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Sanitäts- und Rettungsdienst: Verlust großer Blutmengen - Blutstammzellen in Eile

Medizin am Abend Fazit:  Das Tempo bestimmt die Qualität

Weltweit erstmals beschreibt die Forschergruppe von Prof. Claudia Waskow an der Medizinischen Fakultät Carl Gustav Carus der Technischen Universität Dresden jetzt einen neuen Mechanismus, bei dem die Länge der G1-Phase des Zellzyklus die Fitness humaner Blutstammzellen beeinflusst. Die verkürzte G1-Phase sorgte in der Studie dafür, dass die Blutstammzellen über einen längeren Zeitraum und in größerer Anzahl kontinuierlich reife Blutzellen bildeten. Es ist vorstellbar, dass künftig die Stammzellfunktion durch eine Beschleunigung des Zellzyklustransits auch im menschlichen Körper verbessert werden kann. Die Arbeit wurde jetzt im “Journal of Experimental Medicine” veröffentlicht. 

Eine metaphorische Darstellung der Erkenntnis, dass der Zeitpunkt des G1-Phasenübergangs von zentraler Bedeutung für die weitere Bestimmung menschlicher hämatopoetischer Stammzellen ist.
Eine metaphorische Darstellung der Erkenntnis, dass der Zeitpunkt des G1-Phasenübergangs von zentraler Bedeutung für die weitere Bestimmung menschlicher hämatopoetischer Stammzellen ist. Nicole Mende / TU Dresden
 
Durch die regelmäßige Neubildung frischer Blutzellen wird sichergestellt, dass unser Immunsystem auch über einen langen Zeitraum hinweg funktionell bleibt und auf Stresssituationen wie Infektionen oder den Verlust großer Blutmengen reagieren kann.

Um dies zu bewältigen, besitzt unser Knochenmark sogenannte blutbildende oder hämatopoetische Stammzellen, welche die Fähigkeit besitzen, alle Immunzellen je nach Bedarf nachzubilden. 

Diese besondere Eigenschaft der Blutstammzellen wird auch bei klinischen Knochenmarktransplantationen genutzt, wo erkrankte Blutzellen – wie zum Beispiel Leukämiezellen – durch gesunde Zellen ersetzt werden.

Eine große Hürde für den Erfolg einer solchen Stammzelltransplantation ist jedoch nach wie vor die stark limitierte Anzahl der für den Empfänger verträglichen Spenderstammzellen. Daher ist es weiterhin von besonderer Bedeutung, die Funktion von Stammzellen im Körper besser zu verstehen, um Lösungen für dieses Problem zu finden.

Während schon vorher bekannt war, dass der Großteil hämatopoetischer Stammzellen normalerweise in einer Ruhephase verbleibt und ihre Funktionalität durch einen kontrollierten Übergang in die Zellteilung beeinflusst wird, war bisher nicht klar, ob die Länge einzelner Zellteilungsphasen das Verhalten von Blutstammzellen reguliert. Nicole Mende, die Doktorandin in der Forschergruppe von Prof. Waskow, die das Projekt maßgeblich bearbeitete, verkürzte nun mit Hilfe von Gentransfer spezifisch die Transitzeit durch die frühe G1-Phase humaner Blutstammzellen. 

Tatsächlich wurde die Erhaltung der Stammzellen nach Stressinduktion im Reagenzglas durch die G1-Phasen-Verkürzung stark verbessert. Weitaus wichtiger waren jedoch die Transplantationsexperimente in ein spezifisches Mausmodell, welche zeigten, dass sich die Funktion der behandelten Stammzellen auch im lebenden Organismus signifikant erhöht.

Interessanterweise zeigte eine ähnliche Manipulation des Zellzyklus, welche jedoch einen späteren Zeitpunkt der G1-Phase betrifft, genau gegensätzliche Effekte und einen schnellen Verlust der Stammzellenfunktion.

Diese Ergebnisse zeigen, dass eine ausgewogene Transitgeschwindigkeit durch die frühe und späte G1-Phase ein wichtiger Regulator der Blutstammzellfunktion ist, und daher wesentlich zum Erhalt der lebenslangen Blutneubildung beiträgt. 


Publikation:
Nicole Mende et al.: CCND1–CDK4–mediated cell cycle progression provides a competitive advantage for human hematopoietic stem cells in vivo; in: Journal of Experimental Medicine, Published July 6, 2015, doi: 10.1084/jem.20150308


Medizin am Abend DirektKontakt:

Technische Universität Dresden
Medizinische Fakultät Carl Gustav Carus
Prof. Dr. Claudia Waskow
Regeneration in der Hämatopoese
Institut für Immunologie
Tel.: +49(0)351 458 6448
E-Mail: claudia.waskow@tu-dresden.de
Internet: http://tu-dresden.de/Members/claudia.waskow
Konrad Kästner Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden


Herzinsuffizienz - Leitlinie für DMP - Disease-Management-Programm (DMP)

Medizin am Abend Fazit:  Herzinsuffizienz: IQWiG legt vorläufige Ergebnisse von Leitlinien-Recherche vor

Vorbericht identifiziert Empfehlungen für mögliches DMP / Stellungnahmen erbeten 



https://www.iqwig.de/download/V14-01_Vorbericht_Leitlinienrecherche-und-bewertung-fuer-ein-DMP-Chronische-Herzinsuffizienz.pdf 


 
Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hat heute, am 13. Juli 2015,  die vorläufigen Ergebnisse einer Recherche nach evidenzbasierten Leitlinien zur chronischen Herzinsuffizienz vorgelegt.

Bis zum 10. August können interessierte Personen und Institutionen Stellungnahmen zu diesem Vorbericht abgeben.

G-BA diskutiert eigenes DMP Herzinsuffizienz

Ziel des Berichts ist es, in aktuellen, methodisch hochwertigen Leitlinien diejenigen Empfehlungen zu identifizieren, die für ein Disease-Management-Programm (DMP) von Bedeutung sein könnten.

Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) zieht in Erwägung, ein eigenes DMP für chronische Herzinsuffizienz einzurichten und beauftragte deshalb das IQWiG mit der Recherche.

Bisher gibt es lediglich ein Modul Herzinsuffizienz innerhalb des DMP für koronare Herzkrankheit (KHK).

Viele Empfehlungen zu Therapie von Begleiterkrankungen

Breiten Raum nehmen in den Leitlinien – und im Vorbericht – Diagnostik und medikamentöse Therapie ein.

Einen weiteren Schwerpunkt bildet die Therapie von Begleiterkrankungen wie etwa KHK, Hypertonie oder Myokarditis.

Thematisiert werden aber auch 

interventionelle Maßnahmen: 
(z. B. kardiale Resynchronisationstherapie, 
implantierbare Kardioverter-Defibrillatoren),
spezielle Personengruppen mit Herzinsuffizienz
(Schwangere, Kinder und Jugendliche),
die dekompensierte Herzinsuffizienz oder
die Palliativversorgung bei terminaler Herzinsuffizienz.

 
Zum Ablauf der Berichtserstellung


Den vorläufigen Berichtsplan für dieses Projekt hatte das IQWiG im Januar 2015 vorgelegt und um Stellungnahmen gebeten. Diese wurden zusammen mit einer Würdigung und dem überarbeiteten Berichtsplan im April 2015 publiziert. Stellungnahmen zu dem jetzt veröffentlichten Vorbericht werden nach Ablauf der Frist gesichtet. Sofern sie Fragen offen lassen, werden die Stellungnehmenden zu einer mündlichen Erörterung eingeladen.

Weitere Informationen:

https://www.iqwig.de/de/projekte-ergebnisse/projekte/versorgungsqualitat/v14-01-... - zu Vorbericht und Stellungnahme

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Mundschleimhautzellen: Art und Zeit der Nahrungsaufnahme meiner Nahrungsaufnahme

Medizin am Abend Fazit:  Zellen im Takt

Leben unterliegt natürlichen Rhythmen wie beispielsweise dem Tag- und Nachtrhythmus oder jahreszeitlichen Temperaturschwankungen. Forschende der Vetmeduni Vienna haben nun gezeigt, dass sich auch menschliche Zellmembranen je nach Tageszeit anders zusammensetzen. Diese zyklischen Veränderungen in den Zellmembranen könnten Gesundheit und Krankheit wesentlich mit beeinflussen. Die Resultate wurden im Journal of Biological Rhythms veröffentlicht. 

Menschliche Zellmembranen sind morgens anders zusammengesetzt als abends.
Menschliche Zellmembranen sind morgens anders zusammengesetzt als abends.
Foto: Susanne Schwaiger
 
Fettsäuren sind wichtige Bestandteile von Zellmembranen.

Sie leiten Signale in die Zelle weiter und steuern Stoffwechselvorgänge im gesamten Körper. Thomas Ruf und Walter Arnold vom Forschungsinstitut für Wildtierkunde und Ökologie der Vetmeduni Vienna sind diesen zyklischen Schwankungen bei menschlichen Zellen nachgegangen.

„Nahezu alle physiologischen Vorgänge bei Mensch und Tier, wie Körpertemperatur oder Herzfrequenz, unterliegen tagesperiodischen Rhythmen, viele von ihnen zeigen auch jahresperiodische Schwankungen.

Wir wollten herausfinden, ob diese Rhythmen mit Veränderungen von Zellmembranen zusammenhängen können“, erzählt der Erstautor Ruf.

Die Forscher untersuchten ein Jahr lang die Mundschleimhautzellen von 20 Testpersonen. Alle Personen sammelten an einem bestimmten Tag im Monat alle drei Stunden ihre eigenen Mundschleimhautzellen, indem sie die Mundhöhle mehrmals täglich kräftig mit Wasser spülten und diese Lösungen in speziellen Röhrchen einfroren.

Zusammensetzung der Fettsäuren verändert sich mit der Tageszeit

Die Analyse der Zellmembranen zeigte klare tageszeitabhängige Rhythmen bei elf verschiedenen Fettsäuren.

Einige Fettsäuren waren nachts in höheren Mengen vorhanden, andere eher tagsüber. „Die zellulären Veränderungen haben eines gemeinsam, sie fanden bei allen Personen immer ungefähr zur gleichen Tageszeit statt. Es ist also ein klarer Rhythmus sichtbar“, erklärt Ruf.

„Aus der Tierphysiologie wissen wir, dass Tiere die Fettsäurenkomposition in ihren Zellmembranen an Umwelterfordernisse anpassen. Die Zusammensetzung unterliegt vor allem jahreszeitlichen Schwankungen. Bei den von uns untersuchten Personen zeigten sich zwar tageszeitliche Schwankungen, jahreszeitliche Schwankungen traten eher individuell auf.“

Anders als bei Wildtieren zeigte sich bei den Testpersonen kein klarer Jahresrhythmus im Fettsäuremuster. Bei etwa der Hälfte der Testpersonen gab es zwar jahresperiodische Rhythmen, sie verliefen aber nicht synchron. Bei manchen Testpersonen gab es einen Gipfel im Frühjahr oder Sommer, bei anderen war dieselbe Fettsäure im Herbst oder Winter erhöht.

„In westlichen Ländern nimmt der Einfluss der Jahreszeiten auf den Körper tendenziell ab.

Grund dafür sind künstliches Licht, das die Tage verlängert und lange Heizperioden, die Temperaturschwankungen mildern. Jahresrhythmen existieren zwar, werden aber nicht mehr mit der Jahreszeit synchronisiert“, so Ruf.

Bestimmte Krankheiten treten jahresperiodisch auf

Die von den Wissenschaftern entdeckte Umstrukturierung der menschlichen Zellmembranen könnte von medizinischer Bedeutung sein. Es ist bekannt, dass bestimmte Fettsäuren wie beispielsweise die Omega-3-Fettsäuren vor bestimmten Erkrankungen schützen, während andere, wenn sie im Übermaß aufgenommen werden, ungünstig sein können. Die Zusammensetzung der Fettsäuren in den Membranen könnte also verschiedenste gesundheitliche Auswirkungen haben.

„Möglicherweise erklärt sich daraus auch, warum bestimmte Krankheiten und Todesfälle tageszeitabhängig auftreten. Morgens kommt es statistisch gesehen häufiger zu Herzinfarkten als abends. Auch der der Blutdruck zeigt normalerweise vormittags einen Anstieg. Derzeit wissen wir nicht genau, was die Veränderungen in der Zusammensetzung der Zellmembran hervorruft.  

Die Art und Zeit der Nahrungsaufnahme könnte dabei eventuell auch eine Rolle spielen. Diese Fragen gilt es noch zu erforschen“, betont Ruf.

Möglicherweise ist es nicht nur wichtig gesundheitsfördernde Omega-3-Fettsäuren in Fischöl oder Ölsäure in Olivenöl in ausreichenden Mengen zu sich zu nehmen, sondern auch den richtigen Zeitpunkt zu wählen.

Ob dies tatsächlich der Fall ist, wollen die Forscher in Zukunft herausfinden.

Service:
Der Artikel „Daily and Seasonal Rhythms in Human Mucosa Phospholipid Fatty Acid Composition” von Thomas Ruf und Walter Arnold wurde in der internationalen Zeitschrift Journal of Biological Rhythms veröffentlicht. doi: 10.1177/0748730415588190
http://jbr.sagepub.com/content/early/2015/06/29/0748730415588190.full.pdf+html

Über die Veterinärmedizinische Universität Wien
Die Veterinärmedizinische Universität Wien (Vetmeduni Vienna) ist eine der führenden veterinärmedizinischen, akademischen Bildungs- und Forschungsstätten Europas. Ihr Hauptaugenmerk gilt den Forschungsbereichen Tiergesundheit, Lebensmittelsicherheit, Tierhaltung und Tierschutz sowie den biomedizinischen Grundlagen. Die Vetmeduni Vienna beschäftigt 1.300 MitarbeiterInnen und bildet zurzeit 2.300 Studierende aus. Der Campus in Wien Floridsdorf verfügt über fünf Universitätskliniken und zahlreiche Forschungseinrichtungen. Zwei Forschungsinstitute am Wiener Wilhelminenberg sowie ein Lehr- und Forschungsgut in Niederösterreich gehören ebenfalls zur Vetmeduni Vienna. Im Jahr 2015 feiert die Vetmeduni Vienna ihr 250-jähriges Bestehen. http://www.vetmeduni.ac.at


Medizin am Abend DirektKontakt 

Dr. Thomas Ruf
Forschungsinstitut für Wildtierkunde und Ökologie
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T 43 1 250 777 150
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Dr. Susanna Kautschitsch
Veterinärmedizinische Universität Wien (Vetmeduni Vienna)
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360° TOP-Thema: Mikrobiota - Wie die Darmflora Allergien verhindert

Medizin am Abend Fazit:   Wie die Darmflora Allergien verhindert

Der Körper jedes Menschen beherbergt eine einzigartige Kombination von Milliarden unterschiedlichster symbiotischer Bakterien, die Mikrobiota. Ein Verlust dieser bakteriellen Symbionten begünstigt die Entstehung von Allergien. Wissenschaftler des Helmholtz Zentrums München konnten dieses Phänomen in Zusammenarbeit mit Kollegen der Technischen Universität München und des Institut Pasteur aufklären und zeigen, wie die Mikrobiota auf das Gleichgewicht des Immunsystems wirkt: Die Anwesenheit der Mikroben blockiert spezifisch jene Immunzellen, die für das Auslösen von Allergien verantwortlich sind. Die Ergebnisse wurden im Fachjournal Science veröffentlicht. 

Die Mikrobiota im Darm (hier eine histologische Färbung eines Darm-Querschnitts) beeinflusst maßgeblich das Immunsystem des Wirts.
Die Mikrobiota im Darm (hier eine histologische Färbung eines Darm-Querschnitts) beeinflusst maßgeblich das Immunsystem des Wirts. Quelle: Dr. Caspar Ohnmacht, ZAUM
 
Der sogenannten Hygienehypothese zufolge besteht ein Zusammenhang zwischen der Abnahme von Infektionskrankheiten und der Zunahme von Allergien in industrialisierten Ländern.

Verbesserte Hygiene-Standards führen demnach zwangsläufig zu weniger Kontakt mit Mikroben, was mit einem erhöhten Auftreten von allergischen Erkrankungen und Autoimmunkrankheiten wie Typ-1-Diabetes einhergeht. 

Epidemiologische Studien haben diese Hypothese unterstrichen: 

Kinder entwickeln während ihres Lebens weniger Allergien, wenn sie in Kontakt mit Bauernhof-Tieren stehen – und dadurch auch mehr Kontakt mit Mikroben haben. 

Zudem zeigten experimentelle Studien mit Mäusen, dass der Einsatz von Antibiotika in den ersten Lebenstagen zum Verlust einer intakten Mikrobiota und daraufhin zu einem vermehrten Auftreten von Allergien führt.

Allerdings waren die Mechanismen, die diesem Phänomen zugrunde liegen, bisher noch nicht geklärt.

Darmflora entscheidend für die Verhinderung von Allergien

In der jetzt in Science publizierten Studie zeigt das Team um Dr. Caspar Ohnmacht vom Zentrum Allergie und Umwelt (ZAUM) der Technischen Universität München und des Helmholtz Zentrums München und Gérard Eberl, Leiter der Microenvironment and Immunity Unit am Institut Pasteur, dass symbiotische Darmbakterien das Immunsystem beeinflussen und dadurch allergische Reaktionen blockieren. Um den Organismus zu verteidigen, können verschiedene Immunantworten hervorgerufen werden.

Die Anwesenheit von Bakterien oder Pilzen verursacht eine Antwort von sogenannten Typ-3-Zellen des Immunsystems. Diese Immunzellen koordinieren dann die Phagozytose und das Abtöten der Mikroben.

Ist ein Erreger aber zu groß, um von den Typ 3 Zellen bekämpft zu werden – wie zum Beispiel parasitische Würmer und bestimmte allergieauslösende Stoffe – ist eine andere Gruppe von Zellen für die Beseitigung verantwortlich: die Typ 2 Zellen. 

Diese speziellen Immunzellen sind aber auch für allergische Reaktionen verantwortlich.

In der Studie zeigten die Wissenschaftler, dass Typ 3 Zellen, die bei einem mikrobiellen Kontakt aktiviert werden, direkt auf Typ 2 Zellen einwirken und ihre Aktivität blockieren.

Somit sind die Typ 2 Zellen nicht mehr in der Lage, allergische Immunantworten auszulösen. 

Durch ihren Einfluss auf die Typ 3 Zellen blockiert die Mikrobiota also indirekt die Typ 2 Immunantwort, so die Forscher.

Die Ergebnisse erklären, wie ein Ungleichgewicht in der Mikrobiota eine überschießende Typ 2 Immunantwort auslöst, die normalerweise für die Abwehr großer Parasiten eingesetzt wird – aber eben auch zu allergischen Antworten führen kann. 

„Die Studie stellt einen wichtigen Meilenstein dar, um das Gleichgewicht unserer unterschiedlichen Abwehrmechanismen besser zu verstehen“ ordnet Erstautor Caspar Ohnmacht die Ergebnisse ein.

„Ein bisher noch unerforschter therapeutischer Ansatz für die Behandlung von Allergien und anderen Typ 2 assoziierten Erkrankungen könnte darin bestehen, ein mikrobielles Antigen nachzuahmen, um dadurch Typ 3 Zellen zu aktivieren und so auch die allergieauslösenden Typ 2 Zellen zu blockieren.“

Weitere Informationen

Hintergrund:
Die Studie wurde gefördert von: L'Agence Nationale de la Recherche (French National Agency for Research), French Medical Research Foundation, Simone und Cino Del Duca Foundation, Europäische Kommission und „Integrative Biology of Emerging Infectious diseases“ Laboratory of Excellence. Dr. Ohnmacht wurde während der Studie durch ein EMBO longterm fellowship gefördert.

Original-Publikation:
Ohnmacht, C. et al. (2015). The microbiota regulates type 2 immunity through RORt+ T cells, Science, DOI: 10.1126/science.aac4263

Das Helmholtz Zentrum München verfolgt als Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt das Ziel, personalisierte Medizin für die Diagnose, Therapie und Prävention weit verbreiteter Volkskrankheiten wie Diabetes mellitus und Lungenerkrankungen zu entwickeln. Dafür untersucht es das Zusammenwirken von Genetik, Umweltfaktoren und Lebensstil. Der Hauptsitz des Zentrums liegt in Neuherberg im Norden Münchens. Das Helmholtz Zentrum München beschäftigt rund 2.300 Mitarbeiter und ist Mitglied der Helmholtz-Gemeinschaft, der 18 naturwissenschaftlich-technische und medizinisch-biologische Forschungszentren mit rund 37.000 Beschäftigten angehören. Das Helmholtz Zentrum München ist Partner im Deutschen Zentrum für Diabetesforschung e.V.

Das Zentrum Allergie und Umwelt (Leitung: Prof. Dr. Carsten Schmidt-Weber) in München ist eine gemeinsame Einrichtung von Helmholtz Zentrum München und Technischer Universität München. Die in der deutschen Forschungslandschaft einzigartige Kooperation dient der fachübergreifenden Grundlagenforschung und Verknüpfung mit Klinik und klinischen Studien. Durch diesen translationalen Ansatz lassen sich Erkenntnisse über molekulare Entstehungsmechanismen von Allergien in Maßnahmen zu ihrer Vorbeugung und Therapie umsetzen. Die Entwicklung wirksamer, individuell zugeschnittener Therapien ermöglicht betroffenen Patienten eine bessere Versorgung.

Die Technische Universität München (TUM) ist mit rund 500 Professorinnen und Professoren, 10.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und mehr als 37.000 Studierenden eine der forschungsstärksten Technischen Universitäten Europas. Ihre Schwerpunkte sind die Ingenieurwissenschaften, Naturwissenschaften, Lebenswissenschaften und Medizin, ergänzt um die Wirtschafts- und Bildungswissenschaften. Die TUM handelt als unternehmerische Universität, die Talente fördert und Mehrwert für die Gesellschaft schafft. Dabei profitiert sie von starken Partnern in Wissenschaft und Wirtschaft. Weltweit ist sie mit einem Campus in Singapur sowie Niederlassungen in Brüssel, Kairo, Mumbai, Peking und São Paulo vertreten. An der TUM haben Nobelpreisträger und Erfinder wie Rudolf Diesel und Carl von Linde geforscht. 2006 und 2012 wurde sie als Exzellenzuniversität ausgezeichnet. In internationalen Rankings gehört sie regelmäßig zu den besten Universitäten Deutschlands.

Medizin am Abend DirektKontakt 

Helmholtz Zentrum München - Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt (GmbH), Ingolstädter Landstr. 1, 85764 Neuherberg - Tel. +49 89 3187 2238 - Fax: +49 89 3187 3324 -

Dr. Caspar Ohnmacht, Helmholtz Zentrum München - Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt (GmbH), Zentrum Allergie und Umwelt (ZAUM), Ingolstädter Landstr. 1, 85764 Neuherberg - Tel. +49 89 3187 2556 - E-Mail: caspar.ohnmacht@tum.de

Weitere Informationen für international Medizin am Abend Beteiligte:
http://www.helmholtz-muenchen.de/ - Webseite Helmholtz Zentrum München

http://www.zaum-online.de/ - Webseite Zentrum Allergie und Umwelt

Immunglobulin A (IgA)-Antikörper Darm-Antikörper bleiben ein Leben lang gleich – trotz Infektionen und Antibiotika

Medizin am Abend Fazit:  Antikörper sind individuell und treu

MHH-Forscher: Darm-Antikörper bleiben ein Leben lang gleich – trotz Infektionen und Antibiotika / Wichtig für Impfstoff-Entwicklung / Nature Immunology veröffentlicht 

Irene Thomsen (rechts) und ihre Kollegin Dr. Maya Sethi, die ebenfalls an der Studie beteiligt war.
Irene Thomsen (rechts) und ihre Kollegin Dr. Maya Sethi, die ebenfalls an der Studie beteiligt war. "Foto: MHH/Kaiser"
 
Antikörper schützen den Körper vor Infektionen. Auch bei Impfungen spielen sie eine wichtige Rolle. Deswegen ist es für die Impfstoff-Entwicklung wichtig, ihre Bildung möglichst genau zu verstehen. Ein Team der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) um Professor Dr. Oliver Pabst hat jetzt in der Fachzeitschrift Nature Immunology berichtet, wie Immunglobulin A (IgA)-Antikörper im Darm gebildet und kontinuierlich an die Darmbakterien-Zusammensetzung angepasst werden. Professor Pabst war im MHH-Institut für Immunologie tätig und leitet seit März 2014 das Institut für Molekulare Medizin des Uniklinikums RWTH Aachen. Die Erstautorinnen Dr. Cornelia Lindener und Irene Thomsen, MHH-Institut für Immunologie, arbeiteten mit dem MHH-Institut für Medizinische Mikrobiologie zusammen.

Die Wissenschaftlerinnen haben Millionen von IgA-Gensequenzen aus Mäusen und Patienten untersucht, um Veränderungen im Antikörpermuster aufzuspüren – dem Muster, das so individuell ist wie ein Fingerabdruck. So entdeckten sie, dass sich die grundsätzliche Zusammensetzung der Darm-Antikörper im Laufe des Lebens kaum verändert, unabhängig von Infektionen und Antibiotika.

„Es war für uns unerwartet zu sehen, dass nach einem derart massiven Eingriff wie einer Antibiotika-Therapie ähnliche Antikörper gebildet werden wie vor der Behandlung. Wir hatten sehr unterschiedliche Antikörperprofile erwartet, da Antibiotika die Darmbakterien-Zusammensetzung stark verändern“, sagt Professor Pabst.

Ein weiteres Ergebnis: Früh nach der Geburt gebildete langlebige Gedächtniszellen bestimmen die Antikörperproduktion: Sie halten das Antikörpermuster aufrecht und passen es dynamisch an die aktuelle Darmbakterien-Zusammensetzung an.

Weitere Experimente zeigten, dass im Darm gebildete Immunzellen auch die Antikörper-Produktion in der Muttermilch bestimmen. 

So wird sichergestellt, dass die Muttermilch Antikörper enthält, die das Neugeborene vor Infektionen schützen und dessen Zusammensetzung der Darmbakterien kontrollieren.

„Grundsätzlich wussten wir schon lange von der Existenz dieser Gedächtniszellen. Im Darm scheinen diese aber – anders als bislang angenommen – quasi dauerhaft im Einsatz zu sein“, sagt Cornelia Linder.

Diese Ergebnisse werfen ein grundsätzlich neues Licht darauf, wie die Antikörper-Produktion reguliert wird. Weitere Arbeiten der Forscher sollen zeigen, wie diese Beobachtungen bei der Entwicklung von Schluckimpfstoffen beispielsweise gegen Durchfallerkrankungen berücksichtigt werden können.



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Professor Dr. Oliver Pabst, Telefon (0241) 80-85496, opabst@ukaachen.de, und Irene Thomsen, Telefon (0511) 532-9725, thomsen.irene@mh-hannover.de Stefan Zorn Medizinische Hochschule Hannover

360° TOP-Thema: Hämodialyse - Dialyse-Patienten und Therapie mit Statinen (CSE-Hemmer)?

Medizin am Abend Fazit:   Manche Dialyse-Patienten scheinen doch von Therapie mit Statinen zu profitieren

Differenzierter Blick offenbart individuelle Unterschiede
In einer wissenschaftlichen Arbeit, die Anfang Juni im renommierten Journal of the American College of Cardiology veröffentlicht wurde, haben sich Wissenschaftler des Universitätsklinikums Würzburg und der Universitätsmedizin Mannheim der Frage gewidmet, ob Hämodialyse-Patienten von der Therapie mit Statinen profitieren. Ein differenzierter Blick zeigt, dass diese Frage nicht einfach mit ja oder nein zu beantworten ist.

Entgegen dem Anschein zweier einschlägiger Studien scheint ein definierter Teil von Dialyse-Patienten tatsächlich von der Statin-Therapie zu profitieren.

Statine sind blutfettsenkende Substanzen, die hauptsächlich bei Fettstoffwechselstörungen eingesetzt werden, um den Cholesterinspiegel zu senken.

Sie werden auch als CSE-Hemmer (Cholsterinsyntheseenzymhemmer) bezeichnet. Während unbestritten ist, dass eine Therapie mit Statinen im Rahmen der Primär- und Sekundärprävention das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzinfarkt oder Schlaganfall reduziert, gilt dies nicht in gleichem Maße für Dialyse-Patienten.

Zu der Frage, ob die Therapie mit Statinen das Risiko Dialysepflichtiger Patienten für Herzinfarkt, Schlaganfall oder Tod aufgrund kardiovaskulärer Ursachen (als primärer kardiovaskulärer Endpunkt in den Studien definiert) reduziert, gibt es zwei große prospektive randomisierte, kontrollierte Studien, in denen die Effektivität von Statinen (Atorvastatin bei der so genannten 4D-Studie „Die Deutsche Diabetes Dialyse Studie“, Rosuvastatin bei der AURORA Studie) im Vergleich zum Placebo untersucht wurde. In beiden Studien konnte keine maßgebliche Schutzwirkung nachgewiesen werden.

Der Ursache, warum Statine bei Hämodialyse-Patienten nicht so gut zu wirken scheinen, sind die Wissenschaftler aus Würzburg und Mannheim auf den Grund gegangen. Sie haben dafür Patienten der 4D-Studie differenzierter angeschaut, und zwar bezüglich der „Herkunft“ ihres Cholesterins.

Cholesterin kann einerseits im Körper hergestellt werden, wird aber ebenso aus dem Darm aufgenommen.

Die Wissenschaftler bestimmten in einer nachträglichen (post-hoc) Auswertung der Daten von insgesamt 1.030 Teilnehmern der 4D-Studie deren individuelle Cholesterin-Aufnahmerate aus dem Darm, die sich aus dem Verhältnis zwischen Cholestanol zu Cholesterin im Blut ergibt. Entsprechend unterteilten sie das Kollektiv in drei Gruppen nach geringer, mittlerer und hoher Cholesterinaufnahme. 

Dabei entdeckten die Forscher, dass Hämodialyse-Patienten mit niedriger Cholesterin-Aufnahme durchaus von einer Therapie mit Atorvastatin profitieren (hazard ratio für den primären Endpunkt: 0,72; p = 0,049), während dies bei Patienten mit hoher Cholesterin-Aufnahme nicht der Fall ist (hazard ratio für den primären Endpunkt: 1,21; p = 0,287).

Es gibt also einen Zusammenhang zwischen der Herkunft des Cholesterins und dem Ansprechen auf Statine. 

Dies korrespondiert mit der Beobachtung, dass Statine die körpereigene Cholesterinsynthese hemmen, nicht aber die Cholesterinaufnahme aus dem Darm.

Die Ergebnisse legen nahe, eine Therapie von Hämodialyse-Patienten mit Statinen davon abhängig zu machen, ob es sich um Patienten mit hoher oder niedriger Cholesterin-Absorption handelt.  

Zwar ist die Bestimmung des Cholestanols noch nicht in allen Laboren ausreichend standardisiert, aber auch mit der Bestimmung einfacher genetischer Marker könnte es recht bald möglich sein, Patienten mit hoher und niedriger Cholesterinaufahme im Darm zu erkennen.

Alternativ empfiehlt sich das Konzept der kombinierten Lipid-Senkung bei Hämodialyse-Patienten mit einem Statin und einem Cholesterinabsorptionshemmer. 


Publikation
Intestinal cholesterol absorption, treatment with atorvastatin, and cardiovascular risk in hemodialysis patients.
Silbernagel G, Fauler G, Genser B, Drechsler C, Krane V, Scharnagl H, Grammer TB, Baumgartner I, Ritz E, Wanner C, März W.
J Am Coll Cardiol. 2015 Jun 2;65:2291-8
DOI: 10.1016/j.jacc.2015.03.551

4D-Studie
Die Deutsche Diabetes Dialyse (4D) Studie ist eine von zwei prospektiven, randomisierten, kontrollierten Studien, die die Effektivität einer Statin-Therapie bei Hämodialyse-Patienten untersucht hat. Insgesamt wurden 1.255 Patienten von März 1998 bis Oktober 2002 in die Studie eingeschlossen und bis August 2004 nachverfolgt, um zukünftige kardiovaskuläre Ereignisse zu erfassen. Die Studienteilnehmer wurden entweder mit Atorvastatin (20 mg) behandelt oder erhielten Placebo.


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Theodor-Kutzer-Ufer 1-3
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Deutschland
Baden-Württemberg


Dr. Eva Maria Wellnitz
Telefon: 0621 / 383-1159
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E-Mail-Adresse: eva.wellnitz@medma.uni-heidelberg.de

360° TOP-Aktuell: Startschuss für Universitäres Herzzentrum Berlin



Medizin am Abend Fazit:    Charité und Deutsches Herzzentrum Berlin intensivieren Zusammenarbeit 
 
Die Charité – Universitätsmedizin Berlin und das Deutsche Herzzentrum Berlin – Stiftung des bürgerlichen Rechts (DHZB) werden künftig noch enger zusammenarbeiten. 

Beide Institutionen bündeln ihre Expertise im Bereich der Herzmedizin als „Universitäres Herzzentrum Berlin“. Damit entsteht ein leistungsstarkes Zentrum der Krankenversorgung, Forschung und Lehre mit dem Ziel, eine national und international führende Stellung zu konsolidieren und weiter auszubauen. 

Das Universitäre Herzzentrum Berlin gründet sich auf einer optimal ausgestalteten räumlichen und personellen Kooperation der herzmedizinischen Einrichtungen der Charité und des DHZB.

Im Rahmen einer sich ergänzenden Leistungserbringung wird sich die Charité künftig auf das kardiologische Leistungsprofil konzentrieren und keine Betten mehr in der Herzchirurgie vorhalten. 

Im Gegenzug baut das DHZB seinen Schwerpunkt der herzchirurgischen Versorgung weiter aus und wird sein stationäres Leistungsprogramm der Kardiologie, mit Ausnahme der Kinderkardiologie, nicht fortführen.

In einer Grundsatzvereinbarung, der bereits der Stiftungsrat des DHZB am 3. Juni 2015 und der Aufsichtsrat der Charité am 9. Juli 2015 zugestimmt haben, sind die Elemente der Zusammenarbeit festgelegt.

Insbesondere die Neustrukturierung der Kardiologie und der Kardiochirurgie wird dazu führen, dass die Versorgungsqualität sowie die Bedingungen für exzellente Forschung im Bereich der Herzmedizin weiter verbessert werden können.

„Es entsteht ein einzigartiges Zentrum der universitären Spitzenmedizin, welches, basierend auf einer großen Patientenzahl, das gesamte Spektrum an kardiovaskulärer Diagnostik und Therapie, einschließlich der Herzmedizin für Kinder, mit den dafür erforderlichen Spezialisten vorhält und welches insbesondere für Patientinnen und Patienten mit komplexen oder seltenen Herz-Kreislauferkrankungen und auch bei schweren Erkrankungsverläufen eine deutliche überregionale Bedeutung einnehmen wird“, sagt Prof. Dr. Ulrich Frei, Ärztlicher Direktor der Charité.

Für alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werden die Charité und das DHZB auch im Rahmen des Universitären Herzzentrums Berlin attraktive und verlässliche Arbeitgeber bleiben.

Aufgrund der engen Nachbarschaft der Charité (Campus Virchow-Klinikum) und des DHZB soll an diesem Standort eine Schwerpunktbildung des Universitären Herzzentrums Berlin erfolgen, die sich unter anderem in einer räumlichen Konzentration der herzchirurgischen Leistungserbringung äußert.

Kardiologische Behandlungen erbringt das Zentrum an allen drei Charité-Standorten, also auch am Campus Benjamin Franklin und am Campus Charité Mitte. Die umfassende Zusammenführung von hoher Kompetenz und Sachverstand schafft für Patientinnen und Patienten unmittelbar verbesserte Behandlungsangebote, zugleich entstehen neue Optionen im Bereich der kardiovaskulären Forschung. Der Vorstandsvorsitzende der Charité Prof. Dr. Karl Max Einhäupl betont: „Mit dem Universitären Herzzentrum Berlin haben wir die Chance, uns im Spitzenbereich der international führenden Herz-Kreislaufzentren zu positionieren. Dies ist nicht nur für die beiden Einrichtungen, sondern auch für Berlin und seine Bürgerinnen und Bürger ein Gewinn.

Herausragende Mediziner und Wissenschaftler wie die Professoren Volkmar Falk, Holger Gerhard, Ulf Landmesser und Burkert Pieske sind in diesem Rahmen bereits neu berufen worden.”

Charité und DHZB streben langfristig eine Verschmelzung der herzmedizinischen Einrichtungen an.

Das mittelfristige Ziel besteht in der optimalen Ausgestaltung der in der Grundsatzvereinbarung niedergelegten Kooperation einschließlich der Umsetzung von notwendigen Umbau-, Umzugs- und Erweiterungsmaßnahmen.

Die einhergehende Erweiterung der Kapazitäten und des Leistungsspektrums macht das Universitäre Herzzentrum Berlin attraktiv für weitere Kooperationen und Forschungsverbünde. „Der Zusammenschluss von Charité und DHZB schafft beste Voraussetzungen, um Krankenversorgung, kardiovaskuläre Forschung und akademische Lehre auf höchstem Niveau betreiben zu können“, konstatiert Prof. Dr. Volkmar Falk, Direktor der Klinik für Herz-, Thorax- und Gefäßchirurgie und Vorstandsvorsitzender des DHZB. Er ergänzt: „Die Dimensionierung des Zentrums und die große Anzahl von behandelten Patientinnen und Patienten erlaubt die für exzellente Behandlungsergebnisse unabdingbare Subspezialisierung der Herz-Kreislaufmediziner.“ Charité und DHZB gehen mit dem Ausbau ihrer Zusammenarbeit einen modellhaften Weg im Sinne der weiteren Entwicklung der deutschen Herzmedizin.


Medizin am Abend DirektKontakt

Uwe Dolderer
Charité – Universitätsmedizin Berlin
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Medizinische Klinik für Kardiologie am Campus Benjamin Franklin

Medizinische Klinik mit Schwerpunkt Kardiologie und Angiologie

Medizinische Klinik mit Schwerpunkt Kardiologie der Charité am Campus

Virchow-Klinikum

Deutsches Herzzentrum Berlin



Typ1 - Diabetes-Risikotests verhindern Ketoazidose: Einladung zur Präventionsstudie

Medizin am Abend Fazit:   Diabetes-Risikotests verhindern Ketoazidose

Bei jedem dritten Krankheitsfall wird Typ 1 Diabetes erst aufgrund einer Ketoazidose, einer lebensgefährlichen Stoffwechselentgleisung, erkannt. Früherkennungstests könnten Ketoazidosen bei der Diagnose verhindern und ermöglichen die Teilnahme an einer Präventionsstudie.


Wenige Tropfen Blut reichen für die Diabetes-Risikobestimmung. Wenige Tropfen Blut reichen für die Diabetes-Risikobestimmung.
Institut für Diabetesforschung, Helmholtz Zentrum München
 
Die Ketoazidose ist die führende Todesursache bei Kindern mit Typ 1 Diabetes.

Der Diabetes verläuft über Monate – manchmal Jahre – unerkannt.

Symptome wie übermäßiger Durst, häufiges Wasserlassen oder starke Gewichtsabnahme treten erst auf, wenn schon 80 Prozent der Insulin produzierenden Betazellen in der Bauchspeicheldrüse durch den Angriff der körpereigenen Antikörper zerstört sind und der Körper den Blutzucker nicht mehr regulieren kann.

Allerdings lassen sich im Blut schon Jahre vorher Autoantikörper nachweisen.

Diese Autoantikörper sind Indikatoren der Autoimmunerkrankung im Blut.  

Liegen mindestens zwei Autoantikörper vor, entwickeln nahezu 100 Prozent der Betroffenen innerhalb von 20 Jahren einen Typ 1 Diabetes, der durch Insulinzufuhr behandelt werden muss.

Dies ergaben Auswertungen des Instituts für Diabetesforschung, Helmholtz Zentrum München. Die Forscher sammelten und analysierten weltweit Daten zu 13.777 Studienteilnehmern aus Risikofamilien über einen Zeitraum von 20 Jahren.

Milder Verlauf bei früher Diagnose

„Leider beginnt die Laufbahn eines Typ 1 Diabetikers häufig auf der Intensivstation“, so Prof. Anette-Gabriele Ziegler, Direktorin des Instituts für Diabetesforschung und Inhaberin des Lehrstuhls für Diabetes und Gestationsdiabetes der Technischen Universität München. 

Dies ließe sich mit Hilfe eines einfachen Risikotests verhindern.

Daher hat die praktizierende Diabetologin und Diabetesforscherin das Pilotprojekt Fr1da unter Schirmherrschaft der Bayerischen Staatsministerin für Gesundheit und Pflege, Melanie Huml, initiiert. Bayernweit bieten Pädiater für Kinder im Alter zwischen zwei und fünf Jahren diesen einmaligen Bluttest an. „Die frühe Diagnose soll in erster Linie dazu dienen, lebensbedrohliche Ketoazidosen zu verhindern und die Familien mit psychologischer Unterstützung und mit Schulungsmaßnahmen auf die Erkrankung und ihre Therapie bestmöglich vorzubereiten“, sagt Ziegler. „Ein Inselautoantikörper-Screening kann das Auftreten von Ketoazidosen nachweislich verhindern und den Krankenhausaufenthalt bei Ausbruch des Typ 1 Diabetes verkürzen. Außerdem lässt sich ein Diabetes besser behandeln, wenn er frühzeitig diagnostiziert wird“.

Kostenloser Risikotest für Verwandte von Betroffenen

Junge Verwandte von Typ 1 Diabetikern können ebenfalls von einem Risikotest profitieren: Diesen Risikopersonen bietet das Institut für Diabetesforschung in Zusammenarbeit mit dem internationalen Forschungsprogramm TrialNet (Natural History Study, NHS) eine kostenlose Blutuntersuchung an, sofern sie nicht älter als 20 Jahre beziehungsweise bei erstgradiger Verwandtschaft nicht älter als 45 Jahre sind.

Ebenso wie bei Fr1da wird Blutserum auf vier Autoantikörper untersucht, die einen Typ 1 Diabetes ankündigen: 

Autoantikörper gegen das Insulin (IAA),
gegen Glutamat-Decarboxylase (GADA),
Tyrosin-Phosphatase (IA2-A) und
gegen den Zinktransporter 8 (ZnT8-A).

Ein genetischer Test ermittelt außerdem, ob Diabetes-Risikogene vorliegen.

Prävention von Typ 1 Diabetes

Wer um sein Erkrankungsrisiko weiß, hat gegebenenfalls die Möglichkeit, an einer Präventionsstudie des Instituts für Diabetesforschung teilzunehmen. Präventionsstudien verfolgen das Ziel, entweder den Krankheitsausbruch zu verhindern oder hinauszuzögern oder zumindest den Krankheitsverlauf positiv zu beeinflussen. Abhängig davon, wie weit die Autoimmunität bereits fortgeschritten ist, richten sie sich an verschiedene Zielgruppen:

• Studien zur Primärprävention: Impfstudien mit Insulin sollen bei Risikopersonen, die noch keine Autoantikörper gebildet haben, die Entstehung von Typ 1 Diabetes verhindern. (PrePoint-Studie)

• Studien zur Sekundärprävention: Bei Personen, bei denen Autoantikörper im Blut nachweisbar, jedoch noch keine Symptome aufgetreten sind, soll der Autoimmunprozess aufgehalten werden. (Oral Insulin Studie, ABATACEPT-Studie)

• Studien zur Tertiärprävention: Bei Personen mit neu diagnostiziertem Typ 1 Diabetes soll die Restfunktion der Betazellen möglichst lange erhalten werden. (Albiglutide-Studie)



Medizin an Abend DirektKontakt

Wer sich für eine Typ 1 Diabetes-Präventionsstudie und/oder einen Diabetes-Risikotest interessiert, kann sich unverbindlich an das Institut für Diabetesforschung wenden unter:

Tel. 0800 - 828 48 68 (kostenfrei)
E-Mail: prevent.diabetes@lrz.uni-muenchen.de 


Kölner Platz 1
80804 München
Deutschland
Bayern
E-Mail-Adresse: christine.huber@lrz.uni-muenchen.de

Cordula Falk
Telefon: +49 (0)89-3187-3157
Fax: +49 (0)89-3187-3144
E-Mail-Adresse: cordula.falk@lrz.uni-muenchen.de

Forschergruppe Diabetes der Technischen Universität München
Weitere Informationen für international Medizin am Abend Beteiligte:
http://www.helmholtz-muenchen.de/idf/studienuebersicht/index.html

Lungengesundheit bei Rauchern COPD ( - 80%)

Medizin am Abend Fazit:  Auch ohne Beschwerden – Mehrzahl der Raucher ist lungenkrank

Große US-amerikanische Studie mit Heidelberger Beteiligung zur Lungengesundheit bei Rauchern zeigt: Trotz unauffälliger Lungenfunktion häufig schon deutliche Schäden mit Computertomographie erkennbar / Ergebnisse im Fachmagazin JAMA Internal Medicine erschienen 


Rauchen ist die Hauptursache für die chronisch-obstruktive Lungenerkrankung.
Rauchen ist die Hauptursache für die chronisch-obstruktive Lungenerkrankung.  Universitätsklinikum Heidelberg
 
Deutlich mehr Raucher als bisher angenommen – rund 80 anstatt der mit gängigen Diagnosetests ermittelten ca. 50 Prozent – entwickeln eine sogenannte chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD), die mit fortschreitenden Lungenschäden einhergeht.

Das ist das Ergebnis einer Studie der führenden US-amerikanischen Lungenfachklinik National Jewish Health mit mehr als 8.800 Rauchern, an der auch ein Radiologe des Universitätsklinikums Heidelberg beteiligt war. Professor Dr. Hans-Ulrich Kauczor, Ärztlicher Direktor der Klinik für Diagnostische und Interventionelle Radiologie, wertete computertomographische Aufnahmen der Studienteilnehmer aus.

Selbst bei Rauchern, deren Lungenfunktionstest unauffällig ausfiel und die daher als gesund eingestuft wurden, fand der Experte Gewebeschäden:

„Das Ergebnis zeigt ganz klar: Die Mehrheit der Raucher ist chronisch lungenkrank – auch wenn viele von ihnen nichts bemerken und davon ausgehen, dass es sie nicht betrifft.

Aber ohne Behandlung schreitet die COPD unaufhaltsam weiter fort.“

Professor Kauczor hat sich auf die Weiterentwicklung der Lungenbildgebung spezialisiert und leitet die „Imaging-Plattform“ am Deutschen Zentrum für Lungenforschung. Die Studie ist nun im renommierten Fachjournal JAMA Internal Medicine erschienen.

An einer COPD leiden in Deutschland rund acht Millionen Menschen, jedes Jahr sterben über 100.000 an den Folgen des schleichenden Lungenversagens. 

 „Die COPD ist eine – jedenfalls hierzulande – größtenteils vermeidbare Erkrankung“, betont der Lungenexperte Professor Dr. Felix Herth, Chefarzt der Abteilung Pneumologie und Beatmungsmedizin der Thoraxklinik am Universitätsklinikum Heidelberg. „Rund 90 Prozent der Betroffenen sind oder waren Raucher.“ Häufig leidet die Lunge lange unbemerkt, Symptome wie Kurzatmigkeit oder morgendlicher Husten werden oftmals nicht ernst genommen. Hat sich das Lungengewebe aber erst einmal krankhaft verändert, kann dies nicht mehr rückgängig gemacht werden. Je früher die Therapie einsetzt, desto besser können weitere Schäden hinausgezögert werden.

Eine Heilung ist nicht möglich.

Folgen langjährigen Rauchens auf die Lunge bisher unterschätzt

Zur Diagnose einer COPD wird in der Regel ein Lungenfunktionstest, die Spirometrie, herangezogen. Dabei wird u.a. gemessen, wie viel Luft die Patienten einatmen und in einer Sekunde ausatmen können. Dass damit die Folgen langjährigen Rauchens auf die Lunge bisher gravierend unterschätzt wurden, hat die Studie des National Jewish Health nun eindrucksvoll belegt.

Die Wissenschaftler um Professor Dr. James Crapo und Dr. Elisabeth Regan vom National Jewish Health in Denver untersuchten 8.872 aktive und ehemalige Raucher im Alter zwischen 45 und 80 Jahren. Alle hatten mindestens zehn Jahre lang mindestens eine Packung Zigaretten pro Tag (zehn Packungsjahre), die meisten deutlich mehr geraucht. Bei rund der Hälfte der Teilnehmer fanden sich beim Lungenfunktionstest keine Anzeichen einer COPD. Ihre Lungen wurden als gesund eingestuft.

Zusätzliche Untersuchungen zeichneten allerdings ein anderes Bild: Bei 42 Prozent der zuvor als gesund eingestuften Teilnehmer zeigten CT-Untersuchungen Veränderungen der Atemwege oder aufgeblähte Lungenabschnitte (Emphysem). 23 Prozent litten unter Atemnot, 15 Prozent schafften beim Gehtest weniger als 350 Meter in sechs Minuten. In einem Fragebogen überschritt ein Viertel von ihnen einen Wert, der eine klinisch relevante Einschränkung der Lebensqualität markiert. Insgesamt war bei mehr als der Hälfte (55 Prozent) die Lungengesundheit in irgendeiner Form beeinträchtigt. Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass dies frühe Anzeichen einer COPD sind.

Bei ersten Beschwerden Lungengewebe bereits irreversibel geschädigt

Was das für die Lunge bedeutet, erklärt Professor Herth: „Bei Einschränkungen im Lungenfunktionstest gehen wir davon aus, dass bereits ein Viertel des Lungengewebes zerstört ist. Bis dahin ist viel Raum für erhebliche Schäden, die Betroffene nicht bewusst wahrnehmen oder wahrnehmen wollen. Hier gilt es, durch entsprechende Beratung zu sensibilisieren.“ Außerdem sollte bei Rauchern die Therapie der COPD, z.B. in Form von Sprays zum Inhalieren, bei entsprechenden Beschwerden schon früher als bisher einsetzen, auch wenn der Lungenfunktionstest noch keinen Anlass zur Sorge gibt. „Voraussetzung ist allerdings, dass der Patient das Rauchen aufgibt, sonst hat die Behandlung ohnehin keinen Erfolg“, so der Lungenspezialist.

Literatur:
Clinical and Radiologic Disease in Smokers With Normal Spirometry: Elizabeth A. Regan, MD et al.; JAMA Intern Med. Published online June 22, 2015. doi:10.1001/jamainternmed.2015.2735

Medizin am Abend DirektKontakt:

Prof. Dr. Hans-Ulrich Kauczor
Ärztlicher Direktor
Klinik Diagnostische und Interventionelle Radiologie
Tel.: 06221 56-6410 (Sekretariat)
E-Mail: hu.kauczor@med.uni-heidelberg.de

Prof. Dr. Felix Herth
Ärztlicher Direktor
Chefarzt Innere Medizin – Pneumologie
Thoraxklinik am Universitätsklinikum Heidelberg
Tel. 06221 396-1200
E-Mail: felix.herth@med.uni-heidelberg.de
Julia Bird Universitätsklinikum Heidelberg

Universitätsklinikum und Medizinische Fakultät Heidelberg
Krankenversorgung, Forschung und Lehre von internationalem Rang

Das Universitätsklinikum Heidelberg ist eines der bedeutendsten medizinischen Zentren in Deutschland; die Medizinische Fakultät der Universität Heidelberg zählt zu den international renommierten biomedizinischen Forschungseinrichtungen in Europa. Gemeinsames Ziel ist die Entwicklung innovativer Diagnostik und Therapien sowie ihre rasche Umsetzung für den Patienten. Klinikum und Fakultät beschäftigen rund 12.600 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und engagieren sich in Ausbildung und Qualifizierung. In mehr als 50 klinischen Fachabteilungen mit ca. 1.900 Betten werden jährlich rund 66.000 Patienten voll- bzw. teilstationär und mehr als 1.000.000 mal Patienten ambulant behandelt. Das Heidelberger Curriculum Medicinale (HeiCuMed) steht an der Spitze der medizinischen Ausbildungsgänge in Deutschland. Derzeit studieren ca. 3.500 angehende Ärztinnen und Ärzte in Heidelberg.

Weitere Informationen für international Medizin am Abend Beteiligte:
http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/63226/Viele-Raucher-haben-unterschwellige-... Artikel im Deutschen Ärzteblatt

http://www.eurekalert.org/pub_releases/2015-06/njh-mos061915.php Abstract

Kohärenztomografie (OCT): Einführung einer innovativen Diagnosetechnik an der Charité – Universitätsmedizin Berlin

Medizin am Abend Fazit:    Brillante Bilder aus dem Inneren des Herzenz



Als eine der ersten Universitätskliniken in Deutschland bietet die Charité Herzpatienten ein hochpräzises Verfahren zur Diagnostik an. Die neue Untersuchungstechnik kombiniert während einer Herzkatheteruntersuchung Daten aus klassischer Angiographie und optischer Kohärenztomographie mit Befunden über die Blutflussgeschwindigkeit in den Herzkranzgefäßen. 


http://forschung.deutsche-rentenversicherung.de/ForschPortalWeb/ressource?key=Arbeitsbuch%20Reha-Ziele.pdf 


Die so entstehenden dreidimensionalen Live-Bilder direkt aus dem Herzen ermöglichen genaue Einschätzungen über den Zustand der koronaren Gefäße.


OCT-Bild eines Herzkranzgefäßes mit Darstellung einer Koronarplaque. Bild: Charité – Universitätsmedizin Berlin

http://kardio-cbf.charite.de/klinik/leistungsspektrum/invasive_kardiologie_und_angiologie/optische_kohaerenztomographie_oct/


Etwa 5,5 Millionen Menschen leiden an einer koronaren Herzerkrankung. Die Wahrscheinlichkeit, eine solche im Laufe des Lebens zu entwickeln, liegt für Männer bei 50, für Frauen bei 32 Prozent. Ursache der Erkrankung sind Verengungen der Herzkranzgefäße, jener Gefäße, die das Herz mit Blut und Sauerstoff versorgen. Gefäßverkalkungen, sogenannte Plaques verursachen eine Minderversorgung des Herzens, im schlimmsten Fall einen Infarkt.

„Unser Ziel ist es, frühzeitig gefährliche Veränderungen der Herzkranzgefäße zu erkennen, um so einen drohenden Infarkt oder Schaden für den Herzmuskel zu verhindern“, sagt Prof. Dr. Ulf Landmesser, Direktor der Medizinischen Klinik für Kardiologie am Charité Campus Benjamin Franklin. Bislang spüren Herzmediziner Gefäßverengungen hauptsächlich mittels Angiographie auf, einer Art Röntgenaufnahme der Herzkranzgefäße. Die optische Kohärenztomografie (OCT) basiert auf Infrarotlicht und zeigt die Gefäße aus dem Inneren in einer deutlich höheren Auflösung.

In der Kombination entstehen Live-Darstellungen, die eine außergewöhnlich genaue Feindiagnostik im Gefäßinneren zulassen.

Das Gefäß wird über den wenige Millimeter messenden Katheter genau kartiert, simultan erzeugt der Computer aus allen Daten ein dreidimensionales Bild. 

Ergänzt werden die Darstellungen durch Druckmessungen, die Aufschluss über die Schwere von Durchblutungsstörungen geben. „Gefährliche Engstellen lassen sich so viel genauer einschätzen“, erklärt Prof. Landmesser, der ein großes Potential in dieser kombinierten hochauflösenden Bildgebung sieht. „Durch die zusätzlichen Informationen können wir unter Umständen auch Entwarnung geben.“

Weitere Chancen sieht der Kardiologe im Einsatz bei Forschungsarbeiten, um Diagnostik und Behandlung koronarer Herzerkrankungen voran zu bringen.


Medizin am Abend DirektKontakt

Prof. Dr. Ulf Landmesser
Direktor der Medizinischen Klinik für Kardiologie
Campus Benjamin Franklin
Charité – Universitätsmedizin Berlin
t: +49 30 450 513 702


http://kardio-cbf.charite.de/klinik/