Medizin am Abend Berlin MaAB Fazit: TASH erstmals erfolgreich in der Notfall-Rettung
Derzeit werden nach Forderungen des Deutschen Rats für
Wiederbelebung (German Resuscitation Council, GRC) Cardiac Arrest Center
(CAC) an deutschen Krankenhäusern etabliert.
Wie effektiv diese
Struktur ist, zeigt ein Fall aus dem Universitätsklinikum Regensburg
(UKR), bei dem innerhalb des CAC eine Patientin mit Takotsubo
Kardiomyopathie im Rahmen einer Rettungsmaßnahme erstmals erfolgreich
durch TASH behandelt werden konnte.
Das Team des Cardiac Arrest Center am UKR um Prof. Dr. Lars Maier (2.v.r.)
UKR / Martin Meyer
Medizin am Abend Berlin ZusatzFachHinweis: Fortbildungen
-
Alleine in Deutschland erleiden jedes Jahr mehr als 50.000 Menschen
einen reanimationspflichtigen, prähospitalen Herz-Kreislauf-Stillstand.
- Ob die Patienten überleben, ist maßgeblich von der medizinischen
Versorgung durch Ersthelfer, Rettungsdienst und die weiterbehandelnde
Klinik abhängig.
Seit Jahren fordern die internationalen
Reanimationsleitlinien deswegen die Implementierung von Cardiac Arrest
Centern, die geeignete Strukturen und Prozesse vorhalten, um eine
optimale Ergebnisqualität bei der klinischen Behandlung von Patienten
mit prähospitalem Herz-Kreislauf-Stillstand zu erzeugen.
Medizin am Abend Berlin ZusatzFachLink: Großgeräte in der Medizin
- CAC sollen die
Versorgung dieser Patienten am Übergang vom Rettungsdienst zur Klinik,
aber auch innerklinisch zwischen den einzelnen Fachdisziplinen
optimieren.
Dadurch sollen ihre Überlebenswahrscheinlichkeit und das
neurologische Outcome verbessert werden.
Am UKR haben sich die
Strukturen des Cardiac Arrest Center bereits bewährt.
So konnte in enger
interdisziplinärer Kooperation weltweit erstmals erfolgreich eine
Transkoronare Ablation der Septumhypertrophie (TASH) bei einer Patientin
in
kardiogenem Schockzustand an der extrakorporalen
Membran-Oxygenierung (ECMO) bei Takotsubo Kardiomyopathie und einer
bereits vorhandenen hypertrophen obstruktiven Kardiomyopathie (HOCM)
angewendet werden.
TASH bei schwerem kardiogenem Schock
Der beschriebene Fall, der auch kürzlich wissenschaftlich publiziert
wurde, behandelt eine 78-jährige Patientin. Diese wurde bereits aufgrund
einer bekannten HOCM in der Klinik und Poliklinik für Innere Medizin II
des UKR mittels einer TASH therapiert, die zunächst erfolgreich
verlaufen ist.
Sechs Monate später war jedoch ein symptomatischer
Gradient im linksventrikulären Ausflusstrakt (LVOT) erkennbar, was mit
der Gabe von Verapamil behandelt wurde.
Wiederum sechs Wochen danach geriet die Patientin in einen Sturm,
was
sie so sehr unter Stress setzte, dass sie mit Dyspnoe und typischer
Angina in ein Krankenhaus gebracht werden musste.
Es wurde eine
Takotsubo Kardiomyopathie diagnostiziert.
- Eine Echokardiographie ergab
zusätzlich eine schwere Mitralklappeninsuffizienz mit Einengung des
Ausflusstrakts (systolic anterior movement, SAM) sowie eine
LVOT-Blockade (120 mm Hg).
Aufgrund des
schweren körperlichen
Schockzustands mit einhergehendem Nieren- und Leberversagen wurde die
Patientin mit dem Hubschrauber auf schnellstem Weg in das UKR
transportiert. Dort wurde sie sofort an eine venös-arterielle ECMO
angeschlossen.
Die
ventrikuläre Funktion regenerierte sich langsam und auch die
Organfunktion besserte sich.
Dennoch scheiterten aufgrund eines nicht
ausreichenden kardialen Blutvolumens mehrere Versuche, die Patientin von
der ECMO zu entwöhnen. Nach 13 Tagen an der ECMO verkomplizierte sich
der Fall, da die Patientin diffuse,
auf die ECMO zurückzuführende
Einblutungen und einen sehr hohen Bedarf an Katecholaminen aufwies.
Eine
Myektomie konnte aufgrund des hohen Mortalitätsrisikos nicht
durchgeführt werden, weshalb sich die Experten vor Ort für eine TASH
entschieden. Der erste septale Ast wurde als Ziel ausgemacht und durch
Kontrastmittelgabe über den Ballonkatheter bestätigt, woraufhin 1,5 ml
von 96-prozentigem Alkohol injiziert wurde. Über eine
echokardiographische Messung konnte ein signifikant reduzierter
LVOT-Gradient (4-8 mm Hg) bestätigt werden. Einen Tag nach dem Eingriff
gelang auch die Entwöhnung von der ECMO.
Regelmäßige echokardiographische Messungen bestätigten die Effektivität
des Eingriffs und einen
finalen LVOT-Gradienten von 21 mm Hg mit einer
v
erbesserten linksventrikulären systolischen Funktion. Außerdem
reduzierte sich das
SAM-Phänomen zusehends und die
Mitralklappeninsuffizienz konnte als moderat eingestuft werden, so dass
die Patientin mit entsprechender Medikation
in eine
Rehabilitationseinrichtung entlassen werden konnte.
Acht Wochen später stellte sich die Patientin zur Kontrolle vor. Sie
zeigte eine
gute Lebensqualität ohne spürbare Einschränkungen. Eine
erneute Echokardiographie ergab eine
Auswurffraktion von 55 Prozent und
weiterhin eine moderate Mitralklappeninsuffizienz bei keinem
signifikanten LVOT-Gradienten.
„Die Krankengeschichte der Patientin ist ein beeindruckendes Beispiel
dafür, wie wir im Cardiac Arrest Center am UKR äußerst komplex erkrankte
Patienten mit einem lebensbedrohlichen Herz-Kreislauf-Versagen
erfolgreich behandeln können. Ihre Geschichte zeigt, dass Patienten bei
geeigneten personellen und technischen Gegebenheiten eine erhöhte
Überlebenswahrscheinlichkeit haben“, erklärt Professor Dr. Lars Maier,
Vorsitzender des Universitären Herzzentrums (UHR) am UKR und
Mitinitiator des Cardiac Arrest Center, den größten Vorteil des neuen
Zentrums
Zentrumsstrukturen für eine optimale Prozess- und Ergebnisqualität
Die
Prognose reanimierter Patienten ist vor allem davon abhängig, wie
schnell ihnen die richtige Versorgung zukommt. Bei der klinischen
Versorgung besteht die Herausforderung häufig darin, dass die Ursache
des Herz-Kreislauf-Stillstands nicht bekannt ist und Betroffene zudem
oft sehr instabil sind,
wodurch zusätzliche Komplikationen wie
Nierenversagen oder Beatmungsprobleme aufkommen können. Voraussetzung
für eine schnelle Behandlung unter umfassender Diagnosestellung ist
daher eine extrem hohe fachspezifische Kompetenz der einzelnen
beteiligten medizinischen Disziplinen, aber auch eine enge
interdisziplinäre Kooperation untereinander. Im Cardiac Arrest Center am
Universitätsklinikum Regensburg arbeiten unter anderem die Klinik und
Poliklinik für Innere Medizin II, die Klinik für Anästhesiologie, die
Interdisziplinäre Notaufnahme, die Klinik und Poliklinik für
Unfallchirurgie, die Klinik und Poliklinik für Neurologie sowie die
Klinik und Poliklinik für Herz-, Thorax- und herznahe Gefäßchirurgie für
eine bestmögliche Versorgung der Patienten zusammen.
„Neben der hohen fachlichen Expertise in der interdisziplinären
Zusammenarbeit sind auch andere strukturelle Gegebenheiten wichtige
Einflussfaktoren für die Behandlung von Patienten mit einem
außerklinischen Herz-Kreislauf-Stillstand. Oberstes Qualitätskriterium
ist dabei eine
leitliniengerechte, standardisierte
Postreanimationsbehandlung, die wir je nach Ursache des
Herz-Kreislauf-Stillstands individuell auf jeden einzelnen Patientenfall
anwenden“, wie PD Dr. Can Martin Sag, Koordinator des neu geschaffenen
Cardiac Arrest Centers am UKR, ergänzt. Sichergestellt wird diese durch
Standard Operating Procedures (SOP). Die Versorgungsabläufe der
reanimierten Patienten werden außerdem kontinuierlich dokumentiert und
zwecks interner Qualitätskontrolle ausgewertet. Aber auch für spätere
Erhebungen wird der Verlauf bis zu einem Jahr nach Behandlung im Cardiac
Arrest Center festgehalten. Weitere Ausstattungsmerkmale, die vom
Deutschen Rat für Wiederbelebung gefordert werden, sind unter anderem
die ständige Verfügbarkeit aller benötigten technischen Einrichtungen
wie Computertomographie, Herzkatheterlabor und Echokardiographie.
Diesen Kriterien folgend, implementiert die Deutsche Gesellschaft für
Kardiologie aktuell die Zertifizierung für Cardiac Arrest Center. Das
Cardiac Arrest Center des UKR erfüllt als eines der ersten Zentren in
Deutschland bereits jetzt alle für die Zertifizierung notwendigen
Strukturmerkmale und agiert auch bereits in der Zentrumsstruktur.
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Prof. Dr. Lars Maier
Cardiac Arrest Center
Universitätsklinikum Regensburg
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Fax: 0941 944 4488
E-Mail-Adresse:
katja.russwurm@ukr.de
Originalpublikation:
Circ Cardiovasc Interv. 2019:
Bail-Out Alcohol Septal Ablation for Hypertrophic Obstructive
Cardiomyopathy in a Patient With Takotsubo Cardiomyopathy-Induced
Cardiogenic Shock.
Sossalla S, Meindl C, Fischer M, Lubnow M, Müller T, Maier LS.
DOI: 10.1161/CIRCINTERVENTIONS.118.007425