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Studieneinladung CAVE: Weizenkeime für Lernfähigkeit und Gedächtnis

Medizin am Abend Berlin Fazit: „Gehirngesunde“ Ernährung: wie Essen vor Demenz schützen kann

Altersforscher haben Nahrungsinhaltsstoffe identifiziert, die Selbstreinigungsprozesse in den Gehirnzellen ankurbeln und vor neurodegenerativen Erkrankungen wie der Alzheimer- oder der Parkinson-Krankheit schützen könnten. 

„Bisherige Daten lassen vermuten, dass sogenannte Polyamine, insbesondere das Spermidin, sich positiv auf die Gehirnfunktion und geistige Fähigkeiten auswirken“, berichtet Professor Agnes Flöel von der Neurologischen Universitätsklinik Greifswald. 

Aktuell untersucht eine Studie an der Charité in Berlin unter der Leitung von Professor Flöel den Einfluss des Wirkstoffs aus Weizenkeimen auf Lernfähigkeit und Gedächtnis. 

Professor Agnes Flöel von der Neurologischen Universitätsklinik Greifswald berichtet vor dem Welt-Alzheimertag über den Einfluss der Ernährung auf das Gehirn
Professor Agnes Flöel von der Neurologischen Universitätsklinik Greifswald berichtet vor dem Welt-Alzheimertag über den Einfluss der Ernährung auf das Gehirn
DGN/Hauss
 
Über potenzielle Wirkungen von Nährstoffen und „Smart Drugs“ auf die geistige Fitness wird viel berichtet – und viel spekuliert. Die Demenzforscherin erklärte, zum Auftakt des Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) in Leipzig, was die moderne neurologische Forschung über den Einfluss des Essens auf die Leistungsfähigkeit des Gehirns weiß. Am 21. September, war Welt-Alzheimertag.

Mit der Berliner „SmartAge“-Studie untersuchen die Forscher die Wirkung einer zwölfmonatigen Gabe von natürlichem Spermidin aus Weizenkeimen auf Lernen und Gedächtnis sowie auf die Struktur des Gehirns.

An der Studie nehmen ältere, noch gesunde Menschen teil, deren Gedächtnis sich nach eigener Einschätzung verschlechtert hat.

Noch werden Studienteilnehmer gesucht (siehe ganz unten).


„Man weiß aus anderen Studien, dass Menschen mit subjektiv empfundener Gedächtnisverschlechterung, die sich Sorgen wegen einer Demenz machen, tatsächlich ein erhöhtes Risiko für eine Alzheimer-Krankheit aufweisen“, erklärt Professor Flöel, Direktorin der Universitätsklinik für Neurologie in Greifswald. Die Neurologin erforscht, wie sich Demenz und kognitive Einschränkungen durch den Lebensstil beeinflussen lassen. Vor Kurzem wechselte sie von der Charité in Berlin nach Greifswald, leitet aber nach wie vor die Berliner Studie.

Lifestyle-Studien liegen im Trend, denn vor dem Hintergrund der alternden Gesellschaft rückt die Gesunderhaltung des Gehirns immer mehr in den Fokus der Wissenschaft.

Epidemiologen erwarten weltweit eine Verdopplung bis Vervierfachung der Zahl der Demenzerkrankungen bis 2050, und die bisherigen Bemühungen um kausale Therapien bei bereits ausgebrochener Alzheimer-Demenz waren, trotz weltweiter Forschung und milliardenschwerer Investitionen, nicht erfolgreich. Die Suche nach Präventionsstrategien hat deshalb hohe medizinische, gesundheitspolitische und wirtschaftliche Relevanz.

Spermidin reduziert Zell-Schrott
  • Großes Potenzial, geistigem Abbau vorzubeugen, schreiben Neurowissenschaftler aktuell Spermidin zu. 
  • Spermidin ist ein körpereigenes Produkt des Zellstoffwechsels und spielt eine wichtige Rolle bei der Aufrechterhaltung von Zellprozessen. 
Externe Spermidinzufuhr über die Nahrung verlängert die Lebensspanne von sogenannten Modell-Organismen wie Hefen, Würmern und Fruchtfliegen und stoppt den altersbedingten Erinnerungsverlust bei Fruchtfliegen – ein Effekt, den Forscher auf die Zunahme von sogenannten Autophagie-Prozessen zurückführen. 

  • Mit diesem Selbstreinigungsprozess verdaut und vernichtet die Zelle ihren Schrott, zum Beispiel krankheitserregende Eiweiß-Ablagerungen. 

Für die Erforschung der Mechanismen der Autophagie wurde 2016 der Nobelpreis für Physiologie verliehen.  

Diese Eiweiß-Ablagerungen liegen fast allen neurodegenerativen Erkrankungen zugrunde, auch der Alzheimer- oder der Parkinson-Krankheit. Eine Ankurbelung dieses Selbstreinigungsprozesses könnte somit diesen Erkrankungen vorbeugen.

Wirkstoff aus Weizenkeimen

Spermidin in der Nahrung scheint auch dem menschlichen Gehirn gutzutun. „Wir haben in einer eigenen kleinen Studie, die ebenso wie die jetzt laufende größere Studie vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert wird, die Wirkung von natürlichem Spermidin, das aus Weizenkeimen gewonnen und in Kapseln verpackt worden war, auf Lernen und Gedächtnis untersucht“, erklärt Professor Flöel. „Wir konnten zeigen, dass sich Gedächtnisleistungen bereits nach dreimonatiger Einnahme tendenziell verbessern, bei sehr guter Verträglichkeit der Kapseln.“

Wissenschaftler zählen Spermidin zu den sogenannten Kalorienreduktions-Mimetika.

„Kalorienreduktions-Mimetika sind Substanzen, die Effekte des Fastens nachahmen. Der Körper produziert sie beim Abnehmen, man kann sie aber auch mit der Nahrung aufnehmen“, erklärt Flöel. Weltweit wurde bereits eine Reihe von Mimetika untersucht: zum Beispiel Resveratrol, das aus Trauben gewonnen werden kann und daher u. a. im Rotwein zu finden ist, oder der sogenannte Grüntee-Extrakt, mit Fachnamen als Epigallocatechingallat bezeichnet.

  • „Für Resveratrol konnten wir positive Effekte auf die Gedächtnisleistung nachweisen, andere Gruppen fanden Auswirkungen auf die Durchblutung des Gehirns“, sagt Professor Flöel.

Gesund essen und gelegentlich fasten

Kommt also bald die Super-Pille fürs Gehirn? „Nahrungsergänzungsmittel können nie eine ausgewogene Ernährung ersetzen“, betont die Professorin. Grundsätzlich sei es günstig, viel Obst, Gemüse und ungesättigte Fettsäuren zu sich zu nehmen und beim Zucker zu sparen. „Außerdem spielt es eine Rolle, wie viel man isst“, ergänzt Flöel. „In Studien führte eine Kalorienrestriktion, vor allem der Reiz des Fastens, zu besseren Gedächtnisleistungen.“

Um Demenzerkrankungen vorzubeugen, empfiehlt die S3-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN), Diabetes, Bluthochdruck und Übergewicht im Auge zu behalten und diesen Risikofaktoren frühzeitig medizinisch entgegenzuwirken. Außerdem scheinen ein aktives soziales Leben, körperliche Bewegung und ein aktiver und gesunder Lebensstil das Risiko einer Erkrankung zu mindern.

Patienten gesucht
  • Für die „SmartAge“-Studie, die derzeit an der Charité in Berlin unter der Leitung von Professor Agnes Flöel durchgeführt wird, werden noch weitere Studienteilnehmer im Alter zwischen 60 und 90 Jahren gesucht, die nach eigener Einschätzung an einer Gedächtnisverschlechterung leiden und sich diesbezüglich Sorgen machen. 
  • Interessenten können sich gerne per E-Mail unter smartage@charite.de oder unter der Telefonnummer (0)30 450660395 melden.

Literatur:

Jessen, F., Wolfsgruber, S., Wiese, B., Bickel, H., Mosch, E., Kaduszkiewicz, H., Pentzek, M., Riedel-Heller, S.G., Luck, T., Fuchs, A., Weyerer, S., Werle, J., van den Bussche, H., Scherer, M., Maier, W., Wagner, M. German Study on Aging, C., Dementia in Primary Care, P. 2014. AD dementia risk in late MCI, in early MCI, and in subjective memory impairment. Alzheimers Dement 10(1),
76–83. doi:10.1016/j.jalz.2012.09.017.

Bhukel, A., Madeo, F., Sigrist S.J. Spermidine boosts autophagy to protect from synapse aging. Autophagy. 2017 Feb;13(2):444–445. doi: 10.1080/15548627.2016.1265193.

Gupta, V.K., Scheunemann, L., Eisenberg, T., Mertel, S., Bhukel, A., Koemans, T.S., Kramer, J.M., Liu, K.S., Schroeder, S., Stunnenberg, H.G., Sinner, F., Magnes, C., Pieber, T.R., Dipt, S., Fiala, A., Schenck, A., Schwaerzel, M., Madeo, F., Sigrist, S.J. 2013. Restoring polyamines protects from age-induced memory impairment in an autophagy-dependent manner. Nature neuroscience 16(10), 1453–60. doi:10.1038/nn.3512.

Wirth M., Schwarz C., Benson G., Köbe T., Stekovic S., Madeo F., Flöel A. High-dose spermidine supplementation to improve episodic memory in individuals with subjective cognitive decline: proof-of-concept study. 1st International Conference on Cognitive Reserve in the Dementias (ResDem) in Munich on 24–25 November 2017.

Witte, A.V., Kerti L., Margulies D.S., Flöel A. Effects of resveratrol on memory performance, hippocampal functional connectivity, and glucose metabolism in healthy older adults. J Neurosci. 2014 Jun 4;34(23):7862–70. doi:10.1523/JNEUROSCI.0385-14.2014.

Prehn K., Jumpertz von Schwartzenberg R., Mai K., Zeitz U., Witte AV., Hampel D., Szela AM., Fabian S., Grittner U., Spranger J., Flöel A. Caloric Restriction in Older Adults-Differential Effects of Weight Loss and Reduced Weight on Brain Structure and Function. Cereb Cortex. 2017 Mar 1;27(3):1765–1778. doi:10.1093/cercor/bhw008.

Witte AV., Fobker M., Gellner R., Knecht S., Flöel A. Caloric restriction improves memory in elderly humans. Proc Natl Acad Sci U S A. 2009 Jan 27;106(4):1255–60. doi:10.1073/pnas.0808587106. Epub 2009 Jan 26.

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Prof. Dr. med. Agnes Flöel
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Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie e.V. (DGN)
sieht sich als neurologische Fachgesellschaft in der gesellschaftlichen Verantwortung, mit ihren mehr als 8000 Mitgliedern die neurologische Krankenversorgung in Deutschland zu sichern. Dafür fördert die DGN Wissenschaft und Forschung sowie Lehre, Fort- und Weiterbildung in der Neurologie. Sie beteiligt sich an der gesundheitspolitischen Diskussion. Die DGN wurde im Jahr 1907 in Dresden gegründet. Sitz der Geschäftsstelle ist Berlin. www.dgn.org

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Genitalien - und Dein Gehirn / Hormone oder sexuellen Stimmulus?

Medizin am Abend Berlin Fazit: Pubertät keine reine Hormonsache

Wenn Ratten an ihren Genitalien berührt werden, verändert sich ihr Gehirn und die Pubertät beschleunigt sich. 

In der Großhirnrinde verdoppelt sich die Größe der Repräsentation der Genitalien, berichten Forscher des Bernstein Zentrums in Berlin.

Hormone oder sexueller Stimulus?


Was beeinflusst die Pubertät und vor allem den Umbau des Gehirns heranwachsender Ratten?

Schon länger bekannt ist, dass soziale Signale die Pubertät verzögern oder beschleunigen können. Welche sozialen Signale jedoch entscheidend sind und wie sie auf Körper und Gehirn wirken ist dagegen nicht eindeutig nachgewiesen. Eine neue Studie von Forschern des Bernstein Center for Computational Neuroscience Berlin und der Humboldt Universität zu Berlin hat gezeigt, dass sexuelle Berührungen die Pubertät möglicherweise stärker beeinflussen als bisher bekannt.

Constanze Lenschow, Johanna Sigl-Glöckner und Michael Brecht haben beobachtet, dass sich die Repräsentation der Genitalien in der Hirnrinde, dem größten Teil des Säugergehirns, in der Pubertät stark ausdehnt. Ihre Studie zeigt zunächst das Erwartbare.  

Geschlechtshormone beschleunigen die Pubertät und das Wachstum der sog. Genitalhirnrinde. 

Die Forscher zeigen, dass sexuelle Berührungen die Pubertät entscheidend beschleunigen können. Für Lenschow sind „die starken Effekte sexueller Berührungen auf Pubertät und Genitalhirnrinde bemerkenswert, weil man in dieser Hirnregion zu diesem Entwicklungsstadium eigentlich keine großen Veränderungen mehr erwartet“. 

  • Demnach bestimmen nicht nur Hormone, sondern auch sexuelle Berührungen die Vergrößerung der Genitalhirnrinde in der Pubertät.

In ihrer jüngsten Arbeit haben die Forscher dies nachgewiesen, indem sie zuerst junge weibliche Ratten mit erwachsenen männlichen Ratten zusammensetzten. Die gleiche Beschleunigung von Hirnwachstum und Pubertät wurde beobachtet, wenn Experimentatoren die Genitalien der Tiere berührten.

Die Ergebnisse sind ab 21. September im open-access Journal PLOS Biology zu lesen. http://journals.plos.org/plosbiology/article?id=10.1371/journal.pbio.2001283

„In der Großhirnrinde verändert sich die Abbildung des Körpers,“ so Brecht „insbesondere wird die Genitalregion plötzlich doppelt so groß.

Unsere Ergebnisse helfen zu verstehen, warum sich die Wahrnehmung des eigenen Körpers in der Pubertät so sehr verändert.“ 
  • Die Pubertät und die mit ihr einhergehenden Veränderungen des Gehirns sind demnach keine rein hormonelle Angelegenheit, sondern werden durch sexuelle Erfahrungen mitbestimmt.

Bernstein Zentrum (BCCN) Berlin

Das Bernstein Zentrum (BCCN) Berlin ist ein Zusammenschluss von Humboldt-Universität zu Berlin, der Charité Universitätsmedizin Berlin und der Technische Universität Berlin, die gemeinschaftlich Projekte in der Hirnforschung angehen. Es ist eines von sechs Bernstein Zentren im Bernstein Netzwerk Computational Neuroscience.

Bernstein Netzwerk Computational Neuroscience

Das Bernstein Netzwerk ist ein Forschungsnetzwerk im Bereich der computergestützten Neurowissenschaft; dieses Feld verbindet experimentelle Ansätze der Neurobiologie mit theoretischen Modellen und Computersimulation. Das Netzwerk wurde 2004 vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) ins Leben gerufen. Mit dieser Förderinitiative hat das BMBF bis heute die Forschungsdisziplin der Computational Neuroscience mit einem Gesamtvolumen von mehr als 180 Millionen Euro unterstützt. Nach mehr als 10 Jahren Förderung versammeln sich im Bernstein Netzwerk mehr als 200 Forschungsgruppen. Es ist nach dem deutschen Forscher Julius Bernstein (1839-1917) benannt, der die erste biophysikalische Erklärung für die Ausbreitung von Nervensignalen lieferte.

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Dr. Constanze Lenschow
Tel: +49 (0)30 2093 9110
E-Mail: constanze.lenschow@bccn-berlin.de

Prof. Dr. Michael Brecht
Tel: +49 (0)30 2093 6718
E-Mail: michael.brecht@bccn-berlin.de

Bernstein Zentrum Berlin/
Humboldt-Universität zu Berlin
10115 Berlin

Dr. Claudia Duppé Bernstein Koordinationsstelle, Außenstelle des Forschungszentrums Jülich
 Bernstein Netzwerk Computational Neuroscience



Hansastr. 9A, Albert Ludwigs University Freiburg
79104 Freiburg
Deutschland
Baden-Württemberg
E-Mail-Adresse: bernstein.communication@fz-juelich.de

Dr. Claudia Duppé
Telefon: 0761 203 96787
E-Mail-Adresse: bernstein.communication@fz-juelich.de

Weitere Informationen:
http://journals.plos.org/plosbiology/article?id=10.1371/journal.pbio.2001283
https://www.activetouch.de Webseite der Arbeitsgruppe um Prof. Dr. Michael Brecht
http://www.bernstein-network.de Bernstein Netzwerk Computational Neuroscience

CAVE: Nierenschädigungen - Einsatz von Urin-Biomarkern

Medizin am Abend Berlin: Neuer Ansatz: Nierenschädigungen therapieren, bevor Symptome auftreten

Mit einem neu entwickelten Behandlungskonzept verringern Mediziner des Universitätsklinikums Regensburg (UKR) Komplikationen nach schweren Operationen. 
 PD Dr. Tobias Bergler, Leitender Oberarzt der Abteilung für Nephrologie, und Dr. Ivan Göcze, Leitender Oberarzt der Operativen Intensivstation der Klinik und Poliklinik für Chirurgie des UKR.
PD Dr. Tobias Bergler, Leitender Oberarzt der Abteilung für Nephrologie, und Dr. Ivan Göcze, Leitender Oberarzt der Operativen Intensivstation der Klinik und Poliklinik für Chirurgie des UKR.© UKR 
  • Trotz enormer medizinischer Fortschritte führt eine komplexe Operation zum Beispiel im Bauchraum auch heute noch bei 13 bis 50 Prozent aller Patienten zu einer akuten Nierenschädigung. 
  • Ursächlich hierfür können ein verändertes Flüssigkeitsmanagement, hohe Blutverluste oder die Gabe bestimmter Medikamente sein. 
Insbesondere Patienten mit Begleiterkrankungen wie z.B. Diabetes mellitus sind betroffen. 

Die Folgen der akuten Nierenschädigung reichen von einem längeren Krankenhausaufenthalt bis zu einer anhaltenden Einschränkung der Nierenfunktion.

In seltenen Fällen kann eine dauerhafte Nierenersatztherapie, die sogenannte Dialyse, notwendig sein.

Die Problematik: 

Wenn nach einer Operation klinische Zeichen für eine Nierenschädigung vorliegen, ist für die Behandlung bereits wertvolle Zeit verstrichen. Mediziner des UKR untersuchten daher in einer klinischen Studie, ob einer drohenden Nierenschädigung entgegengewirkt werden kann, noch bevor sich klinische Anzeichen dafür finden lassen.

Der frühe Nachweis ermöglicht die vorzeitige Therapie


„Wir haben nun erstmals belegt, dass man Häufigkeit und Schwere von Nierenfunktionsstörungen nach einer komplexen Operation im Bauchraum signifikant reduzieren kann, wenn wir diese bereits therapieren, bevor sich die Nierenfunktion tatsächlich verschlechtert“, so die Autoren der Studie Dr. Ivan Göcze, Leitender Oberarzt der Operativen Intensivstation der Klinik und Poliklinik für Chirurgie, und PD Dr. Tobias Bergler, Leitender Oberarzt der Abteilung für Nephrologie. 

Derzeit können konkrete klinische Hinweise auf Nierenfunktionsstörungen erst 24 bis 48 Stunden nach der Operation nachgewiesen werden. Der von den Regensburger Medizinern entwickelte Ansatz setzt einen Schritt früher an.

Durch den innovativen Einsatz von Urin-Biomarkern lässt sich das Risiko für eine Nierenschädigung bestimmen, noch bevor sich klinische Hinweise hierfür ausbilden. Eine drohende Nierenschädigung kann so bereits vier Stunden nach der Operation mit hoher Sicherheit erkannt und damit auch vorzeitig therapiert werden. Die Ergebnisse dieser klinischen Interventionsstudie wurden kürzlich in „Annals of Surgery“, dem bedeutendsten chirurgischen Journal weltweit, publiziert.

Weniger Erkrankungen bei vorzeitiger Therapie

In die Studie wurden Patienten des Universitätsklinikums Regensburg eingebunden, bei denen komplexe Operationen im Bauchraum notwendig waren und die gleichzeitig einen weiteren Risikofaktor für die Entwicklung einer postoperativen Nierenschädigung aufwiesen.

  • Nach der Operation wurden die Patienten auf der Intensivstation aufgenommen und von den Medizinern auf das Vorhandensein sogenannter Zellzyklusarrest-Biomarker im Urin getestet. 

„Erhöhte Werte der Proteine TIMP-2 und IGFBP7 zeigen, dass sich die Nierenzellen nach der Operation unter Stress befinden“, erklärt Professor Dr. Thomas Bein, Leiter der Operativen Intensivstation der Klinik und Poliklinik für Chirurgie.

So konnte bei Patienten mit erhöhten Werten bereits knapp vier Stunden nach der Operation mit der sogenannten nierenprotektiven Therapie begonnen werden. 

Diese besteht unter anderem aus 
  • der Optimierung des Flüssigkeitshaushaltes, 
  • einer konsequenten Überwachung des Blutdruckes, 
  • um eine adäquate Nierendurchblutung zu gewährleisten, 
  • und der Neubewertung der Gabe potentiell nierenschädigender Medikamente.  
 Chirurgen des UKR bei einer Operation.
 Chirurgen des UKR bei einer Operation. © UKR

Dieses innovative Therapiekonzept reduzierte in über 20 Prozent der Fälle das Auftreten einer akuten Nierenschädigung. Bei über 60 Prozent der so behandelten Patienten verlief die akute Nierenschädigung weniger schwer. Die Patienten konnten die Intensivstation früher als bislang wieder verlassen. „Diese Studie zeigt, dass durch die frühzeitige Nierenprotektion bei Patienten mit positivem Ergebnis des Biomarkertests der zelluläre Stress der Niere als Vorstufe der akuten Nierenschädigung größtenteils umkehrbar ist“, erklärt Professor Dr. Bernhard Banas, Leiter der Abteilung für Nephrologie.

Studienergebnisse könnten zu neuen Behandlungsstandards führen

Der neuartige Urin-Biomarker-Test wurde ursprünglich in den USA entwickelt und 2014 im Rahmen einer klinischen Studie im Universitätsklinikum Regensburg erprobt. Die Forscher fanden damals heraus, dass der Test bei Patienten nach komplexen Operationen vorzeitig Rückschlüsse auf eine drohende Schädigung der Niere liefert . Diese Erkenntnisse führten jetzt im Rahmen der klinischen Interventionsstudie erstmals zu einer Veränderung der bisherigen Therapie. „Perspektivisch können die Ergebnisse dieser Studie dazu führen, dass der Urinmarker-Test bei Risikopatienten nach komplexen abdominellen Operationen zum Standard wird“, gibt Professor Dr. Hans Jürgen Schlitt, Direktor der Klinik für Chirurgie, einen Ausblick.

„In der gegenwärtigen Medizin ist die Früherkennung einer drohenden Schädigung ein essentieller Bestandteil einer erfolgreicher Therapie“, ergänzt Professor Dr. Bernhard M. Graf, Direktor der Klinik für Anästhesiologie. Im UKR wird der Test in naher Zukunft in Kombination mit einem elektronischen Frühwarnsystem standardmäßig in der Intensiv-Therapie chirurgischer Patienten eingeführt.

Die Arbeit entstand in Kooperation zwischen der Klinik und Poliklinik für Chirurgie (Dr. Ivan Göcze, Markus Götz, Pascal Kennedy, Professor Dr. Hans Jürgen Schlitt), der Abteilung für Nephrologie (Dr. Bettina Jung, Professor Dr. Bernhard Banas, PD Dr. Tobias Bergler), der Klinik für Anästhesiologie (Professor Dr. Bernhard M. Graf, Professor Dr. Thomas Bein), dem Zentrum für klinische Studien (Florian Zeman), dem Institut für Klinische Chemie und Laboratoriumsmedizin (Dr. Carsten Gnewuch) und der Abteilung für Unternehmensentwicklung (Wolfgang Gnann) des Universitätsklinikums Regensburg sowie mit der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie des Universitätsklinikums Freiburg (Dr. Dominik Jauch).

Die aktuelle Studie ist Teil des Forschungsprojektes „Prävention der akuten Nierenschädigung nach komplexen Operationen am UKR“, das neben den beiden klinischen Studien die geplante Umsetzung der vorzeitigen Therapie mit einem innovativen elektronischem Frühwarnsystem und weitere Datenreihen umfasst, die aktuell ausgewertet werden.

Publikation:
Göcze, I., Jauch, D., Götz M., Kennedy, P., Jung, B., Zeman, F., Gnewuch, C., Graf, B. M., Gnann, W., Banas, B., Bein, T., Schlitt, H. J., Bergler, T. Biomarker-guided intervention to prevent acute kidney injury after major surgery: the prospective randomized BigpAK Study. Annals of Surgery. 2017, DOI: 10.1097/SLA.0000000000002485

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Therapieansatz der diabetischen Nephropathie

Medizin am Abend Berlin Fazit: Neuer Ansatz zur Therapie der diabetischen Nephropathie

Wissenschaftliche Mitarbeiter des Institutes für Klinische Chemie und Pathobiochemie (IKCP) der Medizinischen Fakultät der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg veröffentlichten in der renommierten Fachzeitschrift Journal of American Society of Nephrology (JASN) einen potentiell neuen Therapieansatz der diabetischen Nephropathie.  
  • Bei der diabetischen Nephropathie handelt es sich um eine progressive Nierenerkrankung, welche für mehr als 40 Prozent der neu-diagnostizierten terminalen Nierenerkrankungen weltweit verantwortlich ist. 
Die diabetische Nephropathie verursacht auf der einen Seite hohe sozioökonomische Kosten. 

Auf der anderen Seite stellt sie die Hauptursache der Morbidität und Mortalität bei diabetischen Patienten dar. 

Hat sich diese Erkrankung erst einmal manifestiert, können derzeitige Therapien weder ein Fortschreiten noch eine Heilung der Nieren herbeiführen.
Im Idealfall können die vorhandenen Therapien das Fortschreiten der diabetischen Nephropathie verlangsamen.

Folglich: Es werden also dringend neue Therapiemöglichkeiten benötigt.

In ihrer jüngst veröffentlichten Studie konnten die gleichberechtigten Erstautoren Moh’d Mohanad Al-Dabet und Andi Marquardt einen nephroprotektiven Effekt eines bereits seit Jahren etablierten Arzneimittels, der Tauroursodeoxycholsäure (TUDCA,) aufzeigen.

TUDCA wird seit Jahrzehnten für die Behandlung und Prophylaxe von Gallensteinleiden eingesetzt und von Patienten gut toleriert.

In den letzten Jahren wurden die Effekte der Gallensäure intensiv beforscht.

Es konnte gezeigt werden, dass TUDCA die Funktion und Überlebensdauer menschlicher Zellen verbessert.

Die Autoren konnten zuerst zeigen, dass TUDCA die Schäden der diabetischen Nephropathie lindert und teilweise zu einer Regeneration des Nierengewebes führen kann. 

Dass TUDCA einen zusätzlichen therapeutischen Nutzen zur derzeitigen Standardtherapie, der Inhibition des Renin-Angiotensin-Aldosteron-Systems (RAAS-Inhibition), darstellt, war bis jetzt nicht bekannt.

In der aktuellen Studie konnten die Autoren eine deutliche Überlegenheit einer Kombinationstherapie (RAAS-Inhibition + TUDCA) verglichen zur alleinigen Therapie mittels RAAS-Inhibition, in mehreren experimentellen Modellen der diabetischen Nephropathie nachweisen.

„Diese Resultate haben möglicherweise hohe klinische Relevanz. Derzeit gibt es keine etablierte Therapie, die einen zusätzlichen Nutzen zur RAAS-Inhibition bereitstellt. TUDCA wird bereits seit Jahrzehnten eingesetzt und zeigt eine gute Verträglichkeit bei verschiedensten Patienten. Infolgedessen ist es gut möglich, dass TUDCA eine zusätzliche Therapiemöglichkeit bei der diabetischen Nephropathie darstellt. 

 Die nächste Stufe sollte eine klinische Studie zur Evaluation der Wirksamkeit einer Kombinationstherapie (RAAS-Inhibition + TUDCA) bezogen auf die diabetische Nephropathie sein“ sagt der Leiter der Studie und Direktor des IKCP, Prof. Dr. med. Berend Isermann. Tatsächlich befindet sich eine solche Studie, in Kooperation mit Prof. Gnudi vom King’s College in London, bereits in Planung.

  • „TUDCA verbesserte die Nierenfunktion nicht nur in experimentellen Modellen des Typ-2-Diabetes mellitus (T2DM), sondern ebenfalls in Modellen des Typ-1-Diabetes mellitus (T1DM). 

Des Weiteren umfasste die Nephroprotektion anti-inflammatorische und anti-fibrotische Effekte. 

Hervorzuheben ist ebenfalls, dass die Kombinationstherapie (RAAS-Inhibition + TUDCA) in der Lage war, die frühen Schäden der diabetische Nephropathie vollständig wiederherzustellen“, so die Erstautoren der Studie, Moh’d Mohanad Al-Dabet und Andi Marquardt.

Die Studie ist im Rahmen einer Kooperation des SFB 854 (Sonderforschungsbereich 854, von der DFG gefördert) an der Medizinischen Fakultät der Otto-von-Guericke-Universität durchgeführt worden. Der SFB854 ist eng mit dem Gesundheitscampus (GCI3) assoziiert und hat mehrere Landmarkstudien in den letzten Jahren hervorgebracht. Ferner wurde die Studie von Moh’d Mohanad Al-Dabet im Rahmen eines Stipendiums des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) durchgeführt.



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Kornelia Suske Universitätsklinikum Magdeburg

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Kornelia Suske
Telefon: 0391/67 15162
Fax: 0391/67 15159
E-Mail-Adresse: kornelia.suske@med.ovgu.de


Publikation: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/28696246
und: http://jasn.asnjournals.org/content/early/2017/07/07/ASN.2016101123.long


Vaskulären System: Blutgefäße - Hippo Signalweg

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Neue Einblicke in die Entstehung des vaskulären Systems: Forscher um Dr. Carmen Ruiz de Almodóvar vom Biochemie-Zentrum der Universität Heidelberg haben ein zentrales Element entdeckt, dass die Bildung von Blutgefäßen reguliert. 

Sie konnten zeigen, dass die Proteine YAP und TAZ eine wichtige Rolle in diesem Prozess spielen. 

Die Forschungsergebnisse wurden in der Fachzeitschrift „Developmental Cell“ veröffentlicht.

Heidelberger Wissenschaftler gewinnen neue Einblicke in die Entstehung des vaskulären Systems

Neue Einblicke in die Entstehung des vaskulären Systems: Forscher um Dr. Carmen Ruiz de Almodóvar vom Biochemie-Zentrum der Universität Heidelberg haben ein zentrales Element entdeckt, dass die Bildung von Blutgefäßen reguliert. Sie konnten zeigen, dass die Proteine YAP und TAZ eine wichtige Rolle in diesem Prozess spielen. Die Forschungsergebnisse wurden in der Fachzeitschrift „Developmental Cell“ veröffentlicht.

Endothelzellen bilden die innere Auskleidung der Blutgefäße. 

Während der embryonalen Entwicklung beginnen diese Zellen sich zusammenzufügen und zu Gefäßen zu wachsen. Treten bei YAP und TAZ genetische Dysfunktionen auf, die speziell die Endothelzellen betreffen, sind schwere vaskuläre Defekte bis hin zum Tod des Embryos die Folge, wie Postdoktorand Dr. Xiaohong Wang im Team von Dr. Ruiz de Almodóvar gezeigt hat.

YAP und TAZ sind die Effektoren des „Hippo Signalwegs“, der als zentraler Regulator für die Größe von Organen und das Wachstum von Tumoren identifiziert wurde.

Als Co-Transkriptionsfaktoren binden die beiden Proteine an bestimmte Transkriptionsfaktoren, um die Gentranskription zu regulieren – den Prozess, bei der genetische Information von DNA in RNA kopiert wird, was letztendlich zur Bildung spezifischer Proteine führt. Dazu müssen YAP und TAZ aktiviert werden und in den Zellkern wandern.

Wie die Heidelberger Wissenschaftler herausgefunden haben, wirkt der „Vascular Endothetial Growth Factor“ (VEGF) – ein Schlüsselfaktor für das Wachstum und die Entwicklung von Blutgefäßen – als Hauptaktivator für YAP und TAZ in Endothelzellen. Die Forscher haben den Prozess der Vaskularisierung in zentralen Nervensystem von Mäusen untersucht. „Fehlen YAP und TAZ, reagieren Endothelzellen nicht auf das VEGF-Signal, so dass die Blutgefäße nicht korrekt ausgebildet werden“, betont Dr. Ruiz de Almodóvar.

Diese Ergebnisse aus der Grundlagenforschung könnten neue Ansätze für die Behandlung von Krankheiten bieten, die im Zusammenhang mit der gestörten Neubildung von Blutgefäßen stehen.

Originalpublikation:
X. Wang, A. Freire Valls, G. Schermann, Y. Shen, I.M. Moya, L. Castro, S. Urban, G.M. Solecki, F. Winkler, L. Riedemann, R.K. Jain, M. Mazzone, T. Schmidt, T. Fischer, G. Halder, and C. Ruiz de Almodóvar: YAP/TAZ Orchestrate VEGF Signaling during Developmental Angiogenesis. Developmental Cell (published online 31 August 2017), doi: 10.1016/j.devcel.2017.08.002

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Dr. Carmen Ruiz de Almodóvar
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CAVE: Komplementärmedizin für Ärzte, Patienten und Angehörige

Medizin am Abend Berlin Fazit:  Fundiertes Wissen in der onkologischen Komplementärmedizin

Viele Patienten mit der Diagnose Krebs suchen Hilfe bei Verfahren der so genannten Komplementärmedizin. 

Sie wollen beispielsweise mit pflanzlichen Stoffen Nebenwirkungen lindern, das Immunsystem stärken und nichts unversucht lassen. Sie wünschen sich von ihrem Arzt Beratung zu Verfahren der Komplementärmedizin, ob beispielsweise Extrakte aus der Mistel oder Selen hilfreich sind.

Solche verlässlichen Informationen zur Verfügung zu stellen, ist ein Ziel des „Kompetenznetzes Komplementärmedizin in der Onkologie“, kurz KOKON genannt. In einer zweiten Förderphase der Deutschen Krebshilfe entwickelt der multidisziplinäre Forschungsverbund nun u.a. Trainingsprogramme für Ärzte 
 
Viele Patienten mit der Diagnose Krebs suchen Hilfe bei Verfahren der so genannten Komplementärmedizin.

Sie wollen beispielsweise mit pflanzlichen Stoffen Nebenwirkungen lindern, das Immunsystem stärken und nichts unversucht lassen. 

  • Sie wünschen sich von ihrem behandelnden Arzt Informationen und Beratung zu Verfahren der Komplementärmedizin, ob beispielsweise Extrakte aus der Mistel, Selen oder Akupunktur hilfreich sind.

Genau solche verlässlichen Informationen zu Verfahren der Komplementärmedizin zur Verfügung zu stellen, ist ein Ziel des „Kompetenznetzes Komplementärmedizin in der Onkologie“, kurz KOKON genannt.

Als ersten Schritt hat dieser multidisziplinäre Forschungsverbund unter der Federführung des Klinikums Nürnberg und mit Förderung der Deutschen Krebshilfe eine Wissensdatenbank, eine Internet-Plattform und ein gut funktionierendes Netzwerk von Experten aufgebaut.

Nun sollen in einer zweiten Förderphase Trainingsprogramme für Ärzte sowie Schulungskonzepte für Patienten und Angehörige erarbeitet werden.

Die Wissensbasis z.B. zum Einfluss pflanzlicher Stoffe auf die Wirkung onkologischer Medikamente und auf die Behandlung von Symptomen der Erkrankungen und Nebenwirkungen der Therapie soll zudem erweitert werden. Die Deutsche Krebshilfe stellt dafür bis Oktober 2019 noch einmal 2,4 Millionen Euro bereit.

Hinter dem Begriff Komplementärmedizin oder CAM (für ‚Complementary and Alternative Medicine‘), wie es oft kurz heißt, verbergen sich eine Vielzahl an Methoden und Verfahren. Nicht selten ist weder die Wirksamkeit eines pflanzlichen Medikamentes sicher nachgewiesen, noch sind alle Neben- oder Wechselwirkungen bekannt.

„Auch diese Behandlungen sollten nach gängigen Kriterien bewertet werden, schließlich fragen die Patienten ihren Arzt danach“, erklärt Dr. Markus Horneber, Sprecher des Kompetenznetzes und Leiter der AG Integrative Onkologie an der Klinik für Innere Medizin 5, Onkologie/Hämatologie, im Klinikum Nürnberg, Universitätsklinik der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität,.

Da das Thema CAM zudem in der Ausbildung von Ärzten, Pflegekräften oder Mitarbeitern in Beratungsstellen keinen hohen Stellenwert hat, wissen diese viel zu wenig darüber, um ihre Patienten wirklich gut informieren und beraten zu können.

Ein Netzwerk zur Komplementärmedizin

Um dies zu ändern, hat die Deutsche Krebshilfe 2012 mit einer Förderung von 2,5 Millionen Euro den Impuls für den Aufbau eines „Kompetenznetzes Komplementärmedizin in der Onkologie“ (KOKON) gegeben. Ziel war es, das Wissen über Komplementärmedizin in der Krebstherapie und über die gegenwärtige ärztliche Praxis in Deutschland zu sammeln und wissenschaftlich zu bewerten.

KOKON ist ein deutschlandweiter multidisziplinärer Forschungsverbund. An dem dreijährigen Projekt der ersten Förderphase waren 13 Institutionen in Deutschland mit mehr als 40 Mitarbeitern beteiligt. Beteiligt waren u.a. die Universitätskliniken der Charité, Hamburg-Eppendorf, Leipzig und Rostock, die Universität Frankfurt, das Hans Bredow Institut der Universität Hamburg und die Klinik für Tumorbiologie, Freiburg. Die Federführung des Verbundprojekts lag bei der Onkologie im Klinikum Nürnberg.

Datenbank und Informationsplattform

Gefördert von der Deutschen Krebshilfe entstanden so eine umfangreiche Wissensdatenbank auf dem Informationsportal http://www.onkopedia.com, ein ärztliches Beratungskonzept, Fortbildungen in der onkologischen Fachpflege, bei ärztlichem Personal und in der Krebs-Selbsthilfe sowie eine umfassende und auch ansprechende Informationsplattform für Betroffene und Angehörige: http://www.kokoninfo.de.

Die Datenbank und die Plattform enthalten nun Informationen zu vielen bekannten Verfahren sowie eine Einschätzung ihres Nutzens inklusive möglicher Risiken.

Hier gibt es Informationen z. B. zur Wirkung und Nebenwirkung von Ginseng, der beim tumorbedingten Müdigkeitssyndrom (Fatigue-Syndrom) eingesetzt wird, ebenso wie zur Akupunktur als Mittel gegen Übelkeit und Erbrechen oder zur Wirkung der Achtsamkeitsmeditation auf das Wohlbefinden.

Zweite Förderung mit vier Schwerpunkten

Die Ergebnisse der ersten Förderphase haben die Deutsche Krebshilfe so überzeugt, dass sie einer Fortsetzung der Förderung bis Oktober 2019 zugestimmt und dafür weitere 2,4 Millionen Euro bereitgestellt hat.

KOKON setzt sich für die neue Förderphase die Aufgabe, die Konzepte zu Information, Kommunikation, Beratung und Fortbildung zur Komplementärmedizin in der Onkologie so weiter zu entwickeln, dass sie zukünftig in breiter Form sowohl von Patienten und Angehörigen, als auch von den Ärzten und Pflegenden in der täglichen Versorgung genutzt werden können.

Training, Entscheidungsfindung und Wissensbasis

In drei wissenschaftlichen Projekten entwickelt und bewertet KOKON nun Trainingsprogramme für Ärzte, die Kinder oder Erwachsene onkologisch behandeln, sowie für hausärztlich tätige Fachärzte. Die Programme sind nach dem Prinzip des ‚Blended-Learning‘ aufgebaut, d.h. sie verknüpfen „Online“ -Learning mit Praxisworkshops zur Kommunikation.

In einem Projekt zur ‚Kommunikation und Entscheidungsfindung‘ geht es darum, Ansätze für den Umgang mit der Komplementärmedizin in der täglichen Behandlungspraxis für die Arzt-Patienteninteraktion zu erarbeiten. Im Mittelpunkt steht dabei die Frage, wie es zu einer begründeten Entscheidung für oder gegen eine bestimmte Behandlung aus dem Bereich der Komplementärmedizin kommt.

Im Projekt ‚Krebsselbsthilfe‘ steht die Umsetzung und Evaluation von Schulungsprogrammen für Selbsthilfegruppen im Mittelpunkt. Ziel ist es, die Kompetenz von Patienten und Angehörige im Umgang Komplementärmedizin zu stärken.

In dem Arbeitsfeld ‚Wissensbasis‘ werden die bisher gewonnenen und auf Onkopedia veröffentlichten Erkenntnisse gezielt weiterentwickelt. Es geht um Fragen, wie Komplementärmedizin sinnvoll in der Supportivtherapie eingesetzt und die Krebstherapie unterstützen kann und wie sich pflanzliche Stoffe und onkologische Medikamente in ihrer Wirkung beeinflussen.

16 Kliniken und Institute in ganz Deutschland

In dieser zweiten Förderphase arbeiten die Universitätskliniken und Medizinischen Hochschulen in Berlin (Charité), Frankfurt/Main, Freiburg, Greifswald, Hamburg-Eppendorf, Hannover, Mainz, München, Tübingen und Witten/Herdecke sowie das Institut für Medizinische Ethik der Wilhelm-Löhe-Hochschule Fürth und die Universitätskliniken für Innere Medizin 5, Schwerpunkt Onkologie/Hämatologie, sowie für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie der Paracelsus Universität, Klinikum Nürnberg, eng zusammen.

Als KOKON-Koordinationsstelle fungiert die Universitätsklinik für Innere Medizin 5, Schwerpunkt Onkologie / Hämatologie im Klinikum Nürnberg. Bei Dr. Markus Horneber und Prof. Dr. Martin Wilhelm laufen alle Fä¬den zusammen. Als Methodenzentrum ist das Institut für Sozialmedizin, Epidemiologie und Gesundheitsökonomie, Charité Universitätsmedizin Berlin involviert.


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KOKON Koordinationsstelle
Klinik für Innere Medizin 5
Schwerpunkt Onkologie/Hämatologie
Universitätsklinik der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität, Klinikum Nürnberg
Prof.-Ernst-Nathan-Str. 1, 90340 Nürnberg
Telefon: +49 911 398 3063
Fax: +49 911 398 2724
E-Mail: kokon@klinikum-nuernberg.de

Das Klinikum Nürnberg ist eines der größten kommunalen Krankenhäuser in Deutschland und bietet das gesamte Leistungsspektrum der Maximalversorgung an. Mit rund 2.370 Betten an zwei Standorten (Klinikum Nord und Klinikum Süd) und 6.200 Beschäftigten versorgt es 100.000 stationäre und knapp 100.000 ambulante Patienten im Jahr. Zum Klinikverbund gehören drei weitere Krankenhäuser im Landkreis Nürnberger Land.

Die Paracelsus Medizinische Privatuniversität in Nürnberg wurde 2014 gegründet und ist zweiter Standort der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität in Salzburg. In Nürnberg werden jährlich 50 Medizinstudierende ausgebildet. Das Curriculum orientiert sich eng an der Ausbildung der amerikanischen Mayo-Medical School. Die Paracelsus Medizinische Privatuniversität kooperiert zudem mit weiteren wissenschaftlichen Einrichtungen im In- und Ausland.

Weitere Informationen für international Medizin am Abend Berlin Beteiligte
http://www.kokoninfo.de

http://www.onkopedia.com


Wird Dein Übergewicht behandelt? Arzt/Patienten-Kommunikation

Medizin am Abend Berlin DirektKontakt: Ist Stoffwechsel-gesunde Adipositas ein lohnendes erstes Ziel?

Weltweit ist fast jeder Dritte fettleibig. 

Die Folge: 

Immer mehr Menschen leiden auch an Krankheiten, die mit krankhaftem Übergewicht verbunden sind wie Diabetes, Bluthochdruck, Herzinfarkt oder Schlaganfall. 
  • Trotz der bekannten Gesundheitsrisiken versucht nur ein Teil der Betroffenen abzunehmen. 
Viele Menschen schrecken die großen geforderten Gewichtsabnahmen ab. Tübinger und Potsdamer Forscher des Deutschen Zentrums für Diabetesforschung zeigen nun in der Fachzeitschrift „The Lancet Diabetes & Endocrinology“ anhand bereits veröffentlichter und neuer Daten auf, dass die metabolisch gesunde Adipositas* ein lohnendes erstes Ziel in der Therapie der Adipositas sein könnte. 

Im Vgl. zu Menschen mit metabolisch kranker haben Menschen mit metabolisch gesunder Adipositas nur ein um 25 % erhöhtes kardiometabolisches Risiko im Vgl. zu metabolisch Gesunden mit Normalgewicht.
Im Vgl. zu Menschen mit metabolisch kranker haben Menschen mit metabolisch gesunder Adipositas nur ein um 25 % erhöhtes kardiometabolisches Risiko im Vgl. zu metabolisch Gesunden mit Normalgewicht.
Quelle: DZD/IDM
 
„Übergewicht macht krank. Sie sollten abnehmen.“ Darauf weisen Ärzte ihre übergewichtigen und adipösen Patienten immer wieder hin. Durch eine Lebensstilintervention schaffen Betroffene es, ihr Gewicht kurzfristig zu reduzieren, langfristig bleibt der Erfolg jedoch meist aus.

Weiterhin stellt sich die Frage, ob die von den medizinischen Fachgesellschaften vorgeschlagenen 5-8 Prozent Gewichtsabnahme für alle übergewichtigen und adipösen Menschen überhaupt ausreicht, um das Risiko für Folgeerkrankungen deutlich zu senken.

Bei einem Ausgangsgewicht von z.B. 120 kg und einer Körpergröße von 180 cm (BMI, Body Mass Index 37,0 kg·m-2) liegt der BMI des Patienten auch nach dem erfolgreichen Abnehmen bei 34,4.  

Damit hat er noch lange nicht den wünschenswerten BMI von 25 und kleiner erreicht, bei dem man heutzutage bei den meisten Menschen von einem deutlichen Schutz vor Adipositas-bedingten Erkrankungen ausgeht.

Medizin am Abend Berlin ZusatzFachThema: Arbeit auf Abruf 

Wäre es nicht sinnvoller, erreichbare Zwischenziele zu definieren, um ein individuell gesundes Gewicht zu erreichen? 

Welche Parameter könnten dieses Zwischenziel beschreiben?

Können kleinere Schritte, die Betroffenen besser motivieren, abzunehmen? Diese Fragen untersuchten Wissenschaftler der Medizinischen Klinik IV des Universitätsklinikums Tübingen und des Instituts für Diabetesforschung und Metabolische Erkrankungen (IDM) des Helmholtz Zentrums München und vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung (DIfE) in Potsdam.

Beide sind Partner im Deutschen Zentrum für Diabetesforschung (DZD). In ihrer aktuellen Arbeit zeigen die Professoren Norbert Stefan und Hans-Ulrich Häring aus Tübingen und Professor Matthias Schulze aus Potsdam auf, wie das Konzept der metabolisch gesunden Adipositas in das Risikomanagement der Adipositas-Therapie eingebunden werden kann.

Dabei legen sie u.a. anhand von eigenen Daten der Tübinger Lebensstil Interventionsstudie dar, dass eine Gewichtsabnahme von mehr als 10 Prozent bei einem mittleren Ausgangs-BMI von 35 wahrscheinlich ausreicht, um vom „metabolisch kranken“ zum „metabolisch gesunden“ Übergewicht zu gelangen.
Sie betonen dabei aber auch, dass man sich damit langfristig nicht zufrieden geben darf, da auch bei metabolisch gesunder Adipositas das Krankheitsrisiko im Vergleich zum metabolisch gesunden Normalgewicht um 25 Prozent erhöht ist. Zum Vergleich: Bei gleichschweren adipösen Menschen, die als metabolisch krank angesehen werden, ist das Risiko um 150 Prozent erhöht.

Als ein wichtiges Etappenziel bezeichnet Stefan das Erreichen eines belegbaren Schutzes vor Adipositas-bedingten metabolischen Erkrankungen: 

 „Sehen Sie diesen Schutz als eine ‚niedrig hängende Frucht’ an.

Sie ist zwar nicht leicht zu ernten, aber einfacher zu erreichen, als sich von Anfang an auf die obersten Früchte zu konzentrieren.“

Die Arzt/Patienten-Kommunikation sei eine wichtige Stütze, um den Patienten zu motivieren, diesen Zustand zu erreichen und zumindest zu halten.


Auf dem Diabeteskongress des EASD (European Association for the Study of Diabetes), der vom 11. bis 15 September in Lissabon stattfand,  stand das Thema “The paradox of metabolically healthy obesity” unter Leitung von Nobert Stefan am Freitag auf dem Programm.

* Menschen mit metabolisch gesunder Adipositas weisen maximal einen der folgenden Risikofaktoren auf: Bluthochdruck (Hypertonie), gestörter Kohlenhydratstoffwechsel (Insulinresistenz), Fettstoffwechselstörungen (Dyslipidämie), Bauchfettsucht, erhöhter Blutzuckerspiegel (Hyperglykämie) oder Fettleber.

Original-Publikation:
Stefan N, Häring H-U, Schulze MB. Metabolically healthy obesity: the low-hanging fruit in obesity treatment?. Lancet Diabetes Endocrinol 2017;
http://dx.doi.org/10.1016/S2213-8587(17)30292-9.

Prof. Dr. med. Norbert Stefan
Prof. Dr. med. Dr. h.c. Hans-Ulrich Häring
Universitätsklinikum Tübingen, Medizinische Klinik, Abteilung IV
Institut für Diabetesforschung und Metabolische Erkrankungen (IDM) des Helmholtz Zentrums München an der Eberhard-Karls-Universität Tübingen
Otfried-Müller-Straße 10, 72076 Tübingen
Phone 1: +49 (0) 7071-2985669
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norbert.stefan@med.uni-tuebingen.de

Prof. Dr. Matthias Schulze
Deutsches Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke (DIfE)
Arthur-Scheunert-Allee 114-116, 14558 Nuthetal
Phone 1: +49 (0) 033 200 88 2434
mschulze@dife.de

Birgit Niesing
Deutsches Zentrum für Diabetesforschung e.V.
Ingolstädter Landstraße 1
85764 Neuherberg
Phone: 089-3187-3971
E-Mail: niesing@dzd-ev.de


Ingolstädter Landstraße 1
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Deutschland
Bayern
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Dr. Astrid Glaser
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Das Deutsche Zentrum für Diabetesforschung (DZD) e.V. ist eines der sechs Deutschen Zentren der Gesundheitsforschung. Es bündelt Experten auf dem Gebiet der Diabetesforschung und verzahnt Grundlagenforschung, Epidemiologie und klinische Anwendung. Ziel des DZD ist es, über einen neuartigen, integrativen Forschungsansatz einen wesentlichen Beitrag zur erfolgreichen, maßgeschneiderten Prävention, Diagnose und Therapie des Diabetes mellitus zu leisten. Mitglieder des Verbunds sind das Helmholtz Zentrum München – Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt, das Deutsche Diabetes-Zentrum DDZ in Düsseldorf, das Deutsche Institut für Ernährungsforschung DIfE in Potsdam-Rehbrücke, das Institut für Diabetesforschung und Metabolische Erkrankungen des Helmholtz Zentrum München an der Eberhard-Karls-Universität Tübingen und das Paul-Langerhans-Institut Dresden des Helmholtz Zentrum München am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus der TU Dresden, assoziierte Partner an den Universitäten in Heidelberg, Köln, Leipzig, Lübeck und München sowie weitere Projektpartner. Weitere Informationen: www.dzd-ev.de

Das Helmholtz Zentrum München verfolgt als Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt das Ziel, personalisierte Medizin für die Diagnose, Therapie und Prävention weit verbreiteter Volkskrankheiten wie Diabetes mellitus und Lungenerkrankungen zu entwickeln. Dafür untersucht es das Zusammenwirken von Genetik, Umweltfaktoren und Lebensstil. Der Hauptsitz des Zentrums liegt in Neuherberg im Norden Münchens. Das Helmholtz Zentrum München beschäftigt rund 2.300 Mitarbeiter und ist Mitglied der Helmholtz-Gemeinschaft, der 18 naturwissenschaftlich-technische und medizinisch-biologische Forschungszentren mit rund 37.000 Beschäftigten angehören. www.helmholtz-muenchen.de

Das 1805 gegründete Universitätsklinikum Tübingen gehört zu den führenden Zentren der deutschen Hochschulmedizin. Als eines der 33 Universitätsklinika in Deutschland trägt es zum erfolgreichen Verbund von Hochleistungsmedizin, Forschung und Lehre bei. Weit über 400 000 stationäre und ambulante Patienten aus aller Welt profitieren jährlich von dieser Verbindung aus Wissenschaft und Praxis. Die Kliniken, Institute und Zentren vereinen alle Spezialisten unter einem Dach. Die Experten arbeiten fachübergreifend zusammen und bieten jedem Patienten die optimale Behandlung ausgerichtet an den neuesten Forschungsergebnissen. Das Universitätsklinikum Tübingen forscht für bessere Diagnosen, Therapien und Heilungschancen, viele neue Behandlungsmethoden werden hier klinisch erprobt und angewandt. Neurowissenschaften, Onkologie und Immunologie, Infektionsforschung und Vaskuläre Medizin mit Diabetes-Forschung sind Forschungsschwerpunkte in Tübingen. Das Universitätsklinikum ist in vier der sechs von der Bundesregierung initiierten Deutschen Zentren für Gesundheitsforschung verlässlicher Partner. www.medizin.uni-tuebingen.de

Das Deutsche Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke (DIfE) ist Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft. Es erforscht die Ursachen ernährungsassoziierter Erkrankungen, um neue Strategien für Prävention, Therapie und Ernährungsempfehlungen zu entwickeln. Zu seinen Forschungsschwerpunkten gehören die Ursachen und Folgen des metabolischen Syndroms, einer Kombination aus Adipositas (Fettsucht), Hypertonie (Bluthochdruck), Insulinresistenz und Fettstoffwechselstörung, die Rolle der Ernährung für ein gesundes Altern sowie die biologischen Grundlagen von Nahrungsauswahl und Ernährungsverhalten. Das DIfE ist zudem ein Partner des 2009 vom BMBF geförderten Deutschen Zentrums für Diabetesforschung e.V. (DZD). www.dife.de

Hefepilz - Infektion / Candida auris: Sepsis - Blutvergiftung

Medizin am Abend Berlin Fazit: Candida auris: Ein Pilz verlangt Aufmerksamkeit

Ein neuer Verursacher von Pilzinfektionen sorgt für Schlagzeilen in den Medien weltweit. 

Experten aus Deutschland und Österreich raten jetzt zu erhöhter Aufmerksamkeit. Gleichzeitig warnen sie vor Panikmache. 
 
„Gefährlicher Candida auris – Patienten sterben an Hefepilz-Infektion“:

Mit dieser Schlagzeile hat vor kurzem eine deutsche Tageszeitung ihre Leser aufgeschreckt.

Vor einer „tödlichen und Medikamenten-resistenten Infektion, die um den Erdball schwappt”, warnt eine englische Zeitung.

Auslöser dieser Nachrichten war eine Meldung der US-amerikanischen Gesundheitsbehörde Centers for Disease Control and Prevention (CDC), die über das erste Auftreten der Pilzinfektion in den USA berichtet hatte. Insgesamt seien 13 Fälle registriert worden, vier infizierte US-Patienten seien bereits gestorben, wobei die genaue Todesursache noch unklar sei.

Aus diesem Grund haben jetzt Experten aus Deutschland und Österreich eine Stellungnahme erarbeitet, die sie aktuell der Öffentlichkeit präsentieren.

Darin empfehlen sie eine erhöhte Aufmerksamkeit und die entsprechende Information medizinischen Personals über den neuen Hefepilz. Gleichzeitig warnen sie vor unnötiger Panikmache.

Übertragung von Patient zu Patient

„Candida auris ist eine neue Pilzart, die vor wenigen Jahren zum ersten Mal in Japan beschrieben wurde“, sagt Professor Oliver Kurzai.

Der Mediziner leitet das Nationale Referenzzentrum für invasive Pilzinfektionen in Jena und hat seit Anfang 2017 an der Universität Würzburg den Lehrstuhl für Medizinische Mikrobiologie und Mykologie inne.

Was den Hefepilz so besonders macht: 

„Candida auris wird im Gegensatz zu allen bisher bekannten Arten häufig von Patient zu Patient übertragen und kann somit Ausbrüche in Krankenhäusern verursachen“, sagt Kurzai.

  • Gleichzeitig seien viele Pilzstämme gegen mindestens eines der Medikamente resistent, die zur Behandlung von Pilzinfektionen zum Einsatz kommen.

In Deutschland ist Candida auris bisher nur in Einzelfällen nachgewiesen.

Dem Nationalen Referenzzentrum sind vier Fälle einer Infektion bekannt.

Für Österreich gibt es keine bestätigten Fälle.  

Trotz dieser geringen Fallzahlen spricht aus Sicht der Experten einiges dafür, dem Thema frühzeitig Aufmerksamkeit zu schenken – auch für Deutschland wird zukünftig mit mehr Fällen gerechnet und nach Einschätzung des Nationalen Referenzzentrums sind viele diagnostische Labors noch unzureichend vorbereitet.

Keine Bedrohung für Gesunde

  • „Candida auris kann bei den Infizierten in den Blutstrom gelangen und dort eine Sepsis, eine sogenannte Blutvergiftung, verursachen“, erklärt Oliver Kurzai. 

Gleichzeitig sei der Pilz bei den gängigen Routineuntersuchungen nicht immer zuverlässig zu identifizieren und aufgrund der weit verbreiteten Resistenzen schwer zu behandeln.  

Vom medizinischen Personal sei deshalb eine erhöhte Aufmerksamkeit gefordert. Dazu will das Expertengremium mit seiner Veröffentlichung jetzt beitragen.

Für die Bevölkerung besteht allerdings kein Grund zur Beunruhigung. „Für einen gesunden Menschen stellt Candida auris keine Bedrohung dar“, sagt Oliver Kurzai.
 
Die Beteiligten

An der Stellungnahme waren beteiligt: das Nationale Referenzzentrum für invasive Pilzinfektionen (Jena), das Robert Koch-Institut (Berlin), das ECMM Excellence Center der Uniklinik Köln, das Nationale Referenzzentrum für Aspergillus und Aspergillusinfektionen (Innsbruck) und das Nationale Referenzzentrum für Hefen- und Schimmelpilzinfektionen (Wien).

Candida auris

Im Jahr 2009 wurde Candida auris erstmals in Japan beschrieben. Dort hatte er den Gehörgang eines Patienten befallen, was den Namenszusatz „auris“ erklärt – vom Lateinischen für „das Ohr betreffend“.

  • Neben dem Ohr kann der Pilz aber auch andere Körperregionen befallen, beispielsweise den Blutkreislauf, Harn- und Atemwege oder Wunden. 

Der bislang größte Ausbruch ereignete sich 2015/16 an einem Krankenhaus in London; dort wurden innerhalb von 16 Monaten 50 Patienten infiziert. In den USA zählen die CDC aktuell 112 Fälle, den Großteil davon im Bundestaat New York.

Nationales Referenzzentrum für Invasive Pilzinfektionen

Das Nationale Referenzzentrum für Invasive Pilzinfektionen ist Ansprechstelle für Ärzte und Mikrobiologen aus ganz Deutschland, die Fragen zur Diagnostik und Behandlung invasiver Pilzinfektionen haben.

  • Neben Beratungen bietet das Zentrum diagnostische Verfahren zum Nachweis von invasiven Pilzerkrankungen an. 

Es kooperiert dabei mit anderen Referenzlabors weltweit.

Das Nationale Referenzzentrum für Invasive Pilzinfektionen ist am Leibniz-Institut für Naturstoff-Forschung und Infektionsbiologie – Hans-Knöll-Institut in Jena angesiedelt.

Zum Nationalen Referenzzentrum berufen wurde es vom Robert Koch-Institut und dem Bundesministerium für Gesundheit.

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Prof. Dr. Oliver Kurzai
Institut für Hygiene und Mikrobiologie
Universität Würzburg
T +49 931 31-88007
okurzai@hygiene.uni-wuerzburg.de

Gunnar Bartsch Julius-Maximilians-Universität Würzburg  

Telefon: (0931) 31-82172
Fax: 0931/31-2610
E-Mail-Adresse: bartsch@zv.uni-wuerzburg.de

Sanderring 2
97070 Würzburg
Deutschland
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Oktoberfest Original-Steckerlfisch traditionell: Vorsicht vor Botulismus

Medizin am Abend Berlin Fazit: Botulismus-Risiko durch gesalzene und getrocknete Plötzen

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) empfiehlt Maßnahmen zum Schutz vor Botulismus durch gesalzene und getrocknete Plötzen  
  • Die in Europa weit verbreitete und auch im Brackwasser der Ostsee lebende Plötze kann das Bakterium Clostridium (C.) botulinum und Botulinum-Neurotoxine enthalten, ohne dass der Fisch erkennbar verdorben ist.
„Es besteht deshalb das Risiko, dass Verbraucherinnen und Verbraucher, die gesalzene und getrocknete Plötze ohne ausreichende Erhitzung verzehren, an Botulismus erkranken“, so BfR-Präsident Professor Dr. Dr. Andreas Hensel. 

  • Das Risiko ist erhöht, wenn die Fische nicht sorgfältig ausgenommen wurden und Innereien der Plötze mitverzehrt werden.
  • Deshalb rät das BfR, Plötzen zeitnah nach dem Fang sorgfältig und vollständig auszunehmen und danach innen und außen gründlich zu waschen. 
  • Außerdem sollten Plötzen bis zur Salzung bei maximal 3 °C gelagert, während einer mehrtägigen Salzung zusätzlich gekühlt und vor einer Trocknung oberhalb von 8 °C ausreichend gesalzen werden. 

Verbraucherinnen und Verbrauchern rät das BfR, gesalzene und getrocknete Plötzen nur zu verzehren, wenn diese vorher für mindestens zehn Minuten bei einer Kerntemperatur von 85 °C oder darüber ausreichend erhitzt wurden.

Medizin am Abend Berlin ZusatzFachLink: Botulismus


Botulismus ist eine schwere Erkrankung, welche durch Botulinum-Neurotoxine verursacht wird.

Die Neurotoxine werden vor allem von Bakterien der Spezies C. botulinum gebildet, welche sich nur bei Abwesenheit von Sauerstoff vermehren können. Diese Bakterien sind in der Lage, hitzebeständige Sporen zu bilden, die äußerst widerstandsfähig sind und auch ungünstige Umwelteinflüsse überleben.

Der Keim kommt weltweit im Erdboden und in küstennahen Gewässern vor, wodurch er auch von Plötzen aufgenommen werden kann.

Durch das richtige Salzen und Trocknen der Fische und dem damit verbundenen deutlich reduziertem Wassergehalt kann die Vermehrung der Bakterien und die Neurotoxinbildung gestoppt werden.

Die Erkrankung beginnt mit unspezifischen Symptomen wie Übelkeit, Erbrechen und Magen-Darmstörungen, führt aber in der Regel zu spezifischen neurologischen Störungen, z. B. Sehstörungen, Mundtrockenheit, Sprech- und Schluckstörungen, und kann in schweren Fällen tödlich verlaufen.

Eine Übertragung von Mensch zu Mensch findet nicht statt.

In Deutschland und Spanien wurden Ende 2016 mehrere humane Botulismus-Fälle gemeldet, die auf den Verzehr von gesalzenen und getrockneten Plötzen zurückzuführen waren. Nach Bekanntwerden der Botulismus-Fälle wurde die verdächtige Ware aus den belieferten Unternehmen zurückgerufen, und in den betroffenen Staaten wurde öffentlich vor dem Verzehr gewarnt.

Dem BfR liegen weder Informationen zur Herstellung und Behandlung der zurückgerufenen Chargen noch Daten zur Häufigkeit des Verzehrs dieser Fischerzeugnisse vor. Darüber hinaus zeigen die in das Europäische Schnellwarnsystem für Lebensmittel und Futtermittel (RASFF) eingestellten Informationen über die zurückgerufenen Chargen, dass die Herkünfte, Herstellungs- und Verpackungsarten sowie die Haltbarkeitsfristen und notwendigen Lagertemperaturen von gesalzenen und getrockneten Plötzen unterschiedlich sind.

Um dennoch das Vorkommen und Verhalten von C. botulinum in gesalzenen und getrockneten Plötzen abschätzen zu können, hat das BfR Literaturstudien durchgeführt und Abschätzungen auf Basis bestehender mathematischer Modelle vorgenommen.

Verbraucherinnen und Verbrauchern rät das BfR, gesalzene und getrocknete Plötzen nur zu verzehren, wenn diese vorher für mindestens zehn Minuten einer Kerntemperatur von 85 °C oder darüber ausgesetzt waren. 

Zudem sollten keine Innereien von nicht ausreichend erhitzen Plötzen gegessen werden.

Über das BfR

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) ist eine wissenschaftlich unabhängige Einrichtung im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL). Es berät die Bundesregierung und die Bundesländer zu Fragen der Lebensmittel-, Chemikalien- und Produktsicherheit. Das BfR betreibt eigene Forschung zu Themen, die in engem Zusammenhang mit seinen Bewertungsaufgaben stehen.



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CAVE: Bundestagswahl 2017 - Kanidaten-Duell der Macht

Medizin am Abend Berlin Fazit: Wer am lautesten brüllt, gewinnt die Wahl

Deutsche Wildtier Stiftung: Bei Rothirschen entscheiden die „Frauen“, wer nach dem Kandidaten-Duell die Macht übernimmt 

Damen-Wahl: Beim Rothirsch entscheidet sich die Wahl auf dem Brunftplatz
Damen-Wahl: Beim Rothirsch entscheidet sich die Wahl auf dem Brunftplatz
T. Martin/Deutsche Wildtier Stiftung


Kanzler-Kandidaten gehen in Talk-Shows, Rothirsche auf den Brunft-Platz.

Thema Nummer eins: Familienpolitik!

Denn nur der Gewinner kann seine Gene weitergeben; die Damen entscheiden, wer die Wahl gewinnt. 

Jede Stimme zählt.

Zeitgleich zur Bundestagswahl nimmt jetzt auch die Hirschbrunft volle Fahrt auf.

Um sich zu präsentieren, wird kräftig geröhrt und geknört.

Wer am lautesten schreit, hat am Ende die Macht.

Ein riesiger Brustkorb als Resonanzkörper steht für Kraft und Stärke, Gesundheit und Ausdauer.

Wer Dominanz zeigt, ist klar im Vorteil.

Das Wahlvolk ist auf der Seite des Stärkeren.

Der Platzhirsch beherrscht während der Brunft sein Rudel und lässt sich die weiblichen Tiere so leicht nicht abwerben.

Doch auf Dauer ist niemand unbesiegbar. 

Starke Gegner provozieren und attackieren den Wortführer. Sie versuchen die Wahl für sich zu gewinnen.

„Bei der Brunft treten Machos gegeneinander an“, sagt Dr. Andreas Kinser, Forst- und Jagdexperte der Deutschen Wildtier Stiftung.

Bei Hirschen gibt es nach der Wahl keine „große Koalition“. 

Die testosterongesteuerten Gegner enden als Gewinner oder Verlierer! 

Es kann nur einen geben. 

Wer es mit einem Platzhirsch aufnimmt, muss gut aufgestellt sein.

„Das einzige Argument ist die körperliche Überlegenheit“, sagt Andreas Kinser.

Die Zuschauerränge am Rande des Brunftplatzes sind mit den „Damen“ gut besetzt.

Kann der Favorit den Rivalen mit „Worten“ beeindrucken?

Endet das akustische Duell unentschieden, wird der Boden mit Geweih und Vorderläufen aufgewühlt. 

Wie bei jeder Wahl wird viel Staub aufgewirbelt.

Beim Imponier-Marsch präsentieren die Rothirsche dann ihre Geweihe. 

Drohgebärden sollen den Gegner beeindrucken.

Hin und wieder reicht die Demonstration von Stärke nicht aus.

Dann kommt es zum Kampf. 

Mit dem Geweih voran nehmen die Kontrahenten ihr Gegenüber ins Visier. Nur sehr selten bleibt dabei einer der Kombattanten blutig auf der Strecke: „Es kommt vor, dass ein Geweihende den Gegner so sehr verletzt, dass dieser verendet“, sagt Kinser.

Warum der gefährliche Aufwand?

Es geht um Macht und Sex: 

  • Denn der Kandidat, der das Duell gewinnt, darf alle Damen beglücken. 

Und wenn beide Parteien verlieren?

Das ist die Stunde der „kleinen Parteien“: 

Jüngere Hirsche – die sogenannten Beihirsche – haben sonst zwar nicht viel zu melden, tragen in diesem Fall aber den Sieg davon.

Wenn beim Kampf der Giganten was schief gelaufen ist, sorgen die Außenseiter für den Nachwuchs.

Sie möchten die besten Plätze zur Hirschbrunft besuchen?

Klicken Sie auf Medizin am Abend Berlin: Rothirsch und suchen Sie nach einem „Wahl-Duell“ in ihrer Nähe. 

Spannung garantiert!

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