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Prof. Dr. Timo Strünker: Funtionsverlust von CatSper - Änderung der Schlagmuster des Spermienschwanzes des Mannes (die Insemination)

Medizin am Abend Berlin  - MaAB-Fazit: Defekter Kalziumkanal im Spermienschwanz macht Männer unfruchtbar und lässt Kinderwunschbehandlungen scheitern

  • Bei der Hälfte der Paare, die auf natürlichem Weg keine Kinder bekommen können, liegt die Ursache beim Mann. 

Eine neue Studie identifiziert den Ionenkanal „CatSper“, der den Kalziumhaushalt von Spermien steuert, als häufige Ursache von bislang unerklärlicher männlicher Unfruchtbarkeit: 

Funktioniert CatSper nicht, bleiben die Spermien in der Hülle der Eizelle stecken und können diese nicht befruchten. 

  • Ein Forschungsteam der Universität Münster konnte CatSper jetzt mithilfe eines neuen Labortests auf die Schliche kommen, der betroffene Männer identifiziert. 

Die Studienergebnisse sind nun in der Fachzeitschrift „The Journal of Clinical Investigation“ erschienen. 

Schlagmusters eines Spermiums vor (l.) und nach (r.) CatSper-Aktivierung. Der kräftigere Schlag ist für die Befruchtung entscheidend Schlagmusters eines Spermiums vor (l.) und nach (r.) CatSper-Aktivierung. Der kräftigere Schlag ist für die Befruchtung entscheidend Uni MS/AG Strünker

Bei der Hälfte der Paare, die auf natürlichem Weg keine Kinder bekommen können, liegt die Ursache beim Mann. Eine neue Studie identifiziert den Ionenkanal „CatSper“, der den Kalziumhaushalt von Spermien steuert, als häufige Ursache von bislang unerklärlicher männlicher Unfruchtbarkeit: Funktioniert CatSper nicht, bleiben die Spermien in der Hülle der Eizelle stecken und können diese nicht befruchten. 

Um eine derart bedingte Unfruchtbarkeit zu entdecken, fehlten der Medizin bislang die Mittel. 

Ein Forschungsteam der Universität Münster konnte CatSper jetzt mithilfe eines neuen Labortests auf die Schliche kommen, der betroffene Männer identifiziert. Die Studienergebnisse, die es ermöglichen, die Diagnostik und Behandlung ungewollt kinderloser Paare zu verbessern, erschienen jetzt in der Fachzeitschrift „The Journal of Clinical Investigation“.

Jedes sechste Paar kann auf natürlichem Weg keine Kinder bekommen.  

Häufig bleibt die Ursache rätselhaft. 

So liefert bei vielen unfruchtbaren Paaren die Samenanalyse beim Mann unauffällige Werte: 

Anzahl, Aussehen und Beweglichkeit der Spermien sind normal. 

Das Problem: 

ohne spezifische Diagnose keine evidenzbasierte Kinderwunschbehandlung – betroffene Paare berichten daher oft von gescheiterten Behandlungsversuchen.

Warum können Männer trotz normaler Ergebnisse bei der Samenprobe keine Kinder zeugen? 

Dieser Frage ist ein interdisziplinäres Forschungsteam der Universität Münster nachgegangen. „Wir haben schon lange vermutet, dass CatSper eine Rolle dabei spielt“, sagt Prof. Dr. Timo Strünker vom Centrum für Reproduktionsmedizin und Andrologie (CeRA). Mit seinen Kolleginnen und Kollegen konnte er bereits vor einigen Jahren zeigen, dass Spermien mithilfe von CatSper Botenstoffe wahrnehmen, die von der Eizelle ausgeschüttet werden. 

Diese aktivieren CatSper, woraufhin Kalzium in den Spermienschwanz einströmt, was wiederum dessen Schlagmuster verändert. 

Das ist für die Befruchtung entscheidend, so die Vermutung. Deshalb haben die Forscher einen Test entwickelt, mit dem sie die Aktivität von CatSper in Spermien von fast 2.300 Männern bestimmt haben.

Es stellte sich heraus, dass etwa jeder hundertste unfruchtbare Mann mit unauffälliger Samenprobe einen Funktionsverlust von CatSper aufweist.  

„Die häufigste Ursache sind genetische Veränderungen, die eine der Komponenten des Ionenkanals betreffen“ ergänzt der Reproduktionsgenetiker Prof. Dr. Frank Tüttelmann. 

  • Die Änderungen am Schlagmuster, die CatSper vermittelt, sind erforderlich, damit sich die Spermien durch die feste Eihülle bohren können. 

Deshalb scheitern bei CatSper-bedingter Unfruchtbarkeit die Insemination – das heißt, das Einbringen der Spermien direkt in die Gebärmutter unmittelbar vor dem Eisprung – und die klassische In-vitro-Fertilisation (Befruchtung im Reagenzglas) als Kinderwunschbehandlungen, so eine wichtige Erkenntnis des Teams: 

Bei beiden Methoden müssen die Spermien die Eizelle nämlich selbstständig befruchten. 

Betroffenen Männern oder Paaren konnte, wie die Studie zeigt, der Kinderwunsch nur mit der sogenannten ICSI-Methode erfüllt werden, bei der ein Spermium direkt in die Eizelle injiziert wird.
„Unsere Studie ermöglicht, künftig eine CatSper-bedingte Unfruchtbarkeit frühzeitig zu erkennen und eine evidenzbasierte Auswahl der notwendigen Kinderwunschbehandlung zu treffen“, resümiert Prof. Dr. Sabine Kliesch, Chefärztin der Abteilung für Klinische und Operative Andrologie des CeRA.

„Damit können wir für die Paare das medizinische Risiko minimieren und gleichzeitig die Erfolgsaussichten maximieren.“

Neben CatSper gibt es noch eine ganze Reihe weiterer Proteine, die das Schlagmuster des Spermienschwanzes beeinflussen. 

Diese hat die DFG-Forschungsgruppe „Male Germ Cells“ (KFO326), unter deren Dach die neuen Erkenntnisse gewonnen wurden, bereits im Visier. 

Das Ziel ist, in den nächsten Jahren systematisch die Rolle dieser Proteine bei ungewollter Kinderlosigkeit aufzuklären und so die Diagnostik und Behandlung stetig zu verbessern. 

Defekter Kalziumkanal im Spermienschwanz macht Männer unfruchtbar und lässt Kinderwunschbehandlungen scheitern

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Prof. Dr. Timo Strünker
Molecular Reproductive Physiology
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Originalpublikation:

https://doi.org/10.1172/JCI173564


Weitere Informationen für international Medizin am Abend Berlin Beteiligte

https://www.medizin.uni-muenster.de/cera/ Center of Reproductive Medicine and Andrology
https://www.medizin.uni-muenster.de/male-germ-cells/home/ DFG-Forschungsgruppe „Male Germ Cells“ (KFO326)

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Dr. Thomas Schreiner: Schlaf und Erinnerungsvermögen: Auswirkungen im Zusammenhang mit der Atmung (Schlafstörungen, Atemstörungen, nachlassender Gedächtnisfuktion)

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Gedächtnisforschung: Atmung im Schlaf beeinflusst Gedächtnisprozesse

• Forschende der LMU, des MPI für Bildungsforschung und der University of Oxford haben untersucht, wie sich Schlaf auf das Erinnerungsvermögen auswirkt. 

• Dabei fanden sie einen Zusammenhang zwischen der Atmung und dem Auftauchen bestimmter Hirnaktivitätsmuster im Schlaf, die mit der Reaktivierung von Gedächtnisinhalten zusammenhängen.

• Aus den Daten lassen sich mögliche Folgen von gesunder oder gestörter Atmung auf das Gedächtnis ableiten.

Wie werden Erinnerungen im Schlaf gefestigt?

Forschende um Dr. Thomas Schreiner, Leiter der Emmy-Noether-Nachwuchsgruppe am Department Psychologie der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU), konnten bereits im Jahr 2021 zeigen, dass ein direkter Zusammenhang zwischen dem Auftreten bestimmter schlafbezogener Hirnaktivitätsmuster und der Reaktivierung von Gedächtnisinhalten im Schlaf besteht. 

Ob diese Muster von einem zentralen Schrittmacher gesteuert werden, war bisher allerdings unklar. 

Nun analysierten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler gemeinsam mit Forschenden des MPI für Bildungsforschung in Berlin und der University of Oxford die Daten erneut und konnten zeigen, dass die Atmung den Takt vorgibt. 

„Mit anderen Worten: 

Unsere Atmung beeinflusst, wie Erinnerungen im Schlaf gestärkt werden“, sagt Schreiner.

Lernvorgänge im Schlaflabor untersucht

Für ihre ursprüngliche Studie zeigten die Forschenden 20 Studienteilnehmerinnen und -teilnehmern im Rahmen von zwei Sitzungen 120 Bilder. Alle Aufnahmen waren mit bestimmten Wörtern assoziiert. Anschließend schliefen die Probandinnen und Probanden rund zwei Stunden lang im Schlaflabor. Danach wurden die erlernten Assoziationen abgefragt. Während der gesamten Lern- und Schlafzeit wurden sowohl die Hirnaktivität mittels EEG, als auch die Atmung aufgezeichnet.

Dabei fanden sie, dass während der Anwesenheit von sogenannten Langsamen Oszillationen (slow oscillations) und Schlafspindeln – das sind kurze Phasen erhöhter Hirnaktivität – zuvor gelernte Inhalte vom schlafenden Gehirn spontan reaktiviert wurden. 

  • „Die Präzision der Kopplung dieser schlafbezogenen Hirnrhythmen nimmt von der Kindheit bis zum Erwachsenwerden zu und lässt dann mit dem Altern nach“, sagt Schreiner.


Atmung und Hirnaktivität hängt zusammen


Die Atemfrequenz verändert sich ebenfalls mit dem Alter. 

Daher überprüften die Forschenden die Daten nun in Verbindung mit der aufgezeichneten Atmung und konnten tatsächlich einen Zusammenhang nachweisen: 

„Unsere Ergebnisse zeigen, dass unsere Atmung und das Auftreten der charakteristischen Oszillations- und Spindelmuster in einer direkten Beziehung zueinander stehen“, sagt Schreiner. 

„Andere Studien haben zwar bereits einen Zusammenhang von Atmung und Kognition während der Wachphase gezeigt. 

  • Unsere Arbeit macht nun deutlich, dass Atmung auch für die Erinnerungsverarbeitung während des Schlafs wichtig ist.“
  • Ältere Menschen leiden oft an Schlafstörungen, Atemstörungen und an nachlassender Gedächtnisfunktion. 

Ob es hier Zusammenhänge gibt und ob Interventionen, etwa mit CPAP-Masken, die schon jetzt bei Schlafapnoe zum Einsatz kommen, aus kognitiver Sicht sinnvoll sind, möchte Schreiner nun weiter untersuchen. 

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Dr. Thomas Schreiner
Leiter der Emmy Noether Gruppe
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Originalpublikation:

Schreiner T, Petzka M, Staudigl T & Staresina BP. Respiration modulates sleep oscillations and memory reactivation in humans. Nature Communications, DOI: 10.1038/s41467-023-43450-5


Oberärztin Professorin Dr. Alexandra Dopfer-Jablonka: Immunreaktion nach der Impfung - Antikörperanstieg (B-Zellen) und T-Zellen

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Wirksamkeit der neuen Omikron-Booster bestätigt

MHH-Studie untersucht Biontech-Impfstoff für die Auffrischungsimpfung gegen die aktuelle Corona-Variante XBB1.5 

 Wirksamkeit bestätigt: der an die Omikron-Variante XBB.1.5 angepasste Corona-Booster-Impfstoff von Biontech.

Wirksamkeit bestätigt: der an die Omikron-Variante XBB.1.5 angepasste Corona-Booster-Impfstoff von Biontech. Karin Kaiser Karin Kaiser/MHH

Die Pandemie ist überwunden, doch nach wie vor infizieren sich in Deutschland viele Menschen mit dem Coronavirus. 

Vor allem die aktuellen Omikron-Varianten sind hoch ansteckend. 

  • Die neuen Auffrischungsimpfstoffe von Biontech und Moderna sind speziell an die Omikron-Sublinie XBB.1.5 angepasst. 

Allerdings fehlte bislang der Nachweis für die Wirksamkeit der neuen Booster. 

Eine Studie der Klinik für Rheumatologie und Immunologie der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) schließt nun diese Lücke. In Kooperation mit dem MHH-Institut für Immunologie und dem Deutschen Primatenzentrum Göttingen haben die Forschenden die weltweit erste Publikation über den neuen XBB.1.5 basierten Impfstoff von Biontech veröffentlicht. 

Im Rahmen der „COVID-19 Contact (CoCo)“-Studie der MHH wurden 53 MHH-Beschäftigte untersucht, die den Impfstoff erhalten haben. 

Anschließend wurde deren Immunreaktion gemessen. 

Das Ergebnis: 

Nach der Impfung mit dem neuen Booster waren die Antikörper gegen Omikron Varianten deutlich angestiegen. 

Die Arbeit ist in der renommierten Fachzeitschrift „The Lancet Infection Diseases“ veröffentlicht worden.

Immunabwehr gestärkt

„Wir haben nicht nur eine große Menge neutralisierender Antikörper gegen Omikron XBB.1.5 gefunden, sondern auch gegen andere Unter-Varianten“, sagt die Oberärztin Professorin Dr. Alexandra Dopfer-Jablonka, die gemeinsam mit ihrem Klinikkollegen Professor Dr. Georg Behrens die Immunstudie leitet. 

Das bedeutet, der Impfstoff ruft die Immunabwehr nicht nur gegen die aktuell dominierende Corona-Variante XBB.1.5 auf den Plan, sondern aktiviert die körpereigene Abwehr auch gegen die sich gerade ausbreitende Varianten „Pirola“ (BA2.86) und „Eris“ (EG1.5). 

„Die B-Zellen, die Antikörper gegen Omikron produzieren, wurden signifikant mehr und auch die T-Zellen wurden durch die Impfung gestärkt“, erklärt die Rheumatologin. 

„Die Daten zeigen, dass die neue Booster-Impfung ihr Ziel erreicht und darüber hinaus auch Antikörper gegen neue SARS-CoV-2 Varianten induziert.“

Verteidigung in zwei Richtungen

Der neue Booster ist wie auch die ersten Corona-Impfstoffe von Biontech und Moderna wieder ein mRNA-Impfstoff, besteht also aus Boten-RNA (messenger RNA). 

Das Prinzip: 

Die mRNA enthält die genetische Information für den Bauplan des sogenannten Spikeproteins, das auf der Oberfläche des Coronavirus sitzt und mit dessen Hilfe das Virus in die Zellen gelangt. In den Körperzellen wird diese genetische Information abgelesen und das Spikeprotein produziert. Das Immunsystem erkennt das Protein als körperfremd, löst eine Abwehrreaktion aus und entwickelt einen Immunschutz. Anders als die bivalenten Impfstoffe der letzten Saison, enthalten die neuen Vakzine ausschließlich mRNA der Omikron-Variante. „Die neuen Booster aktivieren dennoch eine Verteidigung nach hinten und eine nach vorn“, stellt Professorin Dopfer-Jablonka fest. Zwar wurde in der Studie nur der Impfstoff von Biontech untersucht. 

„Da das Moderna-Vakzin jedoch ebenfalls auf XBB.1.5 angepasst ist, erwarten wir hier eine entsprechende Wirksamkeit.“ 

Das gleiche gelte für den Auffrischungsimpfstoff des Herstellers Novavax, der ebenfalls auf XBB.1.5 angepasst und von der Europäischen Kommission zugelassen wurde.

Arbeit basiert auf CoCo-Studie der MHH

„Die Arbeit ist wieder ein großer Teamerfolg und das Ergebnis der CoCo-Studie, die durch die Mitarbeitenden der MHH ermöglicht und unterstützt wird“, betont Professor Behrens. 

Die CoCo-Studie startete im März 2020. 

Mit Hilfe von Blutproben werden Immunreaktionen gegen SARS-CoV2 bei Beschäftigten der MHH und angegliederten Einrichtungen untersucht. 

„Auch können unsere Daten wesentlich dazu beitragen, die Langzeit- Immunantwort gegen SARS-CoV-2 besser zu verstehen und den Impferfolg zu beurteilen“, sagt der Mediziner.

Eine Auffrischungsimpfung mit dem neuen, angepassten Impfstoff ist laut Ständiger Impfkommission (Stiko) für alle empfehlenswert, die 60 Jahre oder älter sind. 

Zudem sollten sich alle Menschen boostern lassen, die wegen einer Grunderkrankung ein besonderes Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf haben. 

Außerdem empfiehlt die Stiko die Auffrischungsimpfung für Bewohnerinnen und Bewohner von Pflegeheimen sowie für Beschäftigte im Pflege- und Gesundheitsbereich. 

Die Auffrischungsimpfung sollte jährlich wiederholt werden, vorzugsweise im Herbst. 

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Professorin Dr. Alexandra Dopfer-Jablonka

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E-Mail-Adresse: zorn.stefan@mh-hannover.de 
Originalpublikation:

https://www.thelancet.com/journals/laninf/article/PIIS1473-3099(23)00690-4/fullt...


Prof. Dr. Björn Eskofier: Schwangerschaftsbedingte Symptome

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Wann Schwangere besonders müde sind

Forschungsteam der FAU analysiert Big-Data-Datensatz über schwangerschaftsbedingte Symptome

  • Ob Müdigkeit, Rückenschmerzen oder Schlafprobleme – während der Schwangerschaft treten Symptome auf, die fast allen Frauen zu schaffen machen. 

Wann welche Beschwerden besonders häufig sind und wie sie verlaufen, hat ein interdisziplinäres Forschungsteam der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) untersucht. 

Das Team nutzte dafür einen anonymisierten Big-Data-Datensatz einer Schwangerschafts-App.

  • Jede Schwangerschaft ist einzigartig, doch fast alle Schwangeren haben mit ähnlichen schwangerschaftsbedingten Symptomen zu tun: 

Sie sind müde,  

haben Rückenschmerzen,

klagen über Verstopfung, 

Schlafprobleme,

 oder Atemnot.

 „Diese Symptome sind schon lange bekannt. 

Aber wann sie im Lauf der Schwangerschaft auftreten, wie sie genau verlaufen und sich gegenseitig beeinflussen, ist bislang nicht gut erforscht“, erklärt Prof. Dr. Björn Eskofier. 

„Wir müssen das Auftreten dieser Symptome besser verstehen lernen, um Schwangerschaftsvorsorge, aber auch therapeutische Maßnahmen gezielter weiterentwickeln zu können.“ 

Der Inhaber des Lehrstuhls für Maschinelles Lernen und Datenanalytik der FAU koordiniert gemeinsam mit Prof. Dr. Matthias W. Beckmann (Klinikdirektor und Lehrstuhlinhaber des Lehrstuhls für Geburtshilfe und Frauenheilkunde) sowie Prof. Dr. Peter A. Fasching (Professur für Translationale Frauenheilkunde und Geburtshilfe) von der Frauenklinik des Uniklinikums Erlangen das interdisziplinäre Forschungsprojekt SMART Start. 

Mit im Boot ist auch Prof. Dr. Oliver Schöffski vom Lehrstuhl für Gesundheitsmanagement der FAU sowie Prof. Dr. Matthias Braun vom Lehrstuhl für Systematische Theologie und Ethik der Universität Bonn. Gemeinsam wollen die Wissenschaftler auf Grundlage einer breiten Datenbasis Impulse zur Digitalisierung in der Schwangerschaftsvorsorge in Deutschland geben.

  • Müde im ersten Trimester


Im Rahmen des interdisziplinären Forschungsprojekts analysierte Michael Nissen, wissenschaftlicher Mitarbeiter und Doktorand am Lehrstuhl für Maschinelles Lernen und Datenanalytik, einen Big-Data-Datensatz des deutschen Schwangerschafts-App-Herstellers keleya.  

Schwangere Frauen können in der keleya-App ihre individuellen Symptome auswählen. 

Anschließend erhalten sie angepasste und individuell zusammengestellte Informationen und Inhalte.

  • „Am häufigsten sind Frauen während der Schwangerschaft von Müdigkeit betroffen. 

Das gaben 92,9 Prozent der Nutzerinnen an. Es folgen Rückenschmerzen mit 92,6 Prozent, Kurzatmigkeit mit 81,0 Prozent und Schlafstörungen mit 79,4 Prozent “, fasst Nissen die Ergebnisse zusammen. 

„Interessant ist, dass jedes einzelne Symptom ein eindeutiges Zeitmuster aufweist“, erklärt der Informatiker. 

Müdigkeit erreicht demnach im ersten Trimester der Schwangerschaft ihren Höhepunkt, Kopfschmerzen treten vor allem um die 15. Schwangerschaftswoche auf, Durchfall tendenziell zu Beginn und am Ende der Schwangerschaft mit einem deutlichen Minimum um Schwangerschaftswoche 20. 

  • Und Schlafprobleme nehmen während der gesamten Schwangerschaft stetig zu.


Schlafprobleme können mit Schwangerschaftserkrankungen zusammenhängen

Einige der Symptome haben nicht nur einen Einfluss auf die Lebensqualität. 

Sie hängen auch mit unerwünschten Folgen für die Schwangerschaft zusammen. 

So ist aus der Literatur bekannt, dass Schlafstörungen mit einer höheren Wahrscheinlichkeit für Kaiserschnitte, Frühgeburtlichkeit und Schwangerschaftsdepressionen verknüpft sind. 

Daher ist die Symptomforschung relevant.

Großer Datensatz für die Forschung verfügbar

Keleya stellte der FAU einen großen anonymisierten Datensatz von Nutzerinnen der App für Forschungszwecke zur Verfügung und trägt so unmittelbar zum Erkenntnisgewinn in der Wissenschaft bei – ein gelungenes Beispiel für eine erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen Industrie und Forschung. Insgesamt 183.732 Frauen haben mit dem Symptomtracker der App ihre schwangerschaftsbezogenen Symptome erfasst. Sie zeichneten mehr als 1,5 Millionen Symptome auf. Diesen riesigen Datensatz werteten die Forscherinnen und Forscher aus und erstellten Symptomverlaufskurven mit wöchentlichen Symptomberichten für 15 unterschiedliche schwangerschaftsbedingte Symptome. „Die Größe des Datensatzes übersteigt vorherige Arbeiten um ein Vielfaches“, ergänzt Nissen. Darüber hinaus entstammt der Datensatz der „echten Welt“ (real-world evidence). Das kann dazu beitragen, mögliche Verzerrungen und Benachteiligung in der medizinischen Forschung zu verringern und ein breites Bild außerhalb klassischer medizinischer Studien liefern.

Unterschiede im Nutzungsverhalten

Ein Problem von Gesundheits-Apps kann das Nutzungsverhalten sein. 

Einige Nutzerinnen probieren die App nur ein einziges Mal aus. 

„Wir konnten zeigen, dass sich diese Daten kaum von sehr aktiven Nutzerinnen unterscheiden“, erläutert Nissen. 

Damit können auch die Daten von Einmal-Nutzerinnen für Forschungszwecke verwendet werden.

Sekundärnutzung von Branchendaten

Insgesamt stellt die Arbeit mehrere bisher unbekannte oder umstrittene Symptomverläufe klar und übertrifft vorherige Arbeiten im Umfang deutlich. „Unsere Arbeit unterstreicht das Potenzial der Sekundärnutzung von Branchendaten“, betont der Doktorand. „Die Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Industrie kann dazu beitragen, neue wissenschaftliche Erkenntnisse zu gewinnen.“

Zur kompletten Studie in npj Digital Medicine:
 

https://www.nature.com/articles/s41746-023-00935-3

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Michael Nissen
Lehrstuhl für Maschinelles Lernen und Datenanalytik
Tel.: 09131/85-20286
michael.nissen@fau.de 

Blandina Mangelkramer Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

Schlossplatz 4
91054 Erlangen
Deutschland
Bayern


Originalpublikation:

https://www.nature.com/articles/s41746-023-00935-3



Prof. Dr. Nicole Lindenblatt: Dynamische MR-Lymphangiographie: Lymphknoten und Lymphbahnen: Schwer erreichbare Aussackung am zentralen Lymphsystem:

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Weltweit erste wiederherstellende Operation am zentralen Lymphsystem mit einem Mikrochirurgie-Roboter am USZ

Weil eine schwer erreichbare Aussackung am zentralen Lymphsystem nicht entfernt werden konnte, legte ein Ärzteteam der Klinik für Plastische Chirurgie und Handchirurgie am Universitätsspital Zürich (USZ) einen neuen Abfluss, um den quälenden Lymphstau der Patientin zu beheben. 

Medizin am Abend Berlin ZusatzLink: Labor Lymphknoten-(LK)-schwellungen 

Zum ersten Mal kam bei einem solchen Eingriff ein mikrochirurgisches Operationssystem zum Einsatz. 

Nicole Lindenblatt operiert am zentralen Lymphsystem mit dem Mikrochirugie-Roboter Symani

 Nicole Lindenblatt operiert am zentralen Lymphsystem mit dem Mikrochirugie-Roboter Symani USZ

Als die Patientin in die Klinik für Plastische Chirurgie und Handchirurgie des USZ kam, hatte sie bereits einen langen Leidens- und Behandlungsweg hinter sich. Die 47-jährige Frau litt seit langer Zeit unter quälenden Schmerzen im linken Unterleib, die sich nach körperlicher Aktivität noch verstärkten. 

Begleitet wurden die Schmerzen von starken Kreislaufstörungen, sodass die Patientin kaum 100 Meter am Stück gehen konnte. Da die Symptome zunahmen, war eine dynamische MR-Lymphangiographie durchgeführt worden, mittels der die Lymphbahnen und Lymphknoten dargestellt werden können. 

  • Die Lymphangiographie zeigte eine etwa birnengrosse zystische Erweiterung der linken Beckenlymphgefässe, in der sich immer wieder Lymphflüssigkeit staute. 
  • Dies führte zu den massiven Schmerzen und verursachte wahrscheinlich durch eine Beeinflussung des vegetativen Nervensystems neben der Wirbelsäule die Kreislaufbeschwerden.

Grosser Leidensdruck, aber wenig Therapiemöglichkeiten

Solche Erkrankungen am zentralen Lymphsystem sind selten, für Betroffene jedoch schwerwiegend, weil sie deren Lebensqualität stark beeinträchtigen. 

Angeborene Fehlbildungen des Lymphsystems kommen auch typischerweise bei Säuglingen und Kindern vor, was zu massiven Problemen wie chronischen Ergüssen um die Lunge und im Bauch mit Proteinverlust sowie ausgedehnten Lymphödemen führt.  

Die Behandlung beschränkt sich jedoch häufig auf die medikamentöse Therapie und eine spezielle Diät, um den Lymphfluss zu reduzieren, bei Leckagen wird versucht, diese zu veröden. 

  • Operativ behandelt werden diese Lymphgefässfehlbildungen selten, weil das Operationsgebiet tief im Körperinneren schwer erreichbar ist und die Lymphgefässe teilweise nur 0.5-1 mm gross sind. 

Der Versuch in einem anderen Spital, die Erweiterung zu veröden, war bei der Patientin denn auch gescheitert.

Der Roboter könnte zu der Ausbuchtung gelangen

Nach eingehenden Abklärungen bei den Spezialistinnen und Spezialisten mehrerer Fachbereiche wurde ein weiterer Versuch der Verödung verworfen, weil die Gefahr bestand, dabei auch die Lymphgefässe zu verschliessen, die in die Erweiterung führten. «Dies hätte zur Folge gehabt, dass sich bei der Patientin ein Lymphstau der unteren Körperhälfte hätte entwickeln können», so Nicole Lindenblatt, stellvertretende Direktorin der Klinik für Plastische Chirurgie und Handchirurgie und Spezialistin für mikro- und supermikrochirurgische Eingriffe. Stattdessen schlug das Behandlungsteam um Nicole Lindenblatt der Patientin einen rekonstruktiven mikrochirurgischen Eingriff vor, bei dem eine neue Verbindung zwischen der Erweiterung und der linken Ovarialvene gelegt wird, worüber die Lymphflüssigkeit wieder in das zentrale Venensystem abfliessen kann. Die Patientin entschied sich für die Operation. Die Planung des Eingriffs erfolgte zusammen mit einem etablierten Behandlungsteam aus Fachspezialistinnen und -spezialisten der Viszeralchirurgie und der Interventionellen Radiologie am USZ.

Kurz nach der Operation verschwanden die quälenden Schmerzen

Die Operation wurde mittels des robotischen Operationssystems Symani durchgeführt. 

Das mikrochirurgische System kann dabei zum ersten Mal weltweit bei einem Eingriff am zentralen Lymphsystem eines Menschen zum Einsatz. 

Und der mikrochirurgische Eingriff gelang. 

Fast unmittelbar nach der Operation verschwanden die Schmerzen der Patientin. 

Drei Monate nach der Operation spürte sie kaum Symptome mehr und hatte sich so gut erholt, dass sie problemlos mehrere Stunden ohne Schwäche oder Kreislaufreaktionen gehen konnte und im Alltag nicht mehr eingeschränkt war.

Einziges Zentrum für zentrale Lymphchirurgie in Europa

Nicole Lindenblatt nutzt das System seit 2021 und gehörten zu dessen ersten Anwendern:

 «Wir können damit in tiefere Lagen vordringen und feinste Gefässe mit hoher Präzision operieren und Eingriffe durchführen, die mit den herkömmlichen Instrumenten sehr schwierig sind. 

Dank unserer Erfahrung mit dem System wussten wir, dass uns damit auch ein solche Operation am zentralen Lymphsystem gelingen könnte.»

Zugleich war dies für die Patientin die einzige Behandlungsmöglichkeit. «Mit dem Eingriff konnten wir der Patientin helfen», so Lindenblatt, «gleichzeitig konnten wir neue Anwendungen und Möglichkeiten des Geräts aufzeigen, die bisher nicht genutzt wurden.»

Das von Nicole Lindenblatt geleitete zertifizierte Center of Excellence für lymphatische Erkrankungen des USZ ist das einzige Zentrum in Europa, das zentrale Lymphchirurgie anbietet. 

Patientinnen und Patienten mit Erkrankungen des zentralen Lymphsystems steht in dem Zentrum nun eine weitere Behandlungsmöglichkeit offen. 

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Nicole Lindenblatt, Prof. Dr. med.
Leitende Ärztin, Stv. Klinikdirektorin, Klinik für Plastische Chirurgie und Handchirurgie

Nathalie Plüss Universitätsspital Zürich

Rämistrasse 100
8091 Zürich
Schweiz
Zürich

Telefon: +41 44 255 86 60
E-Mail-Adresse: nathalie.pluess@usz.ch 
Originalpublikation:

https://journals.lww.com/prsgo/fulltext/2023/12000/first_in_human_use_of_a_micro...


Prof. Mark Coburn und PD Dr. Ana Kowark: Studie zur Wirkung von präoperativ, oral verabreichtem Midazolam (Benzodiazepine) bei älteren Patientinnen und Patienten

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Erstmals große randomisierte Studie zur Wirkung von präoperativem Midazolam bei älteren Patienten

Prof. Mark Coburn und PD Dr. Ana Kowark von der Klinik für Anästhesiologie und Operative Intensivmedizin des Universitätsklinikums Bonn (UKB) haben die bislang größte randomisierte Studie zur Wirkung von präoperativ, oral verabreichtem Midazolam bei älteren Patientinnen und Patienten durchgeführt. 

  • Mittels Placebo-Kontrolle fanden die Medizinerinnen und Mediziner heraus, dass das Medikament bei niedrigdosiertem Einsatz die Patientenzufriedenheit und -sicherheit nicht beeinträchtigt. 

Die Ergebnisse wurden heute in der renommierten Fachzeitschrift JAMA Surgery veröffentlicht.

  • Midazolam ist ein Beruhigungsmittel aus der Gruppe der Benzodiazepine. 
  • In der Anästhesie wird es mitunter eingesetzt, um Patientinnen und Patienten vor einer OP zu beruhigen. 

„Trotz des weitverbreiteten Einsatzes ist die Wirkung von Midazolam bei oraler Verabreichung auf die Patientenzufriedenheit bei älteren Patientinnen und Patienten vor einem Eingriff bislang nicht abschließend geklärt“, sagt Prof. Mark Coburn, Direktor der Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin des UKB. 

Deswegen wurde in neun deutschen Kliniken die bisher größte randomisierte Studie mit Placebo-Kontrolle zu dieser Fragestellung durchgeführt. 

Die mehr als 600 Studienteilnehmenden waren zwischen 65 und 80 Jahren alt und standen vor der Durchführung eines geplanten operativen Eingriffs mit mindestens 30-minütiger Vollnarkose und geplanter Extubation (d.h. geplantem Entfernen des Beatmungsschlauches).

Etwa der Hälfte der Studienteilnehmenden wurde oral eine geringe Einzeldosis Midazolam von 3,75 mg verabreicht, die andere Hälfte erhielt ein Placebo. 

In die Auswertung einbezogen wurden ein nach dem Operationstag auszufüllender Fragebogen und die Kontrolle von Vitalwerten, möglichen Komplikationen und der kognitiven Erholung innerhalb eines Monats nach der OP. 

„Wir haben herausgefunden, dass sich die Patientensicherheit der Midazolam- und der Placebo-Gruppe – bis auf einen höheren Anteil von Bluthochdruckpatientinnen und –patienten in der Placebo-Gruppe – nicht unterschieden. 

Eine geringdosierte Einzelmedikation von Midazolam bei älteren Patientinnen und Patienten vor einer Operation oder mit Angstzuständen verändert die Patientenzufriedenheit als auch die Patientensicherheit nicht“, so PD Dr. Ana Kowark, Oberärztin der Klinik für Anästhesiologie und Operative Intensivmedizin des UKB und Erstautorin der Publikation.

Originalpublikation:
Ana Kowark, MD; András P Keszei, PhD; Gerhard Schneider, MD; Stefanie Pilge, MD; Frederick Schneider, MD; David P Obert, MD; Marie-Therese Georgii, MD; Markus Heim, MD; Rolf Rossaint, MD; Sebastian Ziemann, MD; Julia van Waesberghe, MD; Michael Czaplik, PhD; Friedrich K Pühringer, MD; Christian Minarski, MD; Verena May, MD; Tobias Malisi, MD; Berthold Drexler, MD; Carmen Maria Ring, MD; Phillip Engler, MD; Roman Tilly, MD; Petra Bischoff, MD; Ulrich Frey, MD; Maria Wittmann, MD; Martin Soehle, MD; Thomas Saller, MD; Peter Kienbaum, MD; Moritz Kretzschmar, PhD; Mark Coburn*, MD; for the I-PROMOTE study group; Preoperative Midazolam and Patient-Centered Outcomes of Older Patients; DOI: 10.1001/jamasurg.2023.6479

Zum Universitätsklinikum Bonn: Im UKB werden pro Jahr etwa 500.000 Patient*innen betreut, es sind ca. 9.000 Mitarbeiter*innen beschäftigt und die Bilanzsumme beträgt 1,6 Mrd. Euro. Neben den über 3.300 Medizin- und Zahnmedizin-Studierenden werden pro Jahr weitere 585 Personen in zahlreichen Gesundheitsberufen ausgebildet. Das UKB steht im Wissenschafts-Ranking sowie in der Focus-Klinikliste auf Platz 1 unter den Universitätsklinika (UK) in NRW und weist den dritthöchsten Case Mix Index (Fallschweregrad) in Deutschland auf. Das F.A.Z.-Institut hat das UKB 2022 und 2023 als Deutschland begehrtesten Arbeitgeber und Ausbildungs-Champion unter den öffentlichen Krankenhäusern in Deutschland ausgezeichnet. 

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PD Dr. med. Ana Kowark
Oberärztin Klinik für Anästhesiologie und Operative Intensivmedizin des Universitätsklinikums Bonn (UKB)
E-Mail: ana.kowark@ukbonn.de

Viola Röser Universitätsklinikum Bonn

Venusberg-Campus 1
53127 Bonn
Deutschland
Nordrhein-Westfalen

Viola Röser
Telefon: +49 228 287-10469
E-Mail-Adresse: viola.roeser@ukbonn.de
Originalpublikation:

Preoperative Midazolam and Patient-Centered Outcomes of Older Patients; DOI: 10.1001/jamasurg.2023.6479



Prof. Dr. Dr. Christian Bachmann: Vermehrte Verwendung des atypischen Antipsychotikums Quetiapin

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Mehr Antipsychotika für Kinder und Jugendliche | Neue Studie zeigt besorgniserregenden Trend

  • Antipsychotika (AP) sind Medikamente, die zur Behandlung von Erkrankungen wie Schizophrenie oder bipolaren Störungen eingesetzt werden. 

Obwohl das Wissen über die Sicherheit und Wirksamkeit des AP-Einsatzes bei Kindern und Jugendlichen begrenzt ist, werden AP zunehmend auch bei anderen Indikationen wie Unruhe, Angst und Schlafstörungen eingesetzt. 

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Eine neue Studie am Universitätsklinikum Ulm (UKU) zeigt nun, dass der AP-Gebrauch bei Kindern und Jugendlichen in Deutschland in den letzten Jahren deutlich zugenommen hat. 

Der AP-Gebrauch bei Kindern und Jugendlichen hat in Deutschland in den letzten Jahren deutlich zugenommen. Der AP-Gebrauch bei Kindern und Jugendlichen hat in Deutschland in den letzten Jahren deutlich zugenommen. Quelle: Universitätsklinikum Ulm

Die Studie „Trends in antipsychotic use among children and adolescents in Germany: a study using 2011–2020 nationwide outpatient claims data“ untersuchte die Verordnung von Antipsychotika bei Kindern und Jugendlichen in Deutschland von 2011 bis 2020 anhand von bundesweiten Abrechnungsdaten aus der ambulanten Versorgung.

 „Wir konnten zeigen, dass Antipsychotika in diesem Zeitraum immer häufiger verschrieben wurden“, erklärt Prof. Dr. Dr. Christian Bachmann, Leiter der AG Versorgungsforschung an der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie/ Psychotherapie des UKU und Erstautor der Studie. 

Dabei stieg die Verwendung von typischen Antipsychotika, also AP der ersten Generation, von 1,16 pro 1.000 auf 1,35 pro 1.000 Kindern und Jugendlichen, das ist ein Anstieg um 16 Prozent. 

  • Die Verwendung von atypischen Antipsychotika, also modernere AP, die im Vergleich zu typischen AP weniger Bewegungsstörungen mit sich bringen, nahm von 2,35 auf 2,75 pro 1.000 zu. Dies entspricht einem Anstieg von 17 Prozent. 
  • Besonders stark war die Zunahme bei Mädchen.
  • „Der markante Anstieg des AP-Gebrauchs bei weiblichen Jugendlichen im Alter von 15 bis 19 Jahren, der größtenteils auf eine vermehrte Verwendung des atypischen Antipsychotikums Quetiapin zurückzuführen ist, ist bemerkenswert. 

Mögliche Gründe für diesen Anstieg – z.B. ein unzureichender Zugang zu psychosozialen Therapien – sollten sorgfältig analysiert werden“, betont Prof. Bachmann. 

  • Aktuelle Studien haben gezeigt, dass das Risiko für negative Veränderungen im Stoffwechsel und schwerwiegende kardiovaskuläre Ereignisse selbst bei niedrigdosiertem Quetiapin-Gebrauch erhöht ist. 

Aufgrund des deutlichen Anstiegs des Gebrauchs und des Mangels an Daten für diese vulnerable Gruppe empfehlen die Forschenden, die Sicherheit des Quetiapin-Gebrauchs bei Kindern und Jugendlichen weiter zu untersuchen. 

Darüber hinaus könnte die Einführung von Monitoring-Maßnahmen – z.B. restriktivere Verschreibungsrichtlinien oder Schulungen für Verschreiber – in Betracht gezogen werden.

„Ob der Anstieg des Antipsychotika-Gebrauchs in Deutschland nun auf eine zunehmende Belastung durch psychische Störungen, auf einen Ausgleich fehlender psychotherapeutischer Kapazitäten oder auf andere Gründe zurückzuführen ist, muss in weiteren Forschungsarbeiten überprüft werden.  

Fest steht jedoch, dass insbesondere die Sicherheit des Antipsychotika-Gebrauchs bei Kindern und Jugendlichen weiter untersucht werden muss“, resümiert Prof. Bachmann.

Die Studie wurde in Zusammenarbeit mit dem Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie – BIPS in Bremen, dem Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung in Berlin und der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg durchgeführt und in der wissenschaftlichen Fachzeitschrift "Frontiers in Psychiatry" veröffentlicht.

Originalpublikation:

Michael Dörks, Christian J. Bachmann, Maike Below, Falk Hoffmann, Lena M. Paschke and Oliver Scholle. Trends in antipsychotic use among children and adolescents in Germany: a study using 2011–2020 nationwide outpatient claims data
DOI: https://doi.org/10.3389/fpsyt.2023.1264047

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