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Univ.-Prof. Dr. med. Volker Rudolph: Kathetergeführten Trikuspidalklappenersatz + https://impfdashboard.de

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Herzklappenersatz mit dem Herzkatheter: Meilenstein gesetzt

Kardiologen am Herz- und Diabeteszentrum NRW (HDZ NRW) ersetzen erstmals eine Trikuspidalklappe mit dem Herzkatheter. 

Erste Einsätze erfolgen im Rahmen einer großen internationalen Zulassungsstudie.

Die auf der rechten Herzseite gelegene Trikuspidalklappe mit einem schonenden Katheterverfahren zu ersetzen, galt lange Zeit als gar nicht möglicher Eingriff. 

Doch jetzt scheint ein solcher Durchbruch auf dem Gebiet der interventionellen Kardiologie gelungen: 

Am Herz- und Diabeteszentrum NRW (HDZ NRW), Bad Oeynhausen, führten Prof. Dr. Volker Rudolph, Direktor der Klinik für Allgemeine und Interventionelle Kardiologie und Angiologie, und Oberarzt Dr. Kai Peter Friedrichs erstmals einen kathetergeführten Trikuspidalklappenersatz erfolgreich durch.

  • Wissenschaftliche Untersuchungen aus den USA hatten bereits angekündigt, dass der innovative Klappenersatz für die Trikuspidalklappe künftig in Europa angeboten werden könnte. 

„Eine große amerikanisch-europäische Studie wird jetzt überprüfen, in welchem Umfang die betroffenen Patienten davon im Vergleich zu einer medikamentösen Therapie profitieren“, erläutert Professor Rudolph. 

  • Der erfahrene Kardiologe geht davon aus, dass dies besonders bei Patienten mit Risikofaktoren aufgrund von Begleiterkrankungen oder eines hohen Alters der Fall sein könnte. 

„Es stimmt uns schon sehr zuversichtlich, für diese Menschen wohl zukünftig eine weitere Behandlungsmöglichkeit anbieten zu können. In jedem Falle gilt es wie bei anderen Eingriffen am Herzen auch, dabei die individuelle Situation und die jeweiligen Therapieaussichten im Hinblick auf die bestmögliche Lebensqualität vorher genau abzuwägen.“

  • Im Rahmen der jetzt beginnenden randomisierten Zulassungsstudie (TRISCEND II) für Europa wird in Bad Oeynhausen zunächst nur eine limitierte Anzahl von streng ausgewählten Patienten einen Trikuspidalklappenersatz mittels Herzkatheter erhalten. 

Neben dem HDZ NRW sind weitere Herzzentren beteiligt. 

Auf dem Gebiet der kathetergestützten Herzklappenverfahren zählt das Bad Oeynhausener Herzzentrum ebenso wie bei den operativen herzchirurgischen Verfahren zu den bundesweit führenden Einrichtungen.

„Die meisten Eingriffe werden an den beiden Herzklappen durchgeführt, die sich auf der linken Seite des Herzens befinden, das sind die Aortenklappe und die Mitralklappe“, erläutert Dr. Friedrichs. 

  • Aufgrund einer zunehmend höheren Lebenserwartung sei mit einer steigenden Zahl behandlungsbedürftiger Trikuspidalklappenerkrankungen zu rechnen. 
  • Klappendefekte können angeboren sein oder im Laufe des Lebens, zum Beispiel durch rheumatisches Fieber, Erkrankungen der Lunge oder auch ohne erkennbare Auslöser entstehen.


„Während Eingriffe an der Trikuspidalklappe früher meist erst dann durchgeführt wurden, wenn die Erkrankung schon fortgeschritten war, versuchen wir heute, durch einen frühzeitigen Eingriff die Entstehung von Folgeschäden zu vermeiden“, beschreibt Professor Rudolph die gängige Behandlungsstrategie. 

„Hochmoderne, schonende Katheterverfahren und eine entsprechende Ausstattung und Erfahrung ermöglichen zunehmend auch die Behandlung von Patienten mit einem höheren Operationsrisiko. 

Auch einhergehende Probleme an weiteren Herzklappen mitzubehandeln, ist keine Seltenheit mehr. 

Neben der Reparatur mit Clip oder Ring steht uns am HDZ mit der neuen Klappenprothese jetzt ein weiteres Verfahren zur Verfügung, so dass das Spektrum der Patienten, die behandelt werden können, immer weiter ausgedehnt werden kann.“

Hintergrundinformation:

  • Die Trikuspidalklappe reguliert den Blutstrom des sauerstoffarmen Blutes aus dem Körper in das Herz. 
  • Sie besteht aus drei Klappensegeln und verbindet die rechte Vorkammer mit der rechten Herzkammer. 
  • Die Segel bestehen aus Bindegewebe und sind mit Sehnenfäden an der Kammer befestigt. 
  • Die häufigste Erkrankungsform ist eine Undichtigkeit der Klappe (Trikuspidalklappeninsuffizienz). 
  • Unter den über 70-Jährigen sind europaweit etwa 3 Mio. Menschen, darunter mehr Frauen als Männer, betroffen. 

Die Erkrankung bleibt oft über längere Zeit unbemerkt, weil frühe Symptome wie Leistungsminderung, Müdigkeit und Abgeschlagenheit nicht mit dem Herzklappenfehler in Verbindung gebracht werden. 


Quellen: HDZ NRW; Europ Heart J Cardiovasc Imaging 2020

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Als Spezialklinik zur Behandlung von Herz-, Kreislauf- und Diabeteserkrankungen zählt das Herz- und Diabeteszentrum Nordrhein-Westfalen (HDZ NRW), Bad Oeynhausen mit 35.000 Patienten pro Jahr, davon 14.600 in stationärer Behandlung, zu den größten und modernsten Zentren seiner Art in Europa.

Die Klinik für Allgemeine und Interventionelle Kardiologie/Angiologie des HDZ NRW unter der Leitung von Prof. Dr. med. Volker Rudolph ist spezialisiert auf die Behandlung der Koronaren Herzkrankheit, Herzklappenfehler, Herzmuskelerkrankungen und entzündliche Herzerkrankungen. In der Klinik werden jährlich mehr als 5.000 kathetergestützte Verfahren durchgeführt. Modernste diagnostische und bildgebende Verfahren sowie alle modernen Kathetertechniken sichern die bestmögliche und schonende medizinische Versorgung der Patienten. Die Klinik ist Europäisches und Nationales Exzellenz-Zentrum zur Bluthochdruckbehandlung, anerkanntes Brustschmerzzentrum (CPU – Chest Pain Unit) sowie als überregionales Zentrum zur Versorgung Erwachsener mit angeborenem Herzfehler (EMAH) zertifiziert.

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Universitätsklinik der Ruhr-Universität Bochum
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32545 Bad Oeynhausen
Tel. 05731 97-1955
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Univ.-Prof. Dr. med. Volker Rudolph
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Prof. Dr. med. Jörg Kempfert: Primäre Mitralklappeninsuffizienz + https://impfdashboard.de

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Die „Harpune fürs Herz“

Ein neues Verfahren ermöglicht die Behandlung der Mitralklappeninsuffizienz am schlagenden Herzen. 

Es wurde jetzt erstmals am DHZB eingesetzt. 

v.l.: PD Dr. med. Marian Kukucka (Oberarzt Kardioanästhesie) und Prof. Dr. med. Jörg Kempfert (Leitender Oberarzt Herzchirurgie) mit einer graphischen Darstellung des "Harpoon"-Verfahrens.
v.l.: PD Dr. med. Marian Kukucka (Oberarzt Kardioanästhesie) und Prof. Dr. med. Jörg Kempfert (Leitender Oberarzt Herzchirurgie) mit einer graphischen Darstellung des "Harpoon"-Verfahrens. Philipp Külker DHZB

Die Mitralklappe ist das Ventil zwischen linkem Herzvorhof und linker Herzkammer. 

Sie besteht aus zwei Segeln und verhindert, dass Blut zurück in den Vorhof strömt, wenn die Herzkammer das Blut in den Körper pumpt. 

Sehnenfäden sorgen dafür, dass die Segel nicht in den Vorhof „durchschlagen“. 

Sind diese Sehnenfäden krankheitsbedingt verlängert, wird die Klappe undicht. 

Man spricht dann von einer „primären Mitralklappeninsuffizienz“, der häufigsten Erkrankung der Mitralklappe.

Durch den Ersatz der „ausgeleierten“ Sehnenfäden durch Kunststofffasern kann die Mitralklappe wieder abgedichtet werden. 

  • Dieser Eingriff kann am DHZB minimalinvasiv, also über nur wenige Zentimeter lange Einschnitte, vorgenommen werden. 
  • Allerdings muss dazu das Herz stillgelegt und der Kreislauf mit einer Herz-Lungen-Maschine aufrechterhalten werden.


Eine Patientin, bei der diese Operation aufgrund von Vor- und Begleiterkrankungen nicht durchgeführt werden konnte, wurde nun erstmals mithilfe des neuen „Harpoon (Harpune)“-Systems aus den USA behandelt, dass den Ersatz der Sehnenfäden am schlagenden Herzen ermöglicht.

Über einen kleinen Einschnitt im Brustkorb wird dabei ein wenige Millimeter dünnes Rohr durch die linke Herzkammer bis unmittelbar an die Segel der Mitralklappe geführt. 

Durch diese „Harpune“ werden die Ersatz-Haltefäden durch die Klappensegel „geschossen“ und mithilfe spezieller Schlaufen an den Segeln fixiert. 

Der Vorgang kann mehrfach wiederholt werden.

Nun zieht die Chirurgin oder der Chirurg die „Harpune“ wieder aus dem Herzen – ¬ die Fäden werden gestrafft und außen am Herzmuskel befestigt, die Einstichstelle am Herzen wird vernäht.

Der gesamte Eingriff findet unter exakter Ultraschallkontrolle statt: 

per Ultraschallsonde, die über die Speiseröhre bis dicht ans Herz herangeführt wird. 

Für diese sogenannte intraoperative transösophageale Echokardiographie (TEE) spezialisierte Fachärzt*innen für Kardioanästhesie arbeiten dabei eng mit den Operateur*innen zusammen.

Ein Team um Prof. Dr. med. Jörg Kempfert (Leitender Oberarzt Herzchirurgie) und PD Dr. med. Marian Kuckucka (Oberarzt Kardioanästhesie) führte den ersten „Harpoon“-Einsatz am DHZB durch. 

Er glückte ohne Komplikationen, die Patient*in erholte sich schnell.

„Die chirurgische Reparatur erkrankter Mitralklappen ist ein etabliertes und sehr sicheres Verfahren, das ‚Harpoon‘-System dagegen befindet sich noch im Stadium der Erprobung“, sagt Jörg Kempfert: 

„Wir setzen es momentan also nur ein, wenn keine alternative Therapie einer schweren Mitralklappeninsuffizienz möglich ist – sind aber zuversichtlich, dass uns bald weitere Belege der Wirksamkeit vorliegen und wir unseren Patient*innen damit eine zusätzliche, schonende Behandlungsalternative anbieten können“. 

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Privatdozent Dr. Richard Taubert: Gewebeproben steuern die Immunsuppression - Protokollbiopsien bei Lebertransplantationspatienten + https://impfdashboard.de

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Individualisierte Immunsuppression verbessert Prognose für Lebertransplantierte

Regelmäßige Biopsien führen zu geringerer Immunsuppression und weniger Nebenwirkungen

Nach einer Lebertransplantation müssen Patientinnen und Patienten ein Leben lang das Immunsystem unterdrückende Medikamente einnehmen. 

Diese sogenannten Immunsuppressiva verhindern, dass das Organ abgestoßen wird. 

  • Die Medikamente erhöhen jedoch das Risiko für Krebs und schwerwiegende Infektionen. 
  • Sie können auch die Nierenfunktion erheblich beeinträchtigen und sogar zur Dialyse führen. 

Um den Betroffenen so viel Immunsuppression wie nötig, aber so wenig wie möglich geben zu können, setzen Ärztinnen und Ärzte der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) auf ein spezielles Nachsorge-Programm: 

Anhand von Gewebeproben steuern sie die Immunsuppression für jeden Betroffenen individuell.

  • „Noch immer sterben mehr Transplantationspatienten an Erkrankungen, die durch die Einnahme der Immunsuppressiva begünstigt werden als am Transplantatversagen“, erklärt Privatdozent Dr. Richard Taubert, Oberarzt der Lebertransplantationsambulanz der MHH-Klinik für Gastroenterologie, Hepatologie und Endokrinologie. 

„In unserem Programm hat bei etwa 80 Prozent der Patienten die Biopsie unsere Nachsorge unmittelbar beeinflusst, und bei bis zu 60 Prozent der Patienten konnte die Immunsuppression reduziert werden.“ Emily Saunders, Assistenzärztin und Doktorandin in der MHH-Klinik für Gastroenterologie, Hepatologie und Endokrinologie ergänzt: 

„Der Vergleich zu einer früheren Patientenkohorte vor Einführung des neuen Nachsorgeprogramms zeigte, dass die geringere Immunsuppression das Abstoßungsrisiko nicht erhöht, dafür aber einen positiven Effekt auf die Nierenfunktion der Patienten hat.“ Auch konnten die Ärzte Schädigungen des Transplantats frühzeitiger identifizieren und zum Beispiel durch eine andere oder höhere Immunsuppression behandeln. 

Die Ergebnisse veröffentlichte das Team nun in der Fachzeitschrift American Journal of Transplantation.

Im Rahmen ihrer Doktorarbeit führte Emily Saunders Protokollbiopsien bei Lebertransplantationspatienten mit normalen Leberwerten ab einem Jahr nach Transplantation durch. 

  • Bei einer Biopsie entnehmen die Ärzte dem Patienten durch die Bauchdecke mit einer feinen Nadel ein kleines Gewebestück aus der Leber. 

Dieser Vorgang dauert nur etwa eine Sekunde. Die Stelle wird vorab örtlich betäubt.

Biopsien machten Transplantatschädigungen sichtbar

Insgesamt konnten 211 Patienten untersucht werden. Nur etwa ein Drittel der Protokollbiopsien waren unauffällig. Über 60 Prozent der Proben zeigten Schädigungen der Transplantatleber, wie Vernarbungen des Gewebes oder Entzündungen. „Diese Schädigungen hätten wir anhand der Laborwerte und dem klinischen Zustand der Patienten nicht erkennen können, sodass eine Steuerung der Immunsuppression nach Lebertransplantation ohne Biopsien ein Blindflug ist“, sagt Dr. Elmar Jäckel, ebenfalls Oberarzt in der Klinik für Gastroenterologie, Hepatologie und Endokrinologie, der das Programm gemeinsam mit Dr. Taubert koordiniert.

Keine relevanten Komplikationen durch die Untersuchung

„Die Beobachtungen belegen, dass die Protokollbiopsien sicher sind und keine relevanten Komplikationen für die Patienten nach sich ziehen“, sagt Dr. Taubert. Anhand des Ergebnisses der Biopsie, den Leberwerten, der Nierenfunktion und anderen Begleiterkrankungen konnte das Ärzteteam die Immunsuppression individuell für jeden Patienten anpassen. 

Denn: 

Nicht jeder Patient braucht dieselbe Stärke an Immunsuppression, einige wenige Patienten kämen sogar ganz ohne zurecht. 

Die Patienten wurden in den folgenden Monaten engmaschig durch ihre Hausärzte betreut. 

Ein Jahr nach Umstellung der Immunsuppression kamen die Patienten zur Kontrolle erneut in die Ambulanz.

  • Nur wenige Transplantationszentren führen Protokollbiopsien durch, zum einen aufgrund der vermeintlichen Risiken wie Blutungen und zum anderen, weil bis vor wenigen Jahren unklar war, wie die oben genannten Veränderungen in der Leberbiopsie zu bewerten sind. 
  • „Das Langzeitüberleben jenseits des ersten Jahres nach Lebertransplantation hat sich in den vergangenen 30 bis 40 Jahren trotz erheblicher Verbesserungen in der Chirurgie und der medikamentösen Therapie kaum verbessert. 

Noch immer gehen zu viele Organe verloren. 

Mit regelmäßigen Protokollbiopsien ändert sich dies hoffentlich“, sagt Professor Dr. Hans Heiner Wedemeyer, Direktor der MHH-Klinik für Gastroenterologie, Hepatologie und Endokrinologie. 

Das sei für die Patienten wünschenswert.

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Privatdozent Dr. Richard Taubert

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Die Originalarbeit finden sie unter: https://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/ajt.16817

 

Chronische Nierenerkrankung (CKD) - Long-COVID-Symptome: Fatigue, Kopfschmerzen - HInweis auf Nierenschädigung?

Medizin am Abend Berlin - MaAB: An COVID-19 erkrankte Menschen haben ein fast dreifach erhöhtes Dialyse-Risiko

Alarmierende Zahlen: 

Patientinnen und Patienten, die COVID-19 überstanden haben, sind laut einer neuen Studie [1] mit über 1,5 Millionen US-Veteranen stark gefährdet, eine chronische Nierenerkrankung (CKD) zu erleiden. 

Gegenüber nicht erkrankten Menschen ist ihr Lebenszeitrisiko, Dialysepatientin/Dialysepatient zu werden, sogar fast dreimal so hoch. 

Bei allen ehemals Erkrankten wurde im Verlauf ein sigifikant erhöhter, jährlicher Verlust der glomerulären Filtrationsrate (eGFR) beobachtet: 

 Wichtig für die Nachsorge: 

  • Die typischen „Long-COVID-Symptome“ wie Fatigue oder Kopfschmerzen können auch auf eine Nierenschädigung hindeuten.

Langzeitfolgen einer symptomatischen SARS-CoV-2-Infektion können die Lunge und verschiedene andere Organe betreffen. 

Darunter sind auch die Nieren, jedoch waren bisher detaillierte Analysen zum renalen Post-COVID-Outcome nicht verfügbar. Nun wurde eine Studie veröffentlicht [1], die eine Kohorte von 1.726.683 US-Veteranen untersuchte. Darunter waren fast 100.000 (n=89.216) ehemalige COVID-19-Patientinnen und -Patienten („30-Tage-Überlebende“ nach postivem Testergebnis im Zeitraum von März 2020 bis März 2021, Erkrankte, die binnen der ersten 30 Tage der Erkrankung verstarben, waren in dieser Erhebung nicht eingeschlossen worden) und 1.637.467 nicht-infizierte Kontrollen. Die mediane Nachbeobachtungszeit der Betroffenen (90,1% waren männlich) betrug 164 (127-268) Tage, bei den Kontroll-Veteranen (91,4% waren männlich) 172 (133-282) Tage. Analysiert wurden das Risiko einer AKI (akute Nierenschädigung), eine Abnahme der glomerulären Filtrationsrate (eGFR), Notwendigkeit einer chronischen Dialysebehandlung und schwere renale Ereignisse (MAKE „major adverse kidney events“). MAKE waren definiert als eGFR-Verlust von mindestens 50%, chronische Dialysepflicht oder Todesfälle. Die Daten wurden für präspezifizierte demografische und gesundheitsbezogene Merkmale wie Begleiterkrankungen, Medikamente und paraklinische Befunde statistisch adjustiert.

Die Ergebnisse zeigten, dass die COVID-Überlebenden gegenüber nicht-infizierten Veteranen auch nach der akuten Erkrankungsphase ein erhöhtes MAKE-Risiko (adj. HR 1,66) hatten. Das Risiko für eine akute Nierenschädigung (AKI) war fast doppelt so hoch (adj. HR 1,94), das Risiko für einen chronischen eGFR-Verlust von mindestens 50% war ebenfalls erhöht (adj. HR 1,62) und eine Dialysepflicht trat fast dreimal so häufig auf (adj. HR 2,96). COVID-Überlebende hatten einen deutlich über das zu erwartende Maß hinausgehenden Nierenfunktionsverlust gegenüber den Kontroll-Veteranen, bei denen der jährliche eGFR-Rückgang bei ungefähr 0,5 ml/min/1,73 m2 lag. Der eGFR-„Exzess-Verlust“ (= der eGFR-Verlust zusätzlich zu den 0,5 ml/min/1,73 m2, den auch die Kontrollpatientinnen/-patienten erlitten) betrug bei ambulant behandelten COVID-19-Patientinnen und -Patienten 3,26 ml/min/1,73 m2, nach Hospitalisierung 5,2 ml/min/1,73 m2 und bei ehemals intensivpflichtigen Patientinnen und Patienten sogar 7,69 ml/min/1,73 m2. Wer in der akuten COVID-19-Erkrankungsphase ein akutes Nierenversagen (AKI) erlitten hatte,wies sogar einen Exzess-Verlust von 8,41 ml/min/1,73 m2 auf.

Der Anstieg des Risikos von Post-COVID-Nierenschäden war somit zwar abhängig vom Schweregrad der akuten COVID-19-Erkrankung, doch festzuhalten ist, dass bereits bei den Erkrankten, die nur ambulant behandelt werden mussten, das renale Risiko deutlich erhöht war. Bei ihnen war der jährliche Rückgang der eGFR im vergleich zu den Kontrollpatientinnen/-patienten fast um das Siebenfache erhöht (3,26 ml/min/1,73 m2 gegenüber 0,5 ml/min/1,73 m2).

„Diese Daten sind alarmierend – nach jeder überstandenen COVID-19-Erkrankung, insbesondere aber nach schwereren Verläufen, muss bei der Nachbetreuung die Nierenfunktion im Auge behalten werden.
Bei bereits eingeschränkter Nierenfunktion oder auffälligen Urinbefunden sollte unbedingt eine nephrologische Mitbetreuung und nephroprotektive Therapie durchgeführt werden“, kommentiert Frau Prof. Dr. Julia Weinmann-Menke, Pressesprecherin der DGfN, auf der Pressekonferenz der 13. DGfN-Jahrestagung in Rostock.

Wie die Expertin hervorhebt, können die „typischen“ Symptome eines sogenannten Long-COVID-Syndroms – wie Müdigkeit, verminderte Belastbarkeit, Konzentrationsschwäche oder Kopfschmerzen – auch Symptome einer chronischen Nierenerkrankung sein. „Bei entsprechenden Long-COVID-Symptomen muss also auch an eine chronische Nierenerkrankung gedacht werden. Die Abklärung der Nierenwerte ist also von besonderer Bedeutung in der Nachsorge von COVID-19-Patientinnen und -Patienten.“

[1] W Bowe B, Xie Y, Xu E et al. Kidney Outcomes in Long COVID. J Am Soc Nephrol 2021 Sep 1; ASN.2021060734. doi: 10.1681/ASN.2021060734. Online ahead of print.

[2] Yende S, Parikh CR. Long COVID and kidney disease. Nature Reviews Nephrology. Published: 09 September 2021. https://www.nature.com/articles/s41581-021-00487-3

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Dr. Christina Strack: Gesunde Adipösen - Männer und Frauen - nur adipös

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Übergewicht − Sind Frauen dabei gesünder als Männer?

Stark adipöse Frauen sind weniger durch Begleiterkrankungen des Herzens und Stoffwechsels gefährdet als gleichaltrige, ebenfalls übergewichtige Männer. 

Dies zeigt eine aktuelle Studie aus Regensburg, die gestern im Rahmen der Herztage 2021 der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie vorgestellt wurde.

  • Bei Frauen und Männern setzt sich Fett an unterschiedlichen Körperstellen an. 
  • Bei Frauen sind dies eher die Hüften und das Gesäß an, bei Männern eher der Bauch. 

Obwohl Frauen einen höheren Körperfettanteil aufweisen, haben sie ein geringeres Risiko an Herz- und Stoffwechselstörungen zu erkranken als Männer im gleichen Alter – die Gründe hierfür sind bisher noch nicht vollständig geklärt.

Dies scheint daran zu liegen, wie unterschiedliche Männer und Frauen Fettreserven speichern: 

  • Frauen eher unter der Haut (subkutan), Männer eher in Organnähe (viszeral). 

Dieses viszerale Fett hat Auswirkungen auf den Stoffwechsel und fördert Entzündungen. 

Es scheint aber noch weitere Faktoren zu geben. 

Die Regensburger „Weight Reduction and Remodeling“ Studie unter der Leitung von Prof. Dr. Andrea Bäßler hatte das Ziel, geschlechterspezifische Unterschiede beim Risiko für Herz- und Stoffwechselerkrankungen bei sehr adipösen Patient*innen zu untersuchen.

Frauen hatten unabhängig davon, ob sie adipös waren, einen wesentlich höheren Körperfettanteil als Männer. 

  • Dennoch wiesen Männer deutlich häufiger Zucker- und Fettstoffwechselstörungen sowie Bluthochdruck – zusammengenommen als metabolisches Syndrom bezeichnet– auf als Frauen. 

Besonders stark waren die Unterschiede bei Menschen unter 40 Jahren – 73 Prozent der Männer und nur 37 Prozent der Frauen waren in dieser Altersgruppe betroffen. Adipöse Proband*innen, die außer der Adipositas keine weiteren Kriterien des Metabolischen Syndroms erfüllten, wurden als „gesunde Adipöse“ klassifiziert. 

Die Gruppe der „gesunden Adipösen“ war bei den adipösen Männern quasi nicht vorhanden: nur 4 Prozent der Männer waren tatsächlich „nur“ adipös, hingegen erfüllten 16 Prozent der Frauen die Kriterien.

Dr. Christina Strack vom Universitätsklinikum Regensburg fasst das Ergebnis folgendermaßen zusammen: 

„Zusammenfassend weisen vor allem jüngere Männer trotz identischem BMI deutlich häufiger eine krankhafte Adipositas auf als gleichaltrige Frauen. 

Insbesondere die bei Männern vorhandene abdominelle Fettakkumulation scheint hierbei, neben weiteren Faktoren, eine wichtige Rolle zu spielen.“

Um alle Gründe für dieses unterschiedliche Risiko zu ergründen, sind noch weitere Studien erforderlich. Bei der Studie wurden bei 356 Adipositas-Patient*innen und 76 Personen einer nicht adipösen Vergleichsgruppe, Faktoren wie Körperform, Alter, Alkoholkonsum, Bewegung und Ernährung berücksichtigt.

Die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie –Herz und Kreislaufforschung e.V. (DGK) mit Sitz in Düsseldorf ist eine gemeinnützige wissenschaftlich medizinische Fachgesellschaft mit fast 11.000 Mitgliedern. Sie ist die älteste und größte kardiologische Gesellschaft in Europa. Ihr Ziel ist die Förderung der Wissenschaft auf dem Gebiet der kardiovaskulären Erkrankungen, die Ausrichtung von Tagungen die Aus-, Weiter- und Fortbildung ihrer Mitglieder und die Erstellung von Leitlinien. Weitere Informationen unter www.dgk.org

Wichtige Informationen für Nicht-Mediziner stellt die DGK auf den Seiten ihres Magazins „HerzFit-
macher“ zusammen: www.herzfitmacher.de 

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Prof. Dr. Michael Böhm Deutsche Gesellschaft für Kardiologie - Herz- und Kreislaufforschung e.V.

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Professor Dr. med. Uwe Pleyer: Ursachen wie trockene Augen oder Lidrand- und Bindehautentzündungen

Medizin am Abend  Berlin - MaAB-Fazit: Warnzeichen: Wann rote Augen bedrohlich sind

Rote Augen zählen zu den häufigsten Gründen für das Aufsuchen von Notfallambulanzen und nehmen in Folge der Pandemie zu, wie Experten registrieren.

Sie können auf vergleichsweise harmlose Ursachen wie trockene Augen oder Lidrand- und Bindehautentzündungen hinweisen, aber auch Anzeichen ernster und bedrohlicher Erkrankungen sein. 

Welche Alarmsignale unbedingt beachtet werden müssen, erläutert Professor Dr. med. Uwe Pleyer auf der Kongress. 

Ein rotes Auge entsteht, wenn sich die Gefäße der Bindehaut oder der Lederhaut erweitern und verstärkt füllen. 

„Passiert das scheinbar plötzlich, ohne äußere Einwirkung, ist dieser Anblick für Betroffene beunruhigend und schwer einzuschätzen“, erklärt Professor Dr. med. Uwe Pleyer von der Klinik für Augenheilkunde an der Charité – Universitätsmedizin Berlin. 

„Deshalb ist das rote Auge einer der häufigsten Gründe, eine Notfallambulanz aufzusuchen“, fügt der Sprecher der Sektion DOG-Uveitis hinzu.

  • Zu den ernsten Fällen, die sich zuerst in roten Augen äußern können, zählen Entzündungen tiefer liegender Augenstrukturen wie der Lederhaut und der Regenbogenhaut, denen eine autoimmunologische Störung zugrunde liegt. 

„Bei 40 Prozent der Patientinnen und Patienten mit einer Lederhautentzündung stoßen wir beispielsweise auf eine rheumatologische Grunderkrankung“, berichtet Pleyer. 

„Autoimmunstörungen machen sich zu Beginn oft mit einem roten Auge bemerkbar und erfordern eine fachärztliche Abklärung sowie interdisziplinäre Zusammenarbeit“, so Pleyer. Betroffen sind überwiegend junge Menschen im erwerbsfähigen Alter.

So ist bei jungen Männern Aufmerksamkeit geboten, die an einem roten Auge in Folge einer Entzündung der Regenbogenhaut leiden. 

„Solch eine sogenannte vordere Uveitis ist nicht selten ein frühes Zeichen für einen Morbus Bechterew, der noch nicht bekannt ist“, erklärt der DOG-Experte. Augenärztliche Expertise könne in solchen Fällen dazu beitragen, rheumatologische Erkrankungen früher zu erkennen, so das eine frühe Therapie die Krankheitsprogrnose erhablich verbessern kann.

Unverzügliches ärztliches Handeln ist angezeigt, wenn folgende Alarmzeichen mit einem roten Auge einhergehen: 

  • deutliche Lidschwellung, 
  • Sehminderung, 
  • Doppelbilder, 
  • eitriges Sekret
  • Allgemeinbeschwerden
  • Kopfschmerzen
  • Übelkeit
  • Erbrechen

 „Diese Symptome können in Kombination mit roten Augen eine Notfallsituation anzeigen, etwa einen erhöhten Augeninnendruck bei einem Glaukomanfall, der bis zur Erblindung führen kann“, erläutert Pleyer. 

Ferner könne sich eine dringend behandlungsbedürftige Schilddrüsenfunktionsstörung, die Basedow-Krankheit, so äußern. 

„Zu guter Letzt muss eine Hirnvenenthrombose mitbedacht werden, die als sehr seltene Komplikation einer COVID-19-Impfung auftreten kann“, ergänzt der Ophthalmologe.

  • Auch eine COVID-19-Infektion kann sich als erstes mit roten Augen in Form einer Bindehautentzündung bemerkbar machen, die meist in den ersten drei Tagen nach Beginn der Infektion einsetzt. 

Überhaupt habe die Pandemie das Auftreten roter Augen verstärkt, bemerken DOG-Experten. 

„Ursachen dafür sind die vermehrte Bildschirmarbeit im Homeoffice und das Maskentragen, was die Augen austrocknet und reizt“, so Pleyer. 

Zwar sei das Sehvermögen dabei selten bedroht, fügt DOG-Präsident Professor Dr. med. Hagen Thieme hinzu. 

„Dennoch entstehen erhebliche subjektive Beschwerden, wenn nicht adäquat behandelt wird“, gibt der Direktor der Universitätsaugenklinik Magdeburg zu bedenken. 

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Kerstin Ullrich Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft

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Univ.-Prof. Dr. rer. nat. Hadi Al-Hasani: Gezielte Muskelarbeit - Wirkung des Hormons Insulin - die Floskel „Sport ist Mord“.

Medizin am Abend Berlin -MaAB-Fazit: Neuer Wirkmechanismus für die Verbesserung der Insulinwirkung nach Sport entdeckt

Regelmäßige körperliche Betätigung in Form von Sport ist ein wichtiger Grundpfeiler für Gesundheit und Wohlbefinden. 

Eine neue Studie des DDZ hat nun sogar herausgefunden, dass gezielte Muskelarbeit und die Wirkung des Hormons Insulin für Menschen mit Diabetes viel stärker miteinander zusammenhängen als bisher vermutet.

  • Bis heute hält sich erbittert die Floskel „Sport ist Mord“. 

Dabei verbessert sportliche Aktivität die Blutglukosekontrolle und schützt vor Typ-2-Diabetes.

  • Bewegung und Muskelkontraktion, sowie das körpereigene Insulin bewirken eine erhöhte Aufnahme von Glukose (Zucker) aus dem Blut in die Muskelzellen. 
  • Dies führt zu einer anhaltenden Senkung des Blutglukosespiegels – insbesondere nach einer Mahlzeit. 
  • Typ-2-Diabetes ist hingegen durch eine eingeschränkte Insulinwirkung und erhöhter Blutglukose gekennzeichnet. 

Eine gestörte Aufnahme von Glukose in die Muskulatur gilt daher als früher Indikator einer Diabeteserkrankung und ist bereits vor dem Eintreten klinischer Symptome feststellbar. 

  • Während das in der Bauchspeicheldrüse hergestellte Hormon Insulin bei Typ-2-Diabetes nur unzureichend die Blutglukose senken kann – allgemein als Insulinresistenz bezeichnet – ist die senkende Wirkung von Muskelkontraktion bei Menschen mit Diabetes aber weitgehend normal. 

Menschen mit Typ-2-Diabetes können daher durch gezielte körperliche Aktivität ihren Blutglukosespiegel senken und dem Fortschreiten der Erkrankung in gewissem Umfang entgegenwirken. 

Wie genau Muskelarbeit und Insulin die Glukoseaufnahme in die Zellen bewirken war jedoch bislang nicht hinreichend erforscht. Daher haben sich Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus dem Deutschen Diabetes-Zentrum (DDZ) nun diesem Forschungsbereich angenommen und einen neuartigen Mechanismus entdeckt, der erklärt, wie Insulin und die Anspannung der Muskeln zusammenarbeiten.

Das Institut für Klinische Biochemie und Pathobiochemie am DDZ untersuchte unter der Leitung von Prof. Dr. Hadi Al-Hasani und Dr. Alexandra Chadt jene Muskelzellen, die eine eingeschränkte Insulinwirkung aufwiesen. 

Das gewählte experimentelle Modell, welches ebenfalls am DDZ entwickelt wurde, beinhaltet das Ausschalten mehrerer wichtiger Gene, die für die Weiterleitung des Insulinsignals und die Glukoseaufnahme in die Zelle benötigt werden. 

„Dabei fanden wir einen alternativen Signalweg, mit dem die Glukoseaufnahme im Muskel auch bei Insulinresistenz und Typ-2-Diabetes aktiviert werden kann. 

Offenbar enthalten Muskelzellen mehrere Signalwege, die für die Aufnahme von Glukose aus dem Blut benötigt werden“, erläutert Dr. Chadt, stellvertretende Leiterin der Arbeitsgruppe Pathobiochemie. 

Die Befunde können sich in der Zukunft als sehr relevant für die Therapie des Diabetes erweisen. Bereits jetzt betreibt das DDZ in seinem hauseigenen Fitness-Studio für Probandinnen und Probanden intensive Forschung im Bereich Sport und dessen Einfluss auf den Diabetes.

„Dieser Signalweg, den wir wissenschaftlich als AMPK/Rac1 bezeichnen, stellt eine Art natürlichen Reservemechanismus dar und könnte für die Entwicklung neuartiger Wirkstoffe für die Behandlung von Insulinresistenz und Diabetes genutzt werden“, sagt Prof. Al-Hasani, Direktor des Instituts für Klinische Biochemie und Pathobiochemie am DDZ, und fährt fort. 

„Die Rolle dieses Mechanismus bei der Entwicklung von verschiedenen Subtypen des Diabetes, insbesondere bei geringer Verbesserung der Blutglukose durch regelmäßigen Sport sollte in künftigen Studien weiter untersucht werden.“

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Univ.-Prof. Dr. rer. nat. Hadi Al-Hasani
Direktor des Instituts für Klinische Biochemie und Pathobiochemie
Leiter der Arbeitsgruppe Pathobiochemie
Email: hadi.al-hasani@ddz.de
Tel.: +49 (0)211 3382-241

Gordon McBane Deutsches Diabetes-Zentrum

Auf'm Hennekamp 65
40225 Düsseldorf
Deutschland
Nordrhein-Westfalen

Gordon McBane
Telefon: 0211-33-82-450
E-Mail-Adresse: gordon.mcbane@ddz.de



Originalpublikation:

Wendt, C., Espelage, L., Eickelschulte, S., Springer, C., Toska, L., Scheel, A., Bedou, A. D., Benninghoff, T., Cames, S., Stermann, T., Chadt, A., Al-Hasani, H. Contraction-mediated glucose transport in skeletal muscle is regulated by a framework of AMPK, TBC1D1/4 and Rac1. Diabetes 2021, DOI: https://doi.org/10.2337/db21-0587

Prof. Dr. Martin Schmelz: Juck-Formen: entzündlich, systemischen und neuropathischen Pruritus

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Erfolgreiche Forschung zum chronischen Pruritus wird fortgeführt

DFG-Forschungsgruppe „Translationale Pruritusforschung“ geht in zweite Förderphase

Die interdisziplinäre Forschungsgruppe „Translationale Pruritusforschung“ (FOR 2690) setzt ihre erfolgreiche Forschung fort: 

Sie wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) für weitere drei Jahre gefördert. Die Forschungsgruppe hatte sich 2018 gegründet, um die grundlegenden Mechanismen des Juckens aufzudecken und damit wirksamere Therapien gegen chronischen Pruritus entwickeln zu können.

  • Pruritus ist nicht nur eine häufige Begleiterscheinung vieler Hauterkrankungen; auch im Zusammenhang mit Leber- oder Nierenerkrankungen und bei Nervenschädigungen, etwa bei Diabetes, kann das lästige Jucken auftreten. 
  • Bis heute gibt es kaum Linderung des Pruritus, da die Einflussfaktoren vielfältig und die zugrundeliegenden Mechanismen komplex und wenig verstanden sind.


Das Besondere an der Forschungsgruppe „Translationale Pruritusforschung“ ist ihre Interdisziplinarität: Expert*innen aus Dermatologie, Neurologie, Innerer Medizin, Neurophysiologie, Radiologie, Anästhesiologie und Medizininformatik forschen hier mit dem gemeinsamen Ziel. 

  • In ihrem Patienten-zentrierten Ansatz konzentrierten sie sich auf drei wichtige klinische Juck-Formen: 
  • entzündlichen, systemischen und neuropathischen Pruritus.


In der ersten Förderphase gelang es den Wissenschaftler*innen, mehr als 800 Patient*innen zu gewinnen und zu untersuchen, um die Mechanismen von chronischem Jucken zu erforschen. 

Von der erfolgreichen Zusammenarbeit der Expert*innen in insgesamt acht Projekten zeugt ein hoher wissenschaftlicher Output mit einer Vielzahl von wissenschaftlichen Veröffentlichungen.

  • Unter anderem konnten sie zeigen, dass eine stärkere Verästelung von Nervenfasern deren Erregbarkeit erhöhen und damit zum Pruritus beitragen kann. 
  • Und es konnten mit Interleukin 31 und dem Brain Derived Neutrophic Factor (BDNF) Mediatoren identifiziert werden, die eine solche Verästelung verstärken. 

Darüber hinaus wurden Verfahren für die elektrische Stimulation von Jucken entwickelt, die spezifisch die obersten Hautnerven aktivieren und der Pruritusforschung am Patienten dienen.


„Unsere Forschungsgruppe ist ein exzellentes Beispiel für gelungenen Austausch zwischen grundlagen- und klinisch orientierten Forschern“, so Professor Dr. Martin Schmelz, Sprecher der Forschungsgruppe, der an der Medizinischen Fakultät Mannheim der Universität Heidelberg die Abteilung „Experimentelle Schmerzforschung“ leitet. 

„Durch diesen Austausch können wir beispielsweise Daten aus der Einzelzell-RNA-Sequenzierung von Hautbiopsien mit der klinischen Ausprägung des Pruritus von individuellen Patienten verknüpfen.“

„Ein weiterer interessanter neuer Ansatzpunkt ist das Mikrobiom – und dabei insbesondere die Frage, welche Mikroorganismen der Haut eines Patienten den Pruritus verstärken können“, ergänzt Professor Dr. Dr. Sonja Ständer, die stellvertretende Sprecherin der Forschungsgruppe, die an der Universitätsklinik Münster das erste Kompetenzzentrum für chronischen Pruritus leitet.

Die DGF unterstützt die Forschungsgruppe in den kommenden drei Jahren mit insgesamt 4 Mio. Euro.

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Prof. Dr. Martin Schmelz
Mannheim Center for Translational Neuroscience (MCTN)
Experimental Pain Research
Medical Faculty Mannheim
Ludolf-Krehl-Straße 13-17
D-68167 Mannheim
Phone +49 (0)621/383-71650
martin.schmelz@medma.uni-heidelberg.de

Dr. Eva Maria Wellnitz Universitätsmedizin Mannheim

Theodor-Kutzer-Ufer 1-3
68167 Mannheim
Deutschland
Baden-Württemberg

Telefon: 0621 / 383-71115
Fax: 0621 / 383-71103
E-Mail-Adresse: eva.wellnitz@medma.uni-heidelberg.de


Prof. Ariel Schoenfeld: Gesichtsblindheit - Prosopagnosie https://lostinface.film/

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Lost in face – Wie ist es, wenn man keine Gesichter erkennen kann?

Hat der Kollege Sie schon wieder nicht gegrüßt? 

Das muss nicht zwingend ein Zeichen von Arroganz oder Unhöflichkeit sein. 

Es gibt tatsächlich Personen, die keine Gesichter erkennen können – eigene Familienmitglieder eingeschlossen. 

Diese sogenannte Gesichtsblindheit bringt die Betroffenen oft in soziale Schwierigkeiten.

 So geht es auch Carlotta, deren Geschichte in dem Film „Lost in face – Die Welt mit Carlottas Augen“ gezeigt wird. 

Am 4. Oktober sind der Regisseur Valentin Riedl und Protagonistin Carlotta im Rahmen einer Kinotour in Magdeburg zu Gast. 

Gemeinsam mit Prof. Ariel Schoenfeld vom Leibniz-Institut für Neurobiologie (LIN) stehen sie dem Publikum nach dem Film Rede und Antwort. 

Kinoplakat

 Kinoplakat LOST IN FACE 

Valentin Riedl erforscht als Arzt und Neurowissenschaftler die Funktionsweise des menschlichen Gehirns. 

Als Filmemacher porträtiert er in seinem Dokumentarfilm „Lost in face – Die Welt mit Carlottas Augen“ die Künstlerin Carlotta. 

Carlotta kann keine Gesichter erkennen, nicht einmal ihr eigenes, denn sie leidet unter Prosopagnosie – Gesichtsblindheit. 

In der Kunst, der Natur und dem Umgang mit Tieren findet sie auf ihrer langen Suche schließlich einen Zugang zum eigenen Gesicht und gleichzeitig den Weg zu ihren Mitmenschen.

Die Gesichtsblindheit beruht nicht auf einem Augenschaden, sondern hat ihre Ursache im Gehirn. 

Der Neurowissenschaftler und Arzt Prof. Dr. Ariel Schoenfeld beschreibt das so: 

„Prosopagnosie beruht entweder auf der Mutation eines Gens, oder auf einer erworbenen Schädigung von bestimmten Nervenzellen im Gehirn. 

Diese Nervenzellen sind wichtig, damit wir die Gesichter uns bekannter Personen wiedererkennen können.“

Riedl fügt hinzu: 

„Zu 99 Prozent ist der Defekt angeboren, nur bei Wenigen entsteht nach einem Schlaganfall dasselbe Defizit.

  •  Die medizinische Forschung geht heute davon aus, dass 1 bis 2 Prozent der Weltbevölkerung unter Prosopagnosie in unterschiedlicher Ausprägung leiden, was alleine für Deutschland über 1 Million gesichtsblinder Menschen bedeutet.“


Der Film wird am 4. Oktober um 19:30 Uhr im Moritzhof gezeigt. 

Anschließend folgt eine Gesprächsrunde mit der Hauptdarstellerin Carlotta, Valentin Riedl und Ariel Schoenfeld. Kinokarten gibt es für 6 Euro (5 Euro ermäßigt) an der Abendkasse. 

Sie können über den Moritzhof bereits im Vorfeld telefonisch oder per E-Mail reserviert werden.

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Dr. Jens Abraham: Freiheitsentziehenden Maßnahmen (FEM)

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit:  Universitätsmedizin Halle untersucht Wege zur Vermeidung von freiheitsentziehenden Maßnahmen in Krankenhäuser

Bettgitter, Stecktische an Rollstühlen oder Fixiergurte sollen verhindern, dass Menschen in Pflegeeinrichtungen oder Patientinnen und Patienten im Krankenhaus aus dem Bett fallen, sich ohne Hilfe fortbewegen oder sich verletzen. 

Diese sogenannten freiheitsentziehenden Maßnahmen (FEM) sind allerdings oftmals eine Rechtsverletzung, auch wenn sie mit „guter“ Absicht eingesetzt werden. 

  • FEM werden nach wie vor häufig angewendet, noch zu wenig hinterfragt, aber zunehmend kritisiert.

Welche alternativen Strategien im akutstationären Umfeld besser geeignet sind und wie Abläufe verändert werden können, um auf FEM verzichten zu können, untersucht eine Studie mit dem Namen „PROTECT“ der Universitätsmedizin Halle (Saale). Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) fördert das Projekt über drei Jahre mit rund 580.000 Euro.

„Nehmen wir das Beispiel der Bettgitter, die am häufigsten als FEM angewendet werden: 

Man glaubt, damit Stürze zu verhindern. 

Dass diese Maßnahme wirksam und sicher ist, erscheint aus wissenschaftlicher Sicht sehr unwahrscheinlich. 

  • Tatsächlich ereignen sich nicht mehr Stürze, wenn ein Bettgitter weggelassen wird und andere Maßnahmen ergriffen werden. 

Tendenziell passieren sogar schwerere Unfälle, weil beispielsweise Patientinnen und Patienten über das Bettgitter klettern und damit aus größerer Höhe fallen. 

Hinzukommt, dass sich Pflegende und ärztliches Personal im Klaren sein müssen, was Freiheitsentzug bedeutet und dass dies auch eine ethische Fragestellung ist“, sagt Dr. Jens Abraham vom Institut für Gesundheits- und Pflegewissenschaft der Universitätsmedizin Halle, der die Studie leitet. 

Natürlich müsse man den jeweiligen Menschen betrachten und die Situation genau prüfen, aber viele Gefahren entstünden erst aufgrund des Einsatzes von FEM, so der gelernte Gesundheits- und Krankenpfleger. 

„Es ist ein komplexes Feld, in das pflegerische Maßnahmen, ärztliche Anordnungen, die Leitungskultur einer Einrichtung, physiotherapeutische Begleitung, ein gutes Überleitungsmanagement, aber auch der Widerstand von Angehörigen zum Weglassen von FEM hineinspielen. Deswegen sind wissenschaftliche Belege wichtig.“

Die „PROTECT“-Studie setzt auf die Weiterentwicklung eines Maßnahmenprogramms, das aus einer vorhergehenden Studie der Universitätsmedizin Halle namens „MARAH“ hervorgegangen war. An der randomisierten, kontrollierten Studie „PROTECT“ nehmen über sechs Monate sechs bis acht Krankenhäuser mit voraussichtlich 28 Stationen in der Region Halle-Leipzig teil. Dabei wird auf der einen Hälfte der Stationen das Interventionsprogramm durchgeführt, die andere Hälfte behält die übliche Versorgung als Kontrolle bei. „Ziel ist es, daraus ein evidenzbasiertes Konzept für das Weglassen von FEM und den Einsatz von alternativen Strategien zu entwickeln“, so Abraham. 

Das können unter anderem Sturzmatten, Mobilitätshilfen oder Niedrigbetten sein, aber auch veränderte Abläufe wie reduzierte nächtliche Kontrollgänge bei ausgeschaltetem Licht, um das Aufwachen und damit eine mögliche Desorientierung von Patientinnen und Patienten zu verringern. 

#„Es ist ein patientenorientierter Ansatz, der aber auf Erkenntnissen der Pflegeforschung basiert und – so hoffen wir, zeigen zu können - pflegerische Maßnahmen für alle Beteiligten nachhaltig positiv verändern kann“, so Abraham.

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Dr. Jens Abraham
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Telefon: 0345 557 5411
E-Mail: jens.abraham@medizin.uni-halle.de

Cornelia Fuhrmann, M.A. Medizinische Fakultät / Universitätsklinikum Halle (Saale)

Telefon: 0345 / 557 1345
E-Mail-Adresse: cornelia.fuhrmann@uk-halle.de

Ernst-Grube-Str. 40
06120 Halle / Saale
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