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Medizin am Abend Berlin - MaAB - Fazit: 

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CAVE-Untersucher: Epigenetisches Altern - Herzinfarktrisiko durch Methylierung

Medizin am Abend Berlin MaAB - Fazit: Mechanismus zum Zusammenhang von Alter, Stress und Herzinfarkt gefunden

Alter und Stress führen zu einem erhöhten Krankheitsrisiko sowie zu verstärkten Entzündungsprozessen. 

Welche molekularen Vorgänge dahinter stecken, weiß man nicht. 
  • Bekannt ist, dass Alter und Stress sich epigenetisch auswirken, sprich sie beeinflussen, ob bestimmte Gene stärker, schwächer oder überhaupt nicht abgelesen werden. 

Epigenetische Veränderungen sind normal, werden aber durch den Alterungsprozess sowie durch Stress beschleunigt. 

Je mehr Stress, desto schneller schreitet das „epigenetische Altern“ voran. 

Forscher des Max-Planck-Instituts für Psychiatrie haben untersucht, ob diese epigenetischen Effekte Moleküle beeinflussen, die an Entzündungsprozessen beteiligt sind. 
 
Im renommierten Fachjournal PNAS wurden ihre Studienergebnisse jüngst veröffentlicht. Erstautor Anthony S. Zannas und seine Kolleginnen sowie Kollegen werteten Daten von mehr als 3000 Teilnehmenden im Alter zwischen 18 und 87 Jahren aus.

  • Sie konnten zeigen, dass epigenetische Veränderungen, die durch Stress und Alter entstanden sind, mit Veränderungen im Immunsystem zusammenhängen, die entscheidend für entzündliche Prozesse bei cardiovaskulären Erkrankungen sind. 
  • Durch viel Stress erfolgt eine schnellere epigenetische Alterung in Genen, die das Immunsystem regulieren und dadurch ein höheres Risiko für einen Herzinfarkt.

Der epigenetische Effekt von Stress und Alter zeigt sich durch die Reduzierung der so genannten Methylierung des Gens FKBP5. 

Das an der Stress-Physiologie beteiligte Protein wird durch diesen Prozess stärker abgelesen. 

  • Das führt zu einer gesteigerten Entzündungsreaktion durch die Aktivierung des wichtigen Immunregulators NF-kB. 

Dadurch entsteht ein höheres Risiko für cardiovaskuläre Erkrankungen.

„Die durch den Alterungsprozess und Stress hervorgerufenen epigenetischen Veränderungen im Immunsystem können ein Risikofaktor für Entzündungen sowie Herzinfarkte sein“, fasst Zannas zusammen.

  • Anders gesagt zeigen Patienten, die einen Herzinfarkt erlitten haben, genau die epigenetischen Veränderungen, die durch vermehrten Stress und den dadurch beschleunigten Alterungsprozess entstehen.

Die MPI-Forscher haben auch den umkehrten Effekt auf Zellebene überprüft: durch die Hemmung oder Löschung von FKBP5 in Immunzellen wurde die Reaktion auf das Immunsystem unterbunden.

Neue Behandlungsansätze

Die Ergebnisse lassen den Schluss zu, dass durch Alter und Stress entstandene epigenetische Effekte Entzündungsprozesse beschleunigen.

Sie könnten dadurch eine entscheidende Rolle für die Entstehung cardiovaskulärer Erkrankungen spielen.

„Damit konnten wir einen Mechanismus identifizieren, der verantwortlich sein könnte für die Häufigkeit cardiovaskulärer Erkrankungen bei Personen mit Stress-bedingten psychiatrischen Erkrankungen“, sagt Elisabeth Binder, Direktorin am Max-Planck-Institut für Psychiatrie.

Die beschriebenen epigenetischen Modifikationen sowie die Immunveränderungen könnten als Biomarker dienen und helfen, ein erhöhtes Risiko für Erkrankungen wie einen Herzinfarkt vorherzusagen.

Das Wissen um die Zusammenhänge von Stress, Alter und Herzerkrankungen bzw. epigenetische Veränderungen und Entzündungsprozesse kann außerdem zu neuen Behandlungsansätzen für Stress-bedingte Erkrankungen führen.

Originalpublikation:
https://doi.org/10.1073/pnas.1816847116


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Nierenkranke: Impfstatus prüfen z.b. Grippeimpfung/Pneumokokken/Herpeszoster/Gürtelrose

Medizin am Abend Berlin MaAB - Fazit: 

DGfN plant Kampagne, um die Grippeimpfrate bei chronisch nierenkranken Patienten zu erhöhen

Eine heute im Deutschen Ärzteblatt [1] publizierte Studie belegt eine zu geringe Grippeimpfrate bei chronisch nierenkranken Menschen. 

Sie liegt mit ca. 45% zwar höher als in der Allgemeinbevölkerung, aber in Anbetracht des Risikoprofils von nierenkranken Menschen ist sie zu gering. 

Die Deutsche Gesellschaft für Nephrologie (DGfN) reagiert umgehend auf die neuen Daten und plant im Herbst eine Grippeimpfkampagne gemeinsam mit der Deutschen Nierenstiftung. 
 
  • Die von Kevin Schulte und Kollegen im Deutschen Ärzteblatt publizierte Studie [1] dokumentiert eine viel zu geringe Rate von Grippeimpfungen bei Nierenpatienten. 
  • In den Jahren 2012-2017 erhielten 41 - 47 % aller Patienten mit einer eingeschränkten Nierenfunktion eine Grippeimpfung. 
  • Bei den Dialysepatienten waren es 43 - 45 %, bei den nierentransplantierten Patienten sogar nur 32 - 34 %. 

Zwar sind diese Impfraten insgesamt etwas höher als in der Allgemeinbevölkerung, dort lag die Impfquote in der Influenzasaison 2016/2017 bei 35 % [2], aber Nierenkranke sind besonders anfällig, daher wird die Impfung von der STIKO gerade für diese Patientengruppe empfohlen.

  • „Die Grippeimpfung ist wichtig, insbesondere, wenn man bedenkt, dass eine eingeschränkte Nierenfunktion grundsätzlich zu einer Schwächung des Immunsystems führt und zusätzlich viele Patienten, z.B. Nierentransplantierte, Immunsuppressiva erhalten. 

Das sind Medikamente, die das Immunsystem schwächen. 

Nierenkranke sind deshalb gegenüber Grippeviren besonders anfällig und schutzlos“, erläutert Professor Dr. Jan Galle, Pressesprecher der Deutschen Gesellschaft für Nephrologie (DGfN).

Hinzu kommt, dass Nierenpatienten oft betagt und multimorbid sind, eine Studie zeigt, dass sie die Patienten mit den komplexesten Krankheitsbildern sind.

Eine Schutzimpfung ist allein deshalb schon angeraten. 


Auch Patienten mit leichtgradiger Nierenfunktionseinschränkung haben ein erheblich erhöhtes Risiko für Lungenentzündungen [3], zudem kommt es zu einem deutlichen Anstieg der Sterblichkeit in Abhängigkeit von der Nierenfunktion.

  • Influenza ist eine relevante Ursache für Lungenentzündungen bzw. ein Wegbereiter für andere Erreger. 
  • Deshalb ist die Influenza-Impfung für nierenkranke Patienten dringend angeraten.

CAVE: Die Studie hatte auch gezeigt, dass ein Aufruf an die behandelnden Ärzte wenig ausrichtet und die Impfquote nicht verbessert.

Eine direkte, an die Patienten gerichtete Information konnte die Situation zumindest leicht verbessern. 

Ein Impfaufruf, der an die Patienten adressiert war, erhöhte die Rate um 3 Prozentpunkte, so das Ergebnis der vorliegenden Studie.

„Leider ist die Bevölkerung insgesamt sehr impfmüde geworden und auch wir Nephrologen erleben es immer wieder, dass nierenkranke Menschen Impfungen ablehnen. 

Lärmende Impfgegner in den Medien tragen zur Verunsicherung der Bevölkerung bei und wir müssen diese mit umfassenden Erklärungen abbauen.

In der täglichen Routine bleibt aber oft nicht die Zeit, um argumentativ gegen die Vorbehalte der Patienten anzugehen.“

Mit einer Informationskampagne soll jetzt Abhilfe geschaffen und die nierenkranken Patienten umfassend über die positiven Effekte der Impfung aufgeklärt werden.

Die DGfN plant, die Kampagne im Schulterschluss mit der Deutschen Nierenstiftung im Frühherbst zu starten.

„Die vorliegende Studie war wichtig, weil sie ein Informationsdefizit unserer Patienten aufdeckt, auch eine mangelnde Aufklärung der Patienten durch die Ärzte gezeigt und uns vor Augen gehalten 
hat, wie niedrig die Impfrate unserer Patienten tatsächlich ist.

Wir sehen einen dringenden Handlungsbedarf und werden das Thema als Fachgesellschaft in unserer Öffentlichkeitsarbeit nun weiter intensivieren und den Patienten umfassendes Informationsmaterial an die Hand geben“, erklärt DGfN-Präsident Professor Dr. Andreas Kribben.

„Wir hoffen, so die Grippeimpfrate bereits in der nächsten Saison deutlich anheben zu können“.

[1] Schulte K, Schierke H, Tamayo M et al. Strategien für eine verbesserte Influenzaquote bei chronisch nierenkranken Patienten. Deutsches Ärzteblatt 2019;116:413-9.
[2] https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/news/artikel/2018/02/19/und-sie-schuet...
[3] Principi N, Esposito S; ESCMID Vaccine Study Group. Influenza vaccination in patients with end-stage renal disease. Expert Opin Drug Saf 2015; 14 (8): 1249-58

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CAVE-Untersucher: Schmerzen in der Brust: Nicht invasive Computertomographie (CT)

Medizin am Abend Berlin MaAB - Fazit: Manchmal geht’s auch ohne invasiven Eingriff

  • Wann eine CT statt eines Herzkatheters zur Diagnose aussagekräftig ist

Klagt ein Patient über Schmerzen in der Brust, wird meist mithilfe eines Katheters überprüft, ob sein Herz noch ausreichend durchblutet ist. 


Forschende der Charité – Universitätsmedizin Berlin haben jetzt festgestellt: 
  • In bestimmten Fällen kann eine nicht invasive Computertomographie (CT) eine ebenso verlässliche Diagnose liefern wie eine Herzkatheter-Untersuchung – ganz ohne Eingriff in den Körper. 

Die Studie ist in der Fachzeitschrift The BMJ* erschienen. 

Die Herz-CT ist nicht invasiv und schmerzfrei.
Die Herz-CT ist nicht invasiv und schmerzfrei. Foto: Dewey/Charité
 
Ein drückender Schmerz in der Brust oder ein Gefühl der Beklemmung: 

  • Diese Symptome können auf eine koronare Herzkrankheit (KHK) hinweisen, bei der der Herzmuskel durch Verengungen der Herzkranzgefäße schlecht durchblutet wird. 

Im schlimmsten Fall kann es dadurch zu einem lebensbedrohlichen Herzinfarkt oder einem plötzlichen Herztod kommen – daher muss die Diagnose so schnell wie möglich gestellt werden.

Bisher werden Patientinnen und Patienten mit Verdacht auf KHK häufig mithilfe eines Katheters untersucht, der über einen kleinen Schnitt in der Leiste oder am Arm in das Herz vorgeschoben wird.

Der Vorteil der Methode ist, dass sie Diagnostik und Therapie vereint:

Mit einem Herzkatheter lassen sich mögliche Verengungen der Blutgefäße sofort beheben.

Dennoch ist der Eingriff nicht ohne Risiko und in 58 Prozent der 880.000 Untersuchungen pro Jahr in Deutschland muss kein Gefäß aufgeweitet werden. 

Ein internationales Forschungskonsortium unter Leitung der Charité konnte jetzt belegen:

  • Bei bestimmten Patientinnen und Patienten liefert die CT, ein nicht invasives bildgebendes Verfahren, eine ebenso verlässliche Diagnose.

Für die Arbeit kooperierten Forschungsgruppen aus 22 Ländern, um die Daten von 65 abgeschlossenen Studien mit mehr als 5.300 Patientinnen und Patienten zu analysieren.

  • Die statistische Auswertung ergab, dass sich die Herz-CT dann als Diagnosemethode eignet, wenn die Betroffenen eine geringe bis mittlere Wahrscheinlichkeit haben, an einer KHK zu leiden. 

„Die KHK-Wahrscheinlichkeit können Mediziner anhand von individuellen Faktoren wie Alter, Geschlecht und der Art des Brustschmerzes bestimmen“, sagt Prof. Dr. Marc Dewey, Stellvertretender Direktor der Klinik für Radiologie am Campus Charité Mitte und Leiter der Studie.

„Liegt diese Wahrscheinlichkeit bei 7 bis 67 Prozent, lässt sich mithilfe der CT zuverlässig ermitteln, ob Gefäßverengungen vorliegen oder nicht. 

  • Bei höheren Wahrscheinlichkeiten ist eine Herzkatheter-Untersuchung angezeigt, weil voraussichtlich therapeutisch eingegriffen werden muss.“

„Die Computertomographie des Herzens ist eine sehr schonende Methode, die nur wenige Minuten dauert“, betont Robert Haase, Erstautor der Studie und Doktorand in der Arbeitsgruppe um Prof. Dewey.

Dabei nimmt ein ringförmiger Röntgenapparat 1.000 Aufnahmen pro Sekunde aus unterschiedlichen Richtungen auf. 

Aus den Röntgenbildern wird anschließend eine dreidimensionale Abbildung des Herzens errechnet.

Durch die Gabe eines Kontrastmittels werden die Herzkranzgefäße klar sichtbar. 

„Wie unsere Arbeit zeigt, lassen sich Engstellen bei Frauen und Männern mit dieser Methode gut erkennen“, ergänzt er.


ei der Herz-CT werden tausende Röntgenaufnahmen des Herzens zu einer 3D-Abbildung verrechnet. So werden Engstellen (Pfeil) an Blutgefäßen (grau) sichtbar.
ei der Herz-CT werden tausende Röntgenaufnahmen des Herzens zu einer 3D-Abbildung verrechnet. So werden Engstellen (Pfeil) an Blutgefäßen (grau) sichtbar.
Foto: Dewey/Charité


„Unsere Ergebnisse werden Ärztinnen und Ärzten die Einschätzung erleichtern, in welchen Fällen eine Herz-CT statt einer Herzkatheter-Untersuchung zur Diagnose einer koronaren Herzkrankheit sinnvoll sein könnte“, sagt Prof. Dewey.

Der Radiologe hofft zudem, dass die Studie auch zu einer Vereinheitlichung der medizinischen Leitlinien beiträgt. 

Diese raten in unterschiedlichen Ländern bisher noch zu verschiedenen Vorgehen bei Verdacht auf KHK.

*Haase et al., Diagnosis of obstructive coronary artery disease using computed tomography angiography in patients with stable chest pain depending on clinical probability and in clinically important subgroups: meta-analysis of individual patient data. BMJ. 2019; 365:l1945. doi: 10.1136/bmj.l1945

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Prof. Dr. Marc Dewey
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Originalpublikation:
https://doi.org/10.1136/bmj.l1945

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Chronische Nierenerkrankungen: Therapie und Diagnostik

Medizin am Abend Berlin MaAB - Fazit: 

Forscher identifizieren 166 neue Risiko-Gene für Nierenerkrankungen

Forscher der Medizinischen Fakultät der Universität Leipzig haben in Zusammenarbeit mit einem weltweiten Konsortium das Genom von mehr als einer Million Patienten analysiert und 116 neue Gene entdeckt, die zu chronischen Nierenerkrankungen führen. 

Sie bieten nun neue Ansatzpunkte für Therapie und Diagnostik. 

In die genomweite Meta-Analyse brachten die Leipziger Forscher rund 14.000 Datensätze aus den LIFE-Kohorten sowie der Sorben-Studie mit ein. 

Die Untersuchung erschien kürzlich im Fachmagazin Nature Genetics. 
 
  • Etwa acht Millionen Menschen leiden in Deutschland unter einer chronischen Nierenkrankheit, 8.000 von ihnen benötigen eine Nierentransplantation. 

Doch zur Entwicklung neuer effektiver Therapeutika fehlt ein umfassendes Verständnis der zugrundeliegenden Prozesse der chronischen Nierenerkrankung.

Ein Wissenschaftlerteam aus mehr als 270 Forschungsabteilungen weltweit hat nun in einem dreijährigen Projekt das Genom von 1,05 Millionen Studienteilnehmern analysiert und ausgewertet.
Sie fanden neue Genorte und neue Risiko-Gene, die mit Nierenerkrankungen assoziiert sind.

  • Besonders im Blick hatten die Forscher die Gene, die die Fähigkeit der Niere beeinflussen, das Blut durch Filtration von Schadstoffen zu reinigen.

Rund 14.000 Datensätze kommen aus Leipzig

Um nachzuweisen, dass bestimmte Gene im Zusammenhang mit der Erkrankung stehen, führten die Wissenschaftler unter Federführung des Universitätsklinikums Freiburg große Datenanalysen durch. Dafür werteten sie Datensätze des internationalen „Chronic Kidney Disease Genetics (CKDGen) Consortiums“ und des US-amerikanischen „Million Veteran Program“ aus. Etwa 100 Studien weltweit trugen die Ergebnisse zusammen. „Die Größe des Datensatzes machte es möglich, so viele neue und statistisch signifikante Gene und Genorte zu lokalisieren sowie genetische Zusammenhänge zu anderen Merkmalen wie zum Beispiel Körpermaße und Stoffwechselparameter“, sagt Prof. Dr. Markus Scholz, Seniorautor und Professor für Genetische Statistik und Biomathematische Modellierung am Institut für Medizinische Informatik, Statistik und Epidemiologie (IMISE). Neben der hohen Expertise im Bereich der genetischen Statistik brachten die Leipziger Wissenschaftler auch Datensätze aus den Studien des Leipziger Forschungszentrums für Zivilisationserkrankungen (LIFE) und der Sorben-Studie mit ein. „Aus allen drei großen LIFE-Kohorten, der Erwachsenenstudie, der Herzstudie und der Kinderstudie, konnten wir die Daten von etwa 14.000 Menschen einbringen und sind damit weltweit unter den zehn größten Partnern des Konsortiums. Diese hohen Fallzahlen ermöglichen es uns, die häufig vielfältigen genetischen Ursachen für Erkrankungen zu erkennen“, sagt Prof. Scholz.

Elf Gene besonders aussichtsreich für neue Therapie-Ansätze

Im Ergebnis konnte die Studie 166 neue Genorte erstmals nachweisen. „Wir gehen davon aus, dass Veränderungen in diesen Genen eine Nierenerkrankung begünstigen können. Auf der Grundlage unserer Studie kann man nun das individuelle genetische Risiko für die Entwicklung einer Nierenerkrankung besser einschätzen“, so Scholz. Risikovarianten in elf dieser Gene sind nach Ansicht der Forscher direkt ursächlich und könnten somit unter anderem für die Entwicklung neuer Medikamente wichtig sein. Außerdem verglichen die Wissenschaftler die Genaktivität von 46 Gewebetypen des gesamten Körpers und konnten zeigen, dass viele relevante Genveränderungen zu einer Veränderung der Genaktivität im Gewebe der Nieren und des Urogenitaltrakts führen.

Nieren sorgen für Entgiftung

  • Die Nieren reinigen und filtern unser Blut. 
  • Pro Tag säubern sie rund 300 Mal die etwa sechs Liter Blut im Körper: 
  • Wichtige Substanzen wie Eiweiße oder Mineralien bleiben im Blut, Stoffwechselabfallprodukte hingegen filtert das Organ heraus und scheidet sie über den Urin aus.  
  • Aus circa 180 Litern, die täglich aus dem Blut gefiltert werden, gelangen nur zwei bis drei Liter konzentriert in die Harnblase - der Rest bleibt dem Körper erhalten. 

Die Nierenfunktion nimmt bei Erwachsenen kontinuierlich mit dem Alter ab. 

Ist sie nachhaltig eingeschränkt, kann es zu vielfältigen Beschwerden kommen.

Dazu gehören Schwellungen der Beine oder des Gesichts, Müdigkeit, Übelkeit, Gewichtsverlust oder Muskelkrämpfe bis hin zum Nierenversagen im Endstadium. 
Chronische Nierenkrankheiten gehören zu den am stärksten ansteigenden Todesursachen in den vergangenen zehn Jahren.

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Prof. Dr. Markus Scholz
Institut für Medizinische Informatik, Statistik und Epidemiologie (IMISE)
Telefon: +49 341 97-16100
E-Mail: markus.scholz@imise.uni-leipzig.de
Web: http://www.imise.uni-leipzig.de

Ritterstraße 26
04109 Leipzig
Deutschland

Sachsen

Dr. Katarina Werneburg
Telefon: 0341-9735021
E-Mail-Adresse: katarina.werneburg@medizin.uni-leipzig.de

Originalpublikation:
“A catalog of genetic loci associated with kidney function from analyses of a million individuals”, DOI: 10.1038/s41588-019-0407-x

Prof. Dr. Anna Köttgen
Direktorin
Institut für Genetische Epidemiologie
Universitätsklinikum Freiburg
Telefon: 0761 270-78050
anna.koettgen@uniklinik-freiburg.de

Benjamin Schoch-Waschow
Telefon: (0761) 270 - 19090
Fax: (0761) 270 - 19030
E-Mail-Adresse: benjamin.waschow@uniklinik-freiburg.de

Breisacher Straße 153
79110 Freiburg
Deutschland
Baden-Württemberg 
 

Originalpublikation:
Original-Titel der Studie: A catalog of genetic loci associated with kidney function from analyses of a million individuals

DOI: 10.1038/s41588-019-0407-x

Weitere Informationen:
https://www.nature.com/articles/s41588-019-0407-x Link zur Studie

Untersucher-CAVE: Diabetisches Fußsyndrom - Zuckerkrankheit Diabetes mellitus

Medizin am Abend Berlin MaAB - Fazit:  Amputationen bei Diabetikern vermeiden

  • Füße von Diabetikern benötigen täglich einen Kontrollblick und viel Pflege

Diabetiker sollten ihre Füße täglich auf Hautdefekte untersuchen und viel Sorgfalt bei der Fußpflege aufbringen. 


Denn sie unterliegen dem Risiko, ein sogenanntes diabetisches Fußsyndrom zu erleiden – eine Spätfolge der Zuckerkrankheit Diabetes mellitus. 

Dabei können sich kleine Verletzungen schnell zu großen Wunden mit starken Entzündungen ausdehnen, die unbehandelt zu langen Krankheitsverläufen mit operativen Eingriffen bis hin zur Amputation führen können. 
 
„Die Früherkennung von Auffälligkeiten ist entscheidend für eine gute Heilung. Diabetiker sollten kleinste Hautrisse, Verletzungen und Druckstellen am Fuß daher frühzeitig einem Spezialisten vorstellen“, sagt Prof. Dr. Carsten Perka, stellvertretender Präsident der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU).

Die DGOU gibt Tipps, wie sich Komplikationen vermeiden lassen: Die konsequente Selbstuntersuchung, richtiges Schuhwerk mit einer geeigneten Fußbettung sowie täglich gewaschene und gecremte Füße gehören dazu.

  • Bei Diabetikern kommt es infolge langjähriger veränderter Stoffwechsellagen, bedingt durch den erhöhten Blutzuckerspiegel, zu Veränderungen des Fußes: 
  • CAVE: betroffen sind Nerven, Blutgefäße, Muskeln, Bänder und Knochen. 
  • Die Füße werden schnell trocken und rissig und sind damit anfällig für Verletzungen. 
  • Die Wundheilung ist aufgrund von Durchblutungsstörungen gestört. 

Zudem kommt es aufgrund von Nervenschädigungen (Polyneuropathie) zum Verlust der Schmerzempfindlichkeit: Beispielsweise wird ein schmerzendes Steinchen im Schuh nicht wahrgenommen und kann den Fuß wund scheuern. „Die fehlende Hautempfindlichkeit muss daher durch einen Kontrollblick ausgeglichen werden“, sagt Dr. Jörn Dohle, Leiter der DGOU-Sektion Deutsche Assoziation für Fuß und Sprunggelenk (D.A.F.).

Findet sich eine kleine Verletzung oder eine beginnende Entzündung am Fuß, sollte diese umgehend behandelt werden. 

„Leichte Defekte können sich schnell zu chronischen Wunden entwickeln, wenn sie nicht frühzeitig behandelt werden“, warnt D.A.F.-Expertin Dr. Tanja Kostuj. So entstünden Geschwüre, bei denen sich das umliegende Gewebe entzündet und abstirbt.

In der Folge drohten nicht selten die Amputation von Zehen, eines Fußes oder eines ganzen Beines.

 Im Frühstadium ließen sich diese Wunden jedoch noch gut behandeln.

Eine weitere Komplikation des diabetischen Fußes ist der sogenannte Charcotfuß: 

  • Durch Nerven- und Durchblutungsstörungen verlieren die Fußknochen an Stabilität und können schon bei normaler Belastung einbrechen und die gesamte Fußstatik zerstören. 

Das klinische Bild gleicht anfangs einer Entzündung. 

  • Unbehandelt kommt es zur Verformung des Fußes, die wiederum zu massiven Druckstellen und Geschwüren mit bakteriellen Entzündungen führt.
Viele Patienten mit einem diabetischen Fußsyndrom gehen jedoch erst zum Arzt, wenn sie ernsthafte Beschwerden haben und werden dann häufig zu spät zum Spezialisten überwiesen. 

Deutschland gibt es jährlich ca. 19.000 Amputationen des Ober- und Unterschenkels (Majoramputationen) und 44.0000 Amputationen des Fußes – in 43 Prozent der Fälle sind Durchblutungsstörungen die Ursache dafür, in 39 Prozent der Fälle Diabetes mellitus*.

Auf die schwerwiegenden Folgen einer Amputation macht Prof. Dr. Bernhard Greitemann, Vorsitzender der DGOU-Sektion Vereinigung Technische Orthopädie (VTO), aufmerksam: „Patienten haben nach einer Amputation ein Leben lang Rehabilitationsbedarf – das Gehen mit einer Prothese muss neu gelernt werden.“

Präventionsmaßnahmen und die frühzeitige Diagnostik bzw. Therapie sind entscheidend für den Erhalt der Füße bei Diabetikern. Orthopäden und Unfallchirurgen raten daher zu folgenden Maßnahmen:

• Selbstuntersuchung: Diabetiker oder deren Angehörige sollten die Füße täglich nach Verletzungen, Druckstellen und Nagelveränderungen absuchen. Bei Schäden sollte unmittelbar ärztlicher Rat eingeholt werden, um das Ausbreiten von Entzündungen zu verhindern.

• Fußpflege: Die Füße sollten täglich gewaschen und eingecremt werden. Auch die Pflege der Zehennägel gehört dazu, ggf. durch einen Fachmann. Der Strumpfwechsel und die Desinfektion der Schuhe von innen sollten täglich durchgeführt werden.


• Schuhwerk: Diabetiker sollten nicht zu enges oder scheuerndes Schuhwerk tragen, damit es nicht zu Druckstellen oder Geschwüren kommt. Der Schuh sollte an den Zehen groß genug sein und keine innen liegenden Nähte haben. Vorteilhaft ist ein weiches, atmungsaktives Leder sowie keine oder eine weiche Vorderkappe. Bestehen bereits Nervenschäden (Polyneuropathie) oder Fußfehlstellungen sollte auf eine geeignete individuelle diabetikergerechte Weichbettung des Fußes geachtet werden.

• Schuhwechsel:
Diabetiker sollten zur Verminderung von Druckstellen öfter mal die Schuhe wechseln.

• Sofort zum Arzt: Jede Schwellung am Fuß, kleinste Schäden an der Haut oder ein Pilzbefall sollten ärztlich untersucht werden.

• Fußschutz: Barfußlaufen sollte wegen der Verletzungsgefahr ganz vermieden werden, insbesondere wenn bereits eine Nervenschädigung (Polyneuropathie) festgestellt wurde, d.h. der Schmerzreiz als natürlicher Schutz vor tiefergreifenden Verletzungen ausfällt.

• Vorstellung in einer „Diabetischen Fußambulanz“: Bei bereits offenen und entzündeten Stellen am Fuß bzw. ausgeprägtem diabetischem Fußsyndrom sollte zügig eine Wundsanierung erfolgen, um einer Amputation entgegenzuwirken. Die Wundsanierung ist sehr anspruchsvoll und erfordert daher eine konzentrierte Zusammenarbeit mit Spezialisten verschiedener Fachgebiete.

Dazu zählen:

Diabetologen für die Optimierung der Blutzuckereinstellung, 
Radiologen für die Gefäßdiagnostik, 
Gefäßchirurgen für die Behandlung der Durchblutungsstörungen, 
Fußchirurgen für die operative Therapie, 
Neurologen,
Orthopädieschuhtechniker zur Kontrolle der Schuhzurichtungen bzw. Orthesenversorgung. 

Diese Expertenteams sind regional unterschiedlich organisiert und etabliert.

*Quelle: Statistisches Bundesamt 2016

Weitere Informationen: www.dgou.de

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Susanne Herda, Swetlana Meier
Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU) e.V.
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Kardiomyopathie - DCM - krankhafte Erweiterung des Herzmuskels

Medizin am Abend Berlin MaAB - Fazit: Unbekannte Mini-Eiweiße im Herzen

Ein Team um die MDC-Arbeitsgruppe von Professor Norbert Hübner hat den Eiweißfabriken menschlicher Herzzellen bei der Arbeit zugesehen und dabei erstmals ganze Gewebe untersucht. 

In „Cell“ berichtet die Gruppe von überraschenden Beobachtungen und möglichen Folgen für die Therapie von Herzleiden. 

Ein großer Teil der Mikroproteine wandert nach ihrer Herstellung zu den Mitochondrien, den Kraftwerken der Zelle. Das Bild zeigt den Nachweis.
Ein großer Teil der Mikroproteine wandert nach ihrer Herstellung zu den Mitochondrien, den Kraftwerken der Zelle. Das Bild zeigt den Nachweis. Franziska Trnka, MDC
 
Das menschliche Herz birgt viele Geheimnisse.

Und das nicht nur im übertragenen, emotionalen Sinn:

Auch ganz rational betrachtet weiß man erstaunlich wenig darüber, wie das muskuläre Organ, das jede Zelle des Körpers mit Sauerstoff versorgt, funktioniert – und warum es manchmal nicht das tut, was es eigentlich soll.

Etwas mehr Licht ins Dunkel bringt jetzt eine im Fachblatt „Cell“ veröffentlichte Studie. Ein internationales Team aus 56 Forscherinnen und Forschern unter Leitung des MDC berichtet darin, welche Proteine von den Ribosomen, den zellulären Eiweißfabriken, in den Herzzellen gesunder und kranker Menschen hergestellt werden.

Bei ihren Experimenten ist die Gruppe auf so manche Überraschung gestoßen, zum Beispiel auf eine Vielzahl winziger Proteine, die man bislang noch gar nicht kannte.

Beteiligt waren an der Arbeit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Berlin, unter anderem aus mehreren Arbeitsgruppen des MDC und der Charité, sowie aus Bad Oeynhausen, Göttingen, Hamburg, Münster, Australien, Großbritannien, Japan, den Niederlanden, Singapur und den USA.

Im Erbgut gibt es viele erst jetzt entdeckte Baupläne

Die im Zellkern jeder Zelle verpackte DNA enthält einen Bauplan für sämtliche Proteine, die im Körper gebildet werden.

Die Produktion der Eiweiße erfolgt stets in zwei Schritten, der Transkription und der Translation.  
  • Im ersten Schritt werden Kopien von Teilstücken der DNA in Form von Boten- oder Messenger-RNA (mRNA) hergestellt, die den Zellkern verlassen. 
  • Im zweiten Schritt bauen die Ribosomen aus einzelnen Aminosäuren, die in der Zelle umherschwimmen, die entsprechenden Proteine zusammen. 

Während die Transkription ein wissenschaftlich recht gut untersuchter Prozess ist, sind bei der Translation noch vergleichsweise viele Fragen offen.

„Wir haben nun mithilfe einer noch recht jungen Technik, dem Ribosomen-Profiling oder kurz Ribo-Seq, zum ersten Mal nicht nur in isolierten Zellen, sondern in intaktem menschlichen Herzgewebe ermittelt, zu welchen Stellen der mRNA sich die Ribosomen begeben“, sagt Dr. Sebastiaan van Heesch aus der MDC-Arbeitsgruppe „Genetik und Genomik kardiovaskulärer Erkrankungen“ von Professor Norbert Hübner. „Über spezielle Algorithmen konnten wir daraus anschließend errechnen, welche Proteine bei der Translation im Herzen gebildet werden“, erläutert van Heesch, der Erstautor der Studie ist.

Auf diese Weise entdeckten die Forscherinnen und Forscher eine ganze Reihe winziger, bislang unbekannter Eiweiße. „Was uns zusätzlich überraschte, war die Tatsache, dass sehr viele der Mikroproteine von RNAs kodiert wurden, von denen man bislang dachte, dass sie gar nicht kodierend sind, also keine Bauanleitung für Proteine enthalten“, berichtet van Heesch.

Die meisten Mini-Eiweiße dienen der Energiegewinnung

Mit speziellen mikroskopischen Techniken konnten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler anschließend beobachten, dass mehr als die Hälfte der Mikroproteine nach ihrer Herstellung zu den Mitochondrien, den Kraftwerken der Zelle, wanderten. „Das bedeutet, dass sie offenbar für die Energiegewinnung des Herzens benötigt werden“, sagt Norbert Hübner.

„Da viele Herzerkrankungen auf Fehler im Energiestoffwechsel zurückgehen, interessierte uns dieses Resultat natürlich ganz besonders.“

Um mögliche Unterschiede des Translatoms, also der Gesamtheit der hergestellten Eiweiße, zwischen kranken und gesunden Herzen aufzuspüren, untersuchten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zum einen Gewebeproben von 65 Patientinnen und Patienten mit dilatativer Kardiomyopathie (DCM), einer krankhaften Erweiterung des Herzmuskels. 

  • Die Proben wurden den Betroffenen während einer ohnehin anstehenden Herzoperation per Biopsie entnommen. 

Zum Vergleich diente das Gewebe von 15 nicht erkrankten Herzen.

  • Das Herzleiden DCM, das bei vielen Patientinnen und Patienten irgendwann eine Herztransplantation erforderlich macht, geht bei manchen Erkrankten auf eine Mutation im Gen für das größte und wichtigste Eiweiß des menschlichen Herzens zurück: 
  • Titin. 

„Aufgrund der Genveränderung entsteht in der mRNA ein Stoppsignal, das den Ribosomen signalisiert, ihre Arbeit zu beenden und das Titin nicht fertig zu bauen“, erläutert van Heesch. Allerdings erkranken nicht alle Menschen, die diese Mutation in ihrem Erbgut tragen, im Laufe ihres Lebens tatsächlich an DCM.

Neue Ansätze gegen Herzleiden sind nun in Sicht

Den Gründen dafür sind van Heesch und seine Kolleginnen und Kollegen jetzt auf der Spur. „Wir haben beobachtet, dass die Ribosomen zuweilen das rote Ampellicht einfach ignorieren und mit der Titin-Produktion fortfahren können“, berichtet der Forscher. Nun gelte es herauszufinden, unter welchen Umständen dies geschehe. „Möglicherweise liegt es an der Position, die die Genveränderung auf der mRNA einnimmt“, spekuliert van Heesch. Vielleicht seien aber auch Faktoren beteiligt, die sich, wenn man sie erst einmal erkannt habe, therapieren lassen.

Auch die Rolle der neu entdeckten Mikroproteine will er gemeinsam mit seinen Kolleginnen und Kollegen nun noch näher untersuchen. „Es scheint sich bei diesen Eiweißen um evolutionär recht junge Substanzen zu handeln, die wir beispielsweise in Mäuseherzen nicht entdecken konnten“, sagt van Heesch.

Die Mini-Eiweiße zeigten einmal mehr, wie besonders das menschliche Herz doch sei.

Darüber hinaus hofft der Wissenschaftler, sie eines Tages entweder zur Diagnostik von Herzerkrankungen nutzen zu können – oder aber als therapeutische Zielstruktur, über die sich ein gestörter Energiestoffwechsel des Herzens besser als bisher behandeln lässt.

Das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin

Das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) wurde 1992 in Berlin gegründet. Es ist nach dem deutsch-amerikanischen Physiker Max Delbrück benannt, dem 1969 der Nobelpreis für Physiologie und Medizin verliehen wurde. Aufgabe des MDC ist die Erforschung molekularer Mechanismen, um die Ursachen von Krankheiten zu verstehen und sie besser zu diagnostizieren, verhüten und wirksam bekämpfen zu können. Dabei kooperiert das MDC mit der Charité – Universitätsmedizin Berlin und dem Berlin Institute of Health (BIH) sowie mit nationalen Partnern, z.B. dem Deutschen Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DHZK), und zahlreichen internationalen Forschungseinrichtungen. Am MDC arbeiten mehr als 1.600 Beschäftigte und Gäste aus nahezu 60 Ländern; davon sind fast 1.300 in der Wissenschaft tätig. Es wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und zu 10 Prozent vom Land Berlin finanziert und ist Mitglied in der Helmholtz-Gemeinschaft deutscher Forschungszentren. www.mdc-berlin.de

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Professor Norbert Hübner
Leiter der Arbeitsgruppe „Genetik und Genomik kardiovaskulärer Erkrankungen“
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Dr. Sebastiaan van Heesch
Postdoktorand in der Arbeitsgruppe „Genetik und Genomik kardiovaskulärer Erkrankungen“
Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC)
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Jana Schlütter
Telefon: 030-9406-2121
E-Mail-Adresse: jana.schluetter@mdc-berlin.de


Originalpublikation:
Sebastiaan van Heesch et al. (2019): „The Translational Landscape of the Human Heart“. Cell, DOI:10.1016/j.cell.2019.05.010.



CAVE: Rettungsstellen-KANZEL: "Werther-Effekt" Suizid und Selbstverletzung

Medizin am Abend Berlin MaAB -Fazit: Suizid und Selbstverletzung auf Instagram

  • Bildliche Darstellungen von Suizid und Selbstverletzung finden sich auf Instagram, einer Social Media Plattform, die vor allem bei jungen Menschen populär ist. 
  • Wissenschaftliche Untersuchungen dazu kamen zum Schluss, dass Selbstverletzung und Suizid präsent sind und teilweise äußerst explizit dargestellt werden. 

Die konkreten Auswirkungen der Nutzung dieser Inhalte auf UserInnen waren bis jetzt unbekannt. 

Diese Lücke schließt nun eine Studie von Florian Arendt von der Universität Wien, der gemeinsam mit Wissenschaftern der Universität Pennsylvania und der KU Leuven die Wirkung solcher Darstellungen untersucht hat. 
 
Die Tatsache, dass eine explizite, detaillierte Beschreibung und Abbildung der Suizidmethode in Medien Nachahmungseffekte begünstigen kann, ist in zahlreichen Studien für das Fernsehen und Tageszeitungen nachgewiesen.

Dies ist in der Literatur bereits als "Werther-Effekt" bekannt. Wie es sich mit solchen Inhalten auf Instagram verhält, untersuchte nun Florian Arendt vom Institut für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft mit einem internationalen Forscherteam.

Konkret führten die Forscher in den USA im Abstand von rund einem Monat eine webbasierte Befragung in zwei Wellen mit insgesamt 729 ProbandInnen im Alter zwischen 18 und 29 Jahren durch.

Dabei fanden sie heraus, dass eine überraschend große Anzahl der UserInnen (43 Prozent) bereits mit Suizid- oder Selbstverletzungsinhalten auf Instagram persönlich in Berührung gekommen war. 

Die Mehrheit dieser UserInnen (64 Prozent) gab "emotionale Verstörung" als Reaktion auf diese Zuwendung an. 

Nur 20 Prozent gaben an, bewusst nach Suizid- oder Selbstverletzungsinhalten auf Instagram gesucht zu haben. 

Das heißt, dass ein Großteil der UserInnen diese Inhalte ohne gezielte Suchabsicht, also zufällig und unbeabsichtig, gesehen hat.

Im Querschnitt zeigte sich den Forschern ein statistischer Zusammenhang zwischen dem Anschauen von Suizid- oder Selbstverletzungsinhalten (z.B. Fotos mit Ritzen, kurze Videoclips mit Suiziddarstellungen) und häufigeren Suizidgedanken, einer größeren Hoffnungslosigkeit, weniger Gründen selbst am Leben zu bleiben (d.h. weniger "Reasons for Living") und mehr (selbst-berichtetes) selbstverletzendes Verhalten.


Die Zuwendung zu problematischen Inhalten sagte (auch im Längsschnitt) eine Verschlechterung von Suizidgedanken, Hoffnungslosigkeit, Reasons for Living, und selbstverletzendem Verhalten zwischen den beiden Befragungswellen voraus. Die Zuwendung zeigte jedoch keinen Effekt auf konkrete Suizidpläne (d.h. eine konkrete Verhaltensabsicht) der UserInnen.

"Sowohl KommunikationswissenschafterInnen und SuizidexpertInnen, aber auch Eltern haben in der jüngsten Vergangenheit Besorgnis über diese expliziten Inhalte auf Instagram geäußert. 

Unsere Ergebnisse liefern Evidenz dafür, dass diese Besorgnis gerechtfertigt ist", sagt Florian Arendt von der Universität Wien, Erstautor der Studie.

"Zwar kann diese Befragungsstudie keine Werther-Effekte im Sinne eines Anstiegs der Suizidrate nachweisen, die Analysen deuten jedoch auf problematische Konsequenzen dieser Inhalte hin.

Darstellungen von Suizid- und selbstverletzendem Verhalten auf Social Media wie Instagram gehören stärker in den Fokus unserer Aufmerksamkeit."

Gesellschaftliche Verantwortung: Was soll Instagram machen?
"Betreiber von Social Media Plattformen wie Instagram haben eine wichtige gesellschaftliche Verantwortung ", meint Arendt. Instagram hat unlängst verlautbart, sich dem Thema stärker annehmen zu wollen und explizite grafische Darstellungen von Suizid und Selbstverletzung zu verbannen. "Ein guter und wichtiger Schritt", so Arendt. Dieser Ansicht schließen sich auch die Ko-Autoren der Studie, Sebastian Scherr von der KU Leuven (Belgien) und Daniel Romer von der Universität Pennsylvania (USA) an. Die Ergebnisse dieser Studie bekräftigen die Wichtigkeit einer raschen und verantwortungsvollen Umsetzung dieses Vorhabens.

"Es soll allerdings nicht zu einer Tabuisierung von Suizid oder Selbstverletzung kommen. Das präventive Potential von Instagram sollte besser als bislang genützt werden, indem etwa vulnerablen UserInnen verstärkt Hilfsangebote kommuniziert werden und sie dadurch online Unterstützung finden.

Inhalte hingegen, von denen wir empirische Evidenz besitzen, dass diese Nachahmungseffekte begünstigen – wie etwa detaillierte, grafische, explizite Darstellungen – sollten nicht öffentlich und derart leicht zugänglich sein.

Vor allem auch, wenn man an die Jüngsten unserer Gesellschaft denkt", so Arendt.

Zum Studiendesign
Bei der vorliegende Studie handelt es sich um eine nicht-repräsentative Stichprobe von jungen Erwachsenen.

Es wurde kein klinisches Sample getestet.

Zudem kann ein mehrwelliges Panel-Design zwar die Interpretation kausaler Effekte erleichtern, jedoch kann Kausalität nicht bewiesen werden, wie dies etwa bei einer randomisierten kontrollierten Studie der Fall wäre. Letzterem Forschungsdesign sind im Suizidpräventionsbereich jedoch auf Grund ethischer Bedenken bei gewissen Fragestellungen zurecht Grenzen gesetzt.

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Originalpublikation:
Publikation in "New Media & Society"
Florian Arendt, Sebastian Scherr, Daniel Romer: "Effects of exposure to self-harm on social media: Evidence from a two-wave panel study among young adults"
DOI: 10.1177/1461444819850106

Chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD): systemische Entzündung

Medizin am Abend Berlin MaAB - Fazit:  

COPD: hohe Sterblichkeit und fehlendes Krankheits-Bewusstsein

Kaum bekannt, aber tödlich – so könnte das Urteil über die Chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD) lauten, die weltweit bereits die dritthäufigste Todesursache ist. 

Eine Untersuchung zum öffentlichen Interesse an COPD mittels der Applikation Google Trends durch ein Ärzti*nnen-Team der Medizin Uni Innsbruck bestätigt diesen Befund: 

Beim Vergleich der Suchanfragen unter den zehn, nach WHO-Klassifikation häufigsten Todesursachen rangiert COPD nur auf Platz 8. Das mangelnde Bewusstsein hat fatale Folgen. 
 
  • Obwohl die Prävalenz und die Sterblichkeitsrate von COPD weltweit kontinuierlich ansteigen, bleibt die Chronisch obstruktive Lungenerkrankung oft unerkannt und nicht diagnostiziert. 

„COPD ist in den Köpfen der Menschen viel zu wenig verankert“, weiß Alex Pizzini, Facharzt an der Innsbrucker Univ.-Klinik für Innere Medizin II (Direktor: Günter Weiss), der zusammen mit Anna Böhm und Studienleiter Ivan Tancevski die aufschlussreiche Analyse durchführte.

Stagnierendes Interesse an COPD trotz steigender Todesraten
Um das mangelnde Bewusstsein für die Erkrankung quantifizieren zu können, hat das Pneumologie-Team um Böhm, Pizzini und Tancevski mithilfe der Analyse-Applikation Google Trends die Frequenz der globalen Suchanfragen nach COPD im Zeitraum von 2004 bis 2018 untersucht. Dabei wurde das relative Suchvolumen für COPD mit neun weiteren, aus der von der WHO in einer jährlichen Statistik veröffentlichten Liste der weltweit häufigsten Todesursachen verglichen. Um die Analyse nicht zu verzerren, beschränkten sich die Forscher*innen in ihrer Internetsuche auf Industrienationen, also auf Länder, in denen rund 80 Prozent der Bevölkerung das Internet nutzen. „Wir konnten zeigen“, so Pizzini, „dass medizinische Themen grundsätzlich ein geringeres Suchvolumen aufweisen, am häufigsten aber nach Diabetes, Schlaganfall und Brustkrebs gegoogelt wird.

  • COPD findet sich erst auf dem achten Platz, saisonal bedingt interessieren sich Nutzerinnen und Nutzer der Suchmaschine Google im ersten und vierten Jahresquartal, also in den Wintermonaten, ein bisschen mehr als sonst für COPD“. 


COPD wird also viel seltener gesucht, als Menschen daran erkranken. 

Im zeitlichen Verlauf lässt sich seit 2004 gar ein stagnierendes Suchveralten feststellen – ein Trend, der der Neuerkrankungsrate zuwider läuft.

Immerhin leidet in Österreich jede/r Zehnte an COPD, nach dem 70. Lebensjahr schon jede/r Vierte. Den Daten von Statistik-Austria zufolge wurde von 2002 bis 2016 in Österreich ein Anstieg der Todesraten von COPD Patient*innen von über 60 Prozent registriert – ein Trend, der mit einem Anstieg von 130 Prozent vor allem auch Tirol betrifft.

Unbekannte bleibt Unerkannte mit tödlichen Folgen
Dabei ist COPD als systemische Entzündung mit zahlreichen Begleiterkrankungen und sich stetig verschlechternder Lebensqualität verbunden. Schon eine geringe Abnahme der Lungenfunktion steigert das Herzinfarktrisiko.

Das Risiko, eine Herzinsuffizienz zu entwickeln ist bei COPD sechsmal erhöht, das Schlaganfallrisiko zehn Mal höher.

Sogenannte Exazerbationen (akute Verschlimmerung der Erkrankung), die in der dritten und vierten Krankheitsstufe zunehmend auftreten und in schweren Fällen eine Aufnahme in der Intensivstation notwendig machen, führen in zehn Prozent der Fälle zum Tod, das Sterblichkeitsrisiko bleibt bis zu einem Jahr danach noch um bis zu 40 Prozent erhöht.

Mit einem höheren Bewusstsein und einer rechtzeitigen Diagnose könnten jedoch Risikofaktoren wie etwa das Rauchen eliminiert, Exazerbationen verhindert und Begleit- bzw. Folgeerkrankungen entsprechend behandelt werden.

Über 90 Prozent aller COPD Patient*innen rauchen oder haben über lange Zeit geraucht. 

Symptome wie erhöhte Schleimbildung und chronischer Husten sollten deshalb vor allem für Raucher*innen Grund genug sein, Atemwege und Lunge untersuchen zu lassen. 

„Vor dem Hintergrund des fehlenden Krankheitsbewusstseins wird der Raucherhusten allzu oft bagatellisiert. Rauchen, auch das Passiv-Rauchen, steht jedoch an erster Stelle der Risikofaktoren für COPD“, warnt Studienleiter Ivan Tancevski, der die Ergebnisse der im Fachjournal European Respiratory Journal veröffentlichten Internet-Analyse als wichtigen Impuls für gezielte Maßnahmen zur Awareness-Bildung sieht.

Das Team in Innsbruck arbeitet derzeit bereits an Folgeprojekten, um die Patient*innenversorgung weiter zu verbessern.

Hintergrundinformation
Die chronisch obstruktive Lungenerkrankung geht von einer chronischen Entzündung der unteren Atemwege aus. 

  • Diese andauernde Entzündungsreaktion bewirkt Veränderungen und Umbauprozesse, die eine bleibende Verengung der Bronchien und Bronchiolen bedingen. 
  • Chronische Symptome wie Husten, Auswurf und Atemnot sind möglich, fortgeschrittene Stadien sind häufig mit Lungenemphysem assoziiert, betroffene Patient*innen benötigen häufig eine chronische Sauerstoffversorgung.

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Dr. Alex Pizzini
Universitätsklinik für Innere Medizin II
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E-Mail: Alex.Pizzini@i-med.ac.at

Priv.-Doz. Dr. Ivan Tancevski
Universitätsklinik für Innere Medizin II
Tel.: +43 50 504 86750
E-Mail: Ivan.Tancevski@i-med.ac.at

Innrain 52
6020 Innsbruck
Österreich
Tirol


Doris Heidegger
E-Mail-Adresse: doris.heidegger@i-med.ac.at

Originalpublikation:
https://doi.org/10.1183/13993003.00351-2019