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Prof. Dr. Ulrich Boehm: Das Hormonsystem ist direkt mit dem Geruchssinn verbunden - Hormon Prolaktin

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Wissenschaftler weisen Zusammenhang zwischen Geruchssinn und Hormonsystem nach

Das Hormonsystem ist direkt mit dem Geruchssinn verbunden. 

Das hat ein Forschungsteam am Beispiel von Mäusen nachgewiesen. 

Die Arbeitsgruppe um Prof. Ulrich Boehm konnte beobachten, dass bestimmte Sinneszellen in der Nase auf das Hormon Prolaktin reagieren, welches die Milchproduktion der Weibchen steuert. 

Medizin am Abend Berlin ZusatzFachlink: Labor Prolaktin 

Je nach Prolaktin-Spiegel reagierten die Weibchen anders, wenn sie Gerüche von Männchen wahrgenommen haben. 

Ihre Erkenntnisse wurden in der Fachzeitschrift „Science Advances“ veröffentlicht. 

 Prof. Dr. Ulrich Boehm

 Prof. Dr. Ulrich Boehm ,Rüdiger Koop

  • Prolaktin, ein Hormon, das die Produktion von Muttermilch bei weiblichen Säugetieren steuert, war schon länger bekannt dafür, dass es das Brutpflegeverhalten steuert; das bedeutet, dass sich insbesondere die Mütter um den Nachwuchs kümmern. 

Nun haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler um Ulrich Boehm, Professor für Experimentelle Pharmakologie an der Universität des Saarlandes, herausgefunden, dass es Sinneszellen in der Nase gibt, die – abhängig vom Prolaktin-Spiegel des Tieres – das soziale Verhalten beeinflussen können. Das haben sie bei weiblichen Mäusen beobachten können.

  • Haben die Maus-Weibchen männlichen Urin gerochen, der auch zur Kommunikation untereinander dient, war ihr Verhalten abhängig vom Prolaktin-Spiegel in ihrem Körper. 

Verantwortlich dafür ist eine bestimmte Untergruppe von Sinneszellen in der Nase, die empfindsam auf Prolaktin im weiblichen Körper reagieren. 

Fehlt diesen Zellen der Prolaktinsensor, verlieren die Weibchen das Interesse an den Männchen.

„Wir konnten außerdem feststellen, dass diese prolaktinempfindlichen Sinneszellen in der Nase fest mit dem Gehirn verbunden sind“, erläutert Professor Boehm.

 „Bislang war nur wenig darüber bekannt, wie das Gehirn den Geruchssinn und das endokrine System miteinander verbindet.“ 

Diese direkte Verbindung unterstreicht die Bedeutung des Mechanismus für das Verhalten und somit letztlich für das Überleben der Spezies. 

„Die Tiere müssen äußere Signale mit dem inneren hormonellen Zustand verbinden, um ein Verhalten zu zeigen, das für eine bestimmte physiologische Situation angemessen ist. 

Dies ist besonders wichtig bei weiblichen Tieren, die während ihres Lebenszyklus dramatisch schwankende Prolaktin-Spiegel aufweisen, was mit deutlichen Verhaltensänderungen einhergeht“, erklärt der Experte.

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E-Mail: ulrich.boehm@uks.eu 

Thorsten Mohr Universität des Saarlandes

 


Originalpublikation:

Aoki M, Gamayun I, Wyatt A, Grünewald R, Simon-Thomas M, Philipp S, Hummel O, Wagenpfeil S, Kattler K, Gasparoni G, Walter J, Qiao S, Grattan DR, Boehm U (2021) Prolactin-sensitive olfactory sensory neurons regulate male preference in female mice by modulating responses to chemosensory cues. Sci Adv 7:eabg4074. DOI: 10.1126/sciadv.abg4074


Weitere Informationen für international Medizin am Abend Berlin Beteiligte

https://www.science.org/doi/10.1126/sciadv.abg4074?url_ver=Z39.88-2003&rfr_i...;


Prof. Dr. Ulrich Flögel: Teufelskreis von Thrombozytenadhäsion - TOP MRT Untersuchungen MRT-Bildgebung (19F-MRT)

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Bildgebungskonzept erkennt Gefahrenmuster für Herz-​Kreislauf-Erkrankungen

  • Die Vorhersage, wann atherosklerotische Veränderungen der Arterien in einem stabilen Zustand zu akuten kardiovaskulären Erkrankungen übergehen, ist bislang ungelöst. 

Die Autoren des aktuell in „Nature Communications“ um Erstautor Prof. Dr. Ulrich Flögel, Institut für Molekulare Kardiologie, Medizinische Fakultät der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, veröffentlichten Beitrags stellen ein Bildgebungsverfahren vor - die zielgerichtete und mehrfarbige Nanotracer-Plattformtechnologie - das die Gefahrenmuster bei der Entwicklung einer fortschreitenden koronaren Erkrankung im Mausmodell sichtbar macht.

  • Die Kaskade dieser Gefäßerkrankungen reicht von Entzündung des Gefäßes, Thrombose mit nachfolgender Ablösung kleinster Teilchen der Gefäßplaque bis hin zum Gefäßverschluss mit der Folge dauerhafter Schädigung durch z.B. Herzinfarkt.


Um die Gefahrenmuster zu zeigen, werden drei Moleküle (Liganden) an unterschiedliche Arten von Perfluorkohlenstoff-Nanoemulsion gekoppelt. 

Sie sind jeweils spezifisch auf Entzündungsherde, akute und chronische Thromben gerichtet. 

Dort lagern sie sich ein und werden durch die Anwendung einer bestimmten MRT-Bildgebung (19F-MRT) sicht- und unterscheidbar.

Das versetzt die die Wissenschaftler*innen in die Lage, Bereiche zu identifizieren, die ein hohes Risiko für die Entwicklung eines Herzinfarkts aufweisen. 

Das geschieht zu einem Zeitpunkt, an dem noch kein konventioneller Parameter in Labordiagnostik oder EKG auf eine drohende Gefahr hinweist. 

Das Forscherteam zeigt, dass diese Gefahrenmuster durch das von ihnen entwickelte Verfahren „multi-color multi-targeted' 1H/19F-MRT“ zuverlässig und vor Einsetzen des Infarktes - visualisiert werden können. 

  • Es ist nur ein einziger MRT-Scan nötig, der individuell betroffene Stellen lokalisieren und farblich hinsichtlich Entzündung, frisch entwickelten bzw. fortgeschrittenen Thromben differenziert darstellen kann.


Dabei können die frühzeitig identifizierten gefährdeten Stellen im Individuum (Mausmodell) durchaus unterschiedlich sein. 

Wichtig ist aber, dass sich jeweils auch an diesen Orten die entsprechenden massiven Folgeschäden einstellten (vgl. Abb. r. unten gegenüber l. unten). 

In weiteren Untersuchungen zeigten Flögel u.A., dass „multi-targeted 1H/19F-MRT“ in der Lage ist, den gesamten Teufelskreis von Thrombozytenadhäsion, Infiltration von Immunzellen und Bildung von Thromben, die zu koronarer Atherothrombose, Herzinfarkt und schwerer Verschlechterung der Herzkammerfunktion führen, eindeutig sichtbar zu machen.

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Prof. Dr. Ulrich Flögel, Institut für Molekulare Kardiologie, Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Tel.: 0211 81-10187, floegel@uni-duesseldorf.de


Originalpublikation:

Ulrich Flögel, Sebastian Temme, Christoph Jacoby, Thomas Oerther, Petra Keul, Vera Flocke, Xiaowei Wang, Florian Bönner, Fabian Nienhaus, Karlheinz Peter, Jürgen Schrader, Maria Grandoch, Malte Kelm & Bodo Levkau; Multi-targeted 1H/19F MRI unmasks specific danger patterns for emerging cardiovascular disorders, NATURE COMMUNICATIONS| (2021) 12:5847 | https://doi.org/10.1038/s41467-021-26146-6


Kachexie - Abbau von Muskel- und Fettgewebe induzierten Gewichtsverlust: Zusammenspiel zwischen Immunsystem und Stoffwechel

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Kachexie: Wie spielen Immunsystem und Stoffwechsel zusammen?

Kachexie nennt sich eine „Begleiterkrankung“ zahlreicher chronischer Krankheiten. 

Obwohl sie ernsthafte Auswirkungen auf unseren Gesundheitszustand hat und zum frühzeitigen Tod beiträgt, ist bis dato wenig darüber bekannt. 

Dementsprechend sind auch die derzeitigen Therapiemöglichkeiten begrenzt. 

Den Bedarf nach mehr Forschung betonen ForscherInnen der Forschungsgruppe von Andreas Bergthaler am CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der ÖAW in ihrer aktuellen Veröffentlichung in Nature Reviews Immunology. 

Um der Kachexie und zahlreichen verwandten Erkrankungen entgegenwirken zu können, braucht es ein besseres Verständnis über das Zusammenspiel zwischen Immunsystem und Stoffwechsel. 

Andreas Bergthaler und Hatoon Baazim am CeMM
Andreas Bergthaler und Hatoon Baazim am CeMM CeMM

Kachexie nennt sich eine „Begleiterkrankung“ zahlreicher chronischer Krankheiten. 

Sie bezeichnet den durch Abbau von Muskel- und Fettgewebe induzierten Gewichtsverlust. 

  • Kachexie tritt bei PatientInnen mit chronischen Infekten wie HIV, Tuberkulose und Malaria, Autoimmunerkrankungen und auch häufig auch jenen mit fortgeschrittener Krebserkrankung auf. 
  • Betroffene verlieren dabei ungewollt Körpergewicht und Kraft, Reserven an Fett und Skelettmuskelmasse werden zunehmend aufgebraucht. 

CeMM Forschungsgruppenleiter Andreas Bergthaler erklärt: 

„Kachexie könnte evolutionär betrachtet eigentlich ein Teil der Immunantwort sein. 

  • Wir gehen von der Hypothese aus, dass unser Körper bei Erkrankungen alle Energie Richtung Immunsystem leitet, also Reserven aus energiereichen Stoffwechselorganen aufbraucht bzw. umleitet, um die eigentliche Krankheit zu bekämpfen.“

Allerdings ist bei Erkrankungen wie Krebs bislang kein positiver Effekt von Kachexie erkennbar. 

Im Gegenteil: 

Kachexie zählt mitunter zu den häufigsten Todesursachen, insbesondere Krebs-PatientInnen sind davon betroffen, ihnen stiehlt die Kachexie wertvolle Therapiezeit.  

Zudem mindert sie die Lebensqualität der Betroffenen, sie verursacht Appetit- und Kraftlosigkeit sowie Abgeschlagenheit. 

Der aktuelle Übersichtsartikel in Nature Reviews Immunology befasst sich nicht nur mit dem aktuellen Stand der Forschung zu Kachexie, sondern formuliert Schlüsselfragen für wichtige zukünftige Forschungsarbeiten.

CD8-Killerzellen Auslöser von Kachexie


Trotz der Häufigkeit von Kachexie weiß man immer noch wenig über die molekularen Prozesse dahinter, weshalb es auch noch keine wirksamen Behandlungen gibt. 2019 konnte Bergthalers Forschungsgruppe rund um Erstautorin Hatoon Baazim einen neuen zentralen Akteur der Kachexie während Virusinfektionen identifizieren – sogenannte CD8-T-Killer Zellen des Immunsystems.  

Ähnlich wie bei Kachexie im Zusammenhang mit Krebs konnte der Gewichtsverlust im Infektionsmodell durch Nahrungsergänzung nicht verhindert werden. Darüber hinaus zeigte die damalige Studie, dass die Virusinfektion zu einer gravierenden Reorganisation der Architektur des Fettgewebes führte. Diese Erkenntnisse ermöglichen die Erforschung neuer Fragen rund um die Kachexie. „Wir wollen verstehen, wie Kachexie initiiert wird, welche Faktoren vom Immunsystem und Stoffwechsel dabei wesentliche Rollen spielen. Dabei bietet der Vergleich zwischen Infektions- und Krebsinduzierter Kachexie eine wertvolle Möglichkeit, um die molekularen Mechanismen aufzuklären und neue therapeutische Ansätze zu entwickeln“, erklärt Studienautorin Hatoon Baazim.

Mehr Austausch zwischen den Fachbereichen

Unterschiedlichste Grunderkrankungen können die gleichen für Kachexie charakteristischen Begleiterscheinungen hervorrufen. Klar ist, dass das Zusammenspiel zwischen Immunsystem und Stoffwechsel dabei eine zentrale Rolle spielt. „Wir wissen heute, dass manche Botenstoffe Kachexie begünstigen oder hemmen – je nach Krankheitskontext. Zudem gibt es vermehrt Hinweise, dass Immunzellen dabei eine große Rolle spielen. Botenstoffe, Immunzellen und das betroffene Gewebe beeinflussen einander“, so Bergthaler. Die hohe Komplexität des Krankheitsbildes unterstreicht auch Studienautorin Hatoon Baazim. „Während der Kachexie schrumpfen Fettgewebe und Muskeln und geben einen großen Teil der Energie frei, die in Form von Fett und Proteinen gespeichert wurde. Die Folgen dieser Entwicklung sind im Zusammenhang mit der Kachexie noch nicht gut erforscht. Hierbei helfen uns neueste Erkenntnisse aus der Immunstoffwechsel Forschung, die zeigen, wie diese Moleküle die Funktion des Immunsystems beeinflussen können.“

Die Übersichtsarbeit in Nature Reviews Immunology unterstreicht insbesondere die Wichtigkeit, Kachexie durch verstärkte interdisziplinäre Zusammenarbeit an den Schnittstellen von Grundlagenforschung und klinischer Forschung in den Bereichen Immunologie, Onkologie, Infektionsforschung, Pathophysiologie und der Stoffwechselforschung besser zu verstehen. 

Die dadurch gewonnenen Erkenntnisse werden die Entwicklung neuer Behandlungskonzepte gegen die Kachexie unterstützen und darüber hinaus auch grundlegende Fragen zum Immunsystem beantworten. „Diese interdisziplinäre Zusammenarbeit wird helfen, die einzelnen Puzzle-Teilen zusammenzufügen und damit hoffentlich auch neue Türen für eine Therapie gegen Kachexie zu öffnen“, so Bergthaler.
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Andreas Bergthaler hat Veterinärmedizin in Wien studiert. Nach seinem Doktorat bei Hans Hengartner und Nobelpreisträger Rolf Zinkernagel an der Universität Zürich und der ETH Zürich folgten postdoktorale Forschungsaufenthalte an der Universität Genf und am Institute for Systems Biology in Seattle. Seit 2011 ist er Forschungsgruppenleiter am CeMM und ERC Start Preisträger.

Das CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften ist eine internationale, unabhängige und interdisziplinäre Forschungseinrichtung für molekulare Medizin unter wissenschaftlicher Leitung von Giulio Superti-Furga. Das CeMM orientiert sich an den medizinischen Erfordernissen und integriert Grundlagenforschung sowie klinische Expertise, um innovative diagnostische und therapeutische Ansätze für eine Präzisionsmedizin zu entwickeln. Die Forschungsschwerpunkte sind Krebs, Entzündungen, Stoffwechsel- und Immunstörungen, sowie seltene Erkrankungen. Das Forschungsgebäude des Institutes befindet sich am Campus der Medizinischen Universität und des Allgemeinen Krankenhauses Wien. www.cemm.at


Originalpublikation:

Der Artikel „The interplay of immunology and cachexia in infection and cancer“ erschien in Nature Reviews Immunology am 4. Oktober 2021. DOI: 10.1038/s41577-021-00624-w.

 

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PD Dr. med. Julian A. Luetkens: Herz-MRT + Herzmuskelentzündung/Myokarditis bei ICI-Immun-Checkpoint-Inibitoren Therapie

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Neue und frühe Nachweismethode für Nebenwirkungen auf den Herzmuskel bei Immuntherapie zur Krebsbehandlung

Neuartige Immuntherapien mit „Checkpoint-Hemmern“ (Immun-Checkpoint-Inhibitoren (ICI)) haben die Behandlung von Krebserkrankungen revolutioniert und zu verbesserten Therapieergebnissen geführt. 

Die Therapie soll das patienteneigene Immunsystem „entfesseln“, so dass Krebszellen besser erkannt und angegriffen werden können. 

Die Studie einer interdisziplinären Forschergruppe des Universitätsklinikums Bonn (UKB) konnte zeigen, dass die neuartige Krebstherapie den Herzmuskel in bisher unbekanntem Ausmaß subklinisch beeinträchtigen kann. 

v. l. n. r. Prof. Dr. med. Jennifer Landsberg (Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie), Dr. med. Katjana Schwab (Medizinische Klinik und Poliklinik III), PD Dr. med. Julian Luetkens (Klinik für Diagnostische und Interventionelle
v. l. n. r. Prof. Dr. med. Jennifer Landsberg (Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie), Dr. med. Katjana Schwab (Medizinische Klinik und Poliklinik III), PD Dr. med. Julian Luetkens (Klinik für Diagnostische und Interventionelle UKB/J.F. Saba UKB

Die Ergebnisse der prospektiven Herz-MRT Studie sind in der renommierten Fachzeitschrift Radiology erschienen.

  • Das Hauptaugenmerk der Studie lag auf dem Auftreten einer Herzmuskelentzündung (sog. Myokarditis) unter ICI-Therapie. 
  • Diese kann (zunächst) asymptomatisch und subklinisch – also für die Patienten nicht spürbar – verlaufen. 
  • In seltenen Fällen jedoch kann ein fulminanter, also sehr rascher und schwerwiegender Verlauf vorliegen. 

Bisher war unbekannt, inwieweit die ICI-Therapie auch bei asymptomatischen Patienten zu entzündlichen Veränderungen im Herzmuskel führt. 

  • Bei den Studienteilnehmern waren nach Beginn einer ICI-Therapie zur Krebsbehandlung insbesondere MRT-spezifische Entzündungsmarker des Herzmuskels erhöht und Anzeichen einer systolischen Dysfunktion (Beeinträchtigung der Herzverformung) vorhanden.


Normalerweise verhindern die sogenannten Immun-Checkpoints eine überschießende Reaktion des Immunsystems (sogenannte Autoimmunreaktion) gegen körpereigene, gesunde Zellen. 

  • Manche Tumoren aktivieren gezielt solche Immun-Checkpoints, so dass Immunzellen, die den Tumor eigentlich erkennen und bekämpfen könnten, stark geschwächt werden. 
  • Bei der ICI-Therapie wirken sogenannte Checkpoint-Hemmer oder Immun-Checkpoint-Inhibitoren dem entgegen: 
  • Sie verhindern die Unterdrückung der Immunantwort und bewirken so, dass das Immunsystem den Tumor besser erkennt und verstärkt angreift.


Veränderungen im Herzmuskelgewebe

Ziel der Studie war es zu untersuchen, inwieweit die ICI-Behandlung Veränderungen des Herzmuskels hervorruft, die mit modernen Herz-MRT-Techniken nachgewiesen werden können, wie z.B. Entzündung, Fibrose (krankhafte Vermehrung des Bindegewebes) oder Funktionsstörungen des Herzens. 

In der Studie wurden erstmals Krebspatienten, bei denen eine ICI-Therapie geplant war, unmittelbar vor und 3 Monate nach Beginn der ICI-Therapie mit hochsensitiven quantitativen Herz-MRT-Techniken untersucht. 

Die ICI-Therapie war die einzige Krebsbehandlung, die während des Studienzeitraums angewandt wurde. Die Ergebnisse sollen dazu beitragen, dass schwerwiegende Nebenwirkungen unter Immuntherapie frühzeitig erkannt werden, um diesen möglicherweise auch rechtzeitig vorbeugen zu können.

"Mittels hochsensitiver MRT-Marker konnten wir bei den Studienteilnehmern Veränderungen im Herzmuskelgewebe nachweisen, welche auf eine entzündliche Mitreaktion im Rahmen der Therapie hindeuten“, erklärt PD Dr. Anton Faron. Der Mediziner ist Facharzt der Klinik für Diagnostische und Interventionelle Radiologie am Universitätsklinikum Bonn (UKB). Interessanterweise liefen diese Veränderungen bei den meisten Patienten ohne begleitende Symptome ab.  

  • „Diese Beobachtung zeigt uns, dass wir mit dem Herz-MRT ein wichtiges Instrument in der Hand haben, das beispielsweise dazu beitragen kann, mögliche Therapienebenwirkungen frühzeitig zu erkennen und Therapien so besser und genauer steuern zu können“, betont Faron.


Studie eröffnet womöglich Möglichkeit, Therapien genauer zu steuern
Die ICI-bedingte Herzmuskelentzündung ist eine seltene, aber potenziell ernsthafte Nebenwirkung, die am ehesten innerhalb der ersten 3 Monate nach Behandlungsbeginn auftritt. 

Daher haben die Ergebnisse wichtige Implikationen für die klinische Praxis und die zukünftige Forschung.

Die hochsensitiven MRT-Techniken liefern einen bedeutenden Beitrag. Sie bieten die Möglichkeit einer fortgeschrittenen Gewebecharakterisierung:  

"Wir konnten zeigen, dass sich eine diffuse Entzündung gerade mit den modernen quantitativen MRT-Techniken nachweisen lässt. 

  • Dies hat einen unmittelbaren Bezug, auch für die Entdeckung schwerer Verläufe einer ICI-assoziierten Herzmuskelentzündung bei symptomatischen Patienten“, erklärt PD Dr. Julian Luetkens. 

Er leitet die kardiale MRT-Diagnostik und mit dem QILaB (Quantitative Imaging Lab Bonn) zudem eine Arbeitsgruppe am Universitätsklinikum Bonn, die sich mit der Entwicklung und dem Einsatz innovativer quantitativer Verfahren in der MRT beschäftigt.

An der interdisziplinären Studie des Universitätsklinikums Bonn waren dessen Klinik für Diagnostische und Interventionelle Radiologie, die Medizinische Klinik und Poliklinik III der Inneren Medizin sowie die Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie beteiligt.

Publikation: Anton Faron, MD* • Alexander Isaak, MD* • Narine Mesropyan, MD • Matthäus Reinert, MD • Katjana Schwab, MD • Judith Sirokay, MD • Alois M. Sprinkart, MD • Franz-Georg Bauernfeind, MD • Darius Dabir, MD • Claus C. Pieper, MD • Annkristin Heine, MD • Daniel Kuetting, MD • Ulrike Attenberger, MD • Jennifer Landsberg, MD • Julian A. Luetkens, MD
https://pubs.rsna.org/doi/pdf/10.1148/radiol.2021210814


Zum Universitätsklinikum Bonn:
Im UKB werden pro Jahr über 400.000 Patient*innen betreut, es sind 8.300 Mitarbeiter*innen beschäftigt und die Bilanzsumme beträgt über 1,3 Mrd. Euro. Neben den über 3.300 Medizin- und Zahnmedizin-Studierenden werden pro Jahr rund 600 junge Menschen in anderen Gesundheitsberufen ausgebildet. Das UKB steht im Wissenschafts-Ranking auf Platz 1 unter den Universitätsklinika (UK) in NRW, weist den vierthöchsten Case Mix Index (Fallschweregrad) in Deutschland auf und hatte 2020 das wirtschaftlich erfolgreichste Jahresergebnis aller 35 deutschen UKs und die einzige positive Jahresbilanz aller UKs in NRW.

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PD Dr. med. Julian A. Luetkens
Klinik für Diagnostische und Interventionelle Radiologie
Universitätsklinikum Bonn (UKB)
Tel.: 0228 287-11831; E-Mail: julian.luetkens@ukbonn.de

Elke Pfeifer Universitätsklinikum Bonn

Venusberg-Campus 1
53127 Bonn
Deutschland
Nordrhein-Westfalen

E-Mail-Adresse: elke.pfeifer@ukbonn.de

Originalpublikation:

Publikation: Anton Faron, MD* • Alexander Isaak, MD* • Narine Mesropyan, MD • Matthäus Reinert, MD • Katjana Schwab, MD • Judith Sirokay, MD • Alois M. Sprinkart, MD • Franz-Georg Bauernfeind, MD • Darius Dabir, MD • Claus C. Pieper, MD • Annkristin Heine, MD • Daniel Kuetting, MD • Ulrike Attenberger, MD • Jennifer Landsberg, MD • Julian A. Luetkens, MD
https://pubs.rsna.org/doi/pdf/10.1148/radiol.2021210814


Prof. Dr. Veronika Engert: Cortisol als StressHormon im Haar und im Speichel - Untersuchung der Cortisol-Schübe

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Haaranalysen zeigen: Meditationstraining verringert Langzeitstress

  • Mentales Training verringert die Konzentration des Stresshormons Cortisol im Haar. 

Das haben WissenschaftlerInnen des Max-Planck-Instituts für Kognitions- und Neurowissenschaften in Leipzig herausgefunden. 

  • Die Cortisolmenge im Haar gibt Auskunft darüber, wie stark eine Person durch anhaltenden Stress belastet ist. 

Frühere positive Trainingseffekte hatten sich in akuten Stresssituationen oder an einzelnen Tagen gezeigt –oder basierten auf Selbstauskünften der StudienteilnehmerInnen. 

Die aktuelle Studie erbringt damit erstmals einen objektiven Beleg dafür, dass mentales Training körperliche Anzeichen von langen Stressphasen verringert, auch bei gesunden Menschen.

Laut einer Studie der Techniker Krankenkasse leiden 23 Prozent der Menschen in Deutschland häufig unter Stress. 

Dieser Zustand belastet nicht nur das Wohlbefinden der Betroffenen. 

Er hängt auch mit einer Reihe von physiologischen Erkrankungen zusammen, darunter Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und psychologische Störungen wie Depression, einer der weltweit führenden Ursachen von Krankheitslast (Global Burden of Disease Study, 2017).

Daher sucht man nach wirksamen Methoden, die den Alltagsstress auf Dauer reduzieren. 

  • Als vielversprechende Option gelten dabei Achtsamkeitstrainings, in denen die TeilnehmerInnen durch verschiedene Meditations- und Verhaltensübungen ihre kognitiven und sozialen Fähigkeiten schulen, darunter Aufmerksamkeit, Dankbarkeit und Mitgefühl. 

Verschiedene Studien haben bereits gezeigt, dass auch gesunde Menschen sich bereits nach einem typischen achtwöchigen Trainingsprogramm weniger gestresst fühlen. 

Bislang war jedoch unklar, wieviel die Trainings tatsächlich dazu beitragen, die stetige Belastung durch alltäglichen Stress zu verringern. 

Das Problem vieler bisheriger Untersuchungen zu chronischem Stress: 

Die StudienteilnehmerInnen sollten meist im Anschluss an das Training ihr Stresslevel selbst bewerten. Diese Selbstauskunft mithilfe von Fragebögen könnte jedoch die Effekte verzerrt haben und Ergebnisse positiver erscheinen lassen als sie es tatsächlich waren.

Der Grund für eine derartige Verzerrung: Die TeilnehmerInnen wussten, sie trainierten ihre Achtsamkeit, und eine Reduktion der Stressspiegel war ein gewünschter Effekt dieses Trainings. Allein dieses Bewusstsein hat einen Einfluss auf die anschließenden Auskünfte. „Wird man nach einem als stressreduzierend deklarierten Training gefragt, ob man gestresst ist, kann bereits die Auseinandersetzung mit dieser Frage die Aussagen verzerren“, erklärt Lara Puhlmann, Doktorandin am MPI CBS und Erstautorin der zugrundeliegenden Publikation, die jetzt im Fachmagazin Psychosomatic Medicine erschienen ist. Faktoren wie soziale Erwünschtheit und Placebo-Effekte spielten hier eine Rolle. Anders als etwa bei pharmakologischen Studien, in denen die StudienteilnehmerInnen nicht wissen, ob sie tatsächlich den Wirkstoff erhalten haben oder nicht, sind sogenannte geblindeten Untersuchungen bei mentalen Trainings nicht möglich. „Die TeilnehmerInnen wissen, dass sie das ‚Gegenmittel‘ zu sich nehmen“, sagt Puhlmann. „In der Achtsamkeitsforschung nutzen wir daher zunehmend objektivere, also physiologische Methoden, um die stressreduzierende Wirkung präziser messen zu können.“

Als geeignete Messgröße für die Belastung durch anhaltenden Stress gilt die Konzentration von Cortisol im Haar.  

  • Cortisol ist ein Hormon, das ausgeschüttet wird, wenn man sich zum Beispiel mit einer überwältigenden Herausforderung konfrontiert sieht. 

In der jeweiligen Situation hilft es, den Körper in Alarmbereitschaft zu versetzen und Energie zu mobilisieren, um die Herausforderung zu bewältigen. 

Je länger der Stress anhält, umso länger zirkuliert eine erhöhte Konzentration von Cortisol im Körper – und desto mehr sammelt sich davon im Haar an.  

Das wächst im Schnitt einen Zentimeter im Monat. Um das Stresslevel der StudienteilnehmerInnen während des neunmonatigen Trainings zu messen, analysierten die ForscherInnen in Zusammenarbeit mit der Arbeitsgruppe von Clemens Kirschbaum der Universität Dresden also die Cortisol-Menge alle drei Monate jeweils in deren ersten drei Haar-Zentimetern, beginnend an der Kopfhaut.

Das mentale Training selbst war im Rahmen einer groß angelegten Längsschnittstudie zu den Effekten mentalen Trainings, dem ReSource Projekt, geleitet von Prof. Dr. Tania Singer, wissenschaftliche Leiterin der Forschungsgruppe Soziale Neurowissenschaften, entwickelt worden. Dieses 9-monatige mentale Trainingsprogramm bestand aus drei dreimonatigen Einheiten, die jeweils mithilfe westlicher und fernöstlicher mentaler Übungen einen bestimmten Fähigkeitsbereich schulen sollten. Dabei lag der Fokus entweder auf den Faktoren Aufmerksamkeit und Achtsamkeit, auf sozio-affektiven Fähigkeiten wie Mitgefühl und Dankbarkeit, oder auf so genannten sozio-kognitiven Fertigkeiten, insbesondere der Fähigkeit zur Perspektivübernahme gegenüber eigenen und fremden Gedanken. 

Drei Gruppen von jeweils rund 80 Teilnehmenden absolvierten die Trainingsmodule in unterschiedlicher Reihenfolge. Trainiert wurde für bis zu neun Monate, 30 Minuten täglich, sechs Tage die Woche.

Und tatsächlich zeigte sich: 

Nach sechs Monaten Training war die Cortisol-Menge in den Haaren der ProbandInnen deutlich gesunken, im Schnitt um 25 Prozent. 

In den ersten drei Monaten waren zunächst leichte Effekte zu sehen, die sich in den darauffolgenden drei Monaten verstärkten. 

Im letzten Drittel blieb die Konzentration dann auf niedrigem Niveau. 

Die ForscherInnen gehen daher davon aus, dass erst ein ausreichend langes Training zu den gewünschten Stress-reduzierenden Wirkungen führt. 

Dabei schien der Effekt nicht von den Inhalten des Trainings abzuhängen. 

Möglicherweise sind also mehrere der untersuchten mentalen Ansätze ähnlich effektiv, um den Umgang mit chronischem Alltagsstress zu verbessern.

In einer früheren Studie aus dem ReSource Projekt mit der gleichen Stichprobe hatten die ForscherInnen die Auswirkungen des Trainings auf den Umgang mit akuten Stresssituationen untersucht. 

Darin wurden die Teilnehmenden in ein stressiges Bewerbungsgespräch versetzt und sollten schwierige Matheaufgeben unter Beobachtung lösen. 

Hier zeigte sich: Personen, die ein sozio-kognitives oder -affektives Training absolviert haben, stoßen bis zu 51 Prozent weniger Cortisol unter Stress aus als die untrainierten. 

In dem Fall hatte man nicht die Cortisol-Menge im Haar, sondern akute Cortisol-Schübe im Speichel gemessen. 

Insgesamt schließen die Forschenden, dass das Training sowohl den Umgang mit akuten besonders stressigen sozialen Situationen, als auch mit chronischem Alltagsstress verbessern kann. 

“Wir gehen davon aus, dass für diese verschiedenen Formen von Stress unterschiedliche Trainingsaspekte besonders hilfreich sind“, so Veronika Engert, Leiterin der Forschungsgruppe „Sozialer Stress und Familiengesundheit“ am MPI CBS.

„Weltweit gibt es viele Erkrankungen, darunter Depressionen, die direkt oder indirekt mit Langzeitstress zusammenhängen“, erklärt Puhlmann. 

„Wir müssen daran arbeiten, den Auswirkungen von chronischem Stress schon präventiv entgegenzuwirken. 

Unsere Studie belegt dabei anhand physiologischer Messwerte, dass Meditations-basierte Trainingsinterventionen auch bei gesunden Personen die allgemeine Stressbelastung mildern können.“

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Lara Puhlmann
Postdoc
+49 341 9940-2301
puhlmann@cbs.mpg.de

Prof. Dr. Veronika Engert
Forschungsgruppenleiterin
+49 341 9940-2684
engert@cbs.mpg.de

Verena Müller Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften

Stephanstraße 1a
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Postfach 500355
04303 Leipzig
Deutschland
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Telefon: +49 341 9940-148
E-Mail-Adresse: verenamueller@cbs.mpg.de
Originalpublikation:

Puhlmann, L; Vrtička, P; Linz, R; Stalder, T; Kirschbaum, C; Engert, V; Singer, T (2021)
Contemplative Mental Training Reduces Hair Glucocorticoid Levels in a Randomized Clinical Trial. Psychosomatic Medicine, doi: 10.1097/PSY.0000000000000970



Univ.-Prof. Dr. med. Volker Rudolph: Kathetergeführten Trikuspidalklappenersatz + https://impfdashboard.de

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Herzklappenersatz mit dem Herzkatheter: Meilenstein gesetzt

Kardiologen am Herz- und Diabeteszentrum NRW (HDZ NRW) ersetzen erstmals eine Trikuspidalklappe mit dem Herzkatheter. 

Erste Einsätze erfolgen im Rahmen einer großen internationalen Zulassungsstudie.

Die auf der rechten Herzseite gelegene Trikuspidalklappe mit einem schonenden Katheterverfahren zu ersetzen, galt lange Zeit als gar nicht möglicher Eingriff. 

Doch jetzt scheint ein solcher Durchbruch auf dem Gebiet der interventionellen Kardiologie gelungen: 

Am Herz- und Diabeteszentrum NRW (HDZ NRW), Bad Oeynhausen, führten Prof. Dr. Volker Rudolph, Direktor der Klinik für Allgemeine und Interventionelle Kardiologie und Angiologie, und Oberarzt Dr. Kai Peter Friedrichs erstmals einen kathetergeführten Trikuspidalklappenersatz erfolgreich durch.

  • Wissenschaftliche Untersuchungen aus den USA hatten bereits angekündigt, dass der innovative Klappenersatz für die Trikuspidalklappe künftig in Europa angeboten werden könnte. 

„Eine große amerikanisch-europäische Studie wird jetzt überprüfen, in welchem Umfang die betroffenen Patienten davon im Vergleich zu einer medikamentösen Therapie profitieren“, erläutert Professor Rudolph. 

  • Der erfahrene Kardiologe geht davon aus, dass dies besonders bei Patienten mit Risikofaktoren aufgrund von Begleiterkrankungen oder eines hohen Alters der Fall sein könnte. 

„Es stimmt uns schon sehr zuversichtlich, für diese Menschen wohl zukünftig eine weitere Behandlungsmöglichkeit anbieten zu können. In jedem Falle gilt es wie bei anderen Eingriffen am Herzen auch, dabei die individuelle Situation und die jeweiligen Therapieaussichten im Hinblick auf die bestmögliche Lebensqualität vorher genau abzuwägen.“

  • Im Rahmen der jetzt beginnenden randomisierten Zulassungsstudie (TRISCEND II) für Europa wird in Bad Oeynhausen zunächst nur eine limitierte Anzahl von streng ausgewählten Patienten einen Trikuspidalklappenersatz mittels Herzkatheter erhalten. 

Neben dem HDZ NRW sind weitere Herzzentren beteiligt. 

Auf dem Gebiet der kathetergestützten Herzklappenverfahren zählt das Bad Oeynhausener Herzzentrum ebenso wie bei den operativen herzchirurgischen Verfahren zu den bundesweit führenden Einrichtungen.

„Die meisten Eingriffe werden an den beiden Herzklappen durchgeführt, die sich auf der linken Seite des Herzens befinden, das sind die Aortenklappe und die Mitralklappe“, erläutert Dr. Friedrichs. 

  • Aufgrund einer zunehmend höheren Lebenserwartung sei mit einer steigenden Zahl behandlungsbedürftiger Trikuspidalklappenerkrankungen zu rechnen. 
  • Klappendefekte können angeboren sein oder im Laufe des Lebens, zum Beispiel durch rheumatisches Fieber, Erkrankungen der Lunge oder auch ohne erkennbare Auslöser entstehen.


„Während Eingriffe an der Trikuspidalklappe früher meist erst dann durchgeführt wurden, wenn die Erkrankung schon fortgeschritten war, versuchen wir heute, durch einen frühzeitigen Eingriff die Entstehung von Folgeschäden zu vermeiden“, beschreibt Professor Rudolph die gängige Behandlungsstrategie. 

„Hochmoderne, schonende Katheterverfahren und eine entsprechende Ausstattung und Erfahrung ermöglichen zunehmend auch die Behandlung von Patienten mit einem höheren Operationsrisiko. 

Auch einhergehende Probleme an weiteren Herzklappen mitzubehandeln, ist keine Seltenheit mehr. 

Neben der Reparatur mit Clip oder Ring steht uns am HDZ mit der neuen Klappenprothese jetzt ein weiteres Verfahren zur Verfügung, so dass das Spektrum der Patienten, die behandelt werden können, immer weiter ausgedehnt werden kann.“

Hintergrundinformation:

  • Die Trikuspidalklappe reguliert den Blutstrom des sauerstoffarmen Blutes aus dem Körper in das Herz. 
  • Sie besteht aus drei Klappensegeln und verbindet die rechte Vorkammer mit der rechten Herzkammer. 
  • Die Segel bestehen aus Bindegewebe und sind mit Sehnenfäden an der Kammer befestigt. 
  • Die häufigste Erkrankungsform ist eine Undichtigkeit der Klappe (Trikuspidalklappeninsuffizienz). 
  • Unter den über 70-Jährigen sind europaweit etwa 3 Mio. Menschen, darunter mehr Frauen als Männer, betroffen. 

Die Erkrankung bleibt oft über längere Zeit unbemerkt, weil frühe Symptome wie Leistungsminderung, Müdigkeit und Abgeschlagenheit nicht mit dem Herzklappenfehler in Verbindung gebracht werden. 


Quellen: HDZ NRW; Europ Heart J Cardiovasc Imaging 2020

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Als Spezialklinik zur Behandlung von Herz-, Kreislauf- und Diabeteserkrankungen zählt das Herz- und Diabeteszentrum Nordrhein-Westfalen (HDZ NRW), Bad Oeynhausen mit 35.000 Patienten pro Jahr, davon 14.600 in stationärer Behandlung, zu den größten und modernsten Zentren seiner Art in Europa.

Die Klinik für Allgemeine und Interventionelle Kardiologie/Angiologie des HDZ NRW unter der Leitung von Prof. Dr. med. Volker Rudolph ist spezialisiert auf die Behandlung der Koronaren Herzkrankheit, Herzklappenfehler, Herzmuskelerkrankungen und entzündliche Herzerkrankungen. In der Klinik werden jährlich mehr als 5.000 kathetergestützte Verfahren durchgeführt. Modernste diagnostische und bildgebende Verfahren sowie alle modernen Kathetertechniken sichern die bestmögliche und schonende medizinische Versorgung der Patienten. Die Klinik ist Europäisches und Nationales Exzellenz-Zentrum zur Bluthochdruckbehandlung, anerkanntes Brustschmerzzentrum (CPU – Chest Pain Unit) sowie als überregionales Zentrum zur Versorgung Erwachsener mit angeborenem Herzfehler (EMAH) zertifiziert.

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Leitung: Anna Reiss
Georgstr. 11
32545 Bad Oeynhausen
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Univ.-Prof. Dr. med. Volker Rudolph
Direktor der Klinik für Allgemeine und Interventionelle Kardiologie/Angiologie
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Prof. Dr. med. Jörg Kempfert: Primäre Mitralklappeninsuffizienz + https://impfdashboard.de

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Die „Harpune fürs Herz“

Ein neues Verfahren ermöglicht die Behandlung der Mitralklappeninsuffizienz am schlagenden Herzen. 

Es wurde jetzt erstmals am DHZB eingesetzt. 

v.l.: PD Dr. med. Marian Kukucka (Oberarzt Kardioanästhesie) und Prof. Dr. med. Jörg Kempfert (Leitender Oberarzt Herzchirurgie) mit einer graphischen Darstellung des "Harpoon"-Verfahrens.
v.l.: PD Dr. med. Marian Kukucka (Oberarzt Kardioanästhesie) und Prof. Dr. med. Jörg Kempfert (Leitender Oberarzt Herzchirurgie) mit einer graphischen Darstellung des "Harpoon"-Verfahrens. Philipp Külker DHZB

Die Mitralklappe ist das Ventil zwischen linkem Herzvorhof und linker Herzkammer. 

Sie besteht aus zwei Segeln und verhindert, dass Blut zurück in den Vorhof strömt, wenn die Herzkammer das Blut in den Körper pumpt. 

Sehnenfäden sorgen dafür, dass die Segel nicht in den Vorhof „durchschlagen“. 

Sind diese Sehnenfäden krankheitsbedingt verlängert, wird die Klappe undicht. 

Man spricht dann von einer „primären Mitralklappeninsuffizienz“, der häufigsten Erkrankung der Mitralklappe.

Durch den Ersatz der „ausgeleierten“ Sehnenfäden durch Kunststofffasern kann die Mitralklappe wieder abgedichtet werden. 

  • Dieser Eingriff kann am DHZB minimalinvasiv, also über nur wenige Zentimeter lange Einschnitte, vorgenommen werden. 
  • Allerdings muss dazu das Herz stillgelegt und der Kreislauf mit einer Herz-Lungen-Maschine aufrechterhalten werden.


Eine Patientin, bei der diese Operation aufgrund von Vor- und Begleiterkrankungen nicht durchgeführt werden konnte, wurde nun erstmals mithilfe des neuen „Harpoon (Harpune)“-Systems aus den USA behandelt, dass den Ersatz der Sehnenfäden am schlagenden Herzen ermöglicht.

Über einen kleinen Einschnitt im Brustkorb wird dabei ein wenige Millimeter dünnes Rohr durch die linke Herzkammer bis unmittelbar an die Segel der Mitralklappe geführt. 

Durch diese „Harpune“ werden die Ersatz-Haltefäden durch die Klappensegel „geschossen“ und mithilfe spezieller Schlaufen an den Segeln fixiert. 

Der Vorgang kann mehrfach wiederholt werden.

Nun zieht die Chirurgin oder der Chirurg die „Harpune“ wieder aus dem Herzen – ¬ die Fäden werden gestrafft und außen am Herzmuskel befestigt, die Einstichstelle am Herzen wird vernäht.

Der gesamte Eingriff findet unter exakter Ultraschallkontrolle statt: 

per Ultraschallsonde, die über die Speiseröhre bis dicht ans Herz herangeführt wird. 

Für diese sogenannte intraoperative transösophageale Echokardiographie (TEE) spezialisierte Fachärzt*innen für Kardioanästhesie arbeiten dabei eng mit den Operateur*innen zusammen.

Ein Team um Prof. Dr. med. Jörg Kempfert (Leitender Oberarzt Herzchirurgie) und PD Dr. med. Marian Kuckucka (Oberarzt Kardioanästhesie) führte den ersten „Harpoon“-Einsatz am DHZB durch. 

Er glückte ohne Komplikationen, die Patient*in erholte sich schnell.

„Die chirurgische Reparatur erkrankter Mitralklappen ist ein etabliertes und sehr sicheres Verfahren, das ‚Harpoon‘-System dagegen befindet sich noch im Stadium der Erprobung“, sagt Jörg Kempfert: 

„Wir setzen es momentan also nur ein, wenn keine alternative Therapie einer schweren Mitralklappeninsuffizienz möglich ist – sind aber zuversichtlich, dass uns bald weitere Belege der Wirksamkeit vorliegen und wir unseren Patient*innen damit eine zusätzliche, schonende Behandlungsalternative anbieten können“. 

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Privatdozent Dr. Richard Taubert: Gewebeproben steuern die Immunsuppression - Protokollbiopsien bei Lebertransplantationspatienten + https://impfdashboard.de

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Individualisierte Immunsuppression verbessert Prognose für Lebertransplantierte

Regelmäßige Biopsien führen zu geringerer Immunsuppression und weniger Nebenwirkungen

Nach einer Lebertransplantation müssen Patientinnen und Patienten ein Leben lang das Immunsystem unterdrückende Medikamente einnehmen. 

Diese sogenannten Immunsuppressiva verhindern, dass das Organ abgestoßen wird. 

  • Die Medikamente erhöhen jedoch das Risiko für Krebs und schwerwiegende Infektionen. 
  • Sie können auch die Nierenfunktion erheblich beeinträchtigen und sogar zur Dialyse führen. 

Um den Betroffenen so viel Immunsuppression wie nötig, aber so wenig wie möglich geben zu können, setzen Ärztinnen und Ärzte der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) auf ein spezielles Nachsorge-Programm: 

Anhand von Gewebeproben steuern sie die Immunsuppression für jeden Betroffenen individuell.

  • „Noch immer sterben mehr Transplantationspatienten an Erkrankungen, die durch die Einnahme der Immunsuppressiva begünstigt werden als am Transplantatversagen“, erklärt Privatdozent Dr. Richard Taubert, Oberarzt der Lebertransplantationsambulanz der MHH-Klinik für Gastroenterologie, Hepatologie und Endokrinologie. 

„In unserem Programm hat bei etwa 80 Prozent der Patienten die Biopsie unsere Nachsorge unmittelbar beeinflusst, und bei bis zu 60 Prozent der Patienten konnte die Immunsuppression reduziert werden.“ Emily Saunders, Assistenzärztin und Doktorandin in der MHH-Klinik für Gastroenterologie, Hepatologie und Endokrinologie ergänzt: 

„Der Vergleich zu einer früheren Patientenkohorte vor Einführung des neuen Nachsorgeprogramms zeigte, dass die geringere Immunsuppression das Abstoßungsrisiko nicht erhöht, dafür aber einen positiven Effekt auf die Nierenfunktion der Patienten hat.“ Auch konnten die Ärzte Schädigungen des Transplantats frühzeitiger identifizieren und zum Beispiel durch eine andere oder höhere Immunsuppression behandeln. 

Die Ergebnisse veröffentlichte das Team nun in der Fachzeitschrift American Journal of Transplantation.

Im Rahmen ihrer Doktorarbeit führte Emily Saunders Protokollbiopsien bei Lebertransplantationspatienten mit normalen Leberwerten ab einem Jahr nach Transplantation durch. 

  • Bei einer Biopsie entnehmen die Ärzte dem Patienten durch die Bauchdecke mit einer feinen Nadel ein kleines Gewebestück aus der Leber. 

Dieser Vorgang dauert nur etwa eine Sekunde. Die Stelle wird vorab örtlich betäubt.

Biopsien machten Transplantatschädigungen sichtbar

Insgesamt konnten 211 Patienten untersucht werden. Nur etwa ein Drittel der Protokollbiopsien waren unauffällig. Über 60 Prozent der Proben zeigten Schädigungen der Transplantatleber, wie Vernarbungen des Gewebes oder Entzündungen. „Diese Schädigungen hätten wir anhand der Laborwerte und dem klinischen Zustand der Patienten nicht erkennen können, sodass eine Steuerung der Immunsuppression nach Lebertransplantation ohne Biopsien ein Blindflug ist“, sagt Dr. Elmar Jäckel, ebenfalls Oberarzt in der Klinik für Gastroenterologie, Hepatologie und Endokrinologie, der das Programm gemeinsam mit Dr. Taubert koordiniert.

Keine relevanten Komplikationen durch die Untersuchung

„Die Beobachtungen belegen, dass die Protokollbiopsien sicher sind und keine relevanten Komplikationen für die Patienten nach sich ziehen“, sagt Dr. Taubert. Anhand des Ergebnisses der Biopsie, den Leberwerten, der Nierenfunktion und anderen Begleiterkrankungen konnte das Ärzteteam die Immunsuppression individuell für jeden Patienten anpassen. 

Denn: 

Nicht jeder Patient braucht dieselbe Stärke an Immunsuppression, einige wenige Patienten kämen sogar ganz ohne zurecht. 

Die Patienten wurden in den folgenden Monaten engmaschig durch ihre Hausärzte betreut. 

Ein Jahr nach Umstellung der Immunsuppression kamen die Patienten zur Kontrolle erneut in die Ambulanz.

  • Nur wenige Transplantationszentren führen Protokollbiopsien durch, zum einen aufgrund der vermeintlichen Risiken wie Blutungen und zum anderen, weil bis vor wenigen Jahren unklar war, wie die oben genannten Veränderungen in der Leberbiopsie zu bewerten sind. 
  • „Das Langzeitüberleben jenseits des ersten Jahres nach Lebertransplantation hat sich in den vergangenen 30 bis 40 Jahren trotz erheblicher Verbesserungen in der Chirurgie und der medikamentösen Therapie kaum verbessert. 

Noch immer gehen zu viele Organe verloren. 

Mit regelmäßigen Protokollbiopsien ändert sich dies hoffentlich“, sagt Professor Dr. Hans Heiner Wedemeyer, Direktor der MHH-Klinik für Gastroenterologie, Hepatologie und Endokrinologie. 

Das sei für die Patienten wünschenswert.

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Die Originalarbeit finden sie unter: https://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/ajt.16817