolfram Kawohl. So könne zunehmender Druck am Arbeitsplatz,
etwa durch Restrukturierungen, Suizide begünstigen.

«Es bedarf einer Schulung von Fachpersonal, etwa in den Personalabteilungen, damit dieses erhöhte Suizidrisiken bei betroffenen erwerbstätigen und nichterwerbstätigen Personen besser erkennt und beim Umgang mit der Problematik helfen kann», empfiehlt Kawohl.

Es ist bekannt, dass besonders vulnerable Personen ein höheres
Suizidrisiko haben; in diese Studie konnten jedoch solche Faktoren, wie
zum Beispiel psychische Störungen, aufgrund mangelnder Verfügbarkeit
spezifischer Daten nicht einbezogen werden.

Das soziale Umfeld ist betroffen

Wichtig zu erkennen ist gemäss Kawohl ebenfalls, dass sich die Probleme
wegen Arbeitslosigkeit nicht nur auf die Direktbetroffenen auswirken: Die
Resultate in Bezug auf Suizide und Arbeitslosigkeit zeigen etwa, dass auch
Personen über 65 Jahre betroffen sind – also Menschen, die oftmals nicht
mehr aktiv im Arbeitsmarkt stehen. Die UZH-Forschenden fordern deshalb
dazu auf, «bereits Befürchtungen in der Bevölkerung vor wirtschaftlichen
Veränderungen ernst zu nehmen und geeignete suizidpräventive Massnahmen zu
entwickeln und voranzutreiben», so Kawohl.

Literatur:
Carlos Nordt, Ingeborg Warnke, Erich Seifritz, Wolfram Kawohl. Modelling
suicide and unemployment: a longitudinal analysis covering 63 countries,
2000-2011. The Lancet Psychiatry. 11. Februar, 2015. Doi:
http://dx.doi.org/10.1016/S2215-0366(14)00118-7


Medizin am Abend DirektKontakt:

PD Dr. med. Wolfram Kawohl
Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik (KPPP)
Psychiatrische Universitätsklinik Zürich
Tel. +41 44 296 74 61
E-Mail: wolfram.kawohl@puk.zh.ch

Dr. phil. Carlos Nordt
Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik (KPPP)
Psychiatrische Universitätsklinik Zürich
Tel. +41 44 384 24 08
E-Mail: cnordt@bli.uzh.ch

Bettina Jakob
Universität Zürich
Tel. +41 44 634 44 39

Diabetes-Folgeschäden: Impotenz

Medizin am Abend Fazit: Diabetes mellitus ist die häufigste Ursache für Potenzstörungen –
jeder zweite männliche Diabetespatient leidet unter Erektionsproblemen.
Die beste Therapie, die Potenz zu erhalten und eine beginnende
Erektionsstörung zu stoppen, ist eine gute Blutzuckereinstellung. Darauf
weist die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) hin. Wer erste Anzeichen
bemerkt, sollte daher seinen Lebensstil überprüfen und erwägen, eine
psychologische Beratung in Anspruch zu nehmen.

Ein überhöhter Blutzuckerspiegel schädigt mit der Zeit die Blutgefäße. Die
Folgen davon sind Durchblutungsstörungen. Sie machen sich oft zuerst an
den Füßen bemerkbar, die sich taub anfühlen und unempfindlich gegenüber
Berührungen werden. „Danach stellen sich bei Männern häufig auch
Erektionsprobleme ein“, erläutert Privatdozent Dr. med. Erhard Siegel,
Präsident der DDG. Bleibt eine ausreichende Erektion in rund 70 Prozent
der Versuche aus und halten die Probleme mindestens sechs Monate an,
sprechen Ärzte von einer „erektilen Dysfunktion“.

Doch so lange sollten Diabetespatienten keinesfalls warten, bis sie ihren
Arzt aufsuchen. „Denn die beste Therapie, die Potenz zu erhalten oder eine
beginnende Erektionsstörung nicht schlimmer werden zu lassen, ist eine
gute Blutzuckereinstellung“, sagt Siegel. Experten gehen heute davon aus,
dass eine schlechte Einstellung auch vorübergehend Erektionsprobleme
hervorrufen kann – Patienten können damit selbst aktiv zur Therapie
beitragen.

Wie die Blutzuckereinstellung verbessert werden kann, besprechen die
Patienten mit dem Diabetologen. Die DDG rät, zunächst den Lebensstil zu
überprüfen: Rauchen ist sehr abträglich, übermäßiger Alkoholkonsum
ebenfalls. Positiv auf den Blutzuckerspiegel wirken sich hingegen
Bewegung, gesunde Ernährung und Gewichtsreduktion aus. „Sehr effektiv kann
auch eine Beratung sein, wie der Patient die Blutzuckerkontrolle besser in
den Griff kriegt“, fügt Siegel hinzu. Darüber hinaus kann ein
Therapiewechsel helfen, die Werte zu normalisieren.

Bessern sich die Potenzprobleme dennoch nicht, stehen weitere Maßnahmen
zur Verfügung. Mit Abstand beliebtestes Hilfsmittel sind Tabletten, die
Phosphodiesterase-Hemmer. Sie entspannen die Penismuskulatur, so dass sich die Blutgefäße besser weiten und die Schwellkörper mit Blut füllen können.
Die gängigen Wirkstoffe Sildenafil, Tadalafil und Vardenafil unterscheiden
sich dabei vor allem hinsichtlich Wirkungseintritt und Wirkdauer. „Ihre
Einnahme ist häufig trotz Herzerkrankung möglich“, erläutert Siegel.

Sind Tabletten für einen Patienten nicht geeignet, kommen die
Schwellkörperinjektionstherapie (SKAT) oder eine Vakuumpumpe in Frage. Bei der SKAT gibt sich der Mann vor dem Sex eine erektionsfördernde Spritze
ins Glied, die Vakuumpumpe saugt zusätzliches Blut in den Penis. Diese
Methoden sind heute aber weniger populär, weil sie oft als unpraktisch
empfunden werden. Die Implantation einer Penis-Prothese sollte nur als
letzte Maßnahme erwogen werden.

Über die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG):
Die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) ist mit über 8.900 Mitgliedern
eine der großen medizinisch-wissenschaftlichen Fachgesellschaften in
Deutschland. Sie unterstützt Wissenschaft und Forschung, engagiert sich in
Fort- und Weiterbildung, zertifiziert Behandlungseinrichtungen und
entwickelt Leitlinien. Ziel ist eine wirksamere Prävention und Behandlung
der Volkskrankheit Diabetes, von der mehr als sechs Millionen Menschen in
Deutschland betroffen sind. Zu diesem Zweck unternimmt sie auch
umfangreiche gesundheitspolitische Aktivitäten.


Medizin am Abend DirektKontakt

DDG
Kerstin Ullrich und Anna Julia Voormann
Postfach 30 11 20, 70451 Stuttgart
Tel.: 0711 8931-641/552, Fax: 0711 8931-167

Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG)
Geschäftsstelle
Reinhardtstr. 31, 10117 Berlin
Tel.: 030 3116937-0
Fax: 030 3116937-20

Weitere Informationen finden Sie unter
http://www.ddg.info

GenderMedizin-Diagnostik: CT-Untersuchung - Erstgespräch

Medizin am Abend Fazit:
CT-Untersuchung macht so viel Angst wie geplante OP

Forscher raten Ärzten, mögliche Ängste im Vorgespräch anzusprechen
RUB-Studie: Je mehr Informationen desto weniger Befürchtungen

Moderne Computertomographen erzeugen die benötigten Bilder geräuschlos
binnen weniger Sekunden. Trotzdem ruft eine bevorstehende Untersuchung in
der Computertomographie bei vielen Patienten ebenso große Angst hervor wie
eine geplante Operation oder eine wesentlich länger dauernde und mit
starkem Lärm verbundene Untersuchung im Magnetresonanztomographen. Das hat eine Befragung von RUB-Forschern unter 852 Patientinnen und Patienten
ergeben. „Röntgenärzte sind sich dessen aber kaum bewusst“, erklärt
Studienleiter PD Dr. Christoph M. Heyer.

„Künftig sollten solche Ängste schon im Aufklärungsgespräch thematisiert
werden.“ Denn die Studie zeigt auch, dass je informierter die Patienten
sind, desto geringer ausgeprägt ihre Angst ist.

Radiologen sind sich der Ängste ihrer Patienten kaum bewusst

Bildgebende Verfahren haben einen hohen Stellenwert in der modernen
Medizin und sind essenzieller Bestandteil bei der diagnostischen Abklärung
vieler Erkrankungen. Während die Magnetresonanztomographie (MRT) wegen
ihrer langen Dauer, des damit verbundenen Lärms und der langen und engen
Röhre, in der man bewegungslos liegen muss, vielfach als unangenehm
empfunden wird, scheint die Computertomographie (CT) vergleichsweise wenig
beängstigend: Hier kreisen eine Röntgenröhre und ein Detektorsystem mit
hoher Geschwindigkeit um den Patienten, und in nur wenigen Sekunden
entstehen geräuschlos Schnittbilder des Körperinneren. „Daher nehmen
Radiologen die Anwendung der CT in der Regel nicht als potenziell
angstauslösend wahr“, erklärt Heyer. „Entsprechend ist das Phänomen ‚Angst
beim Patienten‘ beim Aufklärungsgespräch vor einer CT-Untersuchung
normalerweise kein Thema.“

Frauen haben mehr Angst, das Alter spielt keine Rolle

In der groß angelegten Studie am Institut für Diagnostische Radiologie,
Interventionelle Radiologie und Nuklearmedizin des
Berufsgenossenschaftlichen Universitätsklinikum Bergmannsheil wurden in
Kooperation mit der Abteilung für Medizinische Psychologie und
Medizinische Soziologie der RUB (Direktorin: Prof. Dr. Monika Hasenbring)
852 Patienten unmittelbar vor einer CT-Untersuchung anhand eines
standardisierten Fragebogens zum Thema „Angst“ befragt. Die Forscher
konnten zeigen, dass das durchschnittliche Angstniveau der Studiengruppe
dem vor einer MRT bzw. vor einer geplanten Operation entsprach.  

Dabei hatten Frauen wesentlich größere Angst als männliche Patienten, wohingegen das Patientenalter keinen Einfluss auf das Ausmaß der Angst hatte.

Angstfaktoren: Ergebnis, Kontrastmittel, Enge, Strahlung

Patienten, die erstmalig eine CT-Untersuchung erhielten, waren deutlich
ängstlicher als solche, die bereits mit der Methode vertraut waren. Zudem
zeigten Patienten, die sich gut informiert über die CT-Untersuchung
fühlten, signifikant weniger Angst als Patienten, die im Vorfeld weniger
Informationen erhalten hatten. Darüber hinaus war die Angst bei denjenigen
Patienten besonders groß, bei denen eine Tumorerkrankung bekannt war oder
bei denen eine Untersuchung des Kopfes bzw. des Körperstamms vorgesehen
war. Als weitere angstauslösende Faktoren identifizierten die Forscher die
Sorge um das Untersuchungsergebnis, die intravenöse Gabe von
Kontrastmittel, die Enge im Gerät, und die angewandte Röntgenstrahlung.
„Um die Akzeptanz der CT auf Seiten der Patienten zu verbessern, erscheint
es insbesondere bei Erstuntersuchungen sinnvoll, sich des Phänomens
bewusst zu werden und es schon im ärztlichen Aufklärungsgespräch
anzusprechen“, appelliert der Studienleiter an seine Fachkollegen.

Titelaufnahme

Heyer CM et al.: Anxiety of Patients Undergoing CT Imaging – An
Underestimated Problem? In: Academic Radiology, 2015 Jan;22(1):105-12.
doi: 10.1016/j.acra.2014.07.014,
http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/25239843

Medizin am Abend DirektKontakt

PD Dr. med. Christoph M. Heyer, Leitender Arzt, Institut für
Kinderradiologie am St. Josef-Hospital, Klinikum der Ruhr-Universität
Bochum, Radiologische Praxis am JosefCarrée, Gudrunstraße 56, 44791
Bochum, Tel.: 0234/509-5260, Fax: 0234/509-5261, christoph.heyer@rub.de
Ruhr-Universität Bochum, Meike Drießen