Medizin am Abend Berlin Fazit: Herzrisiko minimieren: Vor dem Sport zum Kardiologen
Regelmäßiger Sport ist eine zentrale Säule der Präventivmedizin und
kann das Risiko, eine Herz-Kreislauf-Erkrankung zu entwickeln, deutlich
reduzieren. Doch für Personen mit Herzerkrankungen kann Sport auch
gefährlich sein. Daher sollte zunächst eine fachärztliche Untersuchung
absolviert werden, bevor es mit dem Sport losgeht. Mit
sportkardiologischen Untersuchungen konnte etwa in Italien die Rate von
plötzlichem Herztod unter Wettkampf-Sportlern drastisch reduziert
werden. Die DGK und die DGSP entwickeln derzeit ein Curriculum für die
Zusatzqualifikation „Sportkardiologie“.
- Insbesondere Profi- und Wettkampfsportler
gehen bei Wettkämpfen und im Training häufig an die Grenzen ihrer
Leistungsfähigkeit.
„Das verträgt nur ein gesundes Herz. Wer sich
solchen Belastungen mit einem erkrankten Herzen aussetzt, riskiert
Komplikationen bis hin zum plötzlichen Herztod“, sagt Prof. Dr. Jürgen
Scharhag (Universität des Saarlandes, Saarbrücken) auf der 82.
Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK). Vom 30.
März bis 2. April 2016 treffen auf diesem Kongress in Mannheim rund
8.500 aktive Teilnehmer aus 25 Ländern zusammen.
Hierbei müsse zwischen jungen und älteren Sportlern ab 35 Jahren
unterschieden werden, so der Experte:
- „Während in der höheren
Altersgruppe die Ursache von plötzlichen Herztodesfällen beim Sport
meist die Koronare Herzkrankheit ist, sind die Ursachen bei jüngeren
Sportlern häufig Herzmuskelerkrankungen und Herzmuskelentzündungen.
- Weitere Ursachen sind angeborene Anomalien der Herzkranzgefäße, eine
frühzeitige KHK, vererbte Erkrankungen von Ionenkanälen am Herzen, die
lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen auslösen können, und
Herzklappenerkrankungen.“
Sportkardiologischer Check lohnt sich
Bei Menschen, die Sport betreiben, gezielt nach diesen Erkrankungen zu
suchen, lohnt sich, wie italienische Daten zeigen.
„Durch die
gesetzliche Einführung einer Sporttauglichkeitsuntersuchung für
Wettkampfsportler aller Leistungsklassen und Wettbewerbe im Jahr 1982
konnte dort die jährliche Rate des plötzlichen Herztodes beim Sport von
3,6 auf 0,4 pro 100.000 Personenjahre gesenkt werden“, berichtet Prof.
Scharhag.
„Seit 2005 wird von der Europäischen Gesellschaft für
Kardiologie (ESC) als Screening zumindest ein Ruhe-EKG bei
sportmedizinischen Untersuchungen für Wettkampfsportler empfohlen.“
Im
Rahmen einer sportkardiologischen Untersuchung können durch das
empfohlene Ruhe-EKG Hinweise für
Herzmuskel- oder Ionenkanalerkrankungen
oder andere Herzerkrankungen entdeckt werden.
Bei Sportlern können
allerdings auch
trainingsbedingte EKG-Veränderungen auftreten, die
solchen Anzeichen ähnlich sind, wie sie bei Herzerkrankungen auftreten,
ohne aber krankheitswertig zu sein.
„Daher sollte die Beurteilung durch
einen sportkardiologisch erfahrenen Arzt erfolgen“, sagt Prof. Scharhag.
„Darüber hinaus ist eine
ergänzende Herz-Ultraschall-Untersuchung
empfehlenswert, da beispielsweise
Erkrankungen der Herzklappen oder
Anomalien der Herzkranzgefäße im EKG nicht zu erkennen sind.“
Bei
Profi- und Kadersportlern wird im Rahmen der vorgeschriebenen
jährlichen Sporttauglichkeitsuntersuchungen
in der Regel zusätzlich ein
Belastungs-EKG durchgeführt.
Da bei Sportlern über 35 Jahren die
häufigste Ursache für einen
plötzlichen Herztod beim Sport die KHK ist,
erscheint bei älteren Sportlern eine zusätzliche Belastungsuntersuchung
ebenfalls sinnvoll.
- Allerdings hat das Belastungs-EKG den Nachteil, dass
Fälle von asymptomatischer KHK meist nicht erkannt werden können.
Prof.
Scharhag: „Andere Belastungsuntersuchungen wie die
Stress-Echokardiographie oder das Stress-MRT können Hinweise für eine
KHK zwar besser entdecken, sind aber seltener verfügbar, aufwändiger und
teurer.
Hingegen ermöglicht das häufiger verfügbare Belastungs-EKG auf
dem Fahrrad- oder Laufbandergometer zusätzlich eine objektive
Beurteilung der körperlichen Leistungsfähigkeit und die Ableitung von
Trainingsempfehlungen.“
Im Rahmen von Sporttauglichkeitsuntersuchungen müsse nicht nur darauf
geachtet werden, Erkrankungen zu erkennen, betont der Experte:
„Es ist
auch wichtig, dafür Sorge zu tragen, dass gesunde Sportler aufgrund von
sportbedingten physiologischen Veränderungen, wie zum Beispiel dem
vergrößerten, an die Belastungen angepassten Sportherz, nicht als krank
einzustufen.
Dies hätte zur Folge, dass Menschen, die Sport betreiben
oder betreiben könnten, fälschlicherweise davon abgeraten wird oder dass
teure und womöglich mit einem
gewissen Risiko behaftete
Folgeuntersuchungen notwendig werden.“
Dies gelte auch für
Herzpatienten, die Rehabilitationssport betreiben
möchten. Prof, Scharhag: „Bei ihnen müssen die
individuelle
Leistungsfähigkeit und Belastbarkeit sowie die individuellen Risiken von
körperlicher Aktivität und Sport korrekt eingeschätzt werden, um den
größtmöglichen Nutzen von körperlicher Aktivität und Sport bei
geringstem Risiko erzielen zu können.“
Um diesen Ansprüchen gerecht zu
werden, erarbeiten die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie und die
Deutsche Gesellschaft für Sportmedizin derzeit ein gemeinsames
Curriculum für eine Zusatzqualifikation „Sportkardiologie“.
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Die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie – Herz und Kreislaufforschung
e.V. (DGK) mit Sitz in Düsseldorf ist eine wissenschaftlich medizinische
Fachgesellschaft mit über 9500 Mitgliedern. Ihr Ziel ist die Förderung
der Wissenschaft auf dem Gebiet der kardiovaskulären Erkrankungen, die
Ausrichtung von Tagungen und die Aus-, Weiter- und Fortbildung ihrer
Mitglieder. 1927 in Bad Nau-heim gegründet, ist die DGK die älteste und
größte kardiologische Gesellschaft in Europa. Weitere Informationen
unter www.dgk.org.
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