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Übergewicht - Stress - Entzündungsreaktion - Cortisol

Medizin am Abend Berlin Fazit:   Speck durch Stress? - Stresshormone begünstigen Diabetes und Übergewicht im Alter

Dass Stress im Körper Entzündungsreaktionen auslösen und krank machen kann, ist in der Medizin längst bekannt. 

Medizin am Abend Berlin ZusatzFachThema: Patientensicherheit  


  • Wissenschaftler der Universitäten Ulm und Wien haben nun herausgefunden, warum Stresshormone wie das Cortisol zudem einen massiven Einfluss auf den Fettstoffwechsel haben. 

Sie sind dabei auf einen molekularen Mechanismus gestoßen, der die Entstehung von Übergewicht und Diabetes im Alter erklären kann.  
 Fettzellen der Wildtyp-Mäusen (links) sind nach der Fettdiät deutlich größer als die der Mäuse mit deaktiviertem GR-Rezeptor (rechts).
Fettzellen der Wildtyp-Mäusen (links) sind nach der Fettdiät deutlich größer als die der Mäuse mit deaktiviertem GR-Rezeptor (rechts).Mikroskopische Aufnahme: Dr. Kerstin Hartmann 
„Wir haben dafür in den Fettzellen die Weiterleitung von bestimmten Stresssignalen blockiert und dann beobachtet, wie sich dadurch Zuckerstoffwechsel sowie Fettaufbau und Fettabbau verändern“, erklärt Professor Jan Tuckermann, der Leiter des Instituts für Molekulare Endokrinologie der Tiere an der Universität Ulm.

Im Fokus stand dabei die Wirkung von Cortisol. 

Das Stresshormon, das zur biochemischen Klasse der Glucocorticoide gehört, spielt nicht nur eine Schlüsselrolle bei der Unterdrückung von Entzündungsreaktionen, sondern steuert zudem in Stress- und Gefahrensituationen die Mobilisierung von Energie.

Dieses Hormon wirkt über einen Glucocorticoid-Rezepter (GR), der im Zytoplasma der Zellen sitzt.

Wenn er aktiviert wird, dringt er in den Zellkern ein und reguliert dort die genetische Aktivität.

„Um herauszufinden, wie wichtig die Cortisolwirkung für den Stoffwechsel ist, haben wir dieses Rezeptormolekül in den Fettzellen von Mäusen gentechnisch deaktiviert und damit das Cortisol-vermittelte Stresssignal blockiert“, erläutert Dr. Kerstin Hartmann. Die wissenschaftliche Mitarbeiterin aus dem Ulmer Tuckermann-Labor, die jetzt bei der Firma BioNTech Diagnostics arbeitet, teilt sich die Erstautorenschaft der im Fachjournal „Diabetes“ veröffentlichten Studie mit Dr. Kristina Müller vom Ludwig Boltzmann Institut für Krebsforschung in Wien.

Am Wiener Boltzmann-Institut wurde untersucht, wie sich die Blockade des Stresshormonrezeptors auf den Stoffwechsel dieser Mäuse auswirkt, wenn diese auf Reduktionsdiät gesetzt sind. „Aufgrund der blockierten Stressantwort können diese Mäuse beim Fasten die Energiereserven aus den Fettzellen nicht verwerten.

Zum Ausgleich greift der Körper auf andere Energiequellen zurück, was zu einer fundamentalen Störung des gesamten Stoffwechsels führt“, so Professor Richard Moriggl, Direktor des Ludwig Boltzmann Instituts für Krebsforschung, der gemeinsam mit Jan Tuckermann das Forschungsprojekt federführend geleitet hat.

Was dagegen passiert, wenn Mäuse mit blockiertem GR-Rezeptor einer äußerst fettreichen Diät unterzogen werden oder wenn sie einfach nur altern, haben die Ulmer Wissenschaftler analysiert.

Denn wie beim Menschen steigt auch bei der Maus mit dem Alter normalerweise der Körperfettanteil. 

„In der Studie zeigt sich, dass die Mäuse mit blockiertem Stresssignal viel schlanker waren als die jeweilige Wildtyp-Vergleichsgruppe, und zwar sowohl die alten, als auch die besonders fettreich ernährten“, berichtet Tuckermann.

  • Dabei waren nicht nur die Fettdepots kleiner, sondern auch die Fetteinlagerung in der Leber deutlich geringer als bei den Mäusen, deren Cortisolsignalweg in den Fettzellen ungehindert funktionierte. 

Und auch der Zuckerhaushalt der genetisch modifizierten Mäuse hatte sich deutlich verbessert.

Die Folge: ein wesentlich niedrigeres Diabetesrisiko.

„Aus diesen Ergebnissen leitet sich im Umkehrschluss ab, dass Stresshormone die Gewichtszunahme beschleunigen und Alterdiabetes begünstigen können“, sagen die Ulmer und Wiener Forscher, die bei dieser Studie von Wissenschaftlern des Helmholtz Diabetes Center in München und der Grazer Biotech-Firma Joanneum Research unterstützt wurden.


Die Mäuse mit blockiertem Cortisol-basierten Stresssignal (rechts) haben nach der Fettdiät einen niedrigeren Anteil an Unterhautfett (rosa) aber auch messbar weniger Bauchhöhlenfett (grau).
 Die Mäuse mit blockiertem Cortisol-basierten Stresssignal (rechts) haben nach der Fettdiät einen niedrigeren Anteil an Unterhautfett (rosa) aber auch messbar weniger Bauchhöhlenfett (grau). Rekonstruktion auf der Grundlage von Mikro-Computertomographie-Daten; Abbildung: Dr. Kerstin Hartmann

Was ist nun die medizinische Relevanz der von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und der EU geförderten Untersuchung?

Altersassoziierte Erkrankungen wie Fettleibigkeit gehen mit einer ganzen Reihe an schwerwiegenden Begleiterkrankungen einher.

Dazu gehören Herzkreislauferkrankungen wie Herzinfarkt und Schlaganfall, aber auch Stoffwechselkrankheiten wie Diabetes. 
„Wenn es nun gelingt herauszufinden, welche Rolle hier Stresshormone wie das Cortisol spielen, die zwischen entzündlichen und metabolischen Prozessen vermitteln, können wir möglicherweise neue Anknüpfungspunkte finden, um über die beteiligten Signalwege krankhaft veränderte Stoffwechselprozesse positiv zu beeinflussen“, glaubt Tuckermann.

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Prof. Dr. Jan Peter Tuckermann
Institut für Molekulare Endokrinologie der Tiere an der Universität Ulm
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Andrea Weber-Tuckermann

Mit Kuscheleinheiten vom Kleinkind bis zum Greis

Medizin am Abend Berlin Fazit: Mit Kuscheleinheiten gegen den November-Blues

Aktuelle Forschungen zu Berührungen im Haptik-Labor der Universität Leipzig

Draußen ist es dunkel, nass und kalt geworden. Das November-Wetter ist nicht nur ungemütlich, sondern schlägt auch schnell aufs Gemüt. PD Dr. Martin Grunwald, Haptik-Forscher an der Medizinischen Fakultät der Universität Leipzig, hat ein einfaches Rezept dagegen: 


Wärme, Bewegung und regelmäßigen Körperkontakt. 

Schon eine zehnminütige Massage pro Tag kann die Stimmung deutlich aufhellen. 

Denn Berührungen und Körperinteraktion rufen komplexe neurobiologische Prozesse hervor. 

PD Dr. Martin Grunwald
PD Dr. Martin Grunwald Margarete H. Cane
 
„Unser Tastsinnessystem wird gnadenlos unterschätzt“, da ist sich Dr. Martin Grunwald, Leiter des Haptik-Forschungslabors der Medizinischen Fakultät, sicher.

„Viele glauben, der Tastsinn hilft mir lediglich im Dunkeln den Wecker zu finden und spielt ansonsten nur noch bei sexuellen Handlungen eine wichtige Rolle.

Das ist durchaus richtig, aber es ist zugleich eine extreme Verkürzung der grundsätzlichen Lebensfunktionen dieses Sinnessystems.“ So können Organismen, die nichts sehen, hören oder schmecken überleben – doch kein Lebewesen wäre ohne Tastsinn lebensfähig. Die Anzahl der Rezeptoren im Tastsinnessystem übersteigt die der anderen Sinnessysteme – Schätzungen gehen von einer Zahl im Billionen-Bereich aus.

Besonders Berührungen, „leichte Deformationen der Haut“, wie Grunwald sie nennt, stimulieren diese Rezeptoren. 
  • Studien mit EEG-Untersuchungen haben gezeigt, dass kurzzeitige Massagen sowohl bei Säuglingen als auch bei Erwachsenen den neurophysiologischen Status eines Menschen zum Positiven hin verändern. 
„Durch Berührungsreize werden biochemische und bioelektrische Prozesse im Gehirn ausgelöst. 
  • Daraufhin werden bestimmte Hormone und Neurotransmitter ausgeschüttet und gebildet, die die Hirnaktivität beeinflussen und den körperlichen Zustand positiv verändern“, erklärt der Haptik-Forscher.
  • Durch diese Effekte nimmt die Herzfrequenz ab, die Atmung wird flacher und positive Emotionen entstehen.
Eine zehnminütige Massage reicht schon aus, diese komplexen neurobiologischen Prozesse auszulösen. Ein professioneller Masseur ist dabei nicht unbedingt vonnöten.

„Es gilt das biologische Gesetz, dass durch adäquaten zwischenmenschlichen Körperkontakt – ohne sexuelle Intentionen – positive Emotionen in unserem Gehirn ausgelöst werden.

Selbst kurze Umarmungen können diese Effekte auslösen.

Wer lange Zeit ohne dieses besondere Lebensmittel auskommen muss, kann in seinem seelischen und körperlichen Wohlbefinden durchaus stark beeinträchtigt sein.

Wenn es draußen trüb, kalt und nass ist, müssen wir aktiver für unser Wohlbefinden sorgen“, empfiehlt Dr. Martin Grunwald.

So sei es in einer Partnerschaft zu überlegen, ob man nicht mehr Kuschelzeit miteinander verbringt, um den Basiskörperkontakt zueinander zu halten.

„Der Mensch hat ein Grundbedürfnis nach solchen Körperinteraktionen vom Kleinkind bis zum Greis. 

Mit diesem Nähebedürfnis wachsen wir auf.

Durch die Körpernähe werden nicht nur Hautverformungen generiert, sondern auch Wärme übertragen und die tut uns gut.“

Denn der Mensch nimmt nicht nur Oberflächenstrukturen über den Tastsinn wahr.

Er bekommt über ihn auch Informationen über Temperatur, Gewicht, Elastizität oder Rauigkeit.

Das beschreibt die sogenannte exterozeptive, also nach außen gerichtete Funktion unseres Tastsinnessystems.

Zugleich weiß der Mensch ohne jede visuelle Information, wie der eigene Körper aufgebaut ist: Beine unten, Kopf oben.

Diese Information über die Stellung des Körpers im Raum, die propriozeptive Komponente des Tastsinns, verarbeitet das Gehirn permanent. Interozeptiv, also nach innen gerichtet, liefert das Sinnessystem Informationen über bestimmte Organfunktionen wie den Herzschlag oder das Magengrummeln.

Durch Selbstberührungen lässt sich der positive Effekt auf Körper und Geist allerdings nicht erreichen.

Etwa 400 bis 800 Mal fasst sich der Mensch täglich ins Gesicht – was genau dahinter steckt, das erforscht Grunwald derzeit mit seinem Team mit finanzieller Förderung der DFG. 
„Unser Gehirn funktioniert am besten, wenn es sich auf einem mittleren Aktivitätsniveau befindet.

Alle biologischen Systeme streben eine Homöostase, also ein Gleichgewicht der Kräfte, eine Balance an“, erklärt Grunwald. Im Alltag strömen unzählige Informationen auf den Menschen ein, die das Gehirn verarbeitet oder unterdrückt. Einige davon sind jedoch in der Lage, das System aus dem Gleichgewicht zu bringen, etwa sehr starke positive oder negative Emotionen.

Um die Balance der Hirnaktivität in derartigen Situationen wiederherzustellen, wird nach Ansicht von Grunwald eine gesichtsbezogene Selbstberührung ausgelöst.

Der Berührungsreiz wird dann vom Gehirn so verwertet, dass der Balancezustand wieder hergestellt ist. 

„Derzeit stehen wir allerdings noch ganz am Anfang, diesen komplexen biologischen Prozess der Selbstberührung zu verstehen.

Besonders spannend ist dieses Alltagsphänomen auch deshalb, weil bereits der Fetus im Mutterleib Selbstberührungen des Gesichts ausführt.“ Welchen Unterschied es für die Hirnaktivität macht, ob sich der Mensch mit der linken oder rechten Hand berührt, will Haptik-Forscher Dr. Martin Grunwald jetzt noch herausfinden.

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PD Dr. Martin Grunwald
Paul-Flechsig-Institut für Hirnforschung
Haptik-Forschungslabor
0341 97 24 502
mgrun@medizin.uni-leipzig.de
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Peggy Darius Universität Leipzig
 

Neue Behandlungsstrategien gegen Kopfschmerzen bei Kindern und Jugendlichen

Medizin am Abend Berlin Fazit:  Dresdner Uniklinikum etabliert Konzept zur ambulanten Therapie von jungen Kopfschmerzpatienten

In einem klinikübergreifenden Projekt entwickeln und erproben Spezialisten des Universitätsklinikums Carl Gustav Carus Dresden neue Behandlungsstrategien gegen Kopfschmerzen bei Kindern und Jugendlichen. Nach der 2015 erfolgten Etablierung einer Spezialambulanz am Universitäts SchmerzCentrum (USC) und einem in diesem Jahr gestarteten interdisziplinären Therapieprogramm, ziehen die Initiatoren eine erste positive Bilanz. 

Ausgangspunkt der Aktivitäten war eine Befragung von Kindern und Jugendlichen aus 14 Dresdner Schulen. Das Ergebnis zeigt einen hohen Bedarf an Behandlungsangeboten, die bisher weder in Sachsen noch bundesweit adäquat vorgehalten werden. 

 Die Zeichnung der 15-jährigen Migränepatientin beschreibt das Empfinden während der sogenannten Aura. Diese Phase äußert sich bei ihr im halbseitigen Ausfall des Geschtsfelds.
Die Zeichnung der 15-jährigen Migränepatientin beschreibt das Empfinden während der sogenannten Aura. Diese Phase äußert sich bei ihr im halbseitigen Ausfall des Geschtsfelds.
Zeichnung privat / Uniklinikum Dresden
 
Die Ergebnisse des ergänzend hierzu konzipierten, mit Spendengeldern der Aktion „Dresdner helfen Dresdnern“ und des „Dresdner Kinderhilfe e.V.“ etablierten ambulanten Therapieprogramms für Kopfschmerzkinder „DreKiP“ sind vielversprechend:

Das von Experten des USC sowie der Kliniken für Kinder- und Jugendmedizin sowie für Kinder- und Jugendpsychiatrie betreute Programm hilft den Patienten, Situationen zu erkennen und zu verändern, die den Kopfschmerz befördern. Darüber hinaus lernen und trainieren sie Schutzmechanismen gegen diese Form des Schmerzes.

  • Anhaltende und wiederkehrende Kopfschmerzen quälen nicht nur Erwachsene, sondern sind bereits im Grundschulalter ein Problem. 

Das belegt eine im März 2016 abgeschlossene Umfrage an 14 Dresdner Schulen.

Dazu haben die Ärzte und Wissenschaftler über 5.000 Fragebögen an Kinder und Jugendliche aus sieben Grundschulen, drei Gymnasien und vier Oberschulen verteilt. Knapp die Hälfte kam ausgefüllt zurück. Die ausgewerteten Daten überraschten die erfahrenen Schmerztherapeuten:

Nur ein knappes Drittel der Schüler gab an, nie an Kopfschmerzen zu leiden. 36,6 Prozent der befragten Schüler dagegen hat einmal im Monat Kopfweh, weitere 31,5 Prozent dagegen häufiger – mindestens zweimal im Monat. Die Zahlen belegen zudem eine bedenkliche Tendenz:

  • Je älter die Schüler sind, umso wahrscheinlicher ist es, dass sie unter Kopfschmerzen leiden. Bereits 16,6 Prozent der Erstklässler klagen über häufiges Kopfweh. Bei den 12.-Klässlern steigt diese Rate auf gut die Hälfte (55,3 Prozent) aller Schüler dieser Klassenstufe. Eine Besonderheit an diesen Daten ist, dass Jugendliche, die an Oberschulen lernen, öfter von häufiger auftretenden Kopfschmerzen heimgesucht werden, als Gymnasiasten.

Die Wissenschaftler wissen, dass sich aus den Ergebnissen dieser Befragung noch kein verlässliches Bild über die Situation in ganz Deutschland zeichnen lässt. Doch die Tendenz stimmt offenbar, wie eine repräsentative Umfrage unter Siebtklässlern aus ganz Deutschland belegte. Die „Aktion Mütze“ hatte im Sommer 2016 im Rahmen einer bundesweiten Aktion Siebtklässler Fragebögen zum Thema Kopfschmerz ausfüllen lassen und kam dabei auf ähnliche Werte. Hier lag der Anteil der Schüler, die mindestens einmal im Monat Kopfschmerzen haben, bei 73,9 Prozent. Träger der „Aktion Mütze“ ist das Zentrum für Forschung und Diagnostik bei Implantaten, Entzündungen und Schmerzen (ZIES). Eine Schirmherrin der Aktion ist die sächsische Staatsministerin für Soziales und Verbraucherschutz, Barbara Klepsch.

„Die am Universitätsklinikum aufgebauten Versorgungsangebote für Kinder und Jugendliche, die häufig an Kopfschmerzen leiden und die damit verbundene wissenschaftliche Arbeit sorgen dafür, dass ein bisher kaum beachtetes Gesundheitsproblem eine größere Aufmerksamkeit erfährt. Die Rolle der Dresdner Hochschulmedizin ist es, auf diesem Gebiet auch künftig den weiteren Ausbau moderner und wissenschaftlich orientierter Therapiemöglichkeiten voranzutreiben. Dazu bedarf es einer intensiven Interaktion mit allen Beteiligten – Angefangen von den jungen Patienten und deren Familien bis hin zu behandelnden Ärzten, Lehrern, Therapeuten und Kostenträgern. Das am Universitätsklinikum veranstaltete Kinderkopfschmerzsymposium ist hierzu ein wichtiger Schritt, um die neuen therapeutischen Ansätze praxisnah weiterzuentwickeln“, sagt Prof. Michael Albrecht, Medizinischer Vorstand des Universitätsklinikums Carl Gustav Carus. Das vom Universitäts SchmerzCentrum veranstaltete Kinderkopfschmerzsymposium fand am Dienstag, dem 15. November, von 16.30 bis 19.30 Uhr im Hörsaal des Universitäts Kinder-Frauenzentrum (Haus 21) statt.

Wissen und Selbstkontrolle gegen den Kopfschmerz

Die häufigsten Formen des Kopfschmerzes sind auch bei Kindern Migräne und Spannungskopfschmerz. 

  • Letzterer wird von den Medizinern als Warnsignal des Körpers verstanden. Die Auslöser sind vielfältig: Lange Phasen der Konzentration, Flüssigkeitsmangel, zu wenig Schlaf oder seelischen Stress können den Schmerz auslösen oder verstärken. 
  • Auch bei Migräne lösen bei vielen Patienten äußere Umstände eine Attacke aus oder beeinflussen deren Schwere. 

Darum ist es so wichtig, dass die betroffenen Kinder und Jugendlichen sowie ihre Eltern so viel wie möglich über Kopfschmerzen wissen. Dies ist der Ausgangspunkt für sogenannte biopsychoedukative Therapiekonzepte wie dem neu konzipierten „Dresdner Kinderkopfschmerzprogramm“ (DreKiP). Hier lernen sie, wie sie das akute Auftreten erkennen und was sie dagegen unternehmen können.

Das Programm richtet sich an solche Kinder und Jugendliche, die aufgrund ihrer Kopfschmerzen häufiger der Schule fernbleiben oder deren körperliche und geistige Leistungen unter den Attacken leiden. Auch muss eine entsprechende Diagnose durch einen Arzt gestellt worden sein.

Das bisher spendenfinanzierte DreKiP besteht aus acht Modulen, welche die Patienten und teilweise deren Eltern absolvieren. Das über zwei bis drei Monate laufende Programm mit jeweils sechs Patienten besteht aus 90 bis 180 minütigen Sitzungen. Im Mittelpunkt der einzelnen Termine stehen Psycho-, Ergo-, Physio- und Kunsttherapien. Ein besonderes Element ist ein dreistündiges Training in der Kletterhalle des Sächsischen Bergsteigerbundes. Hier machen die Patienten ganz intensive Erfahrungen an der Kletterwand. – Sich angeseilt aber mit verbundenen Augen nach oben zu bewegen, ist eine ganz besondere Erfahrung. Ziel ist es, das Selbstbewusstsein und das Vertrauen in den eigenen Körper ebenso zu stärken wie die Fähigkeit, sich selbst besser wahrzunehmen. Ziel von DreKiP ist es, über diese Therapieeinheiten kopfschmerzbedingte Einschränkungen im Alltag vermindern. Die ersten Ergebnisse des Programms, das mittlerweile 18 Patienten in drei Durchgängen absolviert haben, stimmen die Dresdner Kopfschmerzexperten optimistisch. Den betroffenen Kindern und Jugendlichen gelingt es nach dem Abschluss des Programms besser, ihre Kopfschmerzen differenzierter wahrzunehmen und einzuordnen, die körperliche Aktivierung zu verbessern, eigenständig Entspannungsverfahren anzuwenden und im häuslichen und schulischen Umfeld besser mit Stresssituationen umzugehen. Diese einzelnen Aktivitäten sind wichtige Elemente, mit denen es den Kindern und Jugendlichen gelingen kann, ihrem Kopfschmerz selbstwirksam zu begegnen.

Um die Wirksamkeit des DreKiP-Programms genauer untersuchen zu können, muss eine größere Zahl an Patienten das Programm durchlaufen. Dies ist jedoch nur möglich, wenn sich weitere Sponsoren oder Institutionen wie Kostenträger finden, die Gelder für die bisher kostenlos angebotenen Programme bereitstellen. Die ersten DreKiP-Therapiezyklen wurden durch die Spendenaktion „Dresdner helfen Dresdnern“ der Dresdner Neusten Nachrichten ermöglicht. Beachtung fand das Programm auch auf dem Deutschen Schmerzkongress 2016 in Mannheim. Dort erhielt die Präsentation des Konzepts einen Posterpreis.


PD Dr. Gudrun Goßrau, Leiterin der Kopfschmerzambulanz des Universitäts SchmerzCentrums am Dresdner Uniklinikum.
PD Dr. Gudrun Goßrau, Leiterin der Kopfschmerzambulanz des Universitäts SchmerzCentrums am Dresdner Uniklinikum. Foto: Uniklinikum Dresden / Holger Ostermeyer

Frühes Eingreifen verhindert spätere Chronifizierung
Das Wissen über das häufige Auftreten unterschiedlicher Formen des Kopfschmerzes bei Kindern und Jugendlichen ist ein wichtiger Ansatzpunkt dafür, verstärkt Versorgungsangebote für die Betroffenen zu schaffen. Der Aufbau der interdisziplinären Kinderkopfschmerzambulanz am Universitäts SchmerzCentrum und das DreKiP-Konzept sind erste Aktivitäten, um der aktuellen Unterversorgung der Schmerzpatienten im Schulalter zu begegnen. Nach Ansicht der Dresdner Schmerzexperten eine gute Investition in die Zukunft. Denn ein unbehandelter Kopfschmerz, der bereits im Kindes- und Jugendlichenalter zu Fehltagen in der Schule führt, droht im weiteren Verlauf sich zu einer chronischen Erkrankung zu entwickeln, an deren Ende auch eine Erwerbsunfähigkeit und Frühverrentung steht.

Lebensstil-Wandel von Kindern und Jugendlichen begünstigt Kopfschmerz
Der Trend zu elektronischen Spielen und medialer Unterhaltung aber auch eine weiter komprimierte Wissensvermittlung in der Schule sind bei Kindern und Jugendlichen ebenso Risikofaktoren für das Auftreten häufiger Kopfschmerz­attacken wie körperliche Inaktivität oder seelischer Stress. Mit den unterschiedlichen Formen der in das DreKiP-Programm integrierten Therapien gelingt es, dieser Entwicklung gegenzusteuern. Der Schlüssel dazu sind Aktivitäten, in denen die Betroffenen in einer Gruppe aktiv werden, wieder einen Zugang zu körperlicher Bewegung bekommen, kreativ werden und ihren eigenen Körper wahrnehmen. Diese Erkenntnis sollte nicht nur die von häufigen Kopfschmerzen heimgesuchten Kindern und Jugendlichen anregen, ihren Lebensstil auf den Prüfstand zu stellen, sondern auch ihren Altersgenossen, die bisher von diesen Problemen verschont wurden. Denn die Wahrscheinlichkeit, künftig selbst häufiger unter Kopfschmerzen zu leiden, steigt bereits in der Schulzeit.

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360° TOP-Hinweis: Vorschultest - im letzten Kindergartenjahr: Schuleingangsdiagnostik

Medizin am Abend Berlin Fazit: Neuer Vorschultest aus Würzburg

Kann ich mein Kind schon in die Schule schicken? Oder braucht es noch spezielle Förderung? 

Solche Fragen lassen sich mit dem Würzburger Vorschultest beantworten.

Psychologen der Universität haben ihn in Kooperation mit dem Hogrefe-Verlag entwickelt. 

Medizin am Abend Berlin ZusatzFachLink: Kinder im Kiez  

 Was geschieht hier? Richtige Antwort: Eine Katze springt über einen Zaun. Diese Aufgabe zur Satzproduktion stammt aus dem neuen Würzburger Vorschultest.
Was geschieht hier? Richtige Antwort: Eine Katze springt über einen Zaun. Diese Aufgabe zur Satzproduktion stammt aus dem neuen Würzburger Vorschultest.
(Bild: Maria Straub / Hogrefe-Verlag)
 
  • Kann man schon im Kindergarten erkennen, ob ein Kind später in der Schule Probleme mit dem Lesen, Schreiben und Rechnen bekommen könnte? 

Ja, dafür kennt man viele wichtige Einflussfaktoren.

Es existieren auch spezielle Programme, mit denen sich benachteiligte Kinder fördern lassen:

„Hören, Lauschen, Lernen“ zum Beispiel oder „Mengen, Zählen, Zahlen“. 

Beide wurden im Team von Professor Wolfgang Schneider am Institut für Psychologie der Julius-Maximilians-Universität Würzburg entwickelt.
  • Aus dem Lehrstuhl von Schneider stammt nun auch ein neues Verfahren, das weit über alle bisherigen Ansätze hinausgeht: 
  • Der Würzburger Vorschultest (WVT) liefert nicht nur gute Hinweise für die Früherkennung von „Risikofällen“ in Sachen Lesen, Schreiben oder Rechnen. 
  • Mit ihm lassen sich auch Kindergartenkinder mit einem Entwicklungsvorsprung ausmachen und solche, die leistungsmäßig im Durchschnitt liegen.
Mit welchem Laut beginnt der „Igel“? Mit einem „I“. Das ist eine Aufgabe aus dem Bereich „Anlauterkennung“.
Mit welchem Laut beginnt der „Igel“? Mit einem „I“. Das ist eine Aufgabe aus dem Bereich „Anlauterkennung“. (Bild: Maria Straub / Hogrefe-Verlag)

Leistungsförderung und Schuleingangsdiagnostik

Der Test macht es möglich, alle Kinder ihren Fähigkeiten und Bedürfnissen gemäß frühzeitig zu fördern.

Das gilt auch für leistungsstarke Kinder: „Sie brauchen ebenfalls Unterstützung, weil sich ihre Fähigkeiten sonst nicht optimal entfalten können“, sagt der Würzburger Psychologe Darius Endlich. In den USA sei diese Art der Förderung schon weit verbreitet, in Deutschland gebe es da noch Aufholbedarf.

Der Würzburger Vorschultest eignet sich außerdem zur Beantwortung der Frage, ob ein Kindergartenkind genügend Grundlagen für die Schule hat – denn er berücksichtigt weitaus mehr Leistungsmerkmale als bisherige Tests. 

Um Schreib- und Lesekompetenzen zu prognostizieren, erfasst er zum Beispiel Buchstabenkenntnis, Satzverständnis und grammatikalische Fähigkeiten.

Um die spätere Entwicklung in Mathematik vorhersagen zu können, werden unter anderem der Umgang mit Mengen und erste Kompetenzen im mathematischen Modellieren betrachtet.

Entwickelt mit mehr als 400 Kindern

Der Test wurde in den Jahren 2012 bis 2015 entwickelt. Die Würzburger Psychologen haben ihn mit insgesamt 417 Kindern aus mehreren Bundesländern erarbeitet; alle Kinder befanden sich im letzten Kindergartenjahr. 

Die Gültigkeit ihres Tests bezeichnen die Wissenschaftler als hoch: „Personen, die ein Kind gar nicht kennen und mit ihm den Test machen, stufen seine Leistung ähnlich ein wie Erzieherinnen, die das Kind sehr gut kennen“, so Darius Endlich.

Die drei Testbereiche Schriftsprache, Sprache und Mathematik können getrennt oder als Gesamttest durchgeführt werden, wobei jeweils eine Erziehungsperson mit einem Kind arbeitet. Pro Modul dauert das etwa 20 Minuten. Dabei werden die einzelnen Aufgaben in kleinen „Spielen“ an die Kinder herangetragen, etwa in Form von Bildkärtchen, die es zu ordnen oder zu beschreiben gilt. Entsprechend bereitwillig machen die Kinder bei dem Test mit, wie die Psychologen festgestellt haben.

Das Projektteam aus der Psychologie

An der Entwicklung des Tests haben neben Projektleiter Wolfgang Schneider und Darius Endlich auch Nicole Berger, Petra Küspert, Wolfgang Lenhard, Peter Marx und Jutta Weber mitgewirkt. Sie haben die wissenschaftliche Basis gelegt und die so genannte Normierungsstudie mit den 417 Kindern durchgeführt. Studentische Hilfskräfte waren ebenfalls beteiligt – zum Beispiel Maria Straub, die Igel, Blumen und andere Motive für die Bildkärtchen gezeichnet hat.

Enge Kooperation mit dem Hogrefe-Verlag

Erschienen ist der Würzburger Vorschultest im Hogrefe-Verlag (Göttingen). Das Unternehmen war von Anfang an eng in die Testentwicklung eingebunden und hat diese auch finanziert. „Aus unserer Sicht eine sehr fruchtbare Kooperation, weil der Verlag sein Know-how in Sachen Testveröffentlichung beigesteuert hat“, so Professor Schneider.

Würzburger Vorschultest: Erfassung schriftsprachlicher und mathematischer (Vorläufer-) Fertigkeiten und sprachlicher Kompetenzen im letzten Kindergartenjahr. Hogrefe-Verlag Göttingen, 1. Auflage 2016.

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Prof. Dr. Wolfgang Schneider
Lehrstuhl für Pädagogische Psychologie
Julius-Maximilians-Universität Würzburg
T (0931) 31-84822
schneider@psychologie.uni-wuerzburg.de
Robert Emmerich Julius-Maximilians-Universität Würzburg
 



Weitere Informationen für international Medizin am Abend Berlin Beteiligte
https://www.hogrefe.de/shop/wuerzburger-vorschultest.html Zur Website des Verlags

http://www.i4.psychologie.uni-wuerzburg.de/ Zur Website des Lehrstuhls

360° TOP-Hinweis: Rettungsstelle-KANZEL: Bei Kindern: Spinale Muskelatrophie Typ 1

Medizin am Abend Berlin Fazit:  Häufigste genetische Todesursache bei Kindern erstmals behandelbar

Neuer Wirkstoff gegen Spinale Muskelatrophie Typ 1 verbessert Krankheitsverlauf deutlich

Klinische Studie wegen sehr guter Wirkung vorzeitig beendet

Patienten können ab sofort in einem Härtefallprogramm behandelt werden

Universitätsklinikum Freiburg eines von drei Zentren in Deutschland, das den Wirkstoff vor der offiziellen Zulassung einsetzen darf 
 
Seit Dienstag, 8. November 2016, ist erstmals eine Therapie für Säuglinge verfügbar, die unter Spinaler Muskelatrophie Typ 1 leiden.

Bei der Erbkrankheit sterben Nervenzellen im Rückenmark ab, die die Muskeln steuern. 

Die schwerste Form der Erkrankung beginnt im Säuglingsalter und endet oft tödlich durch Ersticken oder Atemlähmung. 

Sie ist die häufigste genetische Todesursache im Kindesalter. 

Ein neuer Wirkstoff verlangsamt nun erstmals die krankhafte Nervenschädigung und führt so zu einer Besserung der Symptome. Eine klinische Zulassungsstudie, an der das Universitätsklinikum Freiburg maßgeblich beteiligt war, wurde wegen sehr positiver Ergebnisse im August 2016 vorzeitig beendet. Im Eilverfahren wurde nun die Zulassung auf europäischer und deutscher Ebene beantragt. Das Universitätsklinikum Freiburg ist eines von drei Zentren in Deutschland, das den Wirkstoff schon vor der offiziellen Zulassung im Rahmen eines sogenannten Härtefallprogramms einsetzen darf. Die ersten Patienten wurden bereits mit dem Medikament behandelt.

„Nach Jahrzehnten der Forschung haben wir endlich ein Medikament, mit dem wir den schweren Krankheitsverlauf der Säuglinge positiv beeinflussen können“, sagt Prof. Dr. Jan Kirschner, Leitender Oberarzt der Klinik für Neuropädiatrie und Muskelerkrankungen des Universitätsklinikums Freiburg. „Wir sind den Familien und Selbsthilfegruppen sehr dankbar, die diesen Weg mit uns gegangen sind.“

Der nun eingesetzte Wirkstoff Nusinersen wurde unter anderem am Universitätsklinikum Freiburg im Rahmen einer internationalen klinischen Phase-III-Studie (ENDEAR) untersucht. Insgesamt waren 122 Säuglinge mit Spinaler Muskelatrophie Typ 1 beteiligt, die bei Studienbeginn unter sieben Monate alt waren. Bei einer Zwischenauswertung im August 2016 zeigte sich bereits nach 12 Monaten Behandlung der sehr positive Effekt von Nusinersen. Die mit dem Wirkstoff behandelten Säuglinge entwickelten sich motorisch deutlich besser als die Säuglinge der Kontroll-Gruppe, die nicht behandelt wurden.

Auch für die etwas weniger schwer betroffenen Kinder mit Spinaler Muskelatrophie Typ 2 konnten mittlerweile in einer Phase-III-Studie (CHERISH) eindeutige positive Effekte nachgewiesen werden.

„Wir hoffen bald vielen betroffenen Patienten und Familien mit diesem Medikament helfen zu können“, sagt Prof. Kirschner.

  •  „Für die schwer erkrankten Säuglinge mit Spinaler Muskelatrophie Typ I ist das schon jetzt im Rahmen des Härtefallprogramms möglich. Betroffene Familien sollten mit dem behandelnden Arzt besprechen, ob eine Behandlung in Frage kommt.“

Ursache der spinalen Muskelatrophie ist ein Defekt im Gen SMN1. 

Die Folge ist eine mangelhafte Produktion des Proteins SMN, das für das Überleben der Nervenzellen notwendig ist.

Der neue Wirkstoff wurde speziell für diese Erkrankung entwickelt. 
Er verändert den Ableseprozess eines sehr ähnlichen Gens (SMN2), wodurch eine gewisse Menge des SMN-Proteins produziert wird. Dies führt zur Verbesserung der Symptome.

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Prof. Dr. Jan Kirschner
Leitender Oberarzt
Klinik für Neuropädiatrie und Muskelerkrankungen
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Weitere Informationen für international Medizin am Abend Berlin Beteiligte
http://www.initiative-sma.de/ Initiative SMA der Deutschen Gesellschaft für Muskelkranke e.V.

https://www.uniklinik-freiburg.de/paed-neuro/forschung-und-studien/ag-neuromusku... 


Arbeitsgruppe Neuromuskuläre Erkrankungen, Klinik für Neuropädiatrie und Muskelerkrankungen

Bitte Pulsmessung....bei Diabetikern

Medizin am Abend Berlin Fazit: Erhöhtes Risiko für Vorhofflimmern bei Diabetes: Pulsmessung kann vor Schlaganfallgefahr schützen

Diabetiker sollten regelmäßig Puls messen / Herzstiftung erläutert Messung mit kostenfreier Pulskarte  
  • Oft werden Menschen von einem Schlaganfall getroffen, weil sie Vorhofflimmern haben, ohne es zu wissen.
  • Vorhofflimmern tritt bei über der Hälfte aller Patienten ohne Symptome oder Beschwerden auf. Unbehandelt und ohne schützende Wirkung gerinnungshemmender Medikamente sind sie schutzlos dem Schlaganfall ausgesetzt. 

Jedes Jahr verursacht Vorhofflimmern etwa 30.000 Schlaganfälle.  

Vorhofflimmern ist auch eine häufige Herzrhythmusstörung bei Diabetikern, die Schätzungen zufolge ein um 34 Prozent erhöhtes Risiko für Vorhofflimmern haben. 
 „Wir raten daher besonders Diabetikern zur regelmäßigen Pulsmessung, um dadurch frühzeitig Auffälligkeiten des Herzschlages wie Vorhofflimmern zu entdecken und sie durch einen Arzt abklären zu lassen. 
Dies gilt auch für Bluthochdruckpatienten sowie für Männer und Frauen ab dem 65. Lebensjahr, die auch ein erhöhtes Risiko für Vorhofflimmern haben“, betont Prof. Dr. med. Dr. h. c. Diethelm Tschöpe vom Wissenschaftlichen Beirat der Deutschen Herzstiftung. „Blutdruckgeräte zeigen meist Unregelmäßigkeiten des Pulses an oder man fühlt selbst seinen Puls“, empfiehlt der Herz- und Diabetesspezialist aus Bad Oeynhausen.

Wie Diabetes- und Herzpatienten sowie Gesunde zu Hause ganz leicht den Puls messen und so ihr Risiko für einen Schlaganfall senken können, zeigt die Pulskarte der Herzstiftung im Scheckkartenformat, die kostenfrei unter www.herzstiftung.de/puls-messen, per Telefon unter 069 955128-400 sowie per E-Mail unter bestellung@herzstiftung.de angefordert werden kann.

http://www.herzstiftung.de/presse/bildmaterial/pulskarte-32-2016.jpg


Spürbare Beschwerden nur bei etwa 50 Prozent der Betroffenen

Nur bei etwa der Hälfte der insgesamt ca. 1,8 Millionen Betroffenen macht sich Vorhofflimmern mit spürbaren Beschwerden wie innere Unruhe, Abgeschlagenheit, Herzklopfen, Herzrasen, Luftnot, Brustschmerzen und Schwindelgefühl bemerkbar. 

Als Panikattacke wird oft der schnelle und unregelmäßige Herzschlag anfallsweisen Vorhofflimmerns fehlgedeutet, so dass die Rhythmusstörung dann fatalerweise unbehandelt bleibt.

Allein mit Hilfe der Pulsmessung ließe sich die Mehrheit der Schlaganfälle als Folge des unbemerkten Vorhofflimmerns vermeiden, da die Betroffenen nach Aufdeckung der Rhythmusstörung mit gerinnungshemmenden Medikamenten vor dem Schlaganfall geschützt werden könnten.

„Auch Ärzte sollten beim Arztbesuch besonders dieser Patienten immer zuerst den Puls fühlen und bei Auffälligkeiten ein EKG machen“, betont der Kardiologe Prof. Dr. med. Thomas Meinertz, Vorstandsvorsitzender der Herzstiftung.

„Ist der Puls unregelmäßig oder liegt er in Ruhe über 100 Schläge pro Minute, sollte man so schnell wie möglich den Internisten oder Kardiologen aufsuchen, um zu klären, ob Vorhofflimmern dahinter steckt.“ 

  • Denn schon in wenigen Stunden können in den Herzvorhöfen Blutgerinnsel entstehen, die vom Blutstrom mitgeschleppt Arterien verschließen und je nach betroffenem Areal einen Schlaganfall verursachen. 
  • Vorhofflimmern ist meistens dadurch gekennzeichnet, dass das Herz völlig außer Takt ist, es schlägt chaotisch und rast mit einem Puls von bis zu 160 Schlägen pro Minute, selten sogar schneller.

Wie misst man den Puls? 

Zunächst bleiben Sie 5 Minuten ruhig sitzen. Dann suchen Sie mit dem Zeige- und Mittelfinger an der Innenseite des Unterarms unter dem Daumen die Unterarmarterie. Messen Sie den Puls 30 Sekunden lang und verdoppeln Sie das Ergebnis. Dabei lassen sich auch Unregelmäßigkeiten des Pulses feststellen.

Tipp: Worauf herzkranke Diabetiker zur Vermeidung von Komplikationen unbedingt achten sollten und was man mit Diabetesmedikamenten und gesundem Lebensstil erreichen kann, darüber informiert der neue Experten-Ratgeber „Herzprobleme bei Diabetes: Was tun?“ (32 S.) der Deutschen Herzstiftung, der kostenfrei unter www.herzstiftung.de/diabetes.html oder telef. unter 069 955128-400 oder per E-Mail unter bestellung@herzstiftung.de angefordert werden kann.

Die kostenfreie Pulskarte zur selbständigen Pulsmessung (Scheckkartengröße) kann angefordert werden bei der Deutschen Herzstiftung, Bockenheimer Landstr. 94-96, 60323 Frankfurt/Main, Tel. 069 955128-400, unter www.herzstiftung.de/puls-messen oder per E-Mail unter bestellung@herzstiftung.de

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Typ 1 Diabetes: Diagnose vor den ersten Symptomen

Medizin am Abend Berlin Fazit:  Bessere Therapie und Prävention von Typ 1 Diabetes

Anlässlich des Weltdiabetestages wiesen Wissenschaftler des Instituts für Diabetesforschung, Helmholtz Zentrum München, auf die Dringlichkeit einer frühen Diagnose des Typ 1 Diabetes hin. 

Im Allgemeinen wird die Autoimmunerkrankung erst in einem Stadium erkannt, wenn Krankheitsbeschwerden eine medizinische – häufig intensivmedizinische – Behandlung erforderlich machen. 

Eine Diagnose im frühen, präsymptomatischen Stadium der Erkrankung könnte es erlauben, durch neue Präventionstherapien die klinische Manifestation der Erkrankung zu vermeiden oder zu verzögern sowie akute Komplikationen zu minimieren. 
 
Weltweit steigt die Zahl der Kinder, die an Typ 1 Diabetes erkranken, um drei bis fünf Prozent pro Jahr.

Die Stoffwechselerkrankung ist derzeit noch nicht heilbar.

Forscher testen allerdings bereits Therapien, welche die Entstehung von Typ 1 Diabetes verhindern sollen.  

Hiervon könnten Personen profitieren, bei denen bereits ein Frühstadium der Erkrankung ohne klinische Symptome vorliegt.

Wie diese Personen bevölkerungsweit entdeckt werden könnten, legte das Institut für Diabetesforschung jetzt in zwei wissenschaftlichen Veröffentlichungen dar, die kürzlich in den Fachzeitschriften Diabetes sowie Diabetes Technology & Therapeutics erschienen sind.

Notwendigkeit von Reihenuntersuchungen
Während der klinische Typ 1 Diabetes klassischerweise mit dem Auftreten einer Hyperglykämie, das heißt mit zu hohen Blutzuckerwerten, diagnostiziert wird, kündigt sich die Erkrankung schon Monate bis Jahre vorher durch Autoantikörper im Blut an. 
  • Lassen sich mehrere der Diabetes-assoziierten Autoantikörper gegen Insulin, GAD, IA-2 und ZnT8 nachweisen, ist sehr wahrscheinlich mit dem späteren Auftreten eines klinisch-symptomatischen Typ 1 Diabetes zu rechnen“, so die Direktorin des Instituts für Diabetesforschung, Prof. Anette-G. Ziegler. 

Langzeitstudien konnten zeigen, dass bei etwa 70 Prozent der Patienten, die Typ 1 Diabetes in ihrer Kindheit oder Jugend entwickelten, diese Autoantikörper bereits im Alter von sechs Monaten bis fünf Jahren im Blut nachweisbar waren. 

Professor Ziegler hält die Reihenuntersuchung von Kindern in dieser Altersgruppe deshalb für besonders wichtig, insbesondere im Hinblick auf die Etablierung von neuen präventiven Therapieformen. 

„Ein Manko ist, dass gegenwärtig nur etwa 10 bis 15 Prozent der betroffenen Kinder mit Autoantikörpern die Teilnahme an Präventionsstudien angeboten wird, weil sich diese Studien in der Regel nur an Verwandte von Patienten mit Typ 1 Diabetes richten. Mit dem bayerischen Pilotprojekt Fr1da haben wir erstmalig den Versuch unternommen, allen Kindern mit einem unentdeckten Frühstadium der Erkrankung zu helfen.“

Im Rahmen der Fr1da-Studie ww.fr1da-studie.de wird allen bayerischen Kindern im Alter zwischen zwei und fünf Jahren bei ihrem Kinderarzt eine Untersuchung zur Früherkennung des Typ 1 Diabetes angeboten.

  • Mittlerweile verfolgen auch andere Studienprojekte ähnliche Ziele, wie die Fr1dolin-Studie in Niedersachsen mit Autoantikörpertests bei 2- bis 5-Jährigen oder die Freder1k-Studie, die in Sachsen das genetische Diabetesrisiko bei Neugeborenen untersucht www.gppad.org.

Vorteile einer Therapie im Frühstadium

Diejenigen Kinder, bei denen ein Frühstadium des Typ 1 Diabetes diagnostiziert wird, können an einer Präventionsstudie mit oralem Insulin teilnehmen www.typ1diabetes-verhindern.de. 

„Im Frühstadium der Erkrankung verspricht eine Therapie mit Insulinpulver einen besseren Erfolg als zum Zeitpunkt der klinischen Diagnose“, kommentiert Zieglers Kollege Priv.- doz. Dr. Peter Achenbach die bisherigen Erkenntnisse. Um den Erfolg von Immuntherapien besser überprüfen zu können, sollten seiner Meinung nach Biomarker weiterentwickelt werden, welche Aufschluss über Veränderungen des Stoffwechsels und des Immunsystems nach Behandlungsbeginn geben.

Wenn der Blutzuckerspiegel schon in einem asymptomatischen Frühstadium regelmäßig untersucht werde, bestehe außerdem ein geringeres Risiko für eine gefährliche Stoffwechselentgleisung (Ketoazidose), die jedes dritte Kind beim Ausbruch der Erkrankung erleidet. Zusätzlich trage der frühe Beginn einer Insulintherapie dazu bei, die glykämische Kontrolle zu verbessern und das Risiko für spätere Begleiterkrankungen zu senken.

Entwicklung eines Zweistufen-Tests

Eine Voraussetzung für die Früherkennung ist die Entwicklung von kostengünstigen und aussagekräftigen Labortests, die Reihenuntersuchungen überhaupt erst ermöglichen.

Die Wissenschaftler haben daher einen Zweistufen-Test etabliert, bei dem zunächst eine kombinierte Testung von drei der vier wichtigsten Diabetes-assoziierten Autoantikörper gegen GAD, IA-2 und ZnT8 im Blut erfolgt. 

Fällt dieser erste Screeningtest positiv aus, werden anschließend die drei Autoantikörper sowie zusätzlich noch die Autoantikörper gegen Insulin in jeweils separaten Tests untersucht.

Achenbach fasst die Ergebnisse folgendermaßen zusammen:

 „Der Zweistufen-Test erwies sich als sensitiv und spezifisch, um ein Frühstadium des Typ 1 Diabetes diagnostizieren zu können – und zwar gleichermaßen bei Untersuchung von venösem oder kapillarem Blut.“

Der Test kommt gegenwärtig in der Fr1da-Studie zur Anwendung. Insgesamt sollen hier 100.000 Blutproben untersucht werden.

Hintergrund: Fr1da-Studie

Die Fr1da-Studie ist ein weltweit einmaliges Projekt zur Früherkennung von Typ 1 Diabetes.

Im Rahmen der U-Untersuchungen beim Kinderarzt (U7, U7a, U8, U9), aber auch bei jedem anderen Kinderarzttermin, können alle in Bayern lebenden Eltern ihre Kinder im Alter zwischen zwei und fünf Jahren kostenlos auf ein Frühstadium des Typ 1 Diabetes untersuchen lassen. Der Test wird anhand weniger, aus dem Finger entnommener Blutstropfen durchgeführt.

Die Fr1da-Studie wird vom Helmholtz Zentrum München in Kooperation mit der Technischen Universität München, dem Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte e.V., dem Landesverband Bayern und dem PaedNetz Bayern sowie dem Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit und dem Bayerischen Staatsministerium für Gesundheit und Pflege durchgeführt. Schirmherrin des Projekts ist die bayerische Staatsministerin für Gesundheit und Pflege Melanie Huml, MdL.

Original-Publikationen:

Ziegler, AG. et al. (2016). Type 1 Diabetes Prevention – A Goal Dependent on Accepting a Diagnosis of Asymptomatic Disease, Diabetes 2016 Nov; 65(11):3233-3239
Ziegler, AG. et al. (2016). 3 Screen ELISA for High-Throughput Detection of Beta Cell Autoantibodies in Capillary Blood, DIABETES TECHNOLOGY & THERAPEUTICS, DOI:10.1089/dia.2016.0199

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Atemaussetzer - Schlafapnoe besonders bei Schwangeren

Medizin am Abend Berlin Fazit: Atemaussetzer im Schlaf führen zu schwerwiegenden Erkrankungen

Schlafmediziner stellen aktualisierte Leitlinie dazu auf ihrem Jahreskongress vor.

Wer unter Atemaussetzern im Schlaf leidet, ist sowohl gesundheitsgefährdet, als auch eine Gefahr für andere, etwa durch verminderte Wachheit im Straßenverkehr. Und diese Schlaferkrankung ist keineswegs selten – es ist ein deutlicher Anstieg der Krankheitshäufigkeit festzustellen. Grund genug für die Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM) den aktuellen Behandlungsstandard dazu zu überarbeiten. 

 
Vom 1. bis 3. Dezember trifft sich die Gesellschaft unter dem Leitmotiv „Schlafmedizin: grenzüberschreitend und innovativ“ zu ihrer 24. Jahrestagung in Dresden. Dort wird auch diese neue Leitlinie zu schlafbezogenen Atmungsstörungen vorgestellt.

Schlafbezogene Atmungsstörungen (SBAS), insbesondere das obstruktive Schlafapnoe-Syndrom (OSAS) kommen immer öfter vor. „Während in der Wisconsin Studie von 1993 ermittelt werden konnte, dass die Häufigkeit in der Altersgruppe zwischen 30 und 60 Jahren bei Frauen 2% und bei Männern 4% beträgt, wird in den vergangenen 20 Jahren ein Anstieg um 14-55% beobachtet.

Betrachtet man das höhere Lebensalter, so steigt die Häufigkeit nach dem 60. Lebensjahr bei Frauen auf ca. 25% an, bei Männern beträgt sie ca. 54%“, berichtet Prof. Dr. Maritta Orth, geschäftsführende Vorsitzende der DGSM.

Beim obstruktiven Schlafapnoesyndrom (OSAS) verengen sich die Atemwege, da die Spannkraft der Zungen- und Rachenmuskulatur im Schlaf nachlässt. 
  • Dies führt zu Atemaussetzern. Folgen davon sind, dass die betroffenen Patienten nicht die wichtigen Tiefschlaf- und Traumphasen erreichen und sich tagsüber müde und unkonzentriert fühlen. 
Und nicht erkannt oder behandelt besteht ein erhöhtes Risiko für schwerwiegende Erkrankungen.

Dazu erklärt Frau Prof. Orth:

„Gut erforscht sind mittlerweile die Auswirkungen von SBAS/OSAS auf das kardiovaskuläre System und ihre entscheidende Bedeutung für die Entstehung und Verschlechterung von Erkrankungen wie arterielle Hypertonie, Schlaganfall, Herzrhythmusstörungen, koronare Herzkrankheit, Einschränkung der kardialen Pumpleistung und plötzlicher Herztod.“

Demenz und kognitiver Abbau verschlechtern sich ebenfalls bei nachgewiesener Schlafapnoe und eine Behandlung mit einer Atemmaske wird hier empfohlen. 

Ein Bereich, dem aus der Sicht von Maritta Orth deutlich mehr Aufmerksamkeit zukommen müsste, ist die Schlafapnoe bei schwangeren Frauen: 

  • „Hier liegen erschreckende Zahlen über die Folgen bei Mutter und Kind vor.“ Neben dieser „Eigengefährdung“ stellen die SBAS auch eine Gefahr für die Allgemeinbevölkerung dar. So ist die Unfallneigung dieser Patienten beim Steuern eines Fahrzeuges, aber auch am Arbeitsplatz signifikant erhöht.
  • Die empfohlene Standardtherapie bei SBAS/OSAS ist die Verordnung einer Atemmaske, die sogenannte PAP- (positiver Atemwegsdruck) Therapie, deren Einstellung polysomnographisch und unter kontinuierlichen Überwachungsbedingungen erfolgen sollte. 
Bei vielen Patienten erfolgt nicht selten die eigentliche Geräteversorgung durch die Anbieter selbst.

„Häufig wird dem Patienten dann ein Gerät zur Verfügung gestellt, welches nicht dem im Schlaflabor verordneten Gerät entspricht, und von dem weder der Schlafmediziner noch der Patient wissen, ob die technischen Gegebenheiten beider Geräte identisch sein. 

Bedauerlich ist zudem, dass eine polysomnographische Kontrolle nicht mehr regelmäßig erfolgen darf, sondern nur in begründeten Ausnahmenfällen, etwa bei Änderungen des Körpergewichtes, schlechter Therapieeinstellung, fortbestehenden Beschwerden des Patienten“, erklärt Frau Prof. Orth die Schwierigkeiten bei der Behandlung.

  • Alternativ zu Überdruckverfahren können bei leicht- bis mittelgradigem OSAS Unterkieferprotrusionsschienen und im Falle, dass die Behandlung mit einer Atemmaske nicht möglich ist, neue Verfahren wie die Implantation eines Zungenschrittmachers eingesetzt werden.

Medizinische Leitlinien sind Handlungsempfehlungen für die Diagnostik und Therapie von Erkrankungen, wobei S3 die höchste Qualitätsstufe einer Leitlinie kennzeichnet.

Die aktualisierte DGSM-Leitlinie S3 zum Kapitel „Schlafbezogene Atmungsstörungen“ stellt ein Update der im Jahre 2009 erschienenen S3 Leitlinie zum Thema „Nichterholsamer Schlaf“ dar und beschreibt den aktuellen Stand von wissenschaftlichen Grundlagen im Hinblick auf die Diagnostik und die Therapie der SBAS/OSAS.

Weitere aktuelle Erkenntnisse dazu werden am Freitag, den 2. Dezember 2016, von 12.45 – 14.15 Uhr im Symposium „Update schlafbezogene Atmungsstörungen: die neue Leitlinie der DGSM“ auf der 24. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM) in Dresden ausgetauscht. Das gesamte Programm und alle wichtigen Kongressinformationen sind ersichtlich auf der Homepage http://www.dgsm-kongress.de.


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Diabetes: Osteoporose-Knochenbruch oder knochenstabilisierende Medikamente

Medizin am Abend Berlin Fazit: Diabetes geht auch auf die Knochen: Osteoporose vorbeugen, Brüche vermeiden

Osteoporose ist in Deutschland weit verbreitet: 

Etwa 6,3 Millionen sind davon betroffen. 

Die Techniker Krankenkasse fand im Jahr 2009 bei nahezu einem Viertel der über 50-jährigen Frauen einen Osteoporose-bedingten Knochenbruch oder knochenstabilisierende Medikamente. 

  • Auch Menschen mit Diabetes haben ein erhöhtes Osteoporoserisiko und dadurch auch für Knochenbrüche. 

Diese können Folgeerkrankungen wie Immobilität, Lungenentzündungen oder Langzeitbehinderung nach sich ziehen. 

  • Sie sind mit erheblichen Behandlungskosten und einem erhöhten Sterberisiko verbunden. 

Ursache für Osteoporose kann ein Vitamin-D-Mangel sein. 

Aber auch einzelne Diabetes-Medikamente können die Knochengesundheit schwächen 
 
Deshalb sollten Menschen mit Diabetes frühzeitig gezielt auf Osteoporose untersucht und behandelt werden. 


Dies war ein Themenschwerpunkt der 10. Herbsttagung der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG). Die Tagung fand unter dem Motto „Diabetes und Familie: Vorbeugen – Erkennen – Entlasten“ vom 11. bis 12. November 2016 im NCC NürnbergConvention Center in Nürnberg statt.

Die Stabilität des menschlichen Knochens ist erblich angelegt und wird durch Umweltfaktoren bereits früh beeinflusst.

Im frühen Erwachsenenalter ist die Knochendichte am höchsten und nimmt im weiteren Leben langsam ab.

Ein Diabetes mellitus kann den Abbau beschleunigen und – insbesondere mit längerer Diabetesdauer – Knochenbrüche begünstigen. 

„Hierbei spielt eine Rolle, ob die Menschen sich weniger körperlich bewegen, der Diabetes gut oder schlecht eingestellt ist, welche Diabetesmedikamente eingenommen werden und ob ein Vitamin-D-Mangel besteht“, sagt Professor Dr. med. Klaus Badenhoop, Tagungspräsident der Diabetes Herbsttagung in Nürnberg und Diabetologe aus Frankfurt am Main. 
  • Dabei komme ein Vitamin-D-Mangel auch bei Gesunden nicht selten vor, sei aber bei Diabetes besonders häufig. 
Niedrige Vitamin D Konzentrationen kommen besonders bei älteren Menschen vor.

Neben der Nahrungsaufnahme wird ein Großteil des täglichen Vitamin-D-Bedarfes vom Körper durch die Haut hergestellt.

Heute gehört Vitamin D aufgrund der gesicherten Wirkungen auf den Knochenstoffwechsel zur Basistherapie der Osteoporose. 

„Darüber hinaus gilt ein Vitamin-D-Mangel als Risikofaktor verschiedener anderer chronischer Erkrankungen“, erklärt Professor Badenhoop. Derzeit werde auch erforscht, ob ein Vitamin D Mangel sogar die Entwicklung eines Diabetes Typ 1 im Jugendalter beeinflusst.

  • Schon jetzt könne aber gesagt werden, dass ein Vitamin-D-Mangel bei bestehendem Diabetes mellitus vermieden und behandelt werden muss. 
 „Menschen mit Diabetes, egal ob Typ 1 oder 2 sollten gerade im Alter nicht warten, bis es zu Knochenbrüchen gekommen ist“, warnt Professor Badenhoop: „Ein Bluttest beim Hausarzt kann den Mangel rasch feststellen und eine frühzeitige Behandlung kann Spätschäden vermeiden.“

Im Rahmen der Kongress-Konferenz der 10. Diabetes Herbsttagung am 11. November 2016 in Nürnberg stellte Professor Badenhoop neue Erkenntnisse zu Osteoporose bei Diabetes vor.

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360° TOP-Thema: Rettungsstelle-KANZEL: Die NARKOSE ....Anästhesie

Medizin am Abend Berlin Fazit:  Narkose verändert neuronale Choreographie

Neue Erkenntnisse über Aktivitätsmuster des Gehirns unter Anästhesie  
  • Selbst während einer tiefen Anästhesie sind Nervenzellen hochaktiv. 
Wie Wissenschaftler der Charité – Universitätsmedizin Berlin in einer Studie zeigen konnten, bleiben die Zellen im Gehirn in Aktion, obwohl das Bewusstsein komplett ausgeschaltet ist. 

Allerdings verändern sie ihren Arbeitsmodus. 
Die Neurone arbeiten unter einer Anästhesie synchron und sie reagieren unerwartet empfindlich auf Umweltreize, wie die Wissenschaftler im Fachmagazin Frontiers in Cellular Neuroscience* berichten.
 Hochaktiv und gleichgeschaltet: Nervenzellen während der Anästhesie.

Hochaktiv und gleichgeschaltet: Nervenzellen während der Anästhesie. Thomas Splettstoesser.

Eine der schwierigsten Forschungsaufgaben der Neurowissenschaften besteht darin, zu klären, auf welche Weise das Gehirn Bewusstsein produziert. Um einer Antwort näher zu kommen, hat ein Team um Dr. Mazahir T. Hasan, Wissenschaftler im Rahmen des Exzellenzclusters NeuroCure an der Charité gemeinsam mit Kollegen am Max-Planck-Institut für medizinische Forschung Heidelberg die Gehirnaktivität von Mäusen im wachen, bewussten Zustand und unter Anästhesie verglichen. Die jeweilige Aktivität der Nervenzellen haben die Forscher visualisiert. NeuroCure-Wissenschaftler Dr. Hasan erklärt: „Wir haben ein Fluoreszenzprotein eingesetzt, das elektrische Signale in Lichtsignale umwandelt. Die Anzahl und die durchschnittliche Höhe der Entladungen sowie die Synchronität der Nervenzellen im Netzwerk konnten so aufgezeigt werden.“

Entsprechend der Ergebnisse scheint das Bewusstsein im Gehirn nicht einfach von der Anzahl an aktiven Nervenzellen im Kortex abzuhängen, sondern vielmehr von den Feinheiten, wie diese miteinander kommunizieren und inwiefern sie ihr Verhalten gegeneinander kontrastieren können.

Während die Nervenzellen des Kortex im wachen Zustand in komplexen Mustern zu unterschiedlichen Zeiten aufleuchten, ist unter Anästhesie zu beobachten, dass sie alle gleichzeitig und gleichartig aktiv sind. 

  • „Entgegen der plausiblen Annahme, das Gehirn höre unter Anästhesie auf, aktiv zu sein, verändert es lediglich die Art und Weise zu arbeiten. 
  • Die Stärke der Nervenzellentladungen verändert sich laut unserer Studie dabei nicht“, so der Erstautor der Studie Thomas Lissek, Neurobiologe in Heidelberg. 
  • Unerwartet ist ebenfalls die Beobachtung, dass Nervenzellen unter Anästhesie sensibler als im wachen Zustand auf Reize aus der Umwelt reagieren. 

„Eine überraschende Beobachtung, da eine Anästhesie ja insbesondere verwendet wird, um Schmerz- und Umweltreize während einer Operation einzudämmen“, so Thomas Lissek.

Eine Hirnregion, die normalerweise für Tastinformation zuständig ist, fing sogar an, auf akustische Reize zu reagieren.

Die neuen Einblicke in die Aktivitätsmuster der Neurone geben Hinweise, welche zellulären Parameter mit Bewusstsein und Bewusstseinsverlust verbunden sind. Zusammen mit weiteren Fortschritten, um neuronale Aktivität bei Menschen zu messen, könnten sie dazu beitragen, die Diagnostik zu verbessern, beispielsweise bei Komapatienten oder Patienten mit Locked-In-Syndrom. Erstmalig demonstriert die aktuelle Studie, dass es möglich ist, visuell identifizierbare neuronale Netzwerke über einen Zeitraum von mehreren Wochen zu beobachten, um die Effekte von Anästhesie weiter zu untersuchen. „Wir gehen davon aus, dass die Anästhesie-Forschung tiefgreifende Erkenntnisse für das menschliche Bewusstsein zu Tage bringen wird”, folgert Dr. Hasan.

Originalpublikation: Thomas Lissek, Horst A. Obenhaus, Désirée A. W. Ditzel, Takeharu Nagai, Atsushi Miyawaki, Rolf Sprengel, and Mazahir T. Hasan. General Anesthetic Conditions Induce Network Synchrony and Disrupt Sensory Processing in the Cortex. Frontiers in Cellular Neuroscience. 2016; 10: 64. doi: 10.3389/fncel.2016.00064.

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