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Dein braunes Körperfett: Kreatinin-Clearance

Medizin am Abend Berlin Fazit: Der Mensch besitzt dreimal mehr braunes Körperfett

Braunes Körperfett ist im Vergleich mit weißem Fett ein Energiefresser. 

Nur schien der braune Fettanteil im Menschen bislang zu geringfügig zu sein. 

Wissenschaftler der Technischen Universität München (TUM) belegen nun mit einer Studie: 

Die Masse braunen Fettes im Menschen ist dreimal grösser als bisher bekannt war. 

  • Von neuen Adipositas- und Diabetes-Medikamenten, die das braune Fettgewebe aktivieren, ist deshalb eine stärkere Wirkung zu erwarten. 
 
Für die Studie, die im "Journal of Nuclear Medicine" veröffentlicht wurde, sind knapp 3000 PET-Scans von 1644 Patientinnen und Patienten ausgewertet worden.

PET steht als Abkürzung für eine Positronen-Emissions-Tomographie, welche in der Krebsmedizin eingesetzt wird.  
  • Mit ihrer Hilfe werden Stoffwechselvorgänge im Körper sichtbar. 
  • Da ein Tumor häufig einen anderen Energiestoffwechsel als gesundes Gewebe aufweist, können über solche PET-Scans Metastasen festgestellt werden.
„Als Nebenprodukt dieser PET-Scans wird für uns aktives braunes Fettgewebe sichtbar“, erklärt Dr. Tobias Fromme vom Else-Kröner-Fresenius Zentrum der TU München – „das braune Fettgewebe nimmt viel Zucker auf und diese Aktivität können wir über die Scans nachvollziehen.“  
  • Es wäre beispielsweise vorstellbar, dass bei Diabetikern mithilfe der hohen Aktivität des braunen Fettes über ein Medikament der überschüssige Zuckeranteil im Blut reduziert wird.
Ebenso wäre denkbar bei Patientinnen und Patienten mit Adipositas die hohe Energieverbrennung durch das braune Fett zu nutzen, um überschüssige Pfunde zum Schmelzen zu bringen – zumindest teilweise. „Jedenfalls ist die Prognose für die Wirkung von Medikamenten im braunen Fettgewebe nach oben korrigierbar“, sagt der Wissenschaftler.

Manche aktivieren braunes Körperfett stärker als andere

Dass manche Personengruppen es stärker als andere vermögen, ihr braunes Fett zu aktivieren oder gar insgesamt mehr davon besitzen, dies kam durch die Analyse der PET-Scans ebenfalls zutage. Frauen haben häufiger aktiveres braunes Fett als Männer, war zudem das Ergebnis verschiedener Vorläuferstudien. Ebenso haben schlanke und jüngere Menschen mehr Anteile von braunem Fett. Bei Beleibteren wiederum reagiert das braune Fett nicht so aktiv und bei älteren Personen auch nicht. "Jedoch bei etwa fünf Prozent der Patientinnen und Patienten kommt aktives braunes Fett weitaus häufiger vor als bei der allgemeinen Bevölkerung", sagt Fromme – "bei Ihnen zeigten 50 Prozent der Scans diese aktiven Fettgewebeanteile."

Für den Wissenschaftler steckt darin eine mögliche Erklärung für das Phänomen, warum die Einen bei einem zusätzlichen Stück Torte schon zunehmen, während anderen die süße Schlemmerei nichts anhaben kann: Unterschiedliche Körpergewichte bei gleicher Ernährung. „Schlussendlich muss bei Medikamenten, die das aktive braune Fettgewebe nutzen, darauf geachtet werden, dass manche Personengruppen von einer zusätzlichen Aktivierung des braunen Fetts stärker profitieren werden als andere“, erklärt der Studienautor. „Welche Ursache einen Menschen dazu bringt, besonders aktives braunes Fett zu besitzen, wissen wir noch nicht.“

Ein neu entdeckter Faktor könnte sich als Schlüssel zu diesem Rätsel erweisen: 
  
Wie die Wissenschaftler erstmals zeigen konnten, wird die Braunfett-Aktivität durch eine Größe namens Kreatinin-Clearance beeinflusst, die mit der Nierenfunktion in Zusammenhang steht. 
 
„Es sind weitere Grundlagenstudien notwendig“, sagt Fromme – „aber eine These ist, dass es Signalstoffe geben könnte, die sowohl auf das braune Fett als auch die Nieren wirken.“

Publikation:

Carlos Gerngroß, Johanna Schretter, Martin Klingenspor, Markus Schwaiger and Tobias Fromme: Active brown fat during 18FDG-PET/CT imaging defines a patient group with characteristic traits and an increased probability of brown fat redirection, Journal of Nuclear Medicine 01/2017:
DOI: 10.2967/jnumed.116.183988

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Umdenken beim Thema Schlaf b i t t e..... „24 / 7 always-on-Gesellschaft“

Medizin am Abend Berlin Fazit: „Zur Seismik des Schlafs“

Masterabsolventin plädiert für ein Umdenken beim Thema Schlaf

Morgenstund - Gold im Mund oder ungesund? Masterarbeit zeigt biologische, gesellschaftliche und kulturelle Faktoren auf. 

Die Masterabsolventin Stefani Wiatowski zeigte den Wert  des Schlafes auf und stellte ihn grafisch dar. Die Masterabsolventin Stefani Wiatowski zeigte den Wert des Schlafes auf und stellte ihn grafisch dar.
Foto Stefani Wiatowski
 
Büroschlaf – auf der einen Seite kann er Grund einer fristlosen Kündigung sein, auf der anderen Seite und in anderen Ländern Zeichen einer südländischen Siesta-Kultur sowie in Asien ein würdigendes Merkmal für diejenigen, die ganz besonders viel leisten.

Die Absolventin der Fakultät Gestaltung an der Hochschule für angewandte Wissenschaften Würzburg-Schweinfurt, Stefani Wiatowski, widmete sich dieser Thematik genauer und erstellte in Folge ihre Masterarbeit „Zur Seismik des Schlafs“. Auf 150 Seiten gibt die Wissenschaftlerin einen Überblick über den aktuellen Forschungs- und Gesellschaftsstand zum Thema Schlaf und Gesellschaft mit dem Ziel, eine neue Schlafkultur in Deutschland zu begründen, da aktuell eine Arbeitseinstellung dominiere, in der die „Betriebsamkeit“ höher beurteilt werde als die Ergebnisse und die Gesundheit. 

Ziel sei es, so Wiatowski, eine positive Einstellungsänderung zum Schlaf herbeizuführen. Ihr als Designerin komme hierbei eine wortwörtlich gestaltende Rolle in diesem Prozess zu: Sie wolle Trends und Entwicklungen aktiv begegnen und diese mit Hilfe der Gestaltung in neue Bahnen lenken, zumindest einen Anstoß zur Veränderung leisten.

Der Schlaf werde durch eine Vielzahl an biologischen, gesellschaftlichen und kulturellen Faktoren beeinflusst – Wiatowski ruft dazu auf, sich diese Faktoren bewusst zu machen und sie sich im Rahmen der gesellschaftlich gesetzten Möglichkeiten gezielt zu Nutze zu machen. 
  • Pünktlichkeit sowie die Fähigkeit, mit möglichst wenig Schlaf auszukommen und früh aufzustehen, werden aktuell als Zeichen von Effektivität, Einsatz, Leistung und Erfolg wahrgenommen. 
  • Der Schlaf hingegen als Störfaktor im Produktionsprozess, der mit Inaktivität und Unproduktivität verbunden werde.
In Hochleistungsgesellschaften wie Deutschland sei eine immer stärkere Vernetzung und eine technisch rasante Weiterentwicklung, vor allem im digitalen Sektor, zu beobachten, die sich zu einer 24 / 7 always-on-Gesellschaft“ entwickelt habe, in der alles zu jeder Zeit möglich sei.

Gekennzeichnet durch Schnelllebigkeit, steigenden Leistungsdruck und globale Mobilität über die verschiedenen Zeitzonen hinweg, löse diese Entwicklung die Struktur der Kernarbeitszeit auf und an Stelle fester Strukturen rückten Eigenschaften wie Spontanität und schnelle Reaktions- und Anpassungsfähigkeit auf kurzfristige Bedingungsveränderungen. 

Derartige Veränderungen begünstigten Entwürfe neuer Arbeitszeitmodelle, die die Individualität von Schlaf- und Pausenbedürfnissen von Arbeitnehmern berücksichtigen.

So sei im Rahmen der Schlafforschung festgestellt worden, dass stundenlanges intensives Arbeiten auf Höchstleistungsniveau nicht realisierbar sei – Menschen benötigten in individuellen Abständen einen Wechsel von Spannung und Entspannung, Aktivität und Ruhe, Arbeit und Pause, um anhaltend gute Leistungen erzielen zu können.

Werde dieser Wechsel unterbrochen oder auf Dauer ignoriert, erzeuge dies chronischen körperlichen Stress, der wiederum zu Leistungseinbußen, nachlassender Konzentrationsfähigkeit und einer schlechteren Schlafqualität führe;

Burnouts, Depressionen und stressbedingte körperliche Erkrankungen nähmen zu.

Neben den genannten physischen wie psychischen Gesundheitsbeeinträchtigungen verursache die aktuelle Haltung gegenüber dem Schlaf in Kombination mit Arbeitszeiten und Arbeitsweisen bei vielen Menschen chronische Schlafdefizite, die auch wirtschaftlich hohe Kosten nach sich ziehen: für schläfrigkeitsbedingte Unfälle im Straßenverkehr in Deutschland jährlich ca. 4 Milliarden Euro, für Behandlungen der Ein- und Durchschlafstörungen 4,2 Milliarden Euro, für Kosten bei Produktionsausfällen durch Fehlzeiten und Fehler am Arbeitsplatz 18,34 Milliarden Euro.

Warum also sollte die Gesellschaft die vorhandene Arbeitskraft und Leistungsfähigkeit verschwenden, wenn ein Großteil der Bevölkerung durch eine der „Always-On-Gesellschaft“ entsprechende flexible Anpassung von Arbeitszeiten und Arbeitsweisen, die auch individuelle biologisch vorgegebene Faktoren miteinbeziehen, effizienter und gesünder sein könnte? Zudem gewinne jeder Einzelne an Lebensqualität.

Die Ethnologin Ruth E. Mohrmann bezeichnete den Wandel der Schlafkultur als einen Seismographen kultureller und mentaler Veränderungen, so Wiatowski. Mit ihrer Masterarbeit wolle sie mit Bezug auf die Biowissenschaften sowie auf Basis des Wissens aus Schlafforschung und Schlafmedizin ein „künstliches Erdbeben“ in der aktuellen Schlafkultur auslösen. Der Fokus liege hierbei auf selbstherbeigeführten Schlafstörungen bzw. unentdeckten Schlafdefiziten, die durch eigenes Handeln in Folge von Aufklärungsarbeit und Einstellungsänderungen aufgehoben werden könnten.

Zu dieser Aufklärungsarbeit gehöre auch das Wissen um die Chronobiologie, die als Wissenschaft die Zusammenhänge zwischen der Zeit und dem Leben auf der Erde erforsche. Es gebe eine Unabhängigkeit innerer täglicher Rhythmen vom Tag-und-Nacht- bzw. Hell-Dunkel-Wechsel mit individuellen inneren Zeitsystemen und Schlafbedürfnissen, bei denen über zwanzig Gene beteiligt seien, sowie auch der allgemeine Gesundheitszustand, das Lebensalter und äußere Einflüsse eine entscheidende Rolle spielten.

  • Die „innere Uhr“ müsse sich immer wieder neu auf die Außenwelt „einstellen“. Diese individuelle Veranlagung der Menschen sei verschiedenen „Chronotypen“ zuzuordnen.

Festzustellen sei, dass die Arbeitszeiten für einen Großteil der Bevölkerung chronobiologisch betrachtet zu früh starteten. Es käme zu einem „sozialen Jetlag“, bei dem die soziale Zeit, nach der die Menschen lebten, nicht der inneren Zeitmessung entspräche und im Gegensatz zu einem „normalen“ Jetlag keine Anpassung an die neuen Verhältnisse möglich sei, da keine Zeitzonen überschritten wurden.

  • Ziel sei es, eine ausgeglichene Balance innerhalb der gesellschaftlichen, sozialen und biologischen Vorgaben zu finden, die jedem persönlich und infolgedessen auch der gesamten Gesellschaft zu Gute käme.

Der Schlaf sei eine der letzten privaten Bereiche, die es zu schützen und entsprechend seiner Bedeutung für die Gesundheit, die Leistungsfähigkeit und das Wohlbefinden jedes Einzelnen in der Gesellschaft stark zu machen gelte. Es gäbe bereits einige Initiativen, die ein Umdenken beim Thema Schlaf beinhalten. Genannt werden beispielsweise die „Initiative neue Qualität der Arbeit“ des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales; der Wissenschaftsjournalist Peter Spork habe ein Buch vorgelegt mit dem Titel „Wake up! Aufbruch in eine ausgeschlafene Gesellschaft“. Wiatowski hoffe, auch mit ihrer Masterarbeit zum Umdenken beizutragen, die sie auf der „Bergwerk“-Ausstellung der Hochschule Würzburg-Schweinfurt der Öffentlichkeit vorstellte: 34 Kuben folgten hierbei den inhaltlichen Gegensatzpaaren Kontrolle & Kontrollverlust, Innen & Außen, Licht & Dunkel, Zeit & Relativität sowie Aktivität & Inaktivität, welche jeweils verschiedene Aspekte rund um das Thema beleuchteten. Zitate zum Schlaf, Grafiken, wissenschaftliche Daten und Fakten rundeten die Informationen gestalterisch ab.

 34 Kuben gestalteten den Ausstellungsraum „Zur Seismik des Schlafs“.
34 Kuben gestalteten den Ausstellungsraum „Zur Seismik des Schlafs“. Foto Stefani Wiatowski

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Schmerzmedikamente - Nebenwirkungen

Medizin am Abend Berlin Fazit: Schmerzmedikamente ohne gefährliche Nebenwirkungen

Durchbruch: Charité-Wissenschaftler entdecken neues Wirkprinzip 

 Schmerzstillung am Entzündungsherd unter Anwesenheit von Protonen. Gesundes Gewebe, beispielsweise Gehirn oder Darmwand, bleibt ausgenommen.
Schmerzstillung am Entzündungsherd unter Anwesenheit von Protonen. 
Gesundes Gewebe, beispielsweise Gehirn oder Darmwand, bleibt ausgenommen. 
Grafik: G. Del Vecchio & V. Spahn/ Freepik.


Wissenschaftler der Charité – Universitätsmedizin Berlin haben einen neuen Weg zur Entwicklung von Schmerzmedikamenten gefunden. Anhand von Computersimulation konnte das Forscherteam Interaktionen an Opioidrezeptoren, den Andockstellen für Schmerzmedikamente, analysieren. Im Tiermodell ermöglichte der Prototyp eines morphinähnlichen Moleküls tatsächlich eine starke Schmerzstillung in entzündetem Gewebe. Gesundes Gewebe reagierte hingegen nicht auf den Wirkstoff. Schwerwiegende Nebenwirkungen, wie bislang bei Opioiden bekannt, können so vermieden werden, berichten die Forscher im aktuellen Fachmagazin Science*.



Medizin am Abend Berlin ZusatzFachthema: Bundeswehr 

Opioide sind starke schmerzstillende Substanzen.

Sie kommen insbesondere bei Schmerzen durch Gewebeverletzungen und Entzündungen, beispielsweise nach Operationen, Nervenverletzungen, Arthritis oder Tumorerkrankungen, zum Einsatz. 
  • Häufige Nebenwirkungen können dabei Benommenheit, Übelkeit, Verstopfung und Sucht, in einigen Fällen sogar Atemstillstand sein.   
„Wir sind davon ausgegangen, dass die Analyse der Interaktionen zwischen Wirkstoffen und Opioidrezeptoren in verletztem Gewebe, im Gegensatz zu gesundem Gewebe, zum Design von neuen Schmerzmitteln ohne schädliche Nebenwirkungen genutzt werden kann“, erklärt Prof. Dr. Christoph Stein, Direktor der Klinik für Anästhesiologie mit Schwerpunkt operative Intensivmedizin am Campus Benjamin Franklin den neuen Ansatz. Durch innovative Computersimulation in Zusammenarbeit mit Privatdozent Dr. Marcus Weber vom Zuse-Institut Berlin konnten die Forscher morphinähnliche Moleküle und deren Interaktion mit Opioidrezeptoren analysieren.

  • Dabei ist es ihnen gelungen, einen neuen Wirkmechanismus zu identifizieren, der eine Schmerzstillung ausschließlich in entzündetem Gewebe, also dem erwünschten Zielort, erzielt.
  • Postoperativer Schmerz und chronischer Entzündungsschmerz ließe sich auf diese Weise ohne Nebenwirkungen behandeln und die Lebensqualität von Patienten entscheidend verbessern. 

„Im Gegensatz zu konventionellen Opioiden zeigt unser Prototyp NFEPP eine Bindung und Aktivierung von Opioidrezeptoren ausschließlich in saurem Milieu und hemmt somit Schmerz nur in verletztem Gewebe, ohne Atemdepression, Benommenheit, Suchtpotenzial oder Verstopfung hervorzurufen“, so Dr. Viola Spahn und Dr. Giovanna Del Vecchio, Erstautorinnen der Studie.

Der Wirkstoff-Prototyp NFEPP ist von den Wissenschaftlern entworfen, synthetisiert und experimentell getestet worden.

Unter anderem in Computermodellen wurde eine erhöhte Protonenkonzentration, also eine Ansäuerung wie im Fall einer Entzündung, simuliert.

„Es hat sich gezeigt, dass die Protonierung von Wirkstoffen eine entscheidende Voraussetzung für die Aktivierung von Opioidrezeptoren ist“, resümieren die Autoren. Eine Erkenntnis, die auf andere Schmerzarten ebenso übertragen werden könnte. Anwendungen in weiteren Gebieten der Rezeptorforschung sind gleichfalls denkbar, so dass nicht nur Schmerzmittel, sondern auch andere Therapeutika wirksamer und verträglicher werden könnten.

*V. Spahn, G. Del Vecchio, D. Labuz, A. Rodriguez-Gaztelumendi, N. Massaly, J. Temp, V. Durmaz, P. Sabri, M. Reidelbach, H. Machelska, M. Weber, C. Stein. A nontoxic pain killer designed by modeling of pathological receptor conformations. Science. 2017 March 3. doi: 10.1126/science.aai8636.

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Herzrasen - Therapieoption von Kaliumkanal - Natriumkanal

Medizin am Abend Berlin Fazit: Herzrasen: Molekulargenetik eröffnet Therapieoption

Aus dem Takt: 

Enthält der Bauplan einer Ionenschleuse nur einen einzigen veränderten Buchstaben, so gerät der Rhythmus des Herzens durcheinander. 

Das hat ein Forschungsteam entdeckt, als es molekulargenetisch untersuchte, was hinter dem Herzrasen eines Patienten steckt. 

Die Gruppe fand auch einen Wirkstoff, der den Ausfall der Schleuse wettmacht. 

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Marburg, Ulm, Kiel, Münster und Talca in Chile veröffentlichen ihre Erkenntnisse in der Fachzeitschrift „EMBO Molecular Medicine“. 

Die Arbeitsgruppe von Niels Decher (Mitte) fand gemeinsam mit Kollegen aus Münster heraus, was das Herzrasen eines Patienten verursacht (von links): Aytug K. Kiper, Dr. Susanne Rinné.
 Die Arbeitsgruppe von Niels Decher (Mitte) fand gemeinsam mit Kollegen aus Münster heraus, was das Herzrasen eines Patienten verursacht (von links): Aytug K. Kiper, Dr. Susanne Rinné. (Foto: Aytug K. Kiper, Philipps-Universität Marburg


Unter Herzrasen versteht man einen beschleunigten Herzschlag, der lebensbedrohliche Ausmaße annehmen kann.  

Oftmals tragen äußere Anlässe wie Überanstrengung oder Stress dazu bei, dass die Störung auftritt.

„Wir haben ein bislang unentdecktes Gen für diese Art von Herzrhythmusstörungen gefunden“, erklärt Professor Dr. Niels Decher von der Philipps-Universität Marburg, der die Untersuchungen zusammen mit seinem Kollegen Professor Dr. Eric Schulze-Bahr von der Universität Münster leitete.

Das Forschungsteam untersuchte mehr als 430 Patienten mit ungeklärten Herzrhythmusstörungen, darunter Fälle, bei denen das Herzrasen vom Ausflusstrakt der rechten Herzkammer ausgeht (Right ventricular outflow tract ventricular tachycardia, RVOT-VT).

„Die genetische Basis der Erkrankung ist bislang weitgehend unbekannt“, führt Seniorautor Schulze-Bahr aus.

Bei einem der Betroffenen stieß das Team auf eine bisher unentdeckte Genveränderung: Diese bewirkt, dass Kaliumkanäle eines bestimmten Typs einen falschen Baustein enthalten. Seit seinem 45sten Lebensjahr leidet der Patient unter wiederkehrendem Herzrasen, das durch körperliche Belastung oder Stress ausgelöst werden kann. Die Wissenschaftler entschlüsselten das Erbgut des Patienten Buchstabe für Buchstabe, um zusätzliche Unregelmäßigkeiten auszuschließen, die die Herztätigkeit beeinträchtigen.
  • Dass unser Herz schlägt, verdankt sich elektrischen Signalen und deren Weiterleitung; die elektrischen Signale ihrerseits beruhen auf Ionen, das sind geladene Teilchen, die innerhalb von Zellen anders verteilt sind als außerhalb. 
  • Der betroffene Kaliumkanal kann geladene Kaliumionen von einer Seite der Zellhülle auf die andere Seite schleusen, um die Ionenverteilung aufrechtzuerhalten. 
Andersartige Ionen lässt der Kanal hingegen normalerweise nicht hindurch.

Die Mutation bewirkt indes, dass Natriumionen die Schleuse passieren können, was offenbar die elektrische Erregbarkeit des Herzens stark beeinträchtigt. 
Überdies ändern die betroffenen Schleusen ihre Aktivität, wenn sich das Muskelgewebe dehnt:
  • „Wir fanden heraus, dass der abgewandelte Kanal eine erhöhte Dehnungsempfindlichkeit aufweist und auf Stresshormone anders reagiert als normalerweise“, legt Decher dar. 
Alles zusammen führt dazu, dass es zu Rhythmusstörungen des Herzens kommt.

Die gute Nachricht: Die Autorinnen und Autoren fanden einen Wirkstoff, der die Eigenschaften des Kanals vollständig wiederherstellt – er birgt also das Potenzial für ein Medikament.

„Um Herzrhythmusstörungen zu vermeiden, benötigt das gesunde Herz Ionenkanäle, die durch die Muskeldehnung aktiviert werden“, fasst Decher die Befunde zusammen.

Ist nur ein einziger Baustein am Kaliumkanal  TREK-1 verändert, so lässt dieser nicht nur Kalium- (K), sondern auch Natriumionen (Na) durch.

Ist nur ein einziger Baustein am Kaliumkanal TREK-1 verändert, so lässt dieser nicht nur Kalium- (K), sondern auch Natriumionen (Na) durch. (Abbildung: Niels Decher, Philipps-Universität Marburg)

Niels Decher leitet die Arbeitsgruppe Vegetative Physiologie an der Philipps-Universität. Eric Schulze-Bahr ist Direktor des Institutes für Genetik von Herzerkrankungen am Universitätsklinikum Münster. Die Studie wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft finanziell gefördert.

Originalpublikation: Niels Decher, Beatriz Ortiz-Bonnin & al.: Sodium permeable and `hypersensitive´ TREK-1 channels cause ventricular tachycardia, EMBO Molecular Medicine 2017, DOI: <https://dx.doi.org/ 10.15252/emmm.201606690>

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Professor Dr. Niels Decher,
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Professor Dr. Eric Schulze-Bahr,
Institutes für Genetik von Herzerkrankungen,
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Johannes Scholten Philipps-Universität Marburg


Ortsgedächtnis: Gasförmige Neurotransmitter und Dein Blutdruck

Medizin am Abend Berlin Fazit: Sicherungskopie im Zentralhirn: Wie Fruchtfliegen ein Ortsgedächtnis bilden

Gasförmige Neurotransmitter spielen wichtige Rolle für das kurzfristige Ortsgedächtnis von Drosophila / Biochemische Prozesse entschlüsselt 

http://www.uni-mainz.de/bilder_presse/10_drosophila_gedaechtnis_ort_01.jpg Wenige Ringneurone (grün) im Zentralhirn der Fliege (magenta) enthalten das visuelle Orientierungsgedächtnis Foto/©: AG Strauss, JGU
 
Insekten besitzen ein Gedächtnis zur Orientierung im Raum, as ihnen bei einer kurzen Ablenkung hilft, sich an den ursprünglichen Weg zu erinnern. 

Wissenschaftler der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) haben bei der Fruchtfliege Drosophila melanogaster untersucht, wie dieses Arbeitsgedächtnis auf biochemischer Ebene funktioniert. 

Sie haben dabei zwei gasförmige Botenstoffe gefunden, die für die Signalvermittlung in den Nervenzellen eine wichtige Rolle spielen: Stickoxid und Schwefelwasserstoff.

Das kurzzeitige Arbeitsgedächtnis wird über die Botenstoffe in wenigen ringförmigen Neuronen des Ellipsoidkörpers im Zentralhirn von Drosophila gebildet.

Fliegen bilden ein Gedächtnis für Orte, die sie gerade ansteuern wollen. 

Diese Erinnerung hält für ungefähr vier Sekunden an.

Wird eine Fliege beispielsweise auf ihrem Weg für eine Sekunde abgelenkt, kann sie anschließend die zuvor eingeschlagene Richtung wieder aufnehmen.

"Dieses Erinnerungsvermögen ist für uns die Eintrittskarte, um die Biochemie eines Arbeitsgedächtnisses zu untersuchen", sagt Prof. Dr. Roland Strauss vom Institut für Entwicklungsbiologie und Neurobiologie der JGU zu dem Forschungsziel. Insbesondere interessiert sich der Wissenschaftler dafür, wie ein Netzwerk im Insektengehirn ein solches Ortsgedächtnis bilden kann und wie genau die biochemischen Abläufe funktionieren.

Bei den Untersuchungen im Rahmen ihrer Doktorarbeit fand Dr. Sara Kuntz überraschenderweise zwei gasförmige Neurotransmitter, die bei der Informationsübertragung mitwirken.
Diese gasförmigen Botenstoffe gehen nicht den ansonsten üblichen Weg der Signalvermittlung via synaptischen Spalt, sondern können ohne an Rezeptoren anzudocken direkt durch die Membran der benachbarten Nervenzelle diffundieren.

  • Von Stickoxid (NO) ist bereits bekannt, dass es zur Rückkopplung von Informationen zwischen zwei Nervenzellen für die Gedächtnisbildung benötigt wird. Neu ist, dass NO hier auch als sekundärer Botenstoff an der Verstärkung der Ausgangssignale von Nervenzellen beteiligt ist.
  • Diese Funktion von Stickoxid kann offenbar ebenso von Schwefelwasserstoff (H2S) übernommen werden. 
Von dem Gas wusste man bislang nur, dass es bei der Steuerung des Blutdrucks eine Rolle spielt, nicht jedoch im Nervensystem. "Eigentlich dachte man, Schwefelwasserstoff sei im Nervensystem schädlich. Aber in unseren Untersuchungen haben wir festgestellt, dass es als sekundärer Botenstoff von Bedeutung ist", so Strauss. "Wir waren verblüfft, gleich zwei gasförmige Neurotransmitter für das Gedächtnis zu finden."

Biochemischer Signalweg für das visuelle Arbeitsgedächtnis

Strauss und seine Mitarbeiter nehmen an, dass die beiden Neurotransmitter zusammen mit zyklischem Guanosinmonophosphat (cGMP) die ideale Speicherform für kurzzeitige Erinnerungen bilden. Der Ablauf funktioniert dann folgendermaßen: Die Fruchtfliege sieht einen Orientierungspunkt und bewegt sich in diese Richtung, worauf Stickoxid gebildet wird. Das Stickoxid aktiviert ein Enzym, das wiederum cGMP herstellt. Entweder Stickoxid selbst oder cGMP reichern sich jetzt in einem Segment des Donut-förmigen Ellipsoidkörpers an, das dem eingeschlagenen Weg entspricht.

Der Ellipsoidkörper befindet sich im Zentralkomplex des Insektenhirns und ist in 16 Segmente aufgeteilt, in etwa vergleichbar mit Kuchenstücken, die für 16 Raumrichtungen stehen. Nun wird die Fliege auf ihrem Weg kurz abgelenkt, indem der erste Orientierungspunkt verschwindet und ein zweiter – beispielsweise im rechten Winkel dazu – für eine Sekunde auftaucht. Drosophila kann dann die ursprüngliche Orientierung wiederfinden, weil sich in dem entsprechenden Segment NO oder cGMP in vergleichsweise großer Menge angereichert hatte.

Das alles funktioniert jedoch nur unter einer Bedingung:  

Die Erinnerung wird nur abgerufen, wenn die Fliege zwischenzeitlich nichts mehr sieht, also wenn auch der zweite Orientierungspunkt verschwindet. 

"In dem Moment, wenn nichts mehr zu sehen ist, wird das Gedächtnis genutzt, das bis zu vier Sekunden problemlos überbrückt", erklärt Sara Kuntz, Erstautorin der Studie, mit einem Hinweis darauf, dass diese kurze Zeitspanne von vier Sekunden dem Problem absolut angemessen ist. "Der Ellipsoidkörper hält dann die Sicherungskopie bereit, um die kurze Unterbrechung zu überbrücken." 

Da sich Objekte auch weiterbewegen können, ist ein längeres Arbeitsgedächtnis nicht sinnvoll.

http://www.uni-mainz.de/bilder_presse/10_drosophila_gedaechtnis_ort_02.jpg
Wenige Ringneurone (grün) im Ellipsoidkörper der Fliege (magenta in der Bildmitte) enthalten das visuelle Orientierungsgedächtnis. Der Balken (rechts unten) entspricht 25 Mikrometer (µm). Foto/©: AG Strauss, JGU

Fotos:
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Wenige Ringneurone (grün) im Zentralhirn der Fliege (magenta) enthalten das visuelle Orientierungsgedächtnis
Foto/©: AG Strauss, JGU

http://www.uni-mainz.de/bilder_presse/10_drosophila_gedaechtnis_ort_02.jpg
Wenige Ringneurone (grün) im Ellipsoidkörper der Fliege (magenta in der Bildmitte) enthalten das visuelle Orientierungsgedächtnis. Der Balken (rechts unten) entspricht 25 Mikrometer (µm).
Foto/©: AG Strauss, JGU

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Sara Kuntz, Burkhard Poeck, Roland Strauss
Visual Working Memory Requires Permissive and Instructive NO/cGMP Signaling at Presynapses in the Drosophila Central Brain
Current Biology, 16. Februar 2017
DOI: 10.1016/j.cub2016.12.056

Prof. Dr. Roland Strauss
Institut für Entwicklungsbiologie und Neurobiologie
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
55099 Mainz
Tel. +49 6131 39-25034
Fax +49 6131 39-25443
E-Mail: rstrauss@uni-mainz.de
http://www.bio.uni-mainz.de/zoo/abt3/307.php

Petra Giegerich Johannes Gutenberg-Universität Mainz
 

Weitere Informationen:
http://www.bio.uni-mainz.de/zoo/abt3/269.php ;
http://www.cell.com/current-biology/abstract/S0960-9822(16)31538-X – Artikel in Current Biology ;
https://www.uni-mainz.de/presse/22493.php – Pressemitteilung "Auch Taufliegen haben ein Orientierungsgedächtnis", 3. Juni 2008

24h - bis 72h Verlängertes Langzeit-EKG: Konzept für Herzrhythmusstörungen

Medizin am Abend Berlin Fazit: Vorhofflimmern besser erkennen, hilft Schlaganfälle zu verhindern

Neuer Ansatz zur Verhinderung von Schlaganfällen. 

 Medizin am Abend Berlin ZusatzThema: Fürsorgeangelegenheiten

Forscher der Universitätsmedizin aus Göttingen und Mainz zeigen: 

Einfaches, günstiges und ungefährliches diagnostisches Konzept spürt Herzrhythmusstörungen bei Schlaganfallpatienten besser auf als aktuell verwendete Verfahren. 

 Veröffentlicht in renommierter Fachzeitschrift „Lancet Neurology“. 

 Erstautor der Studie: Prof. Dr. Rolf Wachter, Leitender Ober-arzt der Klinik für Kardiologie und Pneumologie, Universitätsmedizin Göttingen.
Erstautor der Studie: Prof. Dr. Rolf Wachter, Leitender Ober-arzt der Klinik für Kardiologie und Pneumologie, Universitätsmedizin Göttingen. Foto: privat


Vorhofflimmern ist eine der häufigsten Ursachen für Schlaganfälle. 
Diese Herzrhythmusstörung gilt als Vorbote für Schlaganfall und hat für die Betroffenen oft lebenslange Einschränkungen und Behinderungen zur Folge. Ursache ist ein Blutgerinnsel im Herzen. Wird es in das Gehirn ausgeschwemmt, verstopft es die Gefäße und führt dazu, dass Hirngewebe abstirbt.

Sollte man Schlaganfallpatienten intensiver auf die Herzrhythmusstörung „Vorhofflimmern“ untersuchen?

Dieser Frage sind Prof. Rolf Wachter, Leitender Oberarzt der Klinik für Kardiologie und Pneumologie der Universitätsmedizin Göttingen (Direktor: Prof. Dr. Gerd Hasenfuß) und Wissenschaftler im Deutschen Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK), und Priv.-Doz. Dr. Klaus Gröschel, geschäftsführender Stellvertreter der Klinik und Poliklinik für Neurologie der Universitätsmedizin Mainz (Direktorin: Univ.-Prof. Dr. Frauke Zipp), in ihrer Studie „Find-AF-randomised“ interdisziplinär nachgegangen. Insgesamt 398 Patienten mit frischem Schlaganfall wurden für die Studie untersucht. 

Ein Teil der Patienten wurde mit einem Langzeit-EKG über zehn Tage versorgt, das insgesamt drei Mal durchgeführt und in einem spezialisierten Labor ausgewertet wurde.

Ein anderer Teil der Patienten bekam die aktuelle Standarddiagnostik. Die Ergebnisse sprechen für sich: In der Gruppe mit Langzeit-EKG-Diagnostik wurde drei Mal häufiger Vorhofflimmern gefunden (13,5 Prozent) als in der Gruppe mit Standarddiagnostik (4,5 Prozent). Die Ergebnisse wurden im Februar in der renommierten Fachzeitschrift „Lancet Neurology“ veröffentlicht.

„Oft wird Vorhofflimmern nicht erkannt, weil die Herzrhythmusstörung nur für wenige Minuten auftritt. 

Deshalb wird sie bei den aktuell üblichen Herz-Kreislaufuntersuchungen leicht übersehen.

Wird Vorhofflimmern jedoch rechtzeitig erkannt, lässt sich ein Schlaganfall als Folge verhindern“, sagt Prof. Rolf Wachter. „Vorhofflimmern besser zu erkennen, ist vermutlich die vielversprechendste Strategie, um die Zahl der Schlaganfälle zu reduzieren. Mit dieser Studie ist uns ein wichtiger Schritt hin zu einer personalisierten Medizin gelungen. Durch eine verbesserte Diagnostik können wir den Patienten genau die Therapien zuordnen, die sie benötigen“, so Wachter.

„Aus Voruntersuchungen war uns bekannt, dass wir mit einem verlängerten Langzeit-EKG bei jedem achten Schlaganfallpatienten Vorhofflimmern finden können. Das ist wichtig, denn wir haben Medikamente, um bei diesen Patienten das Risiko für einen erneuten Schlaganfall um zirka 70 Prozent zu senken“, sagt der Mainzer Neurologe Privatdozent Dr. Klaus Gröschel.

„Was bislang noch fehlte, war der Nachweis, dass dieses Verfahren auch wirklich Fälle von Vorhofflimmern findet, die wir normalerweise nicht finden würden. Deshalb haben wir eine Studie durchgeführt, bei der Patienten zufällig entweder unser verlängertes Langzeit-EKG bekamen oder die Standardverfahren, bei denen die Rhythmusaufzeichnung nur für ein bis drei Tage erfolgt. Nur so kann man beweisen, ob das neue Verfahren besser ist“, sagt Dr. Mark Weber-Krüger, Assistenzarzt in der Klinik für Kardiologie und Pneumologie der UMG und Koordinator der Studie.

Ermutigend seien auch die Daten zu wiederholten Schlaganfällen, so die Autoren:

  • Bei den Patienten, die das Langzeit-EKG bekamen, gab es etwa 40 Prozent weniger erneute Schlaganfälle und Schlaganfallvorstufen (transitorisch ischämische Attacken).

Aufgrund dieser Zahlen planen wir eine weitere größere Studie mit 5.000 Teilnehmern. Wir wollen zeigen, dass wir nicht nur mehr Vorhofflimmern finden, sondern auch Schlaganfälle verhindern“, sagt Prof. Wachter.

„Interdisziplinäre Forschung ist eine der großen Stärken universitärer Medizin. Die enge Kooperation zwischen Neurologen und Kardiologen, wie jetzt zwischen den Universitätsmedizinen in Göttingen und Mainz, wollen wir in Zukunft auch in Göttingen weiter ausbauen“ sagt Prof. Dr. Heyo K. Kroemer, Dekan der Medizinischen Fakultät und Sprecher des Vorstandes der Universitätsmedizin Göttingen.

„Über Disziplinen und Standorte hinweg Grenzen zu überwinden, ist der Schlüssel zum Erfolg“, so der Wissenschaftliche Vorstand der Universitätsmedizin Mainz, Prof. Dr. Ulrich Förstermann. „Diese Multicenter-Studie und ihre Veröffentlichung in einem so renommierten Journal wie dem Lancet Neurology ist ein sehr gutes Beispiel dafür.“

Originalveröffentlichung: Rolf Wachter*, Klaus Gröschel*, Götz Gelbrich, Gerhard F Hamann, Pawel Kermer, Jan Liman, Joachim Seegers, Katrin Wasser, Anna Schulte, Falko Jürries, Anna Messerschmid, Nico Behnke, Sonja Gröschel, Timo Uphaus, Anne Grings, Tugba Ibis, Sven Klimpe, Michaela Wagner-Heck, Magdalena Arnold, Evgeny Protsenko, Peter U Heuschmann, David Conen, Mark Weber-Krüger for the Find-AF randomised Investigators and Coordinators. Holter-electrocardiogram-monitoring in patients with acute ischaemic stroke (Find-AFrandomised): an open-label randomised controlled trial. Lancet Neurology, Epub ahead of print Feb 07, 2017. *contributed equally; DOI: 10.1016/S1474-4422(17)30002-9

Der Schlaganfall zählt zu den häufigsten Herz-Kreislauf-Erkrankungen. 280.000 Menschen in Deutschland sind jedes Jahr davon betroffen. Meistens liegt eine Minderversorgung des Gehirns mit Blut zugrunde (ischämischer Schlaganfall), seltener einer Blutung. Infolge des Schlaganfalles kommt es oft zu lebenslanger Einschränkung im Alltag, viele Patienten werden dauerhaft pflegebedürftig. 


Erstautor der Studie: Privatdo-zent Dr. Klaus Gröschel, geschäftsführender Oberarzt der Klinik und Poliklinik für Neurologie, Universitätsmedizin Mainz


Erstautor der Studie: Privatdozent Dr. Klaus Gröschel, geschäftsführender Oberarzt der Klinik und Poliklinik für Neurologie, Universitätsmedizin Mainz Foto: privat

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Angeborene Blutarmut bei Kindern

Medizin am Abend Berlin Fazit: Angeborene Blutarmut bei Kindern: Neue diagnostische Strategien – gezielte Behandlung

Die Dietmar Hopp Stiftung unterstützt seit sechs Jahren translationale Forschung an der Universitätsklinik für Pädiatrische Onkologie, Hämatologie und Immunologie Heidelberg: Neues Wissen um Krankheitsursachen findet Eingang in die Therapien. Förderung der Dietmar Hopp Stiftung beläuft sich auf 680.000 Euro 

Dr. Corinne Rossi, Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin, untersucht einen Patienten. In der Spezialsprechstunde für angeborene Anämien werden jährlich circa 100 Kinder und Jugendliche betreut.
 Dr. Corinne Rossi, Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin, untersucht einen Patienten. In der Spezialsprechstunde für angeborene Anämien werden jährlich circa 100 Kinder und Jugendliche betreut. Universitätsklinikum Heidelberg

Am Zentrum für Kinder und Jugendmedizin ist in den letzten sechs Jahren mit Hilfe der Dietmar Hopp Stiftung die Diagnostik und Therapie angeborener Blutarmut (Anämie) ausgelöst durch Eisenstoffwechselstörungen bei Kindern entscheidend ausgebaut worden. 
  • Angeborene Anämien sind eine sehr heterogene Erkrankungsgruppe, die durch viele verschiedene, teils seltene genetische Defekte hervorgerufen werden. 
Im Rahmen des von der Dietmar Hopp Stiftung geförderten Projekts, etablierte das Wissenschaftler- und Ärzteteam um Professor Dr. Martina Muckenthaler und Professor Dr. Andreas Kulozik im Rahmen einer Spezialsprechstunde hochspezifische diagnostische Verfahren sowie das erbgutweite Screening nach noch unbekannten genetischen Ursachen.

Die Auswirkungen der auf diese Weise identifizierten Fehler im Erbgut werden vorerst in Zell- und Tiermodellen abgeklärt. Die daraus resultierenden Ergebnisse werden dann zukünftig für die Therapie der betroffenen Kinder herangezogen. Für die Behandlung der in bestimmten Ländern häufig auftretenden Sichelzellkrankheit und Thalassämien führte das Team die Transplantation mit blutbildenden Stammzellen von Fremdspendern ein. 

Seit 2010 wurden insgesamt zwölf junge Patienten mit schweren Erkrankungsformen auf diese Weise behandelt und geheilt.

„Dank der Unterstützung durch die Dietmar Hopp Stiftung ist es uns gelungen, die Brücke von unseren erfolgreichen grundlagenwissenschaftlichen Vorarbeiten in die klinische Forschung und in die hochspezialisierte Versorgung zu schlagen“, sagt Professor Muckenthaler, Leiterin der Sektion Molekulare Medizin an der Klinik für Pädiatrische Onkologie, Hämatologie und Immunologie, Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin Heidelberg.

„Mit dieser Strategie haben wir erhebliche Fortschritte in der Diagnose und Behandlung von angeborenen Anämien und Eisenstoffwechselstörungen erzielt. Insbesondere bei Patienten mit bisher unbekannten genetischen Defekten ließ sich so die Therapie entscheidend verbessern“, ergänzt Professor Kulozik, Ärztlicher Direktor der Klinik. Darüber hinaus wurde das Projekt mit der Spezialsprechstunde in das Einzelzentrum für seltene Bluterkrankungen des Zentrums für Seltene Erkrankungen am Universitäts¬klinikum Heidelberg integriert. In der Sprechstunde für angeborene Anämien betreut das interdisziplinäre Team jährlich ca. 100 Kinder und Jugendliche.

Stammzellen fremder Spender stellen funktionsfähigen Blutfarbstoff her

Angeborenen Anämien liegt häufig ein Defekt oder Mangel des roten Blutfarbstoffs Hämoglobin, dessen zentraler Bestandteil Eisen ist, zu Grunde.  

Beispiele sind die Sichelzellkrankheit und die Thalassämie, die häufigsten Erbkrankheiten weltweit
Die bislang einzige Therapie, die diese Erkrankungen heilen kann, ist die Stammzelltransplantation: 
Die Betroffenen erhalten blutbildende Zellen eines fremden Spenders, die fortan funktionsfähiges Hämoglobin bilden. Auch Störungen des Eisenstoffwechsels können Anämien zur Folge haben. 

Die genetischen Ursachen dieser Erkrankungen sind vielfältig, teils noch unbekannt und daher schwer zu diagnostizieren.

Häufig kann der zugrundeliegende genetische Defekt nicht aufgeklärt werden, die Erkrankung ist dann nur schwer zu behandeln. 

Die Heidelberger Forscher diagnostizierten in den letzten Jahren mehrere Gendefekte mit Schlüsselrollen im Eisenstoffwechsel.

Im Rahmen des geförderten Projekts stellte das Team um Muckenthaler und Kulozik eine Auswahl diagnostischer Methoden zusammen, um die Krankheitsursachen angeborener Anämien möglichst schnell und zielführend zu identifizieren. Je nach Ausprägung der Erkrankung werden neben anderen Untersuchungen jeweils bestimmte, in Frage kommende Gene geprüft. Ergeben sich dabei keine Treffer, kann eine aufwändige, genomweite Analyse Aufschluss über die genetischen Hintergründe geben. „Bei rund einem Drittel dieser Patienten mit einer bis dato unbekannten Anämieform werden wir auf diese Weise fündig“, erklärt Professor Muckenthaler. „Zum Teil gibt uns das bereits Hinweise auf die geeignete Therapie. Zusätzlich versuchen wir im nächsten Schritt, die durch diesen speziellen genetischen Defekt ausgelösten Krankheitsmechanismen in Zellkulturen oder im Tierversuch detailliert aufzuklären.“

Aderlass oder Transfusion – genetischer Defekt beeinflusst Therapie

Wie das Wissen um die genetischen Ursachen einer Anämie schon jetzt maßgeblichen Einfluss auf die Therapie hat, verdeutlichen folgende Beispiele: Bei einem kleinen Patienten fiel bei Geburt eine ausgeprägte Blutarmut und ein durch diese Belastung vergrößertes Herz auf.

  • Die genetische Analyse ergab eine noch nicht beschriebene Veränderung an einer bestimmten Stelle des Erbguts (DMT1-Gen), die den Eisentransport behindert. 

Ohne diese exakte Diagnose wäre das Kind mit regelmäßigen Transfusionen behandelt worden.

  • „Durch den gestörten Eisentransport hätte das allerdings zu einer lebensbedrohlichen Eisenüberladung in den Organen geführt. 
  • Durch die Gabe von EPO, das die Blutneubildung ankurbelt, haben sich die Blutwerte des Mädchens inzwischen normalisiert“, berichtet Professor Kulozik.

Bei einem anderen Kind, über das die Wissenschaftler aktuell in der Fachzeitschrift Haematologica berichten, wurde im Alter von drei Monaten eine Anämie diagnostiziert, die sich durch die Gabe von Eisen noch verschlechterte.

Der Junge erhielt daraufhin Transfusionen. Mit 18 Monaten trat anhaltendes Fieber auf. Die Untersuchungen ergaben, dass bei dem Patienten der Abbau des roten Blutfarbstoffs durch das Enzym Hämoxygenase 1 gestört ist.

Eisenzufuhr und Transfusionen sind für den Patienten Gift: 

  • Das überschüssige Hämoglobin führt zu einer Überaktivierung bestimmter Immunzellen, Fieber und chronischen Entzündungen, wie das Heidelberger Team zeigte. Nachdem die überschießende Immunreaktion des Kindes medikamentös eingedämmt wurde, helfen ihm nun trotz Blutarmut regelmäßige Aderlässe.
Nun wollen die Wissenschaftler ein Register einrichten, in dem deutschlandweit Patienten mit angeborenen Anämien, Erkrankungsmerkmale, genetischen Ursachen, Therapie und Therapieerfolg systematisch erfasst werden. „Ein solches Register bietet erstmals die Möglichkeit, mehrere Patienten mit seltenen Erkrankungstypen zu vergleichen, möglicherweise typische Konstellationen zu identifizieren und bei ungeklärter Ursache die Therapie entsprechend anpassen zu können“, so Professor Muckenthaler.

Medizinreferentin der Dietmar Hopp Stiftung Dr. Ingrid Rupp:

„Die angeborene Blutarmut steht im Fokus der Dietmar Hopp Stiftung seit 2011. Der Erfolg des Projekts misst sich in der korrekten Behandlung und Diagnosestellung einzelner Patienten, die ohne die neuen Erkenntnisse nicht hätten behandelt werden können. Der Output der Wissenschaftsförderung ist erfreulich.“


Hochspezifische Diagnostik per DNA-Sequenzierung: Ganz bestimmte Merkmale im Erbgut der Patienten weisen auf eine Sichelzellanämie hin.


Hochspezifische Diagnostik per DNA-Sequenzierung: Ganz bestimmte Merkmale im Erbgut der Patienten weisen auf eine Sichelzellanämie hin.Universitätsklinikum Heidelberg
 

Über die Dietmar Hopp Stiftung

Die Dietmar Hopp Stiftung wurde 1995 gegründet, um die Umsetzung gemeinnütziger Projekte zu ermöglichen. Das Stiftungsvermögen besteht überwiegend aus SAP-Aktien, die Dietmar Hopp aus seinem privaten Besitz eingebracht hat. Seit ihrer Gründung hat die Stiftung, die zu den größten Privatstiftungen Europas zählt, rund 550 Millionen Euro ausgeschüttet. Der Schwerpunkt der Förderaktivitäten liegt in der Metropolregion Rhein-Neckar, mit der sich der Stifter besonders verbunden fühlt. Auf Antrag fördert die Stiftung Projekte gemeinnütziger Organisationen in den Bereichen Jugendsport, Medizin, Soziales und Bildung in der Metropolregion Rhein-Neckar. Die Förderrichtlinien können auf der Website eingesehen und entsprechende Anträge an die Geschäftsstelle in St. Leon-Rot gerichtet werden. Darüber hinaus setzt die Dietmar Hopp Stiftung ihre satzungsgemäßen Zwecke durch eigene Förderaktionen um. Die bisher größte Aktion will unter dem Titel „alla hopp!“ alle Generationen für mehr Bewegung begeistern. Daher spendet die Stiftung Bewegungs- und Begegnungsanlagen an 19 Kommunen der Region im Gesamtwert von 45 Millionen Euro. Die Dietmar Hopp Stiftung ist Mitglied im Bundesverband Deutscher Stiftungen, im Verein Zukunft Metropolregion Rhein-Neckar und in der Sportregion Rhein-Neckar e.V.




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Professor Dr. Andreas Kulozik
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Professor Dr. Martina Muckenthaler
Leiterin der Sektion Molekulare Medizin
Zentrum für Kinder und Jugendmedizin
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Empfehlungen: Training bei Personen mit Herzmuskelschwäche/Herzinsuffizienz

Medizin am Abend Berlin Fazit: Betreutes Training hilft bei Herzschwäche

Körperliches Training führt nicht wie bisher angenommen zu einer schädigenden Erweiterung der Herzkammer. 

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Technischen Universität München (TUM) und der Technisch-Naturwissenschaftlichen Universität in Trondheim (NTNU) widerlegen diese bisherige Annahme und geben Empfehlungen, wie ein Training bei Personen mit Herzschwäche aussehen sollte. 
 
  • Die Herzmuskelschwäche (Herzinsuffizienz) zählt in Deutschland zu den häufigsten Todesursachen. 
  • Als Folge dieser Erkrankung ist das Herz nicht mehr in der Lage, den Körper ausreichend mit Blut und Sauerstoff zu versorgen. Bislang ist die Prognose bei dieser Erkrankung schlecht und vergleichbar mit manchen Krebserkrankungen.

Bislang medikamentöse Therapie und Defibrillator statt Training

„Für Herzinsuffizienz stand bisher die medikamentöse Therapie im Vordergrund.

  • Ergänzt wurde dies durch einen Herzschrittmacher, der die Kontraktion des Herzmuskels optimiert und einen Defibrillator – beides soll einen plötzlichen Herztod durch Herzrhythmusstörungen verhindern“, sagt Professor Martin Halle vom Lehrstuhl für Präventive und Rehabilitative Sportmedizin der TU München.

Körperliches Training wurde Erkrankten dagegen lange strikt verboten, da befürchtet wurde, dass sich dadurch die Pumpfunktion des Herzens weiter verschlechtert. Doch in den vergangenen Jahren haben Studien bereits gezeigt, dass ergänzendes körperliches Training belastbarer macht und weitere Klinikaufenthalte wegen sich verschlechternden Symptomen (Rehospitalisationsrate) reduziert.

Für eine Studie, vor kurzem veröffentlicht im Journal Circulation der American Heart Association, untersuchten Mediziner in neun europäischen Zentren, welche Trainingsform sich wie auf ein geschädigtes Herz auswirkt.

„Wir belegen mit dieser Studie, wie eine moderate Sporttherapie die Prognose von Erkrankten deutlich verbessert“, ist das Fazit von Halle.

Im Zeitraum von 2009 bis 2014 wurden dafür 261 Patientinnen und Patienten mit Herzinsuffizienz in drei Gruppen eingeteilt und durchliefen 52 Wochen lang verschiedene Trainingseinheiten. Zunächst wurde mit allen drei Gruppen über drei Monate ein von Medizinern betreutes Training durchgeführt und zusätzlich eine Empfehlung zur Fortführung der Intervention für weitere neun Monate gegeben.

Patienten, die zwölf Wochen lang an einem überwachten moderaten Training teilnahmen, erzielten die besseren Effekte als diejenigen, die alleine trainierten. 

 „Wir konnten eine Verkleinerung der linken Herzkammer und damit eine Verbesserung der Pumpfunktion beobachten“, sagt Halle. „Und es verbesserte sich ihre allgemeine körperliche Verfassung.“ Die Studie konnte keine signifikanten Unterschiede feststellen zwischen einem Intervalltraining bei hoher Intensität oder einem regelmäßigem Standardtraining bei moderater Intensität.

Moderates Training bedeutet rund hundert Schritte pro Minute

„Insgesamt unterstreicht diese neue Studie, wie sehr ein regelmäßiges körperliches Training bei moderater Intensität allen Patienten mit systolischer Herzinsuffizienz zu empfehlen ist“, fasst Halle zusammen – "von höheren Intensitäten würde ich persönlich jedoch abraten bis wir mehr darüber wissen und auf Langzeitzahlen zurückgreifen können."  

Dazu gibt der Mediziner zugleich den konkreten Tipp: „Moderates Training bedeutet rund hundert Schritte pro Minute oder 3.000 Schritte in 30 Minuten.“

Vorteile einer individuellen Sporttherapie für Herzpatienten:

● das Herz wird entlastet
● Stärkung des Herzens durch verbesserte Herzmuskel-Funktion
● Erweiterung der Blutgefäße und Bildung neuer Blutgefäße
● erhöhter Blutdruck und Blutfettwerte werden gesenkt
● Sauerstoffaufnahme aus dem Blut verbessert sich
● Risiko für herz- und gefäßbedingte Notlagen wie Herzinfarkt und Schlaganfall sinkt
● die Belastbarkeit und Leistungsfähigkeit wird gesteigert

Publikation:
Øyvind Ellingsen, Martin Halle, Viviane M. Conraads, Asbjørn Støylen, Håvard Dalen, Charles Delagardelle, Alf-Inge Larsen, Torstein Hole, Alessandro Mezzani, Emeline M. Van Craenenbroeck, Vibeke Videm, Paul J. Beckers, Jeffrey W. Christle, Ephraim B. Winzer, Norman Mangner, Felix Woitek, Robert Höllriegel, Axel P. Pressler, Tea Monk-Hansen, Martin Snoer, Patrick Feiereisen, Torstein Valborgland, John K. Kjekshus, Rainer Hambrecht, Stephan Gielen, Trine Karlsen, Eva B. Prescott, Axel Linke and the SMARTEX Heart Failure Study Group: High Intensity Interval Training in Heart Failure Patients with Reduced Ejection Fraction, Circulation 01/2017.
DOI: 10.1161/CIRCULATIONAHA.116.022924
LINK: http://circ.ahajournals.org/content/early/2017/01/19/CIRCULATIONAHA.116.022924

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CAVE: Zum Frauentag: KOPFLÄUSE - Feuergefahr.....

Medizin am Abend Berlin Fazit: Kopfläuse: Was wirklich hilft und nicht schadet

Stiftung Kindergesundheit informiert über ein häufiges Problem in Kitas und Schulen 
 
Es passiert immer wieder und zu jeder Jahreszeit: 

Landauf, landab wird in Kindergärten und Schulen Läusealarm gegeben, Tendenz steigend. Der Befall mit Kopfläusen ist die häufigste Parasitenerkrankung im Kindesalter und nach den Atemwegsinfektionen die zweithäufigste Infektionskrankheit in der Alterstufe der Sieben- bis Elfjährigen, berichtet die Stiftung Kindergesundheit in einer aktuellen Stellungnahme.

Medizin am Abend Berlin ZusatzThema: Ärztliche Grundversorgung von Kindern  


„Die winzigen Parasiten sind seit Jahrtausenden treue Begleiter des Menschen“, sagt der Würzburger Kinder- und Jugendarzt Professor Dr. Johannes Liese, Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie und Kuratoriumsmitglied der Stiftung Kindergesundheit. „Wenn Kinder beim Lernen, Kuscheln oder Spielen die Köpfe zusammenstecken, ergreifen die 2 bis 3,5 Millimeter langen Parasiten die Gelegenheit, von Schopf zu Schopf zu kriechen. Sie können sich in langen Haaren besonders gut verstecken“.

Bei Kleinepidemien in Kitas und Schulen ist in aller Regel fast jedes dritte Kind in der Gruppe oder in der Klasse betroffen. „Lausbuben“ und „Lausmädchen“ geraten dann leicht in den Verdacht, ein rechtes Schmuddelkind zu sein. Ist aber mangelnde Hygiene wirklich schuld an dem Befall mit den an den Haaren krabbelnden Insekten? „Keineswegs“, sagt Kinder- und Jugendarzt Professor Johannes Liese. „Läuse sind zwar unappetitlich, jedoch kein Beweis für Unsauberkeit: Jedes Kind und jeder Erwachsene kann sich irgendwoher eine Laus einfangen, insbesondere in Gemeinschaftseinrichtungen für Kinder und Jugendliche
Läuse machen auch keine Unterschiede zwischen Nationalitäten und Kulturkreisen: 
  • Kinder mit Migrationshintergrund haben in Deutschland ähnlich häufig Kopflausbefall wie Kinder deutscher Eltern“.

Besonders wohl fühlen sich Kopfläuse im Nacken, an der Schläfe und hinter den Ohren, gelegentlich aber auch in den Augenbrauen der Kinder, bei Erwachsenen auch unter den Achseln und zwischen den Barthaaren. 

Sie saugen alle zwei bis drei Stunden Blut und können dabei hochrote, oft stark juckende Stichstellen hinterlassen.

Läuse können nicht fliegen und auch nicht springen, betont der Infektionsexperte der Stiftung Kindergesundheit: 

„Übertragen werden die sechsbeinigen Plagegeister ausschließlich von Mensch zu Mensch, von Haar zu Haar.

Haben die Haare engen Kontakt, findet die Ansteckung in wenigen Augenblicken statt. Besteht der Kontakt längere Zeit, zum Beispiel wenn die Kinder in einem Bett schlafen, können die Läuse auch mehrfach hin und her wechseln“. Alles was zum Beispiel Matten sind.

Die Befürchtung, man könnte auch durch Kopfpolster in Bussen und Bahnen mit Läusen angesteckt werden, ist ebenso grundlos wie die Annahme, dass eine Übertragung auch durch Haustiere erfolgen kann, sagt Professor Liese. Auch Mützen sind höchstens in Einzelfällen eine Ansteckungsquelle: Australische Wissenschaftler fanden bei der Untersuchung der Kopfbedeckungen von 1.000 Kindern keine einzige Laus, während sich in den Haaren dieser Kinder 5.000 Läuse befanden.

Der Lebenszyklus der Kopflaus verläuft in drei Stadien:

Ei, Larve bzw. Nymphe (1–2 mm groß) und erwachsene („adulte“) Laus. Erwachsene Läuse leben zwischen drei und vier Wochen. Die befruchteten Weibchen produzieren in dieser Zeit bis zu 140 Eier. Die Eier werden mit einer wasserunlöslichen Substanz in einem schrägen Winkel nah am Haaransatz an ein Haar gekittet.

Nach dem Schlüpfen der Nymphen können die leeren sichtbaren Eihüllen, die auch als Nissen bezeichnet werden, noch monatelang im Haar verbleiben. Daher die Nachbehandlung und Rauskämmen.
  • Getrennt vom ihrem menschlichen Wirt sterben Kopfläuse innerhalb von zwei bis drei Tagen, bereits nach wenigen Stunden sind sie nicht mehr infektiös.


Nissensuche mit der Leselupe

Läuse benötigen alle drei bis vier Stunden Blut. Die Stichstellen der Läuse jucken meist stark, das Kind kratzt sich deshalb oft intensiv am Kopf. Jedoch nicht immer, hebt die Stiftung Kindergesundheit hervor: Haben sich nur wenige Läuse auf dem Kopf eines Kindes eingenistet, werden die Eltern oft nur durch die weißlichen Nissen auf den Befall aufmerksam.

Nissen unterscheiden sich von Kopfschuppen oder Haarspraypartikeln dadurch, dass sie fest am Haar haften und nicht abgestreift werden können. Beim Nachsehen sollte das Strich für Strich gescheitelte Haar genau untersucht werden. Eine Leselupe kann dabei sehr nützliche Dienste leiten.

Zum Auffinden der Läuse muss das Haar systematisch Strähne für Strähne gekämmt werden. Dabei muss der Kamm so geführt werden, dass er von der Kopfhaut aus fest zu den Haarspitzen heruntergezogen wird. Besonders geeignet, um die Läuse oder Nissen zu erfassen, sind spezielle Läuse-Kämme, deren lange Zinken nicht mehr als 0,2 bis 0,3 mm voneinander entfernt sind). Nach jedem Kämmen sollte der Kamm sorgfältig nach Läusen untersucht und diese entfernt werden.

Kombination aus Insektizid und nassem Auskämmen

Leider ist es oft nicht einfach, die lästigen Tierchen wieder loszuwerden. Mit häufigem Waschen der Haare allein ist das jedenfalls nicht zu schaffen: Durch das Waschen der Haare werden die Läuse keineswegs beseitigt, sie werden lediglich sauberer.

Eine radikale Rasur des Kopfes gilt zwar nach wie vor als die sicherste Läuseentfernung, wird aber von den Kindern und ihren Eltern meist nicht gewünscht und ist in der Regel auch nicht notwendig.

Erfolg verspricht nur eine gründliche und geduldige lokale Behandlung. Ziel der Therapie ist es, sowohl geschlechtsreife Läuse als auch ihre Larven wirksam abzutöten. Günstig ist es, wenn auch die Eier erreicht werden, was nicht immer der Fall ist.

Das Robert-Koch-Institut Berlin empfiehlt dazu die Kombination von nassem Auskämmen und Insektiziden nach folgendem Schema:

Tag 1: Mit einem Insektizid behandeln und anschließend nass auskämmen;

Tag 5: mit einem Läusekamm nass auskämmen, um früh nachgeschlüpfte Larven zu entfernen, bevor sie mobil sind;

Tag 8, 9 oder 10: erneut mit dem Insektizid behandeln, um spät geschlüpfte Larven abzutöten;

Tag 13: Kontrolluntersuchung durch nasses Auskämmen;

Tag 17: evtl. letzte Kontrolle durch nasses Auskämmen.

Gute Läusekämme sind aus Metall. Sie kosten in Apotheken, Drogerien und Sanitätshäusern zwischen zwei und zwölf Euro. Oft liegen sie auch den Verpackungen von Läusemitteln bei.

Läusemittel sind nicht harmlos!


  • Die als Medikament zugelassenen Läusemittel sind Insektizide, also Insektenvertilgungsmittel. Da sie potentielle Nervengifte sind und außerdem Allergien und Hautirritationen hervorrufen können, muss man sie streng nach Vorschrift anwenden – nicht häufiger als wirklich nötig. Es besteht außerdem das Risiko, dass sich unter den Läusen Resistenzen entwickeln und die Mittel in vielen Fällen nicht mehr wirken.
  • Nicht chemisch, sondern physikalisch wirken als Medizinprodukt zugelassene Läusemittel, die Dimeticone enthalten. 
  • Das sind synthetische Silikonöle. 
  • Sie verkleben die winzigen Atemöffnungen der Läuse und töten damit die Insekten ab.

Dimeticone gelten als sicher ungiftig, sind jedoch mit einem anderen Risiko behaftet, berichtet die Stiftung Kindergesundheit: Sie sind extrem leicht entflammbar! Es sind schon schwere Brandverletzungen berichtet worden. 

Die Haare müssen deshalb nach Auftragen des Mittels von offenen Flammen wie Zigaretten, Gasboilern oder Kerzen und starken Wärmequellen (z. B. heißer Haartrockner) unbedingt ferngehalten werden.

Als „natürliche“ Mittel werden Produkte aus Kokosöl, Teebaumöl oder Neem-Extrakten angeboten. Ihre Wirksamkeit ist jedoch wissenschaftlich nicht ausreichend nachgewiesen.

Ganz gleich mit welchem Mittel: Babys und kleine Kinder sollten nur unter Anleitung eines Kinder- und Jugendarztes behandelt werden, betont die Stiftung Kindergesundheit. In der Schwangerschaft und Stillzeit müssen die Gegenanzeigen der einzelnen Mittel genau beachtet werden.


Wichtig: Die Einrichtung (Kindergarten oder Schule) informieren!


Eltern sind nach dem Infektionsschutzgesetz (IfSG) verpflichtet, der Gemeinschaftseinrichtung, also dem Kindergarten oder der Schule, die ihr Kind besucht, Mitteilung über einen Kopflausbefall zu machen. Auch andere Personen, die in letzter Zeit engen Kontakt mit dem Kind gehabt haben, zum Beispiel Nachbarn oder Sportkameraden sollten informiert werden. Dies ist sehr wichtig, denn nur so kann eine weitere Verbreitung der Läuse und auch eine Wiederansteckung des eigenen Kindes verhindert werden, betont Professor Johannes Liese von der Stiftung Kindergesundheit.

Auch die Verantwortung für die Behandlung und Kontrolle der notwendigen hygienischen Maßnahmen liegt bei den Eltern. 
Im Fall des Besuchs einer Gemeinschaftseinrichtung für Kinder und Jugendliche - z.B. Krippe, Kindergarten, Kita, Schule oder Hort - sind die Erziehungsberechtigten selbst verpflichtet, die korrekte Durchführung der Behandlung zu bestätigen. Je nach örtlicher Regelung können die Institutionen auch eine Bestätigung der korrekten Behandlung durch einen Kinder- und Jugendarzt verlangen.

Damit die Plage nicht nach kurzer Zeit erneut losgeht, muss aber noch mehr passieren, betont die Stiftung Kindergesundheit: Zum einen sollten auch die Köpfe der übrigen Familienmitglieder nach lausigen Mitbewohnern abgesucht werden. Zum anderen sollten die persönlichen Gegenstände der verlausten Familie einer Temperatur von über 50 Grad ausgesetzt werden. Das bedeutet: Bürsten, Haarschmuck und Kämme gehören in heißes Wasser, Wäsche, Handtücher und Bettwäsche, aber auch Mützen, Schals und Kopftücher müssen bei 60 Grad gewaschen werden. Größere Reinigungsaktionen in der Wohnung sind dagegen unnötig.

Wann darf das Kind wieder zur Schule?

Nach der sachgerechten Anwendung eines zugelassenen Mittels ist eine Weiterverbreitung auch bei noch vorhandenen Nissen nicht mehr zu befürchten, stellt Infektionsexperte Professor Johannes Liese fest. Wird das befallene Kind mit einem der zugelassenen Läusebehandlungsmitteln nach dem obenstehenden Schema behandelt, darf es am Tag darauf wieder in die Kita oder zur Schule, auch wenn die Therapie noch nicht abgeschlossen ist. Es befinden sich nämlich keine lebenden Läuse mehr in seinen Haaren.


Fördern auch Sie die Gesundheit unserer Kinder durch Ihre Spende, die in voller
Höhe den Projekten der Stiftung Kindergesundheit zugute kommt.

Mit einem Beitritt zum Freundeskreis der Stiftung Kindergesundheit können Sie die Arbeit der Stiftung regelmäßig fördern.

Mehr Informationen hierzu finden Sie unter: www.kindergesundheit.de
Spendenkonto: HypoVereinsbank München
IBAN: DE41 7002 0270 0052 0555 20
SWIFT (BIC): HYVEDEMMXXX
Vielen Dank!

Einladung zum:
Dinner-Symposium des Freundeskreises
der Stiftung Kindergesundheit:

Für ein gesundes Aufwachsen von Kindern:
20 Jahre Stiftung Kindergesundheit

am 24. März 2017, 18.00 - 22.30 Uhr, München
Veranstaltungsort: Hotel Holiday Inn Munich City Centre, Hochstr. 3,
81669 München, Großer Saal

Das Jubiläumssymposium adressiert in Vorträgen und einer Podiumsdiskussion die Bedingungen und neue Herausforderungen für die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen und für die Gestaltung ihrer Zukunft. Auf einem Markt der Möglichkeiten stellen sich aktuelle Präventionsinitiativen vor.

Zur Veranstaltung tragen renommierte Persönlichkeiten aus Politik, Wissenschaft, Kunst und Verbänden bei, u.a. die Bayerische Gesundheitsministerin Melanie Huml, die Ehrenkuratorin Dr. Irene Epple-Waigel sowie die Schirmherrin der Stiftung, die Regisseurin und Oscar-Preisträgerin Caroline Link.

Das genaue Programm können Sie unter:

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089-4400-57769
Giulia Roggenkam Stiftung Kindergesundheit

c/o Dr. von Haunersches Kinderspital am Klinikum der Universität München
Lindwurmstr. 4
80337 München
Deutschland
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Giulia Roggenkamp
Generalsekretärin
Telefon: +4989440057768
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Weitere Informationen für international Medizin am Abend Berlin Beteiligte
http://www.kindergesundheit.de/freundeskreis/

Persönlichkeitsreifung: Der Übergang von der Jugend zum Erwachsenenalter

Medizin am Abend Berlin Fazit: Psychologen untersuchten Persönlichkeitsveränderungen junger Menschen

Vom Ende der Adoleszenz bis ins junge Erwachsenenalter erleben viele Menschen positive Veränderungen ihrer Persönlichkeit. 

Eine neue Studie von einem internationalen Team aus Psychologen der Universitäten Leipzig, Mainz, Stanford und Cambridge zeigt nun, dass auch Bekannte diese Veränderungen wahrnehmen. 

Zudem fanden die Forscher heraus, dass mit zunehmendem Alter die Selbst- und die Außenperspektive auf die Persönlichkeit zunehmend ähnlicher werden. 

Medizin am Abend Berlin ZusatzFachThema: Übertragbare Krankheiten  

Medizin am Abend Berlin ZusatzLink: Modernisierung der epidemiologischen Überwachung 

Der Übergang von der Jugend zum Erwachsenenalter wird oft von positiven Persönlichkeitsveränderungen begleitet: Wir werden beispielsweise zunehmend emotional stabil und gewissenhafter. Dieser von zahlreichen Studien gut belegte Befund wird als Persönlichkeitsreifung bezeichnet. Allerdings beruhten bislang viele dieser Studien nur auf Selbstbeschreibungen der eigenen Persönlichkeit, weswegen nur wenig darüber bekannt ist, ob auch Freunde und Bekannte diese Veränderungen wahrnehmen.


Um diese Wissenslücke zu schließen, analysierten Julia Rohrer und Prof. Dr. Stefan Schmukle von der Universität Leipzig, Prof. Dr. Boris Egloff von der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, Prof. Dr. Michal Konsinski von der Stanford University (USA) und Dr. David Stillwell von der University of Cambridge die Persönlichkeitsprofile von über 10.000 Nutzern der Facebook-App myPersonality im Alter zwischen 14 und 29 Jahren.

Das besondere hierbei war, dass die Nutzer nicht nur selbst Persönlichkeitsfragebögen ausfüllten, sondern zusätzlich auch von Facebook-Freunden eingeschätzt wurden.

Das ermöglichte es den Forschern zu prüfen, ob sich die Veränderungen mit dem Alter nicht nur im Selbstbericht, sondern auch im Fremdbericht durch Bekannte wiederfinden.  

Zudem erlaubten es die Daten, zu untersuchen, wie hoch die Übereinstimmung zwischen Selbst- und Fremdperspektive ist. Die Ergebnisse dieser Analysen erschienen gerade in der renommierten Fachzeitschrift "Journal of Personality and Social Psychology".

"Im Großen und Ganzen kann man sagen, dass die Alterseffekte im Selbstbericht denen in der Einschätzung durch Bekannte ähneln. Ältere Personen berichten, dass sie extrovertierter, gewissenhafter und offener für neue Erfahrungen sind - und die Persönlichkeitseinschätzungen durch Bekannte zeigen die gleichen Trends", erklärt Rohrer.

Allerdings gab es auch Punkte, in denen Uneinigkeit herrschte: 

Während ältere Befragte berichteten, dass sie emotional stabiler seien, teilten ihre Bekannten nicht diese Fremdeinschätzung.

"Ein möglicher Grund dafür ist, dass Anzeichen von niedriger emotionaler Stabilität - wie übermäßige Besorgtheit und Ängstlichkeit - von außen nicht so gut sichtbar sind. 

Deswegen bemerken Außenstehende vielleicht nicht, dass jüngere Erwachsene vergleichsweise weniger emotional stabil sind", schlägt Egloff als eine Erklärung des Befundes vor.

  • Weiterhin betrachteten die Forscher die Stärke der Übereinstimmung zwischen Selbst- und Fremdbericht und fanden, dass diese mit zunehmendem Alter ansteigt. 

Die Forscher interpretieren dies als ein mögliches weiteres Anzeichen der Persönlichkeitsreifung.

"Inhaltlich scheint das zunächst plausibel, und mehrere Erklärungen hierfür sind denkbar.
Zum Beispiel könnte es sein, dass mit zunehmender Reife die Personen selbst ihre Persönlichkeit präziser einschätzen können oder, dass sie sich in Beziehungen zu anderen authentischer verhalten und deswegen andere ihre Persönlichkeit genauer beurteilen können", sagt Schmukle. 

"Allerdings müssen unsere Ergebnisse auf jeden Fall noch einmal mit längsschnittlichen Daten bestätigt werden", schränkt er ein, "denn unsere Studie beruht darauf, dass wir jüngere Personen mit älteren vergleichen. Daher sollten unsere Ergebnisse in Studien überprüft werden, in denen man die gleichen Personen über einen längeren Zeitraum verfolgt und beobachtet, wie sich die Persönlichkeit aus unterschiedlichen Perspektiven über die Zeit hinweg ändert."

Originaltitel der Veröffentlichung im "Journal of Personality and Social Psychology":

"In Your Eyes Only? Discrepancies and Agreement Between Self- and Other-Reports of Personality From Age 14 to 29"
doi.org/10.1037/pspp0000142

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