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Prof. Dr. Eva-Marie Kessler: Einladung zur MSB-Hochschulambulanz-Studie von Menschen über 67 Jahren: Psychotherapie aus der Innensicht alter und sehr alter Menschen

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Das Forschungsprojekt PANAMA – Psychotherapie aus der Innensicht älterer Menschen

Ein neues Forschungsprojekt an der MSB Medical School Berlin erforscht, wie Menschen im hohen Lebensalter Psychotherapie erleben. 

Seit Anfang 2024 wird eine Interviewstudie mit älteren Frauen und Männern durchgeführt, die eine ambulante Psychotherapie absolviert haben. 

Dazu sucht das Forschungsteam derzeit noch Menschen über 67, die von ihren Erfahrungen berichten möchten.

  • Psychische Störungen wie etwa Depressionen oder Angststörungen zählen zu den häufigsten Erkrankungen im höheren Lebensalter. 

Eine Psychotherapie kann Abhilfe schaffen – sie ist nach Leitlinienempfehlungen medizinischer Fachgesellschaften sogar das Mittel der Wahl zur Behandlung. 

  • Doch nur wenige ältere Menschen nehmen bisher psychotherapeutische Angebote in Anspruch. 

Die Gründe dafür sind vielfältig: 

Vorurteile über ältere Menschen aufseiten von Behandler:innen und Patient: innen („In dem Alter kann man sich nicht mehr verändern“), Berührungsängste, Scham, aber auch Faktoren wie das Fehlen barrierefreier Praxisräume und die mangelnde gerontologische Qualifikation von Fachkräften.
Das Forschungsprojekt „PANAMA – Psychotherapie aus der Innensicht alter und sehr alter Menschen“ möchte dazu beitragen, solche Einstellungen und strukturellen Hürden aufseiten von Behandler:innen, Patient:innen und der Gesellschaft abzubauen und den Zugang älterer Menschen zur Psychotherapie zu erleichtern. 

Dazu ist es notwendig, besser zu verstehen, wie Menschen im höheren und sehr hohen Lebensalter die Behandlung erleben, wahrnehmen und bewerten. 

Was wird von Patient:innen als hilfreich erlebt, was nicht? 

Welche Veränderungen ergeben sich durch die Therapie? 

Welche Erwartungen und Wünsche, Sorgen und Befürchtungen sind mit der Behandlung verbunden? 

Auf welche Schwierigkeiten, Hindernisse, Barrieren treffen die Patient:innen – und welche Rolle spielt dabei das chronologische Lebensalter?

„Mit unseren Erkenntnissen wollen wir dazu beitragen, dass Psychotherapieangebote entwickelt werden, die ältere Menschen thematisch ansprechen, und auf ihre Präferenzen und Lebenssituationen zugeschnitten sind“ sagt Studienleiterin und Psychotherapeutin Prof. Dr. Eva-Marie Kessler, die schon mehrere Projekte zu dem Thema durchgeführt hat und die MSB Hochschulambulanz „Psychotherapie im Alter“ leitet. 

Die Ergebnisse der Studie sollen später neben einem Fachpublikum auch der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden, um ältere Menschen sowie ihre sozialen Bezugspersonen und Gesundheitsakteur:innen für die Inanspruchnahme psychosozialer Hilfen zu ermutigen. 

Es ist bekannt, dass die Kombination aus Angst vor Stigmatisierung, Unkenntnis und der Überzeugung, als alter Mensch keine Unterstützung mehr verdient zu haben, dazu führt, dass ältere und Menschen im höheren Lebensalter häufig nicht aktiv nach einer psychotherapeutischen Behandlung suchen. 

Das Projekt zielt damit auch darauf ab, Ageismus und der Stigmatisierung von psychischen Erkrankungen im Alter entgegenzutreten.

Gefördert wird das Projekt durch die gemeinnützige Josef und Luise Kraft Stiftung, die sich für die Förderung alter Menschen und der Altenhilfe einsetzt. 

Es läuft über drei Jahre von Ende 2023 bis Ende 2026.

Derzeit werden deutschlandweit noch Teilnehmende gesucht, die ihre gemachten Erfahrungen mit Psychotherapie im Rahmen eines persönlichen Interviews mit den Projektmitarbeiterinnen teilen möchten. 

Eingeladen dazu sind Menschen ab 67 Jahren, die innerhalb der letzten 5 Jahre eine Psychotherapie im ambulanten Rahmen (d.h. nicht stationär in einer Klinik) abgeschlossen haben. 

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Über Google: Medizin am Abend Berlin
idw - Informationsdienst Wissenschaft e. V.

Studienleiterin
Prof. Dr. habil. Eva-Marie Kessler (PI)
Mail: eva-marie.kessler(at)medicalschool-berlin.de

Ansprechpartnerin
Irene Fechau M.A.
Wissenschaftliche Mitarbeiterin
Mail: irene.fechau@medicalschool-berlin.de
Telefon: 0178 80 62 388 

Lisa Schimmelpfennig MSB Medical School Berlin - Hochschule für Gesundheit und Medizin

Rüdesheimer Straße 50
14197 Berlin
Deutschland
Berlin


Telefon: 030/7668375656
E-Mail-Adresse: lisa.schimmelpfennig@medicalschool-berlin.de

Nicola Sernow
Telefon: 030 76 68 37 5-651
E-Mail-Adresse: nicola.sernow@medicalschool-berlin.de 
Weitere Informationen für international Medizin am Abend Berlin Beteiligte

https://panama064.wordpress.com/ Website des Projekts PANAMA


https://www.medicalschool-berlin.de/news/news/einzelansicht-news-msb/news/panama... News-Beitrag auf der Website der Medical School Berlin zu Studienbeginn


http://www.medicalschool-berlin.de Website der Medical School Berlin


PD. Dr. André Schmidt und Prof. Dr. Undine Lang: Schwarzer Hund: Medikamente und Psychotherapie: Mikrobiom-Darm-Hirn-Achse (Darmflora)

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Gute Bakterien gegen Depressionen

Die Darmflora spielt eine wichtige Rolle für die Gesundheit – auch für die psychische. 

Forschende der Universität Basel und der Universitären Psychiatrischen Kliniken Basel zeigen nun, dass Probiotika die Wirkung von Antidepressiva unterstützen und Depressionen mildern können.

Wenn der «schwarze Hund» bei ihm war, verliess Winston Churchill kaum das Bett. Keinerlei Energie, keine Interessen, kein Appetit. 

Obwohl der britische Premier diese Metapher für Depressionen nicht erfunden hat, wurde sie durch ihn berühmt.

Mit Medikamenten und Psychotherapie versuchen Fachleute Betroffenen zu helfen, diesen «schwarzen Hund» wieder los zu werden.  

Bei manchen hält er sich jedoch hartnäckig. 

Deshalb suchen Forschende nach Möglichkeiten, die bestehenden Therapien zu verbessern und neue zu entwickeln. Ein vielversprechender Ansatz ist die sogenannte Mikrobiom-Darm-Hirn-Achse. 

Unter dem Mikrobiom versteht man generell die Gesamtheit der Mikroorganismen, die im oder auf dem menschlichen Körper leben, etwa die Darmflora. 

Unter anderem über Stoffwechselprodukte können Darmbakterien das Nervensystem beeinflussen.

Ein Forschungsteam der Universität Basel und der Universitären Psychiatrischen Kliniken zeigt nun in einer Studie, dass Probiotika die Therapie mit Antidepressiva unterstützen können. Davon berichten sie im Fachjournal «Translational Psychiatry».

Die Darmflora beeinflusst die Psyche

Aus früheren Studien weiss man, dass bei Patientinnen und Patienten mit einer Depression Darm- und Verdauungsprobleme überdurchschnittlich häufig auftreten. Pflanzt man Mäusen, die steril – also ohne Darmflora – aufgezogen wurden, die Darmflora von depressiven Personen ein, entwickeln die Tiere ebenfalls ein depressions-ähnliches Verhalten. Sie sind beispielsweise energieloser und zeigen weniger Interesse an der Umgebung als ihre Artgenossen. Forschende vermuten daher, dass die Zusammensetzung der Bakteriengemeinschaft im Darm eine wichtige Rolle für die depressive Symptomatik spielt.

In ihrer neuen Studie haben die Forschenden um PD. Dr. André Schmidt und Prof. Dr. Undine Lang systematisch untersucht, wie sich die Einnahme von Probiotika bei Patientinnen und Patienten mit einer Depression auswirkt. Alle Teilnehmenden waren zur stationären Behandlung in den Universitären Psychiatrischen Kliniken und erhielten zusätzlich zu Antidepressiva während 31 Tagen ein Probiotikum (21 Personen) oder ein Placebo (26 Personen). Weder die Teilnehmenden noch das Studienpersonal wussten während des gesamten Studienzeitraums, welches Präparat die Probandinnen und Probanden erhielten. Direkt vor der Behandlung, am Ende der 31 Tage sowie noch einmal vier Wochen später unterzogen die Forschenden die Teilnehmerinnen und Teilnehmer einer Reihe von Tests.

Die Analyse ergab, dass zwar dank der Antidepressiva die depressiven Symptome bei allen Teilnehmenden abnahmen. In der Probiotika-Gruppe verbesserte sich der Zustand der Probandinnen und Probanden jedoch deutlich stärker als in der Placebo-Gruppe.

Zudem veränderte sich bei ihnen die Zusammensetzung der Darmflora zumindest zeitweise: 

In der Probiotika-Gruppe zeigte eine Analyse von Stuhlproben eine Zunahme von Milchsäurebakterien am Ende der Behandlung; ein Effekt, der mit der Abnahme der depressiven Symptomatik einher ging.  

Allerdings nahm der Anteil dieser gesundheitsfördernden Darmbakterien im Laufe der folgenden vier Wochen wieder ab. 

«Womöglich sind vier Wochen Behandlung nicht lang genug und die neue Zusammensetzung der Darmflora stabilisiert sich erst nach einem längeren Zeitraum», erklärt Anna-Chiara Schaub, eine der Erstautorinnen der Studie.

Verarbeitung emotionaler Reize verändert sich

  • Ein weiterer interessanter Effekt der Probiotika-Einnahme betraf die Hirnaktivität beim Anschauen neutraler und ängstlicher Gesichter. 

Dies untersuchten die Forschenden mittels funktioneller Magnetresonanztomografie (fMRT). 

  • Bei Patientinnen und Patienten mit Depressionen verhalten sich bestimmte Hirnregionen für emotionale Verarbeitung anders als bei psychisch Gesunden. 

Nach der vierwöchigen Probiotika-Einnahme normalisierte sich diese Hirnaktivität bei den Teilnehmenden, in der Placebo-Gruppe jedoch nicht.

«Die Mikrobiom-Darm-Hirn-Achse ist zwar schon einige Jahre Thema der Forschung, die genauen Mechanismen sind bis heute allerdings nur teilweise klar», so Schaub. 

Auch deshalb war den Forschenden wichtig, eine breite Palette an Bakterien in Form von Probiotika einzusetzen, wie sie bereits auf dem Markt sind. 

«Mit zusätzlichem Wissen über die spezifische Wirkung bestimmter Bakterien wäre es möglich, die Auswahl der Bakterien zu optimieren und die beste Mischung einzusetzen, um die Therapie bei Depressionen zu unterstützen», sagt die Forscherin – sie betont jedoch, dass sich Probiotika als alleinige Therapie gegen eine Depression nicht eignen.

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Anna-Chiara Schaub, Universität Basel, Universitäre Psychiatrische Kliniken Basel, Tel. +41 61 325 58 56, E-Mail: Anna-Chiara.Schaub@upk.ch

Dr. Angelika Jacobs Universität Basel

Petersgraben 35
Basel
Postfach
4001 Basel
Schweiz
Basel-Stadt 


Originalpublikation:

Anna-Chiara Schaub, Else Schneider, Jorge F. Vazquez-Castellanos et al.
Clinical, gut microbial and neural effects of a probiotic add-on therapy in depressed patients: A randomized controlled trial
Translational Psychiatry (2022), doi: 10.1038/s41398-022-01977-z

 

Stationäre Psychotherapie in Deutschland wirkungsvoll

In keinem anderen Land gibt es so viele Spitalsbetten mit
psychotherapeutischem Angebot wie in Deutschland.

Eine Meta-Analyse von 59 Studien konnte nun aufzeigen, dass dieses Angebot durchaus wirkungsvoll ist.

Sarah Liebherz (Institut und Poliklinik für Medizinische Psychologie,
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf) und Sven Rabung (Institut für
Psychologie, Alpen-Adria-Universität Klagenfurt) haben 59 Studien aus den
Jahren 1977 bis 2009 untersucht, um herauszufinden, inwiefern die in
Deutschland weit verbreitete stationäre Psychotherapie wirksam in Bezug
auf die Verminderung von psychiatrischen Symptomen und Störungen im
zwischenmenschlichen Bereich sein kann.

Das Angebot in psychotherapeutisch ausgerichteten Krankenhäusern und
Fachabteilungen besteht primär aus Einzel- und Gruppenpsychotherapie, wird
aber allerorts durch komplementäre therapeutische Maßnahmen ergänzt.

„Deutschland unterscheidet sich hier von fast allen anderen Ländern, in
denen die stationäre Behandlung psychisch Erkrankter meist nur in
psychiatrischen Krankenhäusern üblich ist. Dort liegt der Fokus stärker
auf der medizinisch-pharmakologischen Arbeit mit den Patientinnen und
Patienten“, erklärt Sven Rabung. In Deutschland werden jährlich mehr als
eine Million PatientInnen in diesen Krankenhäusern behandelt.

Liebherz und Rabung haben ihre Ergebnisse kürzlich in der Zeitschrift PLOS
ONE vorgestellt. Sie konnten belegen, dass die Behandlung in
psychotherapeutischen Krankenhäusern positive Effekte hinsichtlich der
Schwere der Symptome und hinsichtlich interpersoneller Schwierigkeiten bei
schwer erkrankten PatientInnen zeigt.

 „In einem nächsten Schritt wäre es nun interessant, die Relationen zwischen der Schwere der Symptome und der interpersonellen Probleme, der Behandlungsdauer und dem Behandlungsergebnis zu untersuchen. Dafür ist weitere Forschung notwendig“, so Rabung.



Medizin am Abend DirektInformationen:

http://www.aau.at/psy