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Herzmuskelentzündung - Herzzellen - typische Lungenentzündung

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Neue Studie von UKE-Forschenden: Das Corona-Virus befällt auch das Herz

SARS-CoV-2 verändert die Genaktivität der Zellen – Klinische Auswirkungen noch unklar

Überraschende Erkenntnis von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus dem Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE): 


  • Das Corona-Virus kann auch Herzzellen infizieren und sich darin vermehren. 
  • Zudem ist es in der Lage, die Genaktivität infizierter Herzzellen zu verändern. 

Das geht aus einer aktuellen Studie unter der Leitung von Prof. Dr. Dirk Westermann aus der Klinik für Kardiologie in Zusammenarbeit mit dem Institut für Rechtsmedizin des UKE hervor. Für die Studie wurden 39 verstorbene Herzpatientinnen und -patienten untersucht, die mit SARS-CoV-2 infiziert waren. 
 
„Bisher wusste man nicht, in wie vielen Fällen SARS-CoV-2 auch das Herz befällt und – wenn es das tut – ob es sich in Herzzellen vermehren und dort krankhafte Veränderungen hervorrufen kann. Mit den nun vorliegenden Untersuchungsergebnissen haben wir deutlich mehr Klarheit“, sagt Studienleiter Prof. Westermann aus dem Universitären Herz- und Gefäßzentrum Hamburg des UKE. Bei rund zwei Drittel der untersuchten Patientinnen und Patienten (24 von 39) konnten die Forschenden im Herzgewebe das Corona-Virus SARS-CoV-2 nachweisen. In 16 Fällen fanden sie das Virus in Mengen, die klinische Auswirkungen hätten haben können (mehr als 1.000 Viruskopien pro Mikrogramm RNA). Bei fünf Patienten mit den höchsten Virusmengen identifizierten die Forschenden den Plus- und Minus-Strang des Virus-Erbguts. „Das ist das Zeichen, dass sich das Virus auch in der betreffenden Zelle vermehrt“, so Prof. Westermann.

Keine typischen Zeichen für Herzmuskelentzündung gefunden


Durch die Infektion verändern sich zwar die Herzzellen.
Ob dies allerdings Auswirkungen auf den Krankheitsverlauf hat, lässt sich noch nicht abschließend klären. Das Wissenschaftlerteam hatte die Aktivität von sechs entzündungsfördernden Genen genauer unter die Lupe genommen. Bei den 16 Patienten mit der höchsten Viruslast war die Aktivität dieser Gene deutlich erhöht. „Dies hätte auf das Vorliegen einer Herzmuskelentzündung schließen lassen können. Gleichwohl haben wir keine typischen Kennzeichen einer solchen Entzündung – etwa das Einwandern von Entzündungszellen aus dem umliegenden Gewebe in den Herzmuskel – finden können. Unsere Ergebnisse unterstützen die bisherige Beobachtung, dass eine Herzmuskelentzündung im Zusammenhang mit COVID-19 nur sehr selten auftritt“, erklärt Prof. Westermann.

  • Die durch die Infektion hervorgerufene veränderte Genaktivität in den Herzzellen könne allerdings Langzeitfolgen für die Gesundheit von Betroffenen haben. 

Um das zu klären, seien künftig Reihenuntersuchungen an lebenden COVID-19-Patientinnen und Patienten notwendig, so der Wissenschaftler.

Studienpatienten entsprechen den typischen COVID-19-Patientinnen und -Patienten

Die für die Studie untersuchten verstorbenen Patientinnen und Patienten (23 Frauen, 16 Männer) waren im Mittel 85 Jahre alt.

Alle wurden zu Lebzeiten mit einem Rachenabstrich positiv auf das Corona-Virus SARS-CoV-2 getestet und entwickelten die für COVID-19 typische Lungenentzündung.

Nach ihrem Tod wurden sie zwischen dem 8. und 18. April gerichtsmedizinisch untersucht. 

Dabei wurden die für die späteren genetischen Untersuchungen notwendigen Gewebeproben entnommen.

„Die Patienten repräsentieren mit ihren altersgerechten Vorerkrankungen wie Bluthochdruck und koronare Herzerkrankung die typischen COVID-19-Patienten in Deutschland“, erläutert Prof. Dr. Stefan Blankenberg, Co-Autor der Studie und Ärztlicher Leiter des Universitären Herz- und Gefäßzentrums, und ergänzt:

„Eine Limitation unserer Studie ist allerdings, dass wir bislang nur Verstorbene untersuchen konnten.

Wichtig wird sein, diese Erkenntnisse in Zukunft an Überlebenden der Erkrankung zu validieren.“

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Prof. Dr. Dirk Westermann
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Originalpublikation:
Lindner D. et al., Cardiac infection with SARS-CoV-2 in confirmed COVID-19 autopsy cases. Eingereicht und zur Veröffentlichung akzeptiert im Fachmagazin „JAMA Cardiology“.


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CAVE-Untersucher: Wirksamkeit von Kaltplasma bei chronischen Wunden

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Nachweis erbracht: Kaltplasma wirkt bei chronischen Wunden

Ärzte und Wissenschaftler aus Bad Oeynhausen, Karlsburg und Greifswald belegen erstmalig Wirksamkeit von Kaltplasma in prospektiver, randomisierter und placebokontrollierter Studie. 
 Kaltplasma-Therapie: Wirksam bei der Behandlung chronischer Wunden
 Kaltplasma-Therapie: Wirksam bei der Behandlung chronischer Wunden
(Foto: © neoplas tools GmbH).
 
  • Zu den großen Herausforderungen in der Behandlung von Patienten mit Diabetes zählt das Management von chronischen Wunden, deren dauerhafte Abheilung deutlich verzögert ist. 
  • Die Kombination aus fehlendem Impuls zur Wundheilung und Infektionsgeschehen verhindert dabei Wundverschluss und Geweberegeneration – ein Problem, das durch den Diabetes deutlich verschärft wird. 

  • Die Behandlung ist teuer und langwierig. 

Die Therapie gestaltet sich für Ärzte und Patienten gleichermaßen mühsam, weshalb neue Konzepte dringend erforderlich sind.

Ein solch innovatives Konzept könnte die Behandlung mit Kaltplasma sein, dessen Wirksamkeit jetzt erstmalig wissenschaftlich bestätigt wurde. Dies ist Ärzten und Forschern im Herz- und Diabeteszentrum NRW (HDZ NRW), Bad Oeynhausen, im Klinikum Karlsburg und im Leibniz-Institut für Plasmaforschung und Technologie (INP) Greifswald jetzt gelungen. Sie untersuchten 62 Wunden in einer prospektiven, randomisierten, Placebo-kontrollierten und Patienten-verblindeten Studie, die ergänzend zur Standardwundtherapie entweder Kaltplasma oder Placebo erhielten.

„Der Heilungsprozess unter Therapie mit Kaltplasma war signifikant beschleunigt, was zu schnellerem Wundverschluss führte“, konstatiert der Leiter der klinischen Prüfung, Prof. Dr. Dr. h.c. Diethelm Tschöpe, Direktor des Diabeteszentrums am HDZ NRW. „Ein Vorteil des Verfahrens ist die gute Patientenverträglichkeit. Wir haben keine mit der Therapie verbundenen Nebenwirkungen festgestellt“, ergänzt Wundexpertin Dr. Tania-Cristina Costea, Oberärztin der Klinik.

Die Annahme, dass Kaltplasma antimikrobiell und infektmodulierend wirkt, konnte nicht belegt werden.

Dies könne vermutlich auf die effektive, begleitende Standardtherapie zurückgeführt werden und zeige, dass biologische Effekte des Plasmas in der Wundheilung relevant seien, führt PD Dr. Bernd Stratmann, Erstautor der Publikation und Forschungsleiter im Diabeteszentrum, weiter aus.

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Hintergrundinformation:
Als Plasma wird ein angeregter Gaszustand bezeichnet, der oft als vierter Aggregatzustand (neben fest, flüssig und gasförmig) beschrieben wird. 

Die Kombination der verschiedenen Wirkprinzipien des Plasmas hat eine stark antibakterielle und wundheilungsfördernde Wirkung.

Durch die physikalische Gewebestimulation kann der Wundheilungsvorgang wieder aktiviert werden, die Infektion soll durch die desinfizierende Wirkung zurückgedrängt werden.

Als Spezialklinik zur Behandlung von Herz-, Kreislauf- und Diabeteserkrankungen zählt das Herz- und Diabeteszentrum Nordrhein-Westfalen (HDZ NRW), Bad Oeynhausen mit 35.000 Patienten pro Jahr, davon 14.600 in stationärer Behandlung, zu den größten und modernsten Zentren seiner Art in Europa.


Im Diabeteszentrum des HDZ NRW unter der Leitung von Prof. Dr. med. Dr. h.c. Diethelm Tschöpe werden jährlich rund 2.000 Menschen mit allen Typen des Diabetes mellitus und seinen Folgeerkrankungen behandelt. 

Zum Leistungsspektrum gehört auch die Diagnostik und Therapie endokrinologischer und gastroenterologischer Erkrankungen.

Ein besonderer Schwerpunkt ist die kardiovaskuläre Risikoabschätzung und Behandlung von Herz- und Gefäßerkrankungen im integrierten Versorgungskonzept. 
  • Zudem ist das Diabeteszentrum auf die Behandlung von Nervenschäden und Durchblutungsstörungen spezialisiert, dazu gehört auch die Wundheilung bei Diabetischem Fußsyndrom.

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Herz- und Diabeteszentrum Nordrhein-Westfalen
Universitätsklinik der Ruhr-Universität Bochum
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Georgstr. 11
32545 Bad Oeynhausen
Tel. 05731 97-1955
Fax 05731 97-2028
E-Mail: info@hdz-nrw.de

Prof. Dr. med. Dr. h.c. Diethelm Tschöpe
Klinikdirektor Diabeteszentrum
Herz- und Diabeteszentrum NRW (HDZ NRW)
Universitätsklinik der Ruhr-Universität Bochum
Georgstr. 11
32545 Bad Oeynhausen
E-Mail: dtschoepe@hdz-nrw.de

Originalpublikation:
Bernd Stratmann, PhD; et al: Cold Atmospheric Plasma Therapy vs Placebo for Diabetic Foot Ulcers. JAMA Network Open. 2020;3(7):e2010411.

Weitere Informationen für international Medizin am Abend Berlin Beteiligte
http://www.hdz-nrw.de


 

CAVE-Untersucher: Mitochondriale Atmung: Bildung neuer Blutgefäße durch Angiogenese

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Die mitochondriale Verbindung: Warum Blutgefäße in Wunden und Tumoren zu sprießen beginnen

Neue Kashkar-Studie zeigt: 
Bei hohem Energiebedarf und unter schwierigen Nährstoffbedingungen während der Gewebereparatur oder des Tumorwachstums ist die mitochondriale Atmung entscheidend für die Bildung neuer Blutgefäße  

Ein Wissenschaftlerteam des CECAD-Exzellenzclusters der Universität zu Köln (CECAD - Cellular Stress Responses in Aging-Associated Diseases) unter der Leitung von Hamid Kashkar hat herausgefunden, dass neue Aussprossungen von Blutgefäßen während der Entwicklung, der Wundheilung oder des Tumorwachstums durch zellulären Energiestoffwechsel mit Beteiligung von mitochondrialen Atmung, gesteuert werden. 
  • Die Mitochondrien, auch Kraftwerke der Zelle genannt, versorgen den Organismus mit Lebensenergie. 
  • Die Endothelzellen, die eine dünne Schicht innerhalb der Gefäße aufbauen, nutzen die mitochondriale Energieproduktion, wie in dieser Studie gezeigt wurde. 

Der Immunologe Kashkar und sein Team liefern hier den genetischen Beweis für die Notwendigkeit der mitochondrialen Atmung während der Angiogenese - der Bildung neuer Sprossen von Gefäßen - und werfen ein neues Licht auf die metabolische Kontrolle der Gefäßbildung während der Entwicklung, der Gewebereparatur und der Krebsentstehung. 


Der Rückgang der mitochondrialen Aktivität in Endothelzellen könnte eine wichtige Rolle bei der Alterung und alterungsbedingten Krankheiten, aber auch beim Tumorwachstum spielen und daher in Zukunft ein Schwerpunkt für therapeutische Behandlungen werden.

Die Studie "Mitochondrial respiration controls neoangiogenesis during wound healing and tumour growth" wurde in Nature Communication veröffentlicht.

Blutgefäße bleiben während des gesamten Erwachsenenlebens überwiegend ruhig, besitzen aber die Fähigkeit, als Reaktion auf Verletzungen oder unter pathologischen Bedingungen wie Tumorwachstum rasch neue Verzweigungen zu bilden (Neoangiogenese), die eine zusätzliche Blutversorgung erfordern. 

Die innere Oberfläche der Blutgefäße ist von einer dünnen Schicht von Endothelzellen mit bemerkenswerter funktioneller Plastizität ausgekleidet, die rasch von einem ruhenden in einen stark angiogenen Zustand übergehen können.

Dieser angiogene Schalter wurde lange Zeit als hauptsächlich durch vaskuläre Wachstumsfaktoren gesteuert betrachtet.


Das Kölner Forscherteam untersuchte die physiologische Rolle der mitochondrialen Atmung in Blutgefäßen in Zellkulturen und Mäusen.

Kashkars Gruppe zeigte, dass die mitochondriale Atmung für die Neoangiogenese erforderlich ist. 


„Wir fanden heraus, dass eine gefäßspezifische Blockade der mitochondrialen Funktion bei Mäusen zur embryonalen Letalität führt.

Im Gegensatz dazu konnten wir bei erwachsenen Mäusen ohne endotheliale mitochondriale Atmung keine offensichtliche Veränderung feststellen.

Diese Mäuse zeigten jedoch eine verlangsamte Wundvaskularisierung und -heilung sowie ein vermindertes Tumorwachstum und eine verminderte Angiogenese". erklären Lars Schiffmann und Paul Werthenbach, die Erstautoren der Studie.


  • „Die fehlende mitochondriale Aktivität in Endothelzellen unter normalen Bedingungen mit geringem Energieverbrauch verursacht nicht primär eine vaskuläre Veränderung. 
  • Im Gegensatz dazu sind Endothelzellen, die mit hohem Energiebedarf und unter schwierigen Nährstoffbedingungen während der Gewebereparatur oder des Tumorwachstums sprießen, in hohem Maße von der mitochondrialen Funktion abhängig", fügt Hamid Kashkar hinzu.
  • Die aktuelle Studie stellt die Hypothese auf, dass die fortschreitende Abnahme der mitochondrialen Aktivität bei Alterung und alterungsassoziierten Krankheiten die Angiogenese und damit die Regenerationsfähigkeit der alternden Gewebe reduziert. 

Unabhängig davon könnte die gezielte Beeinflussung der Blutgefäße von Tumoren durch mitochondriale Wirkstoffe eine wertvolle Krebstherapie darstellen und sollte in Zukunft erforscht werden.

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Professor Dr. Hamid Kashkar
Principal Investigator, Institut für Medizinische Mikrobiologie, Immunologie und Hygiene
+49 221 478-84091
h.kashkar@uni-koeln.de

Robert Hahn
+49 221 470-2396
r.hahn@verw.uni-koeln.de

Gabriele Meseg-Rutzen Universität zu Köln
Albertus-Magnus-Platz 1
50923 Köln
Deutschland
Nordrhein-Westfalen
Telefon: 0221/470-5601
Fax: 0221/470-5190
E-Mail-Adresse: meseg-rutzen@uni-koeln.de

Publikation:
DOI: 10.1038/s41467-020-17472-2

Eingriffe und Überlebensraten bei der Herz-Operation https://www.kurklinikverzeichnis.de/

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Exzellente herzchirurgische Patientenversorgung in Deutschland

Die alljährlich publizierten herzchirurgischen Zahlen und Fakten der Deutschen Gesellschaft für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie e.V. (DGTHG) zeigen die bundesweite, herzchirurgische Versorgung auf konstant hohem Niveau. 
 
Leichter Anstieg der herzchirurgischen Operationen im Vergleich zum Vorjahr

Die herzchirurgischen Leistungszahlen – kategorisiert nach Eingriffen und Überlebensraten – werden alljährlich von der Gesellschaft für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie (DGTHG) veröffentlicht. 
  • Bundesweit ist die durchgängig flächendeckende Patientenversorgung durch die 78 etablierten Fachabteilungen für Herzchirurgie und insgesamt ca. 980 tätigen Fachärzte für Herzchirurgie gesichert. 
  • Im letzten Jahr ist die Gesamtzahl der Herz-Operationen im engeren Sinne leicht um 1,8 Prozent angestiegen und liegt bei 100.446 Eingriffen (2018: 98.707). 
Inkludiert man alle erfassten Eingriffskategorien und zählt Herzschrittmacher- und Defibrillator-Eingriffe, sowie die Operationen der herznahen Hauptschlagader ohne Einsatz der Herz-Lungen-Maschine dazu, summiert sich die Gesamtzahl auf 175.705 im Jahr 2019 (Eingriffe im Jahr 2018: 174.902).

Deutlich höheres Alter der am Herzen operierten Patienten
  • In den letzten zehn Jahren (2009-2019) ist Anzahl der herzchirurgischen Operationen bei Patienten der Altersgruppe 70+ deutlich angestiegen. 
  • Trotz der jährlichen Zunahme älterer Patienten in den herzchirurgischen Fachabteilungen, blieben die Krankenhaus-Überlebensraten in den einzelnen Eingriffskategorien durchweg stabil. 
  • Im Jahr 2019 waren 33,5 Prozent der Patienten 70 bis 79 Jahre; 18,6 Prozent sogar 80 Jahre und älter. 
Medizin am Abend Berlin ZusatzFachThema: Verlegung nach OP 

Die Gruppe der über 80jährigen nahm im vergangenen Jahr um 6,2 Prozent zu und machte 18,6 Prozent aller operierten Herzpatienten aus.

Die nahezu gleichbleibende Überlebensrate von ca. 97 Prozent spiegelt die erfolgreiche sowie qualitativ hochwertige herzchirurgische Versorgung von älteren und hochbetagten Patienten.

Medizin am Abend ZusatzFachLink: Neue Herzklappe 

Koronare Bypass-Operationen stiegen leicht an


Für das Jahr 2019 ist ein leichter Anstieg der isolierten koronaren Bypass-Operationen von 0,66 Prozent auf 34.224 zu verzeichnen (2018: 33.999) bei gleichzeitigem Anstieg (0,2 Prozent) der Überlebensrate auf 97,3 Prozent. Die Durchführung der koronaren Bypass-Operationen mit weiteren Prozeduren lag 2019 bei 9.869 im Vergleich zum Vorjahr 2018 mit 10.264.

Herzklappeneingriffe steigen seit Jahren an


Bundesweit ist die Aortenklappenstenose derzeit die häufigste invasiv therapierte Herzklappenerkrankung, gefolgt von der Mitralklappeninsuffizienz. Wurden 2018 noch 34.915 isolierte Herzklappen-Operationen gezählt, waren es im vergangenen Jahr bereits 36.650 – eine Steigerung von ca. 4,7 Prozent. Der überwiegende Teil der Herzklappen-Operationen betrifft die Aortenklappe. Bei 9.391 Patienten wurde im letzten Jahr eine isolierte herzchirurgische Aortenklappenoperation mit Anwendung der Herz-Lungen-Maschine durchgeführt (2018: 10.022). In weiteren 1.358 Kombinations-Eingriffen wurde die Aortenklappe ersetzt und gleichzeitig auch die Mitralklappe rekonstruiert oder ersetzt. Durch den Einsatz kathetergestützter Therapieverfahren stieg die Zahl der Eingriffe bei Patienten mit erworbenen Herzklappenerkrankungen in den letzten zehn Jahren spürbar an.

  • Die Entscheidung für eine herzchirurgische Operation oder das kathetergestützte Therapieverfahren erfolgt anhand wissenschaftlicher Leitlinien, in denen u.a. ein etabliertes interdisziplinäres Herzteam obligat ist.

Rekonstruierte Mitralklappe ist Goldstandard

Bei den 6.419 (2018: 6.222) isolierten Mitralklappen-Operationen setzte sich der Trend der letzten Jahre fort: Bei rund zwei Drittel bzw. 64,5 Prozent (+0,2% im Vergleich zum Vorjahr mit 64,3%) der Operationen konnte die patienteneigene Mitralklappe rekonstruiert werden, wobei die Überlebensrate bei 98,9 Prozent lag. In den übrigen 2.279 Eingriffen wurde die Mitralklappe herzchirurgisch durch eine Prothese ersetzt. Dies auch vor dem Hintergrund, dass nicht jeder Herzklappenfehler für eine Rekonstruktion zugänglich ist. Die In-Hospital-Überlebensraten stieg auf 99,2 Prozent für die Rekonstruktionen.

Herzunterstützungssysteme als alternative Therapie

Die Zahl der implantierten Herzunterstützungssysteme für schwerst-herzinsuffiziente Patienten ist von 942 im Jahr 2018 auf insgesamt 953 im vergangenen Jahr angestiegen, wobei die sog. Links-/Rechtsherz-Unterstützungssysteme bei 97 Prozent der Patienten zum Einsatz kommen (924 L/RAVD im Vorjahr: 903).

Eine eher untergeordnete Rolle spielen die biventrikulären Herzunterstützungssysteme mit einer Zahl von 14 Implantationen in 2019 (Vorjahr: 16) und die sogenannten Kunstherzen (Total artificial heart) mit verpflanzten 15 TAH in 2019 (2018:23).

Mehr Spenderherzen verpflanzt

Erfreulicherweise ist die Anzahl der Spenderherzen und damit die Zahl der Herztransplantationen um 6,7 Prozent gestiegen: von 312 (2018) auf 333 im vergangenen Jahr. Die DGTHG begrüßt die steigende Organspendebereitschaft und weist gleichzeitig darauf hin, dass rund 10.000 Menschen bundesweit auf ein geeignetes Organ warten. Mit der eigenen Kampagne der Fachgesellschaft, gestartet im Februar 2020, wollen die HerzchirurgenInnen weiter für das Thema sensibilisieren, denn bis dato gibt es keinen adäquaten Ersatz für das menschliche Herz.

Die gesamte Leistungsstatistik (Folien und Report) steht zum kostenfreien Download unter:
https://www.dgthg.de/de/dgthg_leistungsstatistik


Die Deutsche Gesellschaft für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie e.V. (DGTHG) mit Sitz in Berlin ist eine gemeinnützige, wissenschaftliche, medizinische Fachgesellschaft, deren Ziele u.a. der Förderung der Wissenschaft und Weiterentwicklung von Therapien auf dem Gebiet der Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie sind. Zu den weiteren Hauptaufgaben zählen die Durchführung von Weiter- und Fortbildungsprogrammen, Erstellung medizinischer Leitlinien, Förderung von Nachwuchskräften und die Ausrichtung medizinischer Fachtagungen. Als Vertretung der über 1.000 in Deutschland tätigen und in der DGTHG organisierten Thorax-, Herz- und Kardiovaskularchirurgen stehen die Verantwortlichen der Fachgesellschaft für einen Dialog mit der Öffentlichkeit, Politik und Wirtschaft zur Verfügung.

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CAVE-Untersucher: „Lazarus-Phänomen“ - Nullinie oder Kammerflimmern http://www.eurac.edu

Medizin am Abend Berllin - MaAB-Fazit: Das „Lazarus-Phänomen“: Wenn Tote plötzlich wieder Lebenszeichen geben

Ein Patient mit Kreislaufstillstand wird vom Notfallarzt wiederbelebt. 

Das Herz schlägt nicht mehr, es sind keine Lebenszeichen mehr vorhanden, das EKG zeigt eine Nulllinie oder Kammerflimmern an, die Wiederbelebung ist erfolglos. 

Nach 20 bis 30 Minuten Reanimation setzt der Notarzt die Wiederbelebung den Richtlinien entsprechend ab. 

Plötzlich, Minuten später und ohne Zutun von außen, zeigt der Patient wieder ein Lebenszeichen, atmet, hat Puls. 

  • Dieses als „Lazarus-Phänomen“ bekannte Ereignis haben laut publizierten Umfragen viele Intensivmediziner schon beobachtet. 

Notärzte bei der Wiederbelebung
Notärzte bei der Wiederbelebung Adobe Stock / Lightfield Studios
 
Ein internationales Team aus Notfallmedizinern des University Hospitals Morecambe Bay Trust (UK), des Universitätsspitals Lausanne (CH), des Bozner Forschungszentrums Eurac Research (I) und der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität Salzburg (A) hat zum ersten Mal alle in der medizinischen Fachliteratur publizierten Fälle im Bereich der erweiterten Wiederbelebung durch professionelle Helfer – 65 seit 1982 – systematisch analysiert. 

Die Erkenntnisse könnten sich auf die gesamte Notfallmedizin auswirken.

Warum es Minuten nach einer erfolglos beendeten Wiederbelebung zu einer spontanen Rückkehr der Lebensfunktionen kommt, ist bislang unbekannt, doch ist dieses Ereignis keinesfalls selten.

Das zeigen weltweite Umfragen, wo 37 bis 50 Prozent der befragten Anästhesisten und Intensivmediziner angeben, derartige Phänomene schon erlebt zu haben.

Die vier Forscher Les Gordon, Mathieu Pasquier, Hermann Brugger und Peter Paal finden bei ihrer Durchforstung der gesamten medizinischen Literatur, in der das Phänomen 1982 erstmals beschrieben wird, allein 65 dokumentierte Fälle.

„Wir vermuten aufgrund unserer Analysen, dass das Lazarus-Syndrom viel häufiger auftritt als es in der Literatur aufscheint“, schlussfolgert Les Gordon, Hauptautor der Studie und britischer Notfallmediziner.


  • Unter „Lazarus-Phänomen“ fasst das Forscherteam alle Fälle von Notfallpatienten mit Herzkreislaufstillstand zusammen, die nach der Herz-Lungen-Wiederbelebung aufgegeben wurden und dann eine spontane Rückkehr des Kreislaufs hatten.

Es bezieht sich nicht auf die Wiederbelebung durch Laien. 

Von den 65 beschriebenen Fällen hat ein Drittel (22 Personen) den Kreislaufstillstand überlebt, 82 Prozent davon – also 18 Patienten – ohne neurologischem Dauerschaden.

„Auch wenn es wenige scheinen, sind die Konsequenzen doch beträchtlich, wenn man an das beteiligte medizinische Personal, die Angehörigen, die rechtlichen Konsequenzen und die tägliche Anzahl der Patienten denkt, die Wiederbelebungsmaßnahmen benötigen“, unterstreichen die Mitautoren Hermann Brugger, Leiter des Instituts für Alpine Notfallmedizin von Eurac Research, und Peter Paal von der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität Salzburg.

„Die Tatsache, dass die Mehrheit der Überlebenden keine Folgeschäden aufwies, ist von allergrößter Bedeutung“, schließt Forscherkollege Mathieu Pasquier. 


Aufgrund ihrer Erkenntnisse geben die vier Forscher in ihrer Studie eine Reihe von Empfehlungen, die wichtigste: 
  • Nach Beenden einer Herz-Lungen-Wiederbelebung soll ein Patient noch mindestens zehn Minuten mithilfe eines Elektrokardiagramms beobachet und überwacht werden. 
  • Denn bei den 65 dokumentierten Fällen traten die Lebenszeichen im Durchschnitt nach fünf Minuten auf, die meisten innerhalb von zehn Minuten.

Die Studie ist im renommierten Scandinavian Journal of Trauma, Resuscitation and Emergency Resuscitation veröffentlicht und kann unter folgendem Link nachgelesen werden:

https://sjtrem.biomedcentral.com/track/pdf/10.1186/s13049-019-0685-4
Originalpublikation:
https://sjtrem.biomedcentral.com/track/pdf/10.1186/s13049-019-0685-4

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Medizin am Abend Berlin Team - Vor Ort - Brainstorming und Trainingskurse

Sehr verehrte Medizin am Abend Berlin Beteiligte und Interessierte,

seit Freitag, den 10. Juli 2020 bis einschließlich Montag, den 20. Juli 2020 befinden wir uns als MaAB - Medizin am Abend Berlin Team im traditionellen SommerCamp auf dem Darß/Ostsee im Landkreis Vorpommern-Rügen MVP-Germany.

Versprochen: 

Wir kommen wieder mit neuen thematischen, inhaltlichen und terminlichen Schwerpunktaspekten zu Ihnen und Ihren Teams zurück.

Bleiben Sie gesund und orientiert.

Ihr Medizin am Abend Berlin Team























Professor Dr. Hendrik Bracht

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Notaufnahme der Uniklinik unter neuer Leitung

Prof. Dr. Hendrik Bracht leitet interimsweise die Zentrale Interdisziplinäre Notaufnahme am Universitätsklinikum Ulm 
 
Zum 1. Juli hat Professor Dr. Hendrik Bracht interimsmäßig die ärztliche Leitung der Zentralen Interdisziplinären Notaufnahme (ZINA) des Universitätsklinikums Ulm am Oberen Eselsberg übernommen. Professor Bracht ist seit 2001 am Universitätsklinikum tätig, seit 2012 als geschäftsführender Oberarzt in der Klinik für Anästhesiologie im Bereich der Interdisziplinären Operativen Intensivmedizin (IOI).

 Prof. Dr. Hendrik Bracht übernimmt interimsweise die ärztliche Leitung der Zentralen Interdisziplinären Notaufnahme am Universitätsklinikum Ulm
 Prof. Dr. Hendrik Bracht übernimmt interimsweise die ärztliche Leitung der Zentralen Interdisziplinären Notaufnahme am Universitätsklinikum Ulm
Universitätsklinikum Ulm






Der Facharzt für Anästhesie und Intensivmedizin mit den Zusatzbezeichnungen spezielle Intensivmedizin und Notfallmedizin tritt die Nachfolge von Dr. Alexander Dinse-Lambracht an, der in seiner norddeutschen Heimat neue Aufgaben übernimmt.


„Wir danken Professor Bracht dafür, dass er zeitweilig die ärztliche Leitung der ZINA übernimmt.

Dass wir für diese zentrale Position einen erfahrenen Intensiv- und Notfallmediziner mit langjähriger Expertise am Universitätsklinikum Ulm gewinnen konnten, freut uns sehr“, erklären Professor Dr. Udo X. Kaisers, Leitender Ärztlicher Direktor und Vorstandsvorsitzender des Universitätsklinikums Ulm und Professor Dr. Florian Gebhard, Ärztlicher Direktor der Klinik für Unfall-, Hand-, Plastische und Wiederherstellungschirurgie und Leiter des ZINA-Boards, das die Funktionsfähigkeit der ZINA überwacht und unterstützt. „Gleichzeitig geht unser Dank an Dr. Dinse-Lambracht, der sich um die Neustrukturierung der Notfallmedizin und den Aufbau der ZINA am Universitätsklinikum Ulm verdient gemacht hat“, so Professor Kaisers weiter.


In der ZINA werden grundsätzlich alle internistischen und chirurgischen Notfallpatient*innen des Standortes Oberer Eselsberg versorgt. P

Professor Bracht leitet vorläufig gemeinsam mit Oberärztin Dr. Sigrun Traub, Pflegekraft Franziska Wenzel und einem interdisziplinären Team die zentrale Anlaufstelle für Notfallpatient*innen am Universitätsklinikum Ulm.

Die Suche nach einer langfristigen Neubesetzung der Stabsstelle läuft bereits und ist für Anfang nächsten Jahres vorgesehen. 

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Monika Huth Universitätsklinikum Ulm
Albert-Einstein-Allee 29
89081 Ulm
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Baden-Württemberg

Telefon: 0731 500-43057
E-Mail-Adresse: monika.huth@uniklinik-ulm.de
 


 

CAVE-Chest Pain Unit (CPU): Herzinfarktversorgung: Zeit ist Herz-Musekl

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Gefährliche Angst vor dem Virus | Studie am UKU zu Herzinfarktpatienten während der Coronavirus-Pandemie

Das Coronavirus und die damit einhergehenden Einschränkungen des öffentlichen und privaten Lebens haben den Alltag vieler Menschen stark verändert. 

  • Doch nicht nur das Virus an sich, auch die Angst vor einer Ansteckung mit dem neuartigen Krankheitserreger kann schwerwiegende Folgen haben, das bestätigt eine aktuelle Studie des Universitätsklinikums Ulm. 

Expert*innen der Klinik für Innere Medizin II haben untersucht, welche Veränderungen es bei der Versorgung von Patient*innen mit akuten Herz-Kreislauf-Erkrankungen am Universitätsklinikum Ulm gab und ob sich die Anzahl der Patient*innen mit diesem Krankheitsbild verändert hat. 
(v. l. n. r. oben) Professor Wolfgang Rottbauer, Professor Armin Imhof , (v. l. n. r. unten) Dr. Manuel Rattka, PD Dr. Sinisa Markovic
 
  • „Neben der Angst vor einer Ansteckung mit dem neuartigen Krankheitserreger, denken im Moment die meisten Menschen bei Symptomen wie Luftnot und Brustschmerz zunächst an eine Coronavirus-Erkrankung und nicht an einen Herzinfarkt“, so Professor Wolfgang Rottbauer, Ärztlicher Direktor der Klinik für Herz- und Lungenerkrankungen des Universitätsklinikums Ulm. 
  • „Wir wissen, dass eine verzögerte Diagnostik und Behandlung eines Herzinfarktes Leben und Herzmuskel kostet – denn Zeit ist Muskel. 

Die Effekte der Coronavirus-Pandemie auf die Herzinfarktversorgung haben wir deshalb über unsere Chest Pain Unit (CPU) analysiert“, so Professor Wolfgang Rottbauer weiter. Die CPU arbeitet seit zehn Jahren für die Großregion Ulm und ist auf die notfallmäßige Behandlung von Herzpatient*innen spezialisiert.


Das Studienteam um Professor Armin Imhof hat hierzu alle Daten von Patient*innen, die zwischen dem 21. März und dem 20. April diesen Jahres notfallmäßig über die CPU aufgenommen wurden, untersucht. „Im Vergleich mit den Patientinnen und Patienten der vergangenen Jahre im gleichen Zeitraum waren die Herzinfarkte größer. 

  • Es traten häufiger schwere Komplikationen auf, wie beispielsweise Defekte der Herzscheidewand, die auch häufiger den Einsatz von Herz-Lungenmaschinen notwendig machten. 
Diese Art der Komplikationen beobachtet man seit Einführung der Chest Pain Units und durch Patientenaufklärung sonst nur noch sehr selten“ berichtet der Erstautor der Studie Dr. Manuel Rattka. 

Die Studie zeigt, dass Patient*innen – sogar wenn sie Symptome eines Herzinfarkts zeigten – später medizinische Hilfe gesucht haben als in den beiden Jahren zuvor.

„Wir haben die Laborwerte unserer Patientinnen und Patienten mit den Werten der letzten drei Jahre verglichen und festgestellt, dass die kritischen Werte während des Untersuchungszeitraums deutlich höher waren. 

Diese Erhöhung deutet darauf hin, dass zwischen den ersten Symptomen akuter Herz-Kreislauf-Probleme und der ersten medizinischen Untersuchung eine längere Zeit vergangen ist als üblich“, sagt Professor Armin Imhof. Dies bestätigt auch den Eindruck von Oberarzt PD Dr. Sinisa Markovic, Leiter der Chest Pain Unit und Mitautor der Studie.

Neben der Versorgung in der CPU haben die Herzspezialist*innen des Universitätsklinikums Ulm auch die generelle Anzahl der Akutaufnahmen an der Klinik für Innere Medizin II analysiert. Die an der Studie beteiligten Ärztinnen und Ärzte untersuchten im gleichen Zeitraum (21. März bis 20. April 2020) ob sich die Zahl der Patient*innen, die aufgrund akuter Herz-Kreislauf-Probleme in der Klinik für Innere Medizin II aufgenommen wurden, im Vergleich zu den Vorjahren verändert hat. Die Ergebnisse bestätigen, was viele schon vermuteten: „Verglichen mit den Jahren 2017 bis 2019 haben wir im untersuchten Zeitraum rund 20 Prozent weniger Patientinnen und Patienten wegen akuter Herz-Kreislauf-Probleme aufgenommen“, erklärt der Studienleiter und Oberarzt an der Klinik für Innere Medizin II, Professor Armin Imhof. „Dies liegt wohl nicht daran, dass plötzlich weniger Menschen an diesen Symptomen leiden, sondern – so vermuten wir – vielmehr an der Angst vieler, sich in einer Klinik mit dem Coronavirus anzustecken.“ 

  • Hinzu kommen könnte, dass einige Patient*innen nicht zur Überlastung des Gesundheitssystems während der Coronavirus-Pandemie beitragen wollten bzw. ihre Symptome selbst als nicht kritisch einschätzten. 

Besonders in den ersten 15 Tagen der Kontaktbeschränkungen seien die Patientenaufnahmen deutlich zurückgegangen.

 „Dieser Rückgang ist eine besorgniserregende Entwicklung, denn bei vielen Krankheitsbildern, die wir in unserer Klinik behandeln, zählt jede Sekunde.

Wenn Menschen, die akute Symptome verspüren, nicht rechtzeitig in eine Klinik kommen, kann das tödliche Folgen haben“, sagt Professor Armin Imhof.

Im Zuge der Coronavirus-Pandemie wurden am Universitätsklinikum Ulm für die Patient*innen, Mitarbeiter*innen und Besucher*innen umgehend zahlreiche Schutzmaßnahmen umgesetzt.

Auch während der Hochphase der Pandemie konnten Patient*innen, die mit akuten Herz-Kreislauf-Problemen und anderen kritischen Symptomen in die Chest Pain Unit eingeliefert wurden, jederzeit sicher und effizient dort , in den Herzkatheterlaboren und der kardiologischen Intensivstation versorgt werden.

Über die Chest Pain Unit (CPU)
Auf der Chest Pain Unit der Universitätskardiologie (Klinik für Innere Medizin II) des UKU werden täglich 20-30 Patient*innen mit Verdacht auf Herzinfarkt aus der Stadt und Region Ulm behandelt. Es werden mehr als 2.500 Stentimplantationen an Herzkranzgefäßen durchgeführt, wenn nötig auch unter Einsatz der Herzlungenmaschine. In der Kardiologie des Universitätsklinikums Ulm werden mehr als 6.000 stationäre Patient*innen pro Jahr wegen Herzkrankheiten wie Herzdurchblutungsstörungen (Herzinfarkt), Herzrhythmusstörungen, Herzklappenerkrankungen und Herzschwäche behandelt.

Die Herzklinik des UKU ist eine der größten Universitätskardiologien Deutschlands und zählt seit Jahren im Fokus Ranking aufgrund seiner Reputation, seiner Leistungsstärke, seiner höchsten Qualitätsstandards und wissenschaftlichen Leistungen zu den Top Einrichtungen der Herzmedizin in Deutschland. 

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Die Lymphozyten - weiße Blutkörperchen: Gezielte Immunabwehr

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: T-Lymphozyten spielen wichtige Rolle für Krankheitsverlauf bei COVID-19

MHH-Forschungsteam veröffentlicht erste europäische Studie dieser Art im Lancet-Journal „EBioMedicine“ 
 
  • Infektionen mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 können sehr unterschiedlich verlaufen – einige Menschen bleiben völlig ohne Symptome oder zeigen einen milden Krankheitsverlauf. 

Andere müssen im Krankenhaus behandelt werden. Doch auch hier gibt es Unterschiede zwischen Patientinnen und Patienten, die auf der Intensivstation beatmet werden müssen und solchen, die weniger schwer an COVID-19 erkranken. Wie sich diese beiden in den Kliniken versorgten Gruppen immunologisch unterscheiden, hat ein Forschungsteam der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) herausgefunden. Unter der Leitung des Instituts für Immunologie und der Klinik für Hämatologie, Hämostaseologie, Onkologie und Stammzelltransplantation haben die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler das Blut von COVID-19-Patientinnen und -Patienten untersucht.

Dabei stellten sie fest, dass für den Verlauf der Erkrankung eine bestimmte Zusammensetzung der Lymphozyten eine wichtige Rolle spielt, die für die gezielte Immunabwehr zuständig sind. 

Als erste europäische Studie dieser Art ist die Forschungsarbeit im Lancet-Journal „EBioMedicine“ erschienen. Erstautor ist Dr. Ivan Odak.

  • Zahl der T-Lymphozyten sinkt bei schwer erkrankten COVID-19-Patienten

„Uns war zwar bekannt, dass schwer an COVID-19 erkrankte Patienten generell weniger Lymphozyten im Blut haben“, sagt Dr. Christian Schultze-Florey, gemeinsam mit Professor Dr. Christian Könecke verantwortlicher Leiter der Studie.

„Allerdings wussten wir nicht, welche speziellen Untergruppen und in welchen Ausmaß diese tatsächlich betroffen sind.“

  • Lymphozyten gehören zu den weißen Blutkörperchen und werden wie alle Blutzellen im Knochenmark gebildet. 
  • Danach müssen sie im Körper einen Reifungsprozess durchlaufen, bevor sie als T- oder B-Lymphozyten körperfremde Zellen wie Bakterien oder Viren erkennen und bekämpfen können. 
  • Bei schweren Verläufen von COVID-19 – etwa Patienten, die beatmet werden müssen – zeigten sich alle Lymphozyten-Unterarten vermindert im Vergleich zu gesunden Kontrollpersonen. 

Dies war bei milden COVID-19 Verläufen deutlich weniger ausgeprägt.

„Von wegweisender Bedeutung war zudem, dass die COVID-19-Patienten mit milder Erkrankung schon bei Aufnahme ins Krankenhaus mehr Effektor-T-Zellen aufwiesen als die Patienten mit einem schweren Verlauf“, erläutert Professor Könecke.

  • Effektor-T-Zellen sind besonders aktivierte T-Zellen, die entweder direkt kranke Zellen zerstören oder mit Botenstoffen das Immunsystem alarmieren und so zusätzliche Immunzellen anlocken. 

Unterschiede konnten die Forscher auch im Verlauf der COVID-19-Erkrankung feststellen.

  • Erholen sich die Patienten von der Infektion mit SARS-CoV-2 und verbessert sich ihr Gesundheitszustand, nimmt auch die Anzahl der Effektor-Zellen im Blut deutlich zu. 

Auch Gedächtniszellen, die als eine besondere Form der T-Zellen Krankheitserreger bei einer erneuten Infektion wiedererkennen und dadurch schneller bekämpfen können, lassen sich im Laufe der Genesung wieder verstärkt nachweisen.

Bleibt eine Besserung der Erkrankung aus, kommt es hingegen nicht zu einem solchen Anstieg.

Gezieltere Diagnose und effektivere Behandlung möglich

„Die T-Zell-Immunantwort scheint bei COVID-19 eine entscheidende Rolle zu spielen“, sagt Professor Förster, Leiter des Instituts für Immunologie.

  • Die generelle Abnahme der Lymphozyten-Unterarten und der Effektor-T-Zellen könnten daher als Biomarker dienen, um über die Messung des Immunstatus den Schweregrad der Erkrankung frühzeitig einzuschätzen. 

„Das ist wichtig, weil manche Patienten bei der Aufnahme ins Krankenhaus klinisch zunächst stabil erscheinen, jedoch schon wenig später ein schwerer COVID-19 Verlauf eintritt“, betont Studienleiter Schultze-Florey.

Diese Patienten könnten durch eine gezielte Diagnose schneller und effektiver behandelt werden.

Auch der Therapieverlauf ließe sich mit Hilfe der T-Zell-Marker möglicherweise vorhersagen. 

So könnte bereits während der Behandlung kontrolliert werden, ob die Patienten darauf ansprechen und sich ihr Gesundheitszustand voraussichtlich verbessert.

Die Forschungsarbeit „Reappearance of Effector T Cells Is Associated With Recovery from COVID-19“ wurde finanziert durch das Corona-Forschungsförderprogramm des Landes Niedersachsen, den Exzellenzcluster „RESIST“und den Sonderforschungsbereich (SFB) 900 der Deutschen Forschungsgemeinschaft.

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