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Kennen Sie die: Toxische Persönlichkeit am 01. April 2020?

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: „Toxisch“, aber trotzdem beruflich erfolgreich?

Als toxische Persönlichkeiten bezeichnet man Personen, die sich habgierig, unbescheiden und unfair verhalten und es mit der Wahrheit sehr locker nehmen. 

Dr. Mareike Kholin, Bastian Kückelhaus und Prof. Dr. Gerhard Blickle vom Institut für Psychologie der Universität Bonn fanden heraus, warum solche Personen trotzdem beruflich erfolgreich sein können. 

  • Der Trick, der nach oben führt, ist soziales Geschick. 

Die Ergebnisse werden vorab online im Journal „Personality and Individual Differences“ vorgestellt. Die Druckausgabe erscheint im April. 
 
Soziales Geschick ist an sich eine gute Sache im Berufsleben.

Es kann verschlossene Türen öffnen und hilft, den täglichen Stress zu bewältigen. 

  • Es kann jedoch auch dazu eingesetzt werden, um andere zu täuschen, Vertrauen auszunutzen oder eine Fassade der Harmlosigkeit aufzubauen, hinter der sich in Wirklichkeit Arglist versteckt. 

Dr. Mareike Kholin und das Forscherteam fanden heraus, dass toxische Persönlichkeiten, die bei ihren Kollegen als sozial geschickt gelten, von ihren Vorgesetzten als tüchtiger eingeschätzt wurden und eine höhere hierarchische Position einnehmen. 

„Wir müssen uns an den Gedanken gewöhnen, dass soziales Geschick ein zweischneidiges Schwert sein kann“, sagt Kholin.

In Persönlichkeitstests haben „toxische“ Personen bei den Kategorien „Ehrlichkeit“ und „Bescheidenheit“ niedrige Werte. 

„Solche Persönlichkeiten neigen dazu, sich ständig in den Mittelpunkt zu stellen“, sagt Blickle.

„Gute soziale Fähigkeiten ermöglichen ihnen, andere zu täuschen.“

Wer dagegen ausgeprägt ehrlich und bescheiden ist, beschert seinem Team eine wahre Freude:

Solche Persönlichkeiten sind fair im Umgang und lassen an Erfolgen auch Kollegen ihren Anteil.

Niedrige Werte bei den Merkmalen „Ehrlichkeit“ und „Bescheidenheit“

Die Psychologen der Universität Bonn untersuchten das Phänomen, indem sie verschiedene Arbeitsteams befragten: Zunächst absolvierten die Teilnehmer eine anonyme Online-Befragung und schätzten sich unter anderem zu den Merkmalen „Ehrlichkeit“ und „Bescheidenheit“ ein. Dann gaben Kollegen zu den sozialen Fähigkeiten des Teilnehmers Auskunft. Wie es um seine Arbeitsleistung bestellt ist, darauf antwortete jeweils der Vorgesetzte. Es gelang den Wissenschaftlern, insgesamt von 203 solchen „Triplets“ aus Mitarbeiter, Kollege und Vorgesetztem die Daten zu erheben.

Dabei zeigte sich, dass Arbeitskräfte mit niedrigen Werten für Ehrlichkeit und Bescheidenheit trotzdem im Beruf vorankommen können, wenn sie die toxischen Anteile ihrer Persönlichkeit durch soziale Fähigkeiten ausgleichen. 

Bastian Kückelhaus:

 „Tricksen, Tarnen und Täuschen gehören zur dunklen Seite der sozialen Kompetenz.“

Wie lassen sich toxische Persönlichkeiten treffender beurteilen?

Wie aber können Unternehmen und Teams mit diesen Erkenntnissen umgehen?

  • „Um den Aufstieg toxischer Persönlichkeiten zu entschleunigen, sollte man in der Personalauswahl und bei Beurteilungen mehr auf die tatsächliche Leistung und weniger auf den guten Eindruck schauen“, rät Prof. Blickle. 

Das sei besonders bei Tätigkeiten schwierig, bei denen es gerade darauf ankommt, zu imponieren und zu suggerieren, wie etwa im Verkauf oder in Führungstätigkeiten.

„Da ist es sinnvoll, zum Beispiel auch auf den Krankenstand und die Kündigungsrate der Mitarbeiter oder die Kundenbindung zu schauen“, ergänzt Blickle.

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Prof. Dr. Gerhard Blickle
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E-Mail-Adresse: j.seiler@uni-bonn.de

Originalpublikation:
Kholin, M., Kückelhaus, B., & Blickle, G.: Why Dark Personalities can Get Ahead: Extending the Toxic Career Model, Personality and Individual Differences, DOI: 10.1016/j.paid.2019.109792

Deine/unsere To-Do-Liste?

Medizin am Abend Berlin Fazit: Sich mental auf die Arbeit einstellen ist genauso wichtig wie das Abschalten nach Feierabend

Morgens beim Frühstück oder unter der Dusche die mentale „To-Do-Liste“ für den bevorstehenden Arbeitstag durchzugehen, ist für die Zufriedenheit und Leistungsfähigkeit von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern genauso wichtig wie das Abschalten nach der Arbeit. 

Das zeigt eine Studie der Mannheimer Arbeitspsychologinnen Sabine Sonnentag und Kathrin Eck sowie ihrer Kolleginnen von der Universität Ulm und der Portland State University, USA. 
 
  • Für das Wohlbefinden von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern ist es essentiell, dass sie nach der Arbeit mental Abstand von der Arbeit gewinnen und sich erholen. 

Das belegen zahlreiche Untersuchungen.

Eine neue Studie zeigt jedoch, dass das Gegenteil genauso wichtig ist: 

  • Berufstätige, die sich morgens schon mental auf die Arbeit vorbereiten – sich also über bevorstehende Aufgaben, Herausforderungen und mögliche Lösungsansätze schon im Vorfeld Gedanken machen – sind am Arbeitsplatz engagierter.

„Aus früheren Untersuchungen wissen wir, dass das gedankliche Abschalten von der Arbeit am Feierabend mit positivem Erleben einhergeht, beispielsweise geringerer Müdigkeit am nächsten Morgen“, sagt Sabine Sonnentag, Autorin der Studie und Professorin für Arbeits- und Organisationspsychologie an der Universität Mannheim.

„Die Kehrseite dieser früheren Befunde ist, dass Menschen sich aber auch zum Start des Arbeitstages wieder mit ihrer Arbeit mental ‚verbinden’ müssen, um den Herausforderungen, die während des Tages auf sie zukommen, gewachsen zu sein.“

Wie Menschen sich mental auf ihre Arbeit vorbereiten, ist personen- und berufsabhängig.

Während manche beim Frühstück oder unter der Dusche die bevorstehenden Aufgaben durchgehen, durchdenken andere das Gespräch mit ihrem Vorgesetzten auf dem Weg zur Arbeit oder in der Schlange beim Bäcker.

„Das gedankliche Einstimmen auf die Arbeit hängt damit zusammen, dass man am Arbeitsplatz engagierter und mit mehr Energie bei der Sache ist“, sagt Sonnentag.

„Konkret haben wir gefunden, dass das gedankliche Einstimmen mit dem Aktivieren von arbeitsbezogenen Zielen einhergeht, wodurch der Arbeitstag dann insgesamt positiver verläuft.“

Auf Grundlage dieser Erkenntnisse schlagen die Forscherinnen Unternehmen neue Verfahren vor, mit denen sie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dabei helfen können, sich bereits zu Beginn des Arbeitstags mit ihren Aufgaben zu befassen.

Möglich wäre es zum Beispiel, den Angestellten am Anfang jedes Arbeitstages ein paar Minuten für sich zu geben, Checklisten oder kurze Planungstreffen zu Beginn des Arbeitstages anzubieten oder ihnen mehr Freiheiten bei der Umsetzung der Aufgaben einzuräumen.

Im Rahmen der Studie wurden 151 Probanden aus einem breiten Spektrum an Industriezweigen befragt, unter anderen aus dem Finanzsektor, der öffentlichen Verwaltung, des Informations- und Kommunikations- sowie dem Gesundheitssektor.

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Originalpublikation:
https://journals.sagepub.com/doi/10.1177/0149206319829823