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Weihnachtsfest 2017: Wasserausscheidungen, Geburt, Migräne, Schmerzen, Diabetes Insipidus

Medizin am Abend Berlin Fazit: Neue chemische Verbindung zur Erleichterung der Geburt entwickelt

Medizinchemiker entdeckt Alternative zu "Liebeshormon" Oxytocin

Markus Muttenthaler von der Fakultät für Chemie hat gemeinsam mit einem internationalen Forschungsteam eine neue chemische Verbindung entwickelt, die ähnlich wie das "Liebeshormon" Oxytocin wirkt, aber in der Anwendung sicherer und nebenwirkungsärmer ist. 


Diese Verbindung hat das Potential, zukünftig für verschiedenste Studien und therapeutische Anwendungen herangezogen zu werden, wo der Oxytocin-Rezeptor eine Rolle spielt. 

Die Studie erscheint aktuell in "Science Signaling". 

Medizin am Abend Berlin ZusatzFilm: Laborhinweise  

Markus Muttenthaler erhielt auch kürzlich einen hochdotierten ERC Starting Grant des Europäischen Forschungsrates.
Markus Muttenthaler erhielt auch kürzlich einen hochdotierten ERC Starting Grant des Europäischen Forschungsrates. Copyright: Anjanette Webb, Capture Studio
  • Oxytocin und Vasopressin sind Peptidhormone, die beim Menschen viele wichtige physiologische Funktionen regulieren, wie zum Beispiel Reproduktion, Herz-Kreislauf, soziales Verhalten und Lernen. 
  • Oxytocin ist vor allem als "Liebeshormon" bekannt, regelt beispielsweise Prozesse wie die Mutter-Kind-Bindung und ist auch für die Einleitung der Geburt sowie das Stillen verantwortlich. 
  • Beide Hormone agieren über vier Rezeptoren, die strukturell sehr ähnlich aufgebaut sind.
In verschiedenen (Krankheits-)Fällen stellen diese Rezeptoren vielversprechende Ziele für die Medikamentenentwicklung dar. 

So kann eine Aktivierung des Oxytocin-Rezeptors beispielsweise Verbesserungen im sozialen Verhalten von autistischen Kindern bewirken, Schmerzen bei Migräne und chronischen Darmproblemen lindern oder die Geburt eines Kindes erleichtern.

Die Aktivierung eines Vasopressin-Rezeptors hemmt Wasserausscheidungen und wird bei Diabetes Insipidus eingesetzt. 

Ein anderer Vasopressin-Rezeptor wiederum ist ein Ziel für Herz-Kreislauf-Probleme, da er an der Kontraktion von Blutgefäßen beteiligt ist.

Obwohl es viele medizinische Anwendungsmöglichkeiten für diese Signalsysteme gibt, geht die medizinische Entwicklung von wirksamen Substanzen nur schleppend voran.

Ein Hauptgrund dafür ist die Schwierigkeit, selektive Verbindungen herzustellen, die nur einen von den vier Rezeptoren aktivieren, um ungewünschte Nebeneffekte auszuschließen. 

Ein weiteres Problem ist, dass die Selektivität von solchen Verbindungen oftmals nur bei Tieren gegeben ist, jedoch nicht bei Menschen.

Der Medizinchemiker Markus Muttenthaler hat sich diesem Problem gewidmet und über einen neuen Ansatz Oxytocin-Rezeptor-selektive Verbindungen hergestellt, welche die Selektivität bei Tieren und bei Menschen beibehalten. 

In seiner Studie untersuchte er die therapeutische Anwendung beim klinischen Einsatz von Oxytocin zur Erleichterung der Geburt.

  • Oxytocin kann nämlich bei zu hoher Dosis oder zu langer Anwendung Nebenwirkungen für Mutter und Kind verursachen, die mit der Aktivierung des Vasopressin-Rezeptors V1a zu tun haben. 
  • Muttenthalers neu entwickelte Verbindung konnte die Kontraktionen des Uterus ähnlich wie mit Oxytocin verstärken, jedoch in einer viel geregelteren Art und Weise. 
  • Außerdem hatte die neue Verbindung – [Se-Se]-Oxytocin-OH – keine Aktivierung von Herzmuskelzellen zur Folge, was die Sicherheit in der Anwendung verbessert.

Über Markus Muttenthaler
Der Medizinchemiker Markus Muttenthaler erhielt heuer einen hochdotierten ERC Starting Grant des Europäischen Forschungsrates. Er erforscht nun am Institut für Biologische Chemie der Universität Wien neue therapeutische Ansätze gegen gastrointestinale Erkrankungen und überprüft unter anderem das therapeutische Potenzial des Oxytocin-Rezeptors.

Markus Muttenthaler, geboren 1978 in Steyr (Österreich), studierte Technische Chemie an der TU Wien (Diplomingenieur 2005) und erhielt seinen Doktor (PhD) in Biologischer und Medizinischer Chemie 2009 an der University of Queensland in Brisbane, Australien. Danach absolvierte er drei Postdoc-Aufenthalte an international renommierten Forschungsinstituten: dem Institute for Molecular Bioscience, Brisbane (Australien), dem Scripps Research Institute, La Jolla (USA) und dem Institute for Research in Biomedicine, Barcelona (Spanien). 2015 erhielt er ein hochangesehenes australisches Forschungsstipendium, das ihm ermöglichte, seine eigene Forschungsgruppe am Institute for Molecular Bioscience in Brisbane aufzubauen. Seit 2017 ist er nun an der Universität Wien tätig, wo er das "Neuropeptide Research"-Labor leitet.

Publikation in "Science Signaling"
Subtle modifications to oxytocin produce ligands that retain potency and improved selectivity across species: M. Muttenthaler, Å. Andersson, I. Vetter, R. Menon, M. Busnelli, L. Ragnarsson, C. Bergmayr, S. Arrowsmith, J. R. Deuis, H. S. Chiu, N. J. Palpant, M. O’Brien, T. J. Smith, S. Wray, I. D. Neumann, C. W. Gruber, R. J. Lewis, P. F. Alewood, Subtle modifications to oxytocin produce ligands that retain potency and improved selectivity across species. Sci. Signal. 10, eaan3398 (2017).
DOI: 10.1126/scisignal.aan3398

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Haustierparasiten: Gab es zu Weihnachten einen Hund oder Jagdhund oder Begleithund?

Medizin am Abend Berlin Fazit: Verwandtschaft verpflichtet - Jagdhunde und Wölfe teilen sich ihre Parasiten

Obwohl der Grauwolf, wie jedes Wildtier, eine Vielzahl an Parasiten beherbergt, hat seine Anwesenheit in den Wäldern Deutschlands wenig Einfluss auf die Parasitenlast von Jagdhunden. 

Das ist das beruhigende Ergebnis einer Studie des Berliner Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung (Leibniz-IZW). 

In der Untersuchung wurden 78 Jagdhunde aus einer wolfsfreien und einer von Wölfen bereits besiedelten Region Deutschlands über einen mehrmonatigen Zeitraum regelmäßig auf Parasiten im Kot untersucht. 

Die Ergebnisse wurden in der freizugänglichen Fachzeitschrift „International Journal for Parasitology: Parasites and Wildlife“ veröffentlicht. 
 
Seit Beginn der 1990er Jahre breitet sich der Grauwolf wieder in Deutschland und Mitteleuropa aus.

Diese Wiederbesiedlung weckt viele Fragen rund um den großen Beutegreifer und dessen Einfluss auf seine Umwelt. Berliner WissenschaftlerInnen des Leibniz-IZW haben jetzt herausgefunden, dass die Anwesenheit von Wölfen die Parasitenlast bei ihrem nächsten Verwandten, dem Haushund, wenig beeinflussen. Die ForscherInnen verglichen hierfür Jagdhunde aus ostdeutschen Gebieten, wo Wölfe seit Anfang des Jahres 2000 wieder heimisch sind, mit Jagdhunden aus dem Norden der Bundesrepublik, wo es zum Zeitpunkt der Untersuchungen keine ansässigen Wolfsrudel gab.

„Anders als Begleithunde eignen sich Jagdhunde besonders gut für diesen Vergleich, da sie, wie auch der Wolf, bei der Jagd die Wälder durchstöbern und Zugang zu Wildresten haben“, erklärt Ines Lesniak, Doktorandin am Leibniz-IZW.

„Im Fokus der Untersuchung standen die Parasiten der inneren Organe, sogenannte Endoparasiten, die sich im Kot des Wirts nachweisen lassen.“ Dank einer Vorläuferstudie* war bekannt, welches Spektrum an Endoparasiten bei Grauwölfen in Deutschland vorkommt. Wie zuvor bei den Wölfen wiesen die WissenschaftlerInnen auch bei Jagdhunden parasitäre Würmer und eine Vielzahl einzelliger Darmparasiten aus der Gruppe der Sarcocystis-Arten genetisch nach.

Sowohl die Befallsrate als auch die Artenvielfalt von Würmern und Sarcocystis-Arten unterschieden sich nicht zwischen den Jagdhunden in den wolfsfreien und vom Wolf besiedelten Studiengebieten. Das Parasitenspektrum von Jagdhund und Wolf überlappte sich sehr stark, was darauf hindeutet, dass der Hund den Wolf in dessen Abwesenheit als geeigneten Endwirt für die Parasiten ersetzt haben könnte. Eine einzige als „Wolfsspezialist“ bekannte Sarcocystis-Art (Sarcocystis grueneri) trat häufiger bei Jagdhunden in Wolfsgebieten auf als bei Jagdhunden in wolfsfreien Gebieten.  

Wie viele Bandwürmer haben diese Einzeller einen Lebenszyklus, in dem Fleischfresser wie Hunde oder Wölfe als Endwirt fungieren und deren Beutetiere wie Rehe und Hirsche die Zwischenwirte sind.

„Natürlich werden Hunde, anders als Wildtiere, regelmäßig entwurmt. So auch die Jagdhunde, die an unserer Studie teilgenommen haben“, betont Lesniak.

„Solche Präparate wirken jedoch nicht gegen einzellige Parasiten wie Sarcocystis.“ Daher vermuten die ForscherInnen, dass die hohe Infektionswahrscheinlichkeit der Jagdhunde, über 60 Prozent mit verschiedenen Sarcocystis-Arten in beiden Studiengebieten, durch die übliche Fütterung mit rohem Wildfleisch oder Schlachtabfällen verursacht wird.

„Es liegt also in der Hand der Hundebesitzer“, so Lesniak.

„Viele der Studienteilnehmer zeigten bereits großes Verantwortungsbewusstsein, indem sie ihre Hunde regelmäßig, am besten mehrmals im Jahr, entwurmen.“

  • Die offizielle Empfehlung des europäischen wissenschaftlichen Beirats für Haustierparasiten (ESSCAP) ist eine monatliche Anwendung bei Risikogruppen wie Jagdhunden. 

Wenn Wurmkuren häufig angewendet werden, haben parasitäre Würmer nicht die Möglichkeit sich im Wirt fortzupflanzen und Eier zu produzieren, was das gesundheitliche Wohl des Jagdhundes garantiert.

„Die Hundebesitzer können aber auch durch die achtsame Fütterung von Fleischresten die Parasitenlast ihrer Hunde senken, indem sie das Fleisch kurz abkochen. 

Diese einfache Vorsichtsmaßnahme inaktiviert jegliche Parasiten – vom Einzeller bis zur Bandwurmzyste – sowie andere Krankheitserreger, die im Fleisch stecken könnten.“ Nach Einschätzung des Leibniz-IZW spielen Wölfe bei der Ausscheidung und Verbreitung der Parasiten eine untergeordnete Rolle. „Die Anzahl der Wölfe in Deutschland ist im Vergleich zu anderen wilden Fleischfressern wie Füchsen oder Marderhunden, die ebenfalls als Wirte für die beschriebenen Parasiten in Frage kommen, aber eben auch im Vergleich zur Anzahl der Jagdhunde, verschwindend gering“, kommentiert Dr. Oliver Krone, Seniorautor der Studie.

Die Hundebesitzer in Deutschland können sich freuen: 

Keine der bei Jagdhunden nachgewiesenen Parasitenarten birgt ein übermäßiges Gesundheitsrisiko für den Menschen, egal ob die Hunde im Wolfsgebiet oder im wolfsfreien Gebiet leben.

Die regelmäßige Behandlung mit Wurmkuren und die Fütterung abgekochter Fleischreste sind einfache, aber effektive Maßnahmen zum Erhalt der Gesundheit des Jagdhundes. Die Leibniz-IZW Studie zeigt, dass die mit der Rückkehr des Wolfes verbundenen Befürchtungen in Bezug auf Krankheiterreger gegenwärtig unbegründet sind.

Publikationen:
Lesniak I, Heckmann I, Franz M, Greenwood AD, Hofer H, Krone K (2017): Surrogate hosts: hunting dogs and recolonizing grey wolves share their endoparasites. International Journal for Parasitology: Parasites and Wildlife 6, 278-286. Doi:10.1016/j.ijppaw.2017.09.001.

*Lesniak I, Heckmann I, Heitlinger E, Szentiks CA, Nowak C, Harms V, Jarausch A, Reinhardt I, Kluth G, Hofer H, Krone O (2017): Population expansion and individual age affect endoparasite richness and diversity in a recolonising large carnivore population. Scientific Reports 7, 41730. DOI: 10.1038/srep41730.

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Weihnachtsgeschenk: Urlaubsorte wie Schwimmbäder, Dampfbäder oder Hotelteppiche sind Infektionsherde

Medizin am Abend Berlin Fazit: Urlaubszeit ist Warzenzeit

Volkskrankheit Warze: 

Rund ein Drittel aller Kinder von vier bis zwölf Jahren ist betroffen / 

UKD-Experte: Urlaubsorte wie Schwimmbäder, Dampfbäder oder Hotelteppiche sind Infektionsherde 

PD Dr. Peter Arne Gerber, Leitender Oberarzt, Klinik für Dermatologie, Universitätsklinikum Düsseldorf
 PD Dr. Peter Arne Gerber, Leitender Oberarzt, Klinik für Dermatologie, Universitätsklinikum Düsseldorf
Universitätsklinikum Düsseldorf
 
Sie sind meist klein, störend, hoch ansteckend und man infiziert sich ausgerechnet da, wo man im Winterurlaub am liebsten sein möchte: 

Im Schwimmbad, in der Sauna, im Dampfbad oder in Hotelzimmern. Warzen sind eine Volkskrankheit:

Etwa ein Drittel der Kinder zwischen vier und zwölf Jahren und rund zwei bis fünf Prozent der Erwachsenen sind betroffen.

Die kleinen, für gewöhnlich gutartigen Hautwucherungen werden durch das humane Papillomavirus (HPV) verursacht und verbreiten sich entweder durch direkten Hautkontakt, zum Beispiel beim Händeschütteln, oder durch einen Gegenstand oder eine Oberfläche, die mit dem Virus in Kontakt gekommen ist.

Da Warzen recht therapieresistent sind, ist eine Behandlung häufig sehr langwierig.

Die Warzensprechstunde der Klinik für Dermatologie am Universitätsklinikum Düsseldorf (UKD) berät insbesondere zur Infektion mit Warzen im Intimbereich, den sogenannten Feigwarzen.

Kinder sind von Warzen mehr betroffen als Erwachsene

Mit humanen Papillomaviren kann sich grundsätzlich jeder infizieren.

  • Nicht bei jedem der mit dem Virus in Berührung kommt, brechen aber Warzen aus. 
  • Das HP-Virus ist hochansteckend, ein intaktes Immunsystem ist aber in der Regel in der Lage, das Virus selbst zu eliminieren oder zu kontrollieren – viele Warzen verschwinden daher nach einiger Zeit von alleine. 
  • Ist dies nicht der Fall, stören die Warzen oder ist das Immunsystem bereits geschwächt, sollte man einen Arzt aufsuchen.

Gerade Kinder sind von oberflächigen Warzen mehr betroffen, da ihr Immunsystem noch nicht ganz ausgereift ist, erklärt PD Dr. Peter Arne Gerber, leitender Oberarzt an der UKD-Hautklinik: 

 „Der Körper von Kindern kann sich noch nicht so gut gegen die Viren wehren und die Warzen brechen eher aus. Zudem stecken sie sich schneller bei anderen Kindern an, weil sie engeren Hautkontakt haben und vergessen zum Beispiel in Schwimmbändern eher mal ihre Badelatschen als Erwachsene. Gegen eine Infektion im Schwimmbad oder auch im Hotelzimmer sind eigene Badelatschen die beste Vorsorge. Seit ich mich mit dem Thema beschäftige, laufe ich niemals barfuß durch Hotelzimmer oder öffentliche Dampfbäder.“

In diesem Zusammenhang kann der Hautexperte auch einen gängigen Mythos über Warzen bestätigen:

„Unsere Eltern haben tatsächlich Recht, wenn sie sagen, dass man Warzen nicht aufknibbeln sollte, weil sie sich sonst am Körper verbreiten“, schmunzelt Gerber.

„Beim Knibbeln und Aufkratzen verteilen wir infizierte Hautschuppen, die dann wieder durch rissige Hautstellen in die Haut eindringen und Zellen der oberen Hautschicht infizieren. Hier können dann neue Warzen entstehen.“

Viele Menschen gehen erst zum Arzt, wenn der Leidensdruck sehr hoch ist

„Viele Patienten kommen erst zu uns, wenn der Leidensdruck sehr groß ist“, sagt Gerber. „Es werden Hausmittel ausprobiert, dann Mittel aus der Apotheke. Leider sind Warzen sehr therapieresistent. Wenn die Plagegeister nicht weggehen, kommen sie dann in unsere Sprechstunde.“ Offene Warzen auf der Haut werden vom Hautarzt meist vereist, in manchen Fällen auch gelasert. „Unsere Hauptaufgabe liegt darin, das Gewebe zu veröden, das Immunsystem zu stärken und somit den Körper dabei zu unterstützen die Warze und die Viren zu bekämpfen“, so der Düsseldorfer Dermatologe: 

„Bei Genitalwarzen setzen wir neben dem Laser auch Medikamente ein, um das Immunsystem lokal zu aktivieren.“

Außerhalb der Klinik kommen bei vielen Menschen auch Hausmittel und alternative Therapiemöglichen zum Einsatz – von Eigenurintherapie über Schneckenschleim bis zum Besprechen von Warzen. 

Warum viele dieser Behandlungen bei einzelnen Warzen erfolgreich sind, kann Dr. Gerber erklären: „Studien legen nahe, dass Therapien, wie das Besprechen von Warzen, durch einen neuropsychologischen Effekt das Immunsystem stimulieren und dieses anregen die Viren selbst zu bekämpfen.

Weiterhin gilt aber:

Bei geschwächtem Immunsystem, starkem Befall oder Warzen an besonders störenden Stellen, sollte man unbedingt zum Arzt gehen – auch um die Ansteckung von anderen Menschen zu verhindern.

Das gilt insbesondere für Feigwarzen im Intimbereich.“

Rund ein Prozent der sexuell aktiven Menschen leiden unter Genitalwarzen

  • Rund ein Prozent der sexuell aktiven Menschen in westeuropäischen Ländern leiden unter Genitalwarzen. 

„Sie gehören zu den häufigsten sexuell übertragbaren Erkrankungen – medizinisch auch STIs (sexually transmitted infections) genannt.

Entsprechend der sexuellen Aktivität sind hier Menschen im Alter von 20 bis 35 Jahren überdurchschnittlich häufig betroffen. 

Wie bei allen STIs steigt das Infektionsrisiko mit der Zahl der Sexualpartner“, erklärt Dr. Gerber.

Der Dermatologe ergänzt:

„Ein gewisses Bewusstsein für alle sexuell übertragbaren Krankheiten sollte generell vorhanden sein.

Anders aber als bei anderen Geschlechtskrankheiten, reduzieren Kondome zwar das Risiko sich mit Feigwarzen anzustecken, 100 Prozent verhindern können sie eine Infektion aber nicht.

Die Warzen finden sich nämlich häufig auch in jenen Bereichen des Intimbereichs, die von Kondomen nicht abgedeckt werden. 

Bei einem Infektionsverdacht sollte man daher unverzüglich einen Arzt aufsuchen.

Präventiv sind HPV-Schutzimpfungen, die für junge Frauen zugelassen und empfohlen sind.“


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PD Dr. Peter Arne Gerber
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Dein und unter dem Weihnachtsbaum: Musiktherapie nach CI- Cochlea-Impantation

Medizin am Abend Berlin Fazit: Teilnehmer zur Studie zum (Wieder-)Hören lernen und Sprache verstehen von CI-Trägern (CI) gesucht!

 Das Deutsche Zentrum für Musiktherapieforschung (DZM e.V.) startet in enger Kooperation mit der HNO-Klinik der Universität Heidelberg das Forschungsprojekt MusiCi - Musiktherapie in der Frührehabilitation nach Cochlea-Implantation. 

Hierbei stehen die Auswirkungen von Musiktherapie auf die Entwicklung des Sprachverständnisses von CI-Patienten nach der Implantation im Mittelpunkt. Finanziell unterstützt wird diese Studie durch die Firma MED-EL Deutschland. 
 
„Wenn in der Kirche die ersten Töne von „O du Fröhliche“ erklangen und die ganze Gemeinde feierlich in den Gesang einstimmte, wusste ich früher immer:

»Ja, jetzt ist Weihnachten«.

Medizin am Abend Berlin ZusatzFachThema: Dein für Dich gesunder Weihnachtsbaum  


Nach einer schweren Infektion verlor ich mein Gehör.

An Weihnachten erfreute ich mich weiterhin am Kerzenschein und der Gemeinschaft, die besonderen musikalischen Momente fehlten mir aber sehr. Vor einem Jahr habe ich ein Cochlea Implantat bekommen. Die ersten Höreindrücke waren ernüchternd – statt vollem Sound waren erst einmal nur „Mickymaus-Stimmen“ und rauschendes Gebrummel zu hören. Das Sprachverstehen kam dann recht schnell wieder – und durch eine spezielle Musiktherapie wurde ich auch wieder an das Musikhören herangeführt. Dieses Jahr freue ich mich ganz besonders auf Weihnachten, denn ich bin mir sicher, es wird wieder so ‚klangvoll‘ wie früher sein!“


Erlebnisse, wie die von dieser Patientin geschilderten, sind kein Einzelfall:

In Deutschland leben schätzungsweise 14 Millionen Menschen, die an einer hochgradigen Schwerhörigkeit leiden und dadurch im Alltag und ihrer Lebensqualität erheblich beeinträchtigt sind. 
  • Wenn eine Versorgung mit Hörgeräten nicht mehr ausreicht, kann eine elektronische Innenohrprothese helfen. 

Dieses sogenannte Cochlea- Implantat (CI) ersetzt die Funktion des geschädigten Innenohrs. Allerdings klingen Geräusche, Klänge und Stimmen mit CI oft blechern oder verzerrt, sprachliche Feinheiten werden nicht gut wiedergegeben.

Daher kann es für CI-Träger eine große Schwierigkeit sein, „Kling Glöckchen“ von „Jingle Bells“ zu unterscheiden oder zu erkennen, ob ein Sprecher fröhlich oder wütend spricht.


  • Das Hören mit dem CI muss von den Patienten neu erlernt werden. 

Am Deutschen Zentrum für Musiktherapieforschung wird in Zusammenarbeit mit der HNO-Universitätsklinik Heidelberg seit 2010 intensiv daran geforscht, wie dieses Hören lernen mit CI verbessert werden kann. Seit 2014 haben Patienten an der Uniklinik Heidelberg die Möglichkeit, im Rahmen der Frührehabilitation auch Musiktherapie in Anspruch zu nehmen.


Die positiven Wirkungen der Musiktherapie auf die allgemeine Hörwahrnehmung, sowie insbesondere die Musikwahrnehmung, konnten in vorangegangenen Studien belegt werden.

Bisher existieren jedoch kaum Erkenntnisse über die Wirkungen der Musiktherapie, in denen die sprachliche Ebene im Fokus steht.


Daher startet jetzt eine weiterführende Studie (finanziell unterstützt von MED-EL Deutschland), um zu überprüfen, inwiefern sich ein musikalisches Training auch auf das Sprachverständnis von CI-Nutzern auswirkt.


Die Studie richtet sich an Erwachsene, die am Heidelberger HNO-Universitätsklinikum erstmalig mit einem CI versorgt werden. Interessenten müssen einseitig ertaubt sein und auf dem anderen Ohr eine deutliche Höreinschränkung haben, wobei diese Höreinschränkungen erst nach dem natürlichen Spracherwerb in der Kindheit erfolgt sein dürfen (sog. postlinguale Ertaubung).


Das musiktherapeutische Angebot umfasst sechs individuell abgestimmte Einzeltherapiesitzungen zu je 50 Minuten Dauer im DZM, sowie eine intensive, sorgfältige Betreuung und umfangreiche Testdiagnostik in Form von mehreren Hör- und Sprachtests.

Da die sprachlichen Hörfähigkeiten getestet werden, müssen alle Teilnehmer aus Gründen der Vergleichbarkeit Deutsch als Muttersprache sprechen.


Insgesamt werden drei Untersuchungsgruppen verglichen: eine Patientengruppe erhält Musiktherapie mit einem sprachlichen Schwerpunkt (emotionaler Ausdruck in der Sprache, Klangqualitäten verschiedener Stimmen), eine Patientengruppe hat Musiktherapie mit einem allgemein audiotherapeutischen Schwerpunkt (Hören von Musik, musikalisches Training zum Hören in Alltagssituationen, z.B. Geräusche, Richtungshören) und Patienten einer Kontrollgruppe erhalten die Musiktherapie erst im zweiten Rehabilitationsjahr. Die Zuordnung zu den drei Untersuchungsgruppen findet nach Zufallsprinzip statt.

Die Studienteilnahme ist kostenfrei. Musikalische Vorkenntnisse sind nicht erforderlich.

Für diese Studie suchen wir noch weitere Interessenten. 


Mehr Informationen sind telefonisch erhältlich unter 06221 – 83 38 60 oder per E-Mail unter dzm@dzm-heidelberg.de.


Das Deutsche Zentrum für Musiktherapieforschung (Viktor Dulger Institut) DZM e. V. wurde 1995 in Heidelberg gegründet.

Heute ist das DZM eines der größten musiktherapeutischen Forschungsinstitute in Europa und vereint Forschung und Praxis unter einem Dach.

Das DZM ist als gemeinnützig anerkannt und finanziert sich zum überwiegenden Teil aus Spenden und Forschungsdrittmittel. Am DZM entwickeln und erforschen Musiktherapeuten, Mediziner, Musikwissenschaftler und Psychologen in interdisziplinären Projekten musiktherapeutische und musikmedizinische Konzepte zur Verbesserung der Lebenssituation erkrankter Menschen.

Außer dem Forschungsinstitut gehört eine Tinnitusambulanz zum DZM.

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CAVE: Personalausstattung von Pflegeheimen am Heiligabend

Medizin am Abend Berlin Fazit: Wieviel Personal ist für eine gute Pflege erforderlich?

Am Forschungszentrum SOCIUM der Universität Bremen wird die wichtigste pflegepolitische Frage der aktuellen Legislaturperiode bearbeitet 
 
Sie haben die europaweite Ausschreibung für eine wichtige Expertise gewonnen und damit 3,7 Millionen Euro Drittmittel eingeworben: 14 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Forschungszentrums Ungleichheit und Sozialpolitik (SOCIUM) der Universität Bremen sollen jetzt unter der Leitung von Professor Heinz Rothgang ein fundiertes Verfahren zur einheitlichen Bemessung des Personals in Pflegeeinrichtungen entwickeln und erproben.

Die Personalausstattung von Pflegeheimen – schon immer ein Thema

  • Die Personalausstattung von Pflegeheimen ist unzureichend: 
  • So lautet eine Klage, die schon so alt ist wie die Pflegeversicherung selbst, also mehr als 20 Jahre. 

Die Personalausstattung fällt zudem im Bundesgebiet äußerst unterschiedlich aus.

Ein Beispiel:

In stationären Einrichtungen in Bayern wird pro Pflegebedürftigem 20 Prozent mehr Personal eingesetzt als in Sachsen-Anhalt. Bislang sind schon mehrere Versuche gescheitert, ein bundeseinheitliches Personalbemessungsverfahren einzuführen.
Im Zweiten Pflegestärkungsgesetz hat der Gesetzgeber daher die Vertragsparteien der Pflege-Selbstverwaltung verpflichtet, bis zum 30. Juni 2020 ein fundiertes Verfahren zur einheitlichen Bemessung des Personals in Pflegeeinrichtungen nach qualitativen und quantitativen Maßstäben wissenschaftlich entwickeln und erproben zu lassen.
Dazu müssen die Vertragsparteien fachlich unabhängige wissenschaftliche Einrichtungen beauftragen.

Neues Pflegeverständnis in der Praxis nötig

Die Frage nach einer angemessenen Personalausstattung hat zuletzt weiter an Bedeutung gewonnen – angestoßen durch die große Pflegereform in der vergangenen Legislaturperiode.

Der im Rahmen dieser Reform eingeführte „neue Pflegebedürftigkeitsbegriff“ zielt darauf ab, die Selbständigkeit der Pflegebedürftigen zu erhalten und zu fördern. 

Bei der Umsetzung wird es in den kommenden Jahren wichtig sein, auch ein verändertes Pflegeverständnis in der Praxis zu schaffen.

Es soll sich vom bisherigen „Verrichtungsbezug“ entfernen. 
  • Mit „Verrichtungen“ sind unerlässliche Tätigkeiten des Alltags gemeint, also Essen, Trinken, Einkaufen, Kochen, Putzen usw.

Zentraler Faktor: Menge und Ausbildungsgrad des Pflegepersonals

Der zentrale Faktor für ein verändertes Pflegeverständnis ist das Pflegepersonal. 

Dessen Zahl und der Ausbildungsgrad der Pflegenden werden künftig im Mittelpunkt der politischen Bemühungen zur Weiterentwicklung der Pflegeversicherung stehen. 

Der neue Pflegebedürftigkeitsbegriff muss somit zum Anlass genommen werden, die Personalausstattung zu überprüfen und an den sich verändernden Bedarf anzupassen. 

  • Dies wird das Team von Professor Rothgang in den kommenden Jahren tun.

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Postfach 330440
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Deutschland
Bremen 


Prof. Dr. Heinz Rothgang
Tel.: 0421/218-58557
E-Mail: rothgang@uni-bremen.de

Mathias Fünfstück
Tel.: 0421/218-58637
E-Mail: m.fuenfstueck@uni-bremen.de

Thomas Kalwitzki
Tel.: 0421/218-58544
E-Mail: thomas.kalwitzki@uni-bremen.de


Kai Uwe Bohn
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E-Mail-Adresse: kai.uwe.bohn@uni-bremen.de

Über das Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik (SOCIUM): Das SOCIUM ist bundesweit das einzige sozialwissenschaftliche Forschungsinstitut, das Fragen von Ungleichheit, Sozialpolitik sowie deren gesellschaftliche und politische Wechselwirkungen empirisch wie theoretisch untersucht. Der Schwerpunkt der Arbeit liegt auf der fächerübergreifenden Forschung zu den sozialen, ökonomischen, politischen, kulturellen, organisatorischen, rechtlichen, historischen und sozial-medizinischen Bedingungen und Folgen sozialer Ungleichheit, staatlicher Sozialpolitik sowie deren Wechselwirkungen. Disziplinär getragen wird diese Forschung vor allem von Soziologie, Politik-, Gesundheits-, Wirtschafts- und Rechtswissenschaften.

CAVE: Großeltern - Kinder - Enkel: Stress zwischen den Generationen

Medizin am Abend Berlin Fazit: Von der Großmutter bis zum Enkel

Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Thomas Elbert bestätigt epigenetische Übertragung von Gewalterfahrungen

Gewalterfahrung der Großmutter während der Schwangerschaft noch in der DNA der Enkelgeneration nachweisbar DNA-Mythilierung als zugrundeliegender molekularer Mechanismus
 

Ergebnisse im Wissenschaftsjournal Translational Psychiatry veröffentlicht 
 
In den Kriegsjahren 1944 bis 1945 erlebten die Niederlande einen Hungerwinter.

Untersuchungen ergaben, dass Kinder der Mütter, die während dieser Zeit schwanger waren, Tendenzen zu Übergewicht und Zivilisationskrankheiten aufwiesen. Die Kinder der Frauen, die während der Belagerung von Leningrad im Zweiten Weltkrieg schwanger waren, zeigten keine dieser Neigungen.  

Der Unterschied:

Im Gegensatz zur Sowjetunion entwickelte sich in Holland nach 1945 eine Wohlstandgesellschaft, in der es im Überfluss Nahrung gab. Die niederländischen Kinder waren jedoch auf eine ressourcenarme Hungerwelt programmiert.

Solche Codierungen ändern sich nicht innerhalb einer Generation. Tierexperimente belegen die Übertragung auf mehrere Generationen von Nachfahren. Auch bei den Menschen ist nach bisherigen Untersuchungen davon auszugehen, dass in der Enkelgeneration noch epigenetische Spuren in der DNA zu finden sind, die auf die Erlebnisse der Großmütter zurückgehen. Der Konstanzer Klinische Psychologe Prof. Dr. Thomas Elbert und sein Team liefern nun eine weitere Bestätigung für die Hypothese. Das Wissenschaftsjournal Translational Psychiatry veröffentlichte dazu Ergebnisse einer Datenerhebung von Dr. Fernanda Serpeloni in einer Region des brasilianischen Bundesstaates Rio de Janeiro, wo häusliche Gewalt und Gewalt in der Gemeinde verbreitet sind. Fernanda Serpeloni ist Mitarbeiterin des Arbeitsbereichs Klinische Psychologie und Neuropsychologie von Thomas Elbert.  

Die Studie konzentriert sich auf den Nachweis, dass massive Gewalterfahrung während der Schwangerschaft die Lesbarkeit der Gene auch noch bei den Enkelkindern beeinflusst.

Im Rahmen ihrer Dissertation entnahm Fernanda Serpeloni gemeinsam mit eigens geschulten Kolleginnen 386 Personen Speichelproben – Großmüttern, deren Töchtern und Enkelkindern. Die Großmütter und Töchter wurden zusätzlich nach ihren Gewalterfahrungen in der Partnerschaft und in der Gemeinde vor, während und nach der Schwangerschaft befragt.

Ein Fünftel der Großmütter berichtete von Gewalt durch den Partner während der Schwangerschaft, ein weiteres Fünftel hat Gewalt in der weiteren Familie und in der Gemeinde erfahren, sieben Prozent gaben an, während ihrer Schwangerschaft beiden Formen von Stress ausgesetzt gewesen zu sein. Aufgrund der Speichelproben ließ sich an fünf Orten der DNA das Erbgut der Enkel vorhersagen – anhand der Gewalterfahrungen der Großmutter, während sie mit der Mutter der Enkel schwanger war. „Unsere Untersuchungen ergaben, dass insbesondere Gewalterfahrungen während der Schwangerschaft zu unterschiedlichen Methylierungen bei den Kindern führen. Das ist sowohl bei Gewalt durch den Partner als auch in der Gemeinde der Fall“, fasst Thomas Elbert zusammen.

Die sogenannte DNA-Methylierung beschreibt den biologischen Mechanismus, dass bestimmten DNA-Bausteinen eine Methylgruppe angehängt wird. Sie stellt eine Reaktion des Erbguts auf die Umwelt dar, durch die Gene an- beziehungsweise abgeschaltet werden. Der Mechanismus funktioniert epigenetisch, da nicht die Gensequenz, sondern lediglich die Umsetzung der Erbinformation – ihre Lesbarkeit – verändert wird.

Die Studie bestätigt auch die Rolle der DNA-Methylierung bei der Übertragung von Stress zwischen den Generationen. 

„Methylierungsmuster sollten eigentlich Anpassungen an die Umwelt erleichtern“, sagt Thomas Elbert.

Es besteht die Möglichkeit, dass die Kinder mit dem veränderten DNS-Methylierungsmuster entweder ängstlicher werden, bis hin zur Depressionsneigung, oder dass sie nach außen aggressiv und wenig sensitiv anderen gegenüber werden. 

„Es steht mittlerweile außer Frage, dass pränataler Stress die Entwicklung des Nervensystems, die psychische Gesundheit und das Risiko für psychiatrische Störungen beeinflussen“, so Thomas Elbert. 

  • Pränatale DNA-Methylierungsmuster könnten künftig als Biomarker eingesetzt werden.

Originalveröffentlichung:
Serpeloni, F., Radtk,e K., de Assis, S., Henning, F., Nätt, D., Elbert, T. (2017): Grandmaternal stress during pregnancy and DNA methylation of the third generation: an epigenome-wide association study. Tanslational Psychiatry, 7 :e1202.
http://dx.doi.org/10.1038/tp.2017.153

Faktenübersicht:
• Untersuchung zur epigenetischen Übertragung von Gewalterfahrungen in São Gonçalo, Brasilien, durch den Arbeitsbereich Klinische Psychologie und Neuropsychologie von Prof. Dr. Thomas Elbert
• Teilnahmen von insgesamt 386 Personen aus drei Generationen
• Unterstützt durch den ERC Advanced Grant MEMO TV (Memories of trauma and violence).


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Die Kreissaal-Ambulanz: Muskulatur des Herzens beim Embryo

Medizin am Abend Berlin Fazit: Wenn der Herzmuskel aussieht wie ein Schwamm

In seltenen Fällen geht die Entwicklung der Muskulatur des Herzens beim Embryo nicht richtig von statten, der linke Herzmuskel ist zerklüftet wie ein Schwamm. 

  • Das Herz kann deshalb schlecht pumpen, der Herzrhythmus ist gestört. 

Forscher des Deutschen Zentrums für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK) am Universitätsklinikum Heidelberg haben dieses Krankheitsbild systematisch beschrieben und erbliche Faktoren identifiziert. 

Autoren der Studie: Dr. med. Farbod Sedaghat-Hamedani (li) und Dr. rer. nat. Jan Haas (re) Foto: Universitätsklinikum Heidelberg
Autoren der Studie: Dr. med. Farbod Sedaghat-Hamedani (li) und Dr. rer. nat. Jan Haas (re) Foto: Universitätsklinikum Heidelberg
 
Bei der sogenannten Linksventrikulären Non-Compaction-Kardiomyopathie (LVNC) ist die Herzmuskulatur der linken Herzkammer zerklüftet oder schwammartig angelegt. Dies ist meist die Folge eines fehlerhaften Aufbaus der Muskulatur in der embryonalen Phase, es kann aber auch im späteren Leben zu einem solchen Umbau der Herzwände kommen. Die Erkrankung ist zwar selten, jedoch die dritthäufigste Form von angeborenen Herzmuskelerkrankungen. Sie wird teilweise im Kindesalter diagnostiziert, manchmal treten die Symptome aber erst im Erwachsenenalter auf.

Das Team des Instituts für Cardiomyopathien Heidelberg (ICH.) der Klink für Kardiologie am Universitätsklinikum Heidelberg (Prof. Hugo A. Katus) hat sich auf Patienten mit Herzmuskelerkrankungen spezialisiert.

In der Spezialambulanz sieht Privatdozent Dr. Benjamin Meder die unterschiedlichsten Formen und Beschaffenheiten von Herzen. „Eine ausgeprägte LVNC ist im Ultraschall und Herz-MRT gut zu erkennen, man sieht deutlich den schwammartigen Aufbau des Herzmuskels“, sagt der Kardiologe.

  • Die klinische Ausprägung reicht von Rhythmusstörungen und Herzschwäche über Schlaganfälle bis hin zum plötzlichen Herztod. 
  • Manche Patienten haben auch gar keine Symptome, bei ihnen wird der Befund zufällig gestellt, etwa bei der Musterung oder durch einen Herzultraschall bei Leistungsportlern.

Obwohl viele einzelne Fälle und kleinere Studienkollektive beschrieben sind, wurde das Krankheitsbild bislang wenig systematisch erforscht. Leitlinien zur Diagnose oder Behandlung gibt es dementsprechend nicht. Dr. Farbod Sedaghat-Hamedani und das ICH.-Team haben deshalb jahrelang Fälle gesammelt und in einem Register erfasst. Es umfasst inzwischen hunderte Patienten, darunter auch Familienangehörige der Erkrankten. Auf diese Weise konnten die Forscher zeigen, dass Patienten mit LVNC im Durchschnitt schwerer von Herz-Kreislauf-Ereignissen wie Schlaganfall, Vorhofflimmern oder Herzschwäche betroffen waren, als etwa Patienten mit einer der häufigen Formen der Herzschwäche, der dilatativen Kardiomyopathie (DCM).

Mit Hilfe umfangreicher Genanalysen unter der Leitung des Biologen Dr. Jan Haas konnten die Forscher außerdem eine Reihe von bislang nicht bekannten krankheitsrelevanten Genen identifizieren.

Weiter konnten sie in Zusammenarbeit mit mehreren DZHK-Standorten ermitteln, dass das Gen RBM20, welches die Synthese des größten Muskelproteins Titin reguliert, an der Ausbildung der LVNC beteiligt ist. Patienten mit einem Defekt in den krankheitsrelevanten Genen wiesen besonders schwere Verläufe auf.

„Unsere Ergebnisse sind die Basis für eine präzise Diagnose und Behandlung der Patienten“, sagt Meder.

Bei eindeutig erblichen Komponenten können so auch Familienmitglieder besser auf ihr Krankheitsrisiko getestet und gegebenenfalls frühzeitig behandelt werden. 

Noch ist die Krankheit nicht heilbar, aber die Heidelberger Wissenschaftler haben mit ihren Forschungsergebnissen neue Ansatzpunkte für eine mögliche Gentherapie aufgezeigt, die nun gezielt untersucht werden.

Originalarbeit:
Clinical genetics and outcome of left ventricular non-compaction cardiomyopathy. Sedaghat-Hamedani F, Haas J, Zhu F, Geier C, Kayvanpour E, Liss M, Lai A, Frese K, Pribe-Wolferts R, Amr A, Li DT, Samani OS, Carstensen A, Bordalo DM, Müller M, Fischer C, Shao J, Wang J, Nie M, Yuan L, Haßfeld S, Schwartz C, Zhou M, Zhou Z, Shu Y, Wang M, Huang K, Zeng Q, Cheng L, Fehlmann T, Ehlermann P, Keller A, Dieterich C, Streckfuß-Bömeke K, Liao Y, Gotthardt M, Katus HA, Meder B.
Eur Heart J. 2017 Oct 6. doi: 10.1093/eurheartj/ehx545. [Epub ahead of print]

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www.aktiv-und-gesund.org - Einladung zur Studie

Medizin am Abend Berlin Fazit: Studienteilnehmer für computergestützte Hilfsangebote gesucht (Gesundheitsförderung)

Die Universitätsmedizin Greifswald hat in Kooperation mit den Universitätskliniken Tübingen und Lübeck innovative computergestützte Beratungsangebote zur Förderung eines gesunden Lebensstils entwickelt. 

Solche arztentlastenden Systeme ermöglichen eine breitere Verfügbarkeit von Gesundheitsberatung. 

Die entwickelten Beratungsangebote haben bereits eine Testphase durchlaufen und wurden von den bisherigen Teilnehmern als hilfreich bewertet. 
 
Nun werden Interessierte zwischen 18 und 64 Jahren gesucht, um die Wirksamkeit der Angebote wissenschaftlich zu überprüfen. 

Hilfe übers Smartphone? – Für innovative Beratungsangebote werden Testpersonen gesucht.
Hilfe übers Smartphone? – Für innovative Beratungsangebote werden Testpersonen gesucht.
Foto: UMG

Für die Teilnahme an den Studien ist eine Aufwandsentschädigung vorgesehen.

Am Institut für Sozialmedizin und Prävention der Universitätsmedizin Greifswald liegt der Schwerpunkt des Beratungsangebots auf der Förderung des seelischen Wohlbefindens. 

Viele Menschen kennen Phasen von Niedergeschlagenheit, Traurigkeit oder Antriebslosigkeit.

Wissenschaftliche Studien zeigen, dass langfristig viele Lebensgewohnheiten helfen können, seelisch im Gleichgewicht zu bleiben.

So hat es sich zum Beispiel als hilfreich erwiesen, für ausreichend körperliche Bewegung zu sorgen oder sich bewusst Zeit für Dinge zu nehmen, die einem wichtig sind.

Das entwickelte Angebot motiviert Teilnehmer, mittels Briefen und SMS-Kurznachrichten Strategien in ihrem Alltag auszuprobieren. 

Die für jeden Einzelnen erfolgversprechendsten Empfehlungen werden dabei über ein Computerprogramm ermittelt, das auf Grundlage aktueller wissenschaftlicher Erkenntnisse die persönlichen Bedürfnisse und Lebensgewohnheiten berücksichtigt.

Interessierte können unter www.aktiv-und-gesund.org an einer 10-minütigen Gesundheitsbefragung teilnehmen. 

Bei Eignung erhalten diese anschließend die Möglichkeit, an einem der innovativen Programme teilzunehmen. 


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Der Kreissaal/Ambulanz: Mukoviszidose-Screenings für Neugeborene

Medizin am Abend Berlin Fazit: Deutsch-polnisches Neugeborenen-Screening wird erweitert

Im „RareScreen“ werden erstmals auch Brandenburger Neubürger erfasst

Seit 2011 werden Neugeborene aus Mecklenburg-Vorpommern und der polnischen Wojewodschaft Zachodniopomorskie (Westpommern) im Rahmen des EU-Programmes Interreg nach der Geburt umfangreicheren Untersuchungen unterzogen und die Daten wissenschaftlich ausgewertet. 


Mit rund 45.000 Neugeborenen jährlich rechnet Projektleiterin Dr. Theresa Winter im neuen Screening-Programm.
 Mit rund 45.000 Neugeborenen jährlich rechnet Projektleiterin Dr. Theresa Winter im neuen Screening-Programm. Foto: UMG/Manuela Janke


Mit „PomScreen“ wurden 2012-2015 in Mecklenburg-Vorpommern die Weichen für die bundesweite Einführung des Mukoviszidose-Screenings für Neugeborene im Jahr 2016 gestellt. Das mit 2,5 Millionen Euro geförderte bislang einzigartige grenzübergreifende Neugeborenen-Screening in der Modellregion Pomerania wird nun fortgesetzt und deutlich erweitert. Das Nachfolgeprojekt hat ein Gesamtvolumen von 3,4 Millionen Euro mit einer Laufzeit von drei Jahren. Heute haben die Projektpartner in der Universitäts- und Hansestadt Greifswald den Startschuss für das neue EU-Projekt „RareScreen“ (INTERREG V A) gegeben.

„Mit dem erweiterten Forschungsvorhaben nimmt die Universitätsmedizin Greifswald erneut deutschlandweit eine Vorreiterrolle im Bereich der Prävention und Gesundheit von Neugeborenen ein“, betonte der Vorstandsvorsitzende der Universitätsmedizin Greifswald (UMG), Prof. Dr. Max P. Baur. 

„Das Leuchtturmprojekt verkörpert zukunftsorientierte Spitzenforschung im Bereich der Gesundheitsförderung und Präventionsarbeit zusammen mit nationalen und internationalen Projektpartnern und stärkt somit unseren Lebens- und Wissenschaftsstandort.“

Das Projekt RareScreen wird als grenzüberschreitendes Zentrum zur Früherkennung seltener Erkrankungen bei Neugeborenen die Gesundheitsversorgung für die jüngsten Bewohner der deutsch-polnischen Region verbessern und neue Ansätze für die Therapie von Erkrankungen liefern.

Das Neugeborenen-Screening ist eine der wichtigsten Präventionsmaßnahmen zur Früherkennung angeborener Stoffwechselstörungen und Hormonstörungen, die durch fehlende Symptome in den ersten Lebenstagen ohne Laboruntersuchungen nicht zu erkennen sind. 

Das Ziel der Vorsorgeuntersuchungen ist die frühestmögliche Diagnose kranker Kinder und der Beginn der entsprechenden Therapie, um so jedem Kind eine weitestgehend normale Entwicklung zu sichern. Das Projekt RareScreen verbessert somit nicht nur die Gesundheit der betroffenen Kinder, sondern auch die Situation der ganzen Familie.

Neue Partner, innovative Methoden und mehr Untersuchungen

„Ziel des aktuellen Projektes ist es, die Normalversorgung unserer Neugeborenen deutlich auszuweiten, indem wir den Kindern und ihren Familien drei zusätzliche Untersuchungen kostenfrei anbieten, erklärte Projektleiterin Dr. Theresa Winter (Foto) vom Institut für Klinische Chemie und Laboratoriumsmedizin an der UMG.

„Die Liste der bisher 15 diagnostizierbaren seltenen Krankheiten wird um die frühzeitige Erkennung von angeborenen Erkrankungen des Immunsystems, des Fettstoffwechsels und von Hämoglobinkrankheiten ergänzt. 

Dies soll das Leben kranker Kinder, deren Geschwister oder Eltern retten oder multiple Komplikationen verhindern.“

Somit geht das Präventionsangebot im neuen Projekt weit über die Regelversorgung für Neugeborene hinaus.

Durch eine parallele Erfassung der Familien betroffener Neugeborener wird es auch möglich sein, sich um weitere Familienmitglieder mit erhöhtem Risiko für die untersuchten Krankheiten zu kümmern. Dies erstreckt sich auch auf die fachärztliche Versorgung Neugeborener anderer ethnischer Gruppen im Fördergebiet. Eine weltweit weit verbreitete Erkrankung des Hämoglobins, also des Blutfarbstoffs in den roten Blutkörperchen, wird zukünftig im Rahmen des Forschungsprogramms mit untersucht.

Die bestehende Zusammenarbeit wird ferner durch drei neue Partner sowie neue diagnostische Methoden erweitert. Die bereits erfolgreich etablierte Zusammenarbeit zwischen dem Screening-Zentrum Mecklenburg-Vorpommern in Greifswald und dem Screening-Zentrum an der Pommerschen Medizinischen Universität Stettin wird im aktuellen Projekt durch das Screening-Zentrum der Charité Berlin verstärkt, die für die Auswertung der Gesundheitsdaten der Brandenburger Neugeborenen verantwortlich sind. Jedes Screening-Labor wird sich auf eine Krankheit für alle anderen Neugeborene des Einzugsgebietes spezialisieren. Erkrankungen des Immunsystems werden in Stettin, des Fettstoffwechsels in Greifswald und der Hämoglobinkrankheiten an der Charité untersucht. „Das erweiterte Analysespektrum beinhaltet natürlich auch neue Methoden, die lokal etabliert und wissenschaftlich ausgewertet werden“, so Dr. Theresa Winter weiter.

„Wir rechnen mit rund 45.000 Neugeborenen jährlich, wobei die Teilnahme an dem Programm freiwillig ist, und hoffen auf eine weiterhin große Beteiligung“, sagte die Projektleiterin.

„Unsere Ergebnisse werden wir auch auf nationaler Ebene in Fachgesellschaften diskutieren, um ähnlich wie beim Mukoviszidose-Screening eine bundesweite Einführung von neuen Screening-Erkrankungen zu erreichen.

Die Bemühungen, letztendlich bundesweit allen Kindern eine verbesserte Vorsorge anzubieten, unterstützen wir mit unserem Projekt sehr gern.“

Neben der wissenschaftlichen Analyse der Daten wird das deutsch-polnische Forschungs- und Krankenversorgungsprojekt durch gemeinsame Weiterbildungsveranstaltungen für polnische und deutsche Experten für seltene Erkrankungen sowie einen intensiven Erfahrungsaustausch der Projektpartner, Studierende der polnischen und deutschen medizinischen Fakultäten im Fördergebiet, Krankenhausmitarbeiter, Ärzte, Pflegekräfte, Hebammen und Familien der Patienten begleitet.

Weitere Informationen
Neugeborenen-Screening-Labor MV: https://goo.gl/EKaXNs
EU-Programm: http://www.interreg5a.info






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Nierentransplantation und Abstoßreaktion

Medizin am Abend Berlin Fazit: Organabstoßung langfristig verhindert

Biologen der Universität Konstanz unterdrücken durch Hemmung von Immunproteasomen eine chronische Abstoßung von Nierentransplantaten 
 
Der Konstanzer Immunologe Prof. Dr. Marcus Groettrup hat mit seiner Arbeitsgruppe einen Weg entwickelt, um bei Ratten nach einer Nierentransplantation die Abstoßungsreaktionen der Empfänger zu verhindern, und im Immunsystem der Organempfänger die Bildung von Antikörpern gegen das transplantierte Organ zu unterdrücken.

Medizin am Abend Berlin ZusatzFachLink: Infektionen - Leitlinien 

 Prof. Dr. Marcus Groettrup und Dr. Jun Li
Prof. Dr. Marcus Groettrup und Dr. Jun Li

Die entscheidende Rolle spielt dabei die Hemmung des Immunproteasoms, wodurch die Produktion der Antikörper unterdrückt wird.

Die Ergebnisse der Forschergruppe wurden nun im renommierten Fachjournal „Kidney International“ mit dem Titel: „Immunoproteasome inhibition prevents chronic antibody-mediated allograft rejection in renal transplantation" veröffentlicht.

Im Verlauf von zehn Jahren nach einer Nierentransplantation werden circa die Hälfte der Trans-plantatnieren durch Antikörper wieder abgestoßen.

  • Gegen diese chronische Abstoßung gibt es bisher kaum eine wirksame medikamentöse Abwehr. 
Nicht-selektive Proteasomhemmer können zwar die durch Antikörper verursachte Abstoßung von Transplantaten unterdrücken, sind aber aufgrund starker negativer Nebeneffekte nur bedingt einsetzbar. 

Immunproteasomhemmer haben sich hingegen bei vorklinischen Modellen von Autoimmunerkrankungen als effektiv erwiesen und wurden über Wochen hinweg ohne offensichtlich erkennbare Nebenwirkungen verabreicht. 

In einem Rattenmodell haben die Wissenschaftler um Marcus Groettrup gezeigt, dass durch die Hemmung des Immunproteasoms die aktivierten Plasmazellen, die die Antikörper gegen die Transplantatniere produzieren, abgetötet werden.

Die selektive Immunproteasomhemmung durch den Hemmer ONX 0914 reduzierte die Anzahl von B- und Plasmazellen und unterdrückte die Produktion der dem Spender eigenen Antikörper.

Die Transplantationen wurden von einem jungen urologischen Chirurgen vom Cancer Institute Chongqing in China, Dr. Jun Li, durchgeführt, der im Rahmen eines Stipendiums des Chinese Scholarship Council an der Universität Konstanz arbeitet und inter-nationaler Experte für Mikrochirurgie ist.

„Die Ergebnisse sind ein voller Erfolg.

Wir können die Abstoßung komplett bei allen Tieren verhindern und sehen, dass die Antikörper, die gegen das Transplantatorgan gebildet werden, praktisch kaum mehr vorhanden sind.

Die Entzündungsparamter in der transplantierten Niere sind deutlich zurückgegangen und die Nierenfunktion der Empfänger ist exzellent“, resümiert Marcus Groettrup und erläutert, dass diese Ergebnisse darauf schließen lassen, dass Immunproteasomhemmung ein vielversprechender Therapieansatz bei der Behandlung chronischer, durch Antikörper verursachter Abstoßung sein kann.

Groettrups Strukturmodell des Immunproteasoms gilt als grundlegend für die Entwicklung von Wirkstoffen gegen Autoimmunerkrankungen wie Diabetes, rheumatoide Arthritis und Multiple Sklerose. Bereits Anfang der 2000er-Jahre gelang es Groettrup, das Immunproteasom als Regulator für genau jene Botenstoffe auszumachen, die autoimmune Erkrankungen verursachen. Eine pharmazeutische Entwicklung von Hemmstoffen, die gezielt das Immunproteasom ausschalten, würde eine Bekämpfung von Autoimmunerkrankungen und Organspendenempfängern erlauben, ohne zugleich das gesamte Immunsystem des Körpers zu schwächen.

Originalveröffentlichung:
Li, J., Basler, M., Alvarez, G., Brunner, T., Kirk, C. J., and Groettrup, M. Immunoproteasome inhibition prevents chronic antibody-mediated allograft rejection in renal transplantation. Kidney Int. in the press

DOI: 10.1016/j.kint.2017.09.023

Faktenübersicht:

• Li, J., Basler, M., Alvarez, G., Brunner, T., Kirk, C. J., and Groettrup, M. Immunopro-teasome inhibition prevents chronic antibody-mediated allograft rejection in renal trans-plantation. Kidney Int. in the press

• Hemmung der Immunoproteasomen Untereinheit LMP7 (β5i) durch den Hemmer ONX 0914 tötet die aktivierten Plasmazellen ab, die die Antikörper gegen die Transplantatniere produzieren.

• Die Infiltration durch T-Zellen, B-Zellen und Makrophagen wie auch durch Interferon-γ, In-terleukin-17 und Immunglobulin G sowie die Ablagerung von Komplementfaktoren war bei Nierenallotransplantaten derjenigen Empfänger reduziert, die mit ONX 0914 behandelt worden waren. Die chronische Nephropathie wurde verbessert und die Funktion des Nie-renallotransplantats erhalten, was das langfristige Überleben der Empfänger sicherte.

• Gefördert durch: Else Kröner-Fresenius-Stiftung (www.ekfs.de)

• Forschungspartner: Kezar Life Sciences (www.kezarlifesciences.com)
Biotechnologie Institut Thurgau an der Universität Konstanz (www.bitg.ch).

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