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Herzinfarkt: Mitten in der Nacht? Am hellichten Tag?

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Ausmaß eines Herzinfarkts unabhängig von Tageszeit

Ob ein Herzinfarkt mitten in der Nacht oder am helllichten Tag auftritt, bestimmt nicht, wie schwer seine Folgen sind. Herausgefunden haben das Wissenschaftler des Deutschen Zentrums für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK) am Deutschen Herzzentrum München, Klinik an der Technischen Universität München (TUM). 

Die Arbeitsgruppe Kardiovaskuläre Inflammation von PD Dr. Hendrik Sager (4. v. l.)
Die Arbeitsgruppe Kardiovaskuläre Inflammation von PD Dr. Hendrik Sager (4. v. l.)
Deutsches Herzzentrum München
 
Die Brust schmerzt und Tonnen scheinen auf dem Brustkorb zu liegen – so kann es sich anfühlen, wenn ein Herzinfarkt das Leben bedroht. In diesem Notfall gilt es, sofort die Rettungskräfte zu alarmieren.  

Am häufigsten treten die gefährlichen Attacken zwischen sechs Uhr morgens und zwölf Uhr mittags auf.

Auch andere Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzrhythmusstörungen oder plötzlicher Herztod scheinen einem Tagesrhythmus zu folgen, sie ereignen sich ebenso gehäuft morgens oder vormittags. 

Einige Studien deuten außerdem darauf hin, dass der Zeitpunkt, zu dem die Beschwerden beginnen beziehungsweise der Herzinfarkt einsetzen, beeinflusst, wie Herzerkrankungen verlaufen.

Privatdozent Dr. Hendrik Sager, Dr. Thorsten Kessler und ihre Kollegen sind diesem Aspekt genauer nachgegangen. In einer Studie mit rund 1.200 Patienten haben sie untersucht, ob die Uhrzeit, zu der sich der Herzinfarkt ereignet, auch bestimmt, welche Folgen er hat.  

Sie kommen zu dem Ergebnis, dass es nicht von der Tageszeit abhängt, wie ein Herzinfarkt sich langfristig auswirkt.

Für ihre Untersuchung haben die Wissenschaftler den Tag in vier Zeitfenster unterteilt: 0 bis 6 Uhr, 6 bis 12 Uhr, 12 bis 18 Uhr und 18 bis 24 Uhr. In allen untersuchten Fällen lag ein sogenannter ST-Hebungsinfarkt (STEMI) vor und ein verschlossenes Blutgefäß im Herzen, nämlich ein Herzkranzgefäß, löste den Infarkt aus.

  • Dadurch wird das Herz schlechter durchblutet und Herzmuskelzellen sterben ab.

Blutfluss sichtbar machen

Bei einem Herzinfarkt eröffnen die Ärzte das verschlossene Blutgefäß mithilfe eines Katheters.

Noch vor diesem Eingriff bekamen alle Studienteilnehmer eine Substanz gespritzt.

Die Substanz reichert sich im Herzen überall da an, wo das Blut fließt.

Dadurch konnten die Mediziner bei der anschließenden Aufnahme des Herzens mit einer speziellen Kamera bestimmen, welche Bereiche des Herzens nicht durchblutet sind.

Sieben Tage nach dem Eingriff verabreichten sie die Substanz erneut, um zu beurteilen, welche Bereiche des vormals nicht durchbluteten Herzgewebes durch das Wiedereröffnen des verschlossen Herzkranzgefäßes gerettet werden konnten.

Außerdem ermittelten Sager und seine Kollegen auch, wie viele der Patienten nach fünf Jahren noch lebten.

Hiermit konnten sie Rückschlüsse ziehen, ob die Tageszeit, zu der ein Herzinfarkt auftritt, die langfristige Prognose verändert.

„Natürlich gibt es viele Faktoren, die bestimmen, wie schwer ein Herzinfarkt verläuft“, sagt DZHK-Wissenschaftler Sager.

„Etwa wie lange es dauert, bis das Gefäß wiedereröffnet wird oder welches der drei Herzkranzgefäße verschlossen ist. Diese Faktoren haben wir herausgerechnet.“

Bisherige Studien lieferten widersprüchliche Ergebnisse, ob sich die Tageszeit auf Infarktgröße und Überlebensrate auswirkt.

Den Grund hierfür sieht Sager in den zu kleinen Patientenkollektiven und zu kurzen Beobachtungszeiträumen dieser Untersuchungen.

Mit ihrer umfangreichen Analyse haben die Forscher nun erstmals eindeutig geklärt, dass die Tageszeit den Verlauf eines Herzinfarktes nicht beeinflusst und die Ärzte bei der Behandlung ihrer Patienten nicht berücksichtigen müssen, zu welcher Uhrzeit der Herzinfarkt auftrat.

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PD Dr. Hendrik Sager
Dr. Thorsten Kessler, Klinik für Herz- und Kreislauferkrankungen
Deutsches Herzzentrum München, Klinik an der Technischen Universität München, hendrik.sager(at)tum.de
thorsten.kessler(at)tum.de

Oudenarder Straße 16
13347 Berlin
Deutschland
Berlin

Christine Vollgraf

Telefon: 030 3465 52902
E-Mail-Adresse: christine.vollgraf@dzhk.de

Originalpublikation:
Time-of-day at symptom onset was not associated with infarct size and long-term prognosis in patients with ST-segment elevation myocardial infarction. Sager HB, Husser O, Steffens S, Laugwitz KL, Schunkert H, Kastrati A, Ndrepepa G, Kessler T. J Transl Med. 2019 May 29;17(1):180. DOI: 10.1186/s12967-019-1934-z

Darmbakterien: Übergewicht, Nahrungsergänzungsmittel und Medikamente

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Darmbakterien bei Typ-2-Diabetes: Das Übergewicht ist entscheidend

Publikation in Cell Host&Microbe: 
  • Ein Kieler Forschungsteam konnte zeigen, dass Veränderungen in der Zusammensetzung der Darmbakterien bei Typ-2-Diabetes vor allem mit Übergewicht und Einnahmen von Nahrungsergänzungsmitteln und Medikamenten zusammenhängen und weniger mit der Diabetes-Erkrankung. 
Aus Stuhlproben wird die DNA der Darmbakterien extrahiert.  Anhand der DNA analysieren die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des IKMB (CAU) die Zusammensetzung des Darmmikrobioms.
Aus Stuhlproben wird die DNA der Darmbakterien extrahiert. Anhand der DNA analysieren die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des IKMB (CAU) die Zusammensetzung des Darmmikrobioms. Foto / Copyright: C. Bang / Uni Kiel, Exzellenzcluster PMI
 
Wer übergewichtig ist, hat ein deutlich erhöhtes Risiko auch an Diabetes Typ 2 zu erkranken. Tatsächlich sind 86 % aller Patientinnen und Patienten mit diesem Diabetes-Typ übergewichtig. 

Bei beiden Stoffwechselerkrankungen spielen genetische Veranlagung, Lebensstil, wie etwa Ernährung und Bewegung, aber auch die Zusammensetzung der Darmbakterien eine Rolle.

Denn die Bakterien im Darm, das sogenannte Darmmikrobiom, helfen dem Menschen bei der Nahrungsverarbeitung und haben damit direkten Einfluss auf den Stoffwechsel. Bei Menschen mit Übergewicht ist die Vielfalt der Darmbakterien im Vergleich zu normalgewichtigen Menschen deutlich verringert.

  • Insbesondere „gute“ Darmbakterien, die Funktionen für einen gesunden Stoffwechsel erfüllen, sind reduziert. 

Das Gleiche gilt auch für übergewichtige Menschen mit Typ-2-Diabetes.

Die Zusammenhänge von Genetik, Ernährung und Mikrobiom erforschen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler am Institut für Klinische Molekularbiologie (IKMB) der Medizinischen Fakultät an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU). In einer in der renommierten Fachzeitschrift Cell Host & Microbe erschienenen Arbeit weist ein IKMB-Forschungsteam gemeinsam mit internationalen Kolleginnen und Kollegen nun Veränderungen des Mikrobioms nach, die mit Übergewicht zusammenhängen, und geringere Veränderungen, die spezifisch mit Typ-2-Diabetes zusammenhängen.

„Da Typ-2-Diabetes meistens mit Übergewicht zusammen auftritt, ist es schwierig zu unterscheiden, welche Veränderungen der Darmbakterien spezifisch nur für Typ-2-Diabetes sind und welche für das Übergewicht“, erklärt Professor Andre Franke, Direktor am IKMB und Vorstandsmitglied im Exzellenzcluster „Precision Medicine in Chronic Inflammation“ (PMI), die Ausgangslage. In enger Zusammenarbeit mit Professor Curtis Huttenhower von der Harvard T.H. Chan School of Public Health in Boston hat sich das Team um Franke daher gezielt dieser Fragestellung angenommen.

Darmmikrobiom bei Übergewicht und Medikamenteneinnahme verändert



Dazu haben sie das Darmmikrobiom aus 1.280 Stuhlproben bestimmt. Diese stammen aus sogenannten Kohortenstudien, in denen von zahlreichen Probandinnen und Probanden über längere Zeiträume regelmäßig Bioproben, etwa aus Stuhl, Urin und Blut, sowie Informationen über ihren Lebensstil, Krankheiten und Medikamenteneinnahme gesammelt wurden. Das Team um Franke hat für die aktuelle Forschungsarbeit daraus gezielt Probandinnen und Probanden aus drei Gruppen ausgewählt: normalgewichtige Menschen, übergewichtige Menschen und übergewichtige Menschen mit Typ-2-Diabetes.

Die Untersuchungen zeigen, dass das Mikrobiom bei den übergewichtigen Personen – sowohl mit als auch ohne Typ-2-Diabetes - gegenüber den normalgewichtigen deutlich verändert ist. 

Der Unterschied zwischen Menschen mit und ohne Typ-2-Diabetes war dabei relativ gering.

„Die bisher beobachtete deutliche Verringerung der Artenvielfalt der Darmbakterien hängt bei diesen Menschen also vor allem mit dem Übergewicht und weniger mit dem Diabetes zusammen,“ erklärt die Erstautorin der Veröffentlichung, die Dänin Louise Thingholm vom IKMB in Kiel.

Zusätzlich hat das Team mithilfe der Kohorten untersucht, welchen Einfluss regelmäßig eingenommene Medikamente und Nahrungsergänzungsmittel auf das Darmmikrobiom haben.

Ihr Ergebnis: 

Sowohl Medikamente wie Blutdrucksenker, Schmerzmittel, Antidepressiva und Antidiabetika, als auch Nahrungsergänzungsmittel wie Magnesium, Vitamine, Calcium und vor allem Eisen verändern das Darmmikrobiom merklich. 

  • „Solche Stoffe, von denen sich viele Menschen eine gesundheitsfördernde Wirkung erhoffen, verändern unsere Darmbakterien. 

Damit beeinflussen sie auch, wie wir unsere Nahrung verarbeiten und könnten möglicherweise auch eine Rolle bei Stoffwechselerkrankungen spielen“, so Franke.

Bestimmte Darmbakterien bei Typ-2-Diabetes häufiger

  • Sowohl das Übergewicht, als auch mögliche Medikamenteneinnahmen beeinflussen also die Darmbakterien von Patientinnen und Patienten mit Typ-2-Diabetes. 

Mit bioinformatischen Methoden hat das Forschungsteam die beobachteten Mikrobiomveränderungen bei den Menschen mit Typ-2-Diabetes um diesen Einfluss korrigiert.

  • So konnten sie einzelne Bakterienarten identifizieren, die spezifisch bei Typ-2-Diabetikerinnen und Diabetikern stärker vertreten sind.

„Wenn wir genauer verstehen, was diese Veränderungen im Mikrobiom konkret bewirken und welche Bakterien hier die wichtigen Akteure sind, dann können wir da in Zukunft gezielt angreifen und so die jeweilige Krankheit oder vielleicht auch ihre Entstehung beeinflussen“, erklärt Franke. „Aktuell bemühen wir uns um weitere Fördermittel, um in einem eigenständigen Forschungsprojekt im Mikrobiom gezielt nach therapeutischen Ansatzpunkten für Stoffwechselerkrankungen zu suchen. Das Mikrobiom ist besonders interessant, weil wir es deutlich einfacher beeinflussen können, als etwa das eigene Erbgut.“


Die DNA der Darmbakterien wird mit Hilfe von modernen Sequenziergeräten analysiert.
Die DNA der Darmbakterien wird mit Hilfe von modernen Sequenziergeräten analysiert.
Foto / Copyright: C. Urban / Uni Kiel.

Der Exzellenzcluster „Präzisionsmedizin für chronische Entzündungserkrankungen/Precision Medicine in Chronic Inflammation“ (PMI) wird von 2019 bis 2025 durch die Exzellenzstrategie des Bundes und der Länder gefördert (ExStra). Er folgt auf den Cluster Entzündungsforschung „Inflammation at Interfaces“, der bereits in zwei Förderperioden der Exzellenzinitiative (2007-2018) erfolgreich war. An dem neuen Verbund sind rund 300 Mitglieder in acht Trägereinrichtungen an vier Standorten beteiligt: Kiel (Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Muthesius Kunsthochschule, Institut für Weltwirtschaft und Leibniz-Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften und Mathematik), Lübeck (Universität zu Lübeck, Universitätsklinikum Schleswig-Holstein), Plön (Max-Planck-Institut für Evolutionsbiologie) und Borstel (Forschungszentrum Borstel - Leibniz Lungenzentrum).

Ziel ist es, die vielfältigen Forschungsansätze zu chronisch entzündlichen Erkrankungen von Barriereorganen in ihrer Interdisziplinarität verstärkt in die Krankenversorgung zu übertragen und die Erfüllung bisher unbefriedigter Bedürfnisse von Erkrankten voranzutreiben. Drei Punkte sind im Zusammenhang mit einer erfolgreichen Behandlung wichtig und stehen daher im Zentrum der Forschung von PMI: die Früherkennung von chronisch entzündlichen Krankheiten, die Vorhersage von Krankheitsverlauf und Komplikationen und die Vorhersage des individuellen Therapieansprechens.


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Exzellenzcluster Präzisionsmedizin für chronische Entzündungserkrankungen
Wissenschaftliche Geschäftsstelle, Leitung: Dr. habil. Susanne Holstein
Postanschrift: Christian-Albrechts-Platz 4, D-24118 Kiel
Kontakt: Sonja Petermann
Telefon: (0431) 880-4850, Telefax: (0431) 880-4894
E-Mail: spetermann@uv.uni-kiel.de
Twitter: PMI @medinflame

Prof. Andre Franke
Institut für klinische Molekularbiologie (IKMB), CAU Kiel
Tel.: (0431) 500 15110
E-Mail: a.franke@mucosa.de

Frederike Buhse
Telefon: (0431) 880 4682 E-Mail: fbuhse@uv.uni-kiel.de
Internet: https://precisionmedicine.de

Originalpublikation:
Thingholm et al., Obese Individuals with and without Type 2 Diabetes Show Different Gut Microbial Functional Capacity and Composition, Cell Host & Microbe (2019), https://doi.org/10.1016/j.chom.2019.07.004



Der Magen-Darm-Trakt - Bakterien

Medizin am Abend Berlin - MaAB- Fazit: Gefährlichen Darmbakterien auf der Spur

Neue Emmy Noether-Nachwuchsgruppe untersucht den Einfluss der mikrobiellen Flora auf den Darm 
 
Warum führen bestimmte Bakterien der Magen-Darm-Flora bei einigen Menschen zu Krankheiten im Verdauungstrakt und bei anderen nicht?

Welche grundlegenden Mechanismen verbergen sich dahinter? Diesen Fragen geht eine neue Emmy Noether-Nachwuchsgruppe an der Charité – Universitätsmedizin Berlin nach. Die gewonnenen Erkenntnisse sollen dazu beitragen, Erkrankungen des Magen-Darm-Traktes zukünftig gezielter verhindern zu können. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördert das Vorhaben für sechs Jahre mit rund 1,6 Millionen Euro.

Der menschliche Magen-Darm-Trakt ist mit einer Vielzahl von Bakterien besiedelt. Die meisten davon sind harmlos und für viele Funktionen des Körpers nützlich. Gleichwohl können einzelne Bakterien auch gefährlich sein und zu Krankheiten führen – allerdings nicht bei allen Menschen. Unter der Leitung von Dr. Michael Sigal von der Medizinischen Klinik mit Schwerpunkt Hepatologie und Gastroenterologie am Campus Charité Mitte wird eine neue Emmy Noether-Nachwuchsgruppe jetzt die zugrundeliegenden Abläufe genauer ergründen.

In einer kürzlich veröffentlichten Studie konnte Dr. Sigal mit der Unterstützung eines internationalen Forschungsteams zeigen, dass sich Magen-Stammzellen vor Schäden durch das Bakterium Helicobacter pylori schützen können.

Helicobacter pylori ist ein wichtiger Risikofaktor für die Entstehung von Magenkrebs. 

„Diese Mechanismen möchten wir nun noch detaillierter im Magen und Darm erforschen.

Wir werden die Interaktionen zwischen Stammzellen und spezifischen Bakterien, die den Magen-Darm-Trakt chronisch besiedeln und ein krankmachendes Potenzial haben, beleuchten. 

So untersuchen wir beispielsweise Bakterien des Dickdarms, die in Verbindung mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen und bösartigen Krebserkrankungen stehen“, umreißt Dr. Sigal die zentralen Inhalte seines Projektes.

Für die Durchführung der Studien wird die Arbeitsgruppe verschiedene Methoden nutzen – darunter die Analyse von Patientenproben und von komplexen Zell- und Stammzellkulturen sowie experimentelle Tiermodelle. Eine zentrale Rolle wird außerdem die Visualisierung der Bakterien im Gewebe spielen. Hierfür verwenden die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler moderne, hochauflösende Mikroskope.

„Mit unseren Arbeiten möchten wir zeigen, unter welchen Bedingungen einige unserer Darm-Bewohner Schäden anrichten.

So können wir Strategien entwickeln, um Beschwerden zu verhindern und die Darmgesundheit wiederherzustellen“, erklärt Dr. Sigal. Zudem will der Gastroenterologe den klinischen Bereich für chronische Magen- und Darmerkrankungen weiter ausbauen, um die Forschungsaktivitäten optimal mit der Patientenversorgung zu verzahnen.

Mit dem Emmy Noether-Programm fördert die DFG herausragende Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler, die sich durch die eigenverantwortliche Leitung einer Arbeitsgruppe für eine Hochschulprofessur qualifizieren können.

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Dr. Michael Sigal
Medizinische Klinik mit Schwerpunkt Hepatologie und Gastroenterologie
Campus Charité Mitte
Charité – Universitätsmedizin Berlin
t: +49 30 450 514 102
E-Mail: michael.sigal@charite.de

Charitéplatz 1
10117 Berlin
Deutschland
Berlin


Manuela Zingl
Telefon: 030 / 450 570 400
Fax: 030 / 450 570 940
E-Mail-Adresse: manuela.zingl@charite.de

Weitere Informationen für internationale Medizin am Abend Berlin Beteilige
https://hepatologie-gastroenterologie.charite.de/

https://www.nature.com/articles/s41556-019-0339-9




CAVE-Untersucher: Krankheitsbild der nekrotisierenden Fasziitis

Medizin am Abend  Berlin - MaAB-Fazit: Schnellere Diagnose für Erreger der nekrotisierenden Fasziitis

HZI-Forscher identifizieren potenzielle Biomarker für Einzelerreger und Mischinfektionen 
 
Schwere Infektionen durch „fleischfressende“ Bakterien machen zunehmend Schlagzeilen. 

Dahinter steckt das Krankheitsbild der nekrotisierenden Fasziitis (necrotizing soft tissue infections). Diese seltenen Infektionskrankheiten verursachen dramatische Gewebezerstörungen.

  • Den Patienten müssen oft Gliedmaßen amputiert werden oder sie versterben, bevor eine passende Therapie gefunden wird. 
  • Der rasante Krankheitsverlauf, verschiedene bakterielle Erreger und deren zunehmende Antibiotikaresistenz machen eine Schnelldiagnostik nötig. 

Forscher des Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung (HZI) erlangten jetzt mithilfe modernster Methoden erstmals Einblicke in die Zusammensetzung der Erreger der oft durch bakterielle Mischinfektionen verursachten Krankheit. 

Zudem konnten sie die am Infektionsort ablaufenden Prozesse besser charakterisieren und Unterschiede in der Wirtsantwort in Abhängigkeit vom Erregerspektrum beobachten.

Damit gelang es, potenzielle Biomarker für die durch Einzelerreger wie Streptococcus pyogenes oder bakterielle Mischinfektionen verursachte nekrotisierende Fasziitis zu identifizieren.

Diese neuen Biomarker könnten zukünftig in der klinischen Anwendung eine schnellere Diagnostik der Erreger und damit eine zugeschnittene Therapie ermöglichen. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Forscher jetzt im renommierten Fachjournal Nature Communications.


Streptococcus-Arten können die nekrotisierende Fasziitis auslösen
Streptococcus-Arten können die nekrotisierende Fasziitis auslösen
HZI/Manfred Rohde

Es ist ein Wettlauf gegen die Zeit:

  • Die unauffälligen grippeähnlichen Anfangssymptome der nekrotisierenden Fasziitis (NF) sind für Ärzte schwer zu diagnostizieren. 

Völlig gesunde Menschen können daran erkranken, aber vor allem immungeschwächte Menschen. 

  • Den Patienten bleiben nur drei bis vier Tage für eine Rettung. 
  • Die Sterberate liegt bei 30 Prozent und steigt auf 70 Prozent an, wenn die richtige klinische Diagnose fehlt. 
  • Zudem ist eine schnelle Identifizierung der Erreger dringend nötig, um die Patienten mit einer zugeschnittenen Therapie behandeln zu können. 
  • Dies ist auch besonders bedeutsam vor dem Hintergrund zunehmender Antibiotikaresistenzen vieler Bakterienarten.

Lange war nicht bekannt, welche unterschiedlichen Erreger überhaupt bei der nekrotisierenden Fasziitis involviert sind.

Im Rahmen des EU-Projektes INFECT wurde für diese Grundlagenforschung die weltweit größte Patienten-Kohorte zur nekrotisierenden Fasziitis angelegt. Für die Analysen standen humane Gewebeproben von insgesamt 150 Patienten zur Verfügung, die von Klinikern aus Norwegen, Dänemark und Schweden in einer Biobank gesammelt wurden.

„Die nekrotisierende Fasziitis ist derzeit vermehrt in den Medien, da sie auch durch im Meerwasser lebende Vibrio-Arten hervorgerufen werden kann, wie in diesem Jahr in der Ostsee.

Deutlich häufiger sind jedoch Infektionen mit dem bekannten Pathogen Streptococcus pyogenes“; sagt Prof. Dietmar Pieper, Mikrobiologe und Leiter der Forschungsgruppe „Mikrobielle Interaktionen und Prozesse“, der das Projekt des Begründers Prof. Singh Chhatwal am HZI weiterführt. „Sehr oft sind die Infektionen jedoch bakterielle Mischinfektionen aus einem breiten Spektrum verschiedener Erreger.“ Über die Zusammensetzung und Aktivität dieser polymikrobiellen Gemeinschaften ist bisher noch sehr wenig bekannt.

In einer interdisziplinären Zusammenarbeit der Teams von Prof. Dietmar Pieper und Prof. Eva Medina konnten die Forscher über ein mikrobielles Profiling durch 16S-rRNA-Analysen zeigen, welche Erreger an den Mischinfektionen beteiligt sind.

„Wir konnten die Bakterienarten Prevotella, Fusobakterium, Parvimonas und Porphyromonas immer wieder in einer ähnlichen Zusammensetzung nachweisen“, sagt Dietmar Pieper.

„Bisher war noch nicht bekannt, wie Gemeinschaften von eigentlich harmlosen Bakterien Infektionen verursachen können, die die gleiche Sterblichkeitsrate und das zerstörerische Potenzial wie ‚professionelle Pathogene‘ haben, wie zum Beispiel das gut untersuchte Bakterium Streptococcus pyogenes.“

Diese polymikrobiellen Infektionen, hervorgerufen durch normale Besiedler unseres Darms, der Haut oder des Mundes, wären noch viel zu wenig untersucht, weil sich die Forschung bisher auf Infektionen, die durch ein typisches Pathogen hervorgerufen werden, konzentrierte.

Um die Infektionsmechanismen der einzelnen Erreger und Mischinfektionen besser zu verstehen, führten die Forscher neben dem mikrobiellen Profiling eine sogenannte duale RNA-Sequenzierung an den Gewebeproben durch, die eine Aussage über die Aktivität der Pathogene und der Wirtsantwort direkt am Infektionsort erlaubte.

„Während die krankheitserregenden Mechanismen von Pathogenen gut untersucht sind, gibt es kaum Informationen, wie eigentlich harmlose Bakterien die Gewebezerstörung vorantreiben“, sagt HZI-Wissenschaftler Dr. Robert Thänert, der die Arbeiten koordinierte. „Wir konnten jetzt zeigen, dass Einzelerreger wie Streptococcus und die Bakterien, die man in Mischinfektionen findet, völlig verschiedene Mechanismen nutzen, was zu unterschiedlichen Prozessen der Gewebezerstörung führt.“ Die mikrobielle Besiedelung rufe im Wirt unterschiedliche Antworten im infizierten Gewebe hervor, die auch im Blutserum nachweisbar sind.

Die HZI-Forscher konnten feststellen, dass sich die Bakterienarten, die man in Mischinfektionen antrifft, die Arbeit aufteilen.

„Wie in einem Orchester arbeiten sie zusammen und sind damit in der Lage, das Wirtsgewebe zu kolonisieren und hier eine zerstörerische entzündliche Immunantwort zu verstärken“, sagt Eva Medina, Leiterin der HZI-Forschungsgruppe „Infektionsimmunologie“.

Feine Unterschiede in der Wirtsantwort auf die Infektion können die Forscher nun als diagnostische Biomarker nutzen, damit Ärzte schnell über den Erreger informiert sind und eine passende Therapie ableiten können.

Die Forschungsarbeiten eröffnen eine völlig neue Sichtweise auf das unterschiedliche Infektionsgeschehen bei mono- und polymikrobiellen Infektionen, die eine nekrotisierende Fasziitis verursachen können. Zukünftige Studien müssen die neuen Biomarker nun validieren, damit diese als Diagnostik-Tools einsetzbar werden.

Hintergrund Biomarker:
Speziell bei einer Streptococcus pyogenes-Infektion werden zellgiftige Toxine als Virulenzfaktoren exprimiert, und eine starke interferonvermittelte Antwort kann als verlässlicher Biomarker genutzt werden.

Die Patienten können frühzeitig erfolgreich mit einer Immunglobulin G-Therapie und entsprechenden Antibiotika behandelt werden.
Die Wirksamkeit dieser Behandlung ist für die bakteriellen Mischinfektionen durch die gewöhnlich gutartigen Bakterien nicht belegt, hier fehlt das Basiswissen über das Infektionsgeschehen sowie ein kompletter Überblick über die Virulenzfaktoren. Es werden vor allem Gene für Faktoren exprimiert, die zum Beispiel an der Lipopolysaccharid-Synthese beteiligt sind, die ein integraler Bestandteil der äußeren Membran gramnegativer Bakterien sind und ein starker Aktivator der Immunantwort. Die Neutralisation der Lipopolysaccharide könnte nach Ansicht der HZI-Forscher eine gute therapeutische Strategie bei polymikrobiell verursachten NFs sein.

Über INFECT (EU-FP7-HEALTH):
Um den Wissenstand zur Diagnose und Prognose von NFs zu verbessern, hatte die EU 2013 das Projekt INFECT im FP7-Health-Programm gestartet. In multidisziplinären Teams arbeiten Forscher, Ärzte und Biotechfirmen mit Patientenorganisationen quer durch Europa, Israel und den USA zusammen mit dem Ziel, die Diagnose und die therapeutischen Strategien für die Patienten zu verbessern. Im Rahmen dieser Initiative entstand die weltweit größte NSTI-Patienten-Kohorte und Probensammlung.
Improving Outcome of Necrotizing Fasciitis: Elucidation of Complex Host & Pathogen Signatures that Dictate Severity of Tissue Infection, EU-FP7-HEALTH
https://www.helmholtz-hzi.de/de/forschung/forschungsprojekte/ansicht/projekt/det...

Das Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung:
Am Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung (HZI) untersuchen Wissenschaftler die Mechanismen von Infektionen und ihrer Abwehr. Was Bakterien oder Viren zu Krankheitserregern macht: Das zu verstehen soll den Schlüssel zur Entwicklung neuer Medikamente und Impfstoffe liefern. Das HZI ist Mitglied im Deutschen Zentrum für Infektionsforschung (DZIF). www.helmholtz-hzi.de

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Über Google: Medizin am Abend Berlin 
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Susanne Thiele,
susanne.thiele@helmholtz-hzi.de
Dr Andreas Fischer, andreas.fischer@helmholtz-hzi.de

Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung GmbH
Inhoffenstr. 7
D-38124 Braunschweig
Deutschland

Originalpublikation:
Molecular profiling of tissue biopsies reveals unique signatures associated with streptococcal necrotizing soft tissue infections. Robert Thänert, Andreas Itzek, Jörn Hoßmann, Domenica Hamisch1, Martin, Bruun Madsen, Ole Hyldegaard, Steinar Skrede, Trond Bruun, Anna Norrby-Teglund, INFECT study group, Eva Medina & Dietmar H. Pieper. Nature Communications 2019; doi: 10.1038/s41467-019-11722-8
https://www.nature.com/articles/s41467-019-11722-8

 

Chronisch entzündliche Erkrankung der Haut

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Schleimhautpemphigoid: In Lübeck endlich die richtige Diagnose und Therapie gefunden

Forschung für eine wirksamere Behandlung - Auf dem Lübecker Campus entsteht das weltweit erste Forschungszentrum zu chronisch entzündlichen Erkrankungen der Haut

Patient Martin Romberger (Mitte), Prof. Dr. Detlef Zillikens (rechts) und Assistenzarzt Dr. Sören Dräger
Patient Martin Romberger (Mitte), Prof. Dr. Detlef Zillikens (rechts) und Assistenzarzt Dr. Sören Dräger Foto: René Kube / Universität zu Lübeck
 
Stefanie Gärtner (87) aus Hannover, Martin Romberger (53) aus Kassel und Dr. Wilhelm Schütte (71) aus Braunschweig: sie alle leiden an unterschiedlichen Ausprägungen derselben seltenen Krankheit, dem Schleimhautpemphigoid, einer chronisch entzündlichen Blasenbildung auf Schleimhäuten.

Sie alle haben eine lange Suche nach der richtigen Diagnose und der geeigneten Behandlung hinter sich, bevor sie diese in der Universitätshautklinik in Lübeck fanden.

Die Forschung zu den Ursachen der Erkrankung und neuen Therapieansätzen ist einer der Schwerpunkte von Prof. Dr. Detlef Zillikens, der die Klinik leitet, und seinem Team. Sie sind damit, zusammen mit Forscherinnen und Forschern weiterer Kliniken und Universitätsinstitute in Lübeck, der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, des Forschungszentrums Borstel der Leibniz-Gemeinschaft und des Max-Planck-Instituts für Evolutionsbiologie in Plön, Teil des Exzellenzclusters der Deutschen Forschungsgemeinschaft zur Präzisionsmedizin für chronische Entzündungserkrankungen (Precision Health in Schleswig-Holstein, PHSH).

Forschungsneubau für das CRIS

Die bisherigen Forschungserfolge haben dazu geführt, dass in Lübeck das weltweit erste Forschungszentrum zu chronisch entzündlichen Hauterkrankungen entsteht, das Center for Research on Inflammation of the Skin (CRIS). 2017 hatte der Wissenschaftsrat, das wichtigste wissenschaftspolitische Beratungsgremium in Deutschland, die Errichtung des Zentrums bewilligt. Für knapp 25 Millionen Euro entsteht jetzt zentral auf dem Lübecker Campus ein fünfgeschossiger Forschungsneubau für das CRIS mit 3.048 Quadratmetern Nutzfläche, der 2022 fertig sein soll. Am 15. Juli dieses Jahres war der feierliche erste Spatenstich.

140 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus sechs Instituten und zwei Kliniken der Universität und des Universitätsklinikums in Lübeck werden im CRIS fächerübergreifend forschen. Wissenschaftliches Ziel ist die Aufklärung der molekularen Mechanismen der Entstehung von Entzündungen der Haut und die Entwicklung innovativer und kurativer Konzepte für ihre Behandlung.

Beteiligte Arbeitsgruppen kommen aus der Immunologie, der Rheumatologie, der Biostatistik, der Systemmedizin, der Pharmakologie, der Anatomie und der Biomedizinischen Optik auf dem Lübecker Campus. Innerhalb des Exzellenzclusters bestehen enge Kooperationen zur Hautklinik und Gastroenterologie in Kiel und zum Max-Planck-Zentrum in Plön. Geschäftsführer des CRIS ist Prof. Dr. Christian Sadik.

Chronisch entzündliche Blasenbildung auf den Schleimhäuten

Das Schleimhautpemphigoid (griechisch „pemphix“ bedeutet Blase) gehört zu den chronisch verlaufenden Blasen bildenden Autoimmunerkrankungen.  
  • Ihnen liegt eine gestörte Toleranz des Immunsystems gegenüber dem eigenen Körper zugrunde. 

In westlichen Ländern sind etwa fünf Prozent der Bevölkerung von einer Autoimmunkrankheit betroffen, die häufigsten sind Schuppenflechte, rheumatoide Arthritis und autoimmune Schilddrüsenerkrankungen.

Autoimmunerkrankungen sind bisher unzureichend verstanden und nicht kausal behandelbar; sie bleiben oft lebenslang bestehen und können entzündungshemmend oder immunsuppressiv behandelt werden, um die Beschwerden zu lindern oder die Zerstörung der betroffenen Organe aufzuhalten.

  • Charakteristisch und namengebend für die verschiedenen Formen des Schleimhautpemphigoids ist die überwiegende Beteiligung der Schleimhaut. 

Die Ausdehnung der Hautveränderungen und somit die Schwere der Erkrankung sind von Patient zu Patient unterschiedlich stark ausgeprägt.

Durch die häufig schmerzhaften Mundschleimhautveränderungen kommt es häufig zu Schwierigkeiten beim Essen und in Folge zur Gewichtsabnahme und allgemeinen Schwäche.

Bei den meisten Patienten beginnt die Erkrankung in der Mundschleimhaut, dies ist auch häufig die am schwersten betroffene Schleimhautregion. Bei einigen Patienten kann die Erkrankung jedoch in der Nasenschleimhaut beginnen, was sich durch Nasenbluten, Ausbildung von blutigen Krusten sowie verringerter Nasenatmung äußern kann.

Bei einigen Patienten, vor allen Dingen Frauen, ist die Genitalschleimhaut am stärksten betroffen.

Als weitere Schleimhäute können der Rachen, die Speiseröhre und die Schleimhaut am After betroffen sein. In den Schleimhäuten zerreißen Blasen leicht und es kommt zur Ausbildung von meist schmerzhaften Wunden (Erosionen).

Auch die Bindehäute der Augen können betroffen sein, was zu einer Narbenbildung und im schlimmsten Fall bis zur Erblindung führen kann. Patienten mit Beteiligung der Bindehaut bedürfen daher ganz besonders dringend einer intensiven Therapie. Für die genaue Diagnosestellung sind eine Gewebeprobe und eine Blutentnahme notwendig.

Oft lange Odyssee bei seltenen Erkrankungen

Bei Stefanie Gärtner traten die Beschwerden zunächst als Zahnfleischbluten auf, dann begann sie an Augenschmerzen zu leiden. Bei Dr. Schütte sind vor allem Kehlkopf und Stimmlippen betroffen, seine Stimme klingt heiser. Wie auch Martin Romberger und durchschnittlich etwa zehn weitere Patientinnen und Patienten kommen sie alle vier Wochen für fünf Tage auf die Kurzlieger-Station der Universitätshautklinik in Lübeck. Der Verlauf der Erkrankung und die diagnostischen Werte werden kontrolliert, die medikamentöse Therapie gegebenenfalls angepasst und, falls erforderlich, Ärzte weiterer Fachgebiete einbezogen. Bei günstigem Verlauf kann später auf eine rein ambulante Behandlung umgestellt werden.

„Ich bin vor allem darüber froh, dass die Krankheit nach meiner langen Odyssee in verschiedensten Arztpraxen und Kliniken endlich in Lübeck richtig erkannt und dann zum Stillstand gebracht worden ist“, sagt Patient Dr. Wilhelm Schütte. Martin Romberger hat den entscheidenden Hinweis auf die Lübecker Klinik über eine Selbsthilfegruppe erhalten.

Für Klinikchef Prof. Dr. Detlef Zillikens ist entscheidend, dass die Behandlung möglichst früh ansetzt, um ein Übergreifen auf andere Organe verhindern zu können. „Wir versuchen, eine noch spezifischere Wirkweise der Medikamente zu erreichen, damit sie nur an den Zellen ansetzen, die tatsächlich für die Krankheit verantwortlich sind“, sagt er.

Neue Ansätze für Diagnostik und Therapie

Wegen der derzeit unbefriedigenden, unspezifischen Therapieoptionen fokussieren die Ansätze für mögliche künftige Therapien zum einen auf die Reduktion der Bildung von Autoantikörpern (afferente Phase der Autoimmunreaktion) und zum anderen auf die Beeinflussung der Entzündungsreaktion, die durch die Bindung der Autoantikörper an Haut und Schleimhäuten induziert wird (efferente Entzündungsphase).

Derzeitige konkrete Ergebnisse für neue Therapieansätze liegen vor für die Inhibition des Komplementsystems, das in der efferenten Phase, also nach Bindung der Autoantikörper in der Haut, eine wesentliche Rolle spielt. An Mäusen konnten die Forscher zeigen, dass durch die Blockierung bestimmter Komponenten die Erkrankung vollständig ausgeschaltet werden konnte. Eine klinische Studie, die auf diesen präklinischen Ergebnissen basiert, wird derzeit an der Lübecker Klinik durchgeführt.

Neue Therapieansätze sind sowohl hinsichtlich der Verminderung der Antikörperproduktion als auch hinsichtlich des durch die Autoantikörper verursachten Gewebeschadens in der Haut zu erwarten. Auch hinsichtlich der Diagnostik von kutanen Autoimmunerkrankungen gibt es verschiedene neue Ansätze. Hierbei werden insbesondere ELISA- und Biochip-basierte Verfahren eingesetzt, die molekulare Formen der Autoantigene verwenden.

Diese neuen Testverfahren sind nicht nur für die bessere Diagnostik dieser Erkrankung geeignet, sondern auch für die Einschätzung des Therapiebedarfs und der Therapie, weil in vielen dieser Erkrankungen die Höhe der Autoantikörperspiegel im Serum mit der Krankheitsaktivität korrelieren.

Aufgrund der besonderen Situation bei bullösen Autoimmundermatosen, dass sich nämlich spezifische Autoantikörper sowohl in der Haut als auch im Serum der Patienten nachweisen lassen, lassen sich hier einfacher als bei anderen Erkrankungen Subgruppen definieren, die dann spezifischen Therapien zugeführt werden.

Unterstützung durch das Clinician-Scientist-Programm der DFG

Wichtig ist für Prof. Zillikens und seine Forschungsgruppe, dass beteiligte Nachwuchsärztinnen und –ärzte mit Unterstützung durch das Clinician-Scientist-Programm der Deutschen Forschungsgemeinschaft von klinischen Routineaufgaben entlastet werden und sich ganz auf die wissenschaftliche Arbeit konzentrieren können.

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Prof. Dr. med. Detlef Zillikens
Universität zu Lübeck
Direktor der Klink für Dermatologie, Allergologie und Venerologie des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein, Campus Lübeck
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TOP-Hinweis: Untersucher des KTS - Karpaltunnel-Syndrom

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit:  Kribbeln in Fingern und Händen – Nutzung von Smartphones und Nerven-Engpass-Syndrom

Die intensive Nutzung von Smartphones fördert vermutlich einen Nerven-Engpass im Handgelenk mit schmerzhaften Taubheitsgefühlen, das sogenannte Karpaltunnelsyndrom (KTS). 

Das belegen aktuelle Studien aus Asien. 

„Drehende Bewegungen im Handgelenk verstärken das KTS, das ist bekannt“, bestätigt Professor Dr. med. Helmut Buchner von der Deutschen Gesellschaft für Klinische Neurophysiologie und Funktionelle Bildgebung (DGKN). 

Wer häufig Kribbeln im zweiten und dritten Finger spürt, sollte einen Neurologen aufsuchen. 

Für Schwangere sind örtliche Kortison-Spritzen zur Behandlung besonders geeignet. 
 
Seit langem wissen Mediziner, dass Karpaltunnel-Beschwerden durch intensive Handarbeit entstehen können.

„Bei Fleischern etwa gilt das KTS als Berufskrankheit“, berichtet Buchner.

 „Die drehenden Bewegungen im Handgelenk mit dem Messer fördern den Nerven-Engpass.“

  • Das gilt gleichermaßen für intensives Stricken oder Reinigungskräfte, die unablässig Wäsche auswringen. 

„Insofern ist es plausibel, dass der dramatische Mehrgebrauch von Smartphones und Computertastaturen ein KTS auslösen kann, auch wenn dies bisher nur Studien aus Asien belegen“, führt der Neurologe aus. 

„Ich kann keinen Grund erkennen, warum es bei uns anders sein sollte.“

Beim Karpaltunnel-Syndrom gerät der Nervus medianus unter Druck, der an einer Engstelle durch das Handgelenk führt.

Ursache ist meist:

eine Schwellung,

die durch belastende Bewegungen entsteht,

ferner durch nächtliches Schlafen mit abgeknickten Handgelenken,

starke Gewichtszunahme

hormonelle Einflüsse wie Schwangerschaft und Wechseljahre. 

  • „Frauen sind drei bis vier Mal häufiger als Männer betroffen“, erläutert Buchner. 

„Schon aufgrund ihres Monatszyklus können Schwellungen leichter entstehen.“ 

  • Die Schwellung führt häufig zu Entzündungen, die wiederum Vernarbungen hervorrufen können, was die Durchblutung weiter verschlechtert und die Schwellung befördert.
  • Erste Symptome sind ein Kribbeln in den Spitzen der ersten drei Finger, vom Daumen bis zum Mittelfinger. 

„Das Kribbeln fühlt sich elektrisierend und brennend an“, so Buchner.

Schüttelt man die Hände, verschwinden die Missempfindungen häufig. 

Im weiteren Verlauf können Schmerzen auftreten, die nachts sogar bis in den Arm ziehen.

„Zum Schluss kann das Kribbeln in ein permanentes Taubheitsgefühl übergehen und sich die Muskulatur am seitlichen Daumenballen der betroffenen Hand zurückbilden“, erklärt DGKN-Experte Buchner, der an der Klinik für Neurologie und Klinische Neurophysiologie am Knappschaftskrankenhaus Recklinghausen tätig ist.

Um zu klären, ob ein KTS vorliegt, erfragt der Neurologe zunächst Vorgeschichte und Beschwerden.

Dann folgen meist zwei einfache Tests.

Beim Phalen-Test presst der Patient die Handflächen wie beim Beten aneinander und knickt zugleich die Handgelenke im 90-Grad-Winkel ab. 

„Mit dieser Haltung provoziert man die Enge“, erläutert Buchner.

„Tritt nach zwei Minuten kein Kribbeln auf, liegt kein KTS vor.“

Beim Hoffmann-Tinel-Zeichen beklopft der Arzt den Mediannerv in der Innenseite des Handgelenks mit dem Finger.

Führt das zum Kribbeln in den Fingerspitzen, ist dies ein Hinweis auf ein KTS.

Eine eindeutige Aussage erlaubt die elektrische Diagnostik, die Elektroneurographie. 

„Mit leichten Stromimpulsen messen wir, wie viel Zeit der Mediannerv für die Weiterleitung eines Reizes benötigt“, so Buchner. 

  • Dauert es zu lange, das heißt länger als 4,2 bis 4,5 Millisekunden, hat der Nerv eine Funktionsstörung erlitten. 

Dann kann eine Therapie erforderlich werden.

„Dafür eignet sich ein dreistufiges Vorgehen“, rät Buchner.

  • Im Anfangsstadium hilft es mitunter, Belastungen zu vermeiden – etwa mit einer Handschiene, die ein Abknicken der Gelenke verhindert.
  •  „Oder durch den Verzicht auf intensive Smartphone-Nutzung, vor allem auf drehende Handgelenkbewegungen wie beim Wischen auf dem Display“, rät Buchner. 

Verhaltensänderungen lösen allerdings die Engstelle nicht auf, räumt der DGKN-Experte ein.

Gut schlägt häufig das einmalige Spritzen von entzündungshemmendem Kortison in die Engstelle an, ein in Deutschland eher selten angewandtes Verfahren.

„Diese Behandlung ist besonders für Schwangere geeignet, deren Hormonhaushalt sich nach der Geburt wieder umstellt“, meint Buchner.

Sorgen um das ungeborene Kind sind laut Buchner unbegründet:

„Die Kortison-Dosis ist minimal und nur örtlich wirksam.“

  • Am häufigsten und am wirksamsten ist jedoch nach wie vor die Operation, die bei anhaltenden Beschwerden unumgänglich wird. 

Dabei spalten Hand- oder Neurochirurgen über einen kleineren Schnitt in örtlicher Betäubung das Bindegewebsgewebsband über dem Karpaltunnel, so dass der eingeklemmte Nerv mehr Platz bekommt und der Druck sinkt.

Jährlich erfolgen etwa 300.000 Eingriffe dieser Art in Deutschland.

Quellen:

Studien zum Thema:
• Woo EHC, White P, Lai CWK. Effects of electronic device overuse by university students in relation to clinical status and anatomical variations of the median nerve and transverse carpal ligament. Muscle Nerve. 2017 Nov;56(5):873-880. doi: 10.1002/mus.25697. Epub 2017 Jun 21. (https://onlinelibrary.wiley.com/doi/abs/10.1002/mus.25697)

• İnal EE et al. Effects of smartphone overuse on hand function, pinch strength, and the median nerve. Muscle Nerve. 2015 Aug;52(2):183-8. doi: 10.1002/mus.24695. Epub 2015 Jun (https://onlinelibrary.wiley.com/doi/pdf/10.1002/mus.24695)

Die Deutsche Gesellschaft für Klinische Neurophysiologie und Funktionelle Bildgebung (DGKN) ist die medizinisch-wissenschaftliche Fachgesellschaft für Ärzte und Wissenschaftler in Deutschland, die auf dem Gebiet der klinischen und experimentellen Neurophysiologie tätig sind. Anliegen der DGKN ist es, die Forschung auf diesem Gebiet zu fördern sowie eine qualitätsgesicherte Aus-, Weiter- und Fortbildung zu garantieren. Zu diesem Zweck richtet die DGKN wissenschaftliche Tagungen, Symposien und Fortbildungsveranstaltungen aus. Sie erarbeitet Richtlinien und Empfehlungen für die Anwendung von Methoden wie EEG, EMG oder Ultraschall. Darüber hinaus setzt sich die DGKN für den wissenschaftlichen Nachwuchs ein, indem sie etwa Stipendien und Preise vor allem für junge Forscher vergibt. Die Methoden der klinischen Neurophysiologie kommen Patienten bei der Diagnose und Therapie neurologischer Erkrankungen wie Parkinson, Alzheimer, Migräne, Epilepsie, Schlaganfall oder Multiple Sklerose zugute.
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CAVE-Therapie-Hinweis: Die Baker Zyste im Bereich der Kniekehle

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Neue Therapie für Baker-Zyste entdeckt

Eine strahlentherapeutische Behandlung könnte in Zukunft bei der Baker-Zyste Anwendung finden. 

Zu diesem Ergebnis kam eine Studie des Universitätsklinikums Regensburg (UKR), die nun von der Deutschen Gesellschaft für Radioonkologie ausgezeichnet wurde. 
 Dr. Hautmann erhält den Günther-von-Pannewitz-Preis für seine Studie zur Baker-Zyste.
 Dr. Hautmann erhält den Günther-von-Pannewitz-Preis für seine Studie zur Baker-Zyste.
© MCI/Thomas Ecke
 
  • Eine Baker-Zyste bezeichnet eine Zyste im Bereich der Kniekehle, die häufig bei Arthrosen oder auch weiteren Erkrankungen im Knie wie einer Verletzung des Meniskus auftritt. 

Neben den Beschwerden der primären Erkrankung, verursacht die Zyste bei vielen Patienten zusätzlich ein permanentes Druckgefühl und führt häufig auch zu Funktionseinschränkungen, da das Knie nicht mehr störungsfrei abgewinkelt werden kann. 

Die Baker-Zyste gilt als Begleiterscheinung, weswegen es bislang ursächlich nur die entsprechende Grunderkrankung behandelt werden kann.

  • In manchen Fällen, wenn die Zyste anhaltend Beschwerden verursacht, kann sie operativ entfernt werden. 

Dr. Matthias Hautmann aus der Klinik und Poliklinik für Strahlentherapie des UKR hat nun bei der strahlentherapeutischen Behandlung von Patienten mit Knie-Arthrose entdeckt, dass sich diese Therapieform auch günstig auf die Baker-Zyste auswirkt.

Diese, in einer prospektiven Studie veröffentlichten Ergebnisse, wurden auf der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Radioonkologie nun mit dem mit 1.000 Euro dotierten Günther-von-Pannewitz-Preis ausgezeichnet.

  • Zyste und Schmerzen gehen zurück – erste Ergebnisse positiv

Baker-Zysten entstehen in der Regel durch eine Entzündungsreaktion in der Gelenkhöhle.

  • Da die Strahlentherapie entzündungshemmend wirkt und außerdem eine effektive Therapieoption bei Arthrose im Kniebereich darstellt, entwickelte Dr. Hautmann mit seinem Team die These, dass eine Baker-Zyste durch Strahlentherapie effektiv behandelt werden kann. 

Um dies zu überprüfen, wurden 20 Patienten, bei denen eine Strahlentherapie am Kniegelenk geplant war, in eine prospektive Beobachtungsstudie eingeschlossen.

In enger Zusammenarbeit mit dem Ultraschallzentrum des UKR wurden dafür die Baker-Zysten der Patienten vermessen und zusammen mit weiteren Werten wie einer Schmerz-Skala im Behandlungsverlauf dokumentiert.


Die Ergebnisse der Kurzzeit-Beobachtung von sechs bis zwölf Wochen als auch der Langzeit-Beobachtung von neun bis zwölf Monaten zeigten signifikante Ergebnisse.

Alle Patienten sprachen auf die strahlentherapeutische Behandlung an.

  • Langfristig konnte bei knapp 80 Prozent der Patienten eine Volumenreduktion der Zyste um mehr als 25 Prozent erreicht werden. 

Auch was die Belastung der Patienten angeht, konnten gute Ergebnisse beobachtet werden.

  • So verringerte sich mit dem Umfang der Zyste auch der damit verbundene Schmerz. 

Kurzfristig konnten 80 Prozent und langfristig knapp 60 Prozent der Patienten ihre Schmerzmitteleinnahme reduzieren.

„Wir haben festgestellt, dass ein Großteil der Patienten von der Bestrahlung profitiert.  

Die Strahlentherapie stellt eine effektive Behandlung sowohl hinsichtlich der Arthrose als auch der begleitenden Baker-Zyste dar“, fasst Dr. Hautmann die Ergebnisse zusammen.

Mit 20 Patienten war diese erste Studie noch recht klein, liefert aber Anhaltspunkte, auf denen sich aufbauen lässt. So Dr. Hautmann weiter: „Nachfolgende Studien müssen nun validieren, ob die Strahlentherapie eine ursprüngliche Behandlungsoption für Baker-Zysten darstellt.“

Strahlentherapeutische Behandlung von gutartigen Erkrankungen

Die Strahlentherapie wird meist mit der Behandlung von Krebserkrankungen assoziiert.

Das medizinische Leistungsspektrum dieses Fachgebiets umfasst aber noch viel mehr.

  • So bietet die Klinik und Poliklinik für Strahlentherapie des Universitätsklinikums Regensburg eine spezielle Sprechstunde für Patienten mit gutartigen Erkrankungen wie Fersensporn, Tennisellenbogen, Schleimbeutelentzündungen und Gelenkverschleiß, aber auch mit postoperativen Verknöcherungen und überschießender Narbenbildung an. 

Durch eine frühzeitige strahlentherapeutische Behandlung bleiben den Betroffenen körperliche Einschränkungen und eine langwierige Schmerzmedikation erspart.

 Die Strahlentherapie stellt eine Behandlungsoption für gutartige Erkrankungen dar.
Die Strahlentherapie stellt eine Behandlungsoption für gutartige Erkrankungen dar.
© UKR

Bei der Behandlung gutartiger Erkrankungen werden zumeist nur geringe bis sehr geringe Bestrahlungsdosen eingesetzt, so dass in der Regel keine Nebenwirkungen auftreten.

Eine einzelne Bestrahlungssitzung dauert meist auch nur wenige Minuten und läuft entgegen der Erwartung Vieler ohne den Einsatz von Wärme ab, so dass die eingesetzten Photonen oder Elektronen ihre Wirkung unbemerkt entfalten.

Publikation:
Hautmann, M.G., Jung, EM., Beyer, L.P. et al. Strahlenther Onkol (2019) 195: 69. https://doi.org/10.1007/s00066-018-1389-9

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Katja Rußwurm Universitätsklinikum Regensburg (UKR)

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Tabackwerbeverbot - auch für E-Zigaretten.....

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: E-Zigarette zur Raucherentwöhnung – Fluch oder Segen?

Rauchen ist nach wie vor ein wichtiger Risikofaktor für die koronare Herzerkrankung und den akuten Herzinfarkt mit nachfolgend hoher Sterblichkeit 

Wer einmal an diese Droge geraten ist, unternimmt oft viele Versuche, um wieder davon loszukommen. 

Eine Möglichkeit, um den Ausstieg aus der Tabaksucht zu erleichtern, könnte die Entwöhnung mit der E-Zigarette sein. 
 
E-Zigaretten erleben derzeit einen Boom.

In den letzten sieben Jahren ist der Umsatz mit E-Zigaretten allein in Deutschland von fünf auf 600 Millionen Euro angestiegen.

Eine englische Studie, die kürzlich im „New England Journal of Medicine“ veröffentlicht wurde [1], prüfte nun, ob die E-Zigarette als Methode der Raucherentwöhnung wirklich geeignet und wie vielversprechend sie ist.


Das Ergebnis: Langjährigen Raucherinnen und Raucher, die gewillt waren, das Rauchen zu beenden, gelang der Ausstieg über die E-Zigarette doppelt so häufig wie mit Nikotinersatzstoffen (z.B. Pflaster, Kaugummi, Lutschtabletten, medikamentöse Therapie etc.).

In der Studie wurden 886 im Durchschnitt 41 Jahre alte Raucherinnen und Raucher nach einer persönlichen Beratung in zwei Gruppen aufgeteilt. Die eine Gruppe erhielt ein Starterpaket mit E-Zigarette und einer nikotinhaltigen Inhaltsflüssigkeit, weitere Einheiten zum Nachfüllen nach Wahl schlossen sich an.

Die zweite Gruppe wurde mit anderen Nikotinersatzpräparaten ausgestattet. Alle Teilnehmer wurden zudem ermutigt, an einer regelmäßigen Verhaltenstherapie teilzunehmen. Nach 12 Monaten waren 18% der E-Zigaretten-Raucher*innen tabakabstinent. Diejenigen, die mit Ersatzpräparaten den Ausstieg erreichen wollten, zeigten diese Abstinenz nur zu 9,9%.

Dennoch sind die Ergebnisse der Studie mit Vorsicht zu genießen, warnen Experten der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie – Herz- und Kreislaufforschung (DGK):

„Bei der Bewertung der Ergebnisse darf nicht außer Acht gelassen werden, dass die Mehrzahl der Probandinnen und Probanden der E-Zigaretten-Gruppe langfristig nicht auf das Rauchen verzichtete, sondern 80 Prozent der E-Zigarette treu blieben. 

  • Die meisten Patientinnen und Patienten sind also auf die E-Zigarette umgestiegen, ein wirklicher Ausstieg bzw. eine vollständige Abstinenz erfolgte nicht“, erklärt Prof. Dr. Rainer Hambrecht, Vorsitzender der DGK-Projektgruppe Prävention. Prof. Dr. Harm Wienbergen fügt hinzu: 

„Bedenklich ist hierbei vor allem, dass bislang keine fundierten Ergebnisse über die Langzeitfolgen von E-Zigaretten vorliegen, es gibt allerdings erste beunruhigende Hinweise auf ernste Spätschäden durch E-Zigaretten [2, 3].“ 


  • So zeigte eine US-amerikanische Studie, dass der Konsum von nikotinhaltigen Liquids der E-Zigaretten Auswirkungen auf die Bonchialepithelzellen hat, wie sie sonst nur bei von der chronisch obstruktiven Lungenerkrankungen (COPD) 

Betroffenen beobachtet werden. Anfang des Jahres hatte bereits die American Heart Association in einer Pressemitteilung davor gewarnt, dass der Konsum von E-Zigaretten mit einer deutlich erhöhten Rate von Schlaganfällen und Herzerkrankungen einhergeht. [4]

Hinzu kommt die Vorbildfunktion: 

  • E-Zigaretten-Raucherinnen und Raucher sind schlechte Vorbilder für Jugendliche, die besonders empfänglich dafür sind, E-Zigaretten zu konsumieren. 
  • Dadurch wird bei den Jugendlichen nachweislich auch der Beginn konventionellen Zigarettenrauchens gebahnt [5].

Es ist deshalb eine stärkere bundesweite Regulierung des Verkaufes und der Bewerbung von E-Zigaretten zu fordern.

Ein Tabakwerbeverbot, das E-Zigaretten einbezieht, ist dringend erforderlich, um insbesondere Kinder und Jugendliche zu schützen, fordern die Kardiologen.

Literatur:

1. Hajek P et al. A Randomized Trial of E-Cigarettes versus Nicotine-Replacement Therapy. N Engl J Med 2019;380:629-637.
2. Garcia-Arcos I et al. Chronic electronic cigarette exposure in mice induces features of COPD in a nicotine-dependent manner. Thorax 2016;71:1119-1129.
3. Ghosh A et al. Chronic E-Cigarette Exposure Alters the Human Bronchial Epithelial Proteome. Am J Respir Crit Care Med 2018;198:67-76.
4. https://newsroom.heart.org/news/e-cigarettes-linked-to-higher-risk-of-stroke-hea...
5. Walley SC et al. A Public Health Crisis: Electronic Cigarettes, Vape, and JUUL. Pediatrics 2019;143:e20182741.

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Die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie – Herz und Kreislaufforschung e.V. (DGK) mit Sitz in Düsseldorf ist eine gemeinnützige wissenschaftlich medizinische Fachgesellschaft mit mehr als 10.000 Mitgliedern. Sie ist die älteste und größte kardiologische Gesellschaft in Europa. Ihr Ziel ist die Förderung der Wissenschaft auf dem Gebiet der kardiovaskulären Erkrankungen, die Ausrichtung von Tagungen die Aus-, Weiter- und Fortbildung 

Altersbedingte Muskelschwäche - Nerven/Muskelfaser

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Wie sich zerstörte Nervenbahnen im Muskel regenerieren

Nach einer Verletzung der neuromuskulären Endplatte, der Verbindung zwischen Nerven- und Muskelfaser, übernimmt der Proteinkomplex mTORC1 eine wichtige Funktion bei der Heilung. 

Forschende am Biozentrum der Universität Basel haben nun gezeigt, dass die Aktivierung des Proteinkomplexes mTORC1 ausgewogen sein muss, damit die Reparatur gelingt. 

Die in «Nature Communications» veröffentlichte Studie liefert auch neue Erkenntnisse für altersbedingte Muskelschwäche. 

Funktionsfähige Nervenverbindung im Muskel: Der Nerv (blau) mit seinen präsynaptischen Nervenenden (rot) sowie den postsynaptischen Rezeptoren im Skelettmuskel (grün).
Funktionsfähige Nervenverbindung im Muskel: Der Nerv (blau) mit seinen präsynaptischen Nervenenden (rot) sowie den postsynaptischen Rezeptoren im Skelettmuskel (grün).
Bild: Universität Basel, Biozentrum
 
  • Der Proteinkomplex mTORC1 fördert das Muskelwachstum und ist wichtig für die Selbstreinigung der Muskelzellen. 

Welche Funktion mTORC1 nach einer Verletzung der neuromuskulären Endplatte übernimmt, war bislang unklar. Neue Erkenntnisse liefert nun das Forschungsteam von Prof. Markus Rüegg am Biozentrum der Universität Basel.

Funktion von mTORC1

  • In unserem Körper sind Nerven und Muskeln durch neuromuskuläre Kontaktstellen miteinander verbunden, der sogenannten neuromuskulären Endplatte. 

Dies ist eine Synapse, die Signale zwischen Nervenfasern und Muskelfasern überträgt.

Wird diese Nervenverbindung unterbrochen oder verletzt, ist der Muskel in seiner Funktion eingeschränkt und geschwächt.

Das Besondere an diesen Synapsen ist jedoch, dass sie wieder repariert werden können. 

Rüeggs Forschungsteam hat nun die Funktion von mTORC1 nach einer Verletzung der neuromuskulären Endplatte im Mausmodell genauer untersucht.

Für die Funktion von mTORC1 im Muskel war bislang lediglich nachgewiesen, welche Rolle der Proteinkomplex für die Förderung des Muskelwachstums und die Selbstreinigung der Zellen übernimmt.

«Wir konnten nun zeigen, dass mTORC1 darüber hinaus eine wichtige Rolle bei der Regeneration der neuromuskulären Endplatte übernimmt», erklärt Perrine Castets, Erstautorin der Studie.

mTORC1 im Gleichgewicht

  • Damit mTORC1 seine Funktion ausüben und auf den Muskel und die Regeneration der Nervenverletzung einwirken kann, muss es zuvor von der Proteinkinase PKB/Akt aktiviert werden. 
  • Darüber hinaus zeigt Rüeggs Studie, dass der Proteinkomplex mTORC1 weder zu stark, noch in zu geringem Masse aktiviert werden darf, damit die Regeneration der Synapse gelingt. 

Dabei zeigte sich zudem eine Rückkopplung mit der Kinase PKB/Akt:

«Wird mTORC1 zu stark aktiviert, kommt es zu einer Hemmung dieser Kinase.

Dies führt dazu, dass die Regeneration der neuromuskulären Endplatte gestört ist.

Die Aktivierung durch PKB/Akt sorgt somit dafür, dass der Heilungsprozess adäquat verläuft», so Castets.

Die neu beschriebene Funktion von mTORC1 könnte auch eine Erklärung für die Entstehung der altersbedingten Muskelschwäche beim Menschen liefern.

Diese wird ebenfalls durch eine sich ändernde neuromuskuläre Endplatte und möglicherweise durch eine Überaktivierung von mTORC1 ausgelöst. 

 «Durch die Studie verstehen wir den Mechanismus bei der Wiederherstellung der neuromuskulären Endplatte nun besser. 

Vielleicht können wir daraus nun auch Möglichkeiten ableiten, den altersbedingten Defiziten und Strukturveränderungen auf therapeutischem Wege entgegenzuwirken und damit die Leistungs- und Funktionsfähigkeit der Muskeln im Alter besser aufrechterhalten», so Rüegg.

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Originalpublikation:
Perrine Castets, Nathalie Rion, Marine Théodore, Denis Falcetta, Shuo Lin, Markus Reischl, Franziska Wild, Laurent Guérard, Christopher Eickhorst, Marielle Brockhoff, Maitea Guridi, Chikwendu Ibebunjo, Joseph Cruz, Michael Sinnreich, Rüdiger Rudolf, David J. Glass & Markus A. Rüegg
mTORC1 and PKB/Akt control the muscle response to denervation by regulating autophagy and HDAC4
Nature Communications (2019), doi: 10.1038/s41467-019-11227-4

Diabetespatienten mit diabetischen Fußläsionen

Medizin am Abend Berlin - MaAB-Fazit: Neues Versorgungskonzept beim Diabetischen Fußsyndrom: DDG empfiehlt Zweitmeinung per Telemedizin

  • Jeder vierte Diabetespatient bekommt im Laufe seines Lebens ein Diabetisches Fußsyndrom (DFS). 
  • Häufig werden Anzeichen der Erkrankung zu spät erkannt – dann bleibt Betroffenen unter Umständen nur die Entscheidung zur Amputation. 

Um Symptome rechtzeitig zu diagnostizieren und die richtige Behandlung einzuleiten, empfiehlt die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) eine Beratung mit DFS-Experten – auch per Telemedizin. 

Durch diese Videosprechstunden können behandelnde Ärzte eine Zweitmeinung einholen und so möglicherweise den Verlust der Extremität oder des Fußes vermeiden. 

Medizin am Abend Berlin: Interdisziplinäres Beispiel einer Zweitmeinung  
 
Bei vielen Patientinnen und Patienten ist der Auslöser für ein DFS eine zunächst harmlose Fußverletzung. 

Da das Immunsystem bei Diabetespatienten bereits geschwächt ist, können sich kleine Verletzungen oder Druckstellen jedoch schnell zu großflächigen Wunden entwickeln, die das Gewebe zerstören. 

„Meist werden diese Verletzungen zu spät erkannt und unzureichend behandelt“, sagt DDG Vorstandsmitglied Professor Dr. med. Ralf Lobmann.

  • Bei schätzungsweise 40.000 Patienten mit Diabetes mellitus ist dann eine Amputation des Fußes oder sogar Unter- oder Oberschenkels unausweichlich. 

So koste das DFS das Gesundheitssystem jährlich rund 2,4 Milliarden Euro.

Ein Lösungsansatz zur Reduktion von großen Beinamputationen könne eine telemedizinische Vernetzung von Hausärzten mit den Experten der Arbeitsgruppe Diabetischer Fuß der DDG sein, schlägt Lobmann vor.

„Um langfristig die Prognose von Diabetespatienten mit diabetischen Fußläsionen zu verbessern, bedarf es einer interdisziplinären Zusammenarbeit mit Spezialisten“, erläutert der Leiter der AG Diabetischer Fuß der DDG. „Die Heilungschancen steigen, wenn zwischen dem Auftreten erster Symptome, der Vorstellung beim Arzt, der Diagnose und schließlich der Behandlung durch einen Spezialisten möglichst wenig Zeit vergeht.“

An dieser Stelle setzt ein neues Konzept der DDG an:

Die Arbeitsgemeinschaft Diabetischer Fuß und der Bund der Internisten (BDI) haben gemeinsam ein telemedizinisch basiertes Facharztkonsil für den diabetischen Fuß entwickelt.

Mithilfe dessen sollen Risikopatienten rechtzeitig identifiziert, der Heilungsverlauf verbessert und verkürzt und Amputationen vermieden werden. „Außerdem überbrückt die Telemedizin Überweisungszeiten oder räumliche Distanzen und bietet so die Möglichkeit, betroffene Patienten möglichst schnell in ein Behandlungsnetzwerk aufzunehmen“, erklärt Lobmann. Auf diesem Wege würde eine adäquate ambulante Therapie oder eine rasche stationäre Behandlung gesichert. Derzeit laufen Gespräche mit verschiedenen Kostenträgern an, damit dieses Konzept möglichst schnell in die Praxis überführt werden kann. „Wir hoffen, dass bald positive Entscheidungen getroffen werden, sodass DFS-Patienten schnellstmöglich davon profitieren“, ergänzt DDG Geschäftsführerin Barbara Bitzer.

Ein zweites Projekt zur telemedizinischen Zweitmeinung wird derzeit in Baden-Württemberg durchgeführt und durch das Landesministerium für Soziales und Integration unterstützt und gefördert.

„Über ein Evaluierungssystem lädt der behandelnde Arzt die Daten hoch und ein Experte bewertet diese innerhalb von 36 Stunden. Es sieht vor, dass zeitnah durch einen Experten die Notwendigkeit einer Amputation bestätigt oder eine Alternative aufgezeigt werden kann“, erklärt Lobmann. „Außerdem erhöht es die Entscheidungssicherheit des behandelnden Arztes sowie des Patienten und dessen Angehörigen“. Als Ärztlicher Direktor der Medizinischen Klinik 3, Klinik für Endokrinologie, Diabetologie und Geriatrie des Klinikums Stuttgart verantwortet Lobmann dieses Landes-Projekt mit.

Für DDG-Präsidentin Professor Dr. med. Monika Kellerer bietet die Telemedizin darüber hinaus ein großes Potential, um die Unterversorgung von Diabetespatienten im ländlichen Raum auszugleichen:

„Aktuell greift die Versorgung besonders gut in Ballungsräumen, wohingegen es auf dem Land nur wenige Diabetologinnen und Diabetologen gibt.  

Die Telemedizin könnte diese Distanz überbrücken und Versorgungsunterschiede ausgleichen.“

Durch die schnelle und einfache Möglichkeit, per Telemedizin eine zweite Meinung einzuholen, könnten die behandelnden Ärzte weitere Experten aus anderen Regionen zu Rate ziehen und Vermutungen bestätigen. „Auch die Kommunikation zwischen den Ärztinnen und Ärzten wird in diesem Prozess befördert und trägt zu einer anregenden Kultur des Austauschs bei“, befürwortet Kellerer.

Die DDG empfiehlt Menschen mit Diabetes, prinzipiell auf gutsitzendes Schuhwerk zu achten. 

„Bereits kleine Steine im Schuh können Druckstellen verursachen und unbemerkt die Haut schädigen“, betont DDG Mediensprecher Professor Dr. med Baptist Gallwitz.

„Und jetzt bei warmen Temperaturen sollten Menschen mit Diabetes nicht barfuß gehen und die Füße vor einem Sonnenbrand schützen.“ 

Auch eine medizinische Fußpflege, die Podologen anbieten, sei zur Vorbeugung eines DFS sinnvoll. Allgemein gilt für Diabetespatienten:

Wer eine Fußverletzung bemerkt, sollte möglichst rasch seinen behandelnden Arzt aufsuchen.

Literatur:
Deutscher Gesundheitsbericht Diabetes 2019:

https://www.deutsche-diabetes-gesellschaft.de/fileadmin/Redakteur/Stellungnahmen...

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Über die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG):
Die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) ist mit mehr als 9.000 Mitgliedern eine der großen medizinisch-wissenschaftlichen Fachgesellschaften in Deutschland. Sie unterstützt Wissenschaft und Forschung, engagiert sich in Fort- und Weiterbildung, zertifiziert Behandlungseinrichtungen und entwickelt Leitlinien. Ziel ist eine wirksamere Prävention und Behandlung der Volkskrankheit Diabetes, von der fast sieben Millionen Menschen in Deutschland betroffen sind. Zu diesem Zweck unternimmt sie auch umfangreiche gesundheitspolitische Aktivitäten.

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