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Professor Norbert Stefan: Die nicht-alkoholische Fettlebererkrankung (NAFLD): Chronische Lebererkrankungen und Leberkrebs und Risiko für Typ-2-Diabetes

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: NAFLD: Rolle der Hepatokine bei der Identifizierung von Subtypen

  • Hepatokine sind Proteine, die von der Leber freigesetzt werden. 
  • Bei Menschen mit einer nicht-alkoholischen Fettlebererkrankung (NAFLD) entsteht häufig eine Dysregulation der Hepatokine. 
  • Sie haben oft auch Typ-2-Diabetes und kardiovaskuläre Erkrankungen. 

Die Autoren untersuchen Wechselwirkungen zwischen Hepatokinen und Organen.

Sie schlagen vor, dass die Bestimmung der wichtigsten Hepatokine und Adipokine (Proteine aus Gewebefett) zur Identifizierung von NAFLD-Subtypen verwendet werden könnte. 

Damit ließe sich die Präzisionsmedizin in der klinischen Praxis besser umsetzen. 

NAFLD: Rolle der Hepatokine bei der Identifizierung von Subtypen

NAFLD: Rolle der Hepatokine bei der Identifizierung von Subtypen Norbert Stefan

Die nicht-alkoholische Fettlebererkrankung (NAFLD) ist ein wichtiger Risikofaktor für Typ-2-Diabetes und für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. 

In einem Beitrag in Cell Metabolism beleuchten Norbert Stefan von der Universität Tübingen, Helmholtz Muich und vom Deutschen Zentrum für Diabetesforschung, Morris F. White von der Harvard Medical School und Kollegen zunächst die Dysregulation von Hepatokinen bei Menschen mit NAFLD. 

Hepatokine sind Proteine, welche die Leber freisetzt. Anschließend erörtern sie Pathomechanismen von Typ-2-Diabetes und von kardiovaskulären Erkrankungen, die speziell mit NAFLD zusammenhängen, und fokussieren sich auf Wechselwirkungen zwischen Hepatokinen und Organen. 

Die Autoren schlagen vor, dass die Bestimmung der wichtigsten Hepatokine und Adipokine (Proteine aus Gewebefett) zur Identifizierung von NAFLD-Subtypen verwendet werden könnte, um die Präzisionsmedizin in der klinischen Praxis besser umzusetzen.

Weltweit leiden mehr als 25 % aller Erwachsenen und 3 bis 10 % aller Kinder an einer NAFLD. Der Prozentsatz ist wesentlich höher, wenn bei Erwachsenen (⁓60 %) und bei Kindern (⁓40 %) Übergewicht und/oder Diabetes vorliegen. Diese Zahlen sind alarmierend, da die NAFLD, insbesondere die nicht-alkoholische Steatohepatitis, die Hauptursache für chronische Lebererkrankungen und für Leberkrebs ist. Darüber hinaus zeigen Ergebnisse großer Studien, dass NAFLD mit einem ⁓2,5-fach erhöhten Risiko für Typ-2-Diabetes und einem ⁓1,5-fach erhöhten Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse assoziiert ist. Doch über welche Mechanismen beeinflusst eine Fettleber die Entstehung von Typ-2-Diabetes und von Herz-Kreislauf-Erkrankungen? Und wie lässt sich die Auswirkung der Fettleber von der Auswirkung der zunehmend auftretenden abdominalen Adipositas, die häufig bei Menschen mit Fettleber zu finden ist, auf diese Krankheiten abgrenzen?

Mit diesen Fragen beschäftigen sich Forscher aus Tübingen und aus Boston seit vielen Jahren und haben dazu internationale Kooperationen aufgebaut, so ist Norbert Stefan als Visiting Professor an der Harvard Medical School. Sie haben wichtige Hepatokine identifiziert, die bei NAFLD dysreguliert sind, und ihre Rolle im Stoffwechsel beschrieben.

„Wir fanden heraus, dass das Hepatokin Fetuin-A vermehrt von der Fettleber produziert wird und dass es das Auftreten von Typ-2-Diabetes und von kardiovaskulären Ereignissen klar prognostiziert. 

Wir haben auch Mechanismen der zellulären Wirkung von Fetuin-A zur Förderung der Insulinresistenz, der subklinischen Entzündungen und der Beeinträchtigung der Insulinsekretion identifiziert“, betont Professor Norbert Stefan. 

Und Professor Morris White fügt hinzu: 

„Wir haben ein weiteres wichtiges Hepatokin nachgewiesen, das zunehmend von der Fettleber produziert wird – Follistatin. 

  • Außerdem haben wir Mechanismen gefunden, welche die Produktion von Follistatin in der Leber hochregulieren beziehungsweise durch die Follistatin den Glukosespiegel und die Insulinresistenz erhöht.
  • In großen Humankohorten haben wir gesehen, dass Follistatin mit einem erhöhten Risiko für Typ-2-Diabetes verbunden ist.“ 

In ihrem aktuellen Artikel beschreiben die Forscher Wirkmechanismen dieser Hepatokine und fassen das Wissen über andere Hepatokine zusammen, die momentan untersucht werden.

Außerdem nutzten die Forschenden ein derzeit sehr beliebtes Instrument, die Clusteranalyse, um die enge Beziehung zwischen Fettleber und abdominaler Adipositas zu entschlüsseln und um Subtypen von Menschen mit Fettleber zu identifizieren. Bei Clusteranalysen werden Datensätze hinsichtlich ihrer Ähnlichkeit in Gruppen eingeteilt.

Indem sie mehrere Parameter, nämlich den 

Fettgehalt der Leber, 

die viszerale Fettmasse, 

das Hepatokin Fetuin-A

 und das Adipokin Adiponektin, 

zu Clustern zusammengefasst haben, gelang es ihnen, drei Cluster zu identifizieren. 

Die Cluster 1 und 3 wiesen eine ähnliche Insulinresistenz und einen erhöhten Leberfettgehalt auf, unterschieden sich jedoch weitgehend in den Plasmaspiegeln von Fetuin-A und Adiponektin. 

Daraus schlussfolgern die Wissenschaftler, dass sie Subtypen von Menschen mit einer Fettleber gefunden haben, die unterschiedliche Pathomechanismen der Insulinresistenz aufweisen. 

Sie vermuten, dass die Erforschung der Hepatokine hilfreich sein könnte, um in Zukunft weitere Subtypen der Fettleber zu identifizieren.

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Prof. Norbert Stefan
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Birgit Niesing Deutsches Zentrum für Diabetesforschung

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Originalpublikation:

Stefan N, Schick F, Birkenfeld AL, Häring HU, White MF. The role of hepatokines in NAFLD. Cell Metabolism (2023), https://doi.org/10.1016/j.cmet.2023.01.006


Prof. Dr. Yvonne Görlich: Nomophobie - die Angst, nicht erreichbar zu sein - Übermäßige Handynutzung

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Studie der PFH zu neuer Angststörung: Nomophobie auch in Deutschland weit verbreitet

  • Eine übermäßige Smartphone-Nutzung kann negative psychische Folgen haben, beispielsweise Nomophobie, die Angst, nicht erreichbar zu sein. 

Eine an der PFH Private Hochschule Göttingen durchgeführte Studie konnte nun nachweisen, dass Nomophobie auch in Deutschland weit verbreitet ist. 

Für eine Folgestudie werden jetzt Teilnehmende gesucht. 

Prof. Dr. Yvonne Görlich, Professorin für Psychologische Diagnostik und Differentielle Psychologie an der PFH Göttingen

Professorin für Psychologische Diagnostik und Differentielle Psychologie an der PFH Göttingen  PFH Private Hochschule Göttingen

  • Smartphones sind ein fester Bestandteil unseres täglichen Lebens. 

In Deutschland nutzten 2021 insgesamt 63 Millionen Menschen ein Smartphone, das entspricht rund 78 Prozent der Bevölkerung [1]. 

Die durchschnittliche Smartphone-Nutzung lag bei drei Stunden und 49 Minuten pro Tag [2]. 

Nomophobie steht für "no mobile phone phobia". 

  • Sie tritt vor allem bei exzessiver Smartphone-Nutzung auf und beschreibt die Angst, vom eigenen Smartphone getrennt zu sein. 

Eine an der PFH Private Hochschule Göttingen durchgeführte Studie konnte nun nachweisen, dass Nomophobie auch in Deutschland weit verbreitet ist.

„Bisher gab es in Deutschland kein geprüftes diagnostisches Instrument für Nomophobie“, sagt Prof. Dr. Yvonne Görlich, Professorin für Psychologische Diagnostik und Differentielle Psychologie an der PFH Private Hochschule Göttingen. 

„Für unsere Studie haben wir den international häufig eingesetzten Fragebogen Nomophobia Questionnaire NMP-Q [3] übersetzt und validiert“, so Görlich. 

  • Dieser Fragebogen erfasst die Stärke von vier Dimensionen, die für „Smartphone-Entzug“ typisch sind: 
  • (1) "Nicht kommunizieren können", (2) "Verbindungsverlust", (3) "Nicht auf Informationen zugreifen können" und (4) "Komfortverzicht". 
  • Diese Faktoren korrelieren unterschiedlich stark mit Persönlichkeitsmerkmalen, wie Gewissenhaftigkeit, Offenheit oder Neurotizismus aber auch mit Angst und Stress.


Nomophobie als eigenständige Störung

Die Studie der PFH ergab, dass fast die Hälfte der Teilnehmenden (49,4 %) ein mittleres Maß an Nomophobie aufwies, weitere 4,1 % eine schwere Nomophobie. Obwohl es Überschneidungen mit der Smartphone- und Internetsucht gibt, stellt Nomophobie ein eigenständiges Konstrukt dar.  

„Geht das Handy verloren oder ist man aufgrund eines Funklochs oder eines leeren Akkus kurzzeitig nicht erreichbar, kommt es zu einem subjektiv verschobenen, übermäßigen Angstempfinden“, erläutert Prof. Dr. Yvonne Görlich. 

  • „Smartphone-Abhängigkeit zählt zu den Suchterkrankungen, während Nomophobie eine Angststörung ist“, erläutert die Psychologin den Unterschied. 
  • Die Betroffenen erleben in erster Linie einen Kontrollverlust über ihre Smartphone-Nutzung, der sich auf andere Bereiche ihres Lebens auswirkt. 
  • „In früheren Studien wurden signifikante Zusammenhänge zwischen Nomophobie und Einsamkeit, Depression, Ablenkung und verminderter Impulskontrolle festgestellt“, so Görlich. 
  • Ein weiteres Phänomen, das eng mit der Nomophobie zusammenhängt, ist die Angst, etwas zu verpassen, die sogenannte Fear of Missing Out (FoMO).


Teilnehmende für weitere Studie gesucht – Smartphone-Fasten

Mit einer weiteren Studie soll jetzt untersucht werden, inwieweit eine kontrollierte Smartphone-Nutzung Nomophobie, aber auch Depressions-, Angst und Stresssymptome reduzieren sowie Wohlbefinden und Kreativität fördern kann. 

Für die Online-Studie werden Teilnehmende ab 18 Jahren gesucht, die ihr Smartphone mindestens zwei Stunden täglich nutzen und bereits einen Leidensdruck verspüren. 

„Wir suchen Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die Nomophobie-Symptome aufweisen wie Stress und Beklemmung bei ausgeschaltetem Mobiltelefon, Angstzuständen bei leerem Akku, aufgebrauchtem Datenvolumen, bei Unerreichbarkeit oder einem Gefühl der Panik, wenn das Smartphone zu Hause gelassen wurde“, erklärt Prof. Dr. Yvonne Görlich. 

Die Teilnehmenden sollen zu drei bzw. vier Zeitpunkten im Abstand von je zwei Wochen jeweils eine ca. 15-minütige Umfrage ausfüllen. geht es nicht darum, ganz auf das eigene Smartphone zu verzichten, sondern es bewusst zu nutzen (z.B. tägliche Smartphone-Nutzung nicht länger als 2 Stunden). 

Ab sofort kann an der Studie anonym teilgenommen werden. 

Über den unten dargestellten QR-Code oder folgenden Link gelangen Sie zur Studie: https://umfragen.pfh.de/umfragen/index.php/268869?lang=de. 

Bis zum 3. März 2023 ist ein Studienbeginn möglich.
„Die Studie bietet Teilnehmenden die Chance, Smartphone-Fasten auszuprobieren und ihr Nutzungsverhalten zu kontrollieren sowie ihr Befinden zu dokumentieren“, erläutert die Forscherin.

Weitere Studienergebnisse: Frauen stärker betroffen


Die Studie der PFH ergab weiterhin, dass Männer im Durchschnitt einen Nomophobie-Wert von 54 erreichten und Frauen von 63. Ohne ihr Smartphone fühlen sich Betroffene unwohl, sind nervös, ängstlich oder gereizt. Dabei zeigten Frauen bei den Faktoren „Nicht kommunizieren können“ und „Komfortverzicht“, signifikant höhere Werte als Männer. „Wir können davon ausgehen, dass Frauen aufgrund eines stärkeren Bedürfnisses nach sozialen Beziehungen das Smartphone stärker zur Kommunikation nutzen und somit höhere Nomophobie-Scores erzielen“, erläutert Görlich. Bei der Häufigkeit der Smartphone-Nutzung gab es keine signifikanten Unterschiede aber Frauen waren länger mit dem Smartphone beschäftigt als Männer.

Bisher keine Störung von Krankheitswert

Noch gilt Nomophobie jedoch nicht als anerkannte Krankheit. „Angesichts der so weit verbreiteten Smartphone-Nutzung und internationaler Studienergebnisse liegt die Frage nahe, ob Nomophobie in die Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme (ICD) oder das Diagnostische und Statistische Handbuch Psychischer Störungen (DSM) aufgenommen werden sollte und damit als Angststörung anerkannt wird“, so die Forscherin. Im ICD sind auch spezifische Phobien wie beispielsweise Arachnophobie, die sogenannte Spinnenphobie, aufgelistet. „Die technischen Veränderungen und ihre psychischen Folgen zeigen sich z.B. darin, dass im seit 2022 gültigen ICD-11 die Computerspielsucht in der Rubrik Verhaltenssüchte neu aufgenommen wurde“, so Görlich weiter.

Über die Studie

An der Studie “Exploring nomophobia with a German adaption of the nomophobia questionnaire (NMP-Q-D)” nahmen insgesamt 807 freiwillige Probanden teil (Durchschnittsalter 25 Jahre), 50 von ihnen fünf Monate später erneut. Die mit der Studie abgefragten Nomophobie-Werte können zwischen 20 und 140 liegen, wobei höhere Werte einer stärkeren Ausprägung der Nomophobie entsprechen. Ein Wert von 20 bedeutet keine Nomophobie, Werte zwischen 21 und 59 entsprechen einer leichten, 60 und 99 einer mittleren und 100 oder mehr einer schweren Nomophobie. Alle Personen mit einer schweren Nomophobie nutzten ihr Smartphone täglich länger als zwei Stunden.
Es zeigte sich, dass Nomophobie sowohl mit Smartphone-Sucht, als auch mit der Angst, etwas zu verpassen (Fear of Missing Out: FoMO) signifikant positiv korreliert. Auch Neurotizismus war positiv mit Nomophobie assoziiert, während Gewissenhaftigkeit und Offenheit leicht negativ assoziiert waren. Angst korrelierte signifikant positiv mit dem Faktor "Nicht kommunizieren können" und Stress zusätzlich mit dem Faktor „Komfortverzicht". Die Befragten nutzten ihr Smartphone durchschnittlich 64-mal bzw. 4 Stunden und 16 Minuten pro Tag.

Die Studie wurde im Dezember 2022 in der internationalen, multidisziplinären Online-Fachzeitschrift PLOS One publiziert: Coenen M, Görlich Y (2022) Exploring nomophobia with a German adaption of the nomophobia questionnaire (NMP-Q-D). PLoS ONE 17(12): e0279379. https://doi.org/10.1371/journal.pone.0279379.

Quellen

1. Statistica. Number of smartphone users in Germany from January 2009 to 2021. 2021 Dec 13 [Cited 2023 December 17]. https://www.statista.com/statistics/461801/number-of-smartphone-users-in-germany...
2. Statistica. Durchschnittliche tägliche Smartphone-Nutzung nach Apps 2020. 2021 Nov 10 [Cited 2023 December 17]. https://de.statista.com/statistik/daten/studie/1186676/umfrage/durchschnittliche...]
3. Yildirim CF, Correia AP. Exploring the dimensions of nomophobia: Development and validation of a self-reported questionnaire. Computers in Human Behavior. 2015; 49: 130–137.

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Susanne Boll  PFH Private Hochschule Göttingen

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Originalpublikation:

Coenen M, Görlich Y (2022) Exploring nomophobia with a German adaption of the nomophobia questionnaire (NMP-Q-D). PLoS ONE 17(12): e0279379. https://doi.org/10.1371/journal.pone.0279379.

 

Risiko für Depression und bipolare Störungen, Burn-out- und psychotische Symptome : Musizieren und psychische Probleme – ein wechselseitiges Verhältnis?

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Musikalisch aktive Menschen haben ein leicht erhöhtes genetisches Risiko für bestimmte psychische Erkrankungen

  • Intuitiv glauben viele Menschen, Musizieren sei gut für eine gesunde Psyche. 

Auch Musiktherapien verfolgen diesen Ansatz. 

  • Dennoch scheinen Musiker:innen – verglichen mit musikalisch inaktiven Menschen – häufiger unter Depressionen und Angststörungen zu leiden. 

Wie passt das zusammen? 

Ein internationales Forschungsteam unter Beteiligung des Max-Planck-Instituts für empirische Ästhetik (MPIEA) in Frankfurt am Main hat den Zusammenhang zwischen Musikmachen und psychischer Gesundheit genauer untersucht und herausgefunden, dass musikalisch aktive Personen im Durchschnitt ein etwas höheres genetisches Risiko für Depressionen und bipolare Störungen haben. 

 Gibt es einen Zusammenhang zwischen musikalischem Engagement und psychischen Problemen?

 Gibt es einen Zusammenhang zwischen musikalischem Engagement und psychischen Problemen? (Bild: MPI für empirische Ästhetik / F. Bernoully)

Musizieren und psychische Probleme – ein wechselseitiges Verhältnis?

2019 konnten die Wissenschaftler:innen in einer großen Populationsstudie erstmals einen Zusammenhang zwischen musikalischem Engagement und psychischen Problemen nachweisen: Rund 10.500 schwedische Studienteilnehmer:innen hatten sowohl Auskunft über ihre musikalischen Aktivitäten als auch über ihr psychisches Wohlbefinden gegeben. Zusätzlich wurden die Daten mit dem schwedischen Patientenregister verknüpft, so dass auch psychiatrische Diagnosen ausgewertet werden konnten. 

  • Dabei kam heraus, dass musikalisch aktive Teilnehmer:innen tatsächlich häufiger über depressive, Burn-out- und psychotische Symptome berichteten als Teilnehmer:innen, die keine Musik machten. 
  • Die Ergebnisse wurden in der Open-Access-Fachzeitschrift Scientific Reports veröffentlicht.


Da es sich bei den Studienteilnehmer:innen um Zwillingspaare handelte, konnten die Wissenschaftler:innen zusätzlich auch familiäre Einflüsse berücksichtigen. 

Dazu zählen sowohl die Gene als auch das familiäre Umfeld in der Kindheit. Denn Zwillinge wachsen in der Regel zeitgleich im selben Haushalt auf und haben komplett oder zumindest teilweise die gleichen Gene – je nachdem, ob es ein- oder zweieiige Zwillinge sind.

Das Team fand heraus, dass musikalische Aktivitäten, wie Singen oder das Spielen eines Instruments, und psychische Probleme sehr wahrscheinlich keine Folge voneinander sind:

 „Menschen machen also nicht Musik als Reaktion auf ihre psychischen Probleme oder andersherum“, erklärt Erstautorin Laura Wesseldijk vom MPIEA. „Vielmehr ist der Zusammenhang sowohl gemeinsamen genetischen Faktoren als auch Einflüssen des familiären Umfelds zuzuschreiben.“

Die genetische Beziehung zwischen musikalischem Engagement und psychischer Gesundheit

In der Folge erweiterten die Wissenschaftler:innen ihre Forschung um Methoden der Molekulargenetik. 

Dabei fanden sie heraus, dass sich genetische Varianten, die psychische Probleme beeinflussen, und solche, die auf musikalisches Engagement einwirken, teilweise überschneiden. 

 Die Ergebnisse dieser zweiten Studie wurden jüngst im Open-Access-Fachmagazin Translational Psychiatry veröffentlicht.

Das Team untersuchte den genetischen Zusammenhang zwischen Musizieren und psychischer Gesundheit anhand der DNA von 5.648 Personen. Zusätzlich zu den genetischen Informationen gaben die Studienteilnehmer:innen Auskunft über ihr musikalisches Engagement, ihre kreativen und sportlichen Leistungen sowie ihr psychisches Wohlbefinden. Basierend auf den vorliegenden Informationen konnten individuelle Indikatoren, sogenannte „Polygenic Scores“, für das genetische Risiko der Teilnehmer:innen für psychische Erkrankungen sowie deren genetische Veranlagung für Musikalität berechnet werden.

Die Auswertung der Daten zeigte, dass Personen mit einem höheren genetischen Risiko für Depressionen und bipolare Störungen im Durchschnitt häufiger musikalisch aktiv waren, mehr übten und Leistungen auf einem höheren künstlerischen Niveau erbrachten. 

Interessanterweise traten diese Zusammenhänge unabhängig davon auf, ob die Personen tatsächlich psychische Probleme hatten. Gleichzeitig hatten Teilnehmer:innen mit einer höheren genetischen Veranlagung zur Musikalität auch im Durchschnitt ein etwas höheres Risiko an einer Depression zu erkranken – unabhängig davon, ob sie tatsächlich ein Musikinstrument spielten oder nicht. Diese Ergebnisse untermauern die Vermutung, dass teilweise dieselben Gene sowohl musikalisches Engagement als auch die psychische Gesundheit beeinflussen.

„Der Zusammenhang zwischen Musikmachen und psychischer Gesundheit ist insgesamt also sehr komplex: Familiäre und genetische Faktoren können sowohl die Musikalität als auch die psychische Gesundheit beeinflussen. Darüber hinaus haben Musiker:innen offensichtlich im Durchschnitt ein leicht höheres genetisches Risiko für bestimmte psychische Erkrankungen“, resümiert Miriam Mosing vom MPIEA, Seniorautorin beider Studien.

  • Selbstverständlich schließen diese Ergebnisse positive Einflüsse von Musik auf die psychische Gesundheit nicht aus. 
  • Musizieren kann durchaus einen positiven oder sogar therapeutischen Effekt auf die psychische Gesundheit haben. 

Das Team forscht dahingehend bereits weiter und berücksichtigt dabei unter anderem sogenannte Flow-Erfahrungen. 

  • Als „Flow“ bezeichnet man den Zustand, den Menschen empfinden, wenn sie komplett in einer Tätigkeit aufgehen. 
  • Dieser wird oft durch kulturelle Aktivitäten, wie dem Spielen eines Instruments, hervorgerufen. 

Erste Ergebnisse zeigen, dass Flow-Erfahrungen einen positiven Einfluss auf die Psyche haben können – selbst unter Berücksichtigung familiärer und genetischer Risikofaktoren.

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Max-Planck-Institut für empirische Ästhetik
Dr. Laura Wesseldijk: laura.wesseldijk@ae.mpg.de
Dr. Miriam A. Mosing: miriam.mosing@ae.mpg.de

Ina Wittmann Max-Planck-Institut für empirische Ästhetik

Grüneburgweg 14
60322 Frankfurt am Main
Deutschland
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Telefon: 069 / 8300479-653
E-Mail-Adresse: ina.wittmann@ae.mpg.de 
Originalpublikation:

Wesseldijk, L. W., Ullén, F., & Mosing, M. A. (2019). The Effects of Playing Music on Mental Health Outcomes. Scientific Reports 9, Article e12606. https://doi.org/10.1038/s41598-019-49099-9

Wesseldijk, L. W., Lu Y., Karlsson, R., Ullén, F., & Mosing M. A. (2023). A Comprehensive Investigation into the Genetic Relationship between Music Engagement and Mental Health. Translational Psychiatry 13, Article 15. https://doi.org/10.1038/s41398-023-02308-6

 

Kortikale Erregbarkeit: Schlafentzug und Schlafmangel und Neuroplastizität: Arbeiten gegen die persönlich bevorzugten Schlaf- und Wachphasen (Chronotyp)

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Schlafentzug beeinflusst kognitive Leistung

Wer schon mal eine Nacht schlecht oder gar nicht geschlafen hat, weiß, wie sehr sich der Schlafmangel auf die Konzentration am nächsten Tag auswirken kann. 

Forschende am Leibniz-Institut für Arbeitsforschung an der TU Dortmund haben untersucht, wie genau sich dieser Schlafentzug auf die Leistung des Gehirns auswirkt. 

Die Ergebnisse zeigen, dass sich nicht nur die Aktivität des Gehirns verändert, sondern auch die Verbindungsstärken zwischen den Nervenzellen beeinflusst werden. 

Beides wirkt sich maßgeblich auf die Gedächtnisleistung und das Arbeitsgedächtnis aus.

  • Ausreichend Schlaf ist essenziell für eine optimale Leistung am Tag. 
  • Der Schlafmangel beeinträchtigt nicht nur die Aufmerksamkeit, sondern auch die Gedächtnisleistung und Lernprozesse. 
  • Um neue Gedächtnisinhalte zu speichern, werden im Gehirn Verbindungen zwischen Nervenzellen verstärkt oder abgeschwächt. 

Diese Verbindung wird auch als Neuroplastizität bezeichnet. 

Während des Nachtschlafs werden wichtige Verbindungen verstärkt und unwichtige wieder abgeschwächt.

Bei einem Schlafmangel fällt diese Abschwächung aus. 

Die kortikale Erregbarkeit ist dauerhaft erhöht, was zu einer Beeinträchtigung der Signalübertragung führt. 

  • Neue, äußere Reize und Informationen können daher nur schlecht oder gar nicht verarbeitet werden und das Lernen fällt schwerer. 
  • Durch die erhöhte, kortikale Erregbarkeit wird die Neuroplastizität gestört. 

Das bedeutet, dass die Überaktivierung des Gehirns eine Neuvernetzung der Synapsen erschwert.

Optimale Erregbarkeit des Gehirns könnte Erkrankungen vorbeugen

Dabei gibt es jedoch einen Unterschied zwischen kompletten Schlafentzug und dem Arbeiten gegen die persönlich bevorzugten Schlaf- und Wachphasen (Chronotyp). 

Bei letzterem sind die Aktivität des Gehirns und die Neuroplastizität verringert. 

Beim Schlafentzug ist die Hirnaktivität aber erhöht. 

Insbesondere bei anspruchsvollen Tätigkeiten kann das Arbeiten im Einklang mit dem eigenen Chronotyp die Arbeitsleistung verbessern.

Da die Dynamik der Plastizität und der Aktivität des Gehirns vom Schlaf abhängig sind, könnte diese eine Rolle bei der Vorbeugung von Erkrankungen mit kognitiven Defiziten spielen. 

Beispiele für solche Erkrankungen sind Demenzen, bei denen häufig Schlafstörungen vorliegen, und schwere Depressionen. 

Bei Depressionen besteht eine verminderte Hirnaktivierung und Neuroplastizität, die durch einen therapeutischen Schlafentzug, der eine etablierte antidepressive Maßnahme ist, kompensiert werden könnten. 

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Dr. Ali Salehinejad
Wissenschaftlicher Mitarbeiter Psychologie & Neurowissenschaften
Telefon: +49 231 1084-476
E-Mail: salehinejad@ifado.de

Univ.-Prof. Dr. med. Michael Nitsche
Leiter des Forschungsbereichs Psychologie & Neurowissenschaften
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Anne Gregory Leibniz-Institut für Arbeitsforschung an der TU Dortmund

Ardeystraße 67
44139 Dortmund
Deutschland
Nordrhein-Westfalen

Telefon: 0231 - 1084 239
E-Mail-Adresse: gregory@ifado.de
Originalpublikation:

Salehinejad, M. A., Ghanavati, E., Reinders, J., Hengstler, J. G., Kuo, M.-F., Nitsche, M. A., Sleep-dependent upscaled excitability, saturated neuroplasticity, and modulated cognition in the human brain. Sleep-dependent upscaled excitability, saturated neuroplasticity, and modulated cognition in the human brain eLife 11:e69308 (2022). https://doi.org/10.7554/eLife.69308

 


Prof. Eric Quintane: Burnout und Missbrauch am Arbeitsplatz für Vermittelnde:Broker

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Die Rolle des Vermittelnden am Arbeitsplatz führt zu Burnout und Missbrauch, so eine neue Studie der ESMT Berlin

Angestellte, die als Vermittelnde (Englisch: “Broker”) agieren, d.h. die Kommunikation zwischen Kolleginnen und Kollegen, die nicht direkt miteinander kommunizieren, aufrechterhalten, haben ein höheres Risiko, auszubrennen und ihre Kolleginnen und Kollegen zu misshandeln, so eine neue Studie der ESMT Berlin.

  • Die von Eric Quintane, Associate Professor für Organisationsverhalten an der ESMT Berlin, geleitete Studie untersucht die psychologischen Kosten, die entstehen, wenn man die Kommunikation mit Kolleginnen und Kollegen aufrechterhalten muss, die nicht direkt miteinander kommunizieren. 
  • Dabei kann es sich um Mitarbeitende handeln, die sich in verschiedenen Abteilungen, Regionen oder Zeitzonen befinden, so dass sie nur schwer miteinander kommunizieren können. 
  • Es kann sich auch um Kolleginnen und Kollegen handeln, die über unterschiedliche Fachkenntnisse oder Schwerpunkte verfügen oder miteinander in Konflikt stehen, sodass sie eine andere Person als Broker benötigen, um ihre Aktivitäten zu koordinieren. 
  • Obwohl die Tätigkeit als vermittelnde Person erhebliche Vorteile mit sich bringt, wie z. B. Leistungssteigerung, Kreativität oder schnellere Beförderung, erhöhen Broker, die ständig Dritte vermitteln, ihr Risiko von Burnout und Missbrauch.


Das Forschungsprojekt umfasst drei Studien mit unterschiedlichen Methoden, Messungen und kulturellen Kontexten. In der ersten Studie untersuchten die Forschenden über einen Zeitraum von fünf Monaten den E-Mail-Verkehr der Angestellten sowie Daten zu Burnout und missbräuchlichem Verhalten von über 1.500 Angestellten einer großen südamerikanischen Universität. In Studie 2 wurde eine Online-Längsschnittstudie mit Arbeitnehmenden in den USA durchgeführt, während in Studie 3 ein experimentelles Design verwendet wurde, bei dem Angestellte nach dem Zufallsprinzip angewiesen wurden, die Kommunikation mit getrennten Kolleginnen und Kollegen aufrechtzuerhalten. Alle drei Studien weisen in dieselbe Richtung: Wenn Mitarbeitende mit Kolleginnen und Kollegen kommunizieren, die nicht direkt kommunizieren können oder wollen, erleben sie ein erhöhtes Burnout, was dann zu einer höheren Wahrscheinlichkeit führt, sich missbräuchlich zu verhalten.

  • „Obwohl die Vorteile der Vermittlung von Beziehungen folgenreich sein können, ist es eine Tätigkeit mit hohem Risiko und hoher Belohnung”, sagt Prof. Quintane. 
  • „Das erhöhte Burnout-Risiko ist für Broker oder Unternehmen nachteilig, da die Wahrscheinlichkeit besteht, dass der oder die Mitarbeitende nach einer hohen Stressphase eine Auszeit nehmen muss. 
  • Dieser hohe Stresspegel kann dazu führen, dass Broker dies an ihren Kolleginnen und Kollegen auslassen und ihre Rolle missbrauchen – dies ist schädlich für das gesamte Unternehmen, insbesondere weil die Vermittelnden in der Regel eine wichtige Koordinierungsfunktion zwischen Gruppen oder Abteilungen ausüben.”


Eine Möglichkeit, Broker vor Burnout zu bewahren, besteht laut Prof. Quintane darin, ihnen die Möglichkeit zu geben, sich regelmäßig von ihrer Rolle zu lösen, damit sie ihre psychologischen Ressourcen wieder auffüllen können. 

Unternehmen sollten ihre Mitarbeitenden ermutigen, nach der Vermittlungstätigkeit eine Pause einzulegen, und die Broker ermutigen, Ressourcen zu nutzen, die ihnen helfen, den mit der Vermittlungstätigkeit verbundenen Stress zu bewältigen.

Die Studie wurde in Organization Science veröffentlicht. --

Über die ESMT Berlin:
Die ESMT Berlin ist die höchstplatzierte Business School in Deutschland und die erste und einzige deutsche Wirtschaftsuniversität in den europäischen Top 10. Von 25 führenden globalen Unternehmen gegründet, bietet die ESMT Master-, MBA- und PhD-Studiengänge sowie Managementweiterbildung an. Die Kurse werden auf dem Berliner Campus, an Standorten weltweit, online sowie als Onlinekurse mit Teilpräsenz angeboten. Mit einem Fokus auf Leadership, Innovation und Analytics veröffentlichen die Professorinnen und Professoren der ESMT regelmäßig ihre Forschungsergebnisse in führenden wissenschaftlichen Zeitschriften. Zusätzlich bietet die ESMT eine Plattform für den Diskurs zwischen Politik, Wirtschaft und Wissenschaft. Die ESMT ist eine staatlich anerkannte private wissenschaftliche Hochschule mit Promotionsrecht, akkreditiert von AACSB, AMBA, EQUIS und FIBAA, und engagiert sich für Vielfalt, Gleichstellung und Inklusion in all ihren Aktivitäten und Gemeinschaften. www.esmt.berlin 

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Dr. Dirk Taeger: Brandrauch - Die aufgenommenen PAK-Konzentrationen - hauptamtliche und ehrenamtliche Feuerwehreinsatzkräfte

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Belastung von Feuerwehreinsatzkräften während eines Einsatzes mit krebserzeugenden Gefahrstoffen

Eine Verbundstudie aus dem Institut für Prävention und Arbeitsmedizin der DGUV (IPA) untersuchte bei Feuerwehreinsatzkräften die Abbauprodukte von krebserzeugenden Gefahrstoffen nach verschiedenen Einsatzszenarien und die Auswirkungen des Tragens von persönlicher Schutzausrüstung. 

Die Ergebnisse wurden in der Zeitschrift International Journal of Hygiene and Environmental Health veröffentlicht.

Studie untersucht Gefahrstoffe im Brandrauch
In Deutschland gibt es mehr als 1,4 Millionen hauptamtliche und ehrenamtliche Feuerwehreinsatzkräfte. 

Sie sind während der Brandbekämpfung einer Vielzahl von Gefährdungen ausgesetzt. 

  • Brandrauch besteht aus einer komplexen Mischung von Gefahrstoffen wie beispielsweise Chlorwasserstoff, Benzol, Dioxin und Substanzen aus der Gruppe der Polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffe (PAK). 
  • Einige dieser Stoffe sind nachweislich krebserregend für den Menschen. 

Die konkrete Zusammensetzung ist jedoch von vielen Faktoren abhängig und variiert daher je nach Brandbedingungen. 2022 stufte die Internationale Agentur für Krebsforschung der Weltgesundheitsorganisation (IARC) die beruflich bedingte Exposition von Feuerwehreinsatzkräften als krebserregend für den Menschen (Gruppe 1) ein.

Messungen bei Einsatzkräften in Berlin, Bochum und Hamburg
Im Rahmen der Studie aus dem Institut für Prävention und Arbeitsmedizin der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (IPA) wurden zwischen 2018 und 2020 Einsatzkräfte der Freiwilligen Feuerwehren und der Berufsfeuerwehren in Bochum, Hamburg und Berlin vor und nach Brandeinsätzen untersucht. Mittels Fragebogen wurden die Brandszenarien erfasst und durch die Messung eines Stoffwechselprodukts des PAK im Urin vor und nach dem jeweiligen Einsatz die tatsächliche Belastung ermittelt.

Insgesamt konnten 77 Einsatzkräfte aufgrund ihres Tätigkeitsprofils während des Brandeinsatzes in die Studie eingeschlossen werden.

 „Wir können feststellen, dass bei einigen Einsätzen die Konzentrationen im Vergleich zu den Werten vor den Einsätzen zwar erhöht waren. Bei 64 Einsatzkräften lagen die Werte nach dem Einsatz im Bereich der deutschen Normalbevölkerung“, so der Studienleiter Dr. Dirk Taeger.

Schutzkleidung senkt PAK-Aufnahme deutlich
„Im Biomonitoring zeigte sich, dass die aufgenommenen PAK-Konzentrationen durch eine korrekt angelegte, funktionsfähige Schutzkleidung sowie das bedarfsgerechte Tragen von umluftunabhängigem Atemschutz deutlich gesenkt beziehungsweise eine Aufnahme von PAK sogar ganz verhindert werden konnte“, erklärt Stephan Koslitz, der in dieser Studie für das Biomonitoring zuständig war. 

  • „Dennoch gibt es Situationen, in denen die PAK-Konzentrationen auf Werte oberhalb der Beurteilungsmaßstäbe ansteigen. 
  • In diesen Fällen gehen wir von einer verstärkten Aufnahme über die Haut aus.“


Das Fazit der Studie lautet: 

Auch wenn kurzzeitige individuelle Spitzenbelastungen durch im Brandrauch enthaltene Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe während des direkten Einsatzes durchaus auftreten können, ist von einer dauerhaft hohen Belastung – wie man sie bei Beschäftigten in verschiedenen Industriezweigen vorgefunden hat – nicht auszugehen. 

  • Jedoch kann ein individuell erhöhtes Krebsrisiko nicht ausgeschlossen werden, da der Kontakt zu krebserzeugenden Gefahrstoffen im Brandrauch gegeben ist. 

Korrekt angelegte persönliche Schutzausrüstungen sowie umfassende Hygienemaßnahmen nach dem Brandeinsatz sind jedoch die Voraussetzung, dass die Belastungen mit Gefahrstoffen niedrig bleiben.

Das Institut für Prävention und Arbeitsmedizin der DGUV (IPA)
Das IPA - Institut für Prävention und Arbeitsmedizin der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung - ist als Institut der Ruhr-Universität Bochum (RUB) an der Schnittstelle zwischen arbeitsmedizinischer Forschung und der Praxis für den Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz und in Bildungseinrichtungen positioniert.

Zum einen ist es für die medizinisch-akademische Forschung und Lehre im Fach Arbeitsmedizin der Ruhr-Universität Bochum verantwortlich; zum anderen unterstützt das IPA die gewerblichen Berufsgenossenschaften, die Unfallkassen und die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) bei der Erfüllung ihrer Aufgaben.
https://www.dguv.de/ipa

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Originalpublikation:

Taeger D, Koslitz S, Käfferlein HU, Pelzl T, Heinrich B, Breuer D, Weiß T, Harth V, Behrens T, Brüning T. Exposure to polycyclic aromatic hydrocarbons assessed by biomonitoring of firefighters during fire operations in Germany. Int J Hyg Env Health 2023; 248: 114110 DOI 10.1016/j.ijheh.2023.114110 Open Access

Prof. Dr. Thilo Hackert: Behandlung von schweren Bauchspreicheldrüsenerkrankungen - Pankreaskarzinomen

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Prof. Dr. Thilo Hackert übernimmt Leitung der Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Thoraxchirurgie

Prof. Dr. Thilo Hackert (51) wird neuer Direktor der Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Thoraxchirurgie des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE). 

Der Chirurg nahm zum 1. Februar seine Arbeit auf. 

Er folgt auf Prof. Dr. Jakob R. Izbicki, der altersbedingt aus der Klinikleitung ausscheidet. 

 Prof. Dr. Thilo Hackert, MBA

 Prof. Dr. Thilo Hackert, MBA Anja Meyer | UKE Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE)

Prof. Hackert war zuletzt stellvertretender Ärztlicher Direktor der Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Transplantationschirurgie des Universitätsklinikums Heidelberg. 

Er deckt das gesamte Spektrum der abdominalen Chirurgie inklusive der Transplantationschirurgie ab.

Einen besonderen Fokus hat er auf die Behandlung von schweren Bauchspeicheldrüsenerkrankungen gelegt. 

Dies spiegelt sich in seinen wissenschaftlichen Schwerpunkten, der Erforschung von molekularen Mechanismen der Entstehung und des Fortschreitens von Pankreaskarzinomen sowie der Entwicklung von neuen Möglichkeiten frühzeitiger Diagnostik und Behandlung des Pankreaskarzinoms, wider. 

Sein besonderes Interesse gilt der Etablierung von neuen Therapieansätzen, insbesondere der Robotik und der Künstlichen Intelligenz in der Tumorchirurgie bis hin zum Einsatz von Echtzeit-Biomarkern zur Tumorfrüherkennung.

Prof. Hackert studierte Medizin an der Universität Heidelberg, wo er 2000 auch promovierte. 

Er absolvierte seine Facharztzeit in der Chirurgischen Klinik des Universitätsklinikums Heidelberg und wurde dort 2007 Oberarzt. 

Drei Jahre später habilitierte er an der Universität Heidelberg zum Thema „Einfluss humoraler und zellulärer Gerinnungskomponenten auf Pathophysiologie und Therapie der akuten Pankreatitis und der Transplantatpankreatitis“. 2014 wurde er Sektionsleiter der Pankreaschirurgie, 2018 leitender Oberarzt der Allgemein-, Viszeral- und Transplantationschirurgie des Universitätsklinikums Heidelberg.

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