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Salzreiche Kost: Bakterielle Infekte schwerwiegender

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Zu viel Salz hemmt die Immunabwehr

  • Eine salzreiche Kost ist nicht nur schlecht für den Blutdruck, sondern auch für das Immunsystem. 

Diesen Schluss legt eine aktuelle Studie unter Federführung des Universitätsklinikums Bonn nahe. 

In Mäusen, die eine salzreiche Kost erhielten, verliefen demnach bakterielle Infekte erheblich schwerwiegender. 

  • Auch menschliche Probanden, die täglich sechs Gramm Salz zusätzlich zu sich nahmen, zeigten erhebliche Immundefizite. 

Diese Menge entspricht dem Salzgehalt zweier Fast-Food-Mahlzeiten. Die Ergebnisse erscheinen in der Fachzeitschrift „Science Translational Medicine“. 

Untersuchten die Auswirkungen von Salz auf das Immunsystem: (von links) Dr. Katarzyna Jobin, Natascha Ellen Stumpf, Melanie Eichler, Prof. Dr. Christian Kurts, Olena Babyak und Mirjam Meissner.
Untersuchten die Auswirkungen von Salz auf das Immunsystem: (von links) Dr. Katarzyna Jobin, Natascha Ellen Stumpf, Melanie Eichler, Prof. Dr. Christian Kurts, Olena Babyak und Mirjam Meissner. (c) Foto: Max Germer
 
Fünf Gramm pro Tag, nicht mehr: Das ist die Salzmenge, die Erwachsene laut Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation WHO maximal zu sich nehmen sollten.


Sie entspricht etwa einem gestrichenen Teelöffel. 

Tatsächlich überschreiten viele Deutsche diesen Grenzwert aber deutlich: Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts kommen Männer im Schnitt auf zehn und Frauen auf gut acht Gramm täglich.

Damit greifen wir erheblich ausgiebiger zum Salzstreuer, als uns gut tun dürfte.

Denn Natriumchlorid – so der chemische Name – steigert den Blutdruck und erhöht so das Risiko für Herzinfarkt oder Schlaganfall.

Doch nicht nur das: „Wir konnten nun erstmals nachweisen, dass eine übermäßige Salzzufuhr auch einen wichtigen Arm des Immunsystems schwächt“, erklärt Prof. Dr. Christian Kurts vom Institut für Experimentelle Immunologie der Universität Bonn.

Der Befund kommt unerwartet, wiesen doch manche Studien gerade in die entgegengesetzte Richtung. So heilen Infektionen mit bestimmten Hautparasiten in Versuchstieren deutlich schneller aus, wenn diese eine salzreiche Kost zu sich nehmen:

Die Makrophagen – Immunzellen, die Parasiten attackieren, fressen und verdauen – sind in Anwesenheit von Salz besonders aktiv.
Aus dieser Beobachtung schlossen manche Mediziner auf eine allgemein immunfördernde Wirkung von Natriumchlorid.

Die Haut dient als Salzspeicher


„Unsere Ergebnisse zeigen, dass diese Verallgemeinerung nicht zutrifft“, betont die Erstautorin der Studie Katarzyna Jobin, die inzwischen an die Universität Würzburg gewechselt ist. Dafür gibt es zwei Gründe:  

Zum einen hält der Körper die Salzkonzentration im Blut und in den verschiedenen Organen weitgehend konstant.

Ansonsten würden wichtige biologische Prozesse nicht funktionieren.

Die einzige große Ausnahme ist die Haut:  

Sie fungiert als Salzspeicher des Körpers. 

Daher wirkt die zusätzliche Zufuhr von Natriumchlorid bei manchen Hauterkrankungen so gut.

An anderen Stellen im Körper kommt das zusätzlich mit der Nahrung aufgenommene Salz aber gar nicht an. 

Stattdessen wird es von den Nieren herausgefiltert und über den Urin ausgeschieden.

Und hier kommt der zweite Mechanismus ins Spiel: 

  • Die Nieren verfügen über einen Natriumchlorid-Sensor, der die Salz-Ausscheidefunktion aktiviert. 
  • Als unerwünschte Nebenwirkung sorgt dieser Sensor allerdings auch dafür, dass sich im Körper so genannte Glukokortikoide anhäufen. 
  • Und die wiederum hemmen die Funktion der Granulozyten, des häufigsten Immunzelltyps im Blut.

Granulozyten zählen wie die Makrophagen zu den Fresszellen. Sie attackieren aber keine Parasiten, sondern vor allem Bakterien. Wenn sie das nicht in ausreichendem Maße tun, verlaufen Infektionen weitaus heftiger. „Das konnten wir in Mäusen mit einer Listerien-Infektion zeigen“, erklärt Dr. Jobin. „Einige von ihnen hatten wir zuvor auf eine salzreiche Kost gesetzt. In Milz und Leber dieser Tiere zählten wir eine 100- bis 1.000fache Menge der krankmachenden Keime.“ Listerien sind Bakterien, die zum Beispiel in verunreinigten Lebensmitteln vorkommen und Fieber, Erbrechen und Blutvergiftungen auslösen können. Auch Harnwegsinfekte heilten bei salzreich ernährten Versuchsmäusen erheblich langsamer ab.

Auf das Immunsystem von Menschen scheint sich Natriumchlorid ebenfalls negativ auszuwirken. 

„Wir haben Freiwillige untersucht, die täglich sechs Gramm Salz zusätzlich zu sich nahmen“, sagt Prof. Kurts. „Das entspricht etwa der Menge, die in zwei Fastfood-Mahlzeiten enthalten ist – also zwei Burgern und zwei Portionen Pommes frites.“ Nach einer Woche entnahmen die Wissenschaftler ihren Probanden Blut und untersuchten die Granulozyten. Die Immunzellen wurden deutlich schlechter mit Bakterien fertig, nachdem die Versuchspersonen begonnen hatten, sich salzreich zu ernähren.

  • Bei menschlichen Probanden führte die überreichliche Salzzufuhr zudem auch zu erhöhten Glukokortikoid-Spiegeln. 

Dass dies das Immunsystem hemmt, ist nicht überraschend:

Das bekannteste Glukokortikoid Kortison wird traditionell eingesetzt, um Entzündungen zu unterdrücken.

 „Erst durch Untersuchungen in einem ganzen Organismus konnten wir die komplexen Regelkreise aufdecken, die von der Salzaufnahme zu dieser Immunschwächung führen“, betont Kurts. „Damit zeigt unsere Arbeit auch die Grenzen reiner Zellkultur-Versuche auf.“

Die Universität Bonn zählt deutschlandweit zu den führenden Hochschulen auf dem Gebiet der Immunologie. So ist an ihr das Exzellenzcluster ImmunoSensation angesiedelt, zu dessen Vorstand Prof. Kurts zählt. Es ist das einzige Exzellenzcluster in Deutschland zu diesem Themenfeld. An der Studie waren zudem Wissenschaftler der Universitätskliniken in Regensburg, Hamburg, Erlangen und Melbourne (Australien) beteiligt.

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Prof. Dr. Christian Kurts
Institut für Experimentelle Immunologie
Universitätsklinikum Bonn
Tel. 0228/28711050
E-Mail: ckurts@uni-bonn.de 

Johannes Seiler Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn
Poppelsdorfer Allee 49
53115 Bonn
Deutschland
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Originalpublikation:
Katarzyna Jobin, Natascha E. Stumpf, Sebastian Schwab, Melanie Eichler, Patrick Neubert, Manfred Rauh, Marek Adamowski, Olena Babyak, Daniel Hinze, Sugirthan Sivalingam, Christina K. Weisheit, Katharina Hochheiser, Susanne Schmidt, Mirjam Meissner, Natalio Garbi, Zeinab Abdullah, Ulrich Wenzel, Michael Hölzel, Jonathan Jantsch und Christian Kurts: A high-salt diet compromises antibacterial neutrophil responses through hormonal perturbation; Science Translational Medicine; DOI: 10.1126/scitranslmed.aay3850

 

Untersucher-Kreislauflabor: Bluthochdruck - arterielle Hypertonie

Medizin am Abend Berlin MaAB - Fazit: Blutdruckheilung durch Operation - neues Online-Tool hilft bei Therapieentscheidung

Forscher des Klinikums der LMU haben zusammen mit italienischen Kollegen ein zuverlässiges Vorhersagemodell entwickelt, mit dem individuell abgeschätzt werden kann, ob ein Bluthochdruck chirurgisch geheilt werden kann. 
 
Wenn am 17. Mai der jährliche Welt-Hypertonie-Tag stattfindet, wird die öffentliche Aufmerksamkeit einmal mehr auf die große Gefahr gelenkt, die von Bluthochdruck (arterielle Hypertonie) für die Gesundheit ausgeht. Denn obwohl ein chronisch erhöhter Blutdruck in der Regel keine spürbaren Beschwerden hervorruft, hat er unbehandelt schwere Schäden an den Blutgefäßen zur Folge und leistet so einem Herzinfarkt oder Schlaganfall, aber auch irreparablen Nierenschäden Vorschub.

  • Jeder dritte Erwachsene ist von Bluthochdruck betroffen

In Deutschland ist jeder dritte Erwachsene von Bluthochdruck betroffen – und bei jedem zehnten Patienten liegt eine spezielle Ursache vor:

  • Sie leiden unter einem primären Hyperaldosteronismus
  •  (Aldosteronismus, Conn-Syndrom). 
  • Damit ist die Erkrankung die häufigste heilbare Form des Bluthochdrucks.

Ausgangspunkt ist eine gesteigerte Produktion von Aldosteron, ein Steroidhormon, das in der Zona glomerulosa der Nebennierenrinde gebildet wird.

Das Überangebot von Aldosteron hat Störungen im Wasser- und Salzhaushalt zur Folge: 

  • Während Natrium im Körper zurückgehalten wird, wird übermäßig viel Kalium über den Urin ausgeschieden
  • Dies führt zu einem vermehrten Blutvolumen und damit zu einer Erhöhung des Blutdrucks.

Conn-Syndrom: Gut behandelbar, wenn rechtzeitig erkannt

  • Bluthochdruck, der durch das Conn-Syndrom hervorgerufen wird, kann mit konventionellen Blutdruckmedikamenten nur schlecht eingestellt werden, außerdem sind Conn-Syndrom-Patienten wesentlich häufiger von Komplikationen wie Vorhofflimmern, Herzschwäche, Herzinfarkt, Schlaganfall oder Niereninsuffizienz betroffen als Patienten, die unter einem essentiellen Bluthochdruck leiden.

Rechtzeitig erkannt, lässt sich das Conn-Syndrom jedoch gut behandeln: entweder mit Medikamenten zur Blockierung der Aldosteron-Wirkung (Aldosteronantagonisten), insbesondere bei einer bilateralen Hyperplasie der Nebennieren (idiopathischer Hyperaldosteronismus), oder mithilfe eines laparoskopischen Eingriffs, wenn eine der beiden Nebennieren von einem aldosteronproduzierenden Adenom befallen ist.

In diesem Fall müssen der Tumor bzw. die überaktive Nebenniere operativ entfernt werden.

Heilungschancen mit Punktesystem erkennen

Nicht immer lässt sich jedoch zweifelsfrei vorhersagen, ob eine chirurgische Therapie zur klinischen Heilung führt. Nun hat das von Professor Martin Reincke geleitete Forscherteam unter Verwendung der postoperativen Ergebnisse von 380 Patienten ein Punktesystem erstellt, mit dem künftig bereits vor dem Eingriff abgeschätzt werden kann, wie groß die individuellen Heilungsaussichten eines Patienten mit einem Aldosteron produzierenden Nebennierentumor nach einer laparoskopischen Adrenalektomie sind.

Dabei wurden sechs präoperative Faktoren identifiziert, die maßgeblich für einen vollständigen klinischen Therapieerfolg sind:

  • die Dauer des Bluthochdrucks
  •  
  • das weibliche Geschlecht
  •  
  • die Dosis der blutdrucksenkenden Medikamente
  •  
  • der Body-Mass-Index
  •  
  • mögliche Schäden am Zielorgan
  •  
  • sowie die mit bildgebenden Verfahren ermittelte Größe des größten Knotens.

Online-Tool macht OP-Entscheidung für Patienten leichter

Um die Verwendung des Vorhersage-Scores zu erleichtern, wurde ein benutzerfreundliches Online-Tool (Primärer Aldosteronismus-Chirurgischer Outcome-Prädiktor) entwickelt.

„Können wir unseren Patienten vorhersagen, wie gut ihre Chancen auf eine komplette Heilung ihres Bluthochdrucks sind, tun sie sich viel leichter mit der Entscheidung für eine Operation“, sagt der Endokrinologe und Direktor der Medizinischen Klinik und Poliklinik IV des Klinikums der LMU München Professor Martin Reincke.

Unterstützt wurde die Forschungsarbeit unter anderem durch das Horizon 2020 Forschungsrahmenprogramm des Europäischen Forschungsrat ERC (GA Nr. 694913,

http://www.erc-papa.eu

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Professor Dr. Martin Reincke
Direktor der Medizinischen Klinik und Poliklinik IV des Klini-kums der LMU München
Tel. +49 (0) 89 4400-52101
E-Mail: Sekretariat.Reincke@med.uni-muenchen.de

Dr. Tracy Ann Williams
Medizinische Klinik und Poliklinik IV
Klinikum der LMU München
Tel: +49 (0) 89 4400-52941
E-Mail: Tracy.Williams@med.uni-muenchen.de

Philipp Kressirer Klinikum der Universität München


Pettenkoferstraße 8a
80336 München
Deutschland
Bayern


Telefon: 089 / 4400 - 58070
Fax: 089 / 4400 - 58072
E-Mail-Adresse: philipp.kressirer@med.uni-muenchen.de
Originalpublikation:
Die Ergebnisse wurden in dem wissenschaftlichen Fachmagazin 'Annals of Surgery' veröffentlicht: Burrello J, Burrello A, Stowasser M, Nishikawa T, Quinkler M, Prejbisz A, Lenders JWM, Satoh F, Mulatero P, Reincke M, Williams TA 2019: The Primary Aldosteronism Surgical Outcome Score for the Prediction of Clinical Outcomes After Adrenalectomy for Unilateral Primary Aldosteronism. Ann Surg. 2019 [Epub ahead of print]
doi: 10.1097/SLA.0000000000003200

Herzinfarkt oder Hirnschlag: Blutdruck und kardiovaskuläre Ereignisse

Medizin am Abend Berlin Fazit: Ist Salz besser als sein Ruf?

Ein höherer Salzkonsum führt noch nicht automatisch zu einem Herzinfarkt oder Hirnschlag. 

Eine Vergleichsstudie mit 18 Ländern belegt, dass Salz zwar den Blutdruck erhöht, nicht aber zwingend das Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse. 

Die Kardiologie am Inselspital hat die Ergebnisse für «The Lancet» eingeordnet.  Bis zu einem gewissen Grad korreliert der tägliche Salzkonsum positiv mit der Lebenserwartung
Bis zu einem gewissen Grad korreliert der tägliche Salzkonsum positiv mit der Lebenserwartung Abb. Messerli et al, The Lancet, Volume 392, ISSUE 10146, zvg.


  • Wer viel Salz isst, erhöht früher oder später seinen Blutdruck. 

Das ist seit mehr als einem Jahrhundert bekannt und durch zahlreiche wissenschafliche Publikationen untermauert.

Ärztinnen und Ärzte warnen daher vor einem exzessiven Salzkonsum und die Weltgesundheitsorganisation, European Society of Cardiology and American Heart Association empfehlen eine drastische Reduktion der Salzzufuhr für die Gesamtbevölkerung.

Dass dadurch das Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse automatisch gesenkt wird, konnte aber bislang keine Studie belegen.

Nun untersuchte eine internationale Vergleichsstudie mit 18 Ländern und 94 378 Personen über acht Jahre, inwiefern die tägliche Salzzufuhr tatsächlich zu mehr Herzinfarkten, Hirnschlägen oder Gesamtsterblichkeit führt. Die Relevanz der Ergebnisse ordnete Prof. Dr. Franz Messerli, Kardiologe am Inselspital, für die Fachzeitschrift «The Lancet» am 9. August 2018 ein.


Salz ist nicht zwingend gesundheitsschädlich
Salz ist nicht zwingend gesundheitsschädlich  Inselspital, Universitätsspital Bern


Hirn eher gefährdet als Herz

Die Forschenden der McMaster University in Kanada fanden in ihrem Vergleich zwar eine lineare Beeinflussung von Salzkonsum und Bluthochdruck (+2.8 mmHg Zunahme pro Gramm Salz/Tag); diese betraf aber eher Personen, die bereits mehr als fünf Gramm Salz pro Tag zu sich nahmen.

Ein sehr hoher Salzkonsum führte zu einem grösseren Schlaganfallrisiko, was hauptsächlich in China der Fall war, wo der durchschnittlich Konsum bei fast 14 g pro Tag liegt.

Überraschend war jedoch die Beobachtung einer negative Korrelation zwischen Salzkonsum und Herzinfarkt wie auch zwischen Salzkonsum und Gesamtmortalität:

Je mehr Salz, desto geringer das Risiko. 

Bei zu tiefem Salzkonsum stieg das Risiko von Herzinfarkt und Schlaganfall wiederum geringfügig an. 
  • Franz Messerli vermutet daher, dass nicht alle Organe gleich empfindlich auf Salz reagieren bzw. dass Salz möglicherweise sogar einen kardioprotektiven Effekt ausüben könnte.
Um dies noch besser beurteilen zu können, analysierten Messerli und seine Kollegen zudem den Zusammenhang zwischen Salzkonsum und Lebenserwartung in 182 Ländern. Es zeigte sich, dass Salzkonsum, ausser wenn exzessiv, positiv mit der Lebenserwartung verbunden war (je geringer der Konsum desto kürzer die Lebenserwartung und umgekehrt) – Salz also an sich nicht unbedingt gesundheitsschädlich scheint.  

Andererseits war die Lebenserwartung bei tiefem Salzkonsum, wie er teilweise in den Empfehlungen definiert ist, deutlich vermindert.

Mehr Obst und Gemüse statt weniger Salz

Die Studie erforschte zudem die Korrelation zwischen Kaliumgehalt der Nahrung und Herzinfarkt, Schlaganfall und Gesamtmortalität.

Unabhängig vom Salzkonsum senkte Kalium alle drei Risiken. 

Das bedeutet:

Auch Patienten mit einem hohen Salzkonsum können mit zusätzlichem Kalium ihr Risiko vermindern.

Kalium kommt hauptsächlich in Früchten, Nüssen und Gemüse vor.

Schlussfolgerungen aus der Studie

1. Eine kaliumreiche Diät (Früchte und Gemüse) vermindert das Risiko von Herzinfarkt, Schlaganfall und Gesamtmortalität.

2. Ein zu hoher Salzkonsum erhöht das Risiko von Schlaganfall aber nicht von Herzinfarkt und Gesamtmortalität.


3. Ein zu niedriger Salzkonsum kann das Risiko von Herzinfarkt, Schlaganfall und Gesamtmortalität geringfügig erhöhen und möglicherweise die Lebenserwartung vermindern.


Studie: DOI: https://doi.org/10.1016/S0140-6736(18)31376-X

Editorial: https://www.thelancet.com/journals/lancet/article/PIIS0140-6736(18)31724-0/fullt...

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Prof. Dr. med. Franz Messerli
Senior Consultant, Universitätsklinik für Kardiologie
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3010 Bern
Schweiz
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Arterielle Hypertonie , primären Hyperaldosteronismus (PA) - sekundärer Bluthochdruck - LABOR: Chlorid,

Medizin am Abend Berlin Fazit: Wie ein mutiertes Gen Bluthochdruck hervorrufen kann

Eine arterielle Hypertonie, besser bekannt als Bluthochdruck, entsteht oft, weil die Nebennierenrinde zu viel Aldosteron herstellt. 

Eine Ursache für die Überproduktion dieses Hormons ist ein veränderter Chloridkanal in den Zellen der Nebennierenrinde. 

Dahinter steckt eine Mutation in dem Gen CLCN2, das die Bauanleitung für den Kanal enthält. 

Eine Mutation im Chloridkanal ClC-2 als Ursache für primären Hyperaldosteronismus (PA), siehe komplette Bildunterschrift am Ende des Haupttextes.
Eine Mutation im Chloridkanal ClC-2 als Ursache für primären Hyperaldosteronismus (PA),  
 
  • Eine der häufigsten Ursachen von sekundärem Bluthochdruck, auch arterielle Hypertonie genannt, ist der primäre Hyperaldosteronismus, kurz PA. 
  • Dabei produziert die Nebennierenrinde zu große Mengen des Hormons Aldosteron, das eine wichtige Rolle in der Regulierung des Salz- und Wasserhaushalts und des Blutdrucks spielt. 
  • Hohe Konzentrationen von Aldosteron bewirken, dass in der Niere vermehrt Natrium und Wasser rückresorbiert werden. 
  • Dadurch erhöht sich das Blutvolumen und der Blutdruck steigt an.

Der PA wird durch eine Genveränderung ausgelöst, die dazu führt, dass in den Zellen der Nebennierenrinde ein Ionenkanal namens ClC-2 permanent offen steht.

Das hat ein Team um Prof. Dr. Thomas Jentsch vom Leibniz-Forschungsinstitut für Molekulare Pharmakologie (FMP) und vom Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) in Berlin in Zusammenarbeit mit Pariser Kolleginnen und Kollegen um Dr. Maria Christina Zennaro am INSERM, ein international bekanntes Team im Feld des PA, jetzt herausgefunden.

Hierdurch kommt es zu einer Signalkaskade, die letztlich eine vermehrte Produktion von Aldosteron zur Folge hat. Die Studie ist jetzt im Fachblatt Nature Genetics veröffentlicht worden.

Das Exom von Patienten verriet, warum zu viel Aldosteron produziert wird

„Bekannt waren bisher nur Knock-out-Mutationen des CLCN2-Gens“, erläutert Jentsch.

„Diese führen dazu, dass der ClC-2-Kanal gar nicht oder nur fehlerhaft gebildet wird.“

Das daraus resultierende Krankheitsbild ist unter anderem eine Leukodystrophie, bei der die weiße Substanz des Gehirns geschädigt wird. Symptome der Erkrankung sind beispielsweise Gangstörungen.

„Die Genveränderung, auf die wir jetzt gestoßen sind, führt hingegen nicht zu einem Verlust, sondern umgekehrt zu einer Verstärkung der Ströme durch den Kanal“, sagt Jentsch. „Sie hat zur Folge, dass sich der Kanal nicht mehr wie gewöhnlich spannungs- und pH-abhängig schließt.“

Um den Ursachen des PA auf den Grund zu gehen, hatten die französischen Wissenschaftler das Exom – also all jene Abschnitte des Genoms, die Bauanleitungen für Proteine enthalten ¬– von Patientinnen und Patienten analysiert, bei denen die Krankheit schon vor dem 25. Lebensjahr ausgebrochen war, und es mit dem Exom gesunder Menschen verglichen. Dabei stießen sie auf eine noch unbekannte Mutation im CLCN2-Gen und wandten sich an Jentsch, den weltweit führenden Experten für CLC Kanäle.

„Wir haben daraufhin eine Hypothese entwickelt, wie die Mutation zu der Krankheit PA führen könnte“, berichtet Corinna Göppner aus der Arbeitsgruppe von Thomas Jentsch, die an der Studie beteiligt war.

Normalerweise führt in den Zellen der Nebennierenrinde das Hormon Angiotensin II dazu, dass Kaliumkanäle geschlossen werden und keine positiv geladenen Kaliumionen mehr ausströmen können.

  • Dadurch verändert sich das Membranpotential, es kommt zur Depolarisation und in Folge dessen zu einer Öffnung spannungsabhängiger Kalziumkanäle. 
  • Daraufhin strömen Kalziumionen in die Zelle ein und setzen eine Signalkaskade in Gang, an deren Ende die Produktion von Aldosteron steht.

Bei Mäusen existiert der Kanal in der Nebennierenrinde

„Faszinierenderweise lag die Patientenmutation genau in einem von Jentsch schon 1992 identifizierten Abschnitt von ClC-2, in dem Mutationen den Kanal öffnen. Wir vermuteten nun, dass ein offener Chloridkanal aufgrund des permanenten Ausstroms von negativ geladenem Chlorid die Spannung der Zellen ändert und dadurch die Kalziumkanäle unabhängig von Angiotensin II öffnet“, sagt Göppner. 

  • „In diesem Fall würde Aldosteron fortlaufend von den Zellen gebildet und freigesetzt.“

Im Mausmodell konnten die Forscherinnen und Forscher zunächst zeigen, dass der ClC-2-Kanal in den Zellen der äußeren Schicht der Nebennierenrinde, der Zona glomerulosa, tatsächlich existiert. „Per Patch-Clamp-Technik ließ sich nachweisen, dass Chloridionen durch diesen Kanal hindurchfließen“, erläutert Dr. Ian Orozco, der einen Großteil der Experimente durchgeführt hat. „Der Stromfluss blieb jedoch aus, wenn in den Mäusen das Gen für den Kanal stillgelegt war.“

In einem nächsten Schritt verglichen die Forscherinnen und Forscher den Kanal mit seinem mutierten Pendant nach Produktion in Eizellen von Krallenfröschen. „Hier zeigte sich, dass die in den Patienten gefundene Genveränderung in der Tat zu einem verstärkten Stromfluss führt und sich der ClC-2-Kanal nicht mehr wie gewohnt regulieren lässt“, sagt Orozco.

Welche Substanz kann den Erkrankten helfen?

In Zelllinien der humanen Nebennierenrinde konnten das französische Team nachweisen, dass die Zellen unter der Mutation tatsächlich eine geringere Membranspannung aufweisen und mehr Aldosteron produzieren.

Auch die Enzyme, die an der Herstellung des Hormons beteiligt sind, wurden in den genveränderten Zellen vermehrt gebildet.

Mit Substanzen, die die Kalziumkanäle blockieren, ließ sich die Überproduktion hingegen stoppen. „Damit war unsere eingangs aufgestellte Hypothese sehr gut belegt“, sagt Göppner.

Denkbar wäre nun die Entwicklung einer Substanz, die spezifisch den ClC-2-Kanal in den Zellen der Nebennierenrinde blockiert, um Patienten mit dieser Form von PHA zu heilen. Das allerdings ist noch Zukunftsmusik.

Fabio L. Fernandes-Rosa, Georgios Daniil, Ian J. Orozco, Corinna Göppner, Rami El Zein, Vandana Jain, Sheerazed Boulkroun, Xavier Jeunemaitre, Laurence Amar, Hervé Lefebvre, Thomas Schwarzmayr, Tim M. Strom, Thomas J. Jentsch and Maria-Christina Zennaro. A gain-of-function mutation in the CLCN2 chloride channel gene causes primary aldosteronism (2018) Nature Genetics. DOI: 10.1038/s41588-018-0053-8

Bildunterschrift:
Eine Mutation im Chloridkanal ClC-2 als Ursache für primären Hyperaldosteronismus (PA). Die Bildung des an der Blutdruckregulation maßgeblich beteiligten Hormons Aldosteron ist im gesunden Menschen strikt reguliert: Sobald Angiotensin II an seinen Rezeptor bindet, werden K+-Kanäle geschlossen und die Zelle wird depolarisiert. Die darauffolgende Öffnung spannungsabhängiger Ca2+-Kanäle bewirkt eine Erhöhung intrazellulären Ca2+, was über eine Signalkaskade die Bildung von Aldosteron induziert. In dieser Studie wurde eine Patienten-Mutation im Chloridkanal ClC-2 charakterisiert, die eine Depolarisation durch den Ausstrom von Cl- durch den ständig geöffneten Kanal hervorruft. Die Folge dieser Mutation ist eine Angiotensin II-unabhängige Überproduktion von Aldosteron, die zu Bluthochdruck führt.

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Prof. Thomas J. Jentsch
FMP/MDC
Tel.: +49-30-9406-2961
E-Mail: Jentsch(at)fmp-berlin.de
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Silke Oßwald
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Tel.: +49-30-94793-104
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Jana Schlütter
Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Hemholtz-Gemeinschaft (MDC)
Tel.: +49-30-9406-2121
E-Mail: jana.schlütter@mdc-berlin.de

Das Leibniz-Institut für Molekulare Pharmakologie (FMP) gehört zum Forschungsverbund Berlin e.V. (FVB), einem Zusammenschluss von acht natur-, lebens- und umweltwissenschaftlichen Instituten in Berlin. In ihnen arbeiten mehr als 1.900 Mitarbeiter. Die vielfach ausgezeichneten Einrichtungen sind Mitglieder der Leibniz-Gemeinschaft. Entstanden ist der Forschungsverbund 1992 in einer einzigartigen historischen Situation aus der ehemaligen Akademie der Wissenschaften der DDR.

Das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) wurde 1992 in Berlin gegründet. Es ist nach dem deutsch-amerikanischen Physiker Max Delbrück benannt, dem 1969 der Nobelpreis für Physiologie und Medizin verliehen wurde. Aufgabe des MDC ist die Erforschung molekularer Mechanismen, um die Ursachen von Krankheiten zu verstehen und sie besser zu diagnostizieren, verhüten und wirksam bekämpfen zu können. Dabei kooperiert das MDC mit der Charité – Universitätsmedizin Berlin und dem Berlin Institute of Health (BIH) sowie mit nationalen Partnern, z.B. dem Deutschen Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DHZK), und zahlreichen internationalen Forschungseinrichtungen. Am MDC arbeiten mehr als 1.600 Beschäftigte und Gäste aus nahezu 60 Ländern; davon sind fast 1.300 in der Wissenschaft tätig. Es wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und zu 10 Prozent vom Land Berlin finanziert und ist Mitglied in der Helmholtz-Gemeinschaft deutscher Forschungszentren. www.mdc-berlin.de


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CAVE: CF- Cystische Fibrose, Mukoviszidose Diabetes

Medizin am Abend Berlin Fazit: Bei frühem Mukoviszidose-Diabetes reichen Tabletten

Rund die Hälfte aller Mukoviszidose-Betroffenen erkrankt im Lauf ihres Lebens an einem sogenannten CF-Diabetes. 

Die Therapie der Wahl ist dann häufig das Spritzen von Insulin. 

Eine groß angelegte Langzeitstudie konnte zeigen, dass bei einem frühen CF-Diabetes Repaglinid-Tabletten genauso wirksam sind wie das Spritzen von Insulin. 

Der Mukoviszidose e.V. hatte die Studie mit 600.000 Euro unterstützt. 

Medizin am Abend Berlin ZusatzFachThema: Spen­den­recht­li­che Be­ur­tei­lung von „Crowd­fun­ding“ (§ 10b EStG) 

Die Mukoviszidose Institut gGmbH, eine hundertprozentige Tochter des Vereins, hatte als Sponsor die Verantwortung für die klinische Prüfung übernommen. Die Ergebnisse der Studie sind kürzlich im renommierten Fachjournal „Lancet Journal of Diabetes and Endocrinology“ veröffentlicht worden.

 
„Ziel der Studie zum Mukoviszidose-Diabetes war es, die Therapielast der Patienten erheblich zu reduzieren“, sagt Dr. Miriam Schlangen, Mitglied der Geschäftsführung des Mukoviszidose e.V. und Leiterin der Mukoviszidose Institut gGmbH. Denn Betroffene müssen zahlreiche Tabletten nehmen, regelmäßig inhalieren und Physiotherapie machen und auch auf einen gesunden Ernährungsstatus achten.

Besonders in der Pubertät ist es für viele Patienten schwierig, dieses hohe Pensum durchzuhalten. 
„Aber gerade in dieser Zeit erkranken viele Betroffene zusätzlich an Diabetes“, sagt Schlangen.

Denn der zähe Schleim, der bei Mukoviszidose in den Körperzellen entsteht, schädigt auch die Bauchspeicheldrüse.

Insgesamt erkrankt jeder zweite Mukoviszidose-Patient an dem sogenannten CF-Diabetes (CF = Cystische Fibrose, Mukoviszidose).

Bei Mukoviszidose ist allerdings eine Diät, wie sie Patienten mit Diabetes Typ 2 empfohlen wird, nicht sinnvoll. 
Denn Mukoviszidose-Betroffen haben einen besonders hohen Kalorienbedarf. Daher ist für sie das Spritzen von Insulin die Therapie der Wahl.
Medizin am Abend Berlin ZusatzFachHinweis: Labor Pankreasinsuffizienz 

Langzeitstudie untersuchte Therapie des CF-Diabetes

Statt mehrfach täglich Insulin zu spritzen, reicht beim frühen CF-Diabetes aber auch eine Therapie in Tablettenform (Repaglinid). Das ist das Ergebnis einer Langzeitstudie zum CF-Diabetes, die von 2001 bis 2011 an 49 Mukoviszidose-Zentren in Österreich, Frankreich, Italien und Deutschland durchgeführt worden war. In der randomisierten, kontrollierten klinischen Studie wurden zunächst 1.000 Mukoviszidose-Patienten im Alter ab zehn Jahren auf einen CF-Diabetes gescreent. Wurde ein Diabetes erkannt, wurde der Patient zufällig einer Behandlungsgruppe zugewiesen: Entweder musste er mehrfach täglich Insulin spritzen oder Repaglinid in Tablettenform nehmen.

Von 1.000 gescreenten Patienten willigten letztlich 75 Patienten mit frühem Mukoviszidose-Diabetes ein, an der Studie teilzunehmen. 34 Patienten erhielten Repaglinid als Therapie, 41 spritzten Insulin. Die Patienten wurden zwei Jahre lang überwacht: Weder nach einem noch nach zwei Jahren Behandlung in der entsprechenden Gruppe konnte ein signifikanter Unterschied im Blutzuckerspiegel (HbA1c-Wert) gemessen werden. Ebenso war die Anzahl der Nebenwirkungen in beiden Gruppen etwa gleich. Und auch bei der Lungenfunktion und beim Ernährungsstatus zeigten sich keine Unterschiede. „Dank der Unterstützung des Mukoviszidose e.V., vieler CF-Ambulanzen und der teilnehmenden Patienten konnten wir zeigen, dass ohne Verlust an Sicherheit oder Wirksamkeit eine Behandlung des CF-Diabetes mit Tabletten für mehrere Jahre ein gangbarer Weg ist. Für Menschen mit Mukoviszidose und zusätzlich noch CF-Diabetes können wir die Therapielast verantwortlich senken", sagt Professor Manfred Ballmann, der Leiter der CF-Diabetes-Studie.

Finanzierung

Die Studie wurde vom Mukoviszidose e.V. mit 600.000 Euro unterstützt. An der Finanzierung beteiligt waren außerdem internationale Mukoviszidose-Organisationen wie Vaincre la Mucoviscidose (Frankreich) oder ABCF Association (Frankreich) sowie Gesundheitsunternehmen wie Novo Nordisk.

Hintergrund-Informationen

Über Mukoviszidose
In Deutschland sind bis zu 8.000 Kinder, Jugendliche und Erwachsene von der unheilbaren Erbkrankheit Mukoviszidose betroffen. 
  • Durch eine Störung des Salz- und Wasserhaushalts im Körper bildet sich bei Mukoviszidose-Betroffenen ein zähflüssiges Sekret, das Organe wie die Lunge und die Bauchspeicheldrüse irreparabel schädigt. 
Jedes Jahr werden in Deutschland etwa 150 bis 200 Kinder mit der seltenen Krankheit geboren.

Über den Mukoviszidose e.V.
Der Mukoviszidose e.V. vernetzt die Patienten, ihre Angehörigen, Ärzte, Therapeuten und Forscher. Er bündelt unterschiedliche Erfahrungen, Kompetenzen sowie Perspektiven mit dem Ziel, jedem Betroffenen ein möglichst selbstbestimmtes Leben mit Mukoviszidose ermöglichen zu können. Damit die gemeinsamen Aufgaben und Ziele erreicht werden, ist der gemeinnützige Verein auf die Unterstützung engagierter Spender und Förderer angewiesen. Die Mukoviszidose Institut gGmbH ist eine hundertprozentige Tochter des Mukoviszidose e.V.

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Abstract des Artikels im „Lancet Journal of Diabetes and Endocrinology“

Wasserhomöostase - Wasser im Körper

Medizin am Abend Berlin Fazit: Eine Prise Salz gegen den Durst

Von salzigem Essen muss man mehr trinken? – diese Binsenweisheit ist nun widerlegt. 

Zwei neue Studien zeigen genau das Gegenteil. 

Als „Kosmonauten“ auf einer simulierten Mission zum Mars bekamen mehr Salz zu essen bekamen, erzeugten sie daraufhin mehr Wasser im Körper, tranken sie weniger und benötigten mehr Energie. 
 
Wie Salz im Essen das Trinkverhalten beeinflusst, wurde nie in einer Langzeitstudie überprüft.

Bekannt war bisher lediglich, dass mehr Salz in der Nahrung die Produktion von Urin stimuliert. Diese zusätzliche Flüssigkeit stammt aus Getränken – so die These.

Weit gefehlt! sagt nun ein Forschungsteam vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), dem Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC), der Vanderbilt University und weiteren internationalen Kolleginnen und Kollegen. Sie überprüften die alte Weisheit während einer simulierten Marsmission, und stellen ihre Ergebnisse nun in der aktuellen Ausgabe des Journal of Clinical Investigation vor.

Perfekte experimentelle Bedingungen

Salz hat natürlich nichts direkt mit dem Mars zu tun. Wollten Menschen zum Roten Planeten reisen, wäre zwar jeder Tropfen Trinkwasser kostbar und eine Prise Salz im Essen dürfte die Mission nicht gefährden. Wirklich interessant war die Simulation aber für die Forscherinnen und Forscher, weil sie so Ernährung, Wasser- und Salzaufnahme streng kontrollieren und messen konnten.

Dr. Natalia Rakova und ihr Team von der Charité und dem MDC führte zwei unabhängige Studien an zehn männliche Freiwilligen durch. Die Probanden waren über einen Zeitraum von entweder 105 oder 205 Tagen in einer Raumschiff-Attrappe eingeschlossen. Alle Teilnehmer hatten absolut identische Speisepläne. Im Laufe der Wochen veränderte das Forschungsteam dann stufenweise den Salzgehalt in der Nahrung.

Salziges Essen, weniger Flüssigkeitsaufnahme, höherer Energiebedarf

Das Experiment bestätigt: 
  • Kurzfristig verstärkt Salz den Durst. 
Mehr Salz im Essen führt auch zu einer höheren Salzkonzentration im Harn und einer höheren Gesamtmenge Urin – das war nicht überraschend. Doch die größere Menge Flüssigkeit stammte nicht aus Getränken. Die Probanden tranken sogar insgesamt weniger, wenn sie mehr Salz zu sich nahmen. 

  • Das Salz löste in den Nieren einen Wasserspar-Mechanismus aus.

Bisher galt, dass die Natrium- und Chlorid-Ionen, aus denen Salz besteht, an Wassermoleküle binden und diese in den Harn ziehen. 

Stattdessen zeigten die neuen Ergebnisse, dass das Salz im Harn bleibt, während das Wasser in die Niere und Körper zurücktransportiert wird. 

Das überraschte das Team um Jens Titze, Professor an der Universität Erlangen-Nürnberg und am Vanderbilt University Medical Center. „Was könnte die Kraft sein, die das Wasser zurück in den Körper treibt“, fragte er sich.

Versuche an Mäusen zeigten dann, dass die Substanz Harnstoff (Urea) daran beteiligt sein könnte. Mit Hilfe von Harnstoff entsorgen Muskeln und Leber Stickstoff. 
  • In der Niere der Mäuse sammelte sich Harnstoff, dort wirkte es der Wasser-bindenden Kraft von Natrium und Chlorid entgegen. 
Doch die Synthese von Harnstoff kostet viel Energie. Mäuse, denen salzigere Nahrung verabreicht wurde, hatten größeren Hunger, tranken aber nicht mehr. Auch die menschlichen „Kosmonauten“, die salziges Essen bekamen, klagten über Hunger.

Mehr als bloßer Abfall

Die neuen Erkenntnisse lassen die Rolle des Harnstoffs in neuem Licht erscheinen. „Harnstoff ist nicht nur ein Abfallprodukt, wie wir bisher angenommen hatten", sagt Prof. Friedrich C. Luft, von der Charité und dem MDC. 

„Stattdessen erweist er sich als ein sehr wichtiger Osmolyt – das ist eine Verbindung, die Wasser an sich bindet und so hilft, es zu transportieren. Harnstoff hält das Wasser im Körper, wenn wir Salz ausscheiden. So wird das Wasser zurückgehalten, das sonst durch das Salz in den Urin hineingetragen würde."

Die Wasserhomöostase, also das Gleichgewicht von Wasser im Körper, ist für eine Reise zum Mars mindestens so wichtig wie das Leben hier auf der Erde

„Wir müssen diesen Vorgang als eine gemeinsame Anstrengung der Leber, der Muskeln und der Nieren sehen“, sagt Jens Titze. 

„In der Studie haben wir den Einfluss auf den Blutdruck und andere Aspekte des Herz-Kreislauf-Systems nicht direkt untersucht. Ihre Funktionen sind aber eng mit der Wasserhomöostase und dem Energiestoffwechsel verbunden.“

Anmerkung: Dieses Projekt wurde vor allem durch die Anstrengungen der DLR-Forschung unter Weltraumbedingungen getragen. Natalia Rakova, Dominik N. Müller und Friedrich C. Luft sind Forscherinnen und Forscher des MDC. Korrespondenzautor und Studienleiter ist Jens Titze vom Universitätsklinikum Erlangen-Nürnberg und der Vanderbilt University, an der Friedrich C. Luft eine außerordentliche Professur hält.

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Natalia Rakova, Kento Kitada, et al. (2017): “Increased salt consumption induces body water conservation and decreases fluid intake.” The Journal of Clinical Investigation. doi: 10.1172/JCI88530 (Manuskript auf Anfrage erhältlich)

Verwandte Veröffentlichung:

Kento Kitada, Steffen Daub, et al.  (2017): “High salt intake reprioritizes osmolyte and energy metabolism for body fluid conservation.” The Journal of Clinical Investigation. doi: 10.1172/JCI88532 

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Die Niere und der Urin: Haushaltszucker, Traubenzucker, Fruchtzucker

Medizin am Abend Berlin Fazit: Haushaltszucker im Urin? Biologen der Uni Osnabrück machen verblüffende Entdeckung

Unser Urin enthält Haushaltzucker, was für den Schutz der Nierenzellen eine wichtige Rolle spielen kann. 

Diesen im Rahmen ihres von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) unterstützten Forschungsprojekts erzielten Befund publizierten Dr. Olga Vitavska und Prof. Dr. Helmut Wieczorek vom Fachbereich Biologie/Chemie der Universität Osnabrück kürzlich im European Journal of Physiology (Vol. 468, 2016). 
 
Zum Hintergrund: 
  • Täglich produzieren die Nieren ein bis zwei Liter Urin und sorgen dafür, dass der Salz- und Flüssigkeit-Haushalt in unserem Körper stabil bleibt. 
Während der Erfüllung dieser lebenswichtigen Funktion stehen die Nierenzellen selbst unter einer enormen Belastung. 
»Wenn wir nicht ausreichend trinken, wird unser Urin sehr konzentriert und die Epithelzellen im Nierenmark können schrumpfen«, erklärt Vitavska. 
»Wenn wir viel Flüssigkeit zu sich nehmen, wird der Urin sehr wässrig und die Nierenzellen können schwellen und platzen. 
Auch wenn man sich gesund und ausgewogen ernährt, haben die Nieren ständig zu tun. Eine Tasse leckeren Tees für uns bedeutet viel Arbeit für unsere Nieren.«
  • Damit die Nierenzellen ihr Volumen stabil halten und dadurch funktionsfähig bleiben, werden so genannte Osmolyte in sie hinein bzw. aus ihnen heraus transportiert, wodurch der Änderung des Zellvolumens entgegengewirkt wird. 
Manche Osmolyte synthetisieren die Nierenzellen selbst, einige müssen jedoch aus dem Blut aufgenommen werden.

Um in die Zelle zu kommen, benötigen Osmolyte bestimmte Proteine, die sie durch die Zellmembran transportieren.

Die Osnabrücker Wissenschaftler haben eine neue Klasse solcher Membranproteine in Nierenzellen gefunden. 
Diese befinden sich an der zum Urin gerichteten Seite der Nierenzellen und können Zucker wie Haushaltzucker (Saccharose), Traubenzucker (Glucose) und Fruchtzucker (Fructose) in die Zellen transportieren.
  • Bei gesunden Menschen ist Glucose im Urin nicht nachweisbar, ihre Anwesenheit hingegen dient als Marker für Diabetes. 
  • Fructose ist im Urin vorhanden, kann aber in der Zelle umgewandelt und als Energiequelle genutzt werden. 
  • »Saccharose dagegen bleibt stabil und kann somit als ein effektiver Osmolyt dienen. 
Obwohl Saccharose im Urin nur in sehr geringer Konzentration vorkommt und nur mit sehr sensitiven Methoden bestimmt werden kann, reicht dies für eine Funktion als Osmolyt völlig aus«, so Wieczorek.

Für die Medizin ergeben sich aus den Befunden der Osnabrücker Wissenschaftler neue Einsichten über die Schutzmechanismen der Nierenzellen.

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Zu viel Salz im Essen geht unter die Haut.......!

Medizin am Abend Berlin Fazit:    Das Immunsystem aus dem Gleichgewicht bringen

Zu viel Salz im Essen kann das Immunsystem beeinflussen. In einer jetzt im Journal of Clinical Investigation*, veröffentlichten Studie weisen Dr. Katrina Binger, Matthias Gebhardt und Prof. Dominik Müller vom Experimental Clinical Research Center (ECRC) des Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) und der Charité – Universitätsmedizin Berlin nach, dass erhöhter Salzkonsum bei Nagern zu verzögerter Wundheilung führt: Zu viel Salz bringt das Immunsystem aus seinem Gleichgewicht. Zugleich gelang es ihnen, den dahinterstehenden Mechanismus aufzuklären. 
 
Zu viel Salz im Essen ist ungesund. Darin sind sich Ärzte und Ernährungswissenschaftler einig und warnen vor zu hohem Salzkonsum.

Als gesichert gilt, dass Kochsalz (Natriumchlorid) den Blutdruck in die Höhe treiben kann. Es wird auch als Mitverursacher von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, chronischen Krankheiten, Autoimmunerkrankungen sowie Krebs diskutiert. „Doch sind die Erkenntnisse darüber zum Teil noch sehr umstritten, weil man die Mechanismen nicht kennt“, sagt Prof. Müller. „Und wir wissen auch nicht, was genau zu viel Salz ist, beziehungsweise, wie viel Salz man essen kann, um noch auf der sicheren Seite zu sein“.

Die Genetik spielt bei den aufgeführten Erkrankungen eine große Rolle, doch der starke Anstieg an Entzündungskrankheiten sowie Autoimmunerkrankungen – dabei zerstört das Immunsystem irrtümlicherweise körpereigene Strukturen – lässt vermuten, dass auch Umweltfaktoren entscheidend zu diesen Krankheiten beitragen.

Dabei steht die sehr fett- und salzhaltige „westliche“ Ernährungsweise seit Kurzem unter besonderem Verdacht.

  • Seit wenigen Jahren ist nämlich bekannt, dass zu viel Salz in der Nahrung auch Auswirkungen auf das Immunsystem hat und zwar in unterschiedlichster Weise. 

In ihrer jetzt im Journal of Clinical Investigation veröffentlichten Studie erbringen Dr. Binger, Matthias Gebhardt und Prof. Müller den Nachweis, dass zu viel Salz in der Nahrung eine bestimmte Gruppe von Fresszellen (Makrophagen) des Immunsystems schwächt, deren Aufgabe es unter anderem ist, Entzündungen im Körper zu bekämpfen. 

  • Bei diesen Immunzellen handelt es sich um Makrophagen vom Typ 2, die von den Botenstoffen des Immunsystems, den Interleukinen IL-4 und IL-13 stimuliert werden. 

  • Bei Nagern, die mit stark salzhaltigem Futter ernährt wurden, war die Wundheilung verzögert; nicht zuletzt wohl auch aufgrund der salzbedingten Schwächung dieser besonderen Fresszellen, wie die Wissenschaftler vermuten.

Eine Forschergruppe um Prof. Jens Titze (Vanderbilt University, Nashville, Tennessee, USA), entdeckte dabei kürzlich zusammen mit den Berliner Forschern einen neuen Salzspeicher im Körper: 

  • Überschüssiges Salz lagert sich in den Zwischenräumen von Haut- und Muskelzellen ab und nicht etwa im Blut, da die Nieren den Salzgehalt dort ständig regulieren. 

Diese neuen Erkenntnisse ermöglichten es den drei MDC-Wissenschaftlern auch den Mechanismus aufzuklären, über welchen Kochsalz die Aktivität der Makrophagen schwächt.

Erst 2013 hatte eine Gruppe von Forschern, darunter auch Prof. Müller, eine andere Wirkung von Salz auf das Immunsystem entdeckt. In einer in Nature veröffentlichten Studie hatten sie nachgewiesen, dass erhöhter Salzkonsum die Entstehung von Autoimmunerkrankungen fördert. 

  • Der Grund: Zu viel Salz führt zu einem massiven Anstieg einer Gruppe aggressiver Immunzellen (Th17-Helferzellen). Die T-Helferzellen, die den Botenstoff Interleukin 17 produzieren und deshalb als Th17-Zellen bezeichnet werden, sind mit daran schuld, dass das Immunsystem Amok läuft und den eigenen Organismus angreift und schädigt.

Erst in diesem Frühjahr erbrachten Prof. Titze, Prof. Müller, Dr. Binger und Matthias Gebhardt zusammen mit anderen Forschern bei Nagern und bei Patienten den Nachweis, dass hoher Salzkonsum das Immunsystem auf Trab bringt und bakteriellen Infektionen in der Haut rasch den Garaus macht (Cell Metabolism). 

Der Grund: Salz lagert sich in der Haut ein und aktiviert bei einer bakteriellen Hautinfektion Makrophagen vom Typ 1, die vermehrt bakterientötende Substanzen ausschütten. In diesem Zusammenhang warnt Prof. Müller jedoch davor, zu viel Salz zu essen: „Die Risiken überwiegen den Nutzen“. Mehr noch: „Diese vermeintlich widersprüchlichen Befunde deuten darauf hin, dass sich die Makrophagen ganz unterschiedlich an ein Milieu anpassen können, das sich durch einen erhöhten Salzpegel im Körper verändert“.


*High salt reduces the activation of IL-4+IL-13 stimulated 1 macrophages
Katrina J. Binger1,2,12, 13, Matthias Gebhardt1,2,12, Matthias Heinig2, Carola Rintisch2, Agnes Schroeder3, Wolfgang Neuhofer4, Karl Hilgers3, Arndt Manzel3, Christian Schwartz3, Markus Kleinewietfeld5,6, Jakob Voelkl7, Valentin Schatz8, Ralf A. Linker3, Florian Lang7, David Voehringer3, Mark D. Wright9, Norbert Hübner2, Ralf Dechend1,10, Jonathan Jantsch8, Jens Titze3,11, Dominik N. Müller1,2,13
1Experimental and Clinical Research Center, an institutional cooperation between the Charité Medical Faculty and the Max Delbrück Center for Molecular Medicine, Berlin, 13125, Germany
2Max Delbrück Center for Molecular Medicine, Berlin, 13125, Germany; German Centre for Cardiovascular Research Partner Site Berlin, Germany
3University Hospital Erlangen at the Friedrich-Alexander-University (FAU) Erlangen-Nürnberg, Erlangen, 91054, Germany
4Ludwig-Maximillian-University of Munich, Munich, 80539, Germany
5Translational Immunology, Medical Faculty Carl Gustav Carus, TU Dresden, Dresden, 01307, Germany
6DFG-Center for Regenerative Therapies Dresden (CRTD), Dresden, 01307, Germany
7University of Tübingen, Tübingen, 72076, Germany
8University Hospital Regensburg, Regensburg, 93053, Germany
9Department of Immunology, Monash University, Melbourne, 3004, Australia
10HELIOS-Klinikum Berlin, Berlin, 13125, Germany
11Vanderbilt University, Nashville, TN, 37235, USA
12equal contribution
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Dominik N. Muller, Tel: +40 (0)30 450-540 286. E-mail: dominik.mueller@mdc.de
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http://dx.doi.org/10.1038/nature11868

http://dx.doi.org/10.1016/j.cmet.2015.02.003

Studie: Ungesunde Ernährung kostet Gesundheitssystem jährlich 16,8 Milliarden Euro

Medizin am Abend Berlin Fazit:   Studie: Ungesunde Ernährung kostet Gesundheitssystem jährlich 16,8 Milliarden Euro

Die Deutschen essen zu viel Zucker, Salz und Fette – die gesundheitlichen Folgen kosten den Staat allein im Gesundheitssystem jährlich mehr als 16,8 Milliarden Euro. Das ist das Ergebnis einer gemeinsamen Studie des Biotechnologieunternehmens BRAIN AG und der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU). Die Arbeiten wurden im Rahmen der strategischen Allianz NatLife 2020 durchgeführt und teilweise vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert. Die Ergebnisse sind in der Fachzeitschrift „PLOS One“ veröffentlicht. 
 
Für ihre Arbeit haben die Forscher die repräsentativen Krankheitskosten und Verzehrsdaten für Deutschland analysiert und errechnet, wie hoch die anteiligen Kosten eines unausgewogenen Verzehrs von Zucker, Salz und gesättigten Fetten sind.

  • Dabei handelt es sich um die drei Stoffgruppen, deren Verzehr in Deutschland oft deutlich über den offiziellen Verzehrsempfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung liegt. 

Auf Ebene der untersuchten Erkrankungen wurde zwischen 22 verschiedenen Krankheitsbildern unterschieden, wobei die größten Kosten im Gesundheitssystem durch Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems, Karies, Stoffwechselstörungen wie Diabetes und Übergewicht sowie diverse Krebserkrankungen verursacht wurden.

  • Insgesamt ergeben sich dadurch Kosten in Höhe von 16,8 Milliarden Euro für das Gesundheitssystem, die auf eine Fehlernährung zurückzuführen sind.

„Die direkten Kosten von Krankheiten, die aufgrund eines Überverzehrs von Salz, Zucker und Fett entstehen können, sind substantiell. Ein deutliches Einsparpotential liegt jedoch auch in den bisher weniger beachteten Folgeerkrankungen und Folgekosten von Übergewicht und Diabetes", sagt Studienautor Dr. Toni Meier von der MLU. „Diese reichen von der gewichtsbedingten Arthrose bis zu Schlafstörungen, Alzheimer und chronischem Nierenversagen."

Die für die Forschung an den Naturstoffen zur Verbesserung von Nahrungsmittelrezepturen verantwortliche Wissenschaftlerin der BRAIN und Co-Autorin der Publikation, Dr. Katja Riedel, stellt fest: „Die Resultate haben uns in ihrer Höhe doch sehr überrascht. Dabei haben wir hier aktuell lediglich die direkten Behandlungskosten berücksichtigt. Indirekte Kosten, bedingt durch Arbeitsausfall, Kurbehandlungen und Invalidität, kommen zu den direkten Kosten sogar noch hinzu."

Vor dem Hintergrund einer zunehmend älter, jedoch nicht gesünder werdenden Bevölkerung und damit einhergehenden steigenden Gesundheitsausgaben können die Ergebnisse als Richtschnur dienen, in welchen Bereichen sich vorbeugende Maßnahmen am effektivsten lohnen. „Die Ergebnisse dieser Studie bestätigen uns darin, dass wir mit dem Forschungsansatz der NatLife 2020 genau auf dem richtigen Weg sind. Wenn es uns gelänge, etwa ein Drittel der Zucker-, Fett- oder der Salzmenge in den Nahrungsmittelrezepturen mit neuen Naturstoffen zu ersetzen, könnten wir das Gesundheitssystem allein in Deutschland jährlich bereits um einen Betrag von fünf bis sechs Milliarden Euro entlasten", resümiert Co-Autor Dr. Martin Langer, Executive Vice President Corporate Development der BRAIN.

Die Studie ist innerhalb der strategischen Allianz NatLife 2020 entstanden. Dabei handelt es sich um einen Zusammenschluss von Unternehmen und Universitäten, die gemeinsam biologisch aktive Naturstoffe für verbesserte Rezepturen für Nahrungsmittel-Unternehmen erforschen und entwickeln. Diese neuen Produkte werden bei gleichem Geschmack in ihrem Salz-, Zucker- und/oder Fettgehalt reduziert sein. Damit sollen sie einen deutlich erkennbaren Beitrag zur Verbesserung von Ernährung, Gesundheit und dem Wohlbefinden der Menschen leisten.

Zur Publikation:
Meier T, Senftleben K, Deumelandt P, Christen O, Riedel K, Langer M (2015) Healthcare Costs Associated with an Adequate Intake of Sugars, Salt and Saturated Fat in Germany: A Health Econometrical Analysis. PLoS ONE 10(9): e0135990. doi:10.1371/journal.pone.0135990

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Filterorgan Niere: Bluthochdruck - der stille Killer, www.worldhealthsummit.org

Medizin am Abend Fazit:  Bluthochdruck: Was Ur-Ozean, unsere Gene, Salz und Fett mit dem „stillen Killer“ zu tun haben

 

https://www.youtube.com/user/WorldHealthSummit1

Interview mit dem Bluthochdruck-Experten Prof. Dr. Detlev Ganten zum Welt Hypertonie Tag am 17. Mai 2015

20 bis 30 Millionen Menschen haben allein in Deutschland einen zu hohen Blutdruck – das ist fast jeder dritte. An den Folgeerkrankungen wie Herzinfarkt und Schlaganfall sterben laut Weltgesundheitsorganisation WHO jedes Jahr weltweit über neun Millionen Menschen. Das große Problem: Die meisten wissen nicht einmal, dass sie bereits erkrankt sind. Bluthochdruck (Hypertonie) gilt als „stiller Killer“. 

 
Dabei ist es einfach, Bluthochdruck zu erkennen, zu behandeln und sogar zu vermeiden. Was jeder Einzelne tun kann, erklärt Professor Dr. Detlev Ganten. Er ist weltweit einer der führenden Bluthochdruck-Forscher, Facharzt für Pharmakologie und Molekulare Medizin, sowie Experte für Evolutionäre Medizin.

Außerdem ist er Präsident des World Health Summit, der jährlichen internationalen Weltgesundheitskonferenz in Berlin.

Professor Ganten, Bluthochdruck ist zu einem weltweiten Gesundheitsproblem geworden. Wie konnte dies geschehen? Mediziner forschen doch seit Jahrzehnten zu diesem Thema.

Es stimmt: Wir befassen uns seit Jahren mit der Erforschung des Herz-Kreislauf-Systems und den medizinischen Zusammenhängen von Bewegung, Gesundheit und Bluthochdruck. Auch die Bedeutung unserer genetischen Erbanlagen wird immer wichtiger. Die Antwort allerdings liegt in unserer evolutionären Entwicklung: Wir Menschen sind auf Salz, Fett und Zucker fokussiert. Fett gab unseren Vorfahren Reserven für schlechte Zeiten, Zucker schnelle Energie in Gefahrensituationen und Salz ist für den Blutkreislauf essenziell.

Wir leben bis heute mit diesem System, das auf ein Leben und Überleben als Jäger und Sammler ausgerichtet ist. Allerdings passt das überhaupt nicht mehr in unsere moderne Welt, in der die Hälfte aller Menschen in Städten leben und wir uns viel zu wenig bewegen. Wir nehmen heute deutlich mehr Salz, Zucker und Fett zu uns, als wir verbrauchen. Das treibt den Blutdruck in die Höhe. An den Folgeerkrankungen sterben jedes Jahr Millionen Menschen.

Die genaue Wechselwirkung von Bluthochdruck und Salz ist bis heute ein Geheimnis für die Wissenschaft:

Warum treibt Salz bei dem einen den Blutdruck in die Höhe, bei dem anderen nicht?

Auch hier kommt die Antwort aus der Evolution: Beim Gang an Land, vor etwa 400 Millionen Jahren, als Amphibien, Reptilien und später auch unsere näheren Vorfahren entstanden, entwickelte sich ein Organ, dessen Konstruktionspläne auch heute noch den Blutdruck regulieren: Das Filterorgan Niere. Es sorgt dafür, dass überschüssiges Salz mit dem Urin aus dem Körper geschwemmt wird.

Unsere Zellen sind aber bis heute an die Konzentration der Salze im Ur-Ozean angepasst. Unablässig befördern kleine Pumpen auf der Zellmembran Salze nach innen und wieder hinaus. Das wird durch unsere Gene geregelt, die aber bei jedem Menschen ein wenig anders sind. Darum reagieren die einen mehr und die anderen weniger empfindlich auf Salz.

Wie kann man einen so individuellen Zusammenhang eindeutig erforschen?

Die einfachste Methode besteht darin, einer Gruppe von Menschen Salz zu essen zu geben und dann den Blutdruck zu messen. Bei den salzempfindlichen Menschen steigt er an, bei den unempfindlichen bleibt er normal. Wenn man jetzt die Gene untersucht, findet man Veränderungen in der salzempfindlichen Gruppe – diese Gene müssen verantwortlich sein für den Anstieg des Blutdrucks. Bluthochdruck und Salzempfindlichkeit sind also zum Teil über die Gene vererbbar. Das kann man heute in der Forschung gut nachvollziehen.

Das klingt relativ einfach. Ist ein Durchbruch im Kampf gegen Bluthochdruck in Sicht?

Der Ansatz mag einfach klingen, die Forschung an diesem Thema ist allerdings hochkomplex. Obwohl es schon viele gute Ergebnisse und hervorragende Medikamente gibt, sollte man sich nicht auf eine medizinische Lösung verlassen. Viel wichtiger ist, dass wir noch mehr an der Aufklärung der Menschen arbeiten, denn Bluthochdruck und seinen Folgen kann hervorragend vorgebeugt werden: Selber Blutdruck messen und bei Werten deutlich über 140/90 mmHg zum Arzt gehen, mehr auf gesunde Ernährung achten und sich mehr bewegen. Anstatt zu warten, bis wir krank werden um dann zum Arzt zu gehen, sollten wir es lieber gar nicht erst so weit kommen lassen. Das ist nicht nur gesünder, sondern macht das Leben auch deutlich lebenswerter!

(Quelle: World Health Summit)
www.worldhealthsummit.org

Vom 11. – 13. Oktober 2015 findet der siebte World Health Summit im Auswärtigen Amt in Berlin statt. Er steht unter der Schirmherrschaft von Bundeskanzlerin Angela Merkel, Frankreichs Staatspräsident François Hollande und dem Präsidenten der Europäischen Kommission Jean-Claude Juncker.

Experten aus über 80 Ländern werden Themen des G7 Gipfels im Juni in Elmau fortsetzen und auf die United Nations Climate Change Conference (COP 21) im Dezember in Paris vorbereiten. Bestätigte Sprecher sind unter anderem die Nobelpreisträger Ada Yonath (2009, Israel) und Thomas C. Südhof (2013, Deutschland), sowie Debra Jones (USA), Direktorin und UN Repräsentantin von Save the Children.



Medizin am Abend DirektKontakt:

Tobias Gerber
Tel.: +49 30 450 572 114
communications@worldhealthsummit.org
World Health Summit
WHS Foundation GmbH
c/o Charité – Universitätsmedizin Berlin
Charitéplatz 1
10117 Berlin
Germany
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Fax: +49 30 450 51 7911


Weitere Informationen:
http://www.worldhealthsummit.org

Blutdrucksenkendes Salz bald auf dem Markt?

CEN Nutriment ist ein KMU aus Dijon, dass Untersuchungen und klinische
Studien für die Industrie durchführt, die sich heute einer neuen EU-
Verordnung zu nährwert- und gesundheitsbezogenen Angaben gegenübersieht.

Vor wenigen Monaten hat das KMU einen Vertrag mit dem deutschen Hersteller
und Vertreiber von Nahrungsergänzungsmitteln, Han Biotech GmbH, und dem
südkoreanischen Hersteller von Blutzuckermessgeräten, Biotech CO. LTD.,
abgeschlossen.

Ziel ist die Entwicklung eines Salzes, das durch die Zugabe
von Chitin aus Krabbenschalen weniger blutdrucksteigernd wirkt als
herkömmliche Salze.

In einer Studie konnte nachgewiesen werden, dass die Verwendung des
modifizierten Salzes, und eine gleichzeitige Verringerung der konsumierten
Salzmenge, eine deutliche Senkung des Bluthochdrucks zur Folge hatte.
Die Ergebnisse der Studie wurden in der Fachzeitschrift International
Angiology veröffentlicht.

Es wurde ein Antrag auf Zulassung der gesundheitsbezogenen Angaben bei der
Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) eingereicht. Das
südkoreanische Unternehmen hat bereits ein internationales Patent für
dieses Produkt angemeldet, und in Belgien ist es schon als
Nahrungsergänzungsmittel zugelassen. CEN Nutriment und HAN Biotech haben
in diesem Sommer einen Vertrag abgeschlossen, in dem sie zu gleichen
Teilen ein Drittel des südkoreanischen Unternehmens erwerben.

In einem nächsten Schritt ist der Aufbau einer Produktionsstätte für
dieses Salz in Frankreich geplant. In Anbetracht der Tatsache, dass allein
in Europa täglich mehrere Hundert Tonnen Salz verkauft werden, wäre
ebenfalls ein Forschungszentrum für Salz in Dijon denkbar, begeistert sich
der Vorsitzende von CEN Nutriment.

Medizin am Abend Beteiligte.: BE France 295 – 20/11/2014 –

http://www.bulletins-electroniques.com/be_france_295.htm