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360° TOP-Hinweis: 36. Berliner Halbmarathon am 3. April 2016: Akut-Sterblichkeit von Patienten im kardiogenen Schock

Medizin am Abend Berlin Fazit:    Kardiogener Schock: Überlebenschancen werden besser

Die Akut-Sterblichkeit von Patienten im kardiogenen Schock konnte in den vergangenen 20 Jahren deutlich gesenkt werden. 

Medizin am Abend Berlin Zusatzfachlink: Berliner Feuerwehr  


Dennoch haben Menschen, die beispielsweise infolge eines Herzinfarkts in diesen lebensbedrohlichen Zustand geraten, nach wie vor ein hohes Risiko, zu versterben. Eine sofortige Katheterintervention hat höchste Priorität, betonten Experten bei der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie. 
 
  •  „Die Behandlung der Wahl beim infarktbedingten kardiogenen Schock ist die möglichst sofortige Öffnung des verschlossenen Herzkranzgefäßes, das den Infarkt verursacht hat“, betont PD Dr. Ingo Eitel (Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Lübeck) auf der 82. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK). 

Vom 30. März bis 2. April 2016 treffen sich  in Mannheim auf diesem Kongress rund 8.500 aktive Teilnehmer aus 25 Ländern zusammen. 
  • „Früher war die gängige Strategie eher darauf ausgerichtet, Patienten im kardiogenen Schock zunächst mit konservativen, intensivmedizinischen Maßnahmen zu stabilisieren und dann erst den Gefäßverschluss zu öffnen. 
  • Heute hat die sofortige Behandlung mit dem Herzkatheter absolute Priorität. 
In Studien wurde gezeigt, dass sich dieses Vorgehen günstig auf die Sterblichkeit auswirkt.“ So lag in der SHOCK-Studie die Sterblichkeit von Patienten, bei denen eine sofortige Katheterintervention durchgeführt wurde, nach einem halben Jahr bei knapp 50 Prozent, während in der konservativ behandelten Gruppe 63 Prozent verstorben waren.
  • Ein kardiogener Schock liegt vor, wenn das Herz akut nicht mehr in der Lage ist, so viel Blut in den Körper zu pumpen, dass eine ausreichende Versorgung der Organe gewährleistet ist. Unbehandelt führt dies zu einem Multiorganversagen und zum Tod des Patienten. Die häufigste Ursache für diesen lebensbedrohlichen Zustand ist ein Versagen der linken Herzkammer nach einem Herzinfarkt. Das trifft in rund 80 Prozent der Fälle zu. 
  • Darüber hinaus gibt es eine Reihe weiterer möglicher Ursachen, wie zum Beispiel Schädigungen von Herzklappen oder Entzündungen des Herzmuskels, die jedoch seltener sind.

Rückgang der Sterblichkeit von 70 auf 40 Prozent
Dass die Strategie der raschen Gefäßöffnung richtig ist, zeigen auch Resultate im klinischen Alltag. 

„Während vor 20 Jahren noch rund 70 Prozent der im kardiogenen Schock in ein Krankenhaus eingelieferten Patienten verstarben, sind es heute etwa 40 Prozent. 

Dies ist zwar ein beachtlicher Erfolg, zufriedenstellend ist die nach wie vor ungünstige Prognose betroffener Patienten aber bei weitem nicht. Es besteht Verbesserungsbedarf“, so PD Eitel.

Gegenwärtig wird untersucht, welche die optimale Strategie der Katheterintervention für Patienten im kardiogenen Schock ist. 

In der aktuell laufenden CULPRIT SHOCK-Studie wird ein randomisierter Vergleich zwischen der alleinigen Öffnung des „hauptschuldigen“ Herzkranzgefäßes (culprit lesion) mit einer Intervention am Infarktgefäß plus allen weiteren hochgradig verengten Herzkranzgefäße bei Patienten mit koronarer Mehrgefäßerkrankung durchgeführt. 

Um die Prognose zu verbessern, kommt neben der Katheterintervention auch eine intensivmedizinische Betreuung auf höchstem Niveau zum Einsatz, was zum Beispiel die Behandlung mit kreislaufunterstützenden Medikamenten einschließt. 

PD Eitel: „Auch wenn die intensivmedizinischen Maßnahmen in den vergangenen Jahren laufend verbessert wurden, ist deren zusätzlicher Einsatz in vielen Fällen nicht ausreichend.“ Daher kommen neben Katheterintervention und Medikamenten zusätzlich mechanische kreislaufunterstützende Pumpensysteme zum Einsatz.

Kühlung bringt keine Vorteile

„An einer Weiterentwicklung der konservativen Optionen wird kontinuierlich gearbeitet. Leider nicht immer mit Erfolg“, sagt der Experte. „Beispielsweise wurde in den letzten Jahren auch versucht, die Prognose durch Abkühlung der Patienten zu verbessern. Diese Strategie bewährt sich, wenn es beispielsweise darum geht, nach einer Reanimation neurologische Schäden zu verhindern. 

Bei Patienten im kardiogenen Schock waren die Ergebnisse leider nicht vielversprechend. 

In der randomisierten SHOCK COOL-Pilotstudie, die auf dieser Jahrestagung präsentiert wird, wurden Patienten im kardiogenen Schock während der Katheterintervention auf eine Körpertemperatur von 33 Grad abgekühlt. Im Vergleich zu nicht gekühlten Patienten brachte diese Strategie keinen Vorteil im Hinblick auf verschiedene Parameter der Herzfunktion.“
  • Wenn die ersten 30 Tage nach einem kardiogenen Schock überlebt werden, sind die Chancen für ein langfristiges Überleben sehr gut. 
  • Allerdings ist nach einem ausgedehnten Infarkt – im Gegensatz zu Patienten, bei denen es beispielsweise aufgrund einer Herzmuskelentzündung zum kardiogenen Schock kommt – eine vollständige Erholung in der Regel nicht mehr zu erwarten. 

PD Eitel: „Diese Patienten benötigen in der Folge meist eine Therapie ihrer durch den Infarkt entstandenen Herzschwäche sowie engmaschige kardiologische Kontrollen.“ 


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Die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie – Herz und Kreislaufforschung e.V. (DGK) mit Sitz in Düsseldorf ist eine wissenschaftlich medizinische Fachgesellschaft mit über 9500 Mitgliedern. Ihr Ziel ist die Förderung der Wissenschaft auf dem Gebiet der kardiovaskulären Erkrankungen, die Ausrichtung von Tagungen und die Aus-, Weiter- und Fortbildung ihrer Mitglieder. 1927 in Bad Nau-heim gegründet, ist die DGK die älteste und größte kardiologische Gesellschaft in Europa. Weitere Informationen unter www.dgk.org.

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Schlaganfall-Vorbeugung/Karotistenting -- CRT + HI -

Medizin am Abend Berlin Fazit:  Mittels Stent in der Halsschlagader wirkt auch bei sehr alten Patienten

Gute Nachrichten für ältere Patienten: Durch das Implantieren eines Stents in die Halsschlagader lassen sich im Langzeitverlauf bei Patienten unterschiedlichen Alters Schlaganfälle gleichermaßen effektiv verhindern.

Die Verhinderung von Schlaganfällen durch das Implantieren eines Stents in die Halsschlagader (Karotisstenting) ist im Langzeitverlauf bei Patienten unterschiedlichen Alters gleichermaßen effektiv, berichtet Dr. Jakob Ledwoch (Klinikum Neuperlach, München) auf der 82. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK) über neue Studienergebnisse. Von Mittwoch, 30. März, bis Samstag, 2. April 2016, treffen in Mannheim mehr als 8.500 aktive Teilnehmer aus 25 Ländern zusammen.

Wie von den Studienautoren erwartet, bestand bei den Teilnehmern aus der ältesten von insgesamt drei Patientengruppen (mindestens 75 Jahre) aufgrund des höheren Alters und der ausgeprägteren Begleiterkrankungen eine schlechtere Prognose nach dem Karotisstenting.

Der Unterschied in den drei Gruppen beruhte jedoch in erster Linie auf einer erhöhten Rate an Komplikationen vor, während und nach der Stent-Implantation.

Denn die gängigen Risikofaktoren für so ein Ereignis, zum Beispiel symptomatische Karotisstenose, schwierige Gefäßanatomie, Diabetes mellitus oder Niereninsuffizienz, treten im hohen Alter am häufigsten auf.

  • „Andererseits steigt mit zunehmendem Alter das Schlaganfallrisiko, so dass ältere Patienten grundsätzlich am ehesten von einer Karotisintervention profitieren würden“, so Dr. Ledwoch. „Daher gilt es vor dem Festlegen des invasiven Vorgehens, anatomische und klinische Faktoren genau zu prüfen.“

Der Hintergrund der Studie, die den Einfluss des Alters auf die Langzeitprognose nach Karotisstenting untersuchte: 

Das Risiko einer atherosklerotisch verengten Halsschlagader steigt mit dem Lebensalter, doch wurde die Prognose bei Anwendung des Karotisstentings bei Hochbetagten in der klinischen Routine bisher nicht gut untersucht, sagt Dr. Ledwoch: „Angesichts der immer älter werdenden Bevölkerung ist dies von zentraler Bedeutung.“

In die Studie eingeschlossen wurden alle Patienten, die sich von 1999 bis 2015 im Klinikum Neuperlach einem Karotisstening unterzogen hatten. Ein Neurologe führte eine detaillierte neurologische Untersuchung jeweils innerhalb von 24 Stunden vor und nach der Intervention durch. Ein Telefon-Follow-up folgte 30 Tage nach der Implantation, anschließend wurde jeder Patient jährlich mittels eines Fragebogens nachbeobachtet. Die Patienten wurden in drei Altersgruppen eingeteilt.

Schlaganfälle sind häufig auf eine Verengung der Halsschlagader (Karotis-Stenose) zurückzuführen. Durch den Einsatz eines Stents soll die verengte Stelle offengehalten und ausreichender Blutfluss ermöglicht werden.

Quelle: DGK Abstract V 140, Ledwoch et al., Carotid Artery Stenting in the Elderly – Real World Da-ta in a High Number of Patients with Very Long-term Follow-up. Clin Res Cardiol 105, Suppl 1, March 2016

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Medizin am Abend Berlin Fazit:  

Herzschwäche-Patienten profitieren von implantiertem Resynchronisations-Gerät genauso wie jüngere

Ältere Patienten mit Herzschwäche (Herzinsuffizienz, HI) über 75 Jahre profitieren von der Implantation eines Geräts zur Kardialen Resynchronisations-Therapie (CRT) in gleichem Ausmaß wie jüngere, zeigt eine Auswertung des Deutsche DEVICE Registers. Die Studie wurde auf der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie in Mannheim präsentiert. 

Ältere Patienten mit Herzschwäche (Herzinsuffizienz, HI) mit mehr als 75 Jahren profitieren von der Implantation eines Geräts zur Kardialen Resynchronisations-Therapie (CRT) in gleichem Ausmaß wie jüngere. Obwohl sie mehr Begleiterkrankungen haben, gibt es bei ihnen vor, während und nach der Operation keine höheren Sterblichkeits- und Komplikationsraten als bei Jüngeren. Von den Patienten, die ein Jahr nach der Operation lebten, „profitierten beide Gruppen in vergleichbarem Maße in Hinblick auf ihre Herzinsuffizienz-Symptome“, berichtet PD Dr. Julia Köbe (Universitätsklinikum Münster) auf der 82. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK) im Mannheim. Von Mittwoch, 30. März, bis Samstag, 2. April 2016, treffen auf diesem Kongress mehr als 8.500 aktive Teilnehmer aus 25 Ländern zusammen.

Die CRT dient der Synchronisation der Aktivitäten beider Herzkammern im Rahmen einer HI mittels eines kleinen implantierbaren Geräts.

Die Häufigkeit der HI steigt mit dem Alter und Studien legen nahe, dass auch ältere Menschen von einer CRT profitieren. Allerdings wurden bei ihnen bisher Nutzen und Risiken im Vergleich zu jüngeren HI-Patienten weniger systematisch untersucht. Die neue Untersuchung vergleicht deshalb Komplikationen vor, während und nach der Operation sowie Ein-Jahres-Ergebnisse bei 326 Patienten über 75 Jahren, die in das Deutsche DEVICE-Register eingeschlossen wurden und eine CRT-Operation erhielten, mit 895 Patienten unter 75 Jahren. 50 Zentren haben mitgewirkt. Ein Jahr nach der Implantation wurden Patienten telefonisch vom Institut für Herzinfarktforschung in Ludwigshafen kontaktiert, um Daten zu kardialen Ereignissen, HI-Symptomen und Medikation zu gewinnen.

Die der HI zugrundeliegende Herzkrankheit war überwiegend eine koronare Herzerkrankung, die bei den älteren Patienten häufiger vorlag. Die HI-Symptomatik war bei den älteren Patienten ausgeprägter, die Ursache dafür waren möglicherweise Begleiterkrankungen. 

Die Sterblichkeit im Krankenhaus betrug 0,9 Prozent bei den älteren verglichen mit 0,1 Prozent bei den jüngeren Patienten. Erwartungsgemäß war die Ein-Jahres-Sterblichkeit in der älteren Gruppe (12,9 Prozent) höher als in der jüngeren Gruppe (6,3 Prozent), weil das Alter einer der stärksten Sterblichkeits-Prädiktoren ist. Dennoch unterschieden sich zwischen beiden Gruppen die Gründe für das Versterben nicht signifikant, auch die rein kardiale Sterblichkeit war in der älteren Gruppe nicht signifikant höher als in der jüngeren Gruppe.

„Betrachtet man die überlebenden Patienten im DEVICE-Register genauer, so profitierten beide Gruppen in vergleichbarem Maße im Hinblick auf ihre HI-Symptomatik“, sagt PD Köbe. „52,2 Prozent der älteren und 63,3 Prozent der jüngeren Patienten geben eine stabile oder verbesserte NYHA-Klasse im Ein-Jahres-Follow-up an.“

Quelle: DGK Abstract V 1214, Köbe et al., Cardiac resynchronization therapy in the elderly. Results from the German Device Registry. Clin Res Cardiol 105, Suppl 1, March 2016



Neue Medikamente gegen Osteoporose: Wirkung des Schilddrüsenhormons/Nebenschilddrüsen

Medizin am Abend Berlin Fazit:   Forscher entdecken Mechanismus zur Hormonregulation

Biophysiker der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU) haben einen neuen Weg zur Kontrolle der Wirkung eines Schilddrüsenhormons gefunden, das den Kalzium- und Phosphatspiegel im Blut reguliert. Hierbei war nicht wie sonst üblich der Rezeptor des Hormons Ziel der Regulation, sondern das Hormon selbst. Diese Entdeckung könnte genutzt werden, Wirkstoffe zur Behandlung von Osteoporose weiterzuentwickeln. Die Ergebnisse wurden vor kurzem im Fachjournal "Scientific Reports" der Nature Publishing Group veröffentlicht. 

Medizin am Abend Berlin Zusatzfachlink: Betäubungslose Kastration  

 
Etwa 50 Prozent aller neu entwickelten Medikamente zielen auf Rezeptoren an der Zelloberfläche ab.

Zu dieser Klasse gehört auch der für die Studie untersuchte G-Protein-gekoppelte Rezeptor (GPCR) für das Parathormon. 
  • Das Parathormon reguliert den Kalzium- und Phosphatspiegel im Blut und wird in den Nebenschilddrüsen produziert. Es wirkt als Agonist, aktiviert in den Zellen also die Signalübertragung, indem es den Rezeptor stimuliert. 

Die Wissenschaftler um Prof. Dr. Jochen Balbach fanden nun erstmals einen kleinen organischen Zink-Komplex, der auf Ebene des Agonisten, also des Parathormons selbst, eingreift und nicht direkt am Rezeptor wirkt.

Mit Hilfe der Kernspinresonanzspektroskopie konnten die MLU-Forscher aufklären, wo genau dieser Zink-Komplex an das Hormon bindet und wie dadurch die Stimulation des Rezeptors unterdrückt wird.

Hierbei zeigten sowohl das körpereigene Parathormon - ein Peptid aus 84 Aminosäureresten - als auch ein bereits als Osteoporose-Medikament eingesetztes Peptid, das aus den ersten 34 Aminosäureresten des Parathormons besteht, dieselbe Wirkung. Dieser molekulare Mechanismus konnte nicht nur in vitro nachgewiesen, sondern auch in vivo bestätigt werden.

  • Da ein GPCR typischerweise eine Vielzahl von Prozessen in Zellen reguliert, kann auf diese Weise ganz gezielt eine Funktion ausgeschaltet werden. 

Die Forschungsergebnisse können in Zukunft dazu dienen, eine Überfunktion der Nebenschilddrüsen zu behandeln und langfristig auch die hormongesteuerte Behandlung von Osteoporose zu verbessern.

Angaben zur Publikation:
Amit Kumar, Monika Baumann, Jochen Balbach: Small Molecule Inhibited Parathyroid Hormone Mediated cAMP Response by N-Terminal Peptide Binding. Sci. Rep. 6, 22533; DOI: 10.1038/srep22533 (2016).
Abzurufen unter: www.nature.com/articles/srep22533

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Morbus Huntington-Krankheit (HK): Krankheitsverlauf verlangsamt oder sogar gestoppt

Medizin am Abend Berlin Fazit:  Den Boten stummschalten

Neuartige Studie zur Bekämpfung der Huntington Krankheit begonnen 
 
Die Huntington-Krankheit (HK) ist eine der häufigsten erblich bedingten neurodegenerativen Erkrankungen.

 Verklumpungen des Huntington-Eiweißes (rot-braune Ablagerungen) im Gehirn sind die Ursache der Huntington-Krankheit und sollen mit dem neuen Therapieansatz erstmals direkt bekämpft werden.
Verklumpungen des Huntington-Eiweißes (rot-braune Ablagerungen) im Gehirn sind die Ursache der Huntington-Krankheit und sollen mit dem neuen Therapieansatz erstmals direkt bekämpft werden.
Abbildung: Dr. Katrin Lindenberg, Neurologie Universitätsklinikum Ulm

In Deutschland rechnet man mit rund 8.000 Erkrankten und weiteren 30.000 Personen, die das veränderte Gen in sich tragen könnten. Eine an die Wurzel gehende Behandlung, die den Krankheitsverlauf wesentlich abmildern könnte, gibt es bisher nicht. In einer neuartigen klinischen Behandlungsstudie, an der sechs Huntington Zentren in drei Ländern auf zwei Kontinenten zusammenarbeiten, wird erstmals das therapeutische Stummschalten eines krankmachenden Gens am Menschen erprobt. Sollte dies wie erhofft funktionieren, wäre das ein Durchbruch in der Behandlung der Huntington-Krankheit und wäre wegweisend für die Behandlung anderer Erbkrankheiten.

Im März 2016 hat am Huntington Zentrum des Universitätsklinikums Ulm eine neue zukunftsweisende Studie zur Behandlung der Huntington-Krankheit begonnen. An einer kleinen, ausgewählten Gruppe von Patienten wird mittels des Wirkstoffs IONIS-HTT-Rx erprobt, ob das krankmachende Huntington-Gen therapeutisch stummgeschaltet und damit der Krankheitsverlauf verlangsamt oder sogar gestoppt werden kann. Weltweit sind noch fünf weitere Zentren in Kanada, Großbritannien und Deutschland an der Studie beteiligt.

Bereits im Jahr 1993 haben Wissenschaftler die Genveränderung entdeckt, die für die Huntington-Krankheit verantwortlich ist:

  • ein fehlerhaft verlängerter Abschnitt der Erbsubstanz DNS auf dem kurzen Arm von Chromosom 4. 
  • Normalerweise werden in diesem Bereich die DNS-Bausteine Cytosin-Adenin-Guanin (CAG) zehn bis dreißig Mal wiederholt. Sind es mehr als 35 Wiederholungen ("Stottern"), entwickeln die Betroffenen die Huntington-Krankheit, die mit Bewegungsstörungen, Einschränkungen der Denkfähigkeit und psychischen Veränderungen einhergeht und nach langen Jahren des Leidens zu Pflegebedürftigkeit und zum Tod führt.

Das mutierte Huntington-Gen „stumm“ schalten

Die Informationen, die in einem Gen verschlüsselt sind, werden über genau kontrollierte Zwischenschritte in Eiweiße umgewandelt: Eiweiße ihrerseits führen alle Funktionen unserer Zellen aus. Ein wichtiger Zwischenschritt ist dabei die Entstehung von sogenannter messenger-RNS, die als Bote die Bauanweisung für Eiweiße überbringt.

Aufgrund der Veränderungen durch die Huntington-Erkrankung, wird eine „falsche“ Bauanweisung überbracht: Es entsteht ein schadhaftes Eiweiß, das sich falsch faltet, leicht verklumpt und Gehirnzellen schädigt. 

Auf diesen Boten mit seiner Bauanweisung für das Huntington-Gen hat es das internationale Ärzteteam abgesehen.

Professor G. Bernhard Landwehrmeyer vom Huntington Zentrum des Universitätsklinikums Ulm, der die Studie in Deutschland leitet, erklärt: „Der Wirkstoff IONIS-HTT-Rx führt zu einem vermehrten Abbau der Bauanweisungen für das Huntington-Eiweiß. In Folge wird die Produktion des schädlichen Huntington-Eiweißes gedrosselt und damit die Belastung der Patienten mit den fehlerhaften Huntington-Gen-Produkten gesenkt.“

  • Dabei wird ein DNS-ähnliches Molekül (Antisense Oligonukleotide – ASO) schonend in die Nervenwasserflüssigkeit der Patienten eingebracht, um die messenger-RNS in Gehirnzellen zu neutralisieren, also den Boten mit dem falschen Bauplan stumm zu schalten.

Wenn alles so funktioniert, wie wir es erwarten, dann wird dieser Wirkstoff die Neubildung des schädlichen Huntington-Proteins nachhaltig hemmen.

Ein neuartiger Ansatz, der auf lange Sicht das Potenzial hat, den Krankheitsverlauf zu verlangsamen, zu stoppen oder gar umzukehren“, so PD Dr. Patrick Weydt, der zusammen mit PD Dr. Jan Lewerenz, Dr. Panteha Fathinia sowie den Studienassistentinnen Ariane Schneider, Carolin Geitner und Stefanie Uhl diese Medikamentenprüfung am Huntington Zentrum der Ulmer Universitätsklinik für Neurologie (Ärztlicher Direktor Prof. Dr. Albert C. Ludolph) durchführt. Professor Carsten Saft leitet die Studie am zweiten deutschen Standort, dem Universitätsklinikum der Ruhr-Universität Bochum.

„Eine Aufgabe Universitätsmedizin ist es, Menschen mit seltenen Erkrankungen bessere Therapiemöglichkeiten zu bieten. Die Ulmer Forschung zur Huntington-Erkrankung leistet dazu mit ihrer international anerkannten und vernetzten Forschung und ihrer therapeutischen Erfahrung einen wichtigen Beitrag, der vielen Patienten Hoffnung geben kann“, sagt Prof. Dr. Udo X. Kaisers, der Leitende Ärztliche Direktor des Universitätsklinikums Ulm.




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Geschirrklappern, Musik, Stimmengewirr - Schwerhörige haben große Schwierigkeiten

Medizin am Abend Berlin Fazit:  Neue Wege in der Schwerhörendenversorung

Geschirrklappern, Musik, Stimmengewirr - Schwerhörige haben große Schwierigkeiten in solchen Situationen einem Gespräch zu folgen oder auch Geräusche zu lokalisieren. Normalhörende haben deutlich weniger Probleme mit Hintergrundgeräuschen und der Ortung von einzelnen Klangquellen. Hauptgrund dafür ist, dass sie beidohrig (binaural) hören können. Forscher des Exzellenzclusters Hearing4all sind nun maßgeblich daran beteiligt, das Prinzip des binauralen Hörens auf die Cochlea Implantat-Technologie zu übertragen. 
 
Die Einführung von Cochlea-Implantaten bedeutete eine wegweisende Veränderung bei der Versorgung von hochgradig schwerhörenden und ertaubten Menschen.

  • Ein Cochlea Implantat kann bei Taubheit oder hochgradiger Schwerhörigkeit helfen wieder Geräusche zu hören und Stimmen zu verstehen. 
  • Im Unterschied zum Hörgerät, das die Lautstärke des Schalls verstärkt, wandelt das Cochlea-Implantat Schall in elektrische Impulse um, durch die der Hörnerv im Innenohr (Cochlea) stimuliert wird. Obwohl eine beidseitige Implantation (d.h. unabhängige Implantate in jedem Ohr) binaurales Hören bis zu einem gewissen Grad ermöglicht, fehlt hier jedoch die zeitliche Information völlig, die für ein echtes binaurales Hören notwendig ist. 
  • Denn die Signale, die die Ohren erhalten, werden vom Hörsystem im Gehirn so verarbeitet und miteinander verrechnet, dass die Differenzen zwischen links und rechts ausgewertet werden können. Die Ohren kommunizieren also miteinander und sind so in der Lage, Sprachsignale hervorzuheben bzw. Hintergrundgeräusche zu unterdrücken.

Um die Vorteile dieses natürlichen Prinzips auch für CI-Patienten nutzbar zu machen, wurden im Rahmen des EU-geförderten Forschungsprojekts Advancing Binaural Cochlear Implant Technology (ABCIT) Technologien für binaurale Implantate entwickelt, die einen einzelnen, gemeinsamen Prozessor benutzen und daher koordiniert zusammenarbeiten.

Dadurch wird den Anforderungen der binauralen Hörverarbeitung im Gehirn Rechnung getragen, um effektives Hören wieder herzustellen. 
  • Umfangreiche Studien zeigten, dass Methoden der binauralen Vorverarbeitung, die in modernen Hörgeräten bereits verwendet werden, auf CIs übertragbar sind und für CI-Hörer oft sogar noch einen größeren Vorteil bieten, als dies bei Hörgeräteträgern der Fall ist. 
Dieser Forschungsfortschritt wurde nur durch die enge interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen den beteiligten Wissenschaftlern in Deutschland, Frankreich und England möglich. Durch ihre unterschiedlichen Kompetenzen aus den Bereichen Grundlagenforschung, Audiologie und Algorithmenentwicklung für Cochlea-Implantate und Hörgeräte konnten die Wissenschaftler in enger Zusammenarbeit mit der Industrie den Grundstein für eine neue Generation von CIs legen. Die CIs der Zukunft sollen es ermöglichen, deutlich leichter Sprache bei Hintergrundgeräuschen zu verstehen, wie z.B. auf einer Party oder im Restaurant, und Geräusche besser zu lokalisieren und sich so z.B. in Verkehrssituationen besser zu orientieren.

Die Zeitschrift „Trends in Hearing“ würdigte diese Forschungsleistung mit einem Sonderband, in dem insgesamt 13 Publikationen des ABCIT-Projekts versammelt sind, davon 8 mit Beteiligung von Forschern des Exzellenzclusters.

Über ABCIT
Im September 2012 startete das Forschungsprojekt „Advancing Binaural Cochlear Implant Technology“, kurz: ABCIT, das von der Europäischen Union über einen Zeitraum von 3 Jahren in einer Höhe von 4 Mio. € gefördert wurde. Koordiniert wurde das Projekt vom Ear Institute am University College in London (UCL). Weitere Partner des Projekts waren der dänisch/französische Cochlea-Implantat-Hersteller Oticon Medical/Neurelec, die Universität Oldenburg sowie HörTech. Ziel des Projekts war die Verbesserung des räumlichen Hörvermögen von Cochlea –Implantat –Nutzern, speziell derer, die das binaurale Neurelec-Gerät verwenden, welches beide implantierten Ohren synchron stimuliert. Binaurales Hören ist notwendig, um Schallquellen zu lokalisieren sowie für das Hören in lärmbehafteten Umgebungen.

Über Hearing4all
Ziel des Exzellenzclusters „Hearing4all" ist buchstäblich das „Hören für alle". Durch eine Verbesserung der individualisierten Hördiagnostik und der darauf angepassten Versorgung mit persönlichen Hörhilfen wollen die WissenschaftlerInnen die Kommunikationssituation von Betroffenen entscheidend verbessern. Hierbei werden grundlegende, auf Modellen basierende Arbeiten zur Diagnose und zum auditorischen Profil von Normal- bis schwerhörenden Menschen durchgeführt, um zu einem besseren Verständnis des individuellen Gehörs zu gelangen. Darüber hinaus werden diese Modelle benutzt, um die individuelle Versorgung mit technischen Hörhilfen zu verbessern und an die jeweilige Situation angepasst zu optimieren. Die Federführung des Konsortiums liegt bei der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg. Neben der Medizinischen Hochschule Hannover und der Leibniz Universität Hannover sind auch das Kompetenzzentrum HörTech, die Jade Hochschule, die Hörzentren Hannover und Oldenburg, die Projektgruppe Hör-, Sprach- und Audiotechnologie des Fraunhofer IDMT, das Laser Zentrum Hannover e.V. und das Hanse-Wissenschaftskolleg Delmenhorst am Exzellenzcluster beteiligt. Der Cluster ist eingebettet in das Netzwerk „Auditory Valley", das weitere öffentliche und private Einrichtungen, die im Bereich der Hörforschung im Nordwesten Deutschlands aktiv sind, verbindet.

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c/o HörTech gGmbH, Marie-Curie-Straße 2, D-26129 Oldenburg
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Exzellenzcluster Hearing4all HörTech, Kompetenzzentrum für Hörgeräte-Systemtechnik

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Das Osterhasen-Geschenk: Immunologische Stuhltest: (Blutfarbstoff Hämoglobin mittels Antikörper)

Medizin am Abend Berlin Fazit:  Stuhluntersuchung zur Darmkrebsvorsorge nur alle fünf Jahre?

Eine Darmspiegelung ist die zuverlässigste Methode, um Darmkrebs frühzeitig zu erkennen. Doch viele Personen bevorzugen einen Test auf verborgenes Blut im Stuhl, der nach bisherigen Empfehlungen alle ein bis zwei Jahre durchgeführt werden soll. Jetzt zeigt eine Studie, dass mit den neuen immunologischen Tests auf Blut im Stuhl ein längeres Untersuchungsintervall von bis zu fünf Jahren möglicherweise den gleichen Nutzen bringt. 
  • Voraussetzung ist, dass der Test empfindlicher und exakt eingestellt wird. 
Professorin Ulrike Haug vom Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie – BIPS ist Erstautorin der Studie, die jetzt im renommierten internationalen Journal GUT erschienen ist.  
In Deutschland wird allen gesetzlich Krankenversicherten ab 55 Jahren eine Darmspiegelung angeboten. 
Eine Darmspiegelung ist die zuverlässigste Methode zur Früherkennung von Darmkrebs und dessen Vorstufen und muss bei unauffälligem Befund erst nach zehn Jahren wiederholt werden. 
  • Jedoch nehmen nur 20 bis 30 Prozent aller Berechtigten das Angebot wahr. Viele Personen greifen lieber auf den Test auf verborgenes (okkultes) Blut im Stuhl zurück, der nach bisherigen Empfehlungen alle ein bis zwei Jahre wiederholt werden sollte.
  • Es ist zu erwarten, dass in Deutschland demnächst der bisherige chemische Test auf Blut im Stuhl, der sogenannte Guajak-Test, durch immunologische Testverfahren abgelöst wird. 
Diese Testverfahren weisen den Blutfarbstoff Hämoglobin mittels Antikörper nach.

In vielen anderen Ländern sind diese immunologischen Testverfahren auf Blut im Stuhl schon Standard, da sie Darmkrebs und dessen Vorstufen zuverlässiger erkennen als der Guajak-Test. 
  • Ein weiterer Vorteil der immunologischen Tests ist, dass sie in ihrer Empfindlichkeit exakt eingestellt werden können, sofern es sich um quantitative immunologische Tests handelt, die im Labor ausgewertet werden.
Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des BIPS und der Erasmus Universität Rotterdam stellten sich nun der Frage, ob man das Untersuchungsintervall für den immunologischen Stuhltest auf bis zu fünf Jahre ausdehnen kann, wenn der Test empfindlicher eingestellt wird. Dazu werteten sie die Daten von 4.523 Personen im Alter von 50 bis 74 Jahren aus, die am Darmkrebsfrüherkennungsprogramm in den Niederlanden teilgenommen hatten.

Die Personen unterzogen sich wiederholt – mit einem Abstand von ein bis drei Jahren – einem immunologischen Test auf Blut im Stuhl. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler schätzten ab, welche diagnostischen Konsequenzen es gehabt hätte, wenn die erste Testung empfindlicher eingestellt und dafür die zweite Testung später durchgeführt worden wäre.

  • Es zeigte sich, dass mit der selteneren Anwendung (etwa alle fünf Jahre) eines empfindlicheren Tests ähnlich viele Frühstadien und Krebsvorstufen erkannt wurden wie mit einem weniger empfindlichen Test, der alle zwei Jahre durchgeführt wurde. Auch der Anteil an Personen, die sich im Laufe der Zeit einer Darmspiegelung unterziehen mussten, um ein positives Testergebnis abzuklären, war bei beiden Vorgehen vergleichbar (13 bis 18 Prozent).

Prof. Dr. Ulrike Haug, Erstautorin der Studie und Leiterin der Abteilung „Klinische Epidemiologie“ am BIPS, erklärt: 

„Unsere Studie zeigt, dass die Stuhltest-basierte Darmkrebsvorsorge vereinfacht und dadurch verbessert werden könnte. 
Wenn durch das längere Untersuchungsintervall nur halb so oft getestet werden muss, ist es für teilnehmende Personen wesentlich einfacher, den Anforderungen des Programms dauerhaft gerecht zu werden und maximal davon zu profitieren. Außerdem verringern sich der Aufwand und die Kosten, die mit der Organisation eines Früherkennungsprogramms einhergehen.“

Darmkrebs ist in Deutschland derzeit bei Frauen die zweithäufigste und bei Männern die dritthäufigste Krebserkrankung. 

Durch geeignete Früherkennungsmaßnahmen kann Darmkrebs rechtzeitig erkannt, behandelt oder auch abgewendet werden. 

  • Anders als in vielen anderen Ländern gehören immunologische Tests auf Blut im Stuhl in Deutschland bislang noch nicht zum gesetzlichen Früherkennungsprogramm. Sie müssen daher als Individuelle Gesundheitsleistung (IGeL) von den Patientinnen und Patienten selber bezahlt werden. Es ist jedoch zu erwarten, dass sie in absehbarer Zeit auch in Deutschland erstattungsfähig werden.

Publikation:

Haug U, Grobbee EJ, Lansdorp-Vogelaar I, Spaander MCW, Kuipers EJ. Immunochemical faecal occult blood testing to screen for colorectal cancer: can the screening interval be extended? GUT. 2016; http://dx.doi.org/10.1136/gutjnl-2015-310102

 
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Prof. Dr. Ulrike Haug
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Frohe Ostern? - - Mein Osterhase kann sich nicht satt essen.....! Auch Frau Hase

Medizin am Abend Berlin Fazit:   Der Feldhase ist ein Kräuterprofi

Die Deutsche Wildtier Stiftung erklärt, warum der „Osterhase“ als feinschmeckender Vegetarier kaum noch was zu fressen findet
 
Knackig, zart und vor allem grün – so sieht die Ernährung des Feldhasen aus. 

Und das ist gut so: Vitamin C in Löwenzahnblättern kurbelt den Stoffwechsel an, Beta-Carotin in Sauerampfer pusht die Immunabwehr und Folsäure in Barbarakraut stärkt das Blut. Solche Vitalstoffe brauchen Spitzensportler wie der Feldhase. 

Frische Kräuter helfen, wenn er mit angelegten Löffeln und rund 80 km/h (das sind 22,22 Meter pro Sekunde!) über Felder und Wiesen rennt und Haken schlägt.

Auch „Frau Hase“ braucht eine Extra-Portion Grünes:

Sie muss bei Kräften bleiben, denn es ist Paarungszeit und die ist anstrengend. Um unter den vielen Rammlern den Richtigen mit dem besten Erbgut zu finden, liefert sie sich Boxkämpfe mit ihren vielen Verehrern.

  • Innerhalb kurzer Zeit paart sich die Häsin mit verschiedenen Rammlern – und das kostet Kraft. Rund 42 Tage später kommen die jungen Hasen auf die Welt.

Früher galten Hasen als potente und fruchtbare Feinschmecker, heute sind die Vegetarier vielerorts land- und schutzlos. „Viele Junghasen erleben ihren ersten Sommer nicht“, erklärt Dr. Andreas Kinser von der Deutschen Wildtier Stiftung.

Denn bereits vor Ostern werden Felder und Wiesen für die Landwirtschaft vorbereitet. Mais, Zuckerrüben und Sommergetreide werden gepflanzt und das Grünland wird gewalzt und geschleppt.

Gerade die jungen Hasen, die sich tief geduckt im Feld verstecken, werden dann zerquetscht, zerstückelt oder untergepflügt.

Fest steht: Zumindest für den Feldhasen war früher alles besser! „Hecken, Brachen und Ackerrandstreifen, auf denen Wildkräuter in großer Vielfalt wuchsen, sind heute der landwirtschaftlichen Produktionsfläche gewichen“, schildert der Experte.

„Wenn sich der Hase nicht mehr vor seinen Feinden verstecken kann, wird das blanke Überleben für ihn sehr schwer.“

  • Wenn sich der Osterhase einen Lebensraum wünschen dürfte, wäre das eine Landschaft wie vor 100 Jahren:
  • Mit kleinen Feldern, wenig gedüngt, keine Chemie. Dafür mit Hecken, breiten Wegen und Grasstreifen, die nicht gemäht werden. 
Die Deutsche Wildtier Stiftung kümmert sich um so ein tolles Hasen-Paradies: In der Gemarkung Schwichtenberg in Mecklenburg-Vorpommern finden Feldhasen auf rund 220 Hektar mit vielen Acker- und Grünflachen allerbeste Lebensbedingungen.

Wenn Sie dem Feldhasen helfen wollen, können Sie bei der Deutschen Wildtier Stiftung kostenlos ein Samentütchen bekommen. Wir freuen uns über ein Foto Ihres Kräutergartens auf unserer Facebook-Seite.

Die Deutsche Wildtier Stiftung wünscht Ihnen „Frohe Ostern“!


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Personalisierten Lithiumtherapie bei bipolaren Störungen

Medizin am Abene Berlin Fazit:  Studie eröffnet ersten Schritt hin zu einer personalisierten Lithiumtherapie bei bipolaren Störungen

An der Medizinischen Fakultät Carl Gustav Carus der TU Dresden werden seit vielen Jahren Daten bipolar erkrankter Patienten ausgewertet. Die ersten Ergebnisse weisen darauf hin, dass bestimmte molekulare Strukturen ausschlaggebend sind, welche Patienten von einer Lithiumtherapie profitieren, indem beispielsweise die Suizidalität gesenkt werden kann. In einer gemeinsamen Publikation internationaler Forscher im renommierten Fachjournal „THE LANCET“ wurde insbesondere herausgearbeitet, dass die große Anzahl von Patientendaten erstmals die Möglichkeit bietet, die genetischen Grundlagen, weshalb Lithium solch eine positive Wirkung bei vielen Patienten entfaltet, wissenschaftlich zu untersuchen. 

 Prof. Dr. Dr. Michael Bauer, Direktor der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus.
 Prof. Dr. Dr. Michael Bauer, Direktor der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus. Foto: Uniklinikum Dresden / Christoph Reichelt
 
Seit 60 Jahren gehört das Spurenelement Lithium zur äußerst wirksamen Standardtherapie bei Depressionen und Manisch-Depressiver Krankheit (bipolare Störung).

Bislang liegen allerdings kaum wissenschaftlich belegte Studienergebnisse vor, wie der Wirkmechanismus von Lithium genau funktioniert und welche Patientengruppen am meisten von einer entsprechenden Behandlung profitieren.

„Wir haben bei unseren Patienten immer wieder beobachtet, dass Lithium eines der wenigen Medikamente ist, welches langfristig Suizidgedanken ausschalten kann.

Es gibt kein anderes Medikament, das so ausgeprägt suizidale Gedanken und Handlungen vermindert“, sagt Professor Michael Bauer, der Direktor der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus.

„Heute findet man kaum noch ein Medikament auf dem Arzneimittelmarkt, das über 60 Jahre hinweg noch verordnet wird, und trotzdem stellen wir immer noch weiter neue Wirkaspekte fest, die uns überraschen. 

Beispielsweise haben wir während der Analyse langjähriger Behandlungsdaten festgestellt, dass Lithium auch einen gewissen Schutz vor Gedächtnisverlust und Demenz aufweist. Im Laborversuch konnte ganz klar die neuroprotektive Wirkung von Lithium nachgewiesen werden“, so Professor Bauer.

„Wenn Patienten Lithium über zehn oder zwanzig Jahre einnehmen, dann sinkt auch die Demenzrate.“ All das waren Gründe, die dafür sprachen, Lithium noch genauer unter die Lupe zu nehmen.

Bereits 2008 hat sich ein internationales Forscherkonsortium in Dresden getroffen, um ganz detailliert Patientendaten zu erfassen und diese auszuwerten. Professor Bauer, der vor acht Jahren unter anderem die Initiative gestartet hat, hegt große Erwartungen, dass die über 3.000 Datensätze einen neuen Einblick in die Wirkmechanismen von Lithium geben, die bislang noch nicht umfassend erforscht sind.

  • Lithium löst eine Reihe von intrazellulären Effekten aus. Das Salz erhöht beispielsweise auch die Serotoninausschüttung.  
Ein möglicher Grund, weshalb es in der Therapie so wirksam einsetzbar ist.

Viele Patienten, die eine lange schwere Manie oder bipolare Erkrankung durchlebt haben, gelten mit der Einnahme des Medikaments als geheilt. 

„Wir unterscheiden in drei Gruppen: 

exzellente Lithiumresponder, Patienten, bei denen das Medikament weniger deutlich und solche, bei denen es gar nicht anschlägt.

Interessant dabei ist, dass sich ähnlich der bipolaren Erkrankung auch das Ansprechverhalten auf das Medikament vererbt“, so Professor Bauer.

An der Medizinischen Fakultät Carl Gustav Carus läuft zu diesem Forschungsschwerpunkt gerade eine vom Dresdner Forscherteam initiierte große mehrzentrische bundesweite Studie, gefördert durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung.

Dabei bietet sich die Chance, den sofortigen Effekt von Lithium auf Suizidgedanken bei Depressionen nachzuweisen, etwas, was bisher noch für kein einziges Medikament belegt werden konnte.

Informationen zum Forschungsverbund
http://www.conligen.org


Publikation
Genetic variants associated with response to lithium treatment in bipolar disorder: a genome-wide association study, in: The Lancet, Volume 387, Issue 10023, 12–18 March 2016, Pages 1085–1093
doi:10.1016/S0140-6736(16)00143-4
www.thelancet.com

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Universitätsklinikum Carl Gustav Carus an der TU Dresden
Prof. Dr. Dr. Michael Bauer
Direktor der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie
Telefon:0351-458 2760
E-Mail: michael.bauer@uniklinikum-dresden.de
Konrad Kästner Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden

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http://www.uniklinikum-dresden.de/psy

360° TOP-Hinweis: Häufig unerkannt - Rheuma bei Schuppenflechte - Psoriasis-Arthritis

Medizin am Abend Berlin Fazit:  Frühzeitige Behandlung hilft vielen Patienten

Bis zu zehn Prozent aller Menschen mit Schuppenflechte entwickeln schmerzhafte Schwellungen an einem oder mehreren Gelenken – die sogenannte Psoriasis-Arthritis. Häufig bleibt diese rheumatische Erkrankung unerkannt. Aktuelle Studien zeigen, dass Ärzte die Symptome mit Medikamenten und engmaschigen Kontrolluntersuchungen nahezu vollständig unter Kontrolle bringen und damit den Patienten ein schmerzfreies Leben ermöglichen können – wenn Arzt und Patient die Krankheit rechtzeitig bemerken.
 
  • Viele Menschen, die an Schuppenflechte leiden, entwickeln zudem Gelenkbeschwerden, die sich mit den Jahren verschlimmern und immer schmerzhafter werden. 
  • Die Psoriasis-Arthritis äußert sich beispielsweise in Gelenk-, Sehnenscheiden-, Knochen- und Wirbelsäulenentzündungen. 

 „Das Gelenk wird, wie bei der rheumatoiden Arthritis, ohne Behandlung langfristig zerstört“, erläutert Professor Dr. med. Elisabeth Märker-Hermann, Direktorin der Klinik Innere Medizin IV: Rheumatologie, Klinische Immunologie, Nephrologie an den Helios Dr. Horst Schmidt Kliniken Wiesbaden.

Dennoch bleibe die Krankheit, die bei jedem zehnten Schuppenflechten-Patienten auftritt, häufig unerkannt. Dabei ist sie gut behandelbar: „Wird frühzeitig mit der Medikamentengabe begonnen, können viele Patienten ein schmerzfreies Leben führen“, so die DGIM-Expertin.

Genetische Faktoren spielen bei der Psoriasis und der Psoriasis-Arthritis eine entscheidende Rolle. 

Jährlich werden in großen internationalen Studien neue Gene gefunden, die Einfluss auf immunologische Abwehrreaktionen der Haut und auf Entzündungsvorgänge im Körper nehmen.

„Wir haben gelernt, dass Ärzte, vor allem Dermatologen und Rheumatologen, und Patienten bei einer Schuppenflechte immer auch rheumatische Gelenkentzündungen in Betracht ziehen müssen, um rechtzeitig reagieren zu können“, sagt Professor Märker-Hermann.

Damit könne den Patienten eine Doppelbelastung durch Haut- und Gelenkbeschwerden erspart bleiben.

  • Die eingesetzten Medikamente wirkten sich zudem positiv sowohl auf die rheumatischen Beschwerden als auch auf die Schuppenflechte aus.
  • In der Regel verschreiben Ärzte bei einer Psoriasis-Arthritis Rheuma-„Basis“-Medikamente, beispielsweise immunologisch wirksame Medikamente wie Methotrexat, Sulfasalazin und Leflunomid. 
Sehr gut wirksam sind die Biologika, welche den Botenstoff TNF-alpha hemmen.

Zudem sind in den letzten Monaten neue Medikamente zur Therapie der Haut und der Gelenke zugelassen worden.

Wegen der Wirkung auf das Immunsystem und möglicher Nebenwirkungen müssen die Patienten gut aufgeklärt werden.

 „Die Therapie darf aufgrund möglicher Nebenwirkungen nur unter engmaschiger Betreuung durchgeführt werden“, ergänzt Professor Dr. med. Gerd Hasenfuß, Vorsitzender der DGIM aus Göttingen:

„Ziel ist ein maximaler Gelenkschutz bei minimalen Risiken und Nebenwirkungen.“ 

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Janina Wetzstein
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Tel.: 0711 8931-457
Fax: 0711 8931-167
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Bluttest für Tuberkulose - das Bakterium Mycobacterium tuberculosis

Medizin am Abend Berlin Fazit:  Biomarker sollen in Zukunft das Ausbruchsrisiko einer Tuberkulose voraussagen können  


Die Rede ist von Tuberkulose, an der jedes Jahr zwischen 1,5 und zwei Millionen Menschen sterben. Doch nicht jeder, der mit dem Bakterium infiziert ist, entwickelt auch eine Tuberkulose: Bei weniger als zehn Prozent der Infizierten bricht die Krankheit tatsächlich aus. Ein internationales Wissenschaftlerteam, an dem auch Forscher des Max-Planck Instituts für Infektionsbiologie in Berlin beteiligt waren, hat nun einen Tuberkulosetest entwickelt, der einen Ausbruch der Krankheit bei Infizierten zuverlässig voraussagen kann. 
  • Durch diesen Test können zukünftig Ärzte den Verlauf der Krankheit abschätzen und frühzeitig mit einer medizinischen Versorgung beginnen.


Moleküle im Blut sollen Ärzten künftig verraten, ob ein Mensch an Tuberkulose erkranken wird.


 Moleküle im Blut sollen Ärzten künftig verraten, ob ein Mensch an Tuberkulose erkranken wird. MPG/ J. Steengard

Weltweit sterben täglich etwa 4000 Menschen an Tuberkulose:

Eine Krankheit, die durch das Bakterium Mycobacterium tuberculosis verursacht wird und mir dem insgesamt etwa ein Drittel der Erdbevölkerung infiziert ist. 

Etwa 90 Prozent der Infizierten bleiben jedoch ihr Leben lang symptomfrei.

Bei einer solchen latenten Tuberkulose schlummern die Bakterien im Körper, ohne dass die Krankheit aktiv ist.

  • Menschen mit schwächerem oder geschwächtem Immunsystem, zu denen sehr junge, sehr alte Menschen und Personen mit weiteren Erkrankungen, wie HIV oder Diabetes mellitus gehören, erkranken häufiger an einer aktiven Tuberkulose. Ebenso tragen mangelnde Ernährung und schlechte soziale Bedingungen zu einem erhöhten Risiko bei.

Das Blutbild von Menschen mit latenter oder aktiver Tuberkulose unterscheidet sich voneinander. Trotzdem war es bis heute unmöglich vorherzusagen, ob eine mit Mycobacterium tuberculosis infizierte Person eine aktive Tuberkulose entwickeln wird.

In einer nun veröffentlichten Studie haben Wissenschaftler einen auf Biomarkern basierenden Bluttest entwickelt, mit dem sie eine entstehende aktive Tuberkulose mit etwa 75 prozentiger Wahrscheinlichkeit voraussagen können.

Ein Biomarker kann eine Zelle, Gene oder Moleküle wie etwa Enzyme oder Hormone sein, mit dem Mediziner Veränderungen im Körper nachweisen können.

Um die Unterschiede zwischen latenter und aktiver Tuberkulose festzustellen, haben Wissenschaftler der South African Tuberculosis Vaccine Initiative (SATVI) und des Center for Infectoius Disease Research (CIDR) die Genaktivität in Blutproben von mehr als 10000 Menschen aus Südafrika und Gambia ausgewertet und diese anschließend zwei Jahre lang beobachtet.

Mit Genmustern eine Tuberkulose voraussagen

Die Ergebnisse zeigen, dass im Blut der Personen, die später eine aktive Tuberkulose entwickeln ganz bestimmte Gene in Immunzellen aktiv sind. Ein Bluttest für die Genaktivität soll künftig das typische Aktivitätsmuster potenzieller Tuberkulosepatienten entdecken. „Ein solcher Test könnte das Auftreten der Krankheit schon mehr als ein Jahr im Voraus vorhersagen, bevor die Krankheit ausbricht“, sagt der Leiter der Studie Willem Hanekom von der Universität Kapstadt.

„Dieser lange Vorlauf gibt Medizinern genug Zeit, mit einer Behandlung anzufangen.“ Der Bluttest soll nun in klinischen Studien getestet werden, um herauszufinden, ob man mit einer gezielten Therapie den Verlauf der vorhergesehenen Krankheit stoppen kann.

Stefan H.E. Kaufmann vom Max-Planck-Institut für Infektionsbiologie, der auch an der Studie beteiligt war, leitet selbst eine ähnliche Untersuchung. Diese umfasst Gruppen von Versuchsteilnehmern aus verschiedenen Teilen Afrikas, zu denen Südafrika, Malawi, Uganda, Äthiopien und Gambia gehören. Ziel dieser Studie ist ein panafrikanischer Biomarker-Test für Tuberkulose, der zusätzlich Unterschiede zwischen Patientenpopulationen und Erregertypen einbezieht. Die Ergebnisse der parallel laufenden Studie deuten auf dasselbe Genprofil für ein erhöhtes Tuberkuloserisiko hin. Sie sollen Ende des Jahres veröffentlicht werden. „Wenn wir frühzeitig voraussagen können, dass ein Mensch eine aktive Tuberkulose entwickeln wird, wird dies entscheidend zur Eindämmung dieser Krankheit beitragen.

Außerdem können wir nun gezielt Menschen mit hohem Tuberkulose-Risiko in die klinische Überprüfung neuer Medikamente und Impfstoffe mit einbeziehen und dadurch die Anzahl der Studienteilnehmer und die Studiendauer verringern. Das reduziert auch deutlich die Studienkosten“, erklärt Kaufmann.

Originalpublikation:
Daniel E. Zak, Adam Penn-Nicholson, Thomas J. Scriba et al.
A prospective blood RNA signature for tuberculosis disease risk
The Lancet, 23. März 2016

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Prof. Dr. Dr. h. c. Stefan H.E. Kaufmann
Max-Planck-Institut für Infektionsbiologie, Berlin
Telefon:+49 30 28460-500Fax:+49 30 28460-501
E-Mail: kaufmann@mpiib-berlin.mpg.de
Dr Harald Rösch Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften e.V.