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Professor Dr. Bernhard Graf: Die ECMO-Therapie - Extrakorporaler Membranoxygenierung - Künstliche Lunge

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: UKR: Zwei Jahre Corona-Pandemie, zwei Jahre ECMO-Versorgung am Limit

Am 14. März 2020, also vor zwei Jahren, erreichte das Coronavirus das Universitätsklinikum Regensburg (UKR). 

Der erste Patient mit einer SARS-CoV-2-Infektion wurde auf Intensivstation aufgenommen. 

Auch die ECMO-Therapie ist seitdem stark in den öffentlichen Fokus gerückt. 

Dabei wurden am UKR bereits vor der Pandemie jährlich weit über 100 Patienten mittels Extrakorporaler Membranoxygenierung behandelt. 

  • Damit gehört das UKR zu den deutschlandweit führenden Experten auf diesem Gebiet. 

Mit Pandemiebeginn rückte die ECMO-Therapie in den öffentlichen Fokus. Viele Patienten mit einer schweren COVID-19-Infektion konnten und können nur noch so versorgt werden. Die jahrelange ECMO-Expertise kommt den Experten hier zugute. Mit Pandemiebeginn rückte die ECMO-Therapie in den öffentlichen Fokus. Viele Patienten mit einer schweren COVID-19-Infektion konnten und können nur noch so versorgt werden. Die jahrelange ECMO-Expertise kommt den Experten hier zugute. © Werner Krüper

ECMO, an diesen vier Buchstaben hängt in vielen Kliniken das Leben der Patienten. 

Gerade seit das Coronavirus die Welt in Schach hält, ist die Extrakorporale Membranoxygenierung, oder eben ECMO, vielen Menschen ein Begriff. Denn spätestens, wenn ein Patient eine Therapie an der sogenannten „künstlichen Lunge“ benötigt, weil eine Beatmung über die eigene Lunge nicht mehr ausreicht, ist jedem bewusst: die Situation ist lebensbedrohend. Das Leben hängt nur noch an dieser Maschine und an den Experten, die sie bedienen. „Die Maschine kommt zum Einsatz, wenn die Lunge oder auch das Herz stark geschädigt ist. Die ECMO-Therapie ist dann in der Regel das letzte Mittel, um die Patienten am Leben zu halten“, erklärt Professor Dr. Bernhard Graf, Direktor der Klinik für Anästhesiologie sowie stellvertretender Ärztlicher Direktor und Pandemiebeauftragter des UKR.

ECMO-Therapie als letzte Hoffnung für schwerstkranke COVID-19-Patienten

Doch gerade dieses Ziel, mittels ECMO die Versorgung des Körpers mit Sauerstoff bis zur Erholung der Lunge bzw. des Herzens zu überbrücken, wird durch die komplexen und langwierigen Verläufe einer SARS-CoV-2-Infektion, wie sie sich während der letzten Pandemie-Wellen in den Krankenhäusern gezeigt haben, deutlich erschwert. 

Eine aktuelle Studie (Karagiannidis et al. Critical Care (2021) 25:413 https://doi.org/10.1186/s13054-021-03831-y) zeigt, dass während der ersten drei Wellen der Coronavirus-Pandemie deutschlandweit etwa 68 Prozent der COVID-ECMO-Patienten verstarben, nur 32 Prozent überlebten.  

Das UKR hebt sich von diesen Zahlen deutlich ab. 

So konnten während der ersten drei Wellen 58 Prozent der COVID-ECMO-Patienten wieder aus dem künstlichen Koma geholt werden. „Diese Zahl ist nicht nur im Vergleich mit den vorliegenden Studiendaten beeindruckend, sondern auch im Hinblick auf unser besonderes Patientenklientel ein beachtlicher Erfolg für uns, die wir an der Behandlung beteiligt sind, vor allem aber für unsere Patienten“, so PD Dr. Dirk Lunz, Leiter der Anästhesiologischen Intensivmedizin des UKR und für die ECMO-Transporte am UKR verantwortlich. Das Universitätsklinikum Regensburg behandelt als Supramaximalversorger der Region Ostbayern und als zertifizierter ECMO-Standort schwerstkranke und -verletzte Patienten weit über sein Einzugsgebiet hinaus. „Die COVID-Patienten, die bei uns intensivmedizinisch versorgt werden, werden in der Regel von anderen Kliniken zu uns verlegt. Das heißt, wir versorgen vor allem jene Patienten weiter, für die an anderen Häusern bereits alle Therapieoptionen ausgeschöpft sind“, gibt PD Dr. Lunz zu bedenken. Die Liegezeit an der ECMO variiert dabei je nach Erkrankung und Zustand des Patienten zwischen einer Woche und drei Monaten. 

„Bei durch SARS-CoV-2-Infektionen verursachten Pneumonien sind diese schwerstkranken Patienten zum Teil sogar länger als 100 Tage an der ECMO angeschlossen“, so PD Dr. Lunz weiter.

  • Neben Notarzteinsätzen und Patiententransporten in der Coronavirus-Pandemie wird das ECMO-Verfahren auch bei akutem Lungenversagen infolge von Verletzungen oder Erkrankungen wie Pneumonie oder Sepsis, bei Herzkrankheiten oder während Herzoperationen in der modernen Intensiv- und Notfallmedizin eingesetzt.


Durch ECMO wird die Herz-Lungen-Funktion außerhalb des Körpers unterstützt. 

Über ein Schlauchsystem wird das sauerstoffarme Blut des Patienten in eine künstliche Lunge außerhalb des Körpers abgeführt, wo es mit Sauerstoff angereichert und Kohlenstoffdioxid entfernt wird. Anschließend wird das Blut dem Körper mittels einer Pumpe über das Schlauchsystem wieder zugeführt. „Dieses Verfahren entlastet die angegriffene Lunge oder auch das Herz unserer Patienten. Im besten Fall können sich die geschädigten Organe wieder vollständig regenerieren, dann entwöhnen wir die Patienten schrittweise wieder von der ECMO “, schildert PD Dr. Lunz das Vorgehen und den optimalen Therapieverlauf.

Das UKR ist das einzige zertifizierte ECMO-Zentrum in Deutschland


Die mobile extrakorporale Lungen- und Herz-Kreislauf-Unterstützung ist ein medizinischer Schwerpunkt des Universitätsklinikums Regensburg.  

„Unser ECMO-Zentrum zählt zu den leistungsfähigsten und kompetentesten Zentren weltweit

Aus diesem Grund wurde uns 2021 auch erneut der ‚Award for Excellence in Extracorporeal Life Support – Platinum Level‘, die höchste Auszeichnung der internationalen Extracorporeal Life Support Organization (ELSO), verliehen. Diese Auszeichnung würdigt unseren Einsatz, mit dem wir in den vergangenen 20 Jahren aktiv zur Weiterentwicklung der Einsatzmöglichkeiten der ECMO beigetragen haben und das natürlich auch weiterhin tun“, erklärt Professor Dr. Thomas Müller, Leiter der Intensivmedizin der Klinik und Poliklinik für Innere Medizin II des UKR.
Pionierarbeit hat das UKR unter anderem mit der Entwicklung der weltweit kleinsten, tragbaren Herz-Lungen-Maschine geleistet. „Die ECMO war früher eine unhandliche, mehrere hundert Kilo schwere Maschine und für den mobilen Einsatz ungeeignet. Das hat viele Patienten schon von einer ECMO-Therapie ausgeschlossen, weil sie schlichtweg nicht transportiert werden konnten. Außerdem konnte vor der Entwicklung des Miniaturmodells die ECMO auch nicht für Notfalleinsätze verwendet werden“, kommentiert Professor Müller. Ein weiteres Novum am UKR war die Einführung des ECMO-Mobils, mit dem ein Team aus Anästhesist und Kardiotechniker gezielt zu Notfällen mit einem Herz-Kreislauf-Stillstand gerufen werden können. So kann die Herz-Lungen-Maschine unmittelbar am Einsatzort am Patienten angeschlossen werden, womit sich eine umgehende und ausreichende Sicherstellung der Herz-Kreislauf-Funktion und der Sauerstoffversorgung des Körpers erzielen lässt.

Um den Patienten eine möglichst große Überlebens- und Genesungschance zu ermöglichen, müssen verschiedene medizinische Fachbereiche eng verzahnt zusammenarbeiten. Am UKR sind dies Intensivmediziner aus dem Bereich der Anästhesiologie, Kardiologie und Herzchirurgie sowie der Kinder- und Jugendmedizin für unsere kleinen Patienten. Unterstützt werden diese Bereiche am UKR stets von der Kardiotechnik, die einen nicht unwesentlichen Teil bei der Entwicklung und technischen Umsetzung dieser komplexen Therapieform schultert. 

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Matthias Dettenhofer Universitätsklinikum Regensburg (UKR)

Franz-Josef-Strauss-Allee 11
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Dr. Isolde Schäfer
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Professorin Dr. Anette S. Debertin: Netzwerk ProBeweis

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: MHH-Notaufnahme jetzt auch Anlaufstelle des Netzwerks ProBeweis

Vertrauliche Hilfe: Medizinisches Personal sichert Spuren von häuslicher und sexueller Gewalt

  • Jede dritte Frau in Deutschland erlebt mindestens einmal im Leben körperliche und/oder sexualisierte Gewalt. 
  • Doch nur selten kommt es direkt nach der Tat zu einer Anzeige bei der Polizei. 

Das Netzwerk ProBeweis kann den Betroffenen trotzdem helfen. 

In den Anlaufstellen sichern und dokumentieren geschulte Ärztinnen und Ärzte die Spuren der Gewalt – auch wenn zunächst keine Anzeige erfolgt. 39 dieser Anlaufstellen gab es bisher in ganz Niedersachsen. Jetzt kommt eine weitere hinzu: die Zentrale Notaufnahme (ZNA) der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH). Die ZNA gehört zur Klinik für Unfallchirurgie. Neben dem Institut für Rechtsmedizin und der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe sowie der Außenstelle der Rechtsmedizin in Oldenburg ist in der Zentralen Notaufnahme nun die vierte Anlaufstelle der MHH zu finden.

Fallzahlen häuslicher Gewalt auf hohem Niveau

„Die stetig steigenden Fallzahlen häuslicher Gewalt im Hellfeld unterstreichen den Bedarf an Unterstützung für Betroffene“, stellt Professorin Dr. Anette S. Debertin vom Institut für Rechtsmedizin fest. Sie leitet das Netzwerk ProBeweis. 2020 registrierte die Polizei in Niedersachsen rund 21.500 häusliche Gewalttaten. In den meisten Fällen werden diese von dem (Ex)-Partner ausgeübt.

„Viele Betroffene kommen nach erlebter Gewalt zuerst in die Notaufnahme einer Klinik, um ihre Verletzungen behandeln zu lassen“, berichtet Professor Dr. Stephan Sehmisch, Direktor der Klinik für Unfallchirurgie. Oft sprechen die betroffenen Frauen und Männer die erlittene Gewalt nicht von sich aus an. „Wir sehen aber, dass die beschriebenen Unfallhergänge nicht zu den Verletzungen passen“, erklärt der Unfallchirurg. „Die Grauzone häuslicher Gewalt ist groß. Als Anlaufstelle des Netzwerks ProBeweis möchten wir den Betroffenen hier in der Zentralen Notaufnahme professionell helfen.“

Gerichtsfeste Spurensicherung

Viele Frauen und Männer erstatten direkt nach der Tat keine Anzeige, weil sie sich schämen, bedroht werden oder Angst haben, das belastende Gerichtsverfahren eventuell nicht durchstehen zu können. „Für ein mögliches späteres Gerichtsverfahren ist es aber wichtig, sofort nach der Tat fachgerecht und gerichtsfest Spuren wie Würgemale, Hämatome oder DNA-Material zu sichern und medizinische Befunde exakt zu dokumentieren“, erklärt Professorin Debertin. In der MHH-Notaufnahme ist das ab sofort möglich. Auf die neue Aufgabe wurden die Ärztinnen und Ärzte in rechtsmedizinischen Schulungen vorbereitet.

ProBeweis arbeitet absolut vertraulich

Die Beweismittel werden mindestens drei Jahre aufbewahrt. 

Die schriftliche Dokumentation wird 30 Jahre archiviert. 

Das Vorgehen im Netzwerk ProBeweis ist vertraulich. 

  • „Erst wenn eine Anzeige erstattet wird und wir von unserer Schweigepflicht entbunden werden, werden der Polizei Befunde ausgehändigt und bei Beauftragung ein prozessrelevantes Gutachten erstellt“, erläutert Rechtsmedizinerin Sarah Stockhausen vom ProBeweis-Team.


Im Jahr 2021 dokumentierte das Netzwerk 215 Fälle

Im vergangenen Jahr dokumentierte das Netzwerk ProBeweis in seinen Anlaufstellen in Kliniken in ganz Niedersachsen insgesamt 215 Fälle von häuslicher und/oder sexuelle Gewalt. 

In etwa 50 Prozent der Fälle wurde körperliche und in 40 Prozent sexuelle Gewalt ausgeübt. 

Bei etwa zehn Prozent handelte es sich um kombinierte Taten. 

Von den 215 Gesamtfällen wurden etwa 80 in den Anlaufstellen der MHH untersucht und dokumentiert.

SERVICE:

Weitere Informationen erhalten Sie bei 

Professorin Dr. Anette S. Debertin, debertin.anette@mh-hannover.de

Telefon (0511) 532-5533 

und bei 

Professor Dr. Stephan Sehmisch, sehmisch.stephan@mh-hannover.de

Telefon (0511) 532-2026. 

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Prof. Dr. Michael Bauer: Prof. Dr. Torsten Doenst: Hämoadsorption - bei Endokarditis-Operationen: Die Entzündung der Herzklappen ist eine lebensbedrohliche Erkrankung (Endokarditis)

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Hämoadsorption bringt keinen Vorteil bei der chirurgischen Behandlung von Herzklappenentzündungen

Ein Forschungsteam des Universitätsklinikums Jena untersuchte in einer kontrollierten multizentrischen Studie, ob die Reduktion von Entzündungsmarkern im Blut bei der chirurgischen Behandlung von bakteriellen Infektionen im Herzinneren einen Vorteil bringt. 

  • Die jetzt im Fachjournal Circulation vorgestellten Ergebnisse zeigen, dass das Verfahren keinen Einfluss auf den klinischen Erfolg der Behandlung hat, obwohl die Konzentration der Zytokine deutlich gesenkt werden kann. 

Die REMOVE-Studie des Universitätsklinikums Jena zeigte, dass die Reduktion von Entzündungsmarkern im Blut bei der chirurgischen Behandlung von Herzklappenentzündungen nicht zur Verringerung der Organschädigung führt. Die REMOVE-Studie des Universitätsklinikums Jena zeigte, dass die Reduktion von Entzündungsmarkern im Blut bei der chirurgischen Behandlung von Herzklappenentzündungen nicht zur Verringerung der Organschädigung führt. Anna Schroll Universitätsklinikum Jena

Die Entzündung der Herzklappen ist eine lebensbedrohliche Erkrankung. 

  • Eine solche Endokarditis kann entstehen, wenn Bakterien von einem entzündeten Zahn oder einem infizierten Venenzugang, in selteneren Fällen auch Pilze, mit dem Blut ins Herz gelangen und dort Entzündungen verursachen. 
  • In mehr als der Hälfte der Fälle bleibt nur die operative Entfernung der Entzündungsbereiche und die Rekonstruktion oder der Ersatz der infizierten Herzklappen. 
  • Wegen der hohen Ausschüttung von Entzündungsbotenstoffen erfasst die Infektion den gesamten Körper, so dass diese Herzoperation mit einem besonders großen Risiko verbunden ist.


Klinischer Nutzen der Hämoadsorption unzureichend belegt

Das intensivmedizinische Verfahren der Hämoadsorption bietet die Möglichkeit, durch einen Filterprozess außerhalb des Körpers ähnlich der Dialyse bestimmte Stoffe wie z.B. Entzündungsmarker aus dem Blut zu entfernen. 

Diese Methode wird bei generalisierten Entzündungen genutzt, um die Zytokinkonzentration im Blut zu verringern. 

Ziel dabei ist es, die Immunreaktion des Körpers besser zu beherrschen, die Gewebe und Organe schädigt

  • Zum Einsatz kommt die Hämoadsoption auf den Intensivstationen bei der Behandlung von Sepsis, schweren COVID-19-Erkrankungen und auch bei Endokarditis.


„Allerdings ist der klinische Nutzen dieses plausibel klingenden Ansatzes nur unzureichend durch Studien geprüft“, betont der Intensivmediziner Prof. Dr. Michael Bauer, Sprecher des CSCC, das als Integriertes Forschungs- und Behandlungszentrum für Sepsis und Sepsisfolgen am Universitätsklinikum Jena vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert wurde.

Im Rahmen des Zentrums startete ein interdisziplinäres Studienteam vor acht Jahren die REMOVE-Studie, um den Nutzen der Hämoadsorption bei Endokarditis-Operationen zu testen. „Wir wollten überprüfen, ob der Einsatz des Verfahrens bei der chirurgischen Behandlung der Herzklappenentzündung die organschädigenden Folgen der generalisierten Entzündung und damit das Risiko des Eingriffs verringern kann“, erklärt Studienleiter Dr. Mahmoud Diab von der Jenaer Klinik für Herz- und Thoraxchirurgie. 

  • Da bei diesen Operationen die Herz-Lungen-Maschinen eingesetzt werden muss, stellt die extrakorporale Blutfilterung dabei kein zusätzliches invasives Verfahren dar.


Kontrollierte Multicenter-Studie mit klinischen Endpunkten

Das Besondere an der REMOVE-Studie: Als multizentrische kontrollierte und randomisierte Studie erfüllt sie die höchsten Qualitätskriterien, und erstmals bewertete sie nicht die Filterwirkung, sondern das klinische Ergebnis. Das Projektteam schloss an 14 herzchirurgischen Zentren in Deutschland insgesamt 282 Patienten ein, die wegen einer Endokarditis operiert werden mussten. Diese wurden nach dem Zufallsprinzip in zwei Gruppen geteilt – bei der einen kam während des Eingriffs der Adsorptionsfilter zu Einsatz, bei der Kontrollgruppe nicht.

In Zeitreihenmessungen wurde in beiden Studiengruppen bei jeweils 25 Patienten die Zytokinkonzentration im Blut erfasst. Das Hauptaugenmerk des Studienteams richtete sich jedoch darauf, ob und welchem Maße die generalisierte Entzündung nach der Operation die Funktion der Organe beeinträchtigte. Neben einer auf der abgestuften Funktionsbewertung von sechs Organsystemen beruhenden Einschätzung betrachtete die Studie auch die Sterblichkeit innerhalb eines Monats und wie lange Beatmung, medikamentöse Blutdruckunterstützung und Nierenersatztherapie notwendig waren.

Keine positive Auswirkung für die Organfunktion

Das REMOVE-Team konnte die Ergebnisse jetzt im Fachjournal Circulation veröffentlichen: 

Die Studie ergab für keine der betrachteten klinischen Zielgrößen einen signifikanten Unterschied zwischen den beiden Patientengruppen. 

  • Die Hämoadsorption brachte weder bezüglich der Schwere des Organversagens noch bezüglich der Sterblichkeit oder der notwendigen Unterstützungsverfahren einen Vorteil. 

Etwa ein Fünftel der Studienpatienten in beiden Gruppen verstarb innerhalb eines Monats. 

Häufige Komplikationen wie ein Schock oder akutes Nierenversagen traten in beiden Gruppen in gleichem Maße auf. Erstautor Mahmoud Diab: 

„Obwohl die Messungen eine deutliche Reduktion der Zytokinkonzentration in der Hämoadsorptions-Gruppe belegen, ergab sich daraus nicht die erhoffte Verbesserung für die Patienten. 

Unsere Studie zeigt, dass die Hämoadsorption bei Endokarditisoperationen keine positive Auswirkung für die Funktion der Organe und damit für das Behandlungsergebnis hat.“

„Multizentrische Vergleichsstudien mit einem so umfassenden Protokoll stellen einen gewaltigen Koordinationsaufwand dar und sind in der Herzchirurgie noch recht selten“, betont Prof. Dr. Torsten Doenst, Direktor der Klinik für Herz- und Thoraxchirurgie am Jenaer Uniklinikum und Letztautor der Studie. 

„Aber nur die Prüfung in solchen Studien ermöglicht es uns, den Patienten nachweislich helfende Therapien zur Verfügung zu stellen. 

Wir freuen uns, dass wir mit REMOVE einen Beitrag zur evidenzbasierten Herzchirurgie leisten konnten.“

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PD Dr. med. Mahmoud Diab
Klinik für Herz- und Thoraxchirurgie, Universitätsklinikum Jena
Mahmoud.Diab@med.uni-jena.de
Telefon: 03641 9-322978

Kastanienstraße 1
07747 Jena
Deutschland
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Dr. Uta von der Gönna
Telefon: 03641/ 9391108
Fax: 03641/ 9391102
E-Mail-Adresse: pr-dekanat@med.uni-jena.de
Originalpublikation:

Diab M, et al. Cytokine Hemoadsorption During Cardiac Surgery versus Standard Surgical Care for Infective Endocarditis (REMOVE): Results from a Multicenter, Randomized, Controlled Trial, Circulation. 2022 Feb 25. doi: 10.1161/CIRCULATIONAHA.121.056940


Weitere Informationen für international Medizin am Abend Berlin Beteiligte

https://clinicaltrials.gov/ct2/show/NCT03266302 Studienregister


http://www.uniklinikum-jena.de/cscc/ CSCC-Homepage, die Studie wurde im Rahmen des CSCC vom BMBF gefördert: FKZ 01EO1502


PD Dr. Mathias Schmidt: Autophagie: Behandlung Stress-induzierter Stoffwechselerkrankungen (depressiven Erkrankungen und Angststörungen)

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Stressfaktor reguliert Fettleibigkeit

Das Max-Planck-Institut für Psychiatrie und das Universitätsklinikum Bonn konnten erstmals einen Stressfaktor im Gehirn direkt mit dem zelleigenen Recyclingprogramm und Fettleibigkeit in Verbindung bringen. 

Dies könnte einen vollkommen neuen Ansatz zur Behandlung Stress-induzierter Stoffwechselerkrankungen ermöglichen.

  • Vom Protein FKBP51 wissen Forscher schon länger, dass es in Zusammenhang mit depressiven Erkrankungen und Angststörungen steht. 

Es ist an der Regulierung des Stresssystems beteiligt – ist das gestört, können psychische Erkrankungen entstehen. 

Nun haben die Forscher am Max-Planck-Institut (MPI) für Psychiatrie und des Universitätsklinikums Bonn (UKB) eine neue überraschende Rolle dieses Proteins entdeckt: 

Es fungiert als molekulares Bindeglied zwischen dem Stress-Regulationssystem und Stoffwechselvorgängen im Körper. 

Ein zentraler Mechanismus in diesem Zusammenhang ist die Autophagie, die zelluläre Müllabfuhr.

„Autophagie ist das Recyclingprogramm der Zelle, um alte oder beschädigte Proteine zu beseitigen. Es kann dadurch Alterungsprozessen entgegenwirken und - wie wir jetzt zeigen konnten - Fettleibigkeit verringern“, erklärt Nils Gassen, Leiter der Forschungsgruppe Neurohomöostase am UKB, einer der Projektleiter. Mathias Schmidt, Projektleiter vom MPI für Psychiatrie, ergänzt: 

„Dass der Stressfaktor FKBP51 im Gehirn ein Master-Regulator für Autophagie und damit Fettleibigkeit ist, eröffnet eine Reihe von neuen Interventionsmöglichkeiten, von der pharmakologischen Manipulation des FKBP51-Proteins bis hin zu Autophagie-induzierenden Fastenkuren oder Sportprogrammen.“

Stressresilienz für jedermann

Die Möglichkeiten, die die neuen Erkenntnisse eröffnen, sind sehr vielseitig. 

Gerade in Zeiten einer weltweiten Pandemie wird deutlich, wie stark unkontrollierbarer Stress unsere Psyche und unseren Körper beeinflusst. 

Dabei kann man Prozesse wie die Autophagie durch einen aktiven Lebensstil und gesunde Ernährung selbst positiv beeinflussen. 

Gassen und Schmidt planen daher weiterführende Projekte, die konkrete Daten liefern sollen, wie jeder Einzelne seine Autophagie und damit seine individuelle Stressresilienz steigern kann.

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PD Dr. Mathias Schmidt
Forschungsgruppenleiter am Max-Planck-Institut für Psychiatrie
Tel.: 089-30622-519
Mail: mschmidt@psych.mpg.de

Dr. Nils Gassen
Forschungsgruppenleiter Neurohomöostase am Universitätsklinikum Bonn
Tel: 0228-287-15793
Mail: Nils.Gassen@ukbonn.de

Kraepelinstrasse 2-10
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Anna Hein
Telefon: 089 30622 516
E-Mail-Adresse: anna_hein@psych.mpg.de

Anke Schlee
Telefon: 08930622263
E-Mail-Adresse: anke_schlee@psych.mpg.de
Originalpublikation:

Science Advances, March 9, 2022
https://doi.org/10.1126/sciadv.abi4797

 

Dr. Daniel Dumitrescu: Telemedizin und Herzinsuffizienz - Programm HerzConnect

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Selbstbestimmt leben trotz Herzinsuffizienz

Telemedizin im Fokus: Sicherheit und Lebensqualität zu Hause

  • Herzinsuffizienz ist in Deutschland die häufigste Ursache für eine Krankenhauseinweisung. 
  • Neuere Studien zeigen, dass die Zahl stationärer Klinikaufenthalte dank einer vorsorglichen und engmaschigen telemedizinischen Betreuung deutlich verringert werden kann. 

Betroffene bleiben in ihrer gewohnten Umgebung und profitieren von der ärztlichen Begleitung aus der Ferne mit besserer Lebensqualität.

Dr. Daniel Dumitrescu, Kardiologe am Herz- und Diabeteszentrum NRW, Bad Oeynhausen Dr. Daniel Dumitrescu, Kardiologe am Herz- und Diabeteszentrum NRW, Bad Oeynhausen (Foto: Marcel Mompour). HDZ NRW

Ingo von Garnier: (85) gehört zu den mehr als 2,5 Millionen Herzinsuffizienz-Patienten in Deutschland. Im vergangenen Jahr musste er sich einer Operation am Herzen unterziehen, die lange Krankenhaus- und Reha-Aufenthalte zur Folge hatte. Ob er wieder selbständig zu Hause leben können würde, war zunächst ungewiss. „Es war eine schwere Zeit“, erinnert sich seine Frau Helga. „Um ihm weiterhin ein selbstbestimmtes und aktives Leben zu ermöglichen, war es wichtig, ihm die Möglichkeit einer häuslichen Betreuung zu ermöglichen. 

Mit dem Programm HerzConnect® hatten wir die Chance, ein normales Leben bei gleichzeitig hoher medizinischer Sicherheit zu führen.“ Die Erleichterung ist ihr deutlich anzumerken.

Helga und Ingo von Garnier

Helga und Ingo von Garnier (Foto: HDZ NRW).


Nicht heilbar, aber gut beherrschbar

Herzinsuffizienz ist nicht heilbar, doch bei adäquater Therapie können Betroffene je nach Allgemeinzustand und Lebensstil ein weitgehend normales Leben führen. Entscheidend ist eine engmaschige medizinische Begleitung: Je früher gehandelt wird, umso besser sind die Aussichten. Gerade im höheren Alter und abnehmender Mobilität kann der Gang zum Arzt oder zur Ärztin – nicht nur in Zeiten einer Pandemie – eine große Hürde darstellen.

Als Teilnehmer des Programms HerzConnect® bleiben Ingo von Garnier diese Wege größtenteils erspart. Möglich gemacht wird es durch mobile telemedizinische Geräte und den regelmäßigen Telefonkontakt zum betreuenden Team am Herz- und Diabeteszentrum NRW (HDZ NRW), Bad Oeynhausen, welches auch mit den behandelnden Ärztinnen und Ärzten kommuniziert. Das eigenständige Messen der Vitalwerte sowie das Einpflegen in die Smartphone-App gehören zu seiner täglichen Routine. 

 In die korrekte Handhabe von Smartphone, Blutdruckmessgerät, Körperwaage und EKG-Gerät wurden er und seine Frau zu Beginn des Programms ausführlich eingewiesen. Zudem steht das Paar in engem Kontakt mit den Expertinnen und Experten des Instituts für angewandte Telemedizin (IFAT) am HDZ NRW. „Ich gebe Bericht, und das Zentrum ist zufrieden – wie ich auch. Wir haben das alles so gut im Griff, dass ich bisher nicht wieder in ein Krankenhaus musste“, so Ingo von Garnier.

Ärztliche Betreuung aus der Ferne

Zusätzlichen ärztlichen Rat erhält Ingo von Garnier auch aus dem Zentrum für Herzinsuffizienz am HDZ NRW. Hier wird auf Basis der erfassten Daten gemeinsam mit dem IFAT-Team darüber entschieden, welche therapeutischen Maßnahmen zu treffen sind. Zudem wird frühzeitig erkannt, ob womöglich doch ein Klinikaufenthalt für weiterführende Diagnostik oder Behandlung notwendig wird. Hauptansprechpartner bleiben dabei stehts die behandelnden Hausärztinnen und Hausärzte, die kontinuierlich über das IFAT informiert werden.

Dr. Daniel Dumitrescu, Oberarzt und Kardiologe am Zentrum für Herzinsuffizienz des HDZ NRW: „Das Konzept, chronische Erkrankungen aus der Ferne zu betreuen, hat viele Vorteile. Verschlechterungen des Zustands lassen sich durch die engmaschige Begleitung viel früher erkennen, wodurch sich wiederum Krankenhaus-Aufenthalte deutlich verkürzen oder sogar vermeiden lassen, weil wir entsprechend rasch intervenieren können. Nicht zuletzt können die Überwachungsprogramme dadurch auch das Überleben der Patientinnen und Patienten verlängern.“

Mehr Sicherheit für mehr Lebensqualität

Die Kardiologin Dr. Denise Guckel hat das Telemonitoring von Ingo von Garnier von Anfang an ärztlich betreut. „Seit Beginn seiner Teilnahme zeigt unser Patient einen sehr positiven Verlauf“, berichtet sie. „Durch frühzeitige Intervention bei gelegentlich auftretenden leichten Verschlechterungen seiner Vitaldaten konnte der Gesundheitszustand sehr gut stabilisiert werden.“ Auch die Lebensqualität habe sich spürbar gesteigert. Neben dem körperlichen Befinden geht es bei HerzConnect® auch um den allgemeinen Lebensstil.

Das Programm umfasst strukturierte Gespräche zum besseren Umgang mit der Erkrankung durch speziell geschultes Personal. Durch die umfassende Aufklärung werden die Betroffenen zum Manager ihrer Erkrankung und erfahren, wie sie ihr Leben selbstbestimmt und zugleich sicher gestalten können.

Aus der regelmäßigen telefonischen Betreuung entwickelt sich zudem nicht selten ein besonderes Vertrauensverhältnis, das die Teilnehmenden auf beiden Seiten zu schätzen wissen. Das fördere nicht nur die Motivation, den Behandlungsplan einzuhalten und sich aktiv an der Krankheitsbewältigung zu beteiligen, sondern bewirke auch ein Gefühl von Sicherheit, berichtet Helga von Garnier: „Wir sind begeistert. Es ist eine große Beruhigung für mich, meinen Mann so gut betreut zu wissen und umfassend informiert zu sein.“

Als Spezialklinik zur Behandlung von Herz-, Kreislauf- und Diabeteserkrankungen zählt das Herz- und Diabeteszentrum Nordrhein-Westfalen (HDZ NRW), Bad Oeynhausen mit 35.000 Patienten pro Jahr, davon 14.600 in stationärer Behandlung, zu den größten und modernsten Zentren seiner Art in Europa.

Technologie-Partnerschaft zu HerzConnect®

Das Telemedizin-Programm HerzConnect® ist im Rahmen einer Technologie-Partnerschaft zwischen Siemens Healthineers und dem Herz- und Diabeteszentrum NRW (HDZ NRW), Bad Oeynhausen, entstanden. Es basiert auf der Technologie des teamplay MyCare Companion von Siemens Healthineers. Über eine webbasierte Plattform, sowie eine Smartphone-App, können medizinisches Personal und Betroffene relevante Gesundheitsinformationen austauschen.

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Institut für angewandte Telemedizin
Herz- und Diabeteszentrum NRW, Bad Oeynhausen
Universitätsklinik der Ruhr-Universität Bochum
Univ.-Prof. Dr. med. Volker Rudolph
Univ.-Prof. Dr. med. Philipp Sommer
E-Mail: ifat@hdz-nrw.de

Georgstr. 11
32545 Bad Oeynhausen
Deutschland
Nordrhein-Westfalen

E-Mail-Adresse: info@hdz-nrw.de

Anna Reiss
Telefon: 05731/971955
Fax: 05731/972028
E-Mail-Adresse: areiss@hdz-nrw.de
Weitere Informationen für international Medizin am Abend Berlin Beteiligte

http://www.hdz-herzinsuffizienz.de


Univ.- Prof. Dr. med. Alper Öner: Kardiologischer Schock

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Ein zweites Leben – Rostocker Ärzte bringen „stehendes“ Herz eines 38-Jährigen wieder zum Schlagen

Durch die umsichtige ärztliche Notfallversorgung und den Einsatz modernster Medizintechnik der Universitätsmedizin Rostock konnte das Leben eines 38-jährigen Rostockers gerettet werden. 

Nach einem Herzstillstand konnte sein Herz ohne Folgeschäden wieder zum Schlagen gebracht werden.

Es ist der letzte Januartag 2022. Gemeinsam mit einem Kollegen ist der 38-jährige Kranmonteur in 36 Metern Höhe auf den Turm eines Krans gestiegen. Plötzlich spürt er einen stechenden Schmerz in der Brust. Sein Gesicht verfärbt sich aschgrau. Auf der Stirn werden Schweißperlen sichtbar. Sein Kollege fragt, ob alles in Ordnung sei. „Es geht gleich wieder“, sagt der Rostocker. Und erzählt, dass er vor drei Tagen schon einmal ähnliche Symptome hatte. Dachte an Verspannungen. Der Kollege erkennt, dass er sofort dringend Hilfe braucht und fragt ihn noch schnell, ob er die zehn Meter Abstieg bis ins Kran-Plateau alleine schafft. Das gelingt. Der Kollege ruft den Notdienst.
Schnell sind die Höhenretter der Rostocker Feuerwehr mit einer Spezialausrüstung vor Ort und bringen den Mann mit dem Rettungswagen ins Herzzentrum der Universitätsmedizin Rostock. Hier erkennen die handelnden Ärztinnen und Ärzte sofort den Ernst der Lage. Der Patient ist in einem extrem schlechten Zustand – ein kardiologischer Schock: kreideweis, mit niedrigem Blutdruck und klassischen Veränderungen im EKG, nicht ansprechbar.

Dem Tod näher als dem Leben
„Bei dem Patienten zeigte sich bei der Untersuchung im Herzkatheter-Labor, dass der so genannte Hauptstamm, also das Gefäß, das in der Regel 75 Prozent der Herzmuskulatur mit Blut versorgt, verschlossen war“, sagt Professor Alper Öner, der gemeinsam mit Professor Hüseyin Ince das Herzzentrum der Rostocker Unimedizin leitet. 

Für die beiden Experten, die im Fachgebiet der Herzmedizin international einen Namen haben, grenzt es an ein Wunder, den Patienten überhaupt lebend im Krankenhaus zu empfangen. „Patienten mit diesem Befund sind meist schon vor Ort tot“, sagt Professor Ince. Selbst diejenigen, die mit diesem Befund noch im Krankenhaus aufgenommen werden, hätten eine extrem niedrige Überlebenschance. „Das liegt daran, dass das Herz ein Muskel ist, der auf permanente sauerstoffreiche Blutzufuhr angewiesen ist“, betont Professor Öner, der bei der Behandlung Regie führte. „Bei einem Hauptstammverschluss wie in diesem Fall ist man dem Tod näher als dem Leben“.
Unbestechlich signalisierte der Ultraschall den Ärzten, dass das Herz des 38-Jährigen „stand“ und somit das Leben des Familienvaters von drei Kindern noch weniger als am seidenen Faden hing. Denn, der Befund bedeutete auch, dass kaum noch Blut in den Kreislauf gepumpt werden konnte. Allen beteiligten Spezialisten um Oberarzt Stephan Valenta war klar, dass sich, selbst wenn mit Hilfe eines Stents das Gefäß geöffnet werden würde, das Herz nicht erholen, sprich: pumpen würde.

Technik hilft heilen
Für Professor Öner gibt es in solchen Grenzsituationen nur die Devise: „Alles was möglich ist, tun. Technik hilft heilen“. Die Technik, die hier hilft, sind Herz-Lungen-Maschinen. Diese verwenden Herzchirurgen für die offene Herz-OP: Mit Hilfe von großen Schläuchen, im Durchmesser zwei Zentimeter, wird das Blut aus dem Körper gezogen, mit Sauerstoff angereichert und wieder in den Körper zurückgeführt.
Doch diese Maschine alleine hätte dem Patienten nicht das Leben gerettet, „weil sie nicht die Eigenschaft hat, das angegriffene Herz zu entlasten“, erklärt Professor Öner. Da konnte nur eine weitere Maschine, die so genannte Impella, unterstützen. Diese minimalinvasive, temporäre Herzpumpe arbeitet mit Echtzeit-Intelligenz und ermöglicht eine bessere Erholung des Herzens. Sie schafft es, zwei bis dreieinhalb Liter Blut in der Minute zu pumpen und reduziert dadurch die Last, die das Herz sonst bewältigen muss. Denn wichtig ist, dass die Heilungskräfte des Körpers, die nötige Zeit bekommen, um aktiviert zu werden. „Hier geht es um Sekunden, Minuten, oft aber auch Stunden, die für die körpereigenen Heilungskräfte benötigt werden“, verdeutlicht Professor Öner.

Interdisziplinäre Zusammenarbeit rettet Leben
Das Implantieren dieser Technik durch Kardiologen ist das eine; das andere das Führen und Bedienen der lebensrettenden Maschinen, das einen sehr hohen Spezialisierungsgrad der beteiligten Teams voraussetzt. Beispielsweise von der Anästhesiologie und Intensivtherapie um Professor Daniel Reuter sowie der Abteilung für Pneumologie mit Professor Johann Christian Virchow an der Spitze und Professor Pascal Dohmen aus der Herzchirurgie. 


Und genau das sei es, was die Unimedizin in Rostock auszeichne, die interdisziplinäre Zusammenarbeit aller Fachbereiche, unterstreicht der Dekan der Medizinischen Fakultät, Professor Emil Reisinger. „Wir setzen in Rostock auf den Schwerpunkt Medizintechnik und forschen gemeinsam mit den technischen Fakultäten der Universität Rostock an Neuentwicklungen hochtechnischer Geräte, die den Patienten zugutekommen“. 


Die Professoren Ince und Öner danken dem Vorstand, dass beide Herzmaschinen in ihrem Herzzentrum verfügbar sind. Denn: Die Kosten sind hoch und werden oft nicht durch das Vergütungssystem der Krankenkassen vollständig abgedeckt.

Hören Sie auf Ihr Herz!
Gegenwärtig befindet sich der Patient in der Reha, er fühle sich gut, könne kurze Strecken gehen und Treppen steigen. Die Ehefrau des Patienten ist sich sicher: „Die Technik funktioniert nur, wenn großartige Menschen dahinterstehen.“ Sie sei dem Herzzentrum der Universitätsmedizin Rostock unendlich dankbar für die großartige Leistung, die ihrem Mann ein zweites Leben ermögliche. Besonders glücklich sei sie, dass er keine geistigen Schäden davongetragen habe. Und er habe einen anderen Lebensstil anvisiert, er wolle nicht mehr rauchen und sich in Zukunft gesünder ernähren.
Dass sich das Herz des Patienten gut erholt habe, „grenzt fast an ein Wunder“, betont Professor Ince und zeigt sich, wie er sagt, „ein bisschen stolz“ auf das, was das Rostocker Herzzentrum geleistet habe. „Der Patient hat keinen Herzschaden genommen. Weder beim Sport, noch beim Arbeiten oder Feiern wird er eingeschränkt sein.“ Die Krankheit werde ihn zwar begleiten, „aber wir halten sie in Schach“, sind sich die Professoren Öner und Ince einig. Ihre Botschaft an ihn: „Hören Sie auf Ihr Herz!“

Uni-Rektor Professor Wolfgang Schareck, selbst Mediziner, sagt: „Dank und Glückwunsch diesem Team und dem Patienten alles erdenklich Gute!“ Der Wissenschafts- und Forschungsschwerpunkt der beiden Rostocker Kardiologen Professor Öner und Ince in enger Zusammenarbeit mit dem Institut für Implantat-Technologie und Biomaterialien, geführt durch Professor Klaus-Peter Schmitz, liegt auf dem Gebiet der Medizintechnik. Die wunderbare Lebensrettung eines jungen Familienvaters, bei dem es gelang, mit spezialisierter ärztlicher Notfallversorgung und dem Einsatz modernster Medizintechnik ein Herz ohne bleibende Schäden wieder zum Schlagen zu bringen, zeigt, dass der beschrittene Weg der richtige ist. 

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Wolfgang Thiel

Sissy Gudat Universität Rostock

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Dr. Kristin Nölting
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Universitätsmedizin Rostock
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Dr. Daniela Mauceri: Entstehung von chronischen Schmerzen - Schmerzempfindlichkeit im Rückenmark

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Wie chronischer Schmerz entsteht

Zur Entstehung von chronischen Schmerzen trägt ein epigenetischer Faktor, bekannt als HDAC4, ebenso bei wie ein Organischer Anionen-Transporter (OAT1). 

Den zugrundeliegenden molekularen Mechanismus hat ein Team von Wissenschaftlern unter Leitung von Dr. Daniela Mauceri an der Universität Heidelberg identifiziert. 

Wie die Forscher im Versuch mit Mäusen nachweisen konnten, beeinflusst HDAC4 die Expression von Genen in Neuronen, die an der Verarbeitung von Schmerzen beteiligt sind. 

OAT1 reguliert die Schmerzempfindlichkeit im Rückenmark, so ein weiteres Ergebnis der Untersuchungen. 

Ausschnitt des Rückenmarkhinterhorns der Maus. Blau: Zellkerne, rot: Neuronen. In grün ist das Acetylierungslevel von Histon 3 dargestellt. Es wird genutzt, um die Aktivität von HDAC4 zu messen. Ausschnitt des Rückenmarkhinterhorns der Maus. Blau: Zellkerne, rot: Neuronen. In grün ist das Acetylierungslevel von Histon 3 dargestellt. Es wird genutzt, um die Aktivität von HDAC4 zu messen. Daniela Mauceri


Wie chronischer Schmerz entsteht

Heidelberger Wissenschaftler identifizieren molekulare Mechanismen, die die Schmerzverarbeitung und Schmerzempfindlichkeit beeinflussen

Zur Entstehung von chronischen Schmerzen trägt ein epigenetischer Faktor bei ebenso wie ein Organischer Anionen-Transporter (OAT1), dessen Funktion im Nervensystem bislang unbekannt war. 

Den zugrundeliegenden molekularen Mechanismus hat ein Team von Wissenschaftlern unter Leitung von Dr. Daniela Mauceri am Interdisziplinären Zentrum für Neurowissenschaften (IZN) der Universität Heidelberg identifiziert. 

Wie die Forscher im Versuch mit Mäusen nachweisen konnten, beeinflusst der epigenetische Faktor – er trägt die Bezeichnung HDAC4 – die Expression von Genen in Neuronen, die an der Verarbeitung von Schmerzen beteiligt sind. 

Der Transporter OAT1 reguliert die Schmerzempfindlichkeit im Rückenmark, so ein weiteres Ergebnis der Heidelberger Untersuchungen. Von ihren Erkenntnissen erhoffen sich die Wissenschaftler neue Ansätze zur Behandlung von chronischen Schmerzen.

  • „Normale, akut-physiologische Schmerzen verhindern Gewebeschäden und verschwinden im Falle einer Verletzung, sobald diese abheilt. 

Chronisch-pathologische Schmerzen dagegen treten auch nach dem Abklingen einer Verletzung und ohne besonderen Grund auf“, erläutert Daniela Mauceri, die mit ihrer Arbeitsgruppe in der Abteilung für Neurobiologie am IZN forscht. 

  • Der Übergang von akutem zu chronischem Schmerz wird durch Veränderungen bei der Genexpression hervorgerufen. 

Sie reguliert, wie die in einem Gen enthaltenen Informationen in ein Genprodukt – etwa Proteine oder RNA-Moleküle – umgesetzt werden. 

  • Chronische Schmerzen treten insbesondere dann auf, wenn Zellen wie die Neuronen im Rückenmarkhinterhorn betroffen sind. 
  • Beim Rückenmarkhinterhorn handelt es sich um jenen Bereich des Rückenmarks, der sensorische Informationen verarbeitet.

Mit der Histondeacetylase 4 (HDAC4) haben die Wissenschaftler nun einen epigenetischen Faktor identifiziert, der die Genexpression von Neuronen im Rückenmarkhinterhorn maßgeblich beeinflusst. 

Im Versuch mit Mäusen stellten sie fest, dass HDAC4 infolge von langanhaltenden Schmerzen aus dem Kern der Neuronen im Rückenmarkhinterhorn heraustransportiert und somit deaktiviert wird. 

Sammelt sich HDAC4 bevorzugt im Zytosol, dem Teil der Zelle außerhalb des Zellkerns, kommt es zu chronischen schmerzbedingten Reaktionen. Hinderten die Forscher HDAC4 daran, das Zytosol zu erreichen, fielen auch die von den Mäusen gezeigten chronischen Schmerzreaktionen geringer aus.

In Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Rohini Kuner, die eine Arbeitsgruppe am Pharmakologischen Institut der Medizinischen Fakultät Heidelberg leitet, ging das Team um Dr. Mauceri anschließend der Frage nach, welche von HDAC4 kontrollierten Gene für die Entstehung von chronischen Schmerzen verantwortlich sind. 

Sie fanden heraus, dass an diesem Prozess der Organische Anionen-Transporter 1 (OAT1) entscheidend beteiligt ist. 

Er wird als Trägerstoff auch bei Menschen exprimiert. 

Nach den Worten von Dr. Mauceri war seine Funktion im Nervensystem bislang unklar. 

„Im Maus-Experiment konnten wir nun zeigen, dass OAT1 im Rückenmark die Schmerzempfindlichkeit steuert. 

Sollten künftige Studien bestätigen, dass dies auch für Menschen zutrifft, könnte sich daraus ein neuer Behandlungsansatz in der Schmerztherapie ergeben“, so die Neurobiologin.

Um diesen Ansatz weiter zu testen, verabreichten die Wissenschaftler den Mäusen den OAT1-Hemmer Probenecid. 

Nach der Gabe dieses Wirkstoffes nahm die OAT1-Aktivität und somit die Schmerzempfindlichkeit der Mäuse ab. 

Als besonders interessante Erkenntnis erwies sich für die Forscher, dass Probenecid im Experiment auch dann eine lindernde Wirkung zeigte, wenn chronische Schmerzen bereits vorhanden waren. 

Von diesen Ergebnissen – sofern sie durch künftige klinische Studien bestätigt werden – erhoffen sie sich neue Therapieansätze. Dr. Mauceri: 

„Es könnte interessant sein, zu testen, ob sich OAT1-Hemmer wie Probenecid, die mithilfe von sogenannten Schmerzpumpen direkt ins Rückenmark verabreicht werden können, als Behandlungsoption für Patienten mit chronischen Schmerzen eignen.“

Die Forschungsarbeiten waren eingebunden in den an der Universität Heidelberg angesiedelten Sonderforschungsbereich 1158 „Von der Nozizeption zum chronischen Schmerz: 

Struktur-Funktions-Merkmale neuraler Bahnen und deren Reorganisation“, dessen Sprecherin Prof. Kuner ist. Die Ergebnisse der Studie wurden in der Fachzeitschrift „Nature Communications“ veröffentlicht.
 

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Dr. Daniela Mauceri
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E-Mail-Adresse: ute.mueller-detert@rektorat.uni-heidelberg.de

Originalpublikation:

C. Litke, A. M. Hagenston, A.-K. Kenkel, E. Paldy, J. Lu, R. Kuner, D. Mauceri: Organic anion transporter 1 is an HDAC4-regulated mediator of nociceptive hypersensitivity in mice. Nature Communications (15 February 2022), DOI: 10.1038/s41467-022-28357-x

Weitere Informationen für international Medizin am Abend Berlin Beteiligte

http://www.uni-heidelberg.de/izn/researchgroups/mauceri - Arbeitsgruppe von Daniela Mauceri


Prof. Dr. Valentin Stein: Motorische Steuerung - motorische Lerndefizite bei chronischem Stress - neurodegenerative Erkrankungen wie Parkinson/Alzheimer

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Stress schädigt die Bewegungs-Zentren im Gehirn

Stress scheint sich negativ auf das Erlernen von Bewegungen auszuwirken - zumindest bei Mäusen. 

Zu diesem Schluss kommt eine aktuelle Studie der Universität Bonn. 

Demnach verlieren die Neurone von Nagern nach Stress einen Teil ihrer Kontakte zu anderen Nervenzellen. 

Die Tiere entwickelten zudem motorische Defizite. 

Die Ergebnisse lassen sich vielleicht für eine frühzeitigere Diagnostik und verbesserte Therapie stressbedingter Erkrankungen wie der Depression nutzen. 

Sie dokumentieren zudem, dass Stress im Gehirn Spuren hinterlässt - möglicherweise auch dauerhafte. Die Studie ist in der Zeitschrift Translational Psychiatry erschienen.

  • Chronisch gestresste Menschen zeigen oft Auffälligkeiten in ihrem Bewegungsvermögen, etwa eine schlechtere feinmotorische Kontrolle. 

Wie es zu diesen Symptomen kommt, wurde bislang aber noch kaum untersucht. 

„Wir sind dieser Frage in unserer Studie nachgegangen“, erklärt Prof. Dr. Valentin Stein vom Institut für Physiologie II der Universität Bonn.

Als Versuchstiere nutzten die Forschenden Mäuse, von denen sie einen Teil für einige Tage einer stressigen Situation aussetzten. Mit einer speziellen Mikroskopie-Methode fertigten sie derweil Aufnahmen vom Gehirn der Nager an. Dabei konzentrierten sie sich auf Teile der Hirnrinde, die für die motorische Steuerung und das Erlernen neuer Bewegungen zuständig sind.

„Mit unserem Verfahren ist es möglich, ein und dasselbe Neuron zu verschiedenen Zeitpunkten zu beobachten“, sagt Dr. Anne-Kathrin Gellner, die als Ärztin in der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Universitätsklinikums Bonn arbeitet. „Wir können daher sehen, ob und wie es sich durch den Stress verändert.“

Gestresste Mäuse verlieren Synapsen

Tatsächlich stießen die Forschenden dabei auf eine Auffälligkeit: 

Nach der stressigen Situation verloren die untersuchten Neurone einen Teil ihrer Synapsen - das sind die Kontakte zu anderen Nervenzellen. 

Bei Lernvorgängen bilden sich in der Regel neue Synapsen oder bestehende werden gestärkt.  

Die gestressten Nager büßten stattdessen aber bis zu 15 Prozent ihrer Kontakte ein.

Gleichzeitig entwickelten die Tiere motorische Lerndefizite. So sollten sie versuchen, mit einer Pfote ein Futterkügelchen zu greifen und in ihr Maul zu befördern. In freier Wildbahn nutzen Mäuse dazu beide Pfoten; sie mussten diese Fähigkeit also neu lernen. Die nicht gestressten Kontrollgruppe kam nach fünf Tagen auf eine Erfolgsquote von 30 Prozent. Die gestressten Nager schafften es aber nur bei jedem zehnten Versuch, das Futter zu nehmen.

Mäuse sind gegenüber Belastungen unterschiedlich empfindlich. Manche von ihnen entwickeln nach einigen Tagen Stress kaum Auffälligkeiten - sie gelten als resilient. Erstaunlicherweise hatten diese robusten Tiere ähnlich große Schwierigkeiten wie ihre empfindlicheren Artgenossen, das einhändige Greifen zu lernen. 

„Möglicherweise eignen sich motorische Tests daher sehr gut, um stressbedingte Störungen wie etwa eine Depression zu erkennen, bevor sich andere Symptome zeigen“, hofft Prof. Valentin Stein.

Auch resiliente Tiere sind nicht gefeit

Auch bei resilienten Tieren ging zudem die Zahl der Synapsen nach dem Stressereignis zurück. Anders als bei ihren stressempfindlichen Artgenossen erholten sich die betroffenen Neurone jedoch wieder: Nach anderthalb Wochen war die Zahl der Synapsen wieder ähnlich hoch wie vor dem Stressereignis und vergleichbar mit der in nicht gestressten Kontrolltieren. „Dennoch kann es gut sein, dass psychische Belastungen auch bei ihnen dauerhafte Spuren hinterlassen, wenn sie zu lang oder zu häufig erfolgen“, befürchtet Stein, der auch Mitglied im Transdisziplinären Forschungsbereich (TRA) „Leben und Gesundheit“ ist.

Die Forschenden haben auch Anhaltspunkte darauf, wodurch der Verlust der Synapsen ausgelöst wird: 

Im Gehirn der Nager waren bestimmte Immunzellen aktiviert, die Mikroglia. 

  • Sie zählen zu den sogenannten Fresszellen und können zum Beispiel Krankheitserreger oder defekte Zellen verdauen. 

Möglicherweise werden sie durch Stress „scharf geschaltet“ und machen sich dann über die Kontaktstellen her.

Die Arbeitsgruppe untersuchte zudem die Flüssigkeit, die Gehirn und Rückenmark umspült. 

Dabei fand sie bestimmte Proteine, die sich dort normalerweise bei neurodegenerativen Erkrankungen wie Parkinson oder Alzheimer nachweisen lassen. 

„Wir glauben daher, dass stressbedingte psychiatrische Erkrankungen wie die Depression auch mit dem Abbau von Nervenzellen einhergehen“, sagt Dr. Gellner. „Dauerhafter Stress - dem zunehmend auch Kinder ausgesetzt sind - kann demnach möglicherweise gravierende Schäden im Gehirn anrichten.“

Beteiligte Institutionen und Förderung:

An der Studie waren die Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Universitätsklinikums Bonn, das Institut für Ernährungswissenschaft der Universität Potsdam, das Institut für Biochemie und Molekularbiologie, das Institut für Molekulare Psychiatrie und das Institut für Physiologie II (alle Universität Bonn) beteiligt. Dr. Anne-Kathrin Gellner wurde durch das BONFOR Programm der Medizinischen Fakultät gefördert. 

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Prof. Dr. Valentin Stein
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E-Mail: vstein@uni-bonn.de


Originalpublikation:

Anne-Kathrin Gellner, Aileen Sitter, Michal Rackiewicz, Marc Sylvester, Alexandra Philipsen, Andreas Zimmer und Valentin Stein: Stress vulnerability shapes disruption of motor cortical neuroplasticity. Translational Psychiatry, DOI: 10.1038/s41398-022-01855-8