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Alte und chronisch kranke Menschen

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Keine Experimente mit der alten und chronisch kranken Bevölkerung ohne wissenschaftliche Begleitung

Mit Hochdruck wird derzeit an dem Ausstiegskonzept aus dem Maßnahmenpaket zur sozialen Distanz gearbeitet. 

Alte und chronisch kranke Menschen sollen weiterhin zu Hause bleiben. 

Das EbM-Netzwerk fordert nachdrücklich eine Politik-unabhängige, prospektiv geplante Begleitforschung der Implikationen der verordneten Maßnahmen. 
 
Bundesminister Spahn kündigt jetzt an, bis Ostern ein Ausstiegskonzept aus den umfangreichen Maßnahmen zur sozialen Distanz, Beschränkung der Kontakte und des gesellschaftlichen Lebens vorzulegen.

Die alten und chronisch kranken Menschen müssten weiterhin die Kontakte einschränken und zu Hause bleiben.

Distanz und Isolation also für eine Bevölkerungsgruppe mit erhöhtem Sterberisiko.

  • In Anbetracht der schwachen oder fehlenden Evidenz letztlich ein nationenweites unkontrolliertes Experiment. 

Eine Evaluierung der Effekte der Maßnahmen sei nicht geplant, dazu sei der Handlungsdruck zu groß.

Das QUEST Center (Quality, Ethics, Open Science, Translation) fordert zusammen mit dem EbM-Netzwerk und der Akademie für Ethik in der Medizin, die Wirkungen und unerwünschten gesundheitlichen, sozialen und wirtschaftlichen Kollateraleffekte der ergriffenen Maßnahmen zu untersuchen. Keinesfalls darf jetzt der Eindruck entstehen, dass es mit der umfangreichen BMBF-Förderung eines Forschungsnetzwerks der deutschen Universitätsmedizin getan ist. Dieses soll die Forschungsaktivitäten in der Universitätsmedizin zur Bewältigung der aktuellen Pandemie-Krise bündeln. Die Covid-19 Pandemie ist bei Weitem nicht nur ein Problem der medizinischen Grundlagenforschung, klinischer Therapiestudien und intensivmedizinischer Verfahrensweisen. Dringlich sind ebenso Fragen der Versorgungsforschung, Pflegewissenschaft und Public Health.

Ganz real bedrohliche Zustände zeichnen sich zum Beispiel in den Settings jenseits der Universitätsmedizin ab, wo mehrheitlich alte und gebrechliche Menschen begleitet werden:

In der hausärztlichen Versorgung, der ambulanten professionellen und familialen Pflege und in den Heimen.

Unsere Pflegeheime haben sich inzwischen mehrheitlich zur Außenwelt verschlossen. Die Bewohner*innen können keinen Besuch mehr von Angehörigen und Freund*innen empfangen, da diese als Überträger fungieren könnten. 

  • Das Personal jedoch ist täglich zugehend und so erscheint das Pflegeheim als der perfekte Inkubator für die Verbreitung der Infektion. 

Von den Pflegenden geht vermutlich eine ungleich große Gefahr für Übertragung aus, denn sie stehen im körpernahen Kontakt mit vielen Menschen. Derweilen wird der eklatante Mangel in der Ausstattung mit Hygieneartikeln und Desinfektionsmitteln beklagt. Eine Umsetzung der vom Robert Koch Institut empfohlenen Schutzmaßnahmen ist so nicht möglich. Diese Klagen werden auch in der ambulanten Pflege erhoben, in der die Mehrzahl der Pflegebedürftigen in Deutschland begleitet werden. Neben dem erhöhten Infektionsrisiko dieser vulnerablen Gruppe, die ja nun gerade besonders geschützt werden soll, sind die psychosozialen Folgen der Kontaktbeschränkung unvorhersehbar. Es ist fahrlässig, dies alles nicht systematisch begleitend dokumentieren zu wollen, um später Rückschlüsse daraus ziehen zu können. 

In den Heimen sind derweilen die Qualitätsprüfungen des MDK ausgesetzt und Dokumentationspflichten wurden gelockert.

Andere soziale Notlagen wie die Engpässe in der häuslichen Begleitung von Pflegebedürftigen durch ausländische Betreuer*innen zeichnen sich ab.

Geschlossene Grenzen, Quarantäne und Furcht wird viele der in geschätzt 300.000 deutschen Haushalten lebenden Betreuer*innen abhalten, die alten und pflegebedürftigen Menschen weiter zu begleiten.

Es ist fahrlässig, eine systematische Dokumentation des Zusammenbruchs dieses sozialen Arrangements zu unterlassen.

Benötigt wird eine Politik-unabhängige, prospektiv geplante Protokoll-gestützte Begleitforschung der Implikationen der verordneten Maßnahmen.

Schon jetzt aber sollten Wissenschaftler*innen, die sowieso gerade empirische Studien in Pflegesettings durchführen, ihre Protokolle anpassen und Prozessdaten zum Covid-19 Geschehen erheben.

Und natürlich können und müssen in dieser Situation Modelle entwickelt und erprobt werden, die die älteren und vulnerablen Gruppen schützen könnten, ohne den Zugang zu ihren Angehörigen und Vertrauten zu beschneiden und sie dem Risiko ständig wechselnder und schlecht geschützter Pflegender auszusetzen. So viel Zeit muss sein!

Am Ende der Pandemie muss eine sorgfältige Analyse der Auswirkungen der Maßnahmen und ein vertieftes Verständnis ihres Nutzens und Schadens stehen.

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TOP-Untersucher-CAVE-Einladung: Ernährungsstatus der Patienten COVID-19-Erkrankung - das Coronavirus SARS-CoV-2

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: UKSH startet bundesweite Ernährungsstudie zur Verbesserung des Verlaufs von COVID-19

Das Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH), Campus Kiel, startet ab sofort eine Studie zur Wirksamkeit einer molekularen Ernährungsintervention bei Patientinnen und Patienten mit einer frühen COVID-19-Erkrankung, die durch das Coronavirus SARS-CoV-2 hervorgerufen wird. 

Dabei geht es darum, milde Erkrankungen zu stabilisieren und die Zahl schwerer Verläufe, die eine Sauerstofftherapie im Krankenhaus nötig machen, zu reduzieren. 

Dazu soll gezielt der Ernährungsstatus der Patienten optimiert werden. 

Bundesweit sollen rund 1.300 ambulante Patientinnen und Patienten mit SARS-CoV-2-Infektion, bei denen leichte bis mittelschwere Symptome auftreten, in die Studie eingeschlossen werden. 


Durchgeführt wird das Vorhaben von Prof. Dr. Stefan Schreiber, Direktor der Klinik für Innere Medizin I, Prof. Dr. Matthias Laudes, Leiter der Ernährungsmedizin der Klinik, Prof. Dr. Wolfgang Lieb, Direktor des Instituts für Epidemiologie des UKSH und der Universität zu Kiel sowie dem Kompetenznetz Darmerkrankungen e. V.

Hintergrund des Forschungsprojektes ist der begründete Verdacht, dass Mangelernährung ein wesentlicher Risikofaktor für einen schweren Verlauf der COVID-19-Erkrankung ist. 

In einer Arbeit, die bereits 2012 im renommierten Fachblatt Nature veröffentlicht worden ist, konnten Prof. Schreiber und seine Kollegen zeigen, dass der negative Einfluss einer Mangelernährung auf das Immunsystem insbesondere auf eine einzelne Aminosäure zurückzuführen ist.

  • „Der Körper baut darüber hinaus bei chronischen Entzündungen die essentielle Aminosäure Tryptophan ab und wandelt sie in Stoffwechselprodukte um, die selbst entzündungsfordernd sind. 
  • Ebenso wird Deckzellen der Lunge und des Darms lebenswichtige Energie entzogen“, sagt Prof. Schreiber. 
Der Entzug von Tryptophan konnte bei Patienten mit der Infektionskrankheit SARS oder nach einer Ansteckung mit dem Virus MERS-CoV ebenso wie bei Grippekranken beobachtet werden. 

In Folgestudien stellten Prof. Schreiber und viele andere Forschungsgruppen fest, dass molekulare Ernährungsinterventionen im Tiermodell eine reparierende Wirkung für die Immunfunktion haben und ihnen eine wesentliche antientzündliche Wirkung zukommt.

Als tägliche Gabe über vier Woche werden nun zwei ernährungsrelevante Interventionen angeboten.

Die Hälfte der Patienten wird 1.000 mg Vitamin B3 bekommen, die andere Hälfte erhält das Heilmittel Kieselerde. 

Teilnehmer werden noch in die Studie aufgenommen.

Informationen dazu finden Interessierte ab 1. April auf der Internetseite www.covid19trial.de.

Besonders angesprochen sind Ärztinnen und Ärzte, die ihren frisch diagnostizierten Patienten eine Behandlungsoption bieten wollen, und Betroffene, bei denen eine SARS-CoV-2 Infektion nachgewiesen wurde und die Symptome haben. 

Die Studienteilnehmer erhalten die Testpräparate kostenlos zugesandt. 

Es folgen drei Anrufe im Abstand von zwei Wochen und ein abschließender Kontakt nach sechs Monaten, in denen Fragen zum Krankheitsverlauf gestellt werden.

Die Studie wurde von der Ethikkommission der Medizinischen Fakultät der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel genehmigt.

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Metabolisches Syndrom: Bauchspeicheldrüsenhormon Insulin

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Aufnahmestopp für Insulin – die Rolle der Blutgefäße bei der Insulinresistenz

  • Damit Insulin seine Wirkung ausüben und Glukose aus dem Blut in die Muskelzellen transportiert werden kann, muss das Hormon zunächst das Endothel durchqueren, die Zellschicht, die die Blutgefäße von innen auskleidet. 
Wissenschaftler vom Deutschen Krebsforschungszentrum und vom Universitätsklinikum Heidelberg und der Universitätsmedizin Mannheim haben jetzt festgestellt, dass bei übergewichtigen Mäusen ein Signalweg angekurbelt ist, der diesen Schritt verhindert und so die Insulinresistenz fördert. 

Mit diesem Ergebnis tragen die Forscher entscheidend dazu bei, das metabolische Syndrom und das Entstehen von Diabetes besser zu verstehen. 
 
Als eine der Hauptursachen für Diabetes mellitus Typ 2 gilt heute die Insulinresistenz.

Das Bauchspeicheldrüsenhormon Insulin hat unter anderem die Aufgabe, die Aufnahme von Glukose aus der Blutbahn in die Muskelzellen zu ermöglichen.

  • So werden die Zellen mit dem wichtigen Energielieferanten versorgt, gleichzeitig sinkt der Blutzuckergehalt. 
  • Ist das Gewebe nicht in der Lage, ausreichend auf Insulin zu reagieren und Zucker aufzunehmen, spricht man von einer Insulinresistenz – einer Vorstufe von Diabetes. 
  • Hält dieser Zustand an, beginnt die Bauchspeicheldrüse immer mehr Insulin zu produzieren – trotzdem steigt der Blutzuckerspiegel immer weiter. 
  • Kommt die Drüse an ihre Leistungsgrenze, führt dies zu einem relativen Insulinmangel. Ganz besonders gefährdet sind hier stark übergewichtige Menschen.

Die exakten Mechanismen, die hinter dieser Insulinresistenz stecken, sind jedoch noch nicht endgültig geklärt. Jetzt haben Wissenschaftler vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) sowie des Universitätsklinikums Heidelberg und der Universitätsmedizin Mannheim herausgefunden, dass das Endothel, also die Zellschicht, die die Blutgefäße von innen auskleidet, dabei eine wichtige Rolle spielen könnte. „Das liegt eigentlich nahe, denn diese Schicht gilt es zu durchqueren, wenn das Insulin vom Blut zur Muskelzelle transportiert wird“, sagt Andreas Fischer, der am DKFZ und der Medizinischen Fakultät Mannheim der Universität Heidelberg forscht und am Universitätsklinikum Heidelberg als Arzt tätig ist.

Fischer untersucht mit seinem Team die Signalwege, die den Transport von Nährstoffen, Hormonen sowie Immun- und Krebszellen über die Gefäßwände steuern.

Ganz besonders hat er dabei den so genannten Notch-Signalweg im Visier. Endothelzellen kurbeln diesen molekularen Kommunikationsweg an, damit Fettsäuren durch die Zellschicht gelangen können. Nun hat Fischer bei Mäusen untersucht, was bei einem übermäßigen Angebot an Fettsäuren passiert, also etwa bei chronischer Fettleibigkeit.

Der Notch-Signalweg ist bei übergewichtigen Nagern aktiver als bei normalgewichtigen Artgenossen, wie die Forscher herausfanden.

Zudem weisen die dicken Mäuse verringerte Sensibilität gegenüber Insulin sowie einen erhöhten Blutzuckerspiegel auf.

Um zu prüfen, ob Notch hier wirklich eine entscheidende Rolle spielt, untersuchte das Team um Fischer speziell gezüchtete Mäuse, bei denen der Notch-Signalweg dauerhaft aktiv ist. Und tatsächlich: Selbst bei jungen schlanken und vermeintlich gesunden Tieren stellten die Wissenschaftler bereits eine Insulinresistenz und erhöhte Blutzuckerspiegel fest.

Blockierten die Forscher dagegen Notch, kam es selbst bei Tieren, die extrem fettreiches Futter bekamen, nicht zur Insulinresistenz.

Darüber hinaus erkannten die Wissenschaftler, dass die Notch-Aktivierung verhindert, dass sich im Endothel so genannte Caveolae bilden. 

  • Dabei handelt es sich um winzige sackförmige Einbuchtungen in der Zellmembran, die unter anderem dafür zuständig sind, Insulinmoleküle durch die Zellmembran zu transportieren.
„Demnach kontrolliert der Notch-Signalweg direkt den Insulin-Transport durch die Gefäßwand und eine dauerhafte Aktivierung führt zur Insulinresistenz“, fasst Fischer zusammen. 

Diese Erkenntnis trägt entscheidend dazu bei, das metabolische Syndrom besser zu verstehen – und Erkenntnisse darüber zu gewinnen, wie Übergewicht und kalorienreiche Ernährung zu Diabetes Typ 2 führen.

Notch bei Betroffenen einfach auszuschalten und so die Insulinaufnahme wieder anzukurbeln, ist jedoch keine Option.

Wie der DKFZ-Forscher bereits früher festgestellt hat, ist der Notch-Signalweg verantwortlich dafür, dass Fettsäuren in die Herzmuskelzellen gelangen. 

Fettsäuren sind die Hauptenergiequelle des Herzens. 

Eine Notch-Blockade kann daher eine Herzinsuffizienz bewirken.

„Wir gehen davon aus, dass Notch eine Art Schalter ist, und sich der aktive und der inaktive Zustand des Signalwegs unter normalen physiologischen Umständen in einem gesunden Organismus die Waage halten“, so Fischer. Jetzt geht es darum, herauszufinden, was dieses Gleichgewicht bei Übergewichtigen stört.

Hasan, SS, Jabs M, Taylor J, Wiedmann L, Leibing, T, Nordström V, Federico G, Roma LP, Carlein C, Wolff G, Ekim-Üstünel B, Brune M, Moll I, Tetzlaff F, Gröne HJ, Fleming T, Cyrill Géraud C, Herzig S, PP, Fischer, A: Endothelial Notch signaling controls insulin transport in muscle.
EMBO Molecular Medicine 2020, DOI: 10.15252/emmm.201809271

Das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) ist mit mehr als 3.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die größte biomedizinische Forschungseinrichtung in Deutschland. Über 1.300 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler erforschen im DKFZ, wie Krebs entsteht, erfassen Krebsrisikofaktoren und suchen nach neuen Strategien, die verhindern, dass Menschen an Krebs erkranken. Sie entwickeln neue Methoden, mit denen Tumoren präziser diagnostiziert und Krebspatienten erfolgreicher behandelt werden können.
Beim Krebsinformationsdienst (KID) des DKFZ erhalten Betroffene, interessierte Bürger und Fachkreise individuelle Antworten auf alle Fragen zum Thema Krebs.
Gemeinsam mit Partnern aus den Universitätskliniken betreibt das DKFZ das Nationale Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) an den Standorten Heidelberg und Dresden, in Heidelberg außerdem das Hopp-Kindertumorzentrum KiTZ. Im Deutschen Konsortium für Translationale Krebsforschung (DKTK), einem der sechs Deutschen Zentren für Gesundheitsforschung, unterhält das DKFZ Translationszentren an sieben universitären Partnerstandorten. Die Verbindung von exzellenter Hochschulmedizin mit der hochkarätigen Forschung eines Helmholtz-Zentrums an den NCT- und den DKTK-Standorten ist ein wichtiger Beitrag, um vielversprechende Ansätze aus der Krebsforschung in die Klinik zu übertragen und so die Chancen von Krebspatienten zu verbessern.
Das DKFZ wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und zu 10 Prozent vom Land Baden-Württemberg finanziert und ist Mitglied in der Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren.

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Hasan, SS, Jabs M, Taylor J, Wiedmann L, Leibing, T, Nordström V, Federico G, Roma LP, Carlein C, Wolff G, Ekim-Üstünel B, Brune M, Moll I, Tetzlaff F, Gröne HJ, Fleming T, Cyrill Géraud C, Herzig S, PP, Fischer, A: Endothelial Notch signaling controls insulin transport in muscle.
EMBO Molecular Medicine 2020, DOI: 10.15252/emmm.201809271

Untersucher-CAVE: Schmerzen in Verbindung mit psychosozialen Belastungen

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Schmerzen im durchtrainierten Körper

Eine Studie der Goethe-Universität zeigt: 

Viele Sportstudierende stoßen an ihre körperlichen Grenzen, sprechen aber lieber nicht darüber.  
  • Sie sind jung und gut trainiert – dennoch leidet ein Viertel der Studierenden der Sportwissenschaften unter Schmerzen in Verbindung mit psychosozialen Belastungen, zum Beispiel Stress. 
  •  
  • Dies zeigte eine Studie, die an der Goethe-Universität entstanden ist.
  • Wenn der aktive Sport im Mittelpunkt des Berufslebens oder der Ausbildung steht, sind Schmerzen häufig ein ständiger Begleiter – wobei Schmerzen hier als Verbindung von körperlichen und psychischen Beschwerden definiert ist. 

Jeder dritte Spitzensportler leidet unter erheblichen Schmerzen“, erklärt Dr. Johannes Fleckenstein, Privatdozent an der Goethe-Universität. Gemeinhin werde das Thema eher stiefmütterlich behandelt, er habe es jedoch ins Zentrum seiner Lehrveranstaltungen gestellt.

In diesem Zusammenhang ist jetzt eine Masterarbeit entstanden, die Verfasserin Anke Bumann widmet sich darin vor allem der Situation von Sportstudentinnen und -studenten. Bumann hat ihre Fragebögen an die Studierenden von 89 sportwissenschaftlichen Instituten im deutschsprachigen Raum gesendet, der Rücklauf war beachtlich: 865 haben teilgenommen, 664 den vollständigen Bogen ausgefüllt, zum Teil sogar mit sehr ausführlichen frei formulierten Antworten.

Grundlage der Befragung war der „deutsche Schmerzfragebogen“ der deutschen Schmerzgesellschaft, er wurde um spezifische Aspekte wie Sportlichkeit, Trainingslast, Selbstwirksamkeit und Resilienz ergänzt. Gefragt wurde danach, in welchen und wie vielen Körperregionen Schmerzen auftreten, welche Verletzungen und sonstige Diagnosen vorliegen, außerdem ging es um psychische Faktoren, Alkoholgenuss und Schlafqualität.

Die Studie zeigt deutlich: Jeder vierte der vermeintlich gesunden jungen Menschen leidet unter Schmerzen und zeigt das Auftreten sogenannter bio-psycho-sozialer Faktoren, die Schmerzen begünstigen können, vor allem Stress infolge hohen Leistungsdrucks. Mehr als die Hälfte der Befragten empfindet Schmerzen in zwei und mehr Körperregionen – obwohl die meisten eine relativ große Schmerztoleranz angeben. Verglichen mit Altersgenossen haben Sportstudenten häufiger Depressionen, Angstzustände und Stress, während Rücksichtnahme auf sich selbst deutlich reduziert ist. Die Studierenden trainieren im Durchschnitt fünf bis sieben Stunden wöchentlich und konsumieren mehr Schmerzmittel (Analgetika) und Alkohol. Mehr als 60 Prozent geben an, unter Schlafstörungen zu leiden. Der Befund ist für alle Sportarten gleich, lediglich die Lokalisierung der Schmerzen ist eine andere.

Die fehlende Rücksichtnahme gegenüber dem eigenen Körper und seinen Beschränkungen führe jedoch zu einer Chronifizierung dieses Zustands, der immer schwieriger zu verändern sei.

Dass die Not groß ist, zeige sich bei den qualitativen Antworten: Häufig wurde Freude darüber geäußert, dass nun ein Augenmerk auf die Thematik falle und man Gelegenheit habe, seine Probleme zu kommunizieren. Fleckenstein hofft darauf, dass die frühzeitige Auseinandersetzung der Studierenden mit dem Thema helfe, offener damit umzugehen – ohne Angst davor, als „Weichei“ abgestempelt zu werden. Dazu könnten seiner Meinung nach auch die Lehrenden beitragen, die bei praktischen Prüfungen mehr Rücksicht auf den gesundheitlichen Zustand der Kandidaten nehmen sollten. Und wenn die „fertigen“ Sportwissenschaftler in entsprechende berufliche Positionen kommen, könnten sie allmählich zu einem Umdenken beitragen.

„Wir müssen endlich aufhören, das Thema Schmerzen im Sport zu bagatellisieren“, fordert Johannes Fleckenstein. Es sei bedenklich, dass Schmerzerkrankungen bereits bei jungen und körperlich aktiven Studierenden in dieser Anzahl auftreten.

Mit wachsender Professionalisierung, so die These der Autoren, steige die Zahl der Betroffenen noch weiter an: „Es wird enorm viel Leistung verlangt, und es geht um viel Geld“, so der Sportmediziner. Deshalb werde die Studie nun mit professionellen Athleten fortgesetzt.“

Publikation: Journal of Sports Science and Medicine, Volume:(19), Pages:323-336 Prevalence of Biopsychosocial Factors of Pain in 865 Sports Students of the Dach (Germany, Austria, Switzerland) Region – A Cross-Sectional Survey Anke Bumann, Winfried Banzer, Johannes Fleckenstein please click the link for reading the article:
>> www.jssm.org/hf.php?id=jssm-19-323.xml



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Priv.-Doz. Dr. Johannes Fleckenstein, Institut für Sportwissenschaften, Campus Ginnheim, Telefon +49 (69) 798 24484, Mail johannes.fleckenstein@sport.uni-frankfurt.de

Dr. Anke Sauter Goethe-Universität Frankfurt am Main
Telefon: 06979813066
Fax: 069/798-76312531
E-Mail-Adresse: sauter@pvw.uni-frankfurt.de

Originalpublikation:
Publikation: Journal of Sports Science and Medicine, Volume:(19), Pages:323-336 Prevalence of Biopsychosocial Factors of Pain in 865 Sports Students of the Dach (Germany, Austria, Switzerland) Region – A Cross-Sectional Survey Anke Bumann, Winfried Banzer, Johannes Fleckenstein please click the link for reading the article:
>> www.jssm.org/hf.php?id=jssm-19-323.xml

Untersucher-CAVE: Herzschwäche und noch eine Infektion mit COVID-19

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Herzkranke in Zeiten von Corona

Für Patienten mit Herzinsuffizienz ist das Coronavirus besonders riskant. 

Das Deutsche Zentrum für Herzinsuffizienz (DZHI) untersucht im Rahmen einer weltweiten Registerstudie, wie sich das Virus bei diesen Patienten auswirkt. 
 
Immer noch gibt es sehr viel mehr Herzkranke als Coronakranke.


Und viel mehr Menschen sterben an Herzschwäche als an Corona.

Wenn zur Herzschwäche noch eine Infektion mit COVID-19 kommt, ist das besonders riskant für die Betroffenen.

  • Am Deutschen Zentrum für Herzinsuffizienz Würzburg (DZHI) wird jetzt eine Substudie der G-CHF-Registerstudie an 22.000 Patienten mit Herzschwäche durchgeführt, die weltweit prüft, ob eine bestätigte COVID-19 Infektion (Confirmed) oder ein Verdacht auf eine COVID-19 Infektion (Suspected) vorliegt. 
  • „Patienten mit Herzinsuffizienz sind meist älter und haben Begleiterkrankungen, stellen also ein ausgeprägtes Risikokollektiv für COVID-19 dar. Wir werden lernen, wie sich eine COVID-19 Infektion bei diesen Patienten auswirkt, und ob sie besonders anfällig sind“, erklärt Professor Georg Ertl, Studienleiter für Deutschland und Ärztlicher Direktor des Uniklinikums Würzburg (UKW).

Herzinsuffizienz-Patienten haben als Standardtherapie sogenannte ACE-Hemmer. 

  • Das COVID-19-Virus benutzt das Angiotensin-Conversions-Enzym (ACE) 2 als Rezeptor, um in die Zelle zu gelangen.

 „Welche Bedeutung das für unsere Patienten hat, ist nicht klar“ sagt Professor Stefan Störk, der die Studie gemeinsam mit Professor Georg Ertl in Deutschland leitet. „Klinische Daten gibt es dazu nicht, sodass neue Aufschlüsse aus der G-CHF-Registerstudie zu erwarten sind.“

Professor Christoph Maack, Sprecher des DZHI weist auf einen Artikel im renommierten New England Journal of Medicine hin.

„Wichtigste Botschaft ist, dass Patienten die ACE-Hemmer einnehmen, auf keinen Fall ihre Medikamente weglassen sollten. 

Die schädigende Wirkung ist nicht nachgewiesen, der organschützende Effekt aber bei vielen Erkrankungen erwiesen.“

Bei Fragen und Unsicherheiten sollten Patienten sich mit ihrem Hausarzt, Kardiologen oder der Herzinsuffizienz-Ambulanz im DZHI in Verbindung setzen:

 0931 201 46301. 

Außerhalb der Sprechzeiten rufen Sie bitte den Bereitschaftsdienst 116 117 an, und im Notfall umgehend die Rettungsleitstelle 112.

Professor Georg Ertl legt großen Wert darauf, dass alle Patienten wissen, sie werden weiter wie bisher mit den gewohnten medizinischen Standards am UKW versorgt:

„Bitte schieben Sie nichts ohne ärztliche Beratung raus. Corona darf nicht auf Kosten unserer Patienten mit Herzkrankheiten, Krebs oder anderen schweren Erkrankungen gehen!“

Weitere Informationen:

Was Herzinsuffizienz-Patienten über Covid-19 wissen müssen! Die Heart Failure Association der European Society of Cardiology hat auf ihrer Webseite in allen Sprachen wichtige Informationen und praktische Tipps zusammengestellt:

https://www.heartfailurematters.org/de_DE/Allgemeine-Hinweise/COVID-19-Virus-and...

Auf der Homepage www.icd-forum.de geben Psychologen der Universität Würzburg und Kardiologen vom DZHI nützliche Hinweise, wie Herzpatienten mit einem implantierten Defibrillator und ihre Angehörige die COVID-19-Krise möglichst sorgenfrei überstehen.

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Prof. Dr. Georg Ertl, ertl_g@ukw.de
Prof. Dr. Stefan Störk, stoerk_s@ukw.de

Kirstin Linkamp, Deutsches Zentrum für Herzinsuffizienz Würzburg Universitätsklinikum Würzburg
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Weitere Informationen für international Medizin am Abend Berlin Beteiligte
https://www.heartfailurematters.org/de_DE/Allgemeine-Hinweise/COVID-19-Virus-and...

https://www.nejm.org/doi/full/10.1056/NEJMsr2005760


 

Salzreiche Kost: Bakterielle Infekte schwerwiegender

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Zu viel Salz hemmt die Immunabwehr

  • Eine salzreiche Kost ist nicht nur schlecht für den Blutdruck, sondern auch für das Immunsystem. 

Diesen Schluss legt eine aktuelle Studie unter Federführung des Universitätsklinikums Bonn nahe. 

In Mäusen, die eine salzreiche Kost erhielten, verliefen demnach bakterielle Infekte erheblich schwerwiegender. 

  • Auch menschliche Probanden, die täglich sechs Gramm Salz zusätzlich zu sich nahmen, zeigten erhebliche Immundefizite. 

Diese Menge entspricht dem Salzgehalt zweier Fast-Food-Mahlzeiten. Die Ergebnisse erscheinen in der Fachzeitschrift „Science Translational Medicine“. 

Untersuchten die Auswirkungen von Salz auf das Immunsystem: (von links) Dr. Katarzyna Jobin, Natascha Ellen Stumpf, Melanie Eichler, Prof. Dr. Christian Kurts, Olena Babyak und Mirjam Meissner.
Untersuchten die Auswirkungen von Salz auf das Immunsystem: (von links) Dr. Katarzyna Jobin, Natascha Ellen Stumpf, Melanie Eichler, Prof. Dr. Christian Kurts, Olena Babyak und Mirjam Meissner. (c) Foto: Max Germer
 
Fünf Gramm pro Tag, nicht mehr: Das ist die Salzmenge, die Erwachsene laut Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation WHO maximal zu sich nehmen sollten.


Sie entspricht etwa einem gestrichenen Teelöffel. 

Tatsächlich überschreiten viele Deutsche diesen Grenzwert aber deutlich: Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts kommen Männer im Schnitt auf zehn und Frauen auf gut acht Gramm täglich.

Damit greifen wir erheblich ausgiebiger zum Salzstreuer, als uns gut tun dürfte.

Denn Natriumchlorid – so der chemische Name – steigert den Blutdruck und erhöht so das Risiko für Herzinfarkt oder Schlaganfall.

Doch nicht nur das: „Wir konnten nun erstmals nachweisen, dass eine übermäßige Salzzufuhr auch einen wichtigen Arm des Immunsystems schwächt“, erklärt Prof. Dr. Christian Kurts vom Institut für Experimentelle Immunologie der Universität Bonn.

Der Befund kommt unerwartet, wiesen doch manche Studien gerade in die entgegengesetzte Richtung. So heilen Infektionen mit bestimmten Hautparasiten in Versuchstieren deutlich schneller aus, wenn diese eine salzreiche Kost zu sich nehmen:

Die Makrophagen – Immunzellen, die Parasiten attackieren, fressen und verdauen – sind in Anwesenheit von Salz besonders aktiv.
Aus dieser Beobachtung schlossen manche Mediziner auf eine allgemein immunfördernde Wirkung von Natriumchlorid.

Die Haut dient als Salzspeicher


„Unsere Ergebnisse zeigen, dass diese Verallgemeinerung nicht zutrifft“, betont die Erstautorin der Studie Katarzyna Jobin, die inzwischen an die Universität Würzburg gewechselt ist. Dafür gibt es zwei Gründe:  

Zum einen hält der Körper die Salzkonzentration im Blut und in den verschiedenen Organen weitgehend konstant.

Ansonsten würden wichtige biologische Prozesse nicht funktionieren.

Die einzige große Ausnahme ist die Haut:  

Sie fungiert als Salzspeicher des Körpers. 

Daher wirkt die zusätzliche Zufuhr von Natriumchlorid bei manchen Hauterkrankungen so gut.

An anderen Stellen im Körper kommt das zusätzlich mit der Nahrung aufgenommene Salz aber gar nicht an. 

Stattdessen wird es von den Nieren herausgefiltert und über den Urin ausgeschieden.

Und hier kommt der zweite Mechanismus ins Spiel: 

  • Die Nieren verfügen über einen Natriumchlorid-Sensor, der die Salz-Ausscheidefunktion aktiviert. 
  • Als unerwünschte Nebenwirkung sorgt dieser Sensor allerdings auch dafür, dass sich im Körper so genannte Glukokortikoide anhäufen. 
  • Und die wiederum hemmen die Funktion der Granulozyten, des häufigsten Immunzelltyps im Blut.

Granulozyten zählen wie die Makrophagen zu den Fresszellen. Sie attackieren aber keine Parasiten, sondern vor allem Bakterien. Wenn sie das nicht in ausreichendem Maße tun, verlaufen Infektionen weitaus heftiger. „Das konnten wir in Mäusen mit einer Listerien-Infektion zeigen“, erklärt Dr. Jobin. „Einige von ihnen hatten wir zuvor auf eine salzreiche Kost gesetzt. In Milz und Leber dieser Tiere zählten wir eine 100- bis 1.000fache Menge der krankmachenden Keime.“ Listerien sind Bakterien, die zum Beispiel in verunreinigten Lebensmitteln vorkommen und Fieber, Erbrechen und Blutvergiftungen auslösen können. Auch Harnwegsinfekte heilten bei salzreich ernährten Versuchsmäusen erheblich langsamer ab.

Auf das Immunsystem von Menschen scheint sich Natriumchlorid ebenfalls negativ auszuwirken. 

„Wir haben Freiwillige untersucht, die täglich sechs Gramm Salz zusätzlich zu sich nahmen“, sagt Prof. Kurts. „Das entspricht etwa der Menge, die in zwei Fastfood-Mahlzeiten enthalten ist – also zwei Burgern und zwei Portionen Pommes frites.“ Nach einer Woche entnahmen die Wissenschaftler ihren Probanden Blut und untersuchten die Granulozyten. Die Immunzellen wurden deutlich schlechter mit Bakterien fertig, nachdem die Versuchspersonen begonnen hatten, sich salzreich zu ernähren.

  • Bei menschlichen Probanden führte die überreichliche Salzzufuhr zudem auch zu erhöhten Glukokortikoid-Spiegeln. 

Dass dies das Immunsystem hemmt, ist nicht überraschend:

Das bekannteste Glukokortikoid Kortison wird traditionell eingesetzt, um Entzündungen zu unterdrücken.

 „Erst durch Untersuchungen in einem ganzen Organismus konnten wir die komplexen Regelkreise aufdecken, die von der Salzaufnahme zu dieser Immunschwächung führen“, betont Kurts. „Damit zeigt unsere Arbeit auch die Grenzen reiner Zellkultur-Versuche auf.“

Die Universität Bonn zählt deutschlandweit zu den führenden Hochschulen auf dem Gebiet der Immunologie. So ist an ihr das Exzellenzcluster ImmunoSensation angesiedelt, zu dessen Vorstand Prof. Kurts zählt. Es ist das einzige Exzellenzcluster in Deutschland zu diesem Themenfeld. An der Studie waren zudem Wissenschaftler der Universitätskliniken in Regensburg, Hamburg, Erlangen und Melbourne (Australien) beteiligt.

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Originalpublikation:
Katarzyna Jobin, Natascha E. Stumpf, Sebastian Schwab, Melanie Eichler, Patrick Neubert, Manfred Rauh, Marek Adamowski, Olena Babyak, Daniel Hinze, Sugirthan Sivalingam, Christina K. Weisheit, Katharina Hochheiser, Susanne Schmidt, Mirjam Meissner, Natalio Garbi, Zeinab Abdullah, Ulrich Wenzel, Michael Hölzel, Jonathan Jantsch und Christian Kurts: A high-salt diet compromises antibacterial neutrophil responses through hormonal perturbation; Science Translational Medicine; DOI: 10.1126/scitranslmed.aay3850

 

Prostatakarzinom: Möglichkeit, das Therapieregime umzustellen

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Strahlentherapie zu Zeiten von Corona? Empfohlen wird eine individuelle Risikoabwägung

Krebspatienten sind vermutlich anfälliger für einen schweren Verlauf einer Covid-19-Erkrankung und haben daher Angst vor einer Ansteckung während einer onkologischen Behandlung. 

Demgegenüber steht das Risiko, die Chance auf Heilung zu verspielen, wenn man onkologische Behandlungen über Wochen oder gar Monate hinausschiebt. 

Grundsätzlich sollte nach Ansicht der DEGRO die Versorgung von Krebspatienten mit notwendigen, unter Umständen lebensrettenden Therapien aufrechterhalten werden. 

In einigen Fällen kann aber überlegt werden, durch Änderung der Fraktionierung oder Verkürzung der Therapie die Zahl der Sitzungen zu reduzieren

Wichtig ist, eine individuelle Risikobewertung vorzunehmen. 
 
Viele Krebspatienten sind in Zeiten der Corona-Krise stark verunsichert. Zu Recht hat Bundesgesundheitsminister Jens Spahn appeliert, nicht notwendige medizinische Eingriffe und elektive Therapien nach Möglichkeit zu verschieben. Aber Patienten, die eine onkologische Behandlung wie z.B. eine Operation, medikamentöse Tumortherapie oder Strahlentherapie erhalten, können dies nicht ohne Weiteres tun:

Eine Krebstherapie abzubrechen oder aufzuschieben, kann u.U. bedeuten, einen Rückfall der Tumorerkrankung zu riskieren. Auch sind die Sorgen der Patienten im Hinblick auf die Coronavirus-Pandemie und eine mögliche Infektion durchaus berechtigt.  

Das Virus löst die Erkrankung Covid-19 aus, die bei Menschen mit Vorerkrankungen, also auch Krebspatienten, häufiger einen schweren Verlauf nimmt.

„Dennoch dürfen Patientinnen und Patienten nicht das Kind mit dem Bade ausschütten. Bei allem Verständnis für die Sorge vor Ansteckung muss eine kühle Risikoabwägung zusammen mit dem behandelnden Radioonkologen erfolgen. Die onkologische Versorgung hat eine hohe Priorität und zählt prinzipiell nicht zu den elektiven Eingriffen. Eine auf Heilung ausgerichtete onkologische Therapie lässt sich bis auf wenige Ausnahmen nicht um mehrere Wochen oder gar Monate verschieben“, erklärt Univ.-Prof. Dr. Stephanie E. Combs, Pressesprecherin der Deutschen Gesellschaft für Radioonkologie (DEGRO).
  • Manchmal gäbe es aber die Möglichkeit, das Therapieregime umzustellen. 
  • Beispielsweise sei es bei Patienten mit Prostatakarzinom möglich, eine medikamentöse Hormontherapie vorzuschalten und den Tumor dann erst später zu bestrahlen. 

Die veränderte Therapiereihenfolge führe nicht zu Überlebenseinbußen und könne in der jetzigen Situation sinnvoll sein, damit die Patienten seltener zur Behandlung gehen müssen. 

Eine zweite Möglichkeit ist, das sogenannte Fraktionierungsschema zu ändern: 

Statt häufiger mit geringeren Dosen zu bestrahlen, könne die Strahlentherapie auch mit weniger Sitzungen, aber höheren Dosen erfolgen.
„Bei der Tumorbekämpfung kommt es am Ende auf die verabreichte Gesamtdosis an“, so die Expertin.

Gibt es die Möglichkeit einer Therapieumstellung oder veränderten Fraktionierung nicht, rät die DEGRO dazu, die Strahlentherapie zwar weiter fortzusetzen, aber erhöhte Sicherheitsvorkehrungen zu treffen. 

  „Die Strahlentherapie selbst ist nicht mit einem Ansteckungsrisiko behaftet, das Material und die Liegen werden desinfiziert und das medizinische Fachpersonal arbeitet nach höchsten Hygienestandards.“


Wichtig sei, dass die Empfehlungen des RKI und der lokalen Hygienekommissionen befolgt werden, z.B. dass die Patienten den notwendigen Abstand von 1,5-2 m zu anderen Menschen einhalten, die Händehygiene ernst genommen wird. Desinfektionsspender befinden sich in fast allen Wartebereichen und Fluren onkologischer Einwichtungen. Auch kann es unter Umständen sinnvoll sein, dass die Patienten Schutzmasken tragen. Selbstredend sei, dass gerade Krebspatienten physische Kontakte mit anderen Personen möglichst ganz meiden und auch außerhalb der onkologischen Praxis oder Klinik keinerlei Risiken eingehen sollten, um sich selbst zu schützen. Bei Fieber, Husten grippeähnlichen Symptomen oder Kontakt mit einem Covid-19-Patienten sollte unbedingt telefonisch Kontakt mit dem betreuenden Arzt aufgenommen werden, damit dieser mit dem Patienten das weitere Vorgehen besprechen kann. Dabei steht der Schutz des Patienten, aber auch der Mitarbeiter im Vordergrund.

Selbst wenn ein Patienten positiv auf das Coronavirus getestet wurde, heißt das nicht zwangsläufig, dass die Therapie sofort abgebrochen werden muss. Risiko und Nutzen müssten dann patientenindividuell abgewogen werden. Fragen, die in die Risikobewertung eingehen, sind, ob der Patient Covid-19-Symptome hat, wie lange er schon infiziert ist oder ob er am Anfang oder Ende der Strahlentherapie steht – oder ob die Krebstherapie das Ziel der Heilung oder Symptomlinderung verfolgt. Individuell muss dann über Veränderungen des Therapiekonzeptes (z.B. der Fraktionierung) nachgedacht werden, um eine Therapieverkürzung zu erreichen.

„Die notwendige Behandlung von Tumorpatienten sollte auch in den schweren Zeiten der Covid-19-Pandemie solange wie möglich aufrechterhalten werden.

Dabei stehen der Schutz des Patienten sowie der Mitarbeiter vor Ansteckung im Vordergrund; ressourcensparendes Vorgehen ist angezeigt, damit die freigesetzten Kräfte zur Behandlung von Covid-19-Patienten zur Verfügung stehen.

Die lebensnotwendige Behandlung von Covid- und Tumorpatienten sollte nicht gegeneinander ausgespielt werden“, erklärt DEGRO-Präsident Prof. Rainer Fietkau, Erlangen. 

„Daher ist es wichtig, mit den Tumorpatienten über das Risiko einer Coronavirusinfektion zu sprechen, gemeinsam die bestmögliche Behandlung mit dem gleichzeitig geringsten Risiko auszuwählen und die Patienten umfassend über Hygienemaßnahmen und andere Sicherheitsvorkehrungen zu beraten.“

Radioonkologen stehen zur einer telefonischen Beratung bereit, aber auch persönliche Gespräche sollten weiter möglich sein.


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Untersucher-CAVE: Frühgeborene weniger als 1.500 Gramm

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Immer bessere Chancen auch für sehr kleine Frühchen

Stiftung Kindergesundheit informiert über die beeindruckenden Erfolge der Neonatologie

Jedes Jahr kommen in Deutschland knapp 8.000 Babys zu früh zur Welt. 


Für ihre besorgten Eltern gibt es zwei gute Nachrichten. 

Die erste lautet: 

Frühchen haben heute immer bessere Chancen zu überleben. 

Und die zweite: 

Auch ihr Risiko, durch die Frühgeburt eine Behinderung zu erleiden, ist dank der Fortschritte der hochspezialisierten Neugeborenen-Intensivmedizin deutlich geringer geworden, vermeldet die Stiftung Kindergesundheit erfreut in einer aktuellen Stellungnahme. 
 
Betroffene Eltern wissen es aus bitterer Erfahrung: Nach einer Frühgeburt wird alles ganz anders als man sich das vorher ausgemalt hat. Der Bauch war noch gar nicht richtig da und dann ist er schon wieder weg. Das Baby ist nicht mehr im Bauch, aber auch noch nicht zu Hause. Es liegt in einem Brutkasten, umsponnen von Drähten und Schläuchen, oft kaum größer als eine Hand, die Haut dünn und durchscheinend wie Seidenpapier. Das Gesichtchen mit dem ernsten, greisenhaften Ausdruck passt so gar nicht in das niedliche Babyschema, das man im Kopf hatte.

Wird dieses Kind überleben? Die Epidemiologie liefert geradezu überwältigend positive Daten, berichtete Professor Dr. Ingeborg Krägeloh-Mann, Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin beim letztjährigen Kongress der Kinderärzte in München: Die Sterblichkeit der Kinder, die mit einem Gewicht über 1.000 Gramm geboren werden, hat sich in den letzten Jahren von früher 10 Prozent auf 3 bis 4 Prozent reduziert.

Die Eltern befürchten vor allem, dass die Unreife bei der Geburt bei ihrem Kind lebenslange Folgen hinterlässt. Doch es gibt auch dazu Positives zu vermelden, sagt die Stiftung Kindergesundheit:

Aus aktuellen Studien geht hervor, dass der Anstieg der Überlebensraten sehr unreifer Frühgeborener nicht – wie oft angenommen - mit einer höheren Rate neurologischer Beeinträchtigungen einhergeht. Das bedeutet: Auch die Mehrzahl dieser winzigen und zerbrechlichen Geschöpfe wächst später zu gesunden jungen Menschen heran.

Rate spastischer Störungen seit Jahren rückläufig

Eine besonders gefürchtete Folge von Frühgeburten ist die Zerebralparese (CP), die gehirnbedingte spastische Bewegungsstörung.

  • Die Zerebralparese ist eine motorische Behinderung, oft begleitet von Lernstörung, Sehstörung oder auch Epilepsie. 
  • 60 Prozent der Kinder mit Zerebralparese sind Frühgeborene, und je früher Kinder auf die Welt kommen, umso höher ist das Risiko, aufgrund einer Gehirnschädigung diese Behinderung zu entwickeln.

Bis vor kurzem wurde angenommen, dass sich die Rate der von CP betroffenen Kinder trotz Bemühungen der Neonatologen und Intensivmediziner nicht senken lässt. Das hat sich jedoch zum Positiven geändert, unterstrich Professor Dr. Ingeborg Krägeloh-Mann in München: „Wir können mit europaweit erhobenen Daten zeigen, dass die CP-Rate bei Frühgeborenen seit 20 Jahren kontinuierlich sinkt. Die Auswertung zeigt, dass die Fortschritte in der Intensivmedizin und der Neonatologie sehr wohl dazu führen, dass die ‚Frühchen‘ nicht nur vermehrt überleben, sondern auch besser überleben“.

Problematisch kann es jedoch werden, wenn Frühgeborene weniger als 1.500 Gramm auf die Waage bringen, betont die Stiftung Kindergesundheit.

Diese Hochrisiko-Frühgeborenen, die den schützenden Mutterleib meist schon vor der 32. Schwangerschaftswoche verlassen mussten, werden als „sehr kleine Frühgeborene“ („very low birth weight“, VLBW) bezeichnet. Etwa ein Prozent aller Babys wiegt bei der Geburt weniger als 1.500 Gramm. Der Anteil dieser winzigen Babys ist damit genauso hoch wie jener Kinder, die mit einem Herzfehler geboren werden, an Diabetes erkranken oder an Epilepsie leiden.

Das Gewicht bestimmt das Überleben

Das Wissenschaftliche Institut der Ortskrankenkassen (WIdO) wertete die Daten aller AOK-versicherten Frühchen aus, die in den Jahren 2008 bis 2012 geboren wurden. Danach lebten 180 Tage nach ihrer Geburt noch 65 Prozent der Babys, die mit einem extrem niedrigen Gewicht von unter 750 Gramm geboren wurden. Bei den VLBW-Babys mit einem Geburtsgewicht von 750 bis 1500 Gramm lag die Überlebensrate schon bei 96 Prozent.

Ärztinnen und Ärzte der Universitätsklinik für Neonatologie der Berliner Charité haben aus internationalen Studien ein Mosaik der wichtigsten Fakten zusammengestellt über die Chancen und Risiken, die auf diese Kinder und ihre Eltern künftig zukommen (Walch E. et al.: „Frühgeborene unter 1500 g Geburtsgewicht – Kurz- und Langzeitprognose in Deutschland“, Kinder- und Jugendmedizin 5/2017, 313 – 319). Die Berliner Mediziner verfügen reichlich über eigene Erfahrungen: In den Jahren zwischen 2003 bis 2012 wurden in ihren Kliniken 1.284 überlebende VLBW-Babys betreut. 1.041 der Kinder konnten im Alter von 24 Monaten untersucht werden.

Das aktuellste Ergebnis: Von den nachuntersuchten Frühgeborenen unter 1500 Gramm Geburtsgewicht des Entlassungsjahres 2012 zeigten bei ihrer Untersuchung vor ihrer Einschulung 71,1 Prozent eine normale Entwicklung.

15,7 Prozent liegen im Bereich einer Lernbehinderung und 8,4 Prozent im Bereich einer geistigen Behinderung (Charité: Klinik für Neonatologie - Jahresbericht 2018).

Die Berliner Neonatologen berichten: „Die Prävalenz (Anteil) der Zerebralparese bei ehemaligen Frühgeborenen unter 1.500 Gramm Geburtsgewicht hat in den letzten 30 Jahren von 100 pro 1.000 auf 40 pro 1.000 Lebendgeborene abgenommen. Sie liegt jedoch 15- bis 20-mal höher als bei reif geborenen Kindern, deren Prävalenz im Vergleich bei zwei bis drei pro 1.000 Lebendgeborenen liegt“.

Probleme beim Essen und auf der Toilette


VLBW-Kinder haben indes immer noch ein zwei- bis dreifach erhöhtes Risiko, an einer schwerwiegenden Sehstörung zu erkranken.

Sie schielen häufiger, sind öfter stark kurzsichtig und leiden öfter unter einer Minderung der Sehschärfe und unter Gesichtsfelddefiziten.

Sehr häufig werden auch Störungen der taktilen oder vestibulären Wahrnehmung berichtet:

VLBW-Kinder stolpern häufiger über die eigenen Füße oder schaukeln und balancieren ungern.

  • Die Eltern von sehr kleinen Frühgeborenen müssen sich auch auf Fütterungsschwierigkeiten einstellen. 
  • Die Kinder essen nur sehr langsam und nur kleine Portionen. 
  • Sie vermeiden Nahrungen mit unterschiedlicher Konsistenz oder essen nur, wenn sie abgelenkt werden.
  • Sehr kleine Frühchen werden erst spät sauber, obwohl dafür keine organischen Ursachen erkennbar sind. 
Sie haben anscheinend Probleme, die volle Blase zu spüren. 

  • Viele kleine Frühchen tragen noch mit vier bis fünf Jahren Tag und Nacht Windeln und viele werden noch bis fünf oder sechs Jahre nachts gewickelt.

Schwach im Rechnen und Lesen

Für den Schulerfolg sind bekanntlich gutes Hören und gutes Sehen entscheidend.

Viele VLBW-Kinder zeigen jedoch im IQ-Test Schwächen im Bereich der Objekterkennung, in der Fähigkeit, komplexe Formen oder Muster zu erkennen und auch beim visuellen Gedächtnis. Deshalb fällt ein Teil der VLBW-Kinder nach der Einschulung durch Legasthenie, Dyskalkulie, langsames Arbeitstempo sowie Aufmerksamkeitsprobleme auf.

Doch auch diese Kinder entwickeln sich unterschiedlich. Eine Untersuchung von bayerischen VLBW-Kindern der Geburtsjahrgänge 1979 bis 1996 ergab: 27 Prozent dieser ehemaligen Winzlinge haben das Abitur geschafft, mit Mittlerer Reife schlossen 37 Prozent ab und mit Hauptschulabschluss 22 Prozent.

54 Prozent der ehemaligen VLBW-Kinder sind als Erwachsene Brillenträger, 18 Prozent nehmen regelmäßig Medikamente ein und knapp sieben Prozent haben deutliche Hörprobleme. Ihre Schwierigkeiten hängen möglicherweise mit den Behandlungsmethoden zusammen, unter denen Frühgeborene noch vor 30 Jahren ihre ersten Lebenstage verbringen mussten, sagt die Stiftung Kindergesundheit. Damals waren neonatologische Stationen eine künstliche Welt, in der es kaum Unterschiede zwischen Tag und Nacht gab. Rund um die Uhr Licht, lautes Zischen und Piepsen von Überwachungsgeräten, ständige Unruhe und sich ständig wiederholende Untersuchungsmaßnahmen. Die Besuchszeiten von Eltern waren streng limitiert und der Kontakt zu ihrem Kind durch rigide Hygienemaßnahmen stark eingeschränkt.

Geborgenheit durch Hautkontakt


Heute praktizieren die meisten neonatologischen Abteilungen das sogenannte „Känguruhn“: Bei der Känguru-Methode können die Eltern eine besonders intensive Bindung zu ihrem Frühgeborenen aufbauen. Das nur mit einer Windel bekleidete Frühgeborene wird für einige Stunden auf die nackte Brust von Mutter oder Vater gelegt. Es kann ihren Herzschlag und Atemgeräusch wie im Bauch hören, die Haut riechen und die Stimme hören. Das vermittelt dem Kind die Nähe und Geborgenheit, die es so dringend benötigt.

Die Probleme von Frühgeborenen enden nicht mit der Entlassung aus einer Kinderklinik. Deshalb sollten die Frühchen in neonatologischen Nachsorgeambulanzen betreut werden, damit sie ihre Fähigkeiten optimal entfalten können, empfiehlt die Stiftung Kindergesundheit. Ihre Eltern brauchen Unterstützung und eine spezielle, oft sehr zeitaufwändige Beratung für den täglichen Umgang mit dem zerbrechlich kleinen Kind. Sie müssen unterwiesen werden, wie sie ihr Baby pflegen und seine Fähigkeiten fördern können, damit es stabil sein Leben meistert.

Wenn Frühchen keine Hilfe finden

„Die Behandlung von Frühgeborenen stellt eine besondere therapeutische Herausforderung dar“, sagt Professor Berthold Koletzko, Vorsitzender der Stiftung Kindergesundheit: „Die Sicherstellung einer guten Versorgungsqualität ist dabei von großer Bedeutung. Derzeit stehen viele Kinderkliniken jedoch vor großen Schwierigkeiten, weil das nicht für Kinder ausgelegte deutsche Fallpauschalensystem die wirklich entstehenden Kosten nicht deckt und dadurch eine sachgerechte Versorgung gefährdet. Ein großes Problem ist fehlendes Personal, ganz besonders in der Pflege. Dadurch werden die beeindruckenden Erfolge auch der Neonatologie in Frage gestellt“.

Während die Geburtenzahl in Deutschland steigt, müssen Kinderkliniken deshalb an vielen Orten Betten für die Belegung reduzieren, auch im Bereich der Intensivmedizin für Neu- und Frühgeborene.

Eltern werden immer häufiger damit konfrontiert, dass ihre Kinder nicht in der nächsten Klinik versorgt werden können.

Professor Berthold Koletzko: „Viel zu häufig müssen Neugeborene und Kinder, die akut eine Krankenhausbehandlung brauchen, abgewiesen und in teilweise weit entfernt liegende Krankenhäuser transportiert werden.

Gerade bei Neu- und Frühgeborenen und bei akut erkrankten Kindern führt dies zu deutlichen erhöhten Risiken.

Deshalb müssen wir gemeinsam mit den politischen Entscheidungsträgern und den Krankenkassen alles dafür tun, dass sich die Versorgungsqualität in Deutschland möglichst rasch wieder verbessert“.

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Kennen Sie die: Toxische Persönlichkeit am 01. April 2020?

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: „Toxisch“, aber trotzdem beruflich erfolgreich?

Als toxische Persönlichkeiten bezeichnet man Personen, die sich habgierig, unbescheiden und unfair verhalten und es mit der Wahrheit sehr locker nehmen. 

Dr. Mareike Kholin, Bastian Kückelhaus und Prof. Dr. Gerhard Blickle vom Institut für Psychologie der Universität Bonn fanden heraus, warum solche Personen trotzdem beruflich erfolgreich sein können. 

  • Der Trick, der nach oben führt, ist soziales Geschick. 

Die Ergebnisse werden vorab online im Journal „Personality and Individual Differences“ vorgestellt. Die Druckausgabe erscheint im April. 
 
Soziales Geschick ist an sich eine gute Sache im Berufsleben.

Es kann verschlossene Türen öffnen und hilft, den täglichen Stress zu bewältigen. 

  • Es kann jedoch auch dazu eingesetzt werden, um andere zu täuschen, Vertrauen auszunutzen oder eine Fassade der Harmlosigkeit aufzubauen, hinter der sich in Wirklichkeit Arglist versteckt. 

Dr. Mareike Kholin und das Forscherteam fanden heraus, dass toxische Persönlichkeiten, die bei ihren Kollegen als sozial geschickt gelten, von ihren Vorgesetzten als tüchtiger eingeschätzt wurden und eine höhere hierarchische Position einnehmen. 

„Wir müssen uns an den Gedanken gewöhnen, dass soziales Geschick ein zweischneidiges Schwert sein kann“, sagt Kholin.

In Persönlichkeitstests haben „toxische“ Personen bei den Kategorien „Ehrlichkeit“ und „Bescheidenheit“ niedrige Werte. 

„Solche Persönlichkeiten neigen dazu, sich ständig in den Mittelpunkt zu stellen“, sagt Blickle.

„Gute soziale Fähigkeiten ermöglichen ihnen, andere zu täuschen.“

Wer dagegen ausgeprägt ehrlich und bescheiden ist, beschert seinem Team eine wahre Freude:

Solche Persönlichkeiten sind fair im Umgang und lassen an Erfolgen auch Kollegen ihren Anteil.

Niedrige Werte bei den Merkmalen „Ehrlichkeit“ und „Bescheidenheit“

Die Psychologen der Universität Bonn untersuchten das Phänomen, indem sie verschiedene Arbeitsteams befragten: Zunächst absolvierten die Teilnehmer eine anonyme Online-Befragung und schätzten sich unter anderem zu den Merkmalen „Ehrlichkeit“ und „Bescheidenheit“ ein. Dann gaben Kollegen zu den sozialen Fähigkeiten des Teilnehmers Auskunft. Wie es um seine Arbeitsleistung bestellt ist, darauf antwortete jeweils der Vorgesetzte. Es gelang den Wissenschaftlern, insgesamt von 203 solchen „Triplets“ aus Mitarbeiter, Kollege und Vorgesetztem die Daten zu erheben.

Dabei zeigte sich, dass Arbeitskräfte mit niedrigen Werten für Ehrlichkeit und Bescheidenheit trotzdem im Beruf vorankommen können, wenn sie die toxischen Anteile ihrer Persönlichkeit durch soziale Fähigkeiten ausgleichen. 

Bastian Kückelhaus:

 „Tricksen, Tarnen und Täuschen gehören zur dunklen Seite der sozialen Kompetenz.“

Wie lassen sich toxische Persönlichkeiten treffender beurteilen?

Wie aber können Unternehmen und Teams mit diesen Erkenntnissen umgehen?

  • „Um den Aufstieg toxischer Persönlichkeiten zu entschleunigen, sollte man in der Personalauswahl und bei Beurteilungen mehr auf die tatsächliche Leistung und weniger auf den guten Eindruck schauen“, rät Prof. Blickle. 

Das sei besonders bei Tätigkeiten schwierig, bei denen es gerade darauf ankommt, zu imponieren und zu suggerieren, wie etwa im Verkauf oder in Führungstätigkeiten.

„Da ist es sinnvoll, zum Beispiel auch auf den Krankenstand und die Kündigungsrate der Mitarbeiter oder die Kundenbindung zu schauen“, ergänzt Blickle.

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Prof. Dr. Gerhard Blickle
Arbeits-, Organisations- und Wirtschaftspsychologie
Universität Bonn
Tel. +49-(0)228-734375
E-Mail: gerhard.blickle@uni-bonn.de
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Johannes Seiler Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn
Poppelsdorfer Allee 49
53115 Bonn
Deutschland
Nordrhein-Westfalen 
Telefon: 0228 / 73-4728
Fax: 0228 / 73-7451
E-Mail-Adresse: j.seiler@uni-bonn.de

Originalpublikation:
Kholin, M., Kückelhaus, B., & Blickle, G.: Why Dark Personalities can Get Ahead: Extending the Toxic Career Model, Personality and Individual Differences, DOI: 10.1016/j.paid.2019.109792

Antikoagulation DOAKs

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Interventionelle Therapie ist bei Schlaganfall trotz blutverdünnender Therapie möglich

Bei Schlaganfällen, die durch einen Gefäßverschluss der hirnversorgenden Gefäße durch ein Blutgerinnsel (Thrombus) entstehen, muss das Gerinnsel so bald wie möglich durch eine medikamentöse Auflösung (Lyse) oder einen Gefäßkatheter-Eingriff (Thrombektomie) entfernt werden. 

Nur so kann das Absterben von Gehirnzellen verhindert werden. 

Manche Patienten stehen vor dem Schlaganfall jedoch wegen einer anderen Erkrankung unter einer gerinnungshemmenden Therapie, die im Prinzip das Blutungsrisiko bei medizinischen Eingriffen erhöhen kann. 

  • Eine Studie [1] zeigte nun, dass das Blutungsrisiko nach Thrombektomie nicht bei allen gerinnungshemmenden Substanzklassen gleichermaßen erhöht ist. 
 
Die Ursache eines Schlaganfalls ist oft ein Blutgerinnsel (Thrombus), welches eine Arterie verstopft, die das Gehirn mit Blut versorgt. In der Folge kommt es zu einer Minderdurchblutung von Hirngewebe und zur Unterversorgung mit Sauerstoff. Bereits nach kurzer Zeit entstehen dadurch irreparable Schäden. Wichtigstes Ziel der Schlaganfallbehandlung ist daher, die Blutversorgung so schnell wie möglich wiederherzustellen.

Dies kann entweder durch eine medikamentöse Thrombusauflösung (intravenöse Thrombolyse) oder – in spezialisierten Zentren – durch einen Gefäßkathetereingriff (interventionelle Thrombektomie) mit Entfernung des Thrombus erfolgen.

Als therapiespezifische Komplikation der Thrombolyse und Thrombektomie kann es zu Einblutungen in das Hirngewebe kommen, die insgesamt zwar selten auftreten, aber nicht ungefährlich sind. Das Blutungsrisiko steigt an, wenn der Patient unter einer blutgerinnungshemmenden Therapie („Antikoagulation“ – umgangssprachlich Blutverdünnung) steht. „Eine Antikoagulation ist jedoch medizinisch oft notwendig, beispielsweise bei Herzvorhofflimmern, Thrombosen oder Lungenembolien, zur Prophylaxe neuer thrombotischer oder embolischer Ereignisse“, erklärt Prof. Dr. Wolf-Rüdiger Schäbitz, Bielefeld, Pressesprecher der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft (DSG).

Eine in der renommierten Zeitschrift „Stroke“ publizierte Studie [1] untersuchte die Sicherheit der interventionellen Thrombektomie bei antikoagulierten Patienten. Die Gerinnungshemmung erfolgte bei ihnen entweder mit sogenannten Vitamin-K-Antagonisten (VKA, Deutschland z.B. Marcumar) oder mit direkten oralen Antikoagulanzien (DOAK).

Die multizentrische Beobachtungsstudie analysierte den Zusammenhang zwischen symptomatischen Hirnblutungen (intrakraniellen Hämorrhagien) bzw. der 90-Tages-Mortalität und der Einnahme von VKA oder DOAK vor der Thrombektomie gegenüber nicht-antikoagulierten Patienten. 

Das mittlere Patientenalter lag bei 74 (62-82) Jahren. Eine VKA-Therapie hatten 222, DOAK erhielten 98 Patienten; als Vergleichsgruppe dienten 1.612 Patienten ohne Antikoagulation.

Im Ergebnis ging die VKA-Behandlung mit einem 2,5-fachen Risikoanstieg (OR 2,55) für postinterventionelle Hirnblutungen sowie 1,6-fachem Anstieg (OR 1,64) der Mortalität einher.

Eine DOAK-Therapie zeigte gegenüber der Vergleichsgruppe keine statistisch signifikanten Anstiege der Blutungskomplikationen (OR 0,98 und Mortalität OR 1,35). 

Die von den Studienautoren parallel durchgeführte Metaanalyse von 15 weiteren, vergleichbaren Kohortenstudien mit insgesamt 7.462 Patienten (855 VKA- und 318 DOAk-Patienten sowie 6.289 Kontrollen) zeigte ähnliche Ergebnisse mit einer höheren Rate an Hirnblutungen unter VKA (OR 1,62), nicht jedoch unter DOAK (OR 1,03).

  • Die Studienautoren empfehlen abschließend, dass bei einer erforderlichen Antikoagulation DOAKs bevorzugt werden sollten.

„Eine Antikoagulation gilt bei Risikopatienten, so beispielsweise bei Herzvorhofflimmern oder nach Lungenembolie heute als Goldstandard und kann lebensrettend sein“, so Prof. Schäbitz.  

„Man sollte nicht auf eine medizinisch notwendige Antikoagulation verzichten, nur weil vielleicht irgendwann eine Thrombektomie anstehen könnte.

Vor Beginn einer gerinnungshemmenden Therapie müssen aber alle Vor- und Nachteile abgewogen werden – gleiches gilt für die unterschiedlichen infrage kommenden Substanzen.“

DOAK bieten neben dem offensichtlich geringeren Blutungsrisiko weitere Vorteile gegenüber den VKA:

  • Die Wirkung beginnt bereits nach zwei Stunden und es ist kein Therapiemonitoring durch regelmäßige Blutkontrollen notwendig. 

Außerdem gibt es weniger Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten und auch Nahrungsmitteln.

Aber nicht immer überwiegen die Vorteile: 

Neben dem hohen Preis erfordern DOAK auch eine hohe Einnahmetreue, denn nach einer ausgelassenen Dosis steigt innerhalb von Stunden das Thromboserisiko schnell wieder an. 
  • Außerdem sind sie bei Patienten mit künstlichen Herzklappen nicht zugelassen und auch bei schwer nierenkranken Patienten ist die Anwendung limitiert.

Während bei einer überschießenden Blutverdünnung oder Überdosierung von VKA die Gabe von Vitamin K ein schnell wirksames Gegenmittel darstellt, so gibt es in Europa in der Gruppe der DOAK erst seit letztem Jahr mit Idarucizumab und Andexanet ein zugelassenes Gegenmittel.

„Insgesamt spricht bei Patienten mit Antikoagulantien-Indikation, die aber gleichzeitig ein hohes Schlaganfall- oder Blutungsrisiko haben, heute vieles für den Einsatz eines DOAK bzw. eines Faktor-Xa-Inhibitors“, so Prof. Hans-Christoph Diener, Pressesprecher der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN).

„Die Behandlung von Patienten mit einem Schlaganfall unter einer laufenden gerinnungshemmenden Therapie wird aber immer eine besondere Herausforderung bleiben. 

Und in bestimmten Situationen wird man sich auch, sofern verfügbar, für eine Thrombektomie entscheiden.

Das Allerwichtigste ist aber wie bei allen Schlaganfällen, dass der Patient so schnell wie möglich in eine geeignete Klinik gebracht wird.“

Literatur
[1] Meinel TR, Kniepert JU, Seiffge DJ et al. Endovascular Stroke Treatment and Risk of Intracranial Hemorrhage in Anticoagulated Patients. Stroke 2020 Mar; 51 (3): 892-98 Epub 2020 Jan 29.

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Die Deutsche Schlaganfall-Gesellschaft (DSG)
Die Deutsche Schlaganfall-Gesellschaft (DSG) wurde im Dezember 2001 gegründet. Ziel der Gesellschaft ist es, die Forschung und Weiterbildung im Bereich des Schlaganfalls zu koordinieren, zu qualifizieren und zu fördern. Gewünscht ist auch eine politische Einflussnahme, um der Erkrankung „Schlaganfall" eine angemessene Bedeutung zu geben. Mit ihren Aktivitäten spricht die DSG alle Ärzte und Leistungserbringer im Gesundheitswesen an, die in die Versorgung von Schlaganfall-Patienten eingebunden sind.

Originalpublikation:
DOI: 10.1161/STROKEAHA.119.026606