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CAVE: Rettungsstelle-KANZEL: Kokainstreckmittel - Hirnschäden / Cannabis / LDS

Medizin am Abend Berlin Fazit: Kokainstreckmittel steht im Verdacht, Hirnschäden zu verursachen

Wer regelmässig Kokain konsumiert, das mit dem Tierentwurmungsmittel Levamisol gestreckt wurde, zeigt schlechtere kognitive Leistungen und verfügt über eine dünnere Hirnrinde. 

Dies geht aus zwei aktuellen Studien der Universität Zürich hervor. 

  • Die Forschenden schliessen daraus, dass Levamisol neurotoxisch wirken könnte und plädieren für den Ausbau sogenannter Drug-Checking-Programme. 
 
Kokain ist nach Cannabis die am zweithäufigsten konsumierte illegale Substanz weltweit und wird für den Handel auf der Strasse meist gestreckt. 

Vor zehn Jahren tauchte neben herkömmlichen Streckmitteln wie Lokalanästhetika, Schmerzmittel und Koffein eine neue Substanz auf, die in Europa und Nordamerika inzwischen weit verbreitet ist:

Das Tierentwurmungsmittel Levamisol. Warum Levamisol dem Kokain zugesetzt wird, ist nicht vollständig geklärt. Es wird aber vermutet, dass es die Wirkung des Kokains verstärkt oder verlängert.

  • Bekannt ist, dass Levamisol bisweilen zu starken Nebenwirkungen wie Blutbild- und Gefässveränderungen führt. 
  • In frühen Tierversuchen zeigte sich zudem, dass die Substanz das Nervensystem angreifen kann. 

Ein Team von Forschenden der Psychiatrischen Universitätsklinik und des Instituts für Rechtsmedizin der Universität Zürich untersuchte nun, inwiefern das verbreitete Streckmittel die kognitiven Leistungen und die Hirnstruktur von Kokainkonsumenten beeinträchtigt und so negative Effekte des Kokains auf das Gehirn verstärkt.

Höhere Levamisolbelastung, tiefere Hirnleistungen

Um den Kokainkonsum und die Levamisolbelastung einzuschätzen, analysierten die Wissenschaftler Haarproben ihrer Studienteilnehmenden.

Auf dieser Basis untersuchten sie die intellektuelle Leistungsfähigkeit von Kokainkonsumenten mit hohen Levamisolwerten (mehr als 25% im Verhältnis zum Kokain) und solchen mit tiefen Levamisolwerten (weniger als 25% im Verhältnis zum Kokain) und verglichen sie mit einer Kontrollgruppe von Nicht-Konsumenten.

Wie erwartet, zeigten die Kokainkonsumenten in allen gemessenen Bereichen – Aufmerksamkeit, Arbeitsgedächtnis, Langzeitgedächtnis und höhere Planungsfunktionen – schlechtere Leistungen als Nicht-Konsumenten. 

  • Allerdings waren Kokainkonsumenten, die zudem eine hohe Levamisolbelastung aufwiesen, in den höheren Planungsfunktionen nochmals wesentlich stärker beeinträchtigt als solche mit einer tiefen Levamisolbelastung und dies obwohl sich die beiden Gruppen in ihrem Kokainkonsum nicht unterschieden.

Veränderungen in der Gehirnstruktur

In einer zweiten, unabhängigen Studie untersuchten die Forscher mittels Magnetresonanztomographie (MRT), ob sich Kokainkonsumenten mit tiefer respektive hoher Levamisolbelastung auch in ihrer Hirnanatomie unterscheiden.

Tatsächlich zeigte sich derselbe Effekt auch hier:

Bei Kokainkonsumenten mit hohen Levamisolwerten war die Hirnrinde des mittleren Stirnhirnes klar dünner – eine Region, die wiederum mit den höheren Planungsfunktionen in Verbindung gebracht wird.

Besserer Schutz dank Drogen-Checks


Die beobachteten funktionellen und strukturellen Veränderungen im Gehirn liefern für Forschungsleiter Boris Quednow deutliche Hinweise dafür, dass Levamisol bei Kokainkonsumenten neurotoxisch wirken könnte:

 «Wir gehen davon aus, dass nicht nur das Kokain selbst das Gehirn verändert, sondern das Streckmittel Levamisol zusätzlich schädigend wirkt.

Kognitive Beeinträchtigungen, die Kokainkonsumenten ohnehin schon aufweisen, verschlimmern sich dadurch möglicherweise.» 

Der UZH-Professor und seine Forschungskollegen plädieren deshalb dafür, im Rahmen staatlicher Schadensvermeidung sogenannte Drug-Checking-Programme auszubauen.

«Auf diese Weise können Konsumenten die Reinheit der erworbenen Substanz testen lassen und sich vor extrem Levamisol-belasteten Kokainproben besser schützen», so Quednow.

Kokainstreckmittel steht im Verdacht, Hirnschäden zu verursachen



Medizin am Abend Berlin Fazit: Wie LSD das Gehirn beeinflusst

LSD verändert die Kommunikationsmuster zwischen den Hirnregionen. Dies zeigt eine neue Studie von Forschenden der Universitäten Zürich und Yale. 

Sie liefert auch Hinweise darauf, wie psychische Störungen sich entwickeln und wie sie behandelt werden könnten. 
 
Mit Hilfe von Hirnbildgebung haben die Forschenden untersucht, wie sich LSD auf das Gehirn gesunder Teilnehmerinnen und Teilnehmer auswirkt. In durch LSD veränderten Bewusstseinszuständen ist die Kommunikation zwischen den Hirnarealen, die an der Planung und Entscheidungsfindung beteiligt sind, reduziert. Gleichzeitig erhöht LSD die Kommunikation zwischen Hirnarealen, die für sensorische Empfindung und Bewegung zuständig sind.

Therapeutische Wirkung von LSD

Zudem fanden die Wissenschaftler anhand von Mustern der Gehirnaktivität heraus, dass die durch LSD veränderten Kommunikationsmuster von der Stimulation eines bestimmten Rezeptors im Gehirn, dem Serotonin A-Rezeptor, abhängen.

«Blockierten wir diesen Rezeptor mit der Substanz Ketanserin, wirkte LSD nicht mehr», erklärt Katrin Preller, Hauptautorin der Studie von der Universität Zürich und derzeit Gastprofessorin an der Yale Universität.

In den letzten Jahren haben sich Wissenschaftler zunehmend für Psychedelika zur Behandlung von psychischen Störungen wie Depression interessiert.

Depressive Patientinnen und Patienten leiden an stark gedrückter Stimmung, haben oft eine erhöhte Selbst-Fokussierung und verminderte Serotoninwerte. 

Erste Studien an der UZH haben gezeigt, dass Psychedelika wie LSD diese Symptome lindern könnten.

Gezieltere Behandlung von Schizophrenie


Andererseits sind Störungen der sensorischen Wahrnehmung und des Denkens, wie sie LSD auslöst, vergleichbar mit den Veränderungen im Denken und in der Wahrnehmung bei psychischen Krankheiten.

«Daher könnten sich die neuen Studienresultate direkt auf die Behandlung von psychotischen Symptomen, wie sie in der Schizophrenie auftreten, auswirken», sagt Franz Vollenweider, Professor an der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich.

Obwohl Medikamente zur Behandlung der Schizophrenie eine Reihe von Serotonin-Rezeptoren blockieren, sprechen nicht alle Patienten auf die Behandlung an.

CAVE: «Aufbauend auf den hier gefundenen Aktvitätsmustern, könnten Kliniker langfristig einzelne Patienten identifizieren, die am ehesten von Medikamenten mit spezifischen Serotonin-Wirkmechanismen profitieren werden», erklärt Katrin Preller.

Dr. Katrin Preller
Psychiatrische Universitätsklinik Zürich
Tel. +41 44 384 26 25
E-Mail: preller@bli.uzh.ch

Originalpublikation:
Katrin H. Preller, Joshua B. Burt, Jie Lisa Ji, Charles Schleifer, Brendan Adkinson, Philipp Stämpfli, Erich Seifritz, Grega Repovs, John H. Krystal, John D. Murray, Franz X. Vollenweider, Alan Anticevic. Changes in global and thalamic brain connectivity in LSD-induced altered states of consciousness are attributable to the 5-HT2A receptor. eLife. October 25, 2018. DOI: 10.7554/eLife.35082

Wie LSD das Gehirn beeinflusst


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Prof. Dr. Boris B. Quednow
Experimentelle und Klinische Pharmakopsychologie
Psychiatrische Universitätsklinik Zürich
Tel. +41 44 384 27 77
E-Mail: quednow@bli.uzh.ch

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Seilergraben 49
8001 Zürich
Schweiz
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Rita Ziegler
Telefon: 0041446344460
E-Mail-Adresse: rita.ziegler@kommunikation.uzh.ch

Originalpublikation:
Vonmoos M, Hirsiger S, Preller KH, Hulka LM, Allemann D, Herdener M, Baumgartner MR, Quednow BB. Cognitive and neuroanatomical impairments associated with chronic exposure to levamisole-contaminated cocaine. Translational Psychiatry. October 27, 2018. DOI 10.1038/s41398-018-0279-3

Medizin am Abend Berlin FORTBILDUNGSTEAM: Vor Ort

CAVE: Plötzlicher Herztod - Genetisch bedingte Herzerkrankung (vererbte Herz- oder Gefäßerkrankung)

Medizin am Abend Berlin Fazit: Zentrum für Genetische Herz- und Gefäßkrankheiten in Würzburg gegründet

Immer wieder schrecken Meldungen über Sportler, die plötzlich tot umfallen, die Gesellschaft auf. 

Nicht selten steckt eine genetisch bedingte Herzerkrankung hinter dem plötzlichen Herztod. 

Denn das unerwartete Auftreten der Erkrankung in jungen Jahren ist typisch für eine erblich bedingte Herzerkrankung. 

Die Krankheitsbilder einer vererbten Herz- oder Gefäßerkrankung sind häufig komplex und ihre Erforschung und die Betreuung entsprechend vielschichtig. 
  • Um die Betroffenen künftig noch besser in einem multiprofessionellen und interdisziplinären Ansatz zu behandeln, wurde am Uniklinikum Würzburg (UKW) jetzt das Zentrum für Genetische Herz- und Gefäßerkrankungen gegründet. 

Im Labor der Kardiovaskuläre Genetik dienen Stammzellenmodelle als Modellsystem, um genetisch bedingte Herzmuskelerkrankungen zu untersuchen und neue Therapien auf ihre Wirksamkeit zu testen.
Im Labor der Kardiovaskuläre Genetik dienen Stammzellenmodelle als Modellsystem, um genetisch bedingte Herzmuskelerkrankungen zu untersuchen und neue Therapien auf ihre Wirksamkeit zu testen. Gregor Schläger
 
Eine Mutter pflegt ihren schwerkranken Sohn, der auf ein neues Herz wartet.

Das Herz der Mutter ist ebenfalls schwach, auch sie wird eines Tages auf ein Spenderherz angewiesen sein. Eine andere Mutter kommt nicht eher zur Ruhe, bis sie weiß, woran ihre vierjährige Tochter plötzlich mitten in der Nacht gestorben ist. Ist ihre Familie genetisch vorbelastet? Wenn ja, trägt ihr Sohn ebenfalls die Mutation? Ein junger Mann wiederum, gerade 18 Jahre alt, ist bislang kerngesund, möchte aber Klarheit mittels eines Gentests, ob er die genetische Herzmuskelerkrankung seines Vaters geerbt hat; das Risiko liegt bei bis zu 50 Prozent. Trägt er die Mutation, wird er mit großer Wahrscheinlichkeit im Laufe seines Lebens ebenfalls eine Herzerkrankung und Herzrhythmusstörungen bekommen, in der Regel eher früher als später. Er wird Medikamente nehmen, sich vermutlich mit einem Defibrillator vor einem plötzlichen Herztod schützen müssen und vielleicht sogar eines Tages auf ein Spenderherz angewiesen sein.

Diagnose, Therapie und Forschung
Das sind nur drei Fälle von hunderten, die Prof. Dr. Brenda Gerull in der Spezialsprechstunde für familiär bedingte Herzerkrankungen am Deutschen Zentrum für Herzinsuffizienz Würzburg (DZHI) behandelt, betreut und untersucht. „Nicht alle Verläufe sind so dramatisch, manchmal reicht es auch, lebenslang zu Vorsorgeuntersuchungen zu gehen. Aber auch das ist schwer, vor allem, wenn es mit viel Ungewissheit verbunden ist“, erzählt die Kardiologin, die seit Frühjahr 2016 im DZHI das Department für Kardiovaskuläre Genetik leitet. Hier diagnostiziert und therapiert sie nicht nur die genetisch bedingten Herzerkrankungen, hier erforscht die Wissenschaftlerin auch gemeinsam mit ihrem Team die Ursachen und Auslöser.

Da genetische Herzerkrankungen sehr komplex sind und viele Fachbereiche betreffen, hat Brenda Professor Gerull jetzt gemeinsam mit weiteren Kolleginnen und Kollegen des Uniklinikums Würzburg unter dem Dach des Zentrums für Seltene Erkrankungen (ZESE) das Zentrum für Genetische Herz- und Gefäßerkrankungen (ZGH) gegründet. Hier werden unter Gerulls Leitung die Kompetenzen mehrerer Abteilungen des Uniklinikums Würzburg und des Instituts für Humangenetik der Universität Würzburg gebündelt.

Vernetzte Patientenversorgung
„Ich freue mich sehr, dass wir den betroffenen Familien im neuen Zentrum für Genetische Herz- und Gefäßerkrankungen eine intensivere und fachübergreifende Versorgung bieten können. 


Die Erwachsenenkardiologie arbeitet hier noch enger mit der Kinderkardiologie und Herzchirurgie zusammen, die Ambulanzen für Herzinsuffizienz und Rhythmusstörungen, die Bildgebungsabteilungen sind ebenfalls eingebunden. Und auch psychologische Unterstützung können wir im Bedarfsfall vermitteln“, erläutert Brenda Gerull. „Langfristig streben wir jedoch an, dass die Patienten kardiologisch und hausärztlich von den niedergelassenen Kollegen weiterbetreut werden und wir beratend zur Seite stehen.“

Translationale Forschung
Neben der interdisziplinären Diagnose und Behandlung ist die Translationale Forschung ein weiterer wichtiger Aspekt des neuen Zentrums für genetische Herz- und Gefäßerkrankungen. Das bedeutet die schnelle Umsetzung von Forschungsergebnissen in die klinische Behandlung – von der Laborbank zum Krankenbett und zurück. „Im Fokus stehen die Mechanismen und Therapien von genetischen Herzerkrankungen“, erklärt Professor Christoph Maack, stellvertretender Leiter des neuen Zentrums und Leiter des Departments Translationale Forschung am DZHI. „Gemeinsam versuchen wir herauszufinden, auf welchen Wegen genetische Veränderungen beim Patienten zu Herz- und Gefäßerkrankungen führen, um aus diesen Erkenntnissen spezifische Therapien zu entwickeln, übrigens auch für Erkrankungen, die nicht genetisch bedingt sind.“

  • Vererbte Veränderungen führen zwar deutlich seltener zu einer Herz- und Gefäßerkrankung als Faktoren wie Übergewicht, Bluthochdruck, Nikotin oder andere Erkrankungen wie Diabetes, doch die Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Summe führen hierzulande mit Abstand am häufigsten zum Tod.

Weitere Informationen zum Zentrum für Genetische Herz- und Gefäßerkrankungen finden Sie auf der Webseite: www.ukw.de/zgh

Zentrum für Genetische Herz- und Gefäßkrankheiten in Würzburg gegründet


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Prof. Dr. Brenda Gerull, Leiterin des Zentrums für Genetische Herz- und Gefäßerkrankungen und des Departments für Kardiovaskuläre Genetik am Deutschen Zentrum für Herzinsuffizienz Würzburg (DZHI): gerull_b@ukw.de

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CAVE: Erweiterte molekulare Tumordiagnostik

Medizin am Abend Berlin Fazit: Schwerkranke Krebs-Patienten profitieren von erweiterter Molekular-Diagnostik

Erfolgreiche Arbeit des Molekularen Tumorboards am Tumorzentrum des Universitätsklinikums Freiburg / Es profitieren Patienten, bei denen reguläre Therapien nicht mehr helfen / Klinikum beteiligt sich an landes- und bundesweiten Initiativen zur Vereinheitlichung der Diagnostik und Therapie 
 
Das interdisziplinäre Molekulare Tumorboard am Tumorzentrum Freiburg – CCCF des Universitätsklinikums Freiburg ist rund drei Jahre nach seiner Gründung ein großer Erfolg.

Das bestätigt eine kürzlich im Fachmagazin JCO Precision Oncology veröffentlichte Studie.

Darin wurde die Arbeit der ersten beiden Jahre ausgewertet.

Für etwa die Hälfte der 198 Patienten, bei denen die Leitlinien-basierte Diagnostik und Therapie nicht mehr wirkte, fanden die Ärzte und Wissenschaftler eine Therapieoption.

Oft war die Krankheit schon so weit fortgeschritten, dass nur 33 Patienten behandelt werden konnten.

Bei rund 60 Prozent dieser Patienten führte aber die neue Therapie zu einer Stabilisierung oder einem Rückgang der Erkrankung – obwohl zuvor bereits eine oder mehrere Therapien versagt hatten.

In einem landesweit einzigartigen Projekt wird jetzt die Arbeit der Molekularen Tumorboards aller baden-württembergischen Universitätskliniken vereinheitlicht und deren Zusammenarbeit gestärkt. Auch auf Bundesebene wirkt das Tumorzentrum – CCCF an einer Harmonisierung der molekularen Tumorboards zwischen den Tumorzentren mit.

Mittlerweile mehr als 500 Patienten untersucht

Das Molekulare Tumorboard am Tumorzentrum – CCCF des Universitätsklinikums Freiburg wurde 2015 als eines der ersten seiner Art in Deutschland gegründet. „Wir hätten zu Beginn nicht zu hoffen gewagt, dass wir so vielen Betroffenen so gut helfen können“, sagt Prof. Dr. Nikolas von Bubnoff, Oberarzt an der Klinik für Innere Medizin I des Universitätsklinikums Freiburg. Gemeinsam mit Prof. Dr. Silke Laßmann, Molekularpathologische Diagnostik am Institut für Klinische Pathologie, leitet er das Molekulare Tumorboard, das auf Betreiben der CCCF-Direktoren Prof. Dr. Justus Duyster, Ärztlicher Direktor der Klinik für Innere Medizin I, und Prof. Dr. Christoph Peters, Leiter des Instituts für Molekulare Medizin und Zellforschung der Universität Freiburg, initiiert wurde.

Basis ist die erweiterte molekulare Untersuchung der Krebszellen.

Zunächst wird an Tumorproben eines Patienten immunhistologisch und molekularpathologisch geprüft, ob die Zellen Eigenschaften haben, die sich als Angriffspunkt für eine Therapie eignen. Diese zertifizierte Diagnostik erfolgt am Institut für Klinische Pathologie, Universitätsklinikum Freiburg. In ausgewählten Fällen wird dafür das gesamte relevante Tumor-Erbgut mit ausgeklügelten systemmedizinischen Methoden ausgewertet. Dies übernimmt die Arbeitsgruppe von Dr. Dr. Melanie Börries, Institut für Molekulare Medizin und Zellforschung der Universität Freiburg und des Deutschen Konsortiums Translationale Krebsforschung (DKTK). Anhand der Untersuchungsergebnisse sucht das interdisziplinäre Team des Molekularen Tumorboards dann gezielt nach einer passenden Krebstherapie. Während im Studienzeitraum knapp 200 Patienten untersucht wurden, sind es mittlerweile mehr als 500.

  • „Patienten konnten aufgrund der molekularen Analyse des Tumors in eine laufende klinische Studie aufgenommen oder mit einer Off-Label-Therapie behandelt werden“, sagt der Erstautor der Studie Dr. Rouven Höfflin, Arzt an der Klinik für Innere Medizin I des Universitätsklinikums Freiburg. Bei Off-Label-Therapien wird auf Medikamente zurückgegriffen, die für diesen Krankheitstyp eigentlich nicht zugelassen sind, aber trotzdem wirken könnten.

Forschung und Therapie verschmelzen

Außerdem etablieren die Freiburger Forscher derzeit einen gänzlich neuen Weg, der Diagnostik und Therapie miteinander verbindet.

Zunächst werden die spezifisch im Tumor aufgetretenen genetischen Veränderungen identifiziert. 

Finden die Forscher dabei eine noch unbekannte Auffälligkeit, wird im Labor von Prof. Dr. Tilman Brummer, Forschungsgruppenleiter am Institut für Molekulare Medizin und Zellforschung der Universität Freiburg, untersucht, ob das veränderte Protein am Tumorgeschehen beteiligt sein und auf einen geeigneten verfügbaren Wirkstoff reagieren könnte. 

Ist das der Fall, erhält der Patient das Medikament. 

„Dieser gesamte Test ist in zwei bis vier Wochen möglich und kann somit vor Therapiebeginn ablaufen“, sagt Prof. Brummer. Damit fließen Forschungsergebnisse unmittelbar in die klinische Anwendung beim einzelnen Patienten.

Einheitlicher Ablauf soll Kosten sparen und Therapien verbessern

Um diese erweiterte molekulare Tumordiagnostik mehr Menschen mit fortgeschrittenen Tumorerkrankungen zur Verfügung stellen zu können, erarbeiten die Universitätsklinika in Baden-Württemberg derzeit in einem landesweiten Pilotprojekt ein einheitliches Vorgehen in Diagnostik und Therapie.

Dies wird den Aufbau einer gemeinsamen Datenbank beinhalten, damit sich wirksame Therapieansätze leichter finden lassen.

Auch national arbeiten die von der Deutschen Krebshilfe geförderten onkologischen Spitzenzentren an einer Harmonisierung der Molekularen Tumorboards.

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Prof. Dr. Nikolas von Bubnoff
Oberarzt
Klinik für Innere Medizin I (Schwerpunkt: Hämatologie, Onkologie, Stammzelltransplantation)
Universitätsklinikum Freiburg
Telefon: 0761 270 37850
nikolas.bubnoff@uniklinik-freiburg.de

Prof. Dr. Silke Laßmann
Forschungsgruppenleiterin
Institut für Klinische Pathologie
Universitätsklinikum Freiburg
Telefon: 0761 270-80620
silke.lassmann@uniklinik-freiburg.de

Breisacher Straße 153
79110 Freiburg
Deutschland
Baden-Württemberg

Benjamin Schoch-Waschow
Telefon: (0761) 270 - 19090
Fax: (0761) 270 - 19030
E-Mail-Adresse: benjamin.waschow@uniklinik-freiburg.de

Originalpublikation:
Original-Titel der Studie: Personalized Clinical Decision Making Through Implementation of a Molecular Tumor Board: A German Single-Center Experience
DOI: 10.1200/PO.18.00105

Weitere Informationen für international Medizin am Abend Berlin Beteiligte
http://ascopubs.org/doi/full/10.1200/PO.18.00105 Link zur Studie

 

Einsatz von Statinen zur Primärpräventation https://medizinische-fakultaeten.de/

Medizin am Abend Berlin Fazit: Cholesterinsenker werden zu häufig zur Primärprävention empfohlen

Die präventive Einnahme von Cholesterinsenkern kann das Risiko einer späteren Herz-Kreislauf-Erkrankung verringern. 
  • Eine Studie der Universität Zürich zeigt nun, dass diese Massnahme zu oft empfohlen wird, denn die gängigen Richtlinien vernachlässigen die Gefahr von Nebenwirkungen.  
  • Auch gesunde Personen, die keine Herz-Kreislauferkrankung haben, bekommen cholesterinsenkende Medikamente (Statine) verschrieben - nämlich dann, wenn sie gewisse Risikofaktoren aufweisen. 

Doch dieser Einsatz von Statinen zur Primärprävention wird unter Fachleuten seit Jahren kontrovers diskutiert.

"Letztendlich wird dadurch nur bei wenigen Personen ein Herzinfarkt oder ein Hirnschlag vermieden. Aber alle Personen können potentiell Nebenwirkungen durch Cholesterinsenker erleiden", sagt Milo Puhan, Professor für Epidemiologie und Public Health an der Universität Zürich.

Systematische Untersuchungen für Leitlinien fehlen

Um eine Empfehlung für die Einnahme von Statinen abzugeben, errechnen Ärzte anhand verschiedener Risikofaktoren wie beispielsweise Cholesterinspiegel, Bodymassindex und Rauchen, wie hoch das Risiko einer Person ist, in den nächsten 10 Jahren einen Herzinfarkt oder Hirnschlag zu erleiden.

  • Viele medizinische Richtlinien raten, ab einem Risiko von 10% mit der Einnahme von Statinen zu beginnen.
Es gibt aber auch Richtlinien, die dies schon ab einem Risiko von 7.5% empfehlen, während eine Schweizer Hausärztevereinigung den Schwellenwert bei 20% ansetzt.

Gemäss solcher Empfehlungen, die meist von kardiologischen Gesellschaften verfasst sind, müssten über ein Drittel aller 40- bis 75-Jährigen präventiv Cholesterinsenker einnehmen - weltweit wären dies Hunderte Millionen von Menschen. 

Laut Puhan wurde jedoch bisher der Effekt von Nebenwirkungen - darunter Muskelschmerzen, Grauer Star, Leberschäden oder Diabetes - bei der Erstellung von Richtlinien kaum berücksichtigt: "Die Schwellenwerte wurden von den Experten ohne systematische Untersuchungen so festgelegt."

Nutzen und Schaden gegeneinander abwägen

Eine gute Balance zwischen Nutzen und schädlichen Nebenwirkungen zu finden, ist daher die grosse Herausforderung bei der Entwicklung von besseren Empfehlungen zur vorbeugenden Einnahme von Cholesterinsenkern.

Deshalb hat Prof. Milo Puhan mit seinem Team vom Institut für Epidemiologie, Biostatistik und Prävention der UZH nun erstmals eine umfassende statistische Modellierung dazu durchgeführt.
Hierfür trugen die Forschenden aus der gesamten Fachliteratur systematisch alle Daten zusammen, die den Nutzen und die Nebenwirkungen einer präventiven Statin-Einnahme dokumentierten.

Zudem befragten sie gesunde Personen, welche Bedeutung Herzinfarkte, Hirnschläge und bestimmte Nebenwirkungen für sie haben, um auch die Perspektive der Patienten in das Modell einfliessen zu lassen.

Anhand dieser Informationen berechneten die Forschenden dann neue Schwellenwerte für Männer und Frauen in verschiedenen Altersgruppen zwischen 40 und 75 Jahren. Zudem verglichen sie den Nutzen und die Nebenwirkungen von vier häufig eingesetzten Statin-Präparaten.

Viel zu viele Menschen erhalten eine Empfehlung

"Es hat sich gezeigt, dass Statine heute wohl deutlich zu häufig empfohlen werden", fasst Puhan die Ergebnisse der Studie zusammen.

Er schätzt, dass sich durch die neu errechneten Schwellenwerte die Zahl der Menschen, die eine Empfehlung für Statine erhalten, halbieren könnte.

  • Vor allem für Senioren wurde der Nutzen von Statinen bis jetzt anscheinend stark überschätzt: 
  • Für die Altersgruppe der 70-75-Jährigen errechnete das Modell einen Schwellenwert von etwa 21% - das heisst, erst ab einem Risiko von 21%, in den nächsten 10 Jahren einen Herzinfarkt oder Hirnschlag zu erleiden, überwiegt der Nutzen von Statinen die Schäden durch mögliche Nebenwirkungen.
  • Für 40-45-jährige Männer und Frauen lag der Schwellenwert mit 14% bzw. 17% etwas niedriger. 

Weiterhin stellten die Forschenden fest, dass zwei der vier untersuchten Statin-Präparate, nämlich Atorvastatin und Rosuvastatin, eine deutlich bessere Balance von Nutzen und Schaden aufwiesen, als die beiden anderen (Simvastatin und Pravastatin).

Angesichts dieser Resultate empfiehlt Puhan allen betroffenen Personen, ihr persönliches Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen sowie mögliche Nebenwirkungen gemeinsam mit ihren Hausärztinnen und Hausärzten sorgfältig abzuwägen, bevor sie sich für oder gegen eine vorbeugende Einnahme von Statinen entscheiden.

Cholesterinsenker werden zu häufig zur Primärprävention empfohlen



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Prof. Milo Puhan
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Melanie Nyfeler
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Originalpublikation:
Literatur:
Henock G. Yebyo, MSc; Hélène E. Aschmann, MSc; and Milo A. Puhan. Finding the Balance Between Benefits and Harms When Using Statins for Primary Prevention of Cardiovascular Disease - A Modeling Study. Ann Intern Med. Published December 3 2018.
http://annals.org/aim/article/doi/10.7326/M18-1279

 

Testen Sie sich als Nikolaus: https://qst.darkfactor.org/

Medizin am Abend Berlin Fazit: Das Böse im Menschen - Der dunkle Faktor der Persönlichkeit

Die dunkle Seite des Menschen hat viele Facetten. 

Psychologen aus Ulm, Landau und Kopenhagen haben nun gezeigt, dass Egoisten, Machiavellisten, Narzissten, Psychopathen und Sadisten mehr gemeinsam haben, als sie trennt.

Den Forschern gelang es, viele dieser problematischen Persönlichkeitseigenschaften auf wenige grundlegende Prinzipien zurückzuführen: 

den „dark factor“ (D-Faktor) der Persönlichkeit. 

Veröffentlicht wurde die Studie in der international renommierten Fachzeitschrift Psychological Review. 

Problematische Persönlichkeitseigenschaften wie Machiavellismus, Narzissmus und Psychopathie haben einen gemeinsamen Kern: den dunklen Faktor der Persönlichkeit (D-Faktor)
Problematische Persönlichkeitseigenschaften wie Machiavellismus, Narzissmus und Psychopathie haben einen gemeinsamen Kern: den dunklen Faktor der Persönlichkeit (D-Faktor) (Grafik: darkfactor.org)

„Kernbestandteil dieses dunklen Faktors der Persönlichkeit ist ein übertriebener Egoismus, der negative Auswirkungen auf andere oder die Gesellschaft im Allgemeinen hat. 

Dieser wird begleitet von Überzeugungen, die Schuldgefühle, Gewissensbisse und moralische Skrupel verhindern“, erklärt Professor Morten Moshagen. Der Leiter der Abteilung psychologische Forschungsmethoden an der Universität Ulm hat die Studie gemeinsam mit Professor Benjamin Hilbig von der Universität Koblenz-Landau und Professor Ingo Zettler von der Universität Kopenhagen durchgeführt.

  • Explizit sprechen die Wissenschaftler beim D-Faktor von einer extremen Form der individuellen Nutzenmaximierung, die sprichwörtlich über Leichen geht; also einen Schaden für andere bereitwillig in Kauf nimmt oder sogar absichtlich herbeiführt. 
  • Begleitet wird diese Tendenz von der Neigung, das eigene Verhalten vor sich selbst und anderen zu rechtfertigen.

Bei ihren Analysen haben die drei Wissenschaftler neun Persönlichkeitseigenschaften untersucht.

Dazu zählen Egoismus, Gehässigkeit, Machiavellismus, moralische Enthemmung, Narzissmus, Psychopathie, Sadismus, Selbstbezogenheit und übertriebene Ansprüchlichkeit. 

Die Forscher fanden dabei heraus, dass sich praktisch alle diese Eigenschaften auf den D-Faktor als dunklen Persönlichkeitskern zurückführen lassen.

Praktisch bedeutet dies, dass beispielsweise Menschen mit einer hohen Narzissmus-Tendenz mit großer Wahrscheinlichkeit auch ausgeprägte machiavellistische und psychopatische Persönlichkeitszüge zeigen. 

„Außerdem ist bei Menschen mit einem starken D-Faktor statistisch gesehen die Wahrscheinlichkeit hoch, kriminell oder gewalttätig zu werden oder anderwärtig gegen soziale Regeln zu verstoßen“, so die Forscher.

In ihrer umfassenden, von der DFG geförderten Studie, die kürzlich in der renommierten Fachzeitschrift Psychological Review veröffentlicht wurde, haben die Psychologen mit dem D-Faktor ein Konzept etabliert, mit dessen Hilfe sich problematische Persönlichkeitszüge auf einen Nenner bringen lassen.

  • „Der D-Faktor ist ein guter Indikator für die Vorhersage von egoistischem und unehrlichem Verhalten und weitaus aussagekräftiger als es die spezifischeren Eigenschaften wie Narzissmus sind“, sagt der Kopenhagener Psychologe Ingo Zettler. 


Für die vierteilige Untersuchung wurden insgesamt mehr als 2500 Personen befragt. Die Forscher haben dabei die Studienteilnehmer mit einem umfangreichen Fragenkatalog konfrontiert, um besondere Persönlichkeitszüge strukturiert erfassen zu können.

Außerdem wurden Verhaltensexperimente durchgeführt wie das so genannte Diktatorspiel, bei dem die Teilnehmer Geld an sich selbst und unbekannte Mitspieler verteilen können.

Die Ergebnisse dieses Spiels gelten als Maß für egoistisches beziehungsweise altruistisches Verhalten. 

In einem weiteren Verteilungsexperiment hatten die Probanden zudem die Gelegenheit, durch aktives Lügen zusätzlichen Profit zu machen. 

Der wissenschaftliche Sinn dieses Spiels:

problematische Verhaltensweisen wie Unehrlichkeit zu erfassen.

Von besonders grundsätzlichem Interesse ist in den Augen der Forscher die Analogie zum „g Faktor“ – einem Konzept des berühmten britischen Intelligenzforschers und Psychologen Professor Charles Spearman.

Dieser „general factor of intelligence“ erklärt, dass Menschen, die gute Ergebnisse in einer bestimmten Form von Intelligenztests zeigen, auch bei anderen Arten von Intelligenztests gut abschneiden.

„Wie der g-Faktor ist der D-Faktor ein allgemeines Konzept, das verschiedene Ausprägungen haben kann“, erläutert Professor Benjamin Hilbig von der Universität Koblenz-Landau.

Dies heißt im Umkehrschluss, dass sich ein hoher Dark-Faktor in ganz verschiedenen problematischen Verhaltensweisen und Persönlichkeiten äußern kann. 

„Zugespitzt formuliert könnte man sagen, dass wenn ein Chef genüsslich seine Mitarbeiter herunterputzt, die Wahrscheinlichkeit hoch ist, dass er auch seine Geschäftspartner ausnutzt, Steuern hinterzieht oder seine Frau betrügt“, illustriert der Ulmer Psychologe Morten Moshagen.

Wer selbst herausfinden möchte, wie stark der eigene D-Faktor ausgeprägt ist, kann dies kostenlos über einen Online-Fragebogen herausfinden, den die Wissenschaftler im Internet zur Verfügung stellen.

Testen kann man den eigenen dunklen Kern unter der Adresse: 

https://qst.darkfactor.org/

Das Böse im Menschen - Der dunkle Faktor der Persönlichkeit



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Andrea Weber-Tuckermann
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Telefon: 0731 - 5022024
E-Mail-Adresse: andrea.weber-tuckermann@uni-ulm.de

Prof. Dr. Morten Moshagen – Universität Ulm; E-Mail: morten.moshagen@uni-ulm.de;
Prof. Dr. Ingo Zettler – Universität Kopenhagen; ingo.zettler@psy.ku.dk;
Prof. Dr. Benjamin E. Hilbig – Universität Koblenz-Landau; hilbig@uni-landau.de;

Originalpublikation:
Veröffentlichungshinweis:
Moshagen, M., Hilbig, B. E., Zettler, I.: The Dark Core of Personality. In: Psychological Review, Vol 125(5), Oct 2018, 656-688;
https://dx.doi.org/10.1037/rev0000111