Qualitätszirkel Nieren- und Dialysen

Kardiologie Potsdam

Cardiovascular Prevention Center @Charité

Herzinsuffizienz

Universitätzmedizin Rostock

Universitätsmedizin Greiswald

Alexianer St. Josephs Potsdam

Dialyse-Pflege-Standard

salt

PICS Ambulanz

Dr.Vetter

Woran erkranken wir in Deutschland?

BG Klinken - Post-COVID-Programm

Herz Check

EMA

Dr. Heart

Herzhose

Lauflabor

IKDT

Online Strafanzeigen

medpoint - Fortbildungskalendar

Was hab ich?

Healthtalk

BKV Info

BKG

KHS BB

KHS BB
.

Kardiologie

Urologie Berlin

bbgk

VEmaH

ProBeweis

jkb

zurück ins leben

CRO

Gewebenetzwerk

Anamnese- und Untersuchungsbogen

Diagnostische Pfade

CIRS Bayern

Gender Medizin

idw

Untersucher-CAVE DELIR: Postoperative kognitive Dysfunktion

Medizin am Abend Berlin - MaAB- Fazit: Kein Durchgangssyndrom, sondern ein medizinischer Notfall

Fachsymposium und Patientencafé im HDZ NRW 
 
  • Kognitive Funktionsstörungen, im Besonderen das Delir und die postoperative kognitive Dysfunktion, gehören zu den häufigsten Komplikationen in der stationären Versorgung. 

Ein Delir ist eine akute Bewusstseinsstörung, die sich innerhalb von Stunden und Tagen entwickelt. 

„Ein verschobener Tag- und Nachtrhythmus oder optische Halluzinationen können zum Beispiel Symptome eines Delirs sein“, erläutert Prof. Dr. Vera von Dossow, Direktorin des Instituts für Anästhesiologie und Schmerztherapie am Herz- und Diabeteszentrum NRW (HDZ NRW), Bad Oeynhausen, die anlässlich des Weltdelirtags am Mittwoch, den 11. März zu einem Fachsymposium mit Patientencafé in das HDZ NRW eingeladen hat.


Prof. Dr. Vera von Dossow
 Prof. Dr. Vera von Dossow (Foto: Peter Hübbe).

Oft bleiben solche akuten Bewusstseinsstörungen unbemerkt.

„Man spricht dann von einem hypoaktiven Delir mit optischen Halluzinationen und Orientierungsverlust, das vor allem bei älteren Patienten häufiger auftritt“, berichtet Professor von Dossow.

  • „Sowohl die Dauer und Schwere der Operation, als auch bestimmte Begleiterkrankungen sowie Medikamente erhöhen das Risiko eines postoperativen Delirs.“

Wissenschaftliche Untersuchungen belegen bei Delir-Diagnosen nach einer Operation häufige Leistungseinschränkungen sowie ein erhöhtes Risiko, innerhalb eines Jahres zu versterben.


  • Auch zwölf Monate nach einer Operation können kognitive Funktionsstörungen noch nachweisbar sein, die für die Patienten mit einer Einschränkung ihrer Lebensqualität und des Wohlbefindens verbunden sind. 
  • Häufig ist die Bewältigung des Alltags nur eingeschränkt und eine Rückkehr in die gewohnte Umgebung nicht möglich.

Im HDZ NRW kümmern sich multiprofessionelle Behandlungsteams vor, während und nach dem Eingriff darum, die Risiken für ein postoperatives Delir so gering wie möglich zu halten. Hierfür wurde ein interprofessionelles und interdisziplinäres HDZ-Delirmanagement, implementiert, um alle behandelnden Teams für die Thematik zu sensibilisieren.

„Ärzte, Pflegekräfte, Physiotherapeuten, Psychologen wie auch Angehörige werden im HDZ NRW frühzeitig miteinbezogen, um das Auftreten und die möglichen Folgen eines postoperativen Delirs so gering wie möglich zu halten“, erläutert Professor von Dossow, die jetzt bereits zum zweiten Mal anlässlich des Weltdelirtags renommierte Kollegen zu einem wissenschaftlichen Symposium in das HDZ NRW eingeladen hat. „Ziel ist es, bei allen am Behandlungsprozess beteiligten Berufsgruppen den Blick auf Aufmerksamkeits- und Denkstörungen ihrer Patienten zu sensibilisieren.“

Dr. Hans-Albert Gehle, seit Ende des vergangenen Jahres Präsident der Ärztekammer Westfalen Lippe, wird die Veranstaltung mit einem Grußwort eröffnen. Einen Überblick über die demografischen Veränderungen und die damit verbundenen Herausforderungen an die Medizin wird der Lehrstuhlinhaber des Instituts für Altersmedizin an der Ruhr-Universität Bochum, Professor Dr. Rainer Wirth, im HDZ NRW vorstellen.

Die Experten werden während des Symposiums besonders auch präventive Strategien behandeln, die nur in einem interprofessionellen Ansatz erfolgreich umgesetzt werden können.

So konnte Prof. Dr. Alawi Lütz (Charité Universitätsmedizin und Technische Universität Berlin) in seiner Vitality -Studie zeigen, dass die Kombination aus Lichttherapie, Geräuschreduzierung, Workflow-optimierung und Infektionskontrolle die Entstehung eines Delirs signifikant senken kann. 

Professor Lütz wird diese Ergebnisse am Weltdelirtag im HDZ NRW vorstellen, die dazu Anlass geben, gängige Raumkonzepte auf Intensivstationen neu zu überdenken.

Dass die Diagnose Delir dabei eine interprofessionelle Aufgabe ist, wird Andreas Faltlhauser, Oberarzt der Intensivmedizin der medizinischen Klinik,des Klinikums Weiden , gemeinsam mit dem Intensivpflegeleiter, Markus Argauer, mit einem erfolgreichen Konzept vorstellen, das vor allem die Teamstärkung und Verbesserung der Zusammenarbeit aller beteiligten Berufsgruppen zum Ziel hat.


Während die Hörsaal-Veranstaltung am Weltdelirtag dem Fachpublikum vorbehalten ist, werden interessierte Laien herzlich zum Patienten- und Angehörigencafé in das HDZ NRW eingeladen, das von 14.00 bis 16.00 Uhr geöffnet ist und bei dem Fragen rund um das Thema „Delir-Vorsorge“ beantwortet werden.

-----

Als Spezialklinik zur Behandlung von Herz-, Kreislauf- und Diabeteserkrankungen zählt das Herz- und Diabeteszentrum Nordrhein-Westfalen (HDZ NRW), Bad Oeynhausen mit 35.000 Patienten pro Jahr, davon 14.600 in stationärer Behandlung, zu den größten und modernsten Zentren seiner Art in Europa. Unter einem Dach arbeiten fünf Universitätskliniken und Institute seit 35 Jahren interdisziplinär zusammen. Das HDZ NRW ist Universitätsklinik der Ruhr-Universität Bochum.

Aktuell sind 1.600 Pflege- und Funktionskräfte am HDZ NRW beschäftigt. Im Einklang mit moderner Hochleistungsmedizin und menschlicher Nähe wird hier für die Patienten die bestmögliche Behandlung mit dem geringsten Risiko sichergestellt. Maßstäbe für die hohe Pflegequalität sind etablierte Standards aufgrund wissenschaftlicher Erkenntnisse sowie ein qualitätsorientiertes Aus-, Fort- und Weiterbildungskonzept.

Medizin am Abend Abend Berlin DirektKontakt
www.medizin-am-abend.blogspot.com














Über Google: Medizin am Abend Berlin 
idw - Informationsdienst Wissenschaft e. V.

Herz- und Diabeteszentrum Nordrhein-Westfalen
Universitätsklinik der Ruhr-Universität Bochum
Anna Reiss
Georgstr. 11
32545 Bad Oeynhausen
Tel. 05731 97-1955
Fax 05731 97-2028
E-Mail: info@hdz-nrw.de

Prof. Dr. med. Vera von Dossow
Direktorin des Instituts für Anästhesiologie und Schmerztherapie
Herz- und Diabeteszentrum NRW, Bad Oeynhausen
Universitätsklinik der Ruhr-Universität Bochum

Weitere Informationen für international Medizin am Abend Berlin Beteiligte
http://www.hdz-nrw.de

Gesperrte Intensivbetten - Notfallversorgung - Patientenversorgung

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Verdrängen Corona-Patienten andere Krankenhauspatienten?

In deutschen Krankenhäusern fehlen nach Angaben des Deutschen Krankenhausinstitutes 17.000 Pflegekräfte, auch auf Intensivstationen. 

Aus diesem Grund sind in der Vergangenheit bereits Intensivbetten gesperrt worden. 

Medizin am Abend Berlin ZusatzFachThema: Ärzte aus dem Ausland  

Krankenhäuser haben sich tageweise von der Notfallversorgung abgemeldet, weil ihnen das Personal für die Patientenversorgung fehlte. 

Prof. Bernd Mühlbauer, Experte für Gesundheitsmanagement, bezweifelt, dass Deutschland genügend Krankenhausbetten hat, wenn sich das chinesische Corona-Virus in Deutschland ausbreiten sollte.
Prof. Bernd Mühlbauer, Experte für Gesundheitsmanagement, bezweifelt, dass Deutschland genügend Krankenhausbetten hat, wenn sich das chinesische Corona-Virus in Deutschland ausbreiten sollte.Foto: WH/BL, Westfälischer Hochschule
 
Deutsche Krankenhäuser verfügen zwar über eine ausreichende Bettenreserve, da sie derzeit durchschnittlich zu 77 Prozent ausgelastet sind und eine Auslastung von 92,5 Prozent möglich wäre.

  • Wenn jedoch schon heute bei der Auslastung von 77 Prozent 17.000 Pflegekräfte fehlen, wie sollen dann zusätzliche Corona-Patienten versorgt werden? 

Das geht nur, wenn die derzeit in den Krankenhausbetten vorhandenen Patienten schrittweise entlassen und an deren Stelle eine steigende Anzahl an Corona-Patienten aufgenommen würde. 

  • Das bedeutet, dass bei steigender Zahl der Corona-Erkrankten, die in ein Krankenhaus aufgenommen werden müssten, andere, planbare Operationen oder Patientenaufnahmen zu verschieben sind. 
  • Zudem wird ein Corona-Patient anstelle von zwei oder drei anderen Patienten stationär für 14 Tage zu behandeln sein, wenn Corona-Patienten nicht in Drei- oder Zweibett-Zimmern isoliert werden können.

  • Sollten sich Pflegekräfte und Ärzte selbst infizieren, wird sich auch das Problem der stationären Versorgung nicht nur durch eine weiter verringerte Zahl an Mitarbeitern verschärfen. 
  • Eine exponentiell wachsende Zahl an stationär zu behandelnden Corona-Patienten ist dann zu erwarten, wenn sich Pflegekräfte aus Alten- und Pflegeheimen beziehungsweise ambulanten Diensten sowie der medizinischen ambulanten Versorgung mit dem Corona-Virus infizieren. 

Das Ansteckungsrisiko ist bei Patienten über 60 Jahren besonders hoch, vor allem dann, wenn entsprechende Mehrfacherkrankungen vorliegen. 

Das ist häufig bei pflegebedürftigen Patienten der Fall, die eine Krankengeschichte aus Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Lungenentzündungen und Atemwegserkrankungen aufweisen.

Eine Pflegekraft eines Alten- und Pflegeheimes oder eines ambulanten Dienstes hat viele Patientenkontakte zu diesen Risikogruppen und könnte die Zahl der stationär zu versorgenden Patienten schlagartig erhöhen, wenn sie zum Überträger des Virus würde und noch Kolleginnen und Kollegen angesteckt hätte.

Schulkinder kann man zuhause isolieren, alte Menschen mit schwachem Immunsystem jedoch nur in Krankenhäusern, da auch in Alten- und Pflegeheimen nur begrenzte Personalkapazitäten beispielsweise zur Beatmung von Bewohnern vorhanden sind und bei ambulant betreuten Menschen Angehörige fehlen, die notwendige Einkäufe erledigen könnten.

Mittlere Alten- und Pflegeheime verfügen über 50 und 80 Plätze, die in der Regel zu 98 Prozent belegt sind.

  • Wenn nur 50 Prozent der Bewohner sich mit dem Corona-Virus infizieren würden, könnte dies zu 25 bis 40 Patienten an einem Tag führen, die dann in den Krankenhäusern der Region aufgenommen werden müssten. 
  • Für sprunghafte Anstiege der Fallzahlen durch das Auftreten von Corona-Infizierten in stationären Alten- und Pflegeheimen sind umliegende Krankenhäuser eher nicht gerüstet, so dass die Corona-Patienten auf mehrere Krankenhäuser in der Region verteilt werden müssten.


Es muss alles dafür Notwendige unternommen werden, die Ansteckungsgefahr zu verringern. 

Alltägliche Hygienemaßnahmen müssen unbedingt eingehalten, nicht notwendige Kontakte zu anderen Menschen in größeren Aufenthaltsbereichen vermieden werden.

Unternehmen und Betriebe müssen ihre Mitarbeiter direkt noch einmal schulen, allein deshalb, weil viele Mitarbeiter auch heute noch der Ansicht sind, dass selbst das Händewaschen von zwanzig Sekunden viel zu lange und das Erreichen der Handgelenke beim Waschen nicht notwendig ist.

US-Forscher fanden heraus, dass Schilder die Hygiene erhöhen könnten.

Sie brachten auf einer Herrentoilette vor einigen Jahren Schilder mit der Aufschrift an „Vier von fünf Männern waschen sich ihre Hände.“ 

Daraufhin stieg die Zahl der Händewascher von 77 auf 86 Prozent, wie das Fachblatt „Human Communication Research“ berichtete.


Psychologie-Studierende aus Heidelberg beobachteten 1000 Männer und Frauen in Toilettenbereichen.

Demnach verzichteten elf Prozent der Männer ganz auf das Händewaschen nach dem Toilettengang, bei den Frauen waren es nur drei Prozent. 

Nur etwa die Hälfte der Männer wusch sich die Hände gründlich mit Wasser und Seife. Rund 82 Prozent der Frauen wuschen sich die Hände, vielleicht auch deshalb, weil Studierende sie beobachteten.


Manche finden das Niesen in die Armbeuge albern und möchten auch nicht als ängstlich gelten, wenn sie ihrem Gegenüber erklären, wegen der Corona-Infektionsgefahr auf das Händeschütteln verzichten zu wollen.

Vielleicht sind Hausbesuche geschulter Multiplikatoren ein wirksames Mittel, die Bürger direkter zu informieren und eine größere Nachhaltigkeit allein bei Hygienemaßnahmen zu erreichen.

Werbefilme, Radiosendungen, Fernsehdiskussionen und Berichterstattungen im Internet lösen bei Zuschauern und Zuhörern möglicherweise nur kurzzeitig Betroffenheit aus, verbunden mit der Hoffnung, wohl eher nicht zu den Risikogruppen zu gehören, die sich anstecken oder zum Überträger werden.

Die abgewandelte Aufzählung von Konrad Lorenz sollte jedem Politiker und jedem Krisenstab deutlich machen, wie weit der Weg von der Information bis zur nachhaltigen Prävention gegen eine Corona-Ausbreitung ist.

Deshalb sind Offenheit, Transparenz und eine klare Risikoeinschätzung wichtige Maßstäbe, um die Bevölkerung, Unternehmen und besondere Risikobereiche der Gesellschaft zu angemessenem Verhalten zwecks Ansteckungsabwehr zu motivieren.

1 Zitiert nach https://www.derwesten.de/panorama/ekel-alarm-so-selten-waschen-sich-maenner-und-..., Abfrage vom 1.3.2020
2 Ebenda, Abfrage von 1.3.2020
3 Gedacht heißt nicht immer gesagt, gesagt heißt nicht immer richtig gehört, gehört heißt nicht immer richtig verstanden, verstanden heißt nicht immer einverstanden, einverstanden heißt nicht immer angewendet, angewendet heißt noch lange nicht beibehalten. (Konrad Lorenz, 1903 bis 1989)

Medizin am Abend Berlin DirektKontakt
www.medizin-am-abend.blogspot.com















Über Google: Medizin am Abend Berlin 
idw - Informationsdienst Wissenschaft e. V.
 
Prof. Bernd Mühlbauer

Dr. Barbara Laaser Westfälische Hochschule
Neidenburger Straße
45877 Gelsenkirchen
Deutschland
Nordrhein-Westfalen

Telefon: 0209/9596-464
Fax: 0209/9596-563
E-Mail-Adresse: barbara.laaser@w-hs.de

 

Drohenden oder bestehenden Mangelernährung bei stationären Patienten

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: UKL startet umfassendes Screening auf Mangelernährung

Leipziger Kompetenzzentrum weitet Pilot-Erhebung zum Ernährungsstatus der Patienten aus 
 
Ab diesem Jahr werden am Universitätsklinikum Leipzig in einem deutschlandweit einzigartigen Projekt bei allen stationären Patienten Daten zum Ernährungsstatus erhoben und ausgewertet.

  • Hintergrund dieses besonderen Screenings ist die rechtzeitige Erfassung von Menschen mit einer drohenden oder bestehenden Mangelernährung. 
  • Eine solche mangelhafte Ernährung wirkt sich zum einen negativ auf eine erforderliche Behandlung aus und stellt zum anderen eine teilweise unerkannte ernste Gesundheitsgefahr dar. 

Der Bedarf eines Ernährungsscreenings ist groß:

Daten belegen, dass etwa 20 Prozent aller Krankenhauspatienten mangelhaft ernährt sind.

Um diese zu finden und umgehend mit den notwendigen ernährungsmedizinischen Maßnahmen beginnen zu können, werden jetzt alle stationären Patienten am Universitätsklinikum Leipzig einem Ernährungsscreening unterzogen. Dieses besteht aus zunächst vier Fragen, die bei der Aufnahme erhoben und in der Patientenakte erfasst werden. Weisen eine oder mehrere der eingetragenen Antworten auf die Gefahr einer Mangelernährung hin, wird automatisch das Ernährungsteam des UKL benachrichtigt. „Wir besuchen umgehend den Patienten oder die Patientin für das umfassendere Hauptscreening, verschaffen uns dabei ein genaues Bild und sorgen dafür, dass die individuell erforderlichen Maßnahmen in Gang gesetzt werden können“, erklärt Lars Selig, Leiter des Ernährungsteams am UKL. Diese reichen von Ernährungsberatung über eine speziell angereicherte Ernährung und Nahrungsergänzungen bis zur Ernährung per Sonde oder über den Blutweg, je nach Erkrankungsbild und Situation.

Die Leipziger Ernährungsexperten haben mit dem Screening bereits gute Erfahrungen gesammelt. „Bisher haben wir in einem Pilotprojekt allerdings nur extrem gewichtsauffällige Patienten mit einem BMI unter 18,5 als gefährdet erfasst und betreut“, beschreibt Selig. Ihm steht für ein Klinikum mit 1451 Betten ein Team aus zwölf Ernährungstherapeuten zur Verfügung, das jetzt verstärkt wird durch zehn angehende Diätassistenten. Damit verfügt das Universitätsklinikum Leipzig über Deutschlands größtes Klinik-Ernährungsteam – und somit über die Kapazitäten, das Screening über das gesamte Haus auszuweiten.

„So können wir nun auch auf alle bei der Aufnahme erfragten Risikoparameter reagieren und Auffälligkeiten schnell nachgehen“, so Selig.

Das Screening erfolge dabei ganz ohne Mehrbelastung der Pflegekräfte, betont der Ernährungsexperte. Die vier Fragen werden im Zuge der Aufnahme gestellt, die Eingabe der Antworten kostet auf den Stationen wenig Extra-Zeit, die Benachrichtigung des Ernährungsteams erfolgt automatisch.

Das Ergebnis des kleinen Aufwands ist allerdings ein großes:

„In diesen Zeiten von Überernährung ist Mangelernährung für uns im Krankenhaus ein wichtiges Thema“, erläutert Prof. Albrecht Hoffmeister, „daher brauchen wir Instrumente, um diese sicher erkennen und behandeln zu können.“ Der Gastroenterologe ist medizinischer Leiter des Ernährungsteams und kennt das Problemfeld:

  • Weil mangelhafte Nahrungszufuhr auch Normal- und sogar Übergewichtige betreffen kann, wird diese häufig selbst von den Experten übersehen. 
  • Mit teilweise schwerwiegenden Folgen, denn dauerhafte Mangelernährung kann durch das Fehlen wichtiger Nährstoffe zu irreversiblen Schäden zum Beispiel im neurologischen Bereich führen. 

Im Krankenhaus führt Mangelernährung oft zu Komplikationen und einem längeren Aufenthalt.

„Und das, obwohl wir die geeigneten Mittel haben, um solchen Entwicklungen gegenzusteuern“, so Hoffmeister.

Umso wichtiger sei es, gefährdete Patienten schnell zu finden und zu versorgen.

Im letzten Jahr waren dies am UKL 12.000 von den über 56.000 stationär behandelten Patienten. Häufig handelt es sich um ältere Menschen.

„Ab 70 steigt das Risiko, auch weil viele Menschen, die allein leben, sich schlechter ernähren und versorgen“, so Hoffmeister.

Bei Kindern sei das Thema Mangelernährung dagegen weniger kritisch.

Dank regelmäßiger Vorsorgeuntersuchungen seien hier die Kontrollmechanismen vorhanden, um Fehlentwicklungen rechtzeitig zu erkennen.

„Erwachsene aber fallen schnell durchs Raster“, so der Ernährungsmediziner.

Das verhindert nun das Screening. Ein weiterer Vorteil – auch Fehlernährung wird dabei erkannt. Die Ursachen dafür können sehr vielfältig sein:

Vom schlecht sitzenden Gebiss über soziale Faktoren wie das Zurückbleiben nach dem Tod des für das Kochen zuständigen Partners bis zu ernsten Erkrankungen, die die Nahrungsaufnahme verhindern. 

Medizin am Abend Berlin ZusatzFachLink: Zahnimplantate 

In jedem Fall erfolgt eine ernährungsmedizinische Intervention, die zunächst während des Klinikaufenthalts eine Verbesserung des Ernährungsstatus sicherstellt, aber auch anschließende Maßnahmen im Blick hat.

„Die Grundlage dafür bildet aber die verlässliche Identifizierung der Betroffenen in der Eingangsuntersuchung“, resümiert Lars Selig.

„Deshalb setzen wir das Screening und die anschließende Ernährungstherapie jetzt im Interesse unserer Patienten breit um, obwohl dies von den Krankenkassen nicht finanziert wird.“

Medizien am Abend Berlin DirektKontakt
www.medizin-am-abend.blogspot.com












Über Google: Medizin am Abend Berlin 
idw - Informationsdienst Wissenschaft e. V.

Liebigstr. 18
04103 Leipzig
Deutschland
Sachsen


Helena Reinhardt
Telefon: 0341 - 97 15905
Fax: 0341 - 97 15906
E-Mail-Adresse: helena.reinhardt@uniklinik-leipzig.de
 

Impfstoff SARS-CoV-2 Entwicklung

Medizin am Abend Belrin - MaAB-Fazit: SARS-CoV-2: DZIF-Wissenschaftler arbeiten an Impfstoffen

Seit das neue Coronavirus SARS-CoV-2 erstmals in China aufgetaucht ist, begleiten die Wissenschaftler und Ärzte im Deutschen Zentrum für Infektionsforschung (DZIF) die Entwicklung mit ihren Forschungsarbeiten. 

Ganz oben auf der Agenda steht die möglichst schnelle Entwicklung eines Impfstoffes gegen das neue Coronavirus. 
 Coronaviren können gefährliche Infektionskrankheiten auslösen wie aktuell COVID-19.
 Coronaviren können gefährliche Infektionskrankheiten auslösen wie aktuell COVID-19.
CDC/Dr. Fred Murphy/Sylvia Whitfield


Um auf Ausbrüche dieser Art zügig reagieren zu können, steht im DZIF der Forschungsbereich „Neu auftretende Infektionskrankheiten“ bereit.

Während der Ebola-Epidemie 2014 konnten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zeigen, wie wichtig es ist, sich auf neue Viren vorzubereiten. 

Sie reagierten sofort, indem sie die klinische Impfstoffentwicklung eines Ebolavirus-Impfstoffes maßgeblich vorantrieben. Auch beim MERS-Coronavirus, das mit dem jetzt auftretenden SARS-CoV-2 verwandt ist, hat das DZIF erfolgreich einen ersten Impfstoff auf den Weg gebracht. Diese Erfahrungen kommen den Wissenschaftlern nun in der aktuellen Krisensituation zugute. Sie nutzen bereits vorhandene „Bausteine“ oder sogenannte Plattformen, um möglichst schnell zu einem Impfstoff gegen das neue Coronavirus zu gelangen.

Impfstoff-Plattform Nr. 1

Unter der Leitung von Prof. Gerd Sutter, Virologe an der LMU München, wird ein sog. Vektor-Impfstoff entwickelt, der auf dem „Modifizierten Vacciniavirus Ankara“ (MVA) als Vektor basiert. Das Impfvirus MVA wurde bereits vor mehr als 30 Jahren an der LMU als Impfstoff gegen Pocken generiert. Die MVA-Viren sind so abgeschwächt, dass sie als harmlose Vektoren für andere Impfstoffe dienen können. Im DZIF wurde dieser Vektor bereits erfolgreich für die Entwicklung eines Impfstoffs gegen das MERS-Coronavirus verwendet, einem nahen Verwandten von SARS-CoV-2; die Testung des Impfstoffes befindet sich bereits in der klinischen Prüfung.

„Wir bauen darauf, dass wir die MVA-Plattform wie bei MERS verwenden können und nur die genetische Information für das Oberflächenprotein des SARS-CoV-2 einbauen müssen“, erklärt Sutter, das heißt statt eines MERS-Coronavirus-Bauteils werden wir den Vektor mit einem SARS-CoV-2-Bauteil kombinieren.“ Denn entscheidend für die Wirkung des Impfstoffes sind die Bestandteile des Virus, gegen die der Mensch Antikörper bilden soll. Die Wissenschaftler haben als geeignetes Coronavirus-Bauteil das Spike-Protein auf der Oberfläche des gefürchteten Virus ausgewählt. Dieses Protein ist wichtig für das Eindringen des Virus in die menschliche Zelle. Die entsprechende Gensequenz, sprich der Bauplan dieses Proteins, soll nun mit der genetischen Information des MVA-Vektors kombiniert werden. Das entstandene Impfvirus dringt dann bei einer Impfung in die Zellen ein und synthetisiert das Spike-Protein, das vom Immunsystem als „fremd“ erkannt wird und damit die Immunantwort stimuliert. Es werden spezifische Antikörper und T-Zellen gegen das Spike-Protein gebildet, die dann eine spätere Infektion mit dem Virus verhindern sollen.

„Die genetische Konstruktion des Impfstoffes und die ersten Produktionsschritte sind in etwa sechs bis acht Wochen abgeschlossen“, prognostiziert Prof. Stephan Becker von der Universität Marburg; er ist der Koordinator des DZIF-Forschungsbereichs „Neu auftretende Infektionskrankheiten“. Ein enormer Zeitgewinn im Vergleich zu herkömmlichen Verfahren, in denen beispielsweise vermehrungsfähige Viren zum Einsatz kommen. Doch auch wenn diese ersten Produktionsschritte so ablaufen wie erhofft, wird ein Impfstoff in diesem Jahr nicht mehr zur Verfügung stehen. Da sind die Wissenschaftler sich einig. „Die Entwicklung eines Impfstoffs ist ein langwieriger, mühsamer Prozess, vor allem die klinische Prüfung für die Zulassung eines Kandidaten. Das geht nicht in ein paar Wochen“, betont Becker.

Die klinische Prüfung wird von Prof. Marylyn Addo vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) geleitet werden. Sie hat bereits maßgeblich an der Entwicklung des Ebola- und des MERS-Impfstoffs mitgewirkt, für den die klinischen Prüfungen noch im Gang sind. Für die Produktion des Impfstoffs in größerem Umfang wird die Firma IDT Biologika mit dabei sein; sie entwickelte bereits eine eigene Zelllinie für die Produktion des MERS-Impfstoffs in großem Maßstab.

Impfstoff-Plattform Nr. 2

Neben der bewährten MVA-Plattform erforschen die Wissenschaftler im DZIF parallel eine zweite Plattform für die Impfstoffentwicklung, um möglichst schnell zum Ziel zu gelangen. Unter der Leitung des im DZIF tätigen Wissenschaftlers PD Dr. Michael Mühlebach wird der Masernimpfstoff als Vektor für fremde virale Proteine eingesetzt. Die Masernimpfung wird seit den 1960er Jahren millionenfach mit hoher Wirksamkeit und Sicherheit eingesetzt. Nun kombinieren die Wissenschaftler diesen Vektor ebenfalls mit einem Bestandteil des SARS-CoV-2. Die rekombinanten Impfviren sind bereits fertig erzeugt, werden zurzeit gerade vermehrt und anschließend in vitro und in vivo charakterisiert. „Wenn wir die Eignung eines auf dem Masernimpfvirus basierenden Impfstoff-Kandidaten in einem halben Jahr erforscht haben, kann danach die Entwicklung eines entsprechenden SARS-CoV-2-Impfstoffs von anderen Forschergruppen vorangetrieben werden“, wagt Mühlebach eine erste Prognose. Durch die Veröffentlichung relevanter Forschungsergebnisse könnte die Weiterentwicklung für industrielle Partner möglich gemacht werden.


Für die anschließende Entwicklungsarbeit bis hin zur Zulassung zeigt CEPI Interesse: Die „Coalition for Epidemic Preparedness Innovations“ unterstützt aussichtsreiche Impfstoffentwicklungen finanziell – eine globale Partnerschaft des öffentlichen Gesundheitswesens, der Industrie und von privaten Stiftungen wie der Bill & Melinda Gates Foundation.


Medizin am Abend Berlin DirektKontakt
www.medizin-am-abend.blogspot.com















Über Google: Medizin am Abend Berlin 
idw - Informationsdienst Wissenschaft e. V.

DZIF
Inhoffenstraße 7
38124 Braunschweig
Deutschland
Niedersachsen


Karola Neubert
Telefon: 0531 6181 1170
E-Mail-Adresse: karola.neubert@dzif.de
Prof. Gerd Sutter
T +49 89 2180-2514
gerd.sutter@lmu.de

Prof. Stephan Becker
T +49 6421 28 66253
becker@staff.uni-marburg.de

Prof. Marylyn Addo
T +49 40 7410 - 51981
m.addo@uke.de

Untersucher-CAVE: Öffentlicher Dienst: hohe Arbeitsintensität, starke Belastung

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Öffentlicher Dienst: Beschäftigte fühlen sich stärker belastet

  • Beschäftigte im öffentlichen Dienst sind partiell häufiger von einer hohen Arbeitsintensität betroffen als Beschäftigte in anderen Wirtschaftsbereichen. 

Das zeigt ein neues Faktenblatt der Bundeanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA). 

Während 67 Prozent der Beschäftigten im öffentlichen Dienst davon berichten, häufig verschiedene Arbeiten gleichzeitig betreuen zu müssen, sagen dies in der Industrie nur 58 Prozent und im Handwerk nur 50 Prozent der Beschäftigten. 
 
Ebenso berichten Beschäftigte im öffentlichen Dienst häufiger als Beschäftigte in anderen Wirtschaftsbereichen davon, dass sie bei ihrer Arbeit häufig unterbrochen werden oder dass sie häufig an der Grenze ihrer Leistungsfähigkeit arbeiten. Die Zahlen basieren auf einer Auswertung der BIBB/BAuA-Erwerbstätigenbefragung 2018 anhand der Angaben von 17.000 abhängig Beschäftigten in Deutschland.
  • Die Zahlen zeigen darüber hinaus, dass sich Beschäftigte im öffentlichen Dienst durch psychische Anforderungen häufiger belastet fühlen als Beschäftigte in anderen Wirtschaftsbereichen. 
  • Für 83 Prozent der Beschäftigten im öffentlichen Dienst ist es demnach belastend, ständig an der Grenze der eigenen Leistungsfähigkeit zu arbeiten. 

Zwar sind die Beschäftigten im öffentlichen Dienst seltener von Termin- und Leistungsdruck betroffen, empfinden diese Anforderung aber zu 75 Prozent als Belastung – acht Prozent mehr als der Durchschnitt aller Beschäftigten.

65 Prozent der Beschäftigten im öffentlichen Dienst sind durch häufige Störungen und Unterbrechungen bei der Arbeit belastet – im Dienstleistungsbereich und im Handwerk sind es jeweils nur 57 Prozent.

In der BIBB/BAuA-Erwerbstätigenbefragung 2018 wurden zudem verschiedene gesundheitliche Probleme abgefragt.

  • Beschäftigte im öffentlichen Dienst berichteten hierbei häufiger von allgemeiner Müdigkeit, 
  • Mattigkeit oder Erschöpfung (52 Prozent), 
  • von nächtlichen Schlafstörungen (34 Prozent)
  • oder Kopfschmerzen (39 Prozent).

Die Auswertung macht deutlich, dass hohe Arbeitsintensität einen großen Teil der Beschäftigten im öffentlichen Dienst betrifft.

Die Beschäftigten sind dabei partiell häufiger betroffen als die Beschäftigten in anderen Wirtschaftsbereichen.

Da eine andauernd hohe Arbeitsintensität gesundheitliche Folgen haben kann, ist sie ein wichtiges Thema für den Arbeits- und Gesundheitsschutz der Beschäftigten.

baua: Fakten "Öffentlicher Dienst: hohe Arbeitsintensität, starke Belastung" gibt es als PDF im Internetangebot der BAuA unter http://www.baua.de/dok/8833852.

Forschung für Arbeit und Gesundheit
Die BAuA ist eine Ressortforschungseinrichtung im Geschäftsbereich des BMAS. Sie betreibt Forschung, berät die Politik und fördert den Wissenstransfer im Themenfeld Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit. Zudem erfüllt die Einrichtung hoheitliche Aufgaben im Chemikalienrecht und bei der Produktsicherheit. An den Standorten Dortmund, Berlin und Dresden sowie in der Außenstelle Chemnitz arbeiten über 700 Beschäftigte.
http://www.baua.de

Medizin am Abend Berlin DirektKontakt
www.medizin-am-abend.blogspot.com










Über Google: Medizin am Abend Berlin 
 idw - Informationsdienst Wissenschaft e. V.

Friedrich-Henkel-Weg 1-25
44149 Dortmund
Deutschland
Nordrhein-Westfalen


Jörg Feldmann
Telefon: (0231) 9071 - 2330
Fax: (0231) 9071 - 2362
E-Mail-Adresse: feldmann.joerg@baua.bund.de

 
 

Graue Hirnsubstanz gefährdet: Bei Herzschwäche/Herzinsuffizienz

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Ein schwaches Herz schadet auch dem Gehirn

Pumpt das Herz zu wenig Blut in den Körper, wird meist auch das Gehirn nicht ausreichend mit Sauerstoff versorgt. 

Bislang war jedoch unklar, wie sich das auf die Hirnstruktur auswirkt. 

Forscher des Max-Planck-Instituts für Kognitions- und Neurowissenschaften (MPI CBS) haben nun in Zusammenarbeit mit dem Herzzentrum Leipzig herausgefunden, dass darunter auch die graue Hirnsubstanz leidet. 
 
Etwa 1,8 Millionen Menschen leiden in Deutschland an einer Herzschwäche, auch Herzinsuffizienz genannt.

  • Die wirkt sich nicht nur auf die Leistungsfähigkeit der Patienten aus – sie sind schneller erschöpft und klagen über Atemnot bei Belastungen. 
  • Auch ihr Gehirn ist davon betroffen. Wissenschaftler des MPI CBS haben nun belegt, auch die Dichte der grauen Substanz sinkt. 
  • Besonders groß ist der Schaden nach einem Herzinfarkt.
  • „Je schwächer das Herz, desto geringer die Dichte der grauen Substanz“, erklärt Matthias Schroeter, Leiter der Forschungsgruppe für Kognitive Neuropsychiatrie am MPI CBS, das zentrale Ergebnis der Studie. 

Besonders betroffen seien dabei das mittlere Stirnhirn und der sogenannte Precuneus innerhalb der Großhirnrinde sowie der Hippocampus. 

Diese Regionen verarbeiten vor allem Aufmerksamkeitsprozesse und Gedächtnisinhalte. 

Und nicht nur das: „Ein Abbau von grauer Substanz in diesen Bereichen kann die Entstehung von Demenz begünstigen“, sagt Schroeter.

Untersucht haben die Wissenschaftler den Zusammenhang zwischen grauer Substanz und Herzfunktion an 80 Patienten des Herzzentrums Leipzig mithilfe der Magnetresonanztomographie (MRT) und zweier Faktoren: 

  • Der Menge an Blut, die bei einem Herzschlag ausgestoßen wird, und der Konzentration eines bestimmten Hormons in der Blutbahn. 
  • Dabei zeigte sich ein signifikanter Zusammenhang zwischen dem Grad der Herzinsuffizienz und den Veränderungen in der grauen Substanz.

Als graue Substanz bezeichnet man im Gehirn die Gebiete, die vorwiegend aus den Zellkörpern der Nervenzellen bestehen. 

Die langen Enden der Nervenzellen, die Nervenfasern, bilden hingegen die weiße Substanz. 

Der bekannteste Teil der grauen Substanz ist die Großhirnrinde, die das Gehirn als äußerer, zwei bis fünf Millimeter dicker Mantel mit seinen zahlreichen Windungen umgibt. 

  • Hier werden die eigentlichen höheren geistigen Fähigkeiten des Menschen – von den Sinneseindrücken über Sprache bis zu Kreativität – verarbeitet.

„Bei einer Herzschwäche muss also auch bedacht werden, dass dabei die Hirnstruktur geschädigt wird“, sagt der Mediziner.

Frühere Studien hatten gezeigt, was dem Abbau am besten entgegenwirkt: 

Sport und soziale Aktivitäten. 

„Natürlich muss man auch die verminderte Herzfunktion selbst behandeln.“ 

Soll heißen: 

Die Ursachen wie Rauchen, Diabetes oder Adipositas angehen.

Medizin am Abend Berlin DirektKontakt
www.medizin-am-abend.blogspot.com















Über Google: Medizin am Abend Berlin 
idw - Informationsdienst Wissenschaft e. V.

Prof. Dr. Dr. Matthias Schroeter
Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften, Leipzig
0341 9724962
schroet@cbs.mpg.de

Verena Müller Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften
Stephanstraße 1a
04103 Leipzig
Postfach 500355
04303 Leipzig
Deutschland
Sachsen


Verena Müller
Telefon: +49 341 9940-148
E-Mail-Adresse: verenamueller@cbs.mpg.de
Originalpublikation:
Karsten Mueller, F. Thiel , F. Beutner, A. Teren, Tommaso Ballarini, Harald E. Möller, Kristin Ihle, Arno Villringer, and Matthias L. Schroeter (2020) Brain change with heart failure: Cardiac biomarker alterations and gray matter decline. Circulation Research

Opioid-Abhängigkeiten - Opioid-Krise - ph-Wert - pKa-Wert

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Auf dem Weg zu Schmerzmitteln ohne Suchtgefahr: Säurewert am Schmerzherd ist entscheidend

Opioidhaltige Schmerzmittel sind im klinischen Alltag nahezu unverzichtbar, allerdings haben sie starke Nebenwirkungen. 

Zusätzlich ist es insbesondere in den USA zu massivem Substanzmissbrauch gekommen. 

Einem Forschungsteam der Charité – Universitätsmedizin Berlin ist jetzt ein wichtiger Schritt hin zu einer neuen Generation von Schmerzmitteln gelungen. 

Wie die Forschenden im Fachmagazin Scientific Reports* berichten, kommt es bei der Entwicklung neuer Substanzen auf den Säurewert, den pH-Wert, des Schmerzherds an. 

Denn die Feinabstimmung der Säure-Dissoziations-Konstante, der sogenannte pKa-Wert, eines Opioidmoleküls bestimmt die Gefährlichkeit, darunter das Suchtpotenzial. 

Neue Substanzklasse bewirkt Schmerzstillung ausschließlich am Entzündungsherd.
 Neue Substanzklasse bewirkt Schmerzstillung ausschließlich am Entzündungsherd.
Grafik: G. Del Vecchio & V. Spahn / Freepik


  • Opioide haben eine starke schmerzstillende Wirkung, sie können jedoch schnell in eine Abhängigkeit führen. 

Lange ist vor allem in den USA sorglos mit den Präparaten umgegangen worden.

Entsprechend hoch sind die Zahlen der Opioid-Abhängigkeiten, man spricht von der Opioid-Krise. 

Auch hierzulande werden opioidhaltige Schmerzmittel verschrieben, mit steigender Tendenz. 

Inzwischen kommen sie selbst bei chronischen Schmerzen ohne Krebserkrankung zum Einsatz. 

Was bis heute fehlt, sind Medikamente, die starke Schmerzen lindern, gleichzeitig jedoch weniger Gefahren bergen.

Prof. Dr. Christoph Stein, Direktor des Arbeitsbereiches Experimentelle Anästhesiologie am Campus Benjamin Franklin, ist mit seinem Team einer nebenwirkungsarmen Alternative in der Schmerztherapie auf der Spur.

Drei Opioidsubstanzen, sie tragen die Namen FF6, FF3 und NFEPP, hat die Forschungsgruppe bereits neu entwickelt und in Computersimulationen gemeinsam mit Kollegen am Zuse-Institut für angewandte Mathematik Berlin (ZIB) getestet.

Jetzt konnten die Forschenden die Schmerzreduktion und typische Nebenwirkungen wie Müdigkeit, Verstopfung und die Gefahr eines Atemstillstandes sowie das Suchtpotenzial in einem Tiermodell für Entzündungsschmerz genauer beobachten.

„Im Vergleich zum Standard-Opioid Fentanyl sprechen die Ergebnisse der neuartigen Substanzklasse für sich“, sagt Prof. Stein, der auch Mitglied des Einstein-Zentrums für Neurowissenschaften ist.

  • „Je näher der pKa-Wert des Bindungsmoleküles am Säurewert des entzündeten oder verletzten Gewebes liegt, um so selektiver werden ausschließlich Opioidrezeptoren am Schmerzherd selbst aktiviert und umso geringer ist die Gefahr von Sucht oder Nebenwirkungen. 

Im Fall von Fentanyl liegt der pKa-Wert über dem physiologischen pH-Wert, außerdem gelangt das Standard-Opioid nachweislich schneller ins Gehirn.“

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler verfolgen den Ansatz, Entzündungsschmerz und postoperativen Schmerz am Ort des Geschehens, direkt im verletzten Gewebe, zu beheben. Im Gegensatz zu konventionellen Opioiden aktivieren die neuartigen Substanzen ausschließlich in saurem Milieu Opioidrezeptoren, die Andockstellen für Schmerzmedikamente, und wirken somit nur in verletztem Gewebe. Schwerwiegende Nebenwirkungen bleiben auf diese Weise aus.

 „Mit dem Ziel, die für eine optimale Wirkung notwendigen chemischen Eigenschaften der neuen Substanzen abzuleiten, haben wir nun in kultivierten Zellen das Zusammenspiel von Opioid-Bindungsmolekülen mit Opioidrezeptoren bei verschiedenen pH-Werten untersucht. Einige der Rezeptoren sind zusätzlich genetisch verändert worden“, erklärt Studienleiter Prof. Stein.

„Wir sind zu dem Schluss gekommen, dass die Säure-Dissoziations-Konstante, der pKa-Wert, eines Opioidmoleküls seine Gefährlichkeit, also Nebenwirkungen wie Suchtentstehung oder Atemstillstand, bestimmt. 
  • Bislang war die Bedeutung von pH- und pKa-Werten für die Sicherheit von Opioiden völlig unbekannt.“ 
  • Eine richtungweisende Erkenntnis auf dem Gebiet der Rezeptorforschung.
Die Feinabstimmung des pKa-Wertes und bestimmte chemische Brückenbildungen mit Opioidrezeptoren sind entsprechend der aktuellen Untersuchungen maßgeblich, wenn es um die Entwicklung neuartiger Medikamente geht.

Wird die neue Generation von Schmerzmitteln Realität, könnten gefährliche Nebenwirkungen und Suchtgefahr der Vergangenheit angehören.

 „Wir haben bereits in zahlreichen klinischen Studien zeigen können, dass die selektive Aktivierung von peripheren Opioidrezeptoren in verletztem Gewebe, beispielsweise durch lokale Injektion konventioneller Opioide wie Morphin, eine potente Schmerzstillung beim Menschen bewirkt. 

Daher sind wir zuversichtlich, dass unsere neue Substanzklasse, die nun erstmals auch intravenös verabreicht werden kann, erfolgreich sein wird“, sagt Prof. Stein. Erste klinische Studien, bei denen die neuartigen Substanzen zur Anwendung kommen, sollen in zwei bis drei Jahren starten. Parallel arbeitet die Forschungsgruppe unter anderem im Rahmen des Förderprogramms SPARK am Berlin Institute of Health (BIH) an weiteren Substanzen der neuen Generation.

*Del Vecchio G et al. pK(a) of opioid ligands as a discriminating factor for side effects. Sci Rep. 2019 Dec 18;9(1):19344. doi: 10.1038/s41598-019-55886-1.

Medizin am Abend Berlin DirektKontakt
www.medizin-am-abend.blogspot.com












Über Google: Medizin am Abend Berlin 
idw - Informationsdienst Wissenschaft e. V
 
Prof. Dr. Christoph Stein
Direktor Arbeitsbereich Experimentelle Anästhesiologie
Charité – Universitätsmedizin Berlin
t: +49 30 450 551 522
E-Mail: christoph.stein@charite.de

Charitéplatz 1
10117 Berlin
Deutschland
Berlin


Manuela Zingl
Telefon: 030 / 450 570 400
Fax: 030 / 450 570 940
E-Mail-Adresse: manuela.zingl@charite.de
Originalpublikation:
https://doi.org/10.1038/s41598-019-55886-1

Wiederkehrender oder schwerer depressiver Erkrankung: Die Remissionsphase

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Depression: Langsame Entscheidungen könnten ein Zeichen für einen Rückfall sein

Die Wahrscheinlichkeit, mit welcher Betroffene nach dem Absetzen von Antidepressiva in eine Depression zurückfallen, lässt sich teilweise voraussagen. 

Personen, die einen solchen Rückfall erleben, benötigen nämlich häufig länger, um sich zu entscheiden, wie viel Anstrengung sie für eine Belohnung investieren möchten, wie Forschende in einer vom SNF unterstützten Studie zeigen konnten. 
 
Depressionen sind eine weit verbreitete Krankheit mit einem schwierig vorherzusehenden Verlauf. 

Häufig ist die Erkrankung wiederkehrend: 

Depressive Phasen kommen und gehen. 

Aus Studien ist bekannt, dass die Behandlung über das Abklingen der Symptome hinaus fortgesetzt werden sollte, um die Gefahr eines Rückfalls zu verringern.

Leider scheint dies jedoch keinen Einfluss auf das Risiko eines Rückfalls nach dem Absetzen der Medikamente zu haben.

  • "Schätzungsweise 30 Prozent der Betroffenen erleiden in den ersten sechs Monaten nach dem Absetzen einen Rückfall. 
  • Das ist ein sehr hoher Anteil. Bisher gibt es kein etabliertes Instrument, mit dem sich dieses Risiko abschätzen lässt", sagt die Psychologin Isabel Berwian.

In einer vom Schweizerischen Nationalfonds (SNF) unterstützten Längsschnittstudie, die in der Fachzeitschrift JAMA Psychiatry (*) publiziert wurde, konnte sie nun zeigen, dass gewisse Prognosen zum Rückfallrisiko bei Depressionen möglich sind. 

Die Forscherin, nun Postdoktorandin im Bereich Translational Neuromodeling an der Universität Zürich und der ETH Zürich, hat nämlich beobachtet, wie die Betroffenen in der Remissionszeit Entscheidungen treffen.

Spiel mit der Motivation

Für die Studie rekrutierte das Team von Quentin Huys, damals Forscher für Computationale Psychiatrie und Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, Patientinnen und Patienten mit wiederkehrender oder schwerer depressiver Erkrankung, die sich in der Remissionsphase befanden.

Sie wiesen keine oder fast keine Symptome mehr auf, nahmen aber noch Antidepressiva ein.

Die Teilnehmenden hatten unabhängig von der Studie bereits entschieden, die entsprechenden Medikamente abzusetzen. Alle erhielten eine Aufgabe, mit der ihre Bereitschaft gemessen werden konnte, je nach Belohnungsniveau eine Anstrengung zu unternehmen. Dieser Versuchsaufbau wurde gewählt, weil die Fachliteratur zeigt, dass Menschen mit Depressionen typischerweise in geringerem Ausmass bereit sind, sich für eine Belohnung anzustrengen. Die Forschenden wollten einen Schritt weitergehen und untersuchen, ob sich Rückschlüsse auf einen potenziellen Rückfall ziehen lassen.

Die Daten wurden zwischen Juli 2015 und Januar 2019 bei 123 Patienten und 66 gesunden Vergleichspersonen in Zürich und Berlin erhoben. Alle Personen, die an Depressionen gelitten hatten, lösten die Aufgabe zweimal: Das erste Mal vor dem Absetzen der Medikamente, das zweite Mal entweder vor oder nach dem Absetzen der Medikamente. Zudem wurden alle nach der Studie sechs Monate lang weiter beobachtet, um zu verfolgen, ob sie einen Rückfall erlitten.

Die Ergebnisse zeigten, dass die Entscheidungszeit bei von Depressionen Betroffenen länger war als bei den Vergleichspersonen (durchschnittlich 1,77 beziehungsweise 1,61 Sekunden). Zudem war sie aber auch innerhalb der Patientengruppen bei Personen noch länger, die nach dem Absetzen einen Rückfall erlitten (durchschnittlich 1,95 Sekunden). Die Forschenden konnten so zeigen, dass bei zwei von drei Personen aufgrund der Entscheidungszeit richtig vorausgesagt wird, ob sie einen Rückfall erleiden werden.

Im Bett bleiben oder aufstehen?

Welche Mechanismen bei dieser Aufgabe eine Rolle spielen, wurde mit einem Berechnungsmodell in Erfahrung gebracht. Es ergab, dass die jeweils gewählte Option (kleine Anstrengung für eine kleine Belohnung oder grössere Anstrengung für eine grössere Belohnung) ein Unterscheidungsmerkmal zwischen den ehemals depressiven Personen und den gesunden Personen ist: Erstere wählten häufiger die am wenigsten anstrengende Option. Die Forschenden vermuten, dass dies ein Anzeichen dafür ist, dass die Depression nach wie vor asymptomatisch im Hintergrund präsent ist.

Das Modell hat ausserdem gezeigt, dass Personen, die eine depressive Phase erlebt haben, Anstrengungen eher vermeiden. Isabel Berwian veranschaulicht dies folgendermassen: "Stellen Sie sich vor, dass Sie an einem Abend bereits im Bett liegen. Dann rufen Bekannte an und fragen, ob sie mit Ihnen in der Stadt ein Eis essen kommen. Eine gesunde Person wird vermutlich aufstehen und hingehen. Eine Person, die eine depressive Episode hatte, bleibt dagegen eher im Bett. Sogar wenn ihr die Aktivität gefallen würde, scheint ihr die dazu notwendige Anstrengung zu gross."

Obwohl die Studie gezeigt hat, dass die Entscheidungszeit gewisse Prognosen zum Rückfallrisiko ermöglicht, sind diese Erkenntnisse für eine Anwendung in der Praxis noch nicht reif. "Dieser Indikator ist vielversprechend, aber wir können noch nicht für uns beanspruchen, "die" Lösung gefunden zu haben. Unsere Ergebnisse müssten an einer grösseren Stichprobe validiert werden, da unsere relativ klein war", erklärt Isabel Berwian. Für die Forschenden ist das eine Herausforderung, da es schwierig ist, Patientinnen und Patienten für solche Studien zu finden. Quentin Huys – inzwischen Associate Professor am University College von London – und sein Team arbeiten auch an anderen potenziellen Indikatoren für Rückfälle. Sie prüfen zum Beispiel, ob sich beim Abspielen eines traurigen Films die Gehirnaktivität zwischen gesunden Personen und Personen, die in der Vergangenheit an einer Depression gelitten hatten, unterscheidet.

Die Studie wurde an der Translational Neuromodeling Unit der Universität Zürich und der ETH Zürich und an der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich in Zusammenarbeit mit dem Universitätsspital Charité in Berlin durchgeführt. Mit den Projektförderungsbeiträgen des SNF können Forschende Vorhaben zu selbst gewählten Themen und Forschungszielen eigenverantwortlich durchführen.

--------------------------

Einen Ballon aufblasen und Punkte gewinnen

Zum Messen der Entscheidungszeit wurde den Teilnehmenden folgende Aufgabe gestellt: Sie mussten eine Taste am Computer drücken, um Punkte zu gewinnen. Sie hatten fünf Sekunden Zeit, um sich zwischen zwei Alternativen zu entscheiden, für die mehr oder weniger Anstrengung nötig war. Sie konnten entweder für einen Punkt 20-mal die Taste drücken, oder für drei bis sieben Punkte 100-mal abhängig von der aktuellen Aufgabenstellung. Nach der Entscheidung hatten die Teilnehmenden jeweils 40 Sekunden Zeit, um die Taste so oft zu drücken, wie sie gewählt hatten. Damit konnten sie dann einen virtuellen Ballon aufblasen, der platzte, wenn sie genügend oft gedrückt hatten. Alle Teilnehmenden erledigten diese Aufgabe je 60-mal.

Medizin am Abend Berlin DirektKontakt
www.medizin-am-abend.blogspot.com












Über Google: Medizin am Abend Berlin 
idw - Informationsdienst Wissenschaft e. V.

Isabel Berwian
Universität Zürich und ETH Zürich
Institute for Biomedical Engineering
Translational Neuromodeling Unit
Tel.: + 41 44 634 91 11
E-Mail: berwian@biomed.ee.ethz.ch

Quentin Huys
University College London
Tel.: + 44 20 3108 9339
E-Mail: q.huys@ucl.ac.uk

Wildhainweg 3
3001 Bern
Postfach 8232
3001 Bern
Schweiz
Bern
E-Mail-Adresse: com@snf.ch

Nadine Leyser
Telefon: +41 31 308 21 34
E-Mail-Adresse: nadine.leyser@snf.ch

Originalpublikation:
(*) I. M. Berwian, J. Wenzel, A. G. E. Collins, E. Seifritz, K. E. Stephan, H. Walter, Q. J. M. Huys: Computational mechanisms of effort and reward decisions in depression and their relationship to relapse after antidepressant discontinuation, Jama Psychiatry (2020).
https://doi.org/10.1001/jamapsychiatry.2019.4971

Untersucher-CAVE: Erhebung der Krankengeschichte https://www.aps-ev.de/

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Patientensicherheit weist Mängel auf

  • Fehldiagnosen, falsche Verschreibung von Medikamenten, unzureichende Erhebung der Krankengeschichte
  • Patientinnen und Patienten wissen eine Menge zu erzählen, wenn es um Mängel der ambulanten medizinischen Versorgung geht – sofern man sie fragt. 

Ein Team um den Marburger Gesundheitsversorgungsforscher Professor Dr. Max Geraedts hat das nun erstmals systematisch getan. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler befragten 10.000 Bürgerinnen und Bürger, welche Probleme sie bei niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten erlebt haben. Die Forschungsgruppe berichtet im Fachjournal BMJ Open über ihre Ergebnisse. 

Der Mediziner Professor Dr. Max Geraedts leitete die erste Studie zur Patientensicherheit in der ambulanten Versorgung.
Der Mediziner Professor Dr. Max Geraedts leitete die erste Studie zur Patientensicherheit in der ambulanten Versorgung. Foto: Bert Bostelmann / Wort & Bild-Verlag; 
 
Viele Menschen suchen zuerst die Praxis von niedergelassenen Ärztinnen oder Ärzten auf, wenn sie medizinische Hilfe oder Rat benötigen; „trotzdem gibt es so gut wie keine Daten über Probleme mit der Patientensicherheit in der ambulanten Versorgung, weder in der Bundesrepublik noch international“, erklärt der Mediziner Max Geraedts von der Philipps-Universität Marburg, der die Studie leitete.

  • Dabei zeigen Schätzungen für den stationären Bereich, dass die Patientensicherheit sehr wohl verbesserungsbedürftig ist: 
  • Demnach erleiden 5-10 Prozent aller Krankenhauspatientinnen und -patienten unvorhergesehene Schädigungen.

Wie steht es in der ambulanten Versorgung um die Patientensicherheit? 

Geraedts und sein Team befragten mittels eines neu entwickelten Erhebungsbogens 10.000 Personen über 39 Jahre, die zufällig ausgewählt worden waren.

Das Ergebnis: 14 Prozent der Teilnehmerinnen und Teilnehmer berichteten über Probleme, die aufgetreten seien, wenn sie niedergelassene Ärztinnen oder Ärzte konsultierten. Die telefonische Umfrage dokumentiert mehr als 2.500 Einzelfälle.

Bei 61 Prozent davon geht es um unzureichend erhobene Vorgeschichten der Patientinnen und Patienten oder um unzulängliche Diagnostik. 

  • In 75 Prozent der Fälle klagten die Betroffenen über schädliche Folgen wie unnötig lang anhaltende Schmerzen oder die Verschlechterung ihres Gesundheitszustands, die auf die Probleme bei der Behandlung zurückgingen; 
  • bei 35 Prozent der Vorkommnisse kam es demnach zu dauerhaften Schäden, 
  • 31 Prozent lösten weitere Arztbesuche, 
  • 14 Prozent Notfallbehandlungen und 
  • 10 Prozent Krankenhausaufenthalte aus. 
  • Auf Allgemeinmediziner entfielen 44 Prozent der Patientenberichte, 
  • auf Orthopäden 15 Prozent und
  • auf Internisten 10 Prozent.

„Unsere Ergebnisse belegen, dass Probleme der Patientensicherheit in der ambulanten Versorgung häufig sind, oft mit Gesundheitsschäden einhergehen und zusätzliche Behandlungen nach sich ziehen“, resümiert Geraedts. „Die Ergebnisse können helfen, kritische Situationen zu erkennen und gezielte Maßnahmen zur Vermeidung von Problemen zu entwickeln.“

Darüber hinaus zeige die Studie, dass Patientenberichte eine wertvolle Quelle zur Identifizierung von Sicherheitsproblemen seien; sie könnten demnach dazu beitragen, die Patientensicherheit zu verbessern.

Diesen Aspekt betont auch das „Aktionsbündnis Patientensicherheit“ APS in einer Stellungnahme:

Grundsätzlich sei es schwierig, Probleme mit der Patientensicherheit zu erheben, weil die Einschätzung von professionellen Kräften und Betroffenen variiere.

„Im Aktionsbündnis sind wir davon überzeugt, dass es von unschätzbarem Wert ist, die Patientinnen und Patienten selbst einzubeziehen, um die Sicherheit in der Versorgung zu bewerten und zu verbessern“, sagt Marcel Weigand, Generalsekretär im APS.

Der Mediziner Professor Dr. Max Geraedts lehrt Versorgungsforschung und Klinische Epidemiologie an der Philipps-Universität Marburg. Neben Geraedts Arbeitsgruppe beteiligte sich Dr. Johannes Leinert vom Sozialforschungs-institut Infas an der Studie. Der Gemeinsame Bundesausschuss, eine Einrichtung der Selbstverwaltung im deutschen Gesundheitswesen, unterstützte die zugrundeliegende Forschungsarbeit finanziell.

Originalveröffentlichung: Max Geraedts & al.: Patient safety in ambulatory care from the patient's perspective: a retrospective, representative telephone survey BMJ Open (2020), DOI: 10.1136/bmjopen-2019-034617

Medizin am Abend Berlin DirektKontakt
www.medizin-am-abend.blogspot.com




















Über Google: Medizin am Abend Berlin 
idw - Informationsdienst Wissenschaft e. V.

Professor Dr. Max Geraedts,
Institut für Versorgungsforschung und Klinische Epidemiologie
Tel: 06421-28-662 43
E-Mail: geraedts@uni-marburg.de

Johannes Scholten Philipps-Universität Marburg

Biegenstraße 10
35032 Marburg
Deutschland
Hessen 

Telefon: 06421/2825866
Fax: 06421/2828903
E-Mail-Adresse: johannes.scholten@verwaltung.uni-marburg.de

Die Grippeschutzimpfung - besonders bei Spitzensportlern

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Studie zeigt: Grippeimpfung ist für Leistungssportler empfehlenswert – auch bei intensivem Training

Vor Wettkämpfen zählt im Leistungssport jeder Trainingstag. 

Viele Sportärzte waren daher beim Thema Grippeimpfung bisher zurückhaltend aus Sorge vor Nebenwirkungen, aber auch weil sie vermuteten, dass diese bei Spitzensportlern nicht so gut wirkt. 

Dass genau das Gegenteil der Fall ist, konnte jetzt eine Forschergruppe an der Universität des Saarlandes um Sportmediziner Tim Meyer und die Immunologin Martina Sester nachweisen. 

Die für ihre Studie geimpften Leistungssportler zeigten eindeutige Immunabwehrreaktionen, die gegenüber einer „normalen“ Kontrollgruppe sogar leicht erhöht waren. 

 Tim Meyer, Professor für Sport- und Präventivmedizin der Saar-Uni
 Tim Meyer, Professor für Sport- und Präventivmedizin der Saar-Uni
Universität des Saarlandes


  • Es gab zudem keinen Unterschied, ob die Impfung direkt nach dem Training oder einen Tag später verabreicht wurde. 

Und die Nebenwirkungen waren so gering ausgeprägt, dass keine einzige Trainingseinheit ausfallen musste.

Im Rahmen der Studie erhielten 45 Athletinnen und Athleten am Olympia-Stützpunkt in Saarbrücken sowie 25 Personen einer gleichaltrigen Kontrollgruppe eine Impfung gegen die saisonale Grippe, die durch Influenzaviren ausgelöst wird.

Vor der Impfung sowie eine, zwei und 26 Wochen danach wurde das Blut der Versuchspersonen auf grippespezifische Zellabwehrreaktionen hin untersucht sowie auf Antikörper, die Influenzaviren neutralisieren können.  

„Zu unserer eigenen Überraschung stellte sich heraus, dass die Spitzensportler bei beiden Faktoren eine stärkere Reaktion zeigten als die Kontrollgruppe.

Bisher war die landläufige Meinung, dass langfristiges intensives körperliches Training die Immunreaktion von Sportlern eher dämpfen würde“, erläutert Tim Meyer, Professor für Sport- und Präventivmedizin der Saar-Universität.

Auch die Nebenwirkungen waren nach der Impfung bei allen Probanden mild, so dass die Leistungssportler in ihrem Trainingsprogramm nicht beeinträchtigt waren.

„Wir haben zudem einen Teil der Versuchspersonen direkt nach ihrem Training geimpft und die anderen erst einen Tag später.

Weder bei der Immunantwort der Athleten noch bei den nur geringfügigen Nebenwirkungen machte dies einen Unterschied“, erklärt Tim Meyer.

Das sei für Spitzensportler, die in Wettkampfzeiten meist täglich trainieren, von großer Bedeutung.

  • „Wir leiten aus unseren Ergebnissen die Empfehlung ab, dass sich Leistungssportler gegen die saisonale Grippe impfen lassen sollten. 

Sie müssen nicht befürchten, in ihren ambitionierten Trainingseinheiten eingeschränkt zu werden und laufen damit weniger Gefahr, durch eine Grippeerkrankung für längere Zeit auszufallen“, sagt Martina Sester, Professorin für Transplantations- und Infektionsimmunologie der Universität des Saarlandes.

Ihre wissenschaftlichen Ergebnisse konnte die interdiszplinäre Forschergruppe sowohl in einer renommierten Fachpublikation für Sportmedizin als auch einer internationalen Zeitschrift für Immunologie veröffentlichen. An der Universität des Saarlandes waren neben den Forscherteams von Tim Meyer und Martina Sester auch die Forschergruppe von Barbara Gärtner, Professorin für Medizinische Mikrobiologie und Hygiene, beteiligt. Die Studie wurde vom Bundesinstitut für Sportwissenschaft finanziell gefördert.


Medizin am Abend Berlin DirektKontakt
www.medizin-am-abend.blogspot.com












Über Google: Medizin am Abend Berlin 
idw - Informationsdienst Wissenschaft e. V.

Prof. Dr. Tim Meyer
Institut für Sport- und Präventivmedizin
der Universität des Saarlandes
Tel. 0681/302-70400
Mail: tim.meyer@mx.uni-saarland.de

Prof. Dr. Martina Sester
Professur für Transplantations- und Infektionsimmunologie
der Universität des Saarlandes
Tel. 06841/16-23557
Mail: martina.sester@uks.eu

Friederike Meyer zu Tittingdorf Universität des Saarlandes


Originalpublikation:
Elite athletes on regular training show more pronounced induction of vaccine-specific T-cells and antibodies after tetravalent influenza vaccination than controls. In: Brain, Behavior and Immunity, Vol. 83, Januar 2020, S. 135-145

Timing of vaccination after training: immune response and side effects in athletes. In: Medicine & Science in Sports & Exercise, Januar 2020

Weitere Informationen für international Medizin am Abend Berlin Beteiligte
http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0889159119306518?via%3Dihub

https://journals.lww.com/acsm-msse/Abstract/publishahead/Timing_of_Vaccination_a...