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Für multiprofessionelle Versorgung chronisch kranker Menschen

Medizin am Abend Berlin Fazit: So kann die „Konzertierte Aktion Pflege“ gelingen

Pflegewissenschaftlerin der Uni Witten/Herdecke: „Eine Gesundheitseinrichtung als rein renditeorientierten Wirtschaftsbetrieb zu führen, ist unmoralisch“ 
 
  • Personalnot, schlechte Arbeitsbedingungen und eine enge Taktung bei den Patientenkontakten bestimmen den Alltag der Pflegekräfte in Deutschland. 

Angesichts dieser Probleme hat die Bundesregierung nun die „Konzertierte Aktion Pflege“ gestartet, mit der Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU), Familienministerin Franziska Giffey und Arbeitsminister Hubertus Heil (beide SPD) die Situation verbessern möchten.

Prof. Dr Ulrike Höhmann, Inhaberin des Lehrstuhls für multiprofessionelle Versorgung chronisch kranker Menschen an der Universität Witten/Herdecke (UW/H), erläutert, worauf es ankommen wird, wenn die Probleme des Gesundheitssystems wirklich gelöst werden sollen.



Prof. Dr Ulrike Höhmann




So kann die „Konzertierte Aktion Pflege“ gelingen Prof. Dr Ulrike Höhmann UW/H


„Der erste Schritt muss es sein, zunächst einmal die Rahmenbedingungen der Arbeit der Pflegekräfte zu verbessern.

Das heißt:

Wir benötigen mehr Personal, es darf keine unplanbaren Dienstzeiten mehr geben, d.h.die Pflegenden dürfen nicht ständig aus ihrer Freizeit heraus wieder in den Betrieb beordert werden.“  

Dazu gehöre ebenfalls, dass die gut ausgebildeten Pflegekräfte die Fähigkeiten, die sie in ihrer Ausbildung gelernt hätten, im Alltag auch umsetzen könnten. 

Prof. Höhmann: „In einer Studie haben wir herausgefunden, dass viele Pflegekräfte ihrem Beruf irgendwann den Rücken zukehren, weil ihr Arbeitsalltag sich nicht mit ihrem professionellen Ethos verbinden lässt. Es muss Zeit bleiben, mit den Patienten zu sprechen, ihnen in Ruhe beim Essen zu helfen, mit ihnen aufzustehen und herumzulaufen, mit Angehörigen in Ruhe zu sprechen, sie zu informieren und zu beraten. Das wird aber nur gelingen, wenn sich die Gesundheitseinrichtungen wieder darauf besinnen, wofür sie eigentlich da sind.“ So dürfe es nicht Hauptziel einer Einrichtung sein, mit der Pflege Geld zu verdienen. „Es muss darum gehen, Menschen ein lebenswürdiges Leben zu ermöglichen. Die Privatisierung von Gesundheitseinrichtungen mit dem Ziel, damit möglichst viel Rendite zu machen, sind damit nicht vereinbar“, so Prof. Höhmann. So sei es bedenklich, wenn in Anzeigen für besonders effiziente Geldanlagen Gesundheitseinrichtungen mit einer anvisierten Rendite von 4-6 Prozent im Moment recht weit oben rangierten. „Es geht nicht darum, dass mit Pflege kein Geld verdient werden soll“, sagt Höhmann. Allerdings müsse sich dies in einem engen Rahmen halten und das grundlegende Ziel ein anderes sein.

„Um es klar zu sagen: Wenn Gesundheitseinrichtungen als rein renditeorientierter Wirtschaftsbetrieb geführt werden, dann ist das schlicht unmoralisch. Für mich gehört die Gesundheit zu den Grundbedürfnissen der Menschen, so wie Luft, Wasser und Nahrung. Das darf nicht einem reinen Gewinnstreben untergeordnet werden.“

In einem weiteren Schritt müsse es darum gehen, die Pflegeberufe allgemein attraktiver zu machen. 

„Die Pflege muss auch Menschen, die Karriere machen möchten, Angebote machen“, so Höhmann. 

„Dazu braucht es nicht nur eine weitere Akademisierung der Pflege, sondern vor allem auch akademisierte Tätigkeiten, die das Personal ausüben kann. Sie müssen die Dinge, die sie im Studium gelernt haben, auch anwenden und autonom umsetzen dürfen.“ Dabei solle es aber auch nicht darum gehen, unqualifizierten Menschen aus der Pflege auszuschließen. „Es muss aber die Möglichkeit geben, sich weiter zu qualifizieren und neue Qualifikationsstufen zu erreichen. Wir brauchen eine klare Aufgabentrennung, nach Qualifikationsstufen.

Da ist dann für alle Platz. 
  • Und auch das allein hilft nichts, wenn es keine Arbeitsplätze gibt, wo Pflegende ihr Wissen auch einsetzen können. 
  • Sonst bleibt es bei der Situation, dass manche Pflegende zwar studiert haben, aber nicht entsprechend bezahlt und dann auch noch sachfremd eingesetzt werden. 

Im Moment sind viele ausgebildete Pflegekräfte oft genug nur damit beschäftigt, Hilfskräfte anzuweisen. Diese wiederum fühlen sich dann häufig überfordert – und die ausgebildeten Pflegenden fehlplatziert. Hier muss noch viel passieren.“

Der falsche Weg wäre laut der Pflegewissenschaftlerin, nun in großem Maßstab vergleichsweise kostengünstige Pflegekräfte aus anderen Ländern nach Deutschland zu holen.

 „Das wird das grundlegende Problem nicht lösen“, sagt sie.

„Vielmehr muss es darum gehen, den Beruf wieder so attraktiv zu machen, dass auch hierzulande die Menschen wieder bereit sind, eine Ausbildung in diesem Bereich zu absolvieren oder in ihren ursprünglichen Beruf zurückzukehren.“


Über uns:
Die Universität Witten/Herdecke (UW/H) nimmt seit ihrer Gründung 1982 eine Vorreiterrolle in der deutschen Bildungslandschaft ein: Als Modelluniversität mit rund 2.500 Studierenden in den Bereichen Gesundheit, Wirtschaft und Kultur steht die UW/H für eine Reform der klassischen Alma Mater. Wissensvermittlung geht an der UW/H immer Hand in Hand mit Werteorientierung und Persönlichkeitsentwicklung.

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Einladung zur Studie: Entscheidungshilfe Prostatakrebs

Medizin am Abend Berlin Fazit: G-BA fördert bundesweite Evaluationsstudie zur Entscheidungshilfe Prostatakrebs

Gesucht: Studienärztinnen und -ärzte aus urologische Praxen und Kliniken zur Evaluation einer patientenorientierten Online-Entscheidungshilfe bei nicht metastasiertem Prostatakarzinom (EvEnt-PCA) 
 
Zum 1. April 2018 hat die Projektarbeit zu einer groß angelegten randomisierten Evaluationsstudie der Entscheidungshilfe Prostatakrebs begonnen.

Der Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschusses fördert das Projekt über drei Jahre mit ca. 800.000 Euro und ermöglicht so einen validen Vergleich zum bisherigen Standard.

Ziel ist es, den möglichen Nutzen der multimedialen Patienteninformation mit Level I-Evidenz zu belegen.

Darauf könnte eine Leitlinienempfehlung aufbauen und auch die zusätzliche Vergütung der Bemühungen um eine geteilte Entscheidungsfindung könnte sich objektiv begründen lassen. „Dieser Schritt zu einer evidenzbasierten modernen Patienteninformation ist ein wichtiger Erfolg für die ganze urologische Community“, sagt Prof. Dr. med. Christian Wülfing, Pressesprecher der Deutschen Gesellschaft für Urologie e.V. (DGU).

  • Die Entscheidungshilfe Prostatakrebs soll das Beratungsgespräch beim nicht metastasierten Prostatakarzinom für den Patienten und seinen Urologen standardisiert vorbereiten und erleichtern. 

Sie ist in der PatientenAkademie als gemeinsame Initiative der DGU und des Berufsverbandes der Deutschen Urologen e.V. (BvDU) entstanden und hat sich in den vergangenen zwei Jahren fest in der deutschen Urologie etabliert.

Ende März 2018 hatten bereits 4.600 Betroffene das Angebot genutzt, alleine im letzten Monat kamen 300 Neubetroffene hinzu.

„Viele Patienten und Urologen nehmen das Angebot sehr gut an, wie unsere ersten Auswertungen gezeigt haben.

  • Dabei war uns stets wichtig, dass die Entscheidungshilfe Prostatakrebs fest in den Arzt-Patienten-Kontakt eingebunden ist. 

Der Betroffene erhält einen persönlichen Zugang von seinem Urologen. 

Danach kann er das Informationsangebot der Entscheidungshilfe nutzen und kommt gut vorbereitet in das folgende Beratungsgespräch zurück“, sagt Projekt- und Studienleiter PD Dr. med. Dr. phil. Johannes Huber.


  • In der randomisierten Studie zur „Evaluation einer patientenorientierten Online-Entscheidungshilfe bei nicht metastasiertem Prostatakarzinom“ (EvEnt-PCA) soll die Entscheidungshilfe mit der „Patientenleitlinie Prostatakrebs“ als aktuellem Standard verglichen werden. 

Der Studienablauf fügt sich dabei problemlos in die Routineversorgung ein: 

Nach der Erstdiagnose bietet der betreuende Arzt die Studienteilnahme an.

Hierbei werden jeweils 750 Patienten zufällig entweder zur Nutzung der Entscheidungshilfe Prostatakrebs zugewiesen oder sie erhalten die Print-Broschüre.

Primärer Endpunkt ist der leitliniengerechte Einsatz eines zuwartenden Vorgehens.

Darüber hinaus soll die Intervention auch andere Qualitäten der Entscheidungsfindung verbessern. Ergänzend wird im Rahmen der Studie auch die ärztliche Sicht erfasst.


Insgesamt sollen innerhalb eines Jahres 1.500 Patienten in die zweiarmige randomisierte Evaluationsstudie eingeschlossen werden.

Auf Patientenseite sind drei Erhebungszeitpunkte vorgesehen (Intervention und Follow up nach einem sowie 14 Monaten). Für die Studienärzte umfasst der Arbeitsumfang zwei Erhebungszeitpunkte (Studieneinschluss und Follow up nach 14 Monaten).

Weitere Informationen zur Studie finden sich hier:  

https://www.uniklinikum-dresden.de/event-pca

  • Der Patienteneinschluss beginnt ab dem 2. Juli 2018. 

Teilnehmende Studienärzte erhalten vorab einen Studienordner mit allen Studienunterlagen für zunächst zehn Patienten.

Die Aufwandsentschädigung beträgt pro Proband 120 Euro. 

An der Studienteilnahme interessierte UrologInnen können sich ab sofort bei der:

SMG Forschungsgesellschaft mbH melden
(Elke.Hempel@smgf.de; Telefon: +49 (0)30 284 450 00). 

Für fachliche Rückfragen steht auch gerne der Studienleiter PD Dr. med. Dr. phil. Johannes Huber zur Verfügung (Mail: event-pca@uniklinikum-dresden.de). 

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Weitere Informationen für international Medizin am Abend Berlin Beteiligte
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