Qualitätszirkel Nieren- und Dialysen

Kardiologie Potsdam

Cardiovascular Prevention Center @Charité

Herzinsuffizienz

Universitätzmedizin Rostock

Universitätsmedizin Greiswald

Alexianer St. Josephs Potsdam

Dialyse-Pflege-Standard

salt

PICS Ambulanz

Dr.Vetter

Woran erkranken wir in Deutschland?

BG Klinken - Post-COVID-Programm

Herz Check

EMA

Dr. Heart

Herzhose

Lauflabor

IKDT

Online Strafanzeigen

medpoint - Fortbildungskalendar

Was hab ich?

Healthtalk

BKV Info

BKG

KHS BB

KHS BB
.

Kardiologie

Urologie Berlin

bbgk

VEmaH

ProBeweis

jkb

zurück ins leben

CRO

Gewebenetzwerk

Anamnese- und Untersuchungsbogen

Diagnostische Pfade

CIRS Bayern

Gender Medizin

idw

Der Pfingsfestbraten: (LEPR) Leptin - Rezeptor: Dein Sättigungsgefühl - starkes Hungergefühl

Medizin am Abend Berlin Fazit: Den unstillbaren Hunger abschalten

Ein neuer Wirkstoff soll jungen Patienten mit genetisch bedingter Adipositas helfen 
 
Im Rahmen einer aktuellen Studie haben Forscher des Instituts für Experimentelle Pädiatrische Endokrinologie der Charité – Universitätsmedizin Berlin Übergewicht erfolgreich behandelt, das durch einen Gendefekt verursacht wurde.

Die jungen Patienten profitierten von einem Wirkstoff, der gleichzeitig neue Erkenntnisse über die grundlegenden Signalwege des Sättigungsgefühls ermöglicht. Veröffentlicht wurden die Ergebnisse im Journal Nature Medicine*.
  • Eine Mutation in der genetischen Bauanleitung des Leptin-Rezeptor (LEPR) führt bei den Betroffenen bereits in den ersten Lebensmonaten zu einem starken Hungergefühl. 
Die Folge ist eine ausgeprägte Fettleibigkeit bereits in der Kindheit. 
  • In der Regel gelingt es den Patienten nicht, durch vermehrte Bewegung und reduzierte Kalorienaufnahme, das Körpergewicht längerfristig zu stabilisieren. 
  • Darüber hinaus ziehen die Patienten häufig keinen Nutzen aus einer Adipositaschirurgie. 
  • Umso wichtiger ist der medikamentöse Behandlungsansatz für die Betroffenen.
Bereits vor zwei Jahren konnte Dr. Peter Kühnen mit der Arbeitsgruppe an der Charité zeigen, was für eine zentrale Rolle der Melanocortin-4-Rezeptor (MC4R) für den Energiehaushalt des Organismus und die Regulierung des Körpergewichts spielt. 

Im Gehirn führt normalerweise die Bindung des sogenannten „Sättigungshormons“ Leptin an den LEPR über mehrere Schritte zur Produktion des Melanozyten-stimulierendes Hormons (MSH). 
  • Die Bindung von MSH an MC4R löst dann das eigentliche Sättigungssignal in den Zellen aus. 
  • Ist der Rezeptor LEPR jedoch defekt, wird die Signalkaskade der Sättigung unterbrochen und ein ungestilltes Hungergefühl begünstigt das Entstehen einer Adipositas. 
Das im Rahmen der jetzt veröffentlichten Studie zur Behandlung eingesetzte Peptid bindet im Gehirn der Patienten an MC4R und löst das Sättigungssignal wieder aus. 

In Zusammenarbeit mit der Clinical Research Unit des Berliner Instituts für Gesundheitsforschung/Berlin Institute of Health (BIH) konnte das Team eine deutliche Gewichtsreduktion der behandelten Patienten mit LEPR-Gendefekt beobachten.

Dr. Kühnen: „Wir haben außerdem untersucht, weshalb das eingesetzte Peptid so wirksam ist und im Vergleich zu anderen Präparaten mit einem ähnlichen Wirkprinzip zu keinen schweren Nebenwirkungen führte.

Hier konnten wir zeigen, dass ein besonderer Signalweg des MC4R aktiviert wird, der eine wichtige und bisher unterschätzte Rolle spielt.“

Im Rahmen der kommenden Untersuchungen will das Team von Dr. Kühnen ermitteln, ob es weitere Patienten gibt, die von dem Wirkstoff profitieren können:

„Denkbar ist, dass es Patientengruppen mit einer Funktionsstörung in diesem Signalweg gibt, die für eine derartige Therapie in Frage kommen.“

*Clément K, et al., MC4R agonism promotes durable weight loss in patients with leptin receptor deficiency, Nature Medicine (2018), doi:10.1038/s41591-018-0015-9.

Medizin am Abend Berlin DirektKontakt
www.medizin-am-abend.blogspot.com















Über Google: Medizin am Abend Berlin 
idw - Informationsdienst Wissenschaft e. V.

Dr. Peter Kühnen
Institut für Experimentelle Pädiatrische Endokrinologie
Charité – Universitätsmedizin Berlin
t: +49 30 450 666 839
E-Mail: peter.kuehnen@charite.de

- Links:
Originaltext der Publikation:
https://www.nature.com/articles/s41591-018-0015-9

Charitéplatz 1
10117 Berlin
Deutschland
Berlin
E-Mail-Adresse: presse@charite.de

Manuela Zingl
Telefon: 030 / 450 570 400
Fax: 030 / 450 570 940
E-Mail-Adresse: manuela.zingl@charite.de


Dr. Julia Biederlack
Telefon: 030-450 570 585
Fax: 030-450 570 940
E-Mail-Adresse: julia.biederlack@charite.de
 

Schrot - Pfingstbraten: Bleivergiftung, Eisenvergiftung, Kupfervergiftung, Zinkvergiftung

Medizin am Abend Berlin Fazit: Munition mit Risiken und Nebenwirkungen

Wegen der Vergiftungsgefahr für Vögel und Umwelt ist die Jagd mit Bleischrot inzwischen in vielen Ländern stark eingeschränkt oder ganz verboten. 

Doch muss alternative Munition nicht unbedenklich sein, belegt ein Team der Technischen Universität München (TUM) in einer aktuellen Studie. 
 
Aufgrund ihrer ballistischen Eigenschaften galten Bleischrote bislang als optimale Munition für die Jagd auf Wasservögel.

In die Kritik geriet dieses Material, als Bleivergiftungen bei Enten und Seeadlern beobachtet wurden, die die Schrotkugeln beim Gründeln oder mit der Beute aufgenommen hatten.

Inzwischen bieten die Munitionshersteller eine Reihe alternativer Jagdschrote an, die Eisen, Kupfer, Zink, Wolfram oder Wismut als deklarierte Hauptbestandteile enthalten.

Ein Team der TU München um Prof. Dr. Axel Göttlein und Prof. Dr. Jürgen Geist kommt jedoch zum Ergebnis, dass einige der Alternativen für Gewässerorganismen sogar toxischer sind als die konventionelle Bleimunition.

Überraschende Resultate bei der Messung der Metallwerte

Im Rahmen der Studie wurden Schrotkugeln der verschiedenen Materialtypen unter jeweils gleichen Bedingungen in Wasser exponiert.  

Dabei zeigte sich zum einen, dass die Metallionenabgabe in die Lösung sehr unterschiedlich ist:

Während Schrote aus Wolfram, Wismut und ein beschichteter Bleischrot fast keine Metallionen in die Wasserlösung abgaben, wurden für Schrote aus Kupfer und Zink bedenklich hohe Konzentrationen gemessen.
  • Zum anderen stellten die Forscherinnen und Forscher fest, dass nicht unbedingt die Hauptkomponente des Schrotmaterials die Ionenfreisetzung dominiert. 
  • Besonders auffällig war hier ein Eisenschrot, der große Mengen an Zink freisetzte, welches offensichtlich aus einer Beschichtung stammte.

Verbote neu überdenken

In einem nach DIN standardisierten Immobilisierungstest mit dem Großen Wasserfloh gilt die Mobilität der Tiere als Indikator für ihre Vitalität. 

  • Wie die Studie zeigte, führten schon geringe Mengen von Kupfer und Zink stets zu einer sehr hohen bis totalen Immobilisierung der Wasserflöhe, während Schrote aus reinem Eisen, Wismut und Wolfram die Mobilität der Wasserflöhe nicht beeinflussten. 
Auch Bleischrote führten zu keiner signifikanten Beeinträchtigung der Mobilität der Wasserflöhe im Vergleich mit einer Kontrollgruppe.

  • Wenn aus Umweltschutzgründen ein Verbot von Bleischrot gefordert wird, müssten nach aktuellem Wissensstand unbedingt auch die Metalle Kupfer und Zink für die Schrotherstellung verboten werden, so das Fazit der Studie. 
  • Da aber in der Natur sehr verschiedene Bedingungen der Wasserqualität mit den entsprechend angepassten Organismen vorkommen, seien unbedingt weitere Studien nötig, um Entscheidungen über Alternativen zu Bleischrot auf eine gesicherte Grundlage zu stellen.

Publikation:

Fäth J, Feiner M, Beggel S, Geist J, Göttlein A: Leaching behavior and ecotoxicological effects of different game shot materials in freshwater. Knowledge & Management of Aquatic Ecosystems. (419); 24, 2018. DOI: 10.1051/kmae/2018009
https://www.kmae-journal.org/articles/kmae/abs/2018/01/kmae170148/kmae170148.htm...

Medizin am Abend Berlin DirektKontakt
www.medizin-am-abend.blogspot.com











Über Google: Medizin am Abend Berlin
idw - Informationsdienst Wissenschaft e. V.

Technische Universität München
Professur für Waldernährung und Wasserhaushalt
Prof. Dr. Axel Göttlein
Tel.:+49 8161 71 - 4749
E-Mail: goettlein@forst.tu-muenchen.de
(Primärer Ansprechpartner für jagdliche und analytische Fragen)

Technische Universität München
Lehrstuhl für Aquatische Systembiologie
Prof. Dr. Jürgen Geist
Tel.: +49 8161 713767
E-Mail: geist@wzw.tum.de
(Primärer Ansprechpartner für gewässerökologische Fragen)


Dr. Ulrich Marsch Technische Universität München
Arcisstr. 21
80333 München
Deutschland
Bayern

Telefon: 089 / 289 - 22778
Fax: 089 / 289 - 23388
E-Mail-Adresse: presse@tum.de

Gelenkersatzoperation: Antibiotika richtig....

Medizin am Abend Berlin Fazit: Infektiologen warnen vor häufigem Fehleinsatz von Antibiotika bei Gelenkersatzoperationen

Gelenkersatzoperationen gehören zu den häufigsten Eingriffen in Deutschland. 

Um das Risiko einer Infektion zu verringern, erhalten viele Patienten vor dem Eingriff Antibiotika. 

  • In manchen Fällen überflüssigerweise – beispielsweise, weil im Urin des Patienten Bakterien gefunden werden. 

Sofern ein Patient keine Symptome einer Harnwegsinfektion aufweist, sind Bakterien im Urin selten behandlungsbedürftig. 

  • Dennoch wird bei der sogenannten asymptomatischen Bakteriurie (ASB) oft unnötigerweise Antibiotika verabreicht. 

Eine aktuelle Meta-Analyse zeigt: 

Es gibt keine Belege dafür, dass eine Antibiotikabehandlung der ASB vor Gelenkoperationen die Rate von Infektionen senken kann. 
 
Darauf weisen die Experten der Deutschen Gesellschaft für Infektiologie (DGI) hin. Um die Entstehung von Antibiotikaresistenzen zu reduzieren, setzt sich die Fachgesellschaft unter anderem in ihrer Antibiotic Stewardship-Kampagne für einen rationalen Einsatz von Antibiotika ein.

Für die aktuelle Metaanalyse werteten Wissenschaftler acht internationale Studien zur ASB-Therapie bei endoprothetischen Eingriffen aus.

Das Ergebnis: Weder das Screening auf Bakterien im Urin noch die dann oft folgende Antibiotikabehandlung bringt einen Vorteil. 

Die Rate an Protheseninfektionen wird dadurch nicht beeinflusst. (1)

„Wir empfehlen Kliniken deshalb auch, bei Gelenkprothesen-Patienten keine ASB-Screenings durchzuführen“, so Professor Dr. med. Gerd Fätkenheuer, DGI-Präsident und Leiter der Infektiologie an der Klinik I für Innere Medizin am Universitätsklinikum Köln. „Statt dem Patienten zu nutzen, hat dieses Vorgehen oft lediglich einen überflüssigen Einsatz von Antibiotika zur Folge.“ Angesichts der hohen Operationszahlen sei in der Endoprothetik der rationale Einsatz von Antibiotika von besonderer Relevanz.

Nicht nur bei Gelenkoperationen – auch sonst erfolgt bei der asymptomatischen Bakteriurie oft unnötigerweise eine Therapie. Sie gehört zu den häufigsten Fehlindikationen bei der Verwendung von Antibiotika. In einer Metaanalyse, die 2017 im Fachblatt Open Forum Infectious Diseases erschien, wurden internationale Studien zur ASB-Behandlung aus den vergangenen 15 Jahren ausgewertet. In dieser Zeit wurden durchschnittlich 45 Prozent aller Patienten mit ASB unnötigerweise mit Antibiotika behandelt. (2)

  • Tatsächlich sei es jedoch nicht immer einfach, die nicht-behandlungsbedürftige asymptomatische Bakteriurie von einer behandlungsbedürftigen Harnwegsinfektion zu unterscheiden, räumt der DGI-Präsident ein. 

Entscheidend seien auch hier eine gründliche Anamnese und die klinische Untersuchung, Anzeichen für eine Harnwegsinfektion seien üblicherweise häufiger Harndrang oder Schmerzen beim Wasserlassen. 

  • Speziell ältere und multimorbide Patienten hätten mitunter jedoch unspezifische Beschwerden, die als Symptome einer Harnwegsinfektion fehlgedeutet werden könnten. „Dies ist – neben einem falschen Sicherheitsdenken – ein häufiger Grund für die Übertherapie der ASB.“

Umso mehr Bedeutung komme deshalb Antibiotic Stewardship zu, also Programmen zur Gewährleistung einer optimalen Antibiotikatherapie in Kliniken.

Diese beinhalten etwa Schulungen und Beratungen durch Infektionsspezialisten.

Wie erfolgreich schon vergleichsweise einfache Maßnahmen sein können, zeigt auch die Metaanalyse von Flokas und seinen Co-Autoren:

Durch Schulungen und Feedback-Gespräche etwa sank die Zahl der unnötigen Antibiotikagaben bei ASB in einigen Studien um bis zu 80 Prozent. (2)

 „Wenn der rationale Einsatz von Antibiotika und damit die Eindämmung von Resistenzen gelingen soll, dann ist der Ausbau von Antibiotic Stewardship-Programmen und von infektiologischer Expertise in der Versorgung unabdingbar“, so Fätkenheuer.

Literatur:
(1) Zhang et al.:
Research progress of asymptomatic bacteriuria before arthroplasty
Medicine (2018) 97:7(e9810). http://dx.doi.org/10.1097/MD.0000000000009810
(2) Flokas et al.:
Inappropriate Management of Asymptomatic Patients With Positive Urine Cultures: A Systematic Review and Meta-analysis. Open Forum Infectious Diseases, 2017. DOI: 10.1093/ofid/ofx207
- www.antibiotic-stewardship.de

Medizin am Abend Berlin DirektKontakt
www.medizin-am-abend.blogspot.com
























Über Google: Medizin am Abend Berlin 
idw - Informationsdienst Wissenschaft e. V.

Deutsche Gesellschaft für Infektiologie e.V.
Juliane Pfeiffer
Postfach 30 11 20
70451 Stuttgart
Tel: 0711 89 31 693
Fax: 0711 89 31 167
E-Mail: pfeiffer@medizinkommunikation.org
http://www.dgi-net.de

Medizin -Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e.V.
Ubierstr. 20
40223 Düsseldorf
Deutschland
Nordrhein-Westfalen
E-Mail-Adresse: office@awmf.org

Dennis Makoschey
Geschäftsführer / Pressesprecher
Telefon: 030 2009 7777
E-Mail-Adresse: makoschey@awmf.org
 

Weitere Informationen für international Medizin am Abend Berlin Beteiligte
http://www.dgi-net.de

Feuerwehrleute sind gefährdet - durch ihren eigenen Schweiss

Medizin am Abend Berlin Fazit: Dampfverbrennungen: Durch die Poren in die Haut

Auch wenn die Wunde oberflächlich harmlos ausschaut, bei einer Verbrennung mit Wasserdampf lautet die Devise: 

ausdauernd kühlen! 

Feuerwehrleute können Dampfverbrennungen durch ihren eigenen Schweiss erleiden. Feuerwehrleute können Dampfverbrennungen durch ihren eigenen Schweiss erleiden.
US Airforce

Empa-Forscher konnten nun erstmals zeigen, wie heisser Wasserdampf seine perfide Wirkung erzielt: 
  • Er durchdringt die oberste Hautschicht und kann in den unteren Hautschichten schwere Verbrennungen auslösen – und dies zunächst fast unsichtbar.  
Ob bei der Arbeit mit Dampfleitungen oder in der Küche: Wenn kochend heisser Wasserdampf auf Haut trifft, entstehen schnell Verbrennungen.  

Auch Feuerwehrleute sind gefährdet – durch ihren eigenen Schweiss:  

Wenn dieser bei Feuerhitze unter der schweren Schutzkleidung verdampft und nicht entweichen kann, kondensiert er auf der kühleren Haut und verbrennt sie.
 
  • Hautverbrennungen durch Wasserdampf sind dabei häufig besonders tückisch: 

Wenn die Haut dem heissen Dampf nur kurze Zeit ausgesetzt ist, kann es sein, dass die Verbrennung oberflächlich harmlos ausschaut – während die untere Hautschicht stark geschädigt ist. Doch warum ist das so? Darauf gab es bis vor kurzem noch keine Antwort, denn im Gegensatz zu Verbrennungen durch trockene Hitze sind die genauen Mechanismen bei Verbrennungen mit Wasserdampf noch wenig erforscht.



Dampf kann über verschiedene Wege in die Haut dringen: durch die Zellen (P1), zwischen den Zellen hindurch (P2) oder über die Haarfolikel (P3).



Dampf kann über verschiedene Wege in die Haut dringen: durch die Zellen (P1), zwischen den Zellen hindurch (P2) oder über die Haarfolikel (P3). Empa

 
Warum die Oberhaut nicht vor Dampf schützt

Forscher der Empa-Abteilung «Biomimetic Membranes and Textiles» haben dieses Rätsel nun geknackt. 
  • «Wir konnten zeigen, dass die oberste Hautschicht, die Epidermis, ihre Schutzfunktion bei Wasserdampf nicht richtig wahrnehmen kann», erklärt René Rossi, Leiter der Forschungsgruppe. 
  • «Der Dampf dringt durch die Hautporen auf die untere Hautschicht, Dermis oder Lederhaut genannt. Erst dort kondensiert der Dampf, gibt dadurch seine Wärmeenergie direkt auf die empfindliche Lederhaut ab – und löst dadurch direkt Verbrennungen zweiten Grades aus.»


Untersucht haben die Wissenschaftler ihre These an Schweinehaut, die dank ihren ähnlichen Eigenschaften zu menschlicher Haut oft als Modell für diese dient. Sie setzten die Haut heissem Wasserdampf aus. Dann untersuchten die Forscher den Wassergehalt der verschiedenen Hautschichten mittels Raman-Spektroskopie, einer Analysemethode, die Aussagen über Materialeigenschaften durch die Streuung von Licht erlaubt.


Und tatsächlich zeigte sich: Wenn die Haut heissem Wasserdampf ausgesetzt ist, dringt die Hitze schneller und tiefer in die darunterliegenden Hautschichten ein, als dies bei trockener Hitze der Fall ist. 
  • Die Experimente zeigten, dass bereits in den ersten 15 Sekunden der Wassergehalt aller Hautschichten ansteigt. 
  • Das liegt daran, dass die oberste Hautschicht Poren aufweist, die meist viel grösser sind als ein Wassermolekül – und der Wasserdampf durch diese ungehindert durchschlüpfen kann. 
  • Erst wenn die Epidermis durch die aufgenommene Wassermenge aufgequollen ist, werden die Poren zu klein für den Wasserdampf – doch dann ist der Schaden in der unteren Hautschicht bereits angerichtet.
Den Schaden minimieren

Ein Problem bei allen Verbrennungen ist der so genannte Nachbrenneffekt: 

Die Epidermis ist ein relativ schlechter Wärmeleiter.

Wenn die Haut einmal Wärme aufgenommen hat – insbesondere in den tieferen Hautschichten – gibt sie diese nur sehr langsam wieder ab.

  • Das bedeutet, die Hitze kann länger auf das Gewebe einwirken und dieses noch stärker schädigen. 

Dieser Effekt wirkt bei Verbrennungen durch Wasserdampf oft besonders stark, da die Hitze so schnell tief eindringen kann.

  •  «Bei einer Dampfverbrennung muss die Haut deshalb lange und ausdauernd gekühlt werden – zwei Minuten im Eisbad reicht nicht, um die hohe Energiemenge aus der tiefer gelegenen Hautschichten abzuführen», erklärt Rossi. 

Medizin am Abend Berlin DirektKontakt
www.medizin-am-abend.blogspot.com





















Über Google: Medizin am Abend Berlin  
idw - Informationsdienst Wissenschaft e. V.

Ueberlandstr. 129
8600 Dübendorf
Schweiz
Zürich 

Rainer Klose
Telefon: +41 58 765 4733
E-Mail-Adresse: rainer.klose@empa.ch
 

Weitere Informationen für international Medizin am Abend Berlin Beteiligte
https://www.empa.ch/web/s604/steam-burns

CAVE: Frühstück am Sonntag in der Pfingstgemeinschaft: Große Augen, Stupsnase und Pausbacken?

Medizin am Abend Berlin Fazit: Mutter-Kind-Bindung - Studie der Universität Hamburg zeigt: Oxytocin schlägt Testosteron

Verschiedene Hormone beeinflussen die mütterlichen Gefühle. 

  • Während Oxytocin die Bindung zum Kind stärkt, scheint Testosteron mütterliches Verhalten zu unterdrücken. 

Eine Studie von Sarah Holtfrerich und Jun.-Prof. Dr. Esther Diekhof aus der Abteilung Neuroendokrinologie am Institut für Zoologie zeigt nun, dass Oxytocin die negative Wirkung von Testosteron ausgleichen kann. 

Dies berichten die Wissenschaftlerinnen in der aktuellen Ausgabe des Scientific Reports. 

 
Große Augen, Stupsnase und Pausbacken sind typische Merkmale von Kindergesichtern. 
  • Erwachsene finden sie süß, für Kleinkinder sind diese vor allem eines: überlebenswichtig. 
  • Die typischen Gesichtszüge, auch Kindchenschema genannt, wirken als Schlüsselreiz im Belohnungssystem des Gehirns und bringen die Eltern dazu, sich um den Nachwuchs zu kümmern. 

Auch die Sexualhormone Oxytocin und Testosteron beeinflussen dieses Belohnungssystem im Hirn; Oxytocin, das oft auch als Kuschelhormon bezeichnet wird, stärkt die soziale Bindung der Mutter zum Kind. 

 Testosteron dagegen wirkt vermutlich negativ auf mütterliche Verhaltensweisen. 


In einer Studie mit 57 Studentinnen hat Sarah Holtfrerich, Wissenschaftliche Mitarbeiterin der Abteilung Neuroendokrinologie bei Jun.-Prof. Dr. Esther Diekhof, nun untersucht, wie die beiden Hormone interagieren und ob sie Reaktionen auf das Kindchenschema beeinflussen.

Dafür teilte sie die Probandinnen in zwei Gruppen ein: Der ersten Gruppe verabreichte Holtfrerich vor dem Test Oxytocin, die zweite Gruppe bekam ein Placebo. Bei allen Versuchsteilnehmerinnen wurde zudem der Testosteronspiegel gemessen. Anschließend analysierte Holtfrerich mithilfe der funktionellen Magnetresonanztomographie (fMRT) die Hirnaktivität der Studienteilnehmerinnen, während sie sich Bilder von Erwachsenen und Kindern mit unterschiedlich ausgeprägtem Kindchenschema ansahen.

„Verabreichten wir Frauen mit hohen Testosteronspiegeln Oxytocin, erhöhte sich die Aktivität im Belohnungssystem des Gehirns, sobald sie Babygesichter sahen“, fasst Sarah Holtfrerich ihre Ergebnisse zusammen.

„Außerdem reagierte die Frauengruppe nach der Gabe von Oxytocin deutlicher sensitiver auf das Kindchenschema.“ 

Bei Teilnehmerinnen, die ein Placebo bekommen hatten, zeigte sich keine erhöhte Präferenz.

  • Für Holtfrerich ist das ein erster Hinweis darauf, dass Oxytocin die negative Wirkung von Testosteron ausgleicht und das Fürsorgeverhalten der Frau motivieren kann. 
  • Bei Frauen mit niedrigen Testosteronwerten hatte das verabreichte Oxytocin keine Wirkung. 
Holtfrerich vermutet, dass niedrige Werte des männlichen Sexualhormons dazu führen, dass Frauen ein mütterliches Verhalten entwickeln und ein zusätzlicher Einfluss von Oxytocin nicht notwendig ist.

Die Hormonforscherin plant nun weitere Studien, um die Ergebnisse mit Müttern und Vätern zu überprüfen.

Die Ergebnisse könnten auch der pharmakologischen Grundlagenforschung dienen, da ein Oxytocinmangel höchstwahrscheinlich bei psychiatrischen Störungen wie der Wochenbettdepression eine wichtige Rolle spielt.

Original-Artikel: Sarah K. C. Holtfrerich, Roland Pfister, Alexander T.El Gammal, Eugen Bellon & Esther K. Diekhof (2018): Endogenous testosterone and exogenous oxytocin influence the response to baby schema in the female brain; Scientific Reports, DOI: 10.1038/s41598-018-26020-4

Medizin am Abend Berlin DirektKontakt
www.medizin-am-abend.blogspot.com













Über Google: Medizin am Abend Berlin
idw - Informationsdienst Wissenschaft e. V.

Sarah Holtfrerich
Universität Hamburg
Institut für Zoologie/Abteilung Neuroendokrinologie
Tel.: +49 40 42838-9213
E-Mail: sarah.holtfrerich@uni-hamburg.de

Maria Latos
Universität Hamburg
Fakultät für Mathematik, Informatik und Naturwissenschaften
Dekanat/Kommunikation und Kooperationen
Tel.: +49 40 42838-8109
E-Mail: maria.latos@uni-hamburg.de

Birgit Kruse Universität Hamburg

Mittelweg 177
20148 Hamburg
Deutschland
Hamburg


Telefon: 040 / 42838-4521
Fax: 040 / 42838-2449
E-Mail-Adresse: medien@uni-hamburg.de

Weitere Informationen für international Medizin am Abend Berlin Beteiligte
http://www.nature.com/articles/s41598-018-26020-4

Einfluss der Arzt-Patienten-Beziehung auf den Therapieerfolg bei chronischen Rücken- und Nackenschmerzen

Medizin am Abend Berlin Fazit: Gute Beziehung zum Therapeuten – weniger Schmerzen?

Nachwuchswissenschaftlerin der Orthopädischen Universitätsklinik Heidelberg untersucht Einfluss der Arzt-Patienten-Beziehung auf den Therapieerfolg bei chronischen Rücken- und Nackenschmerzen / Auszeichnung mit Förderpreis der deutschen Schmerzgesellschaft / BMBF fördert internationale Netzwerkbildung in den kommenden fünf Jahren mit bis zu 600.000 Euro 

 Ann-Christin Pfeifer, Nachwuchswissenschaftlerin an der Orthopädischen Universitätsklinik Heidelberg.
 Ann-Christin Pfeifer, Nachwuchswissenschaftlerin an der Orthopädischen Universitätsklinik Heidelberg. privat
 
  • Bei Patienten mit chronischen Schmerzen, die gleichzeitig Schwierigkeiten haben, Bindungen aufzubauen, erzielen gängige Therapiekonzepte häufig keine nachhaltige Wirkung. 

Ann-Christin Pfeifer, Nachwuchswissenschaftlerin an der Orthopädischen Universitätsklinik Heidelberg, untersucht im Rahmen einer Studie, ob ein kombiniertes Behandlungskonzept, das die Bindungs-Probleme gezielt mit in den Fokus rückt, den langfristigen Therapieerfolg für diese Patienten verbessern und die chronischen Schmerzen dauerhaft lindern kann. Für dieses Projekt ist sie mit dem Nachwuchsförderpreis der Deutschen Schmerzgesellschaft ausgezeichnet worden (Dotierung: 7.000 Euro).

Medizin am Abend Berlin ZusatzFachThema: Patientenbeauftragter  

Ihre Hypothese: Entscheidendes Kriterium für eine gute Langzeitprognose ist eine gute Beziehung zwischen Patient und Therapeut. Vorläufige Ergebnisse einer Heidelberger Pilotstudie mit 52 Patienten, die im Laufe des Jahres veröffentlich werden sollen, unterstützen diese Annahme.

In der aktuellen Studie prüft Ann-Christin Pfeifer bei 150 Patienten mit lange bestehenden Rücken- und Nackenschmerzen erstmals, wie sich die subjektive Einschätzung der Arzt-Patienten-Beziehung nach Abschluss der insgesamt vierwöchigen Therapie unter anderem auf zwei Parameter auswirkt:

den Spiegel des „Bindungshormons“ Oxytocin im Blut der Patienten und das Schmerzlevel drei Monate nach Therapieende. 
  • Die Kombinationstherapie umfasst Medikamente, Physiotherapie und psychotherapeutische Elemente, welche die soziale Interaktions- und Bindungsfähigkeit verbessern sollen. 
Die Studie ist ein Kooperationsprojekt der Universitätsklinik für Orthopädie und Unfallchirurgie sowie des Instituts für Medizinische Psychologie am Universitätsklinikum Heidelberg unter Leitung von Prof. Dr. Marcus Schiltenwolf sowie Prof. Dr. Beate Ditzen.

Dauerhafte Therapieeffekte dank Bindungshormon?

Rund zwei Drittel der Schmerzpatienten sind „unsicher gebunden“, wie Psychologen z.B. Bindungsangst oder Bindungsvermeidung zusammenfassen. Das ist überdurchschnittlich häufig: Im allgemeinen Durchschnitt ist schätzungsweise ein Drittel der Bevölkerung davon betroffen. „Studien haben gezeigt, dass Schmerzpatienten mit solchen Bindungsproblemen es deutlich seltener als andere schaffen, einen anfänglichen Therapieerfolg länger aufrecht zu erhalten“, erläutert Psychologin Ann-Christin Pfeifer.

„Die Bindungsfähigkeit scheint also einen nicht zu unterschätzenden Einfluss sowohl auf die Entstehung als auch die Heilungschancen chronischer Schmerzen zu haben.“

Eine wichtige Rolle auf psychobiologischer Ebene könnte dabei Oxytocin zukommen: Es wird während sozialer Bindungskontakte verstärkt ausgeschüttet und wirkt sich positiv auf die Vertrauensbildung aus.

„Genau dieser Vertrauensaufbau ist wichtig für eine gelungene therapeutische Beziehung und in Folge auch die Bereitschaft des Patienten, Empfehlungen seiner Ärzte über die Therapie hinaus einzuhalten“, so die Preisträgerin. Darüber hinaus wurde Oxytocin mit der Schmerzwahrnehmung in Verbindung gebracht: Ein hoher Spiegel des Hormons im Blut ging mit geringerer Schmerzempfindlichkeit einher. Bei Patienten mit chronischen Rückenschmerzen ist der Oxytocin-Spiegel im Blut niedriger als bei schmerzfreien Vergleichspersonen. An diesen Punkten setzt die aktuelle Studie an: „Wir untersuchen unter anderem erstmals, ob bei dieser speziellen Patientengruppe der Oxytocin-Spiegel vor Therapiebeginn tatsächlich niedriger ist als bei anderen Schmerzpatienten, ob er sich unter bindungsorientierter Schmerztherapie verändert und wie lange diese Effekte anhalten“, so Pfeifer.

Deutsch-Australisches Netzwerk untersucht neue Formen der Schmerztherapie

Auch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) sieht in dem ausgezeichneten Projekt einen innovativen Ansatz, um die Versorgung von Schmerzpatienten zu verbessern. In den kommenden zwei bis fünf Jahren fördert es daher mit bis zu 600.000 Euro den Aufbau eines Deutsch-Australischen Forschungsnetzwerks zu Oxytocin, Schmerz und Bindung (German-Australian Research Network on Oxytocin, Pain and Attachment / GARNOPA) unter Heidelberger Federführung.

Speziell in der Schmerztherapie bestehen bereits seit 2015 unter Leitung von Professor Schiltenwolf enge Kooperationen zwischen Heidelberg und Forschungseinrichtungen in Brisbane, die sich zum Teil auch an der aktuellen Studie beteiligen. „Wir freuen uns sehr, dass wir dieses Netzwerk dank der Förderung durch das BMBF nun noch weiter ausbauen können“, so Professor Ditzen, Direktorin des Instituts für Medizinische Psychologie und Koordinatorin des GARNOPA-Netzwerks. So soll unter anderem ein spezielles Verfahren zur standardisierten Bestimmung von Oxytocin im Blut etabliert und im „GARNOPA-Lab“ in Heidelberg für gemeinsame Projekte zur Verfügung stehen. Eine gemeinsame elektronische Plattform, entwickelt von Professor Dr. Petra Knaup-Gregori und Dr. Matthias Ganzinger, Institut für Medizinische Biometrie und Informatik, fördert die digitale Vernetzung. Gemeinsam mit Professor Dr. Svenja Taubner, Direktorin des Instituts für Psychosoziale Prävention, wird ein internationales Handbuch mit Empfehlungen zur bindungsorientierten Schmerztherapie über diese Schnittstelle angepasst und verbreitet. Verbundpartner sind das Institut für Medizinische Psychologie, die Universitätsklinik für Orthopädie und Unfallchirurgie, das Institut für Medizinische Biometrie und Informatik, das Institut für Psychosoziale Prävention, alle Universitätsklinikum Heidelberg, sowie die University of Queensland, Australien.

Medizin am Abend Berlin DirektKontakt
www.medizin-am-abend.blogspot.com













Über Google: Medizin am Abend Berlin
idw - Informationsdienst Wissenschaft e. V

Ann-Christin Pfeifer
Wissenschaftliche Mitarbeiterin
Orthopädische Universitätsklinik Heidelberg
Tel.: 06221/56-35492
E-Mail: ann-christin.pfeifer@med.uni-heidelberg.de

Julia Bird Universitätsklinikum Heidelberg

Im Neuenheimer Feld 672
69120 Heidelberg
Deutschland
Baden-Württemberg


Doris Rübsam-Brodkorb
Telefon: 06221565052
Fax: 06221564544
E-Mail-Adresse: doris.ruebsam-brodkorb@med.uni-heidelberg.de


Julia Bird
Telefon: 06221 564537
Fax: 06221 564544
E-Mail-Adresse: julia.bird@med.uni-heidelberg.de




Weitere Informationen für international Medizin am Abend Berlin Beteiligte
https://www.klinikum.uni-heidelberg.de/Startseite.115253.0.html 

Internet: http://Zentrum für Orthopädie, Unfallchirurgie und Paraplegiologie am Universitätsklinikum Heidelberg

Windsor Brautvater Thomas Markle: Lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen

Medizin am Abend Berlin Fazit: Herzschlag außer Rand und Band

Nach einem Herzinfarkt kommt es häufig zu lebensbedrohlichen Herzrhythmusstörungen, da das Narbengewebe die elektrische Erregungsausbreitung im Herz stören kann. 

Ein internationales Forscherteam unter Federführung des Universitätsklinikums Bonn hat nun an Mäusen eine Methode entwickelt, wie sich mit Hilfe des Kopplungsproteins Connexin 43 die elektrische Weiterleitung in der Infarktnarbe verbessern lässt. 

Die Ergebnisse sind jetzt im Fachjournal „Scientific Reports“ veröffentlicht. 
Prof. Dr. Wilhelm Röll von der Klinik für Herzchirurgie des Universitätsklinikums Bonn.
 Prof. Dr. Wilhelm Röll von der Klinik für Herzchirurgie des Universitätsklinikums Bonn.
© Foto: UKB
 
Bei einem schweren Herzinfarkt können viele Herzmuskelzellen zugrunde gehen. 
  • Das Infarktgebiet wird anschließend nicht durch neue Herzmuskelzellen „repariert“, sondern durch Narbengewebe ersetzt. 
„Diese Bindegewebszellen wirken wie ein Isolator“, erläutert Prof. Dr. Wilhelm Röll von der Klinik für Herzchirurgie am Universitätsklinikum Bonn (UKB).

Deshalb laufen die Erregungswellen, die den Herzschlag steuern, um das Infarktareal herum und können sich beeinträchtigen. 
In der Folge kommt es häufig zu gefährlichen Herzrhythmusstörungen, weshalb das Herz nicht mehr richtig Blut pumpen kann.
„Dieser Zustand kann in der Wirkung einem Herzstillstand gleichkommen“, betont Röll.

Im Gegensatz zur Skelettmuskulatur, die über Nervenbahnen erregt wird, sind Herzmuskelzellen direkt miteinander elektrisch gekoppelt und zwar über Tunnelproteine, die sogenannten Connexine.

  • Die elektrischen Signale können auf diese Weise extrem schnell von Herzmuskelzelle zu Herzmuskelzelle weitergeleitet werden, sofern es sich um kein Narbengewebe handelt. 

„Das Connexin 43, ist besonders wichtig für die Reizweiterleitung zwischen den Herzmuskelzellen“, sagt Prof. Dr. Bernd K. Fleischmann vom Institut für Physiologie I am Life & Brain-Zentrum der Universität Bonn.

Connexin 43 verbessert im Infarktareal die Reizweiterleitung

Das Ziel des internationalen Forscherteams war, das Connexin 43 in das Narbengewebe einzubringen, um die elektrische Verschaltung zwischen den Zellen des Narbengewebes zu verbessern. 

An Mäusen, die zuvor einen Herzinfarkt erlitten hatten, wurde das Connexin 43 mit Hilfe von Lentiviren eingeschleust. Hierfür wurden die Genfähren direkt in das Infarktareal injiziert und das Connexin 43 daraufhin von den Bindegewebszellen in der Infarktnarbe hergestellt.

Bei anschließenden Untersuchungen zeigte sich, dass die Mäuse mit Connexin 43 im Infarktareal nur etwa halb so häufig an den gefährlichen Herzrhythmusstörungen litten, wie die Kontrolltiere, die dort kein Cx43 produzieren konnten.

„Wir konnten visualisieren, dass das Connexin 43 die elektrische Weiterleitung der Signale im Infarktareal verbessert“, sagt Prof. Dr. Guy Salama von der University of Pittsburgh in den USA. „Mit der verbesserten `Verschaltung´ des ansonsten isolierenden Bindegewebes verringert sich bei den Mäusen das Risiko für gefährliche Herzrhythmusstörungen“, berichtet Prof. Dr. Michael Kotlikoff von der Cornell University in Ithaca (USA) über die Studienergebnisse.

Das internationale Forscherteam, an dem auch Wissenschaftler des Instituts für Pharmakologie und Toxikologie des UKB beteiligt waren und die die lentiviralen Konstrukte herstellten, wies darüber hinaus nach, dass die reizweiterleitende Wirkung des Connexin 43 im Infarktareal auch über einen längeren Zeitraum anhielt.

Patienten, die ein erhöhtes Risiko für Herzrhythmusstörungen haben, bekommen einen Defibrillator implantiert, der bei Kammerflimmern durch gezielte Stromstöße wieder einen normaleren Herzschlag herstellt.

Die Wissenschaftler hoffen nun, dass sie einen möglichen Ansatzpunkt gefunden haben, wie sich die Häufigkeit von Herzrhythmusstörungen nach Herzinfarkt reduzieren lässt.

Dann würde das Übel direkt an der Wurzel gepackt, und die teils als unangenehm empfundenen Stromstöße müssten nicht so häufig verabreicht werden.

„Bislang stützen sich unsere Erkenntnisse auf Untersuchungen an Mäusen“, betont Röll.

„Bis es möglicherweise zu einer Anwendung am Menschen kommt, ist es noch ein weiter Weg, unsere experimentellen Befunde am Kleintier sind aber sehr ermutigend.“

Publikation: Wilhelm Roell, Alexandra M. Klein, Martin Breitbach, Torsten S. Becker, Ashish Parikh, Jane Lee, Katrin Zimmermann, Shaun Reining, Beth Gabris, Annika Ottersbach, Robert Doran, Britta Engelbrecht, Miriam Schiffer, Kenichi Kimura, Patricia Freitag, Esther Carls, Caroline Geisen, Daniel G. Dürr, Philipp Sasse, Armin Welz, Alexander Pfeifer, Guy Salama, Michael Kotlikoff, Bernd K. Fleischmann: Overexpression of Cx43 in cells of the myocardial scar: Correction of post-infarct arrhythmias through heterotypic cell-cell coupling, Scientific Reports, DOI: 10.1038/s41598-018-25147-8

Medizin am Abend Berlin DirektKontakt
www.medizin-am-abend.blogspot.com

























Über Google: Medizin am Abend Berlin 
idw - Informationsdienst Wissenschaft e. V.

Prof. Dr. Wilhelm Röll
Klinik für Herzchirurgie
Universitätsklinikum Bonn
Tel. 0228/28714398
E-Mail: wroell@uni-bonn.de

Prof. Dr. Bernd K. Fleischmann
Institut für Physiologie I
Life & Brain Zentrum
Universität Bonn
Tel: 0228/6885200
E-Mail: bernd.fleischmann@uni-bonn.de

Johannes Seiler Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn
Telefon: 0228 / 73-4728
Fax: 0228 / 73-7451
E-Mail-Adresse: j.seiler@uni-bonn.de
Poppelsdorfer Allee 49
53115 Bonn
Deutschland
Nordrhein-Westfalen


X- und O-Beine - Ist die Fehlstellung bewusst?

Medizin am Abend Berlin Fazit: Arthrose durch X- und O-Beine

Beschwerden frühzeitig abklären – Gelenkersatz verhindern

X- und O-Beine können zu Fehlbelastungen und frühzeitigem Verschleiß der Knorpel am Kniegelenk führen. 


Der Knorpelschwund zieht oft schmerzhafte Gelenkarthrosen bis hin zum künstlichen Kniegelenk nach sich. 

  • Besonders junge Erwachsene, die etwa nach längerem Gehen oder Joggen an Knieschmerzen leiden, sollten deshalb mögliche Achsenabweichungen ihrer Beine rechtzeitig von einem Orthopäden oder Unfallchirurgen abklären lassen. 
 
Schuheinlagen, Physiotherapie oder auch eine Umstellungsoperation können helfen, Folgeschäden zu vermeiden und einen Gelenkersatz möglichst lange hinauszuzögern.

Darauf weist die AE – Deutsche Gesellschaft für Endoprothetik e. V. hin.

Schmerzhafte und fortgeschrittene Gelenkarthrosen sind der häufigste Grund für die Implantation eines künstlichen Kniegelenks. Zu den Ursachen für eine verfrühte und übermäßige Abnutzung des Gelenkknorpels gehören Fehlbelastungen der Gelenke durch X- und O-Beine.
Doch Betroffene sind sich selbst größerer Fehlstellungen ihrer Beine oft nicht bewusst.

„Wir raten deshalb dringend, schon leichtere Beschwerden, etwa einen Anlauf- und Belastungsschmerz beim Aufstehen oder Treppensteigen, abklären zu lassen“, betont Prof. Dr. med. Karl-Dieter Heller, Generalsekretär der AE und Chefarzt der Orthopädischen Klinik am Herzogin Elisabeth Hospital in Braunschweig.

„Denn diese Beschwerden sind oft Frühwarnzeichen für eine Überlastung von Kniegelenken, Knorpeln und Menisken", so der Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie. Rechtzeitig erkannt, könne der Gelenkknorpel möglicherweise noch gerettet werden.

Optimal ist eine gerade Beinstellung. Hier liegen die Mitte von Hüfte-, Knie- und Sprunggelenk auf einer Achse.

  • Mit Ganzbeinröntgenaufnahmen, die im Stehen angefertigt werden, bestimmen Ärzte Abweichungen der Beinachse gradgenau. 

Einen ersten Eindruck über seine Beinstellung könne sich jedoch jeder vor dem Spiegel, mit kurzer Hose oder Leggings bekleidet, verschaffen. „Die meisten Menschen haben von Natur aus leichte X- oder O-Beine“, sagt Prof. Dr. med. Florian Gebhard, Präsident der AE und Ärztlicher Direktor der Klinik für Unfall-, Hand-, Plastische und Wiederherstellungschirurgie am Universitätsklinikum Ulm. „Verursachen sie keine Beschwerden, bedürfen sie in der Regel auch keiner Behandlung.“
Bei einer X-Bein-Stellung weichen Unterschenkel und Füße von der Ideallinie nach außen ab, die Knieinnenseiten berühren sich, nicht aber die Fußknöchel. Dadurch werden die Außenseiten des Kniegelenks zu stark belastet. Beim O-Bein haben die Fußknöchel Kontakt, die Knie stehen jedoch weit auseinander. Die Hauptlast liegt hier auf der Innenseite der Kniegelenke. Die Folge beider Achsabweichungen: frühzeitige Kniearthrosen.

Die Therapie besteht zunächst im Tragen von Einlagen und Schuhaußen- beziehungsweise Innenranderhöhungen, die die Überbelastung ausgleichen sollen. „Des Weiteren empfehlen wir gezielte Physiotherapie zur Stellungskorrektur und Kräftigung der beteiligten Muskelpartien rund um das Kniegelenk“, so Heller. Wichtig sei auch, Übergewicht abzubauen.

„Reichen diese Maßnahmen nicht aus, um die Lasten besser zu verteilen, lohnt es sich oft, die Beinachse operativ zu begradigen“, führt Heller aus. Bei der sogenannten Umstellungsosteotomie sägt der Chirurg den Knochen zu 90 Prozent durch und klappt ihn so weit auf, dass die Beinachse wieder stimmt. Die dabei entstandene Lücke ist oft so gering, dass sie von alleine zuwächst. Alternativ kann der Arzt den Leerraum mit patienteneigenem Knochen aus dem Beckenkamm oder künstlichem Knochenmaterial füllen. Anschließend stabilisiert er das OP-Gebiet mit einer Platte, die er nach Abschluss der Heilung wieder entfernt. Bei O-Beinen findet die Korrektur meist am Schienbeinknochen statt, bei X-Beinen auch am Oberschenkelknochen.

„Eine Osteotomie ist ein sehr hilfreicher und bewährter Eingriff, um den Gelenkknorpel in möglichst gutem Zustand zu erhalten und damit eine Knieprothese hinauszuzögern“, bestätigt auch Gebhard. „Wegen des besseren Heilungspotentials tendieren wir jedoch dazu, eher jüngere Patienten damit zu versorgen.“

Die Operation ergäbe allerdings nur Sinn, solange die Arthrose nicht stark fortgeschritten sei. Deshalb sei es wichtig, den Eingriff rechtzeitig in Erwägung zu ziehen. „Ein Kunstgelenk stellt immer den letzten Ausweg dar“, erklärt Heller.

Die AE-Deutsche Gesellschaft für Endoprothetik verfolgt als unabhängiger Verein seit 1996 das Ziel, die Lebensqualität von Patienten mit Gelenkerkrankungen und -verletzungen nachhaltig zu verbessern und deren Mobilität wiederherzustellen. Mit ihren Expertenteams ausführenden Orthopäden und Unfallchirurgen organisiert sie die Fortbildung von Ärzten und OP-Personal, entwickelt Patienteninformation und fördert den wissenschaftlichen Nachwuchs. Die AE ist eine Sektion der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie.

Medizin am Abend Berlin DirektKontakt
www.medizin-am-abend.blogspot.com















Über Google: Medizin am Abend Berlin 
idw - Informationsdienst Wissenschaft e. V.

Deutsche Gesellschaft für Endoprothetik e. V. (AE)
Dr. Adelheid Liebendörfer
Postfach 30 11 20
70451 Stuttgart
Tel.: 0711 8931-173
Fax: 0711 8931-167
E-Mail: liebendoerfer@medizinkommunikation.org

Janina Wetzstein Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie e. V.

Straße des 17. Juni 106-108
10623 Berlin
Deutschland
Berlin
E-Mail-Adresse: presse@dgou.de

Susanne Herda
Telefon: 030 3406036-06
Fax: 030/ 340603621
E-Mail-Adresse: presse@dgou.de



Weitere Informationen für international Medizin am Abend Berlin Beteiligte
http://www.ae-germany.com

PIA - Psychiatrische Institutsambulanz: Neuropeptid Hormon Oxytocin und die soziale Angst

Medizin am Abend Berlin Fazit: Hormon Oxytocin kann soziale Angst verringern

Biologen der Universität Regensburg entdecken angsthemmende Wirkung des Neuropeptids Oxytocin. 

Eine Maus beschnüffelt einen Artgenossen in einem kleinen Käfig und zeigt somit normales Sozialverhalten.
Eine Maus beschnüffelt einen Artgenossen in einem kleinen Käfig und zeigt somit normales Sozialverhalten. © Foto Buchhauser/Grinevich Hormon Oxytocin kann soziale Angst verringern
 
Soziale Angststörungen oder soziale Phobien sind eine weit verbreitete psychische Störung, unter der mindestens zehn Prozent der Bevölkerung leiden.

Menschen mit sozialer Phobie meiden gesellschaftliche Zusammenkünfte, da sie fürchten, im Zentrum der Aufmerksamkeit zu stehen, auf Ablehnung zu stoßen oder sich zu blamieren.

Die Angst vor alltäglichen sozialen Situationen kann von körperlichen Symptomen wie Zittern, Herzrasen, Atemnot oder Panikattacken begleitet sein. Die Patienten zeigen ein verhängnisvolles soziales Vermeidungsverhalten, was wiederum oft zur vollständigen sozialen Isolation führt. Häufig sind negative soziale Erfahrungen und soziale Traumatisierung an der Entwicklung sozialer Angststörungen beteiligt. Neben Psychotherapie kommen bisher antidepressive und angstlösende Medikamente zum therapeutischen Einsatz, die jedoch wenig spezifisch wirken und zudem ein hohes Abhängigkeitspotenzial besitzen.

Ein Forscherteam um Prof. Dr. Inga Neumann, Lehrstuhl für Tierphysiologie und Neurobiologie der Universität Regensburg, hat an einem Tiermodell für soziale Angst entdeckt, dass das als Kuschelhormon bekannte körpereigene Neuropeptid Oxytocin soziale Angst dramatisch verringern kann. Mäusen wurde beigebracht, dass sozialer Kontakt (Beschnüffeln eines Artgenossen) bestraft wird, was zur vollständigen Meidung von sozialen Interaktionen führte. Wenn die Neurobiologen um den Doktoranden Rohit Menon, am Lehrstuhl für Tierphysiologie und Neurobiologie der Universität Regensburg, die Menge des von Nervenzellen des Gehirns freigesetzten Oxytocin erhöhten, überwanden die Tiere die soziale Angst und beschnüffelten den fremden Artgenossen während einer kurzen Testzeit wieder.

Doch wie kann das körpereigene Oxytocin-System aktiviert werden?


Hierfür diente den Neurobiologen als Modell der weibliche Organismus während der Laktationszeit (Stillzeit), denn das Oxytocin-System ist in dieser Zeit nach der Geburt hoch aktiv: Das Hormon Oxytocin wird während des Säugens aus der Hirnanhangsdrüse in die Blutbahn freigesetzt, wo es die Milchfreisetzung aus den Milchdrüsen gewährleistet. Die Neurobiologen wissen aus früheren Studien, dass Oxytocin auch in jenen Regionen des Gehirns freigesetzt wird, die für mütterliches Verhalten wichtig sind, aber auch Angst- und Furcht-Reaktionen regulieren.

In Kooperation mit Prof. Valery Grinevich, Universität Heidelberg, gelang dem Team um Prof. Neumann nun der Nachweis, dass laktierende Tiere resistent gegen soziale Angstkonditionierung sind.

Dies ist auf eine begrenzte Population von Oxytocin-Nervenzellen zurückzuführen, die Verbindungen zum limbischen System haben. 

  • „Auch das synthetische Oxytocin, das beim Menschen z. B. durch Nasenspray verabreicht werden kann, verringert sehr effizient soziale Angst und erhöht die soziale Motivation im Tiermodell“, so Neumann. 

„Daher sind zahlreiche therapeutische Einsatzmöglichkeiten im Zusammenhang mit sozialen Störungen denkbar, die aktuell untersucht werden.“ 

Die Ergebnisse wurden in der Zeitschrift Current Biology publiziert: 

http://www.cell.com/current-biology/fulltext/S0960-9822(18)30229-X

Medizin am Abend Berlin DirektKontakt
www.medizin-am-abend.blogspot.com
























Über Google: Medizin am Abend Berlin 
 idw - Informationsdienst Wissenschaft e. V.

Prof. Dr. Inga Neumann
Lehrstuhl für Tierphysiologie und Neurobiologie
Universität Regensburg
Tel.: 0941 943-3053
E-Mail: Inga.neumann@ur.de


Universitätsstr. 31
93053 Regensburg
Deutschland
Bayern
E-Mail-Adresse: presse@uni-regensburg.de

Christina Glaser
Telefon:
E-Mail-Adresse: christina.glaser@ur.de


Petra Riedl
Telefon: 0941 943-2302
Fax: 0941 943-4929
E-Mail-Adresse: petra.riedl@ur.de

Weitere Informationen für international Medizin am Abend Berlin Beteiligte
http://www.cell.com/current-biology/fulltext/S0960-9822(18)30229-X

Geriatrie: Mein Leben.Meine Ernährung - Ernährungsversorgung

Medizin am Abend Berlin Fazit: Was, wo und wie Senioren morgen essen möchten

Die Lebenserwartung der deutschen Bevölkerung steigt und die Gesellschaft wird zunehmend älter: 

  • 2050 werden etwa 9,9 Mio. Menschen über 80 Jahre sein – 2015 waren es 4,7 Mio. 

Gleichzeitig wünschen sich viele Hochbetagte, so lange wie möglich in den eigenen vier Wänden zu leben – und damit auch sich nach eigenen Vorlieben zu ernähren. 

  • Was sich Senioren für ihre künftige Ernährung und Ernährungsversorgung wünschen und wie Dienstleister diesen Vorstellungen gerecht werden können, war bisher nicht bekannt. 

Diese Fragen stehen im Fokus einer Studie des Instituts für Biomedizin des Alterns der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU), gefördert durch die Karl-Düsterberg-Stiftung. 

Die Gesellschaft wird – auch infolge von Zuwanderung – immer vielfältiger. Dabei wird auch die Heterogenität der 75- bis 85-Jährigen und deren Individualisierung weiter zunehmen.
Die Gesellschaft wird – auch infolge von Zuwanderung – immer vielfältiger. Dabei wird auch die Heterogenität der 75- bis 85-Jährigen und deren Individualisierung weiter zunehmen. Karl-Düsterberg-Stiftung, Rheine


Mein Leben. Meine Ernährung
Die Gesellschaft wird – auch infolge von Zuwanderung – immer vielfältiger. Dabei wird auch die Heterogenität der 75- bis 85-Jährigen und deren Individualisierung weiter zunehmen. Um den individuellen Ansprüchen nachkommen zu können, bedarf es einer großen Vielfalt der Angebote, die Faktoren wie den Geschmack, den gesundheitlichen Zustand, die finanziellen Ressourcen, die Wohnbedingungen und die soziale Einbindung berücksichtigen. „Die Ernährung ist im hohen Alter oft mit Anpassungen und Unterstützungsbedarf verbunden – Dienstleistungsangebote sollten möglichst passgenau auf die jeweiligen Bedürfnisse zugeschnitten sein“, erklärt Prof. Dr. Dorothee Volkert vom Institut für Biomedizin des Alterns der FAU. „Senioren wünschen sich eine individuelle Ernährungsversorgung nach den eigenen Vorstellungen. Dabei werden Themen wie Regionalität, traditionelle und saisonale Speisen auch in Zukunft eine große Rolle spielen.“

Mein Essen. Meine Selbstständigkeit.
Sich so lange wie möglich nach ihren eigenen Wert-, Geschmacks- und Qualitätsvorstellungen versorgen – das wünschen sich alle Befragten. Künftige Ernährungsangebote wirken also idealerweise dem alters- und krankheitsbedingten Verlust der Autonomie entgegen. Außerdem orientiert sich das Angebot zu jedem Zeitpunkt am individuellen Selbstständigkeitsgrad und berücksichtigt persönliche Wünsche sowie geschmackliche Vorlieben.

Großes Interesse zeigen die Hochbetagten an Informationen rund um das Thema Ernährung – am besten von Familienangehörigen recherchiert und zur Verfügung gestellt. Zukünftig ist damit zu rechnen, dass die Medienkompetenz der Hochbetagten und der Wunsch nach detaillierten Informationen über die Möglichkeiten der Ernährungsversorgung zunehmen wird. Allerdings setzen sie sich tendenziell wenig mit der eigenen Situation einer künftigen Hilfsbedürftigkeit auseinander.

Unsere Mahlzeiten. Unsere Gemeinschaft.
Senioren wünschen sich soziale Gemeinschaft – beim Einkaufen, bei der Bestellung und Lieferung von Lebensmitteln, bei der Zubereitung beispielsweise des Mittagessens oder beim Essen selbst. Die sozialen Netzwerke verändern sich im hohen Alter jedoch nicht nur, sie werden schwächer. So essen heute (gerade mal) 28 Prozent der über 84-Jährigen regelmäßig mit Freunden oder mit der Familie. Durch Angebote wie gemeinsame Kocherlebnisse, betreute Einkaufsfahrten oder soziale Treffpunkte mit Mahlzeiten- und Dienstleistungsangeboten, könnte die Ernährungsversorgung von Hochbetagten wieder mehr in die Gemeinschaft integriert werden.

Unsere Gesellschaft. Unsere Verpflegung.
Das Versorgungsmodell der Zukunft schafft passgenaue und individuelle Angebote für die Ernährung, die den Wünschen und Bedürfnissen der Hochbetagten in jedem Funktions- und Gesundheitszustand gerecht werden. Ebenso wichtig ist es den Senioren aber auch, über sich selbst zu bestimmen. Gefragt ist ein Versorgungsmodell, das einen fließenden Übergang von Angebot zu Angebot ermöglicht – ohne Qualitäts- und Vielfaltsverluste. Eine Herausforderung für Dienstleister und für die Gesellschaft zugleich, die nur unter Mitwirkung aller Beteiligten – nicht zuletzt auch des Staates und der Kommunen – bewältigt werden kann.

Die Studie
In den Jahren 2016/2017 wurden am Institut für Biomedizin des Alterns in Nürnberg und an der geriatrischen Tagesklinik des Krankenhauses Barmherzige Brüder in Regensburg Interviews mit selbstständig lebenden Seniorinnen und Senioren durchgeführt. Einschlusskriterien waren, dass sie selbstständig im Privathaushalt leben, zwischen 75 und 85 Jahre alt sind, keinen Pflegebedarf haben sowie keine wesentlichen kognitiven Einschränkungen vorwiesen. Im zweiten Schritt wurden 2017 die Ergebnisse der Einzelinterviews in zwei Fokusgruppen mit Experten aus dem Bereich der Ernährungswissenschaft, -forschung und -medizin, der Gerontologie und Psychologie sowie Dienstleistern der Ernährungsversorgung diskutiert. Ziel war es, Ressourcen und Chancen in der derzeitigen Ernährungsversorgung zu identifizieren und Ideen für künftige zielgruppenorientierte, bedürfnis- und bedarfsgerechte Angebote zu generieren.

Das Institut für Biomedizin des Alterns (IBA) der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg wurde im Februar 1980 als erstes deutsches Institut für Gerontologie mit den Schwerpunkten Medizin und experimentelle Gerontologie eingeweiht. Es war der Abschluss eines langen Weges, denn experimentelle Gerontologie war noch in den 1960er und 1970er-Jahren in Deutschland absolutes Neuland. Der Durchbruch kam 1973, als an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg ein Lehrstuhl für Innere Medizin (Geriatrie) eingerichtet wurde. Ein Meilenstein in der Entwicklung des Instituts war 2008 die Errichtung einer Stiftungsprofessur für klinische Ernährung im Alter durch die Nürnberger Theo und Friedl Schöller-Stiftung. Im April 2009 hat Prof. Dr. Dorothee Volkert die in Deutschland bisher einzige Professur für Ernährung im Alter angetreten.

Die Karl-Düsterberg-Stiftung e.V. wurde 1988 durch Karl Düsterberg, Gründer von apetito, gegründet. Seit 2014 ist Beate Düsterberg-Eissing, Tochter von Karl Düsterberg, Vorsitzende der Stiftung. Die Karl-Düsterberg-Stiftung fördert seit jeher Wissenschaft, Forschung, Bildung und Erziehung im Zusammenhang mit Lebensmitteln, Lebensmitteltechnologie, Ernährung und Ernährungsphysiologie sowie die berufliche Bildung des Lebensmittelbereiches. Sie finanziert und fördert Initiativen, wie die Studie des Instituts für Biomedizin des Alterns (IBA) der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, durch Spenden – auch seitens der apetito AG.

Medizin am Abend Berlin DirektKontakt
www.medizin-am-abend.blogspot.com












Über Google: Medizin am Abend Berlin 
idw - Informationsdienst Wissenschaft e. V.

Prof. Dr. Dorothee Volkert
Tel.: 0911 5302 96150
dorothee.volkert@fau.de

Dr. Susanne Langer Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

Schlossplatz 4
91054 Erlangen
Deutschland
Bayern
E-Mail-Adresse: susanne.langer@fau.de