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Unipolare Depressionen - Suizidgedanken - nichtmedikamentöse Maßnahmen

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Berlin: Suizidale Krisen bei unipolarer Depression: Kognitive Verhaltenstherapie kann helfen

Bestimmte Formen der kognitiven Verhaltenstherapie mindern depressive Symptome, Suizidgedanken und -versuche. 

Zu anderen nichtmedikamentösen Maßnahmen fehlen Daten. 
 
Bestimmte KVT-Formen können depressive Symptome und Suizid-Tendenzen mindern / Studien zu anderen nichtmedikamentösen Maßnahmen fehlen

  • Rund zehn Prozent der Erwachsenen in Deutschland leben mit depressiven Symptomen und sind im Vergleich zum Bevölkerungsdurchschnitt um das 20-Fache stärker suizidgefährdet. 

Im Auftrag des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hat eine Arbeitsgruppe der Technischen Universität (TU) Berlin untersucht, ob verschiedene ambulante, nichtmedikamentöse Maßnahmen, etwa Kriseninterventionsprogramme oder psychosoziale Interventionen, Erwachsene mit unipolarer Depression dabei unterstützen, suizidale Krisen besser zu bewältigen.

Im finalen HTA-Bericht stellen die Berliner Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler fest, dass bestimmte Formen der Kognitiven Verhaltenstherapie (KVT) u. a. depressive Symptome, aber auch Suizidgedanken und -versuche mindern können. Allein die KVT ist in aussagekräftigen Studien untersucht, belastbare Ergebnisse zu anderen nichtmedikamentösen Verfahren fehlen.

Die wissenschaftlichen Fragen der HTA-Berichte gehen zurück auf Vorschläge von Bürgerinnen und Bürgern beim ThemenCheck Medizin des IQWiG. In ein solches Health Technology Assessment (kurz: HTA, engl. für Bewertung von medizinischen Technologien) fließen auch ökonomische, ethische, soziale, rechtliche und organisatorische Aspekte mit ein.

Depression erhöht Suizidrisiko

Trotz der weiten Verbreitung von Depressionen werden Betroffene immer noch stigmatisiert und scheuen sich oft, darüber zu sprechen sowie Hilfsangebote (z. B. Psychotherapie) anzunehmen. 

Depressionen sind ein wesentlicher Risikofaktor für Selbsttötungsabsichten und suizidales Handeln.

Häufig kommen weitere Faktoren hinzu, beispielsweise Alkoholmissbrauch und Gefühle von Isolation, und verstärken die Suizidneigung.

  • Bei Männern wird Depression zwar seltener diagnostiziert, doch ist bei Männern mit Depression die Suizidrate mehr als doppelt so hoch wie bei Frauen mit Depression.

Schnelles Handeln ist geboten

Bei akuter Suizidgefahr oder nach einem Suizidversuch hat schnelles Handeln oberste Priorität: Betroffene sollten nach einem Klinikaufenthalt unmittelbar eine ambulante psychiatrische Behandlung erhalten. Denn gerade in den ersten Tagen und Wochen nach der Entlassung ist das Suizidrisiko noch hoch.

Das sieht auch die Nationale VersorgungsLeitlinie „Unipolare Depression“ vor.

  • Unmittelbar an die Entlassung sollen sich Nachuntersuchungen und Therapieangebote anschließen, die neben Medikamenten auch eine auf Suizidneigung und -risiko ausgerichtete Psychotherapie umfassen können. 
  • Das gelingt bisher in der Versorgung allerdings oft nicht – nach dem Klinikaufenthalt bricht die Behandlung vielfach ab.

Aussagekräftige Studien allein zu KVT

Nur für die Kognitive Verhaltenstherapie (KVT) von Erwachsenen mit unipolarer Depression in einer suizidalen Krise gibt es aussagekräftige Studien. Das Wissenschaftlerteam der TU Berlin stellte anhand deren Ergebnissen fest, dass bestimmte Formen der KVT als Ergänzung zu einer Standardbehandlung (z. B. Arzneimittel oder Kriseninterventionsprogramm) bei der Bewältigung suizidaler Krisen helfen können: Depressive Symptome, Hoffnungslosigkeit, Suizidgedanken sowie (wiederholte) Suizidversuche lassen sich damit reduzieren.

Die Studiendaten wurden zu unterschiedlichen Messzeitpunkten nach Therapiebeginn erhoben. Die Berliner Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler berichten deshalb im HTA-Bericht Daten für die Messzeitpunkte 1 Monat, 3, 6, 18 und über 18 Monate: Während sich nach 1 Monat zu fast allen patientenrelevanten Aspekten noch keine Vorteile zeigten, gab es bei einigen Aspekten insbesondere nach 6 Monaten Hinweise auf einen höheren Nutzen der KVT mit Fokus auf Suizidneigung und -risiko als Ergänzung zu einer Standardbehandlung.

Keine Anhaltspunkte gab es dafür, dass die KVT Auswirkungen auf Angst oder posttraumatischen Stress hat. Weitere patientenrelevante Aspekte wie die körperliche Verfassung für das Bewältigen des Alltags, die gesundheitsbezogene Lebensqualität, die Sterblichkeit durch Suizid oder schwere Nebenwirkungen wurden in den Studien nicht untersucht.

Kosten-Nutzen-Bewertungen fehlen

Gesundheitsökonomische Studien, die das Verhältnis von Nutzen und Kosten bewerten, waren nicht zu finden. Eine konkrete Aussage zu den Kosten der Gesamtbehandlung zu treffen, ist schwierig, da Dauer und Frequenz der Therapiesitzungen variieren können und im Rahmen einer Standardbehandlung häufig unterschiedliche medikamentöse und nichtmedikamentöse Maßnahmen kombiniert werden. Somit lassen sich nur die Kosten einzelner Therapiemaßnahmen im HTA-Bericht darstellen.

Zugangsbarrieren überwinden

Über Gespräche mit Betroffenen und Angehörigen sowie Literaturrecherchen wurden außer den Aspekten Stigmatisierung und Rückzug von Menschen mit Depression aus dem sozialen Leben noch einige weitere Aspekte identifiziert, die als Zugangsbarrieren zu hilfreichen Maßnahmen wirken: Lange Wartezeiten auf Termine oder nur schwere Erreichbarkeit von Therapeutinnen und Therapeuten, insbesondere im ländlichen Raum, sind solche Hürden. Auch deshalb kommt es zu Behandlungsabbrüchen beim Übergang von stationärer zu ambulanter Betreuung.

Deshalb schlagen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der TU Berlin unter anderem die enge multidisziplinäre Zusammenarbeit der beteiligten Psychiater, Psychotherapeuten und Hausärzte sowie den Ausbau von niedrigschwelligen Maßnahmen vor, beispielsweise Telefonseelsorge oder auch webbasierte Angebote. Zur Wirkung solcher niedrigschwelligen Leistungen fehlen allerdings verlässliche Studien.

„Auch wenn es wegen der unzureichenden Studienlage bislang nur Hinweise auf einen Nutzen von KVT gibt, ist der Ausbau von ambulanten Versorgungsstrukturen und niedrigschwelligen Angeboten zur kontinuierlichen Behandlung von Menschen mit suizidalen Krisen bei unipolarer Depression wichtig für die bedarfsgerechte Versorgung“, meint Laura Krabbe, Projektleiterin beim ThemenCheck Medizin des IQWiG, „denn angesichts der Häufigkeit von Depressionen und der besonderen Verletzlichkeit der Betroffenen müssen sich Menschen mit Depression in suizidalen Krisen auf eine nahtlose Behandlung auch nach ihrem stationären Aufenthalt verlassen können.“

Forschungsfragen von Bürgerinnen und Bürgern

Unabhängig von diesem HTA-Bericht können alle Interessierten online jederzeit Vorschläge für neue Forschungsfragen beim ThemenCheck Medizin machen. Das IQWiG wählt einmal jährlich bis zu fünf Themen aus, zu denen HTA-Berichte erstellt werden. Ein Auswahlbeirat bringt die Bürger- und Patientensicht mit ein, der Fachbeirat die Expertenperspektive.

Die HTA-Berichte werden nicht vom IQWiG selbst verfasst, sondern an externe Sachverständige vergeben. Deren Bewertung wird gemeinsam mit einer allgemein verständlichen Kurzfassung (HTA kompakt) und einem Herausgeberkommentar des IQWiG veröffentlicht.

Originalpublikation:
https://www.themencheck-medizin.iqwig.de/de/hta-berichte/08-ht17-03-suizidale-kr...

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Allergiker: Ängstlicher und stressanfälliger .....

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Allergiker sind stressanfälliger und neigen zur Unterdrückung von Emotionen

  • Unterscheiden sich Gesunde und Allergiker hinsichtlich ihrer Reaktion auf akuten Stress und ihrem Umgang mit Emotionen? 
Ein Forschungsteam um Lisa Maria Glenk vom interuniversitären Messerli Forschungsinstitut – einer gemeinsamen Einrichtung der Vetmeduni Vienna, der Medizinischen Universität Wien und der Universität Wien – ging diesen Fragen in einer soeben veröffentlichten wissenschaftlichen Studie nach und kam zu erstaunlichen Ergebnissen. 
 
Allergien sind weltweit auf dem Vormarsch, vor allem aber in hochentwickelten Ländern mit einem hohen Hygienestandard.

Etwa jeder Vierte leidet an Asthma, Heuschnupfen & Co., wobei Frauen häufiger als Männer betroffen sind.

Stress kann das Immunsystem aktivieren oder hemmen, seine vielfältige Wirkung in Zusammenhang mit Allergien ist allerdings noch nicht vollständig aufgeklärt.

  • Frühere Untersuchungen zeigten bereits, dass Allergiker ängstlicher und stressanfälliger sind als Menschen ohne Allergie.

Ein Forschungsteam um Lisa Maria Glenk vom Messerli Forschungsinstitut in Wien untersuchte Gesunde und allergische Personen in einem Stresstest.

Den Studienteilnehmern wurden vor und nach der Stressprovokation ein Fragebogen zu ihrem Umgang mit Emotionen sowie ihrem aktuellen Befinden vorgelegt.

Zudem bestimmten die Wissenschaftler die Konzentrationen der Hormone Kortisol und Oxytocin.

  • Erhöhte Stressanfälligkeit durch ungünstigen Umgang mit Emotionen

Nach dem Stresstest fühlten sich sowohl Allergiker als auch Gesunde ängstlicher und gestresster. 

  • Allerdings verzeichneten Allergiker einen stärkeren Anstieg des Stresshormons Kortisol und brauchten zudem länger, um sich wieder davon zu erholen. 

Auch in der Ausschüttung von Oxytocin, welches auch als Kuschel- oder Bindungshormon bekannt ist, unterschieden sich die allergischen von den gesunden Probanden.

  • Zwar hatten Allergiker höhere Ausgangwerte im Blut, ihr Oxytocinspiegel sank aber infolge der Stresserfahrung. 

Bei den Gesunden verhielt es sich umgekehrt.

Interessanterweise unterdrückten eher Allergiker als Gesunde ihre Emotionen. 

Dazu Studienleiterin Erika Jensen-Jarolim:

„Wir sehen immer wieder, dass Allergiepatienten die Schwere ihrer chronischen Symptome negieren.“ 

  • Jene allergischen Personen, die zu einer emotionalen Neubewertung der Situation fähig waren, erholten sich deutlich schneller vom Stress. 

Co-Autor Oswald D. Kothgassner von der Medizinischen Universität Wien ergänzt dazu:

„Durch diese Ergebnisse kann angenommen werden, dass Mechanismen der Stressregulation eine entscheidende Rolle für das häufig gemeinsame Auftreten von Allergien und Depressionen spielen“.
  •  Die aktuelle Studie legt somit nahe, dass Allergiker und Gesunde einen unterschiedlichen Umgang mit Emotionen pflegen, was wiederum ihre Stresstoleranz beeinflusst.

Service:
Der Artikel “Salivary Cortisol responses to acute stress vary between allergic and healthy individuals: The role of plasma oxytocin, emotion regulation strategies, reported stress and anxiety” von L. M. Glenk, O. D. Kothgassner, A. Felnhofer, J. Gotovina, C. L. Pranger, A. N. Jensen, N. Mothes-Luksch, A. Goreis, R. Palme, E. Jensen-Jarolim wurde in “Stress” veröffentlicht. https://www.tandfonline.com/doi/full/10.1080/10253890.2019.1675629

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Die Veterinärmedizinische Universität Wien (Vetmeduni Vienna) ist eine der führenden veterinärmedizinischen, akademischen Bildungs- und Forschungsstätten Europas. Ihr Hauptaugenmerk gilt den Forschungsbereichen Tiergesundheit, Lebensmittelsicherheit, Tierhaltung und Tierschutz sowie den biomedizinischen Grundlagen. Die Vetmeduni Vienna beschäftigt 1.300 MitarbeiterInnen und bildet zurzeit 2.300 Studierende aus. Der Campus in Wien Floridsdorf verfügt über fünf Universitätskliniken und zahlreiche Forschungseinrichtungen. Zwei Forschungsinstitute am Wiener Wilhelminenberg sowie ein Lehr- und Forschungsgut in Niederösterreich gehören ebenfalls zur Vetmeduni Vienna. Die Vetmeduni Vienna spielt in der globalen Top-Liga mit: 2019 belegt sie den exzellenten Platz 5 im weltweiten Shanghai-Hochschulranking im Fach „Veterinary Science. http://www.vetmeduni.ac.at

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Der Artikel “Salivary Cortisol responses to acute stress vary between allergic and healthy individuals: The role of plasma oxytocin, emotion regulation strategies, reported stress and anxiety” von L. M. Glenk, O. D. Kothgassner, A. Felnhofer, J. Gotovina, C. L. Pranger, A. N. Jensen, N. Mothes-Luksch, A. Goreis, R. Palme, E. Jensen-Jarolim wurde in “Stress” veröffentlicht. https://www.tandfonline.com/doi/full/10.1080/10253890.2019.1675629

CAVE-Untersucher: Beta-Blocker Therapie und Folgen

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Warum Beta-Blocker Hautentzündungen verursachen

Beta-Blocker werden häufig gegen Bluthochdruck und andere Herz-Kreislauf-Erkrankungen eingesetzt. 

Bei manchen Patienten können sie jedoch eine entzündliche Schuppenflechte auslösen oder verstärken. 

Wissenschaftler der Universität Bonn und der Freien Universität Berlin haben nun eine mögliche Ursache dafür gefunden. 

Ihre Ergebnisse sind heute in der renommierten Fachzeitschrift „Autophagy“ erschienen. 

Propranolol stört die Autophagie und aktiviert entzündliche Signalkaskaden in Immunzellen: Sichtbar sind blau der Zellkern, rot ein Autophagie-Marker und grün ein bei Entzündung aktiviertes Protein.
Propranolol stört die Autophagie und aktiviert entzündliche Signalkaskaden in Immunzellen: Sichtbar sind blau der Zellkern, rot ein Autophagie-Marker und grün ein bei Entzündung aktiviertes Protein. © Gerrit Müller/Freie Universität Berlin
 
Dass Beta-Blocker schwere Hautentzündungen verursachen können, ist schon lange bekannt.

Die Ursache für dieses Phänomen war allerdings bislang weitgehend unbekannt.

Die aktuelle Studie bringt jedoch Licht ins Dunkel: 
  • Demnach können Beta-Blocker augenscheinlich den Abbau defekter Zellbestandteile stören. 
  • Im Gegenzug setzen die Zellen dann Botenstoffe frei, die immunvermittelte entzündliche Reaktionen auslösen.
In diese Richtungen deuten zumindest Experimente mit Zellkulturen. Die Wissenschaftler hatten dabei einen Wirkstoff namens Propranolol unter die Lupe genommen. Unabhängig vom eigentlichen Wirkmechanismus, der Blockade von Betarezeptoren, verdankt er seine entzündungsfördernden Nebenwirkungen vermutlich der Kombination zweier Eigenschaften:

„Propranolol ist fettlöslich und zugleich leicht alkalisch“, erklärt Prof. Dr. Günther Weindl vom Pharmazeutischen Institut der Universität Bonn.

„Gelber Sack“ in der Zelle

Dank seiner Fettlöslichkeit kann der Wirkstoff Biomembranen durchqueren – das sind dünne fettähnliche Häutchen, die Zellen und manche ihrer Bestandteile umschließen.

Der zweite Punkt sorgt dagegen dafür, dass Propranolol sich in saurer Umgebung positiv auflädt. In diesem Zustand kann die Substanz dann nicht mehr durch die Membran zurück.

Problematisch wird diese Kombination bei einem Vorgang, den Experten Autophagie nennen. Dabei nutzen Zellen Bläschen aus Biomembranen als eine Art „Gelben Sack“, in dem sie defekte Proteine und andere Zellbestandteile verpacken. Der Sack verschmilzt dann später mit einem zweiten Membran-Beutel, dem Lysosom. Dieses enthält zersetzende Enzyme, die den Inhalt des gelben Sacks zerlegen und die einzelnen Bausteine wieder in die Zelle abgeben – ein perfektes Recycling.

Die Flüssigkeit im Lysosom ist leicht sauer, denn nur in diesem Milieu können die Enzyme ihre Arbeit verrichten.

Wenn daher ein Propranolol-Molekül per Zufall seinen Weg durch die Membran in den Beutel findet, wird es positiv geladen und sitzt in der Falle. Mit der Zeit sorgt dieser Effekt dafür, dass sich immer mehr Propranolol im Lysosom anhäuft. „Und dieser Prozess stört augenscheinlich die Autophagie“, sagt Weindl. „Das wiederum verändert eine Reihe von Prozessen in der Zelle. Als ein Resultat schüttet sie unter anderem Entzündungsbotenstoffe aus, vor allem das so genannte Interleukin-23, das hauptsächlich von Immunzellen abgesondert wird. Folge davon sind die beobachteten Hautprobleme.“

Nicht alle Beta-Blocker sind problematisch

Wie diese Prozesse auf molekularer Ebene genau zusammenhängen, wollen die Forscher nun weiter untersuchen. Schon jetzt deuten ihre Ergebnisse aber darauf hin, dass die entzündlichen Effekte vor allem bei fettlöslichen Beta-Blockern auftreten.

Tatsächlich gibt es in dieser Wirkstoffgruppe auch Substanzen, die weniger gut membrangängig sind.

„Wir haben sie in unseren Zellkulturen getestet“, betont der Pharmakologe.

„Die Interleukin-23-Ausschüttung war bei ihnen deutlich geringer als nach Propranolol-Gabe.“

Diese Ergebnisse müssen aber noch bei lebenden Organismen verifiziert werden.

Dass eine gestörte Autophagie schwere Erkrankungen auslösen kann, ist dagegen schon seit längerem bekannt. 

Darunter sind etwa Demenz, entzündliche Darmerkrankungen und Diabetes.

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Originalpublikation:
Gerrit Müller, Charlotte Lübow und Günther Weindl: Lysosomotropic beta blockers induce oxidative stress and IL23A production in Langerhans cells. Autophagy DOI: 10.1080/15548627.2019.1686728

Medizin am Abend Berlin TEAM Vor Ort: TEAM - Aus-Fort- und Intensiv -Weiterbildungen

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: 

Medizin am Abend Berlin ZusatzFachThema: Harnwegbeschwerden 



























Fötale Blutbildungzellen: Akute myeloische Leukämie (AML) bei Kindern und Jugendlichen

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Warum bestimmte Leukämieformen nur bei Kindern vorkommen

Eine bestimmte Krebsform – die akute myeloische Leukämie (AML) – bei Kindern ist eine seltene, aber schwere Krankheit, die noch in vielen Fällen nicht geheilt werden kann. 

In einer Studie haben nun Forschende von der Universität Basel und vom Gustave Roussy Institute in Paris Anhaltspunkte gefunden, warum gewisse Formen der Krankheit vor allem bei Kleinkindern vorkommen. 

Ebenso stiessen sie auf wichtige Hinweise zur gezielten Therapie, wie sie im US-Fachblatt «Cancer Discovery» berichten. 
 
In den letzten Jahrzehnten wurden die Forschungen über Krebs bei Kindern intensiviert und die Behandlungen verbessert, doch die Prognosen bleiben für diese jungen Patienten besonders ungünstig.

  • Die sogenannte akute myeloische Leukämie (AML) macht 15 % der bei Kindern und Jugendlichen diagnostizierten Leukämiefälle aus. 
  • Ihre Überlebensrate nach fünf Jahren beträgt etwa 60 %, wobei Rückfälle die häufigste Todesursache bilden.

Abnormale Fusion zweier Proteine

Von den verschiedenen Subtypen von AML gehört die akute megakaryoblastische Leukämie (AML-M7) zu den aggressivsten, denn ist mit einer Behandlungsresistenz und einer besonders ungünstigen Prognose verbunden.

Auf diese Form der Leukämie konzentrierten sich die Forschungsteams von Prof. Dr. Jürg Schwaller (Universitäts-Kinderspital beider Basel und Departement Biomedizin der Universität Basel) und Prof. Dr. Thomas Mercher (INSERM U1170, Institute Gustave Roussy, Université Paris-Saclay).

2012 fanden die Forschenden um Mercher dass die Krankheit AML-M7 bei Kindern häufig genetische Veränderungen aufweist, die zur Expression eines abnormen Proteins führen.

Dieses entsteht durch die Fusion von zwei normalerweise unabhängigen Genen in der Zelle. Obwohl diese Fusion – bekannt als ETO2-GLIS2 – in 30 % der Fälle von AML-M7 identifiziert wurde, konnten die Forschenden diese Anomalie bisher nicht erklären. Ebenso unklar war bisher, warum Kinder mit AML-M7 und diesem Fusionsgen meist jünger als zwei Jahre alt sind, während ältere Kinder mit dieser Veränderung meist an einer anderen AML-Form leiden.

Gezieltes Unterbrechen

Um diese Fragen zu beantworten, entwickelten die Forschenden ein Mausmodell von AML-M7 mit einer ETO2-GLIS2-Fusion. Mit diesem Modell konnten die Forscher erstmals zeigen, dass sich bei einer Aktivierung der ETO2-GLIS2-Fusion in Zellen der fötalen Blutbildung sehr rasch eine aggressive Leukämie entwickelte – die der AML-M7 beim Kind sehr ähnlich ist.

Wurde dagegen die Fusion in Blutbildungszellen von erwachsenen Tieren aktiviert, trat diese typische kindliche Leukämie nicht auf, während sich andere AML-Formen erst viel später entwickelten.

Wenn die Forschenden die Ausbildung der ETO2-GLIS2-Fusion unterbrachen, konnten sich die zuvor leukämischen Zellen wieder in normale Blutzellen ausdifferenzieren.

  • Diese Beobachtungen weisen darauf hin, dass diese Leukämie deshalb nur bei Kleinkindern auftritt, weil die fötalen Blutbildungszellen – anders als die erwachsenen – eine höhere Empfindlichkeit für bestimmte genetische Mutationen wie die ETO2-GLIS2-Fusion besitzen. 

Die Studie zeigt auch, dass die ETO2-GLIS2-Fusion der eigentliche Motor dieser kindlichen Leukämieform bildet.

Die Forschenden werden nun versuchen, die Aktivität dieser Fusion in den Tumorzellen gezielt zu unterbrechen.

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Prof. Dr. Jürg Schwaller
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Originalpublikation:
Cécile K. Lopez et al.
Ontogenic changes in hematopoietic hierarchy determine pediatric specificity and disease phenotype in fusion oncogene-driven myeloid leukemia
Cancer Discovery | doi: 10.1158/2159-8290.CD-18-1463

https://cancerdiscovery.aacrjournals.org/content/early/2019/10/25/2159-8290.CD-1...

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: UKE-Projekt: Neue Hilfsangebote für Kinder von psychisch kranken oder suchtkranken Eltern

Kinder und Jugendliche mit psychisch kranken oder suchtkranken Eltern sollen künftig bessere Hilfe erhalten: 

Im Rahmen des bundesweiten Forschungsvorhabens „CHIMPS-NET“ werden daher in den kommenden drei Jahren unter Federführung des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) neue familienbasierte, psychotherapeutische Interventionsmaßnahmen entwickelt und geprüft. 

Das Projekt wird vom Innovationsfonds der Bundesregierung mit insgesamt 6,8 Millionen Euro gefördert. 
 
„Ziel des Projektes ist es, in jedem Bundesland an mindestens einem Standort für Kinder und Jugendliche mit psychisch kranken oder suchtkranken Eltern Versorgungsformen bereitzustellen, die sich am Bedarf der jeweiligen Familien orientieren“, sagt Prof. Dr. Silke Wiegand-Grefe von der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, -psychotherapie und -psychosomatik des UKE.

Nach Beendigung des Forschungsvorhabens sollen die erfolgreich bewerteten neuen Versorgungsformen in die Regelversorgung der gesetzlichen Krankenversicherung aufgenommen werden.

„So können wir einer Chronifizierung und der generationenübergreifenden Weitergabe von psychischen Erkrankungen begegnen.“ 
  • Kinder und Jugendliche mit psychisch kranken oder suchtkranken Eltern sind der Familienpsychologin zufolge eine jahrzehntelang vom Gesundheitssystem übersehene Risikogruppe; 
  • sie haben ein mehrfach erhöhtes Erkrankungsrisiko für eine eigene psychische Erkrankung.
Behandlungsangebote an Situation in der Familie anpassen 


„Wir haben in anderen Verbundprojekten gelernt, dass wir unsere Hilfsmaßnahmen noch stärker an die Situation in den Familien anpassen müssen“, sagt Prof. Wiegand-Grefe.

Die Forscherinnen und Forscher wollen gefährdete Kinder und Jugendliche daher nun bereits während der Behandlung der Eltern auf psychische Auffälligkeiten hin untersuchen und ihnen und ihrer Familie passende Behandlungsangebote machen. 
  • Kinder und Jugendliche, die noch nicht psychisch auffällig sind, sollen eine Präventionsmaßnahme unter Beteiligung eines Sozialarbeiters erhalten. 
  • Kinder und Jugendliche, die bereits psychisch auffällig sind, sollen in einer familienorientierten Therapie bei einem Psychotherapeuten behandelt werden. 

Kindern und Jugendlichen in ländlichen Regionen, die nur eingeschränkt Zugang zu Versorgungsangeboten haben, soll zudem eine Online-Intervention mit therapeutischer Begleitung angeboten werden.

Die Wirksamkeit aller Maßnahmen soll mithilfe wissenschaftlicher Studien mit der derzeit üblichen Standardbehandlung ohne Familienunterstützung verglichen werden.

Kliniken, Krankenkassen und Sozialverbände als Konsortialpartner 

Das Forschungsvorhaben mit dem Projektnamen „CHIMPS-NET“ (Children of mentally ill parents - network) wird seit dem 1. Oktober für drei Jahre aus Mitteln des Innovationsfonds der Bundesregierung gefördert. Der Gesamtverbund aller Projektpartner bekommt dafür 6,8 Millionen Euro, auf das UKE entfallen rund 1,8 Millionen Euro. „Bei uns laufen alle Fäden zusammen“, erläutert Prof. Wiegand-Grefe. „Wir haben das Netzwerk gestrickt und leiten den Verbund.“ Neben dem UKE sind 20 Kliniken in allen Bundesländern beteiligt. Hinzu kommen unter anderem acht Krankenkassen sowie Sozialverbände aus den Bereichen Gemeindepsychiatrie, Erziehungshilfe und Jugendfürsorge. Der Innovationsfonds der Bundesregierung hat das Ziel, die Versorgung in der gesetzlichen Krankenversicherung in Deutschland qualitativ weiterzuentwickeln. Über die Vergabe der Fördergelder entscheidet ein beim Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) eingerichteter Innovationsausschuss.

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Kontakt für Rückfragen
Prof. Dr. Silke Wiegand-Grefe
Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, -psychotherapie und -psychosomatik
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE)
Martinistraße 52
20246 Hamburg
Telefon: 040 7410-53603
E-Mail: s.wiegand-grefe@uke.de

Martinistr. 52
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Deutschland
Hamburg


Saskia Lemm
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Die Hauptschlagader - Aortenaneurysma (Erweiterung der Hauptschlagader).

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Neues Leben dank neuer Hauptschlagader

Bei Patienten mit dem seltenen Loeys-Dietz-Syndrom kann es zu einer Erweiterung der Hauptschlagader kommen, die plötzlich zu einer Überdehnung und einem tödlichen Riss führen kann. 

Um dies zu verhindern, muss die Schlagader durch eine Prothese ersetzt werden. 

Am Universitätsspital Zürich wagte ein Ärzteteam der Gefässchirurgie die lebensrettende Operation nun weltweit und notfallmässig als eine der ersten bei einem Kind. 

 Ersatz eines Aortenabschnitts durch eine Gefässprothese.
Ersatz eines Aortenabschnitts durch eine Gefässprothese.
© JOTEC GmbH

 
Das Loeys-Dietz-Syndrom (LDS) ist eine angeborene Bindegewebserkrankung; 

Ursache ist eine genetische Mutation. 

Die Krankheit zeigt sich vor allem in einem Aortenaneurysma (Erweiterung der Hauptschlagader).

  • Betroffene leiden aufgrund des veränderten Bindegewebes unter anderem aber auch an Gefässveränderungen im gesamten Körper, 
  • Gesichtsauffälligkeiten
  • überbeweglichen Gelenken
  • generellen Körperinstabilität führen können. 

Meistens geht mit LDS auch ein angeborener Herzfehler einher. Patientinnen und Patienten mit LDS müssen regelmässig mittels Ganzkörper-MRI untersucht werden, um gefährliche Gefässveränderungen frühzeitig zu erkennen.

Das gilt insbesondere für die Hauptschlagader. 

LDS wurde erst 2005 als eigenständige Krankheit beschrieben. Die Krankheit ist extrem selten, in der Schweiz gibt es nur wenige betroffene Personen.

Die gespaltene Schlagader drohte zu platzen


Prof. Alexander Zimmermann (USZ) und Prof. René Prêtre

Prof. Alexander Zimmermann (USZ) und Prof. René Prêtre
Michael Hofmann, USZ

Zu den wenigen Patientinnen und Patienten in der Schweiz gehört der 9-jährige Fabian (Name fiktiv).

Als er starke Rückenschmerzen bekam, brachten ihn seine Eltern deshalb umgehend ins Kinderspital Zürich. Dort wurde eine Aortendissektion festgestellt, die Wandschichten seiner Aorta hatten sich aufgespalten – ein akut lebensbedrohlicher Zustand, denn in Folge der Dehnung der Aorta können die Organe ungenügend durchblutet werden oder die Aorta kann sogar platzen.

Unbehandelt kann dieser Zustand innerhalb weniger Tage zum Tod führen.

Weil es am Kinderspital Zürich keine Gefässspezialisten gibt, wurde Fabian in die Klinik für Gefässchirurgie am Universitätsspital Zürich verlegt. Prof. Alexander Zimmermann, Klinikdirektor und Gefässspezialist, entschloss sich, den einzig möglichen rettenden Eingriff zu wagen und die geschädigte Aorta bis auf einen nicht von der Dissektion betroffenen Gefässanteil im Bauch vollständig durch eine Gefässprothese zu ersetzen.

Dafür wurden zwei Operationen im Abstand von drei Tagen nötig. In der ersten wurde der Aortenbogen oberhalb des Herzens ersetzt. Für diesen schwierigen Eingriff konnte zusätzlich der renommierte Kinderherzchirurg Prof. René Prêtre gewonnen werden. In der zweiten Operation wurde fast der gesamte Teil der senkrecht verlaufenden Hauptschlager im Brustkorb und Bauch ersetzt. Insgesamt mussten ca. 40 cm ersetzt werden.

Mit zwei grossen Operationen wird Fabians Leben gerettet

Der kleine Patient überstand die beiden Eingriffe sehr gut und erholte sich rasch. Schon nach 26 Tagen konnte er nach Hause entlassen werden und benötigte lediglich eine ambulante Rehabilitation. Wenn der verbliebene, nicht ersetzte Teil der Aorta ausreicht, um das zu erwartende Grössenwachstum auszugleichen, ist auch keine weitere Anpassungsoperation mehr nötig. «Wir sind sehr froh, dass es uns gelang, Fabian zu retten», sagt Alexander Zimmermann. «Die Teams von Gefässchirurgie, Anästhesie, Intensivstation und des Kinderspitals haben dafür hervorragend zusammengearbeitet. Die zwei Operationen innerhalb kürzester Zeit und die erste kritische Phase danach waren für den Patienten, seine Familie und das ganze Behandlungsteam eine grosse Belastung.»

Fabians Eltern sind erleichtert: «Wir haben uns in diesen schweren Wochen am USZ zu jeder Zeit hervorragend betreut gefühlt und waren froh, in Prof. Zimmermann und Prof. Prêtre die Experten gefunden zu haben, denen wir vertrauen und die sich diese ungewöhnlich schwere Aufgabe zutrauten. Dafür sind wir unsagbar dankbar und freuen uns im nächsten Jahr den "1. Aorten-Geburtstag" unseres Sohnes zu feiern!»

Weltweit sind nur drei Fälle von LDS-Patienten bekannt, bei denen schon im Kindesalter der Ersatz der Hauptschlagader aufgrund einer Aortendissektion nötig war.

Alexander Zimmermann ist es deshalb ein Anliegen, den Fall auch in der Fachwelt bekannt zu machen, damit Kolleginnen und Kollegen und ihre Patienten von seiner Erfahrung profitieren können.

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Alexander Zimmermann, Prof. Dr. med.
Klinikdirektor der Klinik für Gefässchirurgie, Universitätsspital Zürich
Tel.: 044 255 86 20 (Medienstelle); E-Mail: medien@usz.ch

Nathalie Plüss Universitätsspital Zürich

Rämistrasse 100
8091 Zürich
Schweiz
Zürich



Nathalie Plüss
Telefon: +41 44 255 86 60
E-Mail-Adresse: nathalie.pluess@usz.ch

Gehirnblutung: Freies Hämaglobin - rote Blutkörperchen und die Nervenzellen

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Bluteiweiss schützt vor neurologischen Schäden nach Hirnblutung

Überleben Betroffene eine Hirnblutung, können zeitlich verzögert schwere Hirnschädigungen auftreten. 

Verantwortlich dafür ist freies Hämoglobin, das von den roten Blutkörperchen stammt und Nervenzellen schädigt. 

Forschende der Universität Zürich und des Universitätsspitals Zürich haben nun ein körpereigenes Schutzprotein namens Haptoglobin entdeckt, das dies verhindert. 
 
Blutungen in den engen Raum zwischen der inneren und mittleren Hirnhaut sind für betroffene Patientinnen und Patienten lebensbedrohlich.

Verursacht wird diese Art der Hirnblutung meistens durch kleine Gefässausbuchtungen der grossen Arterien an der Hirnbasis, die ohne Vorwarnung platzen können.

Ein Drittel der häufig jungen Patienten verstirbt durch den massiven Druckanstieg im Schädelinneren.

«Auch wenn es uns gelingt, die Blutung zu stoppen und den Patienten zu stabilisieren, können in den ersten zwei Wochen nach der Blutung verzögert Hirnschäden auftreten. Diese führen oft zu schweren Behinderungen oder verlaufen gar tödlich», erklärt Luca Regli, Direktor der Klinik für Neurochirurgie des Universitätsspitals Zürich (USZ).

Freies Hämoglobin im Hirnwasser schädigt Nervenzellen

Trotz enormer Forschungsanstrengungen kann diese schwere Folge von Blutungen in den Hirnwasserraum bisher nicht verhindert werden.

Ein interdisziplinäres Team von Forschenden der Universität Zürich (UZH), des USZ und des Tierspitals Zürich hat nun eine aussichtsreiche Strategie entdeckt:

Haptoglobin, ein körpereigenes Schutzeiweiss im Blut, bindet das ins Hirnwasser freigesetzte Hämoglobin, bevor dieses seine schädigende Wirkung entfalten kann.

«Wir haben schon lange beobachtet, dass sich in den Tagen nach der Blutung das abgelagerte Blut langsam zersetzt und das Hämoglobin aus den abgebauten roten Blutkörperchen in den Hirnwasserraum gelangt», sagt Emanuela Keller, Leiterin der neurochirurgischen Intensivstation des USZ.

Dieses Eiweiss, das normalerweise für den Sauerstofftransport zuständig ist, spielt eine wichtige Rolle in der Entstehung der verzögerten neurologischen Schäden.

«Anhand von Patientenproben und Versuchen an Schafen konnten wir nun zeigen, dass das Hämoglobin zu Krämpfen der Hirnarterien führt und tief ins Hirngewebe eindringt, wo es Nervenzellen direkt schädigen kann», sagt Studienleiter Dominik Schaer, UZH-Professor und Leitender Arzt der Klinik für Innere Medizin des USZ.

Haptoglobin bindet Hämoglobin und macht es unschädlich

Verantwortlich für die gefährliche Eigenschaft des Hämoglobins ist das Eisen, das sich im Zentrum des Proteins befindet: 

Es verfügt über eine hohe Bereitschaft, chemische Reaktionen einzugehen. Krankheiten wie Malaria, bei denen ebenfalls Hämoglobin freigesetzt wird, haben dazu geführt, dass der menschliche Körper im Verlauf der Evolution ein körpereigenes Schutzprotein namens Haptoglobin gebildet hat.

  • Im Blut bindet Haptoglobin freies Hämoglobin und verhindert so dessen toxische Effekte in Blutgefässen und Nieren. 
  • Allerdings ist die Konzentration von Haptoglobin im Gehirn sehr gering und bietet keinen ausreichenden Schutz nach einer Hirnblutung.

Indem die Forschenden Schafen gereinigtes Haptoglobin über einen Katheter direkt ins Hirnwasser verabreicht haben, machten sie sich diesen natürlichen Schutzmechanismus nun zu Nutze.

 «Wir konnten zeigen, dass gereinigtes Haptoglobin Gefässkrämpfe verhindert und das Eindringen von freiem Hämoglobin ins Hirngewebe blockiert», erklärt Dominik Schaer.

Entdeckung ermöglicht neuen Therapieansatz

Für Patienten mit Blutungen in den Hirnwasserraum haben diese Resultate ein grosses medizinisches Potenzial:

«Wir haben eine Möglichkeit gefunden, wie die Toxizität von freiem Hämoglobin nach einer Hirnblutung möglicherweise verhindert werden kann.

Für Betroffene würde dies die neurologische Prognose und die langfristige Lebensqualität bedeutend verbessern», sagt der Neurochirurg und Erstautor der Studie Michael Hugelshofer.

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Originalpublikation:
Michael Hugelshofer et. al. Haptoglobin administration into the subarachnoid space prevents hemoglobin-induced cerebral vasospasm. The Journal of Clinical Investigation. 27 August 2019. DOI: 10.1172/JCI130630 [Epub ahead of print].



CAVE-Untersucher: Selbsttranszendenz und verminderter Selbstfokussierung Depression und Angststörungen

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Achtsamkeitsmeditation verstärkt positive Effekte von Psilocybin

Seit einigen Jahren zeichnet sich ein wachsendes Interesse am klinischen Einsatz klassischer Psychedelika ab. 

  • Im Fokus steht vor allem deren therapeutisches Potenzial bei Depressionen und Angststörungen. 

Forschende der Universität Zürich zeigen nun, dass Achtsamkeitsmeditation die positiven Effekte einer Einzeldosis Psilocybin, das in Pilzen vorkommt, verstärken kann – auch längerfristig. 
 
  • Halluzinogene Stoffe wie LSD oder Psilocybin, das in den sogenannten Zauberpilzen steckt, verändern die Wahrnehmung: 
  • Die Grenzen des Selbst beginnen sich aufzulösen und ein Gefühl der Verbundenheit mit anderen Menschen und der Welt breitet sich aus. 

Solche Erfahrungen von Selbsttranszendenz und verminderter Selbstfokussierung gleichen den Zuständen, die auch in der Achtsamkeitsmeditation auftreten.

  • Sie können zu Stressabbau, anhaltenden Glücksgefühlen sowie zu mehr Empathie und Altruismus führen. 
  • Im Gegensatz dazu sind eine überhöhte Selbstzentrierung, wiederkehrende negative Gedanken und Gefühle gegenüber der eigenen Person und ein beeinträchtigtes Sozialverhalten charakteristische Merkmale von psychischen Störungen wie Depressionen.

Intensivere Erfahrung von Selbsttranszendenz

Forschende an der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich untersuchten nun erstmals mögliche Synergieeffekte zwischen Achtsamkeitsmeditation und Psilocybin. 

Dazu rekrutierten die Wissenschaftler vierzig meditationserfahrende Teilnehmer eines fünftägigen Achtsamkeits-Retreats. Diese erhielten am vierten Tag des Aufenthalts im Double-blind-Verfahren entweder eine Einzeldosis Psilocybin oder ein Placebo verabreicht.

Mit diversen psychometrischen und neurokognitiven Messungen konnten die Wissenschaftler zeigen, dass die Meditation positive Effekte des Psilocybins steigerte und zugleich möglichen belastenden Aspekten der psychedelischen Erfahrung entgegenwirkte.

«Das Psilocybin steigerte die Meditationstiefe und die Intensität der positiv empfundenen Selbsttranszendenz-Erfahrung, ohne dass negative Reaktionen wie Angst oder Orientierungslosigkeit auftraten», berichtet Erstautor Lukasz Smigielski, der die Studie unter Leitung von UZH-Psychiatrieprofessor Franz Vollenweider durchführte.

Positive Effekte halten auch längerfristig an

Vier Monate nach Abschluss des Retreats zeigten die Meditierenden, die Psilocybin eingenommen hatten, ein positiveres psychosoziales Verhalten, eine bessere Selbstakzeptanz und mehr Empathie als diejenigen aus der Placebo-Gruppe.

Eine entscheidende Rolle für diese dauerhaften Veränderungen spielte laut Vollenweider das Ausmass der während des Retreats erlebten Selbsttranszendenz.

In einer bereits publizierten Studie konnten er und sein Team mit Magnetresonanztomografie zeigen, dass die Selbsttranszendenz-Erfahrung neuronale Verbindungen im Gehirn nachhaltig verändert und zwar in den Hirnregionen, die aktiv sind, wenn wir über uns selbst nachdenken.

Wie die Forschungsgruppe herausfand, begünstigen nebst der Meditationstiefe auch die Offenheit und der Optimismus der Meditierenden eine positive Reaktion auf das Psilocybin. 

«Diese Faktoren können uns helfen, eine positive Reaktion vorherzusagen», so Vollenweider.

Gleichzeitig scheinen Fähigkeiten, die in der Achtsamkeitsmeditation eingeübt werden – etwa die Aufmerksamkeit zu regulieren und Gefühle urteilsfrei wahrzunehmen –, potenzielle negative Reaktionen auf Psilocybin abzufedern.

Perspektive für die Behandlung affektiver Störungen

«Unsere Ergebnisse beleuchten die Wechselwirkungen zwischen pharmakologischen und nicht-pharmakologischen Faktoren beim Erleben psychedelischer Zustände», resümiert Vollenweider.

«Sie deuten darauf hin, dass Achtsamkeitstraining die positive Wirkung einer Einzeldosis Psilocybin verstärkt, zu mehr Empathie und einer dauerhaften Verringerung egozentrischer Züge führen kann. 
  • Damit eröffnen sich neue therapeutische Perspektiven, etwa zur Behandlung von Depressionen, die oft mit einer starken Selbstfokussierung und sozialen Defiziten einhergehen.»

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Originalpublikation:
Lukasz Smigielski, Michael Kometer, Milan Scheidegger, Rainer Krähenmann, Theo Huber, Franz X. Vollenweider. Characterization and prediction of acute and sustained response to psychedelic psilocybin in a mindfulness group retreat. Scientific Reports, 24 October 2019. DOI: 10.1038/s41598-019-50612-3

Lukasz Smigielski, Milan Scheidegger, Michael Kometer, Franz X. Vollenweider. Psilocybin-assisted mindfulness training modulates self-consciousness and brain default mode network con-nectivity with lasting effects. Neuroimage, 1 August 2019. DOI: 10.1016/j.neuroimage.2019.04.009

Kalt, Misstrauisch, Gleichgültig, Unzuverlässig, Nachlässig

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Du nicht! – Warum Menschen andere ausgrenzen

Eine aktuelle Studie zeigt: 
  • Wenig verträgliche und unzuverlässige Menschen werden mit einer höheren Wahrscheinlichkeit ausgegrenzt.  
  •  Soziale Ausgrenzung ist keine Seltenheit. Wenig verträgliche und unzuverlässige Menschen werden mit einer höheren Wahrscheinlichkeit ausgegrenzt, so das Ergebnis einer aktuellen Studie.
 Soziale Ausgrenzung ist keine Seltenheit. Wenig verträgliche und unzuverlässige Menschen werden mit einer höheren Wahrscheinlichkeit ausgegrenzt, so das Ergebnis einer aktuellen Studie. Christiane Büttner


  • Soziale Ausgrenzung haben viele bereits erlebt - in der Schule, bei der Arbeit oder im Freundes- und Familienkreis. 

Zusammen mit Kolleginnen und Kollegen von den Universitäten Basel (Schweiz) und Virginia (USA) hat Juniorprofessorin Dr. Selma Rudert von der Universität Koblenz-Landau untersucht, ob bestimmte Persönlichkeitseigenschaften das Risiko erhöhen, von anderen Menschen ausgegrenzt zu werden.

„In unserer Studie kommen wir zum Ergebnis, dass Persönlichkeit ein wichtiger Risikofaktor für soziale Ausgrenzung ist. Wenig verträgliche und unzuverlässige Menschen werden mit einer höheren Wahrscheinlichkeit ausgegrenzt“, berichtet Sozialpsychologin Selma Rudert.

  • „Somit haben Menschen, die sich gegenüber anderen Menschen häufig kalt, misstrauisch und gleichgültig verhalten oder in der Zusammenarbeit mit anderen unzuverlässig und nachlässig sind, ein erhöhtes Risiko, von anderen ausgegrenzt zu werden.“

Das Forschungsteam um Rudert hat sich bei seinen Studien auf die so genannten „Big Five“ der Persönlichkeit fokussiert:

Gewissenhaftigkeit, Verträglichkeit, Extravertiertheit, emotionale Stabilität und Offenheit für Neues.

Die beiden Risikofaktoren „niedrige Verträglichkeit“ und „niedrige Gewissenhaftigkeit“ haben sie als besonders relevant identifiziert.

Dieses Ergebnis lasse sich gut aus einer evolutionspsychologischen Perspektive erklären, meint Rudert:

  • Menschen würden andere Menschen insbesondere dann ausschließen, wenn sie diese für schlechte Kooperationspartner halten. 

Dies treffe insbesondere auf unverträgliche und wenig gewissenhafte Personen zu. 

  • „Menschen, die sich durch eine geringe Verträglichkeit auszeichnen, stellen oftmals eine Bedrohung für den Zusammenhalt der Gruppe dar, da sie sich nicht an soziale Regeln halten. 
  • Und Menschen mit einer geringen Gewissenhaftigkeit könnten sich schnell als eine Belastung für eine Gruppe herausstellen, insbesondere wenn diese bestimmte Ziele erreichen möchte“, so die Sozialpsychologin.

Bisherige Forschung zu sozialer Ausgrenzung konzentrierte sich oftmals auf das Erleben der ausgegrenzten Person.

„Um das Phänomen der sozialen Ausgrenzung zu verstehen und ihm entgegenwirken zu können, ist es jedoch notwendig zu verstehen, warum es überhaupt zur Ausgrenzung kommt“, erklärt Rudert den neuen Fokus der aktuellen Studien.

Insgesamt hat das Forschungsteam sieben Studien online und im Labor mit 40 bis 800 Teilnehmerinnen und Teilnehmern pro Studie durchgeführt. Den teilnehmenden Personen wurden Beschreibungen von Menschen mit unterschiedlich ausgeprägten Persönlichkeitsmerkmalen vorgelegt. Im Anschluss mussten sie zum Beispiel entscheiden, ob sie die Person aus einer zukünftigen Gruppenaktivität ausschließen wollten. In anderen Studien sollten sie Angaben dazu machen, wie wahrscheinlich sie der Person gegenüber ausgrenzendes Verhalten zeigen würden.

Die Untersuchungen seien wichtig für Themen wie Mobbing und Ausgrenzung in der Schule oder am Arbeitsplatz, so die Wissenschaftlerin. 

  • Rudert weist aber darauf hin, dass auch freundliches und zuverlässiges Verhalten in diesen Kontexten nicht vollständig vor sozialer Ausgrenzung schützen könne. 

„Vielmehr gibt es neben der Persönlichkeit der ausgegrenzten Person natürlich auch situative Umstände, die soziale Ausgrenzung bedingen können.“ 

  • Konkret könne beispielsweise starke Konkurrenz innerhalb bestimmter Gruppen zu sozialer Ausgrenzung führen oder auch einfach Zufall, weil eine Person versehentlich übergangen wird. 

Will man Ausgrenzung in Gruppen verringern, muss man diesen Prozessen entgegenwirken. 

  • Dies könne durch Maßnahmen erreicht werden, die internen wie externen Druck sowie den Konkurrenzkampf innerhalb einer Gruppe vermindern.

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Originalpublikation:
Rudert, S. C., Keller, M., Hales, A. H., Walker, M., & Greifeneder, R. (in press). Who do we ostracize? A personality perspective on risk and protective factors of ostracism. Journal of Personality and Social Psychology. doi:10.1037/pspp0000271

Oder:
https://www.researchgate.net/publication/335676862_Who_gets_ostracized_A_persona...