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CAVE-Untersucher: Virale Infektion von Herzerkrankungen: Akut-Infektion - Chronische Infektion

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Virale Infektionsverläufe besser verstehen

Ein Forscherteam des Instituts für Genetik von Herzerkrankungen an der Westfälischen Wilhelms-Universität (WWU) Münster hat ein Virus-Expressionsmodell entwickelt, mit dem sich eine Vielzahl viraler Infektionen simulieren und analysieren lässt – auch die mit SARS-CoV-2. 

Die Studie ist in der Fachzeitschrift "Scientific Reports" erschienen. 

Arbeitsgruppen-Leiter Prof. Guiscard Seebohm am Patch-Clamp-Messplatz. Arbeitsgruppen-Leiter Prof. Guiscard Seebohm am Patch-Clamp-Messplatz. Marlen Keß

Es ist nur ein 120 Millionstel Millimeter groß und legt doch ganze Staaten lahm: 

das Corona-Virus. Selbst wenn es eines Tages wieder verschwindet, virale Infektionen werden auch danach zu den häufigen und schwierig zu behandelnden Erkrankungen des Menschen gehören. Selbst jahrzehntelange Forschung hat nur wenige standardisierte Impfstoffe und Behandlungsstrategien gegen eine nur geringe Zahl von Viren hervorgebracht. Auch die viralen Wirkungsmechanismen sind bislang kaum erforscht – ein Grund für Prof. Dr. Guiscard Seebohm und sein Team des Instituts für Genetik von Herzerkrankungen an der Westfälischen Wilhelms-Universität (WWU) Münster, sich genau diesem Thema zu widmen. Jetzt ist dem Team eine wichtige Entwicklung gelungen: Die Arbeitsgruppe hat ein Virus-Expressionsmodell aufgebaut, mit dem sich eine Vielzahl viraler Infektionen simulieren und analysieren lässt – auch die mit SARS-CoV-2. Die Ergebnisse sind in der aktuellen Ausgabe des „Nature“-Journals „Scientific Reports“ nachzulesen.

Deutlich weniger bekannt als SARS-CoV-2, aber auf die gleiche Weise übertragbar, ist das Coxsackie-Virus B3 (CVB3). 

  • „Seine Symptome ähneln meist der einer Grippe, das gilt auch für die Erholungsdauer. Nach zwei bis drei Wochen ist der CVB3-infizierte Patient in der Regel wieder gesund, meist ohne offensichtliche Langzeitschäden“, erläutert Guiscard Seebohm. 

Aber eben nicht immer, ergänzt der Leiter der Abteilung Zelluläre Elektrophysiologie und Molekularbiologie: 

Neben Akut-Infektionen berge eine virale Infektion auch die Gefahr einer chronischen Infektion. 

Die Folge kann eine kontinuierliche Schädigung bestimmter innerer Organe sein, die zum Tod führen kann. 

  • So können nach Monaten oder Jahren bei einigen der früheren CVB3-Patienten Herzmuskelentzündungen oder eine Diabetes-Erkrankungen des Typs I auftreten. 

Histologische Untersuchungen bei Betroffenen zeigten teils gravierende Schäden in der Gewebsstruktur. 

Auch Jahre nach der akuten Infektion belegen Gewebeanalysen das Vorhandensein viralen Erbguts.

Wie es zum chronischen Verlauf einer CVB3-Infektion kommt und wie eine akute Infektion genau verläuft, ist bis heute unzureichend untersucht. 

Das Forscherteam um Guiscard Seebohm ist in dieser Hinsicht ein großer Schritt nach vorn gelungen: Sie entwickelten ein auf Stammzellen basierendes Expressionsmodell für CVB3, um den Wirkmechanismen dieses Virus' – als Prototyp für Virenwirkung allgemein – auf den Grund zu gehen. 

Das Modell wurde in einer Studie auf dessen Kontrollierbarkeit in Herzmuskelzellen untersucht, die aus Stammzellen gezüchtet wurden. Dabei integrierte die Forschergruppe die Erbinformation einer nicht-infektiösen Variante des CVB3 in das Erbgut humaner Stammzellen. 

Letztere können im Labor in beliebiges menschliches Gewebe umgewandelt werden und ermöglichen die präzise Erforschung viraler Mechanismen. Mithilfe eines chemischen Signals kann die Expression von CVB3 gezielt eingeschaltet werden.

„Durch dieses einzigartige und kontrollierbare System lässt sich eine Vielzahl von Krankheitsverläufen simulieren und erstmals mit höchster Präzision analysieren“, betont Guiscard Seebohm. 

Den Wissenschaftlern gelang es, im Modell die CVB3-Expression sowohl in Stammzellen als auch in differenzierten Herzmuskelzellen zeitlich zu steuern. 

Zugleich variierten sie die Menge an viralen Proteinen und deren Lokalisation. 

Das bedeutet, dass sowohl das Ausmaß der Virusinfektion, das Infektionsmuster als auch der Zeitverlauf den jeweiligen wissenschaftlichen Fragestellungen angepasst werden können.

Durch die Generierung des ersten voll kontrollierbaren Virus-Expressionsmodells in humanen Zellen, dessen erwiesene Funktionalität und die Übertragbarkeit auf den Patienten, eröffnen sich zahlreiche neue Ansätze für die Forschung. 

Es lässt sich nicht nur die Infektion mit CVB3 und anderen Viren, wie Corona- und Influenzaviren, mit höchster Auflösung untersuchen. 

Die Grenzen des wissenschaftlich erforschbaren Bereiches werden durch diesen neuen Ansatz erweitert. 

Folgestudien zur kontrollierten Expression von CVB3 in hiPSC sind bereits in Arbeit und zeigen vielversprechende Resultate. Dr. Stefan Peischard, Erstautor der jetzt publizierten Studie, und seine Teamkollegen von der Arbeitsgruppe Seebohm erhoffen sich einen großen Nutzen für betroffene Patienten.

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Originalpublikation:

Peischard, S., Ho, H.T., Piccini, I. et al. The first versatile human iPSC-based model of ectopic virus induction allows new insights in RNA-virus disease. Sci Rep 10, 16804 (2020). DOI: 10.1038/s41598-020-72966-9

CAVE-Untersucher: Status der Botenstoffe z.B. Parathormon, PTH - chronische Nierenerkrankungen

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit:  Chronische Nierenerkrankung: Unterschiedliche biologische Eigenschaften des Nebenschilddrüsenhormons durch Oxidation

Wissenschaftler warnen vor Fehleinschätzungen bei der Therapiesteuerung, da gebräuchliche iPTH-Assays nicht zwischen bioaktivem und inaktivem Hormon unterscheiden.

Viele Funktionen des menschlichen Körpers werden über Hormone reguliert. 

Krankheitszustände können diese Botenstoffe beeinflussen. 

In der klinischen Praxis wird der Status bestimmter Botenstoffe genutzt, um Rückschlüsse auf den Gesundheitszustand zu ziehen und daraus die weitere Therapie abzuleiten. 

  • Ein Beispiel aus der gängigen Praxis ist die Erfassung des Nebenschilddrüsenhormons (Parathormon, PTH) bei der chronischen Nierenerkrankung, da bekannt ist, dass die Konzentration des PTH mit abnehmender Nierenfunktion progressiv ansteigt.


Eine Forschergruppe aus der V. Medizinischen Klinik der Universitätsmedizin Mannheim (UMM), um Professor Dr. med. Berthold Hocher, konnte schon vor einigen Jahren zeigen, dass PTH bei nierenkranken Patienten oxidiert wird, und dass dies zum Funktionsverlust des Hormons führt. 

In ihrer aktuellen Arbeit gingen die Forscher der Frage nach, inwieweit die Oxidation von PTH den Krankheitsverlauf beeinflusst und ob der Zustand von PTH – ob oxidiert oder nicht-oxidiert – für die Therapieentscheidung relevant sein könnte.

Die Forscher untersuchten dazu das Zusammenspiel von PTH und einem weiteren Hormon, des von Knochenzellen produzierten Fibroblasten-Wachstumsfaktors 23 (FGF 23), bei nierenkranken Patienten. 

Beide Hormone spielen eine wesentliche Rolle in der Regulation des Kalzium- und Phosphathaushaltes.  

  • Störungen in diesem System verursachen Knochenerkrankungen, aber insbesondere auch eine Verkalkung von Blutgefäßen – eine wesentliche Ursache von Gefäßschäden und der hohen Sterblichkeit von nierenkranken Patienten.


In den meisten früheren Studien waren PTH und der FGF 23-Serumspiegel eng miteinander korreliert und es wird vermutet, dass FGF 23 und PTH sich gegenseitig in einer negativen Rückkopplungsschleife regulieren. Bei diesen Studien wurde allerdings nicht zwischen oxidiertem und nicht-oxidiertem PTH unterschieden.

Die Mannheimer Arbeitsgruppe konnte in der Zellkultur zeigen, dass nur nicht-oxidiertes PTH, nicht aber oxidiertes PTH, die Synthese von FGF 23 stimuliert. Mit diesem Befund stimmen auch die klinischen Daten aus zwei unabhängigen Kohortenstudien überein. Die Ergebnisse lassen den Schluss zu, dass nur das nicht-oxidierte PTH Teil dieses wichtigen hormonellen Regelkreises ist.

Die Wissenschaftler machten eine weitere, in diesem Zusammenhang wichtige Beobachtung: 

Sie konnten nachweisen, dass der in vielen Lehrbüchern beschriebene deutliche Anstieg des Nebenschilddrüsenhormons PTH bei abnehmender Nierenfunktion hauptsächlich auf einen Anstieg des oxidierten, inaktiven PTH zurückzuführen ist, wohingegen das biologisch aktive, nicht-oxidierte PTH, nur mäßig ansteigt.

„Wir müssen die Eignung der in der klinischen Routine gebräuchlichen iPTH-Assays für darauf fußende Therapieentscheidungen kritisch hinterfragen“, warnt Professor Hocher. 

Denn: Die iPTH-Assays erlauben keine Unterscheidung zwischen bioaktivem (nicht-oxidiertem) und inaktivem (oxidierten) PTH, sondern messen lediglich das Gesamt-PTH. 

„Unsere Ergebnisse sprechen dafür, dass diese Assays zu einer Fehleinschätzung der Menge an wirklich wirksamem Hormon führen und eine korrekte Therapiesteuerung damit nicht möglich ist. In der Zukunft sollten nur PTH-Assays Verwendung finden, die ausschließlich das bioaktive PTH messen.“

Die Bedeutung der vorliegenden Ergebnisse könnte weit über das Verständnis der biologischen Eigenschaften von PTH hinausgehen. 

Denn viele Peptidhormone haben ebenso wie PTH Aminosäuren in ihrer Aminosäuresequenz, die unter Bedingungen des oxidativen Stresses oxidiert werden können. 

Wenn die Oxidation die biologischen Eigenschaften auch dieser Hormone verändert, könnte dies ähnliche Folgen haben wie es für PTH gezeigt wurde: F

Funktionsverlust der oxidierten Hormone und Fehleinschätzung der Menge an wirksamem Hormon.

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Prof. Dr. med. Berthold Hocher
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Originalpublikation:

Relationship between GFR, intact PTH, oxidized PTH, nonoxidized PTH as well as FGF23 in patients with CKD
Shufei Zeng, Uwe Querfeld, Martina Feger, Dieter Haffner, Ahmed A. Hasan, Chang Chu, Torsten Slowinski, Thomas Bernd Dschietzig, Franz Schäfer, Yingquan Xiong, Bingbing Zhang, Steffen Rausch, Katarina Horvathova, Florian Lang, Bernhard Karl Krämer, Michael Föller, Berthold Hocher
The FASEB Journal. 2020;00:1–13.
DOI: https://doi.org/10.1096/fj.202000596R


CAVE-Untersucher: Die Herzschwäche-Herzinsuffizienz bei Diabetes - Blutzuckerspiegel

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Herzschwäche bei Diabetes oft zu spät diagnostiziert - Regelmäßiges Screenen notwendig

Wenn ein Diabetes mellitus längere Zeit unentdeckt bleibt oder wenn es nicht gelingt, den Blutzuckerspiegel konstant niedrig zu halten, drohen ernsthafte Folgeerkrankungen. 

Zu den schwerwiegendsten Diabetesfolgen zählt die Herzinsuffizienz, an der Diabetespatientinnen und -patienten doppelt so häufig erkranken wie Stoffwechselgesunde. 

Wie die Herzschwäche entsteht, wie sie frühzeitig erkannt werden kann und welche therapeutischen Konsequenzen sich aus dem gleichzeitigen Vorliegen von Diabetes und Herzinsuffizienz ergeben, diskutieren Expertinnen und Experten auf der 14. Herbsttagung der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG). 

Die Tagung findet vom 6. bis 8. November 2020 online statt.

  • Das Risiko für Herzkreislauferkrankungen ist bei einem Diabetes mellitus zwei- bis vierfach erhöht, bei Frauen sogar bis sechsfach. 

„Die Herzinsuffizienz, auch Herzschwäche genannt, ist die häufigste kardiovaskuläre Folgeerkrankung des Diabetes“, sagt Professor Dr. med. Nikolaus Marx, Direktor der Klinik für Kardiologie, Angiologie und Internistische Intensivmedizin der Uniklinik der RWTH Aachen. 

Hinzu kommt, dass die Herzinsuffizienz bei Menschen mit Diabetes oft zu spät erkannt wird, deutlich komplizierter verläuft und somit besonders schlechte Überlebensprognosen nach sich zieht: 

  • Pro Jahr muss nahezu jeder Sechste aufgrund seiner Herzschwäche ins Krankenhaus eingeliefert werden.
  •  „Von dieser kardiovaskulären Erkrankung sind deutlich mehr Diabetespatienten betroffen als bislang angenommen“, betont Marx.

Über welche Mechanismen der Diabetes das Herz schädigt und das Risiko für eine Herzschwäche erhöht, ist noch nicht vollständig geklärt. „Vermutlich spielen hier Stoffwechselveränderungen im Herzmuskel eine Rolle, vor allem im Kalzium- und Energiestoffwechsel“, sagt Marx, Sprecher des DDG Ausschusses „Herz, Diabetes & Hormone der DDG, DGE & DGK“. 

  • Neuen Erkenntnissen zufolge trägt dazu nicht nur der erhöhte Blutzucker selbst bei, der die Gefäße und Organstruktur schädigen kann, sondern auch Immunbotenstoffe sowie Botenstoffe aus dem Fettgewebe und der Leber, die bei Menschen mit Diabetes häufig durch Fetteinlagerungen geschädigt ist. 

„Um diese Veränderungen früh zu erkennen ist eine stringente, interdisziplinäre leitlinienorientierte, evidenzbasierte Therapie des Diabetes vonnöten“, bilanziert Professor Dr. med. Ralf Lobmann, Direktor der Klinik für Endokrinologie, Diabetologie und Geriatrie am Klinikum Stuttgart und diesjähriger Tagungspräsident der DDG-Herbsttagung.

Gleichzeitig haben zwischen 25 und 40 Prozent der Patienten mit einer Herzinsuffizienz auch einen – oft unerkannten – Diabetes“, so Lobmann. 

Liegt eine Herzinsuffizienz vor, sollte auch immer auch auf einen Diabetes untersucht werden.  

„Diabetes und Herzinsuffizienz dürfen daher nicht unabhängig voneinander betrachtet werden, sondern als gefährliches Duo“, ergänzt Marx. 

Dieser Umstand müsse vermehrt in die jeweilige Therapie einfließen. 

Mittlerweile gebe es konkrete Empfehlungen für die Diabetestherapie bei Patienten mit bereits bestehender oder beginnender Herzschwäche. 

„Hier hat sich besonders die Behandlung mit so genannten SGLT2-Hemmern bewährt“, führt Marx aus. Diese Wirkstoffe, die die Zuckerausscheidung über die Niere verstärken, konnten in Studien die Zahl der Krankenhauseinweisungen wegen einer Herzinsuffizienz sowie den kardialen Tod deutlich verringern.

„Um die derzeit noch schlechten Prognosen für diese Patientengruppe zu verbessern, brauchen wir ein noch besseres Verständnis der Pathophysiologie. 

Dieses kann uns wiederum helfen, die Therapie besser zu individualisieren und auch die Diabetesmedikation bei Herzinsuffizienz gezielter einzusetzen.“ 

Auf der Herbsttagung vom 6. Bis 8. November 2020 berichten Experten über neueste Erkenntnisse im Wechselspiel von Herz und Diabetes und diskutieren aktuelle Diagnose- und Therapieverfahren sowie neueste Forschungsansätze.

Quellen:

Schütt K, Marx N: Herzinsuffizienz bei Diabetes mellitus in Deutschland. In: Deutscher Gesundheitsbericht Diabetes 2019. Die Bestandsaufnahme.
Tschöpe D, Ringelstein E.B., Motz W: Diabetes mellitus – Herzerkrankungen – Schlaganfall. In: Deutscher Gesundheitsbericht Diabetes 2020. Die Bestandsaufnahme.

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Epitope: T- Zellen, B-Zellen: Erkältungs-Coronavieren

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Welche Rolle spielen die T-Zellen bei der SARS-CoV-2-Virusabwehr?

Unser Immunsystem kann Viruserkrankungen effizient abwehren. 

Hierbei kommt zwei Zellarten eine wichtige Rolle zu: 

Den T-Zellen, die erstens virusbefallene Zellen direkt zerstören können und zweitens die Bildung von effizienten, Virus-neutralisierenden Antikörpern durch B-Zellen ermöglichen. 

Diese beiden Zelltypen spielen auch für die Abwehr der SARS-CoV-2-Infektion eine entscheidende Rolle. Während Antikörpertests bereits routinemäßig durchgeführt werden, ist über die T-Zellantwort gegen SARS-CoV-2 bislang wenig bekannt.

Der Arbeitsgruppe (AG) von Privatdozentin Dr. Juliane Walz in der Klinischen Kooperationseinheit Translationale Immunologie (KKE) am Universitätsklinikum Tübingen und der Abteilung für Immunologie des Tübinger Interfakultären Instituts für Zellbiologie ist es nun gelungen, die Zielstrukturen (T-Zell-Epitope) für eine T-Zellantwort gegen SARS-CoV-2 zu identifizieren. Für die in der renommierten Fachzeitschrift Nature Immunology publizierte Arbeit wurden insgesamt mehr als 180 Probanden nach überstandener COVID-19-Erkrankung untersucht. Die im Rahmen der Studie identifizierten T-Zell-Epitope ermöglichten den Nachweis, dass bei 100 Prozent der Patienten nach Infektion T-Zell-Immunantworten gegen SARS-CoV-2 erfolgt sind. Dies traf auch auf Patienten zu, bei denen keine Antikörperantwort nachweisbar war.

Vorerfahrungen mit zwei anderen Coronaviren - SARS-CoV-1 und MERS-CoV-2 - sowie erste Berichte über Genesene nach durchgemachter COVID-19 Erkrankung legen nahe, dass T-Zellantworten tatsächlich eine bedeutende Rolle auch bei der Abwehr von SARS-CoV-2 spielen, wie das bei allen anderen Virusinfektionen der Fall ist. 

Um diese T-Zellantworten untersuchen zu können, müssen zunächst die Bestandteile des Virus, sogenannte Epitope, identifiziert werden, die von den T-Zellen erkannt werden können. „Diese Epitope sind nicht nur für die Untersuchung und Diagnostik der Immunabwehr von Bedeutung, sondern können auch die Grundlage für die Entwicklung von Impfstoffen bilden“, sagt Forschungsgruppenleiterin Juliane Walz.

Darüber hinaus wurden im Rahmen der Studie, die durch die Sonderfördermaßnahme COVID-19 des Bundesministeriums für Bildung und Forschung finanziert wurde, Blutproben von Personen, die vor Ausbruch der Pandemie gesammelt wurden, und somit keinen Kontakt zu SARS-CoV-2 hatten, untersucht. Dabei zeigte sich, dass auch bei 81 Prozent der untersuchten Spender ohne Kontakt zu SARS-CoV-2 kleine Mengen an T-Zellen, die Virusbestandteile erkennen, nachweisbar sind.

  • Diese könnte auf einen vorangegangenen Kontakt der Spender mit anderen humanen Erkältungs-Coronaviren (HCoV-OC43, HCoV-229E, HCoV-NL63 und HCoV- HKU1) zurückzuführen sein.


Eine solche kreuzreaktive T-Zell-Erkennung ist jedoch nicht gleichzusetzen mit einer Immunität gegen SARS-CoV-2. 

„Wie sich diese kreuzreaktive T-Zell-Erkennung in 81 Prozent der Bevölkerung auf eine Infektion mit SARS-CoV-2 sowie auf die Schwere der Erkrankung auswirkt, werden wir in weiteren Studien prospektiv untersuchen“, kommentiert Walz dieses Ergebnis.

Basierend auf den Erkenntnissen dieser Studie entwickelt das Team der KKE Translationale Immunologie (Ärztlicher Direktor: Prof. Dr. Helmut Salih) gemeinsam mit der Immunologie (Direktor: Prof. Dr. Hans-Georg Rammensee) aktuell eine klinische Studie, die einen Impfstoff gegen SARS-CoV-2 untersuchen wird, welcher aus den hier identifizierten T-Zell-Epitopen besteht. 

Dass ein solcher Ansatz, der primär darauf abzielt, T-Zellantworten gegen SARS-CoV-2 zu induzieren, erfolgsversprechend sein könnte, wird durch erste „Langzeitdaten“ der AG Walz unterstützt. 

In einer bisher unveröffentlichten Follow-up Untersuchung der Probanden – nun sechs Monate nach der Infektion – ließen sich immer noch starke T-Zellantworten gegen SARS-CoV-2 nachweisen, während die Antikörperantworten insbesondere gegen das so genannte Spike-Protein, über das das Virus in eine Zelle eindringen kann, bereits deutlich abgefallen waren.

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Originalpublikation:

Originaltitel der Publikation: Nelde, A., Bilich, T., Heitmann, J.S. et al. SARS-CoV-2-derived peptides define heterologous and COVID-19-induced T cell recognition. Nat Immunol (2020).

DOI: 10.1038/s41590-020-00808-x


Weitere Informationen für international Medizin am Abend Berlin Beteiligte

https://www.nature.com/articles/s41590-020-00808-x. Die Publikation ist unter dieser URL abrufbar

 

CAVE-Untersucher: Patientenleitlinie "Herzschwäche" überarbeitet

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Neu aus dem ÄZQ: Patientenleitlinie "Herzschwäche" überarbeitet

In Deutschland ist Herzschwäche der häufigste Grund für Aufenthalte im Krankenhaus und gehört zu den häufigsten Todesursachen. 

Patientenleitlinie "Herzschwäche" 

Bei einer Herzschwäche pumpt das Herz zu wenig Blut in den Körper. 

Dadurch hat der Körper weniger Sauerstoff und es kommt zu Beschwerden wie Atemnot, Erschöpfung, verminderter Belastbarkeit oder Wassereinlagerungen. 

Feste Bestandteile der Behandlung sind eine Änderung des Lebensstils und Medikamente. 

Ziel der Patientenleitlinie ist es, Menschen mit Herzschwäche evidenzbasiert zu informieren und eine gemeinsame Entscheidungsfindung zu fördern.

Grundlage dieser Patientenleitlinie ist die 3. Auflage der Nationalen VersorgungsLeitlinie (NVL) Chronische Herzinsuffizienz.  

Auf Basis aktueller Studien gibt die NVL Empfehlungen zur Untersuchung und Behandlung der Erkrankung wieder. 

Jetzt ist die allgemein verständliche Version dieser Leitlinie von einem Redaktionsteam aus dem Kreis der Leitliniengruppe überarbeitet und aktualisiert worden. 

Menschen mit Herzschwäche erhalten genaue Informationen darüber, nach welchen Kriterien und Maßgaben ihre Krankheit idealerweise behandelt werden sollte. 

Außerdem bietet die Patientenleitlinie Menschen mit Herzschwäche und deren Angehörigen wichtige Informationen zum eigenständigen Umgang mit der Erkrankung und Unterstützung beim Gespräch mit dem Behandlungsteam.

Zusätzlich zur ausführlichen Patientenleitlinie gibt es eine mehrsprachige Kurzinformation. 

Das zweiseitige Informationsblatt "Herzschwäche – was für Sie wichtig ist" stellt kompakt und allgemein verständlich wichtige Inhalte dar und ist in sechs Fremdsprachen verfügbar.

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https://www.patienten-information.de/patientenleitlinien/herzschwaeche

Patientenleitlinie "Herzschwäche"


https://www.patienten-information.de/kurzinformationen/herzschwaeche

Informationsblatt "Herzschwäche – was für Sie wichtig ist"


https://www.leitlinien.de/nvl/herzinsuffizienz

NVL Chronische Herzinsuffizienz


Organversagen und deren Langzeitprognose

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Organfunktion bei Intensivpatienten verbessern

Sina Coldewey ist neue Professorin für Klinische Anästhesiologie und Translationale Intensivmedizin an der Medizinischen Fakultät der Friedrich-Schiller-Universität Jena. 

Sie übernimmt die Leitung der Sektion Anästhesiologie in der Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin des Universitätsklinikums Jena.

„Das breite interdisziplinäre Spektrum macht den Reiz des Faches Anästhesiologie aus, das ich auch wissenschaftlich voranbringen möchte“, sagt Prof. Dr. Dr. Sina Coldewey. Seit September hat die Anästhesistin, Intensivmedizinerin und Notärztin die Professur für Klinische Anästhesiologie und Translationale Intensivmedizin am Universitätsklinikum Jena (UKJ) inne. Als eine in ihrem Fachgebiet bestens ausgewiesene Wissenschaftlerin arbeitet sie bereits viele Jahre erfolgreich.

Sina Coldewey absolvierte ihr Studium und ihre klinische Ausbildung, begleitet von mehreren Auslandsaufenthalten, an der Medizinischen Hochschule Hannover, wo sie mit Auszeichnung in der Medizin promoviert wurde. Anschließend forschte sie mehrere Jahre an der Queen Mary University of London und erwarb hier den Doctor of Philosophy. Seit 2014 arbeitete sie zunächst als Oberärztin, seit 2017 als leitende Oberärztin in der Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin des UKJ und warb 2016 als Projektleiterin die Nachwuchsforschungsgruppe Translational Septomics am Jenaer Zentrum für Innovationskompetenz (ZIK) Septomics ein.

Forschung auf der Intensivstation und im Labor

Im Mittelpunkt ihrer Arbeit stehen Beeinträchtigungen der Organfunktionen bei schweren Infektionserkrankungen wie Sepsis oder dem hämolytisch-urämischen Syndrom.  

Durch die körpereigene Abwehrreaktion gegen eine Infektion oder durch Bakteriengifte werden die Organe geschädigt – bis hin zum Organversagen. Prof. Coldewey erforscht die molekularen Mechanismen dieser Organfunktionsstörungen und ihre Bedeutung für die Langzeitprognose der Patienten. „Ein wesentlicher Aspekt dabei ist die unmittelbare Verbindung intensivmedizinischer klinischer Studien und experimenteller Untersuchungen im Labor“, betont sie.

Mit ihrer mittlerweile etwa 25-köpfigen Nachwuchsforschungsgruppe am ZIK Septomics untersucht sie in einer umfangreichen klinischen Studie den akuten Verlauf und die Langzeitfolgen der Sepsis, insbesondere hinsichtlich der Herzfunktion. Hierbei werden die Patienten in der akuten Krankheitsphase bis ein Jahr nach ihrer Entlassung von der Intensivstation begleitet. Parallel hierzu arbeitet die Forschungsgruppe im Labor mit Modellsystemen für schwere Infektionserkrankungen, um die Organfunktionen bzw. die Funktionsstörungen auf molekularer Ebene umfassend zu charakterisieren. Gleich zwei multizentrische Projekte will Prof. Coldewey zur Erforschung der COVID-19-Sepsis starten: Eine Therapiestudie, in der die Wirksamkeit und Sicherheit eines entzündungshemmenden Antikörpers evaluiert werden soll, sowie eine Studie, in der die Rolle kardiologischer Ereignisse als Prognosefaktoren im Fokus steht.

Als Mitglied des Zentrums für Sepsis und Sepsisfolgen CSCC am UKJ und des ZIK Septomics ist Sina Coldewey bestens in den Sepsis-und Infektionsschwerpunkt in Jena eingebunden - sowohl in Forschungsprojekte als auch in die Vorstandsarbeit. „Wir freuen uns, dass sich Sina Coldewey trotz einer attraktiven Alternative für die Professur in Jena entschieden hat. Sie wird das wissenschaftliche Profil des Universitätsklinikums weiter stärken“, ist sich Prof. Dr. Michael Bauer, Sprecher des CSCC und Direktor der Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin am UKJ, sicher. „Als Anästhesistin mit langjähriger Leitungserfahrung stärkt sie zudem die neue Leitungsstruktur unserer Klinik, mit der wir noch besser für die stetig wachsenden Anforderungen in der Universitätsmedizin gerüstet sind.“

Verantwortung für die anästhesiologische Versorgung am UKJ

In der Klinik übernimmt Prof. Coldewey die Leitung der Sektion Anästhesiologie, die über 50 Ärztinnen und Ärzte zählt. 

Damit verantwortet sie die gesamte anästhesiologische Versorgung im UKJ, unter anderem in den 24 Operationssälen, in denen jährlich über 22.000 Narkosen durchgeführt und überwacht werden. Die Begeisterung für ihr facettenreiches Fachgebiet und die universitäre Medizin möchte Sina Coldewey auch an den ärztlichen Nachwuchs weitergeben – deshalb engagiert sie sich als Mentorin in der forschungsorientierten Linie des Jenaer Medizinstudiums, betreut zahlreiche Doktoranden und Masterstudenten und organisiert Facharztweiterbildungen. Prof. Coldewey: „Es ist eines meiner zentralen Anliegen, die Bedeutung von Forschungsergebnissen für die Klinik bereits im Studium praxisnah zu vermitteln und frühzeitig an wissenschaftliches Arbeiten heranzuführen. Für eine Vielzahl von Krankheiten werden wir nur mittels enger interdisziplinärer Zusammenarbeit zwischen Ärzten und Naturwissenschaftlern eine Weiterentwicklung und Verbesserung von Prävention, Diagnose und Therapie erzielen können.“

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Prof. Dr. Dr. med. Sina Coldewey
Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin, Universitätsklinikum Jena
Tel: 03641/9 323190
E-Mail: Sina.Coldewey@med.uni-jena.de

Dr. Uta von der Gönna Universitätsklinikum Jena

Bachstraße 18
07743 Jena
Deutschland
Thüringen

Telefon: 03641/ 9391108
Fax: 03641/ 9391102
Weitere Informationen für international Medizin am Abend Berlin Beteiligte

https://www.septomics.de/de/translational-septomics.html Nachwuchsgruppe im ZIK Septomics
 

https://www.uniklinikum-jena.de/kai Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin am Universitätsklinikum Jena


CAVE-Untersucher: Zwillingsschwangerschaften - Frühgeburten und Fehlbildungen - Künstliche Befruchtung - geriatrische Mütter

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit:  DEGUM und DGGG veröffentlichen neue Zwillingsleitlinie: Doppeltes Glück, doppeltes Risiko?

Die Wahrscheinlichkeit, mit Zwillingen schwanger zu werden, hat stark zugenommen. 

Etwa eine von 54 werdenden Müttern bekommt heute zwei Kinder auf einmal. 

Eine Zwillingsschwangerschaft ist immer mit Risiken verbunden: 

Frühgeburten und Fehlbildungen kommen deutlich häufiger vor. 

Eine engmaschige Begleitung durch ultraschallerfahrene Ärzte sei bei einer Zwillingsschwangerschaft essenziell, empfehlen Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e. V. (DEGUM). Gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) hat die DEGUM die erste deutschsprachige AWMF-Leitlinie zur Überwachung und Betreuung von Zwillingsschwangerschaften (1) herausgegeben.

War 1977 nur jedes 56. Neugeborene ein Mehrling, so sind es heute nach Angaben des Statistischen Bundesamtes doppelt so viele. 

„Grund dafür ist zum einen die Zunahme von künstlichen Befruchtungen, zum anderen aber auch das höhere Durchschnittsalter der werdenden Mütter“, erklärt Privatdozent Dr. med. Kai-Sven Heling, Pränataldiagnostiker und Vizepräsident der DEGUM. 

Denn Frauen haben mit zunehmendem Alter häufiger zwei Eisprünge pro Zyklus (2). 

Gemeinsam mit der DGGG hat die DEGUM nun die erste deutschsprachige AWMF-Leitlinie zur Überwachung und Betreuung von Zwillingsschwangerschaften veröffentlicht. 

Denn bislang gab es keine einheitlichen deutschsprachigen Empfehlungen zum Management von Zwillingsschwangerschaften.

„Es ist von entscheidender Bedeutung, dass jene Zwillingsschwangerschaften, welche einem erhöhten Risiko für Komplikationen unterliegen, frühzeitig identifiziert und kontinuierlich per Ultraschall betreut werden“, erklärt Professor Dr. med. Constantin von Kaisenberg, Bereichsleiter Geburtshilfe und Pränatalmedizin des Perinatalzentrums der Medizinischen Hochschule Hannover und Leitlinienbeauftragter der DEGUM. 

„Durch regelmäßige Ultraschall-Untersuchungen lassen sich durch die frühzeitige Erkennung von Komplikationen und ein daraus ableitbares Management die Mortalität und Morbidität der betroffenen Zwillinge deutlich senken“, ergänzt Professor Dr. med. Kurt Hecher vom UKE Hamburg und Leiter der Arbeitsgemeinschaft für Geburtshilfe und Pränatalmedizin in der DGGG.

Im Vergleich zu Einlingsschwangerschaften kommt es bei Zwillingen häufiger zu komplizierten Verläufen. 

Zu den Hauptrisiken zählen Fehlbildungen und eine Frühgeburt. 

Die Schwangeren haben zudem schon allein aufgrund der stärkeren körperlichen Belastung durch zwei Kinder im Bauch ein erhöhtes Risiko für Bluthochdruck, Schwangerschaftsdiabetes, Blutarmut und eine Schwangerschaftsvergiftung (Präeklampsie). 

Gefährdet sind aber vor allem die Feten selbst. 

  • Entscheidend dabei ist vor allem, ob sich die Ungeborenen eine Plazenta und/oder eine Fruchthöhle teilen müssen.
  • Zwillingsschwangerschaften, bei denen jeder Fetus eine eigene Plazenta und eine eigene Fruchthöhle hat, sind in der Regel wenig problematisch. 

„Bei diesen Schwangerschaften geht es vor allem darum, dass die Feten wenig Platz haben und zusammen ein deutlich höheres Gewicht aufbringen als ein Einling“, erklärt von Kaisenberg. 

Der Druck auf den Muttermund steige enorm, eine Frühgeburt drohe. Zwillinge werden deshalb auch spätestens in der Schwangerschaftswoche 38 geboren.

Bei jeder fünften Zwillingsschwangerschaft teilen sich die Ungeborenen hingegen eine Plazenta. 

Eine solche „monochoriale“ Schwangerschaft lässt sich bis Schwangerschaftswoche 14 mithilfe der Ultraschalldiagnostik feststellen. 

Diese Kinder sind in besonderer Weise gefährdet. 

So kann es sein, dass eine Gefäßverbindung zwischen den Zwillingen besteht, es droht die Gefahr des sogenannten fetofetalen Transfusionssyndroms (TTTS). 

Dabei kommt es zum einseitigen Blutaustausch zwischen den Ungeborenen: 

Das eine gibt Blut ab, das andere nimmt es auf. 

„Bei monochorialen Zwillingen muss ganz engmaschig betreut werden, um zu sehen, ob eines der Kinder unterversorgt ist und das andere zu viel abbekommt. 

Es könnten einer oder auch beide sterben“, sagt von Kaisenberg. 

Er rät Schwangeren, sich in dieser Situation einen Arzt oder eine Ärztin mit hoher Ultraschallkompetenz zu suchen. 

  • Wer beispielsweise eine DEGUM-Zertifizierung der Stufe zwei und/oder drei besitzt, ist ausreichend qualifiziert, um Risiken zu erkennen und frühzeitige Therapiemaßnahmen einzuleiten. 

Alle DEGUM-zertifizierten Ärzte kann man auf der Webseite der Fachgesellschaft einsehen: https://www.degum.de/service/zertifizierte-aerzte.html

„Trotz aller Risiken kommen die meisten Zwillinge heutzutage gesund und munter auf die Welt“, erklärt Heling. 

„Die neue Leitlinie leistet einen Beitrag zu einer verbesserten Versorgung – sowohl der Mütter als auch der Feten bei Zwillingsschwangerschaften.“

Literatur:
(1) AWMF LL 015-087 S24 Überwachung und Betreuung von Zwillingsschwangerschaften. von Kaisenberg CS*, Klaritsch P*, Ochsenbein-Kölble N, Hodel M, Nothacker M, Hecher K.
(*geteilte Erstautorenschaft) https://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/015-087.html

(2) Beemsterboeret S.N. al.: The paradox of declining fertility but increasing twinning rates with advancing maternal age. Human Reproduction, Volume 21, Issue 6, June 2006, Pages 1531–1532, https://doi.org/10.1093/humrep/del009

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Der Haarausfall...niedrige Sauerstoffkkonzentration: Glutaminstoffwechsel und Zellatmung und Glykolyse

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Haarausfall kann verhindert werden: Neuer Mechanismus entdeckt, der die Langlebigkeit von Stammzellen steuert

Ein internationales Forschungsteam hat im Mausmodell gezeigt, dass das Protein Rictor eine Schlüsselrolle für den Zellstoffwechsel und die Langlebigkeit von Stammzellen im Haarfollikel spielt / Veröffentlichung in „Cell Metabolism“

Ein Forschungsteam aus Köln und Helsinki hat einen Mechanismus entdeckt, der Haarausfall verhindert: Haarfollikelstammzellen, die für das Nachwachsen der Haare unerlässlich sind, können ihrer Zellalterung entgegenwirken. 

Dazu passen sie ihren Stoffwechselzustand dem umliegenden Gewebe, das durch eine niedrige Sauerstoffkonzentration gekennzeichnet ist, an.


Das Team wurde von Professorin Sara Wickström (Universität Helsinki und Max-Planck-Institut für Biologie des Alterns) und der Dermatologin Professorin Sabine Eming (Universität Köln) geleitet und umfasst Forscher des Exzellenzclusters der Universität Köln für Altersforschung CECAD, des Max-Planck-Instituts für Biologie des Alterns, des Sonderforschungsbereichs SFB 829 „Molekulare Mechanismen zur Regulierung der Hauthomöostase“, des Zentrums für Molekulare Medizin (ZMMK) (alle in Köln) und der Universität Helsinki. Der Artikel „Glutamine Metabolism Controls Stem Cell Fate Reversibility and Long-Term Maintenance in the Hair Follicle“ wurde in Cell Metabolism veröffentlicht.


Die Haut und ihre Bestandteile wie z.B. die Haarfollikel sind täglich Umwelteinflüssen ausgesetzt. 

Beschädigtes Zellmaterial wird kontinuierlich entfernt und erneuert. 

Im Durchschnitt werden täglich 500 Millionen Zellen und 100 Haare abgestoßen; dies entspricht etwa 1,5 Gramm Gewebe.

Das abgestoßene Gewebe wird durch Stammzellen ersetzt, die stark proliferativ und langlebig sind. Die Gewebefunktion hängt von der Aktivität und Gesundheit dieser Stammzellen ab. Eine beeinträchtigte Funktion oder eine verringerte Anzahl führt zu Alterung. „Obwohl die entscheidende Rolle von Stammzellen bei der Alterung bekannt ist, ist wenig über die Mechanismen bekannt, die eine langfristige Aufrechterhaltung der Funktion dieser wichtigen Zellen regulieren. Der Haarfollikel mit seinen gut charakterisierten Funktionen und klar identifizierbaren Stammzellen war ein perfektes Modellsystem, um diese wichtige Frage zu untersuchen“, sagt Sara Wickström.


Um die Eigenschaften besser zu verstehen, die Stammzellen funktionell von ihren differenzierten Tochterzellen unterscheiden, untersuchte das Team die Transkriptions- und Stoffwechselprofile der beiden Zellpopulationen. „Interessanterweise zeigten diese Studien, dass Stammzellen und Tochterzellen unterschiedliche Stoffwechselmerkmale aufweisen“, sagt Dr. Christine Kim, eine leitende Wissenschaftlerin der Untersuchungen. „Unsere ersten Ergebnisse in der Zellkultur gaben einen starken Hinweis darauf, dass Rictor beteiligt sein wird.“ Rictor ist eine wichtige molekulare Komponente des mTOR-Signalwegs, der grundlegende Prozesse des Zellstoffwechsels einschließlich Wachstum, Energie- und Sauerstoffverbrauch von Zellen reguliert.


In umfassenden Untersuchungen zeigte das Team, dass der Verlust der Stammzellfunktion im Haarfollikel mit einem Verlust der metabolischen Flexibilität einhergeht. 

Am Ende jedes Regenerationszyklus, in dem ein neues Haar generiert wird, kehrt ein Teil der Stammzellen in seine Stammzellnische und damit in einen gewissen metabolischen Ruhestand zurück. 

Dr. Xiaolei Ding, ein weiterer leitender Wissenschaftler der Arbeit, erklärt: „Eine wesentliche Erkenntnis der Studie ist, dass diese sogenannte ‚Schicksalsumkehrbarkeit‘ der Stammzelle, eine Verschiebung vom Glutaminstoffwechsel und der Zellatmung hin zur Glykolyse erfordert.“ 

  • Im Ruhezustand befinden sich die Stammzellen in einer Umgebung mit geringer Sauerstoffkonzentration und nutzen daher eher Glukose als Kohlenstoffquelle für die Energie- und Proteinsynthese. 
  • Die Verschiebung von Zellatmung hin zur Glykolyse wird durch die niedrige Sauerstoffkonzentration in der Stammzellnische und der Aktivierung der mTOR-Signalkaskade ausgelöst. 

Die Inaktivierung von Rictor beeinträchtigt die Fähigkeit der Stammzellen ihren Metabolismus im Ruhezustand anzupassen. 

Somit löst eine mangelnde Aktivierung der mTOR-Signalkaskade letztlich eine Erschöpfung der Stammzellen aus und bedingt einen altersbedingten Haarausfall.


Ding und Eming entwickelten vor Kurzem ein genetisches Mausmodell zur Untersuchung der Rictor-Funktion in der Epidermis. „Interessanterweise zeigten diese Mäuse, denen Rictor fehlt, mit zunehmendem Alter Haarausfall und eine Abnahme der Zahl der Haarfollikelstammzellen“, sagt Ding.


„In Zukunft wird es ein wichtiges Ziel sein zu verstehen, wie sich diese vorklinischen Befunde auf die Stammzellbiologie im Menschen übertragen lassen und möglicherweise pharmazeutisch genutzt werden könnten, um Alterungsprozessen im Haarfollikel entgegenzuwirken und Haarausfall zu vermeiden“, sagt Eming. 

„In diesem Zusammenhang erscheint uns die Beobachtung, dass durch die äußerliche Anwendung eines Glutaminase-Inhibitors die Stammzellfunktion in Mäusen mit gestörter Rictor-Funktion wiederhergestellt werden kann, besonders interessant. 

Diese Ergebnisse belegen somit das Prinzip, dass die Modifizierung von Stoffwechselwegen ein wirksamer Ansatz zur Steigerung der Regenerationskapazität unseres Gewebes sein könnte.“

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Prof. Dr. Sara Wickström
Außerplanmäßige Professorin Helsinki Institute of Life Science, Universität Helsinki
und
Gruppenleiterin am Max-Planck-Institut für Biologie des Alterns
Tel: +358 2941 25640
sara.wickstrom@helsinki.fi
 

Prof. Dr. Sabine A. Eming
Professorin der Dermatologie Universität zu Köln
und
Gruppenleiterin CECAD
+49 221 478 3196
sabine.eming@uni-koeln.de

Dr. Anna Euteneuer
+49 221 478 84043
anna.euteneuer@uni-koeln.de
 

Publikation:
„Glutamine Metabolism Controls Stem Cell Fate Reversibility and Long-Term Maintenance in the Hair Follicle“ in Cell Metabolism
Digital object identifier (DOI): https://doi.org/10.1016/j.cmet.2020.08.011

Albertus-Magnus-Platz 1
50923 Köln
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Gabriele Meseg-Rutzen
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Entzündung der Darmschleimhaut: Aminosäure L-Arginin Mangel...?

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit:

Aminosäure fördert Rückbildung von Darmentzündungen

Ein Mangel an der Aminosäure L-Arginin im Darm führt zur verstärkten Entzündung der Darmschleimhaut. 

Zu dieser Erkenntnis kam eine Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Jochen Mattner, Professor für Molekulare Mikrobiologie und Infektionsimmunologie am Institut für Klinische Mikrobiologie, Immunologie und Hygiene der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU). 

Gemeinsam mit weiteren Kliniken und Instituten in Erlangen und Regensburg untersuchten die Forscher, wie die Verfügbarkeit einzelner Zwischenprodukte des Stoffwechsels im Darm Entzündungsreaktionen beeinflusst.

  • L-Arginin könnte demnach eine wichtige Rolle bei der Entstehung und beim Verlauf, aber auch bei der Therapie der zwei häufigsten entzündlichen Darmerkrankungen Morbus Crohn und Colitis ulcerosa spielen.
  • Ein menschlicher Darm enthält bis zu zehn Mal mehr Bakterien als ein ganzer menschlicher Körper Zellen. 

Die Wechselwirkung dieser Bakterien – der so genannten intestinalen Mikrobiota mit körpereigenen Zellen im Darm ist bedeutend für Verdauung und Stoffwechsel, für die Darmdurchblutung, die Durchlässigkeit der Gefäße, aber auch für die Kontrolle von Entzündungen.  

Veränderungen im Zusammenspiel der Mikrobiota mit der oberen Schicht der Darmwand – dem Darmepithel –, den Zellen an den Gefäßinnenwänden und den verschiedenen Immunzellen in der Darmwand beeinträchtigen unser Wohlbefinden und unsere Gesundheit. 

Bei den beiden häufigsten entzündlichen Darmerkrankungen Morbus Crohn und Colitis ulcerosa ist diese Wechselwirkung empfindlich gestört. 

  • Das führt unter anderem zu einem veränderten Eiweiß-Stoffwechsel des menschlichen Organismus, aber auch zur Veränderung der intestinalen Mikrobiota.


Eine besondere Rolle für die Darmgesundheit spielt, so die aktuelle Erkenntnis, die Aminosäure L-Arginin. 

Sie ist in Nahrungsmitteln wie auch in unserem Körper weit verbreitet und an zahlreichen biologischen Funktionen beteiligt. 

So dient sie als gemeinsamer Ausgangsstoff für die beiden Enzyme Arginase 1 (Arg1) und induzierbare Stickstoffmonoxidsynthase (NOS2), die unter anderem Immunantworten entscheidend und oft gegensätzlich zueinander beeinflussen. 

Zugleich gilt L-Arginin als Quelle für weitere Stoffwechselverbindungen, wie zum Beispiel die so genannten Polyamine, die das Zellwachstum fördern. 

  • Schließlich ist die Aminosäure ein zentrales Zwischenprodukt des Harnstoffzyklus, der für die Entgiftung des Körpers sorgt.


Der Verbrauch von L-Arginin durch Arginase oder Stickstoffmonoxidsynthase, das ergab die Untersuchung von Prof. Mattner und seinem Team, verändert die Zusammensetzung der Mikrobiota entscheidend und ist schädlich für den Verlauf von Darmentzündungen: 

Medizin am Abend Berlin ZusatzFachLink: Labor 

  • Der L-Arginin-Mangel führte zu einer verstärkten Entzündung der Darmschleimhaut, was mit einer vermehrten Ansammlung von Entzündungszellen und einer Zunahme der Anzahl an Blutgefäßen in der Darmwand einherging. 
  • Umgekehrt wirkte sich die Aufnahme einer L-Arginin-reichen Diät oder die gentechnologische Elimination L-Arginin-verbrauchender Enzyme (Arg1, NOS2) günstig auf die Vielfalt und Reichhaltigkeit der Mikrobiota aus und beschleunigte die Rückbildung einer Darmentzündung. 

Mittels verschiedener chemischer, molekularbiologischer, genetischer und immunologischer Analysemethoden zeigten die Forscherinnen und Forscher, dass Darmbakterien bei höheren Konzentrationen von L-Arginin im Darmlumen verstärkt Polyamine bilden; diese wiederum aktivieren Gene, die Darmepithel und Blutgefäße schützen und so den Verlauf der Erkrankung eindämmen. 

Da L-Arginin-verbrauchende Enzyme auch in der Darmschleimhaut von Patientinnen und Patienten mit Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa sich verstärkt nachweisen lassen, könnte die Nahrungsmittelergänzung mit L-Arginin eine neue, vielversprechende Variante zur Therapie dieser verheerenden Erkrankungen darstellen.

Gefördert wurde die Studie der Forschergruppe unter anderem durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft im Rahmen des FAU Sonderforschungsbereichs 1181 („Schaltstellen zur Auflösung von Entzündung“).Informationen zum SFB finden sich unter www.sfb1181.forschung.fau.de

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Prof. Dr. Jochen Mattner
Mikrobiologisches Institut – Klinische Mikrobiologie, Immunologie und Hygiene
Tel.: 09131/85-23640
jochen.mattner@uk-erlangen.de

Schlossplatz 4
91054 Erlangen
Deutschland
Bayern

E-Mail-Adresse: presse@fau.de

Dr. Susanne Langer
E-Mail-Adresse: susanne.langer@fau.de
Originalpublikation:

https://www.jci.org/articles/view/126923

 

TAVI -Transcatheter Aortic Valve Implantation: Vollnarkose, Örtliche Betäubung, Sedierung, Schlafspritze...?

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit:  Minimalinvasiver Herzklappenersatz: Örtliche Betäubung genauso sicher wie Vollnarkose

Örtliche Betäubung oder Vollnarkose? 

Eine randomisierte Studie hat nun erstmals geklärt, dass bei TAVI (Transcatheter Aortic Valve Implantation) eine örtliche Betäubung genauso sicher ist wie eine Vollnarkose. 

Bislang waren sich die Ärzte in diesem Punkt nicht einig. 

Das minimalinvasive TAVI-Verfahren kommt zum Einsatz, wenn die Aortenklappe ersetzt werden muss.

Wenn die Klappe zwischen Hauptschlagader (Aorta) und Herz ersetzt werden muss, steht den Ärzten ein minimalinvasives Verfahren zur Verfügung, die Transkatheter-Aortenklappen-Implantation TAVI (Transcatheter Aortic Valve Implantation). 

Dabei wird die neue Klappe mittels eines Katheters über die Leistenarterie geschoben und im Herz platziert.  

Eine Studie des Herzzentrums Leipzig in Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern des Deutschen Zentrums für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK) am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein hat nun erstmals geklärt, dass bei TAVI eine örtliche Betäubung genauso sicher ist wie eine Vollnarkose. 

Bislang waren sich die Ärzte in diesem Punkt nicht einig. 

Die Anästhesisten sprachen sich für eine Vollnarkose aus, sogenannte Registerstudien zeigten, dass eine örtliche Betäubung sicherer sei.

Es fehlte eine randomisierte Studie, in der die Patienten zufällig entweder eine Vollnarkose oder eine örtliche Betäubung während der TAVI erhielten. „Bei Registerstudien besteht immer die Gefahr und die Tendenz, dass die Ergebnisse verzerrt sind. Etwa, weil eher kränkere Patienten eine Vollnarkose erhalten, da sie bei ihnen als sicherer angesehen wird“, erklärt Studienleiter Professor Holger Thiele, Direktor des Universitätsklinikums für Kardiologie am Herzzentrum Leipzig.

Die Ergebnisse der randomisierten SOLVE-TAVI Studie zeigen, dass 30 Tage nach dem Eingriff sowohl die Sterblichkeit, als auch die Anzahl der Komplikationen wie Schlaganfall, Herzinfarkt oder Infektionen bei beiden Narkoseverfahren gleich war. 

447 Patienten mit einer hochgradig verengten Aortenklappe, die über 75 Jahre alt waren und ein hohes Risiko für eine konventionelle Operation hatten, nahmen an der Studie teil.

Wahl der Betäubung hängt von Klinik ab

Welche der beiden Narkosen zurzeit verwendet wird, hängt laut Thiele von der jeweiligen Klinik ab.  

  • Größere Zentren würden meistens schon seit Jahren nur die Lokalanästhesie anwenden, da dies schneller gehe als eine Vollnarkose. 
  • Schließlich dauert es auch nur 35 bis 40 Minuten, die neue Herzklappe einzusetzen. 

Die Entscheidung liegt dabei beim Anästhesisten, der per Gesetz bei dem Eingriff anwesend sein muss

  • Neben der örtlichen Betäubung bekommen die Patienten bei TAVI auch eine leichte Beruhigungsspritze. 

Als nächstes plant Thiele eine Studie, die vergleicht, ob eine Lokalanästhesie ohne diese sogenannte Sedierung genauso sicher ist wie mit der Schlafspritze.

Das minimalinvasive Verfahren TAVI wurde zunächst nur bei sehr kranken und alten Patienten angewendet, bei denen der chirurgische Herzklappenersatz zu riskant erschien. 

Während dieser Operation wird der Brustkorb geöffnet und eine Herz-Lungen-Maschine angeschlossen. 

In der Zwischenzeit gibt es viele Studien, die gezeigt haben, dass die TAVI der Operation mindestens ebenbürtig bzw. sogar überlegen ist, sodass Ärzte das minimalinvasive Verfahren nun auch bei Patienten mit einem mittlerem oder niedrigem OP-Risiko durchführen. 

In Deutschland ersetzen Ärzte die Aortenklappe mittels TAVI jährlich rund 21.000 Mal, während die Operation nur noch 8.000- bis 9.000-mal durchgeführt wird.

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Professor Holger Thiele, Herzzentrum Leipzig, Universitätsklinik für Kardiologie, Holger.Thiele(at)medizin.uni-leipzig.de

Potsdamer Str. 58
10785 Berlin
Deutschland
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Christine Vollgraf
Telefon: 030 3465 52902
E-Mail-Adresse: christine.vollgraf@dzhk.de
Originalpublikation:

General versus Local Anesthesia with Conscious Sedation in Transcatheter Aortic Valve Implantation: The Randomized SOLVE-TAVI Trial. Thiele H, Kurz T, Feistritzer HJ, Stachel G, Hartung P, Lurz P, Eitel I, Marquetand C, Nef H, Doerr O, Vigelius-Rauch U, Lauten A, Landmesser U, Treskatsch S, Abdel-Wahab M, Sandri M, Holzhey D, Borger M, Ender J, Ince H, Öner A, Meyer-Saraei R, Hambrecht R, Fach A, Augenstein T, Frey N, König IR, Vonthein R, Rückert Y, Funkat AK, Desch S, Desch S, Berggreen AE, Heringlake M, de Waha-Thiele S; SOLVE-TAVI Investigators. Circulation. 2020 Aug 21.
https://www.ahajournals.org/doi/10.1161/CIRCULATIONAHA.120.046451