Qualitätszirkel Nieren- und Dialysen

Kardiologie Potsdam

Cardiovascular Prevention Center @Charité

Herzinsuffizienz

Universitätzmedizin Rostock

Universitätsmedizin Greiswald

Alexianer St. Josephs Potsdam

Dialyse-Pflege-Standard

salt

PICS Ambulanz

Dr.Vetter

Woran erkranken wir in Deutschland?

BG Klinken - Post-COVID-Programm

Herz Check

EMA

Dr. Heart

Herzhose

Lauflabor

IKDT

Online Strafanzeigen

medpoint - Fortbildungskalendar

Was hab ich?

Healthtalk

BKV Info

BKG

KHS BB

KHS BB
.

Kardiologie

Urologie Berlin

bbgk

VEmaH

ProBeweis

jkb

zurück ins leben

CRO

Gewebenetzwerk

Anamnese- und Untersuchungsbogen

Diagnostische Pfade

CIRS Bayern

Gender Medizin

idw

Einladung zur Studie: Traumatische Kindheitserlebnisse von Müttern

Medizin am Abend Fazit:  Wie kann man Mütter mit traumatischen Kindheitserlebnissen am besten unterstützen?

Gute Mutter-Kind-Beziehung verlangt Müttern mit Gewalterfahrungen mehr ab als unbelasteten Frauen / Neue Studie des Zentrums für Psychosoziale Medizin Heidelberg vergleicht zwei Konzepte zur psychischen Entlastung betroffener Mütter / Studienteilnehmerinnen gesucht 
 
Wie gehe ich mit meinem Kind richtig und vor allem liebevoll um? Diese Frage ist für Mütter, die in ihrer eigenen Kindheit oder Jugend Gewalt erfahren haben, nicht selbstverständlich aus dem Bauch heraus zu beantworten und kann ziemlich anstrengen, wie aktuelle Ergebnisse aus der Universitätsklinik für Allgemeine Psychiatrie Heidelberg zeigen. „Um es den betroffene Müttern etwas leichter zu machen, wollen wir nun im Rahmen einer neuen Studie spezielle Unterstützungsprogramme mit konkreten Tipps und Hilfe zur Selbsthilfe anbieten und prüfen“, sagt Professor Dr. Sabine Herpertz, Ärztliche Direktorin der Universitätsklinik für Allgemeine Psychiatrie. Interessierte Mütter, die in ihrer Kindheit oder Jugend Gewalt erfahren mussten und nun ein Kind im Grundschulalter haben, können sich ab sofort anmelden.

Traumatische Erlebnisse in der Kindheit oder Jugend können sich nicht nur auf die eigene seelische Gesundheit, sondern auch auf die Beziehung zum Nachwuchs auswirken, wie internationale Studien der letzten Jahre sowie Erfahrungsberichte von Klinikern zeigten. Warum? Eltern nehmen kindliche Signale wie Gesten, Mimik und Laute wahr, interpretieren sie intuitiv und können so auf die Bedürfnisse ihrer Kinder eingehen. Müttern, die in ihrer eigenen Kindheit Missbrauch, Misshandlungen oder Vernachlässigung erlebt haben, fällt dies häufig schwerer als unbelasteten Eltern.

Druck nehmen und zu mehr Sicherheit im täglichen Umgang mit dem Kind verhelfen

„Psychisch gesunde Frauen mit Gewalterfahrungen in der eigenen Kindheit unterscheiden sich in ihrer Empfänglichkeit für die Signale ihrer Kinder zunächst einmal kaum von Müttern ohne belastende Erfahrungen. Sie können sich aber, das zeigen unsere Untersuchungen, weniger auf ihre Intuition verlassen“, so die Psychiaterin. „Die Deutung der kindlichen Signale fordert ihnen viel Aufmerksamkeit ab.“ Das zeigten Messungen mit Hilfe der Magnetresonanztomographie (MRT): Bei den Frauen sind die Gehirnregionen, die wichtig sind, um sich bewusst in andere Menschen hineinzuversetzen, stärker ausgeprägt als bei unbelasteten Müttern. In diesen Bereichen muss ihr Gehirn mehr Arbeit leisten.

Dazu kommt, dass viele Mütter, die in ihrer Kindheit Gewalt erlebt haben, das eigene Verhalten ständig kritisch hinterfragen. Schließlich möchten sie mit den eigenen Kindern anders umgehen und diesen eine schöne Kindheit bereiten – eben alles richtig machen. „Die Frauen stehen unter enormem Druck im täglichen Umgang mit dem Kind. Hier benötigen wir dringend Unterstützungsangebote, damit die belastenden Lebenserfahrungen der Mütter nicht in anderer Form auf die Kinder übertragen werden“, so Herpertz. Dabei gehe es darum, den Müttern Sicherheit im täglichen Umgang mit ihrem Kind zu vermitteln und sie zu entlasten. Bewährt haben sich ein spezielles Interaktionstraining sowie Methoden der Stressbewältigung. Die Wirksamkeit dieser beiden Konzepte soll nun im Rahmen der neuen Studie verglichen werden.

Wie belastende Kindheitserfahrungen das Eltern-Sein erschweren

Die Studie ist Teil des von Heidelberg aus koordinierten Verbundprojekts „Von Generation zu Generation: Den Kreislauf der Misshandlung verstehen und durchbrechen (Understanding and Breaking the Intergenerational Cycle of Abuse, UBICA)“. Koordinator ist Professor Romuald Brunner, Stellvertretender Ärztlicher Direktor der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie Heidelberg. Ziel ist es, langfristige Auswirkungen belastender Kindheitserfahrungen besser zu verstehen – insbesondere in Hinblick auf die Elternrolle der Betroffenen – und Strategien zur Bewältigung und Prävention zu entwickeln, Eltern sinnvoll zu unterstützen und Kinder besser zu schützen. Das multizentrische Projekt wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung mit insgesamt zwei Millionen Euro gefördert.


Kontakt und Anmeldung zur Studie:

E-Mail: info.ubica@med.uni-heidelberg.de
Tel.: 06221 56-34438 (Bitte hinterlassen Sie Namen und Telefonnummer auf unserem Anrufbeantworter, wir rufen Sie zurück)
Julia Bird Universitätsklinikum Heidelberg


Medizin am Abend DirektKontakt

Professor Dr. Sabine Herpertz
Ärztliche Direktorin der Universitätsklinik für Allgemeine Psychiatrie Heidelberg
Tel.: 06221 56-22751
E-Mail: sabine.herpertz@med.uni-heidelberg.de

Universitätsklinikum und Medizinische Fakultät Heidelberg
Krankenversorgung, Forschung und Lehre von internationalem Rang

Das Universitätsklinikum Heidelberg ist eines der bedeutendsten medizinischen Zentren in Deutschland; die Medizinische Fakultät der Universität Heidelberg zählt zu den international renommierten biomedizinischen Forschungseinrichtungen in Europa. Gemeinsames Ziel ist die Entwicklung innovativer Diagnostik und Therapien sowie ihre rasche Umsetzung für den Patienten. Klinikum und Fakultät beschäftigen rund 12.600 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und engagieren sich in Ausbildung und Qualifizierung. In mehr als 50 klinischen Fachabteilungen mit ca. 1.900 Betten werden jährlich rund 66.000 Patienten voll- bzw. teilstationär und mehr als 1.000.000 mal Patienten ambulant behandelt. Das Heidelberger Curriculum Medicinale (HeiCuMed) steht an der Spitze der medizinischen Ausbildungsgänge in Deutschland. Derzeit studieren ca. 3.500 angehende Ärztinnen und Ärzte in Heidelberg.

Weitere Informationen für international Medizin am Abend Beteiligte:
http://www.ubica.de/ Homepage des Forschungsverbundes

https://www.klinikum.uni-heidelberg.de/UBICA.130356.0.html Über das Forschungsprojekt in Heidelberg

https://www.klinikum.uni-heidelberg.de/Klinik-fuer-Allgemeine-Psychiatrie.8791.0... Universitätsklinik für Allgemeine Psychiatrie Heidelberg

Neue Erkenntnisse zum Keuchhustenerreger - Bordetella pertussis

Medizin am Abend Fazit: 

 

Seit 2010 ist der Erreger des Keuchhustens weltweit wieder auf dem Vormarsch. Forscher vom Biozentrum der Universität Basel haben nun die Struktur und Funktionsweise eines wichtigen Membranproteins des Keuchhustenerregers untersucht. Dabei entdeckten sie, dass dessen Struktur anders ist als lange Zeit angenommen. Ihre in «Nature Communications» veröffentlichten Erkenntnisse liefern die Grundlage zur Entwicklung neuer Behandlungsmöglichkeiten von Keuchhusten. 

 
Zahlreiche winzige Proteinporen sitzen in der äusseren Membran des Keuchhustenerregers Bordetella pertussis. Durch diese Poren sondert der Erreger Proteine ab, mit denen er sich an die Schleimhäute der Atemwege anheftet und widerstandsfähige Biofilme bildet. 

Um zu verstehen, wie diese Membranproteine ihr Substrat befördern, haben sich die Strukturbiologen Prof. Timm Maier und Prof. Sebastian Hiller vom Biozentrum der Universität Basel eine dieser Poren genauer angeschaut.

Struktur des Membranproteins anders als vermutet

Membranen sind Barrieren im Kleinformat. Sie schirmen die Zelle von der Aussenwelt ab und schützen sie so. Dennoch können bestimmte Moleküle diese Barriere an speziell für sie eingerichteten Übergängen nach innen und nach aussen passieren. So einen Grenzposten stellt das Membranprotein FhaC im Keuchhustenkeim dar.

Es sitzt in der äusseren Hülle der Doppelmembran und schleust ein Protein – das Adhäsin FHA – durch die Membran aus der Zelle hinaus. Dieses Protein ermöglicht es dem Bakterium sich anzuheften und spielt daher eine wichtige Rolle in der Keuchhusteninfektion.

Bereits im Jahr 2007 wurde die Struktur sowie die Funktionsweise von FhaC in der Fachzeitschrift «Science» publiziert. Die damaligen Ergebnisse mussten nun teilweise revidiert werden. «Aufgrund unserer Daten kommen wir zu dem Schluss, dass die zuvor postulierte Struktur und Funktionsweise des FhaC-Proteins fehlerhaft war», sagt Maier. Gemeinsam mit den Autoren der damaligen Studie konnten die Forscher vom Biozentrum die Ergebnisse nun korrigieren.

«Unsere Untersuchungen haben ergeben, dass das FhaC-Protein entgegen der früheren Annahme die gleiche Architektur besitzt, wie solche Proteine, die neue Membranproteine einbauen», erklärt Maier. Die Strukturanalyse gab aber noch weitere Details preis. So verschliesst ein schraubenförmiger Proteinabschnitt die Pore wie ein Pfropfen. Wenn nun Adhäsin an das Membranprotein FhaC andockt, dann löst sich der Pfropfen und es gelangt durch die Pore nach aussen.

Grundlage für neue Therapien bei Keuchhusten

Keuchhusten ist in der Schweiz eine gut kontrollierte Erkrankung. Dennoch steigt die Zahl der Krankheitsfälle seit 2010 wieder an. Neue Therapieansätze sind deshalb gefragt. «Mit gezielten Hemmstoffen liesse sich die Funktion des FhaC-Proteins erheblich beeinträchtigen und so letztlich das Anheften der Keime an die Wirtszellen verhindern», erklärt Maier. «Der Vorteil liegt auf der Hand: Man kann auf Antibiotika verzichten und so Resistenzen vermeiden.» Die Strukturbiologen wollen dafür auch zukünftig weitere Grundlagen liefern. Sie möchten herausfinden, welche Rolle die einzelnen Proteinbestandteile beim Transport des Substrates spielen.

Originalbeitrag
Timm Maier, Bernard Clantin, Fabian Gruss, Frédérique Dewitte, Anne-Sophie Delattre, Françoise Jacob-Dubuisson, Sebastian Hiller & Vincent Villeret
Conserved Omp85 lid-lock structure and substrate recognition in FhaC
Nature Communications; published online 10 June 2015, doi: 10.1038/ncomms8452


Medizin am Abend DirektKontakt

Katrin Bühler Universität Basel

Petersgraben 35, Postfach
4001 Basel
Schweiz
Basel-Stadt


Reto Caluori
Telefon: 0041 61 267 24 95
Fax: 0041 61 267 30 13
E-Mail-Adresse: reto.caluori@unibas.ch


lic. phil. Christoph Dieffenbacher
Telefon: 0041 61 267 30 15
Fax: 0041 61 267 30 13
E-Mail-Adresse: ch.dieffenbacher@unibas.ch


Olivia Poisson
Telefon: 0041 61 267 24 25
E-Mail-Adresse: olivia.poisson@unibas.ch



Weitere Informationen für international Medizin am Abend Beteiligte:https://www.unibas.ch/de.html

Arbeiten Private Kliniken in Deutschland effizient?

Medizin am Abend Fazit:  

 

Zusatzlink als Fachthema: 

 

http://www.dkgev.de/media/file/20448.2015-06-24_PM-DKG_zu_bundesweitem_ver.di-Aktionstag_in_Krankenhaeusern.pdf

 

 

RWI: Private Kliniken arbeiten effizient und sind wichtig für Gesundheitsversorgung

Deutsche Krankenhäuser in privater Trägerschaft sind im Durchschnitt finanzkräftiger und arbeiten rentabler als freigemeinnützige oder öffentlich-rechtliche Krankenhäuser. Sie zahlen mehr Steuern und tätigen höhere Investitionen in die medizinische Infrastruktur als Krankenhäuser in anderer Trägerschaft. Weder in ihrer Ausstattung noch in der Qualität der Behandlung oder der Zufriedenheit der Patienten fallen sie hinter Kliniken anderer Träger zurück. An der Notfallversorgung beteiligen sich die privaten Grundversorger ebenso häufig. Zu diesen Ergebnissen kommt eine aktuelle Studie des RWI, die zahlreiche Krankenhaus-Kennziffern aus den Jahren 2005 bis 2013 ausgewertet hat. 
 
Private Krankenhäuser in Deutschland nehmen deutlich weniger öffentliche Fördermittel in Anspruch als Kliniken in freigemeinnütziger oder kommunaler Trägerschaft. Zudem zahlen sie aufgrund höherer Jahresüberschüsse höhere Steuern. Gleichzeitig lassen sich im Vergleich zu anderen Krankenhausträgern keine signifikanten Unterschiede in der Qualität der medizinischen Behandlung erkennen. Zu diesen und weiteren Ergebnissen kommt eine aktuelle Studie des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI), die auf einem Projekt im Auftrag des Bundesverbands Deutscher Privatkliniken e.V. (BDPK), Berlin, basiert.

Für die vom RWI in diesem Jahr nach 2009 und 2012 bereits zum dritten Mal herausgegebene Studie „Krankenhäuser in privater Trägerschaft" wurden zahlreiche Krankenhaus-Kennziffern aus den Jahren 2005 bis 2013 trägerspezifisch aufbereitet und ausgewertet. Datengrundlage sind die amtlichen Krankenhausdaten des Statistischen Bundesamts. Sie umfassten für das Jahr 2013 Daten von 1 487 Krankenhäusern, die sich an der GKV-Versorgung beteiligen, darunter 391 in privater, 607 in freigemeinnütziger und 489 in öffentlicher-rechtlicher Trägerschaft. Hinzu kommen Jahresabschlüsse der Krankenhäuser und Daten aus den Qualitätsberichten, vom Wissenschaftlichen Institut der AOKen und der Techniker Krankenkasse. Psychiatrische oder psychotherapeutische Krankenhäuser, reine Tages- und Nachtkliniken sowie Universitätskliniken wurden nicht in die Analysen mit einbezogen.

Hohe Ertragskraft privater Krankenhäuser ermöglicht höhere Investitionen

Die Wirtschaftlichkeit der privaten Krankenhausträger spiegelt sich unter anderem in ihrer Ertragskraft wider, die deutlich über der von nicht-privaten Krankenhäusern lag. Entsprechend waren nur 7% der privaten Krankenhäuser im Jahr 2013 nicht investitionsfähig, während der Wert bei den kommunalen bei 62% und bei freigemeinnützigen bei 40% lag. Betrachtet man den operativen Ertrag, den private Kliniken aus eigener Kraft, also ohne Fördermittel erzielen, wird der Abstand der Privaten zu den anderen Trägern noch größer.

Private Krankenhausträger können im Gegensatz zu nicht-gewinnorientierten Krankenhäusern privates Eigenkapital akquirieren, was ihre Investitionskraft deutlich steigert. Die größere Unabhängigkeit gegenüber kommunalpolitischen Entscheidungen macht es für das Management von privaten, aber auch von vielen freigemeinnützigen Krankenhäusern außerdem leichter, Rationalisierungspotenziale nicht nur zu identifizieren, sondern durch entsprechende Maßnahmen auch konsequent zu heben. Im Gegenzug müssen sie das eingesetzte Kapital vergüten.

Keine Unterschiede bei Behandlungsqualität und Patientenzufriedenheit

Zur Beurteilung der Behandlungsqualität wurden drei zentrale Indikatoren ausgewählt: Die Rate an postoperativen Wundinfektionen, die Rate an Todesfällen im Krankenhaus bei Leistungsbereichen, für die die Information vorliegt, und die Rate an Patienten mit Dekubitus bei Entlassung. Obwohl private Krankenhäuser im Durchschnitt ältere Patienten mit komplexeren Erkrankungen behandeln, lassen sich im Vergleich zu anderen Krankenhausträgern keine signifikanten Unterschiede in der medizinischen Behandlung erkennen. Auch die Patientenzufriedenheit unterscheidet sich nicht. Sie liegt laut Patientenbefragungen der Techniker Krankenkasse aus den Jahren 2006 bis 2013 für alle Träger bei durchschnittlich rund 77% bis 80%.

Die Zahl der Vollkräfte im Pflegedienst je 1 000 Fälle ist von 2005 bis 2012 bei allen Trägern zurückgegangen.

Die Werte liegen bei privaten und freigemeinnützigen Trägern jeweils leicht unter dem der öffentlich-rechtlichen. Unklar bleibt dabei, ob dieser Trend auf eine insgesamt gestiegene Produktivität zurückzuführen ist und ob der geringere Wert bei den Privaten mit einem generell höheren Effizienzniveau zu tun hat. Bei der Zahl der Pflegekräfte je Behandlungstag weisen private Krankenhäuser keine schlechtere Betreuungsrelation auf als andere Träger.

Private Kliniken sind wichtige Säule der Krankenhausversorgung

Krankenhäuser in privater Trägerschaft beteiligen sich ähnlich stark wie Kliniken anderer Träger an der Bereitstellung der medizinischen Infrastruktur für eine bedarfsgerechte und flächendeckende Krankenhausversorgung. Bezogen auf die Zahl der Krankenhäuser hat sich zwischen 2005 und 2012 der Anteil der privaten Krankenhäuser um 7,4%-Punkte, bezogen auf die Zahl der Betten um 5,7%-Punkte und bezogen auf die Zahl der Fälle um 5,6%-Punkte erhöht.

Offenbar haben die Privaten also im Durchschnitt kleinere Krankenhäuser übernommen.

18% der privaten Krankenhauskapazitäten lagen 2012 in ländlichen Regionen. 

Bei den kommunalen lag der Anteil bei 19%, bei den freigemeinnützigen Krankenhäusern bei 7%. Private Träger wiesen also ein fast ähnlich hohes Niveau der ländlichen Versorgung auf wie kommunale Träger.

Ob eine Klinik eine Notfallversorgung anbietet, hängt neben der Krankenhausgröße vor allem vom Spezialisierungsgrad und dem Versorgungstyp ab.

Unter den Grundversorgern nimmt fast jedes Krankenhaus, gleich welcher Trägerschaft, an der Notfallversorgung teil. Bei den Spezialversorgern, von denen sich vergleichsweise mehr in privater Hand befinden, fällt die Beteiligung an der Notfallversorgung trägerübergreifend naturgemäß insgesamt geringer aus.

Im Bereich der Intensivbetten zeigt sich, dass private Krankenhäuser einen überdurchschnittlichen Beitrag zur Behandlung von schwer erkrankten Patienten und somit auch zur Sicherstellung der (Notfall-) Versorgung leisten.


Medizin am Abend DirektKontakt


Dr. Boris Augurzky (RWI), Tel.: (0201) 81 49-203
Katharina Fischer (Tel.: (0201) 81 49-244
Katharina Brach Rheinisch-Westfälisches Institut für Wirtschaftsforschung e.V.


Diesem Beitrag liegt die Studie „Krankenhäuser in privater Trägerschaft 2015“ zugrunde. Sie ist als Heft 89 in der Reihe „RWI Materialien“ erschienen.

Weitere Informationen für international Medizin am Abend Beteiligte:
http://www.rwi-essen.de/media/content/pages/publikationen/rwi-materialien/rwi-ma... - RWI Materialien Heft 89 "Krankenhäuser in privater Trägerschaft"

360° TOP-Thema: Bilharziose- Bandwürmern

Medizin am Abend Fazit:     Bandwürmern auf der Spur

Der Würzburger Professor Klaus Brehm bekommt 750.000 Euro für ein neues Forschungsprojekt über Bandwürmer. Seine Arbeit kann Fortschritte bei der Bekämpfung von Wurminfektionen, aber auch in ganz anderen Bereichen der Medizin bringen. 

Kopf eines Fuchsbandwurms: Mit Saugnäpfen und Hakenkranz (rot) verankert sich der Parasit im Darm seines Wirtes. Grün angefärbt sind spezielle „Nierenzellen“, die der Entwässerung des Kopfes dienen. Kopf eines Fuchsbandwurms: Mit Saugnäpfen und Hakenkranz (rot) verankert sich der Parasit im Darm seines Wirtes. Grün angefärbt sind spezielle „Nierenzellen“, die der Entwässerung des Kopfes dienen.
(Bild: Uriel Koziol)
 
Parasitische Würmer sind weltweit ein großes Problem, vor allem in ärmeren Ländern. In tropischen Regionen zum Beispiel leiden Millionen von Menschen an Bilharziose.

Im Lauf dieser Infektionskrankheit schädigen die Würmer die Leber und andere Organe. 


Sogar Krebs können sie auslösen.

Millionen von Menschen sind mit Bandwürmern infiziert. Besonders gefährlich:

Hunde- und Fuchsbandwürmer. Ihre Larven setzen sich in der Lunge, der Leber oder im Gehirn fest. Dort wachsen sie, ähnlich wie Tumoren, über Jahre hinweg zu teils handballgroßen Zysten heran. Blindheit, Epilepsie oder Leberversagen können die Folgen sein; ohne Behandlung endet die Infektion in der Regel tödlich.

Gegen diese Erreger gibt es bislang keine Impfstoffe und nur ein sehr begrenztes Repertoire an Medikamenten. 

Bandwurmzysten etwa lassen sich mit einer lebenslangen Chemotherapie nur in Schach halten. Sobald man mit der Behandlung aufhört, wachsen sie einfach weiter. In Deutschland infizieren sich jedes Jahr rund 50 Menschen mit dem Fuchsbandwurm. Im weltweiten Vergleich erscheint das wenig – was für die Betroffenen aber kein Trost ist.

Wellcome Trust fördert Forschungskonsortium

Ein internationales Forschungskonsortium will nun neue Strategien zur Bekämpfung von Bilharziose und Bandwürmern finden. Der Wellcome Trust, der größte private britische Förderer von biomedizinischer und tierärztlicher Forschung, unterstützt das Projekt: Er fördert die „Initiative zur Erforschung des funktionalen Genoms von Plattwürmern“ mit einem Strategic Award über fünf Millionen Euro. Das Projekt geht voraussichtlich Ende 2015 an den Start und läuft fünf Jahre.

Rund 750.000 Euro von der Fördersumme fließen ans Institut für Hygiene und Mikrobiologie der Universität Würzburg, in das Team des Bandwurm-Experten Professor Klaus Brehm. Das Geld ist hoch willkommen, denn: „In der Infektionsforschung liegen wir mit dem Wissen über Wurmparasiten weit zurück“, so Brehm.

Das komme daher, dass das Erbgut der Erreger lange nicht entschlüsselt war.

Außerdem fehlen Methoden, um die Genfunktionen der Würmer im Labor zu analysieren. Das aber wäre nötig, um Angriffspunkte für Medikamente oder Impfstoffe zu finden.

Genfunktionen der Würmer untersuchen

Immerhin: Seit 2013 ist die DNA von vier Bandwurmarten entziffert. Brehm war an dieser Arbeit beteiligt. Sie wurde ebenfalls vom Wellcome Trust gefördert und ist im Fachblatt „Nature“ publiziert. „Jetzt müssen wir Methoden entwickeln, mit denen sich die Gene der Würmer manipulieren lassen. Denn man muss ein Gen ausschalten können, um seine Funktion zu verstehen.“

Brehm bezeichnet das Vorhaben als „Hochrisikoprojekt“ – es ist so anspruchsvoll, dass die Wissenschaftler nach der Projektlaufzeit ohne Ergebnis dastehen könnten. „Wenn wir aber Erfolg haben, bringen wir die Forschung auf diesem Gebiet ganz entscheidend voran“, sagt der Würzburger Professor.

Perfekt vor dem Immunsystem getarnt

Die Wissenschaftler haben nicht nur neue Medikamente und Impfstoffe im Blick. 

Für sie sind vor allem die Zysten der Bandwürmer noch aus einem anderen Grund interessant: Die gefährlichen Gebilde stecken wie perfekt transplantierte Organe im Körper des Menschen, das Immunsystem kann ihnen nichts anhaben.

„Wie schaffen es die Würmer, sich so gut zu tarnen? Wenn wir das herausfinden, könnte das Fortschritte für die Organtransplantation bedeuten“, meint Brehm. Denkbar wäre es, transplantierte Organe entsprechend zu tarnen und sie damit vor dem Angriff des Immunsystems zu schützen. Auch die Behandlung von Allergien und Autoimmunkrankheiten könnte davon profitieren, wenn man versteht, mit welchen Strategien die Würmer das Immunsystem auf Abstand halten.

Die Namen der Projektpartner

Die Federführung des Projekts FUGI (Flatworm Functional Genomics Initiative) liegt bei Professor Karl Hoffmann von der Aberysthwyth University in Großbritannien.

Beteiligt sind außerdem Matthew Berriman (Wellcome Trust Sanger Institute, Großbritannien), Ludovic Vallier (Universität Cambridge, Großbritannien), Professor Christoph Grunau (Universität Perpignan und Centre National de la Recherche Scientifique, Frankreich), Professor Klaus Brehm (Universität Würzburg), James Collins (University of Texas Southwestern Medical Center, USA), und Professor Paul Brindley (George Washington University, USA).

Nature-Publikation zum Bandwurm-Erbgut

“The genomes of four tapeworm species reveal adaptations to parasitism”, Nature 496, 57-63, 4. April 2013, DOI: 10.1038/nature12031






Professor Klaus Brehm von der Uni Würzburg.
Professor Klaus Brehm von der Uni Würzburg. (Foto: privat)


Medizin am Abend DirektKontakt

Prof. Dr. Klaus Brehm, Institut für Hygiene und Mikrobiologie, Universität Würzburg, T (0931) 31-46168, kbrehm@hygiene.uni-wuerzburg.de
Robert Emmerich Julius-Maximilians-Universität Würzburg

360° TOP-Thema: Bakterien – von der Haut in den Körper http://www.ae-germany.com/

Medizin am Abend Fazit:  Wie Endoprothetik-Experten Gelenkinfektionen verhindern

Allein auf einer Fingerkuppe befinden sich bis zu 100 verschiedene Keime. Dort schaden sie ihrem Wirt – dem Menschen – nicht. In einer Operationswunde entwickeln sich die gleichen Mikroorganismen jedoch zum Infektionsrisiko. 

Beim Einsatz künstlicher Gelenke ist es daher notwendig, Patienten schon vor dem Eingriff einem Erreger-Screening zu unterziehen und Hygieneregeln in der Klinik strikt zu beachten. 

Darauf wies die Deutsche Gesellschaft für Endoprothetik (AE) auf ihrer Konferenz am 19. Juni in Hamburg hin. Denn eine Infektion des Gelenks belastet den Patienten, verzögert den Heilungsprozess und erfordert mitunter eine oder mehrere erneute Gelenk-Operationen. 
 
Von der Haut gelangen ständig Bakterien in das Körperinnere, beispielsweise beim Zähneputzen und Essen. Die körpereigene Abwehr fängt sie im Regelfall ab und verhindert eine Infektion.

Zum Infektionsrisiko werden Bakterien dann, wenn sie von ihrem angestammten Platz an einen anderen Ort, beispielsweise vom Darm in die normalerweise keimfreie Harnblase, gelangen.

Das gilt besonders dann, wenn die Anzahl der eingedrungenen Bakterien zu groß ist, um von der Abwehr abgefangen zu werden. „Künstliche Gelenke verfügen über keine Abwehr gegen Bakterien und damit können nur wenige davon eine Infektion auslösen, wenn sie an die Prothese gelangen“, erklärt Dr. med. Lars Frommelt, der das Institut für Infektiologie, klinische Mikrobiologie und Krankenhaushygiene der HELIOS ENDO-Klinik Hamburg leitet.

Da diese Besiedelung der Prothese bei der Implantation erfolgen kann, müssen Desinfektion, Antibiotikaprophylaxe, also krankenhaushygienische Maßnahmen erfolgen, um Bakterien daran zu hindern, die Prothese zu besiedeln, so der Experte im Vorfeld eines Forums der AE Hamburg. Ist es den Bakterien gelungen, auf der Prothese Fuß zu fassen, bilden sie den sogenannten Biofilm, in dem sie geschützt vor Abwehr und Antibiotika sind und von dort aus eine Infektion des Knochens verursachen. Spätestens dann müsse das Gelenk operativ gereinigt oder getauscht werden.

„Die Haut wird trotz sorgfältiger Desinfektion nie völlig keimfrei sein, insbesondere, da bei einer Operation auch tiefere Hautschichten durchtrennt werden, in denen Desinfektionsmittel nicht wirksam sind. Von dort können Erreger in die Tiefe des Operationsgebietes gelangen“, so Professor Dr. med. Heiko Reichel, Direktor der Orthopädischen Universitätsklinik am RKU Ulm. Die sorgfältigste Reinigung der Haut gehört unbedingt zur hygienischen Vorsorge bei einer Operation, um das Risiko einer Infektion zu reduzieren.

,„Wir empfehlen dringend, alle Patienten vor der OP einem Screening zu unterziehen, damit gefährliche Erreger bereits vor der Operation mit einem passenden Antibiotikum behandelt werden können“, ergänzt der Präsident der AE.

Vor einer Operation muss zudem sicher gestellt sein, dass der Patient nicht unter Infektionen oder Entzündungen leidet und über eine ausreichend starke körpereigene Abwehr verfügt, so Reichel.

Zum Ablauf vor dem Eingriff gehöre zwingend, dass Gelenkprothesen steril verpackt und vorbereitet sind. Im Operationsverlauf müsse das OP-Personal die Hygieneregeln der Klinik strikt einhalten. Dies erlaube einen sicheren Einsatz der Prothese und entlaste Menschen mit steifen, schmerzenden Gelenken dauerhaft und zuverlässig. „Außerdem gibt es vielversprechende Entwicklungen im Bereich der Oberflächen-beschichtung von Prothesen. Diese könnten künftig die Kolonisation der Bakterien direkt auf dem Kunstgelenk vermindern“, ergänzt Professor Dr. med. Carsten Perka, Ärztlicher Direktor des Centrums für Muskuloskeletale Chirurgie der Charité - Universitätsmedizin Berlin. Diese und weitere Möglichkeiten der Vermeidung und Behandlung periprothetischer Infektionen erörtern Vertreter verschiedener Fachgebiete bei der Pressekonferenz anlässlich des Forums „Experts meet Experts“ am 19. Juni 2015 in Hamburg.


Medizin am Abend DirektKontakt:

Deutsche Gesellschaft für Endoprothetik e.V. (AE)
Janina Wetzstein
Postfach 30 11 20
70451 Stuttgart
Tel.: 0711 89 31-457
Fax: 0711 89 31-167
E-Mail: wetzstein@medizinkommunikation.org
Miriam Buchmann-Alisch
Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie e. V.

*****************************************
Die AE – Deutsche Gesellschaft für Endoprothetik verfolgt als unabhängiger Verein seit 1996 das Ziel, die Lebensqualität von Patienten mit Gelenkerkrankungen und -verletzungen nachhaltig zu verbessern und deren Mobilität wiederherzustellen. Mit ihren Expertenteams aus führenden Orthopäden und Unfallchirurgen organisiert sie die Fortbildung von Ärzten und OP-Personal, entwickelt Patienteninformationen und fördert den wissenschaftlichen Nachwuchs. Die AE ist eine Sektion der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie.

Weitere Informationen für international Medizin am Abend Beteiligte
http://www.dgou.de
http://www.ae-germany.com

Vorhofflimmern: Mangelhafte Antikoagulationskontrolle und erhöhte Mortalitäts- und Schlaganfallraten

Medizin am Abend Fazit:  

 

Daten aus dem globalen Register zur Behandlung von Vorhofflimmern zeigen eine mangelhafte Antikoagulationskontrolle und erhöhte Mortalitäts- und Schlaganfallraten

 

Einjahresergebnisse des GARFIELD-AF-Registers zeigen eine mangelhafte VKA-Kontrolle und erhöhte Mortalitäts- und Schlaganfallraten bei Patienten mit neudiagnostiziertem Vorhofflimmern (VF) --

Praxis-Daten von nahezu 17.200 im weltweiten Antikoagulationsregister im Bereich Vorhofflimmern (Global Anticoagulant Registry in the Field - Atrial Fibrillation, GARFIELD-AF) erfassten Patienten bestätigen, dass eine unzureichende Antikoagulationstherapie mit Vitamin-K-Antagonisten (VKA) sowie ein hoher Risikoscore mit einem gesteigerten Mortalitäts- und Schlaganfallrisiko bei Patienten mit nicht-vaskulärem VF in Zusammenhang stehen.

Diese Erkenntnisse werden heute in zwei Vorträgen beim Kongress der International Society on Thrombosis and Haemostasis (ISTH) 2015 vorgestellt.

"Patienten mit neu diagnostiziertem Vorhofflimmern, die im GARFIELD-AF-Register erfasst sind, tragen im ersten Jahr nach der Diagnosestellung eine schwere Last an der Krankheit", erklärte Professor Ajay Kakkar, Professor of Surgery am University College London und Direktor des Thrombosis Research Institute. "Die kürzlich im Rahmen der GARFIELD-AF-Studie vorgelegten Daten unterstreichen den Nutzen einer effektiven Antikoagulationstherapie bei geeigneten Patienten mit neu diagnostiziertem Vorhofflimmern."

Die Präsentationen auf dem ISTH-Kongress behandelten die folgenden Themen:

Risikoprofile und Einjahresergebnisse von Patienten mit frisch diagnostiziertem Vorhofflimmern: Ergebnisse aus GARFIELD-AF
Das Auftreten von Schlaganfällen/systemischen Embolien, Todesfällen und schweren Blutungen im ersten Jahr nach der Erstdiagnose eines nicht-valvulären Vorhofflimmerns wurde im Hinblick auf die patientenspezifischen Basischarakteristika und die antithrombotische Behandlung nach der Diagnose analysiert. Die Ergebnisse zeigten, dass: 

- Mortalität die schwerwiegendste Krankheitsbelastung im ersten Jahr nach einer VF-Diagnose ist. - höhere Risikoscores (CHA2DS2-VASc und HAS-BLED) mit einem erhöhten Risiko für Todesfälle, Schlaganfall/Systemische Embolie (SE) und grössere Blutungen einhergehen. - Rauchen, ein Lebensalter von 75 Jahren oder älter, fehlende Antikoagulationstherapie und Nierenkrankheit ebenfalls mit einem erhöhten Risiko für Todesfälle, Schlaganfall/Systemische Embolie (SE) und grössere Blutungen in Zusammenhang stehen. - Herzinsuffizienz bei Studienbeginn mit einem erhöhten Sterberisiko einhergeht, Bluthochdruck zu Studienbeginn jedoch das Sterberisiko reduziert. 

 

Qualität der Vitamin-K-Antagonisten-Kontrolle und Einjahresergebnisse: eine globale Sicht auf das GARFIELD-AF-Register

Die Studie analysierte die Zeit im therapeutischen Bereich (Time in Therapeutic Range, TTR) und die optimale internationale normalisierte Ratio (unter Anwendung eines INR-Bereichs von 2,0 bis 3,0) bei Patienten mit neu diagnostiziertem nicht-vaskulärem Vorhofflimmern in Bezug zu Demographie, Behandlungssituation und Einjahresergebnissen. TTR ist ein Indikator für die Qualität der VKA-Kontrolle und kann auch als Ergebnisindikator herangezogen werden. Die europäischen Leitlinien zur Prävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen empfehlen einen TTR von bis zu 70 %[1]. Die Ergebnisse zeigen, dass: 

- eine mangelhafte VKA-Kontrolle mit einem erhöhten Mortalitäts- und Schlaganfall-/SE-Risiko in Verbindung steht. - eine Erhöhung des TTR von 60 % auf 70 % das Schlaganfall-/SE-Risiko reduzieren kann. - Patienten, die in einem Krankenhaus diagnostiziert wurden, seltener eine gute Kontrolle aufweisen als Patienten, die in Antikoagulantien-Kliniken/Thrombosezentren oder entsprechenden Praxen diagnostiziert wurden. - starker Alkoholkonsum bei Patienten mit einer mangelhaften Kontrolle häufiger vorkommt. - eine gute VKA-Kontrolle allgemein von grosser klinischer Bedeutung ist. 

 

Diese neuen GARFIELD-AF-Analysen basieren auf Daten aus den Kohorten 1 und 2, die 17.168 zwischen 2010 und 2013 rekrutierte Patienten umfassen.
GARFIELD-AF ist eine unabhängige akademische Forschungsinitiative und wird von einem internationalen Lenkungsausschuss unter der Schirmherrschaft des Thrombosis Research Institute (TRI) in London, Vereinigtes Königreich, geführt. Bislang konnte GARFIELD-AF mehr als 40.000 Patienten mit neu diagnostiziertem Vorhofflimmern aus 35 Ländern anwerben; somit ist es eine der grössten Beobachtungsstudien in diesem Behandlungsbereich. Die Anwerbephase für die 5. Kohorte beginnt demnächst, und das Register wird schliesslich bis zu 57.000 Patienten umfassen.

Über das GARFIELD-AF-Register 

GARFIELD-AF ist eine beobachtende, multizentrische internationale Prospektivstudie über Patienten mit neu diagnostiziertem VF. Es ist darauf ausgerichtet, bis zu 57.000 Patienten in mindestens 1.000 Zentren in 35 Ländern in den Regionen Amerikanischer Doppelkontinent, Ost- und Westeuropa, Asien, Afrika und Australien prospektiv zu beobachten. Die Gründung des Registers fiel zusammen mit dem Beginn der Ära der VF-Therapien mit neuen oralen Antikoagulantien (NOAK, nicht Vitamin-K-Antagonisten).

Das heutige Verständnis von VF basiert auf den bei kontrollierten klinischen Studien gesammelten Daten. Diese Studien sind wesentlich für die Bewertung und Sicherheit neuer Behandlungsmethoden, sind aber in Bezug auf die klinische Praxis nicht repräsentativ, und folglich herrscht weiterhin Unsicherheit über die Belastung im wirklichen Leben und den Umgang mit dieser Krankheit. GARFIELD-AF zielt darauf ab, Einblicke in die Wirkung der Antikoagulantientherapie hinsichtlich thromboembolischer Komplikationen und Blutungskomplikationen zu liefern, die bei dieser Patientenpopulation beobachtet wurden. Es sorgt für ein tieferes Verständnis in Bezug auf Verbesserungsmöglichkeiten der behandlungstechnischen und klinischen Ergebnisse unter einer repräsentativen und gemischten Patientengruppe und über unterschiedliche Populationen hinweg. Damit sollten Ärzte und Gesundheitssysteme in die Lage versetzt werden, Innovationen angemessen zu nutzen, um die besten Ergebnisse für Patienten und Populationen sicherzustellen.

360° TOP-Thema: Antidiabetika Diabetes-Wirkstoff senkt das Risiko einer Demenz - Pioglitazon / Metformin

Medizin am Abend Fazit:  Analyse von Krankenkassen-Daten deutet auf vorbeugende Wirkung hin

https://www.soscisurvey.de/panel/ Zusatzlink von Medizin am Abend


Eine Behandlung mit Antidiabetika verringert bei Menschen mit Typ-2-Diabetes – auch „Altersdiabetes“ genannt – das Risiko für Alzheimer und andere Demenzerkrankungen. Am deutlichsten sinkt das Risiko durch den Wirkstoff Pioglitazon. Zu diesem Schluss kommen Bonner Forscherinnen und Forscher des Deutschen Zentrums für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) aufgrund der Analyse von Krankenkassen-Daten. Sie berichten darüber im Fachjournal „Annals of Neurology“. 

 
Bei einem Diabetes Typ 2 ist der Zuckerstoffwechsel gestört, weil das dafür entscheidende Hormon Insulin seine Wirkung nicht richtig entfaltet. 

Im fortgeschrittenen Stadium stellt der Körper die Produktion von Insulin dann sogar ein, weshalb es extern zugeführt werden muss. Von dieser Erkrankung, die vorwiegend im späteren Erwachsenenalter auftritt, ist schon länger bekannt, dass sie sich auf die geistige Gesundheit auswirken kann:

Die Patienten sind stärker gefährdet, eine Demenz zu entwickeln, als Nicht-Diabetiker. Doch wie beeinflussen Antidiabetika dieses Risiko? Diese Frage behandelten der Neurologe Michael Heneka und die Demografieforscherinnen Anne Fink und Gabriele Doblhammer in der aktuellen Studie. Ihre Arbeitsgrundlage waren Daten der Krankenkasse AOK aus den Jahren 2004 bis 2010. Die Datensätze beinhalteten Angaben über Erkrankungen und Medikationen von mehr als 145.000 Männer und Frauen im Alter ab 60 Jahren.

Langzeitbehandlung verringerte Demenz-Risiko

Die Analyse bestätigte bisherige Befunde für ein erhöhtes Demenzrisiko von Diabetikern. Doch es zeigte sich außerdem, dass Pioglitazon dieses Gefahrenpotenzial maßgeblich beeinflussen kann. Der Wirkstoff wird in Tablettenform eingenommen.

Er wird sowohl vorübergehend als auch zur Langzeit-Therapie von Diabetes eingesetzt – nämlich solange der Körper noch eigenes Insulin herstellt.

„Die Behandlung mit Pioglitazon zeigte einen bemerkenswerten positiven Nebeneffekt. Sie konnte das Risiko einer Demenz wesentlich verringern“, so Doblhammer. „Je länger die Behandlung, umso geringer das Risiko.“  

Am deutlichsten sank das Risiko, wenn der Wirkstoff mindestens zwei Jahre verabreicht wurde. Die so behandelten Diabetiker erkrankten weniger häufig an Demenz als Menschen ohne Diabetes. 

Doblhammer: 

„Das Erkrankungsrisiko war um 47 Prozent geringer als bei Nicht-Diabetikern, also etwa nur halb so groß.“

Auch Metformin – ein weiteres, ebenfalls häufig verschriebenes Antidiabetikum – senkte das Risiko für eine Demenz. Seine Wirkung war jedoch geringer als die von Pioglitazon.

Schutz vor Nervenzellschäden

Pioglitazon verbessert die Wirkung des körpereigenen Insulins. Aus Laboruntersuchungen gibt es aber seit längerem Hinweise dafür, dass es auch die Nervenzellen schützt.

Für den Neurowissenschaftler Michael Heneka sind die aktuellen Ergebnisse daher keine Überraschung: „Pioglitazon ist entzündungshemmend und hemmt auch die Ablagerung schädigender Eiweiße im Gehirn“, sagt er.

Allerdings seien die genauen Zusammenhänge noch nicht verstanden, betont Heneka: „Unsere Untersuchung deutet darauf hin, dass Pioglitazon eine vorbeugende Wirkung hat. Dieser Effekt tritt auf, wenn der Wirkstoff eingenommen wird, noch bevor sich die Symptome einer Demenz bemerkbar machen. 

Demnach schützt Pioglitazon insbesondere vor Alzheimer, der häufigsten Form einer Demenz-Erkrankung. 

Die Ursachen dafür, ob der protektive Effekt nur für Diabetiker gilt oder auch bei Nicht-Diabetikern auftreten würde – das alles sind noch offene Fragen. Der nächste logische Schritt wären daher klinische Studien, die die Wirkung von Pioglitazon und die anderer Antidiabetika in Hinblick auf eine Demenz gezielt untersuchen.“

Originalveröffentlichung
„Effect of pioglitazone medication on the incidence of dementia”, Michael T. Heneka, Anne Fink, Gabriele Doblhammer, Annals of Neurology 2015, doi: 10.1002/ana.24439


Medizin am Abend DirektKontakt 

Dr. Marcus Neitzert 
Deutsches Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen e.V. (DZNE)

Holbeinstr. 13-15
53175 Bonn
Deutschland
Nordrhein-Westfalen


Dr. Dirk Förger
Telefon: 0228-43302-260
E-Mail-Adresse: dirk.foerger@dzne.de


Sonja Jülich-Abbas
Telefon: 0228 / 43302-260
Fax: 0228 / 43302-279
E-Mail-Adresse: sonja.juelich-abbas@dzne.de


Dr. Marcus Neitzert
Telefon: 0228 43302 271
E-Mail-Adresse: marcus.neitzert@dzne.de

Resistenz gegen Leukämie-Medikamente

Medizin am Abend Fazit:  Krebstherapien nach Maß verlängern Leben

Marburger Krebsforscherinnen und -forscher haben aufgeklärt, welche molekularen Ursachen für Resistenzen gegen verschiedene Leukämie-medikamente verantwortlich sind. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des „Marburger Carreras Leukämie-Centrum“ belegen in mehreren Veröffentlichungen, wie sich die Prognosen für Krebspatienten verbessern lassen, wenn Molekularmedizin und Krankenversorgung eng ineinandergreifen. 

Patientenversorgung und molekulargenetische Grundlagenforschung gehen am „Marburger Carreras Leukämie-Centrum“ Hand in Hand.
Patientenversorgung und molekulargenetische Grundlagenforschung gehen am „Marburger Carreras Leukämie-Centrum“ Hand in Hand.
(Foto: Anna Schroll für „Hessen schafft Wissen“)


In naher Zukunft könnte Krebs die Herz-Kreislauf-Erkrankungen als Todesursache Nummer eins ablösen, wie es sich bereits in den Vereinigten Staaten und in China abzeichnet. 

 „Akute Leukämien gehören zu den aggressivsten Tumorerkrankungen, die man beim Menschen kennt“, erklärt Professor Dr. Andreas Neubauer, Leiter des Schwerpunkts Hämatologie, Onkologie und Immunologie an der Philipps-Universität Marburg.  

Ohne Therapie verlaufen diese Erkrankungen häufig innerhalb von zwei bis vier Wochen tödlich.

„Eines der größten Probleme bei Krebs sind Resistenzen gegenüber Chemotherapeutika“, führt der Onkologe aus. Der Behandlungserfolg bei Leukämie steigt, wenn der genetische Hintergrund der einzelnen Patienten berücksichtigt wird. „Wir träumen davon, dass jeder Patient seine individuell zugeschnittene Therapie bekommt.“

Wie Neubauer hervorhebt, gehen Patientenversorgung und molekulargenetische Grundlagenforschung am „Marburger Carreras Leukämie-Centrum“ Hand in Hand: So fließen die klinischen Befunde direkt in die Laborarbeit ein, deren Ergebnisse umgekehrt unmittelbar den Kranken zugute kommen können.

In den jüngsten Publikationen klärt Neubauers Team auf, welche Gene an verschiedenen Medikamentenresistenzen beteiligt sind und wie sie wirken. Die Erkenntnisse eröffnen neue Therapieoptionen.

Die aktuellen Veröffentlichungen gehen aus einer Klinischen Forschergruppe der Deutschen Forschungsgemeinschaft an der Philipps-Universität hervor, die sich mit Resistenzen gegenüber Krebsmedikamenten befasst (KFO 210). Die zugrundeliegende wissenschaftliche Arbeit wurde außerdem durch die „Von Behring-Röntgen-Stiftung“, die „Deutsche José-Carreras Leukämiestiftung“, das Bundesforschungsministerium und die „Deutsche Krebshilfe“ finanziell gefördert.

Die aktuellen Veröffentlichungen im Einzelnen:

Neues Therapieziel bei Leukämie

•Stephan Metzelder, Christian Michel & al.: NFATc1 as a therapeutic target in FLT3-ITD-positive AML, Leukemia 2015, doi: 10.1038/leu.2015.95

Das Gen NFATc1 ist verantwortlich für Resistenzen gegen das Krebsmedikament Sorafenib; eine Behandlung mit Cyclosporin A erhöht die Überlebenschancen für betroffene Leukämiepatienten.

Eine Mutation (ITD) im Gen FLT3 verschlechtert die Überlebensaussichten bei akuter myeloischer Leukämie. Das Medikament Sorafenib hemmt FLT3, doch kommt es auf längere Sicht häufig zu Rückfällen. Woran liegt das? Die beiden Erstautoren Dr. Stephan Metzelder und Christian Michel aus der Arbeitsgruppe von Professor Dr. Andreas Burchert identifizierten das Genprodukt NFATc1, das in betroffenen Zellen im Übermaß vorkommt.

Inaktiviert man NFATc1, so durchlaufen die Zellen ein Programm, das zum Zelltod führt – die Krebszellen werden somit unschädlich. Schaltet man NFATc1 hingegen ununterbrochen an, so bleibt Sorafenib ohne Wirkung. Patienten, die ein Mittel gegen NFATc1 erhalten, zum Beispiel Cyclosporin A, haben verbesserte Überlebenschancen.
Neben dem Marburger Team sind Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Dresden, Gießen und Göttingen an der Publikation beteiligt.

Gen mit paradoxer Wirkung

•Fariba Fouladi & al.: Sorafenib induces paradoxical phosphorylation of the extracellular signal-regulated kinase pathway in acute myeloid leukemia cells lacking FLT3-ITD mutation, LEUKEMIA & LYMPHOMA 2015, DOI: 10.3109/10428194.2014.1003055

Leukämiezellen mit und ohne eine Mutation (ITD) im Gen FLT3 reagieren gegensätzlich auf das Medikament Sorafenib. Dies muss bei der Auswahl von Patienten für künftige klinischen Studien berücksichtigt werden, schreiben die Autorinnen und Autoren im Fachblatt „Leukemia & Lymphoma“.

Seitdem Marburger Krebsforscher um Professor Dr. Andreas Neubauer und Professor Dr. Andreas Burchert die außerordentliche Wirksamkeit des Medikaments Sorafenib entdeckten, wird es erfolgreich bei Leukämiepatienten eingesetzt, die eine Mutation (ITD) im Gen FLT3 tragen; dabei kommt es jedoch immer wieder zu Resistenzen gegen den Wirkstoff.

Ob das Präparat auch bei Patienten ohne die Genmutation anschlägt, ist bislang ungeklärt. Das Team um Institutsleiter Neubauer und Dr. Fariba Fouladi fand heraus, dass Sorafenib die Zellteilung von Krebszellen sowohl hemmen als auch fördern kann, je nachdem, welchen genetischen Hintergrund die betroffenen Patienten aufweisen:

In Zellen mit der Genmutation verhindert Sorafenib die Zellteilung und führt stattdessen zu programmiertem Zelltod, verhindert also eine Vermehrung der Krebszellen. 

Bei Zellen ohne Genmutation hingegen regt das Medikament die Leukämiezellen zur Vermehrung an und stimuliert den zellulären Stoffwechsel.

Krebsgen bereitet Zellreifung vor

•Cornelia Brendel, Sabine Teichler & al.: Oncogenic NRAS Primes Primary Acute Myeloid Leukemia Cells for Differentiation, Plos One 2015, doi: 10.1371/journal.pone.0123181

Eine Mutation im Krebsgen RAS hindert Leukämiezellen daran, sich zu vermehren, wenn sie durch das Medikament Cyarabin zur Reifung angeregt werden. Ein zelleigenes Differenzierungsprogramm einzuleiten, kann daher eine Erfolg versprechende Strategie für die Behandlung von Leukämie sein, vermuten die Autorinnen und Autoren aus Marburg und Dresden.

Wie Neubauer und sein Team schon vor Jahren zeigten, sprechen Leukämie-Patienten besser auf eine Chemotherapie mit hochdosiertem Cytarabin an, wenn sie eine aktivierte Form des krebserregenden Gens RAS tragen. In ihrer aktuellen Veröffentlichung weisen Neubauer, Dr. Cornela Brendel und Dr. Sabine Teichler sowie ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nach, dass Krebszellen mit einer Mutation im RAS-Gen reifen (oder differenzieren), statt sich weiter zu teilen. Das Muster der angeschalteten Gene in solchen Zellen ähnelt eher dem einer reifen als einer teilungsfähigen Zelle. Das mutierte RAS-Gen bereitet die Zelle für einen Reifungsprozess vor, der durch Cytarabin ausgelöst werden kann.

Medizin am Abend DirektKontakt

Ansprechpartner: Professor Dr. Andreas Neubauer,
Schwerpunkt Hämatologie, Onkologie und Immunologie
Tel.: 06421 58-66272
E-Mail: neubauer@staff.uni-marburg.de
Johannes Scholten Philipps-Universität Marburg

Klinische Forschergruppe „Genetics of drug resistance in cancer“: http://www.imt.uni-marburg.de/kfo210/

360° TOP-Thema: Herzschwäche/ Herzinsuffizienz in Herzmuskelzellen

Medizin am Abend Fazit:  Neue Erkenntnisse zur Herzschwäche

UMG-Herzforscher entwickeln Biosensor zur Darstellung von Herzschwäche in Herzmuskelzellen. Neues Verfahren erlaubt erstmals im In-Vivo-Modell bildliche Darstellung und Messung des Einflusses von Herzschwäche auf Herzmuskelzellen. Veröffentlichung in Nature Communications. 

Mikroskopische Aufnahme einer Herzmuskelzelle mit dem neuen Biosensor. Die vertikalen Streifen zeigen die Lokalisation des Biosensors. Mikroskopische Aufnahme einer Herzmuskelzelle mit dem neuen Biosensor. Die vertikalen Streifen zeigen die Lokalisation des Biosensors. Foto: umg
 
Herzforscher an der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) haben neue Erkenntnisse zur Herzschwäche (Herzinsuffizienz) und deren Behandlungsmöglichkeiten gewonnen. Mit Hilfe eines speziellen Biosensors ist es ihnen erstmals gelungen, Einblicke in die Zellkommunikation und Signalverarbeitung von an Herzschwäche erkrankten Herzmuskelzellen in lebenden Organismen zu erhalten.


Link:  Transfusionsmedizin Zusatzthema Medizin am Abend:


Das neue Verfahren liefert wichtige Informationen darüber, welche molekularen Mechanismen bei Herzschwäche in den Herzmuskelzellen wirken und wie die Prozesse die Zellen verändern. 

Ihre Arbeiten im Sonderforschungsbereich 1002 „Modulatorische Einheiten bei Herzinsuffizienz“ (SFB 1002) an der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) sind durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert. Die Forschungsergebnisse helfen, neue Behandlungsstrategien zu erkennen.
Bestehende medikamentöse Therapien könnten optimiert werden. Die Ergebnisse wurden im April 2015 in der renommierten Fachzeitschrift „Nature Communications“ veröffentlicht.

Originalveröffentlichung: Julia U. Sprenger, Ruwan K. Perera, Julia H. Steinbrecher, Stephan E. Lehnart, Lars S. Maier, Gerd Hasenfuss & Viacheslav O. Nikolaev: In vivo model with targeted cAMP biosensor reveals changes in receptor–microdomain communication in cardiac disease. Nature Communications 6, Article number: 6965 doi:10.1038/ncomms7965.

Herzschwäche (Herzinsuffizienz) ist eine der häufigsten Erkrankungen in Europa.

In den letzten zehn Jahren konnten keine grundlegend neuen Therapieverfahren für die Herzschwäche entwickelt werden. Die Lebenserwartung erkrankter Patienten ist deutlich reduziert. Seit 2012 forschen Göttinger Wissenschaftler im Sonderforschungsbereich 1002 „Modulatorische Einheiten bei Herzinsuffizienz“ (SFB 1002) nach innovativen Verfahren für die Behandlung von Herzschwäche.

Bisher wurden spezielle Biosensoren zur Messung und Darstellung von molekularen Prozessen in einzelnen Herzmuskelzellen nur im Reagenzglas eingesetzt. Ob solche Biosensoren überhaupt in einem sogenannten In-Vivo-Model, d.h. im lebendigen Organismus, eingesetzt werden können, war unklar. Die Göttinger Herzforscher konnten zeigen, dass dies möglich ist.

Damit sind die Auswirkungen von Herzschwäche auf die kleinsten Funktionseinheiten, der Herzmuskelzellen, die sogenannten Mikrodomänen, erstmals im lebendigen Organismus bildlich darstellbar und messbar.

Vorteil des neuen Verfahrens ist, dass die Messungen in direkt entnommenen lebenden Zellen erfolgen können. Für bisherige Verfahren mussten die Zellen über mehrere Tage unter künstlichen Bedingungen im Labor kultiviert werden. Dies hatte bei den Messungen zu unerwünschten Artefakten geführt, Zellen starben oder veränderten sich in ihrer Form und Struktur.

„Bisher konnten wir nicht mit Gewissheit sagen, wie die Zellkommunikation bei Herzschwäche im lebendigen Organismus beeinträchtigt wird. Nun haben wir die Möglichkeit, diese Prozesse genau unter die Lupe zu nehmen. Wenn wir wissen, was defekt ist, dann können wir es auch besser therapieren“, sagt Prof. Dr. Gerd Hasenfuß, Sprecher des Sonderforschungsbereiches 1002 „Modulatorische Einheiten bei Herzinsuffizienz“ (SFB 1002) und Vorsitzender des Herzzentrums der UMG.

cAMP SENSIBLER BIOSENSOR ENTWICKELT

Mit ihrem eigens entwickelten, neuartigen „Biosensor“ setzen die Göttinger Herzforscher bei einem wichtigen Botenstoff in den Mikrodomänen der Herzmuskelzellen an:

Der Botenstoff cAMP aktiviert bestimmte Proteine, die die Kontraktion der Herzzellen verstärken. Kommt es hier zu Störungen, führt dies zur verminderten Schlagkraft des Herzens und zu Herzrhythmusstörungen. Beide Phänomene führen zu Problemen für Herzschwächepatienten. Über eine Messung der cAMP-Konzentration in den Herzmuskelzellen sind Rückschlüsse über die molekularen Prozesse in den Zellen möglich.

Der neu entwickelte Biosensor ist ein genetisches Konstrukt, das aus zwei Leuchtproteinen mit einer cAMP-Bindestelle in der Mitte besteht. Erhöht sich die cAMP-Konzentration in den Zellen, setzen sich die cAMP-Moleküle an die Bindestelle des Biosensors. Dadurch ändern sich Struktur und Fluoreszenzeigenschaften des Biosensors. Mithilfe von Mikroskopie in hoher subzellularer Auflösung konnten die Wissenschaftler die Mikrodomänen der Herzmuskelzellen erkennen und die Veränderungen in den Zellen messen.  

Dabei fanden sie heraus, dass bei einer Herzschwäche die Signalleitung in den Herzmuskelzellen von den ß1-Rezeptoren in den Membranen hin zu den Mikrodomänen durch das Enzym Phosphodiesterase (PDE) gestört ist.

Anders als in gesunden Herzzellen werden die Signale nicht mehr gerichtet zu den mit Calciumpumpen des sarcoplasmatischen Reticulums assoziierten Mikrodomänen transportiert, sondern sie verlaufen deutlich diffuser.

NEUE THERAPIETARGETS BEI HERZSCHWÄCHE

Bei Herzschwäche ist die Kommunikation zwischen Mikrodomänen und Membranrezeptoren gestört. Um die Herzschwäche zu behandeln, muss die Zellkommunikation wieder hergestellt werden. Das neue Verfahren ermöglicht Einblicke in diese Prozesse und hilft diese zu verstehen. Daraus ergeben sich mögliche Verbesserungen für bereits vorhandene Therapien, wie z.B. die Betablockertherapie oder die Therapie mit Phosphodiesterasen-Hemmer-Therapie (PDE-Hemmer-Therapie). Auch potentielle neue Medikamententargets (Wirkstoff-Zielverbindungen) können nun besser ausgelotet werden. Viele Formen der Phosphodiesterase, einem Enzym, das bei der Herzschwäche eine wichtige Rolle spielt, und deren genaue Wirkweise in Zusammenhang mit den cAMP Mikrodomänen sind noch nicht im kleinsten Detail erforscht. Diese wollen die Forscher als Nächstes genauer untersuchen.

Seit 2012 fördert die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) den Sonderforschungsbereich 1002 „Modulatorische Einheiten bei Herzinsuffizienz“ (SFB 1002) unter der Leitung der Universitätsmedizin Göttingen mit über zehn Millionen Euro für zunächst vier Jahre. Ziel des SFB 1002 ist es, innovative Verfahren für die Therapie der Herzinsuffizienz zu entwickeln. Dazu gehören neue Therapien gegen Pumpschwäche und Arrhythmien. Neue Verfahren sollen durch die Identifizierung von spezifischen lokalisierten Therapietargets ermöglicht werden. Im SFB 1002 arbeiten sieben Einrichtungen der Universitätsmedizin Göttingen und das „Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation“ sowie das „Max-Planck-Institut für Biophysikalische Chemie“ zusammen. Prof. Dr. Gerd Hasenfuß, Direktor der Klinik für Kardiologie und Pneumologie und Vorsitzender des Herzzentrums der Universitätsmedizin Göttingen und des Herzforschungszentrums, ist der Sprecher des SFB 1002.

Gemeinsame  Forschung  an Therapien der Herzschwäche: Vorstände und Teilprojektleiter des Sonderforschungsbereichs 1002.
Gemeinsame Forschung an Therapien der Herzschwäche: Vorstände und Teilprojektleiter des Sonderforschungsbereichs 1002. Foto: umg/Da Silva


Medizin am Abend DirektKontakt

Universitätsmedizin Göttingen, Georg-August-Universität
Klinik für Kardiologie und Pneumologie, Herzzentrum Göttingen
Dr. Julia Sprenger, Telefon 0551 / 39-10965
julia.sprenger@med.uni-goettingen.de
www.herzzentrum-goettingen.de
Stefan Weller Universitätsmedizin Göttingen - Georg-August-Universität

Terminhinweis: Erkrankung Amyloidose -Amyloidose-Zentrum Heidelberg

Medizin am Abend Fazit:  Leben mit der seltenen Erkrankung Amyloidose

Am 5. Juli 2015 veranstaltet das Universitätsklinikum Heidelberg erstmals einen Patiententag zu Amyloidose / Patienten und Angehörige sind herzlich zu informativen Vorträgen, Austausch und Diskussion eingeladen 
 
Bei der seltenen Erkrankung Amyloidose verursachen fehlerhaft geformte Eiweiße schwere Organschäden. Häufig dauert es lange, bis die Erkrankung diagnostiziert wird und die Patienten eine passende Therapie und Beratung erhalten.

Am 5. Juli 2015 haben Betroffene und ihre Angehörigen beim ersten Patiententag des Amyloidose-Zentrums am Universitätsklinikum Heidelberg ausführlich Gelegenheit, den Experten Fragen zu stellen, Probleme zu diskutieren und sich mit anderen Erkrankten auszutauschen. Im Anschluss an Kurzvorträge zu Entstehung, Diagnostik und Therapie gibt es Diskussionsforen zu den verschiedenen Ausprägungen der Erkrankung. Die Veranstaltung beginnt um 9 Uhr im Hörsaal der Medizinischen Universitätsklinik Heidelberg und endet gegen 15 Uhr. Eine Anmeldung ist bis zum 25. Juni möglich.

„Wir hoffen, mit unserem Patiententag Betroffenen ein Stück weit dabei zu helfen, die Therapie besser zu verstehen und ihren Alltag mit der meist schweren Erkrankung zu meistern“, sagt Privatdozent Dr. Stefan Schönland, Abteilung für Hämatologie und Onkologie (Medizinische Klinik V, Ärztlicher Direktor: Professor Dr. Anthony D. Ho), der gemeinsam mit Privatdozentin Dr. Ute Hegenbart die Amyloidose-Ambulanz der Klinik leitet. „Zudem ist es uns ein Anliegen, auf diese seltenen Erkrankungen aufmerksam zu machen, die meistens sehr lange nicht erkannt werden und dann in der Regel schwer zu behandeln sind.“


Bei Amyloidosen lagern sich fehlerhaft geformte, körpereigene Proteine als sogenanntes Amyloid in verschiedenen Organen ab und schädigen diese auf Dauer. Herzversagen, ein Funktionsverlust der Nieren, der Leber oder Schäden am Nervensystem sind die häufigsten Folgen.

Selbst wenn es Ärzten gelingt, die Ursache der Erkrankung – das können eine Knochenmarkserkrankung, chronische Entzündungen wie bei Rheuma oder vererbte Proteindefekte in einzelnen Organen, z.B. der Leber, sein – auszuschalten, fehlt es derzeit noch an Möglichkeiten, das bereits vorhandene Amyloid wieder aus den Organen zu lösen.

Da der Körper selbst das Eiweiß nur in geringen Mengen abbaut, können sich Herz und andere Organe nur langsam erholen und bedürfen zusätzlicher unterstützender Therapien.

Medizin am Abend Hinweis: Im Amyloidose-Zentrum Heidelberg werden Patienten aus ganz Deutschland betreut

Im Amyloidose-Zentrum Heidelberg arbeiten Experten von zwölf Fachrichtungen eng zusammen, um gemeinsam eine optimale Diagnostik und Therapie anbieten zu können.

Der Erfolg dieses Konzepts zeigt sich in einer stetig steigenden Anzahl an Patienten aus ganz Deutschland: Mehr als 800 Patienten lassen sich zurzeit in Heidelberg behandeln, jährlich stellen sich rund 400 Patienten neu vor.

Damit ist das Heidelberger Zentrum führend in Deutschland.

Patienten mit der häufigsten Amyloidoseform, der Leichtketten-Amyloidose, die auf eine Knochenmarkerkrankung zurückgeht, profitieren u.a. von der mehr als 25-jährigen Erfahrung der Klinik mit Stammzelltransplantationen. Das Zentrum ist zudem eingegliedert in das Zentrum für Seltene Erkrankungen Heidelberg (Sprecher: Professor Dr. Georg F. Hoffmann). Hauptanlaufpunkt für Patienten ist die Amyloidose-Ambulanz; von hier aus erfolgt die Koordination mit den anderen Fachdisziplinen.

Darüber hinaus nutzen sowohl Patienten als auch Ärzte sehr rege das Beratungsangebot per Telefon und E-Mail.

Der Patiententag zu Amyloidose findet im Hörsaal der Medizinischen Universitätsklinik Heidelberg statt.
Der Patiententag zu Amyloidose findet im Hörsaal der Medizinischen Universitätsklinik Heidelberg statt. Universitätsklinikum Heidelberg



Medizin am Abend DirektKontakt


Priv.-Doz. Dr. med. Stefan Schönland
Priv.-Doz. Dr. med. Ute Hegenbart
Amyloidose Ambulanz
Medizinische Universitätsklinik V
Universitätsklinikum Heidelberg
Tel.: 06221 56-8009
E-Mail: stefan.schoenland@med.uni-heidelberg.de
E-Mail: ute.hegenbart@med.uni-heidelberg.de
Julia Bird Universitätsklinikum Heidelberg

Universitätsklinikum und Medizinische Fakultät Heidelberg
Krankenversorgung, Forschung und Lehre von internationalem Rang

Das Universitätsklinikum Heidelberg ist eines der bedeutendsten medizinischen Zentren in Deutschland; die Medizinische Fakultät der Universität Heidelberg zählt zu den international renommierten biomedizinischen Forschungseinrichtungen in Europa. Gemeinsames Ziel ist die Entwicklung innovativer Diagnostik und Therapien sowie ihre rasche Umsetzung für den Patienten. Klinikum und Fakultät beschäftigen rund 12.600 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und engagieren sich in Ausbildung und Qualifizierung. In mehr als 50 klinischen Fachabteilungen mit ca. 1.900 Betten werden jährlich rund 66.000 Patienten voll- bzw. teilstationär und mehr als 1.000.000 mal Patienten ambulant behandelt. Das Heidelberger Curriculum Medicinale (HeiCuMed) steht an der Spitze der medizinischen Ausbildungsgänge in Deutschland. Derzeit studieren ca. 3.500 angehende Ärztinnen und Ärzte in Heidelberg.

Weitere Informationen für Medizin am Abend international Beteiligte:
http://www.klinikum.uni-heidelberg.de/Startseite-Amyloidose-Zentrum.117180.0.htm... Amyloidose-Zentrum Heidelberg

http://www.klinikum.uni-heidelberg.de/Zentrum-fuer-Seltene-Erkrankungen.119129.0... Zentrum für Seltene Erkrankungen Universitätsmedizin Heidelberg