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Entzündliche Hautkrankheit: Schuppenflechte/Psoriasis/Psoriasisarthritis: kardiovaskulären Risiken

Medizin am Abend Berlin Fazit: Schuppenflechte: Herz-Kreislauf-Risiken in den Blick nehmen

Viele Menschen, die an einer Schuppenflechte leiden, sind einem erhöhten Risiko für einen Herzinfarkt oder Schlaganfall ausgesetzt. 

Das gilt vor allem für Patienten, bei denen die entzündliche Hautkrankheit zu Gelenkbeschwerden führt. 

  • Die Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh) rät Betroffenen, Blutdruck und Blutfette regelmäßig ärztlich überprüfen zu lassen und auf eine gesunde Lebensführung zu achten. 

Das untermauert jetzt eine neue internationale Studie. 

Darüber hinaus sei für die Patienten qualifizierte ärztliche Versorgung durch den Rheumatologen unabdingbar, so die DGRh. 
 
Etwa zwei Millionen Menschen in Deutschland sind an einer Schuppenflechte, auch Psoriasis genannt, erkrankt.

Die silbrig schuppenden, rötlichen Stellen an Ellenbogen, Knie und am Haaransatz sind Ausdruck einer entzündlichen Erkrankung, die nicht auf die Haut beschränkt bleibt. 
  • So entwickeln fünf bis zehn Prozent der Menschen mit Psoriasis Gelenkbeschwerden, eine Psoriasis-Arthritis. 
„Die Psoriasis und die Psoriasis-Arthritis belasten wie alle anderen entzündlich-rheumatischen Erkrankungen den gesamten Körper, Betroffene sollten deshalb der vom Arzt verordneten Medikation zuverlässig folgen“, erläutert der Präsident der DGRh, Professor Dr. med. Hanns-Martin Lorenz.

 „Sie können darüber hinaus durch eine gesunde Lebensführung ihren Krankheitsverlauf positiv beeinflussen“.

Denn zudem entwickeln Menschen mit Psoriasis neben Haut- und Gelenksymptomen auch besonders häufig Krankheiten, die zum metabolischen Syndrom zählen: 

Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen oder Diabetes mellitus.

„Die Patienten haben mit der Entzündung und weiteren etablierten Risiken insgesamt ein erhöhtes Risiko für einen Herzinfarkt oder Schlaganfall“, erklärt der Leiter der Sektion Rheumatologie am Universitätsklinikum Heidelberg und medizinisch-wissenschaftliche Leiter des ACURA-Rheumazentrums Baden-Baden.

Mit diesen kardiovaskulären Risiken bei Psoriasis beschäftigt sich auch eine kürzlich veröffentlichte Untersuchung des International Psoriasis and Arthritis Research Teams (IPART). 

Lihi Leder von der Universität Toronto und seine Mitarbeiter haben in Nordamerika und Israel insgesamt 2254 Patienten mit Psoriasis untersucht, die meisten davon mit Gelenkbefall.

Die Patienten litten im Durchschnittsalter von 52 Jahren seit mehr als 20 Jahren unter einer Psoriasis, davon 14 Jahre mit Gelenkbeschwerden.

Die meisten Betroffenen hatten weitere gesundheitliche Probleme:

75 Prozent waren übergewichtig oder fettleibig, davon 54 Prozent mit einer ungünstigen Zunahme des Bauchumfangs.

45 Prozent der Patienten hatten einen Bluthochdruck, 49 Prozent zu hohe Blutfette, 17 Prozent waren aktuelle Raucher. In der IPART-Studie wiesen bereits 13,3 Prozent einen Typ 2-Diabetes auf, bei 6,5 Prozent waren die Herzkranzgefäße verengt. „Fast die Hälfte der Patienten hatte im Alter von Anfang 60 ein Risiko von mehr als zehn Prozent, innerhalb der nächsten zehn Jahre einen Herzinfarkt oder Schlaganfall zu erleiden“, berichtet der Experte.

  • „Diese Risikokonstellation für einen Herzinfarkt oder Schlaganfall beobachten wir auch bei unseren Patienten in Deutschland“, sagt Professor Lorenz. 

In der IPART-Studie wusste jeder dritte der Patienten mit Psoriasis nicht, dass seine Blutfette zu hoch sind und bei jedem fünften war der Bluthochdruck nicht bekannt.

  • Und von den Patienten, bei denen die Diagnose Bluthochdruck gestellt wurde, nahmen die meisten ihre Medikamente nicht oder nicht regelmäßig ein.
 „Behandelnde Ärzte müssen bei Psoriasis die möglichen Begleiterkrankungen wie Bluthochdruck oder eine Fettstoffwechselstörung regelmäßig diagnostisch abklären und gegebenenfalls behandeln“, resümiert Professor Lorenz. 

„Zudem ist es wichtig, Psoriasis oder Psoriasisarthritis optimal antientzündlich zu behandeln, Betroffene über die Erkrankungen des metabolischen Syndroms aufzuklären und sie in der Prävention zu unterstützen.“

Dafür sei qualifizierte fachärztliche Betreuung durch den Rheumatologen unabdingbar.
 
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Originalpublikation:
Literatur:
Eder L. et al. Gaps in Diagnosis and Treatment of Cardiovascular Risk Factors in Patients with Psoriatic Disease: An International Multicenter Study. Journal of Rheumatology 2018; 45: 378-384.

Traupe H, Robra BP, Robert Koch Institut (RKI). Schuppenflechte. Berlin: RKI; 2002. (Gesundheitsberichterstattung des Bundes; 11).

URL: http://edoc.rki.de/documents/rki_fv/reUzuR53Jx9JI/PDF/220ShwcFDLtSs_62.pdf
Zugriff am 24. September 2018.



360° TOP-Hinweis: Häufig unerkannt - Rheuma bei Schuppenflechte - Psoriasis-Arthritis

Medizin am Abend Berlin Fazit:  Frühzeitige Behandlung hilft vielen Patienten

Bis zu zehn Prozent aller Menschen mit Schuppenflechte entwickeln schmerzhafte Schwellungen an einem oder mehreren Gelenken – die sogenannte Psoriasis-Arthritis. Häufig bleibt diese rheumatische Erkrankung unerkannt. Aktuelle Studien zeigen, dass Ärzte die Symptome mit Medikamenten und engmaschigen Kontrolluntersuchungen nahezu vollständig unter Kontrolle bringen und damit den Patienten ein schmerzfreies Leben ermöglichen können – wenn Arzt und Patient die Krankheit rechtzeitig bemerken.
 
  • Viele Menschen, die an Schuppenflechte leiden, entwickeln zudem Gelenkbeschwerden, die sich mit den Jahren verschlimmern und immer schmerzhafter werden. 
  • Die Psoriasis-Arthritis äußert sich beispielsweise in Gelenk-, Sehnenscheiden-, Knochen- und Wirbelsäulenentzündungen. 

 „Das Gelenk wird, wie bei der rheumatoiden Arthritis, ohne Behandlung langfristig zerstört“, erläutert Professor Dr. med. Elisabeth Märker-Hermann, Direktorin der Klinik Innere Medizin IV: Rheumatologie, Klinische Immunologie, Nephrologie an den Helios Dr. Horst Schmidt Kliniken Wiesbaden.

Dennoch bleibe die Krankheit, die bei jedem zehnten Schuppenflechten-Patienten auftritt, häufig unerkannt. Dabei ist sie gut behandelbar: „Wird frühzeitig mit der Medikamentengabe begonnen, können viele Patienten ein schmerzfreies Leben führen“, so die DGIM-Expertin.

Genetische Faktoren spielen bei der Psoriasis und der Psoriasis-Arthritis eine entscheidende Rolle. 

Jährlich werden in großen internationalen Studien neue Gene gefunden, die Einfluss auf immunologische Abwehrreaktionen der Haut und auf Entzündungsvorgänge im Körper nehmen.

„Wir haben gelernt, dass Ärzte, vor allem Dermatologen und Rheumatologen, und Patienten bei einer Schuppenflechte immer auch rheumatische Gelenkentzündungen in Betracht ziehen müssen, um rechtzeitig reagieren zu können“, sagt Professor Märker-Hermann.

Damit könne den Patienten eine Doppelbelastung durch Haut- und Gelenkbeschwerden erspart bleiben.

  • Die eingesetzten Medikamente wirkten sich zudem positiv sowohl auf die rheumatischen Beschwerden als auch auf die Schuppenflechte aus.
  • In der Regel verschreiben Ärzte bei einer Psoriasis-Arthritis Rheuma-„Basis“-Medikamente, beispielsweise immunologisch wirksame Medikamente wie Methotrexat, Sulfasalazin und Leflunomid. 
Sehr gut wirksam sind die Biologika, welche den Botenstoff TNF-alpha hemmen.

Zudem sind in den letzten Monaten neue Medikamente zur Therapie der Haut und der Gelenke zugelassen worden.

Wegen der Wirkung auf das Immunsystem und möglicher Nebenwirkungen müssen die Patienten gut aufgeklärt werden.

 „Die Therapie darf aufgrund möglicher Nebenwirkungen nur unter engmaschiger Betreuung durchgeführt werden“, ergänzt Professor Dr. med. Gerd Hasenfuß, Vorsitzender der DGIM aus Göttingen:

„Ziel ist ein maximaler Gelenkschutz bei minimalen Risiken und Nebenwirkungen.“ 

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