Qualitätszirkel Nieren- und Dialysen

Kardiologie Potsdam

Cardiovascular Prevention Center @Charité

Herzinsuffizienz

Universitätzmedizin Rostock

Universitätsmedizin Greiswald

Alexianer St. Josephs Potsdam

Dialyse-Pflege-Standard

salt

PICS Ambulanz

Dr.Vetter

Woran erkranken wir in Deutschland?

BG Klinken - Post-COVID-Programm

Herz Check

EMA

Dr. Heart

Herzhose

Lauflabor

IKDT

Online Strafanzeigen

medpoint - Fortbildungskalendar

Was hab ich?

Healthtalk

BKV Info

BKG

KHS BB

KHS BB
.

Kardiologie

Urologie Berlin

bbgk

VEmaH

ProBeweis

jkb

zurück ins leben

CRO

Gewebenetzwerk

Anamnese- und Untersuchungsbogen

Diagnostische Pfade

CIRS Bayern

Gender Medizin

idw

Posts mit dem Label Resistenzen werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Resistenzen werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Antibiotika - Netzwerke und die Antibiotika-Resistenzen

Medizin am Abend Berlin Fazit: Wege aus der Antibiotika-Falle

G20-Gesundheitsministertreffen am 19. und 20. Mai 2017 mit Schwerpunkt Antibiotika-Resistenzen / Ein Fortbildungs- und ein Forschungsprojekt des Universitätsklinikums Freiburg zeigen, wie man das Problem Antibiotika-Resistenz in den Griff kriegen könnte 
 
Am 19. und 20. Mai 2017 trafen sich in Berlin zum ersten Mal die Gesundheitsminister der 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer. Ein Schwerpunkt dieser G20-Konferenz soll der Kampf gegen Antibiotika-Resistenzen sein.

Denn viele Erreger haben gegen einen Großteil der verfügbaren Medikamente Resistenzen entwickelt.

  • Zunehmend sind selbst einfachste bakterielle Infektionen nicht mehr behandelbar und können zum Tod des Patienten führen. 

Um Ärztinnen und Ärzte sowie Apothekerinnen und Apotheker im Umgang mit Antibiotika besser zu schulen, wurde 2010 am Universitätsklinikum Freiburg ein einmaliges Fortbildungsprogramm gestartet, das mittlerweile bundesweit erfolgreich ist.

Außerdem wird derzeit in einer europäischen Studie unter Leitung des Universitätsklinikums Freiburg untersucht, wie sich resistente Erreger regional und über Ländergrenzen hinweg ausbreiten.

Ärzte erfolgreich im Umgang mit Antibiotika schulen

„Wenn Antibiotika weiterhin so ungezielt verordnet werden wie in der Vergangenheit, droht uns ein Rückfall in Vor-Antibiotika-Zeiten. Das müssen und können wir vermeiden“, sagt Prof. Dr. Winfried Kern, Leiter der Abteilung für Infektiologie des Universitätsklinikums Freiburg.

 Prof. Dr. Winfried Kern
Prof. Dr. Winfried Kern Universitätsklinikum Freiburg/Britt Schilling
  • „Leider fehlt den Ärzten bislang oft das nötige Wissen, wann und wie Antibiotika gezielter eingesetzt werden können, und wie ohne Gefährdung des Patienten ihr Einsatz reduziert werden kann.“ 

Darum startete der Infektiologe bereits 2009 am Universitätsklinikum Freiburg die erste Fortbildungsinitiative zur sinnvollen Verwendung von Antibiotika, das Programm „Antibiotic Stewardship“. Die Teilnehmer lernen in mehreren Schritten alles von den Grundlagen der Resistenzentstehung über die Behandlung schwerer Infektionen bis zur umfassenden Planung und Durchführung eigener Maßnahmen, um den Antibiotika-Einsatz im Krankenhaus zu verringern.

Bis Mitte 2017 wurden in dem deutschlandweit einzigartigen Programm über 500 Klinik-Ärzte und -Apotheker zu „Antibiotika-Experten“ fortgebildet.

 Rund 800 Teilnehmer befinden sich derzeit in der Fortbildung, die mittlerweile an neun Standorten in Deutschland angeboten wird.

„Das Ziel ist, an kleineren und mittelgroßen Akut-Krankenhäusern ein Team von geschulten Ärzten und Apothekern zu haben, die die dortigen Ärzte beraten und den Antibiotikaeinsatz überwachen.

Mindestens weitere 500 solcher Experten werden gebraucht“, sagt Prof. Kern. 


Das Programm wurde 2010-2013 vom Bundesgesundheitsministerium unterstützt und beim G7-Gipfel im Jahr 2015 den Staats- und Regierungschefs der sieben wichtigsten Industrienationen als „Best practice“-Beispiel vorgestellt.

Wetterkarte für resistente Erreger

Nur wer weiß, wie sich resistente Bakterien ausbreiten, kann eine Übertragung gezielt stoppen oder ihr sogar vorbeugen. Wie genau diese Verbreitungswege sind, erforscht Prof. Dr. Hajo Grundmann, Leiter der Sektion Infektionsprävention und Krankenhaushygiene des Universitätsklinikums Freiburg.


„Wir wissen aus früheren Studien, dass sich resistente Erreger zunächst vor allem innerhalb regionaler Versorgungsnetze ausbreiten, also etwa zwischen Krankenhäusern und niedergelassenen Ärzten“, sagt Prof. Grundmann.

 Prof. Dr. Hajo Grundmann
Prof. Dr. Hajo Grundmann Universitätsklinikum Freiburg/Britt Schilling

Doch bislang gibt es keine umfassenden Zahlen, wie sich Patienten innerhalb und über solche Netzwerke hinweg bewegen und damit resistente Erreger weitertragen.

Unter Leitung von Prof. Grundmann analysieren darum Forscher aus 36 Ländern in Europa das gesamte Erbgut resistenter Erreger mit Hilfe einer DNA-Sequenzierung.

So werden verwandte Keime identifiziert und diese dann auf einer Landkarte eingetragen.

„Ärzte oder Behörden können damit zukünftig erkennen, wie sich schwer behandelbare Erreger über Ländergrenzen hinweg ausbreiten, vergleichbar mit einer Gewitterfront auf der Wetterkarte. So könnte im besten Fall rechtzeitig gegengesteuert werden“, sagt Prof. Grundmann. Die Projektdaten sind bereits heute auf einer Website offen einsehbar.

Die beiden Projekte zeigen vielversprechende Wege, um Antibiotika-Resistenzen zurückzudrängen. „Um die Erfolge in die Breite zu tragen, müssen aber auch Netzwerke zwischen Kliniken, niedergelassenen Ärzten und Apothekern aufgebaut werden. 

Hier fehlt bislang oft das Geld. Das muss sich ändern“, sagt Prof. Grundmann.

Medizin am Abend Berlin DirektKontakt
www.medizin-am-abend.blogspot.com




 





Über Google: Medizin am Abend Berlin
idw - Informationsdienst Wissenschaft e. V.

Prof. Dr. Winfried Kern
Leiter der Abteilung Infektiologie
Klinik für Innere Medizin II
Universitätsklinikum Freiburg
Telefon: 0761 270-18190
winfried.kern@uniklinik-freiburg.de

Prof. Dr. Hajo Grundmann
Leiter der Sektion Infektionsprävention und Krankenhaushygiene
Universitätsklinikum Freiburg
Telefon: 0761 270-82750
hajo.grundmann@uniklinik-freiburg.de

Benjamin Waschow Universitätsklinikum Freiburg

Weitere Informationen für international Medizin am Abend Berlin Beteiligte
http://Weitere Informationen:
https://www.uniklinik-freiburg.de/infektiologie.html Abteilung für Infektiologie

https://www.uniklinik-freiburg.de/iuk/infektionspraevention-und-krankenhaushygie... Sektion für Infektionsprävention und Krankenhaushygiene

http://www.antibiotic-stewardship.de Fortbildungsprogramm Antibiotic Stewardship

http://www.microreact.org/project/EkUvg9uY?tt=rc Elektronische Landkarte für Infektionserreger

Tumordiagnostik anhand von Blutproben - Krebs-Diagnostik im Blut - Bronchialkarizinom - Schwarzem Hautkrebs

Medizin am Abend Berlin Fazit:   „Liquid Biopsy schon bald Standard“

Tumordiagnostik anhand von Blutproben ist ein rasant wachsendes Forschungsfeld. 

Nun veranstaltet das Universitätsklinikum Freiburg am 29. Oktober 2015 von 8:30 Uhr bis 18:00 Uhr im Historischen Kaufhaus in Freiburg den ersten Kongress in Deutschland zum Thema „Tumor Liquid Biopsy“. Über 200 Ärzte und Forscher, unter anderem aus Deutschland, Frankreich und den USA, diskutieren über neue Forschungsansätze und aktuelle klinische Studien.

Therapeutisch besonders relevant ist die kontinuierliche Tumorkontrolle durch Liquid Biopsy, was eine frühzeitige Anpassung der Therapie erlaubt. Die Veranstaltung findet in Zusammenarbeit mit dem Forschungszentrum Cancérpôle du grand-est in Straßburg statt. 
 
  • Bösartige Tumoren setzen einzelne Tumorzellen sowie Teile ihrer Erbmoleküle (DNA, RNA) in das Blut frei. 

  • Diese Erbmoleküle sind je nach Tumortyp spezifisch verändert. Damit lässt sich in einer Blutprobe die genetische Signatur des Tumors nachweisen, die sich im Laufe einer Krebserkrankung ändern kann.

Erstmals kann der Arzt schnell und flexibel auf Tumorveränderungen reagieren

Bislang muss für die Bestimmung des Tumortyps verdächtiges Gewebe operativ entnommen werden. 

  • Verlaufskontrollen werden in der Regel mit bildgebenden Verfahren wie der Computertomografie durchgeführt. 

Das könnte sich mit Liquid-Biopsy-Verfahren bald ändern. „Liquid Biopsies werden schon in wenigen Jahren zum Standard in der Krebsdiagnostik gehören. Denn sie zeigen wesentlich früher und genauer als bisherige Methoden, ob ein Tumor auf eine Therapie anspricht oder nach einer Ruhephase wieder zurückkehrt“, sagt Prof. Dr. Nikolas von Bubnoff, Oberarzt an der Klinik für Innere Medizin I des Universitätsklinikums Freiburg und Koordinator des Kongresses.

  • Auch entstehende Resistenzen gegenüber bestimmten Medikamenten lassen sich früh erkennen.

„Das gibt dem Arzt erstmals die Möglichkeit, die Therapie kontinuierlich und flexibel auf den Tumor anzupassen“, sagt Prof. von Bubnoff.

Schon länger suchen Wissenschaftler nach tumorspezifischen Molekülen, die sich im Blut nachweisen lassen. Doch erst jetzt sind die Methoden so ausgereift, dass sie eine breite klinische Relevanz erlangen. „Wir können bereits heute im Blut aus 10.000 Erbgut-Bruchstücken das eine identifizieren, das krankhaft verändert ist“, erklärt Prof. von Bubnoff.

  • Bei Patienten mit Bronchialkarzinom und Schwarzem Hautkrebs nutzen die Freiburger Wissenschaftler bereits heute Liquid Biopsy-Verfahren zur Verlaufskontrolle. Für ein Diagnose-Verfahren zu speziellen Magen-Darm-Tumoren entwickeln sie derzeit ein Patent zur Marktreife weiter.

Mit dem 1. Tumor Liquid Biopsy-Kongress hoffen die Forscher nun, ein bundesweites Netzwerk und weitere internationale Kooperationen etablieren zu können. Gefördert wird der Kongress unter anderem von der Deutschen Krebshilfe.

Medizin am Abend Berlin DirektKontakt: 

Prof. Dr. Nikolas von Bubnoff
Oberarzt
Klinik für Innere Medizin I
Universitätsklinikum Freiburg
Telefon: 0761 270 37850
nikolas.bubnoff@uniklinik-freiburg.de

Johannes Faber
Universitätsklinikum Freiburg
Telefon: 0761 270 84610
Johannes.faber@uniklinik-freiburg.de
Benjamin Waschow Universitätsklinikum Freiburg

Weitere Informationen für international Medizin am Abend Berlin Beteiligte
http://www.uniklinik-freiburg.de/cccf/aktuelles/veranstaltungen/liquid-biopsy-sy... Informationen zum Symposium

Magensäure-Hemmer wirken gegen Tuberkulose

Medizin am Abend Fazit:  Lansoprazol als Anti-TB-Medikament identifiziert

Durch das Testen mehrerer hundert zugelassener Medikamente haben Wissenschaftler der Uniklinik Köln und der Schweizer Eidgenössischen Technischen Hochschule Lausanne (EPFL) ein neues Antibiotikum gegen Tuberkulose entdeckt. Es ist ein nebenwirkungsarmes Medikament, das normalerweise gegen Magengeschwüre angewendet wird: der Säureblocker Lansoprazol. Er weist eine spezifische Aktivität gegen multiresistente Tuberkulose-Bakterien auf. Die dazugehörige Studie wurde gestern (07.07.2015) im renommierten Wissenschaftsjournal „Nature Communications“ veröffentlich. 
 
Die Tuberkulose (TB)-Pandemie ist weiterhin nicht unter Kontrolle.

Allein im Jahr 2013 verursachte das TB-Bakterium Mycobacterium tuberculosis 1,5 Millionen Tote und fast neun Millionen Neuinfektionen.

Resistenzen gegenüber TB-Medikamenten sind weit verbreitet. Für die Entwicklung neuer Medikamente gibt es also einen dringenden Bedarf. Die Verwendung derzeit erhältlicher Antibiotika hat außerdem bei vielen Bakterien zur Entwicklung von Multiresistenzen geführt. Dies macht die Identifizierung und Entwicklung neuer Antibiotika dringend erforderlich.

Millionen von chemischen Verbindungen wurden in der Vergangenheit auf ihre Fähigkeit untersucht, das Wachstum von M. tuberculosis im Reagenzglas zu hemmen. Jedoch nur wenige Wirkstoffkandidaten sind derzeit in klinischen Studien. Erschwerend kommt hinzu, dass die Entwicklung neuer TB-Medikamente bis zur Anwendung beim Menschen mindestens zehn Jahre dauert.

Ein effizienterer Ansatz besteht darin, etablierte Medikamente, die bereits in der klinischen Anwendung sind, auf Ihre Wirkung als Antibiotikum hin zu untersuchen. Das ist die von Dr. Dr. Jan Rybniker, Wissenschaftler in der Infektiologie an der Uniklinik Köln, eingeschlagene Strategie. Das internationale Team hatte zuvor eine effiziente Hochdurchsatz-Screening-Methode entwickelt, die auf der Nutzung von Lungenzellen basiert. Diese werden mit M. tuberculosis infiziert und gleichzeitig mit dem zu testenden Wirkstoff versehen. Überleben die Lungenzellen drei Tage in der Kultur, ist der eingesetzte Stoff gegen M. tuberculosis wirksam.

Mit dieser maßgeschneiderten "intrazellulären" Methode testeten die Wissenschaftler eine große Gruppe von zugelassenen Medikamenten und identifizierten das Medikament Lansoprazol als Substanz mit potentieller Wirksamkeit gegen Tuberkulose-Bakterien. Ähnliche robotisierte Hochdurchsatz-Screening-Verfahren werden immer häufiger in der Medikamentenentwicklung eingesetzt, da sie umfangreiche Substanz-Sammlungen mit potenziellen Medikamenten schnell und akkurat in kürzester Zeit testen können – manuelle Methoden benötigen hierfür mehrere Monate.

Der Wirkstoff funktioniert allerdings nur, wenn sich die Bakterien innerhalb von Lungenzellen oder menschlichen Abwehrzellen befinden. Die Forscher untersuchten den zugrunde liegenden Mechanismus der intrazellulären Anti-TB-Aktivität von Lansoprazol und konnten zeigen, dass das Medikament von den menschlichen Zellen zunächst in ein aktives Stoffwechselprodukt (Metabolit) umgewandelt werden muss, bevor es die Bakterien töten kann. Dieser Lansoprazol-Metabolit hemmt die Aktivität eines Enzyms, das von entscheidender Bedeutung für die Energiegewinnung des Bakteriums ist.

Lansoprazole gehört zu einer Klasse von Medikamenten, die als "Protonen-Pumpen-Inhibitoren" die Produktion von zu viel Säure im Magen verhindern und gegen Sodbrennen sowie Magen-Geschwüre angewendet werden. Die Medikamente haben ein ausgesprochen günstiges Nebenwirkungsprofil und können auch in hohen Dosierungen problemlos angewendet werden.

"Protonen-Pumpen-Inhibitoren sind sehr sichere Medikamente und werden auf der ganzen Welt verkauft", erklärt Dr. Rybniker. "Als wirksames Medikament gegen resistente Stämme von M. tuberculosis bietet uns diese neue Klasse von Medikamenten eine ausgezeichnete Grundlage, die Tuberkulose zu behandeln."

Diese Arbeit wurden teilweise durch Forschungsgelder des Bundesministeriums für Bildung und Forschung finanziert (BMBF grant 01KI1017).

Originalpublikation:

Rybniker J, Vocat A, Sala C, Busso P, Pojer F, Benjak A, Cole ST. Lansoprazole is an antituberculous prodrug targeting cytochrome bc1. Nature Communications 07.07.2015. DOI: 10.1038/ncomms8659


Medizin am Abend DirektKontakt



Kerpener Str. 62
50937 Köln-Lindenthal
Deutschland
Nordrhein-Westfalen


Christoph Wanko
Telefon: 0221 / 478 - 88757
E-Mail-Adresse: christoph.wanko@uk-koeln.de

Resistenz gegen Leukämie-Medikamente

Medizin am Abend Fazit:  Krebstherapien nach Maß verlängern Leben

Marburger Krebsforscherinnen und -forscher haben aufgeklärt, welche molekularen Ursachen für Resistenzen gegen verschiedene Leukämie-medikamente verantwortlich sind. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des „Marburger Carreras Leukämie-Centrum“ belegen in mehreren Veröffentlichungen, wie sich die Prognosen für Krebspatienten verbessern lassen, wenn Molekularmedizin und Krankenversorgung eng ineinandergreifen. 

Patientenversorgung und molekulargenetische Grundlagenforschung gehen am „Marburger Carreras Leukämie-Centrum“ Hand in Hand.
Patientenversorgung und molekulargenetische Grundlagenforschung gehen am „Marburger Carreras Leukämie-Centrum“ Hand in Hand.
(Foto: Anna Schroll für „Hessen schafft Wissen“)


In naher Zukunft könnte Krebs die Herz-Kreislauf-Erkrankungen als Todesursache Nummer eins ablösen, wie es sich bereits in den Vereinigten Staaten und in China abzeichnet. 

 „Akute Leukämien gehören zu den aggressivsten Tumorerkrankungen, die man beim Menschen kennt“, erklärt Professor Dr. Andreas Neubauer, Leiter des Schwerpunkts Hämatologie, Onkologie und Immunologie an der Philipps-Universität Marburg.  

Ohne Therapie verlaufen diese Erkrankungen häufig innerhalb von zwei bis vier Wochen tödlich.

„Eines der größten Probleme bei Krebs sind Resistenzen gegenüber Chemotherapeutika“, führt der Onkologe aus. Der Behandlungserfolg bei Leukämie steigt, wenn der genetische Hintergrund der einzelnen Patienten berücksichtigt wird. „Wir träumen davon, dass jeder Patient seine individuell zugeschnittene Therapie bekommt.“

Wie Neubauer hervorhebt, gehen Patientenversorgung und molekulargenetische Grundlagenforschung am „Marburger Carreras Leukämie-Centrum“ Hand in Hand: So fließen die klinischen Befunde direkt in die Laborarbeit ein, deren Ergebnisse umgekehrt unmittelbar den Kranken zugute kommen können.

In den jüngsten Publikationen klärt Neubauers Team auf, welche Gene an verschiedenen Medikamentenresistenzen beteiligt sind und wie sie wirken. Die Erkenntnisse eröffnen neue Therapieoptionen.

Die aktuellen Veröffentlichungen gehen aus einer Klinischen Forschergruppe der Deutschen Forschungsgemeinschaft an der Philipps-Universität hervor, die sich mit Resistenzen gegenüber Krebsmedikamenten befasst (KFO 210). Die zugrundeliegende wissenschaftliche Arbeit wurde außerdem durch die „Von Behring-Röntgen-Stiftung“, die „Deutsche José-Carreras Leukämiestiftung“, das Bundesforschungsministerium und die „Deutsche Krebshilfe“ finanziell gefördert.

Die aktuellen Veröffentlichungen im Einzelnen:

Neues Therapieziel bei Leukämie

•Stephan Metzelder, Christian Michel & al.: NFATc1 as a therapeutic target in FLT3-ITD-positive AML, Leukemia 2015, doi: 10.1038/leu.2015.95

Das Gen NFATc1 ist verantwortlich für Resistenzen gegen das Krebsmedikament Sorafenib; eine Behandlung mit Cyclosporin A erhöht die Überlebenschancen für betroffene Leukämiepatienten.

Eine Mutation (ITD) im Gen FLT3 verschlechtert die Überlebensaussichten bei akuter myeloischer Leukämie. Das Medikament Sorafenib hemmt FLT3, doch kommt es auf längere Sicht häufig zu Rückfällen. Woran liegt das? Die beiden Erstautoren Dr. Stephan Metzelder und Christian Michel aus der Arbeitsgruppe von Professor Dr. Andreas Burchert identifizierten das Genprodukt NFATc1, das in betroffenen Zellen im Übermaß vorkommt.

Inaktiviert man NFATc1, so durchlaufen die Zellen ein Programm, das zum Zelltod führt – die Krebszellen werden somit unschädlich. Schaltet man NFATc1 hingegen ununterbrochen an, so bleibt Sorafenib ohne Wirkung. Patienten, die ein Mittel gegen NFATc1 erhalten, zum Beispiel Cyclosporin A, haben verbesserte Überlebenschancen.
Neben dem Marburger Team sind Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Dresden, Gießen und Göttingen an der Publikation beteiligt.

Gen mit paradoxer Wirkung

•Fariba Fouladi & al.: Sorafenib induces paradoxical phosphorylation of the extracellular signal-regulated kinase pathway in acute myeloid leukemia cells lacking FLT3-ITD mutation, LEUKEMIA & LYMPHOMA 2015, DOI: 10.3109/10428194.2014.1003055

Leukämiezellen mit und ohne eine Mutation (ITD) im Gen FLT3 reagieren gegensätzlich auf das Medikament Sorafenib. Dies muss bei der Auswahl von Patienten für künftige klinischen Studien berücksichtigt werden, schreiben die Autorinnen und Autoren im Fachblatt „Leukemia & Lymphoma“.

Seitdem Marburger Krebsforscher um Professor Dr. Andreas Neubauer und Professor Dr. Andreas Burchert die außerordentliche Wirksamkeit des Medikaments Sorafenib entdeckten, wird es erfolgreich bei Leukämiepatienten eingesetzt, die eine Mutation (ITD) im Gen FLT3 tragen; dabei kommt es jedoch immer wieder zu Resistenzen gegen den Wirkstoff.

Ob das Präparat auch bei Patienten ohne die Genmutation anschlägt, ist bislang ungeklärt. Das Team um Institutsleiter Neubauer und Dr. Fariba Fouladi fand heraus, dass Sorafenib die Zellteilung von Krebszellen sowohl hemmen als auch fördern kann, je nachdem, welchen genetischen Hintergrund die betroffenen Patienten aufweisen:

In Zellen mit der Genmutation verhindert Sorafenib die Zellteilung und führt stattdessen zu programmiertem Zelltod, verhindert also eine Vermehrung der Krebszellen. 

Bei Zellen ohne Genmutation hingegen regt das Medikament die Leukämiezellen zur Vermehrung an und stimuliert den zellulären Stoffwechsel.

Krebsgen bereitet Zellreifung vor

•Cornelia Brendel, Sabine Teichler & al.: Oncogenic NRAS Primes Primary Acute Myeloid Leukemia Cells for Differentiation, Plos One 2015, doi: 10.1371/journal.pone.0123181

Eine Mutation im Krebsgen RAS hindert Leukämiezellen daran, sich zu vermehren, wenn sie durch das Medikament Cyarabin zur Reifung angeregt werden. Ein zelleigenes Differenzierungsprogramm einzuleiten, kann daher eine Erfolg versprechende Strategie für die Behandlung von Leukämie sein, vermuten die Autorinnen und Autoren aus Marburg und Dresden.

Wie Neubauer und sein Team schon vor Jahren zeigten, sprechen Leukämie-Patienten besser auf eine Chemotherapie mit hochdosiertem Cytarabin an, wenn sie eine aktivierte Form des krebserregenden Gens RAS tragen. In ihrer aktuellen Veröffentlichung weisen Neubauer, Dr. Cornela Brendel und Dr. Sabine Teichler sowie ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nach, dass Krebszellen mit einer Mutation im RAS-Gen reifen (oder differenzieren), statt sich weiter zu teilen. Das Muster der angeschalteten Gene in solchen Zellen ähnelt eher dem einer reifen als einer teilungsfähigen Zelle. Das mutierte RAS-Gen bereitet die Zelle für einen Reifungsprozess vor, der durch Cytarabin ausgelöst werden kann.

Medizin am Abend DirektKontakt

Ansprechpartner: Professor Dr. Andreas Neubauer,
Schwerpunkt Hämatologie, Onkologie und Immunologie
Tel.: 06421 58-66272
E-Mail: neubauer@staff.uni-marburg.de
Johannes Scholten Philipps-Universität Marburg

Klinische Forschergruppe „Genetics of drug resistance in cancer“: http://www.imt.uni-marburg.de/kfo210/