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360° TOP-Hinweis: Rettungsstelle-KANZEL: Suizidalität im Kindes- und Jugendalter

Medizin am Abend Berlin Fazit:  Interventionen bei Suizidalität im Jugendalter verbessern

Überarbeitete und aktualisierte Leitlinien ab sofort online abrufbar 
 
Leitlinie zur Intervention bei Suizidalität im Kindes- und Jugendalter in Kooperation zwischen der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie (DGKJP) und der Philipps-Universität Marburg überarbeitet. 

Medizin am Abend Berlin Fachlink 


Die aktualisierte Fassung ist bis Mai 2021 gültig.

Federführend aktualisierte Prof. Dr. Katja Becker mit einem Team die Leitlinien zur Intervention bei Suizidalität im Kindes- und Jugendalter. Den Auftrag erteilte die DGKJP.

Federführend aktualisierte Prof. Dr. Katja Becker mit einem Team die Leitlinien zur Intervention bei Suizidalität im Kindes- und Jugendalter. Den Auftrag erteilte die DGKJP. Philipps-Universität Marburg | Hellmuth Grassmann
 

Im Auftrag der herausgebenden Fachgesellschaft DGKJP hat Professorin Dr. Katja Becker, Lehrstuhlinhaberin für Kinder- und Jugendpsychiatrie an der Philipps-Universität Marburg und Direktorin der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des Universitätsklinikums Marburg (UKGM), die Diagnostik und Therapie-Leitlinie zur nun vorliegenden vierten Auflage überarbeitet. 
  • Prof. Becker leitete hierfür eine Leitliniengruppe von Fachkolleg/-innen, die auch bereits die Leitlinie „Nicht-suizidales selbstverletzendes Verhalten (NSSV) im Kindes- und Jugendalter“ im April veröffentlicht haben.
Prof. Katja Becker: "Nach intensiver und umfassender Literaturrecherche und unter Berücksichtigung aktueller Studien wurden Klassifikation, Epidemiologie, spezifische Diagnostik und die verschiedenen Interventionen umfassend dargestellt.“

  • Zudem habe die Leitlinienarbeitsgruppe ein Kapitel zur Vor- und Nachsorge neu aufgenommen.

Hintergrund: Suizidalität im Kindes- und Jugendalter

  • Suizidalität ist nach Unfällen die häufigste Todesursache im Jugendalter. 
  • Akute Suizidalität, also konkrete Gedanken an einen Suizid und Planungen, bei Kinder und Jugendlichen zudem ein häufiger Grund für Krisenintervention und stationäre Behandlung in einer Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie. 
  • Entsprechend wichtig sind zügige Erkennung, fachgerechte Diagnostik und Kenntnisse zur leitliniengerechten Intervention für Ärzt/-innen und Therapeut/-innen, die mit Kindern und Jugendlichen arbeiten. 
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 http://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/028-031l_S2k_Suizidalitaet_KiJu_2016...

360° TOP Hinweis: Rettungsstelle - KANZEL: Adipöse Patientinnen - Sättigungszentrum des Gehirns

Medizin am Abend Berlin Fazit:  Erfolgreiche Appetitregulation bei adipösen Patienten

Charité-Wissenschaftler präsentieren Ergebnisse von klinischer Studie 
 
In einer an der Charité – Universitätsmedizin Berlin und am Berlin Institute of Health durchgeführten Phase-II-Studie wurden zwei, unter einer seltenen genetischen Krankheit leidende, adipöse Patientinnen mit einem Medikament behandelt, welches das Sättigungszentrum des Gehirns aktiviert. 

Schon innerhalb weniger Wochen zeigten beide Patientinnen eine Normalisierung des Hungergefühls und eine deutliche Reduktion ihres Gewichts. 

Die Ergebnisse der Studie sind in der aktuellen Ausgabe des New England Journal of Medicine* veröffentlicht.

Welche Faktoren das Körpergewicht eines Menschen aus dem Ruder laufen lassen, ist bis heute nur in Ansätzen verstanden.

Bekannt ist jedoch, dass Mutationen in bestimmten Genen eine Rolle spielen.

Ein Schlüsselgen ist beispielsweise das MC4R-Gen.

Es liefert den Bauplan für den Melanocortin-4 Rezeptor (MC4R), der den Energiehaushalt des Organismus und das Körpergewicht reguliert. 

Die Aktivierung dieses Rezeptors durch den Botenstoff MSH (Melanozyten-stimulierendes Hormon) führt zu einer Reduktion des Hungergefühls.

  • Patientinnen und Patienten, die unter einem Mangel an MSH leiden, zeigen ein nur gering ausgeprägtes Sättigungsgefühl und entwickeln bereits in ihren ersten Lebensmonaten eine deutliche Fettleibigkeit.

Die Wissenschaftler um Dr. Peter Kühnen, Mediziner am Institut für Experimentelle Pädiatrische Endokrinologie, haben in ihrer Studie zwei Patienten mit angeborenem Mangel an Propiomelanocortin (POMC) therapiert.

  • Das im Hypothalamus ausgeschüttete Hormon ist ein Vorläufer des Botenstoffes MSH und sein Mangel verursacht ein deutlich gesteigertes Hungergefühl. 

Die Wissenschaftler untersuchten, ob das neue Präparat die Wirkung des Botenstoffes ersetzen und das Sättigungszentrum des Gehirns gezielt aktivieren kann.

Bereits innerhalb weniger Wochen nach Therapiebeginn konnten die Ärzte erste Effekte messen. 

Über einen Zeitraum von 42 Wochen reduzierte sich bei der ersten Patientin das Gewicht um 51 Kilogramm, ausgehend von 155 Kilogramm. Die zweite Patientin verlor im Laufe von 12 Wochen 20,5 kg bei einem Anfangsgewicht von 152,8 Kilogramm.

„Die Ergebnisse unserer Studie bestätigen die fundamentale Rolle des MC4R Signalweges in der Appetitregulation und liefern einen wichtigen Beitrag zum Verständnis grundlegender Prozesse im Zusammenhang mit dem Körpergewicht“, sagt Dr. Peter Kühnen.

„Es ist allerdings zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht absehbar, ob auch Adipositas-Patienten ohne eindeutige genetische Ursache von der Therapie profitieren. Dies müssen weitere Studien zeigen“, fügt er hinzu.

*Kühnen P, Clément K, Wiegand S, Blankenstein O, Gottesdiener K, Martini LL, Mai K, Blume-Peytavi U, Grüters A, Krude H. Proopiomelanocortin Deficiency Treated with a Melanocortin-4 Receptor Agonist. N Engl J Med. 2016 Jul 21;375(3):240-6. doi: 10.1056/NEJMoa1512693. PubMed PMID: 27468060.
http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/27468060

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Dr. Peter Kühnen
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Effektive Erholungsstrategie nach dem Sport

Medizin am Abend Berlin Fazit:   Effektive Erholung im Spitzensport

Im Projekt „Regenerationsmanagement im Spitzensport – Regman“ haben Prof. Dr. Alexander Ferrauti und Prof. Dr. Michael Kellmann von der Ruhr-Universität Bochum untersucht, wie sich Athleten nach Trainings- und Wettkampfphasen am besten regenerieren. 

Mit verschiedenen Untersuchungen haben sie verglichen, wie unterschiedliche Erholungsmaßnahmen auf Spitzensportler wirken. 

Ihre Ergebnisse sollen Sportlern und Trainern helfen, Erholungsmaßnahmen für die Praxis gezielt auszuwählen. 

Im Projekt arbeiten die Bochumer Wissenschaftler zusammen mit Prof. Dr. Mark Pfeiffer (Universität Mainz) und unter der Leitung von Prof. Dr. Tim Meyer (Universität des Saarlandes). 
 Was eine effektive Erholungsstrategie nach dem Sport ist, das haben Wissenschaftler der Ruhr-Universität Bochum erforscht.
Was eine effektive Erholungsstrategie nach dem Sport ist, das haben Wissenschaftler der Ruhr-Universität Bochum erforscht.RUB, Damian Gorczany
  • Was macht ein Olympia-Athlet eigentlich nach seinem Wettkampf? Er läuft noch eine gemütliche Runde, geht in die Sauna oder zur Massage. Wie sich das auf seine Leistung auswirkt, haben Sportwissenschaftler erforscht.

In einem Verbundprojekt haben die Bochumer Forscher Prof. Dr. Alexander Ferrauti und Prof. Dr. Michael Kellmann untersucht, wie sich Athleten nach anstrengenden Trainings- und Wettkampfphasen am besten regenerieren. Mit Blutuntersuchungen, Fragebögen und Leistungsprüfungen haben sie verglichen, wie verschiedene Erholungsmaßnahmen auf Spitzensportler wirken und ob es besonders effektive Regenerationsstrategien für bestimmte Sportarten gibt. Ihre Ergebnisse sollen Sportlern und Trainern helfen, unterschiedliche Erholungsmaßnahmen für die Praxis gezielt auszuwählen.

Athleten als Probanden

Das Forscherteam besuchte Spitzensportler in ihren Trainingslagern und Olympiastützpunkten. Unter anderem nahmen die deutschen Gewichtheber und die Volleyball-Nationalmannschaft der Männer teil. Mit motorischen Tests wie Sprungtests hielten die Bochumer Wissenschaftler die Leistungsfähigkeit der Athleten kurz nach einem intensiven Training und nach der Erholungsphase fest. Hat sich ein Sportler besonders gut erholt, kann er effizienter springen als direkt nach dem Training. Die Wissenschaftler konnten so untersuchen, ob und wie durch verschiedene Regenerationsstrategien die Leistung wieder ansteigt. Zusätzlich zu den Leistungstests führten die Wissenschaftler Blutuntersuchungen nach den Trainingseinheiten und der Regeneration durch. 

Im Blut steigt unter anderem der Wert des Muskelenzyms Creatinkinase an. Das Enzym ist ein Indikator für Muskelkater. Muskelkater entsteht durch kleinste Verletzungen in den Muskelzellen. Erst nach mehreren Tagen fallen die Enzymwerte wieder ab.

Rudern, Massage oder Eisbad

Zu den geprüften Erholungsstrategien zählen aktive Erholung zum Beispiel durch Auslaufen oder Rudern. Andere Maßnahmen wie Massage, Eisbad oder einfaches Ausruhen untersuchten die Wissenschaftler ebenfalls. 

Fazit: Es gibt keine Erholungsstrategie, die allgemeingültig zu empfehlen ist. „Regeneration ist ein sehr individueller Prozess“, sagt Kellmann. Die Maßnahme, die der Sportler bevorzuge und die zu seiner Sportart passe, solle er anwenden.

Wissen für die Praxis

Im Projekt „Regenerationsmanagement im Spitzensport – Regman“ arbeiten die Bochumer Wissenschaftler zusammen mit Prof. Dr. Mark Pfeiffer (Universität Mainz) und unter der Leitung von Prof. Dr. Tim Meyer (Universität des Saarlandes). Das Projekt wurde unter anderem durch den Deutschen Olympischen Sportbund angeregt und ist vom Bundesinstitut für Sportwissenschaft gefördert.

Nach dem Projektabschluss Ende 2016 verfolgen die Bochumer Wissenschaftler ihre Forschung im Regenerationsmanagement weiter. 

„Wir wollen eine Toolbox mit Maßnahmen für unterschiedliche Sportarten zusammenstellen“, sagt Kellmann. 

Die Strategien sollen damit sportartenspezifisch bewertet werden. Sportler und auch Trainer können sich so gezielter für bestimmte Maßnahmen entscheiden.


Alexander Ferrauti (links) und Michael Kellmann haben im Projekt mit Olympia-Athleten zusammengearbeitet.



Alexander Ferrauti (links) und Michael Kellmann haben im Projekt mit Olympia-Athleten zusammengearbeitet.
RUB, Damian Gorczany

Ausführlicher Artikel in Rubin

Einen ausführlichen Bericht zu diesem Thema lesen Sie in Rubin, dem Wissenschaftsmagazin der Ruhr-Universität (http://rubin.rub.de/de/wie-sich-athleten-gut-regenerieren).

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Prof. Dr. Alexander Ferrauti, Lehrstuhl für Trainingswissenschaft, Fakultät für Sportwissenschaft, Ruhr-Universität Bochum, Tel.: 0234 32 22451, E-Mail: alexander.ferrauti@rub.de

Prof. Dr. Michael Kellmann, Lehrstuhl für Sportpsychologie, Fakultät für Sportwissenschaft Ruhr-Universität Bochum, Tel.: 0234 32 28448, E-Mail: michael.kellmann@rub.de
Katharina Gregor Ruhr-Universität Bochum
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Syndromalen Herzfehlern, Nicht-Syndromalen Herzfehlern

Medizin am Abend Berlin Fazit: Neue Gene für Herzfehler entdeckt

Eine internationales Team hat drei neue Gene gefunden, die bei angeborenen Herzfehler eine Rolle spielen. Die Forscher fanden auch mehr darüber heraus, welche Arten von Herzfehlern vererbt werden und welche durch neu aufgetretene Genveränderungen verursacht werden. Diese Ergebnisse helfen, die genetische Beratung von betroffenen Familien zu verbessern. Das Konsortium unter Beteiligung des Wellcome Trust Sanger Institutes, des Kompetenznetzes Angeborene Herzfehler, des Deutschen Zentrums für Herz-Kreislauf-Forschung und der Klinik für angeborene Herzfehler und Kinderkardiologie, Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, berichtet darüber in der aktuellen Ausgabe von Nature Genetics. 

Medizin am Abend Berlin ZusatzFachThema: Listerien-Funde bei einem bayerischen Wurstwarenhersteller  

Medizin am Abend Berlin ZusatzThema: Nutzenbewertung  
  • Als Forscher des Konsortiums die genetischen Informationen von Kindern mit angeborenen Herzfehlern untersuchten, stießen sie auf einige Kinder mit Entwicklungsverzögerungen und einer auffälligen Gesichtsform. 

Könnte diese ähnliche Ausprägung die gleiche genetische Ursache haben, fragten sie sich und wurden fündig: In drei unterschiedlichen Genen konnten sie bis dahin unbekannte Veränderungen nachweisen. Zusätzlich fanden die Forscher heraus, dass diese Genveränderungen nicht von den Eltern vererbt wurden, sondern neu entstanden sind. „Für die Eltern der betroffenen Kinder ist diese Information sehr wichtig, wissen sie doch nun, was der Grund für die Erkrankung ist und dass nicht notwendigerweise ein größeres Risiko für weitere Geschwister besteht“, sagt Dr. Marc-Phillip Hitz, einer der Erstautoren der Studie und Leiter der Arbeitsgruppe kardiovaskuläre Genetik der Klinik für angeborene Herzfehler und Kinderkardiologie an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel.


  • Dieses Ergebnis ist exemplarisch für eine wichtige Erkenntnis der Studie: Die meisten sogenannten syndromalen Herzfehler, also solche, die mit zusätzlichen Fehlbildungen des Körpers einhergehen, entstehen neu, das heißt, beide Eltern sind nicht Anlageträger der krankhaften Veränderung.

Anders ist es bei Herzfehlern, die ohne zusätzliche Krankheitsmerkmale auftreten, den sogenannten nicht-syndromalen Herzfehlern. 
Sie machen ungefähr 90 Prozent aller Herzfehler aus. 

Die Studie konnte zeigen, dass sie viel häufiger erblich bedingt sind als bislang gedacht. 

  • „Häufig tragen beide Elternteile wenige seltene Genveränderungen, haben aber selbst keinen oder keinen schwerwiegenden Herzfehler. 

Erbt ein Kind von beiden Elternteilen die Genveränderung, kann diese Kombination zu einem schwerwiegenden Herzfehler führen“, erläutert Marc-Phillip Hitz. Bei diesen Eltern könnte dann in Zukunft ein Gentest die Wahrscheinlichkeit voraussagen, mit der ein weiteres Kind betroffen ist.

Die Forscher haben für ihre Studie insgesamt über 4.000 Personen - betroffene Kinder und deren Eltern - mit der sogenannten Exomsequenzierung untersucht. Dabei wird nur der Bereich der DNA untersucht, der die Baupläne für die Eiweiße im Körper enthält, das sogenannte Exom. Um seltene Genveränderungen aufzuspüren, untersuchten die Wissenschaftler eine große Zahl von genetischen Veränderungen, denn nur so können sie sicher sein, dass gefundene Genveränderungen auch wirklich mit der Krankheit zusammenhängen und nicht zufällig sind.

In die Studie flossen deshalb Proben aus Deutschland, England, Belgien, Saudi-Arabien und Kanada ein. Zusammenfassend helfen die Ergebnisse der Studie, die Beratung und Diagnostik bei Personen mit syndromalen und nicht-syndromalen Herzfehlern zu verbessern.

Originalarbeit:
Distinct genetic architectures for syndromic and nonsyndromic congenital heart defects identified by exome sequencing", Nature Genetics, 2016

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Christine Vollgraf
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Fettleber-Epidemie: „Nicht-alkoholische Fettleberhepatitis“ (NASH, englisch: nonalcoholic steatohepatitis).

Medizin am Abend Berlin Fazit:  Bei dicken Kindern leidet die Leber – Lebensstil rechtzeitig umstellen

Sind Kinder dick, lagern auch ihre Organe Fett ein und können dadurch großen Schaden nehmen. 

So schätzen Experten, dass bereits etwa jedes zehnte Kind in Deutschland an einer Nicht-alkoholischen Fettlebererkrankung (NAFLD, englisch: nonalcoholic fatty liver disease) leidet. 

Die Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) betrachtet diese Entwicklung mit Sorge. Denn auch wenn die Fettleber zunächst keine Beschwerden verursacht, sind ihre Risiken erheblich. Verläuft die Erkrankung schwer, entwickelt sich aus der NAFLD eine „Nicht-alkoholische Fettleberhepatitis“ (NASH, englisch: nonalcoholic steatohepatitis).  
  • Die Betroffenen laufen Gefahr, eine lebensbedrohliche Leberzirrhose zu entwickeln und mitunter auch an Leberkrebs zu erkranken – ähnlich wie Menschen mit hohem Alkoholkonsum. Die Fachgesellschaft empfiehlt, frühzeitig gegenzusteuern: Wer es schafft, sein Körpergewicht zu reduzieren, hilft auch der Leber.

Laut der Leitlinie „Nicht-alkoholische Fettlebererkrankungen“ der DGVS leiden bis zu 11 Prozent aller Kinder und Jugendlichen in Deutschland an einer Verfettung der Leber, die Folge von Fehlernährung und mangelnder Bewegung ist. „Bei Kindern erfolgt die Diagnose, wenn fünf bis zehn Prozent des Lebergewichts aus Fett besteht“, erklärt DGVS-Mediensprecher Professor Dr. med. Christian Trautwein, Direktor der Klinik für Gastroenterologie, Stoffwechselerkrankungen und Internistische Intensivmedizin an der Uniklinik RWTH Aachen. Der Gastroenterologe empfiehlt, bei übergewichtigen Kindern und Jugendlichen immer auch eine Fettlebererkrankung abzuklären. So kann eine Ultraschalluntersuchung Leberveränderungen sichtbar machen. 

Darüber hinaus weisen auch erhöhte Blutfette, ein erhöhter Blutzucker oder auch die Werte des Leberenzyms „Alanin-Aminotransferase“ auf die Erkrankung hin. Nicht selten tritt die Fettleber zudem in Kombination mit einer Insulinresistenz auf. 

In diesem Fall sind Blutzucker- und Insulinwerte erhöht.

Auch wenn die Nicht-alkoholische Fettleber zunächst keine Beschwerden verursacht: die Risiken, mit denen sie einhergeht, sind gravierend. Bereits bei Kindern besteht die Gefahr, dass sich die NAFLD zu einer NASH entwickelt. 

  • Dabei entzündet sich das Organ und es kommt zu einer nicht mehr umkehrbaren Vernarbung des Gewebes, einer Fibrose, die Leistungsminderung und Abgeschlagenheit zur Folge hat. 
  • Im weit fortgeschrittenen Stadium entwickelt sich eine Zirrhose. Gleichzeitig steigt das Risiko, an Leberkrebs zu erkranken. Im schlimmsten Fall kann sogar eine Transplantation notwendig werden. „Die Krankheitsbilder ähneln den Folgen langjährigen Alkoholkonsums“, berichtet Trautwein.

„Wir schätzen, dass in Deutschland etwa 4000 Kinder und Jugendliche direkt von der aggressiv fortschreitenden Verlaufsform bedroht sind“, so der DGVS-Experte. 

Darüber hinaus kann sich die NAFLD auch im Laufe von Jahrzehnten zu einer NASH auswachsen. 

Die Patienten haben dann im späten Erwachsenenalter mit den Auswirkungen einer lebenslangen Fehlernährung zu kämpfen, die nicht selten bereits im Kindes- und Jugendalter begonnen hat. 

Damit es zu solch schweren Verläufen gar nicht erst kommt, sei es entscheidend, frühzeitig gegenzusteuern. 

„Mit Sport, gesunder Ernährung und einer Normalisierung des Körpergewichts können Patienten bewirken, dass sich die Fettablagerungen in der Leber vollständig zurückbilden“, sagt Trautwein. 

„Um der Fettleber-Epidemie und den schweren Folgeerkrankungen zu begegnen, müssen wir aber nicht nur die Patienten frühzeitig behandeln, sondern auch als Gesellschaft aktiv werden“, fordert Trautwein. 

„Wir sollten alles dafür tun, dass ein gesunder Lebensstil schon bei den Jüngsten zur Norm wird“.

S2k-Leitlinie Nicht-alkoholische Fettlebererkrankungen

http://www.dgvs.de/leitlinien/nicht-alkoholische-fettlebererkrankungen/


Die Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) wurde 1913 als wissenschaftliche Fachgesellschaft zur Erforschung der Verdauungsorgane gegründet. Heute vereint sie mehr als 5000 Ärzte und Wissenschaftler aus der Gastroenterologie unter einem Dach. Die DGVS fördert sehr erfolgreich wissenschaftliche Projekte und Studien, veranstaltet Kongresse und Fortbildungen und unterstützt aktiv den wissenschaftlichen Nachwuchs. Ein besonderes Anliegen ist der DGVS die Entwicklung von Standards und Behandlungsleitlinien für die Diagnostik und Therapie von Erkrankungen der Verdauungsorgane – zum Wohle des Patienten. Mehr unter http://www.dgvs.de


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360° TOP-Thema: Die psychischen Risiken der Führungstätigkeit oder gesundheitlichen Schaden

Medizin am Abend Berlin Fazit:  Die psychische Gesundheit von Führungskräften auf dem Prüfstand

Führungskräfte spielen eine Schlüsselrolle, wenn es um die Förderung der Mitarbeitergesundheit geht. 

  • Die Gesundheit der Führungskräfte selbst wird aber kaum thematisiert. 

Das von Professor Andreas Zimber geleitete Forschungsprojekt „Psychische Gesundheit von Manager/innen (PsyGeMa)“ hat dieses Thema genauer unter die Lupe genommen. 

Die Eckhard Busch Stiftung hat diese Studie gefördert. 
 
In Forschung und Praxis der betrieblichen Gesundheitsförderung wurde der Präventionsbedarf von Führungskräften bisher nur wenig berücksichtigt.

Dabei haben gerade Führungskräfte aufgrund ihrer hohen Belastungen ein erhöhtes Risiko für psychische Beeinträchtigungen.

Professor Zimber untersuchte in der nun vorgelegten Studie deren Entstehungsbedingungen.

Dabei war der zentrale Analysegegenstand psychische Beeinträchtigungen wie beispielsweise Gereiztheit, Nicht-Abschalten-Können, Erschöpfung bis hin zu Angstsymptomen. 

Diese wurden weit überwiegend als Reaktionen auf die hohen beruflichen Anforderungen erklärt.

Ein Teil der Interviewten hatten in der Vergangenheit alle Warnzeichen ignoriert und waren sozusagen erst durch gesundheitlichen Schaden klug geworden. 

  • Stressprävention für Führungskräfte kann somit nur dann Erfolg haben, wenn Unternehmen, Hausärzte und die Führungskräfte stärker für die psychischen Risiken der Führungstätigkeit sensibilisiert werden. 
  • Ein weiterer Präventionsansatz besteht in der Vermittlung von aktiven Bewältigungs- und Erholungsmöglichkeiten.

Die Eckhard Busch Stiftung fördert sowohl ideell als auch materiell Initiativen, Maßnahmen und Projekte, die Betroffenen und Angehörigen direkt Unterstützung bieten und die die Akzeptanz von Menschen mit psychischen Erkrankungen in unserer Gesellschaft verbessern.

Darüber hinaus unterstützt sie Projekte zur Förderung von Wissenschaft und Forschung auf dem Gebiet der psychischen Erkrankungen und deren Ursachen bzw. Behandlungsmöglichkeiten.

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Alarmierter Rettungswagen

Medizin am Abend Berlin Fazit:  Spezial-OP rettet jungen Mann nach Zugunglück

Durch den Mund an die Wirbelsäule: Mit einer ungewöhnlichen Operation bewahrten Unfallchirurgen und Gesichtschirurgen des Universitätsklinikums Freiburg einen jungen Mann vor einer Querschnittslähmung 
 
Ein 18-Jähriger war Ende Juni 2016 nachts an den Bahnschienen im Freiburger Stadtgebiet entlang gegangen, als ihn ein vorbeifahrender Zug erfasste. Der erste Zugführer, der am nächsten Morgen die Strecke entlang fuhr, entdeckte den schwerverletzten Mann.

Ein sofort alarmierter Rettungswagen brachte ihn ins Notfallzentrum des Universitätsklinikums Freiburg. 

Dort stellten die Ärzte anhand eines Ganzkörper-Computertomogramms eine Reihe von Verletzungen fest: Leber, Niere und Milz waren teilweise gerissen, Rippen gebrochen, die Lunge gequetscht. Durch einen kleinen Riss in einem inneren Gesichtsknochen drang Luft ins Gehirn ein. Außerdem waren ein Lendenwirbel und ein Halswirbel gebrochen.

Zunächst war die niedrige Körpertemperatur des Patienten von 31 Grad Celsius das größte Problem. „Wäre es nachts etwas kälter gewesen, hätte er vermutlich nicht überlebt“, sagt PD Dr. Kilian Reising, Leitender Oberarzt der Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie. Auch die Behandlung des Patienten war dadurch erschwert. Denn bei einer so niedrigen Körpertemperatur funktioniert die Blutgerinnung nicht mehr richtig. Unter diesen Umständen wäre eine Operation lebensgefährlich gewesen.

Darum hoben die Ärzte zunächst die Körpertemperatur langsam an.

Während sich in den folgenden Tagen zeigte, dass die inneren Verletzungen nicht operationsbedürftig waren, mussten die Wirbelbrüche unbedingt stabilisiert werden. Das Verbindungselement des zweiten Halswirbels, auf dem der erste Wirbel ruht, war abgebrochen und hatte sich verschoben. Drückt der verschobene Wirbel auf das Rückenmark kann es zu einer Querschnittslähmung kommen. Üblicherweise werden bei einem solchen Bruch mehrere Wirbel und der Kopf vom Rücken aus miteinander verschraubt. „Das bringt die nötige Stabilität, aber der Patient kann nie wieder seinen Kopf vollständig drehen. Das wollten wir dem jungen Mann nicht antun und haben deshalb alternative Lösungen gesucht“, erklärt Unfallchirurg Dr. Reising.

Aufwändige Operationen für mehr Lebensqualität

Die Mediziner entschlossen sich zu einer anderen Vorgehensweise.

Auf Höhe des Kehlkopfes öffneten sie von vorne den Hals, schoben Luft- und Speiseröhre auf die eine und die großen Halsgefäße auf die andere Seite. Dann fixierten sie mit einer etwa vier Zentimeter langen Schraube den abgebrochenen Teil des Wirbels.

Doch wenige Tage später zeigte sich, dass die Schraube den Wirbel nicht dauerhaft stabilisierte.

Die Mediziner suchten daher einen neuen Weg, weiterhin in der Hoffnung, die Beweglichkeit des jungen Patienten zu erhalten.

Professor Dr. Dr. Rainer Schmelzeisen, Ärztlicher Direktor der Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie des Universitätsklinikums Freiburg, und Professor Dr. Norbert Südkamp, Direktor der Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie des Universitätsklinikums Freiburg, schlugen vor, durch den Mund hinter dem weichen Gaumen an die Wirbelsäule zu gelangen:

Eine Technik, die weltweit sehr selten durchgeführt wird. Die Halswirbelsäule und der gebrochene zweite Halswirbel liegen knapp unterhalb der Schädelbasis und unmittelbar hinter der Rachenhinterwand. Sie stellt den hintersten Bereich des Rachenraumes dar.
„Vorteil dieser Operation ist, dass man den vorderen Bereich der Halswirbelsäule und insbesondere die Wirbel unmittelbar unterhalb des Schädels direkt sieht. Über diesen Zugang ist eine anatomische Stabilisierung besonders gut möglich“, sagt Prof. Schmelzeisen. Der Kieferchirurg ist einer der wenigen weltweit, der eine solche Operation bereits zwei Mal im Leben durchgeführt hat. Schwierigkeiten bereiteten, dass das eigentliche Operationsgebiet sehr weit entfernt von der Mundöffnung ist. Viele chirurgische Instrumente sind eigentlich nicht lang genug für die Arbeit „in der Tiefe“.

Doch mit Stirnlampen, einer Platte aus der Handgelenkschirurgie, die eigentlich für die Stabilisierung von Brüchen der Speiche entwickelt wurde, und größter Anstrengung nutzten die Ärzte ihre Chance. Mit einem feinen Faden wurde zunächst der weiche Gaumen mit dem Zäpfchen nach vorne und zur Seite bewegt und damit der Blick auf die Rachenhinterwand freigelegt. Mit einem etwa sechs Zentimeter langen Schnitt durch Schleimhaut und Muskulatur des Rachens legte Prof. Schmelzeisen die bindegewebige Faszienschicht vor der Wirbelsäule frei. Nachdem er diese ebenfalls eingeschnitten hatte, erschien die knöcherne Fläche der Wirbel. Durch vorsichtige Präparation gelang es Prof. Schmelzeisen, eine Verletzung lebenswichtiger Gefäße wie die beidseits seitlich verlaufende innere Hirnschlagader nicht zu verletzen.

Während der Operation erfolgte eine Positionsbestimmung für die Chirurgen mit einem sogenannten Navigationsgerät. Die Computertomografie -Röntgendaten des Patienten stehen während der Operation zur Verfügung.

  • Die Spitze bestimmter Instrumente lässt sich während der Operation mit einer Infrarotkamera identifizieren und erlauben dem Operateur die exakte Positionsbestimmung auch bei eingeschränkter Sicht. 

Das Operationsergebnis kann dann mit einer Glasfaseroptik durch ein Endoskop überprüft werden und wird während der Operation auf einen großen Bildschirm im Operationssaal übertragen.

„Der gebrochene Wirbel ließ sich gut erkennen. Nachdem wir ihn freipräpariert hatten, konnten die Unfallchirurgen die Fixierung vornehmen“, sagt Prof. Schmelzeisen. Mit fünf Schrauben wurde die t-förmige Metallplatte an den Wirbel angebracht. Schließlich wurde die Rachenhinterwand wieder vernäht. Gut drei Wochen nach dem schweren Unfall konnte der Patient das Krankenhaus verlassen, mit einer sehr guten Gesundheitsprognose.

„Es ist ziemlich wahrscheinlich, dass der Patient wieder vollständig gesund wird“, sagt Dr. Reising.

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Einladung zur Studienteilnahme: Depression, bipolare Störung, oder Gesunde

Medizin am Abend Berlin Fazit:  Uni-Studie untersucht die Ursachen von Depressionen – Teilnehmerinnen und Teilnehmer gesucht

Patienten, die bereits mehrere depressive Phasen hatten, Patienten mit bipolarer Störung und Gesunde zwischen 18 und 65 Jahren für Studienteilnahme gesucht 
 
Die Depression ist eine der häufigsten psychischen Erkrankungen. 

  • Leider gelingt es bisher noch nicht immer, depressive Phasen frühzeitig zu erkennen und dann auch erfolgreich zu behandeln. 
  • Dies liegt auch daran, dass nach wie vor noch nicht richtig verstanden wird, welche Prozesse im Gehirn eigentlich bei der Entstehung und Aufrechterhaltung depressiver Symptome ablaufen. 
Um dies zu verbessern, möchte das Psychologische Institut der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) die Gehirnaktivität von Patienten, die depressive Phasen kennen und wissen, was es heißt zu grübeln und sich zu nichts aufraffen zu können, mit der von psychisch gesunden Personen vergleichen.

Die Versuchsteilnahme beinhaltet zwei Interviews (telefonisch und in den Testräumen des Psychologischen Instituts, Wallstr. 3, gegenüber vom Mainzer Hauptbahnhof), die Beantwortung einiger Online-Fragebögen, die Bearbeitung von Aufgaben am Computer und im MRT (keine radioaktive Strahlung!).

Die Teilnahme dauert ca. acht Stunden, die auf zwei Tage verteilt werden können. Die Termine können individuell vereinbart werden. 

Für die Teilnahme an der Studie wird eine Aufwandsentschädigung von 12 Euro/Stunde gezahlt.

Personen, die aktuell Benzodiazepine oder Beta-Blocker einnehmen, an einer neurologischen Erkrankung wie Parkinson oder Epilepsie leiden und bei denen schon mal eine Alkoholabhängigkeit, Magersucht, Posttraumatische Belastungsstörung oder ADHS diagnostiziert wurde, können nicht an der Studie teilnehmen.

Interessenten werden gebeten, sich per E-Mail depression@uni-mainz.de oder auf dem Studienanrufbeantworter 06131-39 39232 zu melden (Kennwort: DISBOUND).

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Dr. Julia Linke & Sonja Ascheid
Abteilung für Klinische Psychologie und Neuropsychologie
Psychologisches Institut
Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU)
Wallstr. 3
55122 Mainz
Tel. 06131 39-39232
E-Mail: depression@uni-mainz.de
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Petra Giegerich Johannes Gutenberg-Universität Mainz
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Selbstgefährdendes Verhalten von Patienten, Suizidalität und Entweichungen aus der Behandlung

Medizin am Abend Berlin Fazit: Geschlossene oder offene Psychiatrie: Suizidrisiko bleibt sich gleich

In ausschliesslich offen geführten psychiatrischen Kliniken ist das Risiko, dass Patienten Suizid begehen oder aus der Behandlung entweichen, nicht höher als in Kliniken mit geschlossenen Stationen. 

Dies zeigt eine grosse Studie der Universität Basel und der Universitären Psychiatrischen Kliniken (UPK) Basel, für welche rund 350‘000 Fälle während 15 Jahren untersucht wurden. 

Die Resultate werden in der Fachzeitschrift «The Lancet Psychiatry» veröffentlicht. 
 
  • Selbstgefährdendes Verhalten von Patienten, Suizidalität und Entweichungen aus der Behandlung stellen grosse Herausforderungen für alle medizinischen Institutionen dar. 

In vielen psychiatrischen Kliniken werden Risikopatienten daher auf geschlossenen Stationen untergebracht. 

Nur wenn sie von Suizidversuchen und Flucht abgehalten werden, so die Begründung, können Patienten ausreichend geschützt werden und eine angemessene Therapie erhalten.

Doch dass geschlossene Stationen selbstgefährdendes Verhalten verhindern würden – dieser Nachweis fehlt. 

  • Bekannt ist aber, dass solche Stationen durch ihr Behandlungsklima erfolgreiche Therapien nicht begünstigen und die Motivation zu fliehen eher erhöhen.


15 Jahre Untersuchungszeitraum

In ihrer naturalistischen Beobachtungsstudie haben nun PD Dr. Christian Huber und Prof. Dr. Undine Lang von der Universität und den UPK Basel zusammen mit Kollegen 349‘574 Fälle in 21 deutschen Kliniken für die Zeit von 1998 bis 2012 untersucht. Von diesen Kliniken verfolgten einige eine Praxis der offenen Türen, kamen also ganz ohne geschlossene Stationen aus. 16 Kliniken unterhielten zusätzlich zu offenen Stationen auch noch zeitweise oder dauerhaft geschlossene Stationen.

Alle Kliniken waren rechtlich verpflichtet, sämtliche Personen eines bestimmten Bereichs aufzunehmen, unabhängig von der Schwere einer Erkrankung oder von einem selbstgefährdenden Verhalten der Patienten.

In Kliniken mit geschlossenen Abteilungen treten Suizidversuche und Suizide nicht seltener auf, lautet ein Resultat der Studie. 

Zudem verzeichneten Institutionen mit offenen Türen nicht mehr Entweichungen. 

 «Die Wirkung von geschlossenen Kliniktüren wird überschätzt», sagt Erstautor Christian Huber.

«Eingeschlossen zu sein, verbessert in unserer Untersuchung die Sicherheit der Patienten nicht und steht der Prävention von Suizid und Entweichung teilweise sogar entgegen.

Eine Atmosphäre von Kontrolle, eingeschränkten persönlichen Freiheiten und Zwangsmassnahmen ist eher ein Risikofaktor für eine erfolgreiche Therapie.»

Fokus auf ethische Standards

«Unsere Resultate sind wichtig für die Entstigmatisierung, die Partizipation und die Emanzipation der Patienten, aber auch für die psychiatrische Versorgung allgemein», kommentiert Letztautorin Undine Lang, Direktorin der Erwachsenen-Psychiatrischen Klinik der UPK Basel.

Die Ergebnisse werden auch juristische Fragestellungen beeinflussen, die sich beim Öffnen von Kliniken ergeben. 

Die Behandlung soll künftig vermehrt auf ethische Standards fokussieren, in denen die Betroffenen ihre Autonomie möglichst bewahren können, so Undine Lang.

Gefördert werden sollen auch eine Stärkung der therapeutischen Beziehung und die gemeinsame Entscheidungsfindung mit den Patienten.

Originalbeitrag

Christian G. Huber, Andres R. Schneeberger, Eva Kowalinski, Daniela Fröhlich, Stefanie von Felten, Marc Walter, Martin Zinkler, Karl Beine, Andreas Heinz, Stefan Borgwardt, and Undine E. Lang
Suicide Risk and Absconding in Psychiatric Hospitals with and without
Open Door Policies: A 15-year Naturalistic Observational Study
The Lancet Psychiatry (2016) | DOI: 10.1016/S2215-0366(16)30168-7

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PD Dr. Christian Huber, Leitender Arzt der Erwachsenen-Psychiatrischen Klinik der Universitären Psychiatrischen Kliniken und Universität Basel, Tel. +41 61 325 53 61, E-Mail: christian.huber@upkbs.ch

Prof. Dr. Undine Lang, Klinikdirektorin der Erwachsenen-Psychiatrischen Klinik der Universitären Psychiatrische Kliniken und Universität Basel, Tel. +41 61 325 52 00, E-Mail: undine.lang@upkbs.ch
Universität Basel, Olivia Poisson
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360° TOP-Thema: Rettungsstelle - KANZEL: Innerklinische Notfallteams und Notfallmanagement Medical Emergency-Teams – MET

Medizin am Abend Berlin Fazit:  Daten des Dresdner Uniklinikums belegen: Innerklinische Notfallteams müssen früher intervenieren

  • In Deutschlands Kliniken kommt es jedes Jahr zu rund 93.000 Herz-Kreislaufstillständen. 
  • Die in diesen Fällen vom Krankenhauspersonal vorzunehmenden Reanimationen müssen so zeitnah und fehlerfrei wie möglich erfolgen. 
Deshalb ist ein innerklinisches Notfallmanagement mit klar definierten Frühwarnkriterien entscheidend dafür, die Rate von Herz-Kreislaufstillständen im Rahmen der Krankenhausbehandlung deutlich zu senken. 

Das ist das Ergebnis einer von der Klinik für Anästhesiologie und Intensivtherapie des Universitätsklinikums Carl Gustav Carus Dresden vorgenommenen Auswertung von Langzeitdaten. 
 Schwester Ines Reichel und Dr. Andreas Güldner von der Klinik und Poliklinik für Anästhesiologie und Intensivtherapieauf des Dresdner Uniklinikums dem Weg zu einem Notfall.
Schwester Ines Reichel und Dr. Andreas Güldner von der Klinik und Poliklinik für Anästhesiologie und Intensivtherapieauf des Dresdner Uniklinikums dem Weg zu einem Notfall.
Foto: Uniklinikum Dresden / Thomas Albrecht

 Innerklinische Notfallteams müssen früher intervenieren
Schwester Ines Reichel und Dr. Andreas Güldner auf dem Weg zu einem Notfall. Foto: Uniklinikum Dresden / Thomas Albrecht
 
Allerdings wird lediglich ein Fünftel aller in deutschen Krankenhäusern tätigen innerklinischen Notfallteams (Medical Emergency-Teams – MET) bereits bei den vor einem Herz-Kreislauf-Stillstand auftretenden Warnsymptomen aktiv. 

Das ergab eine Umfrage der Anästhesisten des Uniklinikums. Deshalb fordert die Dresdner Anästhesistin und Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin (DGAI), Prof. Thea Koch, dass möglichst alle Kliniken ihr Notfallmanagement entsprechend dem Vorbild der Uniklinika in Dresden und Bonn erweitern.

Als eine der Vorreiterkliniken in Deutschland hat das Dresdner Uniklinikum bereits 2012 die Notfallversorgung insbesondere durch deutliche Senkung der Alarmierungsschwelle seines Notfallteams weiter optimiert. Damit konnte die Überlebensrate auf das Dreifache des deutschen Durchschnittswerts gebracht werden. Dank dieses erfolgreichen Engagements gehört das von Prof. Koch geleitete Projektteam am Dresdner Universitätsklinikum zu den diesjährigen Trägern des Deutschen Preises für Patientensicherheit.

  • Mit dem Anstieg der in einer Klinik behandelten Schwerstkranken erhöht sich auch das Risiko von Komplikationen, die sich zu lebensbedrohlichen Krisen entwickeln können. 
  • In 80 Prozent dieser Fälle treten schon Stunden vorher Symptome auf, die auf einen drohenden Herz-Kreislauf-Stillstand hindeuten. 
  • Wenn bereits zu diesem Zeitpunkt das aus Experten der Anästhesiologie und Intensivtherapie bestehende Notfallteam gerufen wird, lässt sich durch frühzeitige Therapiemaßnahmen das Risiko der lebensbedrohlichen Krisen verringern: 

 „Patientensicherheit steht bei uns an erster Stelle. Am Universitätsklinikum Dresden konnten wir durch eine frühere Mitbehandlung durch das Notfallteam und die gegebenenfalls rechtzeitige Verlegung auf eine Intensivstation die Rate an Herz-Kreislaufstillständen deutlich senken“, sagt Prof. Thea Koch.

Damit die Ärzte und das Pflegepersonal des Klinikums die frühen Anzeichen einer lebensbedrohlichen Situation von Patienten zuverlässig erkennen können, haben die Anästhesisten nicht nur einen entsprechenden Kriterienkatalog erstellt, sondern schulen die Mitarbeiter der Stationen regelmäßig.

Dazu gehört auch ein regelmäßiges klinikinternes Reanimationstraining: Für jeden Beschäftigten der Pflege besteht die Pflicht, einmal im Jahr einen entsprechenden Kurs zu besuchen.

  • Diese Maßnahmen sind Teil des umfassenden Konzepts zum innerklinischen, interdisziplinären Notfallmanagement am Dresdner Uniklinikum, zu dem auch Vereinheitlichung des Notfallequipments, die Anschaffung automatisierter externer Defibrillatoren sowie die Verbesserung der Logistik der Alarmierung und des Transports gehören.

Die Wirksamkeit des Maßnahmenpakets zeigt sich nicht nur darin, dass die Zahl der notwendigen Reanimationen trotz steigendem Schweregrad und parallel steigender Anzahl an Patienten stabil bleibt: 

Auch die Rate der reanimierten Patienten, die 30 Tage nach der Entlassung noch leben, ist am Klinikum dreimal so hoch wie im Bundesdurchschnitt. Das belegen die 2015-er Zahlen des Deutschen Reanimationsregisters 

www.reanimationsregister.de

„Als Vorreiter eines strategischen Qualitätsmanagements haben wir sehr früh begonnen, Strukturen für eine sichere Behandlung zu etablieren. Die Zahlen des Registers belegen bereits seit mehreren Jahren, dass wir unseren hohen Ansprüchen als einer der führenden Standorte der deutschen Hochschulmedizin gerecht werden“, sagt Prof. Michael Albrecht, Medizinischer Vorstand des Universitätsklinikums. „Uns ist es nun wichtig, die positiven Erfahrungen des erweiterten medizinischen Notfallteams (MET) im Sinne aller Krankenhauspatienten weiterzutragen“, betont Prof. Thea Koch: „Die Zahlen lassen keinen anderen Schluss zu als den, die Alarmierungsschwelle der Notfallteams an allen deutschen Krankenhäusern zu senken. Damit besteht die realistische Chance, allein in Deutschland jedes Jahr das Leben von rund 30.000 Krankenhauspatienten zu retten!“

Den hohen Stellenwert eines frühzeitig aktivierten Notfallteams hat auch die Stiftung Patientensicherheit gewürdigt und das Dresdner Projekt mit dem „Deutschen Preis für Patientensicherheit“ (3. Platz) ausgezeichnet. Prof. Matthias Hübler nahm den Preis am 14. April 2016 in Berlin entgegen. Nachdem 2015 ein Ärzteteam der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin des Dresdner Uniklinikums für ein System zur Videoanalyse der Erstversorgung von Neugeborenen mit dem 1. Preis ausgezeichnet wurde, gehörte das Uniklinikum damit in diesem Jahr erneut zu den Preisträgern.

Das Deutsche Reanimationsregister (www.reanimationsregister.de) ist ein wichtiges Instrument für das Qualitätsmanagement präklinischer Reanimationen sowie den Einsätzen innerklinischer Notfallteams in Deutschland. Es steht unter der Schirmherrschaft des Bundesministeriums für Gesundheit und ermöglicht seinen Mitgliedern, sich anhand eines Ergebnisbenchmarkings mit anderen Institutionen zu vergleichen. Das Deutsche Reanimationsregister wird von der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin (DGAI) betrieben. Derzeit beteiligen sich knapp 250 Institutionen an diesem Register.

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Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden
Klinik und Poliklinik für Anästhesiologie und Intensivtherapie
Direktorin: Prof. Thea Koch
Tel. 0351/ 4 58 41 10
E-Mail: thea.koch@uniklinikum-dresden.de
Holger Ostermeyer Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden
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Weitere Informationen für international Medizin am Abend Berlin Beteiligte
http://www.uniklinikum-dresden.de/anae