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Hefepilz - Infektion / Candida auris: Sepsis - Blutvergiftung

Medizin am Abend Berlin Fazit: Candida auris: Ein Pilz verlangt Aufmerksamkeit

Ein neuer Verursacher von Pilzinfektionen sorgt für Schlagzeilen in den Medien weltweit. 

Experten aus Deutschland und Österreich raten jetzt zu erhöhter Aufmerksamkeit. Gleichzeitig warnen sie vor Panikmache. 
 
„Gefährlicher Candida auris – Patienten sterben an Hefepilz-Infektion“:

Mit dieser Schlagzeile hat vor kurzem eine deutsche Tageszeitung ihre Leser aufgeschreckt.

Vor einer „tödlichen und Medikamenten-resistenten Infektion, die um den Erdball schwappt”, warnt eine englische Zeitung.

Auslöser dieser Nachrichten war eine Meldung der US-amerikanischen Gesundheitsbehörde Centers for Disease Control and Prevention (CDC), die über das erste Auftreten der Pilzinfektion in den USA berichtet hatte. Insgesamt seien 13 Fälle registriert worden, vier infizierte US-Patienten seien bereits gestorben, wobei die genaue Todesursache noch unklar sei.

Aus diesem Grund haben jetzt Experten aus Deutschland und Österreich eine Stellungnahme erarbeitet, die sie aktuell der Öffentlichkeit präsentieren.

Darin empfehlen sie eine erhöhte Aufmerksamkeit und die entsprechende Information medizinischen Personals über den neuen Hefepilz. Gleichzeitig warnen sie vor unnötiger Panikmache.

Übertragung von Patient zu Patient

„Candida auris ist eine neue Pilzart, die vor wenigen Jahren zum ersten Mal in Japan beschrieben wurde“, sagt Professor Oliver Kurzai.

Der Mediziner leitet das Nationale Referenzzentrum für invasive Pilzinfektionen in Jena und hat seit Anfang 2017 an der Universität Würzburg den Lehrstuhl für Medizinische Mikrobiologie und Mykologie inne.

Was den Hefepilz so besonders macht: 

„Candida auris wird im Gegensatz zu allen bisher bekannten Arten häufig von Patient zu Patient übertragen und kann somit Ausbrüche in Krankenhäusern verursachen“, sagt Kurzai.

  • Gleichzeitig seien viele Pilzstämme gegen mindestens eines der Medikamente resistent, die zur Behandlung von Pilzinfektionen zum Einsatz kommen.

In Deutschland ist Candida auris bisher nur in Einzelfällen nachgewiesen.

Dem Nationalen Referenzzentrum sind vier Fälle einer Infektion bekannt.

Für Österreich gibt es keine bestätigten Fälle.  

Trotz dieser geringen Fallzahlen spricht aus Sicht der Experten einiges dafür, dem Thema frühzeitig Aufmerksamkeit zu schenken – auch für Deutschland wird zukünftig mit mehr Fällen gerechnet und nach Einschätzung des Nationalen Referenzzentrums sind viele diagnostische Labors noch unzureichend vorbereitet.

Keine Bedrohung für Gesunde

  • „Candida auris kann bei den Infizierten in den Blutstrom gelangen und dort eine Sepsis, eine sogenannte Blutvergiftung, verursachen“, erklärt Oliver Kurzai. 

Gleichzeitig sei der Pilz bei den gängigen Routineuntersuchungen nicht immer zuverlässig zu identifizieren und aufgrund der weit verbreiteten Resistenzen schwer zu behandeln.  

Vom medizinischen Personal sei deshalb eine erhöhte Aufmerksamkeit gefordert. Dazu will das Expertengremium mit seiner Veröffentlichung jetzt beitragen.

Für die Bevölkerung besteht allerdings kein Grund zur Beunruhigung. „Für einen gesunden Menschen stellt Candida auris keine Bedrohung dar“, sagt Oliver Kurzai.
 
Die Beteiligten

An der Stellungnahme waren beteiligt: das Nationale Referenzzentrum für invasive Pilzinfektionen (Jena), das Robert Koch-Institut (Berlin), das ECMM Excellence Center der Uniklinik Köln, das Nationale Referenzzentrum für Aspergillus und Aspergillusinfektionen (Innsbruck) und das Nationale Referenzzentrum für Hefen- und Schimmelpilzinfektionen (Wien).

Candida auris

Im Jahr 2009 wurde Candida auris erstmals in Japan beschrieben. Dort hatte er den Gehörgang eines Patienten befallen, was den Namenszusatz „auris“ erklärt – vom Lateinischen für „das Ohr betreffend“.

  • Neben dem Ohr kann der Pilz aber auch andere Körperregionen befallen, beispielsweise den Blutkreislauf, Harn- und Atemwege oder Wunden. 

Der bislang größte Ausbruch ereignete sich 2015/16 an einem Krankenhaus in London; dort wurden innerhalb von 16 Monaten 50 Patienten infiziert. In den USA zählen die CDC aktuell 112 Fälle, den Großteil davon im Bundestaat New York.

Nationales Referenzzentrum für Invasive Pilzinfektionen

Das Nationale Referenzzentrum für Invasive Pilzinfektionen ist Ansprechstelle für Ärzte und Mikrobiologen aus ganz Deutschland, die Fragen zur Diagnostik und Behandlung invasiver Pilzinfektionen haben.

  • Neben Beratungen bietet das Zentrum diagnostische Verfahren zum Nachweis von invasiven Pilzerkrankungen an. 

Es kooperiert dabei mit anderen Referenzlabors weltweit.

Das Nationale Referenzzentrum für Invasive Pilzinfektionen ist am Leibniz-Institut für Naturstoff-Forschung und Infektionsbiologie – Hans-Knöll-Institut in Jena angesiedelt.

Zum Nationalen Referenzzentrum berufen wurde es vom Robert Koch-Institut und dem Bundesministerium für Gesundheit.

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Prof. Dr. Oliver Kurzai
Institut für Hygiene und Mikrobiologie
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Gunnar Bartsch Julius-Maximilians-Universität Würzburg  

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Oktoberfest Original-Steckerlfisch traditionell: Vorsicht vor Botulismus

Medizin am Abend Berlin Fazit: Botulismus-Risiko durch gesalzene und getrocknete Plötzen

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) empfiehlt Maßnahmen zum Schutz vor Botulismus durch gesalzene und getrocknete Plötzen  
  • Die in Europa weit verbreitete und auch im Brackwasser der Ostsee lebende Plötze kann das Bakterium Clostridium (C.) botulinum und Botulinum-Neurotoxine enthalten, ohne dass der Fisch erkennbar verdorben ist.
„Es besteht deshalb das Risiko, dass Verbraucherinnen und Verbraucher, die gesalzene und getrocknete Plötze ohne ausreichende Erhitzung verzehren, an Botulismus erkranken“, so BfR-Präsident Professor Dr. Dr. Andreas Hensel. 

  • Das Risiko ist erhöht, wenn die Fische nicht sorgfältig ausgenommen wurden und Innereien der Plötze mitverzehrt werden.
  • Deshalb rät das BfR, Plötzen zeitnah nach dem Fang sorgfältig und vollständig auszunehmen und danach innen und außen gründlich zu waschen. 
  • Außerdem sollten Plötzen bis zur Salzung bei maximal 3 °C gelagert, während einer mehrtägigen Salzung zusätzlich gekühlt und vor einer Trocknung oberhalb von 8 °C ausreichend gesalzen werden. 

Verbraucherinnen und Verbrauchern rät das BfR, gesalzene und getrocknete Plötzen nur zu verzehren, wenn diese vorher für mindestens zehn Minuten bei einer Kerntemperatur von 85 °C oder darüber ausreichend erhitzt wurden.

Medizin am Abend Berlin ZusatzFachLink: Botulismus


Botulismus ist eine schwere Erkrankung, welche durch Botulinum-Neurotoxine verursacht wird.

Die Neurotoxine werden vor allem von Bakterien der Spezies C. botulinum gebildet, welche sich nur bei Abwesenheit von Sauerstoff vermehren können. Diese Bakterien sind in der Lage, hitzebeständige Sporen zu bilden, die äußerst widerstandsfähig sind und auch ungünstige Umwelteinflüsse überleben.

Der Keim kommt weltweit im Erdboden und in küstennahen Gewässern vor, wodurch er auch von Plötzen aufgenommen werden kann.

Durch das richtige Salzen und Trocknen der Fische und dem damit verbundenen deutlich reduziertem Wassergehalt kann die Vermehrung der Bakterien und die Neurotoxinbildung gestoppt werden.

Die Erkrankung beginnt mit unspezifischen Symptomen wie Übelkeit, Erbrechen und Magen-Darmstörungen, führt aber in der Regel zu spezifischen neurologischen Störungen, z. B. Sehstörungen, Mundtrockenheit, Sprech- und Schluckstörungen, und kann in schweren Fällen tödlich verlaufen.

Eine Übertragung von Mensch zu Mensch findet nicht statt.

In Deutschland und Spanien wurden Ende 2016 mehrere humane Botulismus-Fälle gemeldet, die auf den Verzehr von gesalzenen und getrockneten Plötzen zurückzuführen waren. Nach Bekanntwerden der Botulismus-Fälle wurde die verdächtige Ware aus den belieferten Unternehmen zurückgerufen, und in den betroffenen Staaten wurde öffentlich vor dem Verzehr gewarnt.

Dem BfR liegen weder Informationen zur Herstellung und Behandlung der zurückgerufenen Chargen noch Daten zur Häufigkeit des Verzehrs dieser Fischerzeugnisse vor. Darüber hinaus zeigen die in das Europäische Schnellwarnsystem für Lebensmittel und Futtermittel (RASFF) eingestellten Informationen über die zurückgerufenen Chargen, dass die Herkünfte, Herstellungs- und Verpackungsarten sowie die Haltbarkeitsfristen und notwendigen Lagertemperaturen von gesalzenen und getrockneten Plötzen unterschiedlich sind.

Um dennoch das Vorkommen und Verhalten von C. botulinum in gesalzenen und getrockneten Plötzen abschätzen zu können, hat das BfR Literaturstudien durchgeführt und Abschätzungen auf Basis bestehender mathematischer Modelle vorgenommen.

Verbraucherinnen und Verbrauchern rät das BfR, gesalzene und getrocknete Plötzen nur zu verzehren, wenn diese vorher für mindestens zehn Minuten einer Kerntemperatur von 85 °C oder darüber ausgesetzt waren. 

Zudem sollten keine Innereien von nicht ausreichend erhitzen Plötzen gegessen werden.

Über das BfR

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) ist eine wissenschaftlich unabhängige Einrichtung im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL). Es berät die Bundesregierung und die Bundesländer zu Fragen der Lebensmittel-, Chemikalien- und Produktsicherheit. Das BfR betreibt eigene Forschung zu Themen, die in engem Zusammenhang mit seinen Bewertungsaufgaben stehen.



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CAVE: Bundestagswahl 2017 - Kanidaten-Duell der Macht

Medizin am Abend Berlin Fazit: Wer am lautesten brüllt, gewinnt die Wahl

Deutsche Wildtier Stiftung: Bei Rothirschen entscheiden die „Frauen“, wer nach dem Kandidaten-Duell die Macht übernimmt 

Damen-Wahl: Beim Rothirsch entscheidet sich die Wahl auf dem Brunftplatz
Damen-Wahl: Beim Rothirsch entscheidet sich die Wahl auf dem Brunftplatz
T. Martin/Deutsche Wildtier Stiftung


Kanzler-Kandidaten gehen in Talk-Shows, Rothirsche auf den Brunft-Platz.

Thema Nummer eins: Familienpolitik!

Denn nur der Gewinner kann seine Gene weitergeben; die Damen entscheiden, wer die Wahl gewinnt. 

Jede Stimme zählt.

Zeitgleich zur Bundestagswahl nimmt jetzt auch die Hirschbrunft volle Fahrt auf.

Um sich zu präsentieren, wird kräftig geröhrt und geknört.

Wer am lautesten schreit, hat am Ende die Macht.

Ein riesiger Brustkorb als Resonanzkörper steht für Kraft und Stärke, Gesundheit und Ausdauer.

Wer Dominanz zeigt, ist klar im Vorteil.

Das Wahlvolk ist auf der Seite des Stärkeren.

Der Platzhirsch beherrscht während der Brunft sein Rudel und lässt sich die weiblichen Tiere so leicht nicht abwerben.

Doch auf Dauer ist niemand unbesiegbar. 

Starke Gegner provozieren und attackieren den Wortführer. Sie versuchen die Wahl für sich zu gewinnen.

„Bei der Brunft treten Machos gegeneinander an“, sagt Dr. Andreas Kinser, Forst- und Jagdexperte der Deutschen Wildtier Stiftung.

Bei Hirschen gibt es nach der Wahl keine „große Koalition“. 

Die testosterongesteuerten Gegner enden als Gewinner oder Verlierer! 

Es kann nur einen geben. 

Wer es mit einem Platzhirsch aufnimmt, muss gut aufgestellt sein.

„Das einzige Argument ist die körperliche Überlegenheit“, sagt Andreas Kinser.

Die Zuschauerränge am Rande des Brunftplatzes sind mit den „Damen“ gut besetzt.

Kann der Favorit den Rivalen mit „Worten“ beeindrucken?

Endet das akustische Duell unentschieden, wird der Boden mit Geweih und Vorderläufen aufgewühlt. 

Wie bei jeder Wahl wird viel Staub aufgewirbelt.

Beim Imponier-Marsch präsentieren die Rothirsche dann ihre Geweihe. 

Drohgebärden sollen den Gegner beeindrucken.

Hin und wieder reicht die Demonstration von Stärke nicht aus.

Dann kommt es zum Kampf. 

Mit dem Geweih voran nehmen die Kontrahenten ihr Gegenüber ins Visier. Nur sehr selten bleibt dabei einer der Kombattanten blutig auf der Strecke: „Es kommt vor, dass ein Geweihende den Gegner so sehr verletzt, dass dieser verendet“, sagt Kinser.

Warum der gefährliche Aufwand?

Es geht um Macht und Sex: 

  • Denn der Kandidat, der das Duell gewinnt, darf alle Damen beglücken. 

Und wenn beide Parteien verlieren?

Das ist die Stunde der „kleinen Parteien“: 

Jüngere Hirsche – die sogenannten Beihirsche – haben sonst zwar nicht viel zu melden, tragen in diesem Fall aber den Sieg davon.

Wenn beim Kampf der Giganten was schief gelaufen ist, sorgen die Außenseiter für den Nachwuchs.

Sie möchten die besten Plätze zur Hirschbrunft besuchen?

Klicken Sie auf Medizin am Abend Berlin: Rothirsch und suchen Sie nach einem „Wahl-Duell“ in ihrer Nähe. 

Spannung garantiert!

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Der PSA-Test rettet Leben....

Medizin am Abend Berlin Fazit: Urologen fordern konzertiertes Handeln, um drohende Unterversorgung abzuwenden

Die Urologie ist das größte Zukunftsfach in der Medizin, und der PSA-Test ist rehabilitiert: 

Das sind die zentralen Botschaften vom 69. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Urologie e.V. (DGU), der seit dem 20. September in Sachsens Landeshauptstadt tagt und gestern seine Pforten in der Messe Dresden schloss. Rund 6500 internationale Teilnehmer besuchten die weltweit drittgrößte urologische Wissenschafts- und Fortbildungsplattform, um neueste Erkenntnisse aus Diagnostik und Therapie aus allen Bereichen des Fachgebietes zu diskutieren. 
 
„Im Mittelpunkt der mehr als 150 Einzelveranstaltungen standen naturgemäß die urologischen Tumorerkrankungen, da Urologen und Urologinnen rund ein Viertel aller Krebserkrankungen in Deutschland behandeln“, sagt Kongress-Präsident Prof. Dr. med. Tilman Kälble. Der Chefurologe des Klinikums Fulda hatte die 69. DGU-Jahrestagung unter das Motto „Urologie. Für alle. Für jeden. Für uns.“ gestellt und hat mit der Kampagne „Urologie für alle“ einen weiteren Baustein der Gesundheitsinitiative von DGU und dem Berufsverband der Deutschen Urologen e.V. (BDU) ins Leben gerufen und in Dresden vorgestellt. „Wir wollen Prävention und Vorsorge urologischer Erkrankungen in den Köpfen der Menschen verankern und unsere Behandlungskompetenz für Männer, Frauen und Kinder demonstrieren.“
Passend zum Kongress-Motto publizierte die Fachgesellschaft ihre neue historische Broschüre „Der Urologe in Eigen- und Fremdsicht“.

DGU-Generalsekretär Prof. Dr. med. Maurice Stephan Michel präsentierte vor Ort die „Zukunftsoffensive Urologie 2030“. Mit diesem Aktionsplan reagiert die Fachgesellschaft auf die demografisch prognostizierte Steigerung des urologischen Versorgungsbedarfes um 20 Prozent. „Damit ist die Urologie das größte Zukunftsfach in der Medizin, das entsprechend gestaltet werden muss“, sagt Prof. Michel und fordert von allen politisch verantwortlichen Akteuren im Gesundheitssystem ein konzertiertes Vorgehen mit DGU und BDU, um eine drohende urologische Unterversorgung der Bevölkerungsgruppe der über 65-Jährigen in Deutschland abzuwenden.

Die zentrale medizinische Botschaft vom DGU-Kongress lautet: 

  • Der PSA-Test rettet Leben. 

Laut der jüngsten Neu-Analyse der beiden wichtigsten Studien zum PSA-Test - der europäischen ERSCP-Studie und der amerikanischen PLCO-Studie - senkt das Screening die Sterblichkeit am Prostatakrebs um bis zu 32 Prozent. Vor diesem Hintergrund diskutierte in Dresden ein hochrangig besetztes Podium den Stellenwert des PSA-Testes zur Früherkennung von Prostatakrebs. „Unsere Fachgesellschaft sieht sich in ihrer Position bestärkt und bleibt aktuell bei ihrer Empfehlung für eine Tastuntersuchung mit Baseline-PSA-Bestimmung ab 45 Jahren, bei einem Risiko in der Familie ab 40 Jahren, wenn Männer sich nach einer individuellen Beratung für die Prostatakrebsfrüherkennung entschieden haben“, so DGU-Generalsekretär Prof. Michel.

  • Eine Empfehlung für ein allgemeines PSA-Screening leitet die DGU aus der neuen Datenlage derzeit nicht ab und verweist auf eine eigene derzeit laufende Cochrane-Analyse.

Mit Blick auf die HPV-Impfung bekräftigten die Urologen ihre Impf-Empfehlung für Jungen. A

Außerdem wurden in Dresden die Patientenleitlinie Blasenkrebs und ein Zertifizierungsprogramm für „Zentren für IC und Beckenschmerz“ vorgestellt.

Auf dem DGU-Patientenforum informierten sich knapp 100 Besucher über die Prävention urologischer Erkrankungen. Mit der Aktion „Werde Urologe/Urologin für einen Tag“ bot die Fachgesellschaft rund 80 Oberstufenschülern und -schülerinnen Gelegenheit, die Welt der Urologie kennenzulernen.

Den angeschlossenen Pflege-Kongress für urologische Pflege- und Assistenzberufe besuchten etwa 900 Teilnehmer.

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Diastolische Herzinsuffizienz: Herzschwäche - Herzinsuffizienz, Herzrhythmusstörungen,

Medizin am Abend Berlin: Im Verbund gegen Herz-Kreislauferkrankungen: Neues Herz-Forschungsgebäude in Göttingen eröffnet

Feierliche Eröffnung des neuen Herz-Forschungsgebäudes an der UMG. 

Universitätsmedizin Göttingen investiert rund 11,3 Millionen Euro in den Neubau. 

Acht Arbeitsgruppen sind eingezogen und arbeiten interdisziplinär an spitzenmedizinischer Grundlagenforschung des Herzkreislaufsystems und des Herzens. 
 Schlüsselübergabe
SchlüsselübergabeFoto: umg/spförtner
Schlüsselübergabe (v.l.): Prof. Wolfram Zimmermann (Standortsprecher DZHK), Prof. Gerd Hasenfuß (Vorstandsmitglied DZHK, Vorstandsvorsitzender Herzforschungszentrum Göttingen), Dr. Sebastian Freytag (Vorstand Wirtschaftsführung UMG), Prof. Heyo K. Kroemer (Vorstandssprecher UMG), Rüdiger Eichel (Abteilungsleiter Forschung, MWK), Jens Rohland (Bau-Projektleiter Herzforschungszentrum, Baumanagement UMG), Prof. Stephan Lehnart (Klinik für Kardiologie und Pneumologie der UMG und Vertreter der Arbeitsgruppen und Koordinationsbeauftragten des neuen Herz-Forschungsgebäudes), Prof. Thomas Eschenhagen (Vorstandssprecher DZHK Berlin), Prof. Eberhard Bodenschatz (Direktor am Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation), Dr. Martin Siess (Vorstand Krankenversorgung UMG), Prof. Garret FitzGerald (Vorsitzender Scientific Advisory Board, DZHK, Institute for Translational Medicine and Therapeutics, Philadelphia, USA). Foto: umg/spförtner 
Die Herzforschung an der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) hat ein neues Gebäude bekommen. Zwei Jahre nach Beginn der Bauarbeiten ist das neue Herz-Forschungsgebäude der UMG am Montag, dem 11. September 2017, in Gegenwart von rund 150 Gästen im Innenhof offiziell eröffnet worden. Die Baukosten in Höhe von 11,3 Millionen Euro trägt die Universitätsmedizin Göttingen.

In dem neuen Herz-Forschungsgebäude sollen neun Forschergruppen des Herzforschungszentrums Göttingen (HRCG) und des Deutschen Zentrums für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK), Standort Göttingen, eng zusammenarbeiten. Sie forschen an den Ursachen von Erkrankungen des Herzkreislaufsystems und des Herzens und entwickeln dafür innovative diagnostische und therapeutische Verfahren. Wichtigstes Ziel ist die translationale Forschung, das heißt: Resultate aus der Grundlagenforschung sollen möglichst schnell in die klinische Erprobung und zum Patienten gebracht werden. Der DZHK-Standort Göttingen ist einer von insgesamt sieben Standorten bundesweit und besteht seit 2011.

Prof. Dr. Heyo K. Kroemer, Sprecher der Vorstands der UMG, sagte bei seiner Begrüßung: „Mit dem neuen Herz-Forschungsgebäude führen wir Spitzenforscher des Deutschen Zentrums für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK) und des Herzforschungszentrums Göttingen unter optimalen räumlichen Rahmenbedingungen zusammen. Damit schafft die Universitätsmedizin am Wissenschaftsstandort Göttingen eine herausragende Expertise in der translationalen Herz-Kreislauf-Forschung. Wenn ab dem kommenden Jahr gleich nebenan der Neubau für das Heart-and-Brain-Center entsteht, steht die UMG für eine breite und dynamische Entwicklung der Herzforschung in Göttingen auf nationalen und internationalen Spitzenniveau.“

Für das DZHK würdigt dessen Vorstandssprecher Prof. Dr. Thomas Eschenhagen den Neubau: „Der Standort Göttingen leistet einen wichtigen Beitrag zur präklinischen und klinischen Forschung des DZHK. Mit dem Neubau kann der Standort seine Forschungsaktivitäten noch weiter ausbauen. Dies ist ein großer Gewinn für das DZHK.“

Prof. Dr. Gerd Hasenfuß, Mitglied des Vorstands des Deutschen Zentrums für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK), Vorsitzender des Herzforschungszentrums Göttingen und Direktor der Klinik für Kardiologie und Pneumologie an der UMG, sagt: „Das neue Gebäude bietet mit seinen hochmodernen Rahmenbedingungen unseren Wissenschaftler optimale Möglichkeiten zur Interaktion mit dem Ziel, neue Diagnostik- und Behandlungsverfahren für Pateinten mit Herzschwäche zu entwickeln – mehr noch, diese dann schnellstmöglich dem Patienten zugute kommen zu lassen.“

Prof. Dr. Wolfram-Hubertus Zimmermann, Sprecher des Standorts Göttingen des DZHK und Direktor des Instituts für Pharmakologie und Toxikologie an der UMG, sagt: „Exzellente Wissenschaft benötigt neben klugen Köpfen optimal ausgestattete Labore. Durch das neue Herz-Forschungsgebäude und die Zusammenführung von Göttinger Experten der Herzbildgebung und Elektrophysiologie schaffen wir einen Kristallisationspunkt für die Überführung hervorragender Grundlagenforschung in die klinische Anwendung, ganz im Sinne unserer translationalen Strategie im DZHK.“

Prof. Dr. Eberhard Bodenschatz, stellvertretender Sprecher des Standorts Göttingen des DZHK und Direktor am Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation, sagt: „Das DZHK hat die Zusammenarbeit am Göttingen Campus stark befördert und ermöglicht hervorragende Wissenschaft zum Wohle der Patienten an der Spitze der Forschung.“

Ministerialdirigent Rüdiger Eichel, Abteilungsleiter Forschung und Innovation im niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur, sowie Prof. Dr. Garret FitzGerald, Institute for Translational Medicine and Therapeutics, Philadelphia (USA), als Vorsitzender des Scientific Advisory Board, DZHK, sprachen weitere Grußworte.

Anschließend überreichte Dr. Sebastian Freytag, Vorstand Wirtschaftsführung und Administration, für den Bauherrn UMG symbolisch den Schlüssel an Prof. Dr. Stephan Lehnart, Vertreter der Arbeitsgruppen und Koordinationsbeauftragten des neu-en Herz-Forschungsgebäudes und Leiter der Forschergruppe für Cellular Biophysics and Translational Cardiology, Klinik für Kardiologie und Pneumologie der UMG.

OPTIMALE BEDINGUNGEN FÜR DIE HERZ-FORSCHUNG

In dem neuen Herz-Forschungsgebäude werden neun Forschergruppen arbeiten, acht von ihnen sind bereits eingezogen. Das neue Forschungsgebäude verbessert damit die Bedingungen für die Herz-Kreislauf-Forschung an der UMG und für deren besondere Schwerpunkte im bundesweiten Forschungsverbund des DZHK. Dazu gehört unter anderem die Forschungsarbeit mit höchstauflösenden Mikroskopen (STED-Mikroskopie). Die Fundamente des neuen Forschungsgebäudes sind deshalb so konzipiert, dass keine störende Schwingungen auftreten können. Darüber hinaus bietet das neue Forschungsgebäude optimale Räumlichkeiten für die experimentelle Forschung, die theoretischen Arbeiten sowie für technischen Service und den Austausch der Wissenschaftler am Campus Göttingen.

Das Gebäude hat zwei Geschosse und eine Nutzfläche von 1.650 Quadratmetern. Auf rund der Hälfte dieser Fläche sind insgesamt 44 Labore untergebracht sein, dazu kommen 17 Büroräume und ein Konferenzraum. Das Raumprogramm für die Forschung umfasst neben biochemischen Laboren insbesondere Mikroskopier- und Optiklabore. Eine besondere Modulbauweise mit vorgefertigten Elementen konnte die Bauzeit verkürzen. Im März 2017 wurde das Gebäude an die Nutzer übergeben. Ins-gesamt wurde der Neubau sowohl bei den Kosten wie beim Zeitplan im vorgesehenen Rahmen fertig gestellt.

DEUTSCHES ZENTRUM FÜR HERZ-KREISLAUFFORSCHUNG (DZHK), GÖTTINGEN

Im Standort Göttingen des bundesweit tätigen Deutschen Zentrums für Herz-Kreislaufforschung (DZHK) arbeiten Forscher der Universitätsmedizin Göttingen, der Georg-August-Universität, von drei Göttinger Max-Planck-Instituten (Biophysikalische Chemie, Dynamik und Selbstorganisation, Experimentelle Medizin) und des Deutschen Primatenzentrums fächerübergreifend zusammen.

Der wissenschaftliche Schwerpunkt des DZHK-Standorts Göttingen liegt auf der Herzschwäche (Herzinsuffizienz), insbesondere den Forschungsfeldern Pumpschwäche und Herzrhythmusstörungen.

Durch innovative Bildgebungsverfahren werden neue Diagnose- und Behandlungsmöglichkeiten entwickelt. Schonende Herzstimulationsverfahren werden in die klinische Anwendung gebracht.

Die Pumpschwäche bei Herzschwäche soll durch Herzregeneration mittels künstlichem Herzgewebe (engl.: engineered heart muscle) aus Stammzellen ausgeglichen werden.

Im Mittelpunkt verschiedener DZHK-Projekte am Standort Göttingen stehen die folgenden Themen:
• Hochauflösende Bildgebung am Gewebe durch innovative Mikroskopieverfahren (Nanoskopie)
• Echtzeitkernspintomographie zur Untersuchung der Herzfunktion am Patienten
• Hochauflösende 4-D Echokardiographie zur Analyse von Rhythmusstörungen
• Simulationsmodelle zur Vorhersage von Krankheitsverläufen und Therapieerfolgen
• Niedrigenergie-Stimulationsverfahren zur Herz-Rhythmisierung
• menschliche Stammzellbanken und Modelle für die Erforschung von Herzerkrankungen
• Entwicklung von Stammzellbasierten Regenerationsverfahren über künstliche Herzgewebe.

Der Standort Göttingen koordiniert große nationale und internationale klinische Studien mit dem Schwerpunkt diastolische Herzinsuffizienz.

Sprecher des DZHK-Standorts Göttingen ist Prof. Dr. Wolfram-Hubertus Zimmermann, Direktor des Instituts für Pharmakologie und Toxikologie der UMG. Stellvertretender Standortsprecher ist Prof. Dr. Eberhard Bodenschatz, Direktor der Abteilung Hydrodynamik, Strukturbildung und Biokomplexität, Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation, Göttingen.


Eröffnet: Das neue Herz-Forschungs¬gebäude der UMG, in der Robert-Koch-Straße 42a.


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Universitätsmedizin Göttingen, Georg-August-Universität
Robert-Koch-Str. 42
37075 Göttingen
Postfach
37099 Göttingen
Deutschland
Niedersachsen 

Stefan Weller, Telefon 0551 / 39-9959
presse.medizin@med.uni-goettingen.de
www.umg.eu



Deutsches Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK)
Oudenarder Straße 16, 13347 Berlin
Christine Vollgraf, Telefon 030 / 4593-7102
christine.vollgraf@dzhk.de
www.dzhk.de

Duktalen Prankreaskarzinom - Bauchspeicheldrüsenkrebs

Medizin am Abend Berlin Fazit: Bauchspeicheldrüsenkrebs bekämpfen

Bauchspeicheldrüsenkrebs gehört zu den aggressivsten und am schwierigsten zu behandelnden Krebserkrankungen. 

Mit insgesamt 1,3 Millionen Euro fördert die Deutsche Krebshilfe ein neues Verbundprojekt, um zu erforschen wie Therapieresistenzen bei dieser Krebsart verhindert werden können. 

Das Projekt startet am Westdeutschen Tumorzentrum (WTZ) des Universitätsklinikums Essen und fünf weiteren Standorten. 

Geleitet wird es von Prof. Jens Siveke, der an der Medizinischen Fakultät der Universität Duisburg-Essen (UDE) die Professur für Translationale Onkologie des Deutschen Konsortiums für Translationale Krebsforschung (DKTK) innehat. 
 
Bauchspeicheldrüsenkrebs gehört zu den Krebserkrankungen mit der höchsten krebsbedingten Sterblichkeit.

Besonders das sogenannte duktale Pankreaskarzinom ist kaum behandelbar, weil die Tumorzellen gegen verfügbare Medikamente schnell resistent werden.

„Nahezu jeder Patient entwickelt im Verlauf der Behandlung Resistenzen gegenüber einer Chemotherapie oder ist schon zu Beginn der Therapie resistent“, sagt Prof. Jens Siveke.

Regulatorische Proteine nutzen

Der Grund dafür sind hochdynamische Prozesse im Erbgut des Tumors: 

Chromosomen bestehen aus einem Komplex aus DNA und Proteinen, dem sogenannten Chromatin. 
  • Ist die Chromatinstruktur stark kondensiert, hat die zelluläre Maschinerie keinen Zugang zur DNA. 
In gelockerter Form können dagegen Gene aktiviert werden. Durch Fehlregulationen werden so auch Abschnitte des Genoms freigelegt, die für die Entstehung von Therapieresistenz verantwortlich sind.

Regulatorische Proteine, die den Kondensationsgrad und Ort des Chromatins kontrollieren, sind somit auch vielversprechende Zielstrukturen, um Resistenzen gegenüber Krebstherapien zu überwinden.

Im Verbundprojekt „Regulatoren von Tumorplastizität als therapeutische Zielstrukturen beim Duktalen Pankreaskarzinom“ identifizieren die Wissenschaftler Mechanismen der Chromatinregulation, die Genorte einer Chemotherapieresistenz kontrollieren. Ziel der Wissenschaftler ist es zudem, bestimmte Regulationswege des Tumors gezielt umzuprogrammieren, damit er für Medikamente und Immuntherapien wieder angreifbar wird.

Das Konsortium kombiniert dabei neueste Techniken der Chromatin- und Genomanalyse mit einem gezieltem „Drug-Development“-Ansatz.

Die molekularen Ursachen von Resistenzen bei Bauchspeicheldrüsenkrebs werden sowohl an neu entwickelten in vitro- und in vivo-Modellen, als auch an Tumorproben aus klinischen Studien untersucht.

Das Verbundprojekt schließt Wissenschaftler der Universitätskliniken Bochum, Frankfurt, Göttingen, Ulm und Würzburg ein. Es wurde von der Deutschen Krebshilfe im Förderschwerpunkt „Translationale Onkologie“ in einem zweistufigen Auswahlverfahren als eines von vier geförderten Projekten ausgewählt. Der Förderzeitrum beträgt drei Jahre und umfasst 1,3 Millionen Euro.



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Christine Harrell
Medizinische Fakultät, Tel. 0201/723-1615
christine.harrell@uni-due.de

Beate Kostka M.A. Universität Duisburg-Essen

Universität Duisburg-Essen
Stabsstelle des Rektorats


Tumorentstehung: Chronische Lebererkrankung

Medizin am Abend Berlin Fazit: Chronischer Zelltod begünstigt Leberkrebs

Leberzellkrebs entsteht besonders häufig, nachdem die Leber durch chronische Krankheit geschädigt worden ist. 

Unklar war bisher, wie diese Ereignisse auf molekularer Ebene zusammenhängen. 

Ein internationales Team von Wissenschaftlern vom Deutschen Krebsforschungszentrum und von der Universität Zürich hat jetzt gezeigt, dass chronischer Zelltod die Tumorentstehung begünstigt. 

Je mehr Zellen absterben, desto stärker müssen sich die verbliebenen Zellen teilen. 
  • Bei diesen Teilungen häufen sie Mutationen an: ein Nährboden für Leberzellkrebs.  
In Deutschland galt Leberzellkrebs bislang als eher selten, doch seit einigen Jahrzehnten erkranken auch hierzulande immer mehr Menschen daran.

Wer an einer Leberzirrhose, Hepatitis B oder C, Fettleibigkeit und Typ-2 Diabetes mellitus leidet, ist besonders gefährdet.

  • Leberzellkrebs entwickelt sich meist aus einer chronischen Lebererkrankung heraus und diese Krankheiten werden hierzulande immer häufiger.

Ein internationales Forscherteam unter der Leitung von Mathias Heikenwälder und seinem Kooperationspartner Achim Weber von der Universität Zürich hat jetzt herausgefunden, dass das Enzym Caspase 8 bei diesem Prozess eine wichtige Doppelfunktion einnimmt. Die Untersuchungen fanden zunächst an Mäusen statt. Patientendaten zeigen, dass die Ergebnisse auf den Menschen übertragbar sind.

http://www.dkfz.de/de/presse/pressemitteilungen/2017/bilder/Mcl1_liver.jpg

Ein Modell für chronische Lebererkrankung: Die Leberzellen der Maus sind genetisch so modifiziert, dass sie besonders häufig an Apoptose sterben. Apoptotische Zellen sind durch Pfeile gekennzeichnet, im Kreis sind teilende Zellen zu sehen. Quelle: Heikenwälder/DKFZ“


Einerseits ist Caspase 8 wichtig für den programmierten Zelltod, Apoptose genannt.

  • Durch Apoptose schützen entartete Zellen den Organismus, indem sie sich selbst eliminieren. 

Lange Zeit galt deshalb das Motto: Apoptose schützt vor Krebs. Die aktuelle Studie zeigt, dass das nur für jede einzelne Zelle gilt, nicht aber für das gesamte Gewebe der Leber.

Unterlaufen zu viele Zellen gleichzeitig eine Apoptose, begünstigt das die Krebsentstehung.

Der Grund:

Die verbleibenden Leberzellen müssen sich dann viel stärker teilen, um den Gewebeverlust auszugleichen. 

„Leberzellen sind so hohe Teilungsraten über einen längeren Zeitraum nicht gewöhnt, sie sind damit überfordert und machen Fehler“, erklärt Mathias Heikenwälder vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg.

Patienten mit einer chronischen Leberentzündung akkumulieren daher zahlreiche DNA-Schäden – den Nährboden für Krebs. Denn je mehr Mutationen sich in die DNA einschleichen, desto wahrscheinlicher ist es, dass die Zelle aus ihrem normalen Lebenszyklus ausbricht und sich ungehindert teilt und wächst.

Caspase 8 hat jedoch noch eine ganz andere Funktion.

Das Molekül ist als Teil eines neu identifizierten, größeren Komplexes daran beteiligt, Schäden an der DNA zu erkennen und deren Reparatur einzuleiten. 

Die Apoptose- und die Reparatur-Funktion arbeiten unabhängig voneinander. 

lassen sich also auch getrennt voneinander beeinflussen.

Das ist besonders wichtig für die Behandlung von Leberkrebs oder chronischen Lebererkrankungen. 

Eliminierte man das Enzym Caspase 8 komplett, dann würde man zwar den programmierten Zelltod und die Entstehung von Krebs verhindern. Gleichzeitig würde man die Zelle jedoch auch eines DNA-Reparaturmechanismus berauben. Das gilt es zu vermeiden.
Als nächstes möchten die Wissenschaftler prüfen, ob es ähnliche Vorgänge auch bei anderen Krebsarten gibt und die Dynamik des Mechanismus genauer untersuchen. „Wir wissen bisher nicht, wann und warum Caspase 8 und die anderen Moleküle sich zusammentun und nach DNA-Schäden suchen“, sagt Heikenwälder. „Da sind noch viele Fragen offen.“

Yannick Boege, Mohsen Malehmir, Marc E. Healy, Kira Bettermann, Anna Lorentzen, Mihael Vucur, Akshay K. Ahuja, Friederike Böhm, Joachim Mertens, Yutaka Shimizu, Lukas Frick, Caroline Remouchamps, Karun Mutreja, Thilo Kähne, Devakumar Sundaravinayagam, Monika Wolf, Hubert Rehrauer, Christiane Koppe, Tobias Speicher, Susagna Padrissa-Altés, Renaud Maire, Jörn M. Schattenberg, Juseong Jeong, Lei Liu, Stefan Zwirner, Regina Boger, Norbert Hüser, Roger J. Davis, Beat Müllhaupt, Holger Moch, Henning Schulze-Bergkamen, Pierre-Alain Clavien, Sabine Werner, Lubor Borsig, Sanjiv A. Luther, Philipp Jost, Ricardo Weinlich, Kristian Unger, Axel Behrens, Laura Hillert, Christopher Dillon,, Michela Di Virgilio, David Wallach, Emmanuel Dejardin, Lars Zender, Michael Naumann, Henning Walczak, Douglas R. Green, Massimo Lopes, Inna Lavrik, Tom Luedde, Mathias Heikenwalder, Achim Weber: A dual role of caspase 8 in triggering and sensing proliferation-associated DNA damage, a key determinant of liver cancer development.
Cancer Cell 2017, DOI: 10.1016/j.ccell.2017.08.010

Das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) ist mit mehr als 3.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die größte biomedizinische Forschungseinrichtung in Deutschland. Über 1000 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler erforschen im DKFZ, wie Krebs entsteht, erfassen Krebsrisikofaktoren und suchen nach neuen Strategien, die verhindern, dass Menschen an Krebs erkranken. Sie entwickeln neue Methoden, mit denen Tumoren präziser diagnostiziert und Krebspatienten erfolgreicher behandelt werden können. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Krebsinformationsdienstes (KID) klären Betroffene, Angehörige und interessierte Bürger über die Volkskrankheit Krebs auf. Gemeinsam mit dem Universitätsklinikum Heidelberg hat das DKFZ das Nationale Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) Heidelberg eingerichtet, in dem vielversprechende Ansätze aus der Krebsforschung in die Klinik übertragen werden. Im Deutschen Konsortium für Translationale Krebsforschung (DKTK), einem der sechs Deutschen Zentren für Gesundheitsforschung, unterhält das DKFZ Translationszentren an sieben universitären Partnerstandorten. Die Verbindung von exzellenter Hochschulmedizin mit der hochkarätigen Forschung eines Helmholtz-Zentrums ist ein wichtiger Beitrag, um die Chancen von Krebspatienten zu verbessern. Das DKFZ wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und zu 10 Prozent vom Land Baden-Württemberg finanziert und ist Mitglied in der Helmholtz-Gemeinschaft deutscher Forschungszentren.

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Transidentität: Geschlechtsinkongruenz - Identitätswechsel: Ist das eine psychische Erkrankung?

Medizin am Abend Berlin Fazit: Endokrinologen fordern vereinfachtes Begutachtungsverfahren für Transsexuelle

Wer in Deutschland das Geschlecht von Mann zu Frau oder umgekehrt wechseln möchte, hat große „bürokratische Hürden“ zu überwinden noch bevor eine Behandlung beginnt. 

Mindestens zwölf Monate Alltagstest und Psychotherapie als Voraussetzung hält die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) für unangemessen und zu lang. 

Dieses Prozedere widerspricht neuen internationalen Leitlinien zu „Geschlechtsinkongruenz“, die in der neuen ICD-11 voraussichtlich nicht mehr als psychische Erkrankung klassifiziert werden wird. 

Gemessen an dem hohen Informationsbedarf gibt es zudem zu wenig Beratungsstellen und zu wenig Experten, die sich mit dem Thema Identitätswechsel und Therapie auskennen. 
 
Wenn sich ein Mann oder eine Frau in seinem oder ihrem Körper nicht “zuhause” fühlt und die körperlichen Merkmale nicht mit der empfundenen Geschlechtszugehörigkeit übereinstimmen, können häufig psychische Belastungen entstehen.

„Das Gefühl, nicht zu dem eigenen anatomischen Geschlecht zu passen, führt zu Unbehagen: 

Experten sprechen von Geschlechtsinkongruenz. 

  • Die Betroffenen haben häufiger als andere Depressionen, Suizidgedanken, Angststörungen oder Probleme mit Suchtmitteln“, sagt Professor Dr. med. Sven Diederich, Ärztlicher Leiter Medicover Deutschland aus Berlin. 

„Ursache dafür sind meist nicht etwa psychische Störungen, sondern die Diskriminierung der Gesellschaft und die Hürden im Gesundheitswesen“, so Diederich, der auch Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) ist.

  • Geschlechtsidentität ist die von jedem Menschen individuell empfundene Geschlechtszugehörigkeit. 

Stimmt diese nicht mit den körperlichen Merkmalen überein, kann mit einer Hormonbehandlung und Operationen in das andere gewünschte Geschlecht „gewechselt“ werden.

Das ist kein einfacher Vorgang, sondern ein komplexer monatelanger Prozess, der viel Wissen und Erfahrung aufseiten der Behandelnden voraussetzt und der/dem Betroffenen körperlich und psychisch viel abverlangt.


Anders als in anderen Ländern wie beispielweise Irland, wo eine Selbstdiagnose ausreicht und gesetzlich verankert ist, müssen die „Wechselwilligen“ hierzulande mindestens zwölf Monate Psychotherapie und zwölf Monate Alltagstest vor dem Beginn einer Behandlung für die Zulassung zu Körperveränderungen vorweisen. 

Bei der „Alltagserprobung“ soll die/der Betroffene über den gesamten Zeitraum und in allen Bereichen ihres/seines Lebens in dem gewünschten Geschlecht leben, um die „neue“ Geschlechterrolle zu erproben, so verlangen es die Kassen.

„Das widerspricht allen neuen internationalen Leitlinien und muss geändert werden“, fordert Diederich.


Wie viele Menschen sich wünschen, als Angehöriger des anderen Geschlechts zu leben und anerkannt zu werden, wird unterschiedlich geschätzt. „Wir gehen von mindestens 0,5 Prozent aus. Für diese große Gruppe von bis zu 400.000 Menschen in Deutschland stehen zu wenige Experten zur Verfügung“, beklagt Diederich.

  • Da zu wenig versierte Psychologen/Psychiater, Hormonexperten (Endokrinologen; spezialisierte Gynäkologen und Urologen) und plastische Chirurgen vorhanden sind, experimentierten zahlreiche Betroffene mit Substanzen. 

Diese Selbstmedikation ist riskant.

Dass es mit einem vereinfachten Begutachtungsverfahren nicht getan ist, ergänzt Professor Dr. med. Matthias Weber, Mediensprecher der DGE: „Es gibt noch immer sehr viele Vorurteile in der Bevölkerung gegenüber Transgender-Menschen. Wir brauchen mehr Aufklärung in der Gesellschaft, aber auch mehr Beratungsstellen für die Betroffenen.“ Auch die Kompetenzen der Behandelnden müssen ausgebaut werden. „Das Thema Transidentität gehört in die Ausbildung von Medizinern ebenso wie in die Fort- und Weiterbildung von Ärzten und Psychologen“, so Weber, Leiter der Endokrinologie und Diabetologie der Universitätsmedizin Mainz.
Die Fachgesellschaft fordert, den Mangel an geeigneten Experten zu beheben und die Hürden für Menschen, die ihr Geschlecht wechseln möchten, zu senken. „Die Selbsteinschätzung und die Begutachtung eines in diesem Bereich versierten Psychologen müssen reichen“, resümieren die DGE-Experten.

Literatur:
Winter, S et al: Transgender people: health at the margins of society. Lancet 2016; 388: 390-400.
Reisner, SL et al: Global health burden and needs of transgender populations: a review.
Lancet 2016; 388: 412-36.
Morgan, J: Self-determing legal gender: transgender right, or wrong? Lancet Diabetes Endocrinol 2016, 4: 207-208.
AWMF S3 Leitlinie Geschlechtsinkongruenz und Geschlechtsdysphorie, zurzeit noch nicht endgültig veröffentlicht, im Bearbeitungsprozess.
Wyley, K et al: Serving transgender people: clinical care considerations and service delivery models in transgender health. Lancet 2016; 388: 401-11.

Beratungsstellen:
Netzwerk Trans*-Inter*-Sektionalität (TIS): https://transintersektionalitaet.org/?page_id=261

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Endokrinologie ist die Lehre von den Hormonen, Stoffwechsel und den Erkrankungen auf diesem Gebiet. Hormone werden von endokrinen Drüsen, zum Beispiel Schilddrüse oder Hirnanhangdrüse, aber auch bestimmten Zellen in Hoden und Eierstöcken, „endokrin“ ausgeschüttet, das heißt nach „innen“ in das Blut abgegeben. Im Unterschied dazu geben „exokrine“ Drüsen, wie Speichel- oder Schweißdrüsen, ihre Sekrete nach „außen“ ab.

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„Rhythmuspflaster“ Vorhofflimmern: Schlaganfall

Medizin am Abend Berlin Fazit: DZHK-Studie: Vorhofflimmern früher erkennen und Schlaganfälle reduzieren

Im Deutschen Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK) startet eine neue klinische Studie zur häuslichen Früherkennung von Vorhofflimmern. 

Diese Herzrhythmusstörung ist für ein Viertel aller Schlaganfälle verantwortlich. 

Dabei lässt sich das Risiko für einen Schlaganfall bei Patienten mit Vorhofflimmern um 70 Prozent senken, wenn sie rechtzeitig Blutverdünner einnehmen. 

Das Problem ist die frühzeitige Diagnose. 

Denn häufig gerät das Herz nur anfallartig aus dem Takt, was keine Beschwerden verursacht. 

 Für die EKG-Aufzeichnung wird ein Pflaster mit integrierter Aufzeichnungseinheit auf die Brust der Patienten geklebt.
 Für die EKG-Aufzeichnung wird ein Pflaster mit integrierter Aufzeichnungseinheit auf die Brust der Patienten geklebt. Quelle: iRhythm Technologies
 
  • Wenn die Vorhöfe des Herzens flimmern, kann das Herz nur noch eingeschränkt pumpen und es besteht die Gefahr, dass sich Blutgerinnsel bilden. 

Wird so ein Blutgerinnsel fortgeschwemmt, kann es an anderer Stelle ein Blutgefäß verschließen. 

  • Passiert dies in der Halsschlagader oder in Gefäßen im Gehirn, kommt es zum Schlaganfall. 
  • Die rechtzeitige Einnahme von Blutverdünnern kann die Gefahr der Blutgerinnselbildung reduzieren und damit auch das Schlaganfallrisiko senken.

Die SCREEN-AF-Studie will deshalb die Früherkennung von Vorhofflimmern verbessern.

Sie überprüft, ob mithilfe einer kontinuierlichen EKG-Aufzeichnung über zweimal zwei Wochen auch klinisch unauffälliges Vorhofflimmern frühzeitig erkannt werden kann.

„Aus Vorstudien wissen wir, dass anfallartiges Vorhofflimmern bei Schlaganfallpatienten häufig ist. Jetzt wollen wir untersuchen, ob wir diese Herzrhythmusstörung in ähnlicher Häufigkeit bei älteren Patienten, die wegen Bluthochdruck vom Hausarzt behandelt werden, finden“, erläutert Prof. Dr. Rolf Wachter, Universitätsklinikum Leipzig, der die Studie für Deutschland gemeinsam mit Prof. Dr. Eva Hummers-Pradier von der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) leitet.

Die Studie setzt ein neues „Rhythmuspflaster“ ein.

Dieses Pflaster hat einen Mini-Monitor als Aufzeichnungseinheit, mit dem der Herzrhythmus für bis zu zwei Wochen aufgezeichnet werden kann. Gegenüber herkömmlichen Langzeit-EKG ist diese Aufzeichnungsform weniger belastend und erlaubt zum Beispiel auch Duschen, ohne dass das Pflaster entfernt werden muss. Zusätzlich messen die Studienteilnehmer zweimal täglich ihren Blutdruck mit einem Blutdruckmessgerät, das für den häuslichen Einsatz geeignet ist.

„Neben der Frage, wie oft wir Vorhofflimmern finden, möchten wir auch herausfinden, wie häufig und wie lange man messen muss, um alle Fälle zu erfassen“, erläutert Wachter den Studienablauf. Deshalb werden die 14-tägigen EKG-Aufzeichnungen und Blutdruck-Messungen nach drei Monaten wiederholt und nach sechs Monaten untersucht der Hausarzt das Herz der Patienten.

Netz von Allgemeinmedizinern
Die Studie wendet sich an über 75-Jährige, die Bluthochdruck haben, aber bisher noch keine Anzeichen für eine Herzrhythmusstörung aufweisen. Co-Studienleiterin Prof. Hummers-Pradier vom Institut für Allgemeinmedizin der UMG verfügt über ein Netz von Allgemeinarzt-Praxen, mit deren Hilfe die Patienten rekrutiert werden. Dafür werden die Allgemeinmediziner gebeten, ihre Datenbanken einmalig nach geeigneten Patienten zu durchsuchen. Ein Studienteam der UMG spricht die Patienten dann an, klärt sie auf und bringt den kleinen Monitor an.

Insgesamt sollen 405 Probanden an der Studie teilnehmen, die außer in Göttingen auch in Hamburg und Frankfurt laufen wird.

Erster Schritt für ein Vorsorgeprogramm

„Außer dem Management von Risikofaktoren wie Übergewicht, hohe Blutfettwerte oder Bluthochdruck, gibt es derzeit keine Vorsorgeprogramme, um das Risiko für Schlaganfälle in Folge von Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu reduzieren“, schildert Wachter die Situation. Die Studie SCREEN-AF ist ein erster Schritt, um ein solches Programm für die Primärprävention des Schlaganfalls zu entwickeln. Sie findet in Kooperation mit dem kanadischen C-SPIN-Netzwerk statt, das die Studie gemeinsam mit dem DZHK finanziert.

Über das DZHK
Das Deutschen Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK) ist das größte nationale Zentrum zur Erforschung von Krankheiten des Herz-Kreislauf-Systems. Sein Ziel ist es, Ergebnisse aus der Grundlagenforschung schnellstmöglich in den klinischen Alltag zu überführen. Dazu vereint es exzellente Grundlagenforscher und klinische Forscher aus 30 Einrichtungen an sieben Standorten. Das DZHK wurde 2011 auf Initiative des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) gegründet und wird zu 90 Prozent vom Bund und zu 10 Prozent von Sitzländern der Partnereinrichtungen gefördert. Es gehört zu den sechs Deutschen Zentren der Gesundheitsforschung (DZG), die sich der Erforschung großer Volkskrankheiten widmen.

Studientitel:
Program for Identification of “Actionable“ Atrial Fibrillation (PIAFF): Home-Based Screening for Early Detection of Atrial Fibrillation in Primary Care Patients Aged 75 Years and Older: the SCREEN-AF Randomized Trial (SCREEN-AF-DZHK15)

Studienleiter:
Prof. Dr. Rolf Wachter, Klinik und Poliklinik für Kardiologie, Universitätsklinikum Leipzig

Prof. Dr. Eva Hummers-Pradier, Institut für Allgemeinmedizin, Universitätsmedizin Göttingen

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Christine Vollgraf
Deutsches Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK)
Tel.: 030 3465 529 02
presse@dzhk.de

Oudenarder Straße 16
13347 Berlin
Deutschland
Berlin


Telefon: 030 3465 52902
E-Mail-Adresse: christine.vollgraf@dzhk.de 

CAVE: Blutzuckerstreifen - insulinpflichtiger Diabetiker

Medizin am Abend Berlin Fazit: Online-Angebote: Blutzuckerteststreifen auf Abwegen

Unkontrollierter Onlinehandel sollte unterbunden werden 
 
Blutzuckerteststreifen sind ein wichtiges Instrument für einen insulinpflichtigen Diabetiker, um im Rahmen des Therapie-Selbstmanagements permanent den Blutzuckerwert zu kontrollieren.

  • Eine anschließende, dem Wert entsprechend dosierte Insulingabe wirkt so den ansonsten drohenden Folgen eines schlecht eingestellten Diabetes mellitus entgegen. 

Die gesetzlichen Krankenversicherungen unterstützen dies, indem sie die Teststreifen ihren Mitgliedern zuzahlungsbefreit abgeben.

In Online-Handelsportalen werden von privaten Verkäufern Blutzuckerteststreifen zum Kauf angeboten.

  • Ein durchschnittlich realisierter Verkaufspreis in Höhe von rund 18,50 Euro für eine Packung mit 50 Teststreifen ließe den Verdacht aufkommen, so Prof. Dr. Heiko Burchert von der Fachhochschule Bielefeld, dass diese Teststreifen nicht zuvor selbst käuflich erworben wurden und nun weiterverkauft werden. 

Es stelle sich also die Frage nach der Herkunft der Teststreifen.

Als eine Quelle kämen Diabetiker in Frage, die die für ihr Therapie-Selbstmanagement erhaltenen Teststreifen weiterverkaufen, statt sie zu nutzen. 

Burchert, Experte für Betriebswirtschaftliche und rechtliche Grundlagen des Gesundheitswesens, hat das Verkäuferverhalten im Internet seit längerer Zeit akribisch verfolgt.

Sein Fazit: 

„Unsere Untersuchungen belegen deutlich, dass die Versicherten, also die Diabetiker selbst, oftmals auch die Verkäufer sind.“ 

Weitere Verkäufergruppen finden sich „nahe am Diabetiker“ unter den Mitarbeitern von Pflegediensten und -heimen oder in diabetologischen Schwerpunktpraxen. Ihnen gemein ist das Interesse an einem Nebeneinkommen. Während ein Diabetiker mit dem Verkauf seiner Teststreifen im Jahr zwischen 200 und 300 Euro verdient, liegt der Spitzenverdiener bei 18.000 Euro pro Jahr.

Auch die Käufer dieser Teststreifen lassen sich benennen.

Neben den nicht insulinpflichtigen Typ II-Diabetikern, welche über ihre gesetzlichen Krankenversicherungen keine Teststreifen bereitgestellt bekommen, sondern sie selber kaufen müssen, sind das insbesondere Privatpatienten. 

  • Burchert: „Privatversicherte Diabetiker haben zumeist einen Tarif gewählt, in welchem die Arzneimittelkosten ausgespart sind. Die günstigen Online-Angebote geben ihnen Recht.“

Nach mehrjährigen Analysen liegen Daten über die Dimensionen dieses Schwarzmarktes und seiner Entwicklung vor und wurden bereits schrittweise veröffentlicht.

Antworten auf sich daraus ergebende Fragen sollten dringend gefunden werden, fordert Professor Burchert und ergänzt:

“Denn wenn davon ausgegangen werden kann, dass aktuell knapp 13.000 private Verkäufer, Stand August 2017, jährlich rund 27,7 Millionen Teststreifen in Deutschland verkaufen, dann lässt sich darin auch ein ernster finanzieller Schaden für die gesetzlichen Krankenversicherungen in Höhe von rund 15 Millionen Euro pro Jahr erkennen.“

Und diese haben ein Eigeninteresse daran, den unkontrollierten Onlinehandel mit Blutzuckerteststreifen zu unterbinden. Nicht zuletzt tragen sie auf diesem Weg zur Subventionierung der Privatpatienten bei.

In Gesprächen mit Vertretern des GKV-Spitzenverbandes wird gemeinsam nach Lösungen gesucht, um diesem Schwarzmarkt Herr zu werden. Auch der Einsatz telemedizinischer Systeme bei der Betreuung insulinpflichtiger Diabetiker kann hierzu beitragen.

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Prof. Dr. rer. pol., Dipl.-Ing. oec. Heiko Burchert -
Fachbereich Wirtschaft und Gesundheit
Lehrgebiet Betriebswirtschaftliche und rechtliche Grundlagen des Gesundheitswesens
FH Bielefeld - Interaktion 1 - 33619 Bielefeld
Telefon 0521.106-5073 - Telefax 0521.106-5086 - Mobil 0151.64959421 - heiko.burchert@fh-bielefeld.de

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