Qualitätszirkel Nieren- und Dialysen

Kardiologie Potsdam

Cardiovascular Prevention Center @Charité

Herzinsuffizienz

Universitätzmedizin Rostock

Universitätsmedizin Greiswald

Alexianer St. Josephs Potsdam

Dialyse-Pflege-Standard

salt

PICS Ambulanz

Dr.Vetter

Woran erkranken wir in Deutschland?

BG Klinken - Post-COVID-Programm

Herz Check

EMA

Dr. Heart

Herzhose

Lauflabor

IKDT

Online Strafanzeigen

medpoint - Fortbildungskalendar

Was hab ich?

Healthtalk

BKV Info

BKG

KHS BB

KHS BB
.

Kardiologie

Urologie Berlin

bbgk

VEmaH

ProBeweis

jkb

zurück ins leben

CRO

Gewebenetzwerk

Anamnese- und Untersuchungsbogen

Diagnostische Pfade

CIRS Bayern

Gender Medizin

idw

Prof. Dr. Daniela Wenzel: Aortenerkrankungen - Aortenaneurysmen am Gefässbogen und im Bauchabschnitt

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Warum Aortenaneurysmen am Gefäßbogen oder im Bauchabschnitt entstehen

Platzt eine Gefäßaussackung an der Hauptschlagader, bedeutet das akute Lebensgefahr. 

Solche sogenannten Aortenaneurysmen bilden sich typischerweise an immer denselben Stellen des großen Blutgefäßes: entweder am oberen Bogen oder im Bauchraum.

 „Wir wollten wissen, warum es immer ausgerechnet diese Stellen sind – was unterscheidet sie von anderen?“, erklärt Prof. Dr. Daniela Wenzel, Leiterin des Lehrstuhls für Systemphysiologie an der Ruhr-Universität Bochum. 

Untersuchungen der Genaktivität der innersten Gefäßschicht zeigten, dass es schon bei gesunden Mäusen Auffälligkeiten an genau diesen Stellen gibt. 

Das Forschungsteam berichtet in der Zeitschrift Angiogenesis vom 4. Juli 2024

Daniela Wenzel erforscht Aortenerkrankungen in Bochum und Bonn. Daniela Wenzel erforscht Aortenerkrankungen in Bochum und Bonn. © RUB, Marquard

Stempeltechnik erlaubt RNA-Analyse des Endothels

Um herauszufinden, was die immer wieder betroffenen Gefäßregionen von anderen unterscheidet, entwickelten Daniela Wenzel und ihr Team aus Bochum und Bonn, welches dem Sonderforschungsbereich/Transregio 259 „Aortenerkrankungen“ angehört, eine Methode, um gezielt das Endothel der Aorta zu untersuchen: die innerste Schicht des Blutgefäßes.  

„Von anderen Gefäßerkrankungen wie zum Beispiel Arteriosklerose ist bekannt, dass es schon lange vor dem Auftreten von Symptomen Veränderungen in dieser innersten Schicht gibt“, so die Forscherin.

Es gelang den Forschenden, mittels einer Stempeltechnik unter großer Kälte ausschließlich die Endothelzellen der Aorta gesunder Mäuse zu isolieren. Aus diesen kleinen Proben, die nur rund 350 einzelne Zellen umfassten, konnten sie die RNA isolieren und untersuchen. Sie analysierten so die Genaktivität an verschiedenen Stellen der Aorta und verglichen die Stellen, an denen sich häufig Aneurysmen bilden, mit solchen, die diese Tendenz nicht zeigen.

Genetische Auffälligkeiten

„An den Stellen, an denen sich häufig Aussackungen bilden, haben wir bestimmte Muster hochregulierter Gene gefunden“, berichtet Alexander Brückner, Doktorand in der Arbeitsgruppe am Institut für Physiologie I des Universitätsklinikums Bonn und der Universität Bonn und Erstautor der Studie. „Diese auffällig aktiven Gene beeinflussen zum Beispiel Veränderungen der extrazellulären Matrix, die Neubildung von Gefäßen und bestimmte Entzündungsreaktionen.“ Solche genetischen Auffälligkeiten findet man auch in Gewebe aus humanen Aneurysmen. Die Forschenden bestimmten zusätzlich die Steifigkeit des Endothels an den gesunden Aortenproben zusammen mit Kooperationspartnern aus dem Institut für Physiologie der Universität Lübeck. Je weniger elastisch das Endothel ist, desto schlechter ist das für die Gefäßgesundheit. Sie konnten nachweisen, dass das Endothel an den Stellen, an denen häufig Aneurysmen entstehen, steifer war als an den Vergleichsstellen.

Im nächsten Schritt nutzte das Team ein etabliertes Modell einer Knock-out-Maus, die aufgrund einer gezielten genetischen Veränderung zur Bildung von Aneurysmen neigt. Löst man bei diesen Mäusen zusätzlich Bluthochdruck aus, bilden sich Aortenaneurysmen. Sie verglichen die genetische Aktivität im Aortenendothel der genetisch veränderten Mäuse ohne Aneurysma mit der bei Mäusen, die durch zusätzlichen Bluthochdruck ein Aneurysma entwickelt hatten. „Bei den Mäusen mit Aneurysma haben wir in erheblich stärkerem Ausmaß Genveränderungen vorgefunden, die derselben Kategorie angehören wie die Genveränderungen bei gesunden Mäusen“, so Alexander Brückner. Bei den Mäusen mit einem Aneurysma war zusätzlich die Gefäßwand verändert.“

Die Forschenden schließen daraus, dass die Stellen, an denen sich häufig Aneurysmen bilden, von vornherein Schwachstellen sind.  

„Die Gründe dafür kennen wir nicht – vielleicht hängt das mit den mechanischen Gegebenheiten und dem dortigen Blutfluss zusammen, vielleicht ist die veränderte Genaktivität an diesen Stellen von Geburt an angelegt“, erklärt Daniela Wenzel. 

Letzteres erscheint plausibel, da sich die Aorta auf verschiedenen Höhen aus unterschiedlichen embryonalen Vorläuferzellen entwickelt. 

„Wenn dann noch Risikofaktoren hinzukommen – etwa Rauchen und Bluthochdruck – sind diese Stellen für die Bildung einer Gefäßaussackung besonders anfällig“, erklärt die Medizinerin.

Sie hofft, durch die Grundlagenforschung die Prozesse, die zur Bildung eines Aneurysmas führen, besser verstehen zu können, und so irgendwann zu Ansätzen für eine medikamentöse Behandlung zu gelangen.

Kooperationspartner

An der Studie waren Forschende der Abteilung Systemphysiologie der Ruhr-Universität Bochum, des Life & Brain Centers am Institut für Physiologie der Universität Bonn, des Instituts für Physiologie der Universität Lübeck, des Deutschen Zentrums für Herz-Kreislauf-Forschung Lübeck sowie des Herzzentrums des Universitätsklinikums Bonn beteiligt.

Förderung

Die Arbeiten wurden gefördert von der Deutschen Forschungsgemeinschaft im Rahmen des Sonderforschungsbereichs SFB/TR 259.

Aortenaneurysma

Drei bis vier Prozent der Bevölkerung zwischen 65 und 75 Jahren leiden etwa an einer Gefäßaussackung der Hauptschlagader. 

Männer sind sechsmal häufiger betroffen als Frauen. 

Es gibt zurzeit keine Therapieoption, die das Fortschreiten eines Aneurysmas aufhalten kann. 

Lediglich ein Stent kann das Gefäß stabilisieren. 

Platzt ein Aneurysma, besteht Lebensgefahr. 

Viele Betroffene verbluten, bevor sie medizinische Hilfe erhalten können. 

Gelangt ein Patient schnell genug ins Krankenhaus, muss offen operiert werden – ein risikoreicher Eingriff. 

Medizin am Abend Berlin DirektKontakt

 






 

 

 

 
 
 
Über Google: Medizin am Abend Berlin
idw - Informationsdienst Wissenschaft e. V.

Prof. Dr. Daniela Wenzel
Institut für Physiologie
Lehrstuhl für Systemphysiologie
Medizinische Fakultät
Ruhr-Universität Bochum
Tel.: +49 234 32 29100
E-Mail: daniela.wenzel@ruhr-uni-bochum.de
Webseite der Abteilung

Prof. Dr. Bernd K. Fleischmann
Institut für Physiologie I des Universitätsklinikums Bonn
Medizinische Fakultät Universität Bonn
Tel.: +49 228 6885 200
E-Mail: bernd.fleischmann@uni-bonn.de

Universitätsstr. 150
44780 Bochum
Postfach 10 21 48
44780 Bochum
Deutschland
Nordrhein-Westfalen

E-Mail-Adresse: info@ruhr-uni-bochum.de

Meike Drießen
Telefon: +49 234 32 26952
E-Mail-Adresse: meike.driessen@rub.de


Originalpublikation:

Alexander Brückner, Adrian Brandtner, Sarah Rieck, Michaela Matthey, Caroline Geisen, Benedikt Fels, Marta Stei, Kristina Kusche‑Vihrog, Bernd K. Fleischmann, Daniela Wenzel: Site‑specific genetic and functional signatures of aortic endothelial cells at aneurysm predilection sites in healthy and AngII,ApoE−/− mice, in: Angiogenesis, 2024, DOI: 10.1007/s10456-024-09933-9

Dr. med. Simon Fietz: PD Dr. Dimo Dietrich: Biomarker für Schwarzer Hautkrebs Melanom

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Biomarker könnte Vorhersage des Ansprechens auf Immuntherapie bei schwarzem Hautkrebs verbessern

Wenn schwarzer Hautkrebs gestreut hat, gibt es verschiedene Therapien, die angewendet werden können. 

  • Bislang ist jedoch noch unzureichend erforscht, wer auf welche Therapie anspricht und ob sich eventuell im Verlauf eine Resistenz ausbildet. 

Dr. Simon Fietz, Assistenzarzt an der Klinik für Dermatoonkologie & Phlebologie im Zentrum für Hauterkrankungen des Universitätsklinikums Bonn (UKB) und PD Dr. Dimo Dietrich, Wissenschaftler der Klinik und Poliklinik für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde (HNO) des UKB, haben in einer neuen Studie herausgefunden, dass ein bestimmter Flüssigbiopsie-Biomarker wichtige Informationen liefern könnte, um frühzeitig zu erkennen, wie gut eine Behandlung anschlägt. 

 (v.l.) Dr.Simon Fietz, Assistenzarzt an der Klinik für Dermatoonkologie & Phlebologie im Zentrum für Hauterkrankungen des UKB und PD Dr. Dimo Dietrich, Wissenschaftler der Klinik und Poliklinik für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde des UKB

 (v.l.) Dr.Simon Fietz, Assistenzarzt an der Klinik für Dermatoonkologie & Phlebologie im Zentrum für Hauterkrankungen des UKB und PD Dr. Dimo Dietrich, Wissenschaftler der Klinik und Poliklinik für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde des UKB R. Müller Universitätsklinikum Bonn (UKB)

  • Demnach könnte für Patientinnen und Patienten mit einem Melanom eine individuellere Behandlung ermöglicht werden. 

Die Ergebnisse sind nun im renommierten Fachjournal "Clinical Chemistry" veröffentlicht worden.

Die Immuntherapie mit PD-1-Hemmern ist eine gängige Therapie bei Patientinnen und Patienten mit einem Melanom, die sowohl palliativ als auch adjuvant angewandt wird. 

„Allerdings wirkt diese Therapie nicht bei allen Betroffenen. Bei einigen liegt eine Resistenz vor oder diese entwickelt sich während der Therapie“, sagt Dr. Fietz, der auch an der Universität Bonn forscht. „In unserer Studie haben wir nun eine Methode entwickelt, mit welcher wir frühzeitig herausfinden können, wer auf die Behandlung anspricht und wann man die Therapie wechseln sollte.“

Biomarker liefert wichtige Informationen

Die Forschenden haben dafür das Blut, sowohl von Betroffenen als auch von Personen ohne Tumor, auf Biomarker untersucht und dabei festgestellt, dass ein bestimmter Biomarker (SHOX2 Methylierung von zirkulierender zellfreier DNA im Blutplasma) direkt von den Tumorzellen kommt. 

Insgesamt wurden 42 Patientinnen und Patienten unter palliativer und 55 Patientinnen und Patienten unter adjuvanter anti-PD-1-Immuntherapie untersucht. Die Werte wurden mit 126 Kontrollpatientinnen und –patienten ohne Krebs verglichen. Die Forschergruppe rund um Dr. Fietz und PD Dr. Dietrich untersuchte den SHOX2-Methylierungstatus im Blutplasma vor und 4 Wochen nach Beginn der Behandlung, um das Ansprechen auf die Therapie und das Überleben vorherzusagen und zu bewerten. 

Dabei stellten sie fest, dass der SHOX2-Methylierungsspiegel bei 60 Prozent der Melanompatientinnen und –patienten erhöht war, während 98 Prozent der Kontrollgruppe niedrige Spiegel aufwiesen. 

Darüber hinaus sprach die Therapie besonders gut bei Betroffenen an, die vor der Behandlung einen erhöhten Spiegel aufwiesen und dieser nach 4 Wochen abnahm.

  • „Die Ergebnisse unserer Studie deuten darauf hin, dass die SHOX2 Methylierung im Blut ein vielversprechender Prädikator für das Ansprechen auf eine anti-PD-1-Therapie bei Melanompatientinnen und –patienten sein könnte. 
  • Ein Test auf diesen Biomarker kann demnach individuelle Behandlungsentscheidungen unterstützen, indem er frühzeitig anzeigt, ob eine anti-PD-1-Therapie bei den Betroffenen wirksam ist“, erklärt Dr. Fietz 

„Zusätzlich half uns der Test auf diesen Biomarker auch dabei, Metastasen bei adjuvant behandelten Patienten frühzeitig zu erkennen.“

Die Ergebnisse könnten somit einen wichtigen Beitrag zur Verbesserung der Behandlung von Patientinnen und Patienten mit einem Melanom leisten. 

Zur weiteren Manifestierung dieser Ergebnisse läuft am UKB jetzt eine größere Folgestudie, bei welcher unter anderem verschiedene Biomarker miteinander kombiniert werden. 

„Durch die Kombination streben wir eine noch höhere Präzision und Verlässlichkeit in der Diagnostik an, um letztendlich die Patientenversorgung für Betroffene mit einem Melanom zu verbessern“, erklärt Dr. Fietz.

Publikation: Simon Fietz et al.; Circulating Cell-Free SHOX2 DNA Methylation Is a Predictive, Prognostic, and Monitoring Biomarker in Adjuvant and Palliative Anti-PD-1-Treated Melanoma; DOI: https://doi.org/10.1093/clinchem/hvad230

Medizin am Abend Berlin DirektKontakt

 







 
 
 
 
 
 
 
 
 
Über Google: Medizin am Abend Berlin
idw - Informationsdienst Wissenschaft e. V.

Dr. med. Simon Fietz
Assistenzarzt an der Klinik für Dermatoonkologie & Phlebologie
Im Zentrum für Hauterkrankungen des UKB
Simon.Fietz@ukbonn.de

Jana Schäfer Universitätsklinikum Bonn

Venusberg-Campus 1
53127 Bonn
Deutschland
Nordrhein-Westfalen

Viola Röser
Telefon: +49 228 287-10469
E-Mail-Adresse: viola.roeser@ukbonn.de

Felix Heyder
Herzzentrum
Telefon: 0228 / 287-11904
E-Mail-Adresse: felix.heyder@ukbonn.de


 


Originalpublikation:

Simon Fietz et al.; Circulating Cell-Free SHOX2 DNA Methylation Is a Predictive, Prognostic, and Monitoring Biomarker in Adjuvant and Palliative Anti-PD-1-Treated Melanoma; DOI: https://doi.org/10.1093/clinchem/hvad230

Prof. Dr. Helge Hebestreit: Kombinierte Betreuung durch somatische und psychiatrisch-psychosomatische Fachärztinnen und Fachärzte

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: G-BA empfiehlt duale Lotsenstruktur bei unklarer Diagnose

Fachärztinnen und Fachärzte für psychische Gesundheit verbessern diagnostischen Prozess in Zentren für Seltene Erkrankungen 

Prof. Dr. Helge Hebestreit (2.v.l.) hat in einer multizentrischen Studie gezeigt, dass die Beurteilung einer Seltenen Erkrankung mit der Einbeziehung einer/s Expertin/en für psychische Gesundheit in die Diagnostik besser gelingt. Prof. Dr. Helge Hebestreit (2.v.l.) hat in einer multizentrischen Studie gezeigt, dass die Beurteilung einer Seltenen Erkrankung mit der Einbeziehung einer/s Expertin/en für psychische Gesundheit in die Diagnostik besser gelingt. Kirstin Linkamp UKW

ZSE-DUO ist eine vom Uniklinikum Würzburg geleitete multizentrische Studie, in der eine neue Versorgungsform zur besseren Betreuung von Menschen mit unklaren und komplexen Beschwerden und Verdacht auf eine Seltene Erkrankung umgesetzt und untersucht wurde. 

  • Kern des Projekts war eine duale Lotsenstruktur an insgesamt elf deutschen Zentren für Seltene Erkrankungen (ZSE), bei der die Patientinnen und Patienten von Anfang an eine kombinierte Betreuung durch somatische und psychiatrisch-psychosomatische Fachärztinnen und Fachärzte erhielten.

Aufnahme der dualen Betreuung in die Regelversorgung

Die im EClinicalMedical publizierte Evaluation zeigt, dass die Einbeziehung einer Fachärztin beziehungsweise eines Facharztes aus dem Bereich Psychiatrie oder Psychosomatik die Diagnosefindung verbessert und beschleunigt, mehr Patientinnen und Patienten in die Regelversorgung überführt werden können, und die Zufriedenheit bei einer dualen Betreuung steigt.  

Nun hat auch der Innovationsausschuss beim Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) zum Projekt ZSE-DUO einen äußerst positiven Beschluss veröffentlicht.  

Er empfiehlt den relevanten Entscheidungsträgern eine Integration der neuen Versorgungsform in bestehende Vertrags- und Gesetzesregelungen zu prüfen.

Anteil der Diagnosen in Interventionsgruppe mehr als doppelt so hoch

Insgesamt erhielten Patientinnen und Patienten mit dualer Betreuung ihre Diagnose schneller und wurden häufiger zur Weiterbehandlung überwiesen als die Personen mit Standardversorgung. 

  • Der Anteil der Patientinnen und Patienten, die innerhalb von zwölf Monaten eine Diagnose erhielten, die ihre Symptome vollständig erklärte, war mit der innovativen dualen Versorgung mit 42 Prozent mehr als doppelt so hoch wie in der Standardversorgung durch nur einen somatischen Facharzt mit 19 Prozent. 

Die Zahl der Erkrankten, die erfolgreich in die Regelversorgung überführt wurden, verdoppelte sich von 12,3 auf 27,5 Prozent. Während der Anteil der Seltenen Erkrankungen in beiden Gruppen ähnlich war, wurden in der Interventionsgruppe signifikant mehr psychische Störungen und nicht-seltene somatische Erkrankungen diagnostiziert. Und trotz der zusätzlichen Termine durch die psychiatrisch-psychosomatische Betreuung war die Zufriedenheit der Patientinnen und Patienten aus der Interventionsgruppe höher.

Psychische Symptome bis hin zu psychischen Erkrankungen

Weltweit sind schätzungsweise 300 Millionen Menschen von einer der rund 7.000 bis 10.000 Seltenen Erkrankungen betroffen. 

Aufgrund der unspezifischen Symptome und der Auswirkungen auf mehrere Organsysteme gleicht der Weg zur Diagnose oft einer Odyssee. 

Die komplexe Symptomatik umfasst häufig auch psychische Symptome bis hin zu psychischen Erkrankungen. 

Manchmal entwickeln sich die Symptome erst im Laufe der langwierigen Diagnostik, manchmal treten sie unabhängig von der Seltenen Erkrankung auf oder imitieren diese sogar. 

Aber: eine Seltene Erkrankung kann auch als psychische Erkrankung fehldiagnostiziert werden.

„Die Ergebnisse unserer Studie sind eindeutig und legen eine interdisziplinäre Herangehensweise nahe. 

Die frühzeitige Einbeziehung einer Spezialistin oder eines Spezialisten für psychische Gesundheit sollte ein integraler Bestandteil der Diagnostik und Behandlung von Personen mit einer vermuteten Seltenen Krankheit sein“, sagt Prof. Dr. Helge Hebestreit, Direktor des Zentrums für Seltene Erkrankungen (ZESE) am UKW.

Der Ergebnis- und Evaluationsbericht sowie der Beschluss des G-BA zum Projekt ZSE-DUO können hier eingesehen werden: 

https://innovationsfonds.g-ba.de/beschluesse/zse-duo-duale-lotsenstruktur-zur-ab...

Beteiligte Einrichtungen:
Für die Studie wurden Patientinnen und Patienten in den Zentren für Seltene Erkrankungen an den (Universitäts-)Klinika in Aachen, Bochum, Frankfurt/Main, Hannover, Magdeburg/Halle, Mainz, Münster, Regensburg, Tübingen Ulm und Würzburg rekrutiert. An der Datenanalyse waren Einrichtungen des Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, der Medizinische Hochschule Hannover und der Universität Würzburg beteiligt. Weitere Konsortialpartner waren ACHSE e.V., die Techniker Krankenkasse; IKK gesund plus. Die AOK Hessen war als Kooperationspartner dabei.

Die Studie wurde durch den Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschusses in Deutschland finanziert, Förderkennzeichen 01NVF17031. 

Medizin am Abend Berlin DirektKontakt






 

 

 

Über Google: Medizin am Abend Berlin
idw - Informationsdienst Wissenschaft e. V.
 
Prof. Dr. Helge Hebestreit 

zese@ukw.de 

Telefon: +49 931 201-29029

Josef-Schneider-Str. 2 Haus D3
97080 Würzburg
Deutschland
Bayern

Susanne Just
Telefon: 0931/201-59447
Fax: 0931/201-60 59447
E-Mail-Adresse: just_s@ukw.de 
Originalpublikation:

Helge Hebestreit et. al. Effect of the addition of a mental health specialist for evaluation of undiagnosed patients in centres for rare diseases (ZSE-DUO): a prospective, controlled trial with a two-phase cohort design, eClinicalMedicine, Volume 65, 2023, 102260, ISSN 2589-5370, https://doi.org/10.1016/j.eclinm.2023.102260.


Weitere Informationen für international Medizin am Abend Berlin Beteiligte und Interessierte

https://www.ukw.de/behandlungszentren/zentrum-fuer-seltene-erkrankungen-zese/akt... - Ausführliche Pressemeldung zur Publikation


https://innovationsfonds.g-ba.de/beschluesse/zse-duo-duale-lotsenstruktur-zur-ab... - Ergebnisse und Evaluationsbericht


Prof. Dr. Jürgen Beck: Der hämorrhagische, blutiger Schlaganfall - die tiefe Hirnblutungen: Die Wirkung einer Kraniektomie zur Druckentlastung

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Schlaganfall: Erstmals Hinweise auf wirksame Therapie bei schweren Hirnblutungen

Blutungen in tiefen Gehirnbereichen sind meist lebensbedrohlich / Bislang kaum Therapiefortschritte / Internationales Team unter Leitung des Universitätsklinikums Freiburg findet erstmals Hinweise auf positiven Effekt durch temporäre Schädelöffnung/ Veröffentlichung am 15.5.2024 in The Lancet und zeitgleiche Vorstellung auf dem European Stroke Organisation Congress (ESOC) 

Um schwere Druckschäden nach einer Hirnblutung zu verhindern, haben die Ärzt*innen in der Studie temporär einen Teil des Schädelknochens entfernt. Nach dem Abschwellen – meist nach einigen Wochen – wurde der Knochen wieder implantiert.Um schwere Druckschäden nach einer Hirnblutung zu verhindern, haben die Ärzt*innen in der Studie temporär einen Teil des Schädelknochens entfernt. Nach dem Abschwellen – meist nach einigen Wochen – wurde der Knochen wieder implantiert. Universitätsklinik für Neurochirurgie, Inselspital Bern

Mehr als 50.000 Menschen in Deutschland erleiden jährlich eine spontane Blutung im Gehirn. 

Ein solcher hämorrhagischer beziehungsweise blutiger Schlaganfall ist akut lebensgefährlich. 

  • Gerade tief im Gehirn liegende Blutungen haben meist massive Konsequenzen. 
  • Die Blutung und folgende Schwellungen üben Druck auf das umgebende Gehirngewebe aus und führen so zu weitreichenden Schäden im Gehirn. 

Eine wirksame Therapie gibt es bislang nicht. 

Nun gibt es erstmals wertvolle Hinweise auf einen wirksamen neurochirurgischen Ansatz, wie ein internationales Team um Ärzt*innen der Universitätskliniken Freiburg und Bern, Schweiz, zeigt. Sie fanden Hinweise, dass ein Öffnen der Schädeldecke und damit eine Druckminderung im Gehirn zu weniger schweren Verläufen führt Die sogenannte SWITCH-Studie erschien am 15. Mai 2024 im führenden Fachmagazin The Lancet und wurde zeitgleich auf dem Kongress der European Stroke Organisation (ESOC) in Basel vorgestellt.

„In dieser Studie stecken 14 Jahre Arbeit und Herzblut“, sagt Prof. Dr. Jürgen Beck, Ärztlicher Direktor der Klinik für Neurochirurgie des Universitätsklinikums Freiburg. Er hat die Studie gemeinsam mit Prof. Dr. Urs Fischer vom Inselspital des Universitätsklinikums Bern, Schweiz, geleitet. „Die SWITCH-Studie liefert erstmals starke Hinweise für einen wirksamen Therapieansatz beim tiefen hämorrhagischen Schlaganfall. Künftig wird es darum gehen, die Ergebnisse individuell auf die einzelnen Patient*innen anzuwenden.“

Tiefliegende Blutungen sind besonders gefährlich

  • Blutungen in tiefliegenden Regionen des Gehirns sind für Patient*innen besonders gefährlich. 
  • Sie führen oft zu schweren Behinderungen, Pflegebedürftigkeit und hoher Sterblichkeit. 
  • Die Behandlungsmöglichkeiten sind derzeit auf blutdrucksenkende und blutungsstillende Medikamente begrenzt und oft nicht ausreichend – eine durch Studien gesichert wirksame Therapie gibt es gar nicht. 

Gleichzeitig ist die Forschung im Bereich der tiefen Hirnblutungen besonders anspruchsvoll, da die betroffenen Gehirnareale schwer zugänglich sind und Blutungen schnell lebensbedrohlich werden. 

Bisherige Studien zu verschiedenen Operationsmethoden scheiterten daran, einen klaren Vorteil für Patient*innen zu zeigen.

Die SWITCH-Studie untersuchte daher gezielt die Wirkung einer Kraniektomie zur Druckentlastung bei besonders schwer betroffenen Patient*innen.  

  • Dabei wurde ein Teil der Schädeldecke entfernt und nach Rückgang der Schwellung wieder implantiert. Die Patient*Innen erhielten entweder die bisherige Standardtherapie oder die Standardtherapie in Kombination mit der Dekompressions-Kraniektomie.

Ergebnisse machen Hoffnung – weitere Forschung nötig

In die SWITCH-Studie wurden über 9,5 Jahre hinweg 197 Teilnehmer*innen aufgenommen, die alle einen schweren tiefliegenden hämorrhagischen Schlaganfall hatten. Die Patient*innen waren zwischen 18 und 75 Jahren und im Schnitt 61 Jahre alt. Die Behandlung fand in 42 Schlaganfallzentren in Belgien, Deutschland, Finnland, Frankreich, Niederlanden, Österreich, Schweden, der Schweiz und Spanien statt. Aufgrund einer auslaufenden Finanzierung konnte das ursprüngliche Studienziel von 300 Teilnehmenden nicht erreicht werden. Bewertet wurden die Effekte insbesondere anhand einer etablierten Skala zur neurologischen Einschätzung nach Schlafanfall, der modifizierten Rankin-Skala von 0 (keine Beschwerden) bis sechs (Tod).

Ein halbes Jahr nach dem Eingriff wurden 44 Prozent der Patient*innen nach Kombinationstherapie den schlechtesten Stufen 5-6 zugeordnet, ohne neurochirurgischen Eingriff waren es 58 Prozent. Negative Effekte traten in den Gruppen gleich häufig auf. Auch wenn die statistische Signifikanz (p=0,057) knapp verfehlt wurde, sehen die Autor*innen darin immerhin einen schwachen Beweis, dass die Intervention der bisherigen Therapie überlegen sein könnte. „Es ist ein wertvoller Hoffnungsschimmer, dass durch den Eingriff das Leiden dieser Patient*innen gemildert werden kann“, sagt Beck. Allerdings waren Überleben und eine starke Einschränkung in beiden Gruppen hoch, so dass weitere Forschung notwendig ist.

Risikofaktoren und Anzeichen

  • Typische Risikofaktoren für einen hämorrhagischen Schlaganfall sind ein hoher Blutdruck und die Einnahme blutverdünnender Medikamente. Auch Alkoholkonsum und Rauchen erhöhen das Risiko.

Die Anzeichen eines hämorrhagischen Schlaganfalls hängen von der betroffenen Region im Gehirn ab.  

Typische Beschwerden sind:
- plötzliche, einseitige Muskelschwäche in Arm, Bein und Gesicht
- Gleichgewichtsstörungen
- verwaschene Sprache
- Übelkeit, Erbrechen, Schläfrigkeit und Bewusstseinsverlust.

Beim Verdacht auf einen Schlaganfall muss sofort der Rettungsdienst unter 112 alarmiert werden. 

Medizin am Abend Berlin DirektKontakt

 







 

 

 

 
 
 
Über Google: Medizin am Abend Berlin
idw - Informationsdienst Wissenschaft e. V.

Prof. Dr. Jürgen Beck
Ärztlicher Direktor
Klinik für Neurochirurgie
Universitätsklinikum Freiburg
Telefon: 0761 270-50060
juergen.beck.nch@uniklinik-freiburg.de

Johannes Faber Universitätsklinikum Freiburg

Breisacher Straße 153
79110 Freiburg
Deutschland
Baden-Württemberg

E-Mail-Adresse: kommunikation@uniklinik-freiburg.de

Johannes Faber
Telefon: 0761 270-84610
E-Mail-Adresse: johannes.faber@uniklinik-freiburg.de
Originalpublikation:

Original-Titel der Studie: Decompressive craniectomy plus best medical treatment versus best medical treatment alone for spontaneous severe deep supratentorial intracerebral haemorrhage: a randomised controlled clinical trial. The Lancet. 2024;
DOI: 10.1016/S0140-6736(24)00702-5
Link zur Studie: https://www.thelancet.com/journals/lancet/article/PIIS0140-6736(24)00702-5/fullt...

 

Vielzahl von Alltags- Entscheidungen: Bauchentscheidungen? Kopfentscheidungen

 Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Go with your gut! - Neue Studie deckt Vorteile von Bauchentscheidungen für das emotionale Wohlbefinden auf

Menschen treffen im Alltag eine Vielzahl von Entscheidungen: 

Was soll ich anziehen? 

Was soll ich essen? 

Soll ich ein unangenehmes Telefonat führen oder aufschieben? 

Dies erfolgt entweder intuitiv aus dem Bauch heraus oder wohlüberlegt, also kopfbasiert. 

Eine Forschergruppe unter der Leitung von Professorin Carina Remmers von der Health and Medical University Potsdam (HMU) untersuchte in einem zweiwöchigen Alltagsexperiment, welche Auswirkungen die beiden Arten der Entscheidungsfindung auf Stimmung und Zufriedenheit von Personen haben. 

  • Insbesondere Bauchentscheidungen, so zeigen es die Ergebnisse, haben einen positiven Effekt auf die Stimmung im Alltag.

An der längsschnittlichen Studie nahmen 256 Personen teil, deren Aufgabe es war, im Vorfeld und im Anschluss an Alltagsentscheidungen ihre Stimmung zu berichten. 

Dazu loggten sich die Teilnehmer:innen vor einer anstehenden Entscheidung in ein Online-Portal ein. Besonders hervorzuheben ist die neu entwickelte Methode, die eine Beobachtung in der natürlichen Umgebung mit einem experimentellen Vorgehen kombinierte. Die Forscher:innen gaben über das Online-Portal nach Zufallsprinzip vor, ob eine Entscheidung wohlüberlegt oder aus dem Bauch heraus getroffen werden sollte. Nach einer getroffenen Entscheidung berichteten die Teilnehmer:innen, neben ihrer Stimmung, wie leicht ihnen die Entscheidung gefallen ist, wie zufrieden sie damit waren, wie richtig sich die Entscheidung angefühlt hat und wie sehr die getroffene Wahl mit ihren üblichen Präferenzen harmonierte. Zu einem späteren Zeitpunkt wurde erfasst, ob die Teilnehmer:innen ihre Entscheidungen tatsächlich in die Tat umgesetzt hatten und wie sie sich dabei gefühlt hatten. Den Forscher:innen lagen Daten von insgesamt 6.779 Alltagsentscheidungen vor.

Die Ergebnisse der Studie stützten die Annahmen der Wissenschaftler:innen: 

  • Das alleinige Treffen einer Entscheidung führte zu einer signifikanten Stimmungsverbesserung. 
  • Daraus schlussfolgerten die Autor:innen der Studie, dass Entscheidungen im Alltag nicht bloß dazu dienen, Ziele zu erreichen, sondern – mehr oder weniger bewusst – zur Stimmungsregulation genutzt werden.

Es zeigte sich ein interessanter Unterschied zwischen analytischen „Kopfentscheidungen“ und intuitiven „Bauchentscheidungen“. 

  • Die Stimmungsverbesserung war im Anschluss an intuitive Entscheidungen größer. 

Diesen Effekt erklären die Wissenschaftler:innen unter anderem damit, dass das Treffen intuitiver Entscheidungen leichter fällt als ein analytisches Vorgehen, was sich in den Daten auch zeigte. 

Darüber hinaus boten Bauchentscheidungen einen weiteren Vorteil. 

  • Sie wurden von den Teilnehmer:innen signifikant häufiger in die Tat umgesetzt als Kopfentscheidungen, womöglich weil –so ein weiteres Ergebnis der Studie – Bauchentscheidungen in höherem Einklang mit den persönlichen Vorlieben stehen. 
  • Die Ergebnisse haben wichtige Implikationen für unser Verständnis über die psychologischen Auswirkungen alltäglicher Entscheidungsfindung und das Phänomen von Intuition und Bauchgefühl.


Beteiligt an der Studie waren neben Psycholog:innen vom Institute for Mental Health and Behavioral Medicine (IMHBM) der HMU Potsdam auch Wissenschaftler:innen der Universität zu Köln, der Freien Universität Berlin, der Universität Basel, der Universität Witten/Herdecke und der Universität Kassel. 

Die Studie ist im Fachjournal „Emotion“ der American Psychology Association (APA) publiziert. 

Medizin am Abend Berlin DirektKontakt






 

 

 

Über Google: Medizin am Abend Berlin
idw - Informationsdienst Wissenschaft e. V.

Prof. Dr. Carina Remmers | https://www.carinaremmers.de/
Professur für Klinische Psychologie und Psychotherapie

Olympischer Weg 1
14471 Potsdam
Deutschland
Brandenburg

Lisa Schimmelpfennig
E-Mail-Adresse: lisa.schimmelpfennig@health-and-medical-university.de

Nicola Sernow
Telefon: 0331 74 51 13 -150
E-Mail-Adresse: nicola.sernow@health-and-medical-university.de

HMU Health and Medical University
Villa Carlshagen
Olympischer Weg 1
14471 Potsdam
Email: carina.remmers@health-and-medical-university.de
https://www.health-and-medical-university.de/team-fakultaet-gesundheit-hmu/carin...


Originalpublikation:

Remmers, C., Topolinski, S., Knaevelsrud, C., Zander-Schellenberg, T., Unger, S., Anoschin, A., & Zimmermann, J. (2024). Go with your gut! The beneficial mood effects of intuitive decisions. Emotion.
https://psycnet.apa.org/doi/10.1037/emo0001385

 

Prof. Dr. Henrike Scholz: Aufnahme von Kohlenhydraten: Erinnerungen im Lang- oder im Kurzzeitgedächtnis

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Essensverzicht schadet beim Versuch, Gewicht zu verlieren

  • Hungern kann langfristig übermäßiges Essen begünstigen: 
  • Es bringt das Langzeitgedächtnis dazu, eine erhöhte Kohlenhydrataufnahme als besonders belohnend abzuspeichern / Veröffentlichung in „eLife“

Mithilfe von Verhaltensexperimenten an der Taufliege Drosophila melanogaster hat ein Forschungsteam am Institut für Zoologie der Universität zu Köln die Steuerung der Nahrungsaufnahme im Gehirn untersucht. 

Ähnlich wie beim Menschen regulieren bei der Taufliege insulinähnliche Moleküle die Nahrungsaufnahme. 

Diese wird unter anderem von einem Neurotransmittersystem beeinflusst, das Entscheidungen vermittelt. 

Das System verwendet den Botenstoff Oktopamin, ein dem Noradrenalin verwandtes Molekül. 

  • Der Botenstoff bestimmt, ob die Erinnerungen an die Aufnahme von Kohlenhydraten im Lang- oder im Kurzzeitgedächtnis abgespeichert wird. 

Diese Entscheidung wird in Abhängigkeit von internen Energiereserven getroffen, was wiederum einen entscheidenden Einfluss auf das Essverhalten in der Zukunft hat. Die Studie unter der Leitung von Professorin Dr. Henrike Scholz ist unter dem Titel „Octopamine integrates the status of internal energy supply into the formation of food-related memories“ in der Fachzeitschrift eLife erschienen.

Die Forschenden untersuchten, wie sich bei der Taufliege mildes Fasten und ein reduzierter Glykogenspiegel im Fettgewebe und in den Muskeln auf die Wahrnehmung von Kohlenhydraten auswirken. Die Speicherform der Glukose, das Glykogen, wird im Fettgewebe eingelagert und zu einem großen Teil als Energie in den Muskeln verbraucht. Die Informationen über die Energievorräte dieser Gewebe werden von dem Oktopamin in das Entscheidungssystem integriert und beeinflussen die Bildung eines Gedächtnisses über eine mögliche Futterquelle.

Frühere Studien haben gezeigt, dass Überernährung bei Tieren und Menschen zu einem erhöhten Glykogenspiegeln führen kann. In dem Experiment hatten die Taufliegen durch genetische Modifikationen einen höheren Glykogenspiegel. Bei Fasten bewirken die erhöhten Energiereserven die Bildung eines sehr stabilen Gedächtnisses, das nicht vergeht, wenn erneut Nahrung aufgenommen wird. Dies ist auch der Fall, wenn der Nährwert der nächsten Mahlzeit eigentlich ausreichend ist, um die Defizite, die durch das Fasten entstanden sind, wieder auszugleichen. Das Gedächtnis „triggert“ eine erhöhte Nahrungsaufnahme.

Bei einem sehr hohen Glykogenspiegel führte die Aufnahme von Kohlenhydraten im Experiment zudem lediglich zu einer geringen Belohnungswirkung im Gehirn. Die weniger belohnende Wirkung der Nahrungsaufnahme befeuerte somit das Bedürfnis, weiter zu fressen. Erfolgte die Nahrungsaufnahme in ausreichendem Maße oder war ausreichend Energie im Tier vorhanden, unterdrückte das Entscheidungssystem wiederum die Bildung eines solchen, länger anhaltenden Gedächtnisses bezüglich der Nahrungsquelle. Dies war unabhängig vom Gehalt an Kohlehydraten oder der Proteinanreicherung der Nahrung. Der Glykogenspiegel hatte in der Regel keinen Einfluss darauf, wie die Taufliegen proteinangereicherte Lebensmittel bewerten.

Erinnerung an Kohlenhydrate – früher nützlich, heute schädlich

Das Oktopamin integriert somit je nach Energieniveau die aktuelle Nahrungsaufnahme in die Gedächtnisbildung: Lebensmittel, die normalerweise einen ausreichenden Nährwert bieten, werden nicht mehr als ausreichend lohnend wahrgenommen. In der Folge tritt übermäßiges Essen auf – unabhängig vom Nährwert oder der Art der Nahrung.
„In alten Zeiten, als Nahrung eine begrenzte oder knappe Ressource war, könnte dieser Mechanismus dazu gedient haben, Energiereserven aufzubauen, wenn Nahrung verfügbar war. In Zeiten des Nahrungsüberschusses kann die langanhaltende Erinnerung an eine Kohlenhydratquelle eine übermäßige Nahrungsaufnahme unterstützen – und somit zur Entstehung von Übergewicht beitragen“, sagt Erstautorin Henrike Scholz.

Studien, die einen ähnlichen Mechanismus beim Menschen nachweisen, liegen nicht vor, doch da sich die beteiligten Moleküle bei der Taufliege und beim Menschen stark ähneln, liegt dem Forschungsteam zufolge nahe, dass auch der Mechanismus ähnlich funktioniert. Die Ergebnisse könnten somit erklären, warum es schwierig ist, Gewicht zu verlieren: Wenn die Erinnerung an die belohnende Wirkung von Nahrungsmitteln die belohnende und sättigende Wirkung der tatsächlichen Nahrungsaufnahme überdauert, so kann dies zur erhöhten Nahrungsaufnahme führen. Scholz resümiert: „In Zukunft könnte es wichtig sein herauszufinden, wie man diese langanhaltende Erinnerung löscht, damit das Abnehmen einfacher wird.“ 

Medizin am Abend Berlin DirektKontakt
 



 

 

 

Über Google: Medizin am Abend Berlin
idw - Informationsdienst Wissenschaft e. V.

Professorin Dr. Henrike Scholz
+49 221 470 3121
henrike.scholz@uni-koeln.de

Albertus-Magnus-Platz 1
50923 Köln
Deutschland
Nordrhein-Westfalen

Dr. Elisabeth Hoffmann
Telefon: 0221 / 470-2202
E-Mail-Adresse: e.hoffmann@verw.uni-koeln.de

Eva Schissler
E-Mail-Adresse: e.schissler@verw.uni-koeln.de 


Originalpublikation:

https://doi.org/10.7554/eLife.88247.2

 

Prof. Dr. Lars Pape: Die multimodale und interdisziplinäre Behandlung nach einer Nierentransplantation - Wirksamkeit des Nachsorgepromms

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Bessere Versorgung von Nierentransplantierten

Ein Forschungsteam der Medizinischen Fakultät der Universität Duisburg-Essen hat in einer Studie gezeigt, wie Menschen nach einer Nierentransplantation besser versorgt werden können. 

Ihre Erkenntnisse sollen helfen, das Risiko eines potentiell tödlichen Nierenversagens nach einer Transplantation zu verringern. 

Aufgelegt wurde die Studie von Prof. Dr. Lars Pape von der Universität Duisburg-Essen und Prof. Dr. Mario Schiffer aus dem Universitätsklinikum Erlangen. 

Die Studie wurde vom Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschusses mit 5,4 Millionen Euro gefördert und in mehreren deutschen Nierentransplantationszentren durchgeführt.

Die Wissenschaftler:innen um Prof. Dr. Lars Pape und Prof. Dr. Mario Schiffer untersuchten anhand der Daten von 1.010 Teilnehmenden die multimodale und interdisziplinäre Behandlung nach einer Nierentransplantation. 

 Im Fokus stand die Wirksamkeit des Nachsorge-Programms „NierenTX-360-Grad“. 

Das neue Konzept vereint den Einsatz von Fallmanager:innen vor Ort sowie digitale Ansätze, Sporttherapien und sogenannte Adhärenz-Coachings. 

  • Das umfasst eine möglichst intensive Betreuung der Patient:innen, zum Beispiel durch individuelle Motivation und psychologische Unterstützung bei der Bewältigung von Ängsten. 

Unsere Studie zeigt, dass das Ergebnis einer Nierentransplantation durch dieses Nachsorge-Programm signifikant verbessert werden kann“, sagt Prof. Dr. Pape, Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin II des Universitätsklinikums Essen.

Die Studienteams konnten zudem nachweisen, dass die verbesserte Nachsorge der Transplantierten, die 12 Monate nach der Operation oder später in das NierenTX-360-Grad-Programm aufgenommen wurden, signifikante Wirkung zeigt. 

Um die Ergebnisse noch weiter spezifizieren zu können, werden im nächsten Schritt die Biomarker von Studienteilnehmer:innen untersucht. 

Dieses Vorhaben ist Teil des Großprojekts IMMEDIATE, das von 12 wissenschaftlichen Einrichtungen in der Europäischen Union (EU), Großbritannien sowie Israel durchgeführt und von der EU mit 6,2 Millionen Euro bis 2026 gefördert wird.

Medizin am Abend Berlin DirektKontakt:

 




 

 

 

 
 
 
Über Google: Medizin am Abend Berlin
idw - Informationsdienst Wissenschaft e. V.

Prof. Dr. Lars Pape, Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin II

 UKE, Tel. 0201/723-2810

lars.pape@uk-essen.de

Forsthausweg 2
47057 Duisburg
Deutschland
Nordrhein-Westfalen

Astrid Bergmeister
Telefon: 0203 37 92430
E-Mail-Adresse: astrid.bergmeister@uni-due.de

 


Originalpublikation:

https://doi.org/10.1016/j.eclinm.2024.102652 Studienergebnisse: eClinicalMedicine, Vol. 73, Juli 2024


Weitere Informationen für international Medizin am Abend Berlin Beteiligte und Interessierte

https://innovationsfonds.g-ba.de/projekte/neue-versorgungsformen/nierentx3600-be... 

Nachsorge-Programm „NierenTX-360-Grad"


http://www.immediate-project.eu/ Projekt "IMMEDIATE"

 

OA Dr. Thorben Dieck: Die Kaltplasma-Therapie: Das Schwerbrandverletzten Zentrum

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Mit Kaltplasma gegen multiresistente Keime

MHH: Schwerbrandverletzten Zentrum Niedersachsen wird zum ersten CPT PlasmaKompetenzZentrum in Europa zertifiziert 

Aus diesem Patch strömt das Kaltplasma in den Wundbereich. Ist der Patch in Betrieb, leuchtet er blau. Aus diesem Patch strömt das Kaltplasma in den Wundbereich. Ist der Patch in Betrieb, leuchtet er blau. Copyright: Karin Kaiser / MHH

Das Schwerbrandverletzten Zentrum Niedersachsen ist das einzige Zentrum im Bundesland Niedersachen, das Patienten und Patientinnen mit schwersten Verbrennungen behandelt. 

Hier werden lebensgefährlich verletzte Menschen aus Norddeutschland und Europa, auch Kriegsopfer aus der Ukraine, versorgt. 

Das Team des Zentrums, das zur Klinik für Plastische, Ästhetische, Hand- und Wiederherstellungschirurgie der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) gehört, setzt seit kurzem erfolgreich Kaltplasma bei der Therapie großflächiger Brandwunden ein. 

Für diese neue Anwendung wurde das Zentrum jetzt als europaweit erste Einrichtung zum CPT PlasmaKompetenzZentrum zertifiziert. 

„Das Zertifikat ist eine wichtige Bestätigung unseres Anspruchs, Schwerbrandverletzte qualitativ möglichst hochwertig zu behandeln“, sagt Klinikdirektor Professor Dr. Peter Maria Vogt.

Antibiotika wirken nicht mehr

Auf der Intensivstation für Schwerbrandverletzte stehen die medizinischen und pflegerischen Fachleute immer wieder vor einer besonderen Herausforderung: 

Die Wunden sind mit multiresistenten Keimen infiziert, gegen die selbst wertvolle Reserveantibiotika oft nicht mehr wirken. 

 „Das ist häufig auch bei Kriegsverletzten aus der Ukraine so. Denn sie treffen oft erst Wochen nach der Verletzung bei uns ein“, erklärt Oberarzt Dr. Thorben Dieck. „Für solche Fälle brauchen wir intensive und innovative Behandlungsmöglichkeiten.“

Anwendung bei neuer Patientengruppe


Die Kaltplasma-Therapie ist so eine Behandlungsmöglichkeit. Plasma gilt in der Physik als der vierte Aggregatzustand. Dabei handelt es sich um ein elektrisch geladenes Gas. Die Therapie mit Kaltplasma wurde vor einigen Jahren von der Firma Coldplasmatech (CPT), einer Ausgründung der Universität Greifswald, mit Unterstützung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung entscheidend weiterentwickelt. Mit dieser Technologie können nun riesige Mengen kaltes Plasma erzeugt und ohne Kontakt zur Wunde bei der Behandlung eingesetzt werden. 

  • Bisher wurde das Verfahren hauptsächlich bei der Versorgung kleinerer chronischer oder infizierter Wunden angewendet. 
  • Bei der Behandlung großflächiger Brandwunden ist die Anwendung neu – so wie im Schwerbrandverletzten Zentrum Niedersachsen. Erste Ergebnisse zeigen vielversprechende Verbesserungen der Wundversorgung.

Schnelles und einfaches Verfahren

Das für die Behandlung notwendige Kaltplasma wird mit einem speziellen Gerät direkt am Patientenbett erzeugt.  

Das elektrisch geladene Gas strömt dabei aus einem Patch, einer flachen Platte von etwa zehn mal zehn Zentimetern. Diesen Patch bringt die behandelnde Pflegefachkraft dicht an die Wunde heran, ohne diese zu berühren. „Damit das Plasma nicht entweichen und gut wirken kann, bedecken wir die Patientinnen und Patienten mit großen Tüchern oder Kunststofffolien“, erklärt Mesude Ünsaldi, Intensivfachpflegekraft und Wundtherapeutin. So werden die Brandwunden vollständig von dem Plasma benetzt. Das Gerät erzeugt etwa acht Liter Kaltplasma pro Sekunde. Eine Behandlung dauert rund 90 Sekunden und wird mehrmals pro Woche wiederholt. Insgesamt ist es ein schnelles und einfach durchzuführendes Verfahren.

Beeindruckende Wirkung

Von der Wirkung ist Dr. Dieck begeistert: 

  • „Die multiresistenten Keime werden abgetötet, Entzündungen reduziert und die Wundheilung gefördert.“ Im Schwerbrandverletzten Zentrum wird die Methode inzwischen bei fast allen Patientinnen und Patienten angewendet. 
  • Nebenwirkungen sind bisher noch nicht aufgetreten. 
  • Bei Menschen mit chronischen Wunden, die vorher sehr schlecht oder gar nicht heilten, beobachten die Fachleute deutliche Fortschritte. 
  • Ganz besonders profitieren Patientinnen und Patienten von dem Verfahren, deren Wunden mit multiresistenten Keimen infiziert sind. 
  • Das Kaltplasma vernichtet die Keime und verringert dadurch das Risiko, dass sie in den Blutkreislauf gelangen, wo sie tödlich sein könnten.


Guter Baustein bei der Behandlung

Das Team des Schwerbrandverletzten Zentrums setzt große Hoffnungen in die Kaltplasma-Therapie. 

„Sie ist eine sehr gute Ergänzung zur umfassenden Behandlung Schwerbrandverletzter“, betont Dr. Dieck. 

„Die chirurgischen Maßnahmen, die Wundreinigung, die klassische Wundpflege sowie gegebenenfalls eine Transplantation sind die grundlegenden Bausteine.“ 

Das Zentrum versucht, für jeden Patienten und jede Patientin die optimale Therapie zu finden. 

Dabei sind die Fachleute stets offen für Innovationen. 

So setzen sie neben dem Kaltplasma auch Bakteriophagen erfolgreich zur Bekämpfung multiresistenter Keime ein. 

Die Kaltplasma-Therapie wird die Klinik durch eigene Studien weiter erforschen und weiterentwickeln. Professor Vogt: 

„Diese neue Behandlungsmöglichkeit für Schwerbrandverletzte, aber auch für andere plastisch-chirurgisch zu versorgende Großwunden, bietet die Aussicht auf eine signifikant bessere Wundversorgung, das Überleben und die Lebensqualität unserer Patientinnen und Patienten.“ 

Mit Kaltplasma gegen multiresistente Keime

Stationsarzt Dr. Moritz Milewski und Intensivfachpflegerin Mesude Ünsaldi behandeln einen Patienten mit Kaltplasma.

Stationsarzt Dr. Moritz Milewski und Intensivfachpflegerin Mesude Ünsaldi behandeln einen Patienten mit Kaltplasma.Copyright: Karin Kaiser / MHH
 
Medizin am Abend Berlin DirektKontakt








 

 

 
 
Über Google: Medizin am Abend Berlin  
idw - Informationsdienst Wissenschaft e. V.

Professor Dr. Peter Maria Vogt

vogt.peter@mh-hannover.de 

Dr. Thorben Dieck, E-Mail:

dieck.thorben@mh-hannover.de

Carl-Neuberg-Straße 1
30625 Hannover
Postfach Hannover
30623 Hannover
Deutschland
Niedersachsen

Stefan Zorn
Telefon: 0511 / 532-6773
Fax: 0511 / 532-3852
E-Mail-Adresse: zorn.stefan@mh-hannover.de

Vitamin-D-Supplementierung

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

Sie haben das vielleicht in der Praxis schon häufig erlebt. Da sitzt ein Patient mit einem ausgeprägten arteriellen Hypertonus vor Ihnen, seine Lipidwerte sind katastrophal, er hat vielleicht schon einen Herzinfarkt gehabt. Aber den Patienten beschäftigt eine Frage, und zwar wie sieht mein Vitamin-D-Spiegel aus?

Das ist natürlich eine Frage, die viele Menschen betrifft, weil es hierzu ein wahnsinniges Medienecho gibt. Es sind Schnelltests verfügbar, mit denen man sich seinen Vitamin-D-Spiegel vielleicht morgens und abends testen kann.

Da muss man sich die Frage stellen, wie die Evidenz aussieht. Das große Problem ist, dass wir diese „Evidenz“ zu Vitamin D nur aus Beobachtungsstudien haben, in denen man geprüft hat, wie hoch der Vitamin-D-Spiegel ist und was mit den Menschen passiert.

Alle randomisierten kontrollierten Studien haben keinen Hinweis ergeben, dass wir dadurch die Gesamtsterblichkeit, die kardiovaskuläre Sterblichkeit oder die Frakturrate verändern, wenn wir Vitamin D bei Personen ohne einen nachgewiesenen Mangel, also in der normalen Bevölkerung, einsetzen.

Nun gibt es eine interessante Publikation, die ich Ihnen vorstellen möchte. In dieser Publikation hat man eine sogenannte Mendelianische Randomisierung gemacht. Man hat Gene analysiert. Es gibt etwa 71 Genpolymorphismen, die prädisponierend für einen hohen oder niedrigen Vitamin-D-Spiegel sind.

Personen aus großen Kohortenstudien hatte man durchsequenziert und konnte sie einteilen in einen Stratum mit einem hohen Vitamin-D-Spiegel und in Strata mit niedrigen Spiegeln, das waren insgesamt 10 verschiedene Strata. Über die Zeit wurden verschiedene Faktoren analysiert wie Krebsmortalität, Krebsrate, kardiovaskuläre Ereignisse, Mortalität, kardiovaskuläre Mortalität.

Es zeigte sich bei den Auswirkungen auf die Gesundheit überhaupt kein Unterschied zwischen denen, die viele Gene und hohe Spiegel für Vitamin D hatten und denen, die niedrige Spiegel hatten.

Das ist ein weiterer Beweis, für die das, was wir auch schon aus randomisierten prospektiven Interventionsstudien mit Placebo-Kontrolle wissen: Vitamin-D-Supplementierung bringt in der Normalbevölkerung überhaupt nichts und sollte eigentlich beendet werden.

Ich weiß, dass wir uns damit bei unseren Patienten nicht beliebt machen, aber ich sage immer ganz klar, es ist vielleicht besser, den Blutdruck und die Lipide richtig einzustellen, das Rauchen aufzuhören und sich etwas mehr zu bewegen. Das bringt deutlich mehr als Vitamin D.

Ich hoffe, es war für sie interessant und verbleibe mit ganz lieben Grüßen

Ihr Stephan Martin

Medizin am Abend Berlin ZusatzLink: Prof.Dr. Stephan Martin Video