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www.phea-studie.de Schlaflosigkeit, Schwindel, Reizbarkeit: Nocebo-Effekt (Lat. „Ich werde schaden“) und Placebo-Effekt (Lat. „Ich werde gefallen“)

Medizin am Abend Berlin - MaAB: Angst vor Rückfällen erschwert das Absetzen von Antidepressiva – Therapie durch positive Erwartung

Medikamente sind ein wichtiger Bestandteil der Behandlung von Depressionen. 

Acht bis zehn Prozent der Deutschen nehmen Antidepressiva [1]. 

Die meisten PatientInnen könnten diese nach etwa einem Jahr wieder absetzen. 

Viele haben jedoch Mühe, davon loszukommen. 

Mehr als jede dritte Person nimmt Antidepressiva länger ein als notwendig [2, 3]. 

Grund hierfür ist unter anderem eine negative Erwartungshaltung, der sogenannte Nocebo-Effekt.

„Viele PatientInnen sind beim Absetzversuch von rasch vorübergehenden Absetzeffekten wie Schlaflosigkeit, Schwindel oder Reizbarkeit betroffen und missverstehen diese als Rückfall.  

Die daraus entstehende Angst verstärkt die Beschwerden noch, weshalb die PatientInnen den Absetzversuch oftmals abbrechen, statt durchzuhalten“, erklärt Ulrike Bingel, Professorin für Klinische Neurowissenschaften an der Universitätsmedizin Essen und Sprecherin des Sonderforschungsbereichs (SFB) 289 „Treatment Expectation“ der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), der an der Medizinischen Fakultät der Universität Duisburg-Essen koordiniert wird. Darin untersucht ein interdisziplinäres Forschungsteam in 16 Teilprojekten, wie Erwartungen den Behandlungserfolg beeinflussen und wie sich dieser Effekt bei verschiedenen Erkrankungen therapeutisch nutzen lässt.

„Unsere Studienergebnisse weisen darauf hin, dass bessere Aufklärung und das gezielte Wecken positiver Erwartungen helfen können, den unheilvollen Kreislauf beim Absetzen von Antidepressiva zu durchbrechen“, sagt SFB-Projektleiterin Yvonne Nestoriuc, Professorin für Klinische Psychologie an der Helmut-Schmidt-Universität in Hamburg. Sie plädiert daher für unterstützende psychotherapeutische Elemente, die helfen, Erwartungen beim Antidepressiva-Absetzen zu optimieren und dem Nocebo-Effekt vorzubeugen. Der Nocebo-Effekt ist keine „Einbildung“, sondern in unterschiedlichen medizinischen Studien vielfach nachgewiesen [4–7]: Im Gegensatz zur positiven Wirkung beim Placebo-Effekt (Lat. „Ich werde gefallen“) sorgt beim Nocebo-Effekt (Lat. „Ich werde schaden“) allein die Erwartung negativer Folgen dafür, dass Prozesse im zentralen Nervensystem angestoßen werden, die zu körperlichen Veränderungen führen.

Hohe Belastung durch unnötige Einnahme von Antidepressiva
„Es ist ein Missstand, dass viele PatientInnen Antidepressiva viel zu lange einnehmen. 

Mit unserer Forschung wollen wir dazu beitragen, die Informations- und Versorgungslücke für PatientInnen mit Absetzwunsch zu schließen“, betont Prof. Nestoriuc. Unerwünschte Nebenwirkungen durch eine nicht mehr indizierte Einnahme seien nicht nur eine Belastung für die PatientInnen, sondern auch für das Gesundheitssystem, so die Psychologin. Bei Jahresgesamtkosten für Antidepressiva von 640 Millionen Euro könne man durch eine bessere Unterstützung der PatientInnen 190 bis 250 Millionen Euro jährlich sparen, so ihre Einschätzung [8]. Prof. Nestoriuc fordert daher erweiterte Behandlungsleitlinien, in denen festgelegt ist, dass verschreibende ÄrztInnen über die Absetzproblematik aufklären.

Leben ohne Antidepressiva – mit Begleitung den Tiefpunkt überwinden
Antidepressiva sind nur in seltenen Fällen als lebenslange Therapie sinnvoll, denn sie können zu Nebenwirkungen wie Gewichtszunahme, sexuellen Problemen und einem erhöhten Risiko für Herzrhythmusstörungen führen. 

Als medizinische Empfehlung gilt: 

  • Verbessern sich nach etwa vier Wochen, in denen Antidepressiva ihre volle Wirksamkeit entfalten, die depressiven Symptome, sollte das Medikament noch vier bis neun weitere Monate eingenommen werden, bei mehrfach depressiven Episoden weitere zwei Jahre. 

Herrscht dann immer noch weitgehende Symptomfreiheit, sollte ein Absetzversuch erfolgen. 

Dabei können vorübergehende Beschwerden wie Schwindel, Schlaflosigkeit, Schwäche, Reizbarkeit, Übelkeit, Schmerzen auftreten – sie gleichen den Symptomen einer Depression, was bei PatientInnen die Angst vor einem Rückfall auslösen und zu einem Abbruch des Absetzversuchs führen kann.

 „Um zwischen Rückfall und Absetzproblematik zu unterscheiden, ist eine intensive ärztliche Begleitung notwendig, die auch den Nocebo-Effekt berücksichtigt und die PatientInnen darüber aufklärt“, betont Prof. Nestoriuc.

Forschung zum Nocebo-Effekt unterstützen – Angebot für PatientInnen

  • PatientInnen aus dem Großraum Hamburg sowie Marburg, die ihr Antidepressivum mit ärztlicher und psychologischer Begleitung absetzen möchten, können an der aktuellen PHEA-Studie teilnehmen, die am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf und an der Philipps-Universität Marburg durchgeführt wird. Informationen unter www.phea-studie.de


Referenzen
[1] Grieß, A. (2015). Nutzung von Antidepressiva seit 2000 deutlich angestiegen. Statista Infografiken. Abgerufen am 2. Mai 2022, von https://de.statista.com/infografik/4021/verbrauchte-tagesdosis-antidepressiva-pr...
[2] Van Leeuwen, E., Driel, M. L., Horowitz, M. A., Kendrick, T., Donald, M., De Sutter, A. I., ... & Christiaens, T. (2021). Approaches for discontinuation versus continuation of long?term antidepressant use for depressive and anxiety disorders in adults. Cochrane Database of Systematic Reviews (4).
[3] Ambresin, G., Palmer, V., Densley, K., Dowrick, C., Gilchrist, G., & Gunn, J. M. (2015). What factors influence long-term antidepressant use in primary care? Findings from the Australian diamond cohort study. Journal of affective disorders, 176, 125-132.
[4] Jensen, K. B., Kaptchuk, T. J., Kirsch, I., Raicek, J., Lindstrom, K. M., Berna, C., ... & Kong, J. (2012). Nonconscious activation of placebo and nocebo pain responses. Proceedings of the National Academy of Sciences, 109(39), 15959-15964.
[5] Benedetti, F., Durando, J., & Vighetti, S. (2014). Nocebo and placebo modulation of hypobaric hypoxia headache involves the cyclooxygenase-prostaglandins pathway. PAIN®, 155(5), 921-928.
[6] Bingel, U., Wanigasekera, V., Wiech, K., Ni Mhuircheartaigh, R., Lee, M. C., Ploner, M., & Tracey, I. (2011). The effect of treatment expectation on drug efficacy: imaging the analgesic benefit of the opioid remifentanil. Science translational medicine, 3(70), 70ra14-70ra14.
[7]Pan, Y., Kinitz, T., Stapic, M., & Nestoriuc, Y. (2019). Minimizing drug adverse events by informing about the nocebo effect – an experimental study. Frontiers in Psychiatry, 10, 504.<
[8]Ludwig, W.-D., Mühlbauer, B., & Seifert, R. (Hrsg.): Arzneiverordnungs-Report 2021. Springer-Verlag, 2021. Arzneiverordnungs-Report 2021 | SpringerLink

Der Sonderforschungsbereich Treatment Expectation
Der überregionale, von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderte Sonderforschungsbereich (SFB/Transregio 289) „Treatment Expectation“ untersucht seit dem Jahr 2020 mit einem interdisziplinären Team den Einfluss der Erwartung von PatientInnen auf die Wirksamkeit medizinischer Behandlungen. Die Forschungsansätze gestalten sich multidimensional, vielschichtig und komplex, um valide Antworten auf die entscheidende Frage zu finden: Welche Effekte haben positive und negative Erwartungen von PatientInnen auf den Erfolg einer Behandlung und das Auftreten von Nebenwirkungen?

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Sonderforschungsbereich Treatment Expectation
Prof. Dr. Yvonne Nestoriuc
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Internationaler Kinder- und Jugendtag 2019: Körperliche Misshandlungen - sexuellem Missbrauch

Medizin am Abend Berlin MaAB - Fazit: Hilfe für Jugendliche nach der Erfahrung von Missbrauch

Für Jugendliche, die körperliche oder sexuelle Gewalt erlitten haben, gab es bisher nur wenige wissenschaftlich evaluierte Therapieansätze. 

Medizin am Abend Berlin ZusatzFachThema: Herz- und Kreislauf  

Psychologen der Goethe Universität haben diese Lücke geschlossen, indem sie eine speziell auf diese Altersgruppe zugeschnittene Psychotherapie entwickelten. 

Deren Wirksamkeit ist nun in einer bundesweiten Studie über vier Jahre nachgewiesen worden. 
 
Etwa vier bis 16 Prozent der Kinder erleben in westlichen Ländern körperliche Misshandlungen, bei sexuellem Missbrauch liegen diese Zahlen zwischen fünf und zehn Prozent.

  • Die Betroffenen leiden in der Folge nicht nur an Einschränkungen in vielen Lebensbereichen, sondern haben auch ein erhöhtes Risiko, an einer psychischen Störung zu erkranken, insbesondere an der Posttraumatischen Belastungsstörung. 

Diese ist mit belastenden Symptomen verbunden wie wiederkehrenden Erinnerungen, Ängsten, Schlafstörungen oder Reizbarkeit.

Häufig werden Dinge und Situationen vermieden, die an das traumatische Ereignis erinnern.

Eine frühe Behandlung kann jedoch helfen, Langzeitfolgen zu verhindern.

Das Team um Privatdozentin Dr. Regina Steil, Akademische Oberrätin am Institut für Psychologie der Goethe-Universität, hatte bereits 2014 eine entwicklungsangepasste kognitive Verhaltenstherapie entwickelt, die speziell auf die Situation und Bedürfnisse von Jugendlichen zwischen 14 und 21 Jahren zugeschnitten ist.

Sie umfasst 30 bis 36 Sitzungen innerhalb von vier bis fünf Monaten und unterteilt sich in vier Behandlungsphasen.

Nach einer Kennenlernphase mit dem Therapeuten lernen die Jugendlichen zunächst, mit ihren Gefühlen umzugehen und Strategien für den Umgang mit Stress anzuwenden.

Erst dann setzen sie sich mit ihren Gedanken und Gefühlen zum sexuellen Missbrauch und/oder die körperliche Misshandlung auseinander und gewinnen schrittweise wieder ein Gefühl von Kontrolle und Sicherheit.

Dass diese neue Form der Psychotherapie die psychische Belastung effektiv reduziert, ist jetzt im Rahmen einer vom Bundesforschungsministerium geförderten Studie gezeigt worden. Diese stand unter der Leitung von Prof. Rita Rosner, Lehrstuhl für Klinische und Biologische Psychologie der Katholischen Universität Eichstätt und umfasste Behandlungsstandorte in Berlin (Babette Renneberg), Frankfurt (Regina Steil) und Ingolstadt (Rita Rosner). Die ersten Ergebnisse wurden in „JAMA Psychiatry“, einer Zeitschrift der „American Medical Association“, veröffentlicht. Diese zählt weltweit zu den renommiertesten psychiatrischen Fachzeitschriften.

In der Studie erhielten die jungen Patientinnen und Patienten nach dem Zufall aufgeteilt entweder die neue Psychotherapie oder die in Deutschland derzeit übliche Versorgung.

Dieser Kontrollgruppe wurde aber nach Abschluss der Studie die Möglichkeit gegeben, ebenfalls mit der neuen Therapie behandelt zu werden.

Nach Ende der Therapie bzw. Wartezeit wurden die beiden Gruppen hinsichtlich ihrer psychischen Belastung verglichen.

Es zeigte sich, dass die Gruppe, die die neue Therapie bekam, deutlich weniger Symptome einer Posttraumatischen Belastungsstörung aufwies als die Kontrollgruppe.

Aber auch andere psychische Erkrankungen, wie depressive Symptome oder die Symptome einer Borderline-Persönlichkeitsstörung, gingen bei der behandelten Gruppe stärker zurück.

Auch drei Monate nach Therapieende konnten diese Unterschiede beobachtet werden.

„Die erfolgreiche Überprüfung der neuen Therapieform stellt einen wichtigen Schritt in der Verbesserung der Behandlungssituation von traumatisierten Jugendlichen dar“, fasst Dr. Regina Steil die Ergebnisse zusammen.

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Privatdozentin Dr. Regina Steil, Institut für Psychologie, Fachbereich5, Campus Bockenheim, Tel.: (069) 798-23379 , steil@psych.uni-frankfurt.de
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Originalpublikation:
Rosner R, Rimane E, Frick U, et al. Effect of developmentally adapted cognitive processing therapy for youth with symptoms of posttraumatic stress disorder after childhood sexual and physical abuse: a randomized clinical trial. JAMA Psychiatry. Published online April 10, 2019. doi:10.1001/jamapsychiatry.2018.4349

Windkrafträder: Stresssymptome, Stressbewältigung, Gesundheitsbilderfahrung

Medizin am Abend Berlin Fazit: Windräder: Wie sich der Stress für Anwohner reduzieren lässt

Egal ob beim Einschlafen, Entspannen oder bei Freizeitaktivitäten: 

Die Geräusche von Windrädern belästigen knapp ein Drittel der Anwohner eines Windparks gar nicht oder nur wenig. 

  • Jeder Zehnte erlebt dagegen Stresssymptome, wie Reizbarkeit oder Einschlafprobleme. 

Aber nicht nur der Lärm ist für die Betroffenen ein Problem, so Psychologen der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU) in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift "Energy Policy". 

  • Gerade auch eine kritische Haltung gegenüber des Windparks begünstigt das Stressempfinden.

Eine bessere Informationspolitik während der Planungsphase könnte der Studie zufolge dabei helfen, die Probleme der Anwohner zu mindern. 
 
Die Umweltpsychologen um Prof. Dr. Gundula Hübner und Dr. Johannes Pohl von der MLU untersuchten für ihre Studie einen Windpark in Norddeutschland in der Zeit von 2012 bis 2014.

Dazu führten sie Befragungen mit den Anwohnern durch und der Projektpartner UL DEWI (UL International GmbH) analysierte Tonaufnahmen der Windräder.

Sogar das Wetter floss in die Betrachtung der Psychologen mit ein. 
  • So konnten die Forscher zum Beispiel herausfinden, dass die Geräusche der Windräder bei einer hohen Luftfeuchtigkeit und bei Frost stärker wahrgenommen wurden.
Ein weiteres Ergebnis:  

Bei knapp 10 Prozent der Befragten, die sich nach eigenen Angaben von den Windrädern belästigt fühlten, traten mindestens einmal pro Monat Stresssymptome auf. 

"Dazu gehören beispielweise Probleme beim Einschlafen, ein allgemein unruhiger Schlaf, negative Stimmung und eine stärkere Reizbarkeit", erklärt Pohl. 
Zum Vergleich: Beim Verkehrslärm gaben 16 Prozent der Befragten an, mindestens einmal pro Monat an einem solchen Stresssymptom zu leiden.

Als die Psychologen zwei Jahre später die Anwohner erneut befragten, war der Anteil an Personen, die unter mindestens einem konkreten Symptom litten, auf 6,8 Prozent gesunken. "Viele Anwohner gewöhnen sich an die Geräusche des Windparks oder sie finden sich damit ab.

Gut ein Viertel der Betroffenen schließen nachts ihre Fenster, um nicht mehr von den Geräuschen gestört zu werden", sagt Pohl.

Auffällig sei jedoch, dass gerade die Menschen weiterhin die größten Probleme mit den Windrädern hätten, die der Anlage ohnehin sehr kritisch gegenüber eingestellt sind. 

  • Diese Gruppe habe auch wenig Interesse daran gezeigt, Methoden zur Stressbewältigung zu lernen, so der Forscher. 

Das zeige, wie schwer es ist, bereits etablierte Einstellungen wieder zu verändern.

Die Umweltpsychologen der Uni Halle schlagen deshalb vor, die Probleme und Bedenken der Anwohner bereits in der Planungsphase offensiv anzugehen. 

 "Wie die Anwohner die Planungs- und Bauphase erleben, ist ein entscheidender Indikator dafür, wie stark oder schwach sie am Ende von den Windanlagen beeinträchtigt werden", fasst Pohl zusammen. Deshalb sei es wichtig, die Phase als möglichst positive Erfahrung zu gestalten.

Das könne zum Beispiel über frühzeitige Informationskampagnen und Bürgerversammlungen geschehen. Außerdem sollten die Anwohner nach Möglichkeit in die Planung einbezogen werden.

Außerdem hatten einige der Anwohner Aufnahmen lästiger Geräusche bei Nacht angefertigt, die von den DEWI-Forschern analysiert wurden.

"Durch den Wind und die Bewegung der Rotorblätter kann eine Amplitudenmodulation entstehen, also ein unregelmäßiges Pulsieren der Lautstärke. 

Diese Unregelmäßigkeit ist es, die einige Anwohner stört und die sie als unregelmäßiges Wummern oder Rauschen wahrnehmen", sagt Dr. Johannes Pohl vom Institut für Psychologie der MLU.

  • Ein leises, gleichmäßiges Hintergrundrauschen lasse sich dagegen besser ignorieren, so der Forscher. 
  • Die meisten Beschwerden traten während der Nacht- und der frühen Morgenstunden auf, wenn es wenig andere Geräusche gibt. 

Die Nähe der eigenen Wohnung zum Windpark hat der Studie zufolge dagegen keinen nennenswerten Einfluss auf die Belästigung der Anwohner.

Ihre Studienergebnisse bringen die Psychologen aus Halle unter anderem in das vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie geförderte Projekt "TremAc" ein:

Dort arbeiten zehn universitäre und kommerzielle Forschungseinrichtungen an einem neuen Konzept zur Vorhersage von Schall und Erschütterungen durch Windkraftanlagen. 

Mit diesem Modell soll das Zusammenspiel der beiden Faktoren besser verstanden und vorhergesagt werden können, um unter anderem die Geräusche von Windenergieanlagen auch für Betroffene angenehmer zu gestalten.

Hierzu finden auch akustische und seismische Messungen sowie umweltpsychologische und -medizinische Befragungen an zwei Windparks statt.

Publikation:
Johannes Pohl, Joachim Gabriel, Gundula Hübner, Understanding stress effects of wind turbine noise - The integrated approach, In Energy Policy, Volume 112, 2018, Pages 119-128, ISSN 0301-4215, DOI: 10.1016/j.enpol.2017.10.007

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Tom Leonhardt Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

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Schlafapnoe - Atemaussetzer - Interdisziplinäres Schlaflabor

Medizin am Abend Berlin Fazit:  Nervenstimulation bei Apnoe: Elektrische Impulse gegen nächtliche Atemaussetzer

Mit ihrer langjährigen, umfangreichen Expertise ist die Klinik für Neurochirurgie des Universitätsklinikums Carl Gustav Carus Dresden erster Ansprechpartner in Sachsen, wenn es um die operative Behandlung von Nervenerkrankungen geht. 

Nun bietet die Klinik gemeinsam mit dem Interdisziplinären Schlaflabor des Uniklinikums sowie dem Fachkrankenhaus Coswig auch Patienten mit schweren nächtlichen Atemstillständen, der sogenannten Schlafapnoe, Linderung an. 

Als eines der ersten Zentren in Ostdeutschland implantieren die Experten der Dresdner Hochschulmedizin ein atmungsgesteuertes Stimulationssystem, das Atemaussetzer im Schlaf mit elektrischen Impulsen verhindert. 

Oberarzt PD Dr. Sobottka (links) und Dr. von der Klinik für Neurochirurgie mit dem Generator des atmungsgesteuerten Stimulationssystems, der in den Brustbereich des Patienten implantiert wird. Oberarzt PD Dr. Sobottka (links) und Dr. von der Klinik für Neurochirurgie mit dem Generator des atmungsgesteuerten Stimulationssystems, der in den Brustbereich des Patienten implantiert wird.
Foto: Uniklinikum Dresden / Felix Koopmann
 
  • Fünf Prozent der Deutschen leiden unter der sogenannten Schlafapnoe. 

„Dabei verschließt die im Schlaf erschlaffende Zunge die Atemwege.

Unsere Patienten werden dadurch mehrmals pro Nacht wach“, erklärt Dr. Amir Zolal von der Klinik für Neurochirurgie den Leidensdruck der Patienten.

Erholsames Schlafen wird damit unmöglich. „Bis der Patient aufgrund des erhöhten Kohlendioxidspiegels im Blut teilweise aufwacht, atmet er oft 30 bis 60 Sekunden nicht“, beschreibt der Mediziner die Gefahr, die von der unter anderem durch Übergewicht begünstigten Schlafapnoe ausgeht.

  • Es erhöht sich bei allen Betroffenen das Risiko für Folgekrankheiten wie Herzinfarkte, Schlaganfälle oder Bluthochdruck. Hinzu kommen durch den Schlafmangel ausgelöste Symptome wie Antriebslosigkeit oder Reizbarkeit. 

„Es gibt eine Vielzahl konventioneller Therapien“, weiß Oberarzt PD Dr. Stephan Sobottka, der die ersten Implantationen des neuen Stimulationssystems am Uniklinikum leitet.

Viele der Betroffenen erhalten zunächst eine Maske, die die Atemwege durch einen konstanten Luftdruck freihalten soll. Doch in einigen Fällen verrutscht diese häufig im Schlaf und hat damit vor allem einen störenden und keinen regenerierenden Effekt. 

  • Diesen Patienten bietet das atmungsgesteuerte Stimulationssystem jetzt eine wirkliche Alternative“, erklärt der versierte Operateur.

Das atmungsgesteuerte Stimulationssystem

Nach den nötigen Voruntersuchungen im Interdisziplinären Schlaflabor des Uniklinikums oder im Fachkrankenhaus Coswig erfolgt die Operation der Patienten am Dresdner Universitätsklinikum.

Um das Stimulationssystem im Körper zu platzieren, legen die Neurochirurgen während der Operation den zwölften Hirnnerven, den Nervus hypoglossus, am Unterkiefer des Patienten frei. Noch während der Operation überprüfen die Mediziner, welcher der Nervenäste für das Vorstrecken der Zunge verantwortlich ist und legen eine Elektrode um den Nerv. Die dazugehörige Stromquelle in Form eines handtellergroßen Generators wird im Brustbereich implantiert. 

Ein Sensor misst die Atembewegungen an der Lunge. Die rund dreieinhalb Stunden dauernde Operation wird dabei minimalinvasiv vorgenommen, sodass die Patienten nur kurz brauchen, um sich von der Operation zu erholen. Mit der Implantation des Stimulationssystems gehören die Dresdner Neurochirurgen zu den Vorreitern: Weltweit wurden erst 1.000 der Geräte implantiert. Vier Wochen nach der Operation nehmen die Neurochirurgen das Gerät dann erstmals in Betrieb.

  • Im Alltag schaltet der Patient die Stromquelle mithilfe einer separaten Fernbedienung beim zu Bett gehen ein und gibt die ungefähre Einschlafdauer an. Dann beginnt das Stimulationssystem mit seiner Arbeit. Zur Sicherheit schaltet sich das Gerät nach einer Betriebsdauer von acht Stunden eigenständig ab. So wird auch der implantierte Generator geschont. Nach etwa acht Jahren wird dieser gegen ein neues Gerät ausgetauscht.

Die Klinik für Neurochirurgie

Als deutschlandweit eine der leistungsstärksten Kliniken, operierten die Neurochirurgen des Dresdner Uniklinikums allein 2015 insgesamt 2.057 Patienten aller Altersgruppen und nahmen rund 2.300 Operationen vor, die größtenteils komplizierte chirurgische Eingriffe darstellten. Neben der Chirurgie von gut- und bösartigen Hirntumoren sind dies Tumore im Bereich der Augen sowie der Hirnanhangdrüse. Weitere Spezialgebiete der Klinik sind die Epilepsiechirurgie und die Tiefenhirnstimulation von Patienten, die unter der Parkinson´schen Krankheit leiden. Einen großen Erfahrungsschatz weißt man auch im Bereich der Nervenstimulation auf, die beispielsweise in der Therapie von Schlaganfallpatienten mit motorischen Störungen angewendet wird. Neben der universitären Expertise und den überdurchschnittlichen Qualitätsstandards begründen die hohen Patientenzahlen den großen Erfahrungsschatz der Klinik – alles Parameter für eine erfolgreiche Behandlung auch kompliziertester Erkrankungen. Damit ist die Klinik für Neurochirurgie weit über den ostsächsischen Raum hinaus erste Anlaufstelle für schwere Erkrankungen und Verletzungen des Gehirns und des Nervensystems. Seit der Neugründung des Dresdner Universitätsklinikums 1993 wird die Klinik für Neurochirurgie von Prof. Gabriele Schackert geleitet, die im Jahr 2015/2016 als erste Frau die Präsidentschaft der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie übernahm.

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Universitätsklinikum Carl Gustav Carus
Klinik und Poliklinik für Neurochirurgie
Direktorin: Prof. Dr. med. Gabriele Schackert
Dr. med. Amir Zolal
Tel.: 0351 458 18534
E-Mail: Amir.Zolal@uniklinikum-dresden.de
Internet: www.uniklinikum-dresden.de/nch
Holger Ostermeyer Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden
 

Internationaler Frauentag 2016: Befund Brustkrebs - posttraumatische Belastungssymptom

Medizin am Abend Berlin Fazit:  Brustkrebs - Traumatische Diagnose

Der Befund Brustkrebs führt bei den meisten Patientinnen zu posttraumatischen Belastungssymptomen. Bei mehr als der Hälfte der Betroffenen halten diese mindestens ein Jahr an. 
 
Die Diagnose Brustkrebs kann posttraumatische Belastungssymptome auslösen. 

Wie die Studie Cognicares um Dr. Kerstin Hermelink vom Brustzentrum der Frauenklinik der LMU nun zeigt, sind diese bei der Mehrheit der Frauen noch ein Jahr nach der Diagnose messbar. Über ihre Ergebnisse berichten die Forscher aktuell in der Fachzeitschrift Psycho-Oncology.

Im Rahmen der von der Deutschen Krebshilfe geförderten Studie Cognicares hat das Team um Kerstin Hermelink und ihre Doktorandin Varinka Voigt mehr als 160 Brustkrebspatientinnen über einen Zeitraum von einem Jahr wissenschaftlich begleitet und mit 60 Frauen ohne eine Krebsdiagnose verglichen. Zu drei Zeitpunkten wurden alle Teilnehmerinnen auf Symptome posttraumatischer Belastung untersucht.

  • 82,5 Prozent aller Patientinnen zeigten vor Beginn der Behandlung posttraumatische Belastungssymptome wie zum Beispiel ständige, unabweisbare Gedanken an die Erkrankung, das Gefühl emotionaler Taubheit, große Reizbarkeit mit Wutausbrüchen und übermäßige Schreckhaftigkeit. 

Ein Jahr später hatten zwar nur wenige Patientinnen (zwei Prozent) eine voll ausgeprägte Posttraumatische Belastungsstörung entwickelt, aber mehr als die Hälfte (57,3 Prozent) litt noch immer unter posttraumatischen Symptomen.

„Es ist bemerkenswert, dass die hohe seelische Belastung durch die Erkrankung über einen so langen Zeitraum bestehen bleibt“, sagt Kerstin Hermelink.

Wie schwer die Diagnose Krebs wiegt, zeigt auch ein Vergleich mit anderen Auslösern von Traumata: 

Von den Patientinnen, die bereits vor ihrer Erkrankung und Diagnose ein anderes Trauma erlebt hatten, die etwa Opfer eines schweren Unfalls oder eines gewalttätigen Angriffs geworden waren, hielten 40 Prozent die Diagnose Brustkrebs für die schlimmere Erfahrung.

„Cognicares ist eine der ganz wenigen Längsschnittstudien, die es zu traumatischen Störungen nach der Diagnose Brustkrebs gibt“, sagt Kerstin Hermelink. Die Daten basieren nicht auf Selbstauskunft, sondern wurden mithilfe eines diagnostischen Interviews von Psychologen erhoben. Untersucht wurden nur Patientinnen ohne Metastasen, die also berechtige Hoffnung auf eine Heilung haben konnten.

Zudem wurden Frauen mit psychischen Vorerkrankungen und fehlenden Deutschkenntnissen ausgeschlossen. „Wir gehen daher davon aus, dass unsere Daten die Verbreitung posttraumatischer Belastungssymptome bei Brustkrebspatientinnen und gesunden Frauen eher unterschätzen“, sagt Hermelink

Manche leiden länger

Die Forscher haben in ihren Daten nach Einflussfaktoren gesucht, warum nicht alle Patientinnen posttraumatische Belastungssymptome entwickelten und warum die Belastung bei einigen länger anhielt.

  • „Einen Einfluss der Art der Operation oder einer Behandlung mit Chemotherapie konnten wir nicht nachweisen.  
Dagegen zeigte sich deutlich ein günstiger Effekt von Bildung. Offenbar ist Bildung ein Marker für Ressourcen, die es erlauben, sich schneller von der psychischen Belastung durch eine Krebsdiagnose wieder zu erholen“, sagt Kerstin Hermelink.
  • Die Studienergebnisse sind auch vor dem Hintergrund interessant, dass das Klassifikationssystem DSM, das in der Psychiatrie als Leitfaden für Diagnosen verwendet wird, seit dem Jahr 2013 lebensbedrohliche Erkrankungen nicht mehr als potenzielle Auslöser für Traumata aufführt.

 „Vor dem Hintergrund unserer Studienergebnisse und meiner Erfahrungen aus der Arbeit mit Brustkrebspatientinnen als Psychoonkologin halte ich das für falsch“, sagt Hermelink.

  •  „Ärzte sollten sich bewusst sein, dass nach einer Brustkrebs-Diagnose ein Großteil der Patientinnen posttraumatische Belastungssymptome entwickelt und eine entsprechende Unterstützung benötigt.“

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Dr. Kerstin Hermelink
Klinikum der LMU
Tel.: 89 4400 - 77595
E-Mail: kerstin.hermelink@med.uni-muenchen.de
Luise Dirscherl Ludwig-Maximilians-Universität München


Publikation:
Varinka Voigt u.a.:
„Clinically assessed posttraumatic stress in patients with breast cancer during the first year after diagnosis in the prospective, longitudinal, controlled COGNICARES study“
In: Psycho-Oncology 22.2.2016

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